Freitag, Oktober 31, 2008

Flucht

B"H

Es war einmal wieder soweit. Nach Monaten des intensives Umgangs mit der jüdischen Religion sowie den lieben relig. Mitmenschen musste ich einmal wieder die Flucht antreten. Nicht vor G - tt, sondern vor den Mitmenschen. So manches Geplänkel und halachisches Hin und Her geht mir nach einiger Zeit so richtig auf den Geist. Am Schabbat geiferte mich eine Neurelig. an, dass ich ja jetzt beten müsse. Ich hingegen wollte erst einmal einige Minuten sitzen. "Nein, jetzt, jetzt, jetzt", kam es zurück. In solchen Momenten denkt man dann: "Leute, Ihr könnt mich alle mal …".

Aber nicht nur dass, überhaupt wird alles mit der Zeit zu intensiv; zumindest für mich und da trifft es sich gut, dass ich offziell in Tel Aviv wohne, wo ich auch wohnen bleiben werde. Obwohl ich viel Zeit in Jerusalem verbringe, aber mein Zuhause ist ebenso mein Zufluchtsort. Aus der Flucht aber fahre ich heute noch vor dem Schabbat zurück nach Jerusalem, weil ich eingeladen bin und schon zugesagt habe. Die wenigen Stunden bis dahin werde ich noch geniessen und wünsche daher allen schon einmal "Schabbat Schalom".

Donnerstag, Oktober 30, 2008

"Die Generation des Enosch - Dor Enosch"

ka

B"H

130 Jahre nach der Erschaffung Adams wurde Seth (Schet) geboren und er stellte somit die zweite Generation dar. Im Alter von 105 gebar er seinen Sohn Enosch. Gemäß des Kabbalisten Rabbi Yitzchak Luria, war Enosch eine Reinkarnation des Abel (Hevel). Allerdings von der negativen Seite Hevels. Nichtsdestotrotz waren Enosch und sein Vater Schet nach dem Ebenbilde Adam HaRishons erschaffen und sahen nicht aus wie halbe Tiere wie zuvor Kain und Abel (Hevel).

In den Lebensjahren des Enosch unterlief die damalige Bevölkerung einem großen Irrtum und selbst Enosch bildete da keine Ausnahme. Man sagte nämlich, dass G - tt die Planeten und Sternensysteme zu dem Zweck erschaffen habe, die Erde zu regieren. Daher waren die damaligen Leute der Meinung, es gehe vollkommen in Ordnung, die Planeten anzubeten. Ja, G - tt beabsichtige dieses sogar. Und so begann man, den Planeten Opferungen zu erbringen.
Der Rambam (Maimonides) beschreibt in seiner "Mischna Thora" die Vergehen der "Generation des Enosch". Diese Taten waren mit der erste Götzendienst auf dieser Welt. Zumindest aber rebellierten die Menschen nicht gegen G - tt, sondern dienten ihm zusätzlich genauso wie den anderen Göttern ( siehe den Ramban (Nachmanides) und Raschi). Anderes gibt da die Midrasch der Parashat "Lech Lecha" von sich: Die Leute hätten sehr wohl gegen ihren Schöpfer rebelliert und aus Strafe veranlaßte G - tt, dass die Ozeane 1/3 der Landesanteile verschluckte und so zu Wasser machte (siehe hierzu auch Rabbeinu Bachya).

In der Zeit Enoschs war es besonders populär, der Sonne zu huldigen. Einst im Gan Eden (Paradies) hatte Adam die Sprache der Bäume erlernt, doch benutzte er diese erlangten Fähigkeiten nicht. Enosch jedoch tat das Gegenteil und benutzte die Sprache der Bäume für Negatives und nach ihm folgte die "Generation des Noach - Dor HaMabul" (siehe den kabbalistischen ZOHAR - Bereshit). Die beiden Talmudtraktate Sukkah 28a sowie Bava Batra 134a definieren die "Sprache der Bäume": Keinesfalls handele es sich um miteinander kommunizierende Bäume, sondern vielmehr darum, was man über sie sagt. Zum Beispiel setzte König Salomon (Shlomo HaMelech) auf die natürliche Heilung, und diese Art der Heliung stellt die "Sprache der Bäume" dar.

Schet und Enosch waren gemäß des Ebenbild des Adam (Zelem E - lo - him) erschaffen, was sich im Laufe der Zeit änderte. Aus Strafe für ihre Vergehen gegen G - tt gab dieser ihnen Gesichter, welche denen eines Affen ähnelten. Heutzutage kennen wir diese als die Neandertaler. Menschen mit affenähnlichen Gesichten sind kein Beweis für die Darwinsche Theorie, sondern eher ein Anzeichen für eine G - ttesstrafe.

Afrika und Europa waren einstmals ein Kontinent, doch auch hier sorgte G - tt für eine Strafe als er wiederum die Ozeane Land verschlucken ließ (Talmud Schekalim 17a). Der g ttliche Plan war, dass die Menschen nach all den Vorgängen zur Einsicht kommen und zu G - tt zurückkehren (Ramban); doch nichts dergleichen geschah. Einige Kommentatoren sind der Meinung, dass Enosch erst dann mit seinem Götzendienst begann als Adam verstarb. Bialiks Aggadah nannte noch weitere g - ttliche Strafen für den Götzendienst:

1. Die Erde war schwer zu bearbeiten, da sich überall Steine befanden.

2. Die "Nefilim" fielen zu der Zeit vom Himmel und liefen bis zur Flut auf der Erde herum (siehe "Pirkei Eliezer", Kapital 7). (Zu den "Nefilin" werde ich irgendwann gesondert eingehen; ob sie wirklich verstossene Engel sind oder nicht.

3. Die Nachkommen von Schet liessen sich mit denen des Kain ein. Auf diese Weise wurden "Anakim - Riesen" geboren (siehe "Sefer Seder HaDorot"). Aber auch das Konzept der "Anakim" benötigt nähere weitere Erklärungen.

Im Laufe der Geschichte kam es allmählich zur Flutkatastrophe, und all das, weil die Menschen nicht willig waren, zu G - tt umzukehren (Teshuva zu machen).


Links:

Adam HaRishon - Der erste Mensch, Teil 1

Adam HaRishon - Der erste Mensch, Teil 2

Mittwoch, Oktober 29, 2008

Parashat Noach


Laut der Thora war die Arche kein munteres Schiffchen, sondern eine ein Gebilde, welches einer rechteckigen Box glich.


B"H

Die Thoralesung für diesen Shabbat

An diesem Schabbat lesen wir weltweit in den Synagogen die Thoraparashat Noach (Noah) aus dem 1. Buch Genesis. Und wie in jedem Jahr gehen die Meinungen über die Person Noach weit auseinander. Viele sehen ihn als einen "Zaddik", guten gerechten Menschen, andere, und nicht wenige, betrachten ihn als das genaue Gegenteil. Dabei heißt es doch im Buch Genesis 6:9 selbst, daß Noach ein Zaddik (ein Gerechter) war.

Vielleicht sollten wir Noach und seine Zeitgenossen erst einmal kennen lernen und uns dann selbst ein Urteil bilden.

Noach wurde im Jahre 1056 des jüdischen Kalenders geboren. Sein Großvater Metusalem (Metushelach) war als frommer Gerechter bekannt. Er folgte G - tt und nahm nicht an dem lasterhaften Leben seiner Zeitgenossen teil. Noachs Vater Lamech war da schon nachlässiger, doch Noach folgte den Pfaden seines Großvaters. Wie schon die Generationen zuvor betrieben Noachs Zeitgenossen Götzendienst und beteten zur Sonne und den Sternen. G - tt war für sie überflüssig geworden.

Das Leben vor der Flut hatte viele Vorteile:
Krankheiten waren unbekannt, es gab keine Jahreszeiten und demzufolge war das Wetter immer gleich warm, die Menschen hatten aufgrund eines anderen DNA und einer anderen Luft eine verhältnismässig hohe Lebenserwartung. Eine einzige Ernte reichte für 40 Jahre, wobei diese nicht verrottete.

Ihr gutes Leben sahen die Leute als selbstverständlich an. Wer braucht G - tt, wenn alles vorhanden ist ? So wurde gestohlen, gemordet, betrogen und vergewaltigt. Selbst die Tiere sahen die sexuellen Perversitäten der Generation und nahmen daran teil. Die Gemara im Talmud - Traktat Sanhedrin 108, verfügt über eine ganze Liste des sündhaften Lebens der Generation der Flut (Dor HaMabul).

Noach beteiligte sich nicht an diesen Aktivitäten. Er heiratet Na'ama und gemeinsam hatten sie drei Söhne: Schem, Cham und Yafed. Im Alter von 480 Jahren begann er die Arche zu bauen, wie G - tt es ihm aufgetragen hatte.

Und nun kommen wir zu dem Punkt, an dem die Meinungen weit auseinandergehen.

Hat Noach die Menschen davor gewarnt, dass G - tt sie mit Hilfe einer Flut vernichten will ? Die Gemara in Sanhedrin sagt, dass Noach die Menschen warnte, doch diese ihn nur auslachten. Er wurde als alter verwirrter Trottel beschimpft. Wahrscheinlich gab er aufgrunddessen nach einiger Zeit auf und kümmerte sich lieber nur noch um den Bau der Arche. Der Bau dauerte 120 Jahre in all jener Zeit hatten die Menschen Gelegenheit, ihr Schicksal zu verändern. Hätten sie zu G - tt gebetet und ihr Lotterleben aufgegeben, dann wäre es nie zu einer Flut gekommen. Aber wie das so ist im Leben, wenn es einem gutgeht, dann denkt man nicht an ein Ende. Erst als die Flut begann, welche aus kalten und kochend heissem Wasser zugleich bestand, änderten sie ihre Meinung und sahen, daß es nur einen G-tt gibt. Zu spät. Im Jahre 1656 des jüd. Kalenders oder 2104 BCE wurde alles Leben außerhalb der Arche vernichtet. Von den Tieren (außerhalb der Arche) überlebten nur die Fische, welche sich nie am perversen Leben beteiligt hatten. Sämtliche Nachfahren Kains kamen bei der Flut ums Leben. Kain wird in kabbalistischer Literatur als die Verkörperung des Bösen.

Sollen wir Noach nun danach beurteilen, ob er die Menschen hätte mehr warnen sollen oder nicht ? Hätte er vor G - tt für die Generation beten sollen, wie dieses später Avraham (im Falle Sodoms) oder Moshe (im Falle des Goldenen Kalbes) taten ?
Für mich ist Noach ein Zaddik (Gerechter), denn er und seine Familie waren die einzigen, die sich nicht an den Taten einer gesamten Generation beteilgten. Wer seine Meinung vor Tausenden von Menschen vertritt und dabei verspottet wird, dem gehört Anerkennung. Somit wird Noach zurecht von G - tt als Zaddik (Gerechter) bezeichnet.

Und was können wir von Noach lernen ?
Auch zur heutigen Zeit sollten wir uns nicht zu sicher fühlen, dass G - tt uns nicht sieht. Im Gegenteil, alles wird registriert. Demnach sollten wir nach einem besseren perfekterem Leben streben.

Nachtrag:

1. Es gibt im Talmud unterschiedliche Meinungen ob die Flut auf der gesamten Welt, nur in Israel oder überall nur nicht in Israel stattfand.

2. Die Parashat Noach besteht aus zwei Teilen: Noach und am Ende wird kurz ueber die Begebenheit des Turmes von Bavel berichtet.

Die Kabbalah betrachtet die folgende Generation, die "Dor Haflagah – Generation of Dispersion" mit Nimrod als Oberhaupt als Reinkarnation der Generation Noachs. Abermals wurde den Seelen (Neshamot) Gelegenheit gegeben, ihre vorherigen Vergehen zu bereinigen, was, wie wir heute alle wissen, wieder nicht gelang. Nach der Flut zogen die Söhne Noachs, Yafed und Cham, aus in die Welt. Cham zog es nach Afrika und Yafed zog es Richtung Europa. Aus diesem Grund betrachtet das Judentum die heutigen Europäer als Nachfahren Yafeds. Mit Schem und dessen Nachkommen Avraham haben sie keinerlei Verbindung.

340 Jahre nach der Flut begannen die Menschen auf Befehl Nimrods einen Turm zu bauen. Die Gemara im Talmud Sanhedrin 109a nennt drei Gruppen von Leuten, die aus unterschiedlichen Motiven am Bau des Turmes teilnahmen und im Nachhinein je ihrer Absich nach unterschiedliche Strafen erhielten.

Nach der Flut erholten sich die Menschen für sehr lange Zeit nicht von dem Schock und selbst 340 Jahre spatter hatten sie eine panische Angst davor, daß sie das gleiche Schicksal ereilen könnte. Aus dem Fehlverhalten der Generation der Flut hatten sie absolute nichts gelernt und sie fuhren fort mit dem Lotterleben. Auch dem Götzendienst hatten sie nicht abgeschworen und außerdem kommunizierten sie sie, wie die Generationen zvor ihnen, mit Dämonen und Engeln.

Um einem weiteren G – ttesurteil zu entfliehen, bauten sie den Turm, der sie gleichzeitig vor einer neuen Flut schützen sollte. Auf dem Turm installieren sie eine Statue mit einem Schwert in der Hand, welche G – tt andeuteten sollte, dass sie den Turm bis in den Himmel bauen werden, um Ihn zu bekämpfen.

Die gesamte Generation Nimrods bediente sich der "Praktischen Kabbalah" und verwendete G – ttes Namen im negativen Sinne. Kabbalistische Literatur beschreibt sehr eindeutig, was genau sich im inneren des Turmes abspielte (siehe das Buch "Brit Menuchah"). Die Strafe ließ nicht lange auf sich warten und das Ergebnis ist uns bekannt. Was jedoch war das Vergehen, was G – tt zu einer Bestrafung veranlaßte ? Nur einen Turm zu bauen, um sich vor einer Flut zu schützen ist noch lange kein schwerwiegendes Vergehen. Viele Kommentatoren sind der Meinung, daß Nimrod und seine Untertanen nicht unbedingt für das bestraft wurden, was sie taten, sondern für etwas, was daraus hätte folgen können.

Für uns mag die Idee eines Turmbaus heute lächerlich erscheinen, aber vielleicht sollten wir nicht vergessen, daß die damaligen Menschen sich auf einem wesentlich höhren geistigen Niveau befanden als wir dies jemals sein werden. Und wir sollten nicht dem Fehlschluß unterliegen, daß wir heutzutage soviel besser sind. Auch wir bauen aus Arroganz unsere eigenen Türme, die da Besitz und Macht heißen und durch die wir G – tt nur allzu schnell und gerne vergessen. Von Nimrod & Co. sollten wir lernen, daß unser selbst erbautes Kartenhaus jederzeit sehr elicht wieder zusammenfallen kann.

Schabbat Schalom

Rosh Chodesh "Mar Cheshvan" - Beginn des jüdischen Monat "Mar Cheshvan"



B"H

Gestern abend (Dienstag) begann der neue jüdische Monat "Mar Cheshvan" und heute sowie morgen feiern wir "Rosh Chodesh". Nach dem ereignisreichen Monat Tishrei folgt nun ein Monat, der keinerlei Feiertage enthält - der "Mar Cheshvan".
Der offizielle Monatsname ist "Cheshvan", doch wird der Monat besonders in religiösen Kreisen als Mar (bitter) Cheshvan bezeichnet, eben weil er keinen einzigen Feiertag besitzt. Es wird nicht gefeiert und aufgrunddessen sind wir außerstande, besondere Feiertagsmitzwot (Gesetze) einzuhalten. Daher der Beiname "bitter". Nichtsdestotrotz steht auch der Monatsbeginn des Mar Cheshvan für einen neuen Anfang im Leben.

Der jüdische Monat Cheshvan ist der Monat der "Flut Noachs - der Mabul" und gleich in dieser Woche, nach dem Monatsbeginn am Mittwoch und Donnerstag, lesen wir am Schabbat die Parashat Noach (Noah). Die Flut begann am 17. Cheshvan und endete ein Jahr später am 27. Cheshvan. Einen Tag später, am 28. Cheshvan, brachte Noach sein Opfer und G - tt versprach ihm, in Zukunft nie wieder eine Flut zur Zerstörung der Menschheit über die ganze Welt zu bringen (im Talmud sind sich die Rabbiner uneinig darüber, ob die ganze Welt überflutet war oder nur ein kleiner Teil Asiens).

Wie jeder andere jüdische Monat auch, hat der Cheshvan seine eigene Bedeutung und laut der Kabbalah ist die Farbe des Cheshvan violett, das Sternzeichen ist der Skorpion, der israelitische Stamm ist Menasche, der menschliche Sinn ist der Geruch, das Organ sind die Verdauungsorgane und der Buchstabe des Monats ist das NUN.

Da Cheshvan mit keinerlei Feiertagen aufwarten kann, heißt es, dass dieser Monat für den Meschiach "reserviert" ist, denn der wird im Monat Cheshvan den 3. Tempel errichten.

Was aber deutet im Cheshvan auf den Meschiach hin ?
Einer der wesentlichen Erkennungsmerkmale des Meschiach ist der Geruchssinn. Es heißt, dass der Meschiach "riecht und richtet". Unter anderem bedeutet dies, dass der Meschiach anhand einer Art besonderer Prophezeihung (des Geruchs) genau feststellen kann, wer Jude ist und wer nicht. Es kann durchaus sein, dass viele Juden oder Nichtjuden danach recht überrascht sein dürften. Insbesondere jene, die sich bisher für absolute Nichtjuden hielten und über unbekannte Vorfahren verfügen. Als Beispiel sei hier nur die "Spanische Inquisition" oder die Zeit des Holocaustes genannt. Verzweifelte jüd. Eltern brachten ihre Kleinkinder in katholischen Schulen unter und hinterher weigerte sich die kath. Kirche, die wahre Identität solcher Kinder preiszugeben.

Schon ein berühmter jüd. König scheiterte am "Geruchssinn" als er den Rabbinern stolz mitteilte, dass er der erwartete Meschiach sei. Hierbei handelte es sich um Bar Kochba, der mit bürgerlichem Namen Bar Koziva hieß (siehe Talmud Traktat Sanhedrin 93b). Er war unfähig nachzuweisen, dass er der "wahre Meschiach" ist und wurde daraufhin zum Tode verurteilt. Laut der Mischna im Talmud Traktat Sanhedrin 89a wird jeder, der behauptet der Meschiach zu sein und sich hinterher als "falscher Prophet - Navi Scheker" entpuppt, zum Tode verurteilt.

Man könnte demnach meinen, dass Bar Koziva (Bar Kochba) hingerichtet wurde, aber dennoch behaupten die Midrash Eichah und der Talmud Yerushalmi (Jerusalemer Talmud) 4:5 im Traktat Taanit, dass die Römer Bar Koziva hinrichteten. Laut Kommentatoren wurde er nicht direkt von den Rabbis hingerichtet, sondern vielmehr entfernten sich seine Anhänger von ihm und machten Bar Koziva so anfälliger, von den Römern gefaßt zu werden.

Ich wünsche allen einen guten Monat Cheshvan und manchmal ist es gar nicht so schlecht, eine kleine Feiertagspause einlegen zu können.

Chodesh Tov - Einen guten Monat

Dienstag, Oktober 28, 2008

Die ungarischen Juden und der "Kastner Zug"



B"H

Obwohl in Deutschland geboren, fühlte ich mich nie besonders zum Schicksal der deutschen Juden während des Holocaustes hingezogen. In der Schule sowohl als auch privat lernte ich unendlich viel über den Holocaust. All das jedoch geriet in den Hintergrund bzw. verschwand fast ganz aus meinem Leben, da ich mit dem Lernen auf verschiedenen Yeshivot (relig. Schulen) begann. Das Thema "Holocaust" hatte sich sozusagen abgenutzt und stattdessen lernte ich die jüdische Religion.

Aber selbst in der Religion stößt man unweigerlich auf den Holocaust, denn nicht selten kommen Fragen auf wie "Wo war G - tt?" , "Warum hat er sein Volk umkommen lassen und nichts getan ?"
Wer sich ausgiebig mit der jüdischen Religion auseinandersetzt, der hört ganz unterschiedliche Meinungen hierzu. Die Kabbalah hält zusätzlich sämtliche Seelenerklärungen bereit und der Chassidismus legt ganz besonderen Wert auf das "Meschiach - Konzept".
Leitet ein kollektives jüdisches Leiden die Ankunft des Meschiach ein, wobei das Leiden selber als Tikun (Reparatur) der eigenen Seele dient ?

Die Konzepte sind vielfältig und kompliziert, aber zurück zum Ausgangspunkt.

Da ich mich seit Jahren mit dem Chassidismus eingehend auseinandersetzte (meine Blogs sind voll von chassidischen Themen), bin ich seit jeher an dem Schicksal der Juden in Osteuropa interessiert. Wie reagierte die Chassidut auf den Holocaust und wie sieht sie ihn heute ? Hunderttausende Chassidim kamen um, was heute leider nur allzu selten Erwähnung findet. Deutsche setzten sich vorwiegend mit dem Schicksal des eigenen Judentums auseinander und vergessen dabei häufig die chassidische Bevölkerung Osteuropas oder Osteuropa als Ganzes.

Eine Auseinandersetzung mit der chassidischen Geschichte bedeutet unweigerlich auch eine Auseinandersetzung mit dem Holocaust, und aufgrund vieler Blogartikel bekam ich vor allem aus den USA viele Hinweise, doch einmal genauer über Rudolf Kastner sowie seinen Zug zu berichten. All die Zeit zuvor hatte ich mich weder mit Kastner noch dessen Prozeß in Israel auseinandergesetzt. Klar, kennen wir alle Oskar Schindler oder Raoul Wallenberg, aber was ist mit Kastner oder einer Hannah Senes ? Wer befasst sich mit diesen Leuten, wenn er nicht gerade ein professioneller Historiker ist ?

In Israel ist Rudolf Kasztner (Kastner) nach wie vor ein Begriff und seinem negativen oder positiven Mythos wurde nie ein Ende gesetzt. In Israel wegen Nazikollaboration verurteilt und im Jahre 1957 aus einem angeblichen Racheakt heraus erschossen, ist es nie gelungen, den "Fall Kastner" tatsächlich zu klären. Kastner, selbst ungarischer Jude, der einen "Pakt mit dem Teufel Eichmann" einging, um ca. 1700 ungarische Juden in die Schweiz zu befördern. Die Juden auf dem Kastner Zug wurden gerettet, doch warum wurden all die anderen (ca. 450.000 ungarischen Juden) nicht oder kaum gewarnt ? Wieso zahlten Reiche Geld und Diamanten, um ihre Freiheit zu erkaufen und der Rest wurde in die Gaskammern von Auschwitz deportiert ?

War Kastner ein Held wie Schindler oder ging es ihm einzig und allein um Geld und Macht ?
Welche Rolle spielte das Judentum selber und ist nicht stetig die Rede von den religiösen Zionisten, die sich da selbst in Sicherheit brachten und die Chassidim zurückliessen ? Welche Rolle spielten die chassidischen Rebbes und was ist dran an den bis heute anhaltenden Behauptungen ?

Der "Fall Kastner" ist mehr als hintergründig, denn in Israel führte er während des besagten Prozesses auch zu einem Politikum. Das Jerusalemer Holocaust Museum "Yad VaShem" befasst sich bis heute noch mit Kastner, das Haifaer Folmfestival bietet demnächst einen Film über die Ermordung Kastners an etc. Und auch ich werde auch viele Quellen bezüglich des ungarischen, des chassidischen Judentums sowie auf Kastner eingehen. Noch sammele ich viele Informationen zusammen und erhielt dabei einige Mithilfe von Chassidim sowie einem Kommentator auf meinem engl. Blog SHEARIM.

Wer noch mehr Informationen beisteuern kann, ist dazu eingeladen. Vornehmlich über Kastner, das ungarische Judentum, religiöse Zionisten sowie unter anderem über die Rabbiner Chaim Michael Dov Weissmandl oder Rabbi Yissachar Teichtal.

Eines jedoch sollte ganz klar herausgestellt werden:

Weder Rudolf Kastner noch das Judentum trifft die Schuld am Holocaust. Es darf niemals übersehen werden, dass einzig und allein Deutschland (inclusive seiner hilfreichen Verbündeten und das angeschlossene Österreich) für die Ausrottung von sechs Millionen Juden verantwortlich ist. Wie die Berichte auch immer ausfallen mögen, einen Freispruch für Deutschland wird es niemals geben !


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Meine Berichte werde ich von meinem chassidischen Blog aus auf Hamantaschen verlinken. Ebenso wird alles in Englisch einzusehen sein.


Links:

"Rebbe Teitelbaum und der Kastner Transport"

"Rebbe Teitelbaum and the Kastner Transport"
In englischer Sprache, doch beachte man die interessanten Kommentare des Mikey, der sich da als Pro - Kastner erweist.

"Der Sinneswandel des Rabbi Yissachar Shlomo Teichtal"

Die kontroverse Unantastbarkeit

Die chassidische Reaktion auf den Holocaust

Das "Yad Vashem" in deutscher Sprache

Zur Hilfe von Spuren - Infosuche gründete ich auf FACEBOOK eine Gruppe: "Hungarian Jewry and the Kastner Train".


Und wer sich nicht gerade besonders für den Chassidismus interessiert, der kann immerhin so einiges über das einstige ungarische Judentum lernen.

Montag, Oktober 27, 2008

Wer findet Platz in der Olam HaBah (Kommenden Welt) ?

B"H

Als ich im Frühjahr 2001 Beschwerden gegen den damaligen "Rabbiner" der Israelischen Kultusgemeinde Fürth, Rabbi Netanel Wurmser, beim Jerusalemer Oberrabbinat sowie weiteren relig. Jerusalemer Institutionen einreichte, bekam ich einen Anruf des damaligen 1. Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Fürth. Der Vorsitzende, ein säkulerer Jude aus einer relig. Familie, zitierte mir telefonisch eine Quelle, und verdammte mich zugleich, keinen Platz in der "Olam HaBah - Kommenden Welt" zu bekommen. Nachdem ich besagtem Vorsitzenden keine besonderen talmudischen Fähigkeiten zutraue, nehme ich einmal an, dass das Zitat bzw. die Nutzung des Zitates vom Rabbiner kam.

Nachdem dies geschehen war, sprach ich mit unzähligen richtigen Rabbinern und nicht nur jenen, die meinen, ein Zertifikat in der Hand zu halten und sich nun Rabbiner nennen zu dürfen. Unter anderem befragte ich ebenso halachisch Experten (Poskim) genauso wie die israelische Antimissionsgruppe "Yad Le'Achim"; alle Rabbiner waren entsetzt darüber, dass jemand da eine halachische Rechtfertigung in den Raum stellt, wo eine ernsthafte Anklage gegen ihn laufe. Kein professioneller ernsthafter Rabbiner gebe jemals derlei Aussage von sich und was mir da am Telefon heruntergespult worden war, sei grundweg falsch und nicht ernst zu nehmen. So ernst nahm ich den "Fluch" eh nicht auf, sondern war vielmehr über die Chutzpah entsetzt.

Wie dem auch sei, manche Menschen meinen ihr Fehlverhalten durch die Halacha rechtfertigen zu können. Aus diesem und auch aus anderen Gründen möchte ich daher einmal jene Halacha schildern, die einen Eintritt in die Kommende Welt (Olam HaBah) erläutert. Auf den Ausdruck "Festlegt" verzichte ich lieber, denn das kann nur G - tt selber. Übrigens tat ich dies damals auch dem Vorsitzenden kund. Wir sind nicht G - tt und kein Mensch hat irgendein solches Recht.

Der Talmud Traktat Sanhedrin 90a genauso wie eine Mischna im Traktat Avot lehren:

"Jeder Jude hat einen Platz in Olam HaBah (in der Kommenden Welt)".

Hierzu sollte vielleicht zuerst definiert werden, was denn genau mit dem Konzept der "Olam HaBah" gemeint ist.
Der Talmud Sanhedrin macht zweierlei Angaben. Olam Habah, so wird die Zeit nach der Wiederauferstehung der Toten genannt (siehe "Tiferet Israel" § 3). Bis dahin jedoch bezieht sich das "Olam HaBah - Konzept" fast ausschließlich nur auf die Seelenwelt (spirituelle Welt) nach dem Tode eines jeden von uns. Was geschieht mit der Seele nach dem Tod ? Und hierauf bezog sich auf der Fluch, den ich erhielt.

Wohin und was genau mit den Seelen nach unserem Tode geschieht, darauf hat niemand eine definitive Antwort außer G - tt selbst. Vielleicht ist es so, wie im Film "Ghost" beschrieben, vielleicht jedoch auch ganz anders. Und was bedeutet es überhaupt, ALLE Juden finden einen Platz in der Olam HaBah ?

Zusätzlich erwähnt werden muß, dass im Judentum niemand von der Olam HaBah ausgeschlossen wird. Nicht nur Juden haben ein Eintrittsrecht, sondern ebenso Nichtjuden !!! Jeder Mensch kann also hineinkommen.

Worauf bezieht sich aber "Alle Juden" ?
Die hier genannte Mischna aus dem Sanhedrin 90a meint, dass selbst sündhafte Juden einen Platz in der Olam HaBah haben. Also doch jeder Einzelne von uns. Allerdings kommentieren, zum Beispiel, der Me'iri oder der Maharsha, dass die Plätze nicht alle den gleichen Level / Rang besitzen. Es kommt auf das Leben eines Juden an; war er religiös ? Richtete er sich nach der Thora ? War er säkuler und trat vor G - tt angenehm durch gewisse Taten in Erscheinung ? Nannte er sich nur relig. und tat das Gegenteil ? Und, und , und … die Liste kann unendlich lange fortgesetzt werden.

Grundsätzlich findet jeder Jude einen Platz, aber es kommt halt auf seinen Level an.

Wir alle erhalten jedoch die Olam HaBah nicht einfach so gratis, sondern sind dazu aufgefordert, einen persönlichen Beitrag zu leisten; etwas zu tun. In der jüdischen Religion erfolgt nichts ohne eigene Taten und wir sitzen nicht nur da und glauben fleißig. Taten sind gefordert und hierbei stehen selbstverständlich die Thoramitzwot sowie das Beten an erster Stelle. Aber nicht nur das: G - tt ist ein guter zwischenmenschlicher Umgang genauso wichtig ("Bejn Adam Le'Chavero"). Es kann nicht sein, dass ich mich zwar unentwegt zum Beten aufstelle, meine Mitmenschen hingegen behandele wie ein Despot.

Nichtsdestotrotz sollte ein Mensch vor seinem Tode Teshuva (Umkehr zu G - tt) machen. Und nicht nur gerade so weil er eben halt stirbt, sondern richtige Teshuva muß immer eine wahre Umkehr mit sich bringen. Weiterhin beschreibt der Rambam (Maimonides) in seiner "Mishna Thora - Hilchot Teshuva 3:6 ff.), das es extreme Fälle gibt, in denen eine Teshuva einfach nicht mehr stattfinden kann, da die Sünden zu schlimm waren. Ein Verzeihen seitens G - tt findet demnach nicht mehr statt (siehe z.B. Hitler, etc.).

Dennoch sollte ein Mensch immer auf eine Teshuva hinarbeiten und, außer Hitler & Konsorten, die Teshuva niemals als zu spät oder unmöglich betrachten.

Die Plumpheiten christlicher Missionare

B"H

Wer zu den Schabbatessen bei Rabbi Mordechai Machlis und seiner Family geht, der wird feststellen, dass bei jedem dieser Essen auch die jeweiligen Teilnehmer zu Reden eingeladen werden. Zuerst gibt der Rabbi ein paar Teachings und danach darf jeder, der meint, etwas zu sagen zu haben, auch einmal ran. Allerdings darf derjenige nicht alles herunterrasseln, wonach ihn gerade die Laune verleitet. Rabbi Machlis listet vorher stets drei feste Verhaltensregeln auf:

1. Die Rede sollte nicht länger als drei Minuten dauern !"
2. Keine politischen Themen am Schabbat !"
3. In den Reden soll niemand beleidigt werden noch sollen diverse Ideologien aus anderen Religionen verbreitet werden. Oder in anderen Worten: Keine Judenmission !"

Am vergangenen Freitag abend (Erev Schabbat) setzte sich eine Christin aus den USA, die sich selbst "Israel" nannte, an einen der gedeckten Machlis Tische. Uns war bewußt, dass es sich um eine Christin handelte, denn erstens schaute sie sehr offensichtlich so aus und wer es dennoch nicht wahrhaben wollte: Sie platzierte ihr mitgebrachtes "Neues Testament" gleich neben ihren Teller.

Zu Beginn verhielt sich sich unauffällig und sehr ruhig, doch sah ich, dass sie nur auf ihren Moment wartete. Als Rabbi Machlis die Gäste aufforderte, doch auch einmal etwas zu sagen (jüdische Religion, Thoraparasha oder Persönliches, etc.) stand besagte Dame auf und zitierte zwei Sätze. Einen aus der Thora sowie einen weiteren vom Propheten Jesaja (Yeshayahu).
Offensichtlich war sie der Meinung, dass sobald sie diese zwei, völlig aus dem Zusammenhang gerissenen Sätze herunterspulte, ihr alle Juden um dankbar um den Hals fallen und Mr. J. als ihren Meschiach anerkennen. Nun, dies war nicht der Fall und stattdessen wurde die Dame von Rabbi Machlis über die wahre Bedeutung der beiden Sätze informiert. Die Dame nahm das schweigend zur Kenntnis und sagte daraufhin nichts mehr. Außerdem war sie von Rabbi Machlis zu einem klärenden Gespräch nach dem Schabbatessen eingeladen worden, zu dem sie erst gar nicht mehr erschien.

Meine Anklagen richten sich gegen all jene in Jerusalem herumlaufenden christlichen Missionare, welche sich bei jüdischen Ereignissen im wahrsten Sinne des Wortes kostenlos vollfressen und sich hinterher nicht schämen aufzustehen, um ihren Missionsmüll abzuladen. Was glauben solche Leute, wer sie sind ? Da stellen sie sich unbedarft hin und meinen doch tatsächlich jüdische Gelehrte, welche mit dem Thora - und anderweitigem halachischen Wissen aufwuchsen, mit dämlicher Plumpheit bekehren zu können.

Steckt da etwa irgendeine Logik dahinter ? Schämen sich die Missionare nicht vor sich selbst ?
Mir selber würde es niemals in den Sinn kommen, in eine Kirche zu rennen, mich da vollzufressen und hinterher Leute zum Judentum bekehren zu wollen.

Christliche Missionare aber lassen zumindest in Jerusalem kaum eine Gelegenheit aus, sich auf Kosten der Juden (insbesondere bei der Orthodoxie) so richtig vollzufressen !

EGGED und die Reklame

B"H

Das staatliche israelische Busunternehmen EGGED hat sich entschlossen, aus "Anstandsgründen" keine Frauenbilder mehr in Werbespots bzw. auf Posters an / in den Bussen zu kleben. Wenn schon Reklame, dann nur noch mit Photos von Männern.

Hierauf reagiert das Busunternehmen auf den nicht selten entstehenden extremen haredischen Vandalismus in den Bussen. Da werden Reklameposter abgerissen und ganze Busse beschädigt.
Anzumerken bleibt, das diese Art des Vandalismus längst nicht von einer haredischen Mehrheit ausgeht, sondern es sich dabei nur um eine handvoll Chaoten handelt, die da von sich reden machen wollen.

Gibt EGGED mit dieser Entscheidung zu sehr nach ?

Sonntag, Oktober 26, 2008

Jüdisch genug ?

B"H

Das israelische Innenministerium und seine interne willkürliche Gesetzgebung macht es Konvertiten zum Judentum immer schwerer, überhaupt noch in Israel zu konvertieren. Hierbei muß jetzt schon jeder potentielle Konversionskandidat eine schriftliche Erlaubnis eines regierungsgebundenen Kommittee vorweisen, um in einem Konversionskurs lernen zu dürfen. Nach Kursende bedarf er einer erneuten Erlaubnis des Kommittees, ein Beit Din, (rabbinisches Beit Din) aufsuchen zu können und am Ende entscheidet das Kommittee auch noch über seine Aliyah nach Israel.

Aber nicht nur den Konvertiten in Israel geht es immer mehr an den Kragen; wer heutzutage als Konvertit aus dem Ausland Aliyah machen will, der erlebt genauso sein blaues Wunder. Wer noch vor wenigen Jahren ohne jegliche Schwierigkeiten hätte nach Israel einwandern dürfen, dem passiert es jetzt nicht selten, dass er, trotz orthodoxer Konversion, für das säkulere Kommittee gar nicht jüdisch genug ist, für das Rabbanut (Oberrabbinat) aber schon. Die Folge ist bisher, dass besonders Konvertiten mit orthodoxem Werdegang die Aliyah besonders gerne verweigert wird. Typisch für die Regierung Olmert, welche da alles Religiöse samt Anhängern loswerden bzw. gar nicht erst ins Land lassen will.

Eine ausführlichen Bericht dazu hat der Direktor von ITIM, Seth Farber, in der "Jerusalem Post" vom 22. Oktober 2008 verfasst.

Samstag, Oktober 25, 2008

Chassidische Kleidung

B"H

Ein Leser bat mich, etwas mehr auf die chassidische Kleidung einzugehen und wer mehr darüber erfahren will, der kann dies hier

http://chassidicstories.blogspot.com/2008/10/einiges-zur-geschichte-der.html

tun.

Allerdings sind dies längst nicht alle Angaben und es werden noch viel mehr Details folgen.



Satmarer Chassidim und ihre Kleidung
(Mitte: Der ehemalige Satmarer Rebbe Moshe Teitelbaum)

Freitag, Oktober 24, 2008

Das Wespennest

B"H

Schon lange wunderte es mich, dass sich anscheinend niemand mit dem Thema befasste. Und lange schon plante ich einen Artikel zum Thema. Nun ist er da und mit meiner englischen Version scheine ich in ein tiefes Wespennest gestochen zu haben.

Hier die deutsche Version:

Money makes the Breslov World go round

Geld geht bei einigen tatsächlich über alles !

Aus weiblicher Sicht: Sukkot in Mea Shearim

B"H

Einiges habe ich schon von den Vorgängen im ultra - orthodoxen Mea Shearim an den letzten Sukkotfeiertagen berichtet. Zusätzlich gibt es jedoch noch mehrere Infos, die ich an dieser Stelle einmal ansammeln will. Darüber hinaus habe ich einige delikate Einzelheiten von den Chassidim selber erhalten und das israelische Online - Magazin YNET hatte auch schon seine Berichterstattungsfühler ausgestreckt. Hier jedoch erst einmal ein persönlicher Erfahrungsbericht einer "weiblichen" Person, nämlich von mir. Weiblich betone ich deswegen, weil es gerade zu Sukkot in Mea Shearim so manche unfreiwillige Geschlechtereinschränkung gab.

Ich bin es gewohnt, anderen hingegen kommt es total fundamentalistisch bzw. sogar absurd vor. Da werden einige Straßen in ultra - orthodoxen Stadtteilen einfach nach Männlein und Weiblein getrennt. Die Mea Shearim Hauptstraße, die Gegend um die Synagoge der extremen chassidischen Gruppe Toldot Aharon, aber auch die nähere Umgebung der Beit Midrasch der Satmarer Chassidim mit einem der zwei Satmarer Rebben, Rabbi Zalman Leib Teitelbaum, dessen Beit Midrasch in Yoel Street steht (gegenüber Karlin - Stolin).

Wer seinen Weg zu den chassidischen Tischen bei dem Rebben der Toldot Aharon, ganz unten in der Mea Shearim Street, begann, den traf folgendes Bild: Die zwei Fraueneingänge der Synagoge waren unterteilt in einen Eingang und in einen Ausgang. Heißt, im hinteren Teil des Gebäudes ging man hinein, im vorderen Teil kam man wieder heraus. Schon auf der Eingangstreppe kam es zum Stau. Unzählige Besucher verlangten nach Einlaß; Toldot Aharon Frauen, litvisch - haredische Frauen, Nationalrelig. oder chassidische Frauen anderer Gruppen. Alles rannte im wahrsten Sinne des Wortes den Toldot Aharon die Bude ein. Aus dem Gebäude selber klang lebhafte chassidische Musik, welche von der hauseigenen Band gespielt wurde. Wer die Musik draußen hörte, der wollte nur noch hinein, um sich das Spektakel der tanzenden Männer im Erdgeschoß anzuschauen.

Oben angekommen, kam es zu weiteren Staus im endlos langen Korridor der Synagoge. Zwei junge Mädels eines privaten Wachunternehmens, gekleidet in knallgelben Westen, sorgten für Ordnung und wer in die zwei großen Räume der Frauenempore trat, der sah nur ein Bild: Frauenbeine auf den riesigen Metallgestellen. Alles queschte sich dort zusammen und jeder zog sich irgendwie an den Metallstäben hoch, um ins Erdgeschoß blicken zu können. Ein Rockkonzert ist dagegen gar nichts und das letzte Mal sah ich diese Euphorie beim Tisch des Satmarer Rebben Aharon Teitelbaum in Jerusalem (im Aug. 2007). Manchmal hatte man das Gefühl, dass die Gestelle jetzt bald zusammenkrachen. Stattdessen aber hingen sich immer mehr Frauen daran; manchmal sogar erfolgreich. Ein einziges Mal sah ich etwas ohne irgendwo zu hängen, und bei den zwei weiteren Malen kam ich hinein und ging durch die andere Tür gleich wieder hinaus. Null Chancen auf Sicht.

Ging man rechts in die Mea Shearim Street, so hielten sich die Frauen auf der linken Seite. Auf der Straße gingen die Männer und auf dem linken schmalen Gehsteig befanden sich die Frauen. Alles viel zu eng und richtig heikel wurde es immer dann, wenn eine Frau mit Kinderwagen kam. Nicht zu erwähnen die doppelte Kinderkarre für Zwillinge. Das wars dann und der Stau war perfekt. YNET schrieb, dass jeden Sukkotabend 15.000 Besucher nach Mea Shearim strömten und zu den chassidischen Tischen drangen.

Gleich vorne an der Breslover Synagoge ging nichts mehr. Die Frauen liefen hinter einer weißen Plastikplane entlang, damit auch bloß kein Mann sie sehen konnte. Dann aber tauchte das Problem der Straßenüberquerung auf. Was, wenn ich oder ein Mann die Straße in die entgegengesetzte Richtung überqueren wollte ? Was dann ?
Um in die Querstraße an der Breslover Synagoge und in den Mea Shearim Markt zu gelangen, gingen die Männer über eine eigens aufgestellte Holzbrücke. Die Frauen gingen unten durch. Wie jedoch sollte Frau in die Straße zum Markt gelangen ? Davor standen Absperrgitter mit privaten Wächtern und wer auf alles keine Lust verspürte, dem blieb nichts anderes übrig als die Mea Shearim Street bis zum hinteren Teil des Markteinganges zu entlangzulaufen und so in den Markt zu gelangen. Am Ende nämlich war alles offen und nicht mehr nach Geschlechtern getrennt. Eine chaotische Situation, denn einerseits waren alle getrennt und woanders trafen die Geschlechter wieder aufeinander. Wozu also das Chaos und die Brücke ?

Und hier beginnen die Spekulationen, Fakten oder was auch immer sich jemand vorstellt. Inoffiziell war zu hören, dass die Toldot Aharon (ggf. zusammen mit den extremen Mishkenot HaRoim) die Geschlechtertrennung organisierten. Dafür spricht, dass ich einzelne Toldot Aharon Chassidim sah, wie sie den privaten Anstandswachleuten halfen und sogar den Autoverkehr regelten.

Inoffiziell ist zu hören, dass das gesamte Chaos nur dazu dienen sollte, den Besuchern den Zugang zum Mea Shearim Markt so schwer wie möglich zu machen. Warum ? Weil sich dort die große Konkurrenz, die Abspaltung der Toldot Aharon, die Toldot Avraham Yitzchak, befinden. Der Rebbe der Avraham Yitzchak, Rabbi Shmuel Yaakov Kahn, ist der ältere Bruder des derzeitigen Toldot Aharon Rebben David Kahn. Die Beziehung der beiden Brüder zueinander sowie der Mitglieder ist schwer zu beschreiben. Einerseits macht man öffentlich auf Freundschaft, andererseits hingegen gibt es nicht selten Dispute. Und so auch wieder einmal an diesem Sukkot.

Ein Chassid ließ mir von einem anderen Chassid ausrichten, dass der aktuelle Kampf der beiden Gruppen aufgrund des Essens entstand. Der Toldot Aharon Rebbe wollte an die Besucher nur reguläre Kost ausgeben und keine Fleischsuppe (Cholent). Der Avraham Yitzchak Rebbe jedoch plante das Gegenteil. Was ist richtig und wer hetzt gegen wen ?

Außerdem krachte es einmal wieder erneut im Gebälk zwischen der Neturei Karta und den Toldot Aharon. Den Grund habe ich noch nicht ganz herausfinden können, doch brodelt es zwischen den beiden Gruppierungen schon lange. Weiterhin wurden die Toldot Aharon beschuldigt, einige Yeshivastudenten verprügelt zu haben.

Die säkulere Presse und anderweitige Außenstehende betrachten solcherlei Vorfälle jedesmal als gefundenes Fressen. Den betroffenen Chassidim hingegen ist das egal, denn hier geht es um die eigene Machtstellung und die Machtposition des Rebben. Allerdings bleibt immer die Frage, inwieweit die jeweiligen Rebben was veranlassen und ob die Chassidim nicht vieles selbst unternehmen. Wer kann das noch im Eifer des Gefechtes überschauen ? Und wer hetzt da wen gegen wen ?

Was mich immer interessiert ist, wie sich die Frauen dabei fühlen. Da kommt man in eine Straße, in welcher fast in der Mitte ein Metallgitter bezogen mit einer weißen Plastikplane prangt. Solche Bilder kennen wir bestenfalls aus dem Iran oder aus Afghanistan, aber aus dem modernen Israel ?

Zu Anfang nervte mich der Einfallsreichtum total. Wer denkt sich bloß solche idiotischen Sachen aus ? Wer kann sich überhaupt soetwas ausdenken ?

Irgendwann gewöhnte ich mich an die Absperrungen. Auch, weil ich dort nicht wohne und das nicht unentwegt an den Sukkotfeiertagen mitmachen mußte. Außerdem findet diese extreme Art der Geschlechtertrennung nur einmal im Jahr, nämlich an Sukkot, statt. Ich traf auf Frauen, die das Ganze für absurd hielten und ebenso vernahm ich Stimmen, die das alles begrüßten. Endlich einmal ist Frau unter sich und setzt sich keinen ständigen Männerblicken aus. Beides hat so seine Vort - u. Nachteile. Ehepaare zeigten sich manchmal recht genervt, wenn sie getrennt wurden und sehr viele männliche Chassidim betrachteten die Geschlechtertrennung ebenso als viel zu weit hergeholt. Aber was will man machen, wenn Toldot Aharon dasteht und alles regelt. Wem es nicht passt, der braucht ja nicht zu kommen. Und wer kommt, der hat sich gefälligst an die Spielregeln zu halten.

Chaotisch wurde es für mich als ich die Hauptstraße überqueren wollte, um in die Synagoge der Mishkenot HaRoim zu gelangen. Vor der Synagoge hatten nur Männer Zutritt, aber im Fraueneingang befanden sich Frauen. Wie waren die nur dahin gekommen ? Ich sprach mit einem der privaten Wachposten und der ließ mich schnell passieren. Ich rannte über die Straße, inmitten der Männer hindurch, und kam in die Synagoge. Eine Frau zog gerade ihren Kinderwagen die Treppe hinauf und grinste mich an, dass ich es doch tatsächlich geschafft hatte.

Geschlechtertrennung hin oder her - ich habe mich längst an vieles gewöhnt oder besser gewöhnen müssen. Als Frau kann ich mich nicht so bewegen wie ein Mann. Beim chassidischen Tisch stehe ich auf der Hinterbank im Obergeschoß und sehe den Rebben und die Chassidim bestenfalls durch eine Glasscheibe. Frauen spielen nur die zweite Geige und bekommen bei einem Mea Shearim Tisch nichts vom Essen des Rebben ab. Wer Glück hat, der bekommt Kuchen bei Kretchnif in der Yoel Street, aber sonst läuft gar nichts. Bei den Toldot Aharon werden die Frauen sogar gebeten, den Tisch mindestens 15 Minuten (besser 30 Minuten) vor dem offiziellen Ende zu verlassen und heimzugehen. Rebbe David Kahn erließ diese Anordnung, denn es soll verhindert werden, dass sich bei einem gemeinsamen Strömen aus der Synagoge die Geschlechter unnötig in den umliegenden Straßen tummeln.

Für jemanden, der noch nie mit diversen chassidischen Strömungen zu tun hatte, mag dies frauenfeindlich erscheinen. Wer oft mit den Chassidim zu tun hat, wundert sich über fast gar nichts mehr und gewöhnt sich daran. Wer meint, er müsse rebellieren, wird auf taube Ohren stoßen, denn nichts wird die haredische Gesellschaft ändern. Und falls doch, erfolgen die Innovationen Schritt für Schritt und sehr langsam; und nicht, weil ich jetzt etwas unternehmen will.

Auch zum nächsten Tisch werde ich mich wieder anständig anziehen und mich ebenso anständig benehmen. Alles ist Gewöhnungssache und nicht jede chassidische Familie benimmt sich daheim so extrem. In den eigenen vier Wänden wird das Leben zur Privatsache und nichts geht den Nachbarn mehr etwas an !

Donnerstag, Oktober 23, 2008

Gastbeiträge

B"H

Demnächst wird ein New Yorker über seine Erlebnisse bei den dortigen chassidischen Tischen berichten. Yisroel ist selber Chazan und ich werde seine Berichte auf meinem englischen Blog SHEARIM auch ins Deutsche auf HAMANTASCHEN bzw. JERUSALEM BACKYARD übersetzen.

Ich finde es stets wichtig, unterschiedliche Perspektiven zu hören und derzeit bemühe ich mich noch um einige weitere New Yorker Artikelschreiber. Hoffentlich verhelfen auch deren Beiträge zu einem besseren Verständnis des Judentums.

Ist Schweigen immer Gold ?

B"H

Es gibt Dinge, die regen mich furchtbar auf. Besonders in dem Moment, wenn es um die religiöse Welt geht. Beispiel: Wenn einige Leute meinen so ungemein heilig, religiös, fromm, selbstgerecht oder was auch immer zu sein. So sehr, dass die jüdischen Mitmenschen nicht mehr mitkommen und sich als "minderwertig" zu erweisen scheinen.

Ich nehme mich als Beispiel, die da überwiegend in Hosen herumläuft und mit teilweise "rebellischem" Verhalten daherkommt. Ich verbringe nicht fast meine ganze Zeit mit Tehillim (Psalmen) und ständigem Gebet. Ich bete, aber ich stelle mich nicht vor aller Leute hin, um eine "Ich muß mich jetzt beweisen - Show" abzuziehen.

Aber meine Intension ist es hier nicht, mich über eine gewisse Inakzeptanz meiner Person gegenüber aufzuregen. Über solche banalen Problemchen bin ich längst hinweg. Vielmehr geht es darum, dass so manche Religiöse glauben, sie seien so heilig, aber sich dennoch nicht schämen, mit einem widerwärtigen Verhalten zu glänzen und damit schlimmer wirken als jeder Säkulere oder selbst G - tteslästerer. Sobald einige Juden (oder auch potentielle Juden) meinen, das Licht zu sehen, und sich entschliessen, entweder zum Judentum zu konvertieren oder ein Baal Teshuva (geborener Jude, der im Verlauf des Lebens relig. wird) zu werden, meinen sie fast nur noch von Gerechtigkeit, Kedusha (Heiligkeit) und Chesed (Wohltätigkeit) befallen zu sein.

Aber ich will genauso anmerken, dass nicht ALLE so handeln und ich keinesfalls verallgemeinern will.

Ein Baal Teshuva zu sein beinhaltet nicht nur die Thoramitzwot einzuhalten (sich langsam daran zu gewöhnen und nichts zu überstürzen) und auf einer regulären Basis zu beten, sondern es bedeutet genauso dass derjenige seinen eigenen Charakter zum Besseren, in die Richtung der Thora, verändern soll. Also ein innerer persönlicher Umdenkprozeß in einem selber stattfindet. Und viele Leute scheinen dieses grundsätzliche Prinzip nicht zu begreifen und fahren stattdessen unentwegt damit fort, anderen zu zitieren, was ihr spezieller Rabbiner sie lehrte. Anscheinend zählt nur noch, was der Rabbi sagte und es wird so zitiert, dass alles andere falsch erscheint und nur noch der Baal Teshuva recht hat.
Andererseits, wenn man sich ihr Verhalten anschaut, bekommt man einen völlig anderen Eindruck. Und dieser ist alles andere als religiös. Und ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass so mancher Konvertit zum Judentum niemals hätte konvertieren sollen und stattdessen lieber ein Christ hätte bleiben sollen. Einige Konvertiten meinen nach der Konversion anderen Juden in der Manier eines Drill Sergeant Befehle erteilen zu müssen.

All meine Angaben beziehen sich nicht nur auf die litvisch - haredische Gesellschaft, sondern genauso auf die chassidische Welt.
Und überhaupt, wo sind die ernsthaften aufrichtigen Chassidim aus der Vergangenheit geblieben ? Wenn nur der Baal Shem Tov für einen Tag zurückkommen täte und sich das Chaos anschaue. Wie chassidische Gruppen sich teilweise bekriegen und wo sogar ein Topf voll Tscholent (Fleischsuppe mit Erbsen und Kartoffeln am Schabbat) einen Streit vom Zaume brechen kann (so wie es an Sukkot zwischen den Toldot Aharon und den Toldot Avraham Yitzchak der Fall war).

Ich habe noch viel mehr zu dem Thema zu sagen, aber vorher muß ich mich noch darauf besinnen, alles in einem guten objektiven Stile zu formulieren. Soll ich Namen nennen oder lieber alles im "Short Story Stil" verfassen ?

Nicht Mea Shearim, sondern die litvisch amerikanische Welt wird diesesmal mein Thema sein.

Und erneut die Angabe: Nicht alle sind gemeint und es soll nicht verallgemeinert werden.

Einige Leute sagten mir sogar, dass nicht alle Probleme der relig. Gesellschaft offengelegt werden müssen und man stattdessen Stillschweigen bewahren sollte. Warum etwas öffentlich machen ? Wen interessiert das denn ? Wäre es nicht besser, mit dem Leben fortzufahren und Geschichte Geschichte sein zu lassen ? Was kann man denn schon bewirken ? Warum all die Energien und Zeit verschwenden ?

Meinerseits versuchte ich zu schweigen, aber all das Verhalten ging mir auf die Nerven. Ich kann nicht einfach dasitzen und so tun als geschehe nichts. "Morgen ist ein neuer Tag und lassen wir einmal alles gutsein". Es gibt definitiv Themen und Inhalte, die ausgesprochen werden müssen, nur bleibt die Frage, wie weit man dabei gehen darf und soll. Sind Leute involviert die ich kenne ? Gegebenenfalls Freunde und was geschieht, wenn diese dadurch verletzte oder geschädigt werden ?

Diese Fragen sind mir äußerst wichtig und daher ist es nicht immer leicht, die beste Lösung oder überhaupt eine Lösung zu finden.

Mittwoch, Oktober 22, 2008

Der Papst gegen YAD VASHEM - Inschrift



B"H

Papst Benedikt XVI. macht in Israel einmal wieder von sich reden. Der Kommentar des Jerusalemer Holocaust - Museums YAD VASHEM unter dem Photo von Papst Pius XII. paßt dem Vatikan ganz und gar nicht. Das YAD VASHEM nämlich betitelt dort Papst Pius als einen Mann, welcher der Massenvernichtung der Juden passiv gegenüberstand und zuschaute. Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges verhielt er sich still und sagte kein einziges Wort der Verurteilung.

Der Vatikan plant eine Seligsprechung von Pius und schon lange hagelt es Kritik. Ausgerechnet Pius XII., der die Missionierung jüdischer Kinder während des Holocaustes befürwortete, der die Herausgabe jüd. Kinder aus kath. Waisenhäusern nach dem Krieg ablehnte und der offenbar nichts dagegen hatte, Hitler die Juden nur umbringen zu lassen.

Papst Benedikt XVI. jedenfalls sieht das alles ganz anders. Warum auch nicht, wenn der derzeitige Papst selber in der Wehrmacht gedient hat ? "Nazi - Papst" - so nennen ihn nicht wenige Israelis.
Und jetzt drohte der "Nazi - Papst Benedikt" auch noch, seinen Besuch in Israel abzusagen. Hoffentlich tut er das wirklich, denn dann haben wir eine Sorge weniger. Sollte das YAD VASHEM die Inschrift unter dem Photo von Pius nicht entfernen, kommt Papst nicht. Das YAD VASHEM widerum gibt an, keine bloßen Behauptungen aufzustellen, sondern die Person Pius XII. eindeutig unter die wissenschaftliche Lupe genommen zu haben.

Die aktuelle Nachricht aus dem Vatikan lautet, dass Papst Benedikt seine Reaktion nochmals überdenken will, denn das gute Verhältnis zwischen Israel und dem Vatikan soll nicht aufs Spiel gesetzt werden.


Link:

Die gestohlenen jüdischen Kinder

Kurzer Rückblick auf Sukkot (Laubhüttenfest)

B"H

Die Feiertage haben wir alle gut hinter uns gebracht und ich bin froh, dass der Alltag wieder da ist. In der Diaspora wird auch heute (Mittwoch) noch gefeiert, denn dort steht bis heute abend, Simchat Thora an. In Israel hingegen war gestern abend (Dienstag) alles schon wieder vorbei. Etwas erinnert dennoch an Sukkot, denn diejenigen ausländischen Juden, welche sich zwar in Israel aufhalten, doch nicht die Staatsbürgerschaft besitzen bzw. nicht keine Aliyah machten, begehen auch in Israel ihren neunten Tag von Sukkot. Keine besonders einfache Aufgabe, wenn alle anderen um sie herum wieder dem Alltag nachgehen.

In Israel wird trotz allem doch etwas dem neunten Tag von Sukkot gedacht, denn im Kalender wird dieser Tag "Isur Chag" (eine Art Feiertagsverlängerung) genannt. Allerdings wird ab heute wieder ganz normal gearbeitet und die Ämter etc. haben wieder geöffnet. Zur Erinnerung an Sukkot gaben einige Chassidim der Gruppe Chabad (Lubawitsch) gestern abend ein Konzert auf dem Jerusalemer Zions Square in der Innenstadt. Überhaupt spielte Chabad so einige Musik an dem Ort und allgemein kam dort mehr Stimmung auf als bei ihren Sukkotkonzerten im Cardo im Jüdischen Viertel der Altstadt.

Dennoch, nirgendwo herrschte solch eine tolle ausgelassene Stimmung wie im ultra - orthodoxen Mea Shearim. Da kam niemand mit und genau das ist es, warum ich Sukkot doch etwas nachtrauere. Der nächste biblische Feiertag wird erst wieder Pessach Anfang April sein. Zwar stehen im Dezember "Chanukkah" sowie im März "Purim" an, doch diese beiden Feiertage sind rabbinisch festgelegt und nicht biblisch.

Parashat Bereshit



B"H

Die Thoralesung für den kommenden Schabbat

An diesem Schabbat beginnen wir die Thora wieder ganz von vorn und lesen die erste Parasha Bereshit (Genesis). Dies tun wir in jedem Jahr nach Simchat Thora, dem letzten Tag von Sukkot (Laubhüttenfest).

Normalerweise wird "Genesis - Bereshit" mit den Worten "Am Anfang" übersetzt, doch hat "Bereshit" viele unterschiedliche Bedeutungen. Die Kabbalah übersetzt "Bereshit" als "Mit Weisheit erschuf G - tt …..". Im Judentum haben wir das Konzept, dass jeder Mensch, und habe er auch noch ein so negatives Leben geführt, fast immer die Möglichkeit hat, zum Judentum bzw. zu G - tt zurückzukehren.Bereshit ist wie ein Neubeginn und vielleicht sollten wir diese Chance nutzen, unser Leben ein wenig positiver zu gestalten.

Für uns ist es absolut unvorstellbar gedanklich zu erfassen, wie die Welt nach der Erschaffung aussah. Die sechs Tage des Erschaffungsprozesses sind metaphorisch zu betrachten, denn zu der Zeit gab es keinerlei Zeitrechnung oder Zeitgefühl. Hierbei ist zu beachten, dass es Kommentatoren gibt, die sehr wohl eine Zeitrechnung während der ersten sechs Tage der Welterschaffung sehen. Beide Meinungen bedürfen jedoch näheren Erläuterungen, warum gerade diese Meinung existiert und worauf diese basiert. Einzig und allein G - tt existierte und auf ihn ist jegliche Zeit jedenfalls nicht zutreffend. Er existierte immer und wird dies unendlich lange tun.

Das erste Mal fand die Zeit Erwähnung in der Thora mit dem Satz "Und G - tt nannte das Licht Tag" (siehe Ramban zu Bereshit). In der Kabbalah, vor allem in den Schriften des Arizal (Rabbi Yitzchak Luria) heißt es, dass es vor der Erschaffung der Welt nichts gab, außer G - tt. Er füllte alles aus und wir mögen so unsere Probleme damit haben, uns ein absolutes Nichts vorstellen zu können. Als G - tt sich entschied, das Universum etc. zu erschaffen, mußte Er sich selbst aus einem Raum zurückziehen, um Platz für Seine Erschaffung zu schaffen. Hierbei handelt es sich um den sogenannten Zimzum. Der Zimzum fand jedoch keineswegs räumlich statt, sondern vielmehr zog Er Seine unendlichen Kräfte zurück. Denn hätte Er die Welt absolut perfekt erschaffen, dann befänden wir uns auf dem Level von Robotern und täten über keinen freien Willen verfügen. Um jedoch auch dem "Negativen" einen Freiraum zu lassen, musste sich G - tt automatisch bis zu einem gewissen Grad zurückziehen.

Die Gemara im Talmud Traktat Sanhedrin 38a stellt die Frage, warum G - tt den Menschen erst am sechsten und nicht schon am ersten Tag erschuf. Weil sonst negative Kräfte in der Zukunft behaupten könnten, dass der Mensch Partner im Erschaffungsprozess war, was vollkommen falsch wäre.

Nicht wenige andere Religionen legen den Satz "Laßt uns den Menschen erschaffen" als eine Art Trinität aus. G - tt hätte mehrere Identitäten, was natürlich eine Fehlinterpretation darstellt. Metaphorisch gesehen erschuf hier G - tt den Menschen mit all Seinen 10 Attributen (Eigenschaften oder Sefirot). Nicht, dass G - tt "sprach", sondern dass Er Seine Kräfte für den Erschaffungsprozeß benutzte. Immer dann, wenn die Thora G - tt menschliche Eigenschaften zuweist, handelt es sich um Metaphern, denn G - tt verfügt über keinerlei solcher Eigenschaften. Die Thora allerdings gab Er uns in einer vermenschlichten Sprache, damit unser eingeschränkter Verstand in der Lage ist, sie zu begreifen. Ebenfalls sind wir nicht imstande, G - tt zu verstehen, sondern können Ihn lediglich anhand Seiner Handlungen etwas kennen lernen. Auch existierte lt. der Thora "der Abend" vor "dem Morgen". Hierzu kommentiert Rabbi Yehonatan Eibeschütz das "der Abend" ausdrückt, dass seitens G - ttes der Gedanke kam und "am Morgen" steht für die eigentliche Ausführung der Tat.

Es gibt unzählige Kommentare darüber, was Eva (Chava) und Adam falsch gemacht haben und was genau mit dem Paradies (Gan Eden) sowie den zwei Bäumen, dem Baum des Lebens (Etz Chaim) und dem Baum der Erkenntnis (Etz HaDaat) gemeint ist. Viele Kommentatoren vertreten die Meinung, dass Gan Eden und die Bäume bestimmte seelische Level repräsentiert. Adam sowohl als auch Chava waren auf einem dermaßen hohen geistigen Level, welcher uns heute völlig unvorstellbar ist erscheint. In dem Moment als beide vom "Etz HaDaat" aßen, bekamen sie einen materiellen Körper und die meisten hohen geistigen Level verflogen. Unsere materielle Welt, die Malchut, übernahm die Vorherrschaft und die anderen drei geistigen Welten, Atzilut, Beriah und Yetzirah, entfernten sich von der Malchut. Unsere Aufgabe ist es, die Welten und die hohen geistigen Seelenlevel wieder auf ihren Ausgangspunkt nach dem Erschaffungsprozess zurückzubringen. Dies verstehen wir unter dem Tikun Olam - die Reparatur der Welt.

Ursprünglich war geplant gewesen, dass Chava und Adam der Versuchung widerstehen und noch am kurz darauf folgenden Shabbat der perfekte Level der Welt erreicht worden wäre. Adam hätte somit alle sich in ihm befindenen Seelen repariert und die Welt sehe heute anders aus. Doch Adam und Chava erwiesen sich trotz ihres hohen Levels als nur allzu menschlich und wollten sich nicht mit dem zufrieden geben, was sie hatten. Es war ihnen erlaubt, von den Hunderten wenn nicht Tausenden von Bäumen im Gan Eden zu essen und selbst vom Baum der Erkenntnis hätten sie nach Einbruch des Shabbat essen dürfen. Doch eine negative menschliche Eigenschaft ist fast immer das zu wollen, was man nicht hat oder in anderen Worten: der Neid. Genauso erging es Kain als er seinen Bruder Hevel (Abel) tötete. Vielleicht sollten wir aus diesen Fällen lernen, nicht immer nur auf unseren Nachbarn zu schauen, sondern uns mit dem zufrieden geben, was wir schon erreicht haben. Alles werden wir niemals erreichen, denn es wird immer jemand vor uns stehen, der mehr hat. Daher ist die beste Lösung sich auch einmal aus ganzem Herzen für seine Mitmenschen zu freuen.

Adam HaRishon enthielt alle fünf unterschiedlichen Seelenarten. Heutzutage reden wir höchsten von der Nefesh (tierischen Seele in uns, welche ihre Bedürdfnisse erfüllt haben will). Dazu noch vom darüberliegenden Level "Ruach" sowie der "Neshama". Das sind alle Level, welche wir derzeit erreichen können. Adam dagegen hatte ebenso eine "Chaya" und eine "Yechidah". In kabbalistischer Literatur wird die "Chaya" als "Neshama Yeterah" betrachtet. Heutzutage kennen wir die al seine zusätzliche Seele, welche jeder Jude am Schabbat erhält. Die "Neshama Yeterah" ist das Geheimnis der "Chaya" und in der Kommenden Welt (nach dem Eintreffen des Meschiach) erhalten die den vollständigen Level der "Chaya" zurück (siehe "Megaleh Amukot"). Der REMA schreibt, dass die "Chaya" das Geheimnis des Schabbat und die "Yechidah" (die höchste Seele überhaupt) das Geheimnis der Kommenden Welt beinhalten.

Die ungeklärte Frage ist und bleibt, was genau der Gan Eden (das Paradies) war oder ist. Handelt es sich dabei tatsächlich um einen real existierenden Ort oder vielmehr um einen spirituellen Seelenlevel ? Waren Adam und Eva (Chava) vor ihrem Vergehen tatsächlich materiell oder eher geistiger spiritueller Natur ? Dass sie jedenfalls vor dem Vergehen mit Lendenschurz oder Feigenblatt bekleidet herumliefen, erscheint gänzlich falsch. Die Mehrheit der Kommentatoren sieht beide eher mit einem besonderen Licht bekleidet. Zusätzlich herrscht die Meinung, dass Adamas Haut nur aus dem Material bestand, aus welchem heutzutage unser Fingernägel gemacht sind (siehe Rabbi Yitzchak Luriah "den ARIZAL" in seinem Buch "Arba Meot Shekel Kesef"). Hätten Adam und Eva (Chava) nicht gesündigt, wären sie im Paradies (Gan Eden) geblieben und hätten nur "heilige perfekte Nachkommen" gezeugt. Wie wir wissen, war jedoch das Gegenteil der Fall und bis heute sind wir damit beschäftigt, den einstmaligen perfekten Zustand der Welt sowie der Seelen wiederherzustellen. Dieses endet bzw. wird mit der Ankunft des Meschiach vollfüllt. Trotzdem wurden die Seelen der beiden ersten Menschen schon längst von unseren Vorvätern sowie den Vormüttern "repariert".

Kaum eine andere Thoraparasha ist dermaßen kompliziert und schwer zu verstehen wie die Parashat Bereshit (Genesis). Es gibt unendlich viel zu sagen und die Themen sind, im wahrsten Sinne des Wortes, unerschöpflich.

Schabbat Schalom


Links:

Adam HaRishon + Kain & Abel (Hevel)

Mehr zu Seelen auf: Lurianische Kabbalah

Dienstag, Oktober 21, 2008

Besuch bei der Neturei Karta

B"H

Niemand sollte jemals behaupten, die antizionistische Neturei Karta habe nicht die schönste Synagoge in ganz Mea Shearim. Sogar noch viel schöner als das Schtieblach (Stube, kleine Synagoge) Mea Shearims.

An den Zwischenfeiertagen vom Laubhüttenfest Sukkot stattete ich, unter anderem, auch der Neturei Karta Synagoge "Thora ve'Yirah" einen Besuch ab. Das "Simchat Beit HaShoeva" (eine alte Tempeltradition – Wasser vom Shiloach in den Tempel zu bringen und heute mit Musik und Tanz feiernd) war noch in vollem Gange und Mea Shearim war dermaßen vollgepackt mit Besuchern, dass sich alles gegenseitig auf die Füsse trampelte.

Wie gewohnt, war ich erst bei der chassidischen Gruppe Toldot Aharon, war jedoch nur ein einziges Mal darin erfolgreich, die tanzenden Chassidim im Erdgeschoß zu sehen. Einmal landete ich danach bei der kleinen antizionistischen Gruppe, dem Edah HaCharedit Mitglied "Mishkenot HaRoim". Eines ist sicher, die "Mishkenot HaRoim" wissen zu feiern.

Wenige Tage später waren die "Mishkenot HaRoim" für Frauen gesperrt und so war ich gezwungen, einmal wieder umzudisponieren. Ich landete bei der etwas moderateren "Neturei Karta – Version" in der "Thora ve'Yirah – Synagoge" im Mea Shearim Markt. Rabbi Israel Hirsch mit seiner extremen Ausrichtung ist nur wenige Meter weiter ansässig. Die Neturei Karta selber ist nicht nur eine einzige Ideologie, sondern besteht aus mehreren internen Richtungen. "Thora ve'Yirah" ist eine relative neue Synagoge mit einem Speisesaal im Erdgeschoß und einem weitläufigen Dach. Als weibliche Person sollte man viele Treppenstufen in Kauf nehmen.

Die Frauenempore (Ezrat Nashim) selbst besteht aus zwei Räumen. Ein Raum ist vollgepackt mit Stühlen, Bänken und einem Thoraschrein (Aron HaKodesh). In der zweiten Hälfte sitzt man auf den regulären Metallbänken, welche die üblichen Sitzgelegenheiten bei einem chassidischen Tisch darstellen. Die Wände sind vielfach verziert und die gesamte Architektur ist einfach unbeschreiblich.

Die Männer tanzten, wobei die Mehrheit der Teilnehmer litvisch und nicht chassidisch war. Das ganze Gebäude war voll Besucher und alles strömte nur so herein. Seminargirls, Nationalrelig. sowie litvische Girls. Amerikaner, Israelis, alles war da. Jemans, der die Neturei Karta total ablehnt, sagte mir, dass die meisten Besucher wahrscheinlich gar nicht wußten, wohin sie da eigentlich gingen. Das könnte sein, doch ein jeder schien die Zeit zu geniessen und plötzlich war alle Politik beiseite gestellt.

Neue Anti - Mission Website in Arbeit

B"H

Während der Sukkotfeiertage traf ich Benjamin Kluger von der israelischen Anti - Missionsorganisation "Yad Le'Achim" in der Jerusalemer Fußgängerzone Ben Yehudah. Er meinte, dass die diesjährige Parade der Christen durch die Jerusalemer Innenstadt an Sukkot nicht ganz so missionarisch war wie in den Jahren zuvor. Der Leiter der "Internationalen Christlichen Botschaft" und Organisator der Parade achtete diesesmal auf etwas mehr Ausgewogenheit. Mittlerweile sind die Christen wieder abgereist. Dennoch berichtete mir jemand, dass die israelische Regierung angeblich den Bau eines christlichen Missionarszentrums in Nordisrael erlaubte. Dies Zugeständnisse geschehen immer mehr aufgrund von christlichen Forderungen, sobald diese hohe Geldsummen für den Staat Israel spenden.

Laut Benjamin Kluger bestehen im Großraum ganze 22 messianische Gemeinden (incl. Maale Adumim). "Yad Le'Achim" tut sich etwas schwer, die hauseigene Website upzudaten. Interne Zuständigkeiten sowie die liebe Bürokratie sind die Ursache dafür und alles zieht sich stets in die Länge. Jetzt ist zumindest eine neue Website in Arbeit, deren Adresse ich demnächst in den Blog stellen werde. Bis auf weiteres wird die neue Site jedoch nur in hebräischer Sprache einzusehen sein.

Sonntag, Oktober 19, 2008

Sukkotphotos aus Jerusalem

B"H

So manchem mag das Thema "SUKKOT" schon zum Halse heraushängen, doch wir sind nach wie vor am Feiern. Allerdings bin auch ich wieder froh, wenn am Dienstag abend alles vorbei ist und der Alltag wieder einkehrt.

Hier ein paar tolle Photos von der Jerusalemer Sukkot - Atmosphäre:

http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/127986

Hoshana Rabbah


Simchat Thora an der Kotel (Klagemauer). Der Tanz mit den Thorarollen (Hakafot).


B"H

Heute abend beginnt das "Hoshana Rabbah", der vorletzte Tag des israelischen Sukkot. Morgen abend beginnen zwei Feiertage gemeinsam, die in der Diaspora separat begangen werden. Der biblische Feiertag "Shemini Atzeret" fällt in Israel mit "Simchat Thora - dem Ende der Thoralesung und zugleich Beginn des Neubeginns mit Parashat Bereshit / Genesis". Am Dienstag abend gehen die Sukkotfeiertage in Israel offiziell zuende.
In der Diaspora hingegen endet alles erst am Mittwoch abend.

Wie gesagt, heute abend beginnt das "Hoshana Rabbah", an welchem der Minhag (Brauch) herrscht, dass Juden die ganze Nacht durchlernen und morgens früh während des Morgengebetes Schacharit ihre "Hoshanot - Weidenzweige" auf den Boden schlagen. Eine symbolische Prozedur alle Sünden abzuschütteln und loszuwerden.

Heute nacht stürmen Tausende Menschen an die Klagemauer (Kotel) und wer morgen frueh ein tolles Schauspiel sehen will, der gehe gegen 4.30 Uhr an die vollkommen überfüllte Kotel.

Chag Sameach !!!

Unerwünschter Besuch

B"H

Als ich Benjamin Kluger von "Yad Le'Achim" vor wenigen Tagen in Jerusalems Ben Yehudah traf, berichtete mir dieser, dass die diesjährige Christenparade durch die Jerusalemer Innenstadt, organisiert von der "Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalem", weniger missionarisch ausfiel als sonst. Radikale Christen haben sich anscheinend etwas eingeschränkt, weil die jüdische Kritik in den vorherigen ungewohnt scharf ausfiel. Dennoch sollte man nicht vergessen, dass es im Großraum Jerusalem immerhin 22 messianische Gemeinden gebe. Diese Angabe schließt die Ortschaft Maale Adumim mit ein.

Aus anderer Quelle jedoch vernahm ich, dass die Christen heute abend im Jerusalemer Convention Center BINYANEI HAUMA ihre grosse Show abziehen. Benny Elon (Nationalrelig. Partei) sowie Benjamin Netanyahu vom LIKUD werden als Sprecher erwartet. Elons eigene Partei will diesen am liebsten ausschließen. Mit Recht, denn wer gibt sich schon mit chaotischen Christen ab, die dermaßen absurde Ansichten vertreten:


http://www.jpost.com/servlet/Satellite?cid=1222017543597&pagename=JPost/JPArticle/ShowFull



Am gestrigen Schabbat bekam auch Rabbi Mordechai Machlis Besuch von einer nordirischen Dame der Christlichen Botschaft. Sie wollte uns beim Schabbatmittagessen ihre konfusen schizophrenen Ideologien erklären. Man gebe Geld, damit Juden Aliyah machen, denn dann kaeme der Meschiach (wenn alle Juden in Israel leben).
Von dem "Meschiach" J., den sie meinte, war der Name nicht zu vernehmen. Man hatte sich gut vorbereitet, um nicht rauszufliegen.
Weiterhin helfe man Holocaust - Überlebenden und man tue den Juden nur Gutes.

Die gesamte "Internationale Christliche Botschaft Jerusalem" hat nur einen einzigen Zweck:

DIE JUDENMISSION !

Das ist bekannt und darüber braucht nicht diskutiert werden.

Zum Glück schnitt ihr Rabbi Machlis das Wort ab und die Dame glänzte mit Schweigen. Als sich niemand mit ihr abgab, zog sie von dannen.

Samstag, Oktober 18, 2008

Photos aus Hebron

B"H


"Ma'arat HaMechpelah - Das Grab unserer Vorväter und Vormütter in Hebron".




Rivkas (Rebekkas) Grab




Da sich Juden und Moslems die Besucherzeiten teilen, die Moslems jedoch ihre Vorteile stets ausnutzen, bauten sie ohne wissen der Israelis einfach eine neue Halle für ihre eigenen Zwecke innerhalb der Ma'arat HaMachpelah.




Der jüdische Stadtteil in Hebron, welcher von israelischen Soldaten beschützt wird.




Der Vorhang vor dem Eingang zum Paradies. Die Midrasch und andere Schriften besagen, dass sich in der Ma'arat HaMachpelah der Eingang zum Paradies befindet.




Die Grenze zwischen dem jüdischen sowie dem moslemischen Stadtteil in Hebron .




Das Grab von Sarah, der Frau Avrahams.




Das Grab Avrahams.



Die Ma'arat HaMachpelah von aussen.


Sämtliche Photos sind hier einzusehen:

http://bhol.co.il/news_read.asp?id=6979&cat_id=1

Freitag, Oktober 17, 2008

Birkat HaCohanim - Der Segen der Tempelpriester

B"H

In Jerusalem fand gestern morgen (Donnerstag) der traditionelle Segen der Cohanim (Tempelpriester) statt. Alles vor der Klagemauer (Kotel) war einmal wieder restlos überfüllt.

Meinerseits bin nach Tel Aviv gefahren und machte auf ausspannen. Es ist immer ganz nett, aus dem derzeit randvollen und ansonsten intensiv emotionalen Jerusalem herauszukommen und etwas anderes zu sehen.


Der Birkat HaCohanim beim Morgengebet Schacharit vor der Kotel.









Dafür war ich abends wieder in Jerusalem. Pünktlich um an den Feiern in Mea Shearim teilzunehmen. Darüber mehr in der kommenden Woche !
Die Chassidim der Toldot Aharon genauso jener der sich etwas geheim gebenden antizionistischen Gruppe "Mishkenot HaRoim" hatten Hochkonjunktur.

Soweit erst einmal.

Schabbat Schalom und Chag Sameach an alle !!!

Donnerstag, Oktober 16, 2008

Verzögerungen

B"H

Sorry, aber momentan kommt es zu einigen Verzögerungen und ich setzte weniger Artikel in die Blogs. Am Sukkot bin ich voll eingespannt und werde alles in der kommenden Woche nachholen. Immerhin nutze ich die Zeit zu neuen Themen sowie weiteren Details.

Chag Sameach und Schabbat Schalom !

Mittwoch, Oktober 15, 2008

Hakhel Zeremonie

B"H

Die traditionelle Hakhel - Zeremonie, welche alle sieben Jahre an den Sukkotfeiertagen stattfindet, beginnt heute nachmittag (Mittwoch) um 16.30 Uhr an der Kotel (Klagemauer).

Das Wetter ist nicht besonders, daher den Regenschirm nicht vergessen !!!


Link:

Die heutige Hakhel Zeremonie

Die Anstandsbrücke

B"H

Nachdem ich zum vergangenen Sukkot einen Artikel mit dem Titel "Die Anstandsstraße" verfasste, lautet der diesjährige Bericht "Die Anstandsbrücke".

Der Jerusalemer ultra - orthodoxe Stadtteil Mea Shearim unterliegt einmal wieder mehr extremen Veränderungen und seit gestern ist sie nun in Betrieb, die Anstandsbrücke.

Nicht, das Mea Shearim nur der einzige haredische Stadtteil wäre; er ist vielleicht der Bekannteste, aber dennoch nur einer von vielen neben Ramat Shlomo, Sanhedria, Kiryat Belz, Kiryat Zanz, Kiryat Mattersdorf, Romema, Ge'ulah, Bucharin, Makor Baruch, Bait Vagan, etc. Aber gerade in Mea Shearim steigen die meisten relig. Sukkotevents neben jenen in der Altstadt. Chassidim wissen ausgiebig zu feiern und niemand kommt da mit; weder Nationalrelig. noch die litvischen Haredim. Im Gegenteil, gerade die Litvischen besiedeln Mea Shearim und tanzen wie wild mit den Chassidim.

An den Zwischenfeiertagen des Sukkot (Laubhüttenfestes) sind die Hauptstraße Mea Shearims sowie dessen lokaler Markt mit den Synagogen der Neturei Karta und Avraham Yitzchak in der Mitte durch eine Absperrung samt Plastikplane getrennt. Aus Anstandsgründen, sodass sich Männlein und Weiblein nicht zu nahe kommen. Eine Gasse für verheiratete Paare gibt es ebenso, doch war gestern abend alles dermassen schlecht ausgeschildert, dass mir nie recht klar war, wo jetzt die Verheirateten entlangspazieren.

An den Zugängen der Mea Shearim Street stehen extra private Wachposten sowie einige Chassidim der extremen chassidischen Gruppe Toldot Aharon. Mit Megaphonen ausgerüstet rufen sie dazu auf, den Geschlechteranstand einzuhalten. Zuvor gab es aufgrund eines Posters an den Hauswänden des Stadtteiles Aufsehen, dass dieses Mal offensichtlich keine auswärtigen Besucher zugelassen werden. Dieses erwies sich zumindest gestern als viel zu übertrieben ist und ich machte die Erfahrung, dass jeder anständig angezogene Jude sehr wohl Zutritt hatte.

In einigen Synagogen herrscht nochmals eine extra interne Kontrolle, die vor ungebetenen Besuchern schützen soll.
Nichtjuden sind unerwünscht und das vor allem aus Missionsgründen. Aber überhaupt hat Mea Shearim keine Lust mehr auf fanatische Christen, die da meinen, in den Straßen für eine Judenbekehrung beten zu müssen. Bei solch einem Schauspiel wurde ich einmal unfreiwillig Zeuge und wer soetwas sieht, der rennt vor dieser Art Christen auf und davon. Das war einfach nur noch widerlich.

Gestern abend fuhr ein Bus mit den derzeit anwesenden Christen durch Mea Shearim und diese fingen hinter ihren Fenstern umgehend begeistert an zu lächeln und zu winken. Dem ehemaligen aschkenazischen Oberrabbiner Israel Lau fiel sogar eine Tussi vor wenigen Jahren einmal um den Hals. Er sei ein "Mann G - ttes" - so gab sie ekstasisch von sich. Was man sich hier alles von solchen Leuten bieten lassen muß ist unbeschreiblich. Gut, dass sie nur im Bus passierten und nicht ausstiegen, sonst hätte man sie geschmissen.

Trotz Regenbeginn war die Atmosphäre in Mea Shearim kaum zu übertreffen. Tausende auswärtiger sowie lokaler Besucher gaben sich die Synagogenklinken in die Hand. Mit einer Freundin ging ich zu dem begehrtesten chassidischen Tisch Mea Shearims, den Toldot Aharon. Dort war alles restlos überfüllt, aber als erfahrene Tischbesucher wissen wir über die Metallgestelle zu klettern und so ergatterten wir einige gute Plätze. Zu lauter chassidischer Musik, gespielt von der hauseigenen Band, tanzten die Chassidim im Erdgeschoß. Im Korridor, dem Zugang zur Frauenempore, hing ein Schild in hebräischer und englischer Sprache aus:
"Frauen mit Perücken haben keinerlei Zutritt, wenn sie ihre Perücke nicht wenigstens mit einem Tichel bedecken !"

Die Toldot Aharon als Gruppe lehnen die allgemein übliche Kopfbedeckung der Frau, die Perücke, grundsätzlich ab. In der Vergangenheit wurden sogar einige Mea Shearimer Perückengeschäfte abgefackelt. Das Schild jedoch überraschte mich dennoch, obwohl, die Satmarer Frauen dürften weniger Probleme haben, denn am Schabbat sowie den Feiertagen tragen sie immer ein Tichel (ein kleines weisses Tuch) auf ihrer Perücke. Das ist so Tradition und auch die Chassidut Dushinsky steht dem nicht nach.

Wie gesagt sind einige Straßen nach Geschlechtern getrennt. Auch in Bnei Brak und Ramat Beit Shemesh ist dies der Fall. Vor der großen Breslover Synagoge in der Mea Shearim Street aber steht die größte Attraktion überhaupt: Eine Holzbrücke trennt Männlein und Weiblein an einer Straßenkreuzung.

Wer in die Breslover Synagoge sowie in den lokalen Mea Shearim Markt zu den Toldot Avraham Yitzchak will, der gehe als Mann über die Brücke und als Frau unter der Brücke hindurch. Ein Unternehmen, was sich jedoch als vollkommen überflüssig erweist, denn am Brückenende stoßen die Geschlechter eh wieder aufeinander. Als ich das Wachpersonal befragte, wo ich denn jetzt langgehen soll, kam nur ein Schulterzucken. Ja, das wisse man jetzt auch nicht und hier passieren, sei schon okay. Oder etwa doch nicht ?
Wer steigt da noch durch ?

Irgendwie landeten wir doch noch im Markt bei den Avraham Yitzchak, die gerade beim Soundcheck waren. Heute abend gehe ich erneut und diesesmal zu Karlin - Stolin, Dushinsky sowie den Boyanern. Photos werde ich, wenn alles gutgeht, auch noch in den Blog stellen.

Tagsüber läuft sehr viel in der Jüdischen Altstadt und wer als Nichtjude alles geniessen will, der hat dort und in der Neustadt vor dem Rathaus am Safra Square Chancen. Außerdem gibt Chabad am morgigen Donnerstag abend ein riesen Konzert im Cardo vor der Zemach Zedek Synagoge.

Ramat Aviv fühlt sich überrannt

B"H

Der Norden Tel Avivs, das noble Ramat Aviv, war und ist das Eldorado der Wohlhabenden. Hier ist alles sauber, grün und die Straßen werden entweder von den Einwohnern oder jenen Philippinas besiedelt, welche da als Gastarbeiterschaft in der Schickimicki - Kolonie putzen und Kinderhüten.

Stets war man in Ramat Aviv, ein Stadtteil, in dem die Rabin Familie wohnte und Präsident Schimon Peres noch wohnt, ein Symbol des israelischen Säkularismus. Offene Geschäfte am Schabbat und nicht immer so ganz koscheres Essen. Allmählich aber ändert sich alles. Die Mall ist nun auch am Schabbat geschlossen und mehrere Einwohner klagen über eine verstärkte Chabad - Präsenz mit Kindergarten, Kollel (relig. Schule für verheiratete Männer) sowie einer neue Mikweh (Ritualbad).

Wenn die Säkuleren derlei Einrichtungen sehen, trifft sie sofort der Schlag und sie malen sich aus, bald in Mea Shearim zu wohnen. Nun beschwerte man sich gleich panisch beim Bürgermeister Tel Avivs, Ron Chulda'i, der das alles schnellstens stoppen soll. Bei Chabad hingegen gibt man sich gelassen: "Wer Probleme hat, der kann gerne zu uns kommen und mit uns reden".

Ein Angebot, vor dem sich viele Bewohner Ramat Avivs anscheinend fürchten, denn die wissen mit Religiösen nichts oder fast gar nichts anzufangen. Dies zeigt die fatale Lage unseres Landes, welches immer mehr in das "Ist mir doch alles egal - Verhalten" abrutscht. Eine kleine "Invasion" der chassidischen Chabadnikim ist also gar nicht mal so schlecht …

Montag, Oktober 13, 2008

Chag Sameach !


Dominierende Männerwelt ?

















Wieviel kann Frau in einer Männerwelt ertragen ?
(Photo: Frauen der chassidischen Gruppe Satmar)


B"H

Wie bereits angekündigt beginnt heute abend das Laubhüttenfest Sukkot. Jerusalem ist schon voll Laubhütten (Sukkot), und fast jedes Cafe oder Restaurant hat eine vor der Türe stehen.

Die Feiertagsstimmung in Jerusalem ist jedesmal einzigartig und unbeschreiblich. Erst scheint jeder wegen der vielen Feiertage genervt, doch sobald man in der Laubhütte sitzt, ist alles vergessen. Die Mehrheit des israelischen Proletariats hat während der Festtage frei, ich allerdings nicht. Erstens ist unsere Bäckerei geöffnet und zweitens bin ich busy bei all den relig. Events vorbeizuschauen. Eigentlich plante ich nur für Bnei Brak, doch auch in Jerusalem läuft so einiges. Darunter ein Chabad - Konzert, welches jedes Jahr wieder heftige haredische Proteste auslöst.

Mea Shearim plant, seine Pforten für auswärtige Besucher zu schliessen. Nur Bewohner des Stadtteiles sollen zu den allabendlichen Events zugelassen werden. Wenn diese Nachricht der Wahrheit entspricht, bedeutet dies einige Jerusalemer Einschränkungen für mich. Zwar hätte ich immer noch Zugang zu den umliegenden chassidischen Synagogen, doch was ist ein Feiertag ohne die Toldot Aharon oder Avraham Yitzchak ?
Im Notfall muß ich mich halt in Jerusalem mit Karlin - Stolin, ggf. Belz, Steipler, Dushinsky, Biale oder Amshinov begnügen. In Bnei Brak dagegen schaut die Lage bisher positiver aus, denn die haredischen Gegenden sind nicht so überlaufen und fanatische Christen haben dort absolut keinen Zutritt. Nadvorna, Vishnitz, Schomrei Emunim, Biale, Alexander, Bohush, Lelov, Spinka, um nur einige Gruppen aus Bnei Brak zu nennen.

Des Weiteren werden einige Chassidim, welche ich von meinen e - mails her kenne, aus New York anreisen und wir planenn einige Treffen. Erfahrungsaustausch sozusagen. Überhaupt bekomme ich viel Post aus New York und Umgebung und zuerst fragte ich mich, warum mir gerade Chassidim soviele Fragen stellen. Über Religion und die Welt. So in der Art: "Du mußt schon entschuldigen, aber Du interessierst uns halt".

Auf meinem FACEBOOK account fragte ich dann herum, warum dies so sei ? Jemand gab mir eine interessante und zugleich unerwartete Antwort, die ich nie in Erwägung gezogen hatte:
"Du bist weiblich und Orthodoxe sind nicht unbedingt gewohnt, dass da jemand Weibliches über ihre Belange schreibt. Daher interessiert sie die Person, die dahinter steht".

Ich kann die Ansicht verstehen, doch meine Realität, mit der ich stets konfrontiert werde, lautet, dass besonders die Weiblichkeit in haredischen Kreisen eingeschränkt ist. Bei mir dauert alles viel länger und wo ein Mann in zwei Minuten Zutritt bekommt, suche ich nach Auswegen und Umgehungen, bis ich ans Ziel komme. Genauso wird es mir auch wieder in diesen Sukkottagen ergehen. Dennoch, Spaß macht es auf alle Fälle und man kommt in Situationen, die man zuvor nie für möglich gehalten hätte.

In dem Sinne CHAG SAMEACH und fröhliche Feiertage an alle !

Ich werde an Sukkot schreiben, aber längst nicht so regelmässig.