Donnerstag, Juni 30, 2011

Die haredische (ultra - orthodoxe) Welt in dieser Woche


Thema Nr. 1 dieser Woche: Rabbiner Michel Yehudah Lefkowitz aus Bnei Brak verstarb vor wenigen Tagen. 100,000 Menschen kamen zur Beerdigung.

Einen Bericht zum Tod des Rabbi Lefkowitz folgt im nachfolgenden Blogartikel !

Rabbi Michel Yehudah Lefkowitz verstorben

B"H

Die Stadt Bnei Brak bei Tel Aviv hat ihre eigenen Thoragrößen und Rabbiner. Die litvisch – haredische (ultra – orthodoxe) Yeshiva Ponivezh ist eine der bedeutensten relig. Lehrinstitute des Landes und hat Rang und Namen. Nicht jeder wird dort eben mal so aufgenommen, sondern muss schon einen gewissen Family Background nachweisen. Ferner ist Ponivezh nicht gerade modern eingestellt und der Student muss schon auf so einiges verzichten (Beispiel: Kino).

Vor wenigen Tagen, am 27. Juni, verstarb einer der führenden rabbinischen Köpfe Bnei Braks sowie der Yeshivat Ponivezh: Rabbi Michel Yehudah Lefkowitz. Über 100,000 Menschen nahmen an seinem Begräbnis teil. 

Hier ein Video mit dem berühmten Rabbiner:

Mittwoch, Juni 29, 2011

Parashat Chukat - פרשת חקת


Die Rote Kuh

Photo: Temple Institute Jerusalem



B"H

Die Thoralesung für diesen Schabbat

 
Wortdefinition: 

CHUKAT = Basisgesetz, Fundamental Law

Der Ramban und Raschi kommentieren: "Dies ist ein Gesetz von Mir (G - tt) und Ihr habt kein Recht, es in Frage zu stellen !"
 
 
Diese Thoralesung beginnt mit einem Paradox. Wahrscheinlich ist es das größte und berühmteste Paradox in der gesamten Thora und sogar der weise König Salomon (Schlomo HaMelech) verzweifelte an der Logik. Normalerweise erklärte G - tt Moshe die Gründe und die Logik sämtlicher Thoragesetze, doch in der Midrasch lesen wir, dass als Moshe G - tt nach der Bedeutung der Parah Aduma, der Roten Kuh fragte, er keine Antwort bekam.

Die Parasha heißt Chukat und Chukat steht für Gesetze, die wir mit unserem eingeschränkten menschlichen Verstand nicht zu fassen in der Lage sind. G - tt trägt Moshe auf, eine Rote Kuh (Parah Adumah) ohne jegliche Schönheitsfehler zu finden und sie in einem bestimmten Ritus durch Priester (Cohanim) verbrennen zu lassen. Danach wird die Asche der Kuh mit Wasser vermischt und unreine Menschen sowie Tempelgegenstände (Geschirr) werden, nachdem sie mit dem Wasser in Berührung gekommen sind, wieder rein. Körperlich genauso wie in ihrer Seele (Neschama). Allerdings wird derjenige, der den Verbrennungsprozess ausführt, dadurch unrein. Und genau darin besteht das Paradox. 

Wie kann etwas, was eigentlich rein (tahor) macht, andere wiederum unrein (tamei) machen ?

Hierzu gibt es viele Kommentare, doch eine erklärende Antwort haben wir nicht. Anscheinend soll uns diese Mitzwah (Gesetz) deutlich machen, dass unser menschlicher Verstand im Gegensatz zu G - ttes allumfassendes Wissen nur sehr eingeschränkt funktioniert. Nicht alles was G - tt tut oder entscheidet, liegt in unserer Kraft es auch logisch nachzuvollziehen. Die Logik ist vielleicht unser großes Problem, denn wir wollen alles logisch beantwortet haben und wehe dem, wenn es einmal nicht so funktioniert.

Die Mitzwah der Roten Kuh, selbst wenn sie uns unverständlich ist, dürfen wir laut der Gemara im Talmud Traktat Yoma 67b nicht kritisieren. Dort heißt es, dass dieses spezielle Gesetz von G - tt stammt und wir keinerlei Recht zur Kritik daran haben. Insgesamt wurden in der jüdischen Geschichte nur neun Rote Kühe verbrannt. Die erste in der Zeit Moshes und die letzte vor der Zerstörung des Zweiten Tempels. Es heißt, dass die zehnte Rote Kuh vom Meschiach verbrannt wird. Rabbi Zadok HaCohen von Lublin betrachtet die Mitzwah der Roten Kuh als Tikun (Reparatur der Seele) für das Goldene Kalb (siehe hierzu auch das Buch Noam Elimelech und die Tosafot).

Was ist die eigentliche Bedeutung der Mitzwot (Gesetze), die uns G - tt in der Thora aufgetragen hat ? Warum das alles ?

In der Chassidut wird als Hauptgrund angegeben, dass wir anhand der Erfüllung der Mitzwot eine Devekut (Nähe) zu G - tt erreichen. Wir können G - tt jedoch nur nahe sein, wenn wir uns in einem reinen Zustand befinden (Magen Avraham), wo wiederum die Rote Kuh mit ihrem Reinigungsprozess ins Spiel kommt. Einen sehr interessanten Kommentar zur Roten Kuh fand ich bei Rabbi Samson Raphael Hirsch. Rabbi Hirsch vergleicht die Roten Kuh und deren spätere Asche mit den zwei menschlichen Eigenschaften; der tierischen und der g - ttlichen. Die Tierische steht für die sogenannte "physical world" und die G - ttliche für die sogenannte "upper world". Unser weltlicher Körper, ausgedrückt durch die Kuh, wird sterben, aber unsere Seele (Neschama), ausgedrückt durch die Asche, wird für alle Ewigkeiten weiterleben.

Das Verbrennen der Roten Kuh mußte außerhalb des Lagers der Israeliten bzw. später zu Tempelzeiten außerhalb der Tempel stattfinden. In der Ära des Zweiten Tempels wurde die Kuh auf dem Ölberg verbrannt. In einer Prozession wurde die Kuh dorthin gebracht. Auf dem Ölberg angekommen wurde die Kuh mit einem Seil aus Bast so an einen Pfahl gebunden, dass ihr Kopf nach Süden und ihr Gesicht nach Westen gerichtet war. Der Priester (Cohen) stand in Richtung Osten und mit dem Gesicht nach Westen. Er schlachtete sie mit der rechten Hand und fing das ihr Blut mit der linken Hand auf (Talmud Parah, Mishna 9).

Seit der Zerstörung des Zweiten Tempels sind wir in der Ausführung unserer Mitzwot sehr eingeschränkt. Ca. 70 – 80 der ursprünglich 613 sind wir heutzutage in der Lage zu erfüllen. Alle weiteren bezogen sich auf den Tempeldienst und die Cohanim (Tempelpriester). Auch die Mitzwah der Roten Kuh gibt es derzeit nicht, sondern erst wieder nach dem dem Eintreffen des Meschiach.

Rote Kühen selbst sind vielen Wissenschaftlern ein Rätsel. Wie genau sahen die Kühe aus und wie kam es überhaupt, dass sie damals existierten und heute nicht ? Vor einigen Jahren glaubte man, in der Nähe von Haifa eine solche Rote Kuh entdeckt zu haben. Schon meinten viele, dass dann der Meschiach nicht mehr weit sei. Die Euphorie wurde jedoch schnell gedämpft, denn die Rote Kuh war nicht perfekt wie vorgeschrieben. Sie hatte einige schwarze Haare in ihrem ansonsten so roten Fell, was sie unkoscher für ein Verbrennen machte.

Der Parashainhalt der Roten Kuh, sowie der Tod von Miriam und ihrem Bruder Aharon sollten uns an diesem Schabbat etwas nachdenklich in bezug auf unser eingeschränktes Wissen und unsere Sterblichkeit stimmen.

Zu guter Letzt eine chassidische Story; eine Story von Rabbi Zusha von Anapoli (1718 - 1800), dem jüngeren Bruder des großen chassidischen Rabbiners Elimelech Weissblum von Lizhensk (Lejanks in Polen).

Einmal sagte Rav Zusha zu seinen Schülern:

"Wenn ich sterbe, wird mich G - tt nach meinem Tode nicht fragen - "Zusha, warum warst Du nicht so perfekt wie Avraham oder Moshe ?".
Was Er mich dagegen fragen wird ist - "Zusha, warum warst Du nicht Zusha ?"

Die Bedeutung ist, dass wir nicht immer auf andere und deren Potential schauen sollen. Stattdessen sollten wir uns lieber auf unsere Aufgaben und unser individuelles Potential konzentrieren. Was meines Nachbarn Aufgabe in dieser Welt ist, ist noch lange nicht meine.

 
Links:


Leserfrage: Was bedeutet CHAMOR - חמור

B”H

Ein Leser googelte das hebräische Wort CHAMOR und suchte nach der Bedeutung des Wortes. 

Hier seht Ihr einen CHAMOR:



Der Plural des Wortes lautet:

CHAMORIM - ESEL

Judentum unterrichten


Meine Parashat HaShavua (Thoralesung) Vorbereitung

Photo: Miriam Woelke

B"H

Mein ganzes Leben lang bin ich innigst mit Büchern verbunden. Genau gesagt bin ich mit ihnen aufgewachsen und an der Verbundenheit hat sich bis heute nichts geändert. In den letzten 14, 15 Jahren jedoch beschränkte sich meine Literatur vorwiegend auf das Studium der "Sifrei Koidesh – Jüdisch religiöse Bücher". Gemara (Talmud) Studien in einem professionellen litvish – haredischen (ultra – orthodoxen) Frauensemninar sowie einige Kurse an der Bar Ilan University. Ferner nahm ich an einem akademischen Kurs zur “Jüdischen Symbolik im Talmud und der Kabbalah” teil. Insgeheim aber bin ich immer der Yeshiva – Typ (relig. Schule) geblieben. Nein, ich mag keine Chavrutah (zwei Personen, die sich vorwiegend in talmudische Diskussionen vertiefen), sondern ziehe Vorlesungen von guten Rabbinern oder selbst Professoren vor. Rabbiner und Professoren, die sich auf ihren Gebieten allerbestens auskennen ! Was ich nicht tue ist, mir Vorträge von selbsternannten “Experten” anzuhören, die sich entweder ihre Inhalte aus dem Internet saugen oder Wikipedia umkrempeln.

Einige Male besuchte ich die Vorträge eines in der “modern – Orthodox” world bekannten englischsprachigen Referenten. Was immer der Referent damals im Jerusalemer “Israel Center” (Orthodox Union) auch sagte, klang plausibel und interessant. In den nachfolgenden Tagen besorgte ich mir eindeutige Literatur zu den Themen, denn ich wollte mehr lernen. Leider kam dabei heraus, dass der Referent selbst einschneidende Fehler begangen hatte. Einer der Extremfehler bezog sich auf den falschen jüdischen Meschiach Shabtai Zvi aus dem 17. Jahrhundert. Hier hatte der Referent einen Fehler aus einer Wikipedia Seite übernommen, ohne genauer nachzuforschen. Seither drängt es mich nicht mehr allzu sehr in Vorträge eben jener selbsternannter “Experten”. Insbesondere in Jerusalem geben unzählige Leute relig. Vorträge, die gar keinen relig. Hintergrund in ihrem Leben vorweisen können. 

Ferner bin ich der Ansicht, dass bestimmte Dinge ganz einfach nicht in die breite Öffentlichkeit gehören und eher in einem kleinen Kreis derjenigen bleiben sollten, die sich mit dem Thema bestens auskennen.

Gründe für die Mitzwot (Thoragesetze)


B”H

In der Gemara (rabbinische Diskussion) des Talmud Traktates Sanhedrin 21b kommt die Frage auf, warum G – tt den Juden nicht den jeweiligen Grund der Thoragesetze (Mitzwot) definierte. Dazu sagt Rabbi Yitzchak, dass wenn G – tt den jeweiligen Grund für die und die Mitzwah angegeben hätte, eine Person behaupten könnte, dass der Grund nun wirklich nicht auf die Person zutreffe.

Die Thora selbst nennt in lediglich zwei Fällen den Grund für das Bestehen des Gesetzes und selbst der weise König Salomon irrte und dachte, dass die beiden Gründe auf ihn bestimmt nicht zutreffen. 
Was also würden wir dann erst behaupten, wenn schon König Salomon so anfing sich 
herauszureden ?

Unter anderem legt die Thora fest, dass ein israelitischer König nicht mehrere Ehefrauen gleichzeitig haben darf, denn dies könnte den König von G – tt entfernen. Wer zu viele Frauen hat, der ist halt immer anderweitig beschäftigt. König Salomon heiratete dennoch unzählige Frauen, sagte aber, dass ihm das alles nicht passiere und er immer auf G – ttes Pfaden wandeln werde. Wie wir wissen, schlug Salomons Vorhaben fehl und er wandte sich zu diversen Zeiten von G – tt ab. Der Talmud lehrt uns, dass zu einer gewissen Zeit Shlomo sogar seine Königsposition verlor, da er sich von G – tt abgewandt hatte. Die beschriebene Absetzung erfolgte aber wohl eher symbolisch; bedeutet, Salomons Persönlichkeit veränderte sich einmal zum Schlechteren und dann wieder zum Besseren.

Ferner lehrt die Thora, dass ein jüdischer König nicht zu viele Pferde für sich selbst züchten darf, damit keine Gefahr besteht, dass er andere Juden nach Ägypten sendet, um dort Pferde zu holen. Ein Jude sollte nicht unbedingt nach Ägypten zurückkehren, obwohl die Ägypter der Antike berühmt für ihre Pferdezüchtungen waren.

Auch bei dem Pferdegebot sah König Salomon sich oben auf und scheiterte auch dabei.

Dienstag, Juni 28, 2011

Leserfrage: Warum Juden keinen Reis essen

B”H

Warum Juden keinen Reis essen” – diese Worte googelte jemand und stiess so auf diesen Blog. 

Allerdings essen Juden sehr wohl Reis und das in Israel sogar mit Vorliebe. Insgesamt existiert kaum ein Menu kurdischer, irakischer, iranischer oder marokkanischer Juden ohne die Reisbeilage.

Worauf die Leserfrage vielleicht anspielen mag ist PESSACH. An den sieben Pessachfeiertagen essen aschkenazische Juden keinen Reis, was auf eine Tradition des Mittelalters zurückgeht. Damals nämlich wurde Reis auch in Mehlsäcken verpackt und Mehl ist ja bekanntlich an Pessach CHAMETZ und verboten.

Einige sephardische oder Mizrachi Juden wie Kurden, Iraner oder Iraker kennen diese Tradition nicht und essen auch an Pessach Reis. Marokkaner hingegen nicht.

War der Schauspieler PETER FALK Jude ?

B”H

War der erst kürzlich verstorbene Schauspieler PETER FALK (Colombo) Jude ?

Peter Michael Falk wurde am 16. September 1927 in New York City geboren. Sein Vater war Michael Peter Falk, der Besitzer eines Textilgeschäftes. Peter Falks Mutter war Madeline Falk geborene Hochhauser. Der Vater stammte aus einer russisch – jüdischen Familie und die Mutter aus einer polnisch – jüdischen Familie mit ungarischen sowie tschechischen Wurzeln. Somit war Peter Falk Jude.

In der deutschen Synchronisierung sagte Peter Falk in COLOMBO stets: “Ich hätte da noch eine Frage”. Im amerikanischen Original jedoch lautete sein Standardsatz: “Just one more thing”.

Am 23. Juni 2011 verstarb Peter Falk in Beverly Hills.

Sefer Kushiot: Warum Avraham und Yaakov von G - tt neue Namen erhielten




Photos: Miriam Woelke

B"H

Ich liebe das mittelalterliche Buch “SEFER KUSHIOT”, welches da auf einem Frage – und Antwortprinzip basiert. Hier ein kleines kurzes Beispiel:

Warum erhielten Avraham und Yaakov neue Namen von Gott, doch Yitzchaks (Sohn des Avraham und Vater des Yaakov) Name wurde nie geändert ?

Wir erinnern uns: Avraham wurde ursprünglich als AVRAM geboren und später, nach der Beschneidung (Brit Milah), fügte G - tt dem Namen ein HEH - ה , ein H, hinzu. So wurde aus Avram AVRAHAM.

Nach dem Kampf mit dem "Engel" erhielt Yaakov den zweiten Namen ISRAEL.


Kommt jemand auf die Antwort ?

Montag, Juni 27, 2011

Juden in der Türkei: Chazan (Kantor) Isak Macoro aus Istanbul

B"H

Seit vielen Jahrhunderten leben Juden in der Türkei und bis heute hat sich daran nichts geändert. Dennoch sind die türkischen Juden vorsichtiger geworden und wollen weder in der Öffentlichkeit noch beim anti - israelischen Präsidenten Erdogan auffallen. Man hält sich lieber im Hintergrund, um keine anti - jüdischen Ausschreitungen zu provozieren.

Eine der Städte mit einer langen jüdischen Tradition ist IZMIR (Smyrna). Jedoch zeugt Izmir auch von einem traurigen Kapitel innerhalb der jüdischen Geschichte, denn dort wurde im August des Jahres 1626 der falsche Messias Shabtai Zvi geboren. 


Hier aber erst einmal eine Gesangskostprobe des ehemaligen Istanbul Chazan (Kantor) Isak Macoro (1918 - 2008), der eine sephardische Melodie präsentiert.

Blühender Baum in Tel Aviv



Photo: Miriam Woelke

Sonntag, Juni 26, 2011

Bild des Tages


Jerusalem im März 2011

Photo: Miriam Woelke

“Die Armee des Rebben”

B”H

Anscheinend erfreut sich das bereits im Jahre 2003 erschienene Buch der Sue Fishkoff “The Rebbe and his Army” höchstem Interesse auf einem deutsch – jüdischen Blog. Selbst schrieb ich schon vor drei Jahre eine Abhandlung zum Buch. Zuerst blickt der Leser mit hoher Erwartung auf das Buch, erwartet er doch einige Insights in die chassidische Gruppe Chabad (Lubawitsch). Nach wenigen Seiten jedoch kommt die Langeweile auf und man merkt schnell, dass Sue Fishkoff sich hat einwickeln lassen. 

Bei all meinen Jahren in der haredischen (ultra – orthodoxen) Gesellschaft schaue ich nicht nur eben mal in dieses oberflächliche Buch, sondern lieber in die wahren Ideologien von Chabad. Angefangen von der Gruppengründung bis heute. Auf meinem englischen Blog kommuniziere ich regelmässig mit einem geborenen Chabadnik der “alten Garde” und musste so erfahren, dass heutzutage ein Unterschied zwischen Chabad und Lubawitsch besteht. Dass die als etwas “modern” betrachteten Chabad – Häuser in aller Welt nicht die wahre Ideologie wiedergeben. Dass Chabad eine sehr ernsthaft, ja, geradezu strenge Chassidut ist. Abgesehen von ihrem extremen Antizionismus, in welchem sie zu manchen Zeiten noch viel strenger und rigoroser vorging als die bekannten Satmarer Chassidim. 

Allgemein ist Sue Fishkoff’s Buch oberflächlich gehalten und ohne, die für den wahren Chabad – Interessenten, tiefen Hintergrundbeschreibungen. Man muss das Buch nicht kaufen und in der Originalsprache Englisch ist es eh schon vor acht Jahren erschienen und wurde damals ziemlich schnell abgehandelt. Eben wegen der fehlenden Inhalte. Wer sich kurz informieren will, der kann das jetzt anscheinend in einer deutschen Übersetzung tun. Wie gesagt, einer professionelleren Betrachtung hält Sue Fishkoff nicht stand. 

An alle Leser, die an mehr als einer einseitigen Betrachtung von Chabad interessiert sind, empfehle ich das Buch: “DER REBBE”. Professionell gemacht und mit vielen Beschreibungen zur Chabad Philosophie. Was steckt hinter dem Chassidismus und worin unterschied sich der Chabad – Gründer Rabbi Schneur Zalman von Liadi vom Baal Shem Tov Nachfolger, dem Maggid von Mezritch ?


Ferner existieren zum Thema CHABAD viele viele Bücher und wer an einer Literaturliste (englisch) interessiert ist, kann mir schreiben. Einfach so als Schabbat – Kaffeekränzchen in einem Chabad Haus sollte man die chassidische Gruppe gewiss nicht abtun.

Christliche Missionare in Jerusalems Ben Yehudah Mall

B"H

ESSER AGAROTH photographierte ein paar widerliche christliche Missionare in der Ben Yehudah Shopping Mall in Jerusalem. Er sowie ich unternehmen stets den Versuch, derlei Missionare vor die Kamera zu bekommen, um andere Leute zu warnen.





Hier ein Photo, welches ich von einem israelisch - christlichen Missionar im Jerusalemer Machane Yehudah Markt aufnahm. Seine Name ist Gidon und er treibt sich zumeist in Tel Aviv herum. Falls er nicht gerade als Homeless in einer Jerusalemer Synagoge nächtigt.



Chazan (Kantor) Simon Cohen in Tel Aviv


Samstag, Juni 25, 2011

Die Geschichte der Juden von Libyen


Die BEN SHAIF SYNAGOGE in Zliten / Libyen. Das Photo entstand vor dem Zweiten Weltkrieg. 


B”H

Schon vor Beginn der weltlichen Zeitrechnung, im Jahre 323, siedelten sich Juden in Libyen an. Der römische Kaiser Augustus sprach seinerzeit den Juden der Region Cyrene / Libyen besondere Privilegien zu und wenn man es historisch nimmt, so waren die Juden viele Jahre vor der Gründung des Islam in Libyen ansässig. Nach Muhammad krähte damals noch kein Hahn !

Einst eine blühende jüdische Gemeinde, im letzten Jahrhundert fand alles abrupt ein Ende und heute finden wir in Libyen keine Juden mehr. Allerdings würden viele in Israel lebende Juden libyscher Herkunft gerne ihr ehemaliges Heimatland besuchen. 

Am 5. November 1945 kam es in der Hauptstadt Tripoli zu einem Pogrom, in dem 140 Juden umkamen. Hintergrund: Im Jahre 1911 besetzte Italien das nordafrikanische Land. Im Jahre 1931 waren 4 % der Gesamtbevölkerung Libyens Juden. Von 550,000 Libyern waren 21,000 Juden.

Ende der 30iger Jahre kam es dann durch die antisemitischen Mussolini – Italiener zu den ersten Benachteiligungen der Juden von Libyen. Im Jahre 1942 jedoch besetzte die deutsche Wehrmacht das Land und wer immer glaubte, Hitler liess nur die aschkenazisch – europäischen Juden verfolgen, der hat sich noch nicht mit den Leiden der Juden Nordafrikas auseinandergesetzt. Ein trauriges Kapitel, von dem bis heute kaum die Rede ist: Nordafrikanische Juden in Arbeits – u. Konzentrationslagern. Die Nazi – Vernichtungsmaschinerie ging in Nordafrika genau so unbarmherzig gegen Juden vor wie in allen besetzten Teilen Europas. 


Bilder aus einer langen traditionsreichen Vergangenheit: Juden in Libyen


Im Juni 1948 brachten arabische Randalierer erneut 12 Juden um und zerstörten 250 jüdische Häuser. Seitdem verliessen immer mehr Juden das Land und als Diktator Ghadaffi im Jahre 1969 die Macht an sich riss, liess dieser alles jüdische Eigentum sofort konfiszieren und arabische Schuldner brauchten ihre Schulden an Juden nicht mehr zurückzahlen.

Der letzte in Libyen verbliebene Jude starb im Jahre 2002.


Quellen:


Irakische Juden in Israel (1950)


Zwei irakische Juden nach ihrer Ankunft in Israel (1950).

Donnerstag, Juni 23, 2011

Wer braucht COHANIM (Tempelpriester) und LEVI’IM (Leviten) ?

B”H

An diesem Schabbat lesen wir in den Synagogen die Thoralesung KORACH. Und eben jener Korach, der Sohn des Itzhar, ein Verwandter von Moshe, rebellierte, weil er nicht einsah, dass ausschliesslich Moshe und Aharon sich die Priesterschaft  teilen. Warum sollen ausgerechnet nur die beiden Brüder das Sagen haben und er, Korach, ist ausgeschlossen ?

Rabbi Avraham Yitzchak HaCohen Kook (1865 – 1935) stellte die Frage, warum das Judentum überhaupt einer Tempelpriesterschaft bedarf ? Warum können nicht alle Juden gleich sein ?

In seiner Antwort vergleicht Rabbi Kook den Bedarf der jüdischen Tempelpriesterschaft mit den Organen eines Körpers. Jedes Organ hegt seine eigene individuelle Aufgabe und Funktion, damit unser Körper funktioniert. Darüber hinaus funktioniert unsere Gesellschaft ebenso nach einem Unterteilungsprinzip: Jemand ist Wissenschaftler, Bauer oder Arzt. Nicht sind gleich, sondern gehen ihren Fähigkeiten nach. Ziehen alle an einem Strang, dient dies dem Wohl der ganzen Gemeinschaft. 

Siehe den gesamten Kommentar des Rabbi Avraham Yitzchak HaCohen Kook HIER !

Parashat Korach - פרשת קרח


B”H

Die Thoralesung für diesen Schabbat


Das Erste, was uns bei der Parasha Korach auffällt ist, das sie ausgerechnet nach Korach benannt wurde. Wieso wird eine ganze Thoralesung nach ihm benannt, wenn er doch Moshe und Aharon herausforderte und G - tt ihn strafte ?

Bei Korach begann alles mit einer Prophezeihung, die er hatte. Er sah, dass er selbst die Macht übernehmen sollte (Raschi). Allerdings machte er einen gewaltigen Fehler. Er hatte zwar diese Prophezeihung, doch deutete er sie falsch. Nicht ER sollte der Anführer der Juden werden, sondern einer seine Nachfahren, nämlich der Prophet SAMUEL (SHMUEL). Korachs Söhne bereuten rechtzeitig ihre Taten und so überlebten sie (Raschi). Dadurch geschah es, dass der überhebliche Korach ein Vorfahre des großen Shmuel HaNavi (Samuel der Prophet) war.

 
Das Grab des Propheten Samuels (Shmuels) nördlich von Jerusalem. Shmuel war ein Nachfahre Korachs !

"VaYikach Korach - ויקח קרח" - "Und Korach entfernte sich…"

Korach und seine Anhänger entfernten sich vom Rest der Israeliten (Raschi, Ramban, Maharal von Prag etc.). Korach kam mit 250 seiner Anhänger zu Moshe und forderte diesen heraus. Auch er war vom Stamm Levi, denn sein Vater Kehat war ein Sohn Levis, genauso wie Amram, der Vater Moshe und Aharons. Moshe und Korach waren also Cousins und Korach sah nicht ein, dass nur Moshe und Aharon die Führung der Israeliten übernommen hatten. Er war neidisch und wollte ebenso einen Teil vom Kuchen abhaben (Sefat Emet und Ibn Ezra).

“VaYikach Korach” – Korach nahm sich eine Absicht im Leben heraus, die gar nicht für ihn bestimmt war. Als Moshe die Abschuldigungen gegen ihn vernahm, war er vollkommen geschockt, denn wenn sich ein Mensch eine Aufgabe selbst zuteilt, die eigentlich gar nicht für ihn vorgesehen ist, so ist dies gleichzusetzen mit der “Ablehnung G – ttes” (siehe den Kommentar von Rabbi Samson Raphael Hirsch), denn in dem Moment höre ich nicht mehr auf G – ttes Willen, sondern renne meinen eigenen Phantasien hinterher. 

“VaYikach Korach” – Was genau nahm Korach, fragt das kabbalistische Buch ZOHAR ? Antwort: Korach griff seinen eigenen schlechten Rat auf und folgte ihm, ohne groß nachzudenken. 

Der chassidische Kommentar Degel Machane Ephraim sowie Rabbi Samson Raphael Hirsch lehren, dass der ganze Streit nur deshalb ausbrach, weil Korach nicht einsah, dass Moshe nur seinem Bruder Aharon das Priesteramt (Cohen) zusprach. Nicht, dass Korach auf Reichtümer aus war, denn er war mehr als wohlhabend, hatte er doch Yosefs versteckten Schatz in Ägypten gefunden (Sefer Seder HaDorot). Zusätzlich hielt Korach einen sehr guten Posten inne, denn er war einer derjenigen, die die Bundeslade tragen durfte.

Nach dem Ereignis mit den Spionen, die mit falsch interpretierten Berichten zurückkamen, sah Korach seine Stunde der Rebellion gekommen. Er warf Moshe vor, dass alle Israeliten heilig seien und somit keiner besonderen Anführers bedarf. Daraufhin verwies Moshe ihn auf den folgenden Tag, an dem G - tt zeigen sollte, wen genau Er als Anführer der Israeliten auserkoren hat.
Warum erst auf den kommenden Tag und nicht gleich ?

Die Midrasch Rabbah sowie Rabbi Samson Raphael Hirsch kommentieren, dass Moshe Korach und den anderen Rebellen Zeit geben wollte, ihre Anschuldigungen zu bereuen. Einige Stunden Schlaf und die Sache würde vielleicht ganz anders ausschauen. Stattdessen aber bereuten Korach & Co. nichts und besiegelten so ihr Schicksal. Nur seine Söhne sprangen im letzten Moment doch noch ab. Genauso wie On, der Sohn Pelet. Die Gemara im Talmud Traktat Sanhedrin 109b - 110a erzählt uns genau, wie die Frau von On ihrem Gatten Wein zu trinken gab und ihn so vorerst ausschaltete. On schlief ein, verpaßte die Rebellion und blieb am Leben. Die Ehefrau Korachs dagegen war aus anderem Holze geschnitzt. Laut Gemara in Sanhedrin 100a wiegelte sie ihren Gatten erst so richtig gegen Moshe auf. Sein lieber Cousin Moshe würde nämlich nur alles unter sich und seinem Bruder aufteilen und er (Korach) gehe leer aus.

Wie wir in der Thora lesen, wurden alle 250 Rebellen vom sich auftuenden Erdboden verschluckt. In der Gemara Sanhedrin 110a gibt es einen Disput verschiedener Rabbiner darüber, ob Korach wirklich verschluckt wurde oder ob er erst bei der nachfolgenden Plage oder gar beide Tode starb.

Hat die Erde Korach verschluckt ?

Der Ischbitzer Rebbe (Rabbi Mordechai Yosef Leiner) kommentiert, dass Korach ganz einfach seiner Yetzer (negativen Veranlagung) folgte. Plötzlich kam ein Gedanke in ihm auf und ohne groß zu überlegen bzw. sich über mögliche Konsequenzen bewußt zu sein, folgte er seinem negativen Gedanken. Hätte er nachgedacht, so wäre ihm bewußt gewesen, dass G - tt Moshe und Aharon zu den Anführern bestimmt hatte. Natürlich kann jeder Einzelne seine stillen Zweifel an Moshes Herrschaft haben, doch nichtsdestotrotz wurde er von G - tt dazu auserwählt und Moshe war nicht gerade ein Charakter, der seine Position ausnutzte. Eher das genaue Gegenteil.

In der Chassidut wird Moshe als kompletter Zaddik (Gerechter) bezeichnet, dessen Aufgabe darin bestand, unsere Welt mit G - tt zu verbinden (Degel Machane Ephraim). Genauso sehen bis heute die chassidischen Gruppen ihren Rebben. Nicht, dass heutzutage jemand auf dem Level Moshes ist, dennoch verbindet ein Zaddik (ein Gerechter) unsere Welt mit G - tt und es wird ihm eine bestimmte Kraft nachgesagt, welche diverse G - ttesurteile zum Guten verändern kann. Siehe Moshe bei seinen Diskursen mit G - tt. So lautet zumindest der Idealfall eines Zaddik (Gerechten).

In jeder Generation gibt es einen Zaddik und Leute, die gegen ihn sind. Was ein Rebell gegen einen Zaddik machen kann ist, sorgfältig nachzudenken und seine negativen Energie in Positives umwandeln (Rabbi Simcha Bunim von Peshis'cha). Dies ist der Weg, um Korachs Seele (Neshama) zu "reparieren", wie man in der Kabbalah oder der Chassidut sagt.

Der mittelalterliche Kabbalist, Rabbi Yitzchak Luria, lehrt, dass ein Seelenlevel des Kain (Sohn von Adam) in Korach reinkarniert worden war. Die Kabbalah unterscheidet oftmals derartige Seelenleven in Gut und Böse und im Falle von Korach trat in ihn die böse Seite des Kain ein. Betrachten wir uns dagegen die Reinkarnationsinterpretation des Rabbi Luria in Bezug auf Moshe, so erfahren wir, dass die Person MOSHE zwei reinkarnierte Seelenlevel enthielt. Zum einen eine Reinkarnation des Hevel (Abel, dem Bruder des Kain). Und zwar von der guten Seelenseite des Hevel. Im Grunde genommen finden wir hier also den Zwist MOSHE gegen KORACH oder auch kabbalistisch ausgedrückt KAIN gegen HEVEL (ABEL). Siehe die Bücher “Torat Nathan”, “Chumash HaArizal” sowie “Sha’ar HaPesukim”. 

Warum erhalten Menschen, in diesem Fall Moshe und Korach, reinkarnierte Seelenlevel anderer Personen ? Die einfache Antwort darauf lautet: Um die Seelenlevel so zu beeinflussen, dass sie den letzten Schliff der Perfektionierung erlangen, welche der vorherige Inhaber nicht schaffte. Allerdings kann den reinkarnierten Seelenleveln auch geschadet werden, indem ich mein Ziel verfehle oder die Reinkarnation durch mein Handeln noch weiter ins Negative ziehe. Schauen wir nur auf Korach, welcher in sich eben in dieser Situation für das Schlechte des Kain entschied und somit eine Rebellion gegen Moshe anzettelte. 

Jeder von uns hat Zeiten in seinem Leben, in denen er negative Gedanken im Kopf mit sich trägt. Allerdings sollte man nicht wild drauflos rennen, sondern sich erst einmal darüber klar werden, was es für Folgen hat und ob das alles wirklich das Richtige wäre. In dem Moment, in dem man sich eines besseren besinnt, kann man das Negative in etwas Positives umwandeln und hat so einen Tikun Olam (eine Art Weltverbesserung) vollbracht (Baal Shem Tov, Chassidut Chabad und weitere).

Korach war also neidisch auf die Führungspositionen von Moshe und Aharon. Die Thora und sämtliche Kommentatoren legen äußerst großen Wert darauf festzustellen, dass im Judentum niemand eine bevorzugte Stellung einnimmt. Wenn von Cohanim (Tempelpriestern), Levi'im (Leviten) oder vom Volk Israel die Rede ist, dann sind alle Mitglieder gleichermaßen relevant und keiner ist von minderer Bedeutung. Jeder Einzelne von uns hat seine bestimmte Aufgabe im Leben, für die er erschaffen worden ist und daher sollte sich niemand herabgesetzt oder weniger wichtig fühlen.

Der Parasha Inhalt und das, was wir daraus mitnehmen sollen ist, dass jeder Mensch im Leben seine eigene Aufgabe besitzt. Deswegen erschuf uns G - tt. Nicht nur einen Menschen, sondern Milliarden. Milliarden Menschen mit ihrer eigenen Aufgabe in diesem Leben und auf diesem Planeten. 

Die Aufgabe, die G - tt mir zudachte, kann nur ich allein erledigen und niemand anderes. Selbst dann nicht, wenn ein Mitmensch doch so viel geeigneter wäre. Nein, ich muss da durch und meine Aufgabe erfüllen. Im Talmud heißt es, dass G - tt noch vor der Geburt eines Menschen festlegt, ob dieser einmal arm oder reich sein wird; intelligent oder weniger schlau; mit einem super Job oder Bauer. All das galt auch für Korach, doch der versuchte zu rebellieren, indem er eine Führungsposition, die nicht für ihn bestimmt war, an sich reissen wollte. 

Im jüdischen Volk liegen die Aufgaben ebenso verteilt. Der eine ist Cohen (Tempelpriester), der andere nicht. Deswegen brauche ich nicht meinen Neid aufkommen lassen, sondern lernen zu akzeptieren, dass es Menschen mit unterschiedlichen Aufgaben im Leben gibt. Wenn ich meine Energien, anstatt neidisch durch die Welt zu laufen, positiv umsetze und mich auf meine Aufgabe konzentriere, dann wäre die Welt heute ein ganzes Stück weiter !

Versuchen wir also einmal einen Schritt zurückzugehen. Es gibt noch Milliarden andere Menschen auf der Erde und nicht nur ich allein bin wichtig. 

Schabbat Schalom

Die “Hüttenkäse – Rebellion”


Photo: Miriam Woelke
B”H

Ausgerechnet ein Haredi (ultra – orthodoxer Jude) aus Bnei Brak (bei Tel Aviv) zettelte auf Facebook den israelischen Verbraucherkrieg gegen die heimschen Hüttenkäse (Cottage) – Hersteller an.

Seit geraumer Zeit steigt der Preis für den in Israel so beliebten Hüttenkäse drastisch an und der Konsument verweigert nun den Kauf des Produktes. Die Facebook Group half und plötzlich sehen sich die Hersteller an die Wand gedrängt.

Mittwoch, Juni 22, 2011

Christliche Missionare bei Rabbi Mordechai Machlis in Jerusalem


Die christlichen Missionare Christine und Peter Darg schlichen sich bei Rabbi Mordechai Machlis ein (Nov. 2010).


B”H

Eine Freundin sandte mir vor ca. zwei Stunden eine SMS mit der Nachricht, ich solle sofort den Computer einschalten und ihre e – mails an mich lesen. Was ich dann las, war ein Schock, doch eigentlich gar keine so große Überraschung. Die israelische Anti – Missionssite “JEWISH ISRAEL” berichtet in ihrem aktuellen Artikel auch über Rabbi Mordechai Machlis aus Jerusalem. Einem nationalrelig. Rabbiner, den ich seit vielen Jahren sehr gut kenne und dessen Frau Henny samt der vierzehn Kinder eine immense Chesed (Güte) an den Tag legen, indem sie seit fast 30 Jahren allwöchentlich Schabbatgäste empfangen. Jeder darf kommen und teilnehmen.

Natürlich werden die Machlises am Schabbat auch ausgenutzt. Zum einen von nichtjüdischen Touristen, von denen viele nur ein Ziel haben: Sich umsonst durchzufressen. Gierig stürzen sie sich auf das Essen, was ich selber genügend viele Male mitverfolgte. Photokameras wurden nicht selten herausgezogen und ein jüdischer Schabbat war ihnen ganz egal. Ganz zu schweigen von den dicken Kreuzen an Halsketten, die da von den Touristen getragen wurden. Ab und an stand ein christlicher Missionar auf und versuchte, seine Missionsshow abzuziehen, wobei er von Rabbi Machlis gestoppt wurde.

Da jeder zu den Machlises kommen darf, treffen zu den wöchentlichen Parashavorträgen am Dienstag ebenso viele Nichtjuden ein. Jetzt veröffentliche das christliche Missionsehepaar Christine und Peter Darg auf ihrer Site ein Machlis Video, in welchem sie erscheinen. Unverhohlen machen sie damit unter ihren Missionsgesinnungsgenossen Werbung, dass sie einmal bei einem richtigen jüdischen Rabbiner sassen. Sowas bringt dem Ehepaar Darg innerhalb ihrer christlichen Bruderschaft Werbung und einen Batzen neuer Spendengelder ein. 

Ob Rabbi Mordechai Machlis bekannt war, wer da mit welcher Absicht bei ihm zuhause am Tisch sass, ist offiziell noch nicht bekannt, da seine Stellungnahme aussteht. JEWISH ISRAEL hingegen bringt Fakten über die Dargs und deren miese Missionsabsichten.

Seit Jahren rede ich zusammen mit Freunden auf Rabbi Machlis ein, nicht alle und jeden in sein Haus zu lassen. Trotz der vielen Beschwerden von Juden, die da plötzlich als Tischnachbarn einen Christen mit dickem Kreuz um den Hals vorfinden, gab der Rabbi noch nicht nach. Seine Frau und Kinder sind gegen nichtjüdische Gäste und seine Kinder berichteten mir, dass ihr Vater ebenso nur Juden wolle. Dennoch will er niemanden hinausbitten und schweigt halt lieber. Ein Fehler, wie sich nun heraustsellt, denn der Bericht auf JEWISH ISRAEL kann weite Kreise innerhalb der jüdischen Welt ziehen und Rabbi Machlises Reputation tief in Frage stellen.

Montag, Juni 20, 2011

Leserfrage: Sephardische Thorakommentare & MIKRE'OT GEDOLOT

B”H

Ein Leser googelte die Frage, wie er denn an eine Thora mit sephardischen Thorakommentaren komme. Die Antwort darauf lautet, dass mir eine solche Thora nicht bekannt ist. Erstens einmal sind nicht alle sephardischen Kommentatoren überhaupt erst ins Englische übersetzt worden. Zweitens kauft sich jemand, der an einem bestimmten sephardischen Kommentator interessiert ist, die hebräische Setausgabe des jeweiligen Rabbiners.

Alls Allgemeinkommentar in der hebräischen Sprache sind die Thoraausgaben “Mikre’ot Gedolot” nicht wegzudenken, in denen auch einige sephardische Kommentatoren vertreten sind ! Dennoch handelt es sich dabei nicht um eine rein sephardische Kommentatorenauswahl.


Die MIKRE’OT GEDOLOT gibt es sowohl als auch für die fünf Bücher Moses als auch für die Propheten und Schriften. Allerdings nur in hebräischer Sprache. Dabei umfassen sie die Kommentare von Raschi, dem Ohr HaChaim (war sephardischer Herkunft), dem Kli Yakar, den Sifte’i Chachamim, dem Ramban (war sephardischer Herkunft), Sforno, Ibn Ezra (war sephardischer Herkunft), Targum Yehonatan oder Onkolos.

Und so schaut das Ganze dann aus: Der eigentliche Thoratext oben rechts und drumherum die Kommentare.



Unten: Teile eines MIKRE'OT GEDOLOT Sets


Photos: Miriam Woelke

Sephardische Rabbiner


GUSH KATIF - Ein Kapitel in der Geschichte Israels


Der interessanteste Stand auf der Buchmesse 2011 (hier in Tel Aviv): 
Die geräumten Siedler aus dem ehemaligen Gush Katif.

 Photos: Miriam Woelke
B”H

Im August 2005 liess der damalige israelische Premier Ariel Sharon das jüdische Gush Katif im Gazastreifen räumen. Sharon setzte alles daran, den Palästinensern den gesamten Gazastreifen zukommen zu lassen, damit ein neuer Schritt im Friedensprozess erzielt werde. Doch nichts war es und seitdem die Hamas das Ruder in Gaza übernahm, fliegen regelmässig Kassam - sowie Gradraketen auf israelisches Territorium. Heute gibt schon jeder Depp zu, dass die Räumung des Gush ein riesen Fehler war. Vom strategischen Gesichtspunkt gar nicht erst angefangen.

Die einstigen Siedlungen von Gush Katif waren nationalreligiös genau so wie säkuler. Damals versprach die Regierung eine schnelle garantierte Soforthilfe, doch für viele Bewohner des Gush blieb bie heute diese versprochene Hilfeleistung aus. Waren viele der Bewohner vor ihrer Räumung der Herr ihres eigenen landwirtschaftlichen Betriebes, plagt sie heute die Arbeitslosigkeit. Wer soll mit über 50 Jahren nochmal neu anfangen ? Und wo ? Immerhin hatte die Sharon - Regierung Land versprochen, aber auch das blieb weitgehend aus. Nachdem Ariel Sharon als Premier ausschied und Ehud Olmert das Ruder übernahm, fühlte sich niemand mehr zuständig und die Gush Katifler gerieten in Vergessenheit. Nichts war es mehr mit all den grossen Versprechungen. Hinzu kommt das Trauma aus dem eigenen Haus gezerrt und deportiert worden zu sein.

Das MERCAZ KATIF – KATIF CENTER befindet sich in Nitsan, an der Autobahn zwischen Ashdod und Ashkelon. Das Center bietet Touren in englischer sowie hebräischer Sprache an, wobei die Geschichte von Gush Katif inklusive des Disengagement Plan von 2005 und die Auflösung von 21 Siedlungen. Ferner führt die Tour durch eine neue kleine Siedlung ehemaliger Gush Katifler, welche auch selbst die Tour leiten.

Das KATIF CENTER bietet unterschiedliche Touren an. Von einer 2 - Stunden - Tour bis hin zum ganzen Tag. 

Wer interessiert ist, der sollte sich vorher anmelden. Reservierungen an oritberger33@gmail.com

In ENGLISCH & HEBRÄISCH: http://www.gushkatif.co.il/

Weitere Links:


Photos vom einstigen Gush Katif

Photos: “Shavua HaSefer Ha’Ivri – Woche des hebräischen Buches” in Tel Aviv

B"H

Am frühen Abend machte ich mich heute zum Rabin Square (Kikar Rabin) in Tel Aviv auf, um mir die lokale "Hebrew Book Week" anzusehen. Laufen tut die landesweite Buchmesse noch bis zum 25. Juni 2011. Details zur “Woche des hebräischen Buches” in Israel HIER

Ich kam nicht, um zu kaufen, denn daheim habe ich eh noch ziemlich viele ungelesene Bücher herumliegen. Vielmehr suchte ich die religiösen Buchstände auf und stiess dabei fast sofort auf die chassidische Gruppe Chabad.


Sicherheitskontrollen am Eingang.



Chabad (Lubawitsch) auf der Buchmesse.


Der Stand der "halb - religiösen" Bar Ilan University



Meiner Meinung nach war dies der interessanteste Stand auf der Buchmesse: Die Siedler des ehemaligen Gush Katif boten ihre Aufklärungsliteratur zur Räumung des Gush im August 2005 an. Ich sprach mit einem der Standleute und erhielt ziemlich viele Details sowie eine Einladung vorbeizukommen. Wohin ? Davon berichte ich in meinem nachfolgenden Artikel !

 Copyright / Photos: Miriam Woelke

Sonntag, Juni 19, 2011

Ka Echsof - Chassidut Karlin

B”H

Der Text des Liedes stammt von Rebbe Aharon dem Großen, dem Gründer der aus Litauen stammenden chassidischen Gruppe Karlin. Heute ist Karlin in zwei Richtungen aufgeteilt und sich untereinander nicht unbedingt freundlich gesinnt: Die größere Gruppe KARLIN – STOLIN sowie die kleines Ausrichtung der KARLIN – PINSK.

Engelsbilder

B”H

Der Talmud Traktat Avodah Zarah 43b lehrt uns, keinerlei Bilder oder Ikonen von Himmelwesen anzufertigen. Hierbei werden vor allem die Bilder bzw. Statuen von ENGELN angesprochen. 

Obwohl sich auf dem der Aron HaKodesch (die Bundeslade) zwei Engel der Gattung CHERUVIM befanden, ist es Juden dennoch verboten, Engelsmotive zu erstellen, anzufertigen oder zu drucken. Kurz gesagt, es dürfen keine Formen von Engeln dargestellt werden, wobei die Cheruvim auf der Bundeslade einen im Talmud verzeichneten Sonderstatus einnehmen.

Inwieweit Engel als solches existieren, ist uns vollkommen unbekannt. Mehrere Male berichtete ich von der Ansicht des chassidischen Meisters, dem Baal Shem Tov, der da sagte, dass es sich bei Engeln lediglich um unterschiedlich wirkende Kräfte G – ttes handele.

Jüdisch – kabbalistische Literatur beschreibt uns verschiedenartige Engelsgruppen. Davon bewegt sich lediglich eine Gruppe in unserer materiellen Welt und der Rest der Engel bewegt sich in den zwei oberen spirituellen Welten. In der vierten, der obersten spirituellen Welt genannt ATZILUT, steht G – tt normalerweise allein. Eine spirituelle Welt, in welcher es nichts gibt, außer G – tt und in ihr findet nur die Sprache der Gedanken statt.

Übrigens sind die Cheruvim (Engel mit Kindergesichtern) alles andere als freundliche Engel, denn bei ihnen handelt es sich rechtmässig um die Engel der Zerstörung.

Samstag, Juni 18, 2011

Der Kühlschrank am Schabbat

B”H

Neulich fragte mich einer meiner Facebook Friends, was denn bei der Benutzung eines Kühlschranks bezüglich der Kaschrut (Koschergesetze) zu beachten sein. Antwort: In der Praxis trennt man innerhalb des Kühlschranks die Milch – von den Fleischspeisen.

Was jedoch leicht vergessen wird (mir selber erging es genau so) ist, dass viele Kühlschränke im Innenbereich mit einem Lämpchen ausgestattet sind. Am Schabbat mache ich die Kühlschranktür auf, die Lampe geht an und somit habe ich den Schabbat gebrochen, denn ich zündete ein Licht an.

Zuerst einmal sei gesagt, dass es im Wesentlichen darauf ankommt, ob mir ein Vergehen unabsichtlich (schogeg) passiert oder ich es in voller Absicht beging (mesit). Um allerdings einem unabsichtlichen Vergehen bezüglich der Kühlschranklampe vorzubeugen, sollte man die Glühbirne entweder ganz herausdrehen oder kurz vor Schabbateinbruch lockern, damit sie bis Schabbatende nicht brennt.