Mittwoch, August 31, 2011

Sephardische SELICHOT Gebete vor Rosh Hashana an der Kotel (Klagemauer)

B”H

Mit dem Monatsbeginn des ELUL beginnen sephardische Juden ihre SELICHOT Gebete vor dem anstehende jüdischen Neujahrsfest Rosh Hashana. Am Rosh Hashana richtet G – tt die Welt und am Yom Kippur die Juden. 

Mit dem Elul, einem Monat vor dem Neujahrsfest im Tischre’i, beginnen die Juden mit der Umkehr, damit ihnen G – tt an Rosh Hashana bzw. am Yom Kippur ein weiteres Jahr auf dieser Welt gewährt. 

Der Monat Elul vor Rosh Hashana und Yom Kippur ist die Zeit der Besinnung. Was haben wir falsch gemacht und was wollen wir persönlich im neuen Jahr 5772 besser machen. Unsere Fehler einsehen, zu G – tt umkehren und auf ein besseres, positiveres Jahr hoffen. Ein weiteres Jahr, das ist es, worum wir G – tt bitten. Ein Jahr in Frieden, Gesundheit und mit ausreichenden Finanzen. 

Die sephardischen Juden haben mit ihren Selichot – Gebeten begonnen, in denen G – tt um Vergebung gebeten wird. Er soll und unsere Vergehen vergeben, aber dazu gehört unsererseits die Einsicht, etwas falsch gemacht zu haben. Ferner muss die Absicht da sein, es in Zukunft besser zu machen.

Aschkenazische Juden beginnen mit ihren Selichot – Gebeten erst am Schabbatausklang (Mozzaei Schabbat) vor dem Rosh Hashana; bedeutet am Abend des 24. September 2011. In der Regel werden die Selichot – Gebete nach Mitternacht gebetet. Tausende Menschen strömen noch bis zum Yom Kippur an die Kotel (Klagemauer) und ich werde mich in der kommenden Woche dorthin begeben und einmal umschauen. 

Anmerkung: Selichot = Entschuldigungen, Vergebungen





Die haredische (ultra - orthodoxe) Welt in dieser Woche


Dabei, unter anderem: Die Einweihung einer neuen Beit Midrash samt Thorarolle in der chassidischen Gruppe Modzitz in ihrem Center in Ashdod. 

1 Woman, 1 Mission, 7 Gesetze der Noachiden (Bnei Noach)

B"H

 Raziela Harpaz von der chassidischen Gruppe Chabad (Lubawitsch) klärt Nichtjuden über die Wichtigkeit der Einhaltung der "Sieben Gesetze der Noachiden" auf. Mehr zu diesen Gesetzen HIER !

Dienstag, August 30, 2011

Darf eine Frau eine Mezuzah anbringen ?

B”H

Ist es einer Frau erlaubt, eine Mezuzah am Türpfosten anzubringen oder darf dies nur ein Mann 
erledigen ?

Eine wichtige und praktische Frage, denn einige Male befand ich mich selber in dieser Situation. Wer tut dies nicht nach einem Umzug oder dem Kauf einer neuen Mezuzah ?

Antwort: Eine Frau darf eine Mezuzah anbringen und während Frau das tut, sollte sie ebenso den dazugehörigen Segen sagen.

Link:

Kekseis und sein Segen

B”H

Photo: Kwarnke


Persönlich mag ich es sehr gerne: Das cremige Eis mit den Keksen darin. Die Frage aber ist, welchen Segen ein Jude über eben dieses Eis betet. 

Im Judentum sagen wir vor dem Essen und nach dem Essen ganz unterschiedliche Segen, die vom Vermehrten abhängen. Brot oder eine Mahlzeit mit Brot beinhaltet einen völlig anderen Segen als eine Erdbeere. Kuchen wiederum ist anders als eine Weintraube und Wein anders als Bier. 

Wenn ein Jude plant, die Segen vor und nach der Mahlzeit oder dem Trinken zu sagen, sollte er sie einigermassen auswendig lernen. 

Im Internet findet Ihr eine Berachot – Site, u.a., bei der OU (Orthodox Union):
http://www.ou.org/publications/brachot/default.htm

Aber zurück zum Kekseincreme: Welcher Segen wird über dieses Eis gesagt, wenn es Kekse enthält, denn Teigwaren haben immer eine besondere Bedeutung ?

Man nehme zuerst ein kleines Stück des Keks aus dem Eis und sage darüber den “Mezonot” - Segen. Danach wird ein wenig Crème genommen und darüber der “She HaKol” – Segen gesprochen. Da Teigwaren eine kleine Sonderstellung einnehmen ist es wichtig, zuerst den Segen über den Keks zu sagen !

Der Segen des Kekseiscremes nach dem Verzehr erweist sich als etwas komplizierter: Wer mindestens eine Kzayit (Olivengröße) der Keksportion des Eiscremes innerhalb von vier Minuten verzehrt, der sage am Ende “Al HaMichiya”. Wer die Crème vollkommen mit der Keksportion vermischt bzw. weniger Keks innerhlab der ersten vier Minuten verzehrt, der bete nach dem Verzehr “Boreh Nefashot”. 

Ich selber würde auf alle Fälle beide Segen sagen. Zuerst “Al HaMichiya” und hinterher “Boreh Nefashot”.

Montag, August 29, 2011

"Der König ist im Feld - HaMelech Ba' Sade"


B"H

Heute (Montag) abend sowie morgen und Mittwoch feiern wir den Beginn des neuen jüdischen Monat (Rosh Chodesh) ELUL. Zusammen mit dem nachfolgenden Monat Tischrei, ist Elul mein Lieblingsmonat des gesamten Jahres. Manche lieben Purim oder Pessach; ich hingegen liebe Rosh HaShana (jüd. Neujahr) und Sukkot (Laubhüttenfest). Dies soll gewiß nicht heißen, dass ich den Yom Kippur (Versöhnungstag) unbeachtet lasse. Wie ein jeder weiß, gibt es an dem Tag kein Essen und wir sollen so sein, wie die Engel und ohne materielle Nahrung auskommen.

Besonders in der Chassidut nimmt der Monat Elul ein wichtiges Spektrum ein, denn am 18. des Monats ist der Geburtstag des Baal Shem Tov (geboren ca. 1698 oder 1700).

Generell ist der Monat Elul der Monat der "Teshuva - Umkehr zu G - tt" und dies geht uns ALLE an. Am Rosh HaShana richtet G - tt die ganze Welt und dazu gehören Juden sowie Nichtjuden. Und jeder von uns sollte wenigstens eine kleine Anstrengung unternehmen, G - tt näherzukommen; besonders, indem wir in uns selbst gehen. Den Elul nutzen, um einmal über seine individuellen Taten während des Jahres nachzudenken. In der hebräischen Sprache nennt man dies "Cheschbon Nefesch", was bedeutet, dass man sich selber einmal fragt, wo eigentlich mein Platz in dieser Welt ist. 

Wie verhalte ich mich gegenüber meinen Mitmenschen und habe ich eine Verbindung zu G - tt ? 
Wenn ja, wie kann ich diese verbessern ?

Der Baal Shem Tov sagte, dass gerade im Monat Elul "Der König im Feld ist". Dies bedeutet, dass jeder einzelne während dieser Zeit einen besonders intensiven Zugang zu G - tt haben kann. In all den anderen Monaten werden wir teilweise von G - ttes Sefirot (symbolisch für Charaktereigenschaften) gerichtet und erhört. Im Elul hingegen sind wir fähig, uns auf Level zu bewegen, welche uns eine direkte Kommunikation erlauben. G - tt persönlich steht im Feld bzw. erhört unsere Gebete.

In das Feld hinausgehen ist nicht unbedingt wörtlich zu verstehen, obwohl einige Leute (wie die Breslover Chassidim) tatsächlich oft die Natur aufsuchen, um mit G - tt zu reden. Und wie ich zuvor schon sagte, Elul eignet sich besonders dazu, seine eigenen Taten einmal zu analysieren und in sich selbst zu kehren. Sind wir anderen gegenüber genauso offen wie G - tt ? Vielleicht sollten wir gerade von Ihm lernen, anderen Chesed (Güte) zu zeigen und die Mitmenschen nicht immer sofort zu harsch richten. Alles hat immer zwei Seiten und vielleicht sollten wir uns bemühen, auch in den Mitmenschen die zweite Seite zu betrachten.

Chesed (Güte), Gebet (Tefilah) und Spenden (Zedakah), dies sind die Eigenschaften, denen wir im Elul nachgehen sollten. Schließlich wollen wir, dass uns G - tt am Rosh HaShana ebenso mit Güte und Vergebung richtet.

Wie können wir sonst im Elul noch Teshuva machen ?
Durch vermehrtes Thorastudium können wir G - tt näher kommen.
Die Thora ist nicht einfach so eine nettes Geschichtsbuch mit vielen langweiligen Regeln darin. Vielmehr sollten wir erkennen, dass die Thora auch zu uns heute spricht und uns spezielle Nachrichten und Hinweise zukommen läßt. Wenn wir diese Nachricht verstehen und verinnerlichen, dann werden wir einen guten und erfolgreichen Elul haben und G - tt schreibt uns am Rosh HaShana in das "Buch des Lebens" ein.

Rosh Chodesh Elul - ראש חודש אלול



"Der König ist im Feld - HaMelech Ba'Sade" - In diesem Monat ist G - tt so zugänglich wie nie !

B"H

Heute abend sowie morgen und übermorgen (Mittwoch) begehen wir Rosh Chodesh
Elul (אלול), den Beginn des jüdischen Monat Elul.


Der jüdische Monat Elul ist der wichtigste Monat des Jahres überhaupt, leitet er doch die Umkehr (Teschuva) zum bevorstehenden jüdischen Neujahrsfest (Rosh HaShana) ein. Aus dem Grund wird der Elul auch der Monat der Teschuva (Umkehr) oder Monat der Rachamim (Gnade) genannt.


Am Rosh Chodesh Elul stieg Moshe das dritte Mal auf den Berg Sinai, nachdem ihn G – tt dazu aufgefordert hatte. Bei seinem ersten Aufstieg erhielt er das erste Paar der Gesetzestafeln, welche er nach seinem Abstieg am 17. Tammuz zerstörte. Nämlich in dem Moment als er das Goldene Kalb sah. Gleich darauf stieg Moshe zum zweiten Mal auf den Berg Sinai, um G – tt zu überreden, die Sühne (Teschuva) der Israeliten anzunehmen und sie keinesfalls zu zerstören. Nun sollte Moshe ein drittes Mal aufsteigen, um das zweite Paar der Gesetzestafeln in Empfang zu nehmen. 40 Tage später, am Yom Kippur, wird er mit den neuen Gesetzestafeln wieder herabsteigen.


Keine jüdisch – orthodoxe Richtung legt soviel Wert auf den Satz aus Shir HaShirim 6:3: "HaMelech BaSadeh – The King is in the Field – Der König ist im Feld", wie der Chassismus. Gemeint ist damit G – tt, der laut dem Baal Shem Tov, im Monat Elul am leichtesten für uns zugänglich ist. In der Zeit des Elul ist G – tt uns am nächsten und wenn wir nur unsere Vergehen bereuen, ist Er leichter bereit uns anzuhören und zu vergeben. Dies sollte unser Ziel sein im Elul, denn am 1. Tishrei, des folgenden Monat, ist Rosh HaShana, der Tag, an dem die ganze Welt gerichtet wird. Dann entscheidet G – tt für ein weiteres Jahr über die Zukunft unserer Welt und und Menschen. Wie wird dann das neue Jahr für uns aussehen ? Erfolgreich, weniger erfolgreich, werden wir gesund bleiben, genügend Einkommen haben, wird Frieden herrschen, etc. All das wird an Rosh HaShana entschieden. Für Juden spielt der Yom Kippur am 10. Tishrei eine weitere Rolle bezüglich des Gericht G – ttes. Für Nichtjuden ist dagegen Rosh HaShana allein der alles entscheidende Tag.


Ein Minhag (Brauch) vom Baal Shem Tov war es, im gesamten Elul täglich Psalm 27 zu beten. Sieben Mal, wenn ich mich recht erinnere. Laut Chabad (Sha'arei HaMoadim) sollte man im Monat Elul täglich drei Kapitel Psalmen beten und natürlich Thora lernen, um G – ttes Gnade zu erwecken. Elul ist die große Zeit der Hitbodedut, heißt, man soll sich täglich für eine Stunde (kann auch weniger oder mehr sein) zurückziehen und das Gespräch mit G –tt suchen. Wie erwähnt, ist G – tt im Elul leichter zu erreichen. Außerdem hat Elul die Kraft, all unsere Vergehen des gesamten Jahres rückgängig zumachen, wenn wir nur bereuen (Teschuva machen), so der Sefat Emet der Chassidut Gur und dessen einstiger Rebbe. Eine weitere Vorbereitung, Teschuva zu tun und sich so auf Rosh HaShana vorzubereiten ist Zedakah (Spenden) an Bedürftige zu geben.


Die sephardischen Juden beginnen im Elul ihre Selichot – Gebete, welche ebenso zur Gnade G – ttes aufrufen. Auch wird das Schofar (Widderhorn) geblasen. Allerdings in jüdischer Tradition mit bestimmten Tönen und einer vorgeschriebenen Anzahl, auf die ich zum Thema Rosh HaShana in einigen Wochen eingehen werde.


Ashkenazische Juden beginnen mit den Slichot – Gebeten wesentlich später, nämlich am Mozzaei Schabbat (Schabbatausklang) vor Rosh HaShana. Die Selichot müssen NACH Mitternacht gebetet werden. Laut dem Jerusalemer Breslov – Rabbiner (Rabbi Peretz Auerbach) können sie NICHT vor Mitternacht gebetet werden.


Im Sefer Yetzirah (Book of Creation) heißt es, dass der hebräische Buchstabe des Monat Elul das YUD י ist. Das Yud י sieht allgemein aus wie ein kleiner Punkt und dieses Yud symbolisiert G - ttes Erschaffung der Welt mit Weisheit. In der Kabbalah wird das Yud י mit Chochmah (Weisheit) gleichgesetzt. G – tt erschuf unsere Erde als Punkt. Zuerst entstand ein Punkt, der Even HaSchtiah, der Gründungsstein unter dem Altar des Ersten und Zweiten und hoffentlich bald auch Dritten Tempels. Der winzige Punkt began sich allmählich auszubreiten, bis er unsere Welt formte.


Der israelitische Stamm des Elul ist Gad, das Sternzeichen ist die Jungfrau, das Organ ist die linke Hand und der menschliche Sinn ist das Handeln. Handeln deshalb, weil wir Teschuva begehen sollen und dafür ist die Handlung notwendig. Sprich, das Bereuen und um Vergebung bitten. Das Sternzeichen der Jungfrau im Elul stellt gleichsam einen Bezug zur Teschuva (Umkehr zu G – tt) dar. Wer seine Vergehen im Elul bereut und aufrichtig plant, sein Leben zum Positiveren auszurichten, der kann symbolisch betrachtet den Zustand einer Jungfrau erreichen. Genauso unerfahren wie eine Jungfrau; ohne jeglich Vergehen auf dem Sündenkonto, denn wer ernsthaft Teschuva macht, dem kann alles vergeben werden. Vielleicht sei zu erwähnen, das "alles" nicht tatsächlich "alles" bedeutet, denn, wie wir wissen, gibt es Vergehen, die seitens G – tt niemals richtig vergeben werden können. Zusätzlich ist direkte Vergebung im Judentum von besonderer Bedeutung. Heißt, wir müssen schon die jeweiligen Mitmenschen persönlich um Verzeihung bitten und nicht zu G – ttes Gnade erbitten. Real bedeutet dies, dass man einen Mitmenschen im Falle eines Vergehen mindestens dreimal um Vergebung bitten muß. Ist danach die Gegenseite immer noch zu keiner Vergebung bereit, so zählt eine dreimalige aufrichtige Bemühung seitens G – tt dennoch als vergeben und von nun an muß die nicht vergebende Gegenseite mit der eigenen Entscheidung leben.


Wer sich in Jerusalem befindet, der wird tags und auch nachtsüber die Klagemauer (Kotel) voll Menschen finden. Elul ist ein so intensiver Monat, den man unter allen Umständen nutzen sollte.


Ein ganz wichtiger Tag ist der 18. Elul, denn dies ist der Geburtstag des Baal Shem Tov.


Ich wünsche allen eine gute Vorbereitung auf Rosh HaShana und einen erfolgreichen Monat Elul – Chodesh Tov - חודש טוב.


Blasen des Schofar (Widderhorn)
 
Quelle: Chabad

Der Lubawitscher Rebbe & Rabbi Israel Odesser bei der Zeltdemo auf dem Rothschild Boulevard


Die Zeltdemo auf dem Tel Aviver Rothschild Boulevard existiert immer noch, wenn die Zelte auch verlassen dastehen. Ein paar Junkies und Hippies sind noch zu finden, doch die einstige Leitung der Demonstration hat sich zusammen mit den Organisatoren der extremen Linken längst abgeseilt. Was die Linken taten war, den Slogan “Soziale Gerechtigkeit” für ihre eigenen Ziele auszunutzen. In Israel aber sind kommunistische Ideologien alles andere als beliebt. Zwar müssen in der Sozialpolitik des Landes drastische Änderungen erfolgen, doch die extreme Linke einzubringen ist keine Lösung, sondern ein Fehler. Damit versetzte sich die Demo selbst den Todesstoß.

Die Organisatoren planen ein letztes Aufbäumen für diesen Samstag abend (Mozzaei Schabbat) und erwarten eine Million Demoteilnehmer. Am vergangenen Samstag aber brachten die landesweiten Demos gegen Mietwucher und zu hohe Lebenshaltungskosten lediglich ein paar Tausend Leute auf die Straße.

Heute war ich einmal wieder am Rothschild Boulevard und fand dort den Lubawitscher Rebben sowie Rabbi Israel Odesser. Kein Zweifel, die Sparte der Chabad Meshichisten (jene kleine Gruppe innerhalb von Chabad, welche den letzten Rebben Menachem Mendel Schneerson als Meschiach betrachtet, und das kleine Breslover Na Nach Movement waren da, um ihre Propaganda zu verbreiten.:-)


Rosh Hashana 5772 Poster des Na Nach Movement.




Und hier kommt der Lubawitscher Rebbe Menachem Mendel Schneerson.



Copyright / Photos: Miriam Woelke

Samstag, August 27, 2011

Selbsterkenntnis

B”H

Es werden uns die Mitzwot (Halachagesetze) beigebracht, aber dabei dürfen wir nicht vergessen herauszufinden, wer wir selber sind. Uns selber kennen lernen, um einzuschätzen, was wir von uns erwarten können. Es gibt Zeiten, in denen viele Juden zu euphorisch reagieren, wenn sie Mitzwot erfüllen. Dabei besteht die Gefahr, dass sie ihre eigene Persönlichkeit vergessen und nicht mehr sehen, was sie leisten bzw. nicht zu leisten in der Lage sind. Nicht jeder Mensch ist gleich erschaffen worden und daher ist es wichtig, eigene Grenzen abzustecken, anstatt uns mit Mitmenschen zu vergleichen, die so furchtbar perfekt erscheinen.

G - tt hat kein Blackberry

B"H

G - d doesn't have a Blackberry or an iPhone, but He is my favorite contact.

He doesn't have Facebook, but He is my best friend.

He doesn't have Twitter, but I follow Him nonetheless.

He doesn't have internet, but I am connected to Him.

And even though He has a massive communication system, His customer service never puts me on hold !

Donnerstag, August 25, 2011

Parashat Re'eh - פרשת ראה


Die Thoralesung für diesen Schabbat


Bevor wir mit der eigentlichen Thoralesung beginnen:

Wonach werden eigentlich die jeweiligen Wochenabschnitte benannt ? In dieser Woche, zum Beispiel, sehen wir das Wort "Re'eh".

Antwort: Die jeweilige wöchentliche Thoralesung am Schabbat ergibt sich vorwiegend aus dem ersten oder einem der ersten Wörter der jeweiligen Parasha. In dieser Woche finden wir das Wort "Re'eh - Siehe" als erstes Wort der Parasha.

Immer und immer wieder läßt G - tt uns durch Moshe im Sefer Devarim (Deutoronomy) wissen, wie wichtig es für Juden ist, die Thoramitzwot (Gesetze) einzuhalten. Halten wir sie ein, so geht es uns gut, wir leben in Wohlstand und Frieden und natürlich in unserem eigenen Land Israel. Halten wir G - ttes Gesetze nicht ein und wenden uns von Ihm ab, dann wird Er uns unter den Völkern verstreuen. Auch die Parashat Re'eh beginnt mit diesen Warnungen. Eine ganz wichtige Warnung, die von G - tt immer wieder in der Thora Erwähnung findet, ist der Götzendienst. Niemals sollen wir uns von dem EINEN alles regierenden G - TT abwenden und stattdessen anderen Göttern dienen.

Gleich zu Beginn der Parasha gibt uns G - tt einen Segen und einen Fluch, wobei natürlich der Götzendienst eine große Rolle spielt. Wenn wir Gutes tun, dann geht es uns gut und beim Gegenteil geschieht etwas Negatives. Der "Ohev Israel" (Rabbi Avraham Yehoshua Heshel von Apta) sowie Rabbeinu Bachya verweisen hierbei auf unsere individuelle freie Wahl im Leben. Als G - tt unsere Welt erschuf, kreierte Er uns so, dass wir selbst im Leben entscheiden können, was für Menschen wir werden. G - ttesfürchtig oder das Gegenteil. All das liegt in unserer eigenen Hand und wir haben dafür die Verantwortung zu tragen.

"Re'eh Anochi Noten Lifnejchem Hayom Bracha u'Klalah - Siehe, Ich gebe Euch heute Segen und Fluch".

Normalerweise benutzt G - tt das Wort "Anochi", wenn Er von Sich selber in der ICH - Form redet. "Anochi" bedeutet "Ich"; allerdings wird es nur in Bezug auf G - tt verwendet. Zum Beispiel gibt es kaum einem Menschen, der von sich in der ICH - Form als "Anochi" redet.

Der Thorakommentator Baal HaTurim merkt an, dass G - tt hier in der absoluten Einzahl redet. Viele Male finden wir in der Thora, dass G - tt anscheinend im Plural "E - lo - him" von sich redet, wobei G - tt selber NICHT zum Plural wird, sondern sich IMMER im SINGULAR befindet ! Was bei E - lo - him angesprochen wird, sind G - ttes unterschiedliche Kräfte, mit denen Er uns und die Welt regiert. 

In diesem Falle aber spricht G - tt in der Einzahl jeden einzelnen Juden an. A la "Schaut auf die Zehn Gebote", denn von ihnen geht alles andere aus. Und, so der Baal HaTurim weiter, beginnt das allererste Wort auf den Gesetzestafeln (Luchot) mit ANOCHI:

"Anochi A - do - nai E - lo - hej - chem …"
"Ich bin der Herr Euer G - tt …"

Von G - tt allein ging jegliche Schöpfung aus und Ihm allein sollen wir dienen.

Zum Wort "Re'eh" kommentiert Rabbi Samson Raphael Hirsch:
"Siehe" - Dies bezieht sich auf jene Generationen, die das Land Israel besiedeln werden. Die Juden müssen ihre Zukunft der Thora entsprechend gestalten. Das Entsagen von jeglichem Götzendienst bedeutet gleichzeitig eine Anerkennung der Thora. G - tt ist EINE EINZIGE EINHEIT ! Der Glaube an EINEN G - tt !
Götzendienst, lt. Rabbi Hirsch und weiteren, besteht schon in dem Moment, sobald G - tt in unterschiedliche Einheiten aufgeteilt wird.

Am Montag abend beginnt der "Umkehr - Monat" ELUL. Wie in vorherigen Artikeln angedeutet, ruft uns der Monat ELUL zur Umkehr (Teschuva) zu G - tt auf, denn am Rosh HaShana (Beginn am Abend des 28. September) wird die gesamte Welt auf ein weiteres Jahr von G - tt gerichtet. Juden erhalten ihr letztes "Gericht" am nachfolgenden Yom Kippur (Beginn am Abend des 7. Oktober).

Vielleicht beeinflusst die Thoralesung RE'EH ja den ein oder anderen zum Rosh Chodesh Elul am Dienstag und Mittwoch. Der einstige Rebbe der Chassidut Gur, der Sefat Emet, schreibt, dass der Elul der Monat des WILLEN (RATZON) ist. Innerhalb G - tt und Seinem Wesen findet niemals eine Veränderung statt ! Ferner steht G - tt über der Zeit, denn Er nicht an sie gebunden (wie wir Menschen), da Er sie ja erschuf.
Der Wille, G - tt näherzukommen. In dieser unserer materiellen Welt sowie in Bezug auf die Oberen spirituellen Welten, denn Juden besitzen die Aufgabe, diverse Seelenkorrekturen (Tikkunim) vorzunehmen. Wie ? Anhand der Mitzwoterfüllung.

Der hier angesprochene Segen bezieht sich auf die Gnade G - ttes (Rachamim) und der Fluch wiederum bezieht sich auf den richtenden G - tt (Din). Mit eben jenen zwei "Charaktereigenschaften" erschuf Er auch die Welt (Rabbeinu Bachya). Vor allem die Kabbalah beschreibt das Zusammenspiel jener zwei Charaktereigenschaften. Hätte G - tt die Welt nur mit Gnade erschaffen, dann müsste Er dementsprechend nur Gnade walten lassen, was ein ausgewogenes Leben für uns unmöglichte. Wir könnten soviele Sünden begehen, wie wir wollen und bräuchten uns keinerlei Gedanken über Bestrafung zu machen, denn es herrscht ja nur Gnade. Hätte G - tt dagegen die Welt nur mit der richtenden Eigenschaft Din erschaffen, dann sehe es anders aus. Bei jedem sündhaften Gedanken werden wir sofort gerichtet und fallen auf der Stelle tot um.

Beides allein funktioniert niemals. Bestrafungen müssen gleichzeitig unter einer gewissen Gnade stattfinden und genauso muß in der Gnade auch eine Art Din vorhanden sein. Der große Kabbalist, Rabbi Yitzchak Luria, hat in seiner Lurianischen Kabbalah dieses Zusammenspiel von Rachamim und Din erst richtig begreifbar gemacht. Zusätzlich findet dieses Zusammenspiel innerhalb der Thora in verschiedenen Namen G – ttes Erwähnung.

Auch unterscheiden die Kabbalah genauso wie die Chassidut zwischen unterschiedlichen Leveln der Ausführung der Mitzwot. Manche führen sie nur aus, weil es so geschrieben steht, andere wiederum mit Freude und andere, weil sie gezwungen werden oder Angst vor Bestrafung haben. Wie sich sicherlich jeder denken kann, wird der Ausführung mit Freude die größte Belohnung beigemessen. Der Ohev Israel sowie Rabbi Elimelech von Lizhensk (im Buch Noam Elimelech) sagen uns, wie genau wir einen hohen Level bei der Mitzwot - Ausführung erreichen. Nämlich indem wir sie mit Kavanah (Konzentration) und Keduscha (reinen Gedanken) ausführen und nicht im gleichen Moment an unsere g - ttliche Belohnung denken. In dem Moment, wo ich, z.B., einem Mitmenschen helfe, sollte ich nicht die Belohnung im Hinterkopf haben oder daran denken, was mir das jetzt einbringt. Im Judentum heißt es, dass die Belohnung für eine Mitzwah immer eine neue Mitzwah ist ("Mitzwah goreret Mitzwah").

G - tt gab uns das Land unter der Bedingung, dass wir Seine Gebote und Seine Thora einhalten. Kein anderes Land auf der Erde wurde einem Volk unter diesen Bedigungen gegeben. Rabbi Samson Raphael Hirsch schreibt, dass erst die Erfüllung der Mitzwot den Juden zu einem Ganzen machen und wir uns selbst anhand von jeder Mitzwah segnen.

Weiter heißt es in der Thora: "Und sollte unter euch ein Prophet oder ein Träumer auftauchen und euch Zeichen und Wunder tun, glaubt ihm nicht…. Er soll zum Tode verurteilt werden". Und weiter: "Glaubt selbst nicht euren Angehörigen, wenn sie euch zum Götzendienst überreden wollen".

Als ich das las, stellte ich mir die Frage, wie jemand denn zwischen einem richtigen Propheten und einem Schwindler unterscheiden soll. Theoretisch könnte die Aussage in der Thora auf fast alles zutreffen.
Aber im Judentum richten wir neben der schriftlichen Thora genauso nach G - ttes mündlicher Ueberlieferung der Gesetze, der Mischna im Talmud. Und hier gibt uns, wie immer, die Mischna genaue Auskunft. Dort finden wir im Traktat Sanhedrin 89a die genaue Definition eines falschen Propheten:

Ein falscher Prophet ist jemand der prophezeiht, was er nicht gehört hat oder was ihm nicht gesagt wurde und somit soll er zum Tode verurteilt werden. Das Todesurteil soll vom Gericht (Sanhedrin) ausgesprochen werden. Sollte dagegen ein Prophet seine Prophezeihung unterdrücken, jemand die Worte eines Propheten mißachten oder ein Prophet seine eigene Prophezeihung mißachten, so wird das Todesurteil von G - tt selbst ausgeführt.

Grundsätzlich wird im Judentum jemand als falscher Prophet angesehen, sobald dieser die Abschaffung oder die Änderung der Thora bzw. deren Gesetze predigt. Hinzukommen sogenannte Weissagungen, in denen jemand neue Gesetze der Thora hinzufügen will. Jegliche Änderungen aller Art sind biblisch verboten (siehe unter anderem Deutoronomy 18:20 oder 29:28). G – tt wies mehrmals in Seiner Thora darauf hin, dass niemals etwas geändert oder hinzugefügt werden kann.

Wenn also demnach jemand behauptet, G – tt habe ihm gesagt, dass dies oder das nicht mehr gelte, stellt sich derjenige automatisch selbst als Schwindler heraus (Raschi). Selbst ein richtiger Prophet darf niemals neue Gesetze hinzufügen (siehe Talmud Traktate Megillah 2b und Yoma 80a). Allerdings muß ich an dieser Stelle hinzufügen, dass es verschiedene halachische Ansichten darüber gibt, ob ein wahrer Prophet ZEITWEILIG und BEFRISTET das Thoragesetz außer Kraft setzen darf. Hierzu gibt es nähere Informationen bei Raschi, dem Rambam (Maimonides) in der Mischna Thora – Hilchot Yesodei HaThora 9:3 und dem Talmud Yevamot 90b. Theoretisch könnte ein Prophet dies tun, doch NICHT im Fall in dem er zum Götzendienst aufruft.

Das Thema Propheten und Prophezeihungen nimmt im Judentum ein sehr weites Literaturspektrum ein. Vor allem Kabbalisten beschäftigen sich ausgiebig mit dem Thema, denn Prophezeihungen befinden sich auf unterschiedlichen Leveln. Nicht jede Prophezeihung ist gleich. Moshe, z.B., war der größte Prophet, den wir jemals hatten und kein weiterer Prophet erreichte jemals seine Größe. Er sah G – tt sozusagen von "Angesicht zu Angesicht" wogegen folgende Propheten nur Visionen in ihrer eigene Seele (Neschama) hatten. Aber auch andere Propheten unterscheiden sich maßgebend. Normalerweise ist eine Vision kein Bild oder ein Film, der sich vor einem abspielt, sondern alles vollzieht sich in der eigenen Seele, wo zugleich die Lösung mitgeliefert wird. Der Prophet kann also sofort seine "gesehenen Bilder" definieren. Andere Propheten glauben etwas zu sehen, doch kennen die Lösung nicht. Jeder ganz nach seinem Level. Der Rambam schreibt in seiner Mischna Thora – Hilchot Yesodei HaThora, Kapitel 7, dass nur ganz bestimmte Leute auf dem Level der Prophezeihungen sind. Jemand muß schon vollkommen religiös und weise sein. Die Chassidut verweist dabei auf den Zaddik (den Gerechten).

Im Talmud heißt es, dass es seit der Zerstörung des Ersten Tempels keine Propheten mehr gibt. Viele Rabbis sind der Ansicht, dass es allerdings noch bis Bau Zweiten Tempels diverse Visionen gab. Nach dessen Zerstörung gehen wir von einer "Bat Kol", dem Echo einer himmlischen Stimme (siehe Raschi), aus.

Eines aber ist im Judentum von unendlicher Bedeutung und Rabbi Samson Raphael Hirsch sowie der Rambam (Hilchot Yesodei HaThora) bringen es auf einen Nenner. G – tt ist nur ein EINZIGES "Wesen" und es gibt niemanden neben Ihm. Der Glaube an EINEN G – tt bringt einen Juden automatisch auf einen höheren Level, selbst wenn er nicht unbedingt alle anderen Mitzwot gleichzeitig einhält. Womit ich jetzt nicht sagen will, dass alle nur an einen G – tt glauben und den Rest nicht einzuhalten brauchen. Aber die Grundlage für einen Juden ist der Glaube an EINEN G – tt, der die Welt erschuf. Andererseits besteht das Judentum aus Taten und nicht allein aus Glauben.

Dieser Schabbat ist gleichzeitig "Schabbat Mevarchin", da am Montag abend der Rosh Chodesh Elul beginnt. Somit wird also innerhalb des Schabbatg – ttesdienstes der neue folgende Monat gesegnet.

Schabbat Schalom

Warnschild im israelischen EGGED Bus



Auf meiner Fahrt nach Jerusalem (Linie 405 vom Tel Aviver Zentralen Busbahnhof) vor ein paar Tagen fiel mir an der Glaswand hinter dem Busfahrer ein kleines EGGED Poster mit dem folgenden Inhalt auf:

Gemäss einem Urteil ausgesprochen vom Obersten Gerichtshof darf in diesem Bus jeder Fahrgast seinen Sitzplatz selbst aussuchen. Er hat also die freie Wahl und darf sitzen, wo er will. Sollte jemand von einem anderen Fahrgast diesbezüglich angegriffen werden, betrachtet EGGED dies als kriminelle Handlung.

Allgemein benutzen eben jene ultra – orthodoxen Juden (Haredim), welche nach einer Geschlechtertrennung in Bussen schreien, die staatlichen EGGED Busse eh nicht, da sie vom zionistischen Staat geleitet werden. Weiterhin handelt es sich bei den Krawallmachern lediglich um eine handvoll Fanatiker, die selbst der haredischen Gesellschaft das Leben schwermachen und nerven. Wer immer noch getrennt sitzen will: Mittlerweile fahren private Busse, in denen getrennt wird. 

Link:

Mittwoch, August 24, 2011

Warum wird die Mezuzah geküsst ?

B”H

Warum küssen die meisten religiösen orthodoxen Juden die Mezuzah ? 
Mezuzot sind an der rechten Seite eines Türpfostens angebracht (außer der Tür zur Toilette). Entweder in schräger Form wie bei ashkenazischen Juden und senkrecht herunter wie bei sephardischen Juden. 

Das Anbringen einer Mezuzah ergibt sich aus der Thora und steht ebenso für den Schutz eines Hauses. Wie schon im alten Ägypten als der Engel des Todes über die Häuser der Israeliten hinwegzog und lediglich die Erstgeborenen der Ägypter tötete. 

Der Rambam (Maimonides) schreibt in seiner Mischna Thora (Hilchot Mezuzah), dass eine Mezuzah einen Juden vor dem Sündigen bewahrt.


Der Talmudkommentator Onkelos war der Neffe des damaligen römischen Kaisers, doch Onkelos konvertierte zum Judentum. Daraufhin entsandte sein Onkel römische Soldaten, um Onkelos festzunehmen. Als die Soldaten ihn aus dem Haus zerrten, küsste Onkelos dabei die Mezuzah und erklärte den Soldaten sein Handeln. Dass er G – tt vertraue, der da sein Volk beschütze. Mit dem Ergebnis, dass die Soldaten Onkelos freiliessen und selbst zum Judentum konvertierten. 

Weiterhin beschreibt der kabbalistische ZOHAR die Mezuzah als Beschützer Israels. 

Obwohl es kein direktes Gesetz gibt, die Mezuzah zu küssen, schrieb der RAMA, Rabbi Moshe Isserles (1520 – 1572), in seinem Kommentar zum “Schulchan Aruch – Code of Jewish Law”, dass ein Jude seine Hand zuerst auf die Mezuzah platzieren soll und die Hand danach küsst. Die meisten Halacha – Experten schreiben das Küssen nicht unbedingt vor, sehen es aber dennoch als positives Zeichen nach dem, was Onkelos passierte.

Der Kitzur Schulchan Aruch 11:24 erwähnt das Küssen der Mezuzah beim Eintreten und verlassen eines Hauses.

Ehrlich zugegeben: Ich küsse keine Mezuzah, denn sie ist ein Symbol und mehr nicht !

Der Ambash Clan tanzt durch Ge’ula / Jerusalem

B”H

Vor wenigen Wochen berichtete ich von der Verhaftung des Daniel Ambash, dem Leiter jenes Breslover Movements, welches den Lehren des Rabbi Israel Odesser folgt. Damit ist nur eine kleine bestimmte Richtung innerhalb der chassidischen Gruppe Breslov gemeint und wahrlich nicht alle Breslover Chassidim. Noch dazu, wo der Clan des Daniel Ambash sehr umstritten und kaum anerkannt ist.

Nichts Neues seit Ambashs Verhaftung wegen Gründung eines Kultes und Misshandlung einzelner Mitglieder. Hier ein Video vom letzten Purim, in dem die Ambash Gruppe (samt der Ambash Kinder Natan, Naftali und weiteren) durch das ultra – orthodoxe Ge’ula sowie einen kleinen Tel Mea Shearims fährt. Die Na Nachmans von Ambash sind genau so überall im Land zu sehen.

Um den Hintergrund des Movements zu verstehen, lest bitte HIER !

Haredim und die neue Jerusalemer Straßenbahn


Die neue Jerusalemer Straßenbahn hat auch eine Haltestelle in der Shivtei Israel Street (an der Hauptstraße vom Damaskus Tor in die Stadtteile Ma'alot Dafna und Ramat Eshkol). Für diejenigen, welche mit Jerusalem nicht vertraut sind: Die Shivtei Israel Street führt direkt in den ultra - orthodoxen Stadtteil Mea Shearim.

Nur nebenbei bemerkt: Jerusalem hat unzählige solcher Stadtteile, aber Mea Shearim ist anscheinend immer noch der berühmteste.

In der Shivtei Israel befinden sich, u.a., die chassidichen Gemeinden der extremen Toldot Aharon sowie vieler Familien der Toldot Avraham Yitzchak.

Soweit gab es noch keinerlei Vorkommnisse, dass eine Geschlechtertrennung verlangt wird. Im Gegenteil, da die Bahn momentan noch umsonst läuft, wird sie von vielen haredischen Familien als Sommerausflug genutzt. Vorgestern sah ich Karliner Chassidim genauso wie eine Toldot Aharon oder Toldot Avraham Yitzchak Frau einsteigen.

Allerdings sagt die derzeitige Ruhe noch gar nichts, denn eine handvoll irrer Sikarikim, die selbst den Bewohnern von Mea Shearim das Leben schwer machen, gibt es immer.  

Photo: Miriam Woelke

Die chassidische DUSHINSKY SYNAGOGE in Jerusalem

B"H

Die Synagoge der chassidischen Gruppe DUSHINSKY in Jerusalem.





Was man auf den Photos weniger sieht, ist der Neubau im Hintergrund. 

Photos: Miriam Woelke

Mehr zu Dushinsky HIER !



In der Synagoge.

Dienstag, August 23, 2011

Der Anstand der jüdischen Frau



B"H

Eine chassidische Leserin meines englischen Blogs wies mich auf das Anstandsbuch "Modesty: An Adornment for Life" geschrieben von Rabbi Pesach Eliyahu Falk hin. Das Buch beschreibt den Anstand der relig. jüdischen Frau. Von den Klamotten bis hin zum moralischen Verhalten. Glücklicherweise fand ich es zum Online Lesen Google Books; wenn auch nicht alle Seiten. 

Immer wenn ich mit den absolut anständig gekleideten haredischen (ultra – orthodoxen) Frauen zu tun habe, fühle ich mich oft unwohl in meiner Haut. In solchen Situationen handelt es sich um eine bestimmte Sorte der haredischen Frauen. Hochanständig geboren und aufgewachsen sowie eine anständige Wortwahl. Und das alles nicht gekünstelt, sondern ernst gemeint. Immer wenn ich die Art Frau sehe, denke ich sofort an Kinder, Küche, kein hohes Bildungsniveau und eine begrenzte Freiheit im Leben. All das ist stereotyp, doch wandern mir automatisch die Gedanken durch den Kopf. Insbesondere dann, wenn ich junge frisch verheiratete Frauen sehe, die enorm darauf bedacht sind, plötzlich erwachsen zu wirken.
Als ich gestern im haredischen Stadtteil Ge'ulah (neben Mea Shearim in Jerusalem) war, ging ich auf ein kaltes Getränk in meinen Lieblings – Barad – Store. Der englische Ausdruck für Barad ist SLUSH und ich kenne das deutsche Wort nicht. Jedenfalls handelt es sich um eine kalte Getränkemischung mit Eis darin. In dem kleinen Laden gibt es den Slush in allen möglichen Variationen. Und das selbst in Parve (neutral, weder milchig noch fleischig) und mit Milchzusatz. Somit kann auch derjenige Kunde, der vorher Fleisch zu sich nahm, den Slush trinken, indem er ein Parve Getränk (ohne Milchzusatz) bestellt.  
Der Laden ist, wie gesagt, recht klein und ich bin dort seit mehr als zehn Jahren Kunde. Geleitet wird er von englischsprachigen modernen Haredim (ultra – orthodoxe Juden) in der Malchei Israel Street. Ich liebe Slush und der große Becher kostet dort nur 13 Schekel (ca. 2,5 Euro.  

Gestern bestellte ich mein Getränk und stellte mich neben die Theke, wo es ein paar Stehplätze gibt. Viel Platz ist eh nicht vorhanden. 

Kurz darauf kame in ganzer Trupp eines Krankenwagenteams des israelischen "Magen David Adom" herin und stellte sich mit den Getränken neben mich. Drei Sanitäter und eine Sanitäterin. Die junge Frau und ich waren die einzigen weiblichen Personen im Store, die eine Hose trugen. Das störte auch niemanden, bis ein junges chassidisches Ehepaar in den Laden trat. Die Frau warf einen Blick auf uns und begann sofort, ihrem Gatten etwas zuzuflüstern. Der wiederum war gar nicht interessiert, an dem Gerede seiner Frau interessiert. 

Nun konnte man denken, dass die junge chassidische Frau sich selbst auf einen höheren Level hob als uns, denn wir zwei anderen waren ja in Hose und überhaupt. Ich kenne derlei Blicke und Situationen zur Genüge, doch die Magen David Adom – Frau fühlte sich etwas deplatziert und wusste nicht, wohin sie schauen sollte.  

Ich konnte die chassidische Gruppe des Ehepaares anhand der Kleidung nicht genau ausmachen. Es könnte sich um die Gruppe Chernobyl gehandelt haben; sicher bin ich mir jedoch nicht. Jedenfalls dachte ich mir, dass die Frau weder die Sanitäterin noch mich kennt, aber sich schon von Weitem ein Urteil erlaubt. Und das anhand unseres Outfits. Ferner wird die Malchei Israel Street tagsüber von vielen säkuleren sowie traditionellen Juden benutzt und deswegen war unsere Anwesenheit keineswegs ungewöhnlich.  

Die Situation von gestern fiel mir sofort wieder ein als ich einen kurzen Blick auf den Buchinhalt warf.


Link:

"Auch in der Aussenwelt muss ich mir meiner Aufgabe bewusst sein" - Bei der Rebbitzen der Toldot Aharon zum Anstandsunterricht

Montag, August 22, 2011

Die SADIGURA Synagoge in Yechezkel Street / Jerusalem

B"H

Die grosse Synagoge und Beit Midrash (Lehrhaus) der chassidischen Gruppe SADIGURA in Jerusalem. 
Standort: Yechezkel Street / Ecke Shmuel HaNavi.




Copyright / Photos vom 22. August 2011: Miriam Woelke

Das SCHOMRE'I EMUNIM Viertel in Mea Shearim

B"H

Es folgen ein paar Photos des SCHOMRE'I EMUNIM Viertels im Jerusalemer Stadtteil Mea Shearim. 
Mehr zu der chassidischen Gruppe Shomre'i Emunim erfahrt Ihr HIER !





Die Häuser im Hintergrund gehören zum Shomrei Emunim Viertel. Das frisch renovierte Gebäude ganz links ist die Beit Midrash (Synagoge und Lehrhaus) des Breslover Rabbis der Neureligiösen (Ba'alei Teschuva), Rabbi Shalom Arush.

Copyright / Photos: Miriam Woelke


Weitere Links:

Muslim calls in a Christian Show

Der Inhalt des Videos verdeutlicht wie unlogisch das Christentum ist !


Sonntag, August 21, 2011

Fingernägel im Judentum


B”H

Als ich noch auf der Yeshiva (relig. Schule) war, kam die Rede auf das Schneiden der Fingernägel.

Ja, Ihr habt richtig gelesen, denn selbst die Fingernägel unterliegen im Judentum bestimmten Gesetzen. In diesem Artikel spreche ich nicht von der Haut von Adam und Eva bzw. die Bedeutung der Fingernägel im Hinblick auf die ersten beiden Menschen. Vielmehr geht es mir an dieser Stelle um das Schneiden der Nägel, denn allgemein lernten wir im Unterricht, dass abgeschnittene Fingernägel auf vorgeschriebene Weise entsorgt werden müssen. Geht, zum Beispiel, eine schwangere Frau über einen auf der Straße oder dem Fussboden liegenden abgeschnittenen Fingernagel, kann sie dadurch ihr Kind verlieren bzw. eine Fehlgeburt erleiden. Ich nehme an, dass der Grund dafür mystisch ist, kennen tue ich ihn jedoch nicht.

Abgeschnittene Fingernägel sollten stets verbrannt oder in der Erde vergraben werden. Ich selber schmeisse sie in den Mülleimer, obwohl der Talmud Traktat Niddah 17a dazu keine gute Meinung hat.

Auf alle Fälle ist es wichtig, Fingernägel nach dem Abschneiden nicht einfach so umherliegen zu lassen. Nicht nur, weil eine schwangere Frau drauftreten könnte, sondern weil es einfach eklig ist.

Samstag, August 20, 2011

Tel Aviv – Jerusalem ?

B”H

Seit geraumer Zeit denke über einen Umzug nach Jerusalem nach. Vor einiger Zeit hatte ich die Heilige Stadt verlassen. Erst Richtung Tel Aviv, dann auf einen dreimonatigen Abstecher in den Norden nach Tiberias und Zfat. Seit Ende Januar dieses Jahre bin ich jedoch wieder zurück in der Küstenstadt und happy. Trotz der horrenden Lebenshaltungskosten.:-)

Die absolute Mehrheit der religiösen Juden Jerusalems können Tel Aviv nicht ausstehen. Politisch zu links, nicht koscher, zu säkuler, zu dies, zu das. Wer Tel Aviv auch nur ab und an besucht und das noch dazu für einen kurzen Zeitraum, der bekommt leicht diesen Eindruck. Verglichen zu Jerusalem bedeutet die Stadt Hightech, Zivilisation und ich würde sie sogar als New York des Nahen Ostens bezeichnen.

In dem Moment, in dem man sich so richtig einlebt, lernt der Zugezogene die Vorteile und Schönheiten Tel Aviv kennen. Was mich besonders fasziniert sind all die Charaktäre, die herumlaufen. Alle Arten von Menschen, denn ich liebe Stories. Was schwerer fällt der Aufbau eines intensives jüdisches Gemeindeleben.

Es gibt viele Dinge, die ich in Tel Aviv vermisse und in Jerusalem hatte. Darunter die chassidischen Tische, Schabbatfeiern sowie relig. Vorträge (Schiurim). Klar, gibt es das auch in Tel Aviv und falls nicht, dann ganz bestimmt in der Nachbarstadt Bnei Brak. Andererseits geht mir das Jerusalemer “heilige Getue” voll auf die Nerven. Da ist man noch nicht ganz aus dem Bus ausgestiegen und schon drängen Freunde darauf, sich für den Schabbat fertigzumachen, denn es gehe in diese oder jene Synagoge. Tue dies, mach das. Benimm Dich so und nicht so. Fastest Du ? Nein, warum nicht ?

Viele Jerusalemer meinen immer, sie seien so furchtbar heilig, bemerken jedoch nicht, welchen Schaden sie gegenüber anderen Juden anrichten. Schaden mit ihrem nervigen Verhalten, denn wer unaufhörlich mit Anforderungen genervt wird, rennt davon und macht am Ende gar nichts mehr. Kann man die Leute nicht einfach in Ruhe lassen ? Zu viele meinen immer, sich ständig in irgendetwas einmischen zu müssen. Das Einmischen ist übrigens eine Jerusalemer Eigenart und nichts Außergewöhnliches !

Tel Aviver fühlen sich überrollt, sobald die Jerusalemer Frummies mit ihrem Hauruck – Verfahren aufwarten. Sollen die Jerusalemer nur in ihrem kleinen Ghetto bleiben, aber nebenher gibt es auch andere Juden (religiös wie säkuler), welche anderweitigen Prioritäten im Leben folgen.

G – tt erschuf das Universum und uns, damit wir Menschen Seine Schöpfung geniessen. Hätte Er gewollt, dass wir nur in Synagogen sitzen und beten, wären wohl kaum die Natur und alle Schönheiten drumherum erschaffen worden. Zu viele Jerusalemer haben vergessen zu leben und bewegen sich stattdessen in ihrer “Blase der Zwänge und Verhaltensnormen”.

Ich mag Tel Aviv und fühle mich in der Stadt zuhause. Viele Dinge nerven mich, doch fühle ich mich dennoch zuhause und das ist es, was zählt. Und warum sollte ich mein Zuhause verlassen und mich selbst in eine Situation begeben, die einem Depressionen verpasst ?

Judentum, Islam, Jerusalem, Tempelberg


Freitag, August 19, 2011

LECHA DODI zum Schabbat


Gedanken zur Parashat EKEV


Gibt G – tt uns wirklich alles was wir brauchen ? Die Shopping Mall "Dizengoff Center" in Tel Aviv.

Photo: Miriam Woelke

B"H

Parashat Ekev stellt grundsätzlich eine einzige Aufmunterung G – ttes an die Juden dar. Nach all den Drohungen “wenn wir dieses oder jenes nicht tun, wird G – tt uns strafen”, erfolgt die große Aufmunterung. Nämlich das G – tt stets mit den Juden geht und auf das Land Israel schaut. Mehr als auf alle anderen Länder der Erde.

Zu Beginn der Parashat EKEV listet G – tt die Wunder auf, welche die Juden in der Wüste erfuhren. An eben jene Wunder G – ttes sollen die Juden immer denken und sie ggf. als Ermunterung in ihrem eigenen Leben betrachten. Der RAMBAN (Nachmanides, 1194 – 1279) betrachtet die Tatsache, dass G – tt die Juden in der Wüste immer mit ausreichend Nahrung und sonstigen Bedürfnissen ausstattete als Beweis dafür, dass G – tt immer für uns sorgen wird.

Viele Male im Leben geschieht es, dass wir uns um ausreichend Geld für den Lebensunterhalt sorgen. Persönlich kenne ich nicht gerade wenige relig. Juden, die in allem, was sie tun, auf G – tt vertrauen. Machen wir den ersten Schritt (z.B. einen Job suchen), so wird G – tt uns auf dem Weg zu unserem Ziel aktiv begleiten und unterstützen. Nicht immer werden wir uns Seiner Hilfe bewusst und es wird genügend Hindernisse auf unseren Wegen geben. Dennoch, hinter den Kulissen zieht G – tt stets die Fäden. Selbst dann, wenn wir eine Niederlage im Leben hinnehmen müssen.

Da es Momente gibt, in denen sich jeder einzelne von uns schon sorgt, fällt es nicht immer leicht, diesem Konzept zu folgen. Einerseits weiss ich, dass es seiner Richtigkeit entspricht, wenn G – tt über allem steht. Andererseits jedoch ist das Leben in Israel alles andere als einfach. Mit G – ttvertrauen oder ohne, unzählige Familien haben nicht genug zu Essen im Kühlschrank und sind auf wohltätige Organisationen angewiesen. Verhungern tut niemand, aber loswerden tun wird unsere Sorgerei auch nicht gerade.

Heutzutage mag es zwar einen Mangel an absolutem G – ttvertrauen geben, doch vielleicht helfen uns gerade die Sorgen um den Lebensunterhalt, den ersten Schritt zu wagen, unsere Situation zu verbessern.

Donnerstag, August 18, 2011

Parashat EKEV - פרשת עקב


Einbahnstrasse

Gesehen in Jerusalem

Photo: Miriam Woelke


B"H
Die Thoralesung für diesen Schabbat


"VeHaya EKEV Tishm'un HaMishpatim Ha'ejle … - And it will be because of your listening to these ordinances, …"

Nachdem die vorherige Thoralesung, Parashat Va'etchanan, mit dem Shema Israel endete, teilt Moshe uns jetzt die Auswirkungen mit, falls die Juden den Bund, sprich die Thoramitzwot (Gesetze) einhalten. Wenn wir es tun, wird G - tt Seinen Bund mit uns aufrecht erhalten und uns mit Güte (Chesed) richten. Wir, sowie das Land Israel, werden erfolgreich sein und die Nationen schauen zu uns auf.

Israel ist das einzige Land auf der Welt, welches zu 100% von G - tt abhängig ist. Halten die Juden die Mitzwot, so wird Israel mit Erfolg gekrönt. Wendet man sich dagegen von Ihm ab, dann muß Israel (die Juden) die Konsequenzen tragen. Außerdem kommentiert der Ramban (Nachmanides) zur Parashat Bereshit (Genesis), dass G - tt die Thora mit der Beschreibung des Erschaffungsprozesses begann.
Warum tat Er dies und begann die Thora nicht mit einem anderen Inhalt ? Von Beginn an machte G - tt allen klar, dass Ihm die ganze Welt gehört und die Völker sollen Israel (die Juden) nicht beschuldigen, das Land Israel von anderen geklaut zu haben. Von Anfang an gab sprach G - tt das Land Israel den Juden zu und dies wird bis in alle Ewigkeit so bleiben. Demnach kann kein Volk behaupten, wir hätten uns irgendetwas willkürlich angeeignet.

Für alles müssen wir in Israel beten und dürfen es nie als selbstverständlich ansehen. Sogar um ausreichenden Regen müssen wir G - tt bitten, was wir täglich im "Shema Israel - Gebet" und im Winter in der Amidah tun. Rabbi Samson Rapahel Hirsch schreibt, dass das Einhalten der Mitzwot uns persönlichen Wohlstand beschert und uns überhaupt erst am Leben erhält. Unsere Mission sei, G - tt näher zukommen, denn Juden haben immer eine spezielle Verbindung mit Ihm. Wir sollen G - tt aus Liebe und aus Angst (Ehrfurcht) dienen. Der Kommentar zum Deutoronomy (Sefer Devarim), Sifre - Piska 32, unterscheidet zwischen den zwei Arten G - tt zu dienen. Derjenige, der G - tt aus Liebe heraus dient, erhält eine doppelt so hohe Belohnung als jener, der nur alles aus Angst tut. Ebenso teilt uns kabbalistische Literatur die unterschiedlichen Level der Mitzwoteinhaltung mit. Ob wir etwas aud Liebe und freiem Willen tun oder wir nur angst vor Bestrafung haben oder eben alles nur ausführen, weil es so geschrieben steht.

Immer wieder aufs Neue werden wir daran erinnert, G - tt für alles zu danken. Vor allem für unsere täglichen Bedürfnisse wie die Nahrung. In Parashat Ekev finden wir einen ganz wichtigen Teil aus dem Birkat HaMazon (Grace after the meal), welches wir nach dem Brotessen beten. "Und Du hast gegessen und Du bist gesättigt und Du sollst G - tt, der Dir das Land gab, segnen - Ve'achalta ve'sawata u'verachta et A - do - nai E - lo - he- cha al Ha'aretz ascher natan lach".

In der Halacha (im Schulchan Aruch) ist verankert, dass Juden vor jeglichem Essen und Trinken immer einen Segensspruch sagen. Aber nicht nur vorher, sondern auch nachher.
Wer Hunger hat, der ist zu jeder Zeit bereit, einen Segen zu sagen. Alles ist egal, Hauptsache es gibt etwas zu Essen. Aber hinterher, wenn man gesättigt ist, vergißt man G - tt sehr schnell, denn man braucht ja nichts mehr. Aber genau dann sagen wir einen weiteren Segensspruch, welcher viel schwerer zu sagen ist als derjenige vor dem Essen. Eben weil man gar kein eiliges Bedürfnis mehr hat.

Im Talmud Traktat Sotah 5a steht, dass wir niemals arrogant werden sollen. Immer müssen wir vor Augen haben, dass wir niemals allein existieren können und von G - tt abhängig sind. In Sotah wird der Berg Sinai als Beispiel aufgeführt. Warum gab G - tt den Juden die Thora ausgerechnet an dem kleinen Berg Sinai ? Hätte es nicht ein größerer beeindruckenderer Berg sein können ? 
Vom Talmud und der Midrasch lernen wir, dass alle Berge sich darüber stritten, auf welchem Berg G - tt die Thora vergeben könne, nur der kleine Berg Sinai schwieg. Mit seinem Schweigen wurde er von G - tt belohnt und für die große Aufgabe auserwählt, was uns lehrt, dass auch wir nicht immer angeben müssen, sondern manchmal eher durch Schweigen glänzen. Und warum ist die Arroganz G - tt so verhaßt ? Einfach weil ein arroganter Mensch niemals zugibt, etwas Falsches gemacht zu haben und sich hinterher beschwert, dass G - tt ihn bestraft. Zur Einsicht kommt er nur selten, was wahrscheinlich von der Art der Bestrafung abhängt.

Was manche im Judentum als lästig ansehen, ist die lange Prozedur des Brotessens. Vor jedem Essen waschen wir uns grundsätzlich die Hände und vor dem Brotessen findet dies rituell statt. Man nimmt das sogenannte Natlah, ein spezielles Gefäß mit Handgriff, und wäscht sich in einer vorgeschriebenen Art und Weise die Hände. Danach haben wir den Brauch, nicht zu sprechen, sondern erst den Segen über das Brot zu sagen. Üblicherweise wird jedesmal ein wenig Salz auf das Brot gestreut, was uns an Tempelzeiten (Opferungsprozedur) erinnert. 
Religiöse Juden essen zu jeder Hauptmahlzeit Brot, um diese Mitzwot (Händewaschen und Birkat HaMazon) auszuführen. Egal, was sich auf dem Tisch befindet, wenn es Brot gibt, werden immer erst rituell die Hände gewaschen uns es muss das Birkat HaMazon gesagt werden, welches Ihr in jedem Sidur (Gebetbuch) findet oder im Internet herunterladen koennt. Im Schulchan Aruch - Orach Chaim 185:1 heißt es, dass das Birkat HaMazon in jeder Sprache gebetet werden kann. Das Gebet ist übrigens eine Mitzwah aus der Thora (Deutoronomy 8:10). Es beinhaltet drei biblische Segen, nämlich den Birkat HaZan, den Birkat HaAretz für das Land Israel und den Birkat Yerushalaim (siehe auch Shulchan Aruch - Orach Chaim 192:1). Sitzen mehr als drei Männer am Tisch, so wird vor dem Birkat HaMazon der Birkat HaZimun gebetet (Rabbotai Nevarech….). Im Shulchan Aruch ist festgelegt, dass das Birkat HaMazon immer an jenem Platz gesagt werden muss, an dem derjenige aß. Heißt, er kann sich zum Gebet nicht einfach woanders hinsetzen (siehe auch die Mischna im Talmud Berachot 51b).

Im Judentum gibt es keine einzige Mahlzeit (von der Medikamenteneinnahme einmal abgesehen), vor der nicht ein Segen gesprochen wird. Egal, ob es nur ein Eis oder eine Cola ist. Für alles sollen wir G - tt danken. Für alles gibt es unterschiedliche Segen, wie für Brot, Kuchen, Früchte, Obst, Reis oder Getränke. Auf jeder Yeshiva (relig. Schule) lernt man sofort die Berachot (Segen) und wer relig. aufwächst, dem ist das sowieso geläufig. Ich kenne viele relig. Familien, da kennen die Dreijährigen schon alle Berachot.

Wie wichtig das Land Israel ist, beweist die chassidische Story, die ich einmal von Rabbi Mordechai Machlises Ehefrau Henny hörte: Einmal kam ein Mann zu einem berühmten Rebbe und erzählte ihm, dass er in Israel gewesen sei. Dort gebe es Straßen aus Marmor und alles sei voll kostbarer Edelsteine. Tief beeindruckt fuhr auch der Rebbe nach Israel, aber alles was er sah, war Müll auf den Strassen und stinkende Abwasserkanäle. Enttäuscht kam er heim und fragte den Mann, wo denn das Marmor gewesen sei. Der Mann schaute den Rebben ungläubig an und meinte "Was, Du hast es nicht gesehen" ?
Entsetzt zog sich der Rebbe für mehrere Wochen in sein Arbeitszimmer zurück und meditierte. Wie konnte das sein; ein einfacher Mann hatte die Schönheit und Spiritualität Israels gesehen und ausgerechnet er war außerstande gewesen ?

Die Geschichte will uns sagen, dass auch wir an uns arbeiten sollen, um die wahre Schönheit Israels zu sehen und nicht nur unsere ganze Aufmerksamkeit dem Oberflächlichen widmen bzw. alles Negative hervorzukramen. In Israel zu leben bedeutet gleichzeitig die Gefahr, die Umwelt als selbstverständlich anzusehen. Man geht halt zur Klagemauer (Kotel) oder ißt koscheres Essen. Die Diaspora hingegen vermittelt vielerseits den Eindruck, dass Israel zwar oben auf der Prioritätenliste des einzelnen Juden steht, man jedoch der Bequemlichkeit des Lebens im Ausland nachgibt.

Schabbat Schalom