Samstag, Dezember 31, 2011

Warum warten Juden ganze sechs Stunden, um nach dem Fleischverzehr wieder milchig zu essen ?

B”H 

Warum warten Juden ganze sechs Stunden, um nach dem Fleischverzehr wieder milchig zu essen ? Und warum existiert in Holland bzw. Deutschland der Brauch, nach dem Fleischverzehr nur eine Stunde zu warten, um dann wieder milchige Speisen zu verzehren ? 

Die halachische Quelle bezüglich der sechs Stunden finden wir im Shulchan Aruch (Code of Jewish Law), Traktat Yoreh Deah 89:1. 

Wie allgemein bekannt sein dürfte, essen Juden gemäss der Koschergesetze (Kaschrut) Milch - und Fleischspeisen nicht zusammen. Zuerst werden milchige Gerichte verzehrt und danach die fleischigen und nicht umgekehrt. Wer jedoch Fleisch oder Wurst ißt, der muss, in Israel, ganze 5,5 – 6 Stunden warten, um wieder milchige Speisen zu sich nehmen zu können. In Holland hingegen wird lediglich eine Stunde gewartet. 

Der Halacha - Experte RAMA, Rabbi Moshe Isserlis (1520 – 1572) sagte, dass es in Deutschland oder Holland zwar Brauch ist, lediglich eine Stunde zwischen Fleischverzehr und dem erneuten Verzehr milchiger Speisenzu warten; um die Mitzwah jedoch perfekter auszuführen, sollte ein Jude sechs Stunden warten. 

Generell folgen Juden, welche sich an die Kaschrutgesetze halten, eher den sechs Stunden als lediglich einer Stunde. Holländische und deutsche Juden, welche sich an die eine Stunde halten, un dies, weil sie der Tradition ihrer Vorfahren folgen. Die Frage aber ist, was aus orthodoxen Konvertiten wird. Vielleicht kann ein Betroffener dazu eine Antwort geben ! 

Mir ist bekannt, dass in Israel zwischen 5,5 – 6 Stunden Abstand eingehalten wird bis wieder Milchspeisen verzehrt werden. 

Wer Milchiges ißt, der sollte sich hinterher den Mund ausspülen bevor er Fleisch oder Wurst zu sich nimmt. Viele halten am Schabbat den Brauch, die beiden Menugänge durch einen kleinen Le’Chaim zu trennen. Eine Likör zu trinken, zum Beispiel. Manche Juden warten sogar eine gewisse Zeitspanne ab, bevor sie nach den milchigen Speisen Fleisch zu sich nehmen. 

Es gibt besonders harte Käsesorten (gelber Käse), nach denen ebenso sechs Stunden gewartet wird, bevor der Fleischverzehr erlaubt ist. Hierbei handelt es sich offenbar um Käsesorten mit besonders hohem Fettgehalt. Welche Sorten in diese Kategorie fallen, sollte auf Koscherlisten erfragt werden ! Sollte der fette Käse jedoch, wie bei der Lasagne, geschmolzen werden, so bedarf es keiner Wartezeit von sechs Stunden mehr. Ganz strenge Kaschruteinhalter aber warten dennoch die sechs Stunden ab bevor sie wieder Fleisch zu sich nehmen.

Die Hetze gegen Haredim zeigt üble Früchte

"Mawet LeCharedim – Tod den Haredim" – Graffiti in der israelischen Stadt Ashdod. 


Heute abend in Mea Shearim ...

Großdemonstration gegen die Hetze bezüglich der haredischen (ultra – orthodoxe) Gesellschaft in Israels säkuleren Medien. 




Die Kinder so zur Schau zu stellen finde ich allerdings etwas daneben. Es reicht doch, wenn die Erwachsenen demonstrieren !

Mehr Photos HIER !

Freitag, Dezember 30, 2011

Parashat Vayigash: "Die Juden und ihre Aufgabe in der Diaspora"


Gesehen im haredischen (ultra - orthodoxen) Teil der Stadt Bnei Brak bei Tel Aviv

Photo: Miriam Woelke

B"H

Die Thoralesung an diesem Schabbat heisst Parashat “Vayigash”. Yehudah wendet sich an Yosef (Vayigash elav Yehudah). Yehudah ist damit der einzige der Brüder, welcher den Yosef konfrontiert und somit seinen Standpunkt klarmacht.

Chassidische Kommentatoren stellen die Frage, warum die Thora uns nicht genau definiert, an wen sich Yehudah hier wendet, denn im Text heisst es lediglich, dass Yehudah sich an IHN wendet. Wer aber ist IHN ? Verfolgen wir den Text weiter, wird uns bewusst, dass Yehudah den Yosef anspricht. Nichtsdestotrotz sehen chassidische Kommentatoren, u.a., der Sefat Emet oder Rabbi Elimelech von Lejansk eine tiefere Message im Thoratext. Yehudah kommt mit seiner Rede an Yosef G – tt näher. Er legt alle materiellen Gedanken ab, um seinen kleinen Bruder Benjamin zu beschützen. Yehudah tut dies sehr emotional, doch mit Takt gegenüber dem ägyptischen Vize des Pharao, sprich Yosef. Genau so sollten wir vor G – tt stehen.

In der Parashat Vayigash wir wie die Juden von G – tt in die Galut (Diaspora) geschickt worden sind. G – tt hatte Seinen eigenen Plan, warum dies so geschehen musste und nicht anders. Die jüdische Literatur bietet uns eine ausgedehnte Bandbreite an Kommentaren warum die Juden in die Diaspora entsandt worden sind. Die jüdische Kabbalah lehrt uns das Konzept der sogenannten “Funken – Netzizot”, welche während der Welterschaffung entstanden.  G – ttes Plan war es, den Menschen einen freien Willen zu geben und sie nicht allein zu Befehlsempfängern zu degradieren. Deshalb erschuf Er keine perfekte Welt, sondern zog Seine eigene Perfektion zurück, um eine imperfekte Welt zu kreieren. Hätte G – tt dies nicht getan, wären wir alle absolut perfekt. Genau das aber wollte Er nicht, sondern dass Juden die Welt selber perfektionieren. Mit der Erfüllung der Thoramitzwot, dem Gebet oder dem Geben von Spenden an Bedürftige, zum Beispiel.

Die “Funken” können überall auf der Welt gefunden werden, doch vorsicht: Es handelt sich bei ihnen lediglich um ein kabbalistisches Konzept entwickelt vom mittelalterlichen Kabbalisten Rabbi Yitzchak Luria. Niemand sollte daher mit der Schaufel loslaufen und nach irgendwelchen Funken suchen ! 

Die jüdische Aufgabe liegt darin, die Welt zu perfektionieren. Anhand von Segenssprüchen vor dem Essen, zum Beispiel. Alles soll irgendwie in die höheren spirituellen Spähren erhoben werden; solange, bis der Meschiach eintrifft.

Was mich an dieser Parasha fasziniert ist, wie Yehudah sich aufbäumt und wie die Juden in die Galut geschickt werden. Ich selbst bin nicht in Israel aufgewachsen und weiss was es bedeutet, in der Diaspora zu leben. Beneiden tue ich daher Yosef und dessen Familie nicht, denn ein Leben in der Diaspora ist für mich unvorstellbar geworden.

Donnerstag, Dezember 29, 2011

Im Zwielicht ... die säkulere israelische Presse und ihr endloser Kampf gegen orthodoxe Juden


Die haredische (ultra - orthodoxe) Presse beklagt diese Woche das zwielichtige Verhalten der säkuleren Medien Israels.

Mittwoch, Dezember 28, 2011

Ribono shel Olam

B”H 

Im Judentum wird vor dem Zubettgehen das sogenannte “Bedtime Shema” gesagt. Eine Reihe von Gebeten und Psalmen wobei am Ende das Gebet “Adon Olam” steht. Nach dem “Bedtime Shema” wird nicht mehr gesprochen, sondern sich schlafengelegt. 

Das erste Gebet des “Bedtime Shema” heißt “Ribono shel Olam – Herr des Universums”. In dem Gebet lassen wir nochmals unsere Taten des jeweiligen Tages Revue passieren. Gutes und Schlechtes. Wir bitten G – tt, Gnade walten zu lassen, falls wir etwas falsch gemacht haben und uns nicht vielleicht mit irgendwelchen Leiden (Krankheit, Armut, Arbeitslosigkeit etc.) bestrafen. Im Talmud Berachot 5 heißt es, dass jeder, dem in einer Lebensphase Negatives passiert, seine Taten gedanklich überprüfen soll. Sich fragen, ob ihm nicht Negatives widerfährt, weil er vielleicht falsch gehandelt hat. Ferner lehrt der Talmud Berachot 5 ebenso, dass wer keinerlei Vergehen in seinem Verhalten feststellen kann, sich vielleicht schuldig machte, nicht genügend Thora zu lernen. Aber all das bedeutet nun nicht, dass jeder, der arbeitslos ist, irgendwelcher Vergehen schuldig geworden ist ! 

Was wir im “Ribono shel Olam” – Gebet ebenso tun ist, all jenen Mitmenschen zu vergeben, die uns tagsüber ans Leder wollten, uns beleidigten oder verletzten. Ehrlich gesagt habe ich manchmal so meine Probleme damit uns es gibt Zeiten, an denen ich das “Ribono shel Olam” auslasse und mit dem nächsten Gebet “HaMapil” beginne. Andererseits, wenn wir von G – tt Gnade erwarten, wie können wir dann so streng richten ? Manchmal ist es besser, über das Verhalten anderer hinwegzusehen, es einfach abzuhaken und nicht allzu ernst zu nehmen. 
 
Links:


REINKARNATIONEN in Talmud und Gebet

“Dein Vater heiratete eine Schickse ?”

B”H  

Wortdefinition: SCHICKSE = nichtjüdische Frau, normalerweise so richtig knallblond 

Vor fast genau 15 Jahren lernte ich, mehr oder weniger zufällig, eine junge Frau aus einem deutschsprachigen europäischen Land kennen. Sie befand sich für ein paar Wochen in Israel auf Besuch. A., so will ich sie hier nennen, erzählte mir, dass ihr Vater zwar Jude sein, ihre Mutter hingegen nicht. Ergo, war sie laut der jüdischen Halacha keine Jüdin. Diesen Zustand wollte sie ändern und hatte bereits einige Jahre lang an einem orthodoxen Konversionskurs in ihrem Heimatland teilgenommen. Nun war sie in Israel, um bei einem Beit Din (rabbinischem Gericht) vorzusprechen und zu konvertieren. Bei welchem Beit Din das war, weiss ich nicht. Noch interessierte es mich jemals. 

Ich dagegen befand mich gerade in meiner Outreach – Laune und fragte A., ob sie nicht mit zu einem Schabbatessen bei Freunden von mir im ultra – orthodoxen Mea Shearim / Jerusalem teilnehmen will. Bei einer chassidischen Familie, deren Jiddisch mehr Deutsch klang. A. war sofort begeistert, denn normalerweise kommt man nicht eben mal so zum Schabbatessen nach Mea Shearim. 

A. hatte in ihrem Heimatland einen guten Job und war Akademikerin. Allerdings war sie behindert, denn eine Hand war, von Geburt an, verkrüppelt. Es ist schwer zu erklären, doch wusste ich im voraus, dass man sie in Mea Shearim anstarren wird. Nichtsdestotrotz nahm ich A. mit, stellte sie meinen Freunden vor und die freuten sich aufrichtig über den Besuch. Obwohl alle Art der Behinderung sahen, verlor niemand ein böses Wort. Das alles ging solange gut bis A. erzählte, dass ihr Vater Jude sei, ihre Mutter jedoch nicht. “Was ? Dein Vater hat eine Schickse geheiratet ?” schnaufte die Gastgeberin entsetzt. Dabei schaute sie auf die Hand von A. und ich wusste sofort, welche Gedanken in dem Moment gehegt wurden. A. bemerkte dies offensichtlich auch, sagte aber nichts und bald darauf machten wir uns auf den Heimweg.

“Da gehe ich nie wieder hin”, sagte sie mir draussen verärgert. Ich wiederum versuchte, die hochgekochten Emotionen zu glätten; doch vergebens. A. redete sich in Rage und sagte, dass dies eh nicht ihr Land sei. Niemals würde sie nach Israel auswandern, denn das sei hier nicht ihre Mentalität. Ungehobelte, freche Leute, die einen offen angaffen und dumme Bemerkungen machen. Ohne jeglichen Takt. Da gehe sie lieber wieder in ihre Heimat zurück, anstatt sich mit Israelis herumzuärgern. Mich nervten ihre anti – israelischen Ausfälle, ganz verübeln kann man es ihr, so gesehen, auch wieder nicht; wenn man sich einmal in ihre Lage versetzt. 

Viele Jahre sind seither vergangen und ich habe sie seit damals nicht mehr gesehen. Sie bestand den Test beim Beit Din und zog kurz darauf zurück nach Europa. Trotzdem hoffe ich, dass sie in der Zwischenzeit vielleicht ihre negative Meinung in eine etwas positivere änderte.

Dienstag, Dezember 27, 2011

Präsident Schimon Peres spricht sich gegen Anti – Haredische Hetze aus


Präsident Schimon Peres mit einem Mitarbeiter der haredischen News Site "Kikar Shabbat".

B”H  

Selbst Schimon Peres ist es leid, dass die israelische Presse ohne Gande über die haredische (ultra – orthodoxe) Gesellschaft herfällt. 

Die Mehrheit der Haredim sei nicht fanatisch und poche nicht auf Geschlechtertrennungen in Bussen oder auf Gehsteigen. Diejenigen Fanatiker, die das tun, befinden sich in der absoluten Minderheit und wenn ein paar Randale betreiben, so hat die Presse kein Anrecht darauf, alle zu verteufeln. 

Bei der anti – haredischen Hetze tun sich insbesondere das Massenblatt “Yediot Acharonot” sowie der TV – Kanal “Arutz 2” hervor. 

Ich stelle mir allerdings wieder einmal die Frage, warum YEDIOT die Propaganda ausgerechnet jetzt betrieb. Erst wurde Tanya Rosenblit in den Himmel gehoben und als deren falsche Absicht aufflog, wurde einmal wieder Beit Shemesh entdeckt. Worauf will man mit der erneuten Hetzattacke eigentlich hinaus ?

Die achte und letzte Chanukkah - Kerze


Die achte und letzte Chanukkah - Kerze wurde heute abend gezündet. Bis morgen abend (Mittwoch) feiern wir noch Chanukkah. 

Photo: Miriam Woelke

Gute und schlechte Haredim (ultra - orthodoxe Juden)


Photo: Miriam Woelke
B”H 

Akiva hat Recht. Zu wenig haredische (ultra – orthodoxe) israelische Rabbiner widersetzen sich den fanatischen Sikarikim, die da eine ganze Gesellschaft herumkommandieren wollen. Es wird Zeit, dass haredische Rabbiner aufstehen und mit der Faust auf den Tisch hauen, denn die gesamte haredische Gesellschaft wird beschuldigt und von der säkuleren Presse durch den Schmutz gezogen. Ein normaler Zeitungsleser, der wenig bis gar keine Ahnung vom Judentum hat, ist gar nicht mehr in der Lage zu unterscheiden, wer hier eigentlich gegen wen demonstriert. Und wie der sephardisch – haredische SHASS – Politiker Chaim Amlanz gestern sagte geht es nicht um einen Krieg zwischen religiösen und säkuleren Juden, sondern um den Kampf aller gegen die Sikarikim. 

Die Sikarikim sind eine handvoll Haredim, welche sich zu Fanatikern aufgeschwungen haben und alle anderen Haredim bedrohen. 

Sehr lesenswert: “Mystical Path” von Reb Akiva 

Montag, Dezember 26, 2011

ISRAEL: Die Rolle der Geschlechtertrennung

B”H 

Die Nachrichten überschlagen sich und Israels Presse berichtet mehr von Bussen und Anstandsschildern als zur politischen Lage der Nation. Nichts spielt mehr eine Rolle, denn man befindet sich im Krieg gegen das ultra – orthodoxe Judentum. Dabei stellte ein haredischer (ultra – orthodoxer) Forenkommentar fest, dass die Presse anscheinend übersieht, dass selbst die nationalreligiöse Na’ama Margolis auf eine Mädchenschule geht und Jungen sind dort aus Anstandsgründen ebenso wenig erlaubt. Anstatt Chanukkah richtig zu feiern, agieren Presse und zahlreiche andere Gruppierungen wie die Axt im Wald dagegen. Alles konzentriert sich auf Negativschlagzeilen, denn das bringt Umsatz. Und Profite sind dringend notwendig, denn das kostenlose Massenblatt “Israel Hayom” stiehlt der einst alles überragenden “Yediot Acharonot” die Kundschaft. 

Die Rolle der Frau scheint in Gefahr, denn im orthodoxen Judentum herrschen strikte Geschlechtertrennungen. Von der Synagoge angefangen bis hin bei relig. Schulen. Warum pocht die ultra – orthodoxe Männerwelt so sehr auf die Trennung von Männlein und Weiblein ? Der Grund scheint banal, ist es aber nicht. Trotzdem muss ich zugeben, dass ich ihm manchmal ein gewisses Quentchen an Absurdität beifüge. “Männer sind von Natur aus in der Lage, sich weniger zu beherrschen al seine Frau. Angefangen bei sexuellen Dingen bis hin zur Bewältigung aller möglichen Triebe. Und aus diesem Grund muss die Frau den Mann vor dem Aufkommen negative Triebe bewahren. Wie ? Indem sie getrennt vom Mann sitzt. 

Beispiel SYNAGOGE: 
Auch hier wird getrennt gesessen, denn man soll sich auf das Gebet konzentrieren und nicht fremde Geschlechter anstarren. In der Synagoge kann ich das verstehen und habe keinerlei Probleme damit, von der Männerwelt getrennt zu sitzen. Im Bus wäre mir eine komplette Trennung zu extrem und meiner Meinung nach reicht es völlig aus, wenn zwei Männer oder zwei Frauen nebeneinandersitzen, doch nicht gleich der gesamte Bus in Frauen – und Männerriege getrennt wird. 

Was das Chaos in Beit Shemesh angeht: Vor ein paar Jahren war ich bei chassidischen Freunden zum Schabbat eingeladen und merkte, wie angespannt die Situation zwischen den Nationalreligiösen und den Haredim jenseits der Brücke ist. Beit Shemesh ist nicht gerade zu vergleichen mit Jerusalem oder Bnei Brak. Das Problem ist mitten in der haredischen Gesellschaft zu suchen, wo sich einige wenige Extremisten profilieren und ihre Machtposition ausbauen bzw. stärken wollen. Sie, die Sikarikim, versetzen andere Haredim in Angst und Schrecken, wenn sie diese bedrohen oder ihre Geschäfte abfackeln. Siehe, u.a., den Fall der Buchhandlung “Or HaChaim” in Mea Shearim.

Nur nebenbei gesagt, die “Süddeutsche Zeitung” brachte vor wenigen Tagen einen Artikel, in dem der Autor den gesamten Konflikt um die “Or HaChaim” Buchhandlung absolut missverstand und falsch darstellte !!! Es waren die Sikarikim, nicht die Haredim, welche die Buchhandlung bedrohten und der Fall an sich ist mehr als kompliziert. Übrigens gehört die Buchhandlungen selbst den Haredim. Chassidim aus der Chassidut GUR, um genau zu sein. Derlei Müll und falsche Informationen kommen heraus, wenn ein Journalist ohne Ahnung vom Fach, einen Artikel schreibt. Da sträuben sich einem nur noch die Haare. 

Die haredische Gesellschaft ist gespalten und es ist kaum möglich sie DIE haredische Gesellschaft zu nennen. Was sind Haredim, wer gehört dazu und für welche Ideologie stehen die mehr als 100 internen Richtungen ? 

Solange mein Leben nicht durch irgendeine Trennung eingeschränkt wird, ist es mir egal, was diverse extremistische Haredim in Beit Shemesh treiben. Nur tut mir die Mehrheit der Haredim leid, denn sie selber wird von eben jenen Extremisten drangsaliert. Nach all dem Hickhack um Frauen, Männer und Trennungen, wie sieht es eigentlich innerhalb der säkuleren Welt Israels aus ? Apropos, auch die Nationalreligiösen trennen Männlein und Weiblein sehr wohl. 

Insgesamt sind Frauen in Israel benachteiligt. Im Job, bei den Karrierechancen sowie beim Gehalt. Ein Mann verdient mehr und wird bevorzugt eingestellt. Wer als Frau eine Firma leitet, der darf sich nicht selten die Frage gefallen lassen, wo denn der Gatte sei. Denn Mister Gatte ist ja offenbar der wahre Boss des Unternehmens. 

Ein weiterer Gedanke: Wer fragt eigentlich die haredischen Frauen was sie denken ? Fühlen sie sich wirklich so benachteiligt oder ist es lediglich der weltliche Liberalismus, der sie als Opfer abstempelt ?

Die siebte Chanukkah - Kerze

Heute abend zündeten wir die siebte Kerze der Chanukkiah. 

Photo: Miriam Woelke

Anstandskrieg in Beit Shemesh

B”H 

”Unterschätze niemals Deine Leser”, so lautet ein Bloggermotto von mir. Dennoch gibt es Momente, da bin ich mir wirklich nicht sicher, ob ich in der Lage bin, den genauen Knackpunkt einer Situation in einem Artikel zum Leser zu bringen. Gerade beim Thema “Frauen im ultra – orthodoxen Judentum”. 

Warum ? 

Erstens, weil fast jeder in der Diaspora lebende Juden unterschiedliche Vorstellungen von ultra – orthodoxen Juden in Israel hat. Nichtjuden sind gar noch mehr verwirrt. Hinzu kommt, dass die Medien eine oft ziemlich bizarre Wirklichkeit wiedergeben. Noch dazu, wenn es sich um deutsche Medien handelt, welche absolut keine Ahnung vom Judentum haben und jeden Haredi grundsätzlich mit einem nationalreligiösen Siedler gleichsetzen. 

Trotzdem will ich das Thema in meinen deutschsprachigen Blogs nicht auslassen, sonst kommen deutsche Medien auf den Plan und ziehen die jüdische Religion wieder einmal durch den Schmutz. 

Zum Thema “Geschlechtertrennung in israelischen Busse” berichtete ich zu aktuellen Gegebenheiten bereits hier: 

Warum benutzte Tanya Rosenblit einen Mehadrin Bus ?

Die Wahrheit über Tanya Rosenblit

Nachdem sich die Lage wieder beruhigt hatte, kam es vor wenigen Tagen erneut zum Knall, denn einige Haredim hatten im relig. Teil der Stadt Beit Shemesh (ca. 15km westlich von Jerusalem) ein 8 – jähriges nationalreligiöses Mädchen namens Na’ama Margolis angegriffen. Heisst, beschimpft, denn das Mädchen sei nicht anständig genug gekleidet gewesen und ihr Verhalten habe zu wünschen übrig gelassen. Die israelische Presse sowie die Nationalreligiösen stürzten sich auf den Fall und seither wird “Klein Na’ama” ständig vor die Kamera gezerrt. Es ist geradezu in Mode gekommen, die gesamte haredische Gesellschaft anzuklagen und selbst auf Facebook laufen Groups gegen Haredim. 

Als Hintergrundinformation muss man jedoch einiges wissen: Der haredische Stadtteil sowie der nationalrelig. Stadtteil liegen in Beit Shemesh eng beieinander und sind lediglich durch eine Brücke getrennt. Seit Jahren gibt es Zoff zwischen beiden Gesellschaftsgruppen und ich selbst habe erlebt, wie Nationalrelig. die Haredim beschimpfen und herausfordern. 

Warum ? 
Zuerst einmal geht der Zwist auf das Verhalten des relig. – zionistischen MIZRACHI Movements im Holocaust zurück. Darüber werde ich noch berichten. 

Zweitens fühlen sich zahlreiche Nationalreligiöse mit eigenen Komplexen behaftet, wenn sie Haredim sehen. Eine Art Neid kommt auf, denn die Haredim sind wohl relig. als es die nationalrelig. Gesellschaft zustande bringt. Dann ist jeder Grund Recht, den Haredim eines auszuwischen, um sich selber erhabener zu fühlen. Beit Shemesh war schon immer ein Pulverfass und beide Gesellschaftsrichtungen liegen dort so richtig im Clinch.



Na'ama Margolis

Photo: Kikar Shabbat

In einem nachfolgenden Artikel werde ich ausführlich auf die Situation eingehen und hier nur eine kurze Zusammenfassung der aktuellen Ereignisse: 

Die Stadtverwaltung Beit Shemesh, Bürgermeister Moshe Abutbul und die lokale Polizei entschieden, dass von nun an ca. 400 Videokameras in den Straßen aufgehängt werden, um die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten. Auch an der nationalrelig. Schule “Orot Banot”, in die Na’ama Margolis geht.

Seit mehreren Jahren hängen eine handvoll Fanatiker, die im Sprachgebrauch “Sikarikim” genannt werden, Anstandsschilder auf. Geschlechtertrennungen auf den Gehsteigen oder, wie in diesem angesprochenen Fall, Frauen sollen sich nicht vor einem bestimmten Lehrhaus versammeln, sondern die gegenüberliegende Straßenseite benutzen. 

Gestern sandte die Stadtverwaltung Beit Shemesh Ordnungshüter aus, um die Schilder zu entfernen. Wohlgemerkt, die Schilder hingen bereits einige Jahre herum, doch die Mehrheit der Haredim hielt sich eh nie an die Anordnungen, denn die Sikarikim gelten als idiotische Fanatiker, mit denen niemand etwas zu tun haben will. Gestern kamen die Schilder und in der darauffolgenden Nacht wurden sie von zahlreichen Haredim wieder aufgehängt. 

Die Mehrheit der Haredim macht bei dem Krieg gar nicht mit, sondern sagt, dass lediglich ein paar Fanatiker ständig ausflippen und sich aufspielen wollen. Belästigt jedoch fühlen sie sich von den israelischen TV – Stationen, die seit Tagen durch Beit Shemesh kreuzen, um alles aufzunehmen, was vor die Linse kommt. Die Kameras wirken provozierend und nun begann ein Krieg zwischen der Presse und den Nationalreligiösen auf der einen, sowie den Haredim auf der anderen Seite. 

Mittlerweile traf sich eine Gruppe Haredim mit Na’ama Margolis, um sich für ein paar ausrastende Fanatiker zu entschuldigen. 

Fazit: Die haredische Gesellschaft ist, wie immer, gespalten und einige Fanatiker wollen unbedingt mehr macht ausüben. Allerdings geht dies alles auf Kosten der gesamten haredischen Gesellschaft. 

Hier ein paar aktuelle Photos von dem Lehrhaus (Beit Midrasch) der chassidischen Gruppe Toldot Avraham Yitzchak und einem Anstandsschild vor dem Gebäude. Das Schild fordert Frauen auf, die gegenüberliegende Straßenseite zu benutzen.







Die Beit Midrash der Chassidut Toldot Avraham Yitzchak in Beit Shemesh



Das Anstandsschild vor der Beit Midrash.

Ehrlich gesagt überraschte es mich, dass das Schild ausgerechnet dort angebracht ist. Unzählige Male berichtete ich über die Toldot Avraham Yitzchak und habe Freunde, die dort Mitglied sind. War es nun die Gruppe, die das Schild anbrachte oder doch die Sikarikim ?



Alle Photos gibt es HIER !

Jüdische FUN Musik



Ein paar Hintergrundberichte zur jüdischen Boygroup MACCABEATS. Wer deren Chanukkah Songs noch nicht kennt, klicke HIER !

Sonntag, Dezember 25, 2011

Die sechste Chanukkah - Kerze


Photo: Miriam Woelke

Rosh Chodesh TEVET - Beginn des jüdischen Monat TEVET



Die SOREK - Höhle nahe Jerusalem


B"H

Heute abend beginnt der neue Monat Tevet. Ein Monatsbeginn, den wir morgen sowie übermorgen feiern.
Jeder neue Monatsbeginn repräsentiert gleichzeitig einen Neubeginn in unserem Leben und gerade dann ist die Zeit für positive Veränderungen. Chanukkah ist das einzige Fest, welches in zwei Monaten stattfindet. Es beginnt im Kislev und geht mittendrin hinüber in den Tevet. Durch das Zünden der Chanukkah – Kerzen bekommt der Monatsbeginn des Tevet eine zusätzliche höhere Bedeutung. Jede weitere Chanukkah – Kerze bedeutet die Erhöhung der Freude und des eigenen inneren Lichtes, welches jeder in sich trägt. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, dass jeder Einzelne daheim seine eigene Chanukkiah zündet. Eben wegen jenes inneren Lichtes.

Jeder jüdische Monat hat in der Kabbalah (Sefer Yetzirah - The Book of Creation) eine bestimmte Farbe, einen Buchstaben, einen israelitischen Stamm, ein Organ, ein Sternzeichen und einen der menschlichen Sinne.

Die Farbe des Monats Tevet ist blau, der israelitische Stamm ist Dan, der Sinn ist der Ärger, der Buchstabe ist Ayn (Ain), das Sternzeichen ist der Steinbock und das Organ ist die Leber.

Was genau sagen uns diese kabbalistischen Eigenschaften ?

Historisch betrachtet ist Tevet, zusammen mit den Monaten Tammuz und Av, verbunden mit negativen Geschehnissen für die Juden. Vor allem der 10. Tevet, auf den ich in wenigen Tagen in einem weiteren Beitrag noch näher eingehen werde.

Unsere Aufgabe besteht im Monat Tevet darin, unseren individuellen Kampf gegen unseren eigenen Ärger zu führen. Daher ist die Leber das Organ des Tevet, denn im Talmud Traktat Berachot 61b heisst es, dass das zuständige Organ für den Ärger die Leber ist.
Wir müssen unseren negativen Ärger überwinden und ihn in positiven Ärger umwandeln.
Was ist positiver Ärger ?
Unsere innerste Sorge der Seele (Neschama) dass die Realität positiv sein wird und zusätzlich das eigene Ego überwinden und einer Perfektion entgegen streben.

Die Kabbalah geht auch auf das Sternzeichen des Steinbocks ein:
Leute, die in jenem Sternzeichen geboren sind, haben ein starkes Bedürfnis nach finanzieller Sicherheit, sind bodenständig und familien - und verantwortungsbewußt.
Andererseits haben sie kein leichtes Leben, denn sie haben eine Menge Probleme und Herausforderungen zu bewältigen. Der Planet Saturn herrscht über das Sternzeichen des Steinbocks und Saturn steht für Zerstörung, aber auch gleichzeitig für spirituelle Weisheit und neue Ideen. Steinböcke haben die Fähigkeit ihre Probleme zu überwinden. Sie sind Survivors.

Halachisch gelten folgende Regeln für den Rosh Chodesh:

1) Fasten ist verboten.

2) Einfügen des Gebetes "Ya'ale ve Yavo" in das Birkat HaMazon (Grace after Meal).

Es ist Brauch, dass Frauen an den Tagen keine grösseren Hausarbeiten verrichten.

Chodesh Tov - Einen guten, gesunden und erfolgreichen neuen Monat & Chanukkah Sameach !

Samstag, Dezember 24, 2011

Ist die Schauspielerin GWYNETH PALTROW Jüdin ?

B”H  

Ist der Hollywood Star GWYNETH PALTROW Jüdin ? 

Die Schauspielerin wurde am 27. September 1972 in Los Angeles geboren. Ihre Eltern sind die Schauspielerin Blythe Danner und der Filmproduzent Bruce Paltrow. 

Bruce Paltrow stammt aus einer jüdisch – russischen Familie und sein Ururgrossvater war ein polnischer Rabbiner mit dem Nachnamen “Palterowicz”. Gwyneth Mutter, Blythe, entstammt einer christlichen Quaker – Familie. 

Somit ist Gwyneth Paltrow keine Jüdin, denn ihre Mutter ist nicht jüdisch.

Chanukkah Sameach - Happy Chanukkah !


Photo: Miriam Woelke

Nittel Nacht - Heilig Abend



B"H

Am Samstag, 24. Dezember 2011 (28. Kislev), feiert die christliche Welt Heilig Abend (symbolisch: die Geburt des Juden J.). Juden beenden heute ihren Schabbat und normalerweise ist es in der "Nittel Nacht" - des christlichen Heilig Abend - unüblich Thora zu lernen. Am 24. Dezember gibt es einen chassidischen Brauch von ca. 19.00 Uhr abends bis Mitternacht keine Thora zu lernen. Siehe hierzu auch den "Schulchan Aruch oder den Chatam Sofer).

In vielen chassidischen Gruppen wird diese sogenannte "Nittel Nacht" ganz besonders ernst genommen. Zum Beispiel in Lubawitsch (Chabad), wo in der Regel als Ausgleich Schach gespielt wird.

Kabbalistisch heißt es, dass wir dem falschen Meschiach J. sowie seinen Anhängern durch unsere Thorastudien keinerlei spirituelle Kräfte verleihen sollen. So auch der 5. Lubawitscher Rebbe Shalom Dov Baer (Rashab), 1860 - 1920. Der Rebbe sagte, dass wir nicht unsere Zeit verschwenden sollen, wenn wir einmal keine Thora lernen, sondern Schach spielen. Nicht in allen chassidischen Gruppen herrscht der Brauch, Schach zu spielen (z.B. Vishnitz), dennoch regt das Schachspiel den Intellekt an wie das Thorastudium.


Links:

Details zur Nittel Nacht und der Historie bei "Hirhurim".




Schachspiel in Chabad in der Nittel Nacht 

Donnerstag, Dezember 22, 2011

Wo wird die Thorarolle aufbewahrt ?




 Copyright / Photos: Miriam Woelke

Jerusalem: Ein Geschäft für die typischen sephardischen runden Behälter in denen die Thorarolle aufbewahrt wird. Im unteren Teil des Regales sehen wir aschkenazische Bedeckungen der Thorarolle. Befinden sich die Thorarollen im Thoraschrein (Aron haKodesh), sind sie entweder mit einem Stoffüberzug verhüllt (bei aschkenazischen Juden) oder sie befinden sich in einem runden verzierten Behälter aus Holz oder Metall wie bei den sephardischen Juden.

Parashat Miketz - פרשת מקץ

B"H

Die Thoralesung für diesen Schabbat

Parashat Miketz wirft einige Fragen auf, die niemand so richtig zu beantworten in der Lage ist. Wir erfahren, wie Yosef aus dem Gefängnis freikam, der Aufstieg zum Stellvertreter Pharaos und dann das Wiedersehen mit den Brüdern in Ägypten.

Die berühmte Frage, welche diese sowie die nächste Parashat Vayigash aufwirft lautet:


Wie war das Verhältnis des Yosef zu seinen Brüdern nach all der 
Wiedersehensfreude ? 


Er selber unterwarf seine Brüder allen nur erdenklichen Tests um festzustellen, ob sie nicht doch noch die alten, ihm feindlich gesinnten, Charaktäre waren. Aber selbst wenn sich die gesamte Familie wiederfindet, inwieweit gibt es ein Vergeben ? 

Zu Zeiten Yosefs hasste man alles, was aus dem damaligen Canaan kam und verachtete jeden als Primitivling. Yosef bildete da keine Ausnahme, denn für die hochkultivierten Ägypter war er anfangs so etwas wie ein Dorftrottel. Selbstverständlich war alles ein G - ttesplan, so wie alles in unserem Leben nach Seinem Plan verläuft. Der Verkauf des Yosef musste erfolgen, um die Israeliten so nach Ägypten zu bewegen, damit der Auszug sowie die Vergabe der Thora stattfinden konnte.

"Und es geschah nach zwei Jahren…." - So lautet der erste Satz der dieswöchigen Thoralesung. Das Wort "Miketz" wird gewöhnlich dem " nach Ende…." übersetzt. "Nach dem Ende / Ablauf von zwei Jahren. 

Die Frage ist nur, welches Ende / Ketz ist an dieser Stelle eigentlich gemeint ? Was oder wann war der Beginn der hier erwähnten zwei Jahre ? 

Wenn wir uns die vorherige Parashat Vayeshev ansehen, dann lautet das dortige Ende, dass der Mundschenk des Pharao freikam und Yosef vergaß. Wörtlich heißt es sogar: "Der Mundschenk erinnerte sich nicht mehr an Yosef; er vergaß ihn". 

Yosef hatte sich von dem Mundschenk einiges erwartet, denn dieser hätte die Traumdeutungen an hoher Stelle erwähnen und so eine Freilassung Yosefs ermöglichen können. Folglich ist also anzunehmen, dass der Mundschenk vor zwei Jahren aus dem Gefängnis entlassen wurde und nun Pharao seine Traum hatte. Und siehe da, der Mundschenk erinnerte sich wieder. 

Allen Kommentatoren machen insbesondere die ersten Worte dieser Parasha zu schaffen. Am eindringlichsten geht wohl das kabbalistische Buch "Zohar" auf das Wort "Miketz" ein. Zuerst einmal wird Yosef schwer angeklagt. Aber das nicht nur im Zohar, sondern genauso vom Kommentator Or HaChaim und allen nur erdenklich anderen Kommentatoren. Wie konnte Yosef sein Vertrauen nur auf den Mundschenk
beschränken ? In dem Moment der Freilassung des Mundschenks dachte Yosef, dass auch er bald freikäme, denn sicher werde der Mundschenk dafür sorgen. Doch nichts geschah und Yosef saß weitere zwei Jahre in Haft. Diese zusätzlichen zwei Jahren werden als G - ttesstrafe bezeichnet. 

Der "Zohar" fährt fort, dass Yosef einzig und allein hätte auf G - tt vertrauen sollen und nicht auf einmenschliches Wesen. Rabbi Shimon bar Yochai sagt im Zohar, dass das "Ende - Ketz" die Zeit "des sich nicht erinnern" darstellt. Symbolisch werden diese zwei Jahre in je zwei Level unterteilt: in der des Vergessens und in den des sich erinnern. G - tt erinnerte sich an Yosef und bewirkte, dass Pharao träumte und sich der Mundschenk erinnerte. 

In der chassidischen sowie der kabbalistischen Lehre hat das Wort "Miketz - nach Ende" jedoch noch eine weitere wichtige Bedeutung. Der Sefat Emet sowohl als auch der Chozeh (Seher) von Lublin, Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz (1745 - 1815), sehen in dem Wort sowie im Traum des Pharao versteckte Metaphern, die noch eine ganz andere Botschaft für uns bereithalten. Die Thora kann in vielfacher unterschiedlicher Weise gelernt werden. Die einfachste ist, sie als Geschichtsbuch zu lesen oder nur das einfache Pshat zu studieren. Heißt, eine einfache Bedeutung des Textes ohne irgendwelche Zwischeninterpretationen. Andererseits wissen wir, dass die Thora eine offene Botschaft genauso wie viele versteckte Botschaften für uns bereit hält. Die Kabbalah und ebenso die Chassidut helfen uns diese verborgenen Hinweise zu erfassen und zu begreifen. 

"Miketz - Ende" ist gleichzusetzen mit "Dunkelheit", so der Or HaChaim, der Sefat Emet, der Seher von Lublin und viele andere Kommentatoren. "Dunkelheit" auf der Welt bedeutet, dass die Menschen ihre Yetzer HaRah, ihren negativen inneren Neigungen, folgen. Sobald es jedoch Licht wird, verwandelt sich das Negative in Positives. Demnach ist das Ende der zwei Jahre symbolisch gleichgesetzt mit dem Kommen des Meschiach, denn in dem Moment wird es Licht und die Yetzer HaRah des Menschen verschwindet. Im Zeitalter des Meschiach wird es keine negativen menschlichen Eigenschaften mehr geben. Nach der Dunkelheit ließ G - tt das Licht erstrahlen, heißt, er sorgte dafür, dass Yosef freikam. 

Aber wieso bezieht sich die Interpretation auf die Gegenwart bzw. die Zukunft. Yosef kam aus dem Gefängnis frei, aber was hat das nach all den Tausenden von Jahren mit uns und dem Kommen des Meschiach zu tun ? Den Fehler, welchen viele Leute begehen ist, die Thora und die Propheten als Geschichtsbücher zu lesen. Das war einmal und wen interessiert heute schon groß, was König David oder Avraham taten ? Was hat das mit mir zu tun ? Ganz im Gegenteil, denn die Thora darf niemals als Geschichtsbuch gelesen werden, sondern so als ob es jetzt und heute mir passieren tut. Es soll uns etwas mitgeteilt werden, was genauso einen Bezug zu meinem persönlichen Leben hat als seinerzeit auf Avraham etc. Da die Thora auf alle Zeiten gültig sein wird, hat sie jederzeit einen aktuellen Bezug.

Und so sieht der chassidische Sefat Emet im Traum des Pharaos die aktuelle Botschaft für uns, denn auch unsere Aufgabe besteht darin, uns in guten Zeiten auf eventuelle schlechte Zeiten vorzubereiten. Wie die mageren Kühe im Traum des Pharao die fetten Kühe fraßen, so kann es uns ergehen. In Zeiten, in denen es uns gut geht, ist es extrem leicht, an G - tt zu glauben. Falls überhaupt, denn wer braucht G - tt, wenn es mit gutgeht. Sobald jedoch schlechte Zeiten für jemanden beginnen, erinnert er sich schnell an G - tt und erwartet Hilfe. Wenn es geht sofort. Deshalb sollen wir uns in guten Zeiten mental auf eventuell folgende schlechte vorbereiten, damit wir die Keduscha (Heiligkeit) mitnehmen können, um nicht zu verzweifeln.

Als Yosef letztendlich aus dem Gefängnis freikam, war er fast 30 Jahre alt. Zwölf Jahre war er unschuldig inhaftiert gewesen. Sein Vater Yaakov war zu dem Zeitpunkt 120 Jahre alt und die Gemara im Talmud Traktat Rosh HaShana 10b läßt uns wissen, dass Yosef im Jahre 2230 nach der Welterschaffung freikam. 

Neun Jahre nachdem Yosef zum Stellvertreter Pharaos ernannt wurde, kamen seine Brüder nach Ägypten, um Getreide einzukaufen. Sie erkennen Yosef nicht mehr, da dieser andere Kleidung trägt, eine fremde Sprache spricht und sich anhand eines Übersetzers verständlich macht und vorgibt, die Sprache der Brüder nicht zu kennen. 

Und dann folgt eine kaum endende Odyssee. Erst werden die Brüder verhaftet, dann zum Vater zurückgeschickt um Benjamin zu holen, dann wird Benjamin des Diebstahl bezichtigt. Warum das alles ? Warum offenbarte sich Yosef seinen Brüdern nicht spätestens nach dem Zusammentreffen mit seinem Bruder Benjamin ? 

Hierauf hat Rabbi Samson Raphael Hirsch einen vortrefflichen Kommentar bereit. Nach all dem, was die Brüder Yosef angetan hatten, konnte es theoretisch immer noch sein, dass diese einen innerlich verborgenen Haß auf ihn verspürten. Um herauszufinden, ob dem so war und ob die Brüder nicht auch seinen kleinen Bruder Benjamin haßten, testete Yosef die Brüder und offenbarte sich ihnen erst später. 

Und warum wußte Yaakov nicht, dass sein Sohn Yosef noch am Leben war und nicht von einem wilden Tier getötet worden war ? Wieso ließ G - tt ihn dies nicht wissen ? Und hätte Yaakov es nicht anhand seiner Fähigkeiten Prophezeihungen auszusprechen selber sehen können ? 

Das kabbalistische Buch "Zohar":" beantwortet auch diese Fragen.
Als Yosef nach Ägypten kam, ging die Shechinah (G - ttes Anwesenheit) mit ihm ins Exil. Dadurch verlor Yaakov seine Fähigkeit zu prohezeihen. Er glaubte, dass sein Sohn umgekommen war und verfiel in Depressionen, doch die Schechinah (G - ttes Anwesenheit) bleibt nicht bei jemandem, der depressiv ist. Besonders Rabbi Nachman von Breslov sowie das Buch Tanya der Chassidut Chabad warnen uns vor dem Fall in die Depression. G - tt liebt keine depressiven Menschen und unsere Aufgabe ist es, uns so schnell wie möglich davon zu befreien. Insbesondere aus der religiösen Depression. Das beste Rezept, laut Rabbi Nachman von Breslov sei, sich auf seine guten Taten sowie Eigenschaften zu besinnen und darauf zu bauen. Niemals sollen wir nur die schlechten Punkte in uns ausfindig machen. Und sollte es heute einmal nicht so klappen mit dem perfekten Leben, dann folgt morgen ein neuer Tag. 

Die Schechinah ging mit Yosef ins Exil und hieraus lernen wir, dass die Schechinah immer mit uns geht, egal, wo wir uns befinden. Mehrmals in der Thora verspricht G - tt, die Juden niemals allein zu lassen und den Beweis dafür erhalten wir durch Yosef.

"Schabbat Schalom + Chanukkah Sameach"

Südkoreanisches Filmteam in der Ponevezh Yeshiva

B”H

Die in der litvisch – haredischen (ultra – orthodoxen) Welt berühmte Yeshiva PONEVEZH erhielt Besuch aus Südkorea. Ein Filmteam kam und suchte nach den Wurzeln der jüdischen Intelligenz, welche, allem Anschein nach, im Talmudstudium zu suchen ist. Nicht ganz unberechtigt die Annahme, denn aus meiner aktiven Yeshiva – Zeit, wo auch ich Gemara (rabbinische Diskussionen des Talmud) lernte, weiss ich, dass das Talmudstudium einiges an Köpfchen abverlangt. Meine hebräisch – aramäischen Talmudwörterbücher liegen immer noch vor mir im Regal und ich fühle mich schon sei längerer Zeit etwas schuldig, nicht mehr viel davon in die Hand zu nehmen. Aber demnächst soll sich der Zustand ändern. 

Ponevezh befindet sich heute in Bnei Brak bei Tel Aviv und gilt als “Nobel”Yeshiva. Wer keinen Vater hat, der ein überaus anerkannter Rabbiner ist und einen ausgezeichneten Leumund vorweisen kann, der hat bei der Aufnahmeprüfung Null Chancen. Ferner gilt Ponevezh als konservativ und die Studenten gehen weder ins Kino noch setzen sie ihren Ruf sonst irgendwie aufs Spiel.


Sinn des Talmudstudiums ist sein Leben zum Positiven zu verändern !

Mittwoch, Dezember 21, 2011

Chanukkah: Wenn die Seele den Körper besiegt

B”H 

Worauf legten die Griechen der Antike Wert ? Auf einen toll und perfekt gebauten Körper. Sie taten alles Erdenkliche, ihren Körper zu trainieren und in Schuss zu halten. Der Blick ins Innere eines Menschen erschien ihnen eher unwichtig. Allein auf den Körperbau kam es an. Dass ein Mensch jedoch spirituelle Kräfte bzw. eine Seele besitzt, interessierte die antiken Griechen wenig. Und so verwundert es nicht, dass sie während ihrer Besatzung Israels (zu Zeiten von Chanukkah um 165 vor Beginn der Zeitrechnung) jüdischen Männern die Beschneidung (Brit Milah) verboten. Die Beschneidung nämlich stellte für die Griechen einen Schönheitsfehler dar. Man verunstalte damit seinen eigenen Körper. 

Für die Griechen standen der Körperkult sowie alles Materielle absolut im Vordergrund. Letztendlich aber waren es die inneren Werte eines Menschen, die Seele, der Glaube an jüdische Werte und Gebete, was die Griechen zu Fall brachte. 

Und was ist heute von ihren tollen gepflegten Körpern übrig geblieben ?

Chassidische Rebben zünden die Chanukkiah

B”H 

Chassidische Rebben beim gestrigen Zünden der ersten Chanukkah – Kerze. 

Heute abend zünden wir zwei Kerzen + vorher den Schamasch. Der Schamasch ist jene Kerze, welche abseits steht. Zuerst zünden wir mit einem Streichholz den Schamasch und mit diesem die beiden heutigen Kerzen. Zuerst die Kerze ganz rechts und dann die linke davon. 


Der Pinks - Karlin Rebbe (Jerusalem)



Der Amshinover Rebbe (Jerusalem)



Der Stropkover Rebbe (Jerusalem)



In der chassidischen Gruppe Toldot Avraham Yitzchak (Jerusalem)

Alle Photos gibt es HIER !

Dienstag, Dezember 20, 2011

Chanukkah – Wunder

B"H

Überall Chanukkah. Egal, ob in der israelischen säkuleren oder religiösen Welt, Chanukkah – Kerzen werden allgemein gezündet. 

Vor mehr als 2000 Jahren liess G – tt den Juden in Israel ein Wunder zukommen. Die Griechen wurden besiegt und die Menorah im Tempel brannte acht Tage lang, obwohl koscheres Öl lediglich nur für die Dauer eines Tages vorhanden war. Bis neues koscheres Öl produziert werden konnte, gingen einige Tage ins Land und, wie durch ein Wunder, brannte die Menorah immer weiter. Chanukkah steht demnach für das Wunder mit dem Öl und weniger für den Sieg der Makkabäer gegen die griechische Besatzungsmacht.  

Wunder, Wunder … Geben wir es doch alle zu. Klar, warten wir alle dieser Tage auf unser ganz persönliches Wunder im Privatleben. Ganz gleich in welcher Angelegenheit. Gerade Chanukkah und dessen Wunder – Bedeutung lässt in uns die Hoffnung hochkommen und nicht selten klappt es sogar.   

Chanukkah Sameach – Happy Chanukkah, und dass ein Jeder sein eigenes kleines Wunder erfahre.

Backrezept: Chanukkah Sufganiot




Sufganiot am Jerusalemer Machane Yehudah Markt in der vergangenen Woche.

Photos: Miriam Woelke
B"H


Heute abend begann das jüdische Chanukkahfest und viele Leser halten immer noch nach dem passenden Backrezept Ausschau. In Israel sind sie schon seit einiger Zeit wieder im Handel, die traditionellen Sufganiot (Krapfen, Berliner). Je nach Füllung kosten sie zwischen 3 - 8 Schekel (ca. 60 Cent 1,50 Euro).


Hier erst einmal ein Rezept aus der Bäckerei, in der ich bis vor einem Jahr zu arbeiten pflegte:


1 kg Mehl (Vollkornmehl)

Eine dreiviertel Tasse Zucker

1 Teelöffel Salz

2 Eier

2 Eßlöffel Cognak

Eine halbe Tasse Olivenöl

60 g Hefe

Das ist alles. Man kann die Sufganiot ganz normal im Backofen backen. 20 Minuten lang bei 160 Grad. Meistens aber werden die Sufganiot in einer Pfanne oder einem Topf voll Olivenöl gedünstet. Heisst, sie müssen darin schwimmen. Die Füllung wird hinterher reingespritzt. In der Bäckerei verwenden wir überwiegend Dattel - Apfel - Füllung. Je nachdem kann man die Sufganiot noch mit Olivenöl, Puderzucker, Honig, etc. bestreichen. 

Der Cognak verursacht übrigens, dass das Olivenöl vom Teig besser aufgesaugt wird. 

Viel Spaß beim Backen und gutes Gelingen !!!

Chanukkah - Lichter

Chanukkah 2010 / 5771 in Jerusalems Stadtteil Nachlaot










Photos: Miriam Woelke