Samstag, März 31, 2012

To – do – List für Pessach

B"H 

Diese Woche geht es so richtig los, denn am Donnerstag abend ist schon BEDIKAT CHAMETZ. Eine traditionelle Zeremonie, in welcher obligatorisch das Haus nach Chametz abgesucht wird, eingeleitet durch einen speziellen Segen. Mindestens zehn kleine Chametzteilchen werden in Papier eingewickelt und im Haus versteckt. Dann wird mit Kerze oder Taschenlampe danach gesucht, eingesammelt und am nächsten Morgen beim BI’UR CHAMETZ, der Verbrennung des letzten Chametz, vernichtet. Hört sich alles furchtbar kompliziert an, ist es aber nicht. Außerdem sind sämtliche Segen und Gebete (wie zum BI’UR CHAMETZ) im PESSACH MACHZOR (Pessach – Gebetbuch) enthalten.

Bevor die letzten Stunden vor dem Fest anbrechen, muss ich allerdings noch wie wild putzen. Küchenschrank ausräumen und auswaschen. Mein letztes Mehl loswerden und die Kidniyot (Dosen mit Erbsen oder Mais) wegstellen. Aschkenazische Juden hegen den Brauch, keine Hülsenfrüchte zu essen und so gibt es an Pessach keinen Mais, keine Erbsen oder Bohnen. In Israel muss ganz besonders aufgepasst werden, denn das Land ist voller sephardischer Juden und die essen an Pessach Hülsenfrüchte. Da Kidniyot sowohl als auch in diversen Gewürzen und allem Möglichen enthalten sind, sollte jeder auf die Label schauen, ob, zum Beispiel, die Würste im Supermarkt frei von Kidniyot sind.

Aufgrund des Auszuges aus Ägypten ist es Juden lt. der Thora verboten, an Pessach Chametz zu verzehren. Kein Getreide und dessen Produkte. Die eigene Wohnung muss frei von jedem Getreide sein und wer davon recht viel besitzt und es nicht gerade wegwerfen will, der kann es an bestimmten Stellen verkaufen. MECHIRAT CHAMETZ wird dies in der Fachsprache genannt. Derzeit sehen wir überall Yeshiva – Studenten (relig. Schulen) sitzen, welche, gegen einen Unkostenbeitrag, dem Verkäufer eine kleine Urkunde ausstellen, dass sein Chametz verkauft worden ist. Zwar darf der Verkäufer das Chametz in der Wohnung behalten – in einer extra Tüte, weggesperrt in einem Schrank – doch gehören tut es ihm an Pessach gar nicht mehr. Im ganzen Land findet dieser CHAMETZ – VERKAUF statt und kann sogar online getätigt werden. Insbesondere Lebensmittelhersteller wie Bäckereien verkaufen ihr Chametz.

Traditionell übergeben dieser Tage die beiden Oberrabbiner Israels einem drusischen Geistlichen die Urkunde des Verkaufs. Damit ist das gesamte Chametz aller Juden in der Hand der Drusen. Dies geschieht symbolisch, doch wird somit das Verbot der Thora etwas umgangen. Wenn Pessach vorbei ist, wird umgehend das Chametz wiederverwendet und es geht in den Besitz des rechtmässigen Eigentümers über. Ebenso werden nach Pessach in der Lebensmittelbranche / in Geschäften Urkunden des Rabbinates ausgehängt, dass dieses Unternehmen sein Chametz an Pessach verkauft hatte. War das Chametz nicht verkauft worden, so ist es für den Genuss nicht mehr koscher und sollte weggeworfen werden. Wer in einem Laden kauft, der das Chametz nicht verkauft hat, sollte ein paar Wochen warten, bis er wieder in dem Laden einkauft. In der Hoffnung, dass bis dahin das unkoscher gewordene Chametz aufgebraucht ist.

Ich selber putze ganz normal für Pessach und drehe nicht vollkommen durch, wie andere Leute. Viele legen ihre gesamte Küchenanrichte und die Schränke mit Aluminiumfolie aus. Ich tue das nicht. Zahlreiche Juden benutzen an Pessach anderes Geschirr. Eigens angeschafft für das Fest. Ebenso andere Töpfe. Andere wiederum lassen ihre Töpfe mit kochend heissem Wasser ausbrennen. Hinzu kommt der Einkauf. Pessach ist ein teures Fest und wer gute Mazzot will, der muss investieren. Familien mit Kindern fällt das schwer und so gibt es lediglich bei der Pessach – Seder am Freitag abend die teuren handgefertigten Mazzot und an den restlichen Tagen reguläre.

Tausende Israel haben an Pessach Urlaub und es ist die Zeit der Ausflüge. Wenn nicht ins Ausland, dann im eigenen Land. Zimmer und Hotels sind ausgebucht und Parks, Museen, das Tote Meer und sämtliche Sehenswürdigkeiten werden vor dem Massenandrang fast auseinanderplatzen. Ich muss an den Tagen arbeiten, doch werde ich versuchen, an den Zwischenfeiertagen (Chol HaMo'ed) mindestens einmal nach Jerusalem zu kommen.

Pessach steht ebenso für einen Tag der ALIYAT HA’REGEL nach Jerusalem. Zu Tempelzeiten gingen die Juden aus dem ganzen Land an Pessach, Schavuot sowie an Sukkot nach Jerusalem, um Opfer darzubringen. Bis heute sehen viele Juden es als Verpflichtung an, während dieser Feiertage wenigstens einen Tag in Jerusalem zu verbringen.

Was fehlt noch ? Bis Freitag muss ich unbedingt noch ein Paket MAZZA SCHMURAH auftreiben, denn ich esse an Pessach keine normalen Mazzot, sondern eine Art Mazzot, die während des Herstellungsprozesses besonders überwacht wurde. Zwar ist die SCHMURAH teurer, doch dafür schmeckt sie besser und ist nicht so trocken wie die normale Mazza.


 Mazza Schmurah

Photo: Miriam Woelke



PHOTOS AUS BNEI BRAK (APRIL 2011)



April 2011: "Bi'ur Chametz – das Verbrennen des letzten Chametz" wenige Stunden vor Pessachbeginn im Herzen von Bnei Brak. Nahe der Rabbi Akiva Street.



Viele religiöse Juden haben den Brauch, ihren Lulav von Sukkot zusammen mit dem Chametz wenige Stunden vor Pessach zu verbrennen. Ich sah unheimlich viele Haredim (ultra – orthodoxe Juden), die ihren Lulav zum Feuer mitbrachten. Ebenso wie jene Besen, mit welchen die Weiblichkeit das Haus pessachrein machte.

Chametz repräsentiert symbolisch betrachtet unsere eigene Yetzer HaRah (die schlechte Seite in einem jeden von uns) und mit dem Verbrennen drücken wir ebenso symbolisch aus, dass wir uns von der schlechten Yetzer befreiten.






Hier wird öffentlich Geschirr (Kelim) kascher le’Pessach gemacht. Dies geschieht anhand einer speziellen Prozedur,bei welcher das Geschirr in kochend heisses Wasser getaucht wird.


Das kochend heisse Wasser.



Der Vater der Mädels im Hintergrund brachte seine Kidduschbecher vom Schabbat zum Kaschern.



Weiteres Kaschern.

Copyright / Photos: Miriam Woelke

Freitag, März 30, 2012

Haredische Welt - Parashat ZAV


Pessach kommt



Der neue Vorsitzende der KADIMA Partei in dieser Woche: Sha'ul Mofaz an der Kotel (Klagemauer)

Donnerstag, März 29, 2012

Parashat ZAV - פרשת צו



B"H

Gedanken zur Thoralesung für diesen Schabbat, der gleichzeitig "Schabbat Hagadol - Der große Schabbat (vor Pessach)" genannt wird

"ZAV" bedeutet, wie u.a. auch der Ramban (Nachmanides, 1194 - 1270) kommentiert immer eine Eile, eine bestimmte Mitzwah auszuführen. "JETZT SOFORT" - dies gilt genauso für alle zukünftigen Generationen.

Der chassidische Rabbi Avraham Joshua Heschel, schreibt in seinem chassidischen Kommentar "Ohev Israel":

Der Mensch sündigt und beschädigt auf diese Weise seine Seele. Die Opfergabe, die nach einem Vergehen im Tempel stattfand, bringt die Seele des Menschen anhand des erbrachten Opfers G - tt näher.
Dies jedoch nur, wenn der Mensch seine negativen Taten aufrichtig bereut und Besserung gelobt.

Rabbi Heschel weiter:


Die Bedeutung der Opferung liegt gleichsam in der Erzielung der Gnade G - ttes und Seiner Vergebung. Anhand der Opferung wird eine persönliche Nähe zu G - tt erstellt und die eigene Seele erinnert sich an ihren Ursprung. Somit kommt es zu einer Vereinigung G - ttes und der Seele.


Was wir niemals vergessen sollten ist, uns auf unseren Ursprung zu besinnen. Wo kommen wir eigentlich her und was ist der wesentliche Bestandteil unseres Daseins ? Nicht unser Körper, sondern vielmehr die Seele; die Seele, die kein Mensch in der Lage ist zu orten geschweige denn zu definieren oder zu beschreiben.

Es heißt im kabbalistischen Buch ZOHAR, dass allein G - tt entscheidet welche Seele in unseren Körper kommt. Vor der eigentlichen Geburt eines Menschen geht die Seele symbolisch betrachtet für einige Zeit ins Paradies und darauf eine bestimmte Zeit in jene Welt, welche für Juden nicht das Konzept anderer Religionen, die "Hölle" ist, sondern eher ein Zustand, in welchem die Seele in einer Art Twilight hängt und G - tt nicht erreicht. Kommt die Seele auf die Erde in den Körper eines Menschen, so kennt sie ihren Ursprung und beiderlei Seiten, welche sie nach dem Tode des Menschen erwarten könnte, denn sie war zur Veranschauung ja schon einmal dort.

Was uns das zoharische Konzept genau sagen will ist, dass die Seele gar nicht aus ihrem perfekten Ursprung heraus auf die Erde will. Einmal in einem Körper angekommen wird sie alles daran setzen, den Menschen zum Positiven zu beeinflussen, um an ihren Ursprung (G - tt) zurückzukommen. Sprich, der Mensch soll Gutes tun, damit die Seele nach dem Tode des Körpers wieder zu G - tt aufsteigt. Der Mensch und sein Körper jedoch folgen nicht immer dem Willen der Seele und so kommt es, dass der Körper mehr auf Materialismus steht als die Seele. Der Körper dringt darauf, seine materiellen Bedürfnisse (Essen, Trinken, gut leben, usw.) zu befriedigen und der Mensch gibt nur allzu gerne nach. Unkoscheres Essen, Verhalten wider der Thora, etc. sind die Folge und die Seele erleidet somit einen Schaden. Nach dem Tode wird sie dann sozusagen gereinigt oder reinkarniert.

Um den Juden eine Anleitung zum Leben in der unseren materiellen Welt zu geben, gab G - tt ihnen die Thora, den Nichtjuden gab Er die Sieben Noachidischen Gesetze. Unsere Aufgabe besteht darin, diese Welt anhand der richtigen Nutzung unseres ebenso von G - tt gegebenen "Freien Willen" positiv zu meistern. Bei der Opferung aufgrund von Vergehen steht die opfernde Person vor G - tt selbst und legt Rechenschaft ab. Eine Umkehr zum Guten kann (fast) immer erfolgen.

Mittwoch, März 28, 2012

Die Suche nach dem Chametz in uns selbst


"OZAR HA'MOADIM" – Eine Sammlung mit den Kommentaren vieler gelehrter Rabbiner. Ich habe das Buch erst in dieser Woche in Bnei Brak (bei Tel Aviv) erstanden und muss sagen, der Kauf hat sich gelohnt.

Photo: Miriam Woelke

B"H 

Im Buch enthalten sind die Pessach – Gesetze, "Hilchot Pessach" aus dem "Schulchan Aruch - Code of Jewish Law", die "Hilchot Pessach" aus der "Mischna Berura", Pessach – Kommentare aus dem kabbalistischen Buch ZOHAR sowie Pessach – Kommentare zahlreicher chassidischer Rabbiner / Kommentatoren wie dem Bnei Yissachar, dem Baal Shem Tov, dem Maggid von Mezritch, Chesed le'Avraham, Rabbi Yaakov Yosef von Polonnoye, Noam Elimelech, Beer Mayim Chaim, Ma'or veShemesh, dem Sfat Emet. Am Ende des Buches werden eine ganze Reihe Minhagim (Bräuche von Rabbinern) aufgelistet.

Rabbi Yaakov Yosef von Polonnoye, dem berühmten Anhänger des Baal Shem Tov:
Bereits mehrere Wochen vor Pessach beginnen Abertausende Juden mit dem Pessach – Putz daheim. Juden ist es an den Pessach – Tagen verboten, Chametz zu besitzen und so wird jeder Krümel Weizen, Hafer, Gerste, Spelt oder Roggen weggeschrubbt. Das Haus muss rein und Chametz – Frei sein. Putzen bis zum Unfallen.

Bevor Pessach so richtig beginnt, sollten wir uns einmal hinsetzen und uns darauf besinnen, wie wir unser eigenes persönliches Chametz in uns loswerden. Im Judentum steht Chametz symbolisch für die HaRah (die negative Seite in einem Jeden von uns) und unsere Aufgabe besteht darin, eben diese Yetzer zu überkommen und nicht jedem Drang nachzugeben. In der Nacht vor Pessach, wenn wir normalerweise das traditionelle “Bedikat Chametz – Die Suche nach dem letzten Chametz" durchführen, sollten wir uns die Zeit nehmen, auch das Chametz in uns selber suchen.

Halacha: Raubkopien

B"H

Ist es erlaubt, CDs zu kopieren oder selbstgebrannte Musik CDs bzw. DVDs zu kaufen oder zu vertreiben ? Was, wenn ich mir etwas aus dem Internet herunterlade ? Ist das gemäss der jüdischen Halacha erlaubt ? 

Der im Jahre 1986 verstorbene Halacha – Experte, Rabbi Moshe Feinstein, legte seinerzeit fest, dass das Kopieren von Musik oder Filmen verboten ist. Die Begründung dafür lautet, dass der Erzeuger der Musik oder des Filmes durch das Kopieren seines Produktes Geld verliert. Diese Regelung gilt ebenso für Schmuck, Musik, Kunst oder Bücher. 

(Siehe Igrot Moshe, Orach Chaim, Vol. 4 Siman 40:19). 

Zusätzlich macht sich der Raubkopierer des Diebstahls schuldig. Vor allem dann, wenn es um Copyrights geht.

Dienstag, März 27, 2012

Koschere Nudeln für Pessach

B"H

Vor noch nicht allzu langer Zeit regten wir uns alle noch auf, dass an Pessach keine Nudeln verzehrt werden dürfen. Als Weizenprodukt sind Nudeln an den sieben Pessachfeiertagen CHAMETZ. Bedeutet, sie gehören in die Kategorie verbotenes Getreide an Pessach. Wie bekannt ist es Juden an Pessach untersagt, Getreideprodukte wie Hafer, Spelt, Roggen, Weizen oder Gerste zu verzehren. Alles daraus Erzeugte gilt als CHAMETZ und somit verboten. Für aschkenazische Juden bleibt an Pessach eh nicht viel zum Essen übrig außer Fisch, Fleisch, Kohl, Kartoffeln, Karotten, Eier oder Zwiebeln. Sephardische Juden hingegen kennen all die aschkenazischen Bräuche nicht und essen teilweise Reis. Aschkenazen ist der Reisverzehr an Pessach lt. eines mittelalterlichen Brauches untersagt, sephardische Juden hingegen essen Reis. Darunter Kurden, Perser oder Iraker. Marokkaner essen teilweise keinen Reis an Pessach. Ferner ist es sephardischen Juden erlaubt, Kidniyot zu essen. In diese Kidniyot – Sparte fallen insbesondere Hülsenfrüchte wie Mais, Erbsen, Bohnen, Humus aus Kichererbsen und alles, was aus diesen Lebensmittel hergestellt wurde. Auch die Kidniyot gehen auf einen Brauch zurück. Nach all den Beschwerden des Essensmangel aschkenazischer Juden, existiert seid Jahren Kuchen, der an Pessach erlaubt ist, denn er ist mit Mazze – oder Kartoffelmehl gebacken. Koscher für Pessach also.

Als ich heute abend im Supermarkt einkaufte, sah ich doch glatt koschere Nudeln für Pessach ! Wie das ? Indem sie aus Reis angefertigt worden sind. Reis wiederum bedeutet Kidniyot und nur sephardische Juden kommen in den Genuß. Allerdings sah ich ebenso koschere Nudeln für Pessach ohne Kidniyot – Zusätze.

Hier ein paar Einkaufsimpressionen von heute abend. 
Ort: Der MEGA Markt in der Dizengoff Street / Ecke Pinsker in Tel Aviv.


Koscher für Pessach !



Koschere Nudeln für Pessach



Mit Kidniyot und hergestellt aus Reis.



Für die Suppe und koscher für Pessach.



Wein für die Pessach Seder



Mazzot



Kekse koscher für Pessach. Vorwiegend aus Kartoffelmehl gebacken.

Photos: Miriam Woelke

Kein Zweifel: Pessach ist einer der teuersten jüdischen Feiertage und viele jüdische Familien in Israel können sich das kostspielige Essen einfach nicht leisten und sind daher auf Geld – und Essensspenden angewiesen. Einschliesslich vieler haredischer (ultra – orthodoxer) Familien in Mea Shearim sowie in Bnei Brak.
Eine dieser Spendenorganisationen ist die im ultra – orthodoxen Mea Shearim (Jerusalem) anzutreffende: "LINAT HA'CHESED" der chassdischen Gruppe Toldot Avraham Yitzchak. Vor zwei Jahren war ich dort und interviewte einige der Chassidim.

Link: 

Tour durch Bnei Brak


Montag, März 26, 2012

"Pessach" und der "Schabbat Ha'Gadol"

B"H

In diesem Jahr feiern die Juden in Israel vom Abend des 6. April bis zum Abend des 13. April 2012 PESSACH. In Israel sieben Tage lang, in der Diaspora einen Tag länger. Pessach selbst ist ein biblisches Gebot für Juden und es wird an den Auszug aus Ägypten erinnert. Sieben Tage lang ist jeglicher Getreidegenuss verboten. Keinen Roggen, Weizen, Spelt, keine Gerste und keinen Hafer. Auch nichts, was aus diesen Produkten hergestellt wurde wie Nudeln, Mehl, Bier, sämtliche Teigwaren, Suppenpulver (auf denen der Vermerk "kasher le’Pessach" fehlt) oder Pizza, etc.

Das Wort PESSACH bedeutet übersetzt ÜBERGEHEN, ETWAS AUSLASSEN. 

Die Bedeutung stammt aus der Nacht als G – tt die ägyptischen Erstgeborenen tötete, doch der Todesengel die jüdischen Häuser ausliess. Die Strafe galt ausschliesslich den ägyptischen Erstgeborenen und danach erlaubte Pharao, wie bekannt, den Israeliten Ägypten zu verlassen. Der Tod der Erstgeborenen war die 10. Plage G – ttes. Damit der Todesengel weiss, wo sich ein jüdisches Haus befindet, wurden die Israeliten von G – tt angewiesen, ein Lamm oder ein Zicklein zu schlachten und dessen Blut an die Türpfosten zu platzieren (siehe Exodus – Sefer Schmot 12:3 – 7). 

Der Schabbat vor Pessach wird immer SCHABBAT HA’GADOL (der Große Schabbat) genannt. Warum trägt der Schabbat diesen Namen ? 

In diesem Jahr fällt der Schabbat Ha’Gadol gemäss dem jüdischen Kalender auf den 8. Nissan (Chet Nissan). Im Jahr des Auszugs aus Ägypten jedoch fiel der Schabbat vor dem Auszug auf den 10. Nissan (Yud Nissan). Somit war der 10. Nissan der Tag, an welchem G – tt den Israeliten das Wunder geschehen liess, dass ihre Erstgeborenen überlebten. Siehe zu dem Datum Exodus 12:3 sowie die Mischna Berura - Hilchot Pessach, Siman תל תלא. 

An diesem Schabbat feiern wir den SCHABBAT HA'GADOL, denn in der kommenden Woche beginnt am Freitag abend PESSACH. 

Pessach Vorbereitungen in Bnei Brak

B"H

Heute früh ging ich durch die Bnei Braker Haupt – und Geschäftsstraße Rabbi Akivah Street um mir jene speziellen Mazzot zu besorgen, die ich an Pessach normalerweise esse: "Mazza Schmurah", welche eine besondere halachische Überwachung bei der Herstellung geniesst. Leider sichtete ich nur die superteuren handgefertigten sowie reguläre Mazzot. Bis Pessach aber muss ich noch meine geliebten Schmura Mazzot auftreiben. 

Bnei Brak ist eine Stadt zwischen Ramat Gan und Petach Tikwah. Alle drei Städte sind mit den lokalen Tel Aviver Bussen bequem und zum Ortstarif zu erreichen. Bnei Brak selbst wird vielerseits als haredische (ultra – orthodoxe) Stadt dargestellt, was nicht ganz stimmt. Es leben viele säkulere Juden dort genau so wie Nationalreligiöse. Nicht jeder in Bnei Brak trägt einen schwarzen Anzug mit Hut. Allerdings gibt es rein haredische Stadtteile, die ich recht oft besuche.


Kreuzung Ramat Gan - Bnei Brak: Ramat Gan zur Linken und Bnei Brak zur Rechten.



Vor Pessach schaffen sich viele jüdische Haushalte neues Geschirr kascher le’Pessach an. Alles soll blitzblank und frei von jedem an Pessach verbotenem Getreide sein.



Spendenaufruf per Plakat: Zedakah (Spenden für Bedürftige) sind ein wichtiges Thema in Bnei Brak, denn die Stadt gilt als die ärmste Stadt Israels.




Photos: Miriam Woelke

Die Hauptsynagoge von Ramat Gan (nahe Tel Aviv)




Photos: Miriam Woelke

Sonntag, März 25, 2012

Einem nichtjüdischen König Respekt zollen

B"H 

Die Gemara (rabbinische Diskussion) des Talmud Traktates Berachot 58a lehrt, dass ein Jude einem nichtjüdischen König Respekt entgegenbringen soll. Kommt, zum Beispiel, die König von England oder der schwedische König zu Besuch, so sollte ein Jude unter den Zuschauern sein und den König / die Königin begrüssen.

Samstag, März 24, 2012

Niemals gehen alle Wünsche in Erfüllung


Das Kapital: Wohnhaus und Bürokomplex in Ramat Gan (bei Tel Aviv)

Photo: Miriam Woelke 
B"H 

Kein Mensch auf dieser Welt erreicht auch nur annähernd die Hälfte all seiner Wünsche (Kohelet Rabbah 1:13)

Was hegt nicht jeder Mensch für Wünsche und Erwartungen im Leben. In der Psychologie heisst es, dass Depressionen auch dadurch ausgelöst werden, dass viele Erwartungen ans Leben unerfüllt bleiben. Aber so ist nun einmal der Verlauf des Lebens, denn G – tt hat Seinen eigenen Plan für einen Jeden von uns und entscheidet, was wir letztendlich bekommen und was nicht. Die Midrasch dem Buch Kohelet drückt dies in einem einzigen Satz aus (siehe oben). 

Was die meisten Menschen vergessen ist, sich auch auf etwas Spirituelles zu konzentrieren und nicht nur auf materielle Befriedigungen. Geld allein gibt zwar Sicherheit, doch macht es nicht glücklich. Außerdem bringt viel Geld auch viele große Sorgen und Komplikationen mit sich, wie ich seit einiger Zeit selber erfahre.

Freitag, März 23, 2012

Im Koran gibt es kein Jerusalem


Das OPHEL (Archeology Garden) gleich neben der Klagemauer (Kotel) in Jerusalem. Im Hintergrund der Turm des Muezzin sowie die Al Aksa Moschee auf dem Tempelberg.

Photo: Miriam Woelke
B"H

Im Koran ist Jerusalem nicht ein einziges Mal erwähnt, doch wird im Islam allgemein behauptet, dass der Prophet Mohammed vom Jerusalemer Tempelberg aus auf einem magischen fliegenden Pferd in den Himmel ritt. Um die Legende am Leben zu erhalten, finden wir heute in den Steinen des Zweiten Tempels zwei gebohrte Löcher, welche die Stelle markieren sollen, an welcher Mohammed sein Pferd anband. Eine Legende, denn Mohammed war niemals in Jerusalem und die Löcher sehen eigentlich noch recht neu aus.:-)


Photo: Miriam Woelke

Donnerstag, März 22, 2012

Rosh Chodesh Nissan - ראש חודש ניסן


Gesehen in Jerusalem
Photo: Miriam Woelke
B"H

Morgen abend (Freitag, Erev Schabbat) und am Schabbat feiern wir Rosh Chodesh Nissan - den Beginn des jüdischen Monats Nissan. Wie wir schon mehrere Male gelernt haben, bedeutet ein neuer Monat gleichzeitig ein persönlicher Neubeginn für jeden einzelnen von uns. 


Mit Nissan zieht nun endgültig der Frühling ein (obwohl viele Bäume schon längst in voller Blüte stehen) und Rosh Chodesh Nissan ist gleich doppelt so wichtig, denn an diesem Tag wurde von Moshe in der Wüste das Mishkan (Tabernakel) errichtet. 

Wenn wir nach der Thora gehen, dann ist der Monat Nissan der eigentliche Jahresbeginn, aber dem Mondkalender zufolge, nach welchem wir uns richten, liegt der Jahresbeginn im Monat Tishrei (Rosh HaShana, ca. September / Oktober). 

Im Talmud Traktat Rosh HaShana gibt es zahlreiche Diskussionen, ob der wahre Jahresbeginn im Nissan oder im Tishrei liegt. Der berühmte Thorakommentator Ohr HaChaim hat einen brillianten Kommentar dazu verfaßt:

"Im Nissan dachte G - tt daran, die Welt zu erschaffen und im Tischrei setzte Er Seinen Plan in die Tat um". (dieses bitte nur metaphorisch verstehen !)

Laut dem kabbalistischen Buch Sefer Yetzirah (The Book of Creation) symbolisiert jeder jüdische Monat einen bestimmten Buchstaben, einen israelitischen Stamm, ein Sternzeichen, einen der Sinne und ein Organ.

Der Buchstabe des Monats Nissan ist das Heh ה, das Sternzeichen ist der Widder, der Stamm ist Yehudah, der Sinn ist das Sprechen und das Organ ist das rechte Bein. 


Jedes Jahr am 15. Nissan (Pessach) an Vollmond, sind wir in der Lage, unser Leben völlig unter Kontrolle zu bringen. Es beginnt unserer innerer Frieden und zugleich der Frieden allen Chaos. 

Die eigentliche Aufgabe des Monats Nissan ist das Putzen für Pessach (wie romantisch !). Wir sind verpflichtet, jegliches Chametz (Getreide wie Weizen, Roggen, Spelt oder Gerste) aus unserem Haushalt zu entfernen. 

In der Kabbalah wird das Chametz als unsere Yetzer HaRah, unsere schlechte Neigung, gesehen. Wir sollen symbolisch all unsere schlechten Neigungen bzw. Charaktereigenschaften loswerden. Dies ist das eigentliche Geheimnis des Chametz. 

Einen Tag nach der Pessach - Seder beginnen wir mit dem "Zählen des Omers" (49 Tage lang bis Schavuot). Auch mit der Zählung des Omer sollen wir unsere negativen Charaktereigenschaften abschütteln und uns für das Geben der Thora, welches wir an Shavuot feiern, vorbereiten.


Chodesh Tov - חודש טוב - einen guten Monat Nissan an alle Leser !

Parashat VAYIKRA - פרשת ויקרא

B"H

Die Thoralesung für diesen Schabbat


Was ? Wieso Tieropferungen ?

Tierquälerei und ein Brauch aus antiker Zeit. Was geht mich das heute an und überhaupt sind die Zeiten eh vorüber. 

Fakt ist, dass sobald der Meschiach kommt und der Dritte Tempel steht, wir wieder Tieropferungen bringen werden. Kein Sündenopfer (Chatat), sondern wohl eher ein Dankesopfer an G - tt (Olah). 

Die Opferungen waren / sind nicht dazu da, weil es um blutrünstige Befriedigung durch Opfer im eigentlichen Sinne geht. Im hebräischen Original wird ein Tempelopfer "Korban" genannt und eben jenes Wort beinhaltet die Buchstabenwurzel "Lehitkarev - näher kommen - להתקרב". Anhand des Opfer kommen wir demnach G - tt näher; dennoch nur dann, wenn wir aufrichtig bereuen und geloben, in Zukunft alles besser zumachen. 

Details dazu HIER !

In der Parashat Vayikra verbietet G - tt den Juden ausdrücklich jeglichen Blutverzehr. Schon das Ablecken des Blutes von jemandem, der sich in den Finger schnitt, ist verboten. Rabbi Samson Raphael Hirsch hat dazu einen einzigartigen Kommentar: 

Nur in der hebräischen Sprache erscheint die wahre Bedeutung des Wortes "Korban" zum Ausdruck gebracht, denn wer "Korban" im Deutschen lediglich als "Opfer" übersetzt, der hat die eigentliche Bedeutung nicht verstanden. Es wird nicht geopfert, sondern durch den Willen der Umkehr entsteht eine neue Beziehung zu G - tt und somit einen gewisse Nähe. Theoretisch könnte ich ein Opfer bringen und mir sagen "Naja, jetzt ist eh alles vergeben". G - ttes Erbarmen jedoch findet nur dann statt, wenn ich wirklich meine negativen Taten bereue und wenn dem nicht der Fall ist, kann ich soviele Opfer auf den Tempelaltar schmeissen, wie ich will; vergeben ist letztendlich nichts. 

Rabbi Hirsch fährt fort:
Immer dort, wo in der Thora von den "Korbanot - Opferungen" die Rede ist, wird G - ttes Name Yud - Heh - Vav - Heh - י - ה - ו - ה verwendet. Der Name, welcher Gnade ausdrückt und nicht pures Gericht / Urteil wie der Name E - lo - h - i - m. G - tt lässt demnach keine harte Justiz walten, sondern Gnade. Jemand bekommt die Möglichkeit, seine vorherigen Fehler im Leben zu korrigieren. Eine spirituelle und moralische Wiederauferstehung sozusagen. Der Gewinn von neuer Stärke den Willen G - ttes, die Thora, zu erfüllen. 

Der Ramban (Nachmanides), 1194 - 1270, merkt in seinem Thorakommentar an, dass die Tatsache, dass der Name Yud - Heh - Vav - Heh in Verbindung mit den Opferungen genannt wird, dies ein Zeichen der Widerlegung jeglicher christlicher Theorien darstellt, welche G - tt als Dreifaltigkeit proklamieren. G - tt besitzt nur EIN ewiges und zeitloses inneres Wesen und das ist Er selbst. Ohne Verwandte oder Geister. Ferner weist der Ramban darauf hin, dass der G - ttesname Yud - Heh - Vav - Heh stets eine Vereinigung bedeutet. In Bezug auf die Korbanot also auf eine Vereinigung zwischen G - tt und Seinem Volk Israel (den Juden).

Ein Wunder ist der Kommentar des Ramban nicht, denn seinerzeit führte er mehrere Dispute mit Abgesandten der katholischen Kirche. Berühmt ist vor allem sein öffentliches Streitgespräch mit Pablo Christiani.

In der Thora heißt es, der Geruch der aufsteigenden Opferungen finde G - ttes Wohlgefallen.
Der "Geruch" ? Wir wir bereits wissen, ist G - tt kein Wesen, welches nach Gerüchen aburteilt und so ist der Ausdruck vermenschlicht um zu verdeutlichen, wie sehr G - tt die Umkehr eines Menschen zu Ihm gefällt.

Die Kennzeichen eines Menschen sind seine Gedanken, seine Sprache (Ausdruck) sowie seine Taten. Anhand dieser Merkmale ist der Mensch jederzeit in der Lage, sein Leben zu ändern, denn G - tt gab uns eine Umkehr. Wir haben die Möglichkeit zu bereuen und ein besseres Leben zu geloben. Niemand wird sofort und gnadenlos verdammt, nur weil er einmal einen Fehler beging.


"Schabbat Schalom" an alle Leser !
Links:


Eruvin 13b: "Über Berühmtheit und Erfolg"

B"H 

Wer nach Berühmtheit strebt wird feststellen, dass die Berühmtheit vor ihm flüchtet. Wer dagegen vor der Berühmtheit flüchtet, wird von ihr eingeholt werden. Diejenigen, die die Zeit bezwingen wollen, werden selbst von der Zeit bezwungen. Derjenige der Zeit aufbringt, für den wird die Zeit anhalten. 

Talmud Eruvin 13b 

Raschi Kommentar: "Versuche nicht, Erfolg zu schnell herbeizuführen".

Musik von CHILIK FRANK



Der Chassid Yechiel Me'ir (Chilik) Frank. Soweit mir bekannt ist, stammt er aus einer original Breslover Familie und nicht von einer der modernen Abspaltungen der Neureligiösen.

Mittwoch, März 21, 2012

Toilette ohne Worte

B”H 

Juden ist es untersagt, auf dem stillen Örtchen zu sprechen. Praktisch schaut das so aus, dass, wenn jemand auf Toilette sitzt und ein Zweiter suchend nach ihm ruft, Ersterer laut von innen an die Toilettentür klopft, damit der Zweite weiss, wo er sich befindet. 

Ferner lehrt uns der Talmud, dass auf einem Abort das Wort SCHALOM erst recht nicht fallen darf, denn SCHALOM ist einer der Namen G – ttes.

Leben im Shtetl


Montag, März 19, 2012

Nichtjuden bei der Pessach - Seder ?

B"H

Jedes Jahr kommt kurz vor Pessach diese Frage immer wieder neu auf: 

"Können Nichtjuden an einer Pessach – Seder teilnehmen ?"


Bei Reformjuden scheint es nichts Außergewöhnliches sein, wenn sie zu ihrer Seder auch Nichtjuden einladen; orthodoxe Juden (mich eingeschlossen) fühlen sich mehr als unwohl dabei. Mir sind in meinem Bekanntenkreis keine orthodoxen Juden bekannt, die Nichtjuden zu ihrer Seder einladen und außer Rabbi Mordechai Machlis lädt auch niemand von ihnen nichtjüdische Gäste zum Schabbat ein. Übrigens fällt Rabbi Machlis an Pessach flach, da er jedes Jahr mit seiner Familie zum Fest verreist und die Pessachfeiertage privat verbringt.


Was aber ist gerade an Pessach so problematisch, Nichtjuden einzuladen ? 


Zuerst einmal finde ich es höchst seltsam, wenn diverse Kirchengemeinden auf die Idee kommen, ihren Mitgliedern eine Pessach – Seder anzubieten. Ich brauche nicht lange nachdenken, um festzustellen, dass Pessach ein einzig und allein jüdisches Fest ist. In der Thora wurden die Juden beauftragt, diesen Feiertag einzuhalten und keine ungesäuerten Brote zu essen bzw. während dieser Zeit kein Chametz (Getreideprodukte wie Nudeln, Bier, Brot, etc.) im Haus zu haben. Wer als Nichtjude eine eigenständige Seder feiert, der kopiert etwas, was ihm nicht gehört. 


Ich habe diesbezüglich versucht, etwas in der Halacha (jüdische Gesetzgebung) zu finden und bin auf Unterschiedliches gestossen. Wobei es gerade aufgrund der Halacha in orthodoxen Kreisen absolut unüblich ist, Nichtjuden zur Seder einzuladen. Die Halacha besagt, dass ein Jude an einem Feiertag von einer bestehenden Flamme kochen darf. Dies aber nur für einen Juden und NICHT für einen Nichtjuden. Das Hauptargument gegen Nichtjuden bei der Pessach – Seder besteht also in der Gefahr, dass Juden für einen Nichtjuden kochen. Am Schabbat hingegen bestehe diese Gefahr nicht, denn am Schabbat wird ja grundsätzlich nicht gekocht. 


Das Afikoman, jene zerbrochene Mazzah, welche am Sederabend erst versteckt und später gegessen wird, repräsentiert das einstmalige Pessach – Opfer im Tempel. Jedes Jahr zu Pessach kamen sämtliche Juden zum Jerusalemer Tempel, um dort ihr Pessach – Lamm zu opfern und es bei der Seder zu verspeisen. Ein biblisches Gebot (Exodus 12:43) besagt, dass ein Nichtjude NICHT von diesem Pessach – Opfer essen darf. Es ist ihm absolut verboten !!!! 


Da wir derzeit keine Pessach – Lämmer opfern können, weil wir keinen Tempel besitzen, verkörpert ein gesondertes Stück Mazzah, welches AFIKOMAN genannt wird, dass eigentliche Lamm. Somit darf ein eventuell eingeladener Nichtjude von dem Afikoman nicht essen. 


Auch gibt es Restriktionen beim Anfassen einer geöffneten Weinflasche. Wie wir alle wissen, werden bei der Seder von jedem einzelnen vier Gläser Wein bzw. Traubensaft getrunken. Sollte der Wein nicht gekocht sein und der Nichtjude faßt eine geöffnete Weinflasche an, hat der Gastgeber ein riesiges Kaschrutproblem und der Wein darf nicht mehr verwendet werden. 


Der Talmud Traktat Pesachim 3b erzählt von einem schwerwiegenden Verstoß gegen das biblische Gesetz, nachdem ein Nichtjude nicht vom Pessach – Opfer essen darf: 


Ein Aramäer ging nach Jerusalem, um dort vom Pessach – Opfer zu essen. Einmal sagte er vor seiner Abreise (nach Jerusalem) zu Rabbi Yehudah ben Bateirah: "Es steht geschrieben, dass kein Fremder vom Pessach – Opfer essen darf; - und es steht ebenso geschrieben, dass kein unbeschnittener Mann davon essen darf. Warum also esse ich die besten Stückchen des Pessach – Opfers ?
Rabbi Yehudah ben Bateirah sagte: "Geben sie Dir das Fett vom Schwanz zu essen ?" – "Nein, antwortete der Aramäer.
Rabbi Yehudah ben Bateirah sagte zu ihm: "Wenn Du wieder nach Jerusalem gehst, dass sage ihnen dort, "Gebt mir vom Fett des Schwanzes zu essen."
Und so geschah es; der Aramär verlangte tatsächlich das Fett des Schwanzes. Dort sagten ihm jedoch die Rabbiner, dass das Fett des Schwanzes ausschließlich auf dem Altar geopfert wird und somit nur G – tt allein es bekommt (siehe Leviticus 3:9). Die Rabbiner fragten den Aramäer, wer ihm denn gesagt hätte, er dürfe von diesem besonderen Fett essen. "Rabbi Yehudah ben Bateirah", erwiederte der Aramäer. Die Rabbiner waren fassungslos, forschten eingehend nach und fanden heraus, dass der Aramäer gar kein Jude war. Daraufhin exekutierten sie ihn und sandten die folgende Nachricht zu Rabbi Yehudah ben Bateirah: "Friede sei mit Dir, Rabbi Yehudah ben Bateirah – Du befindest Dich zwar in Netzivin, aber Dein Wort reicht bis nach Jerusalem." 


Diese Gemara (rabbinische Diskussion) ruft uns nun keineswegs dazu auf, alle Nichtjuden, welche vom Afikoman bzw. dem Pessach – Opfer essen, umzubringen. Vielmehr verdeutlicht sie, wie extrem wichtig dieses Gesetz ist und wie strikt es zu Tempelzeiten eingehalten wurde und auch heute eingehalten werden soll, da die Thora in alle Ewigkeit Geltung besitzt. Im Talmud wird oft darauf hingewiesen, dass die Menschen nur für sich in Anspruch nehmen sollen, was ihnen auch zusteht. Zum Beispiel schielte König David's Sohn Avschalom auf den Thron, obwohl dieser von G -tt für Salomon (Shlomo) auserwählt war. Korach rebellierte gegen Moshe, weil er die Herrschaft für sich allein haben wollte. Beide, Avschalom sowie Korach verloren. Mit dem Pessach – Lamm verhält es sich genauso. Es ist für jene bestimmt, denen es zusteht – sprich den "Juden". Die Geschichte des Auszuges aus Ägypten, welche an Pessach aus der Haggadah vorgelesen wird, ist eine reine jüdische Angelegenheit. Insgesamt kann ich mir keine gravierenderen Punkte vorstellen, wo hier Nichtjuden mit einbezogen werden. Genau wie am Yom Kippur (Versöhnungstag) handelt es sich bei Pessach um ein rein jüdisches Fest. 


Eine weitere Frage stellt sich, ob Konversionskandidaten zum Judentum eingeladen werden dürfen. In orthodoxen Kreisen wird dies so gehandhabt, dass nur jene potentiellen Konvertiten eine Einladung erhalten, welche sich in ernsthaften orthod. Konversionskursen befinden. Demnach bestehe auch nicht unbedingt der Verdacht, für einen Nichtjuden zu kochen. Aber zu dem Punkt gibt es viele Ansichten und mir sind selbst Leute bekannt, die Konvertiten erst nach ihrem vollständigen Giur zu einer Seder einladen. Vom Afikoman allerdings darf der Konversionskandidat erst NACH seinem abgeschlossenen Giur essen.


Wer in Jerusalem als Nichtjude eine Pessach – Seder sucht, der wird auf die allergrößten Schwierigkeiten stoßen. Jedenfalls im orthodoxen Bereich, vom haredischen erst gar nicht zu reden.

Sonntag, März 18, 2012

Samstag, März 17, 2012

Ist der Sänger BARRY MANILOW Jude ?

B"H

Ist der bekannte Sänger BARRY MANILOW (Copacabana, Mandy) Jude ?

Barry Manilow wurde unter dem Namen Barry Alan Pincus am 17. Juni 1943 in New York geboren. Seine Eltern sind Harold Pincus und Edna Manilow. Letztere ist jüdischer Abstammung, doch Vater Harold hatte lediglich einen jüdischen Vater und war somit kein Jude. Im Bar Mitzwah Alter von 13 Jahren änderte Barry seinen Nachnamen in Manilow. 

Da die Mutter des Barry Manilow Jüdin ist, ist auch der Sohn Jude.

Freitag, März 16, 2012

Der Nikolsburger Rebbe zur Thoralesung VAYAKEL - PEKUDE'I


Äußere Tempelmauer mit dem Robinson Bogen (Robinson’s Arch). 

Photo: Miriam Woelke
B"H

Der Nikolsburger Rebbe aus den USA bringt zum Schabbat dieser Woche eine hervorragende Parasha heraus. Unter anderem bezieht er sich darauf auf Betzalel, der in der Wüste das Geschirr bzw. die Tempelgegenstände herstellte. G – tt zeigte Betzalel sozusagen die herzustellenden Gegenstände in Visionen und Betzalel war in der Lage alles so zu formen, wie gewünscht. 

Der Rebbe zieht heraus den Schluß, dass ein jeder von uns seine individuellen Talente nutzen und ausleben soll. Wir alle sind mit einer besonderen Fähigkeit ausgestattet und unsere Aufgabe besteht darin, diese einzusetzen. 

Wie ich bereits auf meinem englischen Blog schrieb: Moshe und Betzalel sind ein gutes Beispiel dafür, wie mehrere Manager gleichzeitig ein Unternehmen leiten sollten. Nämlich in der Form, in der sich jeder auf seine Fähigkeit konzentriert und in eben diesem Gebiet arbeitet, ohne in die Geschäftsbereiche anderer einzudringen. Einer ist perfekt in der Buchhaltung, der andere im Einkauf und wieder ein anderer im Vertrieb oder der Produktentwicklung. 

Hier die vollständige Parasha des Nikolsburger Rebben: 

Donnerstag, März 15, 2012

Parashat Vayakel - Pekude'i - פרשת ויקהל-פקודי


 Im jüdischen Viertel der Altstadt von Jerusalem
Photo: Miriam Woelke
B"H
Die Thoralesung für diesen Schabbat

Die Mitzwah Schabbat wurde uns noch vor dem Mischkan gegeben um zu zeigen, dass der Schabbat wichtiger ist als die Arbeit am Mischkan. Keine Arbeit am Mischkan verschiebt den Schabbat (Rashi, Ramban, Kli Yakar, Rokeach). Daher sind alle 39 Arten von Arbeit am Mischkan für uns am Schabbat verboten. 

Die Gemara im Talmud Traktat Shabbat 70a lehrt, dass absichtliches Brechen des Schabbats mit der Todesstrafe (Steinigung) geahndet wird. Die Strafe wird jedoch nur dann ausgesprochen, wenn der Schabbat öffentlich gebrochen wurde und dafür zwei Zeugen vorhanden sind. Wer den Shabbat daheim und nicht öffentlich bricht, wird nicht mit dem Tode bestraft (Rabbi Yitzchak Luria in Pri Etz Chaim). Allerdings verletzt er mit dem Vergehen seine Seele (Neschama). 

Der Thorakommentator Ohr HaChaim vertritt eine Meinung, die auf einer Gemara im Talmud Traktat Schabbat 118 basiert: Die Einhaltung des Schabbats ist so wichtig, dass sie ein Tikun (Reparatur der Seele) für den Götzendienst ist (siehe auch Talmudkommentator RIF). Wer innerhalb der Woche Götzendienst betreibt, dem wird vergeben, wenn er den Schabbat nach allen Regeln (Halachot) einhält. 
In der vorherigen Thoraparasha Ki Tisa hieß es:  

La’ asot et HaShabbat – den Schabbat tun

Was heißt den Schabbat tun, wenn doch so viele Dinge verboten sind zu tun ? La‘ asot et HaShabbat heißt zum einen, den Schabbat vorbereiten. Daher auch das Verbot des Feuerzündes. Wir müssen vor dem Schabbat unser Essen vorbereiten. Den Schabbat tun (La‘ asot et HaShabbat) bedeutet aber auch, uns aktiv beteiligen und bereit sein, uns auf eine höhere spirituelle Stufe zu stellen. Nachdem Adam und Chava im Paradies einen spirituellen Fall der Welten verursachten, begeben wir uns jeden Schabbat mit dessen Einhaltung in eine höhere geistige Welt. Und eben dort sind jegliche Arten von Arbeit verboten, weil diese nicht Bestandteil der höheren Welt sind. Arbeit findet nur hier in unserer physischen Welt (Asiyah) statt. Begeben wir uns aber auf einen höheren Level wie am Schabbat, findet in der folgenden geistig spirituellen Welt (Yetzirah) keine Arbeit statt. 

Ferner wurde uns der Schabbat auf alle Zeiten gegeben und zugleich ist G - tt mit uns dadurch einen Bund eingegangen. Was uns wieder zum Ausgangspunkt zurückbringt, dass keine Thorainhalte verändert werden dürfen, da sie für alle Zeit gültig sind. 

Der Schabbat sowie der Bau des Mischkans dienen für uns als Tikun (Seelenkorrektur) so der Sefat Emet und ehemalige Rebbe der Chassidut Gur. Wir ehren damit G - tt und erhalten so Seine Präsenz (Schechina) in unserer Mitte. Selbst heute, wo wir kein Mischkan, bzw. Tempel mehr haben, ist Seine Präsenz immer mit uns. Ganz gleich ob wir uns in Israel oder der Diaspora (Galut) befinden.
Mit der Einhaltung des Schabbats verbinden wir unsere physische mit den geistigen Welten und bekommen eine zusätzliche Seele (Neschama Yeterah). Diese neue zusätzliche Seele hatten die Israeliten täglich bis zum Vergehen mit dem Goldenen Kalb. Seither bekommen wir sie nur noch am Schabbat. Es gibt unterschiedliche Interpretationen darüber, wann genau wir die zusätzliche Seele für den Schabbat bekommen. Manche sagen am Freitag abend mit Schabbatbeginn und andere, dass wir die Seele schon am Mittwoch bekommen. Vielleicht sollten wir alle einmal versuchen, den Schabbat vorzubereiten. Vor allem uns selbst geistig darauf vorzubereiten, das zusätzliche Licht am Schabbat zu erhalten. 

Die zweite Lesung, Parashat Pekudei, berichtet uns detailliert von der Herstellung der Ringe, welche das Mischkan befestigten, von der Brustplatte (Urim veTurim) des Cohen HaGadol (Hohepriesters) sowie von dessen Kleidung. Rabbi Samson Raphael Hirsch kommentiert, dass das Mischkan (Tabernakel) der einzige Ort auf der Welt war, in dem G - tt Seine Anwesenheit sichtbar zeigte. Anhand einer Wolke (Cloud of Glory). Es war das einzige Mal auf Erden, dass dies geschah, wenn auch der Erste Tempel zu Beginn eine außergewöhnliche Heiligkeit (Keduscha) besaß, denn dort waren unzählige Wunder alltäglich. Im Zweiten Tempel war es schon anders und beide Tempel wurden letztendlich von unseren Feinden (Babylonier & Römer) zerstört. Nur das Mischkan gelangte niemals in Feindeshand, denn ursprünglich diente es einmal als "Wohnsitz" G - ttes auf Erden. 

Schabbat Schalom

Links:

Die 39 verbotenen Tätigkeiten am Schabbat