Samstag, Juni 30, 2012

Judentum im Wandel der Neuzeit

B"H

Wer der englischen Sprache mächtig ist, der findet auf dem amerikanisch – jüdischen Markt eine unbeschreibliche Auswahl guter Literatur. Von berühmten Rabbinern Verfasstem bis hin zur jüdischen Philosophie oder gesellschaftlichen Themen. Alles ist zu haben, denn, im Gegensatz zur Vergangenheit, wird im Judentum heutzutage alles auf dem freien Markt angeboten. Bis zur Zeit des 2. Weltkrieges waren gute jüdische Bücher nur beschränkt erhältlich bzw. viele Inhalte waren noch nie gedruckt worden. Insbesondere die 90iger Jahre lieferten uns ein wahres Eldorado von Angeboten. Allein schon wegen des neu aufgekommenen Internets. Plötzlich wurde fast alles zugänglich gemacht und kaum ein Thema bleibt unerwähnt. 

Bereits im Jahre 2005 erschien auf dem amerikanischen Markt das Buch "Off the Derech – How to respond to the Challenge". Verfasst von der amerikanischen Jüdin Faranak Margolese. "Off the Derech" ist die jüdische – orthodoxe Beschreibung für "vom (frommen / traditionellen orthodoxen) Wege abgekommen". 

Das Buch beschäftigt sich mit dem aktuellen Thema der jüdischen Assimilation. Warum werden einst orthodoxe Juden säkuler ? Warum heiraten immer mehr Juden Nichtjuden ? Bietet uns die Orthodoxie heute noch das, was wir für wichtig halten ? Faranak Margolese sah den Ansatzpunkt ihres Buches in der Tatsache, dass immer mehr ihrer Freunde und Bekannten zugaben, einst die jüdischen Thoragesetze eingehalten zu haben, doch dann irgendwann begannen, weniger Schabbat zu halten und vielleicht nicht ganz so auf koscheres Essen achteten. 

Amerikas Juden sehen sich seit vielen Jahren diesem gravierendem Problem ausgesetzt. Worin aber liegt die Herausforderung der Orthodoxie gerade junge Mitglieder zu halten ? 

Zu Beginn ihres Buches zeigt Frau Margolese auf, dass das Problem der Assimilation nicht erst seit heute oder gestern besteht. Hierzu liefert das Buch einige sehr interessante Statistiken und um die geht es in diesem Artikel, bevor ich etwas später auf weitere Inhalte des Buches eingehe. 

Bis zur Zeit der Aufklärung im 19. Jahrhundert gab es weder ein reform – noch progressives - noch ein konservatives Judentum. Juden waren ganz einfach Juden und die Mehrheit identifizerte sich mit der Religion. Ferner wird im Judentum das Judentum an sich als Volksgemeinschaft betrachtet. "Am HaYehudi – Das jüdische Volk". Bis heute in den modernen Staat Israel hinein gilt der Ausdruck "Das jüdische Volk" und selbst säkulere Juden sehen sich diesem Volk zugehörig und nicht nur israelisch. 

Schon vor dem 10. / 11. Jahrhundert gab es Judenverfolgungen seitens der Christen. Mit den Kreuzzügen nahm das Ausmaß der Judenverfolgung erheblich zu. Nicht nur, dass die Kreuzritter auf ihrem Weg von Europa nach Palästina eine unbeschreibliche Blutspur hinterliessen. Man schaue nur auf das Rheinland, wo Abertausende Juden von Kreuzrittern niedergemetzelt worden sind. Bei ihrem Einzug in Jerusalem löschten die Kreuzritter jegliches jüdische Leben in der Stadt aus. Als der Ramban (Rabbi Moshe ben Nachman, Nachmanides, 1194 – 1270) nach Jerusalem kam, fand er kaum mehr eine Minyan (10 jüdische Männer) zum Gebetsservice vor. Erst langsam erholte sich die jüdische Gemeinde Jerusalems und neue Synagogen entstanden. 

Das europäische Judentum wurde über Jahrhunderte hinweg von der Kirche verfolgt, gefoltert oder ermordet. Selbst die Maranos (spanische Juden, welche unter Zwang der Kirche zum Christentum konvertiert waren), wurden auch weiterhin von der Kirche mit Argwohn betrachtet. Nicht wenige der Maranos waren zwar zum Christentum übergetreten, lebten jedoch heimlich ihr Judentum weiter. 

Aufgrund der Verfolgung hielt man im Judentum zusammen und der Weg hinaus hätte eh nicht viel eingebracht. Die Kirche sowie Nachbarn hätte auch dann weiter herumgeschnüffelt und gedroht. Große Freiheiten hat die Welt des Mittelalters und auch danach nicht geboten und so blieb ein Jude ein Jude. Wie oben erwähnt, kam es erst mit dem Aufkommen des Reformjudentums zu einer massiven Umschichtung innerhalb des Judentums. Faranak Margolese in ihrem Buch: Bis zum 19. Jahrhundert waren ungefähr 250,000 Juden zum Christentum konvertiert. In den Jahren 1812 – 1845 verliessen 85% der Berliner Juden ihre Religion und liefen zum Christentum über. Als Quelle hierfür nennt Frau Margolese: Rabbi Ephraim Buchwald (Founder and Director of the National Jewish Outreach Program), Personal Interview, 22 August 2000. See also Chaim Dov Rabinowitz: The History of the Jewish People – From Nehemia to the Present.

Bis zum Jahre 1929 heirateten 30% der Judenheit Europas Nichtjuden. Bis zum Jahre 1930 besuchten 70% der jüdischen Kinder Polens keine jüdischen Schulen mehr. Rabbi Ephraim Buchwald gibt weiterhin an, dass ca. 30% der ehemals orthodoxen Studenten der berühmten Volozhin – Yeshiva im späteren Verlauf ihres Lebens zu säkuleren Bolschewiken wurden. Und bei diesen Studenten handelte es sich nicht um Juden, die ihre Religion nicht kannten und diese ihnen deswegen nicht viel bedeutete. Ganz im Gegenteil, denn im 19. Jahrhundert war die litauische Yeshiva (relig. Schule) VOLOZHIN das Harvard des Judentums. 

Zu der Zeit gab es in Europa ca. 3000 – 4000 Yeshiva Studenten. Im Vergleich zu heute: Die berühmte Yeshiva von Lakewood (bei New Jersey) hat allein 3000 Yeshiva Studenten. 

Zusammen mit der Moderne kam nach vielen Jahrhunderten die Zeit des "freien Willens" der Menschen auf. Die Bewohner Europas wurden nach all der Knechtschaft der Kirche sowie des Adels freie Bürger und diese Freiheit liess viele Juden die Orthodoxie oder die Religion als Ganzes verlassen. Man wollte sein, wie alle anderen oder halt sein Leben so leben, wie man es selbst für richtig hielt. 

Frau Margolese zitiert hier Rabbi Norman Lamm, den einstigen Präsidenten der amerikanischen Yeshiva University: "Es ist so als sitze man vor einem Bufett und habe die Qual der Wahl das auf seinen Teller zu legen, was man will". 

Die wichtigste Frage aber ist, warum diese gewonnene Freiheit viele ehemalige relig. Juden säkuler werden läßt. Liesse sich denn nicht Beides miteinander verbinden ? Faranak Margolese diskutiert im Verlauf ihres Buches mehrere Perspektiven, die vielleicht ein paar Antworten geben. Unter anderem den Einfluss der Außenwelt auf unser Verhalten. 

Nicht selten ringt das orthodoxe Judentum um seine Mitglieder und hierbei insbesondere um die Jugend. Was bei Eltern und Großeltern noch als wichtig und selbstverständlich galt, scheint der jungen Generation eine zunehmende Last. Eine Alternative zur Orthodoxie gibt es nicht, denn man kann, wie im Reformjudentum, nicht eine ganze Religion so zurechtrücken, wie es einem gerade passt. Was die Orthodoxie hingegen tun muss ist, jene Punkte aufzuzeigen, welche gerade die Orthodoxie so lebenswert macht, denn sie ist gewiss nicht das, wofür sie fälschlicherweise immer gehalten wird: Eine störende Last, die nur darauf aus ist, strenge Gesetze einzuhalten und einem das Leben zu vermiesen. 
_______________________________

In der folgenden Zeit werde ich das Buch von Faranak Margolese des Öfteren erwähnen. Nebenher ebenso die Volozhin – Yeshiva: Ihre große Vergangenheit bis zum Holocaust, ihre Rabbiner sowie ihre heutigen Ableger in Israel und den USA. Außerdem stehen demnächst die drei Wochen vor dem jüdischen Trauer – und Fastentag Tisha be’Av (9. Av) an und dazu werde ich sehr viele Infos in den Blog stellen.

Freitag, Juni 29, 2012

Schabbat Schalom


 Photo: Miriam Woelke
B"H

Dieser Tage benötige ich etwas mehr Zeit bzw. Vorbereitung für ein paar anstehende Blogartikel. Jüdische Themen vorzubereiten, ist nie leicht und seinen Weg durch die Literatur zu graben, ist manchmal geradezu chaotisch. Auch zum Schreiben der wöchentlichen Thoralesung bin ich diese Woche nicht gekommen und stellte daher die Parasha vom vergangenen Jahr in den Blog. Da sich die Thora ja bekanntlich nie ändert, verliert der Inhalt eines älteren Artikels eh nie an Aktualität.:-) 

Heute ist die Yahrzeit (Todesgedenktag) eines bis heute sehr beliebten chassidischen Rebben: Der Klausenburger Rebbe, welcher in Netanya das Laniado Hospital gründete.

Parashat Chukat - פרשת חקת


Die Rote Kuh

Photo: Temple Institute Jerusalem



B"H

Die Thoralesung für diesen Schabbat
Wortdefinition: 

CHUKAT = Basisgesetz, Fundamental Law

Der Ramban und Raschi kommentieren: "Dies ist ein Gesetz von Mir (G - tt) und Ihr habt kein Recht, es in Frage zu stellen !"
Diese Thoralesung beginnt mit einem Paradox. Wahrscheinlich ist es das größte und berühmteste Paradox in der gesamten Thora und sogar der weise König Salomon (Schlomo HaMelech) verzweifelte an der Logik. Normalerweise erklärte G - tt Moshe die Gründe und die Logik sämtlicher Thoragesetze, doch in der Midrasch lesen wir, dass als Moshe G - tt nach der Bedeutung der Parah Aduma, der Roten Kuh fragte, er keine Antwort bekam.

Die Parasha heißt Chukat und Chukat steht für Gesetze, die wir mit unserem eingeschränkten menschlichen Verstand nicht zu fassen in der Lage sind. G - tt trägt Moshe auf, eine Rote Kuh (Parah Adumah) ohne jegliche Schönheitsfehler zu finden und sie in einem bestimmten Ritus durch Priester (Cohanim) verbrennen zu lassen. Danach wird die Asche der Kuh mit Wasser vermischt und unreine Menschen sowie Tempelgegenstände (Geschirr) werden, nachdem sie mit dem Wasser in Berührung gekommen sind, wieder rein. Körperlich genauso wie in ihrer Seele (Neschama). Allerdings wird derjenige, der den Verbrennungsprozess ausführt, dadurch unrein. Und genau darin besteht das Paradox. 


Wie kann etwas, was eigentlich rein (tahor) macht, andere wiederum unrein (tamei) machen ?

Hierzu gibt es viele Kommentare, doch eine erklärende Antwort haben wir nicht. Anscheinend soll uns diese Mitzwah (Gesetz) deutlich machen, dass unser menschlicher Verstand im Gegensatz zu G - ttes allumfassendes Wissen nur sehr eingeschränkt funktioniert. Nicht alles was G - tt tut oder entscheidet, liegt in unserer Kraft es auch logisch nachzuvollziehen. Die Logik ist vielleicht unser großes Problem, denn wir wollen alles logisch beantwortet haben und wehe dem, wenn es einmal nicht so funktioniert.

Die Mitzwah der Roten Kuh, selbst wenn sie uns unverständlich ist, dürfen wir laut der Gemara im Talmud Traktat Yoma 67b nicht kritisieren. Dort heißt es, dass dieses spezielle Gesetz von G - tt stammt und wir keinerlei Recht zur Kritik daran haben. Insgesamt wurden in der jüdischen Geschichte nur neun Rote Kühe verbrannt. Die erste in der Zeit Moshes und die letzte vor der Zerstörung des Zweiten Tempels. Es heißt, dass die zehnte Rote Kuh vom Meschiach verbrannt wird. Rabbi Zadok HaCohen von Lublin betrachtet die Mitzwah der Roten Kuh als Tikun (Reparatur der Seele) für das Goldene Kalb (siehe hierzu auch das Buch Noam Elimelech und die Tosafot).

Was ist die eigentliche Bedeutung der Mitzwot (Gesetze), die uns G - tt in der Thora aufgetragen hat ? Warum das alles ?

In der Chassidut wird als Hauptgrund angegeben, dass wir anhand der Erfüllung der Mitzwot eine Devekut (Nähe) zu G - tt erreichen. Wir können G - tt jedoch nur nahe sein, wenn wir uns in einem reinen Zustand befinden (Magen Avraham), wo wiederum die Rote Kuh mit ihrem Reinigungsprozess ins Spiel kommt. Einen sehr interessanten Kommentar zur Roten Kuh fand ich bei Rabbi Samson Raphael Hirsch. Rabbi Hirsch vergleicht die Roten Kuh und deren spätere Asche mit den zwei menschlichen Eigenschaften; der tierischen und der g - ttlichen. Die Tierische steht für die sogenannte "physical world" und die G - ttliche für die sogenannte "upper world". Unser weltlicher Körper, ausgedrückt durch die Kuh, wird sterben, aber unsere Seele (Neschama), ausgedrückt durch die Asche, wird für alle Ewigkeiten weiterleben.

Das Verbrennen der Roten Kuh mußte außerhalb des Lagers der Israeliten bzw. später zu Tempelzeiten außerhalb der Tempel stattfinden. In der Ära des Zweiten Tempels wurde die Kuh auf dem Ölberg verbrannt. In einer Prozession wurde die Kuh dorthin gebracht. Auf dem Ölberg angekommen wurde die Kuh mit einem Seil aus Bast so an einen Pfahl gebunden, dass ihr Kopf nach Süden und ihr Gesicht nach Westen gerichtet war. Der Priester (Cohen) stand in Richtung Osten und mit dem Gesicht nach Westen. Er schlachtete sie mit der rechten Hand und fing das ihr Blut mit der linken Hand auf (Talmud Parah, Mishna 9).

Seit der Zerstörung des Zweiten Tempels sind wir in der Ausführung unserer Mitzwot sehr eingeschränkt. Ca. 70 – 80 der ursprünglich 613 sind wir heutzutage in der Lage zu erfüllen. Alle weiteren bezogen sich auf den Tempeldienst und die Cohanim (Tempelpriester). Auch die Mitzwah der Roten Kuh gibt es derzeit nicht, sondern erst wieder nach dem dem Eintreffen des Meschiach.

Rote Kühen selbst sind vielen Wissenschaftlern ein Rätsel. Wie genau sahen die Kühe aus und wie kam es überhaupt, dass sie damals existierten und heute nicht ? Vor einigen Jahren glaubte man, in der Nähe von Haifa eine solche Rote Kuh entdeckt zu haben. Schon meinten viele, dass dann der Meschiach nicht mehr weit sei. Die Euphorie wurde jedoch schnell gedämpft, denn die Rote Kuh war nicht perfekt wie vorgeschrieben. Sie hatte einige schwarze Haare in ihrem ansonsten so roten Fell, was sie unkoscher für ein Verbrennen machte.

Der Parashainhalt der Roten Kuh, sowie der Tod von Miriam und ihrem Bruder Aharon sollten uns an diesem Schabbat etwas nachdenklich in bezug auf unser eingeschränktes Wissen und unsere Sterblichkeit stimmen.

Zu guter Letzt eine chassidische Story; eine Story von Rabbi Zusha von Anapoli (1718 - 1800), dem jüngeren Bruder des großen chassidischen Rabbiners Elimelech Weissblum von Lizhensk (Lejanks in Polen).

Einmal sagte Rav Zusha zu seinen Schülern:

"Wenn ich sterbe, wird mich G - tt nach meinem Tode nicht fragen - "Zusha, warum warst Du nicht so perfekt wie Avraham oder Moshe ?".
Was Er mich dagegen fragen wird ist - "Zusha, warum warst Du nicht Zusha ?"

Die Bedeutung ist, dass wir nicht immer auf andere und deren Potential schauen sollen. Stattdessen sollten wir uns lieber auf unsere Aufgaben und unser individuelles Potential konzentrieren. Was meines Nachbarn Aufgabe in dieser Welt ist, ist noch lange nicht meine.

 
Links:


Mittwoch, Juni 27, 2012

Erschaffung


Photo: Miriam Woelke

Die Schwierigkeit, ein religiöses Buch zu schreiben

B"H 

Seit Jahren sitze ich intensiv über einem bestimmten Thema der Thora. Fast jede Talmudpassage, fast jede Midrasch, Aggadah oder fast jeden Kommentar sowie die Kabbalah habe ich zum Thema umgekrempelt. Und obwohl viele von mir ein Buch über die israelischen Haredim (ultra – orthodoxe Juden) erwarten, so beschränke ich mich vorerst auf eine Stelle in der Thora, die, meiner Meinung nach, viel zu wenig Beachtung erlangte, aber die mich schon immer interessierte. 

All das gesammelte Material zusammenzufassen ist nicht einfach. Noch dazu, wo immer weitere Fragen auftauchen. In meinem Buch geht es im Wesentlichen um Teile aus dem 1. Buch Moses (Bereschit – Genesis). Insbesondere um die Thoralesungen BERESCHIT (Genesis) und Noach. Weil es in einem Kapitel eigentlich nur kurz um "Dämonen (Schedim)" im Judentum geht, stecke ich einmal wieder so richtig fest und muss Rabbiner befragen. Die vielfältige talmudische und anderweitige relig. Literatur gibt keine eindeutige Auskunft, wobei ich das auch gar nicht erwarte. Jeder Rabbiner bzw. Kommentator hat so seine eigenen Auslegungen zum Thema und ferner scheint es darauf anzukommen, in welchem Zusammenhang die Dämonen in Erscheinung treten. Manchmal scheint es sie zu geben, in einem anderen Bezug dagegen finden sie lediglich als Symbol für etwas anderes Erwähnung. 

Weiterhin bin ich auch noch gezwungen, dass Thema ENGEL anzusprechen und wer hätte gedacht, wie viele rabbinische Auslegungen es hierzu gibt. In der Kabbalah, im Talmud, im Chassidismus und vom KUZARI (Buch des Rabbiners Yehudah HaLevi) oder dem RAMBAM (Guide for the Perplexed - Moreh Nevuchim) ganz zu schweigen. Das beginnt schon allein damit, dass der Rambam (Maimonides) im Moreh Nevuchim unzählige philosophische Statements des Aristoteles diskutiert und diese mit dem Judentum vergleicht. Zur Zeit des Rambam und sogar noch vorher (im 11. – 13. Jahrhundert) nahmen sich viele bekannte Rabbiner des Themas an, da immer mehr Juden die Lehren der griechischen und arabischen Philosophen für logisch und glaubwürdig hielten. Dies geschah in solch einem Ausmaß, dass zahlreiche Rabbiner Schriften verfassten, welche den Juden die wesentlichen Grundzüge des Judentums erklären sollten. Alles im direkten Vergleich mit philosophischen Ideologien und das selbst ein Aristoteles nicht auf dem Pfad des Judentums liegt. 

Und so stecke ich einmal wieder fest und versuche, Antworten zu finden. Auch um weiterzukommen und das Thema zu einem Ende zu bringen. Eindeutige Antworten aber werde auch ich nicht liefern können, denn die gibt es nicht.

Magen David Adom und die christlichen Missionare


Israelische Magen David Adom Ambulanz gespendet von christlichen Missionaren !!!

Photo: Miriam Woelke

B"H

Um es vorab deutlich zu machen: Im Krankheitsfall sind wir alle froh, wenn uns ein Krankenwagen in ein Krankenhaus bringt. Was ich gestern jedoch sah, war, trotz allem, erschreckend. Als ich an einer Jerusalemer Bushaltestelle stand, sah ich einen geparkten Magen David Adom Krankenwagen und als ich dann das Schild an der Autotür las, fragte ich mich wieder einmal, was eigentlich in unserem Land vorgeht. 

Christliche Missionare in der Knesset und Netanyahus LIKUD wird mit riesigen Dollarsummen der freikirchlichen Evangelikalen geradezu überschüttet. Dabei wird leider schnell vergessen, dass das Hauptziel evangelikaler Christen darin besteht, Juden unter allen Umständen zum Christentum zu missionieren, um so (lt. irrer evangelikaler Ideologie) ein zweites Kommen des J. herbeizuführen). 

Seit vielen Jahren stecken gerade evangelikale Organisationen aus den USA Millionenbeträge in das Land Israel. Nicht, weil sie Israel so lieben, sondern aus einem ziemlich miesen und arroganten Hintergrund heraus.

Dienstag, Juni 26, 2012

Jüdisches Leben in Munkatch 1933




Wedding of Frime Chaye Rivke Shapira - daughter of Grand Rebbe Eleazer Shapira of Munkatch, author of Minchas Eleazer (d. 1936), to Rabbi Rabinowitz in March 1933. She was the mother of the present Munkatcher and Dinover Rebbes. Complete version. Includes other scenes of Jewish life in Munkacs, Hungary, both of secular and religious Jews. 

1. Wedding. Huge crowds of well wishers gather in the streets on the occasion of the wedding of the Munkacs Grand Rabbi's 18 year old daughter, Frime Chaye Rivke. The Munkatcher Rebbe makes a speech in Yiddish exhorting Jews in America to continue to keep Shabbos (to observe the sabbath day). The wedding party then enters the synagogue grounds, and the cantor sings blessings beneath the wedding canopy (chupah). The wedding concludes with festive hasidic music. Newspaper accounts indicate that some 20,000 people attended the celebrations. 

2. Secular Jewish children singing in Munkatch. 

3. Traditional Religious Jewish children studying in Orthodox Religious School in Munkatch. 

4. Book peddler and weaver in Munkatch. 

5. Secular Jews dancing in Munkatch.«

Einst gehörte die Stadt Munkatch (Munkatsch) zu Ungarn, heute dagegen ist sie Teil der Ukraine. Das Video erlangte Berühmtheit, denn es zeigt seltene Bilder aus der Stadt Munkatch sowie dem Leben der chassidischen Gruppe Munkatch. Eine verloren gegangene Welt Osteuropas, die mit Hitler ihr Ende fand. Nichtsdestotrotz lebt die chassidische Gruppe Munkatch weiter und besitzt, neben den USA, auch in Israel viele Synagogen.

NEIN zur Judenmission !





B"H

Wie christliche Missionare in Israel bei der Judenmission vorgehen, beweist einmal wieder dieses Beispiel. Oder umgekehrt gesagt, Missionare schrecken vor keinem noch so hinterhältigen Trick zurück. 

Warum auch ? 

Aus den USA fliessen genügend christliche Gelder und so sind fundamentalistische Freikirchler in der Lage, sich Büros und anderweitige Einrichtungen in bester Lage zu mieten. Wie, zum Beispiel, eine christliche TV – Missionsstation in russischer Sprache in Jerusalems Technology Park. 

Mehr Infos zu den christlichen Missionsumtrieben in Israel bei der Anti – Missionsorganisation YAD Le’ACHIM


Link:

Montag, Juni 25, 2012

Erschaffung


Photo: Miriam Woelke

Leserfrage: TOSH

B"H

Jemand aus der Leserschaft googelte die Bedeutung des Wortes TOSH. 

Bei Tosh (Jiddisch: TASCH) handelt es sich um eine chassidische Gruppe, welche heute vorwiegend in den USA und Kanada ansässig ist. Die Ideologie der Gruppe orientiert sich weitgehend an den Satmarer Chassidim. 

Ursprünglich stammt das Wort TOSH vom deutschen Wort TAUSCH; der Name des ungarischen Ortes Nyírtass.

Links:


Adam HaRishon, Eva (Chava) und die Nacktheit

Der RAMBAN


B"H

Jeder von uns dürfte die berühmte Stelle im Buch Genesis (Bereschit) kennen, an der es heisst, dass Adam und Eva ihre Augen öffneten und erkannten, dass sie eigentlich nackt herumliefen. Dies geschah nach dem Essen des Apfels, welcher eigentlich gar kein Apfel war. Im Talmud lautet eine der zahlreichen Meinungen über das, was Adam und Eva tatsächlich taten: Sie aßen eine Feige. Andere sagen, es handelte sich um Weintrauben. 

Der Ramban (Rabbi Moshe ben Nachman, 1194 – 1270) kommentiert, dass die beiden ersten Menschen nicht plötzlich erkannten, nackt dazustehen. 

Insbesondere die Beschreibungen um die ersten Menschen herum, die Welterschaffung sowie das Paradies, besteht eine massenhafte Symbolsprache in der Thora und vieles ist nicht wörtlich zu nehmen. Vielmehr versteckt sich hinter den Worten eine tiefe innere Bedeutung. 

Worum es sich im eigentlichen Sinne handelt, wenn von der Nacktheit der Beiden die Rede ist, ist der Intellekt. Plötzlich erfuhren Adam und Eva eine Bewusstseinserweiterung, die ihnen erst nach Schabbatausklang zugedacht war. 

Bis zum Schabbatausklang war es ihnen untersagt, vom "Baum der Erkenntnis" zu essen. Danach hätte G – tt ihnen erlaubt, von ALLEN Bäumen zu essen. Ohne jede Beschränkung. Adam und Eva aber konnten sich noch nicht einmal an ein einziges Gesetz halten. 

Kabbalistische Schriften hingegen sehen in dem Moment, in welchem die Beiden von G – tt reguläre Kleidung erhielten, einen niedrigen Level in ihnen selbst. In dem Moment als die Beiden vom Baum aßen, wurden sie von jenen hohen Seelenleveln, die G – tt ihnen bei der Erschaffung einverleibt hatte, verlassen. Somit erreichten Adam und Eva einen niedrigen Seelenlevel und dies wird anhand der Symbolsprache der weltlichen Kleidung ausgedrückt.

Alles zu Adam Ha'Rishon (dem ersten Menschen) HIER !

Sonntag, Juni 24, 2012

Die weibliche Kopfbedeckung in Chabad – Lubawitsch

B"H 

Wer sich für das Thema "Die Kopfbedeckung der verheirateten Frau im Judentum" interessiert, der findet hier vielleicht die ein oder andere Erklärung. Das Thema an sich ist nicht so einfach zu erklären und heutzutage haben viele nationalrelig. sowie haredische (ultra – orthodoxe) Ausrichtungen fast ihre eigenen Trends, Vorschriften oder Mode entwickelt. 

Im Judentum sind verheiratete, geschiedene oder verwitwete Frauen angehalten, ihre Haare zu bedecken. Inwieweit dies geschieht und wie die Kopfbedeckung genau auszuschauen hat, das kann je nach Ausrichtung völlig unterschiedlich sein.

Zum Thema fand ich eine interessante Schrift von Chabad (Lubawitsch) und wer will, der kann sich deren Definitionen einmal durchlesen:

Die PDF kann ebenso kostenlos heruntergeladen werden !



Weitere Links:



Tisch bei der chassidischen Gruppe SLONIM

B"H 

Während der Sommermonate Juni – Juli tut sich nicht viel an den chassidischen Höfen von Bnei Brak (bei Tel Aviv) und Mea Shearim (Jerusalem). Dann nämlich befinden sich die meisten Rebbes im Ausland und verbinden ihren Sommerurlaub mit der Suche nach Geldspenden für ihre Einrichtungen daheim. Immer wieder wird gern behauptet, Chassidim leben gerne vom Staat Israel und lassen sich finanziell unterstützen. In vielen Fällen stimmt die Behauptung ganz und gar nicht, denn zahlreiche chassidische Gruppen nehmen keinen einzigen Cent vom Staat Israel, sondern leben allein von jüdischen Geldspenden aus Kanada, den USA oder England.

In den Sommermonaten ist es schwer, einen chassidischen Tisch aufzutreiben und so suchte ich mit Freunden einiges herum, bis wir auf einen der Tische stiessen. Bei den chassidischen Gruppen Toldot Avraham Yitzchak sowie Toldot Aharon war alles dunkel und ausgeflogen. Letztendlich machten wir uns zu den Slonim auf und siehe da, deren Synagoge war gerammelt voll.

In chassidischen Synagogen ist es allgemein üblich, dass Männer und Frauen getrennte Eingänge benutzen. Dies mag bei Chabad (Lubawitsch) nicht immer der Fall sein, doch anderswo ist es für Frauen oft nicht einfach, deren Eingang zu finden. Mit einer Freundin habe ich da so meine Erfahrungen bei der Suche nach den richtigen Eingängen. Wobei wir anfangs oft falsch lagen und es zu einigen belustigenden Szenen kam, wenn wir einmal wieder aus Versehen in der Männerabteilung landeten. Nach einiger eit jedoch gewöhnt man sich daran und mittlerweile sind wie Spezialisten im Eingangsuchen. 

Die Slonim bauten einmal wieder um und so verschob sich der Fraueneingang etwas, aber am Ende landeten wir doch beim Tisch. Die Slonim mögen Außenstehenden nicht gerade geläufig sein, innerhalb der chassidischen Welt aber sind sie eine feste Größe. Keine kleine chassidische Gruppe, sondern recht groß und in Mea Shearim sowie in Bnei Brak ansässig. Wobei es sich in beiden Städten zwar um die Slonim handelt, doch sie von zweierlei Rebben regiert werden und beide Rebben, obwohl aus derselben Familie, verfeindet sind.

Die Slonim in Jerusalem gelten als wesentlich strenger als ihr Gegenpart in Bnei Brak. In Mea Shearim haben sie den Ruf, immer sauber, ordentlich und organisiert aufzutreten. "Du bist ja wie ein Slone !" – so der Spruch, wenn jemand geschniegelt sauber auftritt und sein Leben durchorganisiert hat.

Der Rebbe der Slonim (Jerusalem) ist einer der wenigen chassidischen Rebben, welcher bei seinem Tisch am Freitag abend nicht ißt. Zur Erinnerung: Nach dem Schabbatessen mit der Familie treffen sich die Chassidim am Freitag abend in ihrer Synagoge und feiern den Tisch mit ihrem Rebben. Dabei ißt der Rebbe zumeist und verteilt ein wenig Essen an die Chassidim. Ferner hält er eine Rede (meist zur jeweiligen Thoralesung) und die Chassidim singen ihre hauseigenen Melodien. Frauen sind willkommen, sitzen jedoch separat. Die einizge chassidische Gruppe, bei der keine Frauen zum Tisch gelassen werden, ist die chassidische Gruppe Gur (Ger). Ansonsten nehmen die Frauen überall teil. 

Als wir auf der Frauenempore der Slonim ankamen, hatten sich die weiblichen Teenies der Gruppe schon ausgebreitet. Der Rebbe hielt gerade seine Rede und am Ende gelang es uns doch noch, einen Blick auf ihn zu werfen. Der derzeitige Slonimer Rebbe verfasste sehr gute Thorakommentare und wer ihn für den Rebben einer unbedeutenden chassidische Gruppe hält, der irrt. 

Nach einiger Zeit machten wir uns auf, weitere Tische ausfindig zu machen, endeten dabei im tiefsten antizionistischen Quartier von Mea Shearim und stellten, wie alle anderen Suchenden fest, dass der Abend irgendwie gelaufen war. Die meisten Rebbes kehren erst im August von ihren Sommertrips zurück. Immerhin waren wir bei einem Tisch und froh, den Slominer Rebben wieder einmal gesehen zu haben.

Freitag, Juni 22, 2012

Schabbat Schalom


Jerusalems Große Synagoge

Photo: Miriam Woelke

B"H

An diesem Schabbat werde ich versuchen, ein paar chassidische Tisch zu besuchen, doch nehme einmal an, dass die Mehrheit der chassidischen Rebbes bereits in den Sommerurlaub abgedüst ist. :-)

3. Tammuz (Gimmel Tammuz) in Chabad - Lubawitsch

B"H

Die chassidische Gruppe Chabad (Lubawitsch) hat an diesem Schabbat ihren großen Tag. Der 3. Tammuz (Gimmel Tammuz) steht an. Der Tag, an dem der letzte Rebbe Menachem Mendel im Juni 1994 verstarb.

Chabad begeht den Tag festlich, denn die Seele eines Verstorbenen soll auf seinem Todesgedenktag erhoben werden. Eine jüdische Tradition. Ich nehme daher an, dass in den Chabad – Synagogen morgen eine "Meshiach Meal – Se’udat Meshiach" serviert wird. Nicht, weil alle Chabadnikim meinen, der letzte Rebbe komme als Meschiach wieder. Vielmehr bedeutet die "Se’udat Meshiach" in Chabad eine festliche Einleitung der Ankunft des Meschiach und steht somit für ein altes generelles chassidisches Konzept. Nämlich die Zeit des Meschiach näherzubringen. Wobei dies nicht unbedingt etwas mit dem Lubawitscher Rebben zu tun hat.

Diejenigen in Chabad, die in Rebbe Menachem Mendel tatsächlich den Meschiach sehen, sind der Ansicht, dass der Rebbe niemals starb, sondern am Gimmel Tammuz für unsere Augen unsichtbar wurde. Er stieg in höhere Spähren auf, residiert jedoch nach wie vor in seinem Haus am Eastern Parkway 770 in Crown Heights / New York. Wenn die Zeit kommt, wird er sich als Meschiach zurückmelden.

Mehr Infos dazu hier:





Photo: Miriam Woelke

Das Chabad – Haus in Zfat (Safed) in Nordisrael. Die Kleinstadt ist für ihren extrem hohen Anteil an Lubawitscher Chassidim bekannt. Auch dafür, dass die Mehrheit der lokalen Chabadnikim glühende Anhänger der "Rebbe Menachem Mendel ist der Meschiach" - Ideologie sind. 

Kurz gesagt, bei Chabad in Zfat dreht sich alles um den letzten Rebbe und seiner Person als Meschiach.

Kostenlose jüdische Bücher downloaden

B"H 

Wer der englischen oder hebräischen Sprache mächtig ist, der kann hier kostenlos Bücher downloaden. Die meisten hebräischen Bücher setzen die Fähigkeit voraus, Raschi – Skript zu lesen, aber wer will, der findet auch anderes. 

Ich zog mir gerade das Buch MIGDAL OZ von Rabbi Yaakov Emden herunter und bin begeistert. 

Donnerstag, Juni 21, 2012

Parashat KORACH


 Sephardische Synagoge im Jerusalemer Stadtteil Nachlaot

Photo: Miriam Woelke
B"H 

Die Thoralesung für diesen Schabbat 


"Vayikach Korach … - Und Korach nahm"
Was genau Korach nahm, gibt uns die Thora nicht an und dies rief natürlich viele unterschiedliche jüdische Thorakommentatoren zu ebenso zahlreichen unterschiedlichen Interpretationen auf. In meiner englischen ARTSCROLL Stone Edition Thoraausgabe wird "nahm" mit "Korach entfernte sich" übersetzt. Korach entfernte sich von seinen eigenem jüdischem Volk und G – tt, um seine persönlichen Ambitionen durchzusetzen. 

Vielerseits erleben wir dies bis heute, wenn sich Juden dazu auserwählt sehen, durch das Judentum Karriere zu machen, dabei aber G – tt hinter sich lassen. Wenn Juden wie Korach argumentieren und die Thora dazu hernehmen um zu beweisen, dass diese und jene Gesetze gar nicht so, sondern anders auszulegen sind. Wenn Juden gegen angesehen Rabbiner hetzen oder, wie vielerseits üblich, eine wahre Hetze gegen die jüdische Orthodoxie stattfindet. Mit plumpen Eigenauslegungen zu argumentieren, ohne die üblichen Kommentare bzw. den Talmud zu deuten, dann haben wir auch heute wieder den Korach von damals. 

Der mittelalterliche Kabbalist, Rabbi Yitzchak Luria, bringt in seinem Kommentar "Sha’ar HaPesukim" einen hervorragenden Kommentar. Wie so oft, geht es bei Rabbi Luria um Reinkarnationen der Seelen. An vielen Stellen macht der Kabbalist klar, dass Moshe eine Reinkarnation des Schet (dritter Sohn von Adam und Eva) sowie des Hevel (Abel) war. Moshes Aufgabe bestand darin, die notwendigen Seelenkorrekturen an Schets und Abels Seelen auszuführen. Korach hingegen beinhaltete eine Reinkarnation des Kain. In dem Konflikt zwischen Moshe und Korach erleben wir demnach einen weiteren Zwist wie den zwischen Kain und Abel (Hevel). 

Thorakommentatoren und verschiedene Midraschim nennen uns zahlreiche Gründe, warum Kain den Hevel letztendlich tötete. Weil Hevels Opfer an G – tt von G – tt angenommen worden war, während Kains Opfer nicht ganz so perfekt angenommen wurde. Ein anderer Kommentar meint, dass die Beiden um die Herrschaft über den späteren Tempelberg (Har HaMoriah) stritten. Adam, Eva samt Söhne lebten damals in der Umgebung des Tempelberges und wussten um dessen Bedeutung in der Zukunft. 

Rabbi Yehudah HaLevi, der Autor des KUZARI, dagegen ist der Ansicht, dass Kain und Hevel sehr wohl um die Bedeutung des Land Israel wussten und deswegen stritten. Jeder von ihnen wollte das Land besitzen. Die gesamte Diskussion im KUZARI (2:14) bewegt sich darum, was der Ausdruck "Lifne Hashem – Vor G – tt" bedeutet. Rabbi Yehudah HaLevi interpretiert "Lifne Hashem als Eretz Israel". Eretz Israel bedeutet nicht, wie die westliche Presse es lakonisch nennt, “Großisrael”, sondern die in der Thora festgelegten Grenzen des Landes Israel. Für die Zeit, wenn das Land sein zukünftiges Potential erfüllt. Der entsprechende Abschnitt im KUZARI handelt eigentlich von der Bedeutung des Landes Israel und der Prophezeihungen, doch will ich an dieser Stelle lediglich auf den ursprünglichen Zwist zwischen Hevel und Kain hinweisen. Ein Streit, der später abermals in der Wüste ausgetragen worden ist. Nämlich zwischen den besagten Reinkarnationen. 

Anstatt einen Kompromiss auszuarbeiten, pochte Kain (in Person des Korach) wieder nur auf Vorherrschaft und Macht und führte deswegen keine Seelenkorrektur seiner Reinkarnation durch. Moshe hingegen versuchte zu schlichten und der Hevel in ihm ging dieses Mal als Sieger hervor. Korach und seine Gesinnungsgenossen erhielten ihre Strafe, denn sie griffen nach etwas, was ihnen seitens G – tt nicht zustand. 

Der berühmte irakische Rabbiner und Kabbalist, Rabbi Yoseph Chaim (bekannter unter dem Namen BEN ISH CHAI), 1832 – 1909, stellt in seinem Kommentar die Frage, was es denn bedeute, wenn und Thora und Talmud lehren, dass Korach niemals starb. Die Antwort liegt vielleicht in uns selbst, denn die späteren Generationen nahmen sich alle ein Fünkchen der Rebellion von Korach. Heisst, dass später immer wieder Juden gegen gelehrte Rabbiner rebellierten, diese nicht anerkennen wollten, mit dem Ziel selbst in die Berühmtheit aufzusteigen. Doch auch hier gilt wieder der Grundsatz: Wen G – tt nicht für bestimmte Aufgaben vorsieht und wer sich aber dennoch hineinzwengt, der wird am Ende immer scheitern. Deswegen ist es besser, bei dem zu bleiben, was wir haben und uns nicht Aufgaben anzumassen, denen wir eigentlich nicht gewachsen sind. 

Schabbat Schalom an alle Leser !

Mittwoch, Juni 20, 2012

Haredischer (ultra - orthodoxer) Urlaub in Deutschland ?





B"H


Wer als religiöser Jude würde jemals in Erwägung ziehen, ausgerechnet in Deutschland zu URLAUBEN ? Insbesondere die haredische (ultra – orthodoxe) Welt Osteuropas verlor mehrere Hunderttausend Mitglieder im Holocaust und jetzt soll gerade Deutschland zum SPA – Erholungsziel werden ?

Zahlreiche Werbeposter sorgen in israelisch – haredischen Foren für eine kontroverse Diskussion, denn die Mehrheit kritisiert die Werbekampagne aufs Deftigste. Die Poster offerieren billige Urlaubsziele in deutschen Hotels in Berlin, Leipzig oder Dresden. Natürlich kommt dabei auch die Frage nach der Kaschrut (den Koschergesetzen) auf, denn sind deutsche Hotels überhaupt in der Lage, einen diversen Standard zu halten ? Dazu müssten allein die Hotelküchen vollkommen umgestellt werden und das kostet massig an Summen. Und wer soll die Kaschrut in der Hotelküche kontrollieren bzw. den Herd zum Kochen anzünden ? Etwa in Deutschland tätige Gemeinderabbiner, von denen einige keinen besonders ehrlichen Ruf geniessen ?

Nehmen wir einfach einmal an, das einige Haredim (ultra – orthodoxe Juden) sich auf den Trip einlassen: Was ist dann mit dem hohen Koscherstandard von Milchprodukten, denn im Ausland unüberwacht gemolkene Milch gilt als CHALAV NOCHRI und wird normalerweise nicht von ultra – orthodoxen konsumiert. Nicht, dass die Milch unkoscher ist, doch wird gerade in der haredischen Welt sehr viel Wert auf kabbalistische Schriften gelegt und hier sagt die Kabbalah, dass sich derlei Milch negativ auf die Seele auswirkt.

Weiter stellt sich die Frage, ob die angereisten Haredim in der Lage sind, das Hotel zu verlassen und einfach so spazieren zu gehen. Dresden und Leipzig sind voller Neonazis und Berlin voll Moslems. Gerade in Berlin gab es in der Vergangenheit häufiger Zwischenfälle, wo relig. Juden auf offener Straße angegriffen worden sind.

Im Gegensatz zur Werbekampagne einiger weniger Haredim belegte der Rebbe der chassidischen Gruppe ERLOI (Jerusalem) deutsche Produkte mit einem Bann (Cherem).





Ich selber bin in Deutschland geboren und aufgewachen und, obwohl ich seit vielen Jahren nicht mehr dort war, höre immer wiederholt, dass ausgerechnet Deutschland immer mehr von radikalen Moslems bevölkert wird, die da die Scharia – Gesetze einführen wollen. Bleibt zu hoffen, dass die anreisenden Haredim einen Bodyguard im Reisegepäck haben und sich außerhalb des Hotels nicht gerade mit dem Streimel (chassidische Pelzmütze) auf dem Kopf zeigen.

Dienstag, Juni 19, 2012

Das Geheimnis des Monat Tammuz


Gesehen in Zfat (Safed) / Nordisrael

Photo: Miriam Woelke

B"H

Zuerst began ich, dass Chabad (Lubawitsch) - Buch "Sha’arei Ha’moadim" zu lessen, um einige Insights zum heute abend beginnenden neuen jüdischen Monat TAMMUZ zu liefern. Bei Chabad jedoch geht es mir im Tammuz zu sehr um Meschiach und dessen Zeit. Da einer der vorherigen Chabad - Rebben im Tammuz aus einem russischen Gefängnis entlassen wurde, steht der Tammuz bei Chabad als Monat der beginnenden GE’ULAH (Zeit des Meschiach). Zahlreiche Chabad – Rebben wurden daheim in Russland immer wieder verhaftet, da sie sich gegen die jeweiligen Regierungen stellten. 

Darüber hinaus feiert die chassidische Gruppe an diesem Schabbat den 3. Tammuz (Gimmel Tammuz), welcher den Todestag des letzten Rebben darstellt. Jene Chabadnikim, welche der Meinung sind, der letzte Rebbe Menachem Mendel Schneerson sei der Meschiach, sehen in dem 3. Tammuz nicht den Todestag des Rebben (im Juni 1994), sondern jenen Tag, an dem der Rebbe unsichtbar wurde, sich in höhere spirituelle Spähren begab und wir nicht in der Lage sind, ihn zu sehen. Obwohl der Rebbe körperlich immer noch am Eastern Parkway 770 in Crown Heights / New York lebt und keineswegs starb, müssen wir auf den Moment warten, in welchem er sich als Meschiach offenbart. Soviel vorerst zu Chabad und ich werde im laufe dieser Woche noch mehr zum "Gimmel Tammuz" berichten. 

Die Chabad – Inhalte warfen mir zu viel Meschiach und so wendete ich mich einem meiner chassidischen Lieblingskommentatoren, dem SHEM MI'SHMUEL zu, welcher da einen bemerkenswerten Kommentar zum TAMMUZ liefert.

Zu der Zeit als Adam und Eva (Chava) noch im Paradies weilten und von dem berühmten Apfel aßen, ruinierten sie sozusagen den menschlichen Sinn des Augenlichtes. Das SEHEN wurde in untere Level gezogen und sobald dies geschieht, bedarf es, kabbalistisch betrachtet, eines Tikun (Reparatur). Dies geschieht indem ich meine Sehkraft für etwas Positives benutze. Adam und Eva hingegen schauten gierig auf den Apfel, um ihn dann zu verspeisen. Indem sie den Apfel anschauten, wollten sie ihn haben. Die Gier stieg in ihnen auf und somit setzten sie ihre Sehkraft negativ ein.

Remark: Gemäss talmudischer und kabbalistischer Literatur handelte es sich nicht um einen Apfel, den die beiden ersten Menschen da aßen, sondern entweder um eine andere Frucht oder etwas, von dem wir keine Ahnung haben. Die Thora spricht zumeist in der Symbolsprache und der Apfel steht für etwas ganz anderes. Eine Meinung im Talmud lautet, dass die Beiden betrunken waren, andere behaupten, es handele sich um ein uns unbekanntes Konzept. Tatsache ist, dass niemand weiss, was genau die Beiden taten. Ebenso wenig wissen wir, was ein "Baum des Wissens" ist.

Als Adam und Eva den Apfel (oder was auch immer) anschauten, schlich sich bei ihnen die Gier ein und der Sehsinn wurde in einen tiefen spirituellen Abgrund gezogen.

Die Meraglim (Spione), welche uns in der Thoralesung der vergangenen Woche begegneten, hatte die Aufgabe, diesen Sehsinn wieder in positive Spähren zu bringen bzw. eine Korrektur des Vergehens von Adam und Eva durchzuführen. Aber was taten sie ? Letzten Endes nutzen sie ihr Augenlicht, um hinterher nur Negatives über Israel zu berichten und verpassten damit die Chance des Tikun. Somit liegt es an allen Juden, die Korrektur durchzuführen. Wie ? Indem wir unsere Augen positiv einsetzen.

Rosh Chodesh TAMMUZ - Der Beginn des jüdischen Monat TAMMUZ


 In der Altstadt von Zfat (Safed) / Nordisrael

Photo: Miriam Woelke
B"H

An diesem Dienstag abend, Mittwoch und Donnerstag feiern wir den Beginn des jüdischen Monat Tammuz (Rosh Chodesh TAMMUZ).

Wie ich immer wieder neu erwähne, ist jeder Beginn eines neuen Monats eine neue Chance im Leben etwas zu verändern. Der jüdische Monat Tammuz steht zwar nicht für die positivsten Ereignisse in der Geschichte des Judentums, dennoch sieht ihn die chassidische Gruppe Chabad als den Monat, der das Kommen des Meschiach (die Ge'ulah) einleitet. Für Chabad ist der Tammuz sehr wichtig, wurde doch in diesem Monat der sechste Lubavitcher (Chabad) Rebbe, Rabbi Yosef Yitzchak Schneersohn, im Tammuz des Jahres 1927 aus russischer Haft entlassen. Rebbe Yosef Yitzchak war der Schwiegervater des siebten und letzten Lubavitcher Rebben, Rabbi Menachem Mendel Schneerson, welcher im Juni 1994 (am 3. Tammuz – Gimmel Tammuz) in New York verstarb. Daher kommt auch die unterschiedliche Schreibweise des Familiennamens Schneerso(h)n.

Bekannt ist der Monat Tammuz vor allem für zwei Tragödien in der jüdischen Geschichte. Der ersten Tragödie gedenken wir am 17. Tammuz (in diesem Jahr am Sonntag, dem 8. Juli). Der Tag, an dem Moshe mit dem ersten Paar der Bundestafeln (Luchot) vom Berg Sinai zurückkehrte, er die Israeliten um das Goldene Kalb tanzen sah und die zwei Laden vor Ärger zerschmetterte.

Viele Jahre später zerstörten die Babyloniern am 17. Tammuz die äußere Tempelmauer, was die Zerstörung des 1. Tempels einleitete.

Auf die Bedeutung des 17. Tammuz, der ein Halbfastentag ist, werde ich in einem späteren Beitrag eingehen. Wie schon bekannt, steht laut des kabbalistischen Buches Sefer Yetzirah (Book of Creation) jeder jüdische Monat fuer einen bestimmten hebräischen Buchstaben, einen israelitischen Stamm, einen der menschlichen Sinne, ein Sternzeichen und ein Körperteil.

Der Buchstabe des Tammuz ist das Chet ח , das Sternzeichen ist der Krebs, der Körperteil ist die rechte Hand, der Stamm ist Reuven und der menschliche Sinn ist die Sehkraft. 

Schon Eva und Adam (Chava und Adam) im Paradies setzten ihre Sehkraft für negative Zwecke ein. Sie schauten auf den Apfel und aßen ihn, heisst, sie begehrten ihn mit ihren Augen. Im Monat Tammuz haben wird daher die Aufgabe, den menschlichen Sinn der Sehkraft zu "reparieren", indem wir unsere Sehkraft positiv einsetzen. 

Chodesh Tov – einen guten und gesunden Monat Tammuz an alle Leser !!!

Tefillin in Tel Aviv


Das Photo ist ein wenig dunkel geworden, doch wer genau hinschaut, sieht einen relig. Juden, der mitten im Cafe AROMA einen Tallit sowie Tefillin (Gebetsriemen) anlegt und betet. Die Szene spielte sich heute früh in Tel Aviv ab.

Photo: Miriam Woelke

Montag, Juni 18, 2012

Der wissenschaftliche Beweis für die Existenz G – ttes

B”H 

Schon immer war es mir wichtig, mich nach der Erlangung des Basiswissen im Judentum, höheren Studien zu widmen. Dies begann schon recht früh; gleich nach dem Abschluss eines Basiskurses. Obwohl es nicht für jedermann ratsam ist, sich mit einem kleinen Quentchen Basiswissen für höhere Studien zu bewerben, tat ich es dennoch und wurde von einem haredischen (ultra – orthodoxen) Institut für Talmudstudien angenommen. Nicht ganz billig, doch nebenher habe ich in mehreren Jobs gleichzeitig gearbeitet.

Ganz ohne professionelle Studien kommt man gewöhnlich nicht weit, obwohl viele anderer Meinung sind. Sobald jemand in das akademische Judentum eintaucht (Talmud, Midrashim, Kabbalah, jüdische Philosophie, etc.), stellt derjenige schnell fest, ob sein bisheriges Wissen auf fundierten Studien beruht oder lediglich auf ein paar Vorträgen hier und da bzw. unprofessioneller Privatpersonen. Mir jedenfalls hat es auf Yeshivot (relig. Schulen) stets gefallen, was sich auch nachher in Kursen auf der Hebrew University oder der Bar Ilan University fortsetzte. Nicht in einem ganzen Studium, sondern einzelnen spezifischen Kursen mit einem kleinen Zertifikat.

"Judentum und Wissenschaft" sind Teile meines Hauptinteresses. Das Judentum geht mit der Wissenschaft Hand in Hand und beides schliesst sich nicht aus. Das genaue Gegenteil ist der Fall.

Der Physiker Dr. Gerald Schroeder ist bekannt für seine Vorträge auf internationaler Basis. Nebenher unterrichtet er die Entstehung unseres Universums gemäss der Quantenphysik an der Jerusalemer Yeshiva AISH HATORAH, wo ich einmal an einem seiner Vorträge teilnahm.

Hier ein Video mit ihm, in welchem er die Existenz G – ttes wissenschaftlich erklärt. 

Kostenlose Vorträge von Rabbi Akivah Tatz

B"H 

Rabbi Akivah Tatz ist in der jüdisch – orthodoxen Welt recht bekannt. Wenn er nicht gerade an der Jerusalemer Yeshiva (relig. Schule) OHR SAMEACH unterrichtet, so reist der geborene Südafrikaner in der Welt herum und hält Vorträge. HIER findet Ihr eine Auswahl von Vorträgen und wer der englischen Sprache mächtig ist, findet hier bestimmt Interessantes.


Rabbi Tatz Youtube Channel

Sonntag, Juni 17, 2012

Taliban Mutter verlässt das Gefängnis


Die in Israel bekannte TALIBAN MUTTER (IMMA TALIBAN) ist seit heute wieder in Freiheit.

Photo: Israel Hayom

B"H

Bruria Keren,  die in Israel bekannt gewordene "Taliban Mutter – Imma Taliban" wurde heute früh nach vierjähriger Haftzeit aus einem israelischen Frauengefängnis entlassen. Der Grund für die Haft war die Misshandlung ihrer 12 Kinder mit diversen Schlägen und Folterinstrumenten. Bruria Keren wollte so die Kinder zu g – ttesfürchtigen Juden erziehen. Sie verbüsste ihre Haftstrafe und kehrt an ihren früheren Wohnort Ramat Beit Shemesh zurück. Ob sie die Kinder zurückerhält, konnte ich noch nicht herausfinden.

Bruria Keren ist ebenso die Gründerin sowie einstiges Oberhaupt des weiblichen Breslover Neureligiösenkultes der sogenannten "Taliban Frauen". Fast die gesamte haredische (ultra – orthodoxen) Welt belegte das Movement mit einem Bann und offiziell wird es als KULT bezeichnet. 

Die Frauen des Movements unterziehen sich einer extremen Kleiderordnung, welche die Bedeckung des gesamten Körpers vorsieht. Teilweise wird auch noch das Gesicht verdeckt. Viele der Ehemänner sind gegen ihre eigene Ehefrau, wenn sie sich denn der Bewegung anschliesst. Die Frauen aber bestehen auf ihre freie Entscheidung und so gibt es nicht gerade wenig Zoff darüber in den eigenen Familien. 

Die Bewegung besteht vorwiegend aus sephardischen neureligiösen Frauen, die sich den Breslover Chassidim anschliessen. Allerdings ist die chassidische Gruppe Breslov in vielerlei Sparten unterteilt und die Gruppen der Neureligiösen wie von Rabbi Berland oder Rabbi Arush haben nichts mit den originalen Breslovern in Mea Shearim (Jerusalem) zu tun. Vielmehr handelt es sich bei ihnen um eigenständige Movements, die auf eine bestimmte Art von Leute ausgerichtet sind. So auch die Taliban -  Frauen und es wäre falsch, die gesamte Chassidut wegen ein paar neurelig. Frauen zu verdammen und des Talibankultes zu beschuldigen. 

Mich allerdings interessiert weniger, wie Bruria Keren ihre Zukunft sieht, sondern ob sie sich der aktuellen Anführerin, der Rabbanit Ben Izri, unterordnen wird.

Donnerstag, Juni 14, 2012

Parashat Schlach Lecha: "Gibt es einen Unterschied zwischen den Spionen und den Juden heute ?"


Gesehen in der Jaffa Road / Downtown Jerusalem

Photo: Miriam Woelke

 B"H  

Die Thoralesung für diesen Schabbat 


Die dieswöchige Thoralesung berichtet uns ausführlich, wie Moshe die Spionen entsandte, um das Land Israel (damals noch Canaan) auszukundschaften. G – tt hatte Moshe nicht angewiesen, dies zu tun, denn Er selber hatte den Juden versprochen, sie in ein Land zu führen, welches GUT (TOV) ist. Warum also dann Spione entsenden ? Vertraute man nicht auf das Versprechen G – ttes ? Offenbar vertrauten nicht alle Juden in der Wüste. 

Kommentare besagen, dass viele von ihnen auch gar nicht bereit waren, ihr geordnetes Leben aufzugeben. Erst einmal im Heiligen Land angekommen, sollten sie nach israelischen Stämmen territorial aufgeteilt werden und ihr Land selbst bearbeiten. Arbeiten, um sich einen Lebensunterhalt zu erwirtschaften. In der Wüste hingegen kam alles von G – tt. Von der Nahrung MAN (Manna) bis hin zum Wasser sowie dem Schutz vor Feinden. Plötzlich auf sich allein gestellt sein: Davor hatten nicht wenige Israeliten Angst. 

G – tt sagte Moshe, dass Moshes Entscheidung, die Spione doch noch loszuschicken, auf dessen eigene Kappe gehe. Moshe seinerseits hatte sich von den Juden breitschlagen lassen und stimmte letztendlich der Entsendung der Spione zu. So machten diese sich auf den Weg und erforschten das gesamte Land Israel. Vom Süden bis hinauf in den Norden. 

Am 9. des Monat Av (ca. Ende Juli / Anfang August) kehrten sie ins Lager der Israeliten zurück und verbreiteten Panik. Nicht, dass sie mit ihren negativen Berichten logen, sondern ihr Fehler war, dass sie eben alles nur negativ darstellten, anstatt die Vorteile zu sehen und auf G – tt zu vertrauen. Die Juden verfielen in Panik und wollten nicht mehr ins Gelobte Land ziehen. G – tt bestrafte fast die gesamte Generation der Spione, indem sie innerhalb der 40 Wanderjahre allmählich starben. Es sollte eine neue Generation heranwachsen, welche schliesslich in Israel Einzug hielt. 

Außerdem hat der 9. des jüdischen Monat Av bis heute folgenschwere Auswirkungen auf das Judentum. Da die Juden nach dem Bericht der Spione klagten und jammerten anstatt auf G – tt zu vertrauen, machte G – tt diesen Tag zum Trauertag. Beide Jerusalemer Tempel wurden am 9. Av zerstört. Einmal von den Babylonier und viele Jahre später von den Römern. Und bis heute ist der Tisha be’Av, der 9. Av., deswegen ein Trauertag im Judentum, an dem 25 Stunden lang gefastet wird. Ähnlich dem Yom Kippur. 

Der Maharal von Prag (16. Jahrhundert) schrieb in seinem Thorakommentar GUR ARYEH, dass aus den ursprünglich rechtschaffenden Spionen Menschen wurden, die sich von negativen Meinungen beeinflussen liessen. Sprich, aus den Spionen wurden Diener derjenigen, die G – tt nicht trauten und die Entsendung von Spionen forderten. Von Kundschaftern, die Israel ausspionieren, ob da auch wirklich Milch und Honig fliesse. 

Der Maharal kommt zu der Schlussfolgerung, dass die Juden damals noch nicht reif für den Einzug in das Gelobte Land waren und sie deshalb viele Jahre durch die Wüste wandern mussten, ehe sie am Ende doch den Weg nach Israel fanden. Zu sehr waren sie an die tagtäglich stattfindenden G – tteswunder wie das fallende Manna oder den Brunnen der Miriam gewohnt als dass sie sich auf Natur und Alltag eingelassen hätten. Wer nur Wunder erlebt, der kommt nicht mehr so einfach in den Alltag zurück. 

Und was hat diese Thoralesung mit uns zu tun ? 

Seien wir ehrlich und stellen uns die Frage, ob wir anders gehandelt hätten. Schauen wir auf die heutigen Diasporajuden, die aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht nach Israel einwandern, sondern lieber die Bequemlichkeiten der Diaspora geniessen. Vor einiger Zeit startete ich auf einem meiner deutschen Blogs eine Umfrage, warum deutsche Juden nicht nach Israel ziehen wollen. Die Mehrheit antwortete: Wir haben Angst, keine Arbeit und Wohnung zu finden. 

Das Leben in Israel ist alles andere als einfach, es sei denn, man kommt mit einem Sack voller Geldmünzen. Die Wenigsten sind dazu in der Lage und so findet der alltägliche Kampf ums Überleben statt. Da lebt es sich in der Schweiz, in Deutschland oder Österreich wesentlich angenehmer. Man schaue nur auf all die sozialen Absicherung, obwohl die Leute dort ständig am Jammern sind. In Israel deckt die Sozialhilfe noch nicht einmal die Miete und der Bedürftige kann sehen, wo er bleibt. 

Trotzdem existiert viel Positives in unserem Land. Die Leute sind anders und nicht so starr wie in Europa. Das Land Israel ist wunderschön und ich denke dabei an die sanften kühlen Sommerbrisen, die des nachts über Jerusalem ziehen. Das Judentum kann offen gelebt werden und jeder wird, wenn er denn will, seine Nische in der Gesellschaft finden. 

Wer die Augen aufmacht, der findet ein Land, in dem Milch und Honig fliessen. Man muss nur bereit sein, dies zu erkennen und nicht ständig mäkeln, dass in Europa der Standard höher und daher besser sei. Vielleicht sollten sich die Juden in der Diaspora, und dies geht die USA oder Kanada, genau so an, darüber Gedanken machen, was ihnen im Leben wirklich wichtig ist. 

Schabbat Schalom