Dienstag, Juli 31, 2012

Kritisches zum Tu be'Av (15. Av)

B"H 

An diesem Freitag ist, laut Rabban Gamliel im Talmud Traktat Ta’anit 26b, neben dem Yom Kippur (Versöhnungstag) einer der freudenreichsten Tage im Judentum: Der Tu be’Av oder genauer gesagt – der 15. Tag im Monat Av. 

War der Tisha be’Av (9. Av) an diesem Sonntag noch ein Trauer – und Fastentag, so steht der Tu be’Av im gegenteiligen Sinne der Freude. Wir lernen aus dem Talmud, dass zu Tempelzeiten junge unverheiratete Frauen und Männer in die Felder gingen und sich offenbar dort fanden und nachher ggf. heirateten. Die weiblichen Kandidaten trugen alle weisse Kleidung und es war ihnen an dem Tag nicht anzusehen, ob sie nun aus einer wohlhabenden oder armen Familie stammten. Alle sahen von Weitem irgendwie gleich aus und Sinn und Zweck war es, dass ein Mann sich seine Zukünftige nicht nur allein nach ihrem gesellschaftlichem Status aussucht, sondern nach Sympathie. Ob das wirklich so erfolgreich gelang, bezweifele ich manchmal, denn nicht nur allein die Kleidung drückt einen Status aus. Unter anderem kann es genau so die Sprache sein oder allein das Verhalten. 




Die Frage aber ist, ob dieselbe Prozedur heutzutage vorstellbar oder eher undenkbar erscheint. Realistisch zumindest klingt die talmudische Prozedur des Tu be’Av heute nicht, denn damals wie heute finden sich selbst hochrelig. zukünftige Ehepaare nicht im Feld, sondern allein der Verlobung gehen hochkomplizierte Auswahlverfahren voraus. Der Sohn von einem Superrabbi oder die Tochter eines Gelehrten heiraten auch heute nicht unbedingt einen kleinen Thoraschüler bzw. eine Tochter aus einfachem Hause. Egal, ob in haredischen (ultra – orthodoxen) oder in nationalrelig. Kreisen, die jungen ledigen Heiratswilligen schalten meistens einen sogenannten SCHADCHAN (eine Frau wird SCHADCHANIT genannt) ein. Heiratsvermittler, die sich professionell auf die Anbahnungssuche machen soll. Neben dem Verfahren besteht natürlich auch die Mundpropaganda (a la man kenne da jemanden, der vielleicht in Frage käme). Oder in ganz extremen Ultra – Kreisen suchen die Eltern die Kandidaten aus. Teilweise werden auch Rabbiner zu Rate gezogen, ob sie nicht einen Kandidaten kennen bzw. empfehlen können. 

Heute ist es eher unwahrscheinlich, dass die Tochter oder der Sohn eines angesehenen Rabbiners einen Ehepartner auswählen, der, zum Beispiel, aus einer Konvertitenfamilie stammt. Normalerweise heiraten Kinder aus Rabbiner - oder gar chassidischen Rebbefamilie fast ausschliesslich ihresgleichen oder zumindest die Kinder aus anderweitigen hoch angesehenen Rabbinerfamilien. Demnach würde man sich heutzutage nicht im Feld oder an einem Weinberg treffen, sondern den üblichen Eheanbahnungsmethoden folgen. Allgemein gesprochen heiraten in hoch relig. Kreisen sephardische Juden andere sephardische Juden, Aschkenazim heiraten Aschkenazim, Behinderte erhalten meistens Kandidaten mit einer Behinderung, Geschiedenen werden anderweitige Geschiedene oder Verwitwete vorgestellt und und und. 

Das relig. Eheanbahnungssystem erscheint selbst mir nicht selten rassistisch, aber wer diesen Weg geht, der wird um all die Regel kaum herumkommen. Wem das alles nicht passt und zu doof erscheint, der muss sich halt eine andere Methode suchen und das wird kaum einfacher sein. Trotzdem sollte sich deswegen niemand den Tu be’Av vermiesen lassen, denn es gibt genug Freuden im Leben und nicht nur die Ehe.:-)

Chassidische Inhalte

B"H

Lange lag mein chassidischer Blog brach, doch seit einiger Zeit bereite ich ein paar Artikelinhalte vor, die im deutschsprachigen Raum ansonsten kaum bis gar nicht zu finden sind. Insgesamt wendet sich meine Themenwahl nach meinen jeweiligen Launen und momentan verfasse ich für andere Sites viel Chassidisches und somit steht der Chassidismus etwas im Vordergrund. Seltsamerweise boomen seit geraumer Zeit die Hits auf dem sonst eher ruhigen Blog.

Wer Interesse hat, der kann hier lesen:

http://chassidicstories.blogspot.co.il/2012/07/hintergrunde-zur-geschichte-des.html

SIUM HA'SHASS in Jerusalem

B"H

Alle sieben Jahre wieder endet der Zyklus sämtlicher Talmud Traktate und es geht wieder von vorne los mit dem Lernen. Wenn der komplette Talmud Seite für Seite innerhalb der sieben gelernt wurde, gibt es eine riesige Veranstaltung zum SI'UM HA’SHASS (Ende des talmudischen Lernzykluses). Gestern war es soweit und Tausende Lernende (nicht nur ultra – orthodoxe, sondern auch andere Juden) trafen sich an mehreren Orten Jerusalems zur Abschlussfeier. Ob im Teddy Stadion oder im Messezentrum Binyane'i HaUma.

Hier ein paar Bilder, so dass Ihr einen kleinen Eindruck erhaltet:





Alle Photos findet Ihr HIER !

Montag, Juli 30, 2012

Der Baal Shem Tov zur Thora Parasha VA'ETCHANAN


Auf dem Herzlberg in Jerusalem

Photo: Miriam Woelke
B"H

Der Baal Shem Tov legte hohen Wert auf das tägliche Thorastudium. Nicht nur im Bezug auf sich selbst, sondern jeder Jude sollte sich täglich ein wenig Zeit nehmen (und seien es nur zehn Minuten), um ein kurzes Konzept der Thora, des Talmud oder sonstiger jüdischer Schriften, zu lernen. Dies jedoch sollte stets zusammen mit jüdischen Kommentaren (wie Raschi, Rambam, Ramban, Or HaChaim, Onkelos, Ibn Ezra, etc.) geschehen und niemand sollte einfach so lernen und sich auf seine eigene Interpretation verlassen, denn dann läuft er Gefahr, falschen Schlussfolgerungen zu unterliegen. 

Das tägliche Lernen stärkt uns, bringt uns Freude (Simcha) und hält viele externe Gedanken von uns fern. Bedeutet, wir sind demnach weniger anfällig für negative Gedankengänge und Handlungen. 

So der Baal Shem Tov zur dieswöchigen Thoralesung Va’etchanan.

Donnerstag, Juli 26, 2012

Details zum Tisha be’Av


 Jerusalemer Ausblick

Photo: Miriam Woelke
B”H  

Eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Halachot Jerusalem betreffend: 

Da der Fastentag Tisha be’Av gleich an den ausklingenden Schabbat anschliesst, gelten einige spezielle Halachot. Unter anderem, dass die Havdalah mit dem üblichen Wein oder Weintraubensaft sowie dem HaMavdil – Segen erst am Sonntag abend getätigt warden kann. Der Havdalah – Segen über die Kerze sollte jedoch am Samstag abend stattfinden. 

Am Schabbat sollte gegen 20.40 Uhr das letzte Essen vor dem Fasten eingestellt warden. 

Gegen 20.19 Uhr sollte ein Jude den Schabbat von den Wochentagen trennen und sage: BARUCH HA’MAVDIL BEJN KODESCH le’CHOL. 

Der Fastentag endet am Sonntag abend gegen 20.18 Uhr. Danach darf wieder Musik gehöt werden, Wäsche gewaschen oder sich rasiert werden. Der Konsum von Fleisch und Wein dagegen muss noch bis zum Sonntag abend warten !

Der Fastentag TISHA be'AV


B"H

Beginnend an diesem Samstag abend bis hin zum Sonntag abend steht dem Judentum der traurigste Tag des Jahres bevor: der Tisha Be' Av – der 9. des jüdischen Monat Av. An jenem Tag wurden sowohl der Erste als auch später der Zweite Temple zerstört. Juden auf der ganzen Welt sehen diesen Tag als eine einzige Tragödie an, denn der Tag repräsentiert die schlimmsten historischen Ereignisse des Judentums überhaupt. Daher ist dieser Tag, wie Yom Kippur, ein 25 – stündiger Fastentag und es gelten fast die gleichen Halachot (Gesetze) wie am Yom Kippur. Allerdings mit einigen Ausnahmen.

Der Tisha Be' Av und das damit verbundene Fasten beginnen am morgigen Samstag abend (nach Schabbatausklang) und endet am Sonntag abend nach Einbruch der Dunkelheit. Für die genauen Zeiten möge sich bitte jeder an seine Gemeinde wenden bzw. in israel. Tageszeitungen nachschauen. 


Da bei den Tempelzerstörungen unzählige Juden umkamen, besteht für uns die Halacha, dass wir unsere Freude reduzieren, sobald der Tisha Be' Av beginnt (Kitzur Shulchan Aruch – Hilchot Tisha Be' Av). Vor dem Beginn des Fastentages müssen wir bei einem sogenannten Se'udat Mafseket ausreichend essen und vor allem trinken. Dies betrifft insbesondere uns Israelis, denn es herrscht die Hitze des Hochsommers. Wenn möglich, sollte man bei dieser letzten Mahlzeit keine salzigen Speisen zu sich nehmen. Kartoffeln, Gemüse und Obst sind immer gut. Mein persönlicher Tipp ist Wassermelone. Der Schulchan Aruch (Orach Chaim) lehrt, dass es den Minhag (Brauch) gibt, beim Se'udat Mafseket Linsen und Eier zu sich zu nehmen. Beide Speisen sind ein Zeichen der Trauer. Auf Fleisch und Wein sollte ganz verzichtet werden.

Außer der Freude, sollten auch jegliche Bequemlichkeiten vermieden werden. In den Synagogen sitzen wir zum Abend – und Morgeng – ttesdienst nicht auf den Bänken, sondern viele bringen sich einen niedrigen Stuhl oder Hocker mit.

Hier die wichtigsten Halachot (Gesetze) für den Tisha Be' Av zusammengefaßt aus dem Shulchan Aruch ff.:

1. Essen und Trinken ist absolut verboten.

2. Lederschuhe aller Art dürfen nicht getragen werden, da Leder ein Zeichen für Bequemlichkeit ist. Stattdessen sollen Leinenschuhe oder Sportschuhe ohne Leder getragen werden. In Jerusalem laufen viele Leute einfach barfuß.

3. Sex ist verboten.

4. Sich duschen oder sonst irgendwie waschen ist verboten. Es sei denn, man bereitet sich aufs Gebet vor oder kommt von der Toilette.

5. Es ist Brauch, die Nacht auf einer Matratze auf dem Fussboden zu verbringen oder sein Bett einfach umzudrehen.

6. Zum Morgengebet Shacharit legen Männer keine Tefillin, sondern erst zum Nachmittagsgebet Mincha.

7. Das Thorastudium ist am Tisha Be' Av verboten. Stattdessen sollten die Megillath Eicha, das Buch Iyov (Hiob) oder der Talmud Traktat Taanit gelernt werden.

8. Abends und morgens wird in den Synagogen die Megillath Eicha gelesen. Eicha ist die Prophezeihung des Propheten Jeremiah (Yirmeyahu) und beschreibt die Zerstörung des Ersten Tempels und die Zeit danach.

9. Ausserdem werden KINOT gelesen, wobei hier zwischen ashkenasischen und sephardischen Kinot zu unterscheiden ist. In den Kinot sind viele Schicksalsereignisse in der Geschichte des Judentums aufgelistet.

Wer in Jerusalem zur Klagemauer kommt und keine Kinot dabei hat, der kann sie vor den Eingängen für ca. 10 - 20 Shekel erstehen. Allerdings werden dort fast nur sephardische Kinot angeboten, was aber nicht von so grosser Relevanz ist. Hauptsache Kinot. Während dem Lesen der Kinot sitzen die Leute vor der Klagemauer gewöhnlich auf dem Boden.

Überhaupt nimmt Jerusalem am Tisha Be' Av einen besonderen Status ein, denn hier vor der Klagemauer befinden wir uns am Originalschauplatz. Viele Leute stellen sich beim Aufblicken auf den Tempelberg schon den Dritten Tempel vor. Tausende machen sich am Montag Abend auf zur Klagemauer und der gesamte Platz an und um die Kotel ist jedes Jahr vollkommen überfüllt. Nicht wenige bringen Matratzen oder Schlafsäcke mit, denn sie schlafen die ganze Nacht ueber vor der Klagemauer. Der ganze Platz gleicht einem riesigen Campingplatz. Wer keinen Schlafsack dabei hat, der setzt sich auf das Pflaster und liest Kinot. Es sei jedem anzuraten, rechtzeitig zur Kotel zu gehen, denn schnell werden sämtliche Plätze belegt sein.

Ein zweiter Brauch in Jerusalem ist der "Marsch um die Stadtmauer", welcher von der Vereinigung der "Women in Green", einer rechtsorientierten Organisation, organisiert wird. Seit vielen Jahren ist der Marsch Tradition. Nachdem ich im letzten Jahr aussetzte und nicht teilnahm, werde ich an diesem Montag abend dabei sein und Photos machen.






Wie sich sicher jeder vorstellen kann, wird der Marsch streng bewacht; fast alle fünf Meter steht ein Soldat. Es geht hinunter zum Damaskus – Tor hin bis zum Löwentor, wo einige Politiker Reden halten werden. Im Jahre 2001 war Ehud Olmert noch als Bürgermeister dabei und proklamierte ganz gross, dass er Jerusalem niemals abgeben werde. Zu seiner Zeit als Premier erwies sich seine Rede als Schwindel. 
Die Hauptrede wird, wie gewöhnlich, der Knessetabgeordnete der Ichud HaLeumi, Aryeh Eldad, halten. Veranstalterin Nadja Matar ist selbstverständlich auch mit von der Partie. Endziel ist die Klagemauer.

Warum genau wurden beide Tempel zerstört und warum ist das heute noch so wichtig für das Judentum ? Viele der Antworten darauf finden wir im Talmud.

Der Erste Tempel, welcher von König Salomon erbaut und im Jahre 586 vor der Zeitrechnung von den Babylonier zerstört worden war, hatte eine wesentliche wichtigere Bedeutung als der Zweite Tempel. Zu der Zeit waren Wunder allgegenwärtig. Die Bundeslade befand sich noch im Allerheiligsten (Kodesh HaKedoshim) und G – ttes Präsenz (Shechinah) war überall. Es gab Hunderte, wenn nicht sogar Tausende von Propheten und das Feuer vom Altar (Mizbeach) reichte direkt hinauf in den Himmel. Kabbalistisch betrachtet verband diese Wolke die untere mit den spirituellen oberen Welten.

Warum wurde der Erste Tempel zerstört ?Aufgrund von drei Vergehen. Götzendienst, sexuelle Perversionen und Mord (Talmud Yoma 9b). Die Juden vergaßen G – tt, die Thora und die Mitzwot und wandten sich lieber anderen G – ttern zu. Vor allem die Tofet, ein Ort gleich außerhalb der Stadtmauer, erlangte traurige Berühmtheit, denn in der Tofet opferten sie ihre Kinder an fremde G – tter. Einige Kommentare lauten, dass sie die Menschenopferungen an G – tt geopfert haetten, denn fälschlich meinten sie, dass dies so sein müsse.


G – tt duldete dieses Treiben nicht mehr und veranlaßte die Zerstörung des Temples. Doch wie wir aus der Thora wissen, tut G – tt soetwas nie von heute auf morgen, sondern gibt den Menschen Hinweise. Wenn die Menschen die Hinweise wahrnehmen und zu G – tt umkehren (Teshuva machen), aendert G – tt seine Meinung. Falls dies nicht geschieht, nimmt das Schicksal seinen Lauf. Laut dem berühmten Rabbiner Aharon Kotler glaubten die meisten Juden an die Thora, aber sie sahen keinen Sinn in ihr und somit kam das Spirituelle der Thora nicht mehr herüber. Das chassidische Buch Bnei Yissachar sowie der Talmud lehren uns, dass sich die Gesichter der zwei Cherubim (Engel mit Kindergesichtern auf der Bundeslade) ansahen, wenn die Juden G – ttes Willen erfüllten. Sobald sie sich von G – tt abwandten, schauten die beiden Cherubim in gegengesetzte Richtungen. Allein schon diese Tatsache hätte den Juden eine Warnung sein müssen.

Nach der Zerstörung des Ersten Tempels wurden die Juden für 70 Jahre ins babylonische Exil geschickt. Nach Ablauf der 70 Jahre war es ihnen freigestellt, nach Israel zurückzukehren und den Tempel wieder aufzubauen. Die Gemara im Talmud Yoma lehrt uns, dass der Erste Tempel nicht vollkommen zerstört worden war. Mehr oder weniger war fast nur das Dach beschädigt. Ezra etc. bauten den Tempel wieder auf und später wurde er von Herodes erweitert. Im Jahre 70 nach Beginn der Zeitrechnung wurde er von den Römern zerstört.

Gibt es einen Unterschied zwischen dem Ersten und Zweiten Tempel ?

Ja, eindeutig, und das nicht nur architektonischer Art.
Nur 42.360 Juden waren mit Ezra aus dem babylonischen Exil nach Israel heimgekehrt, was die Gemara in Yoma 10a als einen der Gründe ansieht, warum der Zweite Tempel weniger an Keduscha (Heiligkeit) besaß. G – tt war ärgerlich über die im Exil verbliebenen Juden, die sich in Babylon eine Heimat aufgebaut hatten und dort ihr Leben geniessen wollten.

Im Talmud Yoma heißt es, dass es fünf Unterschiede zum Ersten Tempel gab:

1. Es gab keine Bundeslade mehr. Bis heute wurde die Bundeslade nicht gefunden und der Talmud listet unterschiedliche Lokalitäten der Lade auf.

2. Das Feuer vom Altar (Mizbeach) reichte nicht mehr hinauf in den Himmel.

3. Es gab keine Shechinah (G – ttes) Präsenz bzw. sie hatte sich weiter von uns entfernt.

4. Die Zeit der Propheten war vorüber. Stattdessen haben wir bis heute eine sogenannte Bat Kol, welche Raschi als das Echo einer himmlischen Stimme bezeichnet.

5. Auch gab es kein Urim ve Turim mehr. Eine Schriftrolle mit den Namen G – ttes. Diese wurde in das Choshen des Cohen HaGadol (Hohepriester) gesteckt und aufgrunddessen war er in der Lage, Fragen zu beantworten. Er brauchte nur zu sehen, welche Buchstaben auf dem Choshen aufleuchteten und schon hatte er G – ttes Antwort. Der Ramban und die Tosafot vertreten die Meinung, dass es kein Urim ve Turim ohne Ruach HaKodesh (ein bestimmter Level der Prophezeihung) geben kann.
Mir persönlich ist noch der Schamir eingefallen, der nach der Zerstörung des Ersten Tempels verschwand. Mit dem Schamir, einem offenbar kleinen Wurm, der alles zerschnitt, was ihm in den Weg kam, baute König Salomon den Ersten Tempel. Niemand weiß, was genau der Schamir war und im Talmud gibt es verschiedene Meinungen. Ein jüdischer Tempel darf niemals mit Metallwerkzeugen gebaut werden, da diese Waffen repräsentieren. Daher benutzte Koenig Salomon den Schamir, von dem es heißt, dass er nur für diesen Zweck von G – tt erschaffen worden war.

Seit der Zerstörung des Zweiten Tempels warten wir Juden auf die Ankunft des Meschiach, der den Dritten und somit letzten und ewigen Tempel bauen wird. Laut dem Rambam ist der Tempel schon im Himmel gebaut und kommt in der Zeit des Meschiach hinab auf den Tempelberg.

Warum wurde der Zweite Tempel zerstört ?

Die Antwort gibt uns wiederum der Talmud Yoma 9b.
Aufgrund von gegenseitigem Haß ließ G – tt es zu, dass die Tempel zerstört wurde. Die Juden hielten zwar die Thora ein, doch beneideten sie sich gegenseitig und jeder wollte besser sein als der andere. Rabbi Yonatan Eibeschütz ist der Meinung, dass der Bruch innerhalb der Gesellschaft auf den Bruch zwischen den Thoragelehrten und den nichtreligiösen Juden zurückzuführen ist. Viele einfache Leute waren neidisch auf die Gelehrten. Später bildeten sich die Sadduzäer (Zadukim), welche die mündliche Überlieferung (die Mishna im Talmud) und die Authorität der Rabbiner nicht anerkannten. Ein Trugschluß, denn wer die Thora verstehen und einhalten will, der kann auf G – ttes mündliche Überlieferung an Moshe (die Mishna) nicht verzichten. Erst durch sie erfahren wir, wie wir genau die Gesetze einhalten und ausführen.

40 Jahre vor der Zerstörung des Zweiten Tempels gab G – tt die ersten Zeichen, welche die Juden nicht sehen wollten und ignorierten (Talmud Yoma 39b). u.a. öffneten sich die Tore zum Innenhof (Heichal) von allein, was andeutete, dass der Feind leichten Einlaß haben wird (Rashi). Nach dem Tode des großen Cohen HaGadol (Hohepriesters) Schimon HaZaddik gab es keinerlei Wunder mehr (Maharsha). Auch löschte die Tempelmenorah von allein ihre Kerzen. Umkehren zu G – tt taten die Juden nicht und so nahm das Schicksal seinen Lauf. Ein Schicksal, unter dem wir noch heute leiden. Hoffen wir, dass der Meschiach bald kommen wird und den Dritten Tempel baut.

Zum Schluß noch ein paar aufmunternde Worte vom ersten Oberrabbiner Israels, Rabbi Avraham Yitzchak HaCohen Kook (Kuk). Er schrieb, dass die Hoffnung auf die Ge'ulah (Erlösung) das Volk Israel auch in der Disapora am Leben erhält. Eine Funke G – ttes befindet sich in jedem Juden, und dieser Funke geht mit uns in die Diaspora. Der Funke in der Seele erinnert uns immer an Israel und wirkt wie in Magnet darauf. In den USA gedenkt man am Tisha Be' Av gleichzeitig auch dem Holocaust. Der Holocaust ist ein weiteres jüdisches Desaster in unserer jüngsten Geschichte. In Israel kommen ab und an Diskussionen auf, ob der Tisha Be' Av nicht auch hier der offizielle Holocaust – Gedenktag werden soll.


Wie ich zuvor schon einige Male erwähnte, sollten wir trotz allem unseren Blick in die Zukunft lenken und hoffen, dass die Ge'ulah bald eintreffen wird.

In Israel sind am Tisha Be' Av viele Geschäfte geöffnet und Leuten arbeiten. Allerdings gilt, dass Leute, die arbeiten, ihr Geld spenden sollen. Man sollte keinen Nutzen von dem erwirtschafteten Geld an dem Tage haben. Die Busse fahren ganz normal und grundsätzlich gelten nicht die Regeln wie am Schabbat. Außer den o.g. Halachot.

Ich wünsche allen vorab ein leichtes Fasten – Zom Kal !!!

Kamtza & Bar Kamtza

B"H

Am Samstag abend, dem 28. Juli 2011, beginnt der Tisha Be' Av (9. des Monats Av), der Tag beider Tempelzerstörungen. Wie in jedem Jahr stelle ich die nachfolgende talmudische Lehre aus dem Traktat Gittin 55b - 56a in den Blog.

Es handelt sich dabei um die berühmte Gemara, in der von zwei Personen die Rede ist: von Kamtza und von Bar Kamtza. Die Gemara in Gittin 55b sieht das Geschehen und vor allem den tragischen Ausgang als einen der Gründe, warum der Zweite Tempel zerstört wurde.



Es war einmal ein Mann, der hatte einen Freund namens Kamtza und einen Feind namens Bar Kamtza. Eines Tages entschloß sich der Mann, zu einem großen Bankett einzuladen und schickte einen Bediensteten aus, um Einladungen zu verteilen. Er sagte zum Bediensteten, dass er zu Kamtza gehen und ihn einladen solle. Doch der Bedienstete ging aus Versehen zu Bar Kamtza (dem Feind). 


Pünktlich zum Bankett traf Bar Kamtza ein und setzte sich an einen der Tische. Den Hausherrn traf fast der Schlag als er seinen Feind dort sitzen sah. Er ging auf Bar Kamtza zu und sagte ihm, dass er gefälligst verschwinden soll. Bar Kamtza jedoch fürchtete die Scham vor allen Leuten hinausgeworfen zu werden und sagte zu dem Mann, dass er bleiben und die Rechnung für sein Essen und Trinken selbst bezahlen wolle. Der Hausherr ließ sich jedoch nicht umstimmen. Bar Kamtza bot ihm an, für das gesamte Bankett zu zahlen, wenn er bleiben könne, doch der Hausherr war so wütend, dass er ihn ergriff und eigenhändig hinauswarf. Vor den Augen aller.  

Draußen sagte Bar Kamtza zu sich selbst, dass alle dort sitzenden Rabbis den Rausschmiß widerstandslos hingenommen hatten. Niemand von ihnen hatte eingegriffen und so kam Bar Kamtza zu dem Schluß, dass die Rabbis seinen Rausschmiß als selbstverständlich ansahen. Aus Rache ging Bar Kamtza zum Palast des römischen Stadthalter (es ist unklar, ob es der römische Kaiser oder ein Stadthalter war) und sagte ihm, dass die Juden gegen Rom rebellieren. Zum Beweis dafür schlug Bar Kamtza dem römischen Stadthalter vor, dass er ein Tier zur Opferung in den Tempel schicken solle und er werde ja sehen, ob die Juden es zur Opferung annehmen oder nicht. Der Stadthalter sandte ein Kalb, welches Bar Kamtza überbringen sollte. Doch auf dem Weg verletzte Bar Kamtza die obere Lippe des Kalbes oder entsprechend anderer Meinungen rief er einen Defekt im Auge des Tieres hervor. Aufgrund dieser körperlichen Schäden konnte das Kalb nicht geopfert werden, da nur einwandfreie Tiere dafür bestimmt sind. Zuerst zogen die Rabbi tatsächlich in Erwägung, dass nicht einwandfreie Tier zu opfern, um keinen Streit mit den Römern hervorzurufen. Letztendlich wurde beschlossen, das Tier nicht zu opfern. 

Der talmudische Kommentator Maharsha sagt dazu, dass der Stadthalter vielleicht nachgegeben hätte, wenn die Rabbis sein Kalb dennoch geopfert hätten. Als sein Opfer verweigert worden war, entschloß er sich zur Tempelzerstörung.Der Maharam Shif kommentiert, dass G - tt die Tempelzerstörung schon beschlossen hatte und der Vorfall mit Bar Kamtza nur noch der Auslöser war. Der Maharsha sieht die Schuld bei Bar Kamtza, da es verboten ist, durch Haß Zerstörung hervorzurufen. Nicht jeder, der ungerecht behandelt worden ist, sollte mit der Keule um sich schwingen und auf Rache sinnen.


Die Zerstörung des Zweiten Tempels durch die Römer (70 nach Beginn der Zeitrechnung)

Wir finden in dieser Gemara drei Menschen, die nur aus Hass handeln und dabei zerstörerisch vorgehen. Zuerst der Mann, der Bar Kamtza hinauswarf. Die nichtreagierenden Rabbis werden vom Maharsha als zu machtlos gegenüber dem mächtigen Gastgeber gesehen. Bar Kamtza wurde daraufhin so vom Haß befallen, sodass er wild drauflos rannte und die Folgen nicht mehr abschätzen konnte. Er verstieß gegen jegliche talmudischen Gesetze. Erstens rannte er zu den römischen Besatzerbehörden und hetzte gegen seine jüdischen Brüder, was ihm schon allein hätte das Todesurteil einbringen können (siehe Talmud Sanhedrin 73a), und zweitens machte er mit Absicht das Kalb für eine Opferung unbrauchbar, was verboten ist (Talmud Bechorot 33b). 

Wie ich schon mehrmals erwähnte haben wir im Judentum das Konzept des "Freien Willens". Jeder Mensch entscheidet selbst über seine Handlungen und muß hinterher die Konsequenzen tragen. Wie ich ebenso schon einige Male erwähnte, sieht der Ishbitzer Rebbe (Rabbi Mordechai Yosef Leiner) den "Freien Willen" als eine einzige Illusion an. Es gebe ihn nicht und all unser Tun ist von G - tt vorbestimmt. Wir haben darauf keinen Einfluß. Laut dem Talmud besitzen wir den "Freien Willen", doch nur insoweit, dass es in unserer Hand liegt, ob wir g - ttesfürchtige Menschen werden oder nicht. 

Man könnte meinen, dass die Handlungen der hier involvierten Personen die Tempelzerstörung ausgelöst haben. Andererseits stimme ich mit dem Maharam Shif überein, der sagt, dass die Zerstörung schon längst von G - tt beschlossen war. Wie also hätten die Agitatoren anders reagieren können und trifft sie überhaupt eine Schuld ? 

Wir Menschen haben immer wieder die Kraft, bestimmte G - ttesurteile zum Guten zu ändern. In der Chassidut wird der Zaddik (der Gerechte) als derjenige betrachtet, der zu solchen Dingen fähig ist. Mit Gebet und Teshuva (Umkehr) können wir Welten versetzen. Die Antwort könnte lauten, dass wenn die hier aufgeführten Personen anders gehandelt haetten und wenn die Juden überhaupt auf die Warnungen der Propheten gehört und sich zur Umkehr aufgerafft hätten, die Tempelzerstörung vielleicht vermeidbar gewesen wäre. Vielleicht aber war es auch unvermeidbar, denn laut unserer jüd. Tradition kommt der Meschiach und baut den Dritten Tempel, und somit kann es auf Dauer keinen Zweiten Tempel geben. 

Heutzutage sollen wir aus dem Fehlverhalten lernen, aber gleichzeitig unseren Blick in die Zukunft auf den Dritten Tempel richten.


Besuch auf dem Tempelberg

Dienstag, Juli 24, 2012

Die Yahrzeit des Kabbalisten Rabbi Yitzchak Luria


Der Friedhof von Safed / Nordisrael beherbergt nicht nur reguläre Gräber, wie wir es gewohnt sind, sondern ebenso Höhlen mit vielen Einzelgräbern darin.

Oben rechts im Bild sehen wir den gesamten Grabeskomplex des Rabbi Yitzchak Luria. Sein Grab ist das meistbesuchte auf dem Friedhof und es finden viele Gedenkveranstaltungen statt. Die Gerüste sind teilweise zu dem Zweck angelegt, damit die Cohanim (Nachkommen der Priesterfamilie des Aharon - Bruder des Moshe) einen Friedhof besuchen können. Im Judentum besteht das Gesetz, dass Cohanim aus Reinheitsgründen nicht mit der Unreinheit des Todes in Berührung kommen dürfen. Wenn die Cohanim jedoch nicht mit dem Friedhofsboden selbst in Berührung kommen, so ist es ihnen erlaubt, einen Friedhof zu "betreten".

Photo: Miriam Woelke

B"H

Die jüdische Welt gedenkt heute einer wichtigen Yahrzeit (Todesgedenktag). Der berühmte mittelalterliche Kabbalist, Rabbi Yitzchak Luria, verstarb heute am 5. Tag des jüdischen Monat Av. Im Alter von nur 38 Jahren verstarb Rabbi Luria im Jahre 1572. Der Verdienst des Rabbi Yitzchak Luria war es, der Kabbalah eine bis dahin unbekannte Symbolik hinzuzufügen. Ohne die in der jüdischen Kabbalah allgemein üblichen Symbolsprache wären wir nie in der Lage, G – ttes Welterschaffungsprozess und Sein Handeln auch nur annähernd zu begreifen. Allerdings muss angemerkt warden, dass die Symbolsprache lediglich eine Idee gibt und keinerlei endgültige Resultate liefert, denn diese kennt nur G – tt allein.


In der Kleinstadt Safed gibt es zwei Synagogen des bekannten Kabbalisten Rabbi Yitzchak Luria (des ARI): Eine sephardische sowie eine aschkenazische Synagoge.
Hier nur ein kleiner Vorgeschmack auf die aschkenasische Synagoge des ARI.


Photo: Miriam Woelke

Weitere Links zum Thema:





Geschlechtertrennung bei Sonderausstellung im Jerusalemer ISRAEL MUSEUM

B"H 

Im Jerusalemer ISRAEL MUSEUM findet momentan eine spezielle Ausstellung zum Thema CHASSIDIM statt. Ich selbst habe die Ausstellung noch nicht besucht, weil ich nicht unbedingt auf Gegenstände abfahre, sondern vielmehr auf chassidische Inhalte. Sprich auf Schriften aller möglichen chassidischen Rabbiner. Dabei ist es mir egal, wie lang ein chassidischer Mantel (Kaftan) ist oder wie viele Knöpfe sich an ihm befinden (einige chassidische Gruppen zeichnen sich damit aus, eine unterschiedliche Anzahl von Knöpfen an ihrem Kaftan zu tragen).

Es kommt mir auf die Inhalte an und wenn ich etwas lese, dann von Chassidim selber bzw. von einem Autor, der entweder selber Chassid (wie der Autor Yitzchak Alfassi) ist oder war. Von Professoren lese ich kaum einmal etwas, denn die wollen sich alle nur profilieren und irgendwelche Doktorante mit seltsamen Fachsimpeleien loswerden.

Das ISRAEL MUSEUM macht aktuell von sich reden, indem es bekanntgab, dass für die Ausstellung über die CHASSIDIM eine Geschlechtertrennung eingeführt wird. So nämlich wolle man viel mehr haredische (ultra – orthodoxe) Besucher in die Ausstellung locken. Das Museum sagte, dass die Geschlechtertrennung nur für den einen Ausstellungsraum gelte, alle anderen Museumsgebäude jedoch allen Besuchern gleichzeitig offenstehen. 

Ganz ehrlich gesagt: Die Chassidim, die ich kenne, gehen weder ins Israel Museum noch in die Ausstellung. Warum ? Weil es sie nicht interessiert ihr eigenes Leben im Museum zu besichtigen.

Montag, Juli 23, 2012

Wird die MEGILLATH EICHA auch dann noch gelernt / gelesen, wenn der Meschiach eingetroffen ist ?

B"H

Wird die MEGILLATH EICHA auch dann noch gelernt / gelesen, wenn der Meschiach eingetroffen ist ?

Eine interessante Frage. Die meisten von uns sind insgeheim der Meinung, dass mit dem Kommen des Meschiach die Thora wie gewohnt weiter existiert. Und das bis in alle Ewigkeit. Der Yom Kippur aber wird kein Fastentag und Tag der Umkehr mehr sein, denn mit dem Meschiach wird kein Mensch auf der Welt je wieder gegen G – tt laufen, geschweige den rebellieren. Daher besteht überhaupt kein Grund mehr zur Umkehr, denn es sind ja bereits alle umgekehrt. Juden wie Nichtjuden gleichermassen.

Und ja, auch nach dem Eintreffen des Meschiach wird es weiterhin Juden und Nichtjuden geben. Was es nicht mehr geben wird sind diverse Götzendienereien wie den Buddhismus, die Krishnas und selbst das Christentum wird dann der Vergangenheit angehören. Mit der Ankunft des Meschiach wird sich die Welt dem EINEN G – tt zuwenden und man kann noch nicht einmal etwas dagegen unternehmen.

Aber zurück zum Ausgangspunkt:

Wird in der Zeit des Meschiach nach wie vor das Buch Eicha gelesen, welches da von der Zerstörung des Ersten Tempels berichtet ? Wozu noch daran erinnern ?

Die Antwort, die ich fand, lautet eindeutig JA. Die Megillath Eicha wird auch nach der Ankunft des Meschiach noch gelernt. Eben weil sie ein fester Bestandteil des TANACH (Thora, Propeten und Schriften) ist. Nichts aus dem Tanach darf entfernt, umgeschrieben oder hinzugefügt werden. 

Ferner lernen wir in der Zeit gerade anhand von Eicha, was es bedeutet, in der tollen Zeit des Meschiach zu leben und keine Tempelzerstörungen mehr erleiden zu müssen. Ansonsten würden wir unter Meschiach nur allzu schnell die Anerkennung der Zeitperiode, in der die Menschen dann leben, beginnen zu ignorieren. Man gewöhnt sich halt an eine neue tolle Zeit, ohne groß darüber nachzudenken, welcher Ehre man eigentlich unterliegt. Ähnlich den heutigen Juden in Jerusalem, die da alles haben. Koscheres Essen, jüdisches Leben pur, jüdische Buchläden an jeder Ecke und sogar die Kotel (Klagemauer). Anstatt uns diese Ehre jeden Tag bewusst zu machen, driften wir im Alltag in die Gleichgültigkeit ab.

Traditionelle Tisha be’Av – Demo um die Jerusalemer Altstadt

B"H

Auch in diesem Jahr veranstalten die WOMEN IN GREEN erneut den traditionellen Marsch um die Jerusalemer Altstadt.

Wann ? Wie immer am Erev Tisha be’Av.


Hier ist das Poster in Großformat:

 http://www.womeningreen.org/9bAv2012.php



Allgemein sind die WOMEN IN GREEN eine zionistische Gruppe. Gegen die Vernichtung israelischer Siedlungen, für eine jüdische Hohheit des Tempelberges und sonstige jüdische Politik. In Deutschland wird man die Gruppe eher wieder einmal als "rechtsgerichtet" einstufen. Als rechte Krawallmacher, doch die Wirklichkeit, schaut etwas anders aus. 

Obwohl sich Oberhaupt Nadja Matar für vieles einsetzt, erinnert sie mich oft an eine beabsichtigte ONE WOMAN SHOW. Den Marsch am Tisha be’Av mache ich immer gerne mit, denn ansonsten ist es Juden kaum möglich, durch bestimmte Teile Ostjerusalems zu laufen. Palästinenser bewegen sich in allen Teilen Jerusalems frei, Juden hingegen dürfen sich in vielen palästinensischen Teilen der Stadt nicht blicken lassen. Ansonsten kann einem schnell einmal die Kehle durchgeschnitten werden und das Ausland behauptet dann wieder, dass die Juden daran auch noch selber schuld sind.

Wie sehen ENGEL aus ?

B"H

In einem Forum stellte man mir folgende Frage:

Wie sehen ENGEL aus ?

Ich kann hier lediglich die jüdische Ansicht zu den ENGELN vermitteln ! 

Allgemein gesagt betrachtet das Judentum die Engel nicht unbedingt als unabhängige Wesen neben G - tt, sondern vielmehr als G - ttes unterschiedliche Kräfte. Bedeutet, wie G - tt handelt. Die Engel stehen da symbolisch für G - ttes Stärken, Macht oder Entschiedenheit. Allein existieren tun sie jedoch nicht. 

Kräfte, die auch in uns Menschen vorhanden sind, nur werden sie auf G - tt bezogen, in symbolischer Engelsform ausgedrückt. 

Der Talmud betrachtet jegliche Engelsabbildung als Götzendienst, denn sich ein Bild von Engeln zu machen, sei gegen das jüdische Gesetz. Ferner bestehe dann die Gefahr, dass man plötzlich einen Engel verehrt oder sogar anbetet und dies sollte auf alle Fälle verhindert werden. 

Im Widerspruch hierzu steht natürlich die Engelsabbildung auf der Bundeslade (zwei Cherubim). Dafür aber soll eine bestimmte Definierung gelten, mit der ich mich persönlich jedoch noch nicht befasst habe. 

Hier gibt es weitere Infos zum Thema ENGEL: 

Sonntag, Juli 22, 2012

Wer nicht will …

B"H 

Zum Ersten muss ich eingestehen, noch nicht alle Kommentare veröffentlicht zu haben bzw. viele e – mails ebenfalls unbeantwortet hintenangestellt zu haben. Innerhalb der nächsten Tage will ich den angestauten Haufen jedoch weggearbeitet haben. 

Nur so viel sei vorab gesagt: 

Wer eigentlich zum Judentum konvertieren will, doch persönliche Zweifel anmeldet, der sollte vorerst lieber nicht konvertieren. Konversionen sind nur für diejenigen gedacht, die auch vorhaben, die Thoragesetze einzuhalten. Wer jedoch meint, dass Judentum sei auf ihn angewiesen und er müsse deswegen alle verrückt machen, nur um Antworten zu erhalten und den Juden eventuell doch noch den "Gefallen" tun und konvertieren, der ist im Judentum garantiert falsch. Das Judentum war und ist auf niemanden angewiesen und wem eine Konversion zu viel ist, der kann jederzeit ein Noachide werden. Nicht jeder Nichtjude ist dazu bestimmt, zum Judentum zu konvertieren. Von Nichtjuden wird absolut keine Massenkonversion zum Judentum verlangt ! Vielmehr sollten sich Nichtjuden vermehrt mit den Noachidischen Gesetzen auseinandersetzen. Wobei hier auf deutschem Gebiet zur Vorsicht geraten sei, denn zu viele christliche Missionare machen sich in dem Feld breit. 

Wer ernsthaft Interesse zeigt, der kann sich sicher in den deutschen Chabad – Filialen professionellen Rat und gleichsam Adressen einholen. 

Link:

Samstag, Juli 21, 2012

Rosh Chodesh MENACHEM AV

B"H

Am letzten Freitag begann der jüdische Monat Menachem Av und wegen meines Unfalles vor fast zwei Wochen hinke ich in der Berichterstattung etwas hinterher.


Offiziell lautet der Monatsname AV, doch wird er im Text des Segen für den neuen Monat "Menachem Av" genannt.

Der jüdische Monat Av war stets ein negativer Monat für das jüdische Volk. Unter anderem brach der Erste Weltkrieg aus und die Endlösung wurde beschlossen.

Am 9. Av, welchen in diesem Jahr am 9. August begehen, wurden beide Jerusalemer Tempel zerstört. Dem vorausgegangen war die Rückkehr der Spione in das Lager der Israeliten mit der Nachricht, dass es sich nicht lohne, nach Israel weiterzuziehen und sich dort anzusiedeln. Moshe sprach dagegen, doch viele Israeliten begannen zu jammern. Daraufhin sagte G – tt, dass es keinen Grund zum Weinen gebe, allerdings wird dieser Tag für euch ein Schicksalstag werden.

Am 9. Av trauern wir um beide zerstörten Tempel. Laut vielen Kommentatoren hat der Monat Av auch etwas Positives, denn der Meschiach soll in diesem Monat geboren werden. Wenn er kommt und der Dritte Tempel steht, wird sich der Fastentag Tisha Be' Av (9. Av) in einen Feiertag verwandeln.



Trauer um die Tempel am Tisha be'Av



Am 1. Av, gedenken wir ebenso der Yahrzeit von Aharon HaCohen, dem Bruder Moshes und Miriams. Aharons Todestag ist der einzige Todestag, der ausdrücklich in der Thora Erwähnung findet. Warum ausgerechnet Aharon ? War nicht sein Bruder Moshe viel wichtiger ?


Es heißt in der Thora, dass als Aharon verstarb, ALLE Israeliten weinten. Weder bei Miriam noch bei Moshe steht das geschrieben. Natürlich beweinten auch viele den Tod der beiden, doch nicht alle. Bei Aharon dagegen weinten ALLE, denn er war als Friedensstifter hoch geschätzt. Wenn sich die Israeliten stritten, schritt Aharon stets ein und machte Frieden zwischen den Parteien.

Normalerweise ist ein Monatsbeginn immer ein freudiges Ereignis, doch sollen wir im Av unsere Freude etwas bremsen, denn dieser Tag leitet die neun Tage vor dem 9. Av ein und uns werden diverse Halachot bzw. Minhagim (Bräuche) aufgetragen.

1. Es sollte in diesen neun Tagen keine neue Kleidung gekauft werden, es sei denn, es handelt sich um spezielle Schuhe ohne Leder für den 9. Av.

2. Es sollte keine Wäsche gewaschen werden.

3. An Wochentagen wird auf den Verzehr von Fleisch und Wein verzichtet. Beides gibt es nur am Schabbat vor dem 9. Av.

4.
An den Wochentagen vor dem 9. Av sollte nicht geduscht werden, sondern nur am Freitag vor Schabbateinbruch.

5.
Parties und andere Feiern sollten vermieden werden. Genauso wie Kino und Musik.

All diese Gesetze sind verbunden mit der Trauer um die Tempelzerstörungen.

Am 5. Av begehen wir die Yahrzeit des großen mittelalterlichen Kabbalisten Rabbi Yitzchak Luria, dem Arizal.

Der Schabbat vor dem 9. Av, (am 28. Juli) wird "Schabbat Chazon" genannt. Der diesjährige Tisha be'Av wird am Tag darauf, am Sonntag dem 29. Juli begangen. Beginnen tut das 25 - stündige Fasten jedoch am 28. Juli. Gleich mit dem Schabbatausklang geht es in den Trauertag.

Laut dem "Book of Creation – Sefer Yetzirah", hat jeder jüdische Monat einen eigenen Stamm, Buchstaben, ein Organ, eine menschlichen Sinn, einen Buchstaben und ein Sternzeichen.

Das Sternzeichen des Av ist der Löwe, der Buchstabe ist das TED ט , der Stamm ist Schimon, das Organ ist die linke Niere und der menschliche Sinn ist das Hören.

Das Hören kommt von den ausgesandten Spionen, die zurückkamen und die Israeliten deren Botschaft hörten. Hören bedeutet immer etwas zu erhalten. In dem Moment, in dem wir hören, unterscheiden wir automatisch zwischen gut und böse und stellen so unsere innere Balance her.

Den Entscheidungen hilft die linke Niere, die in talmudischer Literatur als Ratgeber erwähnt ist (siehe Talmud Berachot).

Obwohl der Monat Menachem Av als Katastrophe für das jüdische Volk gilt, haben wir die Kraft, ihn in etwas Positives umzuwandeln. Vor allem sollten wir für die baldige Ankunft des Meschiach beten. Und wie einmal jemand bei Rabbi Mordechai Machlis lehrte, sollten wir es nicht nur so vor uns hinsagen, sondern es richtig wollen, dass der Meschiach kommt.




 

Chodesch Tov – חודש טוב einen gesunden und erfolgreichen Monat Av !!!

Link:


Donnerstag, Juli 19, 2012

Antworten

B"H

Viele Fragen und Kommentare sind eingetroffen und ich werde diese innerhalb der kommenden Tage beantworten !!!

Dienstag, Juli 17, 2012

Nach einer kleinen Verletzungspause

B"H

Noch kuriere ich meine Verletzungen aus, doch were ich wieder bloggen:

http://lebeninjerusalem.blogspot.co.il/2012/07/zuruck.html

Montag, Juli 09, 2012

"Ihr Rabbiner seid schuld, dass ich noch an J. glaube !"

B"H 

Ein paar Mal ist es mir in Jerusalem passiert, dass ich irgendwo auf Konvertiten traf, die sich gerade in einem Konversionskurs befanden. Ich weiss gar nicht mehr, wo ich auf die Leute stiess, denn normalerweise kenne ich keine Leute, die momentan in solch einem Kurs lernen. Vielleicht kam bei irgendeinem Vortrag das Thema zur Sprache. 

Mehrere Male hörte ich besagte Konvertiten laut argumentieren, dass es Aufgabe der Rabbiner des Konversionskurses sei, die konversionswilligen Nichtjuden davon zu überzeugen, dass das Christentum nicht die richtige Religion sei und, ergo, J. nicht der Meschiach. Wenn die Rabbiner dazu nicht in der Lage seien, dann sind die Juden selber schuld, dass ich zwar konvertiere, aber immer noch an J. glaube. 

Das ist so ziemlich das Abartigste, was ich je vernommen habe. Wer zum Judentum konvertieren will, der sollte an keine christlichen Theologien mehr glauben und diesen voll und ganz entsagt haben. Wer immer noch am Christentum hängt, der sollte nicht zum Judentum konvertieren ! Die Aufgabe des Kurses bzw. der Rabbiner besteht nicht darin, ein paar geistig Verwirrte von ihrem vorherigen Glauben abzubringen, denn das muss man schon selbst tun.

Neue Kleidung in den Bejn HaMetzarim

B"H 

Seit dem gestrigen Halbfastentag 17. Tammuz befindet sich die jüdische Welt in den drei Trauerwochen, welche ihren Höhepunkt mit dem Tisha be’Av finden. Diese drei Wochen (Bejn HaMetzarim) sind nicht so zu verstehen, dass wir nun alle herumtrauern und keine Freude am Leben zeigen. Vielmehr liegt unsere Aufgabe darin, uns selbst zu verbessern und ein wenig in uns zu gehen, um CHESCHBON NEFESCH – SELBSTANALYSE IN BEZUG AUF G – TT zu üben. Wo liegen unsere Fehler und wir können wir versuchen, uns in kleinen Schritten zu verbessern ?

Innerhalb dieser drei Woche gelten besondere Regeln, welche sich mit dem Monatsbeginn des Av (neun Tage vor dem Tisha be’Av) abermals verstärken. Momentan wird bis nach Tisha be’Av in jüdischen Kreisen nicht geheiratet. Ferner bildet neue Kleidung eine weitere Ausnahme. Darf ich in diesen drei Wochen neue Klamotten kaufen und auch tragen ? Immerhin wird mit dieser Halacha des Verbotes daran erinnert, dass die Bewohner des eingekesselten Jerusalems dahinvegetierten, denn weder die Babylonier noch später die Römer liessen Nahrungsmittel in die Stadt. Die Propheten berichten uns, wie die Jerusalemer elend hungerten und am Tisha be’Av (9. Av) der Tempel brannte. 

Kaufen wir neue Kleidung wie T – Shirts, Röcke oder Hosen, so danken wir G – tt, dass wir in der Lage waren, dies zu tun. Insbesondere auch finanziell, denn G – tt versieht uns mit einem Auskommen. Ferner, dass wir am Leben sind und somit in der Lage sind, uns Kleidung anzuschaffen. 

Der Segen, den wir bezüglich des Tragens neuer Kleidung sprechen, ist der “Scheyechiyanu” – Segen. Tragen wir neue Schuhe, so sagen wir keinen Segen ! Einige Juden hegen den Brauch, auf die Sohle der neuen Schuhe das Wort AMALEK mit ihrem Finger zu schreiben. Dies nur symbolisch betrachtet, denn richtig geschrieben wird Amalek nicht, sondern lediglich mit dem Finger aufgezeigt. Amalek, der Erzfeind der Juden, den wir symbolisch gesehen mit unseren Füssen treten. 

Nicht nur, dass Amalek eine real existierende Person war, sondern als Amalek betrachten wir ebenso antisemitisches oder antijüdisches Verhalten. Die Nachkommen Amaleks, die das Judentum ausmerzen wollen. Ferner steckt Amalek auch in uns selbst. Nämlich dann, wenn uns unser Gefühl überreden will, heute einmal nicht zu beten oder einen Cheeseburger zu essen. 

Dürfen Juden also laut der Halacha in den drei Wochen neue Kleidung kaufen und tragen ? 

Das Problem liegt nicht unbedingt im Kauf, sondern beim Tragen. Es heisst, dass neue Kleidung, die einen Segen verlangt, nicht getragen werden darf. Neue Socken oder Unterwäsche hingegen schon. Wer unbedingt etwas kaufen will, der kann das tun, sollte aber bis nach dem Tisha be’Av mit dem Tragen warten. 

Anmerkung: 

Einige Rabbiner erlauben das Tragen neuer Kleidung noch bis zum Monatsbeginn des Av !

Sonntag, Juli 08, 2012

Christliche Missionare am Strand von Tel Aviv

B"H

Einen Großteil des heutigen Tages verbrachte ich ausgerechnet im kochend heissen und tropisch feuchten Tel Aviv. Als ich vor ca. einer Stunde an der Strandpromenade entlang ging, standen plötzlich zwei russische Frauen vor mir. 

"Ob ich etwas zum Lesen haben wolle ?" So lautete die erste Frage in von einem starken russischen Akzent geprägten Hebräisch.
"Und ob ich denn Hebräisch spreche und lese ?" 

Dabei hielt mir eine der Frauen eine bunte Broschüre vor die Nase. Ich wusste, dass es sich um christliche Missionare handelt, denn es ist nicht das erste Mal, dass mir so etwas unterkommt. Vor mehr als einem Jahr strömte eine amerikanische Touristengruppe an die Strandpromenade und versuchte Juden zu überreden, an den falschen Meshiach J. zu glauben. Ziemlich plump kamen sie daher und glaubten doch allen Ernstes, dass jüdische Israelis sofort auf ihr Geschwafel hereinfallen. Noch dazu mit ihrem Südstaaten – Englisch.

Die beiden Russinnen vorhin zielten ihre Missionsabsichten auch auf Israelis. Daher die Frage, ob ich Hebräisch spreche. Es wird Zeit, dass die israelische Anti –Missionsorganisation YAD le'ACHIM insbesondere an den Freitag nachmittagen ein paar ihrer Volontäre an den Tel Aviv Strand schickt, denn dort treiben sich mehrere Missionare gleichzeitig herum

Hier zwei Photos der beiden Missionarinnen




Photos: Miriam Woelke

Wichtig zu wissen, wo man steht

Photo: Miriam Woelke


B"H 

Ein Jude sollte immer danach streben, sich zu verbessern. Es ist wichtig zu wissen, wo man steht. Ob jemand irgendwann einmal zum Judentum konvertierte oder als gebürtiger Jude aus dem säkuleren Leben ausstieg und religiös wurde, ist nicht wichtig. Das ist Vergangenheit und ab dem Zeitpunkt ist nur eines wichtig: Die Zukunft. "Ma Hallah – Wie weiter ?" – sagt man auf Hebräisch, denn ich kann nicht ständig an meiner Vergangenheit kleben und diese immer wieder neu leben. Vielmehr muss ich zusehen, wie es weitergeht und wie ich meine Anfangsvorhaben weiterentwickele. 

Was ist wichtig ? Was will ich von meinem Leben und wie soll mein relig. Leben aussehen ? Heute vielleicht noch nicht zu perfekt, doch täglich kann jeder einen Verbesserungsversuch starten. Auf alle Fälle aber in die Zukunft schauen, denn nur so kommt ihr weiter.

Halbfastentag 17. Tammuz - Shiva Asar be'Tammuz

 
Miniaturmodell: Jerusalem zur Zeit des Zweiten Tempels - Einzusehen im Jerusalemer Israel Museum.

B"H
Heute begehen wir den Fastentag des 17. Tages im jüdischen Monat Tammuz. Der 17. Tammuz war im Verlauf der Geschichte viele Male ein Schicksalstag für die Juden. So stieg Moshe an dem Tage vom Berg Sinai herab, sah, dass die Israeliten um das Goldene Kalb tanzten und zerschmetterte vor Wut die zwei Gesetzestafeln. Viele Jahre später wurde die Stadtmauer Jerusalems von den Feinden überrannt. Eine Tragödie, die drei Wochen später (am 9. des Monats Av – Tisha Be'Av) in noch einer viel größeren Tragödie endete: der Zerstörung beider Tempel. Im Jahre 586 vor der Zeitrechnung durch die Babylonier und im Jahre 70 nach der Zeitrechnung durch die Römer.

Die Geschichte reiht uns eine ganze Liste tragischer Ereignisse auf. Eines davon geschah im Jahre 1944 als am 17. Tammuz das Ghetto Kovno von den Nazis aufgelöst und sämtliche inhaftierte Juden in die Vernichtungslager geschickt worden waren.

Der 17. des jüdischen Monats Tammuz leitet eine dreiwöchige Trauerperiode ein, welche mit dem Tisha Be' Av (9. des jüd. Monats Av) endet. Am 9. des jüd. Monat Av wurden beide Tempel zerstört.

Der 17. Tammuz ist ein Halbfastentag, der morgens gegen 4.00 Uhr beginnt und abends nach Einbruch der Dunkelheit endet. Den gesamten Tag über essen und trinken wir nichts. Wer fastet, der muß im Morgengebet Schacharit einige zusätzliche Gebet einfügen.

Ein Fastentag soll uns immer zur Teschuva (Umkehr zu G – tt) bewegen. An solch einem Tag sollten wir Thora lernen (z.B. Parashat Ki Tisa, in der es um den Bau des Goldenen Kalbes geht). Nicht, dass wir die Thora nur lernen und sie danach wie ein gewöhnliches Buch wieder zur Seite legen. Stattdessen ist es Ziel, die Thora zu verinnerlichen und durch die Einhaltung der Gesetze, die G – tt uns gab, erfüllen wir Seinen höchsten Willen (Ratzon HaEliyon) und erreichen eine besondere Devekut (Nähe zu Ihm). Die Thora sollte ein Teil von uns sein, mit dem wir die Kraft haben, einen Tikun (Reparatur der Seele) für das Zerschmettern der Gesetzestafeln zu verrichten (Sefer HaSichot – Chabad). Ein weiteres Zeichen zur Teshuva ist das Geben von Zedakah (Spenden), so lesen wir im Buch Tanya – Iggeret HaTeshuva, Kapitel 3).

Das chassidische Buch Bnei Yissachar kommentiert, dass aus den einstigen Trauertagen 17. Tammuz sowie 9. Av in der Zukunft einmal Feiertage werden. Nämlich nach der Ankunft des Meschiach.

Halachot (Gesetze) für den 17. Tammuz:

a) Nichts essen

b) Nichts trinken

c) Vergnügungen aller Art sollten unterlassen werden


Halachot für die folgenden drei Wochen vor dem Tisha Be'Av:

a) Es finden keinerlei jüdische Hochzeiten statt.

b) Von Vergnügungen wie Parties, Kino, Musikhören etc. sollte Abstand genommen werden.

Hierbei ist zu beachten, dass neun Tage vor Tisha Be ' Av noch einige weitere Halachot hinzukommen, die ich zu gegebener Zeit nennen erläutern werde !!!

Warum sind ausgerechnet diese drei Wochen zwischen der Zerstörung der Jerusalemer Stadtmauer und der endgültigen Zerstörung der Tempel eine Trauerperiode ? In der Zeit sind Tausende von Juden bei der Verteidigung der Tempel umgekommen. Sei es durch das Schwert des Feindes oder durch Hunger.

Hoffen wir, dass der Meschiach baldigst kommt und der Dritte Tempel errichtet wird.

Zom Kal – ein leichtes Fasten


Absorbing the Sanctity of Eretz Israel
Quelle: "Celebration of the Soul" von
Rabbi Avraham Yitzchak Kook


The more difficult it is to endure the air of the Diaspora, the more one feels the impure spirit of the impure land. This is a sign of the inner absorption of the sanctity of Eretz Israel, of the heavenly mercy that will not abandon one who is worthy of dwelling in the pure shadow of the land of life, even when he is far away and wandering in his exile. The foreignness felt in the Diaspora ties all of one's inner desire to Eretz Israel and its sanctity of the Land bores deeper and deeper.
When the depth of the holy yearning of love for Zion, the memory of the Land and all its preciousness, wells up in the soul of the individual, it flows like a spring for the entire collective, for all of the thousands of sould bond to Him. The sound of the Shofar heralds the ingathering of the dispersed and great mercy abounds. Israel's hope for life glitters, the blossom of G - d flourishes, and the light of salvation and redemption ramifies and spreads like the dawn spreading over the mountains.


Sehr poetisch ausgedrückt !
Die ausländische Presse übersetzt "Eretz Israel" fast immer mit dem feindlich gesinnten "Großisrael". So als handele es sich hier um eine israelische Ausweitung in die Nachbarländer a la Hitlerbesetzung. Dem jedoch ist ganz und gar nicht so, denn der heutige Staat Israel plant alles andere als sich auszuweiten. Die Grenze zu Jordanien, Syrien, Ägypten oder dem Libanon wird anerkannt und wir sind alle froh, wenn man uns von dort aus in Ruhe lässt.

 
"Eretz Israel" bedeutet einzig und allein ein Israel in den biblischen Grenzen, welche Teile des heutigen Jordaniens sowohl dem Libanon mit einbeziehen. Dieses ursprüngliche Israel mit G - ttes Grenzen wird in der Zeit des Meschiach wieder in Kraft treten.

In Jerusalem heiraten




B"H

Das Rabbanut (Oberrabbinat), Abteilung Eheschliessungen: Diejenigen Juden, die hierher kommen, um eine Eheschliessungserlaubnis einzuholen, werden auf Herz und Nieren auf ihre halachische Jüdischkeit geprüft. Ich hörte so einige Horrorstories von dieser Abteilung, doch letztendlich ist es besser, alles geprüft zu wissen, damit sich nicht jemand einschleichen kann, der, laut Halacha, gar kein Jude ist. 

Juden, die Aliyah machten und in Jerusalem heiraten wollen, müssen ihre jüdische Herkunft detailliert nachweisen. Unter anderem wird die Ketubah (Hochzeitsvertrag) der Eltern verlangt. Weiterhin ein Brief vom Rabbiner aus dem Heimatland sowie Dokumente der jeweiligen Stadtverwaltung im Heimatland, die bestätigen, dass derjenige Heiratswillige entweder Single, geschieden oder verwitwet ist. 

Orthodoxe Konvertiten zum Judentum werden erst recht auseinandergenommen, wenn sie einen geborenen Juden heiraten wollen. Heiratswillige, bei denen beide Parteien Konvertiten zum Judentum sind, werden ab und zu weniger gründlich nachgeprüft. Will jedoch ein orthodoxer Konvertit einen geborenen Juden heiraten, kommt die Maschinerie ins Rollen. Es gibt sogar Fälle, bei denen das Rabbanut die Hochzeiten ablehnte, denn ein Konvertit sollte nicht gerade einen säkuleren Israeli heiraten.  

Von mir aus kann sich jetzt gerne jeder sein Teil denken und zustimmen oder nicht. Fakt ist: Wer heiraten will, der unterwirft sich diesem Prozess. Andere gehen lieber zu den Belzer Chassidim und heiraten dort. Gleiche Prozedur, aber oft schneller bearbeitet. Trotzdem wird auch dort den Konvertiten nichts geschenkt und man sollte einen einwandfreien orthodoxen Lebenswandel vorweisen. 

So sind die Regeln und ich habe sie nicht gemacht.

Photos: Miriam Woelke