Posts mit dem Label Juedische Geschichte werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Juedische Geschichte werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, Oktober 29, 2012

Die Höhle von Schem und Ever in Zfat

B"H

Seit heute nachmittag bin ich wieder in Nordisrael unterwegs. Diesmal erneut in Tiberias und im 30km nördlicheren Zfat (Safed). Bis Mittwoch werde ich hier sein und dann geht es zurück nach Hause, nach Jerusalem.

Nachdem ich heute nachmittag in Zfat ankam, wanderte ich ein wenig herum und hatte das unerwartete Glück, die bekannte Höhle von Schem und Ever (Ewer) einmal offen vorzufinden. In der Tür stehend machte ich Photos und drehte ein kurzes verwackeltes Video. Letzteres ist etwas dunkel geworden, doch dafür stellte ich nachfolgend Photos in den Blog.

Bei Schem handelte es sich um den jüngsten Sohn Noachs (Noahs). Als Noach mit seiner Familie die Arche letztendlich verliess, machte sich jeder der drei Söhne in eine andere Richtung auf. Ham wandte sich mehr dem Libanon, Israel und danach Afrika zu, Yaphet ging nach Griechenland und es wird gesagt, dass die heutigen Europäer von ihm abstammen; Schem hingegen blieb in der Umgebung Syrien – Irak und wurde zum Vorfahre des Avraham. 

Ever wiederum ist der Enkel des Schem und beide taten sich zusammen und lernten in einer bestimmten Höhle die Thora. Nicht, so wie wir dies heute verstehen und tun, doch heisst es, dass die Vorfahren des Judentums sowie der erste halachische Jude Avraham und dessen Nachfahren, das Prinzip der Thora damals, zu einer Zeit als die Thora noch nicht offiziell am Berg Sinai gegeben wurde, bereits kannten. 

Die Höhle in der Altstadt von Zfat hat eine lange historische Tradition, wie Ihr im Video erfahrt. Heute dient sie als Synagoge und ist nur zu bestimmten Zeiten geöffnet.














Copyright / Photos: Miriam Woelke

Samstag, Juni 30, 2012

Judentum im Wandel der Neuzeit

B"H

Wer der englischen Sprache mächtig ist, der findet auf dem amerikanisch – jüdischen Markt eine unbeschreibliche Auswahl guter Literatur. Von berühmten Rabbinern Verfasstem bis hin zur jüdischen Philosophie oder gesellschaftlichen Themen. Alles ist zu haben, denn, im Gegensatz zur Vergangenheit, wird im Judentum heutzutage alles auf dem freien Markt angeboten. Bis zur Zeit des 2. Weltkrieges waren gute jüdische Bücher nur beschränkt erhältlich bzw. viele Inhalte waren noch nie gedruckt worden. Insbesondere die 90iger Jahre lieferten uns ein wahres Eldorado von Angeboten. Allein schon wegen des neu aufgekommenen Internets. Plötzlich wurde fast alles zugänglich gemacht und kaum ein Thema bleibt unerwähnt. 

Bereits im Jahre 2005 erschien auf dem amerikanischen Markt das Buch "Off the Derech – How to respond to the Challenge". Verfasst von der amerikanischen Jüdin Faranak Margolese. "Off the Derech" ist die jüdische – orthodoxe Beschreibung für "vom (frommen / traditionellen orthodoxen) Wege abgekommen". 

Das Buch beschäftigt sich mit dem aktuellen Thema der jüdischen Assimilation. Warum werden einst orthodoxe Juden säkuler ? Warum heiraten immer mehr Juden Nichtjuden ? Bietet uns die Orthodoxie heute noch das, was wir für wichtig halten ? Faranak Margolese sah den Ansatzpunkt ihres Buches in der Tatsache, dass immer mehr ihrer Freunde und Bekannten zugaben, einst die jüdischen Thoragesetze eingehalten zu haben, doch dann irgendwann begannen, weniger Schabbat zu halten und vielleicht nicht ganz so auf koscheres Essen achteten. 

Amerikas Juden sehen sich seit vielen Jahren diesem gravierendem Problem ausgesetzt. Worin aber liegt die Herausforderung der Orthodoxie gerade junge Mitglieder zu halten ? 

Zu Beginn ihres Buches zeigt Frau Margolese auf, dass das Problem der Assimilation nicht erst seit heute oder gestern besteht. Hierzu liefert das Buch einige sehr interessante Statistiken und um die geht es in diesem Artikel, bevor ich etwas später auf weitere Inhalte des Buches eingehe. 

Bis zur Zeit der Aufklärung im 19. Jahrhundert gab es weder ein reform – noch progressives - noch ein konservatives Judentum. Juden waren ganz einfach Juden und die Mehrheit identifizerte sich mit der Religion. Ferner wird im Judentum das Judentum an sich als Volksgemeinschaft betrachtet. "Am HaYehudi – Das jüdische Volk". Bis heute in den modernen Staat Israel hinein gilt der Ausdruck "Das jüdische Volk" und selbst säkulere Juden sehen sich diesem Volk zugehörig und nicht nur israelisch. 

Schon vor dem 10. / 11. Jahrhundert gab es Judenverfolgungen seitens der Christen. Mit den Kreuzzügen nahm das Ausmaß der Judenverfolgung erheblich zu. Nicht nur, dass die Kreuzritter auf ihrem Weg von Europa nach Palästina eine unbeschreibliche Blutspur hinterliessen. Man schaue nur auf das Rheinland, wo Abertausende Juden von Kreuzrittern niedergemetzelt worden sind. Bei ihrem Einzug in Jerusalem löschten die Kreuzritter jegliches jüdische Leben in der Stadt aus. Als der Ramban (Rabbi Moshe ben Nachman, Nachmanides, 1194 – 1270) nach Jerusalem kam, fand er kaum mehr eine Minyan (10 jüdische Männer) zum Gebetsservice vor. Erst langsam erholte sich die jüdische Gemeinde Jerusalems und neue Synagogen entstanden. 

Das europäische Judentum wurde über Jahrhunderte hinweg von der Kirche verfolgt, gefoltert oder ermordet. Selbst die Maranos (spanische Juden, welche unter Zwang der Kirche zum Christentum konvertiert waren), wurden auch weiterhin von der Kirche mit Argwohn betrachtet. Nicht wenige der Maranos waren zwar zum Christentum übergetreten, lebten jedoch heimlich ihr Judentum weiter. 

Aufgrund der Verfolgung hielt man im Judentum zusammen und der Weg hinaus hätte eh nicht viel eingebracht. Die Kirche sowie Nachbarn hätte auch dann weiter herumgeschnüffelt und gedroht. Große Freiheiten hat die Welt des Mittelalters und auch danach nicht geboten und so blieb ein Jude ein Jude. Wie oben erwähnt, kam es erst mit dem Aufkommen des Reformjudentums zu einer massiven Umschichtung innerhalb des Judentums. Faranak Margolese in ihrem Buch: Bis zum 19. Jahrhundert waren ungefähr 250,000 Juden zum Christentum konvertiert. In den Jahren 1812 – 1845 verliessen 85% der Berliner Juden ihre Religion und liefen zum Christentum über. Als Quelle hierfür nennt Frau Margolese: Rabbi Ephraim Buchwald (Founder and Director of the National Jewish Outreach Program), Personal Interview, 22 August 2000. See also Chaim Dov Rabinowitz: The History of the Jewish People – From Nehemia to the Present.

Bis zum Jahre 1929 heirateten 30% der Judenheit Europas Nichtjuden. Bis zum Jahre 1930 besuchten 70% der jüdischen Kinder Polens keine jüdischen Schulen mehr. Rabbi Ephraim Buchwald gibt weiterhin an, dass ca. 30% der ehemals orthodoxen Studenten der berühmten Volozhin – Yeshiva im späteren Verlauf ihres Lebens zu säkuleren Bolschewiken wurden. Und bei diesen Studenten handelte es sich nicht um Juden, die ihre Religion nicht kannten und diese ihnen deswegen nicht viel bedeutete. Ganz im Gegenteil, denn im 19. Jahrhundert war die litauische Yeshiva (relig. Schule) VOLOZHIN das Harvard des Judentums. 

Zu der Zeit gab es in Europa ca. 3000 – 4000 Yeshiva Studenten. Im Vergleich zu heute: Die berühmte Yeshiva von Lakewood (bei New Jersey) hat allein 3000 Yeshiva Studenten. 

Zusammen mit der Moderne kam nach vielen Jahrhunderten die Zeit des "freien Willens" der Menschen auf. Die Bewohner Europas wurden nach all der Knechtschaft der Kirche sowie des Adels freie Bürger und diese Freiheit liess viele Juden die Orthodoxie oder die Religion als Ganzes verlassen. Man wollte sein, wie alle anderen oder halt sein Leben so leben, wie man es selbst für richtig hielt. 

Frau Margolese zitiert hier Rabbi Norman Lamm, den einstigen Präsidenten der amerikanischen Yeshiva University: "Es ist so als sitze man vor einem Bufett und habe die Qual der Wahl das auf seinen Teller zu legen, was man will". 

Die wichtigste Frage aber ist, warum diese gewonnene Freiheit viele ehemalige relig. Juden säkuler werden läßt. Liesse sich denn nicht Beides miteinander verbinden ? Faranak Margolese diskutiert im Verlauf ihres Buches mehrere Perspektiven, die vielleicht ein paar Antworten geben. Unter anderem den Einfluss der Außenwelt auf unser Verhalten. 

Nicht selten ringt das orthodoxe Judentum um seine Mitglieder und hierbei insbesondere um die Jugend. Was bei Eltern und Großeltern noch als wichtig und selbstverständlich galt, scheint der jungen Generation eine zunehmende Last. Eine Alternative zur Orthodoxie gibt es nicht, denn man kann, wie im Reformjudentum, nicht eine ganze Religion so zurechtrücken, wie es einem gerade passt. Was die Orthodoxie hingegen tun muss ist, jene Punkte aufzuzeigen, welche gerade die Orthodoxie so lebenswert macht, denn sie ist gewiss nicht das, wofür sie fälschlicherweise immer gehalten wird: Eine störende Last, die nur darauf aus ist, strenge Gesetze einzuhalten und einem das Leben zu vermiesen. 
_______________________________

In der folgenden Zeit werde ich das Buch von Faranak Margolese des Öfteren erwähnen. Nebenher ebenso die Volozhin – Yeshiva: Ihre große Vergangenheit bis zum Holocaust, ihre Rabbiner sowie ihre heutigen Ableger in Israel und den USA. Außerdem stehen demnächst die drei Wochen vor dem jüdischen Trauer – und Fastentag Tisha be’Av (9. Av) an und dazu werde ich sehr viele Infos in den Blog stellen.

Mittwoch, Mai 02, 2012

Warum waschen sich Juden vor dem Brotessen rituell die Hände ?

B"H

Ein NATLAH – Gefäß zum rituellen Händewaschen vor dem Brotessen. Vorgeschrieben ist ein Henkel, doch das Herstellungsmaterial ist unerheblich. Der NATLAH kann aus Metall genau so wie auf den folgenden Photos, aus Plastik sein. 





Photos: Miriam Woelke

Warum besteht im Judentum die halachische Vorschrift, sich vor dem Brotessen rituell die Hände zu waschen ? 

Nebenbei bemerkt: Nicht nur vor dem Brotessen waschen sich Juden rituell die Hände, sondern gleich morgens nach dem Aufwachen. Ferner finden wir den NATLAH auch auf jüdischen Friedhöfen, wo sich nach dem Besuch die Hände gewaschen werden. Allerdings nur mit dem NATLAH, doch ohne einen Segen zu sagen. 

Schon im Mittelalter wurden Juden wesentlich weniger von Krankheiten befallen wie die europäischen Christen. Allein aus dem Grund kam es nicht selten zu Beschuldigungen, die Juden hätten den Christen aus Bosheit Krankheiten wie die Pest etc. auf den Hals gehetzt. Von absichtlichen Brunnenvergiftungen wie selbst Hexereien war die Rede. Der eigentliche Grund aber war, dass es weder das Mittelalter noch die nachfolgende Zeit des 17. oder 18. Jahrhundert mit der Körperhygiene besonders hielt. Man wusch sich kaum und wer nicht stank, der fiel anscheinend auf. Die Franzosen puderten sich unter Ludwig dem Vierzehnten den Dreck glatt weg und Versaille stank wie eine Kloake. 

Im Judentum ist es sei jeher vorgeschrieben, sich zu waschen. Reinheit ist ein Gebot und das rituelle Händewaschen in bestimmten Situationen erst recht. Ißt ein Jude etwas anderes als Brot und das rituelle Händewaschen mit dem NATLAH ist nicht vorgeschrieben, so sollte er sich zumindest auf normalem Wege die Hände waschen, bevor es ans Essen geht. 


Warum aber besteht das Ritual vor dem Brotessen ? 

Um die Hände zu reinigen und gleichzeitig zu segnen, wenn die G – ttes Brot essen. Immerhin war es G – tt, der das Getreide hat wachsen lassen und daher müssen wir allein Ihm und nicht unbedingt dem Bäcker danken. Schon die Cohanim (Tempelpriester) wuschen sich vor ihrem Dienst im Ersten und Zweiten Tempel rituell die Hände. 

G – tt sagt in der Thora, er wolle die Juden als HEILIG sehen und um dies zu erreichen, müssen diverse Kriterien erfüllt werden. Deshalb sollte kein Jude einen Segen vor dem Essen sagen, wenn seine Hände schmutzig sind. Schmutzige Hände und G – ttes Namen im Segen – das gehört einfach nicht zusammen.

Links:


Mittwoch, April 11, 2012

Neue Ausgrabungen nahe der "Stadt des König David"

B"H

Dieser Tage werde ich sämtliche Photos in den Blog stellen, welche ich von der "Stadt des König David - Ir David" gestern in Jerusalem aufnahm. Tolle Landschaftsaufnahmen, welche ebenso das benachbarte arabische Dorf SILWAN zeigen. SILWAN, den nahegelegenen Tempelberg sowie den gegenüberliegenden Ölberg. Zu meiner Überraschung stellte ich gestern fest, dass gegenüber der "Stadt des König David" neue Ausgrabungen betrieben werden. Schilder gab es keine und die Site gleicht eher einer Baustelle. Aus diesem Grund kann ich nicht sagen, was genau aufgegraben wird. Vielleicht weitere Häuser aus der Zeit König Davids. 

Das Dorf Silwan, wo sich die "Stadt Davids" befindet, entstand erst vor ca. 50 Jahren, obwohl die Palästinenser heutzutage etwas anderes behaupten. Vor etwas mehr als 100 Jahren lebten an der Stelle, wo sich heute Silwan befindet, eingewanderte jemenitische Juden in den Höhlen unterhalb des Ölbergs. Die damaligen Juden Jerusalems wollten die Jemeniten nicht unbedingt haben und so machten sich christliche Missionare auf, die jemenitischen Juden zu bekehren. Ohne Erfolg. Irgendwann zogen die Jemeniten fort und liessen sich innerhalb von Jerusalem nieder. Wer heute die Höhlen, bzw. die ältesten Häuser Silwans anschaut, der wird immer noch Spuren der Mezuzas (Mezuzot) an den Türpfosten finden.


Der Tempelberg zur Rechten, im Hintergrund der Ölberg (Har HaZe'itim) und rechts das Dung Gate.



Das Dung Gate von der anderen Seite.



Außerhalb des Dung Gate befindet sich Silwan.




Die Ausgrabungen in Silwan, gleich gegenüber der "Stadt des König David". Nur einen Katzensprung vom Dung Gate und dem Tempelberg entfernt.











Copyright / Photos: Miriam Woelke

Mittwoch, März 21, 2012

Montag, März 12, 2012

Leserfrage: "Blutverzehr bei Juden"

B"H

Jemand aus der Leserschaft googelte "Blutverzehr bei Juden" und hier eine kleine Definition dazu:

Insbesondere vor Pessach (Passover) scheint nicht selten das alte mittelalterliche Ressentiment aufzukommen, dass Juden Blut christlicher Kinder trinken bzw. in ihre Pessach – Mazzot backen. Dieses antisemitische Vorurteil ist nichts weiter als eine Diffamierung, denn Juden ist der Blutgenuss laut Thora völlig untersagt. Deswegen allein werden schon bei der Tierschächtung die Tiere ausbluten lassen. Nicht gekaschertes Fleisch muss vor der der Zubereitung speziell gesalzen werden, damit das restliche Blut aus dem Fleisch heraustropft. Hierzu gibt es ein spezielles Salz zu kaufen. Kurz gesagt, im Judentum gibt es keinen Blutverzehr und schon gar keine Blutwurst, wie bei anderen Religionen.

Links:


Sonntag, März 04, 2012

Chassidische Rabbiner zu Purim

B"H

Rabbi Aryeh Leib von Shpole und Rabbi Noach von Lachowicze betrachteten Purim als eine Gelegenheit großer spiritueller Errungenschaften. Rabbi Issachar Dov Baer von Radoszyce lud an Purim Frauen ein, die offenbar keine Kinder gebären konnten und versprach ihnen, dass die dennoch eigene Kinder haben werden.

Überhaupt wird Purim mit dem Yom Kippur (Versöhnungstag) verglichen, da beide Feiertage miteinander verbunden sind. Beide Male geht es um "Teschuva – die Rückkehr zu G – tt". Am Yom Kippur erfolgt dies jedoch aufgrund der Furcht vor G – tt und an Purim dagegen aus Liebe zu G – tt.

Der Begründer der chassidischen Gruppe Chabad (Lubawitsch), Rabbi Shneur Zalman von Liadi, sagte einst: "Hätten die Juden ihre Religion aufgegeben, wären sie von Haman nicht attackiert worden".
__________________________

Quelle:

"The Encyclopedia of Hasidism" – Tzvi M. Rabinowicz

Mittwoch, Januar 04, 2012

"Die verpasste Gelegenheit" oder "Brauchen wir Jerusalem" ?

B"H

Morgen (Donnerstag) begeht die jüdische Welt den Halbfastentag "ASARAH BE'TEVET - der 10. TEVET"
 

Vor zwei Jahren hörte ich bei der Jerusalemer ORTHODOX UNION einen Vortrag von Rabbi Chaim Eisen gegeben, wo der Rabbiner auf bemerkenswerter Weise in sämtliche talmudische Details ging.

Am 10. des jüdischen Monat Tevet begannen die Babylonier mit der Belagerung Jerusalems. Einige Zeit später nahmen sie die Stadt ein und zerstörten den Ersten Tempel (586 vor der Zeitrechnung).

Wieso wurde der Erste Tempel schließlich zerstört ? Hatte nicht G – tt die Juden schon mehrere Male gerettet und somit vor dem Feind verschont ? Zur Zeit König Chizkiyahu als Sennacheriv Jerusalem belagerte und dessen Armee wie durch ein Wunder des nachts umkam. Oder später die Juden in Babylonien als Haman plante, alle Juden umzubringen und sie durch Esther und Mordechai gerettet wurden.

Sobald schlechte Zeiten für das Jüdische Volk beginnen, ist es jedesmal wieder an der Zeit zur kollektiven Umkehr zu G – tt. So geschah es zu Zeiten Chizkiyahus als alle Juden beteten und somit das negative G – ttesurteil abwendeten. Aber auch die Umkehr der Juden Babylons zur Zeit Esthers bewirkte das gleiche.

In der Gemara (rabbinische Diskussionen) des Talmud Rosh HaShana 18a wird darüber diskutiert, ob wir in der Lage sind, ein von G – tt ausgesprochenes negatives Urteil über uns, abzuwenden. Rabbi Akiva ist der Ansicht, dass eine einzelne Person dies nicht vermag, eine ganze jüd. Gemeinde dagegen schon. Rabbi Yochanan hingegen war der Ansicht, dass ein einzelner sehr wohl in der Lage ist, sein vorbestimmtes Schicksal zum Positiven zu verändern (genauso dachten Rabbi Yitzchak und Rabbi Me'ir).

Viele talmudische Rabbiner sind jedoch der Meinung, dass jeder einzelne anhand von tiefen inneren Gebeten sein Schicksal zu ändern vermag. Ein ernsthaftes Gebet kann aus jemandem einen neuen Menschen machen und aufgrunddessen werden die negativen G – ttesurteile hinfällig.

Die Babylonier begannen am 10. Tevet die Belagerung Jerusalems, aber wieso fasten wir am 10. Tevet ? Der Tempel wurde erst viel später zerstört. Wegen einer Belagerung allein braucht man nicht gleich zu fasten. Und woher wissen wir überhaupt, dass wir am 10. Tevet fasten müssen ?

Das genaue Datum berichtet uns der Prophet Yechezkel (24:1 – 2). Diesem trug G – tt höchstpersönlich dieses Datum auf.

Die Belagerung allein ist kein Grund zu fasten, doch worum genau trauern wir am 10. Tevet ?
Allgemein werden ganz andere Gründe für den 10. Tevet genannt. Der große Prophet Ezra, der mehrere Tausend Juden aus dem 70 – jährigen Babylonischen Exil zurück nach Israel führte, verstarb am 9. Tevet. 

Aber nicht nur, dass Ezra für die Rückkehr der Juden sorgte; die Gemara im Talmud Traktat Sanhedrin 21b nennt ihn würdig, den damaligen Juden die Thora wieder zurückgegeben zu haben.
Die Gemara läßt uns weiterhin wissen, dass die Thora zu einer gewissen Zeit im Babylonischen Exil vergessen worden war. Genau gesagt, viele Mitzwot (Gesetze) gerieten in Vergessenheit. Dies geschah unter anderem auch, da die Sprache und Schrift der Thora verändert wurde, aber dieses Thema bietet genügend Stoff für einen eigenen Artikel.

Der Tod Ezras war eine nationale Tragödie für das jüdische Volk. Als der babylonische Herrscher den Juden die Rückkehr nach Israel und den Bau eines neuen Tempels erlaubte, war Ezra der Meinung, dass nun alle Juden freudig aufschreien und sofort loslaufen. Tragischerweise war genau das Gegenteil der Fall. Die Juden hatten es sich im Babylonischen Exil zu bequem gemacht; sie errichteten florierende Unternehmen, es ging ihnen gut und sie waren wohlhabend. Wozu also in ein zerstörtes Israel zurückkehren, in dem sie ggf. dem Hunger und der Armut ausgesetzt waren ?

Ezra schrieb an alle Gemeinden und erhielt größtenteils Absagen. Die Juden hatten die Diaspora akzeptiert. Genauso geschah es mit den damaligen deutschen Gemeinden Speyer, Worms und Mainz. Diese Gemeinden waren die ersten in Deutschland und existierten schon zu Zeiten Ezras. Und genau jene deutschen Gemeinden schrieben ihm, dass auch sie lieber in ihren deutschen Städten verweilen wollen. Laut vieler Meinungen bestrafte G – tt diese drei deutschen Gemeinden für diese Absage. Zur Zeit des ersten Kreuzzuges im Jahre 1096 ermordeten die Kreuzritter mehr als 100.000 Juden bei ihrem Durchmarsch durch die Gegend dieser Städte.

Aus dem damaligen babylonischen Exil kehrten nur 42.360 Juden zurück nach Israel. Millionen weiter blieben in Babylon. Aufgrund dieser Tatsache unterschied sich der Zweite Tempel in wesentlicher Form vom Ersten.

Im Ersten Tempel war G – ttes Gegenwart, die Schechinah, immer und zu jeder Zeit gegenwärtig. Im Allerheiligsten befand die die Bundeslade, der Hohepriester besaß das Urim ve'Turim, ein Pergament mit den Namen G – ttes, es gab Propheten, etc. All das ging zur Zeit des Zweiten Tempels verloren.
Ursprünglich hatte G – tt eine komplette Wiedereinrichtung vorgesehen, aber dadurch, dass die Mehrheit der Juden das Leben in der Diaspora vorzog, änderte G – tt seine Meinung. Hätten die Juden Ezra nicht abgesagt und zu ihrer nationalen Einheit zurückgefunden, wäre die Geschichte mit Sicherheit anders verlaufen.

Am 10. Tevet betrauern wir nicht den Beginn der Belagerung Jerusalems, sondern die Zeit der verpaßten Gelegenheiten. Hätten die Juden anders gehandelt, dann sehe es heute anders aus. Die Frage bleibt, ob es heutzutage unter den Juden soviel besser ausschaut. Wer von jenen, die in der Diaspora leben, denkt überhaupt an Israel, an Jerusalem oder an einen Dritten Tempel ? Außer am Schabbatgebet wird doch gar nicht mehr an Jerusalem und dessen Wichtigkeit im Judentum gedacht. Auch heute geht es den Juden in der Diaspora viel zu gut und wer will schon in das unbequeme krisengeschüttelte Israel zurückkehren ? Auf Besuch kommen alle gerne und danach sind sie schnell wieder weg.

Es ist dieses Verhalten, was wir am 10. Tevet betrauern und darum fasten wir. Wer es sich in der Diaspora zu bequem macht und sich zu wohl fühlt, der handelt gegen G – ttes Willen.

Sonntag, Oktober 02, 2011

Das einstige "Jerusalem" von Litauen: VILNA


B"H 

Das israelische Holocaust - Museum YAD VASHEM dokumentiert die untergegangene jüdische Welt von Litauen. Litauen, in dem einstmals Tausende Juden lebten und dessen Stadt Vilna eine wichtige Bedeutung in der jüdischen Geschichte Osteuropas einnimmt. 

Samstag, September 10, 2011

"Silent Exodus - Der Stille Exodus"

B"H

Silent Exodus was selected at the International Human Rights Film Festival of Paris (2004) and presented at the UN Geneva Human Rights Annual Convention (2004) 

In 1948 nearly one million Jews lived in Arab lands. But In barely twenty years, they have become forgotten fugitives, expelled from their native lands, forgotten by history and where the victims themselves have hidden their fate under a cloak of silence.  

A people whom legend have always associated with "wandering" many of these Jews from Arab lands had lived there for thousands of years and accepted their fate, through good times and bad times.  

But 1948, the beginning of their exodus, also saw the birth of the State of Israel.  

And, while the Arab armies were preparing to invade the young refugee-country, the survivors of the Shoah were piling up in rickety boats. Meanwhile a few hundred thousand Arabs from Palestine were getting ready to flee their homes, convinced that they would return as winners and conquerors.  

Soon - by a terrible twist of fate they, as well, began to fill up refugee camps and passed on their refugee status to new generations.
 
  

 Mit Dank an FRUMLIFE.

The Jews, however, did not receive refugee status. They had just rediscovered the land of their birthright. And if they came from Morocco, Algeria, Tunisia, Libya, Egypt, Syria, Iraq or from Yemen, if they had lost everything, even their relatives and their cemeteries, they were ready to rebuild their lives in the West and for many - in Israel - and try to forget their past. Without ever asking for compensation or the right of return, or even wishing that their story be told...
 
THE ARABS WITHOUT THE JEWS: ROOTS OF A TRAGEDY 
by MAGDI ALLAM
 
(translated from Italian by Lyn and Lawrence Julius) 
Israel is the keeper of a mutilated Arab identity, the repository for the guilty consciences of the Arab peoples, the living witness to a true history of the Arab countries, continuously denied, falsified and ignored.

Samstag, August 20, 2011

Dienstag, August 09, 2011

Entdeckung: Das unterirdische Jerusalem aus der Zweiten Tempelperiode

B”H

Wie jüdische Soldaten bei der Zweiten Tempelzerstörung (70 nach Beginn der Zeitrechnung) gegen die Römer kämpften und teilweise entkamen. Archäologen entdeckten jetzt weitere unterirdische Gänge unterhalb Jerusalems Altstadt.


Alle Photos HIER !

Zum heutigen Tisha be'Av: Der Zweite Tempel in Miniatur

B"H

Vor genau einem Jahr war ich im Jerusalemer ISRAEL MUSEUM und machte dort einige Photos der Miniaturausstellung des "Jerusalem der Zweiten Tempelperiode".
















Photos: Miriam Woelke

Montag, August 01, 2011

Der Jüdische Friedhof in Khartum / Sudan

B"H

Ehrlich gesagt: Ich habe gar nicht gewusst, dass es einmal sudanesische Juden gegeben hat. Ganz unvorstellbar ist dies jedoch auch wieder nicht, denn schliesslich sind beim Auszug aus Ägypten (Exodus) nicht alle Juden geflohen, sondern es gab auch solche, die gar nicht weg wollten und sich vollkommen in die antike ägyptische Gesellschaft integriert hatten.



History of the Sudanese Jews

Montag, Juli 25, 2011

Sonntag, April 03, 2011

Mittwoch, März 16, 2011

Jerusalem - Yerushalaim


Jerusalem

Photo: Miriam Woelke


B”H

Im Jahre 70 nach Beginn der Zeitrechnung zerstörten die Römer nicht nur den Zweiten jüdischen Tempel, sondern fast die gesamte Stadt Jerusalem. Die 10. römische Legion vollzog die komplette Zerstörung und der damalige Kaiser Hadrian gründete eine “neue” Stadt, in welcher er seine Götzenstatuen aufstellte und das eigentliche Jerusalem “Aelia Capitolina” nannte. AELIA aufgrund seines eigenen Namen PUBLIUS AELIUS HADRIANUS und “Capitolina” zu Ehren des Jupiter, dessen Tempel auf dem Tempelberg errichtet wurde. Angeblich soll der Götzentempel der Anlass für den Bar Kochba Krieg (132 – 135 nach Beginn der Zeitrechnung) gewesen sein.

Bar Kochba eroberte die Stadt und hielt sie ca. drei Jahre. Innerhalb dieser Zeit wurde die 10. Legion abgezogen und liess sich in Cäsarea nieder. Nachdem die Römer die Revolte doch noch niederschlugen, war es den Juden für die kommenden 500 Jahre nicht erlaubt, in Jerusalem zu leben.

Erst als die Moslems im Jahre (ca.) 640 (nach Beginn der Zeitrechnung) die Stadt einnahmen, durften die Juden in die Stadt zurückkehren. Allerdings brachten die Kreuzritter auf ihrem ersten Kreuzzug sämtliche Juden der Stadt um. Nachdem Salach ad – Din die Kreuzritter besiegte und Jerusalem einnahm, konnten auch die Juden sich wieder dort niederlassen.

Im Jahre 1229 nahmen die Kreuzritter Jerusalem erneut ein. Im Jahre 1244 töteten die Tartaren die jüdische Bevölkerung in Jerusalem und im Jahre 1260 zerstörten die Mongolen die Stadt.

Als der Ramban (Nachmanides, Rabbi Moshe ben Nachman Girondi, 1194 – 1270) im Jahre 1267Jerusalem erreichte, lebten dort 2000 Menschen; unter ihnen nur zwei jüdische Brüder.

Montag, Februar 14, 2011

Megillat Ta’anit

B”H

Die “Megillat Ta’anit” wurde ursprünglich vom talmudischen Rabbi Chananyah ben Chizkiyah ben Garon verfasst. Der Zeitraum lag ca. bei 100 Jahren vor der Zerstörung des Zweiten Tempels.

Die Megillah umfasste zahlreiche Daten mit Feiertagen aus der Zweiten Tempelperiode. Diese Feiertage wurden aufgrund von Ereignissen eingeführt, welche auf geradezu wundermässige Weise in Zeiten der Not stattfanden. An einigen dieser Feiertage, die wir heutzutage gar nicht mehr kennen, war das Fasten verboten. Auch fanden jene wundersamen Ereignisse Erwähnung, welche sich in der Zeit nach der Zerstörung des Zweiten Tempels durch die Römer ereigneten.

Die einzigen Feiertage aus der Megillah, die wir bis heute Feiern sind Chanukkah und das anstehende Purim. Ansonsten verschwanden all die weiteren Feiertage nach der zweiten Tempelzerstörung, denn den Juden war kaum mehr zum Feiern zumute.

Mittwoch, Dezember 29, 2010

“Das Buch der Heilungen”

B”H

Der Grund, warum ich gerade jetzt über das “Buch der Heilungen” schreibe ist nicht etwa das spezielle Seminar, an welchem ich dieser Tage teilnehmen werde, sondern das Thema kam, mehr oder weniger, zufällig auf.

Als erstes jedoch eine kleine Erklärung:

Der Talmud Traktat Berachot 10b lehrt, dass König Chizkiyahu das "Buch der Heilungen – Sefer HaRefuot” nahm und versteckte. Das Buch enthielt Heilungsmethoden für alle nur erdenklichen Krankheiten und die Heilungsquote lag bei fast 100%. Der Autor des Buches ist unbekannt, allerdings wird angenommen, dass es von König Salomon verfasst worden ist. Der Talmud lehrt, dass König Chizkiyahu sich dafür entschied, dieses Buch auf langfristige Zeit zu verstecken und von der Menschheit fern zu halten. Warum ? Wäre es nicht grossartig, wenn alle Menschen aus dem Buch ein Rezept erhalten, wie sie ihren Krankheiten erfolgreich bekämpfen können ?

Wie immer gibt es auch zu diesem Thema vielerlei Diskussionen und Angaben von Gründen, warum genau Chizkiyahu das Buch versteckte. Zum Beispiel, sagt Raschi, dass die Menschen sich so sehr an das Buch gewöhnten und sich nur darauf verliessen, sodas sie völlig vergassen, G – tt un eine Heilung zu bitten. Wer krank ist, der soll beten und G – tt um Genesung bitten, doch zur damaligen Zeit des König Chizkiyahu vor weit mehr als 2000 Jahren sahen die Leute einzig und allein das Buch. Alles andere zählte nicht mehr.

Der Rambam (Maimonides) kommentierte dagegen, dass das “Buch der Heilungen” schon von kanaanitischen Astrologen benutzt wurde, die Praktiken nachgingen, die dem heutigen Voodoo ähneln. Unter anderem wurden bestimmte Gegenstände (ein Talismann) zu bestimmten Zeiten an bestimmte Orte gelegt.
Der Talmud listet mehrere Male diverse Krankheiten und deren Heilungspraktiken auf. Es gibt sogar eine Gemüseauflistung, die uns wissen last, welche Gemüsearten besonders gut für uns sind und was schwer verdaulich ist.



 Photo: Miriam Woelke


Seinerzeit war der Rambam (Maimonides, 1135 – 1204) nicht nu rein bekannter Rabbiner, sondern ebenso Astronom, Physiker und Arzt. Allein zum Thema der Medizin verfasst er mehrere Bücher. Unter anderem über die Chirurgie, Drogen, Hygiene, Fieber, das Blutlassen oder zahlreiche Heilungstherapien. 

Man stelle sich die Auswirkungen vor, würde das “Buch der Heilungen” in unserer Zeit gefunden werden. Es bedarf keiner James Bond Phantasie, dass sämtliche Menschen versuchen würden, das Buch in ihre Hände zu bekommen. Im guten genauso wie im negative Sinne.
__________________________________________

Zum Kommentar von s5, da meine Kommentarfunktion momentan etwas eingeschränkt ist:

Die Geschichte mit dem Buch ist nicht einfach so romantisch, sondern wird in der Gemara des Talmud Berachot 10b gelehrt. Zwar hatten andere Völker genauso medizinische Kenntnisse, das ist unbestritten; dennoch verfügte das "Buch der Heilung"über eine 100%ige Heilung. Das war der Unterschied. 

Allein der Talmud lehrt schon, dass König Salomon die Sprache der Tiere sowohl als auch die Sprache der Bäume verstand. Dazu erklärt der Talmud, was es bedeutet: Die "Sprache der Bäume". Nämlich, dass König Salomon über sämtliche Krankheitsheilungen Bescheid wusste. Heisst, er kannte alle verfügbaren Heilkräuter. 
 ________________________________


Zumindest schien es anhand des Buches mehr Chancen auf Heilung gegeben zu haben. Sterben jedoch muss jeder einmal !



Die Halacha schreibt generell vor, dass ein jeder auf seine Gesundheit und sein Wohlergehen achten soll und wer krank wird, der soll zum Arzt gehen und sich behandeln lassen. Bei diversen Sekten ist das nicht immer der Fall, von Breslov habe ich das zwar noch nicht gehört, schliesse es aber nicht aus. Die Regel ist das sicher nicht, aber was weiss ich, wer heute plötzlich alles Breslov wird und sich seine eigenen Regeln zurecht schiebt. 
_________________________________

Ich kann mich einmal erkundigen, denn ich sitzte momentan an der Breslov / Chabad Quelle. Derzeit weiss ich nur, dass Breslov mir eine dermassen Firewall ins Wireless setzte, dass ich nicht in meine Hamantaschen - Site komme. Der Preis des Anstandes.:-)))