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Sonntag, Oktober 21, 2012

Warum wurde DER KUZARI in arabischer Sprache verfasst ?

B"H

Ich kann an dieser Stelle nur für Israel sprechen und nicht für europäisch – jüdische Lehrangebote. Zumindest an israelischen Yeshivot (jüd. Lerninstitute) genau so wie in unzähligen orthodoxen landesweiten Kursen nimmt das Buch DER KUZARI von Rabbi Yehudah HaLevi ein weites Spektrum ein.

Der große spanische Rabbiner und Philosoph Yehudah HaLevi, welcher ca. 1075 geboren und gegen 1141 nahe Jerusalem ermordet wurde, verfasste sein Buch in arabischer Sprache. Einige Jahre später wurde der Inhalt von Yehudah ibn Tivon ins Hebräische übersetzt. Eine Übersetzung, welche Wort für Wort erfolgte und nicht mit eigenen Interpretationen gespickt ist, wie dies bei anderen Übersetzungen der Fall ist. 



Meine, von Ibn Tivon, übersetzte KUZARI Ausgabe

Photo: Miriam Woelke
 

Warum jedoch schrieb Rabbi Yehudah HaLevi sein Buch gerade in arabischer Sprache ? Womit er übrigens nicht allein stand, denn der spanische Rabbiner Maimonides, Rabbi Moshe ben Maimon (auch bekannt unter der Abkürzung RAMBAM), 1135 – 1204, verfasste seine Schriften in arabischer Sprache. Beide Rabbiner jedoch zitierten die Gemara (rabbinische Diskussionen des Talmud) in der Originalsprache Hebräisch. 

Das Spanien des frühen Mittelalters war muslimisch und somit war auch die Landessprache arabisch. DER KUZARI besteht vorweglich aus den Fragen des Königs der Khazaren an einen Moslem, einen Juden, einem Christen und einen Philosophen. Wer von ihnen ist in der Lage, seine Religion / Weltanschauung am glaubhaftesten darzulegen. Am Ende gewinnt der Jude und das Volk der Khazaren konvertiert zum Judentum. Eine offenbar reale historische Begebenheit, doch die im KUZARI beschriebene Diskussion wurde wahrscheinlich von Rabbi Yehudah HaLevi frei erfunden. 

Insbesondere diente der Buchinhalt dem Zweck, dem spanischen Judentum Fragen in Bezug auf das eigene Judentum zu erläutern. Gerade zu der Zeit befassten sich viele spanische Juden mit der griechischen sowie arabischen Philosophie und Rabbi Yehudahs Absicht lag darin, spanischen Juden klarzumachen, dass die so logisch klingenden philosophischen Darstellungen nicht unbedingt mit dem Judentum vereinbar sind. Einige Zeit später stellte auch der Rambam die Philosophie des Aristoteles denen des Judentum gegenüber, wobei Rambam aus seiner teilweise Verehrung des Aristoteles nicht immer einen Hehl machte, diesem jedoch oftmals immense widersprach. DER KUZARI richtete sich also an die spanischen Juden des 12. Jahrhunderts und deswegen wurde das Buch in der damaligen Landessprache geschrieben.

Mittwoch, Juni 27, 2012

Die Schwierigkeit, ein religiöses Buch zu schreiben

B"H 

Seit Jahren sitze ich intensiv über einem bestimmten Thema der Thora. Fast jede Talmudpassage, fast jede Midrasch, Aggadah oder fast jeden Kommentar sowie die Kabbalah habe ich zum Thema umgekrempelt. Und obwohl viele von mir ein Buch über die israelischen Haredim (ultra – orthodoxe Juden) erwarten, so beschränke ich mich vorerst auf eine Stelle in der Thora, die, meiner Meinung nach, viel zu wenig Beachtung erlangte, aber die mich schon immer interessierte. 

All das gesammelte Material zusammenzufassen ist nicht einfach. Noch dazu, wo immer weitere Fragen auftauchen. In meinem Buch geht es im Wesentlichen um Teile aus dem 1. Buch Moses (Bereschit – Genesis). Insbesondere um die Thoralesungen BERESCHIT (Genesis) und Noach. Weil es in einem Kapitel eigentlich nur kurz um "Dämonen (Schedim)" im Judentum geht, stecke ich einmal wieder so richtig fest und muss Rabbiner befragen. Die vielfältige talmudische und anderweitige relig. Literatur gibt keine eindeutige Auskunft, wobei ich das auch gar nicht erwarte. Jeder Rabbiner bzw. Kommentator hat so seine eigenen Auslegungen zum Thema und ferner scheint es darauf anzukommen, in welchem Zusammenhang die Dämonen in Erscheinung treten. Manchmal scheint es sie zu geben, in einem anderen Bezug dagegen finden sie lediglich als Symbol für etwas anderes Erwähnung. 

Weiterhin bin ich auch noch gezwungen, dass Thema ENGEL anzusprechen und wer hätte gedacht, wie viele rabbinische Auslegungen es hierzu gibt. In der Kabbalah, im Talmud, im Chassidismus und vom KUZARI (Buch des Rabbiners Yehudah HaLevi) oder dem RAMBAM (Guide for the Perplexed - Moreh Nevuchim) ganz zu schweigen. Das beginnt schon allein damit, dass der Rambam (Maimonides) im Moreh Nevuchim unzählige philosophische Statements des Aristoteles diskutiert und diese mit dem Judentum vergleicht. Zur Zeit des Rambam und sogar noch vorher (im 11. – 13. Jahrhundert) nahmen sich viele bekannte Rabbiner des Themas an, da immer mehr Juden die Lehren der griechischen und arabischen Philosophen für logisch und glaubwürdig hielten. Dies geschah in solch einem Ausmaß, dass zahlreiche Rabbiner Schriften verfassten, welche den Juden die wesentlichen Grundzüge des Judentums erklären sollten. Alles im direkten Vergleich mit philosophischen Ideologien und das selbst ein Aristoteles nicht auf dem Pfad des Judentums liegt. 

Und so stecke ich einmal wieder fest und versuche, Antworten zu finden. Auch um weiterzukommen und das Thema zu einem Ende zu bringen. Eindeutige Antworten aber werde auch ich nicht liefern können, denn die gibt es nicht.

Dienstag, April 17, 2012

Der KUZARI und die griechische Philosophie


Buch KUZARI - Sefer HA'KUZARI von Rabbi Yehudah HaLevi

Photo: Miriam Woelke
B"H

Der bis heute berühmte jüdische Poet und Philosoph, Rabbi Yehudah HaLevi, lebte einst im Spanien der intellektuellen Blütezeit. Zu einer Zeit als das Land von den Moslems beherrscht wurde, die zur damaligen Zeit des frühen Mittelalters intellektuelle Studien förderten. Im Gegensatz zu den christlichen Kirchenfürsten im nördlichen Teil Europas, wo Wissen unterdrückt wurde und das Landvolk ungebildet bleiben sollte.

Es war Rabbi Yehudah HaLevi, welcher im 12. Jahrhundert das bekannte Buch DER KUZARI verfasste. Grundsätzlich geht es in dem Werk um den König der Khazaren (ein real existierendes Volk), der sich für eine Religion für sein Volk entscheiden will und so einen Christen, einen Moslem, einen Juden und ein einem Philosophen vorlud, um zu erforschen, wer von den Vieren die besseren Argumente vorbringt. Am Ende gewann der Jude und die Khazaren konvertierten zum Judentum. Historiker betrachten den Vorfall größtenteils als Legende, welche Rabbi Yehudah in seinem Buch zu neuen Dimensionen verhalf. Fest steht jedoch, dass die Khazaren tatsächlich zum Judentum konvertierten; allerdings aus etwas anderen Beweggründen. 

Rabbi Yehudah HaLevi sah sein Werk als dringend erforderlich an, denn zu der Zeit kursierten die Werke der einstigen griechischen Philosophen Plato, Sokrates und Aristoteles durch die akademische Welt Spaniens. Des Rabbis Absicht bestand darin, den Juden Spaniens jüdische Glaubensgrundsätze klarzumachen, damit sie nicht auf die griechischen Philosophielehren hereinfielen. 

Die griechische Philosophie unterscheidet sich in einigen wesentlichen Punkten vom Judentum. Unter anderem in der Welterschaffung, denn die Griechen sahen das Universum als vorher schon existent an. Laut dem Judentum jedoch erschuf G – tt ALLES aus dem Nichts heraus. Ferner stand für die Griechen der Intellekt im Vordergrund und nur mit ihm war es möglich, eine Verbindung zum Schöpfer aufzubauen. Eine Ideologie, die der Rambam (Maimonides) kurze Zeit später in seinem "Führer der Unschlüssigen – Moreh Nevuchim" diskutierte. Wie Rabbi Yehudah HaLevi, so besteht auch der "Moreh Nevuchim" des Rambam größtenteils aus philosophischen Diskussionen. Ganz besonders im Hinblick auf die Philosophie des Aristoteles. 

DER KUZARI ist die jüdische Antwort auf die griechischen Philosophielehren sowie auf die Ideen der Karaiten (jene, welche nur an die geschriebene Thora glauben und nicht an die mündlichen Lehren). Die Karaiten waren besonders im frühen Mittelalter sehr weit verbreitet. Zum Beispiel glaubten sie, dass, wenn am Schabbat kein Feuer / Licht gezündet werden darf, man halt im Dunkeln sitzt. Kein Licht zünden aber bedeutet, dass man dies vor dem Schabbat tun kann und es bis Schabbatende durchbrennen läßt. Ferner haben die Karaiten Probleme mit verschiedenen jüdischen Glaubensgrundsätzen wie der Kommenden Welt des Meschiach oder dem Leben nach dem Tod. Die Karaiten folgten einer falschen Lehre, doch fand ihre Ideologie im frühen Mittelalter sehr viel Zulauf. Später kamen die griechischen Philosophielehren der intellektuellen Welt hinzu und die Rabbiner sahen Handlungsbedürfnis. 

DER KUZARI ist ein einzigartiges Werk und wer sich etwas in der griechischen Philosophie auskennt, weiss die Kritik des Judentums zu schätzen. Dass es eben nicht ausreicht, nur intellektuell dazusitzen, sondern im Judentum ist gleichzeitig vom Tun die Rede. Ein Jude muss Thoramitzwot erfüllen um eine Verbindung zu G – tt aufzubauen. 

Man liest den KUZARI eben nicht mal so, sondern lernt das Buch von vorn bis hinten. Manchmal jahrelang. Ich tue das, wenn ich Zeit habe, was leider oft viel zu selten vorkommt. Wer den KUZARI verstehen will, der kommt allerdings nicht um die griechische Philosophie drumherum.

Mittwoch, Oktober 05, 2011

Warum werden gute Menschen immer wieder vom Schicksal heimgesucht ?

B"H

Ein paar Gedanken zum anstehenden Yom Kippur


Warum werden gute Menschen immer wieder vom Schicksal heimgesucht ?

Ein jeder von uns kann getrost zugeben, sich diese Frage schon mehrere Male gestellt zu haben. Da haben offensichtlich die schlimmsten Menschen ein immer anhaltendes Glück und können unbekümmert mit ihren Umtrieben fortfahren. Andere hingegen, die als aufrichtige gute Menschen einzustufen sind, werden von Schicksalsschlägen eingeholt. Seien es nun Todesfälle in der Familie, Krankheiten, Pleiten, etc.

Das orthodoxe Judentum ist sich dieser Frage bewußt und hat seine eigene philosophische Antwort darauf. In der Tat fällt es uns schwer zu verstehen, warum ein allmächtiger G - tt soetwas tut. Häufig machen wir den Fehler emotional zu reagieren und suchen Antworten aus unseren Emotionen heraus. Dabei vergessen wir nicht selten jegliche Art von Logik und sind demzufolge nur eingeschränkt fähig, logische Schlußfolgerungen zu ziehen. Wie aber sollen wir diese auch ziehen, hat G - tt doch Seine eigenen Gründe und wir können nur Vermutungen anstellen.

Schicksalsschläge rufen bei nicht wenigen katastrophale Antworten hervor. Da schrieb vor mehreren Jahren der jüdisch konservative Rabbi Harold Kushner ein Buch, in dem er zu der Schlußfolgerung kam, dass G - tt nur über eine eingeschränkte Macht verfügt. Ein katastrophaler Fehler Kushners selbst wenn er den schrecklichen qualvollen Tod seines Sohnes zu beklagen hat, der an einer seltenen Erkrankung verstarb. Harold Kushners Sohn starb als uralter Mann, der erst im Teenageralter war, denn er erkrankte an jener Krankheit, welche junge Leute vorzeitig altern läßt.

Der Standpunkt im orthodoxen Judentum ist, dass G - tt allmächtig ist und Er Seine Gründe für alles hat, was in unserer Welt geschieht. Er sieht das Gesamtbild und wir nicht. Das einzige, was wir sehen, ist der Teil eines Ganzen und ziehen somit ziehen wir falsche Schlüsse. Hätten wir dagegen den gesamten Überblick, so wäre eine nur emotionale Schlussfolgerung ausgeschlossen.

Die Yeshiva (relig. Schule) Aish HaTorah hat eine Liste aufgestellt, warum gute Menschen unter Schicksalsschlägen zu leiden haben. Vielleicht geben diese Punkte dem ein oder anderen einen besseren Einblick in die Materie.


Wenn G - tt gut ist, dann würde Er gewiß verhindern, dass guten Menschen Negatives wiederfährt. Aus diesem Grund wundern wir uns darüber, warum guten Menschen Schlechtes wiederfährt und ob G - tt wirklich allmächtig ist oder ob Er überhaupt existiert.

Mögliche Erklärungen

- Es ist uns allen klar, dass intelligentere Wesen wie wir es sind oftmals Dinge tun, die wir mit unserem eigenen Intellekt nicht begreifen können. G - tt verfügt über einen Intellekt, den wir mit unserem begrenzten Denkvermögen nicht in der Lage sind zu begreifen.

- Das Leid muss nicht immer durch Böses verursacht worden sein, sondern eher aufgrund eines diversen Umstandes, auf den eine Person irrational reagiert.

- Bei dem Umstand muß es sich nicht automatisch um eine Bestrafung handeln, sondern eher um eine Gelegenheit, die einem die Möglichkeit bietet, zu wachsen. Ein Test so zusagen.

- Die Probleme könnten nur dazu bestimmt sein, uns zu einem positiven Umstand weiterzuleiten. Zuerst sehen wir nur die negativen Umstände ohne an die Zukunft zu denken, die aufgrund dieser Erlebnisse nur Gutes für uns bereit hält.

- In vielen Fällen glauben wir, dass G - tt uns die Probleme zukommen lassen hat, und wir übersehen nur allzu leicht, dass es eigentlich die Menschen waren, die etwas auslösten.

- Es könnte durchaus sein, dass wir nicht den Wert einer guten Tat oder die Ernsthaftigkeit von Gewalt zu schätzen wissen. In vielen Fällen übersehen wir G - ttes Güte oder Seine Art von Bestrafung und müssen die Konsequenzen tragen.

- Da wir eine faire Belohnung nur durch unsere individuellen Bemühungen erreichen, könnte G - tt uns diverse Hindernisse in den Weg legen und dadurch unsere Bemühungen maximieren denen folglich eine höhere Belohnung folgt.

Viele Ziele können wir nur aufgrund von Anstrengungen erreichen und sobald wir erst einmal beginnen, wird G - tt uns helfen. Ein jüdischer Aspekt ist hierbei, dass sollten unsere Bemühungen nicht zum Ziel führen, wir dennoch von G - tt belohnt werden. Eine begonnene Mitzwa (Thoragebot), die nicht bis zum Ende ausgeführt wurde, wird trotzdem anerkannt.

Beispiel: Wir wollen jemandem Geld spenden, haben aber selbst kaum Geld. G - tt sieht unseren ehrlichen Gedanken als eine tatsächlich durchgeführte Spende, selbst wenn wir aktiv nicht in der Lage ware sie auszuführen.

- Manchmal wirken sich Probleme für eine Person positiv aus, denn so erhält die Person Gelegenheit, seine Pläne bzw. Verhalten zu überdenken. Eine Art Aha - Erlebnis.

- Reinkarnation (Gilgul)


Wir können diese Punkte annehmen oder auch nicht. Eines aber ist sicher, eine perfekte Lösung haben wir Menschen in dieser Welt nicht.

Dienstag, September 06, 2011

Sieben Tage ohne Traum

B”H 

Nicht nur im Talmud, sondern schon in der Thora (5 Bücher Moses) nehmen TRÄUME ein ungewöhnlich breites Spektrum ein. Denken wir dabei nur an den Traum von Yaakov, die Traumdeutungen des Yosef und den Traum des Pharao. 

All diese Thoraabschnitte lesen wir vorwiegend im Dezember und im kabbalistischen Sinne ist der Monat KISLEV (Dezember / Januar) der Monat des Schlafes und der Träume. Traumdeutungen liefert teilweise auch der Talmud im Traktat Berachot. 

Ebenso im Talmud Traktat Berachot 14 sagt Rabbi Yonah im Namen von Rabbi Ze’ira, dass jeder, der sieben Tage (Nächte) lang keinen Traum zu verzeichnen hat, ein böser Mensch ist. 

Wie ist diese Aussage gemeint und warum bin ich ein schlechter Mensch, wenn ich sieben Tage lang einmal gar nichts träume ? Immerhin hat ja kein Mensch einen Einfluss darauf, ob er nun träumt oder nicht. Eine Antwort bietet uns der berühmte Vilna Gaon, Rabbi Eliyahu ben Zalman Kremer (1720 – 1797): 

Der Vilna Gaon vergleicht denjenigen, der sieben Tage lang ohne Traum bleibt mit jemandem, der sieben Tage lang durch diese Welt geht, ohne sich darüber bewusst zu sein, dass unsere Welt nichts weiter ist als eine zeitbefristete Existenz. Wir alle sind nur auf bestimmte Zeit hier und deswegen sollte unser Bestreben darauf gerichtet sein, einen guten Platz in der Kommenden Welt zu erreichen. Der Welt nach dem Tode, wobei es sich um eine Seelenwelt handelt. Viel mehr weiss selbstverständlich niemand, obwohl uns der Talmud diverse Spekulationen liefert.   

Wer sechs Tage lang durch den Alltag rennt, ohne zu bemerken, dass wir alle vergänglich sind, der ist entschuldigt denn, so der Vilna Gaon weiter, muss derjenige arbeiten und seinen Lebensunterhalt verdienen. Am siebten Tage aber, dem Schabbat, sollte der Betreffende sein Bestreben darauf richten, wenigstens an diesem Tag spirituell zu wachsen. Bedeutet, darüber nachzudenken, worin seine Aufgaben hier auf Erden besteht. Wer all das nicht tut und einfach nur so gedankenlos vor sich hinlebt, der kann als schlechter Mensch bezeichnet werden. 

Unsere Tage auf Erden sind nicht unendlich und irgendwann ist Schluss. Unsere Existenz ist wie ein zeitweiliger Traum, ohne jegliche Dauer. Aus diesem Grund stellt der Vilna Gaon die beiden Vergleiche auf. 


Links: 





Freitag, Mai 20, 2011

Jenseits unseres menschlichen Fassungsvermögens


B”H

Viele Male schon beschrieb ich in verschiedenen Artikeln, dass G – tt für Juden ein unerfassbares, unbegreifliches Wesen ist. Ein Wesen, welches wir mit unserem begrenzten menschlichen Denk – bzw. Fassungsvermögen nicht begreifen und niemals begreifen werden. Offenbar sieht G – tt es als irrelevant an und stattete uns mit einem Denkvermögen aus, welches so einiges mit einschliesst, jedoch nicht, Ihn zu begreifen.

G – tt erschuf die Welt, uns Menschen sowie überhaupt jede Form von Existenz und des Seins. Absolut nichts geschieht auf dieser Welt, ohne dass er es will. Sowohl alles Positive wie auch alles Negative. Nicht wenige Menschen aber fragen sich: Was war vor der Welterschaffung ? 

G – tt als ewiges Wesen gab es immer und wird es immer geben; bis in alle Unendlichkeiten. Wobei allein der Begriff “unendlich” für uns nicht erfassbar ist. Was ist unendlich ? "Halt immer" - aber eine genauere Definition besitzen wir nicht.

Wie war die Zeit vor der Welterschaffung ? Wo ist G – tt ? Befindet Er sich in unserem Universum oder schaut er von außerhalb auf uns hernieder ? Und wenn ja, wo befindet sich dieses “außerhalb” ? Gibt es einen Raum jenseits unseres Daseins ? Jenseits unseres Universums ? Ist das Universum irgendwo zuende und man stösst an eine Art Mauer, hinter welcher etwas ganz anderes liegt ?

Der berühmte Talmudkommentator Me’iri kommentiert, wie denn Juden all die Fragen bezüglich der Welterschaffung stellen, wenn doch eindeutig unser menschlicher Verstand begrenzt ist. Wie kann jemand davon ausgehen etwas zu entdecken oder zu verstehen, wenn das Fassungsvermögen nicht ausreicht ?

Der Maharal von Prag kommentiert, dass es ziemlich sinnlos sei, darüber zu forschen, warum G – tt den Menschen mit zwei und nicht drei oder vier Beinen erschuf. Eine Antwort darauf werden wir eh nicht erhalten, denn dazu müssten wir schon G – tt selbst interviewen. Was wir dagegen tun können ist, so der Maharal weiter, die Vorteile unseres zweibeinigen Daseins anzuerkennen.

Montag, Juli 12, 2010

Einst lernten Rabbiner Philosophie und Naturwissenschaften


Aus der heutigen "Yediot Acharonot"

Photo: Miriam Woelke


B"H

Teile der haredischen (ultra - orthodoxen) Gesellschaft stellen das bisherige haredische Schulprinzip genauso in Frage wie das staatliche israelische Bildungsministerium. Der neue Curriculum für jene haredischen Schulen, welche finanzielle Unterstützung vom Staat erhalten, sieht ab sofort einen festen Englisch - Mathe - sowie Naturwissenschaftsunterricht vor und nicht "nur" Thora und Talmud für die Jungen.

Auch auf dem haredischen Radiosender "Kol BaRamah" wurde gestern abend diskutiert: Viele Haredim (Ultra - Orthodoxe), inclusive dem Knessetabgeordneten Eliezer Moses der chassidischen Gruppe Vishnitz, befürworteten den erweiterten Bildungsplan. 
Hinterher kam ein linker Meretz - Abgeordneter (ich glaube sein Name war "Horowitz) zu Wort und, obwohl ich sonst alles andere als Meretz bin, gebe ich Horowitz Recht: Eine gute Allgemeinbildung muss her !

Lernten die früheren Rabbiner wie Rabbi Kook, der Abarbanel oder der letzte Lubawitscher Rebbe noch Philosophie oder Naturwissenschaften, besteht die haredische Gesellschaft heutzutage (leider) aus Ja - Sagern, die sich anpassen und ihr Rabbi sie im (Bildungszaume) hält.

Sonntag, April 11, 2010

Joseph Albo und der kirchliche Missionswahn




B"H


Im frühen Mittelalter und sogar schon zu Zeiten des Rabbi Saadia Gaon (verstarb im Jahre 942) legten Rabbiner sowie jüdische Philosophen die Grundregeln des jüdischen Glaubens schriftlich fest:


Wer ist G - tt ? Wie agiert Er gegenüber uns Menschen und wie nehmen wir Ihn wahr, wenn Er weder Form noch Gestalt besitzt ? Was will Er uns sagen und existiert das G - ttesprinzip der "Belohnung und Strafe" ?

Rabbiner sowie Philosophen diskutierten diese Themen in aller Bandbreite, aber die Frage ist, warum geschah dies alles im frühen Mittelalter und danach ?


Hierauf gibt es mehrere mögliche Antworten:

1. Der Kult der Karaiten war zu bestimmten Zeiten eine Gefahr für das Judentum. Die Karaiten behaupteten, dass nur die schriftliche Thora und nicht die mündliche Überlieferung, der Talmud, Gültigkeit besitzten. Alles in der Thora verfasste wurde von den Karaiten wörtlich genommen. Einer der vehementesten Gegner der Karaiten war Rabbi Saadia Gaon.


2. Jüdische Religionsgrundsätze im Kampf gegen die christliche Mission der katholischen Kirche in Europa.


3. Jüdische Grundsätze sollten nach der Zweiten Tempelzerstörung aufrechterhalten bleiben. Dies vor allem bei den Diasporajuden, die bis heute fremden Einflüssen (z.B. Religionen) ausgesetzt sind.

Jüdische Glaubensinhalte finden wir u.a. bei Saadia Gaon, Rabbi Yehudah HaLevi (wurde im 12. Jahrhundert von einem Araber ermordet, bekannt durch sein Buch "Der Kuzari"), dem Rambam (Rabbi Moshe Ben Maimon, 1135 - 1214) bis hin zum jüdischen Philosophen Joseph Albo, 1380 - 1444, welcher in Spanien lebte. Erneut sehen wir, welchem immensen Einfluss das spanische Juden - bzw. Gelehrtentum auf das allgemeine Judentum besass.


Albos Hauptwerk ist das Buch "Sefer Ha - Ikkarim". Er selbst lernte bei einem der berühmtesten Philosophen der Zeit, nämlich Chasdai Crescas, 1340 - 1410). Crescas verfasst, u.a., eindeutige Philosophien gegen das Christentum aus jüdischer Sicht.


Immer und immer wieder organisierte die katholische Kirche Spaniens aggressive Tribunale. Päpstliche Abgesandte trafen sich mit jüdischen Gelehrten zu öffentlichen Religionsdisputen. Die Kirche wollte den Juden beweisen, dass das Christentum die richtige und herrschende Religion sei. Das Problem allerdings bestand darin, dass die Juden derlei Dispute immer gewannen und die Kirchenoberen mächtig sauer, sprich mit Pogromen aller Art, reagierten. Die Kirche wollten unter allen Umständen den Talmud als FALSCH deklarieren, was ihr jedoch bis heute niemals gelang !


Die berühmteste Auseinandersetzung dürfte jene zwischen Pablo Christiani und dem Ramban (Rabbi Moshe Ben Nachman, 1194 – 1270) gewesen sein. Dies war im Jahre 1263 in Barcelona. Der Ramban gewann die Diskussion, musste jedoch letztendlich vor den christlichen Herrschern flüchten, denn die fanden eine erneute Niederlage gar nicht lustig.


Im dritten Band seines Buches "Sefer Ha – Ikkarim" setzt sich Joseph Albo in Kapitel 25 mit dem Christentum auseinander. Gewappnet war er, denn nahm er doch selber an einigen Disputen mit Kirchenoberen teil. So geschehen im Jahre 1413.


In Kapitel 25 beschreibt Joseph Albo eine Diskussion mit einem Christen, in welcher Letzterer das Gesetz Moses als imperfekt ansieht. All das Abschlachten der Tiere für die Opferungen. Beim christlichen Meschiach J. sei alles spiritueller und reiner, denn man trinke / esse halt Wein und Brot. J. predigte die Reinheit des Herzens und das allein täte den Menschen vor der Hölle bewahren.


Albos Antwort:

All die Statements des besagten Christen basieren auf Unwahrheiten und dem Wissensmangel bezüglich der Thora. Ein Mensch kann G – ttes Wunder (Beispiel: die Spaltung des Roten Meeres) glauben oder auch nicht. Unser Verstand zumindest kann sich solch ein Event vorstellen. Was aber, wenn es heisst, dass ein Körper an zwei Orten gleichzeitig auftritt. Was passiert dann mit unserem Verstand ? Kann er dieser Theorie noch folgen ? Nein.



Kein einziges Wort in der Thora ist überflüssig ! Alles hat seinen Platz und will uns etwas lehren. J. dagegen gab keine Gesetze weiter, sondern er befahl seinen Anhängern den Gesetzen Moses (der Thora) zu folgen. Die Gospel enthalten keine Gesetze, sondern nur die Beschreibung des Leben des J. Insgesamt bewegen sich die Inhalte in Parabeln und Metaphern, welche für eine Gesetzgebung untauglich sind.


Die Thora stellt sehr klar dar, dass die Menschheit das innere Wesen G – ttes nicht in der Lage ist, zu erfassen, zu definieren oder zu begreifen. Was die Thora nicht tut ist, eine eventuelle Dreifaltigkeit zu erwähnen. Aus dem einfachen Grund, weil das Konzept einer Dreifaltigkeit unwahr ist und die Thora keine Unwahrheiten erwähnt. G – tt ist EINS und teilt sich nicht in drei einzelne Wesen auf. G – ttes Perfektion besteht in Ihm und hängt von keinem andere Wesen ab.


Joseph Albo weiter:


Christen besitzen keine einzige Bestätigung dafür, dass ihr Glaube der richtige ist; Juden schon. Der Talmud Traktat Yoma 39a berichtet uns, wie sich einst im Zweiten Tempel am Yom Kippur (Versöhnungstag) ein rotes Band weiss färbte.


Das Wohlbefinden einer Nation ist kein Beweis für den Glauben innerhalb einer Nation. Für die Juden gehen die Wunder bis heute weiter. Allein schon das Überleben des jüdischen Volkes über Tausende von Jahren in der Diaspora und den Pogromen.
Hierbei ist der Glaube die Grundlage, doch der Glaube an unvorstellbare Wunder allein liefert keinerlei Perfektion der eigenen Seele !


Mittwoch, Februar 03, 2010

Ist G - tt halt so da ?

B"H

Wieviele Male am Tag nehmen wir G - ttes Existenz für selbstverständlich und andere lehnen Seine Existenz gleich ganz ab ?
 
Wir stehen morgens auf, sagen ein oder mehrere Gebet und was geschieht danach ?

Frühstück und die Hast durch den Alltag.

Denken Männer tatsächlich immer an G - tt, sobald sie ihre Zizit (Schaufäden) berühren oder wandern die Gedanken nicht vielmehr herum ?

Im "Shema Israel" sagen wir, dass wir IMMER und ÜBERALL an G - tt denken, doch ist das wirklich der Fall ?

Klingt alles zu pessimistisch ?

Ich würde eher sagen "realistisch" und verspreche zugleich immer wieder neu, dass ich persönlich mich anders verhalte bzw. dies umzusetzen plane. Wenige Minuten später sind die Vorsätze und Pläne vergessen und die. Die Sonne scheint wie selbstverständlich und das Essen kommt genauso dahergeflogen.

Immerhin bin ich mir im Klaren darüber, wo genau der Ursprung besteht. Und das allein sollte ein wenig optimistisch stimmen.

Montag, Januar 18, 2010

Die Tore der Umkehr -שערי תשובה



Eine Einleitung zum Buch "Shaarei Teshuva - The Gates of Repentance" von Rabbeinu Yonah Girondi, 1200 - 1263.

Im Judentum besteht das Konzept der "Teschuva - Umkehr" zu G - tt. Nach einem Vergehen werden wir nicht gnadenlos verdammt, sondern nach eindringlicher ernsthafter Buße (Umkehr) erhalten wir Vergebung. Siehe hierzu auch die "Mischna Thora" des Rambam (Maimonides), Traktat "Hilchot Teschuva).

Derjenige, der sein Vergehen bereut, dem wird (fast immer) vergeben. Teschuva kann anhand von Gebet, Zedakah (Spenden geben), Thoramitzwot oder auch durch Fasten erfolgen. Zu Tempelzeiten erbrachten die Juden ein Sühneopfer (Chatat) im Tempel, heute erfolgt die Teschuva vorwiegend anhand der drei oben angegebenen Handlungen. Wobei immer der ernste Aspekt der Reue im Vordergrund steht; gleichzeitig mit dem Versprechen, sein Vergehen nicht zu wiederholen.

Der Teschuvaprozess mag augenscheinlich wirken. Nach außen hingewendet. Der wahre und eigentliche Prozess jedoch findet im tiefen Inneren eine jeder Person statt. Teschuva bedeutet, dass ich mich zum Positiven verändere und in mich selbst gehe. Nicht einfach nur ex und hopp kurz mal bereuen und danach fortfahren mit "Business as Usual" !

Bei all den Handlungen steht im Vordergrund, dass ich mein Vergehen als erstes einmal einsehe und mir eingestehe. Ohne diese Einsicht gibt es keine Teschuva.

Ferner bedeutet die aufrichtige Teschuva eine Annäherung an G - tt. Indem ich die Thoramitzwot (G - ttes Willen) erfülle, bin ich in der Lage, mich Ihm zu nähern. Darüber hinaus geschieht dies selbstverständlich durch Gebete. Das hebräische Wort für Tempelopfer lautet "Korban".


"Korban" stammt vom Verb "Lehitkarev - sich etwas nähern". Anhand der Opfergabe erfolgt die Annäherung an G - tt, was allerdings gleichzeitig eine innere Umstellung meiner Persönlichkeit zum Positiven beinhalten muss. Ansonsten nützt mir die ganze Reue nichts. Ich kann nicht heute bereuen und nächste Woche denselben Fehler absichtlich wiederholen. Zumindest sollte ich mit einem gewissen Maß an Mühe aufwarten, mich in eine positivere Thorarichtung zu bewegen.

Eine Person, welche aufrichtige Umkehr (Teschuva) begeht, kann sich selbst zu ungeahnten spirituellen Leveln erheben.

Montag, Januar 11, 2010

Die Oberfläche der Sonne





B"H

Eine der meistgestellten philosophischen Fragen ist, ob es denn einen G - tt gibt. Kann es Ihn geben, wenn wir all die Katastrophen auf Erden sehen ? Tendiert die Menschheit nicht eher dazu, nach einem höheren Wesen zu suchen, von welchem sie sich Orientierung
erhofft ? Suchen wir nicht nach einem Objekt, das einen gewissen Level an Bedeutung in unser Leben bringt ?

Die beliebteste Antwort des Baalei Teshuva Movements (jene geborenen Juden, die erst im späteren Verlauf des Lebens religiös geworden sind) lautet: "Allein wenn wir morgens aufwachen, ist dies schon ein Beweis für die Existenz G - ttes. Schaut Euch die Sterne an, den Mond, die Sonne und das gesamte Universum. Wer kann das am Leben erhalten ? 
Doch nur G - tt".

Derlei Argument hört sich vielleicht recht simpel an. Genug um einen Baal Teshuva zu überzeugen; aber kann die Antwort nicht mehr als nur ein Quentchen Wahrheit enthalten ?

Warum nicht ?

In meiner Freizeit (wenn es sie denn gibt) beschäftige ich mich seit Jahren mit Astronomie. Nicht, dass ich jemand bin, der bei jeder Sonnenfinsternis sein Teleskop hervorholt, dennoch surfe ich gerne durch die Sites der NASA sowie weiteren wissenschaftlichen Sites zum Thema. Und gerade dieses interessante Thema machte mir bewusst, dass soviel mehr hinter unserem Universum steckt als oberflächlich angenommen. Wie verletzbar das Weltall ist und mit welchem grandiosen Grad an Perfektion es erschaffen wurde. Wer sich näher mit den Planeten, der Atmosphäre oder den chemischen Elementen im All auseinandersetzt, kommt zu dem Schluss, das all jenes anhand eines perfekten Wesens erschaffen worden sein muss. Sprich - von G - tt.

Unser Planet wurde absolut perfekt für menschliches Leben entwickelt. Wo anders könnten wir leben ? Vielleicht auf dem Mars, doch diese Idee (Utopie) ist leichter gesagt als in die Tat umgesetzt. Die Erde wurde mit ihrer einzigartigen Atmosphäre eigens für die menschliche Existenz erschaffen. Um sie herum besteht ein natürliches Schutzschild, welches uns vor Meteoriten sowie anderen einfliegenden Teilen aus dem All schützt. Der Mond, zum Beispiel, hat dies nicht und man schaue nur auf seine riesigen Krater, welche von einfliegenden Objekten aus dem All stammen. Wir besitzen Wasser, Luft und Nahrung. Wo sonst finden wir diese für uns lebensnotwendige Vielfalt im Universum ?

Kann dies alles nur auf einem Zufall basieren ? 
Auf einem Big Bang ohne jeden Sinn und Zweck ?

Donnerstag, Dezember 31, 2009

Parashat Vayechi - פרשת ויחי




B"H

Die dieswöchige Thoralesung

Der Talmud Pesachim 56a lehrt uns, dass Yaakov kurz vor seinem Tod seinen Söhnen mitteilen wollte, wann G - tt Seine rechte Hand in den Schlachten gegen die Feinde des jüdische Volkes wieder einsetzen will, doch die Schechinah (G - ttes Anwesenheit) verliess ihn. Somit besass Yaakov keinen Level mehr, um weitere Prophezeihungen auszusprechen.


G - ttes rechte Hand steht hier metaphorisch für "G - ttes Rückzug Seiner Kräfte und die damit verbundene Freiheit der Völker, über Israel zu herrschen". Sobald G - tt Seine Kräfte wieder auf der Seite Israel einsetzt, werden die Feinde der Juden unterliegen.

Beim Lesen dieser Gemara (rabbinische Diskussionen) begann ich mich zu fragen, was geschehen wäre, wenn Yaakov tatsächlich alle seine Prophezeihungen der Zukunft des jüdischen Volkes betreffend offenbart hätte. Sagen wir, er hätte seinen Söhnen sowie seinen beiden Enkelkindern (Menasche und Ephraim) den exakten Zeitpunkt der Ge'ulah (Erlösung, Redemption) bekanntgegeben. Nehmen wir einmal an, Yaakov hätte all jene Leiden des Exils, der Diaspora (Galut), Pogrome oder die Könige Israels vorhergesagt. Hätten die Juden dann allen ernstes gegen die Gesetze G - ttes verstossen und zwangsläufig ihre eigene Galut herbeigeführt ?

Vielleicht nicht, aber was wir stets immer wieder lernen ist, dass G - tt die Welt so erschuf, dass wir Menschen einen "Freien Willen - Bechirat Chofshit" besitzen. Und jetzt stelle man sich vor, wo unser freie Wille wäre, wenn wir alles im voraus wüssten. Es ist nur allzu menschlich, sich um derlei Weisagungen nicht unbedingt zu kümmern, denn schon die Propheten, welche die Tempelzerstörungen vorhersagten, fanden wenig bis gar kein Gehör. Obwohl wir die Konsequenzen können, denken wir nicht an die Zukunft, sondern an das Jetzt; und im Jetzt geht es mir noch hervorragend. Wozu also unnötig sorgen ?

Die Tempel wurden zerstört und die Juden landeten in der Diaspora und im Grunde genommen nutzten sie somit ihren "freien Willen".
Die Frage ist jedoch die, ob, wenn ich genau weiß, wann der Meschiach eintrifft, ich auch weiterhin noch darauf hinarbeite ? Nachdem "Beit Scheni - der Zweite Tempel" zerstört worden war, wussten die Juden sehr wohl, dass eines Tages der Meschiach kommen wird. Doch sollten wir einerseits etwas für dessen Ankunft tun, indem wir ggf. einen Tikun Olam (Reparatur der Welt) vollbringen oder dies zumindest versuchen.
Wie ?
Anhand der Einhaltung von Thoramitzwot, Gebeten, speziellem Verhalten, etc. Was aber
soll ich noch groß einhalten, wenn ich eh weiß, dass der Meschiach erst in 2000 Jahren erscheinen wird ? Und wird mein freier Wille damit nicht ausgeschaltet ? Mein Wille, den Meschiach zu bringen oder nicht.

Ferner ersehen wir aus der Parashat Vayechi, dass Yaakov nach der Namensvergabe "Israel" durch den Engel, mit dem er kämpfte, weiterhin in der Thora als Yaakov erscheint. Als er jedoch vor dem Tod seine Enkel und Söhne segnet, nennt ihn die Thora "Israel".
Kommentatoren führen an, dass Yaakov immer dann Israel genannt worden ist, sobald er sich auf seinem höchsten Level befand wie in dem Falle bei den Prophezeihungen.

Den Part, welchen chassidische Kommentatoren zu dieser Thoraparasha immer wieder hervorheben ist, wie sehr Yaakov auch in der Fremde G - tt diente und die Gesetze einhielt. Bei Lavan sowohl als auch in Ägypten. Dies sollte nicht nur den in der Diaspora lebenden Juden zu denken geben, sondern genauso die in Israel lebenden Juden an ihre eigene Herkunft bzw. ihre g - ttgegebene Aufgabe erinnern.

Schabbat Schalom

Dienstag, Dezember 01, 2009

Franz Rosenzweig


Judaism is not the acceptance of a doctrine, of a religion and its rituals. It is the experience of a pre-existent reality, which has its ultimate basis in Israel's "being with the Father", in the election of Israel. There may be times when this reality is obscured by the manifold and colorful reality of the nations among whom the Jew lives. But even hidden, it remains real and mysteriously active, and there may come a time when the blessed gift, the heavy burden of its confirmation, is bestowed upon those born into it.
Weiter HIER !


B"H

Im Forum der Chadrei HaCharedim fand ich heute zwei alte und vielleicht sogar seltenere Bilder von Franz Rosenzweig, 1887 - 1929.






Sieben Jahre lang war Franz Rosenzweig gelähmt, kommunizierte aber auf außergewöhnliche Art mit seiner Frau Edith Hahn, die seine Gedanken zu Papier brachte.


Link:

Rosenzweigs Buch "Der Stern der Erlösung - The Star of Redemption" ONLINE:

http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/310/pdf/derstern.pdf

Montag, September 14, 2009

Mehr Judentum

B"H

Der gestrige Kommentar von Jakob machte mich persönlich nachdenklich. Jakob nämlich meinte, dass ihn die Berichte über christliche Missionare weniger interessieren, sondern er sich stattdessen mehr Judentum wünscht.

Genau dieser Gedanke beschäftigte mich schon einige Zeit, doch sollten wir nie die Gefahr, die von christlichen Missionaren ausgeht, unterschätzen oder übersehen. Besonders jene Juden, die keinerlei Wissen über ihre eigene Religion besitzen, sind den kriminell vorgehenden Missonaren ausgeliefert. Deswegen ist Information immer wichtig, denn nur aufgeklärt kann man den Lügen der Missionare entgehen.

Dennoch begab ich mich zum gestrigen Tuvia Singer Vortrag im Jerusalemer "Israel Center" erst so ziemlich zum Schluß. Ich hatte einfach genug die Ausführungen aus dem Neuen Testament zu hören. Rabbi Tuvia Singer ist einer der Größen bei der Aufklärung bezüglich wie die Kirche die Thora manipuliert, doch war mir einfach nach etwas Jüdischem. Und so ging ich zum Schiur (Vortrag) von Rabbi Chaim Eisen, der da allwöchentlich den Ramban (Nachmanides) sowie den Rambam (Maimonides) zum Thema hat. Und zwar so zum Thema, dass sich der Vortrag auf besonders hohem Niveau bewegt.
Derzeit unterrichtet Rabbi Eisen einen Kommentar des Ramban zum Rambam und wir sprachen darüber, wie unterschiedliche die beiden Gelehrten die "Wunder" dieser Welt betrachten. Auch im Bezug auf das messianische Zeitalter. Aber dazu später mehr !

Wie gesagt stiess ich erst gegen Ende zum Shiur von Tuvia Singer. Jemand aus dem Publikum fragte ihn, was er (Singer) denn mit seinen Vorträgen beabsichtige.
"Aufklärung", sagte Rabbi Singer. Nur so kann man christlichen Missionaren den Gar ausmachen und jene Juden vor der Mission retten, die fast gar nichts über ihre Religion wissen. "G - tt versprach uns Juden, dass unser Volk niemals ausgelöscht werden wird. Juden wird es immer geben, dennoch besteht eine Gefahr der Judenmission durch die Kirchen".

Unsere Aufgabe ist es, die Leute aufzuklären und über die geradezu kriminellen Machenschaften der Missionare zu informieren.

Montag, September 07, 2009

Beschreibung von G - tt

B"H

Im Judentum ist G - tt EIN EINZIGES allumfassendes perfektes ewiges Wesen, welches weder Zeit, Raum noch Grenzen kennt. Nichts ist G - tt unbekannt noch ist Er in irgendeiner Form eingeschränkt.

Weiterhin sind in ihm zehn Charaktereigenschaften vorhanden, welche Seine Handlungsweisen (gütig, gerecht, strafend, etc.) ausdrücken. Diese Attribute (Charaktereigenschaften) werden in der Kabbalah auch Sefirot genannt. G - tt ist ein einziges Wesen, welches jedoch unterschiedlich handelt. Im Prinzip läuft dies bei uns genauso ab. Sind wir gnadenvoll, bleiben wir ein und dieselbe Person und verwandeln uns nicht in zwei verschiedene Personen.

Christen jedoch sehen G - tt als Trinität, eine Theologie, die laut Rabbi Tuvia Singer, erst ca. im 4. Jahrhundert konzipiert worden ist. Juden, die sich in ihrem Glauben auskennen, können dem christlichen Konzept nur ein Schmunzeln abringen, denn wie sollte ein unendliches Wesen wie G - tt in einen menschlichen Körper auf die Erde steigen, irgendwie die Menschheit retten wollen und am Ende landet G - tt auch noch am Kreuz. Ganz zu schweigen von all dem Wirbel zwischendurch. Und am Kreuz sagte J.: "Eli, Eli, lama asavtani". Der aramäische Ausspruch: "Mein Gott, mein Gott, warum hast DU MICH verlassen".
Hier spricht also G - tt zu sich selbst und fragt auch noch, warum dieser ihn verliess.
Heutzutage würde man das Schizophrenie nennen. Damals wohl auch, aber kann schon sagen, ob all das tatsächlich so passiert ist.

Der Rambam (Maimonides, 1135 - 1214) gibt eine "kleine" Beschreibung G - ttes in seinem "Moreh Nevuchim - Führer der Unschlüssigen". Hervorzuheben sei, dass gerade der Rambam die christliche Religion als nichts anderes als GÖTZENDIENST betrachtet und keinerlei Verständnis für sie aufbringt (siehe "Mischna Thora - Hilchot Avodah Zarah). Mit seinem "Moreh Nevuchim" beabsichtigte der Rambam die Juden vor dem Götzendienst zu warnen.

Im "Moreh Nevuchim" (1:58) beschreibt er G - tt folgendermassen:

Nie und nimmer gibt es auch nur die kleinste Imperfektheit in G - tt zu finden. … G - tt ist kein lebender Körper; G - tt hat überhaupt keinen Körper (und ebenso keine Form). Es besteht keinerlei Ursache, welche G - tt erschuf. G - tt ist ein Wesen, deren inneres Wesen Er selbst ist. Ebenso aber fliessen andere Existenzen (Seine Charaktereigenschaften) von Ihm. Nicht jedoch so wie die Hitze von einem Feuer oder das Licht der Sonne. Wegen dieser Idee sagen wir über Ihn, Er sei mächtig und allwissend. Die Absicht, G - tt derlei Charaktereigenschaften zuzuschreiben besteht darin hervorzuheben, dass Er weder kraftlos noch ignorant noch unaufmerksam noch nachlässig ist.

Was der Rambam hier beschreibt ist, dass ein einziges formloses Wesen, welches wir mit unserem menschlichen Verstand nicht zu erfassen in der Lage sind, sämtliches Dasein anhand seiner Charaktereigenschaften erschuf und die Welt damit auch weiterhin am Leben erhält.

Der Rambam fragt, wie denn wir mit unserem Intellekt Ihn erfassen können. Ein Wesen (G - tt) ohne materielle Existenz. G - tt, dessen Existenz (für uns Menschen) notwendig ist, der jedoch keine Ursache besitzt und der perfekt ist. Wobei wir mit unserem Menschenverstand gar nicht die weite Brandbreite des Wortes "perfekt" erfassen. Wie können wir die Perfektheit von G - tt erfassen, wenn wir G - tt nicht erfassen. G - ttes Intellekt ? Seine Weisheit ?
Wie sollen wir diese Charaktereigenschaften erfassen, wenn G - tt diese erst erschaffen musste als Er die Welt erschuf ? Vor dem Erschaffungsprozeß gab es Attribute wie "Weisheit" oder "Intellekt" nicht.

Das Einzige, was wir tun ist zu erfassen, dass es irgendwie / irgendwo einen G - tt gibt. Diesen G - tt stellen uns jüd. Quellen sowie G - tt selbst in der Thora anhand von Symbolen und Charaktereigenschaften dar. Ohne diese bildliche Darstellung, wären wir Menschen nicht imstande, G - tt auch nur annähernd zu erfassen. Um den Erschaffungsprozess darzustellen, bedienten sich jüdische Gelehrte der bildlichen Symbolsprache. Genauso wie G - tt Sich uns in der Thora beschreibt. Die große Gefahr besteht darin, diese Symbolsprache wörtlich zu nehmen und zu glauben, G - tt habe einen Arm, Er spreche, Er denke, Er sei zornig. Keine dieser menschlichen Eigenschaften trifft auf G - tt zu. Wir dürfen nie aus den Augen verlieren, dass hier mit Symbolen agiert wird, die jedoch nichts mit dem formlosen perfekten Wesen namens G - tt etwas zu tun haben. Er wird uns in dieser Form beschrieben, damit unser Verstand einen Anhaltspunkt besitzt. G - ttes inneres Wesen selber bliebt dennoch weiterhin unfassbar und unbegreifbar.

G - tt besitzt viele symbolische Eigenschaften, doch all diese machen EIN GANZES aus. Seine Eigenschaften sind nicht von ihm trennbar. Der Talmud Traktat Chagigah warnt davor, zu einer dieser Eigenschaften (Sefirah) zu beten und diese als eine eigene Identität zu betrachten. Wer dies tut, bediene sich des Götzendienstes !

G - tt und Seine Attribute sind EINS und nicht voneinander trennbar.

Montag, August 24, 2009

"Derech HaShem - Der Weg G - ttes"

B"H

"Derech HaShem - The Way of G - d - Der Weg G - ttes" ist ein extrem wichtiges Buch im Judentum. Aus kaum einer Yeshiva (relig. Schule) ist es wegzudenken und ein jeder relig. Jude ist schon einmal irgendwo mit dem Buch des Rabbi Moshe Chaim Luzzatto (geboren im Jahre 1707 in Padua / Italien, gestorben in Israel im Jahre 1747 im Alter von nur 39 Jahren).
Rabbi Moshe Chaim Luzzatto ist äußerst bekannt für seine kabbalistischen als auch seine Mussar (Ethik) Schriften. Außer dem "Derech HaShem" nennen viele ein weiteres Mussarbuch von ihm; nämlich "Mesillat Yesharim - The Path of the Just".

In seinem Buch "Derech HaShem" beschreibt Rabbi Luzzatto zuerst G - tt selber und wie ein Juden diesen ausnehmen soll:

1. Jeder Jude muss wissen und sollte daran glauben, dass da ein erstes Wesen existiert. Ein Wesen ohne jeglichen Anfang und ohne jegliches Ende. Dieses Wesen erschuf jegliches Leben und alles darum herum und erhält alles seit jeher am Leben.

Bei diesem Wesen handelt es sich um G - TT !

Für G - tt existiert kein Zeitkonzept. Dieses erschuf Er einzig und allein für den Menschen. Er dagegen war schon immer da und wird bis in alle Unendlichkeit weiter existieren, ohne Sich und Seinen Willen jemals zu verändern. Stets ist Er anwesend und erhält Seine Schöpfung, sprich das Universum und uns, am Leben.

2. Weiterhin ist es notwendig zu erkennen, dass G - ttes wahre Natur einzig und allein nur von Ihm verstanden werden kann und nicht mit unserem begrenzten menschlichen Verstand. Das Einzige, was wir tatsächlich von Ihm wissen ist, dass er absolut perfekt ist; auf jedem nur möglichen Weg.
In der Thora lautet es schon: "Torat HaShem Temimah - Die Thora G - ttes ist perfekt!" Etwas absolut Perfektes kann nur von etwas Perfektem erschaffen werden. Diese Dinge (G - ttes Perfektheit und dass er für uns nicht erfassbar ist) wissen wir anhand der Tradition. Von den Patriarchen (Vorväter Avraham, Yitzchak und Yaakov) sowie den Propheten …
Es ist absolut unmöglich, dass G - tt jemals aufhört zu existieren.


3. Weiterhin sollte jeder wissen, dass G - ttes Existenz von nichts und niemandem abhängig ist. Diese Aussage beinhaltet gleichfalls, dass G - tt keinerlei Bedürfnisse hat und kennt.

4. G - tt ist absolut simpel, ohne jegliche Struktur oder zusätzlichen Qualitäten. Jede nur erdenkliche Form der Perfekheit existiert in Ihm, aber in einfacher Form.
Wie genau sollen wir das verstehen ?
Rabbi Moshe Chaim Luzzatto gibt einen Einblick: Der menschliche Verstand verfügt über viele unterschiedliche Fakultäten, jede davon mit ihren eigenen Aktivitäten. Unter anderem bildet das Erinnerungsvermögen eine dieser Fakultäten, Lust eine andere. Daneben besteht die Vorstellungskraft und anderes. Daher beinhaltet der menschliche Verstand eine Struktur, denn jede Domäne fungiert gemäss ihrer eigenen Fakultät. Sobald wir von G - tt sprechen, ist dies anders, denn in Ihm bestehen keine verschiedenen Fakultäten. Vielmehr existieren in Ihm Qualitäten, welche in einem menschlichen Wesen anders sein täten: G - tt verfügt über Lust, Weisheit und Fähigkeit und ist perfekt in jeder nur erdenklichen Art und Weise. Nichtsdestotrotz, die wahre Natur Seines inneren Wesens ist eine Einheit, welche jegliche Perfektion enthält. Jede Perfektion existiert daher in G - tt nicht als Zusatz Seiner Existenz, sondern als integraler Teil Seiner Identität. Einer Identität, deren inneres Sein sämtliche Arten der Perfektion enthalten.

Sind die Ausführungen Rabbi Luzzattos zu verwirrend ?

Was der Rabbi hier sagen will, ist ganz einfach, dass es sich bei G - tt um ein unendliches perfektes Wesen handelt, was wir nicht in der Lage sind zu erfassen oder zu begreifen. Ein absolut perfektes Wesen, welches Seine Allmacht zurückzog, um uns und eine unperfekte Welt zu erschaffen. Uns Menschen, ausgestattet mit einem eigenen Willen zwischen Gut und Böse. Hätte G - tte jegliches Dasein in Seinem vollen perfekten Zustand erschaffen, so hätten wir keine freie Wahl im Leben. Wir wären eine Art Roboter, der alles richtig macht. Unsere Aufgabe jedoch ist es, die Welt zu perfektionieren und uns selbst gleich mit.

Wie kann ich das tun ?
Nur mit einem freien Willen und meiner Entscheidung, G - ttes Willen (die Thoragesetze) auszuführen. Ohne die Thora bzw. den Propheten wüssten wir gar nicht, was G - tt genau von uns will.

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie wenig die Menschen bei G - tt von einem unbeschreibbaren Wesen ausgehen. Anstatt sich bewusst zu machen, wer G - tt, gemäss des Rabbi Moshe Chaim Luzzatto sowie anderen Rabbinern, eigentlich ist, suchen sie lieber nach Symbolen, die sie anfassen und begreifen können. Selbst, wenn es ein falscher G - tt ist.

Warum sind viele Menschen einfach nicht in der Lage, G - tt als unbegreifbare Vollkommenheit anzuerkennen ? Anzuerkennen und einzugestehen, dass wir Ihn weder begreifen noch mit dem Verstand erfassen.

Montag, Juni 22, 2009

Warum wurden die Ägypter von den "Zehn Plagen" befallen ?

B"H

1. Warum strafte G - tt Pharao mit den berühmten Zehn Plagen ? Wenn Er der so furchtbar allmächtige über alles regierende G - tt ist, warum bestrafte er die Ägypter nicht auf einen Schlag und führte die Israeliten geschwind aus dem Land ? Warum all die Mühen mit den Zehn Plagen, Moshe geht zu Pharao und Pharao gibt nicht nach ?

G - tt wollte den Ägypter klarmachen, dass ihre Götter nichts wert sind und Er über allem steht. Soviel sich die Gefolgsleute Pharaos auch abmühten, sie und ihre magischen Kräfte stiessen immer wieder auf eine undurchdringbare Mauer. Bis hierher und nicht weiter, denn hier kommt G - tt ins Spiel.

In den meisten Fällen will G - tt mit diversen Ereignissen den Menschen zu einer gewissen Erkenntnis verhelfen und reagiert / handelt nicht hopplahopp.

2. Wie kann ein Volk (die Juden) behaupten, dass 600.000 Israeliten am Berg Sinai standen und von G - tt die Thora empfingen ? Wer soll das glauben ? Praktisch kann da ein jeder daherkommen ?

Bauen wir uns einmal ein logisches Gebilde auf.
Woher wissen wir, dass Napoleon tatsächlich existierte ? Hat ihn jemand von uns gesehen ?
Ah, weil es Bilder gibt ?
So, what ? Ich kann mir eine Figur ausdenken, ein Bild malen und sagen, dass sei Napoleon gewesen.

Vergangenheit basiert stets auf Beweisen. Bezüglich der Antike ist dies die Archäologie. Im Museum finden wir Dinosaurierknochen. Demnach wissen wir, dass die Erde einstmals von Dinosauriern bevölkert war.

Gibt es aber Fundstücke von den Israeliten vor dem Berg Sinai ? Gibt es überhaupt Ausgrabungen, die auf den 40 Jahre langen Marsch in der Wüste hinweisen ? Ist nicht alles eher eine Sache des Glaubens ? Wer sagt mir, dass die Thora nicht von Menschenhand geschrieben wurde ? Irgendwo setzten sich ein paar mehr oder weniger weise Leute zusammen und produzierten eine Thora.

Was also, wenn partout keine Beweise mehr aufzufinden sind ?

Bezüglich der Thora ist das Ereignis am Berg Sinai eine Tradition / Wissen, welches von Generation zu Generation weitervermittelt worden ist. Es wäre absolut absurd, wenn sich jemand hinstellt und behauptet, sein Großvater habe eine Thora erhalten.
Mit einer Einzelperson mag diese Behauptung funktionieren, doch nicht mit einem gesamten Volk. Kein Volk würde auf die Idee eines Einzelnen eingehen. "Dein Vater soll Dich das gelehrt haben ? Wieso wussten meine Vorfahren nichts davon, wenn wir doch zum gleichen Volke gehören ? Und all die anderen Tausend Leute, deren Vorfahren auch nichts davon gewusst haben ? Wieso weißt nur DU davon ?"

Die Geschichte eines Volkes derart umschreiben, ohne das sich jemand widersetzt ? Logischweise funktioniert das nicht. Millionen von Juden gaben im Laufe der Jahrtausende die gleichen Statements ab, was auf eine gemeinsame Realität schliessen lässt. 600.000 Israeliten vernahmen vor dem Berg Sinais G - ttes Stimme, obwohl sie kurz darauf Moshe baten, dass G - tt nur zu ihm spreche und er es dem Volke weitergibt. So überwältigt waren die Israeliten, dass sie es nicht begreifen konnten. "G - ttes Stimme" - was auch immer das genau bedeuten mag. In der jüdischen Literatur heißt es, dass die Überwältigung so groß war, dass die Seelen die Körper verliessen und G - tt ihnen einen Art Wiederauferstehung bereitete. Danach sprach Er nur noch zu Moshe.

Lässt sich die Geschichte eines Volkes einfach so erfinden ? Gibt es nicht immer wieder Leute, die behaupten, dass das alles gelogen sei ?

Aus dem gemeinsamen Erlebnis und der Weitergabe an die Generationen wissen wir heute, dass die Gabe der Thora am Berg Sinai real stattfand.

Samstag, Mai 30, 2009

"Der Kuzari" & die Haschmatot

B"H

Irgendwann ist für fast alles das erste Mal. So passierte es mir am letzten Mittwoch als ich bei Bekannten auf das Buch "Der Kuzari" stiess.
Nun ist "Der Kuzari" von Rabbi Yehudah HaLevi nichts Ungewöhnliches, doch stand auf dem Buchcover der hebräischen Ausgabe der Vermerk, dass es sich um den vollständigen "Kuzari" inclusive "Haschmatot" handelt.

"Haschmatot" sind Textstellen, welche Juden aus dem Talmud, Gebetbücher sowie sonstigen relig. Schriften entweder entfernen mussten oder selbst herausnahmen. Dies geschah überwiegend im Mittelalter und die katholische Kirche legte sehr hohen Wert darauf, dass diverse Stellen aus dem Talmud etc. verschwanden. Und wie erwähnt, geschah dies entweder aufgrund von Zwang oder Juden hielten es für besser, eventuelle "beleidigend" wirkende Stellen aus ihren Texten zu entfernen, damit keine neuen Pogrome hervorgerufen werden.

Heutzutage sind jene Textstellen wieder eingefügt oder befinden sich in "Haschmatot" - Sammlungen. Dass aus dem "Kuzari" Textstellen entfernt worden waren, war mir bisher unbekannt und ich werde versuchen, in dieser Woche einige der besagten Texte zu finden und in den Blog zu stellen.


Laut dem Buch "Jewish Philosophers" von Steven T. Katz nannte der mittelalterliche jüdische Rabbiner Yehudah HaLevi in seinem "Kuzari" das Christentum sowohl als auch den Islam irrational. Beide Religionen basieren auf keiner historischen Offenbarung, welche jenen 600,000 Israeliten zuteil wurde, die am Berg Sinai standen und die Thora empfangen haben.

Rabbi Yehudah HaLevi schrieb zwanzig Jahre lang am "Kuzari", welches in arabischer Sprache "Al Khazari" heißt. Verfasst wurde es aufgrund von Missionsversuchen seitens der Kirche an den Juden und weiterhin sollte es unter den Juden ein erneutes Verlangen nach der Ge'ulah (dem Kommen des Meschiach) aufkommen lassen.

Freitag, Januar 23, 2009

Grundzüge der jüdischen Philosophie

B"H

Was will ein jüdischer Philosoph ?
Natürlich seine Religion anhand von rationalem Denken ergründen und erläutern. Der moderne Philosoph tut dies aufgrund von Fragen, welche er an sich selbst richtet; Fragen zur Halacha und der Thora. Kann das Judentum rationale Erklärung finden ?
Wer die ganz frühen Philosophen wie den Saadia Gaon, den Rambam (Maimonides) oder Rabbi Yehudah HaLevi lernt, der wird schon von ihrer Literatur erfasst und beeindruckt sein.

Immer und immer wieder wird die Frage nach der Existenz G – ttes diskutiert. Bei Moses Mendelssohn und selbst bei Rabbi Joseph Soloveitchik war dies nicht anders. Dem Menschen macht es immer zu schaffen, wenn da eine Macht ist, die er nicht in der Lage ist, zu erklären. Einige vereinfachen sich dann alles und benutzen Menschen, um sich einen G – tt aufzubauen. Wer kann sich schon vorstellen, dass G – tt ein absolut unerklärbares und unfassbares Wesen ist ? Und von daher ist es für manche Religionen leichter, sich ein menschliches Bild zu produzieren (wie z.B. das Christentum), anstatt sich mit der Frage eines unfassbaren einzigen ewigen G – ttes auseinanderzusetzen.

Dabei beschrieb gerade der Rambam in seinem "Führer der Unschlüssigen – Moreh Nevuchim" (12. Jahrhundert), die Symbolik und der Thora. Leider machen die Menschen stets den Fehler, die Thora ausschließlich wörtlich zu nehmen, ohne sich ihren wahren Botschaften bewusst zu werden. Die Frage, die aber trotz allem bleibt ist die nach der Existenz G – ttes sowie der Grund unserer Existenz. Rabbi Yehudah HaLevi verfasste sein Buch "Kuzari" gemäss der Frage nach der richtigen Religion und kommt zu dem Schluß, dass der Islam und das Christentum vollkommen unlogische Religionen sind. Eine Schlußfolgerung, der ich nur beistimmen kann, denn je mehr sich jemand mit dem Judentum auseinandersetzt, desto intensiver wird ihm bewusst, dass dies nur die einzig wahre Religion sein kann. Eine Schlußfolgerung, der sogar letztendlich der Philosoph Franz Rosenzweig unterlag.
Im Jahre 1913 beschloß er zum Christentum zu konvertieren, änderte jedoch seine Meinung nach einem Synagogengang an einem der hohen Feiertage.

Jüdische Philosophie besitzt also keinen negativen Beigeschmack des gedanklich Fremden, kann aber andererseits zu einer Stärkung im Glauben führen. Vor allem dann, wenn Symbole oder Hintergrundfragen rational erfasst und erklärt werden. Beispiel: Der Rambam zu der vermenschlichten Symbolsprache von G – ttes "Körper" in der Thora..

Montag, Januar 12, 2009

Gelebte Orthodoxie

B"H

Meist ist das "orthodoxe Judentum" als fundamentalistisch, weltfremd und gänzlich unbeweglich" verpönt. Es falle schwer, sich mit all dem "Konservativem" zu identifizieren bzw. all diese Gesetze einzuhalten. Ginge es da nicht auch einfacher ? Zeitgemässer halt.

Unnötig zu erklären, dass dies nicht unbedingt der Sinn und Zweck des Judentums ist. G - tt gab uns die Thora mit all ihren Inhalten am Berge Sinai und war dabei keineswegs der Meinung, dass die darin enthaltenen Gebote (Mitzwot) für den Menschen zu kompliziert sind, sie einzuhalten. Ganz im Gegenteil, denn unsere Schriften lehren uns, dass G - tt keinem einzigen Menschen auf dieser Welt zuviel aufbürdet. Will damit sagen, dass jeder, habe er auch noch soviele Probleme am Hals, in der Lage ist, diese irgendwie zu meistern. Es mag höhnisch klingen, doch auch Krankheiten sind damit gemeint. Nicht, dass jedermann sich nur seiner inneren Kräfte bewusst werden muss und sofort ein Heilungsprozess einsetzt, sondern dass der Mensch die innere Kraft findet, mit der Krankheit und allem drumherum umzugehen.

Wer sich mit dem orthodoxen Judentum näher befasst, wird feststellen, dass es nicht ganz so unbeweglich und starr ist, wie vielseits angenommen oder behauptet. Dies beginnt schon allein damit sobald sich jemand den Lehrplan einer Yeshiva oder eines intensiven Religionskurses anschaut. Vom Thorastudium (mit all den Kommentatoren) hin über den Talmud, der Kabbalah (den Geheimnissen der Thora), der Halacha (jüdisches Religionsgesetz), der jüdischen Geschichte, der Ethik - Mussar (vor allem des Rabbi Israel Salanter und anderen), der Philosophie (Rambam - Maimonides, Avraham ben David Ibn Da'ud, Joseph Albo, Chasdai Crecas, Rabbi Avraham Yitzchak Kook - Kuk, Joseph Soloveitchik, etc.) sowie all der unterschiedlichen Strömungen (Chassidismus, litvische Haredim und Anhänger des Gaon von Vilna sowie Nationalrelig.). Das orthod. Judentum beinhaltet ein weitreichendes Spektrum; allein wenn ich nur an Rabbi Yehudah HaLevi und sein Buch "Der Kuzari" denke.

Andere Strömungen im Judentum unterrichten diese Sparten sicherlich auch, doch wenn ich mir die Inhalte und Beiträge auf anderen Sites, allein schon falsch dargestellte talmudische Zusammenhänge anschaue, wird die Laienhaftigkeit erst richtig deutlich. Viele reform - oder konservative Konvertiten sagten mir, dass sie, wenn sie etwas lernen wollen, sich zur Orthodoxie bemühen, denn das sei das Richtige und ernsthaftes Lernen sei Pflichtprogramm.

Aber auch in der Orthodoxie gibt es gewisse Knackpunkte im Lehrplan. Heutzutage steht leider die Philosophie nicht gerade hoch im Kurs in den Yeshivot oder anderweitigen Programmen. Wahrscheinlich meinen viele Rabbiner, den Leuten erst einmal die Halachot beibringen zu müssen, damit ein interessierter Jude auch ja in der Lage ist, relig. jüdisch zu leben.

Keine Frage, dass dies wichtig ist, doch sollte auch das "freie" Denken" geformt und nicht nur halachische "Zombies' herangezogen werden. Wenn wir ins Mittelalter schauen oder sogar schon zur Zeit des Rabbi Saadia Gaon bzw. des gesamten 9. / 10. Jahrhunderts, wird uns nur allzu sehr verdeutlicht, wie phantasievoll und erfindugsreich das damalige Judentum unterhalb der Gelehrten war. Nicht wenige neoplatonische oder aristotelische Gedanken flossen bei so manchem mit ein. Verglichen mit der Zeit des frühen und späteren Mittelalters bewegt sich unser heute gelebtes Judentum tatsächlich an der Grenze der rabbinischen Starre.

Persönlich interessiere ich mich für viele Themen im Judentum und habe so meine Phasen. Einmal mehr Philosophie, dann wieder Geschichte oder Kabbalah, dann Halacha oder anderes. So der Reihe durch und da ich recht flexibel bin, hänge ich nicht nur an einem Thema fest. Ich lese fast alles, aber, zugegeben, in einem gewissen Rahmen und keine so dahingeschriebene Literatur von Leuten, die das Judentum nicht unbedingt leben. Dennoch gehört der in Deutschland geborene und später nach Israel ausgewanderte Philosoph Gershom (Gerhard) Scholem zu meinen Lieblingsautoren und ich halte mich häufig in der "Scholem - Bibliothek" in Jerusalem auf. Dort lernte ich auch Scholems ehemalige Sekretärin Etti Liebes kennen, welche die Bibliothek nach wie vor leitet.

Gershom Scholem war nicht gerade das, was man einen religiösen Juden nennt, dennoch verteidigte er die Orthodoxie. Auch Martin Buber gegenüber, dessen chassidische Geschichten im allgemeinen von Chassidim und Leuten, die sich aktiv und professionell mit dem Chassidismus auseinandersetzen, abgelehnt werden. Buber in der Chassidut ? Nein, danke. Da schon lieber Eli Wiesel, der selber chassidisch aufwuchs und das chassidische Vokabular bis heute beherrscht.

Scholem war der Erste, der begann, historische kabbalistische Schriften zeitlich zu ordnen. Wer Kabbalah hört, denkt meist an dicke Wälzer, durch die man sich quälen muss. Dem ist jedoch ganz und gar nicht so, denn viele mittelalterliche Schriften bestehen oft nur aus ein paar Blättern. Selbst das Buch "Book of Creation - Sefer Yetzirah" besteht aus einer oder wenigen Seiten. Kommt darauf an, welcher Version man mehr Glauben schenkt.

Für meine Scholem - Zitate wurde ich auf meinem engl. Blog schon gerügt, denn Chassidim wollen ausschließlich ihre eigene Literatur zitiert wissen. Mea Shearim oder Boro Park (New York) verkauft keinen Buber, Scholem, Mendelssohn und nur bedingt Joseph Soloveitchik. Bei der Soloveitchik - Familie gab es einen Bruch, denn ursprüglich war sie extrem antizionistisch. Bis heute ist sie dies teilweise geblieben, doch mit Joseph Soloveitchik kam ebenso ein mehr oder weniger zionistischer Part in die Familie und nicht nur stures antizionistisches "Brisk - Denken". Bis heute lehrt der antizionistische Soloveitchik - Teil in seinen Brisker Yeshivot den Antizionismus und ist ebenso in der antizionistischen Dachorganisation "Edah HaCharedit" in Mea Shearim vertreten.

Meiner Meinung ist nicht alles, was nicht gerade Mea Shearim entspricht, grundsätzlich abzulehnen. Wer, zum Beispiel, den Rambam (Maimonides) verstehen will, der lerne auch etwas Aristoteles.
Aristoteles ? Uuhh, da bekommen richtige Orthodoxe schon einen Schock und meinen, man komme jetzt vom richtigen Glauben ab und lande in den Tiefen des Säkularismus. Besonders Rabbi Nachman von Breslov verbat seinen Chassidim das Studium des "Moreh Nevuchim - Führer der Unschlüssigen" vom Rambam. Dessen halachische Schriften wie das Studium der "Mishna Torah" hingegen sind erlaubt.

Das orthodoxe Judentum kann flexibel sein, dennoch aber genau das Gegenteil. Es kommt immer darauf an, mit welcher Gruppenideologie man sich umgibt. Klar lerne ich bei den Satmarer Chassidim weniger Philosophie als bei Chabad. Nationalrelig. lernen mehr jüdische Geschichte als die meisten Bewohner Mea Shearims.
Und meines Erachtens nach ist es schade, gerade die intellektuelle Seite des Judentums auzulassen und sich fast nur auf Halachot zu beschränken, um G - tt auch ja richtig dienen zu können.
G - tt selber gab uns einen Intellekt und ein Hirn und anscheinend verstanden dies die Rabbiner des Mittelalters besser als viele unserer heutigen Geistlichen.