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Sonntag, November 04, 2012

Parashat Vayera - פרשת וירא


Das Überbleibsel von Sodom (Sdom): Salz

B"H


Die Thoralesung für diesen Schabbat

Die ersten Worte der Thoraparasha beschreiben uns, wie Avraham in der Wüste vor seinem Zelt sitzt und nach vorbeikommenden Reisenden Ausschau hält, die er zum Essen einladen will. Avraham war die Verkörperung von "Chesed - Güte" und er schon zu seiner Zeit war er berühmt, dafür, wildfremde Menschen in sein Zelt zum Essen einzuladen. Persönlichen Dank verlangte er nie, sondern einzig und allein, daß die Gäste nach dem Mahl dem einzigen alleinigen G - tt danken. 

"Und G - tt erschien (Vayera) dem Avraham …" 

Raschi erklärt hierzu, daß G - tt den Avraham nach dessen Beschneidung "besuchen" wollte. Es handelte sich um den dritten Tag nach der Beschneidung und G - tt rief eine große Hitzewelle hervor, welche Reisende abhalten sollte, um so Avraham eine Ruhepause zu gönnen. Avraham dagegen hielt eifrig Ausschau und ließ sich selbst von den Schmerzen der Beschneidung nicht davon abhalten, Gäste bewirten zu wollen (Talmud Bava Metzia 86b). Schon aus den ersten Worten dieser Parasha lernen wir, wie wichtig Krankenbesuche sind, denn G - tt schaute "persönlich" bei Avraham vorbei. 

Kurz darauf stehen drei Fremde vor Avraham und dieser springt sogleich auf und lädt sie zum Essen ein, ohne allerdings zu ahnen, daß es sich bei ihnen um Engel handelt.
Danach beauftragt er seine Frau Sarah Essen zuzubereiten und kurz darauf hört Sarah einen der Engel sagen, daß sie demnächst einen Sohn zur Welt bringen wird. Sarah befand sich damals im stolzen Alter von 90 Jahren und lachte über die Bemerkung des Engels. Wenig später teilt G - tt Avraham von seiner Absicht mit, die Stadt Sodom sowie einige weitere Städte in der Gegend zerstören zu wollen und die Engel machen sie auf den Weg. 

Soweit die ersten Handlungen in der Parashat Vayera. 

Der Ramban (Nachmanides 1194 - 1270) bringt einen grandiosen Kommentar zu dem Geschehen und stützt sich dabei auf das Buch "Moreh Nevuchim - The Guide for the Perplexed " des Rambam (Maimonides, 1135 - 1204)). Die genaue Quellenangabe lautet: Moreh Nevuchim 2:41 - 42. 

Der Ramban stellt fest, daß wenn die Erklärungen des Rambam richtig sind, alle Handlungen (die drei Engel kommen zu Avraham, Sarah backt und lacht) niemals real stattgefunden haben (ebenso der Kommentar des Ohr HaChaim).
Wenn wir lesen "Vayera elav HaShem…" bedeutet dies, daß sich G - tt natürlich nicht in einer Form oder Gestalt dem Avraham zeigte (G - tt hat weder Form noch Gestalt), sondern, dss Er ihm (Avraham) in einer Vision erschien. 

Im zweiten Buch des "Guide for the Perplexed" beschreibt der Rambam ausführlich seine Meinungen zu jeglicher Art von Prophezeihung. Und nachdem Avraham beschnitten und somit einen Bund mit G - tt eingegangen war, unterlag er von nun an einer höheren Art von Prophezeihung als zuvor. Zuerst hatte Avraham "verschwommene" Visionen, welche mit einem Vorhang zu vergleichen sind. Wir sehen etwas, doch Einzelheiten bleiben mehr oder weniger verborgen. Nach der Beschneidung allerdings war Avraham auf einem wesentlich anderen Level und somit gab es für ihn klare Prophezeihungen. 

Eine interessante These, welche der Ramban da aufstellt. Oberflächlich betrachtet ist es unerheblich, ob Avraham die Handlungen nur in einer Vision erlebte oder ob sie tatsächlich real stattgefunden haben. Weitere Thorakommentatoren sehen die Handlungen als sehr real an. Allein schon aus dem Grund, daß als Sarah die Bemerkung des Engels hörte, sie werde trotz ihrer 90 Jahre demnächst einen Sohn (Yitzchak) gebären lachte, sie sarkastisch vor sich hin sagte, daß dieses ja wohl unmöglich sei, denn ihr Mann (Avraham) sei viel zu alt. 

Und nun achtet einmal alle auf den genauen Text in der Thora. 

Sie sagte, ihr Gatte sei zu alt. 

Als jedoch gleich darauf G - tt Avraham berichtet, daß Sarah lachte, sehen wir plötzlich eine ganz andere Wiedergabe des Geschehens. G - tt sagt nämlich zu Avraham: "Warum lachte Sarah und sagte - soll ich (Sarah) wirklich gebären, wo ich doch viel zu alt bin" ? 

Sarah aber sagte niemals, daß sie zu alt sei, sondern ihr Gatte. 

Die Frage ist: Wieso stellt G - tt den Inhalt von Sarahs Worten anders dar als er mit Avraham spricht ? 

Die Gemara im Talmud Bava Metzia 87a erklärt warum und stellt damit ein äußerst wichtiges und zugleich höchst kompliziertes Konzept im Judentum auf. Hätte G - tt dem Avraham die exakten Sätze Sarahs zitiert, dann hätte dies einen Streit zwischen Sarah und ihrem Gatten hervorrufen können. Um den Familienfrieden zu erhalten, benutzt G - tt sozusagen eine "Notlüge". 

Manchmal ist es wichtig, Familienmitgliedern oder guten Freunden nicht immer die direkte Wahrheit zu sagen, um keine Feindschaften zu schüren. Wann jedoch diese Fälle genau eintreten, ist sehr schwer zu erklären. Nicht jede "Notlüge" kann mit dem Konzept aus Bava Metzia gerechtfertigt werden. Kauft, zum Beispiel, eine Frau ein neues Kleid und der Gatte findet es total häßlich, dann sollte er seiner Frau nicht unbedingt direkt sagen, was sie denn da für einen häßlichen Fetzen gekauft habe. Um den Familienfrieden zu erhalten, sollte der Mann zurückhaltender sein, um die Gefühle der Frau nicht zu verletzen. 

Dieses komplizierte Konzept finden wir noch anderswo; nämlich bezüglich der "Laschon HaRah - des Gerüchteverbreitens und des Klatsches über andere". Ein berühmtes Beispiel finden wir im Buch Micha (Propheten), indem Yaakov EMET (Wahrheit) zugeschrieben wird. Aber sagte Yaakov wirklich immer die Wahrheit ?
Auch hier handelt es sich um komplizierte Zusammenhänge in Fällen, wo man eine Art von "Laschon HaRah" benutzen MUSS, um positive Ergebnisse zu verursachen. Aber wie gesagt, diese Konzepte sind höchst kompliziert und man sollte sich allgemein davor hüten, bestimmte Verhaltensweisen damit zu rechtfertigen. 

Die drei Männer, die Avraham erschienen, werden von den Kommentatoren als Engel dargestellt. Der Talmud Traktat Bava Metzia 86b nennt uns die Namen der drei Engel: Michael, Gabriel und Raphael. Und jeder der Drei hatte eine bestimmte Aufgabe in unserer Welt zu verrichten, denn niemals kommt ein Engel allein mit zwei Missionen (Midrash Rabbah). Jeder Engel führt seine individuelle Aufgabe aus und zieht sich danach zurück. So war es die Aufgabe Michaels, Sarah wissen zu lassen, daß sie ein Kind bekommen wird. Raphael kam, um Avraham zu heilen und Gabriel sollte Sodom zerstören. 

In der Midrash Rabbah fragt der Kommentator Etz Yosef, warum denn die Thora nicht die Namen der Engel nenne ? 

Laut dem berühmten talmudischen Rabbi Reish Lakish haben die Engel gar keine Namen. Der Etz Yosef fährt fort, daß die Namen gewisser Monate sowie Engel erst im babylonischen Exil entwickelt worden sind. So werden Michael und Gabriel im Buch des Daniel genannt und Raphael ist im Buch Tobi (Tovi) erwähnt. 

Noch heute verwenden wir den Ausdruck: "Wie Sodom und Gomorrha" ohne uns jedoch über die wahren Geschehnisse in der Gegend im klaren zu sein. Die Gegend am Toten Meer war damals keine Wüste, sondern ein blühendes fruchtbares Land. Auch das Tote Meer selbst gab es noch gar nicht, sondern es handelte sich geographisch um das Tal der Schedim, indem die Könige gegen Avraham kämpften (siehe die vorherige Parashat Lech Lecha). Erst nach der Zerstörung Sodoms wurde die Gegend eine Wüste in der nichts wächst. 

Die Bewohner Sodoms waren reich und wollte alles, nur keine armen Durchreisenden. Sie taten alles um zu verhindern, daß sich Leute unter ihrer Würde in der Stadt niederließen und brachten auch schonmal den ein oder anderen Reisenden um. Gastfreundschaft oder jegliches Mitleid waren gesetzlich verboten und so wurde eine Tochter Lot's, die einem Armen Essen reichte, zum Tode verurteilt. Sie wurde von oben bis unten mit Honig beschmiert und dann auf einem Dach plaziert. Unnötig zu erwähnen, daß sie von einem Bienenschwarm erstochen wurde (Talmud Sanhedrin 109b). G - tt hörte den Aufschrei der Frau und das Schicksal Sodoms war besiegelt. 

Aber warum gerade Sodom ? Gab es nicht überall auf der Welt solche Vergehen ? 

Die Begründung liegt darin, daß Sodom sich im Heiligen Land befand und nicht außerhalb. Und für das heilige Land ist G - tt allein verantwortlich. 

Zum Schluß erfahren wir von der Akeidat Yitzchak - der Opferung des Yitzchak auf dem Tempelberg (Har Ha'Moriah). Sarah und Avraham hatten einen gemeinsamen Sohn, den Yitzchak. Den 13 Jahre älteren Sohn Ishmael hatte Avraham mit seiner Konkubine Hagar, einer ägyptischen Prinzessin. 

Das kabbalistische Buch Zohar lehrt, daß Ishmael vor der Beschneidung Avrahams geboren wurde und dieser schon in seiner Kindheit dem Götzendienst seiner Mutter Hagar folgte. Wie schon erwähnt erreichte Avraham erst nach seiner Beschneidung einen besonders hohen Level und G - ttes Anwesenheit (Schechinah) lag immer auf ihm. Kabbalistisch gesehen ist Yitzchak damit höher als Ishmael, denn Sarah ist seine Mutter und er wurde erst nach der Beschneidung geboren. Außerdem war sein Charakter anders als der des Ishmael und somit wurde Yitzchak zum von G - tt auserwählten Erbe Avrahams. Zu erwähnen bleibt, daß Ishmael wesentlich später in seinem Leben Teshuvah machte und zu G - tt zurückkehrte. 

Die berühmte Frage lautet, warum G - tt Avraham damit testete, seinen geliebten Sohn zu opfern. Hierzu hat Rabbi Kook einen erstaunlichen Kommentar:
Avraham führte den Monothoismus wieder ein und damit bekam der Götzendienst der Mitmenschen eine gegengesteuerte Kraft. Kann der Monothoismus die gleiche religiöse Euphorie hervorrufen wie der Götzendienst ? Mit seiner uneingeschränkten Bereitwilligkeit G - tt zu dienen, bewies Avraham das dem so ist.

Montag, Juli 23, 2012

Wie sehen ENGEL aus ?

B"H

In einem Forum stellte man mir folgende Frage:

Wie sehen ENGEL aus ?

Ich kann hier lediglich die jüdische Ansicht zu den ENGELN vermitteln ! 

Allgemein gesagt betrachtet das Judentum die Engel nicht unbedingt als unabhängige Wesen neben G - tt, sondern vielmehr als G - ttes unterschiedliche Kräfte. Bedeutet, wie G - tt handelt. Die Engel stehen da symbolisch für G - ttes Stärken, Macht oder Entschiedenheit. Allein existieren tun sie jedoch nicht. 

Kräfte, die auch in uns Menschen vorhanden sind, nur werden sie auf G - tt bezogen, in symbolischer Engelsform ausgedrückt. 

Der Talmud betrachtet jegliche Engelsabbildung als Götzendienst, denn sich ein Bild von Engeln zu machen, sei gegen das jüdische Gesetz. Ferner bestehe dann die Gefahr, dass man plötzlich einen Engel verehrt oder sogar anbetet und dies sollte auf alle Fälle verhindert werden. 

Im Widerspruch hierzu steht natürlich die Engelsabbildung auf der Bundeslade (zwei Cherubim). Dafür aber soll eine bestimmte Definierung gelten, mit der ich mich persönlich jedoch noch nicht befasst habe. 

Hier gibt es weitere Infos zum Thema ENGEL: 

Donnerstag, Dezember 08, 2011

Parashat Vayishlach - פרשת וישלח



B"H


Die Thoralesung für diesen Schabbat

Und Yaakov sandte (Yishlach - wird senden, Lischloach - senden) Engel / Boten aus, die seinen Bruder Esav treffen sollten. Mit diesem Inhalt beginnt die dieswöchige Thoralesung. Wörtlich bedeuten die "Malachim - מלאכים", die hier im Text genannt werden "Engel"; viele Kommentatoren hingegen übersetzen "Malachim" aber auch als "Boten" (u.a. Rabbi Samson Raphael Hirsch). Raschi hingegen sagt in seinem Thorakommentar, dass an dieser Stelle tatsächlich auch ENGEL gemeint sind. Wenn dem so ist, wie genau haben wir uns das vorzustellen ? 

In mir kommt da wieder einer der Momente auf, in denen meine bescheidene menschliche Vorstellungskraft versagt. Obwohl das kabbalistische Buch Zohar auch eher die Engelversion annimmt, bleibt die kabbalistische Erklärung vollkommen in einer Metapher gefasst. Rabbi Eleazar, der Sohn des großen talmudischen Rabbis Schimon bar Yochai, interpretiert den Thoravers folgendermassen: Seitdem Yaakov Lavan verliess, wurde er von der Schechinah (Gegenwart) G - ttes begleitet. 

Yaakov trug den Engeln / Boten auf, seinem Bruder Esav, welcher der Logik zufolge nach all den Jahren immer noch sauer auf Yaakov zu sein schien, auf auszurichten, dass er (Yaakov) als Fremder bei Lavan "gewohnt" habe. Als "Fremder" ? Waren Yaakov und Lavan nicht Neffe und Onkel ? Wieso also "Fremder" ? Und warum "gewohnt (garti-  גרתי)" und nicht "gelebt" ? 

Raschi rechnet die hebräischen Buchstaben des Wortes "garti - gewohnt" - zusammen: Gimmel = 3, Resch = 200, Tav = 400, Yud = 10 und sieht im Ergebnis die 613 Mitzwot. 

Bedeutet: Esav sollte aus der Satzstellung heraus erkennen, dass Yaakov immer noch der alte Yaakov war. Jener, der den Weg des einen ewigen G - ttes ging und keiner, der sich den schlechten Pfaden und dem Götzendienst angeschlossen hatte. "Seht her, ich wohnte zwar bei dem miesen Lavan, aber richtig gelebt habe ich dort niemals !" 

Überhaupt macht uns diese Parasha klar, dass Yaakov sich nicht nur allein auf seine gerechtes Leben / Benehmen verliess und meinte, G - tt werde schon irgendwie alles richten. Stattdessen hatte er furchtbare angst, seinem Bruder zu begegnen, der er wusste nicht, wie dieser reagiert. Der Ramban (Nachmanides) sieht in dieser Textestelle einen Hinweis an die zukünftigen jüdischen Generationen: Alles was unseren Vorvätern passierte, wird uns genauso erreichen ! 

Esavs Generationen werden ebenso konstant den Juden begegnen und auch wir sollten uns daher mit jenen drei Dingen auf die Begegnung vorbereiten, wie Yaakov es tat: 1. Anhand des Gebetes, 2. Anhand vom Entsenden von Geschenken und 3. auf den Krieg, um zu fliehen und in Sicherheit zu gelangen. 

Das antike Rom wurde als nachfolgende Generation des Esav bezeichnet. Heute streiten sich die Geister darum. Es gibt Leute, die sagen, die Deutschen seien Esav oder dessen Nachfahre Amalek (siehe Holocaust) und andere sagen ganz Westeuropa sei heute Esav einschließlich den USA. Die damaligen Römer zumindest waren es und der Ramban sieht die Schuld am Fall der Hasmonäer (Yehudah Maccabi und seine Familie) darin, dass sie einen heimlichen Bund mit Rom eingingen. Da wir am Dienstag abend, dem 20. Dezember die erste Chanukkahkerze zünden, sind natürlich hier die Hasmonäer (Chashmona'im) von besonderer Bedeutung. Andererseits riefen die Hasmonäer ihren eigenen Fall ebenso herbei, da sie keinen rechtmässigen König einsetzten und sich lieber selbst zur Macht aufschwangen. 

Rabbi Yehudah erklärt im Zohar, dass als Yaakov allein verblieb (siehe Genesis - Bereschit 32:25), er sich absichtlich einer Gefahr aussetzte und die beschützenden Engel ihn verliessen. Der Talmud lehrt uns, dass wir nicht unbedingt an jedem Ort allein bleiben sollen. Vor allem nicht immer im Dunkeln oder in Ruinen. 

Und schon wurde Yaakov von seiner eigenen Yetzer HaRah (der negativen Seite in uns) überfallen. Alles Weitere zu Yaakovs Kampf mit dem Engel HIER:


http://hamantaschen.blogspot.com/2008/12/parashat-vayishlach.html


Am Ende der Parasha erhalten wir eine ausführliche Liste der Nachkommen des Esav. In Genesis 36:34 wird "Magdiel" genannt. Raschi kommentiert hierzu, dass damit Rom gemeint sei. Weiterhin sieht Raschi in der gesamten Auflistung eine Prophezeihung. Der Ramban kommentiert dagegen und sieht in den hier genannten Generationen Esavs lediglich jene lebenden Generationen bis Moshe die Thora erhielt. 

Eines war das Leben von Yaakov nicht: Er hatte es nie leicht.
Erst die Sache mit dem Recht des Erstgeborenen, dann die Flucht nach Haran zu Lavan (im heutigen Syrien), der "Betrug" bei der Hochzeit mit Lea, die Rückkehr ins Heilige Land, seine 12 Söhne und zu guter Letzt noch das Verschwinden des Yosef. Es heißt, dass Yaakov die einzigen guten Jahre seines Lebens in Ägypten, nach der Wiedervereinigung mit Yosef, erlebte bevor er starb. 

Alles, was unsere Vorväter durchlebten, müssen auch wir erleiden. Nicht immer in genau derselben Art und Weise, dennoch gibt es im Thoratext versteckte Andeutungen. Die Diaspora, zum Beispiel, in welcher Yaakov in Haran lebte. Danach kam die Rückkehr nach Israel, welche für die Juden spätestens dann erfolgt, sobald der Meschiach eintrifft. 

Wenn wir allein auf das Verhalten Yaakovs schauen, so lernen wir gerade aus dieser Parasha eine ganze Menge. Auch für unser Leben in der heutigen Zeit. 

Schabbat Schalom

Samstag, November 12, 2011

Der Eintritt ins Paradies (Gan Eden)

B"H

Es war entweder in einer Midrasch oder eine der Traktate des kabbalistischen Buches “ZOHAR”, wo ich einmal las, dass das Tor zum Gan Eden (Paradies) von den Cheruvim bewacht wird. Stirbt ein Jude und erreicht seine Seele den Eingang zum Paradies, so entscheiden die Engel, in diesem Fall die Cheruvim, ob die Seele eingelassen wird oder draussen bleibt. 

Eigentlich kennen wir die Cheruvim mit ihren Kindergesichtern, denn zwei von ihnen standen als Figuren auf der Bundeslade. Trotz ihrer Kindergesichter sind die Cheruvim jedoch alles andere als klein und süß. Ihr Zusatzname lautet: Engel der Zerstörung”.

Und wie kommen die Seelen an den Cheruvim vorbei hinein in den Gan Eden ?

Unabhängig davon wie erfolgreich wir auf Erden waren oder wie viele Reichtümer uns umgaben; die Engel schauen in die Seele jedes einzelnen und danach gewähren sie den Eintritt ins Paradies.

Sonntag, Juni 19, 2011

Engelsbilder

B”H

Der Talmud Traktat Avodah Zarah 43b lehrt uns, keinerlei Bilder oder Ikonen von Himmelwesen anzufertigen. Hierbei werden vor allem die Bilder bzw. Statuen von ENGELN angesprochen. 

Obwohl sich auf dem der Aron HaKodesch (die Bundeslade) zwei Engel der Gattung CHERUVIM befanden, ist es Juden dennoch verboten, Engelsmotive zu erstellen, anzufertigen oder zu drucken. Kurz gesagt, es dürfen keine Formen von Engeln dargestellt werden, wobei die Cheruvim auf der Bundeslade einen im Talmud verzeichneten Sonderstatus einnehmen.

Inwieweit Engel als solches existieren, ist uns vollkommen unbekannt. Mehrere Male berichtete ich von der Ansicht des chassidischen Meisters, dem Baal Shem Tov, der da sagte, dass es sich bei Engeln lediglich um unterschiedlich wirkende Kräfte G – ttes handele.

Jüdisch – kabbalistische Literatur beschreibt uns verschiedenartige Engelsgruppen. Davon bewegt sich lediglich eine Gruppe in unserer materiellen Welt und der Rest der Engel bewegt sich in den zwei oberen spirituellen Welten. In der vierten, der obersten spirituellen Welt genannt ATZILUT, steht G – tt normalerweise allein. Eine spirituelle Welt, in welcher es nichts gibt, außer G – tt und in ihr findet nur die Sprache der Gedanken statt.

Übrigens sind die Cheruvim (Engel mit Kindergesichtern) alles andere als freundliche Engel, denn bei ihnen handelt es sich rechtmässig um die Engel der Zerstörung.

Mittwoch, März 09, 2011

Engel verstehen kein Aramäisch


Himmel über Tel Aviv

Photo: Miriam Woelke

B”H

Die Gemara (rabbinische Diskussion) im Talmud Traktat Schabbat 12b lehrt, dass die Engel die aramäische Sprache nicht verstehen. Kommentatoren fragen daher, wie die Gemara solche eine Behauptung aufstellen kann, wenn doch die Engel die Gedanken der Menschen kennen. Daher sollten sie der aramäischen Sprache mächtig sein (in Jerusalem vor mehr als 2000 Jahren wurde aramäisch gesprochen). 

Woher wissen die Kommentatoren, dass die Engel unsere Gedanken kennen ?

Und wie immer finden wir im Talmud sowie den späteren Schriften der Tosafot Widersprüche und Uneinigkeiten. Einerseits heisst es, dass die Engel die Gedanken der Menschen nicht kennen, sondern nur G – tt allein. Der einstige Rebbe der Chassidut Gur, der berühmte Thorakommentator Sfat Emet, hebt hervor, dass das kabbalistische Buch ZOHAR ausdrücklich lehrt, jene Engel, die zu Avraham kamen, fragten diesen, wo sich seine Frau Sarah befinde. Die Engel wissen folglich nur das, was G – tt sie wissen lässt. 

Der berühmte Vilna Gaon hingegen schlägt eine weitere Quelle im Talmud Traktat Berachot 55a vor. Dort nämlich heisst es, dass ein “Iyun Tefillah” verursacht, dass die Sünden eines Betenden genauer betrachtet werden. Bedeutet, dass jemand, der betet und erwartet, dass G – tt sein Gebet erhört und positiv “beantwortet”, denn er (der Betende) investierte schliesslich soviel Konzentration in sein Gebet, dass G – tt einfach reagieren “muss”. Die Engel dagegen sehen betrachten die Angelegenheit wesentlich anders und achten weniger auf die Konzentration im Gebet als auf das gerechte Verhalten einer Person. Deswegen fordern sie G – tt auf, doch erst einmal das Verhalten des Betenden genauer zu untersuchen als sich lediglich auf die hohe Betkonzentration zu verlassen. Und so schaut G – tt auf das Leben des Betenden und ob er denn eine Antwort verdiene, wenn er diese einfordere. 

Wenn aber die Engel G – tt zu näherer Betrachtung auffordern, woher wissen sie dann, was der Betende bezweckt ? Also müssen sie doch zwangsläufig dessen Gedanken kennen. Kann es sein, dass jene Engel, welche für Gebete der Menschen zuständig sind, die Fähigkeit besitzen, die Gedanken der Menschen zu kennen und demnach entscheiden, wessen Gebet beantwortet wird oder nicht. 

Eine Meinung lautet, dass die Engel sehr wohl unsere Gedanken kennen und daher die Gebete, welche wir in aramäisch beten (wie das KADDISCH), verstehen. G – tt aber will die Engel nicht für Gebete in aramäischer Sprache als unsere Für – oder Gegensprecher, die uns da im Himmel rechtfertigen (oder auch nicht). Gebete in hebräischer Sprache sind G – tt einfach wesentlich lieber. Wenn jedoch ein Betender der hebräischen Sprache nicht mächtig ist, dann erhalten die Engel die Ermächtigung, zugunsten des Betender bei G – tt “vorzusprechen”. 

Der berühmte Talmudkommentator “Rosh” meint, die Engel verstehen Aramäisch, betrachten die Sprache aber als minderwertig gegenüber der heiligen hebräischen Sprache. Aus diesem Grund sprechen sie vor G – tt nicht zu unseren Gunsten, da das Gebet nicht in hebräischer Sprache erfolgte.

Der ROSH sowie der Kommentator RA’AVAD kommentieren weiter, dass die Engel nur der hebräischen Sprache folgen und keiner weiteren. 

Erhalten wir eine definitive Antwort ?

Nein, wie so oft im Talmud !


Links:


Intensivität bis zur Erschöpfung

Mittwoch, Oktober 06, 2010

G - ttes Grund für die Erschaffung der Menschheit


Safed (Zfat) / Nordisrael.

Photo: Miriam Woelke

B"H

Es ist weitgehend bekannt, dass eine Gruppe von Engeln G - tt wegen Seiner Erschaffung des Menschen kritisierte. 
"Warum hast Du den Menschen erschaffen, so die Engel. Siehst Du nicht, dass der Mensch in der Zukunft sündigen und Dich so verärgern wird ?"
G - tt antwortete: "Wie dem auch sei, Zaddikim (gerechte Menschen) werden ebenso aus den Generationen hervorgehen. Ich erschuf den Menschen, sodass er in der Lage ist, auch nach seinen Vergehen Teschuva (Umkehr zu G - tt) zu tun. Natürlich ist mir bewusst, dass die Menschheit sündigen wird, aber werde ich nicht immer gleich verärgert sein, sondern das Privatleben jedes Menschen so gestalten, dass er zur Teschuva (Reue, Umkehr zu G - tt) kommt. Manchmal sogar schon bevor der Mensch überhaupt erst zu sündigen beginnt".

Weiter sprach G - tt: "Bevor ich den Menschen erschuf, kreierte ich im voraus das Konzept der "Teschuva". Es gibt Menschen, die sündigen werden, aber auch jene, die zu mir zurückfinden. Viele grosse Zaddikim (Gerechte) werden geboren werden, denn die Welt braucht das Licht genauso wie die Dunkelheit.
Wer seid Ihr Engel, die mir da sagen, dass die Erschaffung des Menschen ein Fehler war ? Nur die Menschen allein sind in der Lage zu beweisen, ob ihre Erschaffung falsch war oder richtig !"
__________________

Quelle:

Die kabbalistische Midrasch
"Sefer Adam HaRishon"

"Sefer Brit Menucha" zum "Turm von Bavel"

B"H

Dieser Schabbat is "Schabbat Noach"; bedeutet: wir lesen in den Synagogen die Thoralesung Noah. Von ihm, seiner Generation sowie der berühmten Flut (Mabul).
Bis heute diskutieren nicht wenige Juden darüber, ob Noach tatsächlich ein "Gerechter - Zaddik" war. Ob er seine Generation vor dem G - ttesurteil der Flut warnte oder er einfach stumm ausführte, was G - tt ihm befohlen hatte. Nämlich den Bau der Arche.

Der Talmud Sanhedrin gibt uns Auskunft, dass Noach sehr wohl seine Mitmenschen warnte, damit sie "Teschuva" begehen; heisst, sich wieder an die G - ttesgesetze halten. Die Umgebung aber pfiff auf Noach und seine Warnungen. Das Ergebnis war, dass Noach aufgab und ruhig seine Arche baute. Wider aller Spötter.

Weitere Ansichten lauten, dass Noach garantiert kein so grosser Zaddik war wie Avraham. Allerdings bin ich hier der Meinung, dass man stets die Zeiten beachten sollte. Noach war in seiner Generation ein absoluter Gerechter, denn es braucht schon eine Menge Stärke, sich gegen den Rest der Bevölkerung aufzulehnen und nicht dem perversen Verhalten zu folgen.

Die Parashat Noach zu lernen ist alles andere als einfach. Allein schon aufgrund der kabbalistischen Kommentare, welche von einer Menge Seelenreinkarnationen berichten.

Am Ende der Thora Parasha wird uns von einem zweiten Ereignis berichtet:
Vom Bau des "Turmes von Bavel - Migdal Bavel". Nimrod und seine Leute bauten einen Turm. Warum und zu welchem Zweck ?
Die Erbauer des Turmes spalten sich in mehrere Zweckgruppen auf. So erfahren wir, dass die Einen angst vor einer neuen G - ttesstrafe, sprich FLUT, hatten. Andere wollten G - tt gleich ganz ausschalten und hinauf in den Himmel gelangen, um Ihn zu vernichten.

Das kabbalistische Buch "Sefer Brit Menucha" handelt eigentlich von den Engeln, ihren Namen und Aufgaben. Es ist alles andere als leicht zu verstehen und ich frage mich, ob es überhaupt jemanden gibt, der den Inhalt Buch begreift. Einen Kommentar dazu fand ich bei einem Schüler des berühmten Kabbalisten Rabbi Yitzchak Luria (1534 - 1572); nämlich von Rabbi Chaim Vital (1543 - 1620). Den Kommentar jedoch fand ich wesentlich schwerer zu verstehen als das eigentliche Buch "Brit Menucha".

Gegen Ende des Buches berichtet uns der Autor Rabbi Avraham von Rimon vom "Turm zu Bavel". Wie Nimrod in der Lage war, sein immenses Wissen auf die Engel auszurichten und sie fast dazu zu bringen, seinen Willen auszuführen. G - tt hatte keine andere Wahl als einzuschreiten !

Rabbi Avraham berichtet uns nicht allzu viel von dem, was um den "Turm" herum geschah, sondern von dem, was IM "Turm" geschah und welche Bedeutung die Statue hatte, welche auf dem "Turm" errichtet worden war.

Heutzutage neigen wir oft dazu, die Menschen von damals zu verspotten und als minderwärtig abzutun. Käme jedoch ein Nimrod zurück und sehe uns, dann würde er  als Letzter am lautesten lachen.


"Sefer Brit Menucha" auf PDF:

http://hebrewbooks.org/pdfpager.aspx?req=31194&st=&pgnum=1&hilite=

Sonntag, Juli 18, 2010

Tisha be'Av - Der Fastentag 9. Av


B"H

Beginnend an diesem Montag abend bis hin zum Dienstag abend steht dem Judentum der traurigste Tag des Jahres bevor: der Tisha Be' Av – der 9. des jüdischen Monat Av. An jenem Tag wurden sowohl der Erste als auch später der Zweite Temple zerstört. Juden auf der ganzen Welt sehen diesen Tag als eine einzige Tragödie an, denn der Tag repräsentiert die schlimmsten historischen Ereignisse des Judentums überhaupt. Daher ist dieser Tag, wie Yom Kippur, ein 25 – stündiger Fastentag und es gelten fast die gleichen Halachot (Gesetze) wie am Yom Kippur. Allerdings mit einigen Ausnahmen.

Der Tisha Be' Av und das damit verbundene Fasten beginnen am Mittwoch abend und endet am Donnerstag abend nach Einbruch der Dunkelheit. Für die genauen Zeiten möge sich bitte jeder an seine Gemeinde wenden bzw. in israel. Tageszeitungen nachschauen.


Da bei den Tempelzerstörungen unzählige Juden umkamen, besteht für uns die Halacha, dass wir unsere Freude reduzieren, sobald der Tisha Be' Av beginnt (Kitzur Shulchan Aruch – Hilchot Tisha Be' Av). Vor dem Beginn des Fastentages müssen wir bei einem sogenannten Se'udat Mafseket ausreichend essen und vor allem trinken. Dies betrifft insbesondere uns Israelis, denn es werden für den Dinestag ca. 30 Grad vorausgesagt. Wenn möglich, sollte man bei dieser letzten Mahlzeit keine salzigen Speisen zu sich nehmen. Kartoffeln, Gemüse und Obst sind immer gut. Mein persönlicher Tipp ist Wassermelone. Der Schulchan Aruch (Orach Chaim) lehrt, dass es den Minhag (Brauch) gibt, beim Se'udat Mafseket Linsen und Eier zu sich zu nehmen. Beide Speisen sind ein Zeichen der Trauer. Auf Fleisch und Wein sollte ganz verzichtet werden.

Außer der Freude, sollten auch jegliche Bequemlichkeiten vermieden werden. In den Synagogen sitzen wir zum Abend – und Morgeng – ttesdienst nicht auf den Bänken, sondern viele bringen sich einen niedrigen Stuhl oder Hocker mit.

Hier die wichtigsten Halachot (Gesetze) für den Tisha Be' Av zusammengefaßt aus dem Shulchan Aruch ff.:

1. Essen und Trinken ist absolut verboten.

2. Lederschuhe aller Art dürfen nicht getragen werden, da Leder ein Zeichen für Bequemlichkeit ist. Stattdessen sollen Leinenschuhe oder Sportschuhe ohne Leder getragen werden. In Jerusalem laufen viele Leute einfach barfuß.

3. Sex ist verboten.

4. Sich duschen oder sonst irgendwie waschen ist verboten. Es sei denn, man bereitet sich aufs Gebet vor oder kommt von der Toilette.

5. Es ist Brauch, die Nacht auf einer Matratze auf dem Fussboden zu verbringen oder sein Bett einfach umzudrehen.

6. Zum Morgengebet Shacharit legen Männer keine Tefillin, sondern erst zum Nachmittagsgebet Mincha.

7. Das Thorastudium ist am Tisha Be' Av verboten. Stattdessen sollten die Megillath Eicha, das Buch Iyov (Hiob) oder der Talmud Traktat Taanit gelernt werden.

8. Abends und morgens wird in den Synagogen die Megillath Eicha gelesen. Eicha ist die Prophezeihung des Propheten Jeremiah (Yirmeyahu) und beschreibt die Zerstörung des Ersten Tempels und die Zeit danach.

9. Ausserdem werden KINOT gelesen, wobei hier zwischen ashkenasischen und sephardischen Kinot zu unterscheiden ist. In den Kinot sind viele Schicksalsereignisse in der Geschichte des Judentums aufgelistet.

Wer in Jerusalem zur Klagemauer kommt und keine Kinot dabei hat, der kann sie vor den Eingängen für ca. 10 Shekel erstehen. Allerdings werden dort fast nur sephardische Kinot angeboten, was aber nicht von so grosser Relevanz ist. Hauptsache Kinot. Während dem Lesen der Kinot sitzen die Leute vor der Klagemauer gewöhnlich auf dem Boden.

Überhaupt nimmt Jerusalem am Tisha Be' Av einen besonderen Status ein, denn hier vor der Klagemauer befinden wir uns am Originalschauplatz. Viele Leute stellen sich beim Aufblicken auf den Tempelberg schon den Dritten Tempel vor. Tausende machen sich am Montag Abend auf zur Klagemauer und der gesamte Platz an und um die Kotel ist jedes Jahr vollkommen überfüllt. Nicht wenige bringen Matratzen oder Schlafsäcke mit, denn sie schlafen die ganze Nacht ueber vor der Klagemauer. Der ganze Platz gleicht einem riesigen Campingplatz. Wer keinen Schlafsack dabei hat, der setzt sich auf das Pflaster und liest Kinot. Es sei jedem anzuraten, rechtzeitig zur Kotel zu gehen, denn schnell werden sämtliche Plätze belegt sein.

Ein zweiter Brauch in Jerusalem ist der "Marsch um die Stadtmauer", welcher von der Vereinigung der "Women in Green", einer rechtsorientierten Organisation, organisiert wird. Seit vielen Jahren ist der Marsch Tradition. Nachdem ich im letzten Jahr aussetzte und nicht teilnahm, werde ich an diesem Montag abend dabei sein und Photos machen.





Wie sich sicher jeder vorstellen kann, wird der Marsch streng bewacht; fast alle fünf Meter steht ein Soldat. Es geht hinunter zum Damaskus – Tor hin bis zum Löwentor, wo einige Politiker Reden halten werden. Im Jahre 2001 war noch Ehud Olmert als Bürgermeister dabei und proklamierte ganz gross, dass er Jerusalem niemals abgeben werde. Heutzutage sind wir uns dessen bei ihm nicht mehr allzu sicher. Die Hauptrede wird, wie gewöhnlich, der Knessetabgeordnete der Ichud HaLeumi, Aryeh Eldad, halten. Veranstalterin Nadja Matar ist selbstverständlich auch mit von der Partie. Endziel ist die Klagemauer.

Warum genau wurden beide Tempel zerstört und warum ist das heute noch so wichtig für das Judentum ?
Viele der Antworten darauf finden wir im Talmud.

Der Erste Tempel, welcher von König Salomon erbaut und im Jahre 586 vor der Zeitrechnung von den Babylonier zerstört worden war, hatte eine wesentliche wichtigere Bedeutung als der Zweite Tempel. Zu der Zeit waren Wunder allgegenwärtig. Die Bundeslade befand sich noch im Allerheiligsten (Kodesh HaKedoshim) und G – ttes Präsenz (Shechinah) war überall. Es gab Hunderte, wenn nicht sogar Tausende von Propheten und das Feuer vom Altar (Mizbeach) reichte direkt hinauf in den Himmel. Kabbalistisch betrachtet verband diese Wolke die untere mit den spirituellen oberen Welten.

Warum wurde der Erste Tempel zerstört ?Aufgrund von drei Vergehen. Götzendienst, sexuelle Perversionen und Mord (Talmud Yoma 9b). Die Juden vergaßen G – tt, die Thora und die Mitzwot und wandten sich lieber anderen G – ttern zu. Vor allem die Tofet, ein Ort gleich außerhalb der Stadtmauer, erlangte traurige Berühmtheit, denn in der Tofet opferten sie ihre Kinder an fremde G – tter. Einige Kommentare lauten, dass sie die Menschenopferungen an G – tt geopfert haetten, denn fälschlich meinten sie, dass dies so sein müsse.
G – tt duldete dieses Treiben nicht mehr und veranlaßte die Zerstörung des Temples. Doch wie wir aus der Thora wissen, tut G – tt soetwas nie von heute auf morgen, sondern gibt den Menschen Hinweise. Wenn die Menschen die Hinweise wahrnehmen und zu G – tt umkehren (Teshuva machen), aendert G – tt seine Meinung. Falls dies nicht geschieht, nimmt das Schicksal seinen Lauf. Laut dem berühmten Rabbiner Aharon Kotler glaubten die meisten Juden an die Thora, aber sie sahen keinen Sinn in ihr und somit kam das Spirituelle der Thora nicht mehr herüber. Das chassidische Buch Bnei Yissachar sowie der Talmud lehren uns, dass sich die Gesichter der zwei Cherubim (Engel mit Kindergesichtern auf der Bundeslade) ansahen, wenn die Juden G – ttes Willen erfüllten. Sobald sie sich von G – tt abwandten, schauten die beiden Cherubim in gegengesetzte Richtungen. Allein schon diese Tatsache hätte den Juden eine Warnung sein müssen.

Nach der Zerstörung des Ersten Tempels wurden die Juden für 70 Jahre ins babylonische Exil geschickt. Nach Ablauf der 70 Jahre war es ihnen freigestellt, nach Israel zurückzukehren und den Tempel wieder aufzubauen. Die Gemara im Talmud Yoma lehrt uns, dass der Erste Tempel nicht vollkommen zerstört worden war. Mehr oder weniger war fast nur das Dach beschädigt. Ezra etc. bauten den Tempel wieder auf und später wurde er von Herodes erweitert. Im Jahre 70 nach Beginn der Zeitrechnung wurde er von den Römern zerstört.

Gibt es einen Unterschied zwischen dem Ersten und Zweiten Tempel ?

Ja, eindeutig, und das nicht nur architektonischer Art.
Nur 42.360 Juden waren mit Ezra aus dem babylonischen Exil nach Israel heimgekehrt, was die Gemara in Yoma 10a als einen der Gründe ansieht, warum der Zweite Tempel weniger an Keduscha (Heiligkeit) besaß. G – tt war ärgerlich über die im Exil verbliebenen Juden, die sich in Babylon eine Heimat aufgebaut hatten und dort ihr Leben geniessen wollten.

Im Talmud Yoma heißt es, dass es fünf Unterschiede zum Ersten Tempel gab:

1. Es gab keine Bundeslade mehr. Bis heute wurde die Bundeslade nicht gefunden und der Talmud listet unterschiedliche Lokalitäten der Lade auf.

2. Das Feuer vom Altar (Mizbeach) reichte nicht mehr hinauf in den Himmel.

3. Es gab keine Shechinah (G – ttes) Präsenz bzw. sie hatte sich weiter von uns entfernt.

4. Die Zeit der Propheten war vorüber. Stattdessen haben wir bis heute eine sogenannte Bat Kol, welche Raschi als das Echo einer himmlischen Stimme bezeichnet.

5. Auch gab es kein Urim ve Turim mehr. Eine Schriftrolle mit den Namen G – ttes. Diese wurde in das Choshen des Cohen HaGadol (Hohepriester) gesteckt und aufgrunddessen war er in der Lage, Fragen zu beantworten. Er brauchte nur zu sehen, welche Buchstaben auf dem Choshen aufleuchteten und schon hatte er G – ttes Antwort. Der Ramban und die Tosafot vertreten die Meinung, dass es kein Urim ve Turim ohne Ruach HaKodesh (ein bestimmter Level der Prophezeihung) geben kann.
Mir persönlich ist noch der Schamir eingefallen, der nach der Zerstörung des Ersten Tempels verschwand. Mit dem Schamir, einem offenbar kleinen Wurm, der alles zerschnitt, was ihm in den Weg kam, baute König Salomon den Ersten Tempel. Niemand weiß, was genau der Schamir war und im Talmud gibt es verschiedene Meinungen. Ein jüdischer Tempel darf niemals mit Metallwerkzeugen gebaut werden, da diese Waffen repräsentieren. Daher benutzte Koenig Salomon den Schamir, von dem es heißt, dass er nur für diesen Zweck von G – tt erschaffen worden war.

Seit der Zerstörung des Zweiten Tempels warten wir Juden auf die Ankunft des Meschiach, der den Dritten und somit letzten und ewigen Tempel bauen wird. Laut dem Rambam ist der Tempel schon im Himmel gebaut und kommt in der Zeit des Meschiach hinab auf den Tempelberg.

Warum wurde der Zweite Tempel zerstört ?

Die Antwort gibt uns wiederum der Talmud Yoma 9b.
Aufgrund von gegenseitigem Haß ließ G – tt es zu, dass die Tempel zerstört wurde. Die Juden hielten zwar die Thora ein, doch beneideten sie sich gegenseitig und jeder wollte besser sein als der andere. Rabbi Yonatan Eibeschütz ist der Meinung, dass der Bruch innerhalb der Gesellschaft auf den Bruch zwischen den Thoragelehrten und den nichtreligiösen Juden zurückzuführen ist. Viele einfache Leute waren neidisch auf die Gelehrten. Später bildeten sich die Sadduzäer (Zadukim), welche die mündliche Überlieferung (die Mishna im Talmud) und die Authorität der Rabbiner nicht anerkannten. Ein Trugschluß, denn wer die Thora verstehen und einhalten will, der kann auf G – ttes mündliche Überlieferung an Moshe (die Mishna) nicht verzichten. Erst durch sie erfahren wir, wie wir genau die Gesetze einhalten und ausführen.

40 Jahre vor der Zerstörung des Zweiten Tempels gab G – tt die ersten Zeichen, welche die Juden nicht sehen wollten und ignorierten (Talmud Yoma 39b). u.a. öffneten sich die Tore zum Innenhof (Heichal) von allein, was andeutete, dass der Feind leichten Einlaß haben wird (Rashi). Nach dem Tode des großen Cohen HaGadol (Hohepriesters) Schimon HaZaddik gab es keinerlei Wunder mehr (Maharsha). Auch löschte die Tempelmenorah von allein ihre Kerzen. Umkehren zu G – tt taten die Juden nicht und so nahm das Schicksal seinen Lauf. Ein Schicksal, unter dem wir noch heute leiden. Hoffen wir, dass der Meschiach bald kommen wird und den Dritten Tempel baut.

Zum Schluß noch ein paar aufmunternde Worte vom ersten Oberrabbiner Israels, Rabbi Avraham Yitzchak HaCohen Kook (Kuk). Er schrieb, dass die Hoffnung auf die Ge'ulah (Erlösung) das Volk Israel auch in der Disapora am Leben erhält. Eine Funke G – ttes ist in jedem von uns, der mit uns in die Diaspora geht. Der Funke erinnert uns immer an Israel und wirkt wie in Magnet darauf. In den USA gedenkt man am Tisha Be' Av gleichzeitig auch dem Holocaust. Der Holocaust ist ein weiteres jüdisches Desaster in unserer jüngsten Geschichte. In Israel kommen ab und an Diskussionen auf, ob der Tisha Be' Av nicht auch hier der offizielle Holocaust – Gedenktag werden soll.
Wie ich zuvor schon einige Male erwähnte, sollten wir trotz allem unseren Blick in die Zukunft lenken und hoffen, dass die Ge'ulah bald eintreffen wird.

In Israel sind am Tisha Be' Av viele Geschäfte geöffnet und Leuten arbeiten. Allerdings gilt, dass Leute, die arbeiten, ihr Geld spenden sollen. Man sollte keinen Nutzen von dem erwirtschafteten Geld an dem Tage haben. Die Busse fahren ganz normal und grundsätzlich gelten nicht die Regeln wie am Schabbat. Außer den o.g. Halachot.

Ich wünsche allen vorab ein leichtes Fasten – Zom Kal !!!

Sonntag, Mai 30, 2010

Engel sind kein Medium G - ttes

B"H

Der Ramban (Nachmanides, 1194 - 1270) kommentiert zum Talmud Traktat Schabbat 12b:

Wer Engel als ein Medium zwischen G - tt und einem Betenden betrachtet, betreibt Götzendienst. Das Beten zu einem Engel ist absolut verboten. Wenn im Judentum gebetet wird, dann einzig und allein zu G - tt selbst !