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Mittwoch, September 19, 2012

Mea Shearim nach Rosh Hashana

B"H

Heute früh hatte ich etwas im ultra – orthodoxen Stadtteil Jerusalems, Mea Shearim, zu erledigen und auf meinem Weg durch den Stadtteil machte ich ein paar Photos. 

Rosh Hashana ist gerade einmal vorbei, Yom Kippur steht in der kommenden Woche an und in knapp zwei Wochen erst feiern wir Sukkot (das Laubhüttenfest). Der Kommerz um Letzteres ist jedoch schon in vollem Gange.



Kapparot Mitteilung an einer Hauswand

Zu den vor Yom Kippur traditionellen Kapparot gehe ich gesondert ein. Grob umschrieben handelt es sich um einen Brauch, den ein Jude entweder per Huhn oder mit Geld ausübt. Alles dient dazu, seine eigenen Vergehen zu bereuen und vor Yom Kippur vor dem G - ttesgericht positiver dazustehen. 



Sukkah in Yoel Street (Mea Shearim)



Am Kikar Supnik / Supnikplatz baut die chassidische Gruppe Dushinsky eine gigantische Sukkah.





Eine "Balkon" Sukkah (Laubhütte) zum anstehenden Sukkot (Laubhüttenfest) in Mea Shearim Street / Jerusalem






Die chassidische Gruppe GUR (jiddisch: Ger) hielt offenbar in ihrer Beit Midrasch (Lehrhaus) ein ziemliches wildes Rosh Hashana Festmahl ab. Jedenfalls wurde der Abfall auf dem Gehsteig gegenüber entsorgt.



Eine der vielen Sukkot (Laubhütten) der chassidischen Gruppe Gur in der Sefat Emet Street / Jerusalem.

Photos: Miriam Woelke

Mittwoch, August 24, 2011

Die chassidische DUSHINSKY SYNAGOGE in Jerusalem

B"H

Die Synagoge der chassidischen Gruppe DUSHINSKY in Jerusalem.





Was man auf den Photos weniger sieht, ist der Neubau im Hintergrund. 

Photos: Miriam Woelke

Mehr zu Dushinsky HIER !



In der Synagoge.

Montag, November 16, 2009

Die "Jüdische Presse" zu Rabbiner Joshua Buchsbaum (1921)



Die "Jüdische Presse" vom 16. Dezember 1921:
Rabbiner Joshua Buchsbaum wird Oberrabbiner von Galanta.

Für all jene Leser, die sich für die jüdische Vergangenheit in der Slowakei interessieren !

Montag, November 09, 2009

Der Dushinsky Rebbe in Marienbad



Der Dushinsky Rebbe bei einem Spaziergang durch das Marienbad vor dem Zweiten Weltkrieg.

Wer kann die Personen auf dem Photo identifizieren ?

Freitag, Oktober 09, 2009

Schabbat Schalom



B"H

Heute abend beginnt in Israel der letzte Tag des Sukkot - Festes: Simchat Thora. In der Diaspora wird dieser Tag erst am Sonntag begangen. In Israel hingegen kehrt schon am Sonntag wieder der Alltag ein und somit auch der gewohnte Alltag in meinen Blogs.

Gestern abend war ich in der fast haredischen Stadt Bnei Brak bei Tel Aviv. Einige Sukkot - Feiern wollte ich mir anschauen, doch fand ich nur noch bei der chassidischen Gruppe Vishnitz einiges an Action. Im Stadtteil der Gruppe, in Kiryat Vishnitz, waren Metalltribünen aufgestellt und um 21.00 Uhr sollte es losgehen: Musik und Tanz.
Die Frauen sollten das Geschehen von der Synagoge gegenüber betrachten können. Per Live Video auf einer Leinwand. Außer einigen Plaudereien mit einigen weiblichen Vishnitzer Teenager erlebte ich jedoch nichst. Die Videoaufführung wurde abgesagt und die Frau quetschten sich an die Synagogenfenster, die hinaus zu den Metalltribünen der Männer reichten.

Gegen 22.00 Uhr war erst die Hälfte der Chassidim eingetroffen und die Zeit rann mir und meinem Bus nach Tel Aviv irgendwann davon. So machte ich mich auf den Heimweg, doch bin ich mir sicher, dass Rebbe Israel Hagers Chassidim gründlichst feierten.

Heute nachmittag fahre ich nach Jerusalem und gehe am Abend auf Einladung zu den traditionellen HAKAFOT nach Mea Shearim zur Chassidut Dushinsky.
Bei den Hakafot werden sämtliche Thorarollen aus dem Schrein geholt und es wird mit ihnen getanzt. Symbolisierend, dass wir die Thora ganz beendeten und am nächsten Schabbat der Neubeginn startet: Mit der Parashat BERESCHIT - GENESIS.


Allen Leser noch schöne Feiertage, Chag Sameach & Schabbat Schalom

Mittwoch, September 16, 2009

Thoraschreine

B"H


Bilder einiger kunstvoll gestalteter Thoraschreine (Aron HaKodesh) in verschiedenen Synagogen:



Der Thoraschrein der Chassidut Dushinsky in Jerusalem



Der Thoraschrein der weltberühmten litvischen Yeshiva "Ponebezh" in Bnei Brak (bei Tel Aviv)




Selichot Gebete vor dem Thoraschrein in der chassidischen Gruppe Permishlan


Link:

Aron HaKodesh.COM

Mittwoch, Oktober 15, 2008

Die Anstandsbrücke

B"H

Nachdem ich zum vergangenen Sukkot einen Artikel mit dem Titel "Die Anstandsstraße" verfasste, lautet der diesjährige Bericht "Die Anstandsbrücke".

Der Jerusalemer ultra - orthodoxe Stadtteil Mea Shearim unterliegt einmal wieder mehr extremen Veränderungen und seit gestern ist sie nun in Betrieb, die Anstandsbrücke.

Nicht, das Mea Shearim nur der einzige haredische Stadtteil wäre; er ist vielleicht der Bekannteste, aber dennoch nur einer von vielen neben Ramat Shlomo, Sanhedria, Kiryat Belz, Kiryat Zanz, Kiryat Mattersdorf, Romema, Ge'ulah, Bucharin, Makor Baruch, Bait Vagan, etc. Aber gerade in Mea Shearim steigen die meisten relig. Sukkotevents neben jenen in der Altstadt. Chassidim wissen ausgiebig zu feiern und niemand kommt da mit; weder Nationalrelig. noch die litvischen Haredim. Im Gegenteil, gerade die Litvischen besiedeln Mea Shearim und tanzen wie wild mit den Chassidim.

An den Zwischenfeiertagen des Sukkot (Laubhüttenfestes) sind die Hauptstraße Mea Shearims sowie dessen lokaler Markt mit den Synagogen der Neturei Karta und Avraham Yitzchak in der Mitte durch eine Absperrung samt Plastikplane getrennt. Aus Anstandsgründen, sodass sich Männlein und Weiblein nicht zu nahe kommen. Eine Gasse für verheiratete Paare gibt es ebenso, doch war gestern abend alles dermassen schlecht ausgeschildert, dass mir nie recht klar war, wo jetzt die Verheirateten entlangspazieren.

An den Zugängen der Mea Shearim Street stehen extra private Wachposten sowie einige Chassidim der extremen chassidischen Gruppe Toldot Aharon. Mit Megaphonen ausgerüstet rufen sie dazu auf, den Geschlechteranstand einzuhalten. Zuvor gab es aufgrund eines Posters an den Hauswänden des Stadtteiles Aufsehen, dass dieses Mal offensichtlich keine auswärtigen Besucher zugelassen werden. Dieses erwies sich zumindest gestern als viel zu übertrieben ist und ich machte die Erfahrung, dass jeder anständig angezogene Jude sehr wohl Zutritt hatte.

In einigen Synagogen herrscht nochmals eine extra interne Kontrolle, die vor ungebetenen Besuchern schützen soll.
Nichtjuden sind unerwünscht und das vor allem aus Missionsgründen. Aber überhaupt hat Mea Shearim keine Lust mehr auf fanatische Christen, die da meinen, in den Straßen für eine Judenbekehrung beten zu müssen. Bei solch einem Schauspiel wurde ich einmal unfreiwillig Zeuge und wer soetwas sieht, der rennt vor dieser Art Christen auf und davon. Das war einfach nur noch widerlich.

Gestern abend fuhr ein Bus mit den derzeit anwesenden Christen durch Mea Shearim und diese fingen hinter ihren Fenstern umgehend begeistert an zu lächeln und zu winken. Dem ehemaligen aschkenazischen Oberrabbiner Israel Lau fiel sogar eine Tussi vor wenigen Jahren einmal um den Hals. Er sei ein "Mann G - ttes" - so gab sie ekstasisch von sich. Was man sich hier alles von solchen Leuten bieten lassen muß ist unbeschreiblich. Gut, dass sie nur im Bus passierten und nicht ausstiegen, sonst hätte man sie geschmissen.

Trotz Regenbeginn war die Atmosphäre in Mea Shearim kaum zu übertreffen. Tausende auswärtiger sowie lokaler Besucher gaben sich die Synagogenklinken in die Hand. Mit einer Freundin ging ich zu dem begehrtesten chassidischen Tisch Mea Shearims, den Toldot Aharon. Dort war alles restlos überfüllt, aber als erfahrene Tischbesucher wissen wir über die Metallgestelle zu klettern und so ergatterten wir einige gute Plätze. Zu lauter chassidischer Musik, gespielt von der hauseigenen Band, tanzten die Chassidim im Erdgeschoß. Im Korridor, dem Zugang zur Frauenempore, hing ein Schild in hebräischer und englischer Sprache aus:
"Frauen mit Perücken haben keinerlei Zutritt, wenn sie ihre Perücke nicht wenigstens mit einem Tichel bedecken !"

Die Toldot Aharon als Gruppe lehnen die allgemein übliche Kopfbedeckung der Frau, die Perücke, grundsätzlich ab. In der Vergangenheit wurden sogar einige Mea Shearimer Perückengeschäfte abgefackelt. Das Schild jedoch überraschte mich dennoch, obwohl, die Satmarer Frauen dürften weniger Probleme haben, denn am Schabbat sowie den Feiertagen tragen sie immer ein Tichel (ein kleines weisses Tuch) auf ihrer Perücke. Das ist so Tradition und auch die Chassidut Dushinsky steht dem nicht nach.

Wie gesagt sind einige Straßen nach Geschlechtern getrennt. Auch in Bnei Brak und Ramat Beit Shemesh ist dies der Fall. Vor der großen Breslover Synagoge in der Mea Shearim Street aber steht die größte Attraktion überhaupt: Eine Holzbrücke trennt Männlein und Weiblein an einer Straßenkreuzung.

Wer in die Breslover Synagoge sowie in den lokalen Mea Shearim Markt zu den Toldot Avraham Yitzchak will, der gehe als Mann über die Brücke und als Frau unter der Brücke hindurch. Ein Unternehmen, was sich jedoch als vollkommen überflüssig erweist, denn am Brückenende stoßen die Geschlechter eh wieder aufeinander. Als ich das Wachpersonal befragte, wo ich denn jetzt langgehen soll, kam nur ein Schulterzucken. Ja, das wisse man jetzt auch nicht und hier passieren, sei schon okay. Oder etwa doch nicht ?
Wer steigt da noch durch ?

Irgendwie landeten wir doch noch im Markt bei den Avraham Yitzchak, die gerade beim Soundcheck waren. Heute abend gehe ich erneut und diesesmal zu Karlin - Stolin, Dushinsky sowie den Boyanern. Photos werde ich, wenn alles gutgeht, auch noch in den Blog stellen.

Tagsüber läuft sehr viel in der Jüdischen Altstadt und wer als Nichtjude alles geniessen will, der hat dort und in der Neustadt vor dem Rathaus am Safra Square Chancen. Außerdem gibt Chabad am morgigen Donnerstag abend ein riesen Konzert im Cardo vor der Zemach Zedek Synagoge.

Freitag, Juni 27, 2008

Rabbiner dringend gesucht …

B"H

G - tt ? Wer ist G - tt ?

Okay, Er ist da und regiert die Welt. Andererseits ist Er aber auch weit weg und das ist gut so. Soll Er nur weit weg bleiben, denn wir haben hier auf der Welt andere Prioritäten, die da Macht, Geld und Ansehen heißen.
G - tt, wenn wir Dich brauchen, dann melden wir uns. See you later und bis denne".

Nein, ich rede hier nicht von total säkuleren Juden, die so denken, sondern von Rabbinern. Rabbiner, die eigentlich diesen Beruf ergreifen sollten, um G - tt etwas zu vertreten, die Religion auszuüben und andere dazu inspirieren, mitziehen oder wie man es auch immer ausdrücken will. Anscheinend ist dies heute eine absolute Idealvorstellung und Illusion.

Die jüdische Lehre besagt, dass mit jeder neuen Generation immer mehr an Weisheit verloren geht. Jedenfalls zum zum Eintreffen des Meschiach.
Gab es zu talmudischer Zeit noch einen Rabbi Akiva oder Rabbi Gamliel, irgendwann viel später den Rambam, Rabbi Gerschom, die spanischen Kabbalisten, den Maharal von Prag, die Chassidim, den Gaon von Vilna, Rabbi Samson Raphael Hirsch bis hin zu Rabbi Moshe Feinstein; was aber ist heute geblieben ?

Natürlich haben wir auch heute große Rabbiner, aber geben wir es doch zu: Irgendwie ist alles nicht mehr so wie früher. Heutzutage leben viele Rabbiner, insbesondere chassidische Rebben, von dem Ruf ihrer Vorfahren. Sie selber müssen keine relig. geistigen Größen mehr sein. Es reicht, wenn man in die Familien der Rebben und einstigen Schüler hineingeboren ist. Aber dies ist ein anderes Thema, zu dem ich mich zu einem späteren Zeitpunkt auslasse.

Nicht nur die chassidische Welt hat teilweise Probleme, nein, insbesondere die litvisch - haredische Welt leidet. Der Vilna Gaon und Rabbi Moshe Feinstein sind lange verstorben und mit Wehmut denkt man an sie zurück und wünscht sie sich sehnsüchtig herbei. Heutzutage wird die israelische litvische Welt von einem beherrscht, und das nennt sich Politik. Rabbi Eliyashiv, der geistige Führer der "Litvaks" ist das beste Beispiel dafür. Vor ein paar Jahre sorgte er zum Beispiel dafür, dass "Rabbi" Jonah Metzger neuer israelisch - aschkenazischer Oberrabbiner wurde. Metzger war nur allzu sehr umstritten, denn handelte es sich bei ihm um keinen geeigneten Kandidaten. Halachisch nicht gut drauf und auch sonst hapert es mit dem relig. Wissen. Stattdessen beherrscht Metzger es perfekt, sich durch Kompromisse und Schmeicheleien in hohe Positionen zu katapultieren. Dies kann Rabbi Eliyashiv nur recht sein, hat er doch so Zugriff auf den Oberrabbiner.

Mit Metzgers Vorgänger, Rabbi Israel Lau, verhielt es sich kaum anders. Bei Lau hat man immer das Gefühl, dass alle ihn bemitleiden, weil er im KZ Buchenwald inhaftiert war und er so ergreifend die Story von seiner Rettung durch seinen älteren Bruder erzählt. Halachisch war und ist Rabbi Lau keine Größe, was jedoch egal ist, wenn man die richtigen Verbindungen hat. Politisch und nicht zu G - tt.

Die heutige Ausgabe der Zeitung "MAARIV" beschuldigt "Rabbi" Jonah Metzger auch nun noch der sexuellen Belästigung. Im Jahre 2006 habe es mehrere Beschwerden über ihn gegeben. Frauen, kleine Jungen, bei Metzger sei schon alles egal. Die sephardische Rabbinerriege war absolut gegen eine Ernennung Metzgers zum aschkenasischen Oberrabbiner, waren doch seine sexuellen Ausfälle reichlich bekannt. Letztendlich aber stimmte der ehemalige sephardische Oberrabbiner Ovadiah Yosef der Ernennung zu, da er es sich nicht mit dem litvischen Oberhaupt Eliyashiv verderben wollte.

Und was bleibt uns als "normaler Jude" übrig ? An wen können wir uns eigentlich noch wenden, ohne irgendwelche Machenschaften in Betracht ziehen zu müssen ? Chassidische Rabbiner erkennen die Oberrabbinität eines staatlich ernannten Oberrabbiners wie Lau oder Metzger eh nicht an. Gut so, denn seit Jahren werden Leute auf diesen Posten gehievt, die politisch korrekt sind, aber halachisch keine Ahnung haben.

Wo sind all die großen Rabbiner hin ?
Es scheint als müßten wir sie heute privat irgendwo mit der Lupe suchen. Aber selbst wenn man glaubt, einen glaubwürdigen Rabbi gefunden zu haben, kann dennoch alles im Desaster enden. Plötzlich stellt man fest, dass da doch diverse Machenschaften stattfinden und Mr. Rabbi selbst mit im Sumpf steckt. "Landesrabbiner" Netanel Wurmser aus Stuttgart ist hierfür das berühmte deutsche Beispiel.

Aber wen kümmert das heute noch groß ? Sind wir überrascht ?

Nein, denn hat nicht schon der Vilna Gaon vorausgesehen, dass in der Zeit vor der Ankunft des Meschiach die Mehrheit der Rabbiner korrupt sein wird (Erev Rav). Leider müssen wir erst auf den Meschiach warten, um wieder eine glaubwürdige Rabbinermehrheit zu bekommen.

Aber nicht alles ist gleich verloren. Es gibt noch Rabbiner, die es verdient haben, so genannt zu werden. Und hierunter fallen alle Sparten: ob nationalrelig., chassidisch oder litvisch.

Darunter sind aber auch jene der antizionistischen Dachorganisation "Edah HaCharedit". Vielerlei zu extrem, aber halachisch absolut glaubwürdig.

Einen Rabbiner, den ich besonders schätze ist der Rebbe der chassidischen Gruppe Dushinsky, Rabbi Yosef Zvi Dushinsky, zu dessen Tisch ich heute abend gehen werde.

Samstag, März 15, 2008

Die Qual der Wahl

B"H

Vielleicht sollte ich die Erlebnisse dieses gerade ausgeklungenen Schabbates in mehrere Teile zerstückeln, denn soviel ist geschehen. Spezifische Sachen halte ich vorerst hintenan, nur um zu einem späteren Zeitpunkt näher auf sie einzugehen.

Das Wetter am gestrigen Erev Schabbat (Freitag Abend) war kühl und windig. Das mag vielleicht der Grund gewesen sein, warum abends weniger aussenstehende Tischbesucher unterwegs waren als gewöhnlich. Mit einer Freundin begann ich den Schabbat mit dem Abendgebet (Maariv) bei der chassidischen Gruppe Karlin - Stolin in Mea Shearim. Normalerweise sind dort am Freitag Abend nur ganz wenige Frauen auf der Frauenempore vorzufinden, doch als wir gestern eintraten, waren recht viele Frauen versammelt. Unten bei den Männern herrschte ein Andrang und die Betenden standen sogar im Mittelgang zwischen den Bänken. Mindestens 300 Chassidim, wenn nicht mehr.
Was war los ?
Der Rebbe der Karliner war anwesend und es war zugleich das erste Mal, dass wir ihn live sahen. Sein eigentliches chassidisches Zentrum hat er im nahegelegenen Givat Zeev und daher kommt er nur alle paar Monate einmal nach Jerusalem. An diesem Schabbat war es dann soweit und alles war vollständig versammelt.

Rebbe Baruch Yaakov Meir Schochet von Karlin-Stolin in Jerusalem



Nach dem Gebet wurde auf Jiddisch verkündet, dass der Rebbe einen Tisch gibt und als ich eine Frau nach Einzelheiten befragte, erzählte sie mir, dass der Tisch nur für die Männer sei. Als ich sagte, dass dies ja für die Frauen schade sei, meinte sie, dass im extra aufgebauten Zelt halt zu wenig Platz sei. Traurig darüber war sie jedenfalls nicht. Draußen sahen wir dann das Zelt und viele Chassidim gegenüber in die Satmarer Synagoge (gehört zu einem der zwei New Yorker Satmarer Rebben, zu Rebbe Zalman Leib Teitelbaum) rennen, nur um dort zu essen und dann wieder zum Tisch bei Karlin auf der Matte bzw. im Zelt zu stehen.
Auch wir machten uns zum Essen auf; nämlich bei Rabbi Mordechai Machlis im benachbarten Stadtteil Maalot Dafna.

In der Mea Shearim Street trafen wir auf einen haredischen Bekannten und nicht lange nachgedacht, sandte ich ihn hinein in die Synagoge der geheimen anti - zionistischen Gruppe "Mischkenot HaRoim". Diese chassidische Gruppe gleicht eher einer Organisation, welche von Rabbi Chaim Rabinovicz geleitet wird. Sie sind Mitglied der anti - zionistischen Dachorganisation "Edah HaCharedit" und geben sich geheimnisvoll. Seit längerem versuche ich dort Anschluss zu bekommen, doch immer erfolglos, weil es ein reiner Männerclub zu sein scheint. Scheint, aber nicht ist.

Die "Mischkenot HaRoim". In der Mitte sitzend mit weissem Schal: Rabbi Avraham Yitzchak Ullmann von der Chassidut Dushinsky



Unser Bekannter ging hinein, stellte sich jedoch bei seiner Fragerei etwas ungeschickt an. Das hat man dann davon, wenn man Männer losschickt, die kaum denken können. Ein Chassid der Mischkenot HaRoim schaute uns an und meinte, wir können kommen. Allerdings nur morgens zum Gebet. Super, dann weiss ich gleich, wo ich demnächst hingehen werde

Relativ spät (gegen 22.45 Uhr) kamen wir zurück nach Mea Shearim und ich war mir sicher, dass jetzt, eine Woche vor Purim, fast alle Rebben einen chassidischen Tisch geben werden. Selbst jene, die ansonsten in Bnei Brak bei Tel Aviv leben. Wer sich für Chassidut Gur interessiert, dem sei gesagt, dass der Gerer Rebbe das Purim - Fest in Jerusalem verbringen wird. Mit Tisch und allem, was dazu gehört.
Der Rebbe von Karlin - Stolin hingegen wird Purim in Givat Zeev verbringen. Natürlich wird bei Karlin in Jerusalem der G - ttesdienst stattfinden, doch allerdings ohne den Rebben.

Wir gingen die Hauptstrasse Mea Shearim Street und ich dachte mir, warum nicht bei den "Schomrei Emunim - Hüter des Glaubens" reinschauen. Und tatsächlich, dort fand ein Tisch statt. Der Rebbe war aus Bnei Brak angereist. Die "Schomrei Emunim" sind die erste Abspaltung der Toldot Aharon und werden von Rebbe Avraham Chaim Roth geleitet.
Bei ihnen herrscht immer einer Hauch des "Ursprünglichem". Rebbe Roth hält die Tradition seines Vaters vielseits aufrecht; im Gegensatz zu den Rebben der Toldot Aharon und Avraham Yitzchak, wo viele fremde Einflüsse von Satmar oder Vishnitz an der Tagesordnung sind. Auch die kleine Synagoge der Schomrei Emunim gehört zu meinen persönlichen Mea Shearim - Attraktionen.

Wir kamen verhältnismaessig früh an und Rebbe Roth hatte erst begonnen. Der Rebbe nimmt alles sehr ernst und lässt sich beim Kiddusch (Segnung des Weines) viel Zeit. Die Lieder der Chassidim gehören zu den besten in der chassidischen Welt. Zwar sind nur ca. 70 Leute anwesend, aber es herrscht eine begeisterte Atmosphäre.

Der Rebbe der "Schomrei Emunim": Rabbi Avraham Chaim Roth



Es war erst das zweite Mal, dass wir an diesem Tisch teilnahmen, doch wir waren restlos begeistert. Leider ist auf der Frauenempore nur wenig Platz vorhanden und man kann den Rebben und das Geschehen nur verfolgen, wenn man in einer bestimmten Richtung durch die Mechitzah (Trennwand) schaut. Und eben jene Mechitzah ist nur ca. 4 Meter lang und wenn riesen Andrang herrscht, hat man halt Pech. Wir hatten Glück und sahen alles. Jedenfalls solange, bis mehr Frauen eintrafen und wir so richtig zerquetscht wurden. Das war der Zeitpunkt, an dem wir uns verabschiedeten. Leider, denn ich wäre liebend gerne noch dort geblieben. Ich hoffe wirklich, dass kommenden Freitag dort wieder ein Tisch stattfindet.

Nächstes Ziel: Chassidut Toldot Aharon, wenige Meter entfernt.
Dort war kein ein Durchkommen. Mehrere Hundert Frauen belagerten die Frauenempore und wir hatten Null Chancen, einen Platz zu finden, geschweige denn etwas zu sehen. Einmal durch die beiden Räume auf der Empore gelaufen und schnell den Hinterausgang genommen.

Nächstes Ziel: Die zweite Abspaltung der Toldot Aharon - die Chassidut Avraham Yitzchak.

Und hier beginnt der zweite Teil unserer Erlebnisse, welchen ich morgen in den Blog stellen werde. Die Ereignisse, welche uns dort erwarteten, sind einen eigenen Artikel wert.

Auf meinem chassidischen Blog stelle ich derzeit einen chassidischen Tisch - Guide auf. Bisher berichtete ich von den Belzer Chassidim sowie von der Chassidut Dushinsky. Morgen stelle ich die Chassidim von Slonim ein. In den Berichten erfahrt Ihr alle Details zum jeweiligen chassidischen Tisch.

Samstag, Januar 12, 2008

Kalt aber nicht langweilig

B"H

Jerusalem zittert vor Kälte. Minusgrade und jeder, der kann, sucht sich ein warmes Plätzchen. Sogar Handschuhe sind keine Seltenheit mehr.

Als ich mich abends auf den Weg nach Maalot Dafna, zum Haus von Rabbi Mordechai Machlis, machte, traf ich kurz darauf schon auf den ersten Chassid. Ein Vishnitzer Chassid, den ich von der Uni her kenne, und der relig. Bücher schreibt. In Mea Shearim trennten sich unsere Wege, dennoch hatten wir vorher viel Zeit zum Reden. Er zählte mir sämtliche Vishnitzer Rebben auf. Natürlich kamen auch die internen Probleme der chassidischen Gruppe Vishnitz zur Sprache. Zwei Söhne des derzeitigen kranken Rebben in Bnei Brak streiten sich um dessen Nachfolge und Vishnitz spaltet sich daher immer mehr in zwei Lager auf.

Nach den Machlises wagten wir es erneut und waren erfolgreich. Immer, wenn meine Freundin und ich zum chassidischen Tisch des Rebben der Chassidut Dushinksy gehen, kommt etwas dazwischen. Entweder haben Frauen keinen Einlass oder es findet kein Tisch statt. Gestern dann war alles anders und wir fanden einen hervorragenden Platz mit toller Aussicht auf die Chassidim und den Rebben, Rabbi Yosef Zvi Dushinsky.

Der derzeitige Dushinsky Rebbe: Rabbi Zvi Dushinsky mit Gebetbuch



Der Tisch bei Dushinsky ist mit zwei Stunden relativ kurz, doch muss ich sagen, dass dort die Lieder am besten anzuhören sind. Obwohl die Chassidut Belz die besten chassidischen Melodien hat, wird bei Dushinsky geradezu chormässig gesungen. Sogar im Kanon. Ein führender Rabbiner sowie der Rebbe selbst gaben recht lange ausführliche Derashot (relig. Reden) zum Schabbat. Meistens allerdings wird dort gesungen.

Zum Schluss tanzt der Rebbe zusammen mit einigen Chassidim dreimal im Kreis um den grossen Tisch herum und danach stellt er sich auf, um jeden einzelnen Chassid mit "Gid Schabbes" zu verabschieden. Rebbe Yosef Zvi Dushinsky ist ein eher ernster Charakter, doch weiss er, was er sagt. Die Chassidut Dushinsky ist außerhalb chassidischer Zirkel weniger bekannt. Erstens ist es eine kleine Gruppe und wurde erst vor ca. 70 jahren gegründet. Und zweitens bewegt sich Dushinsky fast nur innerhalb der anti - zionistischen Dachgruppe Mea Shearims, in der Edah HaCharedit. Obwohl Dushinsky relativ klein ist, hat die Gruppe einen enormen Einfluss in der Edah. Der Gründer der Gruppe, auch ein Rebbe namens Yosef Zvi Dushinsky (der Maharitz) fuhr im Jahre 1948 nach New York und versuchte die UNO zu überzeugen, keinen Staat Israel zuzulassen. Bis heute ist Dushinsky absolut anti - zionistisch.

Mehr zum Antizionismus hier:

http://hamantaschen.blogspot.com/2007/11/der-talmudisch-begrndete-antizionismus.html

Nach Dushinsky zogen wir durch die Yoel Street nach Mea Shearim. Obwohl es schon spät war, beschlossen wir, wenigstens noch bei der Chassidut Kretchnif Jerusalem vorbei zuschauen. Bei Kretchnif ist mehr Stimmung als bei Dushinsky und viele Chassidim, die wir vorher bei Dushinsky gesichtet hatten, standen nun am Tisch des Kretchnifer Rebben. Einschließlich des Sohnes des Kretchnifer Rebben.

Neben dem Rebben der Toldot Aharon Yitzchak ist der Kretchnifer Rebbe der beste Entertainer. Sein Tisch ist euphorisch und wer nicht mitmacht, wird vom Rebben persönlich angefeuert. Leider verpassten wir gestern den alleinigen Tanze des Rebben, doch waren wir gegenwärtig als er zusammen mit seinen Chassidim im Kreis tanzte. Dies ist die beste Show, denn vorher tanzen alle eintönig und sobald der Rebbe mit einstimmt, geht die Post ab. Dann kommt Stimmung und Bewegung in den Kreis.

Viele Frauen waren nicht oben auf der Empore. Nur die Rebbitzen und einige weibl. Familienangehörigen. Die Rebbitzen kam gegen Ende auf mich zu und wir unterhielten uns. Eines ist sicher; wenn ich Details ueber Kretchnif brauche und einen Ansprechpartner suche, steht sie zur Verfügung. Das hatten wir bisher noch nicht, dass sich eine Rebbitzen persönlich bereit erklärte. Sie ist eine etwas ältere Dame mit einem sehr guten Sinn für Humor.

Nach Kretchnif fuehrte unser Weg durch den Markt von Mea Shearim. Mittlerweile war es 2.00 Uhr frueh und viele Leute waren nicht mehr unterwegs. Leider fanden wir die Synagoge der Neturei Karta nicht und sind gezwungen eingehend zu fragen. Dafür fanden wir einige andere interessante Synagogen im Markt. Dann kam auch noch ein Krankenwagen mit Blaulicht langsam um die Ecke gebogen und sofort rannten zwei Chassidim der Avraham Yitzchak aus der Synagoge auf die Strasse hinaus. Normalerweise werden Autos am Schabbat gesteinigt, doch bei Ambulanzen geschieht nichts und die Chassidim zogen sich zurueck.

Der Markt von Mea Shearim ist eine Hochburg der Neturei Karta und die Grafittis zu lesen, ist immer recht lustig. "Zionisten Raus" und "Free Palestine" war zu lesen.

Alles in allem eine gelungene Tischnacht.

Samstag, Dezember 22, 2007

Shabbat - Marathon in Mea Shearim

B"H

Das Wetter war optimal; zwar kalt, aber kein Regen. Ideal zum herumlaufen am Erev Shabbat (Freitag Abend, Shabbatbeginn).

Schon beim Shabbat - Dinner bei Rabbi Mordechai Machlis ging es hoch her. Die Machlises war die erste halbe Stunde busy, all die gekommenen Gäste im Wohnzimmer unterzubringen. Es waren garantiert fast 100 Leute gekommen und zur Vorsicht hatte die Familie schon einmal drei Tische draußen auf der Veranda aufgestellt.

Normalerweise sitze ich jedesmal mit einigen Freunden zusammen und wir hatten gestern Abend Glück, einen Tisch für uns allein gefunden zu haben. Gleich neben der Eingangstür. Auch ein Chabad - Ehepaar ? (ich bin mir nicht sicher, ob die beiden verheiratet oder sonst irgendwie miteinander verwandt waren) ließ sich neben uns nieder. Die Frau sprach Deutsch und erzählte mir sofort von einigen Chabad - Aktivitäten in Deutschland. Mit dem Mann dagegen diskutierte ich die Chabad Chassidut und chassidische Aspekte an sich. Eigentlich wollten wir das Paar später noch zum chassidischen Tisch mitnehmen, doch beide verschwanden ganz plötzlich.

Relativ spät machten wir uns auf zu den bekannten chassidischen Tischen im ultra - orthod. Stadtteil Mea Shearim. Geplant war ein anderer Ablauf als die zig Male zuvor. Begannen tat der späte Abend dann auch mit einigen positiven Überraschungen. Zuerst landeten wir nur zehn Minuten entfernt vom Machlis - Haus. Nämlich bei der chassidischen Gruppe Dushinsky. Nur ein einziges Mal hatten wir bisher Glück gehabt, an deren Tisch mit dem Rebben teilnehmen zu können. Und gestern dann klappte es. Ganz wieder Erwarten. Ein Tisch bei Dushinsky und wir waren begeistert.

Wer sich als Frau für einen Tischbesuch bei Dushinsky entscheidet, hat es nicht leicht. In chassidischen Synagogen ist die die absolute Regel, dass es zwei getrennte Eingänge gibt; einen nur für die Männer und einen für die Frauen.
Bei Dushinksy muss man als Frau ganz um das Gebäude herumlaufen, um zum Fraueneingang zu gelangen. Danach folgen die Treppen bis in den dritten Stock hinauf.

Die Frauenempore ist relativ klein. Dushinsky hat im Untergeschoss zwei Säle. Einmal den grossen Raum, wo der Rebbe fuer seinen Chassidim den Tisch gibt und ein weiterer neugebauter Raum beinhaltet die Synagoge. Wer eine tolle Synagoge sehen will, der sollte Dushinsky nicht auslassen. Es gibt einen beeindruckenden Aron HaKodesh (Thoraschrein) zu sehen. Links davon befinden sich zwei extra verzierte Holzstühle: eine für den Rebben selbst und der andere für den zweiten Mann bei Dushinsky, Rabbi Avraham Yitzchak Ullmann. Rabbi Ullmann ist ein wichtiger Rabbi in der anti - zionistischen Dachorganisation Edah HaCharedit. Jemand von Dushinsky liest diesen Blog und wäre in der Lage, mir ein Gespräch mit Rabbi Ullmann zu vermitteln. Leider aber spricht der Rabbi NUR mit Männer, außer seiner Ehefrau und den Töchtern.

Dushinksky beindruckt mit tollen Lieder beim Tisch. Die Melodien werden sogar im Kanon gesungen. Insgesamt aber wollten wir schnell weiter, denn wir hatten noch einiges vor uns.

Der derzeitige Rebbe der Chassidut Dushinsky: Rabbi Yosef Zvi Dushinsky (mit Gebetbuch in der Hand)



Weiter ging es die Yoel - Street hinauf nach Mea Shearim hinein. Unser Ziel waren die "geheimen" Mischkenot HaRoim. Eine kleine Gruppe aus der Edah HaCharedit, von der eigentlich niemand so recht etwas weiss. Zugegeben, wir erwarteten nichts Gutes und liefen erst einmal an dem Gebäude vorbei. Eine Gruppe junger litvisher Haredim hatten den gleichen Gedanken wie wir und wollte in die Synagoge treten. Links im Gebäude befindet sich der Männereingang und rechts davon offensichtlich der Fraueneingang. Beide Türen standen weit offen.
Ein Chassid trat hinaus und wies die Litvishen ab; sie können hier nicht rein.
Wir sahen das und dachten, dass dies dann wohl auch auf uns zutreffe und wir gingen weiter. Nach etwa 100 Metern jedoch meinte meine Freundin, dass wir uns in den Fraueneingang schleichen sollen. Wenn man uns ertappt, können wir so tun als ob wir jüdische amerik. Seminarleute von der Yeshiva seinen und von nichts wüssten.

Ich rate keinem einzigen das zu tun, was wir dann taten. Als erstes trafen wir auf einen Chassid, der aus dem Männereingang kam. Ich sprach ihn einfach an und fragte, ob die zweite offene Tür der Fraueneingang sei. Er schaute mich an und sagte, dass es hier keinen chassidischen Tisch gebe. Dies sagte er freundlich, ohne auf uns loszugehen. Er sagte es und verschwand. Wir nahmen all unseren Mut zusammen und stiegen die Treppe hinauf. Kurz gesagt, niemand ertappte uns, aber wir waren beim Hinaufstieg nicht sicher, ob das Gebäude wirklich für Frauen gedacht ist. Im Hausflur sahen wir Männerkleidung und Hüte hängen und so gingen wir zurück zum Ausgang.

Auf alle Fälle werden wir zu den Mischkenot HaRoim zurückkehren und mehr in Erfahrung bringen. Allerdings offensichtlich und nicht durch ein Schleichen im Gebaeude. Ausserdem bin ich mir nicht sicher, ob Frauen dort überhaupt teilnehmen und es nicht nur eine Art Männerriege ist. Eines aber sahen wir; nämlich dass sämtliche Chassidim der Edah (egal, welcher Gruppe) dort ein uns ausgehen.

Die chassidischen Gruppen Toldot Avraham Yitzchak sowie Toldot Aharon gaben gestern keine Tische. Wir hoerten, dass der Rebbe der Avraham Yitzchak, Rabbi Shmuel Yaakov Kahn, auf einige Monate wieder im Ausland weilt. Angeblich in Mexico.

Ich frage mich jedesmal, wie ausgerechnet ein Rebbe einer kleinen Chassidut seine Chassidim solange alleine laesst, um ewig in der Welt herumzukutschieren. Wäre ich dort Mitglied, wuerde ich gehen und mir eine andere Gruppe suchen. Als Rebbe hat jemand Verantwortung und sollte sich um seine Gruppe / Leute kümmern. Andere Rebben wie die von Belz, Slonim und Kretchnif Jerusalem oder Gur sind auch nicht ständig unterwegs.

Spontan entschlossen wir uns um Mitternacht zu einigen Synagogenbesuchen bei den chassidischen Gruppen Sadigora, Kaliv und Tschernobyl. Leider hatten wir Pech, denn überall waren die Fraueneingaenge abgesperrt. Ueberhaupt war gestern Abend kaum etwas los in den Gebieten Mea Shearim und an der Bar Ilan - Street. Total tote Hose und alles schien frueh ins Bett gegangen zu sein. Bei Tschernobyl herrschte Trubel, aber leider nur im Männereingang.

Also müssen wir am Tage zurückkehren, um in die Synagogen zu gelangen. Allerdings heisst es, dass wer die Anstrengung unternimmt, zu einem Tisch zu kommen, der dann nicht stattfindet oder wer in eine Synagoge gehen will, die sich dann als abgesperrt herausstellt, diese Art der Mitzwah angerechnet bekommt. Vertane Zeit ist es nie und für uns war es dies gestern gewiss nicht. Wir genossen jede Minute, auch wenn wir total müde waren, weil wir ewig lange herumliefen. Bergauf, bergab, wie das in Jerusalem nun einmal so ist.

Diesen kommenden Freitag Abend gehen wir vor dem Shabbat - Essen in eine Synagoge, in der wir auch noch nicht waren. Sie wird offen sein und es werden dort mehrere Tausend Chassidim beten. Die Synagoge der Chassidut GUR.


Wer kommt, der muss anstaendig angezogen sein.

Samstag, September 15, 2007

Sechs chassidische Tische

B"H

Die Feiertage habe ich, wider Erwarten, recht familiaer verbracht. Dennoch war ich natuerlich mit Freunden einige Male bei Rabbi Mordechai Machlis zum Essen, wo dermassen viel aufgetischt wurde, dass viele bei der naechsten Mahlzeit aussetzen mussten.

Synagoge, Essen, Synagoge, Essen, so vergingen die Feiertage.
Am ersten Tag von Rosh HaShana ging ich die ganze Sache etwas kraftlos an und in der Synagoge fand ich Null Konzentration. Ich befuerchtete schon, dass das Neujahr einfach so an mir vorbeifliesst und sprach sogar gestern frueh mit einer Freundin darueber. Sie meinte, dass ich nicht die einzige sei, denn sie haette die Meinung auch schon anderweitig vernommen.

Allerdigs kam gestern frueh gleichzeitig der grosse Umbruch und Rosh HaShana wurde doch noch sehr spirituell. Vielleicht brauchte ich ganz einfach nur einen Anlauf.
Was wir alle nicht oder weniger bedacht hatten war, nach dem ersten Feiertag voellig ausgebrannt zu sein. Schnell stellte sich die Muedigkeit ein.
Wundersamer Weise wendete sich das Blatt und die Energien kamen zurueck. Energien, die wir alle gut gebrauchen konnten, denn am gestrigen Freitag Abend war vor allem in Mea Shearim (ultra - orthod. Stadtteil) regelrechtes High Life. Fast alle chassidischen Rebbes sind noch bis Ende des anstehenden Laubhuettenfestes Sukkot anwesend und dieses Angebot muss man natuerlich nutzen, keine Frage.

Schon als wir zu den Machlises kamen, rannte ein Slonimer - Chassid auf mich zu: "Heute gibt es ueberall Tische".
Diese Ankuendigung machte eine junge haredische Frau auf mich aufmerksam. Sie kam auf mich zu und erzaehlte mir von saemtlichen Tischen. Selbst in ihrem Stadtteil Sanhedria (nahe Bar Ilan Street) solle es ein Konzert mit einem bekannten Saenger der Vishnitzer Chassidim geben.

Die Auswahl fiel schwer und wir entschlossen uns, die Chassidut Dushinsky auszulassen und stattdessen zu Karlin zu gehen. Es war eine warme Sommernacht und kurz nach Mitternacht. Hunderte von Menschen waren in den engen Strassen und Gassen Mea Shearims unterwegs.




Als wir schliesslich bei der chassidischen Gruppe Karlin ankamen, mussten wir zu unserem Bedauern feststellen, dass der Tisch schon vorueber war. Leider, leider...

Lange mussten wir jedoch nicht ueberlegen, denn wir konnten aus dem Vollen schoepfen.
Die Chassidut Toldot Avraham Yitzchak stand als naechstes auf dem Plan.

Seit Wochen wird an dem Gebaeude von Avraham Yitzchak gebaut; die gesamte Frauenempore im ersten Stock wird komplett erneuert und wer gedacht haette, dass bis Rosh HaShana alles fertig gestellt sei, wurde eines Besseren belehrt.
Das Gebaeude befindet sich im Markt von Mea Shearim und die Schwierigkeiten begannen gleich nach unserer Ankunft. Der Fraueneingang befindet sich nun auf der anderen Seite des Gebaeudes.
Eingang ? Was heisst Eingang ? Wir kletterten ein paar nagelneue Stufen hinauf. Schlecht befestigt, Wasser tropfte von oben und alles roch nach frischem Beton. In anderen Worten, das ganze Gebaeude gleicht einer Baustelle.

Oben angekommen draengten sich ueber Hundert Frauen an die Fensterscheiben und verfolgten das Geschehen im Erdgeschoss. Bei den Maennern samt Rebbe ging es hoch her, denn Rebbe Yaakov Shmuel Kahn war in perfekter Stimmung. Es wurden maechtig Lieder angestimmt und die Stimmung war phaenomenal.

Danach ging es weiter zu Abspaltung, der Chassidut Toldot Aharon. Das erste, was wir dort sahen, waren hinausstuermende Frauen. Israelinnen, die der Gruppe einen Besuch abstatten wollten. Ich fragte, was denn los sei und jemand meinte, dass wir das schon sehen werden.

"Sehen" war das Stichwort. Wir sahen NICHTS. Toldot Aharon hat eine neue Mechitza eingebaut und man kann durch diese vergitterte Trennwand die Maenner und den Rebben im Erdgeschoss kaum sehen. Das kann ja heiter werden am Laubhuettenfest Sukkot, denn wir planen, das Fest bei den Chassidim zu verbringen. Toldot Aharon wird nachgesagt, die besten Sukkotfeiern zu haben, die weltweit existieren.
Enttaeuscht blieben wir nur kurz. Auf der Strasse sprach ich mit einigen Mitgliedern von Toldot Aharon und sie meinten, dass die neue Mechitza nur befristet angeschraubt worden sei. Dadurch, dass an den G - ttesdiensten alle Lichter brennen, koennen die Maenner durch die regulaere Glasmechitza zu den Frauen hinaufschauen. Daher die neue Trennwand.

Des Weiteren habe ich schon einige Male zuvor erwaehnt, dass die Gruppen Avraham Yitzchak und Toldot Aharon seit ihrer Spaltung im Jahre 1996 nicht besonders gute Freundschaften pflegen. Vielerlei Leute aus Mea Shearim hatten mir das sozusagen "gesteckt".
Gestern nun fragte ich bei den draussen stehenden Mitglieder nach, da sich ein sehr gutes Gespraech entwickelt hatte. Nein, bestaetigte man mir, dass sei nicht unbedingt der Fall und man sei durchaus befreundet. Es gebe sogar Ehen, wo der Mann Mitglied bei Avraham Yitzchak und seine Ehefrau Mitglied bei Toldot Aharon sei.
Ich hatte mit mehreren weiblichen Mitgliedern ein sehr gutes Gespraech, was wir fortsetzen wollen.

Nach Toldot Aharon ging es zur Chassidut Slonim. Wir stiegen die Treppe hinauf, sahen die Menschenmasse an der Mechitza kleben und fluechteten. Es war ein Ding der Unmoeglichkeit etwas zu sehen.

Weiter zur Chassidut Shomrei Emunim. Wieder stiegen wir die wackelige Treppe im Hinterhof hinauf. Doch auch dort teilte man uns mit, dass der Tisch schon vorueber sei.

Kein Problem, denn fuer alle Faelle gibt es immer Kretchnif. Auf zu Kretchnif nahe der Karliner Gruppe.
Bei Kretchnif ist man voll und ganz in Feiertagsstimmung und war in einen anderen Raum umgezogen. Der Tisch des Rebben ging dem Ende zu, aber irgendwie konnte sich der Rebbe nicht so ganz von seinen Chassidim trennen und wurde nicht muede, immer neue Lieder anzustimmen.

http://video.google.com/videoplay?docid=-4967758554062247749

Danach gingen wir nochmals zurueck zur Gruppe Avraham Yitzchak. Ich kann nur sagen, dass es bei denen gestern unbeschreiblich zuging. Wow, was fuer eine Atmosphaere.

Heute traf ich unverhofft auf jene Toldot Aharon Mitglieder von gestern Abend. Ob ich auch an Sukkot ja vorbeischaue.
Ich fragte nach Yom Kippur und fuer alle, die es interessiert: Der Yom Kippur - G - ttesdienst bei Toldot Aharon wird nicht oeffentlich sein !!!
Man musste Sitzplatzkarten im voraus bestellen und es ist alles restlos ausgebucht.

An Sukkot darf jeder wieder kommen, aber es wird hoffnungslos ueberfuellt sein. Ganz zu schweigen von der undurchdringbaren Mechitza.

Jedenfalls hatten wir eine tolle Tisch - Nacht !!!

Samstag, August 04, 2007

Eine weitere Nacht

B"H

Viele Leute aus aller Welt, vor allem aus den Staaten, lesen meinen engl. Blog, wenn ich ueber die Teilnahme an chassidischen Tischen berichte. Vor allem, weil viele amerik. Juden selbst Erfahrungen mit Tischen in New York haben und sich einfach einmal ueber die israelische Seite und die hiesigen Gruppen informieren wollen.

Meiner Freundin und mir macht die Teilnahme an solchen Tischen unglaublichen Spass und wir koennen schon gar nicht anders. Jeden Freitag Abend machen wir uns immer wieder aufs Neue auf und werden jedesmal fuendig.

Fuer diejenigen, die es noch nicht wissen: Ein chassidischer Tisch wird von dem Rebben der jeweiligen Gruppe abgehalten. Meistens Freitag abends nach dem Shabbatessen. Der Rebbe versammelt seine Chassidim um sich, sie essen, singen und tanzen. Jeder Tisch und jede Gruppe sind anders. Die Leute und die Gaeste sind anders und seitdem wir daran teilnehmen, haben wir unendlich viele, meistens positive, Erfahrungen gemacht, die wir nicht mehr missen moechten.

Man fragte mich in auf meinem engl. Blog, ob ich mir ein chassidisches Leben vorstellen koenne. Soweit ja und je mehr wir teilnehmen und Leute kennen lernen, denke ich darueber nach. Vielleicht nicht zum jetzigen Zeitpunkt, da ich noch lange nicht meine endgueltige Entscheidung gefaellt habe, doch in Zukunft koennte es eine Perspektive sein.

Auch gestern war es wieder soweit. Freitag Abend, fast Mitternacht, nach dem Shabbat - Essen bei Rabbi Mordechai Machlis.
Wir hatten die ganz ganz grosse Hoffnung, dass unsere beiden Favoriten, die Toldot Aharon und Toldot Avraham Yitzchak wieder einen Tisch abhalten. Ehrlich gesagt fiebern wir dem auf unbeschreibliche Art und Weise entgegen. Nicht nur aus dem Grund, dass ich ueber beide Gruppen schreibe.

Schon von Weitem hatte ich kein gutes Gefuehl, denn in der Toldot Aharon - Gegend waren nicht viele Leute unterwegs. Vor dem Fraueneingang trafen wor auf ein litvish - haredisches Ehepaar, wovon der Ehemann loszog, um zu fragen, ob ein Tisch stattfindet.
Ich muss dazu erklaeren, dass es bei Chassidim so ist, dass fast grundsaetzlich Maenner nur mit Maennern sprechen und Frauen nur mit Frauen. Immer wieder, wenn wir irgendwo neu sind, muessen wir von daher Frauen finden, die wir fragen koennen. Allerdings gibt es auch viele Ausnahmen und wer Glueck hat oder die Chassidim naeher kennt, der findet auch gespraechige Maenner.

Toldot Aharon sowie Avraham Yitzchak waren immer noch nicht aktuell und so entschieden wir uns, zur weiter entfernten Chassidut Dushinsky zu gehen. Dushinsky ist eine kleinere Gruppe, die sehr aktiv in der anti - zionistischen Dachorganisation Edah HaCharedit ist.
Als wir bei Dushinsky ankamen, bot sich uns das immer wieder aufkommende Problem bei neuen Tischen. Wo ist der Fraueneingang ?
Bei Chassidim benutzen Frauen und Maenner aus Anstandsgruenden nie denselben Eingang. Der Fraueneingang befindet sich meistens einige Meter weiter weg oder auf der Rueckseite des Gebaeudes.

Wir standen vor Dushinsky und keine Frau zum fragen war in Sicht. Ploetzlich kam eine litvish - amerik. Family auf uns zu und fragte, ob sie uns helfen koennen.
Sie fragten fuer uns zwei Chassidim von Dushinksy und die beschrieben und den Eingang. Der allerdings stellte sich an diesem Shabbat fuer die Frauen als geschlossen heraus und so entschlossen wir uns, wieder zur Chassidut Kretchnif zu gehen.

Kretchnif war unten auf der Maennerseite fast vollkommen ueberfuellt. Sogar 15 oder mehr Chassidim von Toldot Aharon befanden sich dort und oben auf der Frauenempore waren auch einige Damen der Gruppe anwesend.
Bei den Frauen von Kretchnif ist es anscheinend so, dass fast immer eine kleine eingeschworene Clique dort ist und jeder Neuankoemmling wird etwas misstrauisch beaeugt. Wir auch, aber das Eis war nach zwei Minuten gebrochen.

Fast zwei Stunden verbrachten wir bei Kretchnif und waren sauer, keine Maenner zu sein. Die naemlich labten sich unten an einem grossen Fruechteteller und kuehles Bier wurde aufgefahren. Was haetten wir fuer einen Schluck davon gegeben.
In der Zwischenzeit gingen zwei Toldot Aharon Frauen auf den Ausgang zu und ich stuermte hinterher. Endlich wollte ich einmal Gewissheit haben, wann deren Rebbe wieder einen Tisch gibt.
Eine der Frauen schaute mich dermassen erstaunt an, dass ich sie als Toldot Aharon erkannte, dass sie fast in Ohnmacht viel. Besonders jene Gruppen sind oft der Ansicht, dass Aussenstehende absolut nichts ueber sie wissen.
Erstaunt gab sie zurueck, dass es schon noch einige Wochen dauert und wir Geduld haben muessten. Schwerer gesagt als getan.
Anscheinend dauert es noch bis Ende August, ehe dort wieder der erste Tisch anlaeuft.

Kurz darauf machten wir uns auch auf den Heimweg. Im Treppenhaus von Kretchnif trafen wir auf einen jungen litvishen Amerikaner. Oh Schreck, ein Mann im Frauentrakt. Naja, mit uns kann man es ja machen und jede Scham war von uns genommen, denn wir sahen, dass nicht nur wir immer in die falschen Eingaenge laufen.
Der Litvishe stotterte, dass er die Frauenempore fuer seine Schwester suche, und so fuehrten wir die Schwester und deren Freudin zu den Frauen.

Es war eine herrliche Nacht bei sommerlich warmem Wetter. Leute suchten Tische und gingen von Gebaeude zu Gebaeude. Bei den Shomrei Emunim wurde einfach die Tuer aufgerissen. "Ist hier ein Tisch", riefen ein paar Maenner hinein. "Nein", droehnte die Antwort heraus und sogleich wurde die Tuer wieder zugeknallt.
Wir lieben diese Tisch - Atmosphaere und beschlossen, soviele Leute wie moeglich kennen zulernen, um mitgezogen zu werden.

Bis zum naechsten Shabbat dann.....