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Samstag, Oktober 01, 2011

Einsamkeit an den hohen Feiertagen

B”H 

Die Thematik, die ich hier anspreche, beziehe ich auf Israel, denn dort kenne ich mich diesbezüglich am besten aus.


Insbesondere vor Pessach und Rosh Hashana werden viele Juden in Israel nervös, wenn sie immer noch auf eine Einladung an den Feiertagen hoffen. In der säkuleren Welt Israels geht es Wochen vor den hohen Feiertagen schon los und sogar die Presse trichtert einem ein, dass man den ersten Abend des Rosh Hashana oder die Pessach Seder entweder groß feiere, ins Ausland fliegt oder sich zumindest in ein heimisches Hotel begibt, um dort zu feiern. Alles nervt mit der Frage “Wo und mit wem man denn den Feiertag verbringe” und gerade das verursacht bei vielen Menschen Stresssituationen, denn sie wissen nicht, wo sie den Feiertag verbringen werden. Sie haben keinerlei Antwort parat, denn irgendwie stehen sie allein da und warten nach wie vor auf eine Einladung, die vielleicht niemals kommt. So ist es kein großes Wunder, dass gerade an diesen beiden o.g. Feiertagen die Selbstmordrate im Land am höchsten liegt. Wer allein zuhause sitzt, und das zur Zeit der Pessach – Seder oder des ersten abends von Rosh Hashana, dem wird bewusst, wie einsam er eigentlich ist.

Vorgestern sprach ich mit jemandem und ich kann gar nicht mehr sagen, wie wir auf das Thema zu sprechen kamen. Jedenfalls meinte derjenige plötzlich: “Siehst Du all die Leute hier ? Die Familie dort drüben mit den drei Kindern ? Das sind alles Leute, die keiner an Rosh Hashana haben wollte und deswegen sind sie in Tel Aviv”.

Mir war sofort klar, dass derjenige zu 100% Recht hatte. Eine sehr traurige Tatsache.



Sagen wir, jemand ist Neueinwanderer und besitzt keinerlei Familie in Israel; wo soll derjenige die Pessach Seder oder den ersten Abend von Rosh Hashana verbringen ? Niemand lädt ihn ein und insgeheim sieht er sich schon allein daheim sitzen während andere bei ihrer Familie feiern. Doch geht es nicht nur vielen Neueinwanderern so, denn unzählige Israelis befinden sich in derselben Situation. Egal, ob Single oder verheiratet mit Frau und Kindern.

Schon immer hatte ich die Eigenschaft, etwas allein auf die Beine zu stellen, anstatt mich groß auf andere zu verlassen. Andere Leute wiederum suchen immer nur eine Familie, bei der sie an den Feiertagen hocken wollen, anstatt Eigeninitiative zu entwickeln. Derlei Leute sind in meinen Augen total verzweifelt. Nicht “verzweifelt” in dem Sinne, doch können sie einfach nichts, außer, auf Teufel komm raus, bei einer Familie zu sitzen. Selbst dann, wenn man die Familienmitglieder im Grunde genommen kaum kennt. 

Insbesondere Yeshiva (relig. Schule) Studenten suchen jedesmal wieder einen Platz bei einer Familie, wo sie sitzen, am Festmahl teilnehmen und ein Feiertags – Feeling aufkommt (oder auch nicht). Durch all die Phasen bin ich auch gegangen und habe zweierlei Dinge gelernt. Erstens wollen viele Familien gar keine Gäste und sind genervt. Eine ehemalige Freundin berichtete mir einmal, dass ihre Yeshiva sie zu einer Familie sandte. Zum Schabbatessen, glaube ich. Besagte Familie hatte nur widerwillig zugestimmt und liess dann auch eine Art Unmut beim gemeinsamen Essen mit dem Gast aus.

Als Zweites lernte ich, dass ab einem gewissen Alter erwartet wird, dass derjenige selbst seine Feiern arrangiert und nicht immer bei anderen hockt. Etwas Eigenes daheim bei sich organisieren als vorher am Telefon sämtliche Bekannte abzuklappern, nur, um eventuell eine Einladung zu erhalten. An diesem Rosh Hashana, setzte ich das in die Tat um und organisierte mit ein paar Freunden eine kleine Feier. Unsere eigene Feier mit eigenem Essen, ohne dass wir von jemandem abhängig waren. Ich muss sagen, dass es mein bestes Rosh Hashana war, das ich jemals feierte. Ungezwungen, ohne Etikette und einfach nur so mit Freunden.

Meine persönliche Meinung zu jenen Juden, die immer nur auf Einladungen bei Familien hoffen, ist, dass dies ein recht armselige Art ist, den Schabbat oder den Feiertag zu begehen. Es zeigt, wie einsam der Mensch ist und ich begreife nicht, warum kaum jemand von ihnen eine Eigeninitiative entwickelt und selbst etwas auf die Beine stellt.

Lebe Dein eigenes Leben und organisiere selbst Deinen Feiertag ! Egal, mit wie viel oder wenig Geld, aber mache Dich nicht ewig abhängig vom Wohlwollen anderer. Hoffst Du immer noch auf eine Einladung, fehlt es Dir an Selbstbewusst sein und es zeigt, wie einsam Du bist. Und das allein ist ein trauriger Zustand, den es gilt zu ändern.

Freitag, Mai 27, 2011

Betreibt die Yeshiva AISH HATORAH Gehirnwäsche ?


Gesehen in Jerusalem

Photo: Miriam Woelke
B”H

Eine israelische, völlig säkulere, Arbeitskollegin nervt mich in letzer Zeit, wenn sie immer wieder davon anfängt, wie einige jüdisch – orthodoxe Programme junge Juden, die vorher nichts vom Judentum wussten und nun in Programmen lernen, der Gehirnwäsche unterziehen. Vor kurzem lernte sie auch noch einen jungen Amerikaner kennen, der auf der Yeshiva von AISH HATORAH Yeshiva in Jerusalem lernt. AISH ist in der jüdischen Welt bekannt für seine weltweiten Aktivitäten. Ähnlich Chabad, doch auf der litvischen Seite und nicht etwa chassidisch.

Der Typ, den meine Kollegin kennen lernte, besucht den Anfängerkurs bei AISH in Jerusalem, weiss jedoch nie so recht, was er will und flüchtet sich regelmässig nach Tel Aviv. Wenige Tage danach kehrt er nach Jerusalem zurück.

Meine Kollegin fragte mich mehrere Male über AISH aus und ob da nicht die totale Gehirnwäsche abgehe. Man kommt als säkulerer Jude an und wird da wohl auf Haredi (ultra – orthodoxer Jude) getrimmt. 

Tatsächlich gibt es bezüglich AISH HATORAH unterschiedliche Ansichten und viele fragen sich, ob das Programme überhaupt noch den Prinzipien des mittlerweile verstorbenen Gründern, Rabbi Noach Weinberg, folgt.

Es ist nicht so, dass meine Kollegin sich AISH gegenüber der Klagemauer niemals angeschaut hat. Sie war da, besuchte ihren Bekannten und sprach mit einigen anderen Studenten. Glauben schenken will sie all den Aussagen aber nicht und das einzige, was ich ihr sagen konnte ist, dass es jedermanns eigene Entscheidung ist, dort zu lernen oder nicht. Wem es nicht gefällt, der kann jederzeit gehen. Gezwungen dort zu bleiben wird niemand.

Dennoch hat AISH auch eine andere Seite, welche Druck ausüben kann: Solange sich der Lernende im Anfängerkurs “Essentials” befindet, darf er machen was er will. Auch darf er anziehen, was er will und Rastalocken oder Jeans nerven niemanden. Tritt der Student aber in das Hauptstudium von AISH ein, wird man ihm schon sagen, dass ein schwarzer Hut, eine schwarze Hose und ein weisses Hemd von Vorteil wären. Dann nämlich beginnt der interne Druck der Kleiderordnung, aber nicht nur bei AISH findet dies statt. 
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Links:



Samstag, Mai 07, 2011

Die jüdische Orthodoxie und der Holocaust, Teil 2


Am Kikar Rabin in Tel Aviv
Photo: Miriam Woelke

B"H

HIER geht es zum Artikel !

Montag, Dezember 27, 2010

In Zfat (Safed) leben ?

B”H

So ganz bin ich von meiner Idee, im nordisraelischen Zfat zu wohnen, noch nicht abgekommen. Schon allein der Arbeit wegen. Als ich jedoch gestern durch die Kleinstadt ging, fielen mir zuviele Leute auf, die einfach nichts tun und das geht mir auf die Nerven, wenn jemand einfach nur so herumhängt.

Momentan bin ich erkältet, doch normalerweise sprudele ich vor Energie, renne herum, sammele Material für meine Artikel und arbeite viel. Zuviel und dann gibt es Tage, an denen mir der Schlaf fehlt.

Dagegen kann ich Leute, die tagaus tagein nichts tun, nicht verstehen. Wahrscheinlich habe ich bei meinem Leben in Tel Aviv zuviel Energie mit auf den Weg bekommen. In Tel Aviv rennt ein jeder wie in New York. Kaum einer sitzt und wartet auf ein Wunder, doch rennt. Rennt, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. 

Jerusalem ist in der Beziehung wieder ganz anders. Gleich ob zahlreiche religiöse oder säkulere Juden, man verlässt sich zu oft auf Wohltätigkeiten. Derlei Leute schlafen, essen, ruhen sich aus, reden, gehen mittags in die Suppenküche, reden, wander herum, ruhen sich aus … Jahrlang ging das System gut, doch seit der weltweiten wirtschaftlichen Misere haben sogar Wohltätigkeitsverbände Probleme, ihre Spendenkonten voll zu bekommen. Es scheint geradezu als suche heutzutage ein jeder nur Spenden. 

Niemals in meinem Leben zuvor habe ich Leute gesehen, die sich so sehr aufs Essen stürzen, wie in Jerusalem. Egal, ob Israeli oder Tourist, ob Yeshiva Student, Seminary Girl oder Otto Normalverbraucher. Wenn es etwas umsonst gibt, wie bei diversen Schabbatessen, dann wird zugelangt. Coca Cola, Huhn oder Schnitzel. Soviel man eben nur kriegen kann; genauso wie bei Reinhard Mey’s “Schlacht ums kalte Bufett”.

All diese Gedanken gingen mir gestern in Zfat durch den Kopf. Freunde warnten mich schon: “Du kennst zuviele Irre und sobald Du in Zfat wohnst, strömen sie alle herbei und fressen Dir den Kühlschrank leer. Schlimmstenfalls stehen sie am nächsten Tag mit ihrem Koffer vor der Tür, suchen Obdach und leben auf Deine Kosten. Falls Du nach Zfat ziehen solltest, dann halte wenigstens Deine Adresse geheim !”
Ich weiss, dass meine Freunde Recht haben, aber meine Adresse in Tiberias halte ich schon vor besagten Leuten geheim”.

Donnerstag, November 18, 2010

Säkulere Israelinnen befürworten einen KOSCHEREN Bus


B"H

Das Thema "koschere Busse" ist in Israel schon fast bis zum Erbrechen ausdiskutiert. Einige ultra - orthodoxe (Haredim) Juden hatten sie gefordert und es gab ab und an Zoff mit dem staatlichen Busunternehmen EGGED. Mehrere Male berichtete ich, doch insgesamt dient die Diskussion einiger weniger Haredim, die da eine nach Geschlechtern getrennte Sitzordnung in einigen Bussen Jerusalems fordern, einer internen Politik der Stärke. Wer gegen wen in der haredischen Gesellschaft und wer besitzt die grösste Power. Nicht immer geht es nur um den Anstand, sondern um seine eigene kleine Machtposition. Doch ich will hier die Leser weniger mit den internen Reibereien aus der ultra - orthodoxen Szene traktieren.

Es gibt Haredim, welche nach Geschlechtern getrennte Busse fordern, die Mehrheit von ihnen tut dies jedoch nicht und ist absolut dagegen. Die als immer so liberal eingestuften nationalreligiösen Juden sind genauso pro und con zu dem Thema. Wobei es hier vorwiegend nationalrelig. Frauen, sind, die lieber von den Männer getrennt sitzen.

Bisher hiess es ständig, Israels säkulere Bevölkerung lehne die koscheren "Mehadrin Busse" ab, doch auch hier tut sich jetzt ein Riss auf. Die haredische Site "Kikar Schabbat" berichtet, dass viele säkulere Frauen sich in einem nach Geschlechtern getrennten Bus wohler fühlen. Ein hämischer Kommentar von einem Haredi lautet: "Haredim lehnen die Trennung in den Bussen ab und jetzt kommen die Säkuleren daher und befürworten sie. Haha".

Abgesehen von den Machtspielen einiger haredischer Rabbiner, zahlreiche Frauen fordern einen koscheren Bus. Ganz einfach, weil sie von den Männer getrennt sitzen wollen, um nicht ständig angegafft oder angemacht zu werden. Und bei der Begründung kommt es nicht darauf an, ob die Frau religiös oder säkuler ist.

Sonntag, August 08, 2010

Eine Mitzwah für eine Drogenabhängige ?

B"H

Gestern abend verbrachte ich mit einer Freundin einige Zeit in Tel Aviv's IN Gegend "Rothschild Boulevard". Rothschild, dort wo die Wohlhabenden wohnen oder zumindest jene, die wert darauf legen, sich als solches auszugeben.
Plötzlich tauchte eine Frau auf, welche einem halb verhungerten KZ - Opfer glich. Halb geistesabwesend torkelte sie herum und ging auf verschiedene Leute zu, um sich Geld zu erbetteln. Ohne viel Kraft ging sie herum in ihren alten schwarzen Schuhen, die sie sicher irgendwo aus dem Mülleimer gezogen hatte.

Ich gab ihr etwas mehr als einen Schekel, denn ich wusste nicht, ob ich nun einem Junkie Geld geben soll oder nicht, denn wir wissen ja alle, wohin das Geld fliesst. Meine Freundin dachte die ganze Zeit darüber nach, ob wir die Frau nicht lieber irgendwo zum Essen einladen sollen. Wir dachten nach und dachten nach und irgendwann war die Frau verschwunden. Den Abend über dachten wir immer noch nach, ob wir ihr lieber eine Mahlzeit hätten kaufen sollen oder nicht.

Wie hättet Ihr reagiert ?

Sonntag, August 01, 2010

Haredim (Ultra - Orthodoxe) gegen die Jerusalemer Gay Parade




Die Jerusalemer Gay Parade vom vergangenen donnerstag war eines der Hauptgesprächstthemen bei meinen letzten beiden Schabbatessen im ultra - orthodoxen Mea Shearim. Meine Gastgeberin wollte wissen, ob ich mir das grauenvolle Ereignis ansah, um darüber zu berichten. Meine Antwort lautete NEIN, denn erstens war ich zu dem Zeitpunkt in Tel Aviv und zweitens tue ich mir derlei Horrorszenarios nicht an.

Homosexuelle wissen sehr wohl, dass sie GEGEN DIE THORA und gegen jegliche Moral verstossen; dennoch versuchen sie unaufhörlich, sich selbst und vor sich selbst zu rechtfertigen. Solche Psychokisten unterstütze ich nicht. Noch dazu wo die "Parade des Grauens" im jüdischen Monat AV stattfand. Einem Monat, der stets negative Geschehnisse für die Juden mit sich zog. Vor knapp zwei Wochen erst gedachten wir des 9. Av und der Zerstörung beider Jerusalemer Tempel und kurz darauf hampeln ein paar Psychochaoten durch die Stadt, um sich selbst zu beweisen.

Freitag, Mai 21, 2010

Schabbat Schalom



Chassidischer Tisch


B"H

Eine kurze Woche liegt hinter uns mit dem Schavuot - Feiertag in der Mitte. Zumindest gab es etwas an Zeit auszuspannen, bevor nach dem Schabbat der Alltag wieder anrollt.

Es gibt definitiv Zeiten, an denen ich die Heilige Stadt vermisse. Gestern abend gab es zwei solcher Momente, denn ich sichtete zwei homosexuelle Paare händchenhaltend die belebte King George in Tel Aviv herunterzulaufen. Weiterhin betouchte sich ein Homo - Paar im Dizengoff Center. Niemand schien sich daran zu stören, aber können sich anders gepohlte Paare nicht daheim angrabbschen ?

In Jerusalem sind derlei abartige Intimitäten in der Öffentlichkeit undenkbar !

Ach ja, jetzt fehlt es mir sicher wieder an Toleranz und ich bin Rassist. Anscheinend ist heutzutage die falsche Toleranz wichtiger als jede Moral. Wir leben in Sodom und Gomorrha, aber Hauptsache wir sind tolerant !

Nichtsdestotrotz, man konzentriere sich lieber auf die positiven Dinge im Leben. Die Sonne scheint, der Schabbat steht an und mit einem Freund bin ich zum Schabbatessen im ultra - orthodoxen Mea Shearim eingeladen. Danach suchen wir gemeinsam ein paar chassidische Tische. Hoffentlich haben wir Glück und es findet etwas statt !

"Schabbat Schalom - Gut Schabbes" an alle Leser !

Sonntag, November 29, 2009

Haredische Diktatur ?

B"H

Seit meiner Aliyah nach Israel im Juni 2000 habe ich die überwiegende Zeit in Jerusalem verbracht. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert.
Habe ich mich in Jerusalem jemals von den Haredim (Ultra - Orthodoxen) unterdrückt gefühlt ? Meine Antwort darauf lautet eindeutig NEIN.

Sobald ich in einem sekulären Stadtteil Jerusalems lebe, schreibt mir niemand vor, was ich zu tun oder zu lassen habe, was ich anziehen muss, was ich essen soll oder wie ich mich sonst irgendwie benehme. Meine Freiheiten kann ich sogar im nationalrelig. Stadtteil Kiryat Moshe geniessen, wenn mir danach ist.

Im Jahre 1997 lebte ich für etwas mehr als ein halbes Jahr im haredischen Teil von Ramot / Jerusalem. Ramot Aleph, um genau zu sein. Selbst dort waren einige wenige unserer Nachbarn immer noch säkuler neben all den Haredim im Haus. Man meisterte das Leben zusammen ohne sich großartig provokant in die Quere zu kommen.

Wer im säkuleren Rehavia, French Hill, Talpiot, Arnona, Teile Katamons oder der German Colony wohnt, der darf sich als Haredi nicht unbedingt über laute Musik oder ein laut aufgedrehtes TV - Gerät am Schabbat beschweren. Doch auch dort leben relig. und säkuler immer noch friedlich miteinander zusammen.
Sobald ich mich jedoch in haredische Gefilde begebe, sollte ich deren Stadtteil genauso achten bzw. respektieren und nicht wie ein wild gewordener Heini provozierend herumtapsen und mir den Minirock überstülpen. Nicht, dass ich als Besucher auf Haredi machen muss, aber ein gewisser Respekt sollte schon vorhanden sein. Von haredischer Seite wird nicht unbedingt ein Baseballschläger auf mich wartet, falls meine Ärmel zu kurz sind. Eigentlich passiert diesbezüglich kaum etwas und die wenigsten Leute werden in haredischen Bezirken dumm angemacht. Jedenfalls nicht wochentags, sondern wenn, dann eher am Schabbat.


Warum also demonstrierte gestern abend eine Gruppe säkulerer Israelis gegen die Haredim ? Die Demo fand in Jerusalems Innenstadt statt und wurde offenbar von der radikalen Linkspartei MERETZ organisiert. Die Demonstranten sehen Jerusalem einer diktatorischen haredischen Knute unterlegen. Bald sehe es hier so aus wie in Teheran. Nur jüdisch halt.

Haben die Demonstranten damit Recht ?

Zuerst einmal sehe ich viele Teilnehmer der linken Demo als Teilnehmer oder Sympathisanten der Jerusalemer Gay Parade, die fast alljährlich haredische Demonstrationen hervorruft. Zuletzt nicht mehr, denn die Haredim beschlossen, den Homos keine Bühne / Public Relation mehr zu bieten.
Weitere Demoteilnehmer am gestrigen Abend waren sicher jene Leute, welche eh einen Hass auf die haredische Gesellschaft haben. Nicht, dass sie diese genauer kennen täten, aber das Klischee ("Die sind alle faul und gehen weder arbeiten noch zur Armee") scheint alles wettzumachen. Andererseits betrachte selbst ich die haredischen Demonstrationen gegen die Schabbatarbeit beim Chiphersteller INTEL / Jerusalem als überflüssig. Wieviele Betriebe arbeiten in Jerusalem am Schabbat und bei denen wird geschwiegen und nicht demonstriert ? Wieso, um Himmels Willen, also nur die Schabbatdemos vor INTEL ?
Und eine positive Resonanz erfahren die Haredim auch nicht mit dem "Schabbes, Schabbes" - Geschrei. Wobei ich unbedingt erwähnen muss, dass nur Gruppen von der Edah HaCharedit (Toldot Aharon, Satmar, etc.) an den Demos beteiligt sind und nicht Belz, Vishnitz oder Gur. Nicht, dass ein Leser denkt, die Haredim sind nur alle DIE HAREDIM !

Jemand, der behauptet, die Haredim übernehmen das Jerusalemer Ruder und machen auf Diktator, der sollte die haredische Gesellschaft erst einmal näher kennen lernen, um zu urteilen. Eine Tatsache ist, zum Beispiel, das die säkulere Gesellschaft sich mehr und mehr in Luft auflöst. Wo werden deren Nachfahren einmal sein, wenn ihre Eltern oder Großeltern so toll auf assimiliert und liberal machen ? Heiraten sie Nichtjuden; jemanden von Israels Fremdarbeiterkindern ? Statt rumzunörgeln, sollte jeder einen Blick in die Zukunft werfen. Wie steht es da mit der jüdischen Identität, der Religion oder der eigenen Geschichte ? Soll ich all das aufgeben, nur damit ich meine Freiheiten geniessen kann und meine Bequemlichkeit hinter mir lasse ? Nennt man das dann die perfekte Moderne ?

Wie schaut meine Freiheit aus ? Zuerst bin ich total happy und geniesse, aber dann irgendwann kommt der Zeitpunkt, an welchem mich Nichtjuden auf meine wahre Identität aufmerksam machen und mich "Jude" nennen / schimpfen. Weiss ich dann noch, was es heißt, ein Jude zu sein ?

Andererseits kann die haredische Gesellschaft nicht verlangen, dass alle Juden Jerusalems sich nun ihnen unterwerfen. Gemeinsamen legen wir die Regeln der Stadt fest und nicht eine einzige Gruppe allein. Bisher lebte jeder friedlich in seinem Stadtteil, ohne den anderen groß zu stören. Hier und da werden von haredischer Seite aus koschere Busse verlangt. Jerusalem jedoch besteht aus vielen unterschiedlichen Juden und eine Gesellschaft soll nicht der anderen irgendwelche Vorschriften machen. Weder die Säkuleren noch die Haredim.
Die Haredim identifizieren die Säkuleren mit Gay Parade, Schweinefleisch, Ehen zwischen Juden und Nichtjuden, fehlendem Anstand oder Drogenkonsum. Die Säkuleren erheben genauso Vorurteile gegenüber den Haredim, die da lauten, dass die ja alle fanatische Spinner seien, wild demonstrieren und unser Leben ins Mittelalter katapultieren wollen.

Ich habe keine Lösung anzubieten. Jene, die die Haredim hassen, werden dies auch weiterhin tun genauso wie all jene Haredim, die das Leben der Säkuleren "leer" nennen. Eine Lösung auf Jerusalem bezogen findet wenn, dann eher im privaten Bereich statt. Dort nämlich, wo ein säkulerer Jude einer haredischen Frau hilft, ihren Kinderwagen in den Bus zu heben. Dann sehen beide Seiten plötzlich, dass man ja doch nicht nur nebeneinander herlebt, sondern auch irgendwie miteinander.

Jerusalem ist längst nicht so "intolerant" wie sein Ruf. Seltsamerweise halten alle Juden immer nur dann zusammen, sobald wir einen gemeinsamen Feind haben und es zu Katastrophen kommt. Nicht, dass ich damit unbedingt ein Desaster heraufbeschwören will, damit wir alle miteinander auskommen. Dennoch erweckt es leider manchmal den Eindruck als brauchen wir immer wieder eine derbe Erinnerung an uns und unsere jüdische Umgebung. Zumindest aber sollten beide Seiten einander mit mehr Respekt begegnen. Damit ziehe ich jetzt keine Extreme auf und sage, der Haredi solle den Homosexuellen respektieren. Richtiger aber wäre es, den Homosexuellen als Mitmenschen zu sehen, von dessen Neigungen einmal abgesehen. 

Immerhin sind wir alle Juden und füreinander verantwortlich.

Mittwoch, August 26, 2009

Wer ist der wahre Zionist ?

B"H

Neulich saß ich morgens mit unserem Bäckereimanager draußen beim Kaffee als ein sephardischer Haredi (Ultra - Orthodoxer) stoppte und den Manager überreden wollte, doch Teschuva (Umkehr zu G - tt) zu machen. Schließlich befinden wir uns im Monat Elul und das sei die Zeit der Umkehr vor dem Neujahrsfest Rosh HaShana (Mitte September).

Unser Manager ist alles andere als relig. und versuchte sich taub zu stellen. Dann reichte es ihm und er fuhr mit den uralten Klischees auf: Ob denn der Haredi nichts anderes zu tun habe als ihn vollzulabern ? Habe er keine Arbeit oder so ?

Der ständig lächelnde Haredi lachte noch mehr und meinte, er helfe seiner Frau im Haushalt und gehe dann in die Yeshiva lernen.

"Nee, richtige Arbeit. Hast Du eine ?" fragte der Manager nach.

Der Haredi wurde einen winzigen Moment lang ernst und meinte, er jobbe und mit Familie und Lernen sei es halt dennoch schwer, durchzukommen und sein Leben zu gestalten. Aber G - tt helfe halt.

"Was ist am Chet (der 8.) Elul ?" fragte der Manager provokativ weiter.

Der Haredi schaute mich fragend an und man sah, dass er in seinem Kopf sämtliche relig. Daten durchging. Er kam nicht drauf und der Manager sagte triuphierend, dass vor unzähligen Jahren am 8. Elul der erste Yishuv (Siedlung) namens Nahalal in Israel gegründet worden sei. Und der 8. Elul falle auf diese Woche Freitag.

Die Absicht des Managers war dem Haredi zu zeigen, dass es halt die säkuleren Zionisten a la Theodor Herzl waren, welche dieses Land aufbauten und nicht die relig. Juden.

Der Haredi allerdings ging nicht auf das Vorurteil ein, sondern konterte historisch richtig: Die wahren Zionisten seien die Haredim gewesen, die schon vor 200 Jahren nach Israel kamen und ihre Siedlungen bauten. Jene Anhänger des Rabbi Nachman von Breslov, des Vilna Gaon oder diverser chassidischer Gruppen. Was sei denn Tel Aviv noch nach Kriegszeiten gewesen ? Genau, voll Haredim, die hier ihre Gemeinden hatten. Dies geschah bevor alle nach Bnei Brak (nahe Tel Aviv) abwanderten. Das chassidisch oder haredische Tel Aviv ist heute fast in der Vergessenheit versunken.

Der Manager gab auf und der Haredi ging nicht ohne den Manager zu segnen. Freudig zog er von dannen und der Manager meinte, er bewundere den Elan und die Begeisterung des Haredi.

"Naja, immerhin hast Du einen Segen bekommen", erwiederte ich.



Ein Motto der Chassidut Breslov: Be Happy, egal wie schlecht Du Dich fühlst. Auf dem obigen Bild sehen wir in der Mitte Rabbi Israel Odesser, das verstorbene spirituelle Oberhaupt der Breslover NANA - Bewegung.
Photo: Baal HaGan

Dienstag, Juli 21, 2009

Jüdische Israelis konvertieren zum Islam

B"H

Wer hätte das gedacht ? Nicht das Christentum ist bei einigen jüdischen Israelis im Kommen, sondern der Islam !
Die israelische Tageszeitung MAARIV berichtete heute, dass im Jahre 2008 ganze 142 Israelis ihre Religion wechselten. Davon konvertierten 112 Personen zum Islam und der Rest wurde offenbar christlich.

Ich kann mir die höhere Anzahl der Konversionen zum Islam nur so erklären als dass es sich vorwiegend um jüdische Frauen handelt, die sich entschliessen, einen Palästinenser zu ehelichen. Dies kommt am häufigsten in der Gegend in und um Nazareth (Nazeret) vor, denn dort wohnen beide Bevölkerungsschichten dicht zusammen. Obwohl Juden in ihrem eigenen Stadtteil "Nazeret Illit" wohnen.

Ehen zwischen Juden (hierbei überwiegend Frauen) und Palästinensern gilt in Israel als Verrat am eigenen Volk und vielerseits werden jene Frauen vom Rest der Gesellschaft ausgegrenzt. Nicht selten dazu in der neuen, arabischen Familie, wie Dreck behandelt und wiederum nicht selten von der Anti - Missionsorganisation YAD LE'ACHIM wieder ins jüdische leben zurückgeholt.

Link:

Mit dem Feind in einem Bett

Dienstag, Juni 30, 2009

Oberster Gerichtshof erklärt messianischen "Juden ?" für koscher

B"H

Es ist keine Frage, dass der von den Christen als Meschiach betrachtete Jude J. seinerzeit koscher aß und sich an die Halacha seines Glaubens hielt. Er selbst gründete keine eigene Relgion, sondern versuchte seine Reformen bei Juden durchzusetzen.

Laut der Halacha ist Essen, was von einem Nichtjuden gekocht / gebacken wurde dann unkoscher, wenn kein Juden den Ofen anstellte oder zumindest einmal im Topf rührte. Hinzu kommt, dass selbstverständlich einwandfreie koschere Zutaten beim Kochen verwendet werden. Bereitet, zum Beispiel, ein Nichtjude allein das Essen vor (wobei es sich um eine gekochtes oder gebackene Mahlzeit handelt), so ist das Essen für einen Juden unkoscher.
Die Halacha erweist sich in Kaschrutfragen extrem kompliziert, ganz zu schweigen von dem Geschirr, was gleichfalls koscher sein muss !

Der Oberste israelische Gerichtshof, der eh als politisch links sowie anti - religiös eingestuft wird, entschied nun, dass ein Lebensmittelbetrieb, welcher von einem messianischen "Juden ?" geleitet wird, ein Anrecht auf ein Koscherzertifikat (Hechscher) vom Rabbinat (Rabbanut) hat.

Nun ist es jedoch so, dass messianische "Juden ?" (ich setzte ein Fragezeichen hinter der Bezeichnung "Jude", denn in dem Moment ist es fraglich, ob sie tatsächlich jüdisch sind) laut Halacha Götzendiener sind. Unter anderem wird ein männlicher Jude, der ein Messianic ist, in keiner rechtmässigen Synagoge mehr zur Thora aufgerufen, sondern erst wieder dann, wenn er sich voll und ganz auf die Thora und das eigentliche Judentum zurückbesinnt (Teschuva macht).

Ob das Rabbanut bei der Entscheidung des Obersten Gerichtshofes mitspielt, bleibt mehr als fraglich, denn demnach würde es sich selbst disqualifizieren. Wie kann ein messianischer Jude, den die Halacha als Götzendiener einstuft, einen Herd bzw. Backofen anstellen und somit einen Kochprozess einleiten, wenn genau das als unkoscher gilt ?

Ich bin gespannt, wie es halachisch in der Angelegenheit weitergeht. Wahrscheinlich gar nicht, denn ein Oberster Gerichtshof versteht nichts von halachischen Fragen und ist somit komplett irrelevant.

Oder, es wird ein Verantwortlciher abgestellt, der die gesamte Küche überwacht und Herde anstellt.

Link zum aktuellen Urteil des Gerichtshofes:

Jerusalem Post

Dienstag, Juni 16, 2009

Koogle

B"H

Das orthodoxe Judentum richtete sein eigenes KOSCHERES Google unter dem Namen Koogle ein.

http://www.koogle.co.il/English/

Koogle ist ein Wortspiel bezogen auf die Schabbatpastete Kugel (Jiddisch: Kigel).

Koogle verspricht seinen Usern, ausschließlich koschere und keine schmutzigen Sites zu präsentieren. Absolut stubenrein also !

Freitag, März 13, 2009

Mitzwah JA, Mitmenschen NEIN

B"H

Laut dem Talmud Traktat Yoma wurde der Zweite Tempel aufgrund von
"Sinat Chinam - Hass auf die Mitmenschen, mieses Verhalten seinen Mitmenschen gegenüber" zerstört. Offiziell ist dies der Grund, warum G - tt die Zerstörung durch die Römer im Jahre 70 nach Beginn der Zeitrechnung zuliess.

Der Grund ist bestens bekannt und natürlich sind wir heute viel aufgeklärter und überschauen alles besser als unsere Vorfahren. Ein Goldenes Kalb aufstellen ? G - tt etwas vorjammern oder in Frage stellen ? Zerstörungen und G - ttes Zorn hervorrufen ?
Wir doch nicht !

Aber sind wir wirklich so toll wie wir uns sehen ?
Alles redet von den mitmenschlichen Beziehungen und wie wir miteinander umgehen sollen. Wir Juden sind EIN Volk und jeder Jude ist ein Teil davon. Egal, ob relig. oder säkuler. Ein Volk ist gemeint und oftmals zeigt sich dieses Bild tatsächlich. Nämlich dann, wenn wir in Not und gezwungen sind, zusammenzuhalten.

Aber wie schaut der Alltag aus ?
Im ultra - orthodoxen Mea Shearim wurde mir neulich offenbart, dass in Tel Aviv Goim leben. "Goim ?" fragte ich und bezog die Aussage auf Nichtjuden. Nach einiger Zeit jedoch wurde mir bewusst, dass meine Gesprächspartnerin die säkuler - jüdischen Bewohner meinte; da diese nicht ihren Anforderungen entsprachen, wurden sie kurzerhand als Goim abgestempelt. Ich hielt einige Argumente dagegen und dann wurde sanft das Thema gewechselt.
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GOIM: Dieser Ausdruck bedeutet VÖLKER. Vielerseits wird angenommen, es handele sich hierbei um eine Art Schimpfwort den Nichtjuden gegenüber. Dem ist NICHT so und selbst die Juden werden in der Thora als "GOI KADOSCH - HEILIGES VOLK" bezeichnet.
GOIM heißt einfach nur Völker, wenn das Wort jedoch in Bezug mit Nichtjuden fällt, dann betrifft es diese auch.
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Was ich heutzutage besonders bei den "Baalei Teshuva (abgekürzt "BTs") - den im späteren Verlauf des Lebens relig. gewordenen Juden feststelle" ist, dass gerade sie sich plötzlich ihren säkuleren Mitjuden gegenüber als priviligiert fühlen. A la "ICH bin jetzt religiös und besser als DU, denn ICH sehe den wahren Sinn des Lebens und DU rennst nur Deinen Gelüsten und Instinkten hinterher. Was hast DU doch für leere Lebensinhalte !"

Dazu sei gesagt, dass meine Erfahrungen sich auf die israelische Gesellschaft sowie amerikanische BTs bezieht.

Nicht immer sind es offene Bemerkungen, sondern ebenso ein seltsames Verhalten den Säkuleren gegenüber, welches schlecht zu beschreiben ist. Nennen wir es "von oben herab agieren".

Manchmal habe ich tatsächlich das Gefühl, dass Meschiach gar nicht in diese Welt will. Man schaue sich das Verhalten der Juden untereinander an. Oft genug geht jeder auf jeden los. Nicht, dass jemand frei von Schuld ist und wir alle integrierten diese Veranlagung. Kann sein, dass es mir auch erst jetzt so richtig bewusst wird, seitdem ich in Tel Aviv lebe. Vorher, in Jerusalem, machte man halt diese Unterschiede und es war ganz selbstverständlich. Wobei in der Stadt eh eine wesentlich andere Mentalität herrscht als im offenen Tel Aviv. Jerusalem besteht aus mehreren 100,000 Polizisten und jeder ist sein eigener und schaut auf den Nachbarn. In Tel Aviv dagegen scheint alles Wurst zu sein und jeder macht, was er will, ohne dass der Mitmensch groß schaut.

Was ich aber im höchsten Maße anprangere ist die Überheblichkeit der Baalei Teshuva, die da auf einmal so heilig sein wollen. Nicht alle, denn ich will nicht verallgemeinern, dennoch gibt es genügend von dieser Sorte. Und genau dieses Verhalten wirkt sich auf die betroffenen Mitmenschen zerstörerisch aus, denn sie sehen die Religion plötzlich aus einem negativen Blickwinkel heraus und laufen davon. Und somit betreiben die BTs einen Chilul HaShem (G - tteslästerung), ohne es zu sehen oder einsehen zu wollen, denn man ist ja so furchtbar heilig und betet den ganzen Tag. Wie aber gehe ich mit meiner Umwelt um ?

Bei von Geburt an Religiösen erlebte ich diese selbstauferlegten inneren Zwänge weitaus weniger und gerade sie gehen oftmals auf anders denkende Juden weitaus offener zu als so mancher Baal Teshuva. Chabad oder Breslov mögen argumentieren, dass sie ja ganz besonders im Outreach tätig und deswegen anders sind.
Wirklich ?
Oder sind sie nicht eher dafür bekannt, die neu Hinzugestossenen in eine Philosophie zu lenken und wenn das nicht so klappt - dann RAUS aus dem Unternehmen.

Sonntag, März 08, 2009

Nationalreligiös - Dati Le'umi


Nationalreligiöse an der Kotel (Klagemauer)


B"H

Mancher Leser wird, sobald er sich mit dem Judentum beschäftigt, sofort mit einem manchmal komplizierten Wortschatz überfallen. Da gibt es nicht nur DIE JUDEN oder reform, konservativ, progressiv oder orthodox, nein, da fallen Wörter wie haredi (ultra - orthodox), nationalreligiös, chassidisch ... Wer soll da durchsteigen und das alles noch auseinanderhalten können ?

Sobald man vom Judentum spricht oder darüber berichtet bzw. schreibt, ist gerade der Wortschatz nicht wegzudenken. Wie will jemand argumentieren, wenn er keinen litvischen Haredi von einem Chassid auseinanderhalten kannt ? Und wer oder was ist jetzt nationalreligiös und wie bitteschön kommen die Richtungen untereinander aus und überhaupt ?

Einem Außenstehenden dies alles so Ex und Hopp zu erklären fällt nicht leicht und deswegen ziehe ich fast immer Fallbeispiele vor.
In Mea Shearim (einer der ultra - orthod. Stadtteile Jerusalem) wird mir vielfach gesagt, dass die zionistischen Nationalreligiösen weniger religiös seien. Eben mit Kipa auf dem Kopf, aber die Kleidung sei ja wie bei Nichtjuden.
Neulich dann sagte mir eine Neureligiöse, dass sie vor ihrem haredischen Leben bei den Nationalreligiösen gewesen sei und die seien ja nicht besser als die Säkuleren. Sie sei nämlich durch die Nationalreligiösen erst zum Säkulerismus gekommen.



Aus relig. zionistischer Sicht darf Israel überall besiedelt werden.

Ich bin der gegenteiligen Auffassung und tat dies auch genügend kund. Nicht alle Nationalrelig. sind über einen Kamm zu scheren, selbst wenn sie sich für Haredim (Ultra - Orthod.) ganz "normal kleiden. Allgemein gesagt kleiden sich die Nationalrelig. ganz normal in Jeans, Shirt, Rock, Pullover, was auch immer; wobei sie nicht die schwarze Hose, weisses Hemd - Kleidungsetikette haredischer Männer einhalten. Die Frauen tragen langen Rock (auch Jeansrock, was bei Haredim nicht immer akzeptiert wird) und ehrlich gesagt, schaut so manch nationalrelig. Frau anständiger aus als ihr haredischer Gegenpart. Gerade bei den litvisch - haredischen Frauen in Bnei Brak werden die Röcke stetig kürzer.

Nationalrelig. sind zionistisch veranlagt und gehen zur Armee (die Frauen verrichten einen Sozialdienst genannt "Scherut Le'umit"). Im Ausland kennt man sie oftmals nur als rebellische rechtsradikale Siedler, doch steckt hinter dem gesamten Movement viel mehr. "Liebe zu Israel" und der relig. Zionismus, meist vorangetrieben vom ersten aschkenazischen israel. Oberrabbiner, Rabbi Kook (Kuk). Nicht, dass Rabbi Kook der große Zionist war, doch stellte er sich auch nicht gegen die Bewegung.

Auch bei den Nationalreligiösen gibt es unterschiedliche Strömungen, welche da von "total modern" bis hin zu "erzkonservativ" reichen. Manche meinen dies an der Größe der Kipa des Mannes zu erkennen. Eine besondere Richtung sind die "Chardalnikkim", die da die sogenannten Haredim unter den Nationalrelig. bilden.

Eines sei gesagt: Sicher gibt es zwischen ihnen und den Haredim Mentalitätsunterschiede. Keine Glaubensunterschiede, sondern der Alltag schaut etwas anders aus und besteht nicht "nur" aus dem Thorastudium. Normalerweise senden die Nationalrelig. ihre Kinder auf die hauseigenen "Noam - Schulen", welche später zum Besuch einer Uni berechtigen. Bei haredischen Schulen ist dies nicht der Fall, denn der Lernstoff ist weniger weltlich und ganz auf die haredische Gesellschaft ausgerichtet.

Zu sagen, dass der oder die weniger religiös ist, weil man sich ja so oder so anzieht ... Seit meiner Zeit in Tel Aviv habe ich ganz unterschiedliche Leute kennen gelernt und oft habe ich die Erfahrung gemacht, dass Haredim nicht immer Haredim sind, nur weil sie äußerlich so ausschauen. Säkulere sind nicht nur Ignoranten und Nationalrelig. bilden ebenso keine Ausnahme. Wir sind alle nur Menschen und vor allem unter Juden sollte man "leben und leben lassen", selbst dann, wenn ich hier so manche Kritik an verschiedenen orthodoxen Ausrichtungen uebe.

Trotzdem muss ich sagen, dass die nationalrelig. vom Chassidismus oder haredischen Angelegenheiten seltener eine Ahnung haben.:-)




Litvische Haredim - schwarzer Anzug, weisses Hemd, schwarzer Hut




Chassidim (hier von der Chassidut Gur): langer schwarzer oder dunkelblauer Kaftan, Streimel (Pelzmütze am Schabbat oder zu festlichen Anlässen), lange Pejes (Schläfenlocken).

Photo: Yeshiva World

Montag, Februar 23, 2009

Neues Kommittee im Innenministerium

B"H

Aufgrunddessen das Tausende Nichtjuden in Israel herumlaufen und die hiesige Staatsbürgerschaft verlangen, bildete Innenminister Me'ir Sheetrit ein neues Kommittee, welches das derzeitige "Law of Return - Rückkehrerrecht" überarbeiten soll. Gemäss des bestehenden Law of Return hat jeder Jude oder zum Judentum Konvertierte (Reformkonvertiten sollten sich stets vorher gesondert erkundigen !) das Recht auf Aliyah nach Israel. Nach der Aliyah erhält jeder jüdische Einwanderer die israelische Staatsbürgerschaft und somit gewisse Rechte aber auch Bürgerpflichten.

Heutzutage jedoch meinen Hunderte fanatischer Christen, sie seien ein Teil des jüdischen Volkes und verfügen somit über das Recht, hierbleiben zu dürfen. Zusehends wurde das Law of Return immer mehr ausgenutzt und die schockierende Mitteilung ist, dass 30% der Bewohner von Eilat keine halachischen Juden sind !

Nun soll das speziell eingerichtete Kommittee eventuelle Ergänzungen zum Law of Return ausarbeiten. Eine Alternative wäre, dass Neueinwanderern nach der Aliyah vorläufig ein besonderer Status gegeben und dabei gleichzeitig geprüft wird, ob es sich hier tatsächlich um einen Juden handelt. Weiterhin soll der Betreffende seine Loyalität zu Israel beschwören. Derzeit kommt es häufig vor, dass weibliche russische Einwanderer sich mit Palis einlassen und in der Vergangenheit half eine Russin einem Pali ein Attentat zu verüben.

Hinzu soll vor Vergabe der Staatsbürgerschaft geprüft werden, ob der Antragsteller des Hebräischen etwas mächtig ist. Kurz gesagt, es soll sich um Neueinwanderer handeln, die fähig sind, sich in die israelische Gesellschaft einzugliedern und dazu gehört die hebräische Landessprache.

Die zweite schockierende Nachricht:

According to recent Interior Ministry data, approximately 1 million illegal immigrants currently reside in Israel. Among them are 25,000 African infiltrators (only 600 of which are refugees from Darfur), tens of thousands of Palestinian Authority Arab women married to resident Israeli Bedouins,16,000 Arab women receiving Israeli welfare stipends while residing in Judea and Samaria, and 46,000 non-Jewish Ethiopians.

Freitag, Februar 13, 2009

Der "Satan" Avigdor Lieberman

B"H

Kurz vor den Knessetwahlen nannte der ehemalige sephardische Oberrabbiner und derzeitiges spirituelles Oberhaupt der SHASS – Partei, Rabbi Ovadiah Yosef, den Vorsitzenden der "Israel Beitenu – Partei" Avigdor Lieberman einen "Satan".
Lieberman ist ein israelischer Politiker, der, ohne Zweifel, Araber hasst. Die Palästinenser sehen in ihm einen Rassisten und relig. Juden stehen da nicht nach, denn Lieberman hasst ebenso die Orthodoxie. Lieberman ist russischer Abstammung und von dort aus vor vielen Jahren nach Israel eingewandert. Trotz all der Jahre in Israel behielt Lieberman seinen russischen Akzent im Hebräischen bei.

Als Benjamin Netanyahu in den 90iger Jahren Premierminister war, gab er den Palis teilweise die Stadt Hebron und als Mitglied der Sharon – Regierung unterzeichnete Netanyahu das Abkommen zur Räumung Gush Katifs. Relig. Juden sowie die nationalrelig. Szene werden ihm das nie vergeben geschweige denn vergessen. Diese Erfahrungen veranlassten unzählige Israelis noch weiter rechts abzudriften, nur um Netanyahu nicht wählen zu müssen. Es ist ganz einfach kein Vertrauen in den Ex – Premier mehr vorhanden.

Der größte Gewinner der Wahl vor zwei Tagen ist zweifelsohne Avigdor Lieberman, der die Verweigerungsstimmen des Likud aufsaugte. Wenige Tage vor der Wahl nannte Rabbi Ovadiah Yosef Lieberman einen "Satan". Der Grund hierfür: Lieberman will mehr unkoschere Läden eröffnen sowie die Zivilehe vor dem Standesamt einführen.
Benjamin Netanyahu versucht dieser Tage eine Regierung samt Koalition zu formen um sich dann selbst zum Premierminister zu krönen. Lieberman ist der wertvollste Kandidat hierfür, verfügt er doch über 15 Knessetsitze. Der Russe ist sicher seiner "Zünglein an der Waage" – Rolle mehr als bewusst und stellt unverholen seine Forderungen: Vize – Premier will er werden und die Zivilehen wie geplant einführen.

Seit der Gründung des Staates Israel ist das Oberrabbinat (Rabbanut) für sämtliche Eheschliessungen auf dem jüdischen Sektor verantwortlich und jeder israelische Jude muss sich dort zur Ehe registrieren lassen. Jene, die sich nicht gemaess der Halacha verheiraten wollen (z.B. ein Cohen (Tempelpriester) heiratet eine geschiedene Frau oder ein Jude heiratet einen Nichtjuden), sind entweder gezwungen, sich im Ausland zu vermählen oder irgendein Heiratszertifikat einer ausländischen Botschaft zu kaufen. Viele erstehen deswegen das Zertifikat der Botschaft aus Paraguay. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob dieser zweite Weg noch existiert.

Lieberman's "satanische" Forderungen finden viel positiven Anklang bei in der russischen Gesellschaft. Die Mehrheit von ihnen ist halachisch nicht jüdisch und hasst mitunter relig. orthod. Juden; insbesondere die SHASS – Partei. Heutzutage ist Israel geradezu mit nichtjüdischen Russen überflutet und diese meinen, dass auch ihnen ein Machtanteil zusteht. Israel oder ein Israel mit einer jüdischen Identität lehnen sie ab und wollen stattdessen ein Israel mit den Inhalten anderer internationaler Nationen. Hinzu kommt, dass eine nicht zu verachtenden Zahl von jüdischen Israelis eine Zivilehe vor dem Standesamt vorziehen täte, denn wer von ihnen will schon einem alternden Rabbanutsrabbi seine Hochzeitsgründe erklären ? Leider gibt es in unserem Land mitunter viele Juden, denen ihre Religion und Identitaet einerlei ist und die es vorziehen so sein zu wollen, wie alle anderen Nationen auf dieser Welt.

Satan oder nicht, Lieberman hat definitive einen Markt gefunden, der ihn unterstützt. Weiterhin schreit er nach Rache gegen die SHASS – Partei und des Rabbi Yosef.

Manchmal kommt es mir tatsächlich so vor als gebe es zwischen Lieberman und den Arabern nur wenige oder gar keine Unterschiede. Beide beabsichtigen die jüdische Identität und einen jüdischen Staat zu zerstören. Lieberman behauptet, für die Existenz Israels zu kämpfen, nur bekommt er dabei anscheinend nicht mit, dass es nur eine Existenz zusammen mit einer jüdischen Identität geben kann. Wenn sich Nichtjuden in Israel verheiraten wollen, dann sollen sie dich gefälligst an die Regeln halten, denn in diesem jüdischen Land sind die Gast und mehr nicht. Wem als nichtjüdischer Einwohner ein jüdischer Staat nicht passt, der ziehe in den Vatikan, nach Moskau, nach New York oder wohin auch immer. Niemand haelt sie in Israel und letztendlich haben wir keinerlei Bedarf für solche Leute.

Mittwoch, Februar 11, 2009

Unter der orthodoxen Knute ?

B"H

Eine Kollegin, die nicht gerade pro - Haredim oder pro - religiöse orthodoxe Juden positiv eingestellt ist, klagte mir die Ohren voll, dass jetzt nach den Wahlen sicher all diese fanatischen SHASS - Haredim in eine neue Regierungskoalition stürmen und der säkuleren Bevölkerung das Leben zu Hölle machen werden. Nicht nur SHASS, sondern alle relig. Politiker mit ihren sonderbaren Erlassen (Beispiel: Nur Ehen zwischen Juden, Koschergesetze - Kaschrut).

Ich antwortete der Kollegin, dass das Schwachsinn sein, denn zum einen ist SHASS schon lange ein Kadima - Koalitionspartner und bisher gab es ja wohl keine Religionsdiktatur a la Iran. Das Beispiel "Iran" wird überhaupt gerne angeführt.

Ehrlich gesagt verstehe ich nicht, wieso die Säkuleren solche Panik vor den Religiösen bekommen, obwohl Letztere in ihren Koalitionen nie auch nur den Anschein irgendeiner Diktatur machten. Im Gegenteil, das Leben lief wie gewohnt weiter. Aber mit diesen Argumenten rede ich gegen eine Mauer an.

Dienstag, August 26, 2008

Straßenbahn gegen Spiritualität

B"H

Die haredischen (ultra - orthod.) Bewohner Jerusalems betrachten die neue Straßenbahn, welche innerhalb der nächsten Jahre einmal durch die Stadt kreuzen soll, als spirituelle Gefahr. Derzeit schaut die aktuelle Lage so aus, dass die Jerusalemer Innenstadt ein absolutes Verkehrschaos darstellt. Ich nehme schon gar keine Busse mehr, denn zufuß bin ich wesentlich schneller. Das gravierenste Beispiel dürfte die Kreuzung Jaffa - King George - Strauss bilden. Die Jaffa Road ist aufgrund der Bauarbeiten für die kommende Straßenbahn seit einigen Wochen nur noch einspurig befahrbar. Der gesamte Verkehr Richtung Ramot, Neve Yaakov, etc. erfolgt nur noch über die Nathan - Strauss - Street, welche gegenüber der King George direkt von der Jaffa abbiegt. Somit kommt es in der Strauss am Kikar Schabbat zu erheblichen Staus. Und genau an diesem Schabbat Platz treffen die ultra - orthodoxen Stadtteile Ge'ulah und Mea Shearim aufeinander.



Skizze der zukünftigen Straßenbahn


Seit einem gewissen Zeitraum schon argwöhnen die ansässigen Haredim, dass sich immer mehr säkulere Passanten und selbst säkulere Geschäftsleute in den ultra - orthodoxen Stadtteilen bewegen. Die anti - zionistische Dachorganisation Edah HaCharedit warnt schon seit längerem vor einem "Einfall" des Säkularismus in Mea Shearim. Welche Beipiele von Leuten bekommen da haredische Kinder zu sehen ? Unanständig gekleidet und grell geschminkte Frauen, Männer in Shorts und Badelatschen und Jugendliche, deren Shirts kaum noch Stoff vorweisen, weil sie so knapp bemessen sind. Welches Beispiel gibt der sittliche Verfall der Gesellschaft den Leuten in Mea Shearim, die da Thora lernen ? Und genau jene Passanten durchqueren die Stadtviertel. Kein Wunder also, dass immer mehr Läden in ultra - orthod. Bezirken mit Schildern darauf hinweisen, dass in ihrem Laden nur anständig angezogene Kundschaft Einlaß findet. Aus den Hinterhöfen (Batei Ungarin, Toldot Aharon) sowie dem lokalen Markt hält man die Säkuleren gar ganz fern.


Was sollen die Kinder denken ?
Chassidische Kinder in Mea Shearim.



Und nun soll auch noch die Straßenbahn kommen. Nein, nicht durch Mea Shearim, aber bedeute nicht die katastrophale Parkplatzsituation der Innenstadt eine Ausweitung nach Mea Shearim. Die Leute wollen die Straßenbahn erreichen und wo bitteschön stellen sie ihren Wagen ab ? Wird Mea Shearim zum Massenparkplatz ?



Der Kikar Schabbat: Kreuzung Strauss, Mea Shearim, Ge'ulah


Tatsache ist schon lange, dass Jerusalem immer haredischer wird. Viele Säkulere ziehen fort oder in ihre Stadtteile wie Rehavia oder dem French Hill, wo man noch unter sich ist. Doch haben haredische Familien eine wesentlich höhere Kinderzahl als alle anderen und diese bilden die neue Wählerschaft. Wenn sie denn wählen gehen. Aber selbst wenn nicht, haredische Aspekte können in Jerusalem keinesfalls außer Acht gelassen werden. Und somit kommt wieder einmal mehr die Forderung nach "koscheren Bussen" auf. Busse, in denen Männlein und Weiblein getrennt sitzen. Ein Freund dieser Busse bin ich garantiert nicht und meines Erachtens nach sind sie eine falsche Lösung. Kein Einwohner soll gezwungen werden, sich den Gruppenidealen der anderen zu unterwerfen. Doch ist die Seite der Haredim verständlich, wenn sie da im Bus neben einer halbbekleideten Frau sitzen. Wie erklären sie das ihren Kindern ? Was für einen Eindruck machen eben jene Säkulere auf die haredische Bevölkerung ? Andererseits kann man natürlich argumentieren, dass all jene Leute genauso Teil des Judentums sind und G - tt uns nicht erschuf, damit wir uns im Hinterhof abkapseln. Vielmehr sollen Religiöse dem Säkularismus als gutes Beispiel vorangehen, aber dazu gehört kein Zwang.

Jerusalem war noch nie eine einfache unkomplizierte Stadt und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Weitere Prognosen bleiben daher offen.



Die Enge Mea Shearims

Dienstag, Juli 01, 2008

Das Oberrabbinat und das liebe Geld

B"H

Auch heute bleiben wir von keinem neuen Rabbanut (Oberrabinat) - Skandal verschont. Manchmal tun mir tatsächlich jene ehrlichen Rabbiner dort leid, wenn ein weiterer Skandal am Horizont auftaucht. Während meiner Zeit, in der ich im Mai / Juni 2001 mit dem Rabbanut Jerusalem zu tun hatte (bezüglich des deutschen Landesrabbiner Netanel Wurmser und seinen illegalen Machenschaften mit Konvertiten zum Judentum), habe ich ausschließlich nette ehrliche Rabbanutsangestellte kennen gelernt.

Schon an der Rabbanuts - Rezeption im Erdgeschoß (in der Yeshayahu Street) wird unterteilt. Aschkenazischer oder sephardischer Jude, darauf kommt es an. Wie bekannt verfügt Israel über zwei Oberrabbiner. Der momentane sephardische Oberrabbiner ist Rabbi Shlomo Amar und der aschkenazische Oberrabbiner ist Jonah Metzger. Beide sind Oberrabbiner sind Staatsangestellte und beide werden im allgemeinen von den Haredim (Ultra - Orthod.) nicht anerkannt.

Wer ins Rabbanut kommt, der wird von der Rezeption aus in seine zuständige Abteilung zugewiesen. Es gibt jedoch auch sogenannte "Zwischenabteilungen" für indische "Juden", die allerdings in Israel erst durch den Giur (Konversion zum Judentum) müssen und für die äthiopischen Juden.

Aschkenazische Juden erkennen die Äthiopier nicht als Juden an. Diese Entscheidung fiel schon sehr früh (in den 80iger Jahre) als die Masseneinwanderung der äthiopischen Juden nach Israel begann. Nicht nur das viele Äthiopier nichtjüdische Ehepartner haben und dadurch die Kinder ggf. keine Juden sind; die aschkenazische Abteilung des Rabbanuts verlangte eine generelle Konversion zum Judentum, ansonsten würde man die äthiopischen Juden nicht als Juden anerkennen.

Erst der damalige sephardische Oberrabbiner Ovadiah Yosef schrieb die Äthiopier als Juden ein. Somit gehören sie mehr oder weniger zur sephardischen Abteilung.

Leider ist es bei den Äthiopiern nach wie vor der Fall, dass viele von ihnen keine halachischen Juden sind. Die israel. Tageszeitung "Yediot Acharonot" deckt heute diesbezüglich einen weiteren Skandal auf. "Yediot" erklärt, dass sich viele äthiopische Juden an sie gewandt hätten, um die Vorwürfe gegen das Rabbanut (Oberrabbinat) der breiten Öffentlichkeit bekanntzumachen.

Jener beim Rabbanut angestellte äthiopische Oberrabbiner Yosef Adana, sowie ein Rabbinerkollege von ihm namens "Zadok" würden viele äthiopische junge Paare schamlos ausbeuten.
Ein Paar schreibe sich beim Rabbanut für eine Hochzeit ein und bekomme sofort eine Zusage. Daraufhin mietet das Paar einen Hochzeitssaal, bestellt das Essen, kauft Kleidung und lädt die Gäste ein. Drei Wochen vor dem Hochzeitstermin bekomme man plötzlich einen Anruf vom Rabbanut, dass die Eheerlaubnis nicht erteilt werde, da bei einem der Partner der Verdacht bestehe, halachisch nicht jüdisch zu sein.

Was tun ? Alles wieder absagen ? Falls ja, kostet das Tausende von Shekeln und dann noch die Blamage vor den eingeladenen Gästen.

Nein, nein, das muß ja alles nicht sein, meine daraufhin der äthiopische Oberrabbiner Yosef Adana. Er hätte da den sephardischen Rabbiner Zadok zur Hand und der könne das Paar schon trauen. Gegen einen kleinen Unkostenbeitrag versteht sich, denn umsonst sei ja schließlich nichts. Und so sackt Rabbi Zadok bei jeder Hochzeit 3000 - 5000 (600 - 1000 Euro) steuerfreies Cash ein. Bezahlt werde vor der Trauung in bar. Und danach folgt alles ganz traditionell: Chuppah (Hochzeitsbaldachin), Ringe, zerbrochenes Glas und der Hochzeitssegen: "Ke'dat Moshe uBnei Israel".

Rabbi Zadok gab zu, dass die ganze Zeremonie ja nur eine einzige Show sei und jeder der Parteien dies wisse. Die Hochzeit anhand eines Rabbis mache einen ja nicht automatisch zum Juden.
Eine frischvermählte Äthiopierin meinte zur Presse, dass der Rabbi das Geld zwar nahm, doch habe er sich geweigert, niederzuknien und dem Bräutigam das zu zertretende Glas zwischen die Beine zu stellen. Soweit reiche dann die Liebe doch nicht und der Rabbi sei sich zu schade gewesen, vor einem Goi (1) niederzuknien.

Was in dieser Angelegengeit weiterhin geschehen wird, ist unbekannt.


(1)

Goi: Der Begriff wird fälschlicherweise IMMER mit "Nichtjude" übersetzt. Eigentlich heißt "Goi" Volk. In der Thora lesen wir zum Beispiel einige Male den Begriff "Israel - Goi Kadosch - Israel - das Heilige Volk".

In dem o.g. Fall jedoch heißt Goi Nichtjude.