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Donnerstag, Juli 26, 2012

Kamtza & Bar Kamtza

B"H

Am Samstag abend, dem 28. Juli 2011, beginnt der Tisha Be' Av (9. des Monats Av), der Tag beider Tempelzerstörungen. Wie in jedem Jahr stelle ich die nachfolgende talmudische Lehre aus dem Traktat Gittin 55b - 56a in den Blog.

Es handelt sich dabei um die berühmte Gemara, in der von zwei Personen die Rede ist: von Kamtza und von Bar Kamtza. Die Gemara in Gittin 55b sieht das Geschehen und vor allem den tragischen Ausgang als einen der Gründe, warum der Zweite Tempel zerstört wurde.



Es war einmal ein Mann, der hatte einen Freund namens Kamtza und einen Feind namens Bar Kamtza. Eines Tages entschloß sich der Mann, zu einem großen Bankett einzuladen und schickte einen Bediensteten aus, um Einladungen zu verteilen. Er sagte zum Bediensteten, dass er zu Kamtza gehen und ihn einladen solle. Doch der Bedienstete ging aus Versehen zu Bar Kamtza (dem Feind). 


Pünktlich zum Bankett traf Bar Kamtza ein und setzte sich an einen der Tische. Den Hausherrn traf fast der Schlag als er seinen Feind dort sitzen sah. Er ging auf Bar Kamtza zu und sagte ihm, dass er gefälligst verschwinden soll. Bar Kamtza jedoch fürchtete die Scham vor allen Leuten hinausgeworfen zu werden und sagte zu dem Mann, dass er bleiben und die Rechnung für sein Essen und Trinken selbst bezahlen wolle. Der Hausherr ließ sich jedoch nicht umstimmen. Bar Kamtza bot ihm an, für das gesamte Bankett zu zahlen, wenn er bleiben könne, doch der Hausherr war so wütend, dass er ihn ergriff und eigenhändig hinauswarf. Vor den Augen aller.  

Draußen sagte Bar Kamtza zu sich selbst, dass alle dort sitzenden Rabbis den Rausschmiß widerstandslos hingenommen hatten. Niemand von ihnen hatte eingegriffen und so kam Bar Kamtza zu dem Schluß, dass die Rabbis seinen Rausschmiß als selbstverständlich ansahen. Aus Rache ging Bar Kamtza zum Palast des römischen Stadthalter (es ist unklar, ob es der römische Kaiser oder ein Stadthalter war) und sagte ihm, dass die Juden gegen Rom rebellieren. Zum Beweis dafür schlug Bar Kamtza dem römischen Stadthalter vor, dass er ein Tier zur Opferung in den Tempel schicken solle und er werde ja sehen, ob die Juden es zur Opferung annehmen oder nicht. Der Stadthalter sandte ein Kalb, welches Bar Kamtza überbringen sollte. Doch auf dem Weg verletzte Bar Kamtza die obere Lippe des Kalbes oder entsprechend anderer Meinungen rief er einen Defekt im Auge des Tieres hervor. Aufgrund dieser körperlichen Schäden konnte das Kalb nicht geopfert werden, da nur einwandfreie Tiere dafür bestimmt sind. Zuerst zogen die Rabbi tatsächlich in Erwägung, dass nicht einwandfreie Tier zu opfern, um keinen Streit mit den Römern hervorzurufen. Letztendlich wurde beschlossen, das Tier nicht zu opfern. 

Der talmudische Kommentator Maharsha sagt dazu, dass der Stadthalter vielleicht nachgegeben hätte, wenn die Rabbis sein Kalb dennoch geopfert hätten. Als sein Opfer verweigert worden war, entschloß er sich zur Tempelzerstörung.Der Maharam Shif kommentiert, dass G - tt die Tempelzerstörung schon beschlossen hatte und der Vorfall mit Bar Kamtza nur noch der Auslöser war. Der Maharsha sieht die Schuld bei Bar Kamtza, da es verboten ist, durch Haß Zerstörung hervorzurufen. Nicht jeder, der ungerecht behandelt worden ist, sollte mit der Keule um sich schwingen und auf Rache sinnen.


Die Zerstörung des Zweiten Tempels durch die Römer (70 nach Beginn der Zeitrechnung)

Wir finden in dieser Gemara drei Menschen, die nur aus Hass handeln und dabei zerstörerisch vorgehen. Zuerst der Mann, der Bar Kamtza hinauswarf. Die nichtreagierenden Rabbis werden vom Maharsha als zu machtlos gegenüber dem mächtigen Gastgeber gesehen. Bar Kamtza wurde daraufhin so vom Haß befallen, sodass er wild drauflos rannte und die Folgen nicht mehr abschätzen konnte. Er verstieß gegen jegliche talmudischen Gesetze. Erstens rannte er zu den römischen Besatzerbehörden und hetzte gegen seine jüdischen Brüder, was ihm schon allein hätte das Todesurteil einbringen können (siehe Talmud Sanhedrin 73a), und zweitens machte er mit Absicht das Kalb für eine Opferung unbrauchbar, was verboten ist (Talmud Bechorot 33b). 

Wie ich schon mehrmals erwähnte haben wir im Judentum das Konzept des "Freien Willens". Jeder Mensch entscheidet selbst über seine Handlungen und muß hinterher die Konsequenzen tragen. Wie ich ebenso schon einige Male erwähnte, sieht der Ishbitzer Rebbe (Rabbi Mordechai Yosef Leiner) den "Freien Willen" als eine einzige Illusion an. Es gebe ihn nicht und all unser Tun ist von G - tt vorbestimmt. Wir haben darauf keinen Einfluß. Laut dem Talmud besitzen wir den "Freien Willen", doch nur insoweit, dass es in unserer Hand liegt, ob wir g - ttesfürchtige Menschen werden oder nicht. 

Man könnte meinen, dass die Handlungen der hier involvierten Personen die Tempelzerstörung ausgelöst haben. Andererseits stimme ich mit dem Maharam Shif überein, der sagt, dass die Zerstörung schon längst von G - tt beschlossen war. Wie also hätten die Agitatoren anders reagieren können und trifft sie überhaupt eine Schuld ? 

Wir Menschen haben immer wieder die Kraft, bestimmte G - ttesurteile zum Guten zu ändern. In der Chassidut wird der Zaddik (der Gerechte) als derjenige betrachtet, der zu solchen Dingen fähig ist. Mit Gebet und Teshuva (Umkehr) können wir Welten versetzen. Die Antwort könnte lauten, dass wenn die hier aufgeführten Personen anders gehandelt haetten und wenn die Juden überhaupt auf die Warnungen der Propheten gehört und sich zur Umkehr aufgerafft hätten, die Tempelzerstörung vielleicht vermeidbar gewesen wäre. Vielleicht aber war es auch unvermeidbar, denn laut unserer jüd. Tradition kommt der Meschiach und baut den Dritten Tempel, und somit kann es auf Dauer keinen Zweiten Tempel geben. 

Heutzutage sollen wir aus dem Fehlverhalten lernen, aber gleichzeitig unseren Blick in die Zukunft auf den Dritten Tempel richten.


Besuch auf dem Tempelberg

Donnerstag, Mai 03, 2012

Parashat EMOR - פרשת אמור


Blick auf den Ölberg mit dem jüdischen Friedhof am Abhang

Photo: Miriam Woelke
B"H

Zu Beginn der Parashat (Thoralesung) EMOR trägt G – tt Moshe auf, den Cohanim (Tempelpriester), den Nachkommen (Söhnen) Aharons, zu sagen, dass sie sich von bestimmten Unreinheiten fernzuhalten haben.

Wortdefinition: EMOR = Sagen. Moshe soll den Cohanim, den Söhnen Aharons SAGEN, dass … 

Der polnisch - chassidische Rabbiner Elimelech von Lizhensk (Rabbi Elimelech Weisblum, 1717 – 1787) stellt die Frage, warum G – tt an dieser Stelle sagt: "Den COHANIM, den SÖHNEN AHARONS". Waren die Cohanim (Tempelpriester) nicht eh alles die Nachkommen des Aharon ? Wozu also diese Unterteilung bzw. zweimalige Erwähnung ? 

Rabbi Elimelech definiert aus dem Kontext heraus, dass es zweierlei Arten Zaddikim (Gerechte) und Cohanim gibt. Nämlich jene, die absolut ernsthaft bei der Sache sind und die zweite Gruppe, zumeist die Nachkommen, welche halt die Cohanim – Stellung innehalten,weil ihr Vater ein Cohen war. Richtiges Interesse aber haben sie nicht immer. Aber selbst wenn sie nicht mehr so aufrichtig sein sollten in ihrem Handeln, wie ihre Väter, so besitzen sie dennoch vor G – tt die Pluspunkte ihrer Väter und können in gewissem Maße davon zehren. Beispiel: Die heutigen Juden, inklusive den religiösen, sind nicht so dermassen fromm wie die Vorväter Avraham, Yitzchak oder Yaakov. Trotzdem wird sich G – tt immer an die großen Taten der Vorväter erinnern und zu den heutigen Juden halten. Selbst dann, wenn sie nicht immer ganz so fromm sein sollten. 

Kurz darauf heißt es in der Parasha, dass Cohanim sich von zwei Dingen distanzieren müssen: 
1. Sie dürfen keine Konvertitinnen oder keine geschiedene Frau heiraten. 
2. Cohanim dürfen nicht mit Toten in Berührung kommen und aus diesem Grund noch nicht einmal einen Friedhof betreten. Nummer 2 scheint auf den ersten Blick ein eher seltsames Gebot zu sein, doch in der Parasha erklärt G – tt den Hintergrund. Die Kabbalah geht noch viel weiter darauf ein. Insbesondere das kabbalistische Buch ZOHAR, welches beschreibt, wie unrein ein toter Körper sein kann. Gerade kurz nach dem Tod eines Menschen spielen sich unterschiedliche Dinge ab. Die Seele verläßt den Körper und aufgrunddessen wird der Körper unrein. Wann die Seele wohin aufsteigt oder wie lange sie im Körper verbleibt, darüber diskutiert nicht nur die Kabbalah, sondern auch der Talmud Traktat Berachot. 

Im Judentum besteht das Gesetz einen Verstorbenen unverzüglich zu begraben und nicht zu warten. Je länger die Zeit zwischen dem Todeszeitpunkt und dem Begräbnis, desto länger befindet sich die Seele des Toten gefangen in einem Twilight. Sie ist nicht auf Erden und nicht im Himmel, sondern in einer Art Grauzone (dies einmal symbolisch ausgedrückt). 

Praktisch gesehen ist es für einen Cohen kompliziert, einen Friedhof zu besuchen. Richtig aktuell wird das Thema wieder in der kommenden Woche, denn dann feiern wir gegen Ende der Woche das LAG BA’OMER, den 33. Tag des Omer. Hunderttausend Juden werden sich an dem Tag in Meron (Nordisrael) versammeln. Am Grab des talmudischen Rabbi Schimon bar Yochai, denn Lag Ba’Omer ist dessen Todestag. Und laut vielen Meinungen war es Rabbi Schimon, welcher den ZOHAR verfasste. Zwar nicht niederschrieb, sondern seine Mystik mündlich an seine Anhängerschaft weitergab. 

Sämtliche chassidischen Gruppen und deren Rebbes werden sich am nächsten Mittwoch abend bzw. Donnerstag in Meron versammeln und die traditionellen Feuer anzünden. Einige der Rebben sind jedoch Cohanim wie, z.B., der Rebbe der chassidischen Gruppe Toldot Aharon aus Jerusalem. Wie bekommt man den Rebben den Berg zum Grab des Rabbi Schimon hinauf, wenn er doch keinen Friedhof betreten darf ? HIER die Antwort !


Andere jüdische Friedhöfe hingegen bauten extra Brücken für Cohanim. Ein komplizertes halachisches Thema und der Bau wird stets von Rabbinern überwacht wie hier in Tiberias:

http://hamantaschen.blogspot.com/2010/11/eine-koschere-strasse-fur-cohanim-in.html

Samstag, April 21, 2012

Der Jasper Stein und der Schlaf

B"H

Im Judentum ist der Schlaf eines Menschen sehr wichtig. Nicht nur in Bezug auf das körperliche Wohlbefinden, sondern ebenfalls in Bezug auf das "Aufwecken" einer anderen Person. Weiss jemand, dass eine andere Person schläft, so gilt es, die Person nicht absichtlich aus irgendwelchen unwichtigen Beweggründen heraus aufzuwecken. Nicht einfach aus Jux an eine Tür zu hammer oder den Schlafenden absichtlich zu stören.

Im Talmud Yerushalmi (Jerusalemer Talmud, Peah 1:1) lehrt uns ein Nichtjude den eigenen Vater zu achten. Die Story findet ebenso im Babylonischen Talmud, Traktat Kiddushin 31a, Erwähnung. Darüber hinaus wird uns hier ebenso gelehrt, wie wichtig Schlaf sein kann.

Nur nebenbei erwähnt: Die jüdische Literatur sieht ausgerechnet im bösen Esav einen Menschen, der seinen Vater (Yaakov) am meisten achtete. Von Esav können wir eines lernen: Nämlich die Achtung des eigenen Vaters.

Aber zurück zum Talmud und folgender Story:

Zur Zeit des Ersten Jerusalemer Tempels lebte ein Mann namens DAMA BEN NETINA in Ashkelon. Dama war kein Jude. Seine Familien hatte es zu zwei Unternehmen gebracht: 1. Den Verkauf von Diamanten und 2. die Züchtung von Rinder – und Schafsherden. In jenen Tagen des Ersten Tempels trug der Hohepriester (Cohen HaGadol) immer noch das Urim ve’Turim, welches mit der Tempelzerstörung durch die Babylonier verloren ging. In einem anderweitigen Artikel werde ich ausführlich auf das Urim ve’Turim (Brustplatte des Cohen HaGadol) eingehen. Hier nur soviel: Der Hohepriester konnte seine Brustplatte zu Rate ziehen, um bestimmte g – ttliche Antworten zu erhalten. 


Die Brustplatte bestand aus zwölf wertvollen Steinen, von denen jeder einzelne eine der zwölf israelitischen Stämme repräsentierte. Der Jerusalemer Talmud beschreibt uns hier, das seines Tages einer der Steine verloren ging. Und zwar der Jasper Stein, der den Stamm Benjamin repräsentiert. 

Ein neuer Jasper Stein musste her und es wurde viel Geld geboten, doch niemand schien einen solchen Stein zu besitzen. Nach längerer Suche stellte sich heraus, dass der Nichtjude Dama Ben Netina, der in Ashkelon lebte, einen Jasper Stein besass. Man machte sich in die Hafenstadt Ashkelon auf und traf Dama Ben Netina in seinem Haus. Der empfing die jüdische Abordnung aus Jerusalem, machte aber sofort darauf aufmerksam, leise zu sein, da sein Vater schlafe. Die Juden aus Jerusalem berichteten Dama, was geschehen war und der war bereit den Jasper Stein zu verkaufen. Allerdings befand sich der Stein in einem Safe und der Schlüssel dazu lag unter dem Kopfkissen, auf dem sein Vater schlief. Beharrlich weigerte sich Dama, seinen Vater zu wecken. 

Man bot ihm mehr und mehr Geld für den Stein, doch Dama Ben Netina weigerte sich. Nichts half und die Juden kehrten unverrichteter Dinge nach Jerusalem zurück. Dennoch ziemlich beeindruckt von der Achtung des Dama vor dem Schlaf seines Vaters. Kurze Zeit später wurde ein anderer Besitzer eines Jasper Steins ausfindig gemacht und käuflich erstanden. 

Ein oder zwei Jahre später benötigten die Juden eine neue Rote Kuh, die da verbrannt werden sollte, weil deren Asche eine spirituelle Reinheit hervorbrachte. Wir erinnern uns an das Gebot der Roten Kuh, nachdem die Juden in der Wüste das Goldene Kalb gebaut hatten. Eine solche Kuh musste nur rote Haare besitzen und kein einziges Haar einer anderen Farbe durfte an ihr gefunden werden. Wurde solch eine reine Kuh gefunden, so fand die Verbrennung auf dem Ölberg statt. Anhand einer vorgeschriebene Prozedur, die sogar einen eigenen Talmud Traktat (Parah) ausmacht. 

Es war noch schwieriger, solche eine Kuh aufzutreiben als zuvor den Jasper Stein. Und wie es halt so kommt: Dem Dama Ben Netina wurde solch eine perfekte Rote Kuh geboren. Nochmals kam die Jerusalemer Delegation zum Kauf und diesmal war der Vater wach und der Deal kam zustande. Allerdings verlangte Dama Ben Netina einen fairen Preis. Nämlich die Summe, welche er Jahre zuvor für den Jasper Stein geboten bekam. 

Was uns die Story aus dem Talmud noch lehrt ? Manchmal scheinen wir im Leben etwas zu verpassen. Aus gutem Grund und weil uns eine Angelegenheit momentan nicht passend erscheint. Lehnen wir etwas aus positiven Beweggründen heraus ab und machen dadurch einen Verlust, so kann es passieren, dass wir alles später einmal doppelt zurückbekommen.

Donnerstag, März 22, 2012

Parashat VAYIKRA - פרשת ויקרא

B"H

Die Thoralesung für diesen Schabbat


Was ? Wieso Tieropferungen ?

Tierquälerei und ein Brauch aus antiker Zeit. Was geht mich das heute an und überhaupt sind die Zeiten eh vorüber. 

Fakt ist, dass sobald der Meschiach kommt und der Dritte Tempel steht, wir wieder Tieropferungen bringen werden. Kein Sündenopfer (Chatat), sondern wohl eher ein Dankesopfer an G - tt (Olah). 

Die Opferungen waren / sind nicht dazu da, weil es um blutrünstige Befriedigung durch Opfer im eigentlichen Sinne geht. Im hebräischen Original wird ein Tempelopfer "Korban" genannt und eben jenes Wort beinhaltet die Buchstabenwurzel "Lehitkarev - näher kommen - להתקרב". Anhand des Opfer kommen wir demnach G - tt näher; dennoch nur dann, wenn wir aufrichtig bereuen und geloben, in Zukunft alles besser zumachen. 

Details dazu HIER !

In der Parashat Vayikra verbietet G - tt den Juden ausdrücklich jeglichen Blutverzehr. Schon das Ablecken des Blutes von jemandem, der sich in den Finger schnitt, ist verboten. Rabbi Samson Raphael Hirsch hat dazu einen einzigartigen Kommentar: 

Nur in der hebräischen Sprache erscheint die wahre Bedeutung des Wortes "Korban" zum Ausdruck gebracht, denn wer "Korban" im Deutschen lediglich als "Opfer" übersetzt, der hat die eigentliche Bedeutung nicht verstanden. Es wird nicht geopfert, sondern durch den Willen der Umkehr entsteht eine neue Beziehung zu G - tt und somit einen gewisse Nähe. Theoretisch könnte ich ein Opfer bringen und mir sagen "Naja, jetzt ist eh alles vergeben". G - ttes Erbarmen jedoch findet nur dann statt, wenn ich wirklich meine negativen Taten bereue und wenn dem nicht der Fall ist, kann ich soviele Opfer auf den Tempelaltar schmeissen, wie ich will; vergeben ist letztendlich nichts. 

Rabbi Hirsch fährt fort:
Immer dort, wo in der Thora von den "Korbanot - Opferungen" die Rede ist, wird G - ttes Name Yud - Heh - Vav - Heh - י - ה - ו - ה verwendet. Der Name, welcher Gnade ausdrückt und nicht pures Gericht / Urteil wie der Name E - lo - h - i - m. G - tt lässt demnach keine harte Justiz walten, sondern Gnade. Jemand bekommt die Möglichkeit, seine vorherigen Fehler im Leben zu korrigieren. Eine spirituelle und moralische Wiederauferstehung sozusagen. Der Gewinn von neuer Stärke den Willen G - ttes, die Thora, zu erfüllen. 

Der Ramban (Nachmanides), 1194 - 1270, merkt in seinem Thorakommentar an, dass die Tatsache, dass der Name Yud - Heh - Vav - Heh in Verbindung mit den Opferungen genannt wird, dies ein Zeichen der Widerlegung jeglicher christlicher Theorien darstellt, welche G - tt als Dreifaltigkeit proklamieren. G - tt besitzt nur EIN ewiges und zeitloses inneres Wesen und das ist Er selbst. Ohne Verwandte oder Geister. Ferner weist der Ramban darauf hin, dass der G - ttesname Yud - Heh - Vav - Heh stets eine Vereinigung bedeutet. In Bezug auf die Korbanot also auf eine Vereinigung zwischen G - tt und Seinem Volk Israel (den Juden).

Ein Wunder ist der Kommentar des Ramban nicht, denn seinerzeit führte er mehrere Dispute mit Abgesandten der katholischen Kirche. Berühmt ist vor allem sein öffentliches Streitgespräch mit Pablo Christiani.

In der Thora heißt es, der Geruch der aufsteigenden Opferungen finde G - ttes Wohlgefallen.
Der "Geruch" ? Wir wir bereits wissen, ist G - tt kein Wesen, welches nach Gerüchen aburteilt und so ist der Ausdruck vermenschlicht um zu verdeutlichen, wie sehr G - tt die Umkehr eines Menschen zu Ihm gefällt.

Die Kennzeichen eines Menschen sind seine Gedanken, seine Sprache (Ausdruck) sowie seine Taten. Anhand dieser Merkmale ist der Mensch jederzeit in der Lage, sein Leben zu ändern, denn G - tt gab uns eine Umkehr. Wir haben die Möglichkeit zu bereuen und ein besseres Leben zu geloben. Niemand wird sofort und gnadenlos verdammt, nur weil er einmal einen Fehler beging.


"Schabbat Schalom" an alle Leser !
Links:


Donnerstag, März 08, 2012

Parashat KI TISA - פרשת כי תשא


 Photo: Miriam Woelke

B"H
Die Thoralesung für diesen Schabbat

Bei der Thoraparashat Ki Tisa, meinen viele leider immer nur, es gehe nur um das Goldene Kalb (Egel HaZahav). Bei genauem Hinschauen jedoch stellen wir fest, dass dort viele weitere wichtige Mitzwot (Gesetze) gegeben werden. Konzentrieren wir uns daher nicht nur auf das Goldene Kalb, sondern schauen wir uns die Parasha etwas genauer an.

Eine Anmerkung vorweg: Die Thora hält sich erneut nicht an die chronologische Reihenfolge (siehe Talmud Traktat Pesachim 6b). Die Abgabe des halben Schekels sowie weitere Ereignisse in Ki Tisa fanden erst nach dem Goldenen Kalb statt und nicht vorher.

G - tt beauftragt Moshe eine Volkszählung unter den Juden durchzuführen. Jeder, der älter ist als zwanzig Jahre, muss einen halben Schekel geben. Dieser Schekel ist nicht wörtlich als Währung zu verstehen, sondern als Gewichtseinheit. Später wurden diese halben Schekel gezählt und somit die genaue Anzahl der Juden ermittelt. Aus dieser Mitzwah lernen wir, dass es verboten ist, Juden auf normalem Wege zu zählen, sondern nur anhand von individuell abgegebenen Gegenständen. Ein praktisches Beispiel hierfür kann ich aus Mea Shearim geben. Eine befreundete chassidische Familie hat insgesamt zwölf Kinder. Fragt man sie jedoch nach der Anzahl ihrer Kinder so bekommt man zur Antwort, dass Juden nicht gezählt werden dürfen. 

Rabbi Samson Raphael Hirsch gibt zur gemeinsamen Abgabe in der Wüste eine philosophischere Erklärung: Aufgrund des halben Schekels hatten die Jude ein gemeinsames Ziel. Sobald eine Nation ein gemeinsames Ziel verfolgt, wird aus jedem einzelnen Individuum ein Ganzes (die Nation). In dem Moment, in dem ein Jude aufgrund von G - ttes Anweisung gezählt wird, wächst in ihm der Stolz dem jüdischen Volk anzugehören. 

Rabbi Yehudah HaLevi sieht in seinem Buch "The Kuzari" dieses als Beweis dafür, dass Juden vorzugsweise in der Anwesenheit einer Minyan (zehn jüd. Männer) beten sollen. Etwas Gemeinsames sei immer besser als daheim im stillen Kämmerlein zu sitzen.


Weiterhin sollten die Mitzwot nicht nur ausgeführt werden, sondern jeder sollte genauso einen inneren Bezug zu ihnen haben. Die innere Einstellung und Gedanken sind nicht weniger wichtig (Ner Israel – Chassidut Ruzhin). 

G - tt beauftragt Moshe ebenso ein kupfernes Kiyor (Wasserbecken) zu bauen. In diesem Kiyor sollen sich die Cohanim (Tempelpriester und zur damaligen Zeit Aharons Söhne) Hände und Füsse waschen, bevor sie ihren Dienst beginnen. Der berühmte Thorakommentator Ohr HaChaim versteht dies so, dass Hände und Füsse gleichzeitg gewaschen werden müssen. Der Cohen (Tempelpriester) plaziert seine rechte Hand auf seinen rechten Fuss und danach seine linke Hand auf seinen linken Fuß (siehe dazu Rashi zum Talmud Traktat Zevachim 19b). Dieser Vorgang symbolisiert, dass der untere Teil des Körpers gemeinsam mit dem oberen gleichzeitg geheiligt (gereinigt) wird. 

Nach der Zerstörung der beiden Tempel haben wir die Aufgabe, unser Zuhause in einen "Tempel" zu verwandeln. Schon immer wuschen Juden vor dem Essen ihre Hände genauso wie die Cohanim (Tempelpriester) vor ihrem Dienst. Deshalb fahren wir fort mit dem Netillat Yadaim, dem Händewaschen, bevor wir Brot essen und verwandeln so unseren Essenstisch in einen "Altar". 

In vielen Geschichtsbüchern lesen wir, dass aufgrund unserer Reinheitsgebote die Juden im Mittelalter viel weniger von der Pest oder sonstigen ansteckenden Krankheiten befallen wurden, was aber andererseits den Verdacht der nichtjüdischen Bevölkerung erregte, dass die Juden irgendwelche Magien betreiben. Dieses wiederum führte zu ständigen Pogromen (siehe Buch von Rabbi Joshua Trachtenberg "Jewish Magic and Superstition – A study in folk and religion). 

Nachdem die Juden am Berg Sinai die Thora bekommen hatten, sollte ihr Leben ganz anders ausschauen. Sie befanden sich auf einem für uns heute unvorstellbaren spirituellen Level (u.a. der derzeitige Rebbe der Chassidut Slonim in Jerusalem, Rabbi Shmuel Bozorowsky) und sollten unsterblich werden. Sie hatten eine zusätzliche Seele, die Neshama Yeterah. Einen kleinen Einblick darin bekommen wir heute an jedem Schabbat, wenn wir eine zusätzliche Seele bekommen. Vor dem Goldenen Kalb hatten die Juden täglich diese zweite Seele. (siehe u.a. Likutei Reuveni und Sefat Emet). 

Unzählige Kommentatoren geben der sogenannten EREV RAV die Schuld am Bau des Goldenen Kalbes. Diese Erev Rav war eine Bevölkerungsgruppe, die sich aus ägyptischen Konvertiten zum Judentum zusammensetzte. Die Konvertiten waren aus egoistischen Gründen zum Judentum konvertiert und ebenso Reinkarnationen der Generation der Flut, des Turmes zu Bavel und der Leute von Sodom (Rabbi Yitzchak Luria – Arizal). 

Nachdem die Juden wegen einer Fehlkalkulation Moshe einen Tag früher zurückerwarteten, stachelten diese Erev Rav die Juden an, das Goldene Kalb zu bauen. Chur wollte die davon abhalten, doch er wurde ermordet. Danach kamen die Leute zu Aharon, der einwilligte. 

Es gibt viele Kommentare, die sich mit der Einwilligung Aharons beschäftigen. Realistisch wäre, dass er Angst hatte, auch er könne umgebracht wird und Moshe eh bald vom Berg Sinai zurückkommt. Rabbi Yitzchak Luria (der Arizal) hat einen langen Kommentar zu dem Thema und lehrt, dass diverse Reinkarnationen in Aharon und Chur eine grosse Rolle spielten und Aharon deswegen in den Bau eines Kalbes einwilligte. 

Das kabbalistische Buch Zohar beschreibt ganz ausführlich, wie genau der Bau des Kalbes von statten ging. Gold wurde eingesammelt und zusammengeschmolzen. Die Erev Rav nutzten diverse magische Kräfte, um dieses Kalb zu erschaffen. Später wurde dem Kalb ein Zettel mit einem der Namen G - ttes in den Mund geschoben und es begann zu sprechen. 

Moshe wurde von G - tt zurückgeschickt und war geschockt über das Vorgehen der Leute im Lager. Im Talmud Traktat Avodah Zarah 44a lesen wir, dass Moshe das Kalb pulverisierte und den Staub in alle Winde verstreute. Zur Strafe wurde die Israeliten, die am Goldenen Kalb teilgenommen hatten auf dreierlei Arten bestraft. Die Levi'im (Leviten) und die Frauen nahmen übrigens nicht an dem Bau teil. Der chassidische Kommentator Shem MiShmuel sagt, dass das Mischkan (Tabernakel) als ein Tikun (Seelenreparatur) für das Goldene Kalb diente. 

Das Ereignis mit dem Goldenen Kalb war ein Disaster für die Juden damals und auch für uns heute. Hätten sie es damals nicht gebaut, würde die Welt heute ganz anders aussehen. Kabbalistische Kommentatoren vergleichen das Kalb mit dem Turm von Bavel und dem Vergehen von Adam und Eva (Chava) im Paradies. Das Buch Megaleh Amukot sieht das Goldene Kalb als Grund für die Zerstörung des Zweiten Tempels. 

Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, alle Meinungen über den Bau, die Anbetung und die Folgen des Goldenen Kalbes aufzulisten und zu analysieren. Die Kommentare reichen von "Ja, die Juden leisteten Götzendienst" bis hin zu "nur die Erev Rav war involviert" oder "die Juden suchten nur einen neuen Anführer, da sie glaubten, Moshe sei ihnen abhandengekommen (siehe Rabbi Simcha Bunim von Peshis'cha)". 

Und was bleibt uns heute nach dem Vorgang mit dem Goldenen Kalb ?
Wir sollten daraus lernen, dass jeder Mensch einen freien Zugang zu G - tt hat und keine Stellvertreter geschweige denn ein Medium braucht. Wir können uns keinen G - tt als Statue bauen, sondern sollten lernen zu akzeptieren, dass G - tt für uns nicht sichtbar und außerhalb jeder menschlichen Vorstellungskraft liegt. In der Kabbalah wird G - tt Ein Sof genannt; ein G - tt ohne jeden Beginn und ohne jedes Ende. Er existierte schon immer und wird dies immer tun. Seine Handlungen sind unbegrenzt und uneingeschränkt. 

Wir können es heute nur besser machen, indem wir zu dem EINEN G - tt beten und nicht unseren negativen Gedanken folgen. Der derzeitige Rebbe der Chassidut Slonim in Jerusalem, Rabbi Shmuel Bozorowsky, nennt in seinem Kommentar einen ganz wichtigen Punkt. Obwohl die Juden das Goldene Kalb bauten, machten sie hinterher Teshuva und kehrten zu G – tt zurück. Der Teshuva – Aspekt sei hier immens wichtig und wir sehen, dass Teshuva fast immer möglich ist.

Schabbat Schalom

Freitag, März 02, 2012

Parashat Tetzaveh - Zachor - פרשת תצוה - זכור


Das "Choschen" des Cohen HaGadol (Hohepriester)


B"H

Die Thoralesung für diesen Schabbat

Der Schabbat vor Purim (welches wir am Donnerstag bzw. Freitag kommender Woche feiern) ist stets "Schabbat Zachor". G - tt trug uns auf, niemals zu vergessen, wie hinterhältig Amalek die Israeliten in der Wüste angegriffen hatte. Und dies einzig und allein aus dem Grund, weil sie Juden waren. Später befahl einer der Nachkommen der Amalekiter, Haman, die Juden Babylons auszurotten (siehe das "Buch Esther - Megillath Esther). 

Bis heute verfolgt uns Amalek, der einstige Enkel Esavs, dessen Nachkommen von vielen Kommentatoren als jene Menschen gesehen werden, welche das Judentum zu vernichten planen. An oberster Stelle steht dabei Nazi - Deutschland. In der Vergangenheit war es Rom, heute sind es Europa und die USA. 

Weiterhin jedoch handelt es sich bei "Amalek" genauso um ein zweites Konzept. Wenn wir allein auf die Gematria des AMALEK schauen, erhalten wir die Summe 240.

Nur nebenbei: In der hebräischen Sprache steht jeder Buchstabe für einen Zahlenwert. Das ALEPH ist eine Eins, das Beit eine Zwei, usw.

Die Buchstabensumme des Amalek ergibt also 240 genauso wie das hebräische Wort für ZWEIFEL (Safek). Beide Wörter ergeben 240 und müssen demzufolge in Verbindung miteinander stehen. Daher das "Konzept Amalek", welches den Zweifel in uns selbst beschreibt. An G - tt und der Thora zweifeln oder sich einreden, dass dies alles nicht mehr so wichtig ist und man ein neues Leben ohne das alles beginnen sollte. Sobald derlei Zweifel aufkommen, haben wir die Aufgabe, diese zu besiegen. Unsere eigene "Yetzer HaRah - negative Seite in uns" zu besiegen und dementsprechend einen Tikun (Seelenkorrektur) hervorzurufen. 

In chassidischer Literatur besteht, wie mehrere Male beschrieben, das Konzept des "ZADDIK" (Gerechten) und gerade bei den Chassidim nimmt vor allem der Rebbe der derweiligen Gruppe den Platz des Zaddik ein. Ein Zaddik verfügt über einen "speziellen Kanal / Verbindung " zu G - tt und er bringt anhand von Gebeten und Mitzwot seine Chassidim in die oberen spirituellen Welten. 

Der einstige Rebbe der Chassidut Gur, bekannt unter dem Namen SEFAT EMET, lehrt:
Die Midrasch lehrt, dass jeder Jude individuelle Aufgaben in dieser Welt besitzt. Genau wie ein Engel. Nur das ein Engel mit nur einer einzigen Aufgabe in dieser Welt auftritt und nicht mit mehreren zusammen. Das ist es, was die Zaddikim tun. 

Der Krieg gegen Amalek fand nicht nur damals in der Wüste statt, sondern er setzt sich bis heute fort ! 

Die vorherige Parashat Terumah lehrte uns jegliche Einzelheiten über den Bau des Mischkans (Tabernakel), wogegen wir aus der dieswöchigen Parashat Tetzaveh erfahren, wie wir die Mitzvot im Mischkan erfüllen sollen. Gleich im ersten Satz der Parsha sagt G - tt zu Moshe, dass dieser den Israeliten auftragen (Tetzaveh) soll, reines Olivenöl zum Anzünden des Ewigen Lichtes zu bringen. Die Chassidut lehrt uns, dass alles in der physischen Welt seine Wurzeln in der oberen geistigen Welt (spiritual world) hat. Auch das Ewige Licht hat seine Wurzeln in der "upper spiritual world" und wird bis hinunter zu uns weitergeleitet. So wird die obere mit der unteren unseren Welt verbunden (Noam Elimelech und Degel Machane Ephraim). 

In der hebräischen Sprache drückt das Wort "Tetzaveh" eine sofortige Erfüllung aus. Die Gabe des Olivenöl sollte umgehend erfolgen. Mit den individuellen Gaben für das Mischkan hat jeder Israelit einen Anteil daran. Da wir derzeit keinen Tempel besitzen, gibt es auch kein Ewiges Licht mehr. Das Licht, welches uns jedoch immer bleibt ist die Thora. Die Lichter des Tempels können erlöschen, doch ist es unmöglich, das Licht der Thora auszuschalten (Sefat Emet). 

Der einstige Ischbitzer Rebbe Mordechai Yosef Leiner kommentierte im Zusammenhang mit der Mitzwah des puren Olivenöls: Olivenöl wird von vielen Thorakommentatoren als Symbol der Weisheit (Chochmah) gesehen und hier erhält Moshe von G - tt den Auftrag, die Weisheit, welche im jüdischen Volke ist zu nehmen, und Ihm (G - tt) näherzuführen. Die Weisheit, dass es da EINEN G - tt gibt, der alles erschuf. 

Das Buch "Sefer Hama'amorim" sieht in dem Wort "Tetzaveh - Auftragen" nicht nur diese einzige alleinige Bedeutung. "Tetzaveh" stammt ebenso von dem Wort "Tzavsa - verbinden" und hier sollen G - tt und die Juden miteinander verbunden werden. Der Kli Yakar (Rabbi Shlomo Ephraim Lunshitz, ca. 1550 - 1619, aus Lemberg und Prag) kommentierte seinerzeit: Moshe fungierte als spiritueller Kanal, durch den G - tt Seine Wunder erscheinen liess. Der Malbim, Rabbi Me'ir Leibish ben Yechiel Michel, 1809 – 1879, Rabbi in Deutschland, Rumänien und Russland, sah Moshe ebenso als Medium zwischen den Israeliten und G - tt. G - tt betrachtete Moshe als denjenigen, durch den Er Seine Thora an die Juden weiterleiten konnte. 

Warum aber forderte G - tt die Juden auf, pures reines Olivenöl zu benutzen ? 
Jeder kann so religiös sein, wie er will, doch befinden wir uns alle auf unserem persönlichen Level; der "Madrega - Stufe". Wir können sagen, dass wir dieses oder jenes halt so tun und die Mitzwot erfüllen. Okay, ich halte den Schabbat und begehe keinen Verstoss gegen die Halacha. Kein Problem und derjenige erfüllt die Mitzwah. Doch hat er die Mitzwah mit Freude vollbracht ? Hat er spirituell etwas für sich erreicht, außer der Gewissheit, den Schabbat gehalten zu haben ? Eine höhere Madrega wäre, wenn er nicht nur stumpf alles einhält, sondern dies mit Freude tut. Seinen Schabbat mit Liedern und Thoragesprächen würzt.
Warum heißen Chassidim "Chassidim" ? Eben weil sie fromm sind und über die Thoramitzwot hinausgehen. Man kann die Chanukkahkerzen ganz normal zünden. Mit Kerzen halt. Ein höherer Level aber wäre Olivenöl wie damals die Menorah im Tempel. 

Demnach müssen wir uns entscheiden, auf welcher Madrega wir wandeln wollen. Einfach nur sagen, okay, ich vollbringe das... Dagegen ist nichts einzuwenden, doch gibt es (kenne ich) viele Leute, die sich damit nicht zufrieden geben und mehr wollen und auch tun. Nicht verbissen rumwerkeln, sondern aus purer Freude heraus. 

Das nächste Gebot, welches Moshe von G - tt erhält, ist die Herstellung der acht Kleidungsstücke des Hohepriesters (Cohen HaGadol). In kabbalistischer sowie talmudischer Literatur repräsentiert jedes dieser Kleidungsstücke einen Tikun (eine Seelenkorrektur). Jedes einzelne Vergehen der Israeliten wird sozusagen von einem der Kleidungsstücke "repariert" (hebrä. Mekaper). 

Die Talmud Traktate Zevachim 88a und Arachin 16a geben hierzu eine Liste: 

Der Umhang (Ketonet) reparierte das Blutvergiessen, die Hose (Michnas) moralisches Fehlverhalten, der Turban reparierte die Arroganz, der Gürtel falsche Gedanken vom Herzen, das Choschen die Ungerechtigkeit, das Ephod den Götzendienst, der Mantel böswilliges Gerede und das Zitz am Kopf reparierte die Gleichgültigkeit gegenüber G - ttes Geboten. 

Viele Kommentatoren sind der Meinung, dass es hierbei nicht nur um die Kleider des Hohepriesters (Cohen HaGadol) geht. Es geht um Kleidung überhaupt. Im Judentum drückt die Kleidung den Charakter des Menschen aus. Sie gibt dem Menschen nicht nur ein gewisses Erscheinungsbild, sondern zeigt genauso seine Moral (Rabbi Samson Raphael Hirsch). 

Die Kleidung des Hohepriesters machte ihm zu etwas Besonderem und er unterschied sich dadurch von allen anderen. Genauso sollten wir uns durch unsere Kleidung von derer anderer Nationen unterscheiden. Durch anständige Kleidung vollbringen wir einen Tikun für uns selbst und diese Art der Kleidung hält uns davon ab zu sündigen (Rabbi Moshe Chaim Luzzatto – Ramchal). 

Viele haredische Freunde sagten mir, dass sie sich durch ihre Kleidung immer auf einem religiösen höheren Level befinden, welcher sie von relig. Vergehen abhält. Ich selbst habe auch schon diese Erfahrungen gemacht. 

Rabbi Kook gibt zu dem Thema ein exellentes und berühmtes Beispiel aus dem Talmud Traktat Shabbat 31a: 

Ein Nichtjude ging einmal an einer jüdischen Schule vorbei und hörte wie der Lehrer den Kindern die Kleidung des Hohepriesters lehrte. Der Nichtjude fand Gefallen an der Kleidung und beschloß, zum Judentum zu konvertieren. Er dachte, dass er nach seiner Konversion zum Hohepriester ernannt werden wird und diese tolle Kleidung tragen darf. Der Nichtjude ging also zu Schammai und trug ihm sein Anliegen vor. Doch Shammai akzeptierte ihn nicht. Das Judentum besteht nicht nur aus dem Dienst des Hohepriesters allein und der Nichtjude sollte schon andere Motivationen mitbringen. Daraufhin ging der Nichtjude zu Hillel. Er sagte ihm, dass er konvertieren wolle, um Hohepriester werden zu koennen. Hillel antwortete ihm, dass er zuerst einmal lernen muss, was ein Hohepriester für Aufgaben hat. Der Nichtjude lernte sehr ausführlich die jüdische Religion und fand so allein heraus, dass er nach seiner Konversion (als Konvertit) niemals Hohepriester sein kann. Nicht einmal König David hätte Hohepriester werden können, da er kein Cohen war. Wie also kann ich als Fremder, der zum jüdischen Volk kommt, Hohepriester werden ? 

In der nächsten Woche feiern wir Purim. In Jerusalem wird am Freitag (9. März) "Schuschan Purim" gefeiert und in fast allen anderen Orten der Welt findet Purim schon am Donnerstag statt. 

Solange es auf dieser Welt Antisemitismus gibt und andere Völker Juden einfach so ausrotten wollen, solange ist Purim allgegenwärtig und deswegen sollten wir dem Fest eine besondere Bedeutung einräumen. 

Der Herausgeber des Naziblattes "Der Stürmer", Julius Streicher, sagte wenige Sekunden vor seiner Hinrichtung durch den Strang "Purimspiel". Streicher wusste ganz genau, dass er in dem Augenblick der Haman war, der da, wie allen anderen Nazigrössen am Galgen endete. Was Streicher vielleicht nicht bekannt war: Die Bedeutung des Jahres, in welchem er hingerichtet worden ist stand in einem besonderen Zusammenhang mit dem Jahr der Hinrichtung des Haman und dessen Söhne.

Schabbat Schalom und Purim Sameach !!!

Donnerstag, Januar 26, 2012

Warum bringen Juden heutzutage keine Tieropfer dar ?

B”H 

Seit einigen Jahren bin ich Mitglied in einem Forum, welches allerlei Fragen beantwortet. Jemand, der sich für das Judentum interessiert, stellte mir gestern die folgende Frage: 

wer kann mir sagen warum auch orthodoxe juden keine tieropfer mehr darbringen, wie es in der tora (4. buch mose) eigentlich vorgeschrieben ist. in anderen bereichen halten sich die strenggläubigen juden sehr genau an den wortlaut der bibel. 

Meine Antwort: 

Tieropfer wurden nur im Tempel erbracht ! Zur Zeit Moshes wurden Tiere im Mischkan (Tabernakel) geopfert. Später, zur Zeit des Ersten und Zweiten Tempels, wurden die Tiere im Tempel rituell geopfert. Die Opferungen fanden nur im Tempel zu Jerusalem statt und nicht irgendwo anders im Land ! Seit wir Juden derzeit keinen Tempel haben und immer noch auf den Meschiach und die Errichtung des Dritten Tempels warten, werden bis dahin keinerlei Tieropfer erbracht. 

Was symbolisch an den Tieropferdienst erinnert: Das Mussaf - Gebet beim Morgeng - ttesdienst am Schabbat. Verschiedene Gebete, welche dem regulären G - ttesdienstritus angehängt werden. 

Link: 

Juden und die täglichen Opferungen

Freitag, Januar 13, 2012

Titus und die Mücke

B”H 

Der römische Kaiser Titus war massgeblich an der Zerstörung des zweiten jüdischen Tempel von Jerusalem beteiligt. Titus Vater, Vespasian, hatte seinen Sohn einstmals nach Palästina entsandt, wo dieser zum Abbild des Bösen wurde. Er schleppte eine Prostituierte zum Sex in den Tempel und machte sich auch sonst über G – tt lustig. Titus stahl alle möglichen Tempelgegenstände und brachte sie nach Rom. Darunter anscheinend auch die Menorah (den siebenarmigen Leuchter aus dem Tempel). Als er sich auf der Schiffsreise zurück nach Rom befand, liess G – tt einen Sturm aufkommen. In Titus kam sogleich der Verdacht auf, dass sich G – tt offenbar an ihm rächen will und so er forderte Ihn heraus. Der Talmud Traktat Gittin 56b beschreibt uns, dass Titus der Meinung war, G – tt habe nur auf dem Wasser Macht, doch nicht an Land. Somit begab sich Titus an Land und wollte dort mit G – tt kämpfen. Letzterer erschien jedoch nicht persönlich, sondern plötzlich flog eine Mücke in die Nase des Titus. 

Der Talmud lehrt, dass die Mücke sich in seinem Gehirn festsetzte und dieses ganze sieben Jahre lang langsam auffrass. Bis zu seinem Tod litt der Kaiser an unbeschreiblich starken Kopfschmerzen und als man später den Kopf seines Leichnams untersuchte, wurde eine Mücke von der Größe eines Vogels gefunden. 

Die Schwester des Titus hatte einen Sohn namens KOLONIKOS. Und eben jener Kolonikos war der Vater des großen jüdischen Thorakommentators ONKELOS. In späteren Verlauf seines Lebens war Onkelos

Mittwoch, August 17, 2011

Dienstag, August 09, 2011

Entdeckung: Das unterirdische Jerusalem aus der Zweiten Tempelperiode

B”H

Wie jüdische Soldaten bei der Zweiten Tempelzerstörung (70 nach Beginn der Zeitrechnung) gegen die Römer kämpften und teilweise entkamen. Archäologen entdeckten jetzt weitere unterirdische Gänge unterhalb Jerusalems Altstadt.


Alle Photos HIER !

Zum heutigen Tisha be'Av: Der Zweite Tempel in Miniatur

B"H

Vor genau einem Jahr war ich im Jerusalemer ISRAEL MUSEUM und machte dort einige Photos der Miniaturausstellung des "Jerusalem der Zweiten Tempelperiode".
















Photos: Miriam Woelke

Dienstag, August 02, 2011

Darf ein Konvertit zum Judentum eine "Bat Cohen - Tochter eines Cohen" heiraten ?

B”H

Cohanim, dabei handelt es sich um die Nachkommen des Hauses Aharon (Bruder des Moshe) und sie waren es, die von G - tt zum Tempeldienst berufen worden sind. Opferungen ausführen und eben fast alles, was mit den beiden Tempeln zu tun hatte. In der messianischen Zeit, wenn es erneut einen Tempel, den Dritten Tempel, geben wird, kommen die Cohanim erneut zum Einsatz.

Wer genau heute noch ein wahrer Nachkomme Aharons ist, läßt sich nicht immer mit Bestimmtheit sagen. In der Regel besitzen die Cohanim Dokumente. Und das über Generationen hinweg. Ferner besteht die Halacha, dass ein Cohen (Tempelpriester) nur gewisse Frauen heiraten darf. Zum Beispiel darf er keine Frau heiraten, die zum Judentum konvertiert ist, sondern lediglich geborene Jüdinnen.
Wie aber sieht es bei der Tochter eines Cohen aus ? Darf sie einen Konvertiten zum Judentum heiraten ?

Die Antwort lautet JA, aber …

Eine Gemara (rabbinische Diskussion) im Talmud Traktat Pesachim 49 wirft die Frage auf, ob es denn so gut sei, wenn eine Jude, der nicht unbedingt die Thoragesetze einhält, die Tochter eines Cohen heiraten solle. Die Antwort darauf lautet, wie zu erwarten, NEIN. Wenn, dann sollte ein Nicht - Cohen zumindest ein weiser gelehrter Jude sein, der die Tochter eines Cohen ehelichen.

Was ist nun aber mit dem Konvertiten ?

Ich kann nur von der heutigen Zeit sprechen und vor ein paar Jahren heiratete ein Konvertit, den ich damals ab und an bei diversen Schabbatfeiern sah, die Tochter eines Cohen. Er kam aus Polen, sie aus Südafrika. Die Ehe ging nach drei Monaten zu Bruch, aber nicht, weil sie die Tochter eines Cohen war.

Bevor die Hochzeit überhaupt stattfinden konnte, untersuchte das Rabbanut (Oberrabbinat) jede noch so kleine Einzelheit. Wo war der Typ konvertiert ? Führt er ein relig. Leben ? War er tatsächlich in seinem nichtjüdischen Leben niemals verheiratet gewesen und falls ja, gab e seine rechtmässige Scheidung ? Diese Frage wird auch anderweitigen Konvertiten zum Judentum gestellt, die einen geborenen Juden heiraten wollen und hier heisst es, Dokumente aus dem Heimatland vorzulegen. Zum Beispiel eine Bescheinigung vom Standesamt daheim, welche Auskunft über den Personenstatus gibt. Falls notwending, ggf. auch die Scheidungsurkunde.

Der Konvertit wurde auf Herz und Niere geprüft und immer ein wenig mehr als andere, bevor er die Cohentochter heiraten konnte. Von Anfang an aber wollten ihn die Eltern der Braut nicht in der Familie und daran ist letztendlich die Ehe gescheitert.

Samstag, April 23, 2011

Druckfehler in deutsch – jüdischen Sidurim (Gebetbüchern)

B”H

Laut der israelisch – haredischen (ultra – orthodoxen) Nachrichtensite “Kikar Shabbat” befindet sich in bestimmten neuen deutschen Sidurim (Gebetbüchern) einiger jüdischer Gemeinden ein schwerwiegender Druckfehler. Ein Übersetzungsfehler, der die alten antisemitischen Ressentiments der “Opferung von Kindern im Judentum” wieder aufleben lassen könnte.

Es geht um die Tempelopferungen und es werden im Text Widder, Lämmer, Stier sowie JUNGE KINDER aufgelistet. Dabei müsste es anstatt “JUNGE KINDER” doch richtig “JUNGE RINDER” heissen. 

Angeblich sollen nun deutsche Rabbiner darüber nachdenken, wie der Fehler behoben werden kann. 

 

Montag, März 07, 2011

Die "Tunnel Touren" unterhalb der Klagemauer (Kotel)

B"H

Die Klagemauer (Kotel), wie wir sie heute kennen, ist nicht der originale Betbereich der Juden zu Zeiten des Zweiten Tempels. Die Kotel ist im eigentlichen Sinne eine der Außenmauern des Zweiten Tempels, welcher im Jahre 70 nach Beginn der Zeitrechnung von den Römern zerstört worden war.

Der Kotelplaza von heute ist ebenso wenig original, sondern brandneu. Wer jedoch auf original antiken Steinen wandeln will, der besuche nebenan das OPHEL oder nehme an den “Tunnel Tours” unterhalb der Klagemauer teil. Dort führt der Weg 30 Meter in die tiefe auf eine original Straße aus der zweiten Tempelperiode

Das nachfolgende Video zeit eine eben solche Tour.

Montag, Februar 14, 2011

Megillat Ta’anit

B”H

Die “Megillat Ta’anit” wurde ursprünglich vom talmudischen Rabbi Chananyah ben Chizkiyah ben Garon verfasst. Der Zeitraum lag ca. bei 100 Jahren vor der Zerstörung des Zweiten Tempels.

Die Megillah umfasste zahlreiche Daten mit Feiertagen aus der Zweiten Tempelperiode. Diese Feiertage wurden aufgrund von Ereignissen eingeführt, welche auf geradezu wundermässige Weise in Zeiten der Not stattfanden. An einigen dieser Feiertage, die wir heutzutage gar nicht mehr kennen, war das Fasten verboten. Auch fanden jene wundersamen Ereignisse Erwähnung, welche sich in der Zeit nach der Zerstörung des Zweiten Tempels durch die Römer ereigneten.

Die einzigen Feiertage aus der Megillah, die wir bis heute Feiern sind Chanukkah und das anstehende Purim. Ansonsten verschwanden all die weiteren Feiertage nach der zweiten Tempelzerstörung, denn den Juden war kaum mehr zum Feiern zumute.

Freitag, Februar 11, 2011

Gedanken zur Parashat Tezaveh

Gewürze auf dem Machane Yehudah Markt / Jerusalem.

Photo: Miriam Woelke



B”H

G – tt beabsichtigt mit all den Thoragesetzen, dass die Juden etwas tun. Das Judentum ist keine Religion bei der man sich hinsetzt und sagt, man glaube und damit hat sich die Sache erledigt. Vielmehr ist das Judentum eine Religion des Handels. Wir tun etwas für G – tt, doch in erster Linie für uns selbst, indem wir eine Verbindung zum Ihm aufbauen. 
In Parashat Tezaveh trägt G – tt den Juden auf, das Öl und die Ketoret (Kräuter) im Tempeldienst einzusetzen. Hierzu nennt die Kabbalah unzählige Gründe, warum dies geschah und für was das Öl und jegliche Zutaten der Ketoret bedeuten. Zur Ketoret siehe ebenso den Talmud Traktat Keritot).

Die Thoralesung der vergangenen Woche, Terumah, lehrt uns, dass G – tt uns alle involviert sehen will. Jeder Jude trägt seinen bestimmten Anteil bei. Ich bin aufgerufen etwas zu tun; zu handeln. Was würde es mir, wie in anderen Religionen bringen, mich hinzusetzen und zu glauben ? ich glaube, aber benehme mich nebenbei wie Sau. Im Judentum hingegen laufen die Konzepte des Handelns sowie das Wissen, dass es einen Erschaffer jeglicher Existenz gibt, zusammen.

Montag, Januar 17, 2011

“Bone be’Rachamav Yerushalaim”

B”H

Juden hören niemals auf, die messianische Zeit sowie den Meschiach zu erwarten. Unsere Gebete sind voll mit derlei Inhalten und stets sollte ein Jude bereit sein, den Meschiach zu empfangen.

Aber sind wir das tatsächlich immer ?

Im “Birkat HaMazon – Blessing after the Meal – Dem Segen nach einer Mahlzeit mit Brot” heißt es in einem der Gebetsverse:

“U’vne Yerushalaim Ir HaKadosh bimhera be’Yameinu …”

Insgesamt sagt der Vers aus, dass G – tt Jerusalem in unseren Tagen mit Seiner Güte wieder errichten soll. Wobei hier das “wahre Jerusalem” mit dem Meschiach samt einem jüdischen König gemeint ist. So, wie es zu Zeiten Salomons und Davids war. Zusätzlich wird der Dritte Tempel gebaut und der Meschiach wird anwesend sein. 

Jahrhunderte, ja, jahrtausende lang beten Juden den Meschiach herbei und gaben niemals auf, dass diese Zeit wirklich eintreffen wird. Wie wir im Jahre 1948 sahen, waren die Gebete und Hoffnungen nicht umsonst, sondern die Prophezeihungen traten real ein. Wir erhielten einen Staat Israel, wobei der jetzige Staat gewiss kein Land ist, welches nach der Thora regiert wird. Der Meschiach ist ebenfalls noch nicht erschienen, doch kann es immerhin ein erster Schritt zur messianischen Zeit bedeuten. Unsere Gegner samt Kirche haben dumm aus der Wäsche geschaut als die Juden sich nach 2000 Jahren Abstinenz in ihr Heimatland zurückbegaben. Hatte man von nichtjüdischer Seite jahrtausende lang gelästert, dass G – tt die Juden vergaß und sie sozusagen einpacken können. Bis heute müssen wir uns derlei Vorwürfe anhören. Nicht nur von den Christen und Moslems, sondern darüber hinaus genauso von der Weltpresse. Das Schlimmste daran mag sein, dass es ebenso Juden gibt, die den Tönen gegen Meschiach mit einstimmen. Ich erinnere hierbei an gewisse Ausrichtungen des Reformjudentums.

Aber wie beschrieb schon der Vilna Gaon die Zeit vor dem Eintreffen des Meschiach ? Der schlimmste Konflikt wird nicht der sei, dass Juden gegen Nichtjuden kämpfen, sondern dass Juden gegen Juden kämpfen. Bedeutet, dass die Juden, welche der Thora folgen, von denen, die das Gegenteil tun, angegriffen werden.


Links:

Dienstag, Dezember 14, 2010

"Die verpasste Gelegenheit" oder "Brauchen wir ein Jerusalem ?"

B"H

Vor drei Jahren nahm ich an einem Schiur (Unterricht) der Jerusalemer Orthodox Union (Israel – Center) teil, bei dem wir Zuhörer zusätzliche Einzelheiten zu diesem Tag lernten. Der Vortrag wurde von Rabbi Chaim Eisen gegeben, der bemerkenswerter Weise in sämtliche talmudische Details ging.

Am 10. des jüdischen Monat Tevet (an diesem Freitag) begannen die Babylonier mit der Belagerung Jerusalems. Einige Zeit später nahmen sie die Stadt ein und zerstörten den Ersten Tempel (586 vor der Zeitrechnung).

Wieso wurde der Erste Tempel schließlich zerstört ? Hatte nicht G – tt die Juden schon mehrere Male gerettet und somit vor dem Feind verschont ? Zur Zeit König Chizkiyahu als Sennacheriv Jerusalem belagerte und dessen Armee wie durch ein Wunder des nachts umkam. Oder später die Juden in Babylonien als Haman plante, alle Juden umzubringen und sie durch Esther und Mordechai gerettet wurden.

Sobald schlechte Zeiten für das Jüdische Volk beginnen, ist es jedesmal wieder an der Zeit zur kollektiven Umkehr zu G – tt. So geschah es zu Zeiten Chizkiyahus als alle Juden beteten und somit das negative G – ttesurteil abwendeten. Aber auch die Umkehr der Juden Babylons zur Zeit Esthers bewirkte das gleiche.

In der Gemara (rabbinische Diskussionen) des Talmud Rosh HaShana 18a wird darüber diskutiert, ob wir in der Lage sind, ein von G – tt ausgesprochenes negatives Urteil über uns, abzuwenden. Rabbi Akiva ist der Ansicht, dass eine einzelne Person dies nicht vermag, eine ganze jüd. Gemeinde dagegen schon. Rabbi Yochanan hingegen war der Ansicht, dass ein einzelner sehr wohl in der Lage ist, sein vorbestimmtes Schicksal zum Positiven zu verändern (genauso dachten Rabbi Yitzchak und Rabbi Me'ir).

Viele talmudische Rabbiner sind jedoch der Meinung, dass jeder einzelne anhand von tiefen inneren Gebeten sein Schicksal zu ändern vermag. Ein ernsthaftes Gebet kann aus jemandem einen neuen Menschen machen und aufgrunddessen werden die negativen G – ttesurteile hinfällig.

Die Babylonier begannen am 10. Tevet die Belagerung Jerusalems, aber wieso fasten wir am 10. Tevet ? Der Tempel wurde erst viel später zerstört. Wegen einer Belagerung allein braucht man nicht gleich zu fasten. Und woher wissen wir überhaupt, dass wir am 10. Tevet fasten müssen ?

Das genaue Datum berichtet uns der Prophet Yechezkel (24:1 – 2). Diesem trug G – tt höchstpersönlich dieses Datum auf.

Die Belagerung allein ist kein Grund zu fasten, doch worum genau trauern wir am 10. Tevet ?
Allgemein werden ganz andere Gründe für den 10. Tevet genannt. Der große Prophet Ezra, der mehrere Tausend Juden aus dem 70 – jährigen Babylonischen Exil zurück nach Israel führte, verstarb am 9. Tevet. Aber nicht nur, dass Ezra für die Rückkehr der Juden sorgte; die Gemara im Talmud Traktat Sanhedrin 21b nennt ihn würdig, den damaligen Juden die Thora wieder zurückgegeben zu haben. Die Gemara läßt uns weiterhin wissen, dass die Thora zu einer gewissen Zeit im Babylonischen Exil vergessen worden war. Genau gesagt, viele Mitzwot (Gesetze) gerieten in Vergessenheit. Dies geschah unter anderem auch, da die Sprache und Schrift der Thora verändert wurde, aber dieses Thema bietet genügend Stoff für einen eigenen Artikel.

Der Tod Ezras war eine nationale Tragödie für das Jüdische Volk. Als der Babylonische Herrscher den Juden die Rückkehr nach Israel und den Bau eines neuen Tempels erlaubte, war Ezra der Meinung, dass nun alle Juden freudig aufschreien und sofort loslaufen. Tragischerweise war genau das Gegenteil der Fall. Die Juden hatten es sich im Babylonischen Exil zu bequem gemacht; sie errichteten florierende Unternehmen, es ging ihnen gut und sie waren wohlhabend. Wozu also in ein zerstörtes Israel zurückkehren, in dem sie ggf. dem Hunger und der Armut ausgesetzt waren ?

Ezra schrieb an alle Gemeinden und erhielt größtenteils Absagen. Die Juden hatten die Diaspora akzeptiert. Genauso geschah es mit den damaligen deutschen Gemeinden Speyer, Worms und Mainz. Diese Gemeinden waren die ersten in Deutschland und existierten schon zu Zeiten Ezras. Und genau jene deutschen Gemeinden schrieben ihm, dass auch sie lieber in ihren deutschen Städten verweilen wollen.
Laut vieler Meinungen bestrafte G – tt diese drei deutschen Gemeinden für diese Absage. Zur Zeit des ersten Kreuzzuges im Jahre 1096 ermordeten die Kreuzritter mehr als 100,000 Juden bei ihrem Durchmarsch durch die Gegend dieser Städte.

Aus dem damaligen Babylonischen Exil kehrten nur 42.360 Juden zurück nach Israel. Millionen weitere blieben in Babylon. Aufgrund dieser Tatsache unterschied sich der Zweite Tempel in wesentlicher Form vom Ersten.

Im Ersten Tempel war G – ttes Gegenwart, die Schechinah, immer und zu jeder Zeit gegenwärtig. Im Allerheiligsten befand die die Bundeslade, der Hohepriester besaß das Urim ve'Turim, ein Pergament mit den Namen G – ttes, es gab Propheten, etc. All das ging zur Zeit des Zweiten Tempels verloren.
Ursprünglich hatte G – tt eine komplette Wiedereinrichtung vorgesehen, aber dadurch, dass die Mehrheit der Juden das Leben in der Diaspora vorzog, änderte G – tt seine Meinung. Hätten die Juden Ezra nicht abgesagt und zu ihrer nationalen Einheit zurückgefunden, wäre die Geschichte mit Sicherheit anders verlaufen.

Am 10. Tevet betrauern wir nicht den Beginn der Belagerung Jerusalems, sondern die Zeit der verpaßten Gelegenheiten. Hätten die Juden anders gehandelt, dann sehe es heute anders aus. Die Frage bleibt, ob es heutzutage unter den Juden soviel besser ausschaut. Wer von jenen, die in der Diaspora leben, denkt überhaupt an Israel, an Jerusalem oder an einen Dritten Tempel ? Außer am Schabbatgebet wird doch gar nicht mehr an Jerusalem und dessen Wichtigkeit im Judentum gedacht. Auch heute geht es den Juden in der Diaspora doch gut und wer will schon in das unbequeme krisengeschüttelte Israel zurückkehren ? Auf Besuch kommen alle gerne und danach sind sie schnell wieder weg.

Es ist dieses Verhalten, was wir am 10. Tevet betrauern und darum fasten wir. Wer es sich in der Diaspora zu bequem macht und sich zu wohl fühlt, der handelt gegen G – ttes Willen.