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Mittwoch, September 19, 2012

Rosh Hashana ist vorbei ... wie geht es jetzt weiter ?

B"H


Heute morgen im ultra - orthodoxen Stadtteil Mea Shearim / Jerusalem: Zahlreiche relig. Juden haben bereits mit dem Bau ihrer Sukkah (Laubhütte) begonnen. Normalerweise wird erst in ca. einer Woche (gleich nach dem Ausklang des Yom Kippur) damit begonnen. In diesem Jahr jedoch sieht man schon jetzt fast fertige Sukkot (Laubhütten) in Jerusalem. Und das nicht nur in Mea Shearim !

Das Photo zeigt eine fast fertige Sukkah auf einem Balkon, was durchaus nicht unüblich ist. Eher im Gegenteil, denn viele Juden bauen ihre Sukkah nicht nur auf dem Boden, sondern genau auf dem Balkon oder dem Hausdach. Allerdings muss eine Sukkak koscher sein und dementsprechend gibt es, u.a. im Talmud, präzise Vorschriften. Dazu aber schreibe ich nach dem Yom Kippur mehr. 

Photo: Miriam Woelke


Ein besonders tolles Rosh Hashana gab es bei mir in diesem Jahr nicht, denn ich war fast die ganze Zeit über ans Haus gebunden und kam nirgendwo hin. Einen Tag vor dem Fest hatte mich eine Grippe voll erwischt und ich lag mit Husten und Fieber darnieder. Gestern nachmittag kamen Freunde vorbei, die mir weitere Medikamente mitbrachten und danach ging es einigermassen. Heute stellte sich auch noch der Schnupfen ein, aber es geht schon wieder. 

Somit fiel dann Rosh Hashana ins Wasser und ich konzentriere mich jetzt voll und ganz auf den Yom Kippur, welcher am kommenden Dienstag abend beginnt. Ein 25 – Stunden langer Fastentag, der nur von Juden eingehalten werden muss. An dem Tag fällt G – tt Sein endgültiges Urteil über jeden einzelnen Juden und entscheidet dessen Schicksal auf ein weiteres Jahr. Ein ernster Tag mit unendlich langen Gebeten und Bekenntnissen der Schuld (Vidui) und dem Versprechen, in Zukunft zu versuchen, alles besser zu machen. 

Heute begehen wir den Halbfastentag (das Fasten findet lediglich von morgens bis abends statt) ZOM GEDALYIAH. Darüber hinaus befinden wir uns seit gestern abend in den "ASERET YAME’I TESCHUVA – DEN ZEHN TAGEN DER UMKEHR ZU G – TT". Einfach ausgedrückt bedeutet dies, dass viele Juden immer noch nicht endgültig gerichtet worden sind und ihr Urteil noch bis zum Yom Kippur auf die positive Seite ziehen können. Deswegen kommt vieles auf unser Verhalten innerhalb dieser Zehn Tage an. 

Wie bereits berichtet, richtet G – tt die Juden endgültig am Yom Kippur und die Nichtjuden ausschliesslich am Rosh Hashana. Wer von den Juden in dem ausgeklangenen Jahr genau soviele gute wie schlechte Taten beging und somit in der Schwebe hängt, hat dieser Tage die Möglichkeit, G – tt davon zu überzeugen, dass er (der Jude) ja gar nicht so schlecht ist. Gewöhnlich strengt man sich etwas mehr an, netter zu den Mitmenschen zu sein. Nicht zu allen, aber auf den Versuch kommt es an.:-)))

Außerdem gibt man sich hilfsbereit oder spendet Geld. 

Mit dem Ausklang dieser Zehn Tage beginnt am Dienstag abend, 25. September 2012, der höchste jüdische Feiertag, der YOM KIPPUR (Versöhnungstag). Enden tut der Feier – und Fastentag am Abend des 26. September 2012. 

Wenige Tage danach, am Sonntag, 30. September 2012, beginnt das Laubhüttenfest SUKKOT. In Israel endet Sukkot am 8. Oktober 2012, in der Diaspora dagegen erst einen Tag später. 

Die Bedeutung der hohen Feiertage und wie sie besonders hier in Jerusalem gefeiert werden, dazu erfahrt Ihr dieser Tage viel mehr Einzelheiten. Hinzu stele ich viele viele aktuelle Photos in den Blog.

SELICHOT - Gebete an der Klagemauer (Kotel)


B"H

Am vergangenen Mozzae'i Schabbat, Samstag abend nach dem Schabbatausklang, ging ich mit ein paar Freunden zur Jerusalemer Klagemauer (Kotel), um die traditionellen SELICHOT - Gebete vor Rosh Hashana und dem nachfolgenden Yom Kippur zu beten.

Mit viel Beten und Spiritualität war es dann aber nicht weit her, denn wir, wie alle anderen auch, wurden auf Schritt und Tritt von Leuten verfolgt, die Spendengelder (Zedakah) für verschiedene soziale Zwecke sammelten. 

Vor dem Rosh Hashana, welches bereits gestern abend endete, und dem Yom Kippur ist es Brauch, einiges an Spendengeldern zu geben, um so G – ttes Gnade bei seinem Richten bezüglich des neuen Jahres (nach dem jüdischen Kalender) zu erwecken. Anhand der Spendenfreudigkeit zeigen wir unseren guten Willen und somit könnte G – tt sein Urteil über uns doch noch gnädiger ausfallen lassen.

Trotzdem aber muss ich sagen, dass uns das Angebaggere nach Geld, was alle paar Meter neu erfolgte, total auf die Nerven ging. Wurden wir den Einen los, stand auch schon ein Zweiter gleich daneben. Von dem Geldgenerve einmal abgesehen, den Gang zu Klagemauer bereuen, kam dennoch nicht in Frage.:-)

An der Kotel selbst nahm ich das obere kurze Video auf. Im Hintergrund ist das traditionelle Schofar (Widderhorn) zu hören. 

Das Schofar

B"H 

Zwar ist das jüdische Neujahrsfest Rosh Hashana gestern abend zuende gegangen, doch das Schofar verliert dieser Tage damit nichts an Bedeutung. Bis zum Yom Kippur (Beginn am kommenden Dienstag abend – Mittwoch abend) ertönt das Schofar nochmals zum Feiertagsausklang. In der Zwischenzweit, den derzeitigen "Aseret Yame’i Teschuva - Zehn Tagen der Umkehr zu G - tt" hören wir das Schofar auch weiterhin und die Selichot – Gebete laufen ebenso bis zum Yom Kippur weiter.


Wer früh morgens an den Synagogen in aller Welt vorbeigeht oder sich an der Kotel (Klagemauer) befindet, der hört derzeit während des Morgengebets Schacharit seltsame Klänge aus einem Horn. Ein Außenstehender mag sich über die Männer wundern, die in die Hörner blasen und so fremdartige Klänge erzeugen. 

Beim Schofar handelt es sich überwiegend um ein Widderhorn, welches seit dem Beginn des Monat Elul vor ein paar Wochen beim Morgengebet geblasen wird. Der Shulchan Aruch - Orach Chaim - Hilchot Rosh Hashana 581 lehrt, dass es Gemeinden gibt, in denen das Schofar auch nach dem Abendgebet Ma'ariv geblasen wird. 

Das jüdische Neujahrsfest Rosh Hashana (welches wir bis gestern abend feierten) ist nicht ausdrücklich in der Thora erwähnt. In Sefer BaMidbar 29:1 (Book of Numbers, Numeri) heißt es lediglich:

"Und im siebten Monat, an dessen ersten Tag, sollt ihr einen heiligen Tag haben, an dem ihr nicht arbeitet; es ist ein Tag an dem das Teruah zu hören sein soll".

In der Thora heißt es ganz simpel: "It is a day of sounding". 


Teruah ist einer der drei Töne, die wir mit dem Schofar erzeugen. Jeder der drei Töne steht für unterschiedliche Namen G - ttes. Bei den anderen beiden Tönen handelt es sich um Tekiah und Schevarim

Einfach so ein Widderhorn nehmen und hineinblasen funktioniert im Judentum nicht. Jeder, der das Schofar bläst, erzeugt diese drei Töne in einer vorgeschriebenen Reihenfolge und Anzahl.



Das lange Schofar wird meist nur von sephardischen Juden geblasen.

 


Das aschkenazische Schofar ist wesentlich kleiner und schlichter.



Insgesamt werden an beiden Tagen von Rosh Hashana während des Morgengebetes Shacharit 100 Töne erzeugt. Es ist unüblich, das Schofar am Abend von Rosh Hashana zu blasen (Shaarei Ha'Moadim - Chabad).


 

Das erste Mal findet das Schofarblasen gleich nach der Thoralesung statt und zum zweiten Mal während des gleich anschließenden Mussafgebetes. Es üblich, während des Schofarblasens stehen, dennoch ist es nicht ausdrücklich verboten, sich hinzusetzen. Es ist verboten, während des Schofarblasens zu sprechen und jeder soll sich so gut wie möglich auf die erzeugten Töne konzentrieren. Im Buch "Pri Etz Chaim" (die Lehren des großen Kabbalisten Rabbi Yitzchak Luria) heißt es, dass unsere weltlich erzeugten Töne sich mit den Tönen in der oberen Welt vereinigen und so die Gnade G - ttes erwecken. Und genau darum geht es am Rosh Hashana (Neujahsfest). Jeder Einzelne von uns steht vor G - ttes Thron und muß Rechenschaft über seine Vergehen ablegen. Anhand der Schofartöne sollen wir zur Umkehr aufgerufen werden. Die Töne sind so eindringlich, dass sie uns das Herz und uns zur Umkehr bewegen (Rabbi Shlomo Kluger in Kehilat Yaakov).

Aber nicht nur für die Umkehr steht das Schofar. Genauso sollen dessen Töne uns an den Erhalt der Thora erinnern und uns zugleich das Kommen des Meschiach ins Bewußtsein rufen. Rosh Hashana ist ein Tag, an dem die ganze Welt G - tt als den einzigen wahren König anerkennen soll, denn Er allein hat die Welt und uns alle erschaffen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass wir an die "Akeidat Yitzchak - die Opferung des Yitzchak durch Avraham" (siehe Genesis - Vayeira) erinnert werden. G - tt hatte Avraham einen Test auferlegt; er solle seinen Sohn Yitzchak opfern, was Avraham aus Liebe zu G - tt sofort ausführen wollte. Für G - tt war dies nur ein Test zu prüfen, ob Avraham es wirklich ehrlich mit der Liebe G - ttes meint. Niemals hatte G - tt die Absicht, den Yitzchak wirklich opfern lassen zu wollen, denn im Judentum ist jegliche Art von Menschenopfer laut Thora verboten. 

Als Avraham auf dem Tempelberg (Har HaMoriah) zur Tat schritt, griff G - tt sofort ein und statt des Yitzchak wurde ein Widder geopfert. An Rosh Hashana wollen wir G - ttes Gnade, die er Avraham auf dem Tempelberg zeigte, wiedererwecken und deshalb benutzen wir an Rosh Hashana überwiegend ein Widderhorn (siehe die Gemara im Talmud Traktat Rosh Hashana 16a). 

Jeder der drei unterschiedlichen Schofartöne repräsentieren laut dem kabbalistischen Buch "Shushan Sodot" entweder G - ttes Gnade (Rachamim) oder sein Richten (Din): 

Der Tekiah - Sound steht für die Gnade und Shevarim sowie Teruah stehen für Sein Urteil (Din). 

Im Shulchan Aruch - Orach Chaim - Hilchot Rosh Hashana finden wir noch weitere zusätzliche Halachot (Gesetze) zum Thema "Schofar".

Paragraph 589: Zum Beispiel darf das Schofar auch von Frauen geblasen werden.

Paragraph 585: Das Hören des Schofar ist die wichtigste Mitzwa an Rosh Hashana (siehe auch Talmud Rosh Hashana 34b), denn es ist eine biblische Verpflichtung (Deoraita). Vor dem Schofarblasen sagen wir einen speziellen Segen.

Paragraph 586: Ein Schofar muss koscher sein, heißt, es darf keine Schäden wie Risse etc. aufweisen.

Sollte der erste Tage von Rosh Hashana auf einen Schabbat fallen, so wird das Schofar erst am zweiten Tag geblasen, da es am Schabbat Muktze ist. Früher zu Tempelzeiten war es üblich, dass Schofar auch am Schabbat zu blasen, aber nur INNERHALB der Tempelmauern. 

Der Koznitzer Maggid, Rabbi Israel Hofstein, schreibt, dass sobald das Schofar geblasen wird, G - tt unsere Umkehr wahrnimmt und uns mit Gnade richten wird. 

Mein persönlichen Erfahrungen vom Schofarblasen sind immer sehr emotional. Der Sound des Schofars ruft tatsächlich in jemandem zur Umkehr auf, vor allem, nachdem man schon einige Zeit das intensive Schacharit hinter sich hat. Religiöse oder Säkulere, alles lauschte still in der Synagoge dem Schofar.

Für Interessierte fällt mir noch eine spezielle Halacha ein:
Was passiert, wenn jemand taub ist oder ein Hörgerät benutzt ? Darf er es an Rosh HaShana anstellen, um so das Schofar hören zu können ?

Die halachische Antwort lautete, dass er es nicht anstellen darf, aber er sich unbedingt nicht weit vom Schofar plazieren muß, um die Töne wenigstens etwas hören zu können. Im Fall, dass jemand ganz taub ist, muß er sich genauso vor das Schofar stellen, um die Mitzwah zu erfüllen. Selbst wenn er absolut nichts hört, hat er zumindest neben dem Schofar gestanden.


Dienstag, September 18, 2012

HA'MELECH - Zum jüdischen Neujahrsfest Rosh Hashana


Gesehen in Jerusalem

Photo: Miriam Woelke
B"H

Rosh Hashana, das jüdische Neujahrsfest, welches nach zwei Tagen des Feierns gerade zuende ging. Schnell reiche ich den Artikel noch nach, damit Ihr einen Einblick bekommt, worum es bei dem Fest ging, denn noch gehen die Feiertage weiter. In der kommenden Woche steht der Yom Kippur an und gleich darauf folgt Sukkot.
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Am vergangenen Mittwoch (25. Elul) feierten wir den Jahrestag der Welterschaffung, wohin gegen Rosh Hashana, der erste Tishrei, die Erschaffung von Adam und Chava (Eva) repräsentiert. Beide wurden am sechsten Tag (folglich an Rosh Hashana) erschaffen (siehe Talmud Rosh Hashana 8a, RIF, Tosafot, Maharsha, Sefat Emet). 

Nun stellt sich automatisch die berechtigte Frage, warum wir das Neujahrsfest nicht am Tage der Welterschaffung, sondern am Tage der Erschaffung von Adam und Chava begehen ? 

Weil die Welt erst mit der Erschaffung der Menschheit ihren eigentlichen Sinn und ihre Perfektion erreichte. Der Mensch ist die Krönung des Erschaffungsprozesses, denn nur er ist in der Lage, G – d zum König zu krönen und Seine Mitzwot (Gesetze) auszuführen (Talmud Rosh Hashana 8a, Sha'arei HaMoadim von Chabad). 

Gleich zu Beginn des Talmud Traktates Rosh Hashana gibt es eine Diskussion darüber, ob die Welt am 1. des Monats Nissan (ca. April) oder am 1. Tischrei erschaffen wurde. Der Thorakommentator Or Chaim schrieb, wie ich finde, den besten Kommentar zu diesem Streitpunkt. Er kommentiert, dass G – tt am 1. Nissan an die Erschaffung der Welt dachte und die tatsächliche Aktion, sprich die Erschaffung selbst, erst am 1. Tishre'i vornahm. 

Die Mischna im Talmud Rosh Hashana 16a lehrt uns, dass G – tt an Rosh Hashana die Menschheit richtet. Zu Beginn des Morgengebetes Schacharit am ersten und zweiten Feiertag beten wir das Gebet "HaMelech – Der König". G – tt sitzt auf Seinem Thron und richtet uns und gleichzeitig krönen wir Ihn zum König, denn Er allein hat die Welt und uns erschaffen. 

Wie sitzt G – tt und richtet ? 

Das Sitzen ist an dieser Stelle metaphorisch gemeint und heißt, Er beugt Sich zu uns hinab. Er ist uns näher als sonst. Außerdem lässt uns der Talmud Rosh Hashana wissen, dass G – tt, wieder metaphorisch betrachtet, drei Bücher vor sich liegen hat (Rosh Hashana 16b). In das Erste trägt Er jene Menschen ein, welche kaum Vergehen begangen haben und deshalb sofort in das Buch des Lebens für das kommende Jahr eingeschrieben werden koennen. Das zweite Buch ist für jene Sünder, die im Buch des Lebens aufgrund ihrer Vergehen keinen Platz mehr haben und das dritte Buch ist für all jene, die irgendwo dazwischen liegen. Allgemein wird angenommen, dass Letzteres auf uns zutrifft. 

Laut jüdischer Tradition richtet G – tt an Rosh Hashana die gesamte Welt sowie die ganze Menschheit. Egal, ob Jude oder Nichtjude. Bei Juden allerdings zieht sich der Urteilsprozess bis zum Yom Kippur, zehn Tage nach Rosh Hashana, hin. Erst dann gibt es ein endgültiges Urteil (Talmud Rosh HaShana 16a). Einigen chassidischen Kommentatoren zufolge wird das endgültige G – ttesurteil erst zu Chanukkah gesprochen. 

Rosh Hashana wird außerdem Yom HaDin (Judgment Day), Yom HaZikaron (Day of Remembrance) sowie Yom Teruah (Day of Sounding) genannt. Die Bezeichnung Rosh Hashana finden wir nicht in der Thora, denn dort heißt es lediglich, dass wir am ersten Tag im siebten Monat einen "Day of Sounding" haben sollen. Der Talmud Traktat Rosh Hashana gibt schriftliche Beispiele, woran wir erkennen, dass jener Tag "Judgment Day" ist. 

Nun könnte man meinen, dass das Neujahrsfest ein extrem ernster Feiertag ist und wir unser Büßergewand anziehen müssen. Teilweise stimmt dies, doch ist Rosh Hashana auch vor allem ein fröhlicher Festtag, was viele Leute vergessen. Unter anderem sollen wir festliches Essen servieren und uns freuen. 

Aber der 1. Tischre'i repräsentiert nicht nur die Erschaffung der Menschheit, sondern auch unsere Vorväter Avraham und Yaakov wurden an dem Tag geboren. Da ein Zaddik (Gerechter) immer an seinem Geburtstag stirbt (siehe das berühmte Beispiel des König David an Schavuot beschrieben im Talmud Rosh Hashana 11a), starben Avraham und Yaakov auch an diesem Tag. Und es war an Rosh Hashana, dass G – tt sich an unsere Vormütter Rachel und Sarah sowie an die Mutter des Propheten Samuel (Shmuel) erinnerte. An dem Tag beschloß G – tt, dass diese drei bis dahin unfruchtbaren Frauen Kinder haben werden. 

Wir sitzen also in den Synagogen und G – tt soll entscheiden, ob wir für das Neue Jahr ins Buch des Lebens eingetragen werden. Buch des Lebens heißt nicht nur Leben, sondern auch alle unsere Lebensverhältnisse werden bestimmt. Sei es nun unser Arbeitsleben, Freundeskreis, werden wir genügend Geld verdienen, ein Dach über dem Kopf haben und und und. All das gehoert dazu. 

Es ist anzunehmen, dass jeder von uns mit den allerbesten Vorsätzen in die Synagoge geht. Wir kommen an, beten und versprechen alles Mögliche im kommenden Jahr besser zu machen. Andererseits weiss jeder irgendwie, dass der Wille zwar stark ist, aber das Fleisch schwach. Ich will damit sagen: Was passiert, wenn ich am Rosh Hashana alles Mögliche verspreche, es aber nicht einhalte und schon zwei Tage später in den alten Trott verfalle. 

Hierauf gibt uns die Thora Antwort. Als Avraham seine zweite Frau Hagar und den gemeinsamen Sohn Ishmael fortsandte, ritten die beiden durch die Wüste und liessen sich später erschöpft nieder. G – tt hörte das Weinen des Kindes Ishmael und beschloß in dem Moment, ihn nicht verdursten zu lassen, obwohl er wusste, dass spätere Generationen Ishmaels das jüdische Volk vernichten wollen.
Hieraus lernen wir, dass G – tt einen Menschen in einem Augenblick richtet, obwohl Er natürlich weiss, dass derjenige wieder sündigen wird (siehe Talmud Rosh Hashana 16b). 

Wie begehen wir also Rosh Hashana ? 

Normalerweise gehen die Männer einige Stunden vor dem Beginn des Neujahrsfestes in die Mikweh (Ritualbad). Allgemein gibt es zusätzlich noch den Brauch, Friedhöfe zu besuchen oder Zedakah (Spenden) zu geben (siehe Shulchan Aruch – Orach Chaim – Hilchot Rosh Hashana 581). 

Die Super – und Wochenmärkte werden alle hoffnungslos überfüllt sein, denn es gilt die sogenannten Simanim zu besorgen (Karotten, Granatäpfel, Fisch – bzw. Schafskopf, Honig und dergleichen). 

Kurz vor Beginn des Festes beten wir ein bestimmtes Gebet (siehe Machzor für Rosh Hashana), anhand dessen wir Schwüre, welche wir während des ausklingenden Jahres ausgesprochen haben, für Null und Nichtig erklären (Bitul Nedarim). Häufig im Leben kommt es vor, dass wir G – tt gegenüber etwas versprechen, dies kurz darauf wieder vergessen und es nie und nimmer einhalten. Allerdings vergißt G – tt unsere Schwüre nicht und koennte sie theoretisch bei der "Urteilsfällung" gegen uns verwenden. Aus dem Grunde sagen wir das spezielle Gebet. 

An Feiertagen sind uns zwei Dinge erlaubt, die am Schabbat verboten sind:

1. Wir dürfen ohne Eruv tragen. Dieses Nichtstragendürfen am Schabbat stellt sich für Israelis nicht, denn fast in jedem Ort haben wir in Eruv. 

2. Am Feiertag dürfen wir von einem brennenden Feuer eine Flamme entzünden und so kochen. In der Praxis schaut das so aus, dass wir vor dem Feiertag eine 48 – Stunden Kerze anzünden und von jener dann mit einem Streichholz jederzeit eine Flamme entnehmen können. Auf diese Art und Weise dürfen wir einen Herd anzünden (in Israel gibt es überwiegend Gasherde) und kochen. 

Üblicherweise geht es nach dem Kernzenanzünden in die Synagogen zum Abendgebet Maariv. Beim Kerzenanzünden nicht den zweiten Segen "She Hechiyanu" vergessen. 

Zum Beginn des Rosh Hashana wird während des Maariv kein Schofar geblasen. Dies findet erst zum Morgengebet Schacharit an beiden Tagen statt. 

Auch sagen wir kein HALLEL an Rosh Hashana. Einer der Gründe dafür, dass wir kein Hallel sagen ist, dass wir uns daran erinnern, dass G – tt ueber uns richtet und wir keine übermässige Freude zeigen sollen. 

Nach dem Abendgebet wird zur festlichen Tafel geschritten. Normalerweise findet nach dem Kiddusch (Segnung des Weines) die Zeremonie der Simanim statt. Simanim heißt übersetzt "Zeichen" und es handelt sich hierbei um bestimmte Essenszubereitungen, welche wir in einer vorgeschriebenen Reihenfolge essen. Mit dabei sind natürlich der Äpfel, welcher in Honig getaucht wird und ein süsses gutes Neues Jahr repräsentiert. Jedem einzelnen kleinen Menu geht ein speziellen Segen voraus, der eine eigene Bedeutung hat. Die Simanim sind u.a. ein Symbol dafür, dass jeder Jude sein eigenes Schicksal ändern kann. 

Eines der Simanim – Menus fällt jedes Jahr auf allgemeine "Begeisterung", denn es soll etwas Fleisch aus einem Fisch oder Schafskopf gegessen werden. Der Kopf liegt auf einem Teller und als ich vor Jahren bei Chabad den Schafskopf sah, fiel ich fast vom Stuhl. Vor allem weibliche Teenies kriegen da ihren Kreischanfall. Man kann sich auch weigern davon zu kosten, was viele tun. Das Fleisch aus dem Fischkopf symbolisiert, dass wir am Beginn von etwas stehen wollen und nicht nur am Ende. 

Eine äusserst wichtige Rolle spielt der Honig. Das ganze Jahr über verteilen wir auf die Challot (Schabbatbrote) etwas Salz, aber an Rosh Hashana tauchen wir alles in Honig. Vor allem Chassidim essen ihr Brot mit Honig bis mindestens Hoshana Rabbah. 

Nach dem Essen bzw. des nachts gibt es den Minhag (Brauch), Auszüge aus dem Talmud Traktat Rosh Hashana zu lernen. Bei mir befinden sich jene Auszüge (Pesukim) im Machzor, aber ich weiss nicht, wie es damit bei anderen Leuten in der Diaspora ausschaut. 

Am darauffolgenden Morgen geht es zurück in die Synagoge, wo ein langer G – ttesdienst auf uns wartet. Bei den Chassidim noch länger als anderswo üblich. Der Morgeng – ttesdienst Schacharit beginnt mit dem HaMelech – Gebet, indem wir, wie zuvor beschrieben, G – tt zum König krönen. Nur Er allein ist der Herrscher der Welt. 

Bei Ashkenazim folgt das "HaDin" – Gebet und danach Avinu Malkeinu. Die Thoralesung am ersten Tag erzählt uns, wie Avraham seine zweite Frau Hagar fortsandte und G – tt ihr später eine Wasserquelle zeigte. Was wir außer dem Richten in jenem speziellen Moment lernen ist, dass Hagar die Quelle erst sah als G – tt sie ihr zeigte. Wahrscheinlich aber war die Quelle schon die ganze Zeit dagewesen und Hagar hatte sie übersehen. Dies zeigt uns den tieferen in Situationen, wo wir meinen, es gebe keine Lösung für uns. Wir suchen und suchen und sehen vor lauter Bäumen den Wald nicht. Hätten wir dagegen genau hingeschaut, dann hätten wir die perfekte Lösung sofort erkannt. Eine Lösung, welche gleich neben uns steht, wir sie aber nicht sehen. 

Der Maftir am Ende der Thoralesung erfolgt aus Sefer BaMidbar (Numeri) 29:1, wo uns G – tt auftragt, einen Day of Sounding (Yom Teruah) zu haben. 

Die anschliessende Haftarah (Lesung aus den Propheten) erzählt uns von Channah, der Mutter des Propheten Samuel (Shmuel). 

In der Synagoge, in die ich gehe, wird nach der Haftarah jedesmal an dieser Stelle ein Kiddusch (Segnung des Weines) gemacht und es gibt ein paar Kuchenstücke zu essen. Im Anschluß darauf folgt das Blasen des Schofars. Im darauffolgenden Mussaf wird das Schofar nochmals geblasen. 

Am zweiten Tag verläuft der Morgeng – ttes fast gleich. Allerdings lesen wir aus der Thora die "Akeidat Yitzchak", die Opferung des Yitzchak. Der Maftir ist der gleich dem Vortag. 

Die Haftarah (Lesung aus den Propheten) erfolgt aus Yirmeyahu (Jesaja) 31:1 – 19. Hier verspricht G – tt den Juden, ewig an sie zu denken und sie zurückzuführen in das Land ihrer Vorfahren. 

Die wichtigste Mitzwah am Rosh Hashana ist, dass ein jeder das Schofar hört.
Des weiteren gibt es noch einige Minhagim (Bräuche) wovon der bekannteste wohl ist, daß man am Rosh Hashana sich nachmittags nicht hinlegt und schläft. Außer des nachts soll jeglicher Schlaf vermieden werden, denn G – tt richtet über uns und da macht ein Mittagsschläfchen keinen guten Eindruck. Außerdem essen wir keine Nüsse, denn das hebräische Wort für Nuss "Egoz - אגוז" hat die gleiche Gematria (Zahlenwerte hebräische Buchstaben) wie das Wort Vergehen - חטא (Chet). 

Am ersten Feiertag ist es üblich (Minhag) nach dem Nachmittagsgebet Mincha zu einem Fluß oder Meer zu gehen und das Taschlich – Gebet zu sprechen. Der Brauch des Taschlich begann im Mittelalter und steht symbolisch für G – ttes Vergebung unserer Vergehen am Judgment Day. Wer Taschlich verpaßt, was mir oft passiert, der kann dies noch während der zehn Tage bis Yom Kippur nachholen und bei vielen Chassidim sogar noch bis Hoshana Rabbah. Wer keinen Fluß in der Nähe hat, der kann sich an einen Brunnen oder einen Wasserhahn stellen (nicht im Badezimmer !!!) und und spricht bei laufendem Wasser das Gebet (siehe Machzor). 

Sollte der erste Rosh Hashana – Feiertag auf einen Schabbat fallen, so findet das Taschlich am zweiten Tag statt. Aber in diesem Jahr sind wir von der Regel befreit und Taschlich findet ganz normal am ersten Tage statt. 

Wer in Israel nicht gerade am Meer wohnt, hat es schwer, denn nicht überall fließt ein Fluß vorbei. Zu Tempelzeiten war es in Jerusalem anders, doch heute ist der Gichon ausgetrocknet. Es gibt Quellen, zu denen man gehen kann, jedoch befinden sich diese im oder nahe des arab. Dorfes Silwan (gegenüber des Tempelberges) und nicht immer ist der Gang dorthin ohne Sicherheitsrisiko.


Rosh Chodesh Tishre'i – Der Beginn des jüdischen Monat Tischre'i

Rosh Hashana ist zugleich der Beginn des Monats Tischre'i und diesbezüglich fasse ich mich nur kurz. Da mich viele um die kabbalistischen Bedeutungen eines jeden Monats baten, hier die Kurzfassung für den Monat Tischrei. 

Jeder jüdische Monat symbolisiert ein Sternzeichen, einen der israelitischen Stämme, einen hebräischen Buchstaben, einen der menschlichen Sinne und ein Organ. Das Sternzeichen ist die Waage, da G – tt uns richtet und unsere Vergehen gegenüber unseren guten Taten aufwiegt. Bei dem israelitischen Stamm handelt es sich um Ephraim, die Farbe des Tischre'i ist rot – violett, der Buchstabe ist das Lamed ל, das Organ ist die Galle und der menschliche Sinn ist das Anfassen.


Zom Gedaliah – Der Fastentag des Gedaliah

Den Fastentag des Gedaliah begehen wir morgen am 3. Tischrei gleich anschliessend an Rosh Hashana. Zom Gedaliah ist für nicht wenige ein Fastentag, zu dem sie keinen persönlichen Bezug finden und ich bilde da keine Ausnahme. Man sagt sich, naja, eigentlich sollte man fasten, aber tut es dann doch nicht. Zum Zom Gedaliah habe ich einige Ausführungen im Talmud Rosh Hashana 18b gefunden, die so mancherlei Ansicht vielleicht ändert.

Wie erwähnt, findet er normalerweise am 3. Tischre'i statt und ist ein Halbfastentag. Gefastet wird von morgens (ca. 5.00 Uhr) bis ca. 20.00 Uhr am Abend. 

Wer war Gedaliah überhaupt und was hat er mit mir zu tun ? Gedaliah war der vom babylonischen König Nebuchadnezzar eingesetzte jüdische Gouverneur über Eretz Israel (nach der Ersten Tempelzerstörung). Er wurde von seinem Landsmann Ishmael ben Nethaniah umgebracht. Eine Schreckenstat, die wenig später zur voelligen Auslöschung jüdischen Lebens in Israel führte (siehe Yirmeyahu – Jeremiah 39 – 41).

Der Zom Gedaliah war schon zu Zeiten des Zweiten Tempels ein Fastentag und wir sollen uns bewusst machen, dass der Tod eines Zaddik (Gerechten) der einer Tempelzerstörung gleicht. Besonders erinnert wurden wir an das Ereignis als der ehemalige Premier Yitzchak Rabin ermordet wurde. Nicht, daß Rabin so ein großer Zaddik war, doch tötet kein Jude einen anderen Juden. 

Auf alle Fälle wünsche ich jetzt schon einmal allen Lesern ein
Gutes und Gesundes Neues Jahr 5773 und das alle ins Buch des Lebens eingeschrieben werden !!!!

Chag Sameach, Shana Tova ve' Chatimah Tova !!!!

Sonntag, September 16, 2012

Chaim Adler singt: "Avinu Malkeinu & Unetane Tokef"





SHANA TOVA - Ein gutes Neues Jahr 5773


Gestern abend an der Klagemauer (Kotel)

Photo: Miriam Woelke

B"H

Allen Leser ein gutes, gesundes und erfolgreiches Neues Jahr 5773 !
Leider bin ich am Ende nicht mehr dazu gekommen, im voraus mehr zu berichten, doch am Mittwoch (im Neuen Jahr 5773) stelle ich viel mehr Photos von den gestrigen Selichot - Gebeten an der Klagemauer sowie ein paar Videos in die Blogs. 

Geputzt habe ich und jetzt mache ich mich wieder ans Kochen. 

SHANA TOVA & CHATIMA TOVA - Ein gutes Neues Jahr & eine gute Unterschrift (G - ttes, wenn Er am Rosh Hashana richtet).

Shana Tova - Happy New Year !


Donnerstag, September 13, 2012

Rosh Hashana in Kurzform


Gesehen im ultra - orthodoxen Stadtteil Mea Shearim / Jerusalem

Photo: Miriam Woelke

B"H

1. Müssen Frauen die Selichot – Gebete sagen ? 

Nein, aber wenn sie wollen, können sie dies, genau so wie die Männer, selbstverständlich tun. 


2. Können die Selichot auf Deutsch oder Englisch gebetet werden ? 

Ja, denn die Worte der Gebete sollten vom Betenden verstanden werden. Obwohl natürlich anzumerken sei, dass Gebete in hebräischer Sprache mehr Power besitzen als jene in einer anderen Sprache. 


Am ersten Abend von Rosh Hashana wird das Schofar (Widderhorn) nicht geblasen, sondern erst beim Morgeng – ttesdienst Schacharit am folgenden Tag. 


3. Wie soll sich ein Jude auf Rosh Hashana vorbereiten ?

Indem er, u.a., Gräber berühmter Rabbiner besucht, in sich kehrt, seine Fehler herauspickt und versucht, in Zukunft einiges zum Positiven zu wenden. Auch wird dieser Tage viel an Spenden gegeben, viele kaufen sich zum Festtag neue Kleidung und Schuhe und gehen zum Friseur. 


Beginnend mit Rosh Hashana bis Yom Kippur tauchen wir die Schabbatbrote in Honig und bestreuen sie nicht, wie sonst vor dem Verzehr, mit Salz. Der Honig gilt als Ausdruck dafür, ein gutes neues Jahr zu erhoffen. 


4. Ist es erlaubt, während der Rosh Hashana Gebete zu weinen ? 

Ja, definitiv. Kabbalisten gehen sogar soweit zu sagen, dass jemand der weint, sein reines Herz zeigt. Wenn ein Betender plötzlich unkontrolliert losweint, sei dies ein Zeichen dafür, dass er in dem Moment von G – tt gerichtet wird. 


5. Wie soll man sich am Rosh Hashana verhalten ? 

Relaxed und daran glauben, dass G – tt einen gnadenvoll auf ein weiteres Jahr richtet. Dennoch ist es eine ernste Angelegenheit. Ein freudiges Fest, doch zu ausgelassen sollte man sich auch wieder nicht geben. 


6. Darf man sich an den zwei Tagen des Rosh Hashana nachmittags zum Mittagsschlaf hinlegen ? 

Normalerweise wird gesagt, dass tagsüber schlafen keinen guten Eindruck auf G – tt erwecke. Dennoch gibt es Leute, die sagen, dass man sich am zweiten Tag mittags hinlegen und ausruhen darf.

SELICHOT vor Rosh Hashana



B"H

In der Gemara (rabbinische Diskussionen) des Talmud Traktates Nedarim 39b finden wir das Statement, dass G - tt vor der Erschaffung unseres Universums sieben Dinge erschuf. Eines davon ist die "Teschuva - Umkehr zu G - tt". Ohne die Möglichkeit der Umkehr nach einem Vergehen, könnte der Mensch nicht existieren. 


In kabbalistischer Literatur heißt es, dass bevor G - tt unsere Welt erschuf, Er andere Welten erschuf. Was bedeute das "andere Welten" ? 

In Seinen Gedanken erschuf G - tt andere Welten vor der unseren materiellen Welt. G - tt ist das einzige Wesen überhaupt, welches mit Seinen Gedanken erschaffen kann. Wir Menschen hingegen benötigen unseren Körper, Werkzeuge oder Material, um etwas zu erschaffen / herzustellen. 

Ebenso lautet es in der Kabbalah, dass G - tt die vorherigen Welten wieder zerstörte, denn praktisch gesehen kann ein Mensch mit einem von G - tt gegebenen FREIEN WILLEN dort nicht existieren. Die vorherigen Welten, welche G - tt mit seinen GEDANKEN erschuf, und welche anscheinend auch nur dort existierten, waren auf DIN (GERICHT) ausgerichtet. Bedeutet, sobald ein Mensch sündigen täte, müsste G - tt diesen automatisch richten. Demnach könnte der Mensch nach einem strengen Gericht sofort sterben. 

Aber ist es wirklich Sinn und Zweck unserer Erschaffung, dass wir nach jedem Vergehen, selbst, wenn es nur in unseren Gedanken stattfindet, sofort auf der Stelle gerichtet werden ? Wie lange wären wir da wohl in der Lage zu überleben ? Wenige Minuten ? Eine Stunde ? 

Deswegen musste so etwas wie Teschuva (Umkehr) und Gnade (Rachamim) her. Nur so ist unsere Welt lebensfähig. Wir Menschen bekamen von G - tt die FREIE WAHL (B'chirat Chofschit) uns für Ihn oder gegen Ihn zu entscheiden. Entweder leben wir ein moralisches oder ein unmoralisches Leben. Ein Religiöses oder ein Säkuleres. 

Eines jedoch können wir immer tun: Teschuva machen. Unsere Vergehen bereuen und versuchen, in Zukunft alles besser zu machen. Diese Tür der Teschuva hält G - tt jederzeit für uns offen. Nie ist es dazu zu spät, wobei ich gleichermassen daran erinnere, dass der Rambam (Maimonides, 1135 - 1214) in seiner "Mischna Thora - Hilchot Teschuva" Ausnahmen der Teschuva beschreibt. Für einen jeden von uns kann eine Zeit kommen, in welcher unsere Vergehen so gravierende Formen angenommen haben, dass eine Teschuva unmöglich wird und G - tt unsere Reue nicht mehr annimmt. Nehmen wir hier Hitler, Eichmann, etc. als Beispiel. Bei solchen Leuten hilft eine Umkehr nichts mehr und ihre Seelen werden vernichtet. 

Bleiben wir bei weniger extremen Fällen, nämlich bei uns selbst. Jetzt vor Rosh Hashana (jüd. Neujahrsfest), welches diesmal am Abend des 16. September beginnt, ist die Zeit der Reue und Umkehr. An Rosh Hashana richtet G - tt die gesamte Welt und ALLE Menschen auf ein weiteres Jahr. Ebenso Nichtjuden ! 

Wird es Hungersnöte, Vulkanausbrüche und anderweitige Katastrophen geben ? Wie wird mein persönliches Neues Jahr ausfallen ? All das wird an Rosh HaShana entschieden. Juden haben Zeit bis zum Yom Kippur und erst dann, zehn Tage nach Rosh HaShana, fällt die Entscheidung. 

Juden verfügen mit ihren Gedanken, Worten und Taten (Mitzwot) die Kraft, die oberen spirituellen Welten zu beeinflussen. Anhand der Mitzwot (Gebote) können sie unsere materielle Welt in die oberen spirituellen Welten hinauf befördern.

An jüdischen Fastentagen sowie insbesondere vor Rosh Hashana besteht unsere Absicht darin, G - ttes Gnade erwecken. Schließlich wollen wir alle gnadenvoll von Ihm gerichtet werden und nicht mit zu strengem Din (Urteil). Deswegen beten wir gerade in den Tagen vor Rosh HaShana spezielle Gebete, welche sich SELICHOT nennen. Übersetzen könnte man dies mit "ENTSCHULDIGUNGEN". Wir gestehen unsere Vergehen vor G - tt ein und geloben Besserung. 


Die Selichot Gebete sind in einem eigenen Gebetbuch zusammengefasst und bestehen aus poetischen Texten (Piyutim) sowie aus Gebeten. Beginnen tun wir stets mit dem Psalm 145 (Aschre'i Yoshev Be'itecha …) und danach folgt ein halbes Kaddisch. 

Anmerkung: Das Kaddisch ist KEIN Totengebet, wie viele meinen, sondern vielmehr preisen wir darin die Größe G - ttes. Der Text ist auf Aramäisch und die Aufgabe des Kaddisch besteht darin, unterschiedliche liturgische Abläufe während eines Gebetes / G - ttesdienstes voneinander zu trennen. 

Normalerweise werden die Selichot ca. eine Stunde nach Mitternacht (oder vor dem Morgengrauen) gebetet. Die erste Nacht der Selichot ist von besonderer Wichtigkeit, denn dann sitzt G - tt Gericht. 

Schon zu Zeiten der Geonim (800 - 1000 nach Beginn der Zeitrechnung) wurden Selichot gebetet. Am 25. Elul erschuf G - tt unser Universum, an Rosh Hashana wurden die ersten Menschen, Adam und Eva (Chava) kreiert. Laut dem Gaon von Vilna (GRA) beginnen aschkenazische Juden mit ihren Selichot ausgerechnet an einem Mozzaei Schabbat (Schabbatausklang), weil dies den ersten Tag der Welterschaffung repräsentiert. Der erste Tag der Erschaffung war ein Sonntag (Yom Rischon). Im Judentum beginnt der neue Tag jedoch schon mit Einbruch der Dunkelheit des vorhergehenden Tages. Somit am Abend zuvor. Demnach begann die Welterschaffung am Samstag abend und der erste Tag endete am Sonntag abend. 


 
Der "Big Bang" - Die Welterschaffung



Die SELICHOT Gebete der aschkenazischen Juden vor Rosh HaShana begannen am vergangenen Samstag abend (nach Ende des Schabbat): Jeden darauffolgenden Tag vor dem Rosh Hashana beten wir also Selichot und das Gebetbuch ist in jeden einzelnen Tag unterteilt. Am ersten Tag beten wir beispielsweise: 


Psalm 145 (Aschre'i), ein halbes Kaddisch, dass wir vor G - tt stehen und Seine Gnade erbitten (Lecha A - do - nai), A - do - nai - E - l - Rachum veChanun ( G - ttes Gnade ist groß) 

Dieses Gebet wird innerhalb der Selichot mehrere Male wiederholt und am Yom Kippur beten wir es unzählige Male, sodass wir es spätestens beim Ne'ilah Service (dem letzten G - ttesdienst vor dem Ausklang des Yom Kippur) auswendig kennen. Genauso wie das VIDUI (Geständnis): "Aschamnu. Bagadnu. Gasalnu. Dibarnu Dofi. He'evinu", etc.  


Wir gestehen hier unsere Sünden stets im PLURAL ein ! Als das gesamte jüdische Volk. Darüber hinaus bestehen die Selichot ebenso aus weiteren einzelnen Gebeten. Jedesmal wieder sind es bewegende Momente an der Jerusalemer Klagemauer (Kotel) zu stehen und des nachts die Selichot zu beten. Viele Betende sind dermassen vertieft in ihr Gebet (Kavanah), dass sie sogar weinen, denn es heißt, das Tränen das Tor zu G - ttes Gnade öffnen.











Selichot Gebete

Photos: Miriam Woelke



Das Buch "Shaare'i Moadim" von Chabad / Lubawitsch lehrt folgende Inhalte:

- Der Schabbat, an welchem abends die ersten Selichot gebetet werden, wird "Schabbat Selichot" genannt.

- Die Selichot vor Rosh HaShana ersetzten spezielle Opferungen aus der Tempelzeit, denn ohne den Dritten Tempel sind Juden derzeit außerstande, Opferungen darzubringen.



Weiterer Link: 

Rosh Hashana Eindrücke aus Jerusalem

B"H


Rosh Hashana Schokolade im Cafe AROMA









Sukkah Dekorationen in Mea Shearim



In Mea Shearim









Photos: Miriam Woelke

Dienstag, September 11, 2012

Honigkuchen zum Rosh Hashana


B"H

Am Abend des 16. September beginnt diesmal das jüdische Neujahrsfest Rosh Hashana und traditionell wird zum Fest selber sowie vorher Honigkuchen serviert.

Warum ausgerechnet HONIGKUCHEN und Honig ?
Weil wir auf ein süsses Neues Jahr 5773 hoffen !


Gutes Gelingen beim Honigkuchenbacken zum Festtag !


- 6 Eiweiß


- Eine halbe Tasse Zucker


- Beides zusammen schaumig schlagen


Ein Eigelb mit einer halben Tasse Honig vermischen und etwas Vanille dazugeben. Außerdem kann noch etwas Zitronensaft hinzugefügt werden. Alles zusammen schaumig schlagen. Dann eine Tasse Mehl sowie das schaumig geschlagene Eiweiß mit dem Zucker hinzugeben.


Den Teig bei 180 Grad 20 - 30 Minuten lang backen.


Würde mich freuen Eure Reaktionen zu hören.
Ist der Kuchen zu essen oder nicht ?



Montag, September 10, 2012

Ein scharfes Messer an Rosh Hashana


Photo: Miriam Woelke

B"H

Für die hohen jüdischen Feiertage schaffte ich mir vor einiger Zeit ein paar sehr hilfreiche Bücher an, die viele Bräuche, Hintergründe, Halachot (Gesetze) und vieles mehr beinhalten. In einem der Bücher stiess ich auf die Beschreibung eines vorwiegend chassidischen Brauches, der mir bis dahin gänzlich unbekannt war. 



 Photo: Miriam Woelke


Und zwar würden viele Chassidim Stunden vor dem Beginn des jüdischen Neujahrs Rosh Hashana (dieses Jahr beginnt das Fest am Sonntag, dem 16. September) losgehen und sich ein neues scharfes Messer kaufen. Dieses Messer tragen sie dann entweder am Feiertag mit sich oder sie verschenken es an Freunde oder Familienmitglieder. So erfolgt in der chassidischen Gruppe Ziditschov oder vom Seher von Lublin höchstpersönlich. Rabbi Nachman von Breslov dagegen hielt es für zu gefährlich, am Rosh Hashana Messer zu verschenken.

Dennoch hält sich der Brauch in zahlreichen chassidischen Kreise bis heute aufrecht. Was aber ist der Grund für diesen etwas seltsam erscheinenden Brauch ?

Normalerweise beteilige ich mich nicht unbedingt an Aberglauben, doch will ich den Grund in Kurzform beschreiben. In den Tehillim (Psalmen) 145:16 finden wir den Satz:


"POTEACH ET YADECHA U’MASBIA LE’KOL CHAI RATZON – DU (G – TT) ÖFFNEST DEINE HAND UND GIBST JEDEM GENUG ZUM LEBEN".

Nehmen wir nun die letzten Buchstaben jedes der ersten drei Worte
פּותח את ידך
So erhalten wie das Wort CHATACH, gebildet aus den Buchstaben CHET TAW CHET SOFIT. CHATACH bedeutet übersetzt SCHNEIDEN.

Einige Quellen nennen hierzu einen Engel mit dem Namen CHATACH und eben dieser Engel wäre dafür zuständig, die Menschen mit einem ausreichendem Einkommen zu versorgen. 

Da wir alle am Rosh Hashana auf ein gutes neues Jahr hoffen, inwelchem wir keinen Hunger erleiden und mit einem ausreichenden Einkommen gesegnet werden, entstand der symbolische Brauch, sich kurz vor Rosh Hashana ein neues Messer anzuschaffen, um auf diese Weise ein ausreichendes Einkommen zu erhalten. Das Messer repräsentiert hierbei ein gutes Einkommen im neuen Jahr. 

Anderweitige Quellen sind der Meinung, dass die Zahlenwerte der Buchstaben in dem oben angegebenen Satz aus den Tehillim auf ein gutes Einkommen im neuen Jahr hinweisen.

AISH + die MACCABEATS zu Rosh Hashana

B"H

Die MACCABEATS sind nach wie vor unschlagbar, doch die Yeshiva AISH HA'TORAH Jerusalem produzierte eine kurze nette Imitation zu Rosh Hashana.





Und hier die jüdische Acapella Group MACCABEATS 


Sonntag, September 09, 2012

Rosh Hashana wird teuer

B"H

Am Abend des 16. September 2012 beginnt diesmal das jüdische Neujahrsfest Rosh Hashana. Insbesondere hier in Jerusalem spürt ein jeder Bewohner den Hauch der immer näher kommenden Feiertage Rosh Hashana, Yom Kippur sowie Sukkot (das Laubhüttenfest).

Neben der Arbeit befinde auch ich mich dieser Tag bereits im Feiertagsstress. Die Wohnung auf Hochglanz bringen, mindestens zweimal groß im Supermarkt einkaufen, abends an die Klagemauer (Kotel) gehen und die derzeitig allnächtlichen traditionellen Selichot – Gebete sagen und und und. Rosh Hashana wird, wie gesagt, von Sonntag abend bis Dienstag abend (18. September) gefeiert. Am ersten Feiertag bin ich eingeladen, doch am zweiten Feiertag habe ich ein paar Leute zu mir eingeladen und deswegen steht das Kochen an. Das Fest selbst geht massig ins Geld. Vor allem dann, wenn man selber eine Mahlzeit ausrichtet und sich nicht nur irgendwo anders kostenlos durchfrisst.:-)

Die landesweiten Preissteigerungen bekam ich am letzten Freitag auf dem Machane Yehudah Markt tüchtig zu spüren. Für ein paar Karotten, Kiwi und Äpfel und Zucchini zahlte ich glatt 30 Schekel (ca. 6 Euro). Vor ein paar Jahren hätte ich dafür noch die Hälfte des Geldes hingelegt. Als der Standverkäufer mir den Preis sagte, fiel ich dann auch fast in Ohnmacht. Ein Kilo Tomaten kostet derweil zwischen 6 – 12 Schekel (ca. 1,5 – 2,5 Euro). Für Israelis ist das sauteuer und das Ergebnis ist, dass man von Stand zu Stand rennt und erst einmal die Preise samt Ware überprüft.




Einkaufen in Israel: Zum 1. September dieses Jahres stieg die Mehrhwertsteuer von 16 auf 17% an.


Allein die zwei Tage des Rosh Hashana werden mich einige Hundert Schekel kosten. Davon mal abgesehen, dass die Preise gerade wegen dem Fest massiv anziehen. Wer sich jetzt schon eindecken will, der sollte das schnell tun, denn zum Freitag hin steigen die Preise erst recht ins Unermessliche.








Auf dem Machane Yehudah Markt / Jerusalem

Copyright / Photos: Miriam Woelke


Tausende Israelis können sich erst gar kein Festessen geschweige den traditionellen Wein und Honig leisten. Zahlreiche, meist jüdisch – relig. Einrichtungen, verteilen dieser Tage Tausende von Essenspaketen an bedürftige Familien. Jedes Jahr nimmt deren Anzahl zu und vielerorts sah ich lange Schlangen vor den Ausgabestellen stehen. Ein fester Job ist heutzutage längst keine Garantie mehr, sich auch ein Festessen leisten zu können. Schon gar nicht bei den immer weiter steigenden Preisen.