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Donnerstag, September 27, 2012

"Jonah und der Fisch" - Eine Betrachtung aus der Welt der Kabbalah


B”H

Während des gestrigen Nachmittagsgebetes MINCHA lasen wir am Yom Kippur das Buch Jonah. Hier noch ein kleiner Nachtrag zum Inhalt des Buches aus dem kabbalistischen Buch ZOHAR.

Über JONAH und den Fisch (p. 172), Zohar 198b

Rabbi Abba diskutiert den Text:

G – tt befahl dem Fisch, Jonah wieder auszuspeien. Die Frage ist, wann und wo genau G – tt mit dem Fisch sprach, um ihm diesen Befehl zu übermitteln ?

Rabbi Abba antwortet, dass Zeit und Ort am fünften Tag der Welterschaffung zu finden sein. Dann nämlich suchte G – tt einen bestimmten Fisch aus, welcher in der Zukunft einmal Jonah verschlucken und nach drei Tagen wieder ausspeien soll.

Das kabbalistische Buch ZOHAR (veröffentlicht im Jahre 1290 in Spanien) gibt uns zur Parashat Vayakel einen faszinierenden tiefgehenden Einblick in das Buch Jonah. Mehrere Jahrhunderte später griff der Vilna Gaon das zoharische Konzept auf und verfasste basierend darauf seinen eigenen Kommentar.

Der Zohar lehrt uns:

Wenn es im Buch Jonah heißt, dass Jonah ins Schiff hinunterging, so ist diese Aussage lediglich symbolisch zu erfassen. Jonah steht für die Seele, die aus der oberen spirituellen Welt herunter kommt und im Körper eines Menschen landet.
Die Seele ist nicht gerade erfreut darüber, denn plötzlich wird sie von G – tt gezwungen aus ihrer perfekten g – ttlichen Umgebung hinunter in die materielle Welt abzutauchen und in unseren Körpern zu landen. Dabei will die Seele im Grunde genommen nur eines: In ihrer perfekten Umgebung verbleiben und so nahe wie möglich bei G – tt verbleiben. Der Mensch handelt nicht gerade immer gemäß G – ttes Willen und sündigt, was die Seele im Körper nicht will. Der Körper selber jedoch handelt nach seinem individuellen Verlangen.

Der Mensch sündigt und denkt sich dabei insgeheim, dass er schon irgendwie vor der Anwesenheit G – ttes entfliehen kann. Vielleicht sieht G – tt ja doch nicht alles. Aber, wie wir dennoch alle wissen, G – tt entgeht nichts und jeder Mensch muss letztendlich für seine Handlungen die Verantwortung übernehmen.

Jonah befand sich im Bauch des Fisches und der Bauch steht symbolisch für eine untere Welt genannt Sheol. Wobei es sich um reine Symbolik handelt und es materiell keine unteren sowie oberen Welten gibt. Die untere Welt ist lediglich ein unterer Seelenlevel innerhalb desjenigen Menschen selbst.

“Drei Tage und drei Nächte” war Jonah im Bauch des Fisches. Bei der Anzahl “Drei Tage und drei Nächte” steht ebenso für die Zeit, die eine Leiche im Grab liegt bevor sich der Bauch öffnet. Nach drei Tagen im Grab erhält der Tote seine Strafen in jedem Organ. In den Augen, in den Händen oder in den Füssen. Dieser Prozeß dauert 30 Tage an und in diesem Zeitraum werden die Seele und der Körper zusammen bestraft. Aus diesem Grund verbleibt die Seele solange im toten Körper und steigt noch nicht wieder auf zu ihrem Ursprung. Nach 30 Tagen steigt die Seele auf, während der Körper völlig verwest. Allerdings bleibt immer ein kleiner Teil im Körper, welcher bei der Wiederauferstehung der Toten (Tchiat HaMetim) reaktiviert werden wird. Manche sagen, dass ein Teil der Seele in der Leiche verbleibt. Der Talmud spricht, u.a., von einem bestimmten Knochen, welchen G – tt bei der Wiederauferstehung reaktiviert.

Sobald der Fisch Jonah verschluckte, starb Jonah. Nach drei Tagen aber wurde er wieder zum Leben erweckt und vom Fisch ausgespiehen. Ähnlich wird G – tt in der Zukunft das Land Israel zu neuem Leben erwecken.

Ein Mensch durchläuft nach seinem Tod sieben Prüfungen. Der erste Test findet statt, sobald die Seele den Körper verläßt und das Himmelsgericht über den Toten beginnt. Der zweite Test erfolgt in dem Moment, wenn die Handlungen und Worte vor dem Toten hergehen. Bedeutet, wenn er ihnen zufolge gerichtet wird. Die dritte Prüfung findet statt, wenn der Tote in sein Grab gelegt wird. Die vierte Prüfung ist das Grab selbst. Der fünfte Test ist die Verwesung. Test Nummer 6 steht für die Strafen / das Leiden in Gehinom. Wobei es sich bei Gehinom um einen spirituellen Reinigungsprozeß handelt und dies keinesfalls mit dem christlichen Konzept der “Hölle” gleichzusetzen ist. Nummer 7 beinhaltet die rastlose Seele, welche von Welt zu Welt wandert; solange bis ihre Aufgabe erfüllt ist und sie ihren endgültigen Tikun (Korrektur) hinter sich gebracht hat.

All das soll uns dazu anhalten, unsere tagtäglichen Handlungen zu überdenken. Zuerst nachdenken und dann handeln. 
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Wenn ich diese Verse aus dem Zohar anschaue, fühle ich mich plötzlich wie Jonah.

Mittwoch, September 26, 2012

Ein Jude besitzt ein First - Class - Ticket

B"H

Die gestrige Einleitung zum Yom Kippur, dem Kol Nidre Service, verbrachte ich bei Chabad (Lubawitsch). Der G – ttesdienst verlief super und mittendrin erzählte der Rabbiner immer wieder eine chassidische Story. Eine davon möchte ich hier mit Euch teilen, denn ich fand sie sehr inspirierend.


In Osteuropa lebte einmal ein armer Jude namens Moshke. Nur mit Not war er in der Lage, anhand seines Einkommens seine Familie zu ernähren, aber darüber hinaus war kein Geld für irgend etwas anderes vorhanden.

Um an seinen Arbeitsplatz zu gelangen, musste Moshke den Zug nehmen, doch der war zu teuer. Zum Laufen war es zu weit und so stieg Moshe jeden Tag in den Zug und versteckte sich unter einer Sitzbank im letzten Zugabteil, hoffend, dass ihn der Kontrolleur nicht erwischt.

Alles ging gut und eines Tages gewann Moshke eine riesige Summe in der Lotterie. Von nun an konnte er sich endlich das Zugticket leisten wie jeder andere Fahrgast auch. Er kaufte das Billet, stieg in den Zug, doch verkroch sich wie gewohnt, unter der letzten Sitzbank. Diesmal erwischte ihn der Kontrolleur, doch Moshke reichte ihm sofort das Ticket. Der Kontrolleur wiederum konnte es nicht fassen und sagte:

"Was machen Sie hier ? Das ist ein Erster – Klasse – Ticket und Sie sitzen hier unter einer Bank im letzten Abteil ?"


Was wir aus dieser Erzählung lernen ? 

Jeder Jude besitzt ein First – Class – Ticket und sollte sich daher niemals bücken und irgendwie klein in dieser Welt fühlen. Stattdessen wollten wir unser G – ttgegebenes Potenzial nutzen und uns aufrecht geben. Mit dem Verhalten "sich klein und unwichtig zu fühlen und vor G – tt als der ewige Sünder dastehen zu wollen" ziehen wir uns nur noch mehr in den Abgrund. Niemand sollte sich dermassen Down fühlen, dass er sein hohes Potenzial einfach ungenutzt und brach liegenläßt.

Dienstag, September 25, 2012

Schana Tova ve'Gmar ve'Chatimah Tova an alle Juden dieser Welt !


Die Kapparot Rache



Heute morgen: Chabad (Lubawitsch) Kapparot auf dem Machane Yehudah Markt / Jerusalem.



Lubawitscher Rebbe Poster an Jerusalems Bushaltestellen. Chabad (Lubawitsch) wünscht allen Juden ein gutes und süsses Neues Jahr sowie das schnelle Eintreffen der Ge'ulah (messianischen Zeit).



Yom Kippur Shopping auf dem Machane Yehudah Markt





Jaffa Road / Jerusalem

Copyright / Photos: Miriam Woelke

Montag, September 24, 2012

Rabbi Moshe Soloveitchik: "Wie negative Events uns zu neuen Möglichkeiten führen"


Photo: Miriam Woelke


B"H

Die berühmte Rabbinerfamilie SOLOVEITCHIK (Solowejtschik) darzustellen, erweist sich als höchst kompliziert, denn die Familie ist weit verzweigt und der Stammbaum fast ohne Ende. Innerhalb der letzten Jahre habe ich viel zum Thema gesammelt, denn ich will die Soloveitchiks in keinem Fall unerwähnt lassen, stellen sie doch bis heute in der jüdischen Welt eine Authorität dar.

Seltsamerweise ziehen es "moderne" Juden oder selbst das nationalrelig. Movement vor, sich lediglich auf den Philosophen und Rabbiner Joseph B. Soloveitchik (verstorben im Jahre 1993) zu konzentrieren. Viele meinen, Rabbi Joseph B. sei total aufgeschlossen gewesen, da sich manche Kommentare so anhören.

Mag sein, dass er aufgeschlossen war, doch hielt er sich streng an jüdische Traditionen und Philosophien, wie wir an dieser Stelle in Zukunft sehen werden.

Das haredische (ultra – orthodoxe) Judentum konzentriert sich lieber auf den durchaus größeren Teil des Familienstammbaums mit bekannten Rabbinern wie Rabbi Joseph Ber Soloveitchik (dem BEIT HA'LEVI, nicht der besagte Philosophen Joseph B., sondern ein früherer Verwandter, der denselben Namen trug) oder dessen Sohn, Rabbi Chaim von Brisk. Um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

Das Brisk (Brest – Litowsk) Movement ist bis heute in Israel sowie in den USA (New Jersey) vertreten und wer etwas über die Geschichte und die Rabbiner des litauischen Judentums (orthodoxe Juden, welche den Lehren des Vilna Gaon folgen) erfahren will, der darf weder Brisk noch die Soloveitchiks überspringen. Ferner ist innerhalb des Brisker Movements der Antizionismus sehr stark ausgeprägt und wir werden noch sehen, warum dies so ist.

In einem meiner angesammelten Bücher fand ich eine für uns interessante Story, welche auch die Anfänge der Soloveitchik – Dynasty beschreibt. Da morgen nachmittag der jüdische Feiertag Yom Kippur beginnt und sich die Juden aller Welt derzeit Gedanken über G – ttes Gnade machen, bringt die folgende Erzählung eine gute Portion Zuversicht mit sich. Zuversicht nicht nur für Juden, sondern für alle Leser dieses Blogs.

Soweit mir bekannt ist, beginnen die Berichte der Soloveitchik Familie mit Rabbi Moshe Soloveitchik, welcher zu Zeiten des Rabbi Chaim von Volozhin (1749 – 1821) in Litauen lebte. Unsere Geschichte beginnt dann auch im litauischen Slobodka (Vilijampole) wo Rabbi Moshe Soloveitchik einen überaus erfolgreichen Holzhandel betrieb. Er war ein wohlhabender Mann und hatte den Betrieb von seinen Eltern geerbt.

Eines Tages jedoch verlor er all sein Geld sowohl als auch den Holzhandel und ging pleite. Ohne einen Pfennig stand er plötzlich da und wusste nicht so recht, was er nun machen sollte. Die Juden des Städtchens begannen sich zu fragen, warum G – tt dem Rabbi Moshe das angetan hat bzw. warum Er zuliess, dass Rabbi Moshe alles verlor und nun ein armer Mann war. Man kam zu der Antwort, Rabbi Moshe Soloveitchik habe wohl nicht genug Zedakah gegeben (Geld an Bedürftige) gespendet, aber war das tatsächlich der Grund gewesen ? Wir wissen es nicht, denn kein Mensch kennt G – ttes Gedanken und Absichten.

Eine neue Arbeit tat sich nicht sofort auf und so ging Rabbi Moshe in die Beit Midrash (das jüdische Lehrhaus) von Slobodka. Und siehe da, so allmählich erkannten er und alle anderen sein wahres Talent, nämlich das herausragende Thorastudium. Er wurde zur absoluten Institution auf dem Gebiet und gründete so auch noch die neue ebenso herausragende Rabbinergeneration der Soloveitchiks.

Jetzt verstanden alle, warum Rabbi Moshe seinen Besitz verloren hatte; um sein wahres Talent sowie seine wirkliche Lebensausgabe im Leben zu finden.

Wie viele Male im Leben ergeht es uns ähnlich ? Wir verlieren etwas, von dem wir meinen, ohne all dies nicht leben zu können. Unsere Arbeit, unser Geld, unser Auto etc. Auf einmal ist alles weg und wir stehen hilflos da und wissen nicht weiter.

Wie hatte uns das passieren können und warum läßt G – tt so etwas zu ? Die Antwort darauf lautet, dass wir viele Male im Leben einen Schubs in jene Richtung brauchen, in welcher unser wirkliches Talent schlummert. Wie oft tun sich dann plötzlich neue Möglichkeiten auf, die wir zuvor nie in Erwägung gezogen hatten, eben weil unser Leben so sicher wirkte ?

Hätte Rabbi Moshe Soloveitchik nicht sein Business verloren, wäre er wahrscheinlich niemals in die Beit Midrash gegangen, um sein wahres Talent und den Sinn seines Lebens zu entdecken. Einige Zeit später heiratete sein Sohn, Rabbi Yosef Soloveitchik, die Tochter des großen Rabbi Chaim von Volozhin und dies war der erste Schritt in Richtung der nachfolgenden Soloveitchik – Dynasty. 
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Quelle:

"The Brisker Rav" von Rabbi Shimon Yosef Meller

"Wie die Engel" - Der höchste jüdische Feiertag YOM KIPPUR


B"H

Die zehn Tage (Aseret Yame'i Teshuva) zwischen dem Neujahrsfest Rosh HaShana und dem Versöhnungstag Yom Kippur sind jedesmal sehr emotional. An Rosh Hashana werden wir Juden für das Neue Jahr gerichtet und am Yom Kippur (vom morgigen Dienstag abend - Mittwoch abend) "unterschreibt" G - tt Sein Urteil (um es einmal bildlich darzustellen). 

Für die zehn Tage zwischen den beiden Feiertagen gilt allgemein die Regel, dass wir uns mit jeglichen Vergehen etwas zurückhalten sollten. Schließlich kann es ja durchaus sein, dass G - tt unser individuelles Schicksal noch nicht entschieden hat und so wollen wir Ihm dieser Tage zeigen, dass wir doch eigentlich gar nicht so schlecht sind. Demzufolge könnte Er bis Yom Kippur Seine Meinung über uns ändern und uns für ein positives Jahr ins "Buch des Lebens" eintragen. Auch beten wir innerhalb dieser zehn Tage weiter die Selichot - Gebete, um G - tt um Verzeihung zu bitten. 

Den Feiertag Yom Kippur begehen wir jedes Jahr am 10. des jüdischen Monat Tischre. Der 10. Tischre war der Tag, an dem Moshe mit dem zweiten Paar Gesetzestafeln vom Berg Sinai in das israelitische Lager zurückkehrte. G - tt hatte ihnen nach dem Vorfall mit dem Goldenen Kalb verziehen und Moshe, nachdem er die ersten Gesetzestafeln zerbrach, ein zweites Paar gegeben. In den Thora Parashot (Thoralesungen) "Acharei Mot" sowie in "Pinchas" trägt G - tt uns auf, diesem Tag auch weiterhin zu gedenken und ihn zu feiern. Somit ist der Yom Kippur ein biblisch - vorgeschriebener Feiertag.

Während an Rosh HaShana Juden und Nichtjuden gerichtet werden, betrifft der Yom Kippur einzig und allein nur für das jüdische Volk.


Bevor ich auf den eigentlich Feiertag eingehe, möchte ich einen Minhag (Brauch) beschreiben, der in den Tagen vor Yom Kippur von wesentlicher Bedeutung ist und der von jeher von Nichtjuden als antisemitische Hetze gegen Juden verwendet wurde. Vielleicht versteht ja nach dem Lesen des Artikels der ein oder andere den Minhag etwas besser. 

Beim dem Minhag handelt es sich um die "Kapparot". Nicht, dass mir jetzt sämtliche Tierschützer aufs Dach steigen und mir Tierquälerei vorwerfen, denn bei den Kapparot geht es vorwiegend um die rituelle Schlachtung eines Huhnes. Überall in jüdisch - relig. Wohngegenden sieht man in dieser Woche folgendes Schauspiel:
Juden gehen zu Ständen, an denen die Kapparot angeboten werden. Man zahlt einen Unkostenbeitrag, ein Religiöser nimmt ein Huhn und zirkelt dies 3 oder 7 Mal über unsere Köpfe hinweg. Die Anzahl von drei oder sieben kommt ganz auf den Brauch der jeweiligen Person an. Die Person spricht ein kurzes Gebet und danach wird das Huhn rituell geschächtet, heisst, es wird ihm mit einem kleinen Schächtmesser die Kehle durchgeschnitten. Es ist üblich für eine Frau eine Henne und für den Mann einen Hahn zu verwenden (siehe Kitzur Shulchan Aruch - Dine'i Yom Kippur). 

Der Brauch der Kapparot findet weder in der Thora noch im Talmud Erwähnung. Allerdings ist der Minhag sehr alt, denn schon im 9. Jahrhundert wurde er von Kommentatoren erwähnt. Hintergrund des Brauches ist die Symbolisierung des sogenannten Sündenbockes (Azalzel), ein Ritual, bei welchem der Hohepriester (Cohen HaGadol) in einer Tempelzeremonie einen Ziegenbock in die Wüste sandte. Symbolisch betrachtet transferieren wir unsere Sünden in das Huhn, welches für uns stirbt. Diese Meinung ist ausdrücklich nur Symbolik, und das eigentliche Ziel der Kapparot ist es, uns auf den Yom Kippur vorzubereiten, an dem wir G - tt um Verzeihung bitten. 

Nicht immer finden die Kapparot anhand eines Huhnes statt. Leute, die nicht unbedingt wollen, dass ein Huhn für sie stirbt, können sich darauf beschränken, nur einen bestimmten Unkostenbeitrag zu geben und bekommen dann ein kleines Zertifikat ausgestellt. Wieder andere geben nur Geld, aber zusätzlich wird ein Huhn über ihren Kopf gedreht, welches hinterher nicht geschächtet wird. Im Mittelalter lehnten so berühmte Rabbiner wie der Ramban und Rabbi Yosef Karo diese Zeremonie grundsaetzlich ab. Das sei alles dumm und erinnere an götzendienerische Rituale. Der große Kabbalist, Rabbi Yitzchak Luria, hingegen sah in den Kapparot eine immense kabbalistische Bedeutung. 

Wie dem auch sei, jeder kann für sich entscheiden, ob er Kapparot macht oder nicht. Ich selbst habe mich schon im vergangenen Jahr entschieden, dem Brauch mehrzu folgen und die Kapparot auszulassen. 

Den Kapparot in Jerusalem zu entkommen, ist unmöglich, denn in der ganzen Stadt stehen Stände. In Mea Shearim und neben dem Machane Yehuda Markt werden vor dem Feiertag täglich Tausende von Hühnern geschächtet und Geldstände sich ebenso zur Genüge vorhanden. Aber was passiert eigentlich danach mit all den toten Hühnern ? Hierzu gibt es unterschiedliche Bräuche. Manche nehmen das Huhn mit heim und essen es und wieder andere geben es als Spende an arme Leute.



Israelische Tierschützer protestieren jedes Jahr aufs Neue gegen den Kapparot - Brauch. Bisher brachten die Demos nichts ein, denn vor allem die Haredim (Ultra - Orthod.) sehen nicht ein, warum sie auf das Huhn verzichten sollten. Weiterhin seien die Kapparot mit einem Huhn kabbalistisch ggf. auf einem höheren Level.


Die Tierschützer

Photos Ynet


In Jerusalem ist schon gegen mittag Yom Kippur Stimmung. Die Geschäfte machen bereits gegen 14.00 Uhr dicht und jeder eilt nach Hause, um sich nicht übermässig anzustrengen und noch auszuruhen.




Leere Straßen am Yom Kippur.


Grundsätzlich gelten für diese 25 Feiertagsstunden fünf feste Regeln:

1. Nichts essen, denn an dem Tag sind wir wie die Engel, welcher keiner Nahrung bedürfen.
Diese Regel trifft nicht auf jene Menschen zu, die ernsthafte gesundheitliche Probleme haben. Auch Kleinkinder und schwangere Frauen sind von der Regel befreit.

2. Nichts trinken

3. Keinen Sex

4. Keine Lederschuhe tragen, denn die sind ein Zeichen für Bequemlichkeit. Innerhalb der vergangenen Jahre tat sich ebenso das "Problem" der CROCS auf. Sind die Crocs zu bequem am Yom Kippur ? Viele israelische Rabbiner sagen JA und man sollte auf sie verzichten.

5. Sich nicht duschen, waschen oder Deos bzw. Cremes verwenden.

Am Yom Kippur sollen auf alle weltlichen Bequemlichkeiten verzichtet werden und wir widmen uns G - tt, Der uns richtet. Neben diesen fünf Regeln gelten natürlich zusätzlich sämtliche Halachot wie für den Schabbat auch (kein Feuer anzünden, etc). 

Vor dem Fastenbeginn essen wir nochmals ausreichend bei einer speziellen Mahlzeit, die "Se'udat Mafseket" genannt wird. Diese Mahlzeit ist eine Mitzwa, auf die keinesfalls verzichtet werden sollte. 

Dieser Tage werden fast alle israel. Tageszeitungen ihre alljährlichen Empfehlungen für die Mahlzeiten ablassen. Was isst man am besten, wenn man danach 25 Stunden fastet ? Fleisch macht durstig und vegetarisch wäre besser. Sind Früchte und Obst angebracht ? Mein persönlicher Geheimtipp lautet immer Weintrauben und viel Wasser trinken. 

Nach dem Kerzenanzünden gehen wir in die Synagogen. Wer für verstorbene Angehörige eine Kerze (Ner Zikaron) zünden will, der sollte das vor den Kerzen für den Yom Kippur tun. 

Der Synagogenservice beginnt mit dem "Kol Nidre" und danach gehen wir über zum Abendgebet Ma'ariv. 

Der Tag darauf wird von nonstop Synagogendiensten bestimmt. Im Morgengebet Schacharit lesen wir bei der Thoralesung aus dem Buch Vayikra (Leviticus) 16:1 - 34 (Parashat Acharei Mot). Der Maftir wird aus Numeri (Sefer BaMidbar) 29:7 - 11 gelesen und die Haftarah (Lesung aus den Propheten) erfolgt aus Jesaja (Yeshayahu) 57 - 14, welche von der Umkehr zu G - tt handelt. 

Zum Nachmittagsgebet Mincha erfolgt die Thoralesung aus Vayikra (Leviticus) 18:1 - 30, in der es um verbotene sexuelle Beziehungen geht. Der Grund für diese Lesung ist, dass gerade aufgrund dieser Vergehen das jüdische Volk immer wieder aufs Neue ins Verderben fiel.



Die Haftarah (Lesung aus den Propheten) ist das Buch Jonah.
Ein jeder von uns kennt die Geschichte Jonah's, der vor G - tt flüchtete als ihm aufgetragen wurde, nach Ninveh zu gehen und die Stadt vor G - ttes Zorn zu warnen. Letzendlich landete Jonah im Bauch eines Fisches, bat G - tt um Verzeihung, wurde aus dem Fisch befreit und er ging nach Ninveh. 

Wir lesen das Buch Jonah am Yom Kippur, da das gesamte Buch natürlich mit Umkehr zu G - tt (Teshuva) zu tun hat. Ich war immer der Meinung, dass es reicht, einmal das Buch Jonah zu lesen und dann habe ich meine Message auf ewig. Dann fand ich zufällig den Kommentar des Vilna Gaon zum Buch Jonah und seitdem habe ich einen wesentlich anderen Zugang zum Buch. 

Der Vilna Gaon sieht die ganze Story nur als Metapher. Seiner Meinung nach ist die Person Jonahs nur ein Symbol für unsere eigene Seele, die im Paradies sitzt und von G - tt auf die Erde gesagt wird. Die Seele weigert sich natürlich, denn sie will nicht in einen irdischen Körper. Daher sagt der Vilna Gaon das der Körper hier von dem Schiff symbolisiert wird, auf das Jonah flüchtete. Der Körper kann alles andere als spirituell sein und geht gewöhnlich seinen weltlichen Verlangen nach. Der Fisch ist sozusagen das Grab und die Seele einer Person steigt auf (das trockene Land, auf welches Jonah gespiehen wurde). 

Nach dem Mincha - Gebet gehen wir über in das Ne'ilah - Gebet, welches recht kurz ist. Mittlerweile schauen schon alle auf die Uhr, wann das Fasten denn endlich vorbei ist. Das Ne' ilah ist die letzte Chance bevor die Himmelstore geschlossen werden und daher wird es im Englischen "Closing the Gates" genannt. 

Gleich anschliessend ertönt das Schofar und es darf nach Herzenslust gegessen und getrunken werden. Besonders emotional ist der Yom Kippur - Ausgang an der Klagemauer, wo Abertausende von Menschen versammelt sein werden. Damit nicht alle hungrig heimgehen, werden Gebäck und Getränke ausgeteilt. 

Bleibt noch zu erwähnen, dass zu Tempelzeiten ganz spezielle Yom Kippur - Riten im Tempel stattfanden. Es war der einzige Tag im Jahr, an dem der Hohepriester (Cohen HaGadol) das Allerheiligste (Kodesh HaKedoshim) betreten durfte. Er rief G - ttes richtigen Namen aus und bat für das jüdische Volk um Vergebung. Auch fand die berühmte Verlosung der zwei Ziegenböcke statt, von denen einer G - tt geopfert wurde und der andere dem sogenannten Azalzel, der schlechten Seite. 

Im Judentum haben wir eine absolut unterschiedliche Vorstellung von der schlechte Seite bzw. dem Satan. Der Satan ist keine Person, sondern unsere eigene schlechte Seite, die uns zum Sündigen veranlasst. Der "jüdische Satan", wenn ich das einmal so formulieren darf, wurde von G - tt selbst erschaffen. Er wollte, dass wir eine freie Wahl im Leben haben und dies wäre ohne negative Aspekte unmöglich. Im Talmud Bava Batra heisst es, dass G - tt nach der Ankunft des Meschiach die schlechten Veranlagungen in uns abschafft und wir nur noch Gutes tun werden.


BeShana HaBah Be' Yerushalaim - Im nächsten Jahr in Jerusalem - Nach der Ankunft des Meschiach.

Zom Kal und Gmar veChatimah Tova an alle Leser.

Ein leichtes Fasten und ein gnädiges G - ttesurteil an alle Leser.

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Yom Kippur: "Everyone Falls"


Courtesy of Aish.com
B"H 

Am morgigen Spätnachmittag (Dienstag) beginnt der höchste jüdische Feiertag Yom Kippur. Ein Tag, an welchem G – tt jeden einzelnen Juden auf ein weiteres Jahr richtet. Ein sehr ernster Tag, an dem wir 25 Stunden lang fasten, wir die meisten Stunden bei sehr langen Synagogeng – ttesdiensten verbringen und nach dem letzten Service, dem Ne'ilah, sicher sind, dass G – tt uns unsere Vergehen verziehen hat. 

Nach dem Schofarklang (Widderhorn), nach 18.06 Uhr, am Mittwoch abend sind wir alle froh, endlich unser neues Jahr offiziell zu beginnen und endlich wieder essen und trinken zu dürfen. Obwohl fast ein Jeder von uns am Yom Kippur selbst oft herumwankt und sich nach etwas zu Trinken sehnt ... ist erst einmal alles vorbei ist, sind wir froh und stolz, den Fastentag eingehalten zu haben. 

Der Yom Kippur ist vorwiegend zum Beten da. Wir sollen unsere Vergehen einsehen und Besserung geloben. 

Besserung geloben ? Wissen wir denn nicht, dass wir nach einiger Zeit erneut Gefahr laufen, vieles falsch zu machen bzw. in unseren alten Trott zurückfallen ? 

Ja, das wissen wir und das weiss auch G – tt. Jeder Jude kippt irgendwann wieder um, doch wir dürfen nie vergessen, uns aus dem Schlamassel zu befreien und wieder aufzustehen. Diesmal gestärkter und vielleicht weniger anfällig für ein Vergehen als vorher. Wir alle sind imperfekt und G – tt ist sich dessen im klaren. Was wir am Yom Kippur jedoch tun sollen, ist ernsthaft bereuen und Besserung geloben. G – tt schaut auf genau diesen Moment, in welchem wir vorhaben, in Zukunft alles besser zu machen. Die ernsthafte Absicht zählt hierbei und nach dieser werden wir am Yom Kippur gerichtet.

Sonntag, September 23, 2012

KOL NIDRE - Das missverstandene Gebet


B"H


Kurz nach Beginn des höchsten jüdischen Feiertages Yom Kippur (Beginn an diesem Dienstag abend, 25. September 2012) wird weltweit in den Synagogen das "KOL NIDRE" gesprochen. Bei dem Kol Nidre handelt es sich um kein Gebet, sondern ein Zitat mit einer jahrhunderte alten herzzerreißenden Melodie. In der Regel wird es vor dem Sonnenuntergang und somit vor dem Abendgebet Ma'ariv gesagt.

Der "Kol Nidre Service" leitet den langen Yom Kippur G – ttesdienst ein und ist einer der Höhepunkte an diesem Feiertag. Der Thoraschrein (Aron HaKodesh) wird geöffnet und drei Thorarollen werden herausgenommen und auf die Bimah, den Tisch vor dem Thoraschrein, gelegt. Der sogenannte "Schaliach Zibur" nimmt eine der Rollen in seinen Arm und die zwei weiteren Rollen bekommt je ein geachtetes Gemeindemitglied. Es ist Brauch, dass die Männer einen Tallit (Gebetsmantel) bei dieser Zeremonie tragen. Der Schaliach Zibur ist in der heutigen Zeit meistens ein Rabbiner dessen Aufgabe darin besteht, das Kol Nidre vor dem offenen Thoraschrein dreimal vorzutragen.

Die Geschichte des Kol Nidre ist bis hin in die "Responsa der Geonim" (ca. 800 – 1000 nach Beginn der Zeitrechnung) zurückzuverfolgen. Der Inhalt des Kol Nidre besteht aus einer Annullierung von Schwüren und Versprechen, welche man im folgenden Jahr (bis zum nächsten Neujahrsfest Rosh HaShana) eingehen könnte. 

Der berühmte Jerusalemer Chabad – Rabbiner, Rabbi Adin Steinsaltz, schreibt dazu in seinem Buch "A Guide to Jewish Prayer", dass diese Zeremonie eine emotionale Befreiung für einen jeden Anwesenden darstellt. Das Kol Nidre hat eine tiefe emotionale Bedeutung anhanddessen wir unsere Seele auf einen höheren Level bewegen und einen inneren Frieden für den Yom Kippur selbst herstellen. 

Bei meinen Recherchen zu dem Thema mußte ich einmal wieder umso mehr feststellen, dass es schon zu frühester Zeit christlichen Widerstand gegen das Kol Nidre gab. Nicht zum ersten Mal hatte man ein jüdisches Ritual völlig missinterpretiert. Übrigens sind auch heute noch diverse christliche Hetzsites im Internet zu lesen, auf denen es heißt, dass Christen die besseren Geschäftspartner und überhaupt verläßlicher seien. Schließlich würden die Juden nur oberflächlich Versprechungen eingehen und wären danach in keinster Weise verpflichtet, diese einzuhalten, denn sie hätten ja das Kol Nidre. Mit diesen Worten begann schon der Haß im Mittelalter und hat sich bis heute aufrechterhalten. 

Warum sagen wir das Kol Nidre ?
Besonders verärgerte Menschen sagen oft Dinge, die sie hinterher bereuen oder sie nach dem Zornesausbruch sofort vergessen. G – tt allerdings vergißt keine solcher Schwüre, auch wenn sie einem bloß unabsichtlich über die Lippen kamen (Beispiel: "Wenn Du nicht das und das machst, dann rede ich nicht mehr mit Dir).
Aus dem Grund annullieren wir von vornherein all unsere fälschlich ausgesprochenen Versprechungen und G – tt kann in einem Urteilsfalle nichts gegen uns verwenden. Mit Geschäftsgebaren etc. hat das Kol Nidre nichts zu tun. 

Das Kol Nidre ist leider kein Einzelfall, denn ebenso kam es im Mittelalter von christlicher Seite aus schon zur Hetze gegen das jüdische "Aleinu – Gebet".


Kantor Shalom Mendelson singt KOL NIDRE


Freitag, September 21, 2012

Parashat Vayelech & Der TESHUVA DRUCK


Rituelles Händewaschen vor der Kotel (Klagemauer)

Photo: Miriam Woelke

B"H

In wenigen Tagen begeht die jüdische Welt ihren höchsten Feiertag YOM KIPPUR (Versöhnungstag). Den Tag, an welchem Moshe mit dem zweiten paar Gesetzestafeln vom Berg Sinai zurückkehrte und G – tt den Juden das Vergehen mit dem Goldenen Kabl verziehen hatte. Genau so wie die Juden damals, bitten wir bis heute G – tt um die Vergebung unserer Vergehen und hoffen gleichzeitig, dass Er uns auf ein weiteres neues Jahr gnadenvoll richten tut.

Demnach dreht sich vor dem Yom Kippur und in diesen Tagen zuvor alles um die Teshuva (Umkehr zu G – tt). Wir sollen unsere Vergehen aufrichtig bereuen und versuchen, in Zukunft alles besser zu machen. Was aber geht tatsächlich in uns vor ? Ich jedenfalls kriege die Panik, wenn ich dieser Tage das Wort TESHUVA auch nur höre, denn für mich symbolisiert gerade jetzt das Wort einen riesigen Berg an Thoragesetzen und Vorschriften, welche es einzuhalten gilt. Ein Berg so hoch, dass man hinaufschaut und unter der Last gleich wieder aufgibt. Man beginnt sich einzureden, dass das eh alles keinen Sinn habe und die Teshuva eh nicht zu schaffen sei. Wieso dann überhaupt erst starten ?

Gestern abend war ich bei einem Schiur (relig. Vortrag), wo ein Rabbiner zum Thema TESHUVA und YOM KIPPUR sprach. Teshuva, Teshuva, Teshuva und die wenigen Anwesenden (der Fastentag ZOM GEDALYIAH war gerade zuende gegangen und die meisten Leute befanden sich daheim beim Essen) schauten den Rabbiner ratlos an. All die ganze Teshuva und ob das denn jetzt so furchtbar perfekt durchgezogen werden muss ? Klar, hofften wir alle darauf, dass der Rabbi mit NEIN antworte.

Zwar sagte er nicht NEIN, trotzdem bereitete er uns Hoffnung.
Teshuva bedeutet nicht, dass ich so mir nichts dir nichts mein Leben total umkrempele und nur noch auf heilig mache. Was Teshuva dagegen bedeutet, ist in sich zu kehren und nachzudenken, wo ich stehe und wie ich mir die Zukunft vorstelle. Wo bin ich heute und wo will ich in einem Jahr sein ? Nicht, dass jemand drauflos fuhrwerkt und alle Thoragesetze auf einmal einhalten will. Wer das tut, der steht am Ende mit gar nichts da, denn die meisten der so Handelnden geben nach ein paar Wochen oder Monaten erschöpft auf.

Man setze sich hin, versuche nicht die Welt zu verändern oder auf seinen Nachbarn zu schauen, sondern beginne im kleinen Rahmen. Nämlich bei sich selbst. Jeder nach seinem gegebenen Potenzial. Nicht immer muss alles in riesigen, ach so perfekten Schritten verlaufen, sondern hier geht es eher um kleine Veränderungen in eine positive Richtung. Wie werde ich zu einem besseren Menschen ?

Als der Rabbi dies erklärte, wirkte die Teshuva plötzlich nicht mehr wie ein unüberbrückbares Hindernis. Hoffnung kam auf, dass auch wir es schaffen können. Vielleicht nichts riesig Perfektes, dafür aber ein paar kleine Schritte in Richtung Zukunft.

Die dieswöchige Thoralesung (Parasha) VAYELECH berichtet uns, wie Moshe sich, wenige Stunden vor seinem Tod, von den Israeliten verabschiedete. G – tt war Seinen Bund mit den Juden eingegangen und versprach ihnen das Land Israel. 

In diesem Jahr begehen wir den Yom Kippur unter einem schweren Stern. Gerade dann, in der kommenden Woche, wird der iranische Diktator Achmadinejad vor der UN – Vollversammlung sprechen. Ausgerechnet am Yom Kippur. 

Wird es Krieg geben oder bleibt alles friedlich ? Noch niemals sah zum jüdischen Neujahrsfest und Yom Kippur die Situation im Nahen Osten derart brenzlig aus. Nicht nur im Bezug auf den Iran, sondern ebenso wegen der Muslimischen Bruderschaft in Syrien und Ägypten sowie der Hizbollah – Bedrohung aus dem Libanon. 

In Kohelet, welches wir an Sukkot (Laubhüttenfest fünf Tage nach Yom Kippur) lesen heisst es, dass es eine Zeit zum Frieden und eine Zeit für Krieg gibt. Welche Zeit legt G – tt für uns in diesen Tagen fest ? 

Als die Israeliten nach Israel einzogen, erhielten sie das Land nicht, weil sie so supertolle Juden waren. Vielmehr gab G – tt das Land den Juden, aufgrund des Versprechen an die Vorväter. 

Wo stehen wir heute ? Hoffentlich entscheidet G – tt, dass wir unserer Vorväter würdig erscheinen und wir somit im Land verbleiben bis Meshiach kommt.

Mittwoch, September 19, 2012

Rosh Hashana ist vorbei ... wie geht es jetzt weiter ?

B"H


Heute morgen im ultra - orthodoxen Stadtteil Mea Shearim / Jerusalem: Zahlreiche relig. Juden haben bereits mit dem Bau ihrer Sukkah (Laubhütte) begonnen. Normalerweise wird erst in ca. einer Woche (gleich nach dem Ausklang des Yom Kippur) damit begonnen. In diesem Jahr jedoch sieht man schon jetzt fast fertige Sukkot (Laubhütten) in Jerusalem. Und das nicht nur in Mea Shearim !

Das Photo zeigt eine fast fertige Sukkah auf einem Balkon, was durchaus nicht unüblich ist. Eher im Gegenteil, denn viele Juden bauen ihre Sukkah nicht nur auf dem Boden, sondern genau auf dem Balkon oder dem Hausdach. Allerdings muss eine Sukkak koscher sein und dementsprechend gibt es, u.a. im Talmud, präzise Vorschriften. Dazu aber schreibe ich nach dem Yom Kippur mehr. 

Photo: Miriam Woelke


Ein besonders tolles Rosh Hashana gab es bei mir in diesem Jahr nicht, denn ich war fast die ganze Zeit über ans Haus gebunden und kam nirgendwo hin. Einen Tag vor dem Fest hatte mich eine Grippe voll erwischt und ich lag mit Husten und Fieber darnieder. Gestern nachmittag kamen Freunde vorbei, die mir weitere Medikamente mitbrachten und danach ging es einigermassen. Heute stellte sich auch noch der Schnupfen ein, aber es geht schon wieder. 

Somit fiel dann Rosh Hashana ins Wasser und ich konzentriere mich jetzt voll und ganz auf den Yom Kippur, welcher am kommenden Dienstag abend beginnt. Ein 25 – Stunden langer Fastentag, der nur von Juden eingehalten werden muss. An dem Tag fällt G – tt Sein endgültiges Urteil über jeden einzelnen Juden und entscheidet dessen Schicksal auf ein weiteres Jahr. Ein ernster Tag mit unendlich langen Gebeten und Bekenntnissen der Schuld (Vidui) und dem Versprechen, in Zukunft zu versuchen, alles besser zu machen. 

Heute begehen wir den Halbfastentag (das Fasten findet lediglich von morgens bis abends statt) ZOM GEDALYIAH. Darüber hinaus befinden wir uns seit gestern abend in den "ASERET YAME’I TESCHUVA – DEN ZEHN TAGEN DER UMKEHR ZU G – TT". Einfach ausgedrückt bedeutet dies, dass viele Juden immer noch nicht endgültig gerichtet worden sind und ihr Urteil noch bis zum Yom Kippur auf die positive Seite ziehen können. Deswegen kommt vieles auf unser Verhalten innerhalb dieser Zehn Tage an. 

Wie bereits berichtet, richtet G – tt die Juden endgültig am Yom Kippur und die Nichtjuden ausschliesslich am Rosh Hashana. Wer von den Juden in dem ausgeklangenen Jahr genau soviele gute wie schlechte Taten beging und somit in der Schwebe hängt, hat dieser Tage die Möglichkeit, G – tt davon zu überzeugen, dass er (der Jude) ja gar nicht so schlecht ist. Gewöhnlich strengt man sich etwas mehr an, netter zu den Mitmenschen zu sein. Nicht zu allen, aber auf den Versuch kommt es an.:-)))

Außerdem gibt man sich hilfsbereit oder spendet Geld. 

Mit dem Ausklang dieser Zehn Tage beginnt am Dienstag abend, 25. September 2012, der höchste jüdische Feiertag, der YOM KIPPUR (Versöhnungstag). Enden tut der Feier – und Fastentag am Abend des 26. September 2012. 

Wenige Tage danach, am Sonntag, 30. September 2012, beginnt das Laubhüttenfest SUKKOT. In Israel endet Sukkot am 8. Oktober 2012, in der Diaspora dagegen erst einen Tag später. 

Die Bedeutung der hohen Feiertage und wie sie besonders hier in Jerusalem gefeiert werden, dazu erfahrt Ihr dieser Tage viel mehr Einzelheiten. Hinzu stele ich viele viele aktuelle Photos in den Blog.

Das Schofar

B"H 

Zwar ist das jüdische Neujahrsfest Rosh Hashana gestern abend zuende gegangen, doch das Schofar verliert dieser Tage damit nichts an Bedeutung. Bis zum Yom Kippur (Beginn am kommenden Dienstag abend – Mittwoch abend) ertönt das Schofar nochmals zum Feiertagsausklang. In der Zwischenzweit, den derzeitigen "Aseret Yame’i Teschuva - Zehn Tagen der Umkehr zu G - tt" hören wir das Schofar auch weiterhin und die Selichot – Gebete laufen ebenso bis zum Yom Kippur weiter.


Wer früh morgens an den Synagogen in aller Welt vorbeigeht oder sich an der Kotel (Klagemauer) befindet, der hört derzeit während des Morgengebets Schacharit seltsame Klänge aus einem Horn. Ein Außenstehender mag sich über die Männer wundern, die in die Hörner blasen und so fremdartige Klänge erzeugen. 

Beim Schofar handelt es sich überwiegend um ein Widderhorn, welches seit dem Beginn des Monat Elul vor ein paar Wochen beim Morgengebet geblasen wird. Der Shulchan Aruch - Orach Chaim - Hilchot Rosh Hashana 581 lehrt, dass es Gemeinden gibt, in denen das Schofar auch nach dem Abendgebet Ma'ariv geblasen wird. 

Das jüdische Neujahrsfest Rosh Hashana (welches wir bis gestern abend feierten) ist nicht ausdrücklich in der Thora erwähnt. In Sefer BaMidbar 29:1 (Book of Numbers, Numeri) heißt es lediglich:

"Und im siebten Monat, an dessen ersten Tag, sollt ihr einen heiligen Tag haben, an dem ihr nicht arbeitet; es ist ein Tag an dem das Teruah zu hören sein soll".

In der Thora heißt es ganz simpel: "It is a day of sounding". 


Teruah ist einer der drei Töne, die wir mit dem Schofar erzeugen. Jeder der drei Töne steht für unterschiedliche Namen G - ttes. Bei den anderen beiden Tönen handelt es sich um Tekiah und Schevarim

Einfach so ein Widderhorn nehmen und hineinblasen funktioniert im Judentum nicht. Jeder, der das Schofar bläst, erzeugt diese drei Töne in einer vorgeschriebenen Reihenfolge und Anzahl.



Das lange Schofar wird meist nur von sephardischen Juden geblasen.

 


Das aschkenazische Schofar ist wesentlich kleiner und schlichter.



Insgesamt werden an beiden Tagen von Rosh Hashana während des Morgengebetes Shacharit 100 Töne erzeugt. Es ist unüblich, das Schofar am Abend von Rosh Hashana zu blasen (Shaarei Ha'Moadim - Chabad).


 

Das erste Mal findet das Schofarblasen gleich nach der Thoralesung statt und zum zweiten Mal während des gleich anschließenden Mussafgebetes. Es üblich, während des Schofarblasens stehen, dennoch ist es nicht ausdrücklich verboten, sich hinzusetzen. Es ist verboten, während des Schofarblasens zu sprechen und jeder soll sich so gut wie möglich auf die erzeugten Töne konzentrieren. Im Buch "Pri Etz Chaim" (die Lehren des großen Kabbalisten Rabbi Yitzchak Luria) heißt es, dass unsere weltlich erzeugten Töne sich mit den Tönen in der oberen Welt vereinigen und so die Gnade G - ttes erwecken. Und genau darum geht es am Rosh Hashana (Neujahsfest). Jeder Einzelne von uns steht vor G - ttes Thron und muß Rechenschaft über seine Vergehen ablegen. Anhand der Schofartöne sollen wir zur Umkehr aufgerufen werden. Die Töne sind so eindringlich, dass sie uns das Herz und uns zur Umkehr bewegen (Rabbi Shlomo Kluger in Kehilat Yaakov).

Aber nicht nur für die Umkehr steht das Schofar. Genauso sollen dessen Töne uns an den Erhalt der Thora erinnern und uns zugleich das Kommen des Meschiach ins Bewußtsein rufen. Rosh Hashana ist ein Tag, an dem die ganze Welt G - tt als den einzigen wahren König anerkennen soll, denn Er allein hat die Welt und uns alle erschaffen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass wir an die "Akeidat Yitzchak - die Opferung des Yitzchak durch Avraham" (siehe Genesis - Vayeira) erinnert werden. G - tt hatte Avraham einen Test auferlegt; er solle seinen Sohn Yitzchak opfern, was Avraham aus Liebe zu G - tt sofort ausführen wollte. Für G - tt war dies nur ein Test zu prüfen, ob Avraham es wirklich ehrlich mit der Liebe G - ttes meint. Niemals hatte G - tt die Absicht, den Yitzchak wirklich opfern lassen zu wollen, denn im Judentum ist jegliche Art von Menschenopfer laut Thora verboten. 

Als Avraham auf dem Tempelberg (Har HaMoriah) zur Tat schritt, griff G - tt sofort ein und statt des Yitzchak wurde ein Widder geopfert. An Rosh Hashana wollen wir G - ttes Gnade, die er Avraham auf dem Tempelberg zeigte, wiedererwecken und deshalb benutzen wir an Rosh Hashana überwiegend ein Widderhorn (siehe die Gemara im Talmud Traktat Rosh Hashana 16a). 

Jeder der drei unterschiedlichen Schofartöne repräsentieren laut dem kabbalistischen Buch "Shushan Sodot" entweder G - ttes Gnade (Rachamim) oder sein Richten (Din): 

Der Tekiah - Sound steht für die Gnade und Shevarim sowie Teruah stehen für Sein Urteil (Din). 

Im Shulchan Aruch - Orach Chaim - Hilchot Rosh Hashana finden wir noch weitere zusätzliche Halachot (Gesetze) zum Thema "Schofar".

Paragraph 589: Zum Beispiel darf das Schofar auch von Frauen geblasen werden.

Paragraph 585: Das Hören des Schofar ist die wichtigste Mitzwa an Rosh Hashana (siehe auch Talmud Rosh Hashana 34b), denn es ist eine biblische Verpflichtung (Deoraita). Vor dem Schofarblasen sagen wir einen speziellen Segen.

Paragraph 586: Ein Schofar muss koscher sein, heißt, es darf keine Schäden wie Risse etc. aufweisen.

Sollte der erste Tage von Rosh Hashana auf einen Schabbat fallen, so wird das Schofar erst am zweiten Tag geblasen, da es am Schabbat Muktze ist. Früher zu Tempelzeiten war es üblich, dass Schofar auch am Schabbat zu blasen, aber nur INNERHALB der Tempelmauern. 

Der Koznitzer Maggid, Rabbi Israel Hofstein, schreibt, dass sobald das Schofar geblasen wird, G - tt unsere Umkehr wahrnimmt und uns mit Gnade richten wird. 

Mein persönlichen Erfahrungen vom Schofarblasen sind immer sehr emotional. Der Sound des Schofars ruft tatsächlich in jemandem zur Umkehr auf, vor allem, nachdem man schon einige Zeit das intensive Schacharit hinter sich hat. Religiöse oder Säkulere, alles lauschte still in der Synagoge dem Schofar.

Für Interessierte fällt mir noch eine spezielle Halacha ein:
Was passiert, wenn jemand taub ist oder ein Hörgerät benutzt ? Darf er es an Rosh HaShana anstellen, um so das Schofar hören zu können ?

Die halachische Antwort lautete, dass er es nicht anstellen darf, aber er sich unbedingt nicht weit vom Schofar plazieren muß, um die Töne wenigstens etwas hören zu können. Im Fall, dass jemand ganz taub ist, muß er sich genauso vor das Schofar stellen, um die Mitzwah zu erfüllen. Selbst wenn er absolut nichts hört, hat er zumindest neben dem Schofar gestanden.


Sonntag, März 04, 2012

Chassidische Rabbiner zu Purim

B"H

Rabbi Aryeh Leib von Shpole und Rabbi Noach von Lachowicze betrachteten Purim als eine Gelegenheit großer spiritueller Errungenschaften. Rabbi Issachar Dov Baer von Radoszyce lud an Purim Frauen ein, die offenbar keine Kinder gebären konnten und versprach ihnen, dass die dennoch eigene Kinder haben werden.

Überhaupt wird Purim mit dem Yom Kippur (Versöhnungstag) verglichen, da beide Feiertage miteinander verbunden sind. Beide Male geht es um "Teschuva – die Rückkehr zu G – tt". Am Yom Kippur erfolgt dies jedoch aufgrund der Furcht vor G – tt und an Purim dagegen aus Liebe zu G – tt.

Der Begründer der chassidischen Gruppe Chabad (Lubawitsch), Rabbi Shneur Zalman von Liadi, sagte einst: "Hätten die Juden ihre Religion aufgegeben, wären sie von Haman nicht attackiert worden".
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Quelle:

"The Encyclopedia of Hasidism" – Tzvi M. Rabinowicz

Dienstag, Oktober 25, 2011

Tisch der TOLDOT AHARON nach Yom Kippur

B"H 

Der Tisch des Rebben der chassidischen Gruppe TOLDOT AHARON nach dem Fastenausklang am Yom Kippur. Die Hauptsynagoge der Toldot Aharon steht in Mea Shearim / Jerusalem. 

Donnerstag, Oktober 06, 2011

Ein Blick ins YOM KIPPUR MACHZOR

B”H

Ein kleiner Blick ins Gebetbuch (Machzor) zum jüdischen Feiertag YOM KIPPUR




Dieses gesamte Machzor beten wir am Yom Kippur durch. Es umfasst das Abendgebet Ma'ariv sowie das Morgengebet, Nachmittagsgebet, das Ne'ilah - Gebet und erneut den Ausklang mit dem Ma'ariv.



Beginn des Morgengebetes Schacharit (diesmal am Schabbatmorgen) mit dem HAMELECH - Der König - Gebet.G - tt "sitzt" auf seinem Thron und richtet die Juden auf ein weiteres Jahr.







Immer wieder neu wird das "Vidui" gebetet, in welchem wir unsere Vergehen darlegen (Al Chet she chatanu lifane'icha").



Den Ausklang am Samstag abend bildet der laute Ruf der anwesenden Gemeinde: SHEMA ISRAEL. Wenn wir G - tt als den EINEN anerkennen. Was an diesem Ausruf besonders ist: Dass der zweite Satz des SHEMA ISRAEL, "Baruch Shem Kavod Malchuto Le'Olam va'Ed" laut ausgesprochen wird und nicht leise, wie sonst das ganze Jahr über. Danach erfolgt siebenmal das "Ado - nai Hu HaE - lo - him".


Photos: Miriam Woelke