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Donnerstag, Mai 24, 2012

Kein Friedhof, sondern Käse aus Zfat / Nordisrael

B"H

An diesem Nachmittag machte ich mich auf den Weg zum berühmten Friedhof in Zfat. Zu den Gräbern vieler mittelalterlicher Kabbalisten sowie weiterer berühmter Rabbis. Die Sonne brannte vom Himmel und es so richtig heiss.

Als ich meinen Weg durch die Gassen der Altstadt suchte, stand ich plötzlich vor der Niederlassung einer der beiden lokalen Käseproduzenten namens "Kadosh Cheese". Die Tür stand weit offen und ich erwartete einen Laden vorzufinden. Stattdessen stand ich in einer Küche mit einem großen Holztisch in der Mitte. Bei Kadosh lud man die Kundschaft zum Sitzen, Kaffeetrinken und Käseprobieren ein. Alle Anwesenden wurden mit hausgemachtem Käse vollgestopft und natürlich wurde viel gekauft. 

Käse, Käsekuchen, Eiscreme und sämtliche Milchprodukte sind ein wichtiger Brauch am Samstag abend beginnenden Schavuot. SCHAVUOT der Feiertag des Milchprodukte. Für den Grund dafür gibt es allerlei unterschiedliche Kommentare. Einer davon lautet, dass als die Juden am Berg Sinai von G – tt die Thora erhielten, sie danach erst Schächtmesser herstellen mussten. Die Thora schrieb das Schächten koscherer Tiere bevor, bevor das Fleisch verzehrt werden durfte. Wie sollte das genau geschehen und welche Instrumente (z.B. Messer) waren dafür nötig ? All das bedurfte einer gewissen Vorbereitung und Herstellung und bis dahin beschränkten sich die Juden darauf, Milchprodukte zu essen. Indem wir ebenso an Schavuot Milchprodukte essen, erinnern wir an die Vergabe der Thora. Wer dieser Tage auf israelische Märkte geht, der sieht lange Schlangen vor Käseständen. Käse, Käsekuchen, Yoghurts … all das findet reissenden Absatz. 

Nachdem ich bei Kadosh war, bin ich bestens mit frischem Käse versorgt. Danach strich ich meinen Friedhofsbesuch, denn ich musste zu meiner Unterkunft, um den Käse in den Kühlschrank zu packen. Klar, dass ich auch etwas probierte, aber für Schavuot in Jerusalem bleibt immer noch genug übrig.

Morgen früh kehre ich aus Zfat nach Jerusalem zurück und ich hoffe nur, dass mit dem Käsetransport alles klargeht und nicht rumschmiert. Nach Schavuot am Sonntag abend, beginnt eine ereignisreiche Woche. Am Montag muss ich wegen meines kaputten Meniskus in eine Klinik und gleich darauf beginnt mein Umzug in die neue Wohnung in Jerusalem. 

Allen Leser wünsche ich jetzt schon einmal ein tolles Schavuot, Chag Sameach, einen schönen Feiertag & Schabbat Schalom !



Ein Camembert



Cremiger Ziegenkäse



Photos: Miriam Woelke

Die innere Bedeutung von Schavuot (Vergabe der Thora an die Juden)


B"H

Samstag abend, mit dem Schabbatausklang, beginnt Schavuot, welches wir in Israel nur einen Tag lang feiern (bis Sonntag abend). Im Ausland dagegen werden zwei Tage eingehalten.

Wortdefinition: SCHAVUOT bedeutet übersetzt WOCHEN !

Am 6. des jüdischen Monats Sivan erhielten die Israeliten am Berg Sinai von G - tt die Thora. In der Thora werden wir von G - tt mehrere Male darauf hingewiesen, dass sie für alle Ewigkeiten gültig sein und durch nichts anderes ersetzt werden wird. Für G - tt und die Thora existiert keine Zeit (siehe das chassidische Buch "Bnei Yissachar"). Beide sind zeitlos und unabhänging von ihr, im Gegensatz zu uns. Nach dem Vorfall mit Eva und Adam im Paradies (Gan Eden) änderte G - tt den menschlichen DNA und machte uns zeitabhängig und somit sterblich. 

Was ist aber heute mit uns, die nicht beim Empfang der Thora am Berg Sinai live dabei waren ? Wie verhalten wir uns an jenem Feiertag ? 

Zuerst einmal gibt es im Judentum das Konzept, dass alle jüdischen Seelen, die jemals erschaffen wurden und in Zukunft erschaffen werden, am Berg Sinai anwesend waren. Wir alle haben dort die Thora empfangen, auch die Konvertiten zum Judentum. Bevor die Thora an das jüdische Volk gegeben wurde, fragte G - tt alle anderen Völker, ob sie nicht die Thora haben wollen, doch die Völker lehnten ab, denn lt. Thora ist es verboten zu morden, zu stehlen, die Ehe zu brechen etc. Jene Angewohnheiten wollten die Völker nicht aufgeben (siehe Midrasch). Einzig und allein die Juden (Israeliten) sagten: "Na'aseh ve Nishma - Wir werden tun und hören". Die Juden waren von Anfang an bereit, die Thora einzuhalten ohne die genauen Bedingungen zu kennen (Midrasch). 

Der Vilna Gaon kommentiert, dass G - tt nur die Oberhäupter der anderen Völker befragte und diese ablehnten. Innerhalb der Völker gab es dennoch einfache Leute, welche die Thora gerne empfangen haetten. Laut dem Vilna Gaon sind diese Seelen die heutigen Konvertiten zum Judentum. 

Wie bereiten wir uns am besten auf Shavuot vor ? 

Zuerst einmal sollten wir die Thora verinnerlichen und nicht davon ausgehen, dass es sich um irgendein Buch aus der Antike handelt, welches mir heutzutage nichts mehr zu sagen hat. Rabbi Me'ir Weiner sagte bei einem Schiur (relig. Vortrag), dass jeder einzelne die Thora so sehen muß als ob sie zu ihm spreche. Nur zu ihm selbst. Diese Auffassung macht es uns vielleicht leichter die Bedeutung des Shavuot in unserer Zeit zu verstehen. Jeder sollte sich spirituell auf Schavuot vorbereiten, denn es handelt sich um einen Feiertag, an dem wir sehr hohe spirituelle Level erreichen können. Weiterhin stellt Schavuot einen Chizuk, eine seelische Stärkung, für alle Generationen dar (siehe "Kuntres Dibrot Kodesh" der chassidischen Gruppe Toldot Avraham Yitzchak). 

Für alle nachfolgenden Generationen (nach Moshe) besteht auf alle Ewigkeiten die Mitzwa des Thorastudiums (Bnei Yissachar). Im Judentum haben wir unterschiedliche Konzepte darüber, wie wir die Thora lernen. Angefangen vom Peschat, welches ein "oberflächliches" Lernen ohne tiefere Ergründung darstellt. Aber die Thora ist viel mehr als wir aus dem eigentlichen Text herauslesen. Unsere Aufgabe ist die tiefe Ergründung der Thora einschließlich ihrer Halachot (halachische Gesetze). 

Während des Morgengebetes (Schacharit) an Schavuot (Montag früh) werden drei zusätzliche Lesungen eingefügt: Die Zehn Gebote, die wir stehend hören, das berühmte Gebet AKDAMOT von Rabbi Meir ben Yitzchak (11. Jahrh.) und die Megillat Ruth, das Buch Ruth. 

Bei "Akdamot" handelt es sich um eine liturgische Poesie, die uns von G - ttes Erschaffung der Erde bis hin zur kommenden Welt (Olam HaBah) führt. Die Verse sind alphabetisch geordnet (nach dem hebräischen Alphabet) und geantwortet wird nach dem Satz mit dem Wort TA תא, welches aus den Buchstaben Tav ת und Aleph א besteht. Aleph א ist der erste und das Tav ת der letzte Buchstabe des hebräischen Alphabetes. Das Wort TA תא beinhaltet demnach die gesamte Thora mit all ihren Buchstaben und zeigt uns auf, dass das Thorastudium unendlich ist. 

Sephardische Gemeinden lesen kein AKDAMOT, sondern anderweitige poetische Verse ! 

Das Buch Ruth wurde vom Propheten Samuel verfaßt (Talmud Bava Batra 14b sowie der Kommentator Raschi). Warum lesen wir ausgerechnet das Buch Ruth (Megillat Ruth) an Schavuot ? 

Ruth war eine Vorfahrin König Davids und dieser wurde an Schavuot geboren und er verstarb an Schavuot. Es heißt, dass nur Zaddikim (Gerechte) an ihrem Geburtstag sterben. 

Da wir mit Ruth eine der wichtigsten Konvertitinen zum Judentum haben, ist Schavuot gleichzeitig ein Tag der Konvertiten. Zeit seines Lebens wurde König David von vielen Leuten ausgelacht und verspottet, war er doch ein Nachfahre einer Moabiterin und keiner geborenen Jüdin.

Wir erinnern uns: Die Moabiter und die Ammoniter (heute Jordanien) gehen aus der fatalen Beziehung mit Lot und seinen beiden Töchtern hervor. Vor der Zerstörung Sodom und Gomorrhas flüchtete Lot mit seinen Töchtern, Lot betrank sich und hatte ein Verhältnis mit beiden Töchtern. Jede von ihnen bekam einen Sohn, von denen der eine Ammon und der andere Moav hieß.

Unserer mündlichen Gesetzesüberlieferung (der Mischna im Talmud – mündliche Gesetzesüberlieferung G- ttes an Moshe am Berg Sinai) zufolge, dürfen Juden keine männlichen Nachfahren der Ammoniter bzw. der Moabiter heiraten. Weibliche Nachfahren dagegen sind erlaubt (Talmud Yevamot 76b). Demzufolge gab es für die Juden keinen Grund König David als Bastard zu bezeichnen, denn für seinen Vorfahren Boaz war es gesetzlich in Ordnung, Ruth zu ehelichen. Dennoch litt König David Zeit seines Lebens unter dem Spott "kein richtiger Jude zu sein" und würde er heutzutage zum Rabbanut (Oberrabbinat) gehen, könnte es ihm durchaus passieren, hinausgeschmissen zu werden. 

Aber eben aus jeder Beziehung von Ruth der Moabiterin und Boaz sehen wir, dass beide die Vorfahren des Meshiach sind. Hätten wir nicht eher angenommen, dass der Meshiach aus einer perfekten Verbindung kommen sollte ? Vielleicht ist es notwendig, dass auch ein Meshiach einige Leichen im Keller haben sollte, was ihn nur allzu menschlich macht. 

Aber nicht nur König David starb an Schavuot, sondern auch der Begründer des Chassidismus, der große Baal Shem Tov. Dieser starb in der Nacht an Schavuot und viele chassidische Gemeinden feiern seine Yahrzeit (Todestag) mit speziellen Events. In der Chassidut überhaupt wird in der Nacht an Schavuot sehr großer Wert auf Tikkunim gelegt, Gebete, mit denen wir unsere Seelen (Neschamot) auf höhere Level bringen. 

Weltweit werden Tausende von Juden die Nacht durchlernen. Vor allem in Jerusalem ist es ein beliebter Brauch, von Vortrag zu Vortrag zu gehen. Fast alle Synagogen oder relig. Programme bieten Vorträge aller Art an. Überwiegend mit dem Thema des Empfangs der Thora am Sinai und dessen heutige Bedeutung. 

Seitenweise veröffentlichen die Tageszeitungen Listen mit Adressen, bei denen man lernen kann. Die Vorträge sind kostenlos und es werden Erfrischungen gereicht. Morgens gegen 4.00 Uhr machen sich die meisten Jerusalemer auf den Weg zur Klagemauer (Kotel). Es ist jedes Jahr ein herrliches Schauspiel wenn mitten im Morgengebet die glutrote Sonne über dem Tempelberg aufgeht. 

Vorab schon einmal: Chag Sameach - einen schönen Feiertag !!!!

Dienstag, Mai 22, 2012

Rosh Chodesh SIVAN - Beginn des jüdischen Monat SIVAN

Photo: Chabad.org
B"H

Heute begann der neue jüdische Monat SIVAN (Rosh Chodesh Sivan).
Jeder neue jüdische Monat steht gleichzeitig auch für einen Neubeginn in unserem Leben. Jeden Monat, ja, sogar täglich, haben wir die Möglichkeit, unser Leben zum Positiven zu verändern. Vor allem der Sivan repräsentiert einen Neubeginn, bekamen wir doch in dem Monat die Thora am Berg Sinai. Die Israeliten erhielten die Thora am Schabbat (Talmud Schabbat 88) und begannen somit ihr Leben völlig neu. 

Das kabbalistische Buch "Sefer Yetzirah" (The Book of Creation) lehrt, dass jeder jüdische Monat einen Buchstaben, ein menschliches Organ, ein Sternzeichen, einen israelitischen Stamm und einen Sinn repräsentiert. 

Der Buchstabe des Sivan ist das Zain ז. Im Hebräischen steht jeder Buchstabe gleichzeitig auch für eine Zahl und Zain steht für die Zahl 7. Im Judentum bedeutet die Sieben immer eine Vollständigkeit. Heißt, etwas ist vollkommen. G - tt erschuf die Welt in sechs Tagen und am siebten Tage ruhte Er. Die Erschaffung war demnach am siebten Tage komplett. Die Sieben des Buchstaben Zain drückt die Vollständigkeit aus, denn die Juden waren 49 Tage nach dem Auszug aus Ägypten würdig, die Thora zu erhalten. Genauso wie der Erschaffungsprozeß komplett war, so waren dies die Juden mit dem Erhalt der Thora. 

Der israelitische Stamm des Sivan ist der Stamm Zevulon. Die Mitglieder Zevulons waren erfolgreiche Geschäftsleute und mit ihrem erwirtschafteten Gewinn versorgten sie den Stamm Yissachar. Zwischen beiden Stämmen bestand diese besondere Verbindung: Yissachar lernt Thora und Zevulon kümmert sich um die Geschäfte und versorgt finanziell Yissachar. 

Auch heute finden wir genügend Beispiele für solch ein Vorgehen. Wenn ein Geschäftsmann nicht viel Zeit zum Thoralernen aufbringen kann, er jedoch Geld an religiöse Lehrinstitute (u.a. Yeshivot) spendet, dann wird ihm das genauso angerechnet als habe er selbst Thora gelernt. 

Das menschliche Organ des Sivan ist der linke Fuß und der Sinn ist das Gehen. Das Gehen drückt Fortschritt und Dynamik aus. Wir bewegen uns in eine andere Richtung fort, nämlich in die der Thora. Das Sternzeichen sind die Zwillinge, die wiederum symbolisch für Moshe und Aharon stehen. 

Der Feiertag des Sivan ist natürlich Schavuot (das Wochenfest). Schavuot begehen wir am 6. Sivan, welcher in diesem Jahr auf den Abend des 26. Mai bzw. Sonntag, den 27. Mai fällt. Am Samstag abend (26. Mai) beginnt Schavuot und nach dem abendlichen Festessen ist es Tradition, die ganze Nacht durchzulernen. Wer sich in Jerusalem befindet, der besucht am frühen Morgen (ca.4 oder 5 Uhr) die Kotel (Klagemauer) zum Morgengebet Schacharit. Tausende Juden werden durchlernen und in Israel, besonders in Jerusalem, werden kostenlose Programme angeboten. 

Wer als Tourist in Israel weilt, der sollte wissen, dass der kommende Sonntag ein Feiertag ist und dementsprechend keine Busse fahren und die Shops dicht sind. Das "normale" Leben beginnt erst wieder am Sonntag abend bzw. Montag ! 

Chodesh Tov - Eine guten, erfolgreichen und gesunden Monat Sivan !!!!

Schavuot ist JETZT

B"H 

Am Samstag abend, gleich nachdem der Schabbat endet, beginnt der jüdische Feiertag SCHAVUOT (das Wochenfest). SCHAVUOT bedeutet übersetzt WOCHEN. Warum Wochen ? 

Mit dem Pessachfest vor fast sieben Wochen begann die Phase der OMER – Zählung, welche an Schavuot ihr Ende erreicht. Am Feiertag sind die sieben Wochen der Zählung komplett. 

Nur nebenbei erwähnt: Im Judentum hat fast alles eine Bedeutung und so auch die Zahl 7. Diese nämlich steht immer für etwas Ganzes, etwas Komplettes. Etwas ist fertig. Voll und ganz erschaffen, wie wir an den Tagen der Welterschaffung sehen und als G – tt am siebten Tage ruhte. Er hatte Sein Werk vollbracht und die Erschaffung war komplett. 

Ebenso steht an Schavuot die sieben (die sieben Wochen zwischen Pessach und Schavuot) für die Vollkommenheit einer Sache. Weiterhin bedeutet SCHAVUOT übersetzt auch EIDE (SCHWÜRE). Die Juden schworen den Eid, ein Leben nach der Thora zu führen. Wer sich mit dem Talmud etwas auskennt, der weiss, dass es einen Traktat gibt, der SCHAVUOT heisst. Dieser handelt nicht vom Feiertag, sondern von unterschiedlichen Eiden im Namen G – ttes. 

Vor mehr als 3300 Jahren erhielten die Juden am Berg Sinai von G – tt die Thora. Dies wird an Schavuot gefeiert, aber der Feiertag ist kein Jahrestag dieses Events. Vielmehr sollten Juden an jedem Schavuot die Thora wieder neu empfangen. Berg Sinai war kein einmaliges Event, sondern ein jeder von uns muss die Thora immer wieder neu für sich akzeptieren. Die Thora sowie der Talmud Traktat Sotah 9 ff. lehren, wie sich die Juden in der Wüste auf die Vergabe der Thora vorbereiteten. Nicht nur körperlich mir besonderer Reinheit, sondern genau so spirituell. 

Die Frage ist: Wie bereiten wir uns in dieser Woche auf das anstehende Schavuot vor ? Ich bin ein paar Tage ins einst kabbalistische Zfat in Nordisrael gefahren. Nicht wegen Schavuot, sondern weil ich gerade Zeit habe, bevor ich wieder mit anderen Dingen ausgebucht bin. Bedeutet die Fahrt nach Zfat und meine Unterkunft in einem relig. Hostel eine perfekte Vorbereitung auf Schavuot ? Nein, denn bisher habe ich noch gar nichts getan in puncto Schavuot. Ab morgen soll alles besser werden ! Jaja, ab morgen. Als ob wir das immer so einhalten. :-)

Andererseits, wie soll denn eine perfekte Vorbereitung aussehen ? Das muss jeder für sich entscheiden. Für mich sind die einmalige Landschaft Galiläas und ein Friedhofsbesuch am Grab des Kabbalisten Yitzchak Luria (1534 - 1572) äußerst positiv. Dazu vielleicht ein paar relig. Vorträge und das Wiedersehen mit Freunden in Zfat. Nur nicht zuviel vornehmen, denn Perfektion gibt es nicht. Wichtig ist, dass sich jeder einmal hinsetzt und sich ein paar Gedanken macht, was die Thora bzw. G – tt für ihn bedeutet. Juden sowie Nichtjuden, wobei Nichtjuden die "Sieben Noachidischen Gesetze" im Auge haben sollten.

Samstag, Mai 12, 2012

Schavuot und danach ...

 
 Photo: Miriam Woelke
B"H 

Am Abend des 26. Mai, gleich nach Schabbatausklang, beginnt SCHAVUOT (das Wochenfest). Der Tag, an dem die Juden am Berg Sinai von G – tt die Thora erhielten. In der Diaspora wird SCHAVUOT gewöhnlich, bis auf einige interne Ausnahmen, wo die Gemeinden anderweitigen Bräuchen folgen, zwei Tage lang gefeiert. In diesem Jahr also am Sonntag, dem 27. Mai und am Montag, dem 28. Mai. In Israel hingegen wird das Fest nur einen Tag lang, nämlich am 27. Mai, gefeiert. 

Meine Zeit in Tel Aviv endet und ich werde zum 1. Juni wieder nach Jerusalem zurückziehen. Warum weiss ich selbst nicht so genau, aber irgendwie hat sich alles so ergeben. Noch dazu, weil ein Freund von mir umzieht und ich ggf. dessen alte Wohnung übernehmen kann. Falls nicht, so suche ich halt etwas anderes. Irgendwas wird sich finden. 

Schavuot verbringe ich in der Hauptstadt und danach die restlichen Maitage in Tel Aviv. Umziehen ist immer nervig. Vor allem dann, wenn es in eine andere Stadt geht. 

Bevor ich in den kommenden Tagen zum Thema SCHAVUOT komme, vorab eine kleine Ankündigung: Ab Juni gibt es auf meinen Blogs wieder viele spezielle Artikel zu unterschiedlichen Themen zu lesen. Technisch habe ich einiges investiert und "aufgerüstet", da ich Interviews plane, die ich auch auf Video aufnehmen und in die Blogs stellen will. Interviews mit ganz unterschiedlichen Personen und nicht nur mit relig. Juden. Zudem werden die Photos höhere Bildqualitäten erreichen. 

Momentan befinde ich mich noch in der Lernphase, denn mit all der Technik umzugehen dauert seine Zeit.:-)

Donnerstag, Juni 16, 2011

Talmud Schabbat 88: G – tt hielt den Berg Sinai über die Juden, Teil 2


The Sleeping Beauty Galaxy
B”H

TEIL 1 siehe HIER !


Obwohl viele talmudische sowie rabbinische Meinungen lauten, G – tt habe die Juden am Berg Sinai sozusagen “gezwungen”, die Thora zu akzeptieren, existieren dennoch ganz andere Meinungen. Wie im Talmud so üblich, denn dort wird bekanntlich alles auseinanderdiskutiert und fast immer kommt es zu keiner definitive Aussage.

Der Kommentator RAN, Rabbi Nissim von Gerona, zum Beispiel, sagt, dass die Juden die Thora annehmen mussten, denn allein das war ihr Ticket ins Gelobte Land. Ohne die Thora hätte G – tt ihnen das Land Israel erst gar nicht gegeben. Sobald die Juden in der ersten Diaspora landeten (nachdem die Babylonier den Ersten Tempel zerstört hatten) dachten sie, dass die Thoragesetze für sie nun nicht mehr gelten, denn sie leben ja im Ausland. Allerdings änderte sich die gesamte Einstellung zur Thora nach dem “Purimwunder”. Im babylonischen Exil verfielen viele Juden den lokalen Götzendienstbräuchen und vergaßen die Thora. Durch Haman und seinem Plan, die Juden auszurotten, kame es jedoch ganz anders und die Juden fanden zu ihrem Ursprung zurück. Als Jahre darauf Ezra die Juden (nicht alle, denn viele von ihnen wollten unbedingt in Babylon bleiben, da sie dort wirtschaftlich angeblich besser dastanden) nach Eretz Israel zurückführte, wurde die Thora kompromisslos angenommen.

Der talmudische Rabbiner Resh Lakish zieht einen Vergleich zwischen den sechs Tagen der Welterschaffung und dem 6. Sivan. Dem Tag, an welchem die Juden die Thora erhielten. Auch der Talmudkommentator Raschi kommt zu der Erkenntnis, dass der sechste Tag der Welterschaffung auf den 6. Sivan hindeutet. Der Talmud Traktat Schabbat 88a lehrt in der Gemara (rabbinische Diskussion), dass DIE ERDE SICH FÜRCHTETE UND SICH DANACH BERUHIGTE, denn die Situation ging positiv zuende. Was ist damit gemeint ?

Raschi kommentiert, dass die Erde sich fürchtete, die Juden könnten die Thora verweigern und damit werde die gesamte Erschaffung von G – tt wieder zerstört. Als die Juden die Thora jedoch am 6. Sivan annahmen, beruhigte sich die Erde wieder, denn alles ging gut aus.

Der Ramban (Nachmanides) kommentiert, dass die Welt so erschaffen worden war, dass die Juden die Thora annehmen. Im gegenteiligen Fall würde die Welt zwangsläufig von G – tt zerstört werden.

Mittwoch, Juni 08, 2011

Talmud Schabbat 88: G – tt hielt den Berg Sinai über die Juden, Teil 1


Thoratext

Photo: Miriam Woelke

B”H

In Israel ist Schavuot, das Wochenfest, heute abend zuende gegangen; in der Diaspora hält es dagegen noch bis morgen abend (Donnerstag) an. 
Wenn wir von Schavuot (übersetzt: Wochen) sprechen, dann bezieht sich fast alles auf die THORA, denn die wurde ja an diesem Tag am Berg Sinai von G – tt an die Juden gegeben. Der Talmud liefert ein paar sehr interessante Insights zur Thora und was am Berg Sinai geschah. Dazu ein kleiner Einblick hier und weitere folgen in den nächsten Tagen.

Der Talmud Traktat Schabbat 88a listet ein paar Teachings auf, die ursprünglich aus der Aggadah stammen. Mitunter geht es dabei um die Aussage, dass als die Juden am Berg Sinai standen, G – tt den Berg anhob und G – tt die Juden mit dem Berg bedeckte. Bedeutet, dass die Juden sich innerhalb des Berges befanden. Dabei sagte G – tt: “Wenn Ihr die Thora annehmt, gut, aber falls nicht, werdet Ihr hier unter dem Berg begraben !”

Wenn wir uns diese Talmudaussage aus der Aggadah anschauen, müssen wir beachten, dass die Aggadah sowohl als auch der Talmud vieles in symbolischer Form wiedergeben. Wörtlich dürfen wir es also nicht nehmen, sondern als metaphorischen betrachten. Viele Aussagen, die recht merkwürdig klingen, hegen die Absicht, uns etwas ganz anderes mitzuteilen und bedienen sich als Mittel zum Zweck der Symbolik.

Wie kann G – tt den Berg Sinai hochheben und diesen einfach über die Juden stellen wie einen Hut ? Und warum wandte G – tt diese Methode an bzw. warum zwang Er die Juden zur Annahme der Thora ? Immerhin hatten die Juden doch schon bekundet, dass sie die Thora haben wollten (siehe Exodus – Sefer Schmot 24:7). 

Teile der Antwort finden wir im Talmud wie in der Kabbalah. Als G – tt zu den Juden sprach, so tat er das zu Beginn öffentlich und jeder Jude vor dem Berg Sinai hörte G – ttes Stimme. Wobei diese Aussage ebenso wieder symbolischer Natur ist und vielmehr bedeutet, dass die Juden die Stimme G – ttes sozusagen in ihrer Seele vernahmen. Die Kabbalah berichtet uns, dass sobald G – tt den ersten Satz aussprach, die Seelen der Juden die Körper verliessen. So einflussreich war das Erlebnis auf die Juden vor dem Berg Sinai. In anderen Worten: Sie schafften es nicht, G – ttes Worte zu vernehmen, da sie einfach nicht dazu in der Lage waren. Ihre Seelen verliessen zeitweilig die Körper und es bestehen Meinungen, dass die Menschen so starben, doc him selben Moment erweckte sie G – tt wieder zum Leben. 

Die Juden hatten zuvor akzeptiert, die Thora anzunehmen. Dann aber unterwarf G – tt sie einer Art Zwang, die Thora anzunehmen. Warum ? Die Tosafot kommentieren dazu, dass die Juden nach dem Schockerlebnis am Berg Sinai (als ihre Seelen die Körper verliessen) sie eventuell ihre Meinung geändert haben könnten.

Die Midrasch kommentiert, dass die Juden bereit waren, die schriftliche Thora zu akzeptieren, doch mit der mündlichen Thora (der heutigen Mischna des Talmud), hatten sie so ihre Probleme. Die Mischna (Gesetze) verlangen ein immenses Studium und wer weiss, wie er was machen soll, der muss sich anstrengen, die entsprechenden Mitzwot zu erfüllen. Ist das nicht alles zu aufwendig ? Der Ramban (Nachmanides) erklärt, dass die Juden bereit waren, die Mitzwot in Israel zu erfüllen, jedoch nicht in der Diaspora, in der sie sich zu dem Zeitpunkt befanden. Später, zu Zeiten Mordechais und Esthers in Babylon, waren die Juden bereit, auch die Thoramitzwot in der Diaspora anzuerkennen und der Talmud Schabbat gibt uns zu verstehen, dass es zur Zeit der Purimereignisse war als die Juden die Thora voll und ganz akzeptierten und annahmen.

Der Maharal von Prag kommentiert, dass wenn die Juden die Thora abgelehnt hätten, die Welt wieder zu ihrer alten Form vor dem Erschaffungsprozess zurückgegangen wäre. Bedeutet: Hätten die Juden zu G – tt gesagt, dass sie keine Thora wollen, wäre die Welt vernichtet worden und zum Zustand des Tohu vor der Welterschaffung zurückgekehrt. Allein die Thora macht die Welt aus und die Juden waren dafür vorgesehen, diese zu akzeptieren und die Thoragesetze zu erfüllen. Wäre das in die Hose gegangen, hätte die Welt ihren Sinn und Zweck verloren und somit zum Zustand des Tohu zurückgekehrt.

Anmerkung: In der jüdischen Kabbalah steht TOHU für die Gedankenwelt G – ttes und nicht für eine materielle Form oder Erschaffung.


Photo: M. Day


Nun muss man sich zwangsläufig die Frage stellen, ob G – tt am Berg Sinai die Juden nicht allzu sehr in ihrem “Freien Willen” beeinflusste, wenn er sie sozusagen zwang, die Thora zu akzeptieren, damit die Welt nicht den Bach hinunter ging. Andererseits hatten die Juden immer noch ihren “Freien Willen”, denn G – tt gab ihnen die Wahl.

______________________________

Teil 2 folgt morgen !

Der Talmudtext aus dem Traktat 88a ist keineswegs einfach zu verstehen noch zu erfassen und wenn Ihr dazu Fragen habt, stellt sie !

Infos zu SCHAVUOT

B"H

FRUMLIFE nennt ein paar weitere Details zu SCHAVUOT (dem WOCHENFEST). In einfachem Englisch verfasst und recht interessant.

Dienstag, Juni 07, 2011

Chag Sameach - Happy Shavuot !


Gesehen in Jerusalem

Photo: Miriam Woelke

B”H

Ursprünglich wollte ich noch viel mehr zum heute abend beginnenden Schavuot schreiben und sammelte gestern unzählige Informationen. Ich las in wer weiss wie vielen Büchern und machte endlose Talmudkopien. Die Zeit lief dann davon und was ich tun werde ist, nach dem Feiertag (ab Mittwoch / Donnerstag) noch weitere Schavuot – Themen anzusprechen.

Bis dahin einen schönen Feiertag, Yom Tov und Chag Sameach !

Montag, Juni 06, 2011

Die innere Bedeutung von Schavuot (Erhalt der Thora)


B"H

Morgen abend (Dienstag) beginnt Schavuot, welches wir in Israel nur einen Tag lang feiern (bis Mittowch Abend). Im Ausland dagegen werden zwei Tage eingehalten.

Wortdefinition: SCHAVUOT bedeutet übersetzt WOCHEN !

Am 6. des jüdischen Monats Sivan erhielten die Israeliten am Berg Sinai von G - tt die Thora. In der Thora werden wir von G - tt mehrere Male darauf hingewiesen, dass sie für alle Ewigkeiten gültig sein und durch nichts anderes ersetzt werden wird. Für G - tt und die Thora existiert keine Zeit (siehe das chassidische Buch "Bnei Yissachar"). Beide sind zeitlos und unabhänging von ihr, im Gegensatz zu uns. Nach dem Vorfall mit Eva und Adam im Paradies (Gan Eden) änderte G - tt den menschlichen DNA und machte uns zeitabhängig und somit sterblich.

Was ist aber heute mit uns, die nicht beim Empfang der Thora am Berg Sinai live dabei waren ? Wie verhalten wir uns an jenem Feiertag ?

Zuerst einmal gibt es im Judentum das Konzept, dass alle jüdischen Seelen, die jemals erschaffen wurden und in Zukunft erschaffen werden, am Berg Sinai anwesend waren. Wir alle haben dort die Thora empfangen, auch die Konvertiten zum Judentum. Bevor die Thora an das jüdische Volk gegeben wurde, fragte G - tt alle anderen Völker, ob sie nicht die Thora haben wollen, doch die Völker lehnten ab, denn lt. Thora ist es verboten zu morden, zu stehlen, die Ehe zu brechen etc. Jene Angewohnheiten wollten die Völker nicht aufgeben (siehe Midrasch). Einzig und allein die Juden (Israeliten) sagten: "Na'aseh ve Nishma - Wir werden tun und hören". Die Juden waren von Anfang an bereit, die Thora einzuhalten ohne die genauen Bedingungen zu kennen (Midrasch).

Der Vilna Gaon kommentiert, dass G - tt nur die Oberhäupter der anderen Völker befragte und diese ablehnten. Innerhalb der Völker gab es dennoch einfache Leute, welche die Thora gerne empfangen haetten. Laut dem Vilna Gaon sind diese Seelen die heutigen Konvertiten zum Judentum.

Wie bereiten wir uns am besten auf Shavuot vor ?

Zuerst einmal sollten wir die Thora verinnerlichen und nicht davon ausgehen, dass es sich um irgendein Buch aus der Antike handelt, welches mir heutzutage nichts mehr zu sagen hat. Rabbi Me'ir Weiner sagte bei einem Schiur (relig. Vortrag), dass jeder einzelne die Thora so sehen muß als ob sie zu ihm spreche. Nur zu ihm selbst. Diese Auffassung macht es uns vielleicht leichter die Bedeutung des Shavuot in unserer Zeit zu verstehen. Jeder sollte sich spirituell auf Schavuot vorbereiten, denn es handelt sich um einen Feiertag, an dem wir sehr hohe spirituelle Level erreichen können. Weiterhin stellt Schavuot einen Chizuk, eine seelische Stärkung, für alle Generationen dar (siehe "Kuntres Dibrot Kodesh" der chassidischen Gruppe Toldot Avraham Yitzchak).

Für alle nachfolgenden Generationen (nach Moshe) besteht auf alle Ewigkeiten die Mitzwa des Thorastudiums (Bnei Yissachar). Im Judentum haben wir unterschiedliche Konzepte darüber, wie wir die Thora lernen. Angefangen vom Peschat, welches ein "oberflächliches" Lernen ohne tiefere Ergründung darstellt. Aber die Thora ist viel mehr als wir aus dem eigentlichen Text herauslesen. Unsere Aufgabe ist die tiefe Ergründung der Thora einschließlich ihrer Halachot (halachische Gesetze).

Während des Morgengebetes (Schacharit) an Schavuot (Montag früh) werden drei zusätzliche Lesungen eingefügt: Die Zehn Gebote, die wir stehend hören, das berühmte Gebet AKDAMOT von Rabbi Meir ben Yitzchak (11. Jahrh.) und die Megillat Ruth, das Buch Ruth.

Bei "Akdamot" handelt es sich um eine liturgische Poesie, die uns von G - ttes Erschaffung der Erde bis hin zur kommenden Welt (Olam HaBah) führt. Die Verse sind alphabetisch geordnet (nach dem hebrä. Alphabet) und geantwortet wird nach dem Satz mit dem Wort TA תא, welches aus den Buchstaben Tav ת und Aleph א besteht. Aleph א ist der erste und das Tav ת der letzte Buchstabe des hebräischen Alphabetes. Das Wort TA תא beinhaltet demnach die gesamte Thora mit all ihren Buchstaben und zeigt uns auf, dass das Thorastudium unendlich ist.

Das Buch Ruth wurde vom Propheten Samuel verfaßt (Talmud Bava Batra 14b sowie der Kommentator Raschi). Warum lesen wir ausgerechnet das Buch Ruth (Megillat Ruth) an Schavuot ?

Ruth war eine Vorfahrin König Davids und dieser wurde an Schavuot geboren und er verstarb an Schavuot. Es heißt, dass nur Zaddikim (Gerechte) an ihrem Geburtstag sterben.

Da wir mit Ruth eine der wichtigsten Konvertitinen zum Judentum haben, ist Schavuot gleichzeitig ein Tag der Konvertiten. Zeit seines Lebens wurde König David von vielen Leuten ausgelacht und verspottet, war er doch ein Nachfahre einer Moabiterin und keiner geborenen Jüdin.

Wir erinnern uns: Die Moabiter und die Ammoniter (heute Jordanien) gehen aus der fatalen Beziehung mit Lot und seinen beiden Töchtern hervor. Vor der Zerstörung Sodom und Gomorrhas flüchtete Lot mit seinen Töchtern, Lot betrank sich und hatte ein Verhältnis mit beiden Töchtern. Jede von ihnen bekam einen Sohn, von denen der eine Ammon und der andere Moav hieß.

Unserer mündlichen Gesetzesüberlieferung (der Mischna im Talmud – mündliche Gesetzesüberlieferung G- ttes an Moshe am Berg Sinai) zufolge, dürfen Juden keine männlichen Nachfahren der Ammoniter bzw. der Moabiter heiraten. Weibliche Nachfahren dagegen sind erlaubt (Talmud Yevamot 76b). Demzufolge gab es für die Juden keinen Grund König David als Bastard zu bezeichnen, denn für seinen Vorfahren Boaz war es gesetzlich in Ordnung, Ruth zu ehelichen. Dennoch litt König David Zeit seines Lebens unter dem Spott "kein richtiger Jude zu sein" und würde er heutzutage zum Rabbanut (Oberrabbinat) gehen, könnte es ihm durchaus passieren, hinausgeschmissen zu werden.

Aber eben aus jeder Beziehung von Ruth der Moabiterin und Boaz sehen wir, dass beide die Vorfahren des Meshiach sind. Hätten wir nicht eher angenommen, dass der Meshiach aus einer perfekten Verbindung kommen sollte ? Vielleicht ist es notwendig, dass auch ein Meshiach einige Leichen im Keller haben sollte, was ihn nur allzu menschlich macht.

Aber nicht nur König David starb an Schavuot, sondern auch der Begründer des Chassidismus, der große Baal Shem Tov. Dieser starb in der Nacht an Schavuot und viele chassidische Gemeinden feiern seine Yahrzeit (Todestag) mit speziellen Events. In der Chassidut überhaupt wird in der Nacht an Schavuot sehr großer Wert auf Tikkunim gelegt, Gebete, mit denen wir unsere Seelen (Neschamot) auf höhere Level bringen.

Weltweit werden Tausende von Juden die Nacht durchlernen. Vor allem in Jerusalem ist es ein beliebter Brauch, von Vortrag zu Vortrag zu gehen. Fast alle Synagogen oder relig. Programme bieten Vorträge aller Art an. Überwiegend mit dem Thema des Empfangs der Thora am Sinai und dessen heutige Bedeutung.

Seitenweise veröffentlichen die Tageszeitungen Listen mit Adressen, bei denen man lernen kann. Die Vorträge sind kostenlos und es werden Erfrischungen gereicht. Morgens gegen 4.00 Uhr machen sich die meisten Jerusalemer auf den Weg zur Klagemauer (Kotel). Es ist jedes Jahr ein herrliches Schauspiel wenn mitten im Morgengebet die glutrote Sonne über dem Tempelberg aufgeht.

Vorab schon einmal: Chag Sameach - einen schönen Feiertag !!!!

Talmud und Midrasch zur "Megillat Ruth - Buch Ruth"

B"H

Morgen abend (Dienstag) beginnt Schavuot; ein biblisches Fest, an welchem die Juden am Berg Sinai die Thora erhielten. Unzählige Fakten kann man über Schavuot berichten. Viel Kabbalistisches, die Midrasch gibt einiges her, die Kommentatoren, die Thora selbst, aber auch der Talmud. An dieser Stelle will ich mich vorerst auf den Talmud beziehen.

Am Mittwoch, dem eigentlichen Schavuot – Tag wird in den Synagogen das "Buch Ruth – Megillat Ruth" gelesen. Warum gerade Ruth ?

Weil sie eine Vorfahrin des König David war (ihr Sohn Oved war Davids Großvater) und dieser an Schavuot geboren wurde und ebenso verstarb. An Schavuot standen alle Israeliten am Berge Sinai und erhielten die Thora. Erst mit dem Erhalt der Thora wurden sie zu einem eigenen Volk und konvertierten mit der Annahme der Gesetze G – ttes zum Judentum. Ab dem Zeitpunkt handelte es sich bei ihnen um das Jüdische Volk.

Auch Ruth, die Moabiterin, konvertierte zum Judentum. Nicht so, wie dies heutzutage der Fall ist; mit Auswahlverfahren und Beit Din (rabbinischem Gericht). Ruth konvertierte einzig und allein durch ihre ehrliche Aussage, dass der G – tt ihrer Schwiegermutter Noami auch der ihre sei. Ohne wenn und aber und mit allen Konsequenzen. Dadurch wird gerade Ruth als die perfekte Konvertitin gesehen. 

Bis heute mag man meinen, dass gerade Schavuot das "Fest der Konvertiten zum Judentum" sei, doch die Realität schaut etwas anders aus. Zwar berichtet die "Jerusalem Post" alljährlich von einigen israelischen Konversionskursen, doch ist das Interesse der Israelis nicht besonders hoch, denn das Konvertitenthema geht mittlerweile den meisten ziemlich auf die Nerven. Und ich will hier nicht wieder neu beginnen, die Skandale aufzulisten. Vielmehr geht es um den Talmud und und die Midrasch sowie dessen Lehren über Ruth, König David und Naomi.

Die "Megillat Ruth" beginnt mit dem Bericht, wie Elimelech, seine Frau Naomi und die Söhne Machlon und Kiliyon die Stadt Bethlehem aufgrund einer verheerenden Hungersnot verliessen und ins Land Moav abwanderten. Im Talmud Traktat Bava Batra 91a wird in der Gemara (rabbinische Diskussionen) die Frage gestellt, wann man Israel verlassen darf, um woanders zu leben. Und wie fast jedesmal im Talmud bekommen wir nur Teilantworten. Eine Meinung lautet, dass wir Israel nur verlassen dürfen, um woanders zu leben, wenn die Preise so drastisch angestiegen sind, dass ein hiesiges Überleben kaum mehr möglich ist. Eine andere Meinung lautet, dann, wenn es nichts mehr zu kaufen gibt. Dennoch, sollte es immer noch Weizen zu kaufen geben, besteht wiederum ein Bleibegrund.

Thora, Talmud sowie die jüdische Halacha legen äußersten Wert darauf, dass ein Jude in Israel lebt. Unter anderem, weil nur hier ein unbeschreiblich hoher Level der Seele (Neshama) erreicht werden kann, denn nur im Lande Israel ist es einem Juden möglich, alle erforderlichen Mitzwot einzuhalten. Viele Thoramitzwot gelten im Ausland nicht und zeigen nur in Israel Wirkung (z.B. Schemittah – das 7. Jahr, in welchem die Landwirtschaft brachliegt). Außerdem werden Gebete in Israel besser und schneller akzeptiert als jene aus der Diaspora, denn hier steigen die Gebete sofort zu G – tt hinauf und gehen nicht erst Umwege wie nach Israel und dann nach Jerusalem und dann zu G – tt. Und der Talmud sowie der erste aschkenazische Oberrabbiner Kook (Kuk) lehren, dass die Luft in Israel weise macht. Was heißt weise ? Hier sind wir einfach zu ganz anderen Leveln fähig, wohin gegen wir im Ausland immer irgendwelchen Blockaden unterliegen.

Der Kommentator Raschbam wirft einen interessanten Punkt ein.
Er nämlich sieht einen Juden, der Israel verläßt als jemanden, der sich bis zu einem gewissen Grad selbst von den Thoramitzwot entfernt, denn er kann ja nicht mehr alle Mitzwot erfüllen. Der Ramban (Nachmanides) hingegen zeigt mehr Verständnis für die "Abwanderer" und sagt, dass es erlaubt ist, Israel zu verlassen, denn man darf sich auf keinen Fall selbst ruinieren.

Die Gemara in Bava Batra fährt fort mit dem Tode der beiden Söhne Machlon und Kiliyon. Hier scheint es als erwiesen, dass Elimelech für seine Abwanderung bestraft wurde, indem seine Söhne verstarben. Und gemäß der Midrasch Rabbah war Elimelech nicht irgendjemand in Bethlehem gewesen, sondern ein angesehener wohlhabender Mann der Provinz. Der Grund, warum er sich entschloß, Israel zu verlassen, war keineswegs der Hunger. Vielmehr wollte er seinen Besitz zusammenhalten. Er befürchtete ganz einfach, dass nun alle Armen zu ihm kommen und herumbetteln. Da wanderte er doch lieber nach Moav ab. Die Midrasch betrachtet dieses Verhalten als den Grund für den frühen Tod seiner Söhne.

Die Midrasch Rabbah fährt fort mit der Beschreibung der Indentität der Schwestern Ruth und Orphah. Beide nämlich waren die Töchter des Moabiterkönigs Eglon, und Eglon wiederum war ein Nachfahre des Balak; jener, der in der Wüste die Israeliten verwünscht haben wollte.

Als Elimelech verstarb, wollte seine Witwe Naomi wieder in die Heimat, nach Bethlehem, zurückkehren. Ihre Schwiegertöchter Ruth und Orphah machten sich mit ihr auf den Weg und unterwegs bat Naomi die beiden wieder nach Moav zurüchzukehren. Orphah ging zurück und Ruth blieb bei Naomi. Es heißt, dass Orphah später einen Sohn mit dem Namen Goliath gebar. Jener Goliath der gegen König David kämpfte und unterlag, war eigentlich ein Verwandter Davids.

Aufgrund ihres Verhaltens verdiente sich Ruth eine Vorfahrin des Meschiach zu sein. Ausgerechnet eine Moabiterin, denn den männlichen Moabitern ist es in alle Ewigkeiten verboten in das Jüdische Volk einzuheiraten. Bei den Moabiterfrauen hingegen ist es erlaubt. Rabbi Mordechai Machlis warf in einem Schiur einmal die Frage auf, warum nicht König Saul (Sha'ul) zum Meschiach wurde. Vielleicht, so der Rabbi, muß selbst der Meschiach einige Leichen im Keller haben und Sha'ul war zu perfekt. Wir lernen also, dass nicht jeder, der so ungemein perfekt ist, auch immer in die erste Wahl kommt. Auch Leute mit einem nicht so tollen Background haben Chancen und das lernen wir von Ruth und David. Beide wurden zu Lebzeiten von den Juden verspottet. So war sie die Moabiterin und er kein richtiger Jude. Richtiger Jude schon, doch nicht laut dem Spott der Mitmenschen.

Es heißt, dass der Meschiach nach seiner Ankunft mit seinem einzigartigen Geruchssinn feststellen wird, wer tatsächlich Jude ist und wer nicht. Viele mögen überrascht sein, die Wahrheit zu erfahren. Manche, die so fest glaubten, so toll und perfekt zu sein, könnten sich am Ende ganz unerwartet woanders wiederfinden. Und nicht immer muß der Meschiach aus einer tollen Familie kommen oder ein großer chassidischer Rebbe sein. Vielleicht sollten wir auch einmal einen Blick auf die kleinen Leute werfen und nicht immer nur auf bekannte Persönlichkeiten. Die unbekannte Moabiterin Ruth hat uns dies gelehrt.

Yahrzeit des Baal Shem Tov

B"H

Das morgen abend beginnende jüdische Feiertag "Schavuot" (Wochenfest) steht nicht nur für die Yahrzeit (Todesgedenktag) des König David, sondern auch der chassidische Meister Baal Shem Tov verstarb an dem Feiertag.

Der Baal Shem Tov verstarb am 6. Sivan (im Jahre 1760 gemäss des weltlichen Kalenders).

Sonntag, Juni 05, 2011

Schavuot Stories

B"H

Schavuot, das Wochenfest, steht vor der Tür. In der Schavuotnacht von Dienstag auf Mittwoch werden Tausende Juden die Nacht durchlernen. Thora, religiöse Vorträge aller Art, alles ist geboten. Der “Tikkun Le’il Schavuot” ist in jüdischen Kreisen sehr populär und selbst säkulere Juden aus Tel Aviv eilen in der Schavuotnacht von Vortrag zu Vortrag. Allgemein ist Schavuot der Tag, an welchem G – tt am Berg Sinai (Har Sinai) den Juden die Thora gab.  

Der Talmud Traktat Schabbat 88 lehrt, dass die Juden damals am Har Sinai die Thora nicht vollständig freiwillig annahmen, sondern eher aus Furcht vor G – tt. Was würde denn geschehen, sagten sie NEIN zu G – tt ? Nein, wie wollen die Thora nicht. Komplett verinnerlicht haben die Juden die Thora erst zu Zeiten als Haman die Ausrottung der Juden plante und Esther und Mordechai alles ins Lot brachten.

Schavuot ist ein freudiger Feiertag und tollen relig. Vorträgen (Schiurim). In Jerusalem ist es Tradition, am Shavuot Morgen bzw. in der Nacht zur Kotel (Klagemauer) zu gehen. Erst durchlernen und dann morgens um 4.00 oder 5.00 Uhr zur Kotel zum Schacharit (Morgengebet).

In früheren Jahren bin ein ein paar Mal wach geblieben, habe durchgelernt und war an der Kotel. Der Nachteil aber war, dass nach dem Morgengebet der Tag gelaufen war. Mit letzter Kraft schleppte ich mich ins Bett, wo ich dann den Rest des Feiertages verbrachte. Seither lerne ich nicht mehr durch, sondern gönne mir Schlaf.


Ein berühmter Schavuot – Brauch ist es, an dem Feiertag Milchspeisen zu verzehren. Seien es nun Käsekuchen, Milch, Joghurts oder Lasagne.

Und wie in jedem Jahr stelle ich mir wieder die Frage, ob ich für Schavuot bereit bin. Das unterschwellige eigene Hinterfragen, ob man denn auch bereit ist, die Thora zu empfangen. An die Antwort denke ich vorerst einmal nicht:-)

Aber Schavuot ruft in mir noch ganz andere Gedanken hervor. Nämlich die Erinnerung an mein schlimmstes Schavuot überhaupt, welches ich einmal im haredischen (ultra – orthodoxen) Stadtteil Kiryat Mattersdorf in Jerusalem verbrachte. 

Es war Schavuot im Jahre 1997 und zu der Zeit lernte ich noch auf einer nationalreligiösen Yeshiva. Allerdings schon mit einem Hang in die haredische Richtung. Einige Schülerinnen eines haredischen Seminars für Neureligiöse (geborene Juden, die erst im späteren Verlauf des Lebens religiös werden) hatten mich für Schavuot eingeladen. Und das in ihr Seminar im Jerusalemer Haredi – Stadtteil von Kiryat Mattersdaorf.

Zuerst wollte ich nicht so recht, denn dort hinzugehen, zu übernachten und den ganzen Schavuottag dort zu verbringen, war mir etwas zuwider. Schliesslich waren die Girls dort voll auf dem Ultratrip und ich war mir nicht sicher, ob ich das durchhalte. Letztendlich ging ich dann doch, denn schlimmstenfalls konnte ich zufuss heimkehren, da mein Seminar nicht allzu weit entfernt lag. 

Ich ging nach Kiryat Matterdorf hinüber und schon auf dem Weg merkte ich, dass ein Virus im Anmarsch war. Ich fühlte mich kotzübel und als ich in der Yeshiva ankam, musste ich mich erst einmal hinlegen. Der Plan aber war, abends zu Familien zum Essen zu gehen. 

Mir war nur noch speiübel und sonst passiert mir so etwas eigentlich nie. AlIe Girls waren total nett und ich lag auf meinem frisch gemachten Bett. Der Gesundheitszustand besserte sich nicht; eher das Gegenteil war der Fall. Fieber und das Gefühl, sich jede Sekunde übergeben zu müssen. All das ruinierte mein Schavuot. 

Dann kam auch noch eine deutsche Frau, welche sich als meine “Mitbewohnerin” des Zimmers im Ultraseminar herausstellte, ins Zimmer. Den Feiertag sollten wir im selben Zimmer nächtigen und das erste, was sie tat war, das Zimmer auf Muktze – Gegenstände zu filzen. 


Unter “Muktze” versteht man Gegenstände, deren Benutzung am Schabbat oder Feiertag verboten ist. Zumindest sollte man sie außer Sichtweite räumen, um keine Gefahr zu laufen, sie unabsichtlich zu benutzen. In die Muktze – Kategorie fallen verschiedene elektronische Geräte oder Kugelschreiber. Die Deutsche erspähte dann auch gleich ein paar Stifte auf einem Tisch und schon ging der Zoff los. Dabei waren es weder meine Stifte, noch hätte ich sie benutzt. 

Mein Feiertag wurde immer schlimmer und ich wäre am liebsten auf die Toilette gezogen, wo ich den Kopf in der Kloschüssel vergrabe. Die Deutsche dagegen verkündete, sie habe eine Familie zum Essen organisiert und da gehen wir heute abend hin. Keine Widerrede, denn wir müssen hier eine Schavuot – Mitzwah erfüllen. 

Ich schleppte mich also zu der Familie und unterwegs erklärte mir die Deutsche Einzelheiten zu den Leuten. Ich kann mich weder an Gesichter noch Namen erinnern. Nur soviel: Die Familie war sehr nett. Litvische Haredim, glaube ich. Mitbekommen habe ich kaum etwas, da ich nur noch darauf achtete, nicht in die Kidduschbecher zu kotzen. Eines jedoch weiss ich noch: Es wurde Lasagne serviert und ich aß ein kleines Stück. Die beste Lasagne, die ich je hatte. Nur schade, dass ich so gut wie gar nichts runterbrachte. Ich glaube, ich schlief am Tisch ein und irgendwann stolperte ich wieder ins mein Bett im Seminar.

Die Deutsche verkündete, wir müssen in der Nacht aufstehen, um früh an die Kotel zu gehen, aber das schaffte ich nicht und schlief durch. Als ich aufwachte, war die Hälfte der Girls schon an der Kotel und die daheimgebliebene Hälfte hockte herum und las eifrig Tehillim (Psalmen). Mir war immer noch übel und ich hatte Fieber. Als ich die Mädels da sitzen sah, reichte es mir und ich wollte nur noch weg. Sie zeigten sich besorgt, ob ich den Heimweg denn alleine schaffe, aber ich wollte um jeden Preis weg. Weg von all den Regeln, der stickigen Atmosphäre, dem guten Benehmen und dem Gruppenzwang. 

Zurück in meinem Yeshiva Wohnheim sah ich anderes. Die Girls redeten unbeschwert und es gab kein “Mach dies, mach das”. Ich ging ins Bett, wachte nach ungefähr einer Stunde auf und war fast geheilt. Das Fieber war heruntergegangen und die Übelkeit war entschwunden. Zwar war ich noch recht schwach, aber das Schlimmste war überstanden. Kaum zu glauben !

Es war das erste Mal als mir auffiel, dass jemand so furchtbar perfekt sein kann und alles super hinbekommt. Das ganze Schabbat – und Feiertagsprogramm rauf und runter einhält und noch darüber hinaus. Manchmal jedoch wünschte ich mir ein wenig mehr Rachmunes (Gnade, Erbarmen, Geduld) mit jenen, die da weniger perfekt erscheinen und nicht gerade dem Idealbild entsprechen. Wir alle besitzen unser individuelles Potential und sollten es nutzen. Mein Potential ist aber nicht das der deutschen Mitbewohnerin im Zimmer, die mich da zur Lasagne schleppte und mein Potential besteht ebenso wenig darin, den gesamten Tag Psalmen zu lesen.

Schavuot kommt

B”H

Am Dienstag abend beginnt Schavuot (das Wochenfest). Die jüdische Welt feiert den Erhalt der Thora von G – tt am Berg Sinai (Har Sinai). 

Von Dienstag abend bis Mittwoch abend feiert Israel Schavuot und die Diaspora hängt noch einen zweiten zusätzlichen Tag (Donnerstag) dran.

Ein traditioneller Schavuot – Brauch ist der Verzehr von Milchprodukten. In Deutschland herrscht ja allgemein Ehec – Gefahr, in Israel hingegen nicht. Ab morgen beginnt der Run auf Milchprodukte aller Art, wobei Käsekuchen und Käse überhaupt die wichtigsten Rollen einnehmen. Es ist anzunehmen, dass, pünktlich zum Feiertag, die Preise für richtig guten Frischkäse direkt vom Händler wieder einmal saftig ansteigen. Jedenfalls vor dem Fest.

Dieser Tage plane ich einige Artikel zum Schavuot. Private Stories wie Chassidisches und wie was gefeiert wird. Insgesamtes ist der Feiertag ein freudiges Ereignis und wer kann, sollte ihn in Jerusalem begehen. Ich kann leider nicht und werde mich in Tel Aviv nach relig. Vorträgen umschauen. Immerhin werde ich am Tag vor Schavuot in Jerusalem sein.

Dienstag, Mai 18, 2010

"CHAG SAMEACH - Happy Schavuot !"




B"H

Die ganze Nacht über werden Tausende Juden ihren Weg zur Klagemauer (Kotel) finden, um dort morgen früh gegen 4.00 oder 5.00 Uhr das Morgengebet Schacharit zu beten. Das Wetter hat sich deutlich verschlechtert, doch der Sonnenaufgang ist an der Klagemauer besonders gut zu beobachten und hat etwas Gigantisches. Gerade richtig zu Schavuot und G - ttes Vergabe der Thora an die Juden.

Müssen sich die Nichtjuden vollkommen ausgeschlossen fühlen, da Schavuot ein ausschlisslich jüdischer Feiertag ist ?

Nein, denn Nichtjuden haben die Sieben Noachidischen Gesetze und Aufgabe der Juden ist es, anhand der Thora die Moral in die Welt zu bringen. Darüber Hinaus die Erkenntnis, dass es EINEN EINZIGEN G - TT gibt, der jegliche Existenz erschuf und diese am Leben erhält.
Ob uns das mit der Moral immer gelingt ? Vielleicht nicht immer, dennoch lernten die Völker moralische Thorawerte, indem Mord oder Ehebruch als Vergehen betrachtet werden und nicht hochgepriesen wie zur Antike.

Wenn ich nichtjüdische Touristen an der Klagemauer sehe, dann fällt mir auf, dass die Mehrheit von ihnen auf einen Startschuss wartet, an welchem die anwesenden Juden zusammen ihren G - ttesdienst beginnen. An der Kotel jedoch ist das nie der Fall, denn jede Gruppe bringt ihre eigene Minyan (10 jüdische Männer) zum Beten mit und die Folge ist, dass wer weiss wie viele Grüppchen ihr Gebet durchziehen. Dies bedeutet nicht, dass es keine Gemeinsamkeit gibt. Ganz im Gegenteil, denn jede Minyan bringt die Welt auf einen höheren Level.

Wie immer habe ich nicht alles zu einem Feiertag / Thema erwähnt, was eigentlich noch zu sagen wäre. Dennoch hoffe ich, dass die Leserschaft einen kleinen Eindruck in den Schavuot - Feiertag bekommen hat.

Traditionell werden Milchprodukte verzehrt. Nicht nur, doch auf den Käsekuchen will letztendlich niemand verzichten.

"Chag Sameach - einen tollen Feiertag an alle !"

Montag, Mai 17, 2010

Schavuot im ultra - orthodoxen Mea Shearim

B"H

Ursprünglich hatte ich für die morgige Schavuot - Nacht geplant zu mindestens zwei relig. Vorträgen zu gehen, doch damit wird es allem Anschein nach nichts werden. Ein Bekannter von mir, ein Rabbiner der chassidischen Gruppe Karlin - Stolin, hat mich zusammen mit einem Freund zum Essen eingeladen und danach ziehen wir gemeinsam zum Tisch des Karliner Rebben in Mea Shearim.

Die Chassidut Karlin, welche sich heute in Stolin und Pinsk aufteilt, mag in Europa weniger bekannt sein. Dabei handelt es sich eigentlich um die älteste chassidische Gruppe überhaupt. Gegründet von Rebbe Aharon dem Großen in Litauen. Karlin (ein Vorort von Pinsk) wurde noch vor Chabad gegründet und ist heute überwiegend in Brooklyn, Bnei Brak und Jerusalem ansässig. Der Rebbe ist in New York geboren, lebt jedoch mit seiner zweiten Frau (er ist der einzige geschiedene Rebbe) außerhalb Jerusalems, in Givat Ze'ev. Dort baute er im Laufe der Zeit einen eigenen Karliner Stadtteil auf. Leider kommt er nur zu bestimmten Tagen nach Jerusalem in seine große Synagoge im Stadtteil Mea Shearim (gegenüber der Chassidut Satmar).

Was die Karliner auszeichnet und wofür sie extrem bekannt sind, ist ihre Art zu beten bzw. den Synagogeng - ttesdienst zu betreiben. Die Gebete werden nur so in Ekstase herausgeschrien. Bei den Frauen weniger, jedoch bei den Männern. Wer sie sieht, der meint der Kleidung nach, absolut konservative, ja, sogar fundamentalistische, Chassidim vor sich zu haben, denn sie tragen am Schabbat die gestreiften Yerushalmi - Kaftane. Wer sie jedoch näher kennen lernt, der wird die Karliner als außerordentlich offen erleben. Nicht wenige Male wurde ich in der Synagoge zu verschiedenen Events eingeladen und einmal sprach ich mit der Rebbitzen und einer ihrer Töchter.

Insgesamt finden in ultra - orthodoxen Stadtteil Mea Shearim (Jerusalem) sowie vielen anderen haredischen Orten mehrere chassidische Tische statt. Zu etwas anderen Zeiten als gewöhnlich und wesentlich kürzer. Unter anderem bei der Chassidut Belz, den Toldot Avraham Yitzchak oder eben in Karlin - Stolin.