Posts mit dem Label Tisha Be'Av werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Tisha Be'Av werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, Juli 26, 2012

Details zum Tisha be’Av


 Jerusalemer Ausblick

Photo: Miriam Woelke
B”H  

Eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Halachot Jerusalem betreffend: 

Da der Fastentag Tisha be’Av gleich an den ausklingenden Schabbat anschliesst, gelten einige spezielle Halachot. Unter anderem, dass die Havdalah mit dem üblichen Wein oder Weintraubensaft sowie dem HaMavdil – Segen erst am Sonntag abend getätigt warden kann. Der Havdalah – Segen über die Kerze sollte jedoch am Samstag abend stattfinden. 

Am Schabbat sollte gegen 20.40 Uhr das letzte Essen vor dem Fasten eingestellt warden. 

Gegen 20.19 Uhr sollte ein Jude den Schabbat von den Wochentagen trennen und sage: BARUCH HA’MAVDIL BEJN KODESCH le’CHOL. 

Der Fastentag endet am Sonntag abend gegen 20.18 Uhr. Danach darf wieder Musik gehöt werden, Wäsche gewaschen oder sich rasiert werden. Der Konsum von Fleisch und Wein dagegen muss noch bis zum Sonntag abend warten !

Der Fastentag TISHA be'AV


B"H

Beginnend an diesem Samstag abend bis hin zum Sonntag abend steht dem Judentum der traurigste Tag des Jahres bevor: der Tisha Be' Av – der 9. des jüdischen Monat Av. An jenem Tag wurden sowohl der Erste als auch später der Zweite Temple zerstört. Juden auf der ganzen Welt sehen diesen Tag als eine einzige Tragödie an, denn der Tag repräsentiert die schlimmsten historischen Ereignisse des Judentums überhaupt. Daher ist dieser Tag, wie Yom Kippur, ein 25 – stündiger Fastentag und es gelten fast die gleichen Halachot (Gesetze) wie am Yom Kippur. Allerdings mit einigen Ausnahmen.

Der Tisha Be' Av und das damit verbundene Fasten beginnen am morgigen Samstag abend (nach Schabbatausklang) und endet am Sonntag abend nach Einbruch der Dunkelheit. Für die genauen Zeiten möge sich bitte jeder an seine Gemeinde wenden bzw. in israel. Tageszeitungen nachschauen. 


Da bei den Tempelzerstörungen unzählige Juden umkamen, besteht für uns die Halacha, dass wir unsere Freude reduzieren, sobald der Tisha Be' Av beginnt (Kitzur Shulchan Aruch – Hilchot Tisha Be' Av). Vor dem Beginn des Fastentages müssen wir bei einem sogenannten Se'udat Mafseket ausreichend essen und vor allem trinken. Dies betrifft insbesondere uns Israelis, denn es herrscht die Hitze des Hochsommers. Wenn möglich, sollte man bei dieser letzten Mahlzeit keine salzigen Speisen zu sich nehmen. Kartoffeln, Gemüse und Obst sind immer gut. Mein persönlicher Tipp ist Wassermelone. Der Schulchan Aruch (Orach Chaim) lehrt, dass es den Minhag (Brauch) gibt, beim Se'udat Mafseket Linsen und Eier zu sich zu nehmen. Beide Speisen sind ein Zeichen der Trauer. Auf Fleisch und Wein sollte ganz verzichtet werden.

Außer der Freude, sollten auch jegliche Bequemlichkeiten vermieden werden. In den Synagogen sitzen wir zum Abend – und Morgeng – ttesdienst nicht auf den Bänken, sondern viele bringen sich einen niedrigen Stuhl oder Hocker mit.

Hier die wichtigsten Halachot (Gesetze) für den Tisha Be' Av zusammengefaßt aus dem Shulchan Aruch ff.:

1. Essen und Trinken ist absolut verboten.

2. Lederschuhe aller Art dürfen nicht getragen werden, da Leder ein Zeichen für Bequemlichkeit ist. Stattdessen sollen Leinenschuhe oder Sportschuhe ohne Leder getragen werden. In Jerusalem laufen viele Leute einfach barfuß.

3. Sex ist verboten.

4. Sich duschen oder sonst irgendwie waschen ist verboten. Es sei denn, man bereitet sich aufs Gebet vor oder kommt von der Toilette.

5. Es ist Brauch, die Nacht auf einer Matratze auf dem Fussboden zu verbringen oder sein Bett einfach umzudrehen.

6. Zum Morgengebet Shacharit legen Männer keine Tefillin, sondern erst zum Nachmittagsgebet Mincha.

7. Das Thorastudium ist am Tisha Be' Av verboten. Stattdessen sollten die Megillath Eicha, das Buch Iyov (Hiob) oder der Talmud Traktat Taanit gelernt werden.

8. Abends und morgens wird in den Synagogen die Megillath Eicha gelesen. Eicha ist die Prophezeihung des Propheten Jeremiah (Yirmeyahu) und beschreibt die Zerstörung des Ersten Tempels und die Zeit danach.

9. Ausserdem werden KINOT gelesen, wobei hier zwischen ashkenasischen und sephardischen Kinot zu unterscheiden ist. In den Kinot sind viele Schicksalsereignisse in der Geschichte des Judentums aufgelistet.

Wer in Jerusalem zur Klagemauer kommt und keine Kinot dabei hat, der kann sie vor den Eingängen für ca. 10 - 20 Shekel erstehen. Allerdings werden dort fast nur sephardische Kinot angeboten, was aber nicht von so grosser Relevanz ist. Hauptsache Kinot. Während dem Lesen der Kinot sitzen die Leute vor der Klagemauer gewöhnlich auf dem Boden.

Überhaupt nimmt Jerusalem am Tisha Be' Av einen besonderen Status ein, denn hier vor der Klagemauer befinden wir uns am Originalschauplatz. Viele Leute stellen sich beim Aufblicken auf den Tempelberg schon den Dritten Tempel vor. Tausende machen sich am Montag Abend auf zur Klagemauer und der gesamte Platz an und um die Kotel ist jedes Jahr vollkommen überfüllt. Nicht wenige bringen Matratzen oder Schlafsäcke mit, denn sie schlafen die ganze Nacht ueber vor der Klagemauer. Der ganze Platz gleicht einem riesigen Campingplatz. Wer keinen Schlafsack dabei hat, der setzt sich auf das Pflaster und liest Kinot. Es sei jedem anzuraten, rechtzeitig zur Kotel zu gehen, denn schnell werden sämtliche Plätze belegt sein.

Ein zweiter Brauch in Jerusalem ist der "Marsch um die Stadtmauer", welcher von der Vereinigung der "Women in Green", einer rechtsorientierten Organisation, organisiert wird. Seit vielen Jahren ist der Marsch Tradition. Nachdem ich im letzten Jahr aussetzte und nicht teilnahm, werde ich an diesem Montag abend dabei sein und Photos machen.






Wie sich sicher jeder vorstellen kann, wird der Marsch streng bewacht; fast alle fünf Meter steht ein Soldat. Es geht hinunter zum Damaskus – Tor hin bis zum Löwentor, wo einige Politiker Reden halten werden. Im Jahre 2001 war Ehud Olmert noch als Bürgermeister dabei und proklamierte ganz gross, dass er Jerusalem niemals abgeben werde. Zu seiner Zeit als Premier erwies sich seine Rede als Schwindel. 
Die Hauptrede wird, wie gewöhnlich, der Knessetabgeordnete der Ichud HaLeumi, Aryeh Eldad, halten. Veranstalterin Nadja Matar ist selbstverständlich auch mit von der Partie. Endziel ist die Klagemauer.

Warum genau wurden beide Tempel zerstört und warum ist das heute noch so wichtig für das Judentum ? Viele der Antworten darauf finden wir im Talmud.

Der Erste Tempel, welcher von König Salomon erbaut und im Jahre 586 vor der Zeitrechnung von den Babylonier zerstört worden war, hatte eine wesentliche wichtigere Bedeutung als der Zweite Tempel. Zu der Zeit waren Wunder allgegenwärtig. Die Bundeslade befand sich noch im Allerheiligsten (Kodesh HaKedoshim) und G – ttes Präsenz (Shechinah) war überall. Es gab Hunderte, wenn nicht sogar Tausende von Propheten und das Feuer vom Altar (Mizbeach) reichte direkt hinauf in den Himmel. Kabbalistisch betrachtet verband diese Wolke die untere mit den spirituellen oberen Welten.

Warum wurde der Erste Tempel zerstört ?Aufgrund von drei Vergehen. Götzendienst, sexuelle Perversionen und Mord (Talmud Yoma 9b). Die Juden vergaßen G – tt, die Thora und die Mitzwot und wandten sich lieber anderen G – ttern zu. Vor allem die Tofet, ein Ort gleich außerhalb der Stadtmauer, erlangte traurige Berühmtheit, denn in der Tofet opferten sie ihre Kinder an fremde G – tter. Einige Kommentare lauten, dass sie die Menschenopferungen an G – tt geopfert haetten, denn fälschlich meinten sie, dass dies so sein müsse.


G – tt duldete dieses Treiben nicht mehr und veranlaßte die Zerstörung des Temples. Doch wie wir aus der Thora wissen, tut G – tt soetwas nie von heute auf morgen, sondern gibt den Menschen Hinweise. Wenn die Menschen die Hinweise wahrnehmen und zu G – tt umkehren (Teshuva machen), aendert G – tt seine Meinung. Falls dies nicht geschieht, nimmt das Schicksal seinen Lauf. Laut dem berühmten Rabbiner Aharon Kotler glaubten die meisten Juden an die Thora, aber sie sahen keinen Sinn in ihr und somit kam das Spirituelle der Thora nicht mehr herüber. Das chassidische Buch Bnei Yissachar sowie der Talmud lehren uns, dass sich die Gesichter der zwei Cherubim (Engel mit Kindergesichtern auf der Bundeslade) ansahen, wenn die Juden G – ttes Willen erfüllten. Sobald sie sich von G – tt abwandten, schauten die beiden Cherubim in gegengesetzte Richtungen. Allein schon diese Tatsache hätte den Juden eine Warnung sein müssen.

Nach der Zerstörung des Ersten Tempels wurden die Juden für 70 Jahre ins babylonische Exil geschickt. Nach Ablauf der 70 Jahre war es ihnen freigestellt, nach Israel zurückzukehren und den Tempel wieder aufzubauen. Die Gemara im Talmud Yoma lehrt uns, dass der Erste Tempel nicht vollkommen zerstört worden war. Mehr oder weniger war fast nur das Dach beschädigt. Ezra etc. bauten den Tempel wieder auf und später wurde er von Herodes erweitert. Im Jahre 70 nach Beginn der Zeitrechnung wurde er von den Römern zerstört.

Gibt es einen Unterschied zwischen dem Ersten und Zweiten Tempel ?

Ja, eindeutig, und das nicht nur architektonischer Art.
Nur 42.360 Juden waren mit Ezra aus dem babylonischen Exil nach Israel heimgekehrt, was die Gemara in Yoma 10a als einen der Gründe ansieht, warum der Zweite Tempel weniger an Keduscha (Heiligkeit) besaß. G – tt war ärgerlich über die im Exil verbliebenen Juden, die sich in Babylon eine Heimat aufgebaut hatten und dort ihr Leben geniessen wollten.

Im Talmud Yoma heißt es, dass es fünf Unterschiede zum Ersten Tempel gab:

1. Es gab keine Bundeslade mehr. Bis heute wurde die Bundeslade nicht gefunden und der Talmud listet unterschiedliche Lokalitäten der Lade auf.

2. Das Feuer vom Altar (Mizbeach) reichte nicht mehr hinauf in den Himmel.

3. Es gab keine Shechinah (G – ttes) Präsenz bzw. sie hatte sich weiter von uns entfernt.

4. Die Zeit der Propheten war vorüber. Stattdessen haben wir bis heute eine sogenannte Bat Kol, welche Raschi als das Echo einer himmlischen Stimme bezeichnet.

5. Auch gab es kein Urim ve Turim mehr. Eine Schriftrolle mit den Namen G – ttes. Diese wurde in das Choshen des Cohen HaGadol (Hohepriester) gesteckt und aufgrunddessen war er in der Lage, Fragen zu beantworten. Er brauchte nur zu sehen, welche Buchstaben auf dem Choshen aufleuchteten und schon hatte er G – ttes Antwort. Der Ramban und die Tosafot vertreten die Meinung, dass es kein Urim ve Turim ohne Ruach HaKodesh (ein bestimmter Level der Prophezeihung) geben kann.
Mir persönlich ist noch der Schamir eingefallen, der nach der Zerstörung des Ersten Tempels verschwand. Mit dem Schamir, einem offenbar kleinen Wurm, der alles zerschnitt, was ihm in den Weg kam, baute König Salomon den Ersten Tempel. Niemand weiß, was genau der Schamir war und im Talmud gibt es verschiedene Meinungen. Ein jüdischer Tempel darf niemals mit Metallwerkzeugen gebaut werden, da diese Waffen repräsentieren. Daher benutzte Koenig Salomon den Schamir, von dem es heißt, dass er nur für diesen Zweck von G – tt erschaffen worden war.

Seit der Zerstörung des Zweiten Tempels warten wir Juden auf die Ankunft des Meschiach, der den Dritten und somit letzten und ewigen Tempel bauen wird. Laut dem Rambam ist der Tempel schon im Himmel gebaut und kommt in der Zeit des Meschiach hinab auf den Tempelberg.

Warum wurde der Zweite Tempel zerstört ?

Die Antwort gibt uns wiederum der Talmud Yoma 9b.
Aufgrund von gegenseitigem Haß ließ G – tt es zu, dass die Tempel zerstört wurde. Die Juden hielten zwar die Thora ein, doch beneideten sie sich gegenseitig und jeder wollte besser sein als der andere. Rabbi Yonatan Eibeschütz ist der Meinung, dass der Bruch innerhalb der Gesellschaft auf den Bruch zwischen den Thoragelehrten und den nichtreligiösen Juden zurückzuführen ist. Viele einfache Leute waren neidisch auf die Gelehrten. Später bildeten sich die Sadduzäer (Zadukim), welche die mündliche Überlieferung (die Mishna im Talmud) und die Authorität der Rabbiner nicht anerkannten. Ein Trugschluß, denn wer die Thora verstehen und einhalten will, der kann auf G – ttes mündliche Überlieferung an Moshe (die Mishna) nicht verzichten. Erst durch sie erfahren wir, wie wir genau die Gesetze einhalten und ausführen.

40 Jahre vor der Zerstörung des Zweiten Tempels gab G – tt die ersten Zeichen, welche die Juden nicht sehen wollten und ignorierten (Talmud Yoma 39b). u.a. öffneten sich die Tore zum Innenhof (Heichal) von allein, was andeutete, dass der Feind leichten Einlaß haben wird (Rashi). Nach dem Tode des großen Cohen HaGadol (Hohepriesters) Schimon HaZaddik gab es keinerlei Wunder mehr (Maharsha). Auch löschte die Tempelmenorah von allein ihre Kerzen. Umkehren zu G – tt taten die Juden nicht und so nahm das Schicksal seinen Lauf. Ein Schicksal, unter dem wir noch heute leiden. Hoffen wir, dass der Meschiach bald kommen wird und den Dritten Tempel baut.

Zum Schluß noch ein paar aufmunternde Worte vom ersten Oberrabbiner Israels, Rabbi Avraham Yitzchak HaCohen Kook (Kuk). Er schrieb, dass die Hoffnung auf die Ge'ulah (Erlösung) das Volk Israel auch in der Disapora am Leben erhält. Eine Funke G – ttes befindet sich in jedem Juden, und dieser Funke geht mit uns in die Diaspora. Der Funke in der Seele erinnert uns immer an Israel und wirkt wie in Magnet darauf. In den USA gedenkt man am Tisha Be' Av gleichzeitig auch dem Holocaust. Der Holocaust ist ein weiteres jüdisches Desaster in unserer jüngsten Geschichte. In Israel kommen ab und an Diskussionen auf, ob der Tisha Be' Av nicht auch hier der offizielle Holocaust – Gedenktag werden soll.


Wie ich zuvor schon einige Male erwähnte, sollten wir trotz allem unseren Blick in die Zukunft lenken und hoffen, dass die Ge'ulah bald eintreffen wird.

In Israel sind am Tisha Be' Av viele Geschäfte geöffnet und Leuten arbeiten. Allerdings gilt, dass Leute, die arbeiten, ihr Geld spenden sollen. Man sollte keinen Nutzen von dem erwirtschafteten Geld an dem Tage haben. Die Busse fahren ganz normal und grundsätzlich gelten nicht die Regeln wie am Schabbat. Außer den o.g. Halachot.

Ich wünsche allen vorab ein leichtes Fasten – Zom Kal !!!

Kamtza & Bar Kamtza

B"H

Am Samstag abend, dem 28. Juli 2011, beginnt der Tisha Be' Av (9. des Monats Av), der Tag beider Tempelzerstörungen. Wie in jedem Jahr stelle ich die nachfolgende talmudische Lehre aus dem Traktat Gittin 55b - 56a in den Blog.

Es handelt sich dabei um die berühmte Gemara, in der von zwei Personen die Rede ist: von Kamtza und von Bar Kamtza. Die Gemara in Gittin 55b sieht das Geschehen und vor allem den tragischen Ausgang als einen der Gründe, warum der Zweite Tempel zerstört wurde.



Es war einmal ein Mann, der hatte einen Freund namens Kamtza und einen Feind namens Bar Kamtza. Eines Tages entschloß sich der Mann, zu einem großen Bankett einzuladen und schickte einen Bediensteten aus, um Einladungen zu verteilen. Er sagte zum Bediensteten, dass er zu Kamtza gehen und ihn einladen solle. Doch der Bedienstete ging aus Versehen zu Bar Kamtza (dem Feind). 


Pünktlich zum Bankett traf Bar Kamtza ein und setzte sich an einen der Tische. Den Hausherrn traf fast der Schlag als er seinen Feind dort sitzen sah. Er ging auf Bar Kamtza zu und sagte ihm, dass er gefälligst verschwinden soll. Bar Kamtza jedoch fürchtete die Scham vor allen Leuten hinausgeworfen zu werden und sagte zu dem Mann, dass er bleiben und die Rechnung für sein Essen und Trinken selbst bezahlen wolle. Der Hausherr ließ sich jedoch nicht umstimmen. Bar Kamtza bot ihm an, für das gesamte Bankett zu zahlen, wenn er bleiben könne, doch der Hausherr war so wütend, dass er ihn ergriff und eigenhändig hinauswarf. Vor den Augen aller.  

Draußen sagte Bar Kamtza zu sich selbst, dass alle dort sitzenden Rabbis den Rausschmiß widerstandslos hingenommen hatten. Niemand von ihnen hatte eingegriffen und so kam Bar Kamtza zu dem Schluß, dass die Rabbis seinen Rausschmiß als selbstverständlich ansahen. Aus Rache ging Bar Kamtza zum Palast des römischen Stadthalter (es ist unklar, ob es der römische Kaiser oder ein Stadthalter war) und sagte ihm, dass die Juden gegen Rom rebellieren. Zum Beweis dafür schlug Bar Kamtza dem römischen Stadthalter vor, dass er ein Tier zur Opferung in den Tempel schicken solle und er werde ja sehen, ob die Juden es zur Opferung annehmen oder nicht. Der Stadthalter sandte ein Kalb, welches Bar Kamtza überbringen sollte. Doch auf dem Weg verletzte Bar Kamtza die obere Lippe des Kalbes oder entsprechend anderer Meinungen rief er einen Defekt im Auge des Tieres hervor. Aufgrund dieser körperlichen Schäden konnte das Kalb nicht geopfert werden, da nur einwandfreie Tiere dafür bestimmt sind. Zuerst zogen die Rabbi tatsächlich in Erwägung, dass nicht einwandfreie Tier zu opfern, um keinen Streit mit den Römern hervorzurufen. Letztendlich wurde beschlossen, das Tier nicht zu opfern. 

Der talmudische Kommentator Maharsha sagt dazu, dass der Stadthalter vielleicht nachgegeben hätte, wenn die Rabbis sein Kalb dennoch geopfert hätten. Als sein Opfer verweigert worden war, entschloß er sich zur Tempelzerstörung.Der Maharam Shif kommentiert, dass G - tt die Tempelzerstörung schon beschlossen hatte und der Vorfall mit Bar Kamtza nur noch der Auslöser war. Der Maharsha sieht die Schuld bei Bar Kamtza, da es verboten ist, durch Haß Zerstörung hervorzurufen. Nicht jeder, der ungerecht behandelt worden ist, sollte mit der Keule um sich schwingen und auf Rache sinnen.


Die Zerstörung des Zweiten Tempels durch die Römer (70 nach Beginn der Zeitrechnung)

Wir finden in dieser Gemara drei Menschen, die nur aus Hass handeln und dabei zerstörerisch vorgehen. Zuerst der Mann, der Bar Kamtza hinauswarf. Die nichtreagierenden Rabbis werden vom Maharsha als zu machtlos gegenüber dem mächtigen Gastgeber gesehen. Bar Kamtza wurde daraufhin so vom Haß befallen, sodass er wild drauflos rannte und die Folgen nicht mehr abschätzen konnte. Er verstieß gegen jegliche talmudischen Gesetze. Erstens rannte er zu den römischen Besatzerbehörden und hetzte gegen seine jüdischen Brüder, was ihm schon allein hätte das Todesurteil einbringen können (siehe Talmud Sanhedrin 73a), und zweitens machte er mit Absicht das Kalb für eine Opferung unbrauchbar, was verboten ist (Talmud Bechorot 33b). 

Wie ich schon mehrmals erwähnte haben wir im Judentum das Konzept des "Freien Willens". Jeder Mensch entscheidet selbst über seine Handlungen und muß hinterher die Konsequenzen tragen. Wie ich ebenso schon einige Male erwähnte, sieht der Ishbitzer Rebbe (Rabbi Mordechai Yosef Leiner) den "Freien Willen" als eine einzige Illusion an. Es gebe ihn nicht und all unser Tun ist von G - tt vorbestimmt. Wir haben darauf keinen Einfluß. Laut dem Talmud besitzen wir den "Freien Willen", doch nur insoweit, dass es in unserer Hand liegt, ob wir g - ttesfürchtige Menschen werden oder nicht. 

Man könnte meinen, dass die Handlungen der hier involvierten Personen die Tempelzerstörung ausgelöst haben. Andererseits stimme ich mit dem Maharam Shif überein, der sagt, dass die Zerstörung schon längst von G - tt beschlossen war. Wie also hätten die Agitatoren anders reagieren können und trifft sie überhaupt eine Schuld ? 

Wir Menschen haben immer wieder die Kraft, bestimmte G - ttesurteile zum Guten zu ändern. In der Chassidut wird der Zaddik (der Gerechte) als derjenige betrachtet, der zu solchen Dingen fähig ist. Mit Gebet und Teshuva (Umkehr) können wir Welten versetzen. Die Antwort könnte lauten, dass wenn die hier aufgeführten Personen anders gehandelt haetten und wenn die Juden überhaupt auf die Warnungen der Propheten gehört und sich zur Umkehr aufgerafft hätten, die Tempelzerstörung vielleicht vermeidbar gewesen wäre. Vielleicht aber war es auch unvermeidbar, denn laut unserer jüd. Tradition kommt der Meschiach und baut den Dritten Tempel, und somit kann es auf Dauer keinen Zweiten Tempel geben. 

Heutzutage sollen wir aus dem Fehlverhalten lernen, aber gleichzeitig unseren Blick in die Zukunft auf den Dritten Tempel richten.


Besuch auf dem Tempelberg

Montag, Juli 23, 2012

Wird die MEGILLATH EICHA auch dann noch gelernt / gelesen, wenn der Meschiach eingetroffen ist ?

B"H

Wird die MEGILLATH EICHA auch dann noch gelernt / gelesen, wenn der Meschiach eingetroffen ist ?

Eine interessante Frage. Die meisten von uns sind insgeheim der Meinung, dass mit dem Kommen des Meschiach die Thora wie gewohnt weiter existiert. Und das bis in alle Ewigkeit. Der Yom Kippur aber wird kein Fastentag und Tag der Umkehr mehr sein, denn mit dem Meschiach wird kein Mensch auf der Welt je wieder gegen G – tt laufen, geschweige den rebellieren. Daher besteht überhaupt kein Grund mehr zur Umkehr, denn es sind ja bereits alle umgekehrt. Juden wie Nichtjuden gleichermassen.

Und ja, auch nach dem Eintreffen des Meschiach wird es weiterhin Juden und Nichtjuden geben. Was es nicht mehr geben wird sind diverse Götzendienereien wie den Buddhismus, die Krishnas und selbst das Christentum wird dann der Vergangenheit angehören. Mit der Ankunft des Meschiach wird sich die Welt dem EINEN G – tt zuwenden und man kann noch nicht einmal etwas dagegen unternehmen.

Aber zurück zum Ausgangspunkt:

Wird in der Zeit des Meschiach nach wie vor das Buch Eicha gelesen, welches da von der Zerstörung des Ersten Tempels berichtet ? Wozu noch daran erinnern ?

Die Antwort, die ich fand, lautet eindeutig JA. Die Megillath Eicha wird auch nach der Ankunft des Meschiach noch gelernt. Eben weil sie ein fester Bestandteil des TANACH (Thora, Propeten und Schriften) ist. Nichts aus dem Tanach darf entfernt, umgeschrieben oder hinzugefügt werden. 

Ferner lernen wir in der Zeit gerade anhand von Eicha, was es bedeutet, in der tollen Zeit des Meschiach zu leben und keine Tempelzerstörungen mehr erleiden zu müssen. Ansonsten würden wir unter Meschiach nur allzu schnell die Anerkennung der Zeitperiode, in der die Menschen dann leben, beginnen zu ignorieren. Man gewöhnt sich halt an eine neue tolle Zeit, ohne groß darüber nachzudenken, welcher Ehre man eigentlich unterliegt. Ähnlich den heutigen Juden in Jerusalem, die da alles haben. Koscheres Essen, jüdisches Leben pur, jüdische Buchläden an jeder Ecke und sogar die Kotel (Klagemauer). Anstatt uns diese Ehre jeden Tag bewusst zu machen, driften wir im Alltag in die Gleichgültigkeit ab.

Traditionelle Tisha be’Av – Demo um die Jerusalemer Altstadt

B"H

Auch in diesem Jahr veranstalten die WOMEN IN GREEN erneut den traditionellen Marsch um die Jerusalemer Altstadt.

Wann ? Wie immer am Erev Tisha be’Av.


Hier ist das Poster in Großformat:

 http://www.womeningreen.org/9bAv2012.php



Allgemein sind die WOMEN IN GREEN eine zionistische Gruppe. Gegen die Vernichtung israelischer Siedlungen, für eine jüdische Hohheit des Tempelberges und sonstige jüdische Politik. In Deutschland wird man die Gruppe eher wieder einmal als "rechtsgerichtet" einstufen. Als rechte Krawallmacher, doch die Wirklichkeit, schaut etwas anders aus. 

Obwohl sich Oberhaupt Nadja Matar für vieles einsetzt, erinnert sie mich oft an eine beabsichtigte ONE WOMAN SHOW. Den Marsch am Tisha be’Av mache ich immer gerne mit, denn ansonsten ist es Juden kaum möglich, durch bestimmte Teile Ostjerusalems zu laufen. Palästinenser bewegen sich in allen Teilen Jerusalems frei, Juden hingegen dürfen sich in vielen palästinensischen Teilen der Stadt nicht blicken lassen. Ansonsten kann einem schnell einmal die Kehle durchgeschnitten werden und das Ausland behauptet dann wieder, dass die Juden daran auch noch selber schuld sind.

Mittwoch, August 10, 2011

Die Belzer Chassidim nach Tisha be'Av

B"H

Die Belzer Chassidim (Jerusalem) und ihr Tisch des Rebben nachdem der Fastentag Tisha be’Av gestern abend vorüber war. Es heisst, dass Rebbe Yissachar Dov Rokeach bei seinem Tisch der Chassidim in der großen Belzer Synagoge zu Jerusalem in Tränen ausbrach.


Die Belzer an der Kotel (Klagemauer) nach Ende des Tisha be'Av.




Der Belzer Tisch nach Tisha be'Av



Alle Photos HIER !

Dienstag, August 09, 2011

Die Trauer am TISHA be'AV in Jerusalem


Alle Photos HIER !

Rauchen am Tisha be’Av

B”H

Ist das Rauchen am heutigen Trauer – und Fastentag TISHA be’AV gestattet ?

Allgemein ist es verboten, obwohl einige Rabbiner es erlauben. Die Mehrheit der Halachaexperten (Poskim) lehnt jedoch das Rauchen am Tisha be’Av ab.

Montag, August 08, 2011

Tisha be'Av - Der Fastentag 9. Av


B"H

Beginnend an diesem Montag abend bis hin zum Dienstag abend steht dem Judentum der traurigste Tag des Jahres bevor: der Tisha Be' Av – der 9. des jüdischen Monat Av. An jenem Tag wurden sowohl der Erste als auch später der Zweite Temple zerstört. Juden auf der ganzen Welt sehen diesen Tag als eine einzige Tragödie an, denn der Tag repräsentiert die schlimmsten historischen Ereignisse des Judentums überhaupt. Daher ist dieser Tag, wie Yom Kippur, ein 25 – stündiger Fastentag und es gelten fast die gleichen Halachot (Gesetze) wie am Yom Kippur. Allerdings mit einigen Ausnahmen.

Der Tisha Be' Av und das damit verbundene Fasten beginnen am heutigen Montag abend und endet am morgigen Dienstag abend nach Einbruch der Dunkelheit. Für die genauen Zeiten möge sich bitte jeder an seine Gemeinde wenden bzw. in israel. Tageszeitungen nachschauen. 


Da bei den Tempelzerstörungen unzählige Juden umkamen, besteht für uns die Halacha, dass wir unsere Freude reduzieren, sobald der Tisha Be' Av beginnt (Kitzur Shulchan Aruch – Hilchot Tisha Be' Av). Vor dem Beginn des Fastentages müssen wir bei einem sogenannten Se'udat Mafseket ausreichend essen und vor allem trinken. Dies betrifft insbesondere uns Israelis, denn es herrscht die Hitze des Hochsommers. Wenn möglich, sollte man bei dieser letzten Mahlzeit keine salzigen Speisen zu sich nehmen. Kartoffeln, Gemüse und Obst sind immer gut. Mein persönlicher Tipp ist Wassermelone. Der Schulchan Aruch (Orach Chaim) lehrt, dass es den Minhag (Brauch) gibt, beim Se'udat Mafseket Linsen und Eier zu sich zu nehmen. Beide Speisen sind ein Zeichen der Trauer. Auf Fleisch und Wein sollte ganz verzichtet werden.

Außer der Freude, sollten auch jegliche Bequemlichkeiten vermieden werden. In den Synagogen sitzen wir zum Abend – und Morgeng – ttesdienst nicht auf den Bänken, sondern viele bringen sich einen niedrigen Stuhl oder Hocker mit.

Hier die wichtigsten Halachot (Gesetze) für den Tisha Be' Av zusammengefaßt aus dem Shulchan Aruch ff.:

1. Essen und Trinken ist absolut verboten.

2. Lederschuhe aller Art dürfen nicht getragen werden, da Leder ein Zeichen für Bequemlichkeit ist. Stattdessen sollen Leinenschuhe oder Sportschuhe ohne Leder getragen werden. In Jerusalem laufen viele Leute einfach barfuß.

3. Sex ist verboten.

4. Sich duschen oder sonst irgendwie waschen ist verboten. Es sei denn, man bereitet sich aufs Gebet vor oder kommt von der Toilette.

5. Es ist Brauch, die Nacht auf einer Matratze auf dem Fussboden zu verbringen oder sein Bett einfach umzudrehen.

6. Zum Morgengebet Shacharit legen Männer keine Tefillin, sondern erst zum Nachmittagsgebet Mincha.

7. Das Thorastudium ist am Tisha Be' Av verboten. Stattdessen sollten die Megillath Eicha, das Buch Iyov (Hiob) oder der Talmud Traktat Taanit gelernt werden.

8. Abends und morgens wird in den Synagogen die Megillath Eicha gelesen. Eicha ist die Prophezeihung des Propheten Jeremiah (Yirmeyahu) und beschreibt die Zerstörung des Ersten Tempels und die Zeit danach.

9. Ausserdem werden KINOT gelesen, wobei hier zwischen ashkenasischen und sephardischen Kinot zu unterscheiden ist. In den Kinot sind viele Schicksalsereignisse in der Geschichte des Judentums aufgelistet.

Wer in Jerusalem zur Klagemauer kommt und keine Kinot dabei hat, der kann sie vor den Eingängen für ca. 10 - 20 Shekel erstehen. Allerdings werden dort fast nur sephardische Kinot angeboten, was aber nicht von so grosser Relevanz ist. Hauptsache Kinot. Während dem Lesen der Kinot sitzen die Leute vor der Klagemauer gewöhnlich auf dem Boden.

Überhaupt nimmt Jerusalem am Tisha Be' Av einen besonderen Status ein, denn hier vor der Klagemauer befinden wir uns am Originalschauplatz. Viele Leute stellen sich beim Aufblicken auf den Tempelberg schon den Dritten Tempel vor. Tausende machen sich am Montag Abend auf zur Klagemauer und der gesamte Platz an und um die Kotel ist jedes Jahr vollkommen überfüllt. Nicht wenige bringen Matratzen oder Schlafsäcke mit, denn sie schlafen die ganze Nacht ueber vor der Klagemauer. Der ganze Platz gleicht einem riesigen Campingplatz. Wer keinen Schlafsack dabei hat, der setzt sich auf das Pflaster und liest Kinot. Es sei jedem anzuraten, rechtzeitig zur Kotel zu gehen, denn schnell werden sämtliche Plätze belegt sein.

Ein zweiter Brauch in Jerusalem ist der "Marsch um die Stadtmauer", welcher von der Vereinigung der "Women in Green", einer rechtsorientierten Organisation, organisiert wird. Seit vielen Jahren ist der Marsch Tradition. Nachdem ich im letzten Jahr aussetzte und nicht teilnahm, werde ich an diesem Montag abend dabei sein und Photos machen.





Wie sich sicher jeder vorstellen kann, wird der Marsch streng bewacht; fast alle fünf Meter steht ein Soldat. Es geht hinunter zum Damaskus – Tor hin bis zum Löwentor, wo einige Politiker Reden halten werden. Im Jahre 2001 war Ehud Olmert noch als Bürgermeister dabei und proklamierte ganz gross, dass er Jerusalem niemals abgeben werde. Zu seiner Zeit als Premier erwies sich seine Rede als Schwindel. 
Die Hauptrede wird, wie gewöhnlich, der Knessetabgeordnete der Ichud HaLeumi, Aryeh Eldad, halten. Veranstalterin Nadja Matar ist selbstverständlich auch mit von der Partie. Endziel ist die Klagemauer.

Warum genau wurden beide Tempel zerstört und warum ist das heute noch so wichtig für das Judentum ?
Viele der Antworten darauf finden wir im Talmud.

Der Erste Tempel, welcher von König Salomon erbaut und im Jahre 586 vor der Zeitrechnung von den Babylonier zerstört worden war, hatte eine wesentliche wichtigere Bedeutung als der Zweite Tempel. Zu der Zeit waren Wunder allgegenwärtig. Die Bundeslade befand sich noch im Allerheiligsten (Kodesh HaKedoshim) und G – ttes Präsenz (Shechinah) war überall. Es gab Hunderte, wenn nicht sogar Tausende von Propheten und das Feuer vom Altar (Mizbeach) reichte direkt hinauf in den Himmel. Kabbalistisch betrachtet verband diese Wolke die untere mit den spirituellen oberen Welten.

Warum wurde der Erste Tempel zerstört ?Aufgrund von drei Vergehen. Götzendienst, sexuelle Perversionen und Mord (Talmud Yoma 9b). Die Juden vergaßen G – tt, die Thora und die Mitzwot und wandten sich lieber anderen G – ttern zu. Vor allem die Tofet, ein Ort gleich außerhalb der Stadtmauer, erlangte traurige Berühmtheit, denn in der Tofet opferten sie ihre Kinder an fremde G – tter. Einige Kommentare lauten, dass sie die Menschenopferungen an G – tt geopfert haetten, denn fälschlich meinten sie, dass dies so sein müsse.


G – tt duldete dieses Treiben nicht mehr und veranlaßte die Zerstörung des Temples. Doch wie wir aus der Thora wissen, tut G – tt soetwas nie von heute auf morgen, sondern gibt den Menschen Hinweise. Wenn die Menschen die Hinweise wahrnehmen und zu G – tt umkehren (Teshuva machen), aendert G – tt seine Meinung. Falls dies nicht geschieht, nimmt das Schicksal seinen Lauf. Laut dem berühmten Rabbiner Aharon Kotler glaubten die meisten Juden an die Thora, aber sie sahen keinen Sinn in ihr und somit kam das Spirituelle der Thora nicht mehr herüber. Das chassidische Buch Bnei Yissachar sowie der Talmud lehren uns, dass sich die Gesichter der zwei Cherubim (Engel mit Kindergesichtern auf der Bundeslade) ansahen, wenn die Juden G – ttes Willen erfüllten. Sobald sie sich von G – tt abwandten, schauten die beiden Cherubim in gegengesetzte Richtungen. Allein schon diese Tatsache hätte den Juden eine Warnung sein müssen.

Nach der Zerstörung des Ersten Tempels wurden die Juden für 70 Jahre ins babylonische Exil geschickt. Nach Ablauf der 70 Jahre war es ihnen freigestellt, nach Israel zurückzukehren und den Tempel wieder aufzubauen. Die Gemara im Talmud Yoma lehrt uns, dass der Erste Tempel nicht vollkommen zerstört worden war. Mehr oder weniger war fast nur das Dach beschädigt. Ezra etc. bauten den Tempel wieder auf und später wurde er von Herodes erweitert. Im Jahre 70 nach Beginn der Zeitrechnung wurde er von den Römern zerstört.

Gibt es einen Unterschied zwischen dem Ersten und Zweiten Tempel ?

Ja, eindeutig, und das nicht nur architektonischer Art.
Nur 42.360 Juden waren mit Ezra aus dem babylonischen Exil nach Israel heimgekehrt, was die Gemara in Yoma 10a als einen der Gründe ansieht, warum der Zweite Tempel weniger an Keduscha (Heiligkeit) besaß. G – tt war ärgerlich über die im Exil verbliebenen Juden, die sich in Babylon eine Heimat aufgebaut hatten und dort ihr Leben geniessen wollten.

Im Talmud Yoma heißt es, dass es fünf Unterschiede zum Ersten Tempel gab:

1. Es gab keine Bundeslade mehr. Bis heute wurde die Bundeslade nicht gefunden und der Talmud listet unterschiedliche Lokalitäten der Lade auf.

2. Das Feuer vom Altar (Mizbeach) reichte nicht mehr hinauf in den Himmel.

3. Es gab keine Shechinah (G – ttes) Präsenz bzw. sie hatte sich weiter von uns entfernt.

4. Die Zeit der Propheten war vorüber. Stattdessen haben wir bis heute eine sogenannte Bat Kol, welche Raschi als das Echo einer himmlischen Stimme bezeichnet.

5. Auch gab es kein Urim ve Turim mehr. Eine Schriftrolle mit den Namen G – ttes. Diese wurde in das Choshen des Cohen HaGadol (Hohepriester) gesteckt und aufgrunddessen war er in der Lage, Fragen zu beantworten. Er brauchte nur zu sehen, welche Buchstaben auf dem Choshen aufleuchteten und schon hatte er G – ttes Antwort. Der Ramban und die Tosafot vertreten die Meinung, dass es kein Urim ve Turim ohne Ruach HaKodesh (ein bestimmter Level der Prophezeihung) geben kann.
Mir persönlich ist noch der Schamir eingefallen, der nach der Zerstörung des Ersten Tempels verschwand. Mit dem Schamir, einem offenbar kleinen Wurm, der alles zerschnitt, was ihm in den Weg kam, baute König Salomon den Ersten Tempel. Niemand weiß, was genau der Schamir war und im Talmud gibt es verschiedene Meinungen. Ein jüdischer Tempel darf niemals mit Metallwerkzeugen gebaut werden, da diese Waffen repräsentieren. Daher benutzte Koenig Salomon den Schamir, von dem es heißt, dass er nur für diesen Zweck von G – tt erschaffen worden war.

Seit der Zerstörung des Zweiten Tempels warten wir Juden auf die Ankunft des Meschiach, der den Dritten und somit letzten und ewigen Tempel bauen wird. Laut dem Rambam ist der Tempel schon im Himmel gebaut und kommt in der Zeit des Meschiach hinab auf den Tempelberg.

Warum wurde der Zweite Tempel zerstört ?

Die Antwort gibt uns wiederum der Talmud Yoma 9b.
Aufgrund von gegenseitigem Haß ließ G – tt es zu, dass die Tempel zerstört wurde. Die Juden hielten zwar die Thora ein, doch beneideten sie sich gegenseitig und jeder wollte besser sein als der andere. Rabbi Yonatan Eibeschütz ist der Meinung, dass der Bruch innerhalb der Gesellschaft auf den Bruch zwischen den Thoragelehrten und den nichtreligiösen Juden zurückzuführen ist. Viele einfache Leute waren neidisch auf die Gelehrten. Später bildeten sich die Sadduzäer (Zadukim), welche die mündliche Überlieferung (die Mishna im Talmud) und die Authorität der Rabbiner nicht anerkannten. Ein Trugschluß, denn wer die Thora verstehen und einhalten will, der kann auf G – ttes mündliche Überlieferung an Moshe (die Mishna) nicht verzichten. Erst durch sie erfahren wir, wie wir genau die Gesetze einhalten und ausführen.

40 Jahre vor der Zerstörung des Zweiten Tempels gab G – tt die ersten Zeichen, welche die Juden nicht sehen wollten und ignorierten (Talmud Yoma 39b). u.a. öffneten sich die Tore zum Innenhof (Heichal) von allein, was andeutete, dass der Feind leichten Einlaß haben wird (Rashi). Nach dem Tode des großen Cohen HaGadol (Hohepriesters) Schimon HaZaddik gab es keinerlei Wunder mehr (Maharsha). Auch löschte die Tempelmenorah von allein ihre Kerzen. Umkehren zu G – tt taten die Juden nicht und so nahm das Schicksal seinen Lauf. Ein Schicksal, unter dem wir noch heute leiden. Hoffen wir, dass der Meschiach bald kommen wird und den Dritten Tempel baut.

Zum Schluß noch ein paar aufmunternde Worte vom ersten Oberrabbiner Israels, Rabbi Avraham Yitzchak HaCohen Kook (Kuk). Er schrieb, dass die Hoffnung auf die Ge'ulah (Erlösung) das Volk Israel auch in der Disapora am Leben erhält. Eine Funke G – ttes befindet sich in jedem Juden, und dieser Funke geht mit uns in die Diaspora. Der Funke in der Seele erinnert uns immer an Israel und wirkt wie in Magnet darauf. In den USA gedenkt man am Tisha Be' Av gleichzeitig auch dem Holocaust. Der Holocaust ist ein weiteres jüdisches Desaster in unserer jüngsten Geschichte. In Israel kommen ab und an Diskussionen auf, ob der Tisha Be' Av nicht auch hier der offizielle Holocaust – Gedenktag werden soll.


Wie ich zuvor schon einige Male erwähnte, sollten wir trotz allem unseren Blick in die Zukunft lenken und hoffen, dass die Ge'ulah bald eintreffen wird.

In Israel sind am Tisha Be' Av viele Geschäfte geöffnet und Leuten arbeiten. Allerdings gilt, dass Leute, die arbeiten, ihr Geld spenden sollen. Man sollte keinen Nutzen von dem erwirtschafteten Geld an dem Tage haben. Die Busse fahren ganz normal und grundsätzlich gelten nicht die Regeln wie am Schabbat. Außer den o.g. Halachot.

Ich wünsche allen vorab ein leichtes Fasten – Zom Kal !!!

Crash Course: Worum geht es am heute beginnenden TISHA Be'AV ?

B”H

Heute abend (Montag) und morgen gedenkt die jüdische Welt der zwei Jerusalemer Tempelzerstörungen. Tisha be’Av, der 9. Tag im jüdischen Monat Av, ist ein Tag der Trauer und des Fastens.


Samstag, August 06, 2011

Am Abend des TISHA be'AV an der Kotel (Klagemauer)

B"H

Montag abend geginnt der Fastentag TISHA be'AV (9. des jüdischen Monat Av), an dem wir um die zwei zerstörten jüdischen Temple in Jerusalem trauern. In den Synagogen wird das "Buch EICHA - Book of Lamentations) gelesen und danach folgen die KINOT. Trauer um die Tempel, doch gleichzeitig die Hoffnung auf den richtigen Meschiach.

Donnerstag, August 04, 2011

Erev Tisha be'Av - Der Abend des 9. Av

B”H

Am kommenden Montag abend (8. August 2011) beginnt der jüdische Trauertag TISHA be’AV, was übersetzt  “9. Av” bedeutet. Der neunte Tag im jüdischen Monat Av.

Mit dem Tisha be’Av endet zugleich die dreiwöchige Trauerperiode stattfindend vor dem eigentlichen Trauer – sowie Fastentag. 24 Stunden wird gefastet, was im Sommer wegen der Hitze besonders schwer fällt. In Jerusalem werden viele Geschäfte geschlossen haben. Nicht, weil an dem Tag wieder einmal alles zu ist. Im Gegenteil, denn am Tisha be’Av ist das Arbeiten nicht direkt untersagt. Vielmehr sind zahlreiche Jerusalemer am Fasten und da wird an dem Tag auf die Arbeit verzichtet. Öffentliche Gebäude sind, meines Wissens nach, geschlossen. Betroffen davon die Stadtverwaltung, das Innenministerium sowie alle weiteren Ministerien. 

Der Busverkehr läuft wie gewohnt und das einzige, was man so sieht, sind all die Leute, die da offenbar recht seltsames Schuhwerk tragen. Am Tisha be’Av wie am Yom Kippur werden keine Lederschuhe getragen, denn jeder Komfort soll an den Tagen der Trauer oder, wie am Yom Kippur, am Tag der Versöhnung mit G – tt und der eigenen Reue bezüglich der Vergehen, die man so begangen hatte, ausgeschlossen werden. Leinenschuhe, Crocs (manche Rabbiner verbieten die Crocs am Tisha be’Av und Yom Kippur, denn sie stehen in gewissem Sinne für Komfort), Schlappen sind angesagt. Einige Leute sieht man nur in Socken herumlaufen oder gleich ganz barfuss. 

Abends werden garantiert die “Women in Green” wieder ihren alljährlichen Tisha be’Av Marsch starten. Um die Stadtmauer herum, durch das Arabische Viertel am Damaskustor bis hin zur Kotel (Klagemauer). Wenn es mir nicht zu spät wird, werde ich mitlaufen. Zwar ist das Event politisch, wobei es eigentlich religiös sein sollte. Ausserdem muss ich meinen Bus heim nach Tel Aviv erwischen. Dennoch bietet der Marsch eine Gelegenheit ungehindert durch Ostjerusalem zu laufen. Von der israelischen Armee bewacht und von keinem Palästinenser angepöbelt oder sonst irgendwie belästigt.


Wer will, der kann meine Photos vom letzten Jahr anschauen:


Die Tisha be’Av Atmospäre in Jerusalem ist stets eine ganz besondere. Auch lesen wir am Montag abend sowie am Dienstag in den Synagogen die "The Book of Lamentations - die Megillat Eicha" sowie KINOT für Tisha be’Av. Die Kinot sind unterteilt in sephardischen und aschkenazische, wobei sich alles um die Tempelzerstörungen dreht, deren wir an dem Tag gedenken. Die Hoffnung des Tages aber liegt darin, dass der Meschiach kommen und den Dritten Tempel bringt und sich so der Trauertag Tisha be’Av in einen Freudentag verwandelt.


In dem Video lesen die Juden an der Klagemauer (Kotel) die KINOT und sitzen als Ausdruck der Trauer vielerseits auf dem Fussboden. Am Abend des Tisha be'Av wird es an der Mauer wahnsinnig voll sein mit den höchsten Sicherheitsstufen, damit die Palästinenser nicht ausrasten und wieder einmal Steine zum Tempelberg herunter schmeissen.

Mittwoch, August 03, 2011

Kamtza & Bar Kamtza

B"H

Am Montag abend, dem 8. August 2011, beginnt der Tisha Be' Av (9. des Monats Av), der Tag beider Tempelzerstörungen. Wie in jedem Jahr stelle ich die nachfolgende talmudische Lehre aus dem Traktat Gittin 55b - 56a in den Blog.

Es handelt sich dabei um die berühmte Gemara, in der von zwei Personen die Rede ist: von Kamtza und von Bar Kamtza. Die Gemara in Gittin 55b sieht das Geschehen und vor allem den tragischen Ausgang als einen der Gründe, warum der Zweite Tempel zerstört wurde.



Es war einmal ein Mann, der hatte einen Freund namens Kamtza und einen Feind namens Bar Kamtza. Eines Tages entschloß sich der Mann, zu einem großen Bankett einzuladen und schickte einen Bediensteten aus, um Einladungen zu verteilen. Er sagte zum Bediensteten, dass er zu Kamtza gehen und ihn einladen solle. Doch der Bedienstete ging aus Versehen zu Bar Kamtza (dem Feind).

Pünktlich zum Bankett traf Bar Kamtza ein und setzte sich an einen der Tische. Den Hausherrn traf fast der Schlag als er seinen Feind dort sitzen sah. Er ging auf Bar Kamtza zu und sagte ihm, dass er gefälligst verschwinden soll. Bar Kamtza jedoch fürchtete die Scham vor allen Leuten hinausgeworfen zu werden und sagte zu dem Mann, dass er bleiben und die Rechnung für sein Essen und Trinken selbst bezahlen wolle.
Der Hausherr ließ sich jedoch nicht umstimmen.
Bar Kamtza bot ihm an, für das gesamte Bankett zu zahlen, wenn er bleiben könne, doch der Hausherr war so wütend, dass er ihn ergriff und eigenhändig hinauswarf. Vor den Augen aller.

Draußen sagte Bar Kamtza zu sich selbst, dass alle dort sitzenden Rabbis den Rausschmiß widerstandslos hingenommen hatten. Niemand von ihnen hatte eingegriffen und so kam Bar Kamtza zu dem Schluß, dass die Rabbis seinen Rausschmiß als selbstverständlich ansahen. Aus Rache ging Bar Kamtza zum Palast des römischen Stadthalter (es ist unklar, ob es der römische Kaiser oder ein Stadthalter war) und sagte ihm, dass die Juden gegen Rom rebellieren. Zum Beweis dafür schlug Bar Kamtza dem römischen Stadthalter vor, dass er ein Tier zur Opferung in den Tempel schicken solle und er werde ja sehen, ob die Juden es zur Opferung annehmen oder nicht. Der Stadthalter sandte ein Kalb, welches Bar Kamtza überbringen sollte. Doch auf dem Weg verletzte Bar Kamtza die obere Lippe des Kalbes oder entsprechend anderer Meinungen rief er einen Defekt im Auge des Tieres hervor. Aufgrund dieser körperlichen Schaeden konnte das Kalb nicht geopfert werden, da nur einwandfreie Tiere dafür bestimmt sind. Zuerst zogen die Rabbi tatsächlich in Erwägung, dass nicht einwandfreie Tier zu opfern, um keinen Streit mit den Römern hervorzurufen. Letztendlich wurde beschlossen, das Tier nicht zu opfern.

Der talmudische Kommentator Maharsha sagt dazu, dass der Stadthalter vielleicht nachgegeben hätte, wenn die Rabbis sein Kalb dennoch geopfert hätten. Als sein Opfer verweigert worden war, entschloß er sich zur Tempelzerstörung.Der Maharam Shif kommentiert, dass G - tt die Tempelzerstörung schon beschlossen hatte und der Vorfall mit Bar Kamtza nur noch der Auslöser war. Der Maharsha sieht die Schuld bei Bar Kamtza, da es verboten ist, durch Haß Zerstörung hervorzurufen. Nicht jeder, der ungerecht behandelt worden ist, sollte mit der Keule um sich schwingen und auf Rache sinnen.



Die Zerstörung des Zweiten Tempels durch die Römer (70 nach Beginn der Zeitrechnung)

Wir finden in dieser Gemara drei Menschen, die nur aus Hass handeln und dabei zerstörerisch vorgehen. Zuerst der Mann, der Bar Kamtza hinauswarf. Die nichtreagierenden Rabbis werden vom Maharsha als zu machtlos gegenüber dem mächtigen Gastgeber gesehen. Bar Kamtza wurde daraufhin so vom Haß befallen, sodass er wild drauflos rannte und die Folgen nicht mehr abschätzen konnte. Er verstieß gegen jegliche talmudischen Gesetze. Erstens rannte er zu den römischen Besatzerbehörden und hetzte gegen seine jüdischen Brüder, was ihm schon allein hätte das Todesurteil einbringen können (siehe Talmud Sanhedrin 73a), und zweitens machte er mit Absicht das Kalb für eine Opferung unbrauchbar, was verboten ist (Talmud Bechorot 33b).

Wie ich schon mehrmals erwähnte haben wir im Judentum das Konzept des "Freien Willens". Jeder Mensch entscheidet selbst über seine Handlungen und muß hinterher die Konsequenzen tragen. Wie ich ebenso schon einige Male erwähnte, sieht der Ishbitzer Rebbe (Rabbi Mordechai Yosef Leiner) den "Freien Willen" als eine einzige Illusion an. Es gebe ihn nicht und all unser Tun ist von G - tt vorbestimmt. Wir haben darauf keinen Einfluß. Laut dem Talmud besitzen wir den "Freien Willen", doch nur insoweit, dass es in unserer Hand liegt, ob wir g - ttesfürchtige Menschen werden oder nicht.

Man könnte meinen, dass die Handlungen der hier involvierten Personen die Tempelzerstörung ausgelöst haben. Andererseits stimme ich mit dem Maharam Shif überein, der sagt, dass die Zerstörung schon längst von G - tt beschlossen war. Wie also hätten die Agitatoren anders reagieren können und trifft sie überhaupt eine Schuld ?

Wir Menschen haben immer wieder die Kraft, bestimmte G - ttesurteile zum Guten zu ändern. In der Chassidut wird der Zaddik (der Gerechte) als derjenige betrachtet, der zu solchen Dingen fähig ist. Mit Gebet und Teshuva (Umkehr) können wir Welten versetzen. Die Antwort könnte lauten, dass wenn die hier aufgeführten Personen anders gehandelt haetten und wenn die Juden überhaupt auf die Warnungen der Propheten gehört und sich zur Umkehr aufgerafft hätten, die Tempelzerstörung vielleicht vermeidbar gewesen wäre. Vielleicht aber war es auch unvermeidbar, denn laut unserer jüd. Tradition kommt der Meschiach und baut den Dritten Tempel, und somit kann es auf Dauer keinen Zweiten Tempel geben.

Heutzutage sollen wir aus dem Fehlverhalten lernen, aber gleichzeitig unseren Blick in die Zukunft auf den Dritten Tempel richten.


Besuch auf dem Tempelberg

Sonntag, Juli 31, 2011

Rosh Chodesh MENACHEM AV - Beginn des juedischen Monat MENACHEM AV

B"H

Heute abend (31. Juli einschliesslich morgen, dem 1. August) beginnt der jüdische Monat Menachem Av. Offiziell lautet der Monatsname AV, doch wird er im Text des Segen für den neuen Monat "Menachem Av" genannt.

Der jüdische Monat Av war stets ein negativer Monat für das jüdische Volk. Unter anderem brach der Erste Weltkrieg aus und die Endlösung wurde beschlossen.

Am 9. Av, welchen in diesem Jahr am 9. August begehen, wurden beide Jerusalemer Tempel zerstört. Dem vorausgegangen war die Rückkehr der Spione in das Lager der Israeliten mit der Nachricht, dass es sich nicht lohne, nach Israel weiterzuziehen und sich dort anzusiedeln. Moshe sprach dagegen, doch viele Israeliten begannen zu jammern. Daraufhin sagte G – tt, dass es keinen Grund zum Weinen gebe, allerdings wird dieser Tag für euch ein Schicksalstag werden.

Am 9. Av trauern wir um beide zerstörten Tempel. Laut vielen Kommentatoren hat der Monat Av auch etwas Positives, denn der Meschiach soll in diesem Monat geboren werden. Wenn er kommt und der Dritte Tempel steht, wird sich der Fastentag Tisha Be' Av (9. Av) in einen Feiertag verwandeln.



Trauer um die Tempel am Tisha be'Av



Am 1. Av, gedenken wir ebenso der Yahrzeit von Aharon HaCohen, dem Bruder Moshes und Miriams. Aharons Todestag ist der einzige Todestag, der ausdrücklich in der Thora Erwähnung findet. Warum ausgerechnet Aharon ? War nicht sein Bruder Moshe viel wichtiger ?


Es heißt in der Thora, dass als Aharon verstarb, ALLE Israeliten weinten. Weder bei Miriam noch bei Moshe steht das geschrieben. Natürlich beweinten auch viele den Tod der beiden, doch nicht alle. Bei Aharon dagegen weinten ALLE, denn er war als Friedensstifter hoch geschätzt. Wenn sich die Israeliten stritten, schritt Aharon stets ein und machte Frieden zwischen den Parteien.

Normalerweise ist ein Monatsbeginn immer ein freudiges Ereignis, doch sollen wir im Av unsere Freude etwas bremsen, denn dieser Tag leitet die neun Tage vor dem 9. Av ein und uns werden diverse Halachot bzw. Minhagim (Bräuche) aufgetragen.

1. Es sollte in diesen neun Tagen keine neue Kleidung gekauft werden, es sei denn, es handelt sich um spezielle Schuhe ohne Leder für den 9. Av.

2. Es sollte keine Wäsche gewaschen werden.

3. An Wochentagen wird auf den Verzehr von Fleisch und Wein verzichtet. Beides gibt es nur am Schabbat vor dem 9. Av.

4.
An den Wochentagen vor dem 9. Av sollte nicht geduscht werden, sondern nur am Freitag vor Schabbateinbruch.

5.
Parties und andere Feiern sollten vermieden werden. Genauso wie Kino und Musik.

All diese Gesetze sind verbunden mit der Trauer um die Tempelzerstörungen.

Am 5. Av begehen wir die Yahrzeit des großen mittelalterlichen Kabbalisten Rabbi Yitzchak Luria, dem Arizal.

Der Schabbat vor dem 9. Av, (am 6. August) wird "Schabbat Chazon" genannt.

Laut dem "Book of Creation – Sefer Yetzirah", hat jeder jüdische Monat einen eigenen Stamm, Buchstaben, ein Organ, eine menschlichen Sinn, einen Buchstaben und ein Sternzeichen.

Das Sternzeichen des Av ist der Löwe, der Buchstabe ist das TED ט , der Stamm ist Schimon, das Organ ist die linke Niere und der menschliche Sinn ist das Hören.

Das Hören kommt von den ausgesandten Spionen, die zurückkamen und die Israeliten deren Botschaft hörten. Hören bedeutet immer etwas zu erhalten. In dem Moment, in dem wir hören, unterscheiden wir automatisch zwischen gut und böse und stellen so unsere innere Balance her.

Den Entscheidungen hilft die linke Niere, die in talmudischer Literatur als Ratgeber erwähnt ist (siehe Talmud Berachot).

Obwohl der Monat Menachem Av als Katastrophe für das jüdische Volk gilt, haben wir die Kraft, ihn in etwas Positives umzuwandeln. Vor allem sollten wir für die baldige Ankunft des Meschiach beten. Und wie einmal jemand bei Rabbi Mordechai Machlis lehrte, sollten wir es nicht nur so vor uns hinsagen, sondern es richtig wollen, dass der Meschiach kommt.




 

Chodesch Tov – חודש טוב einen gesunden und erfolgreichen Monat Av !!!

Link:

Donnerstag, Juli 28, 2011

Neue Kleidung vor dem Tisha be'Av ?


Photo: Miriam Woelke

B”H

Momentan befinden wir uns in den drei Wochen vor dem Tisha be’Av (genannt: Bejn HaMizrim), aber schon jetzt stehen wir mitten in der Trauerperiode um die zwei Jerusalemer Tempel. Der neunte des jüdischen Monat Av ist der Tag, an welchem der Erste und später der Zweite Tempel zerstört worden sind. Einmal durch die Babylonier und danach von den Römern.

Der 17. Tammuz leitete die Trauerperiode der drei Wochen ein und von dem Tag bis zum 9. Av (in diesem Jahr am 9. August) finden keinerlei Feiern statt. Keine Hochzeiten oder großartige Feste mit Musik. Neun Tage vor dem Tisha be’Av, am Rosh Chodesh Av (Monatsbeginn Av) startet die richtige Trauerperiode, wobei an den Wochentagen kein Fleisch gegessen wird, sondern nur am Schabbat. Aber dies nur als kleine Einleitung für weitere Texte zum Tisha be’Av.

Innerhalb der neun Tage vor dem Tisha be’Av gilt die Halacha, dass Juden keinerlei frische Wäsche anziehen. Bedeutet, dass die Kleidungsstücke vor Beginn der neun Tage schon einmal getragen werden mussten. Diejenigen, welche die Halacha einhalten, tragen bestimmte Kleidungsstücke ca. 30 Minuten abwechselnd im voraus.

Wie jedoch verhält sich die Sache mit der Wäsche in den jetzigen drei Wochen ?
Die Antwort lautet, dass neue Kleidung getragen, aber nicht gekauft werden darf. Wer vorher etwas Neues anschaffte, der darf es anziehen. Diejenige Kleidung, die keines Segens bedarf wie Socken oder Unterwäsche, darf sehr wohl gekauft und getragen werden. Einige Halacha – Experten erlauben sogar den Kauf neuer Kleidung bis zum Monatsbeginn des Av (am kommenden Montag).

Viele Juden mögen sich nicht darüber bewusst sein, dass wir beim erstmaligen Anziehen neuer Kleidung einen Segen sagen. Dies jedoch nur bei Shirts, Pullovern, Hosen, etc. Bei neuen Schuhen sagen wir keinen Segen, aber es gibt einen Brauch, dass man symbolisch mit einem Finger über die Schuhsohle streicht und so tut als schreibe man das Wort AMALEK. Bei Amalek handelte einen Nachkommen des Esav, welcher die Juden vernichten wollte.

Der Segen für neue Kleidung ist der reguläre “She Hechiyanu veKimanu LaZman Hazeh”.

Dienstag, Juli 26, 2011

Die MACCABEATS auf Konzert in Jerusalem

B”H

An diesem Mozzaei Shabbat (Samstag abend nach Schabbatausklang), 30. Juli 2011, geben die berühmten Youtube MACCABEATS ein Konzert im Jerusalemer Gerard Behar Center in der Betzalel Street 11.

Warum tun sie als orthodoxe Juden das ausgerechnet jetzt in den drei Wochen vor dem Tisha be’Av, wenn zu dieser Zeit das Musikhören sowie die Teilnahme an Festlichkeiten untersagt ist ? Immerhin steht der Tisha be’Av, der 9. des jüdischen Monat Av kurz bevor. Einem Datum, an welchem der Erste und später der Zweite Tempel zerstört worden sind.

Die Maccabeats rechtfertigen sich, indem sie sagen, dass bei ihren Auftritten keinerlei Musik gespielt und jeder Ton allein von den Sängern erzeugt wird.

Sonntag, Juli 25, 2010

Photos aus Jerusalems Altstadt

B"H


Noch ein paar Photos, die ich am vergangenen Montag abend (Tisha be'Av) machte:





Ein Model der ehemaligen Tempel Menorah : Jetzt ausgestellt gegenüber der Klagemauer (Kotel), doch davor ausgestellt im Cardo der Jüdischen Altstadt. Laut dem Rambam (siehe Mischna Thorah, sah die Tempel Menorah jedoch anders aus !





Die wiederaufgebaute CHURVA Synagogue im Jüdischen Viertel.












Das CARDO - eine antike römische Einkaufsstrasse im Jüdischen Viertel (zu antiker Zeit bis hin zum Damaskus Tor im heutigen Arabischen Viertel).

 



Im Jüdischen / Armenischen Viertel der Altstadt.

Photos: Miriam Woelke

Donnerstag, Juli 22, 2010

Parashat Va'etchanan


Photo: Miriam Woelke


B"H

Die Thoralesung für diesen Schabbat

Dieser Schabbat ist zugleich "Schabbat Nachamu", der Schabbat nach dem Tisha be'Av (am Dienstag dieser Woche). Die Thoralesung "Va'etchanan" wird immer am Schabbat nach dem Tisha be'Av gelesen ! Va'etchanan ist mit dem Tisha be'Av verbunden, denn G - tt warnt die Juden vor dem Fall in den Götzendienst und dies war dann auch der Hauptgrund für die Zerstörung des Ersten Tempels. Va'etchanan zeigt uns jedoch ebenso den Weg der Hoffnung und dem des Neubeginn (siehe die Torah Tidbits des Israel Center / Orthodox Union in Jerusalem).

Aus unseren Fehlern sollten wir lernen und in der Zukunft zu vermeiden lernen. Im Judentum besteht fast immer ein Weg der Rückkehr zu G - tt. Wir können die Generationen des Ersten oder Zweiten Tempels nicht mehr umfunktionieren, doch haben wir die Chance, es besser zu machen.

Jeder von uns hat seine Lieblingsparshot in der Thora und jene, die ihm gar nichts sagen oder nur schwer verständlich sind. Die Parasha Va'etchanan gehört zu meinen Lieblingsparashot, eben weil sie soviel wichtige Inhalte enthält.

Wir erfahren, dass Moshe G - tt bat, nicht vielleicht Seine Meinung zu ändern und ihn (Moshe) doch wenigstens für kurze Zeit den Jordan überqueren lassen will und Moshe so das Land Israel sehen und betreten kann. G - tt gibt nicht nach, beauftragt Moshe jedoch, auf eine Anhöhe (Pisgah) zu gehen, damit er so das Land sehen könne. Es heißt, dass Moshe nicht nur das Land sah, sondern auch dessen Zukunft. In jenem Moment sah er alle folgende Generationen bis hin in unsere Zeit und noch darüber hinaus.

In der Thora heisst es:

"… u're'eh be'ejnecha … - und sehe mit DEINEN Augen".
Dies sagte G - tt zu Moshe als Er ihn auffoderte, in das verheissene Land herabzuschauen.

Der Thorakommentator Raschi fragt an dieser Stelle, warum G - tt sagte "… mit DEINEN Augen". Mit welchen Augen hätte Moshe denn sonst schauen sollen ?
Raschi aber betrachtet die Hervorhebung der eigenen Augen Moshes so, dass G - tt ja die Bitte Moshes zumindest teilweise erfüllte a la "Du willst das Land sehen ? Soviel kann Ich (G - tt) Dir gewähren. Dein Körper hingegen wird Israel nicht betreten.

Stellen wir uns einmal vor, was geschehen wäre, wenn Moshe mit den Israeliten nach Israel gegangen und weiterhin ihr Oberhaupt geblieben wäre. In der Kabbalah lautet eine Idee, dass Moshe den Meschiach sofort gebracht hätte. Der Kommentator Or HaChaim sagt, dass G - tt den Tempel sicherlich nicht zerstört hätte, wenn Moshe dagewesen wäre. Eine Zerstörung musste erfolgen, um die Juden für ihre Vergehen zu bestrafen und sie letztendlich in die Diaspora zu befördern, damit sie später nach Israel zurückkehren und der Meschiach kommt. Mit einer Person wie Moshe wäre G - ttes Plan etwas durcheinander gekommen. Wir selber sind aufgerufen gemäss G - ttes Willen zu agieren und eine Überperson wie Moshe hätte das vielleicht unbewusst verhindert. Der chassidische Thorakommentator Shem MiShmuel schreibt, dass die Juden aufgerufen waren, den letztendlichen Tikkun (Seelenkorrektur) in Israel auszuführen, denn ihre Seele war noch nicht perfektioniert. 

Ich weiß nicht, wie es in Thoraübersetzungen in verschiedene Sprachen ausschaut, doch adressiert Moshe in seiner Bitte G - tt mit zwei dessen Namen: A - do - nai (HaShem) und dem Namen Yud - Heh - Vav - Heh. Raschi und der Ramban (Nachmanides) kommentieren, dass die Namen für Gnade und Gesetz stehen. Laut Rabbi Samson Raphael Hirsch verwendete Moshe beide Namen um auszudrücken, dass wie immer auch G - ttes Entscheidung ausfallen werde, Moshe sie ohne Widerspruch akzeptiert.

Im Talmud Traktat Sotah 14a wird gefragt, warum Moshe unbedingt nach Eretz Israel gelangen wollte ?
Die Antwort lautet, dass ein Jude nur dort in der Lage ist, ALLE Mitzwot (Gesetze) auszuführen. Im Ausland lebende Juden haben immer das Problem, dass sie nie alle Mitzwot ausüben können und ihre Gebete erst über Umwege aufsteigen. Währenddessen in Israel alle Gebete sofort aufsteigen und direkt erhört werden. Von daher ist es sehr wichtig, in Israel zu leben. Moshe war bereit, G - ttes Entscheidung ohne jeden Widerspruch hinzunehmen. Genauso sollten auch wir unser Leben führen; nämlich in dem wir den wahren Grund erkennen, warum wir in dieser Welt sind und wer uns erschaffen hat.

In keinem Buch der Thora warnt G - tt so ausdrücklich vor dem Fall in den Götzendienst wie im Sefer Devarim (Deutoronomy). Jegliche Assimilation mit anderen Nationen wird uns untersagt. Im Talmud Traktat Avodah Zarah (Götzendienst) finden wir hervorragende Beispiele dafür, was uns genau verboten wurde und aus welchem Grund.
Genauso verhält es sich in Sefer Devarim mit der Intermarriage, der Ehen zwischen Juden und Nichtjuden. Übrigens ein biblisches Verbot, auch wenn manche es heutzutage vielfach schönreden wollen. Wer genaue Auskunft darüber sucht, der braucht nur Sefer Devarim und den Talmud aufzuschlagen, wo er alle Antworten diesbezüglich finden kann. In der Parashat Va'etchanan warnt G - tt vor Ehen zwischen Juden und den Völkern, die sich in Eretz Israel befinden, u.a. die Kanaaniter und die Jebusiten. Wer als Jude einen Nichtjuden heiratet, läuft große Gefahr sich leztendlich zu assimilieren, auch wenn er es vorher nicht für möglich hielt.

Was ? Mir passiert soetwas nicht, denken viele, aber spätestens die nachfolgende Generation sieht das schon ganz anders. Falls die nachfolgende Generation aufgrund einer nichtjüdischen Mutter überhaupt noch halachisch als jüdisch zu bezeichnen sein sollte. Aber es ist nicht nur Assimilation, sondern solche Ehen führen oft zwangsläufig zum Götzendienst der anderen Partei.

In einem Schiur (Vortrag) hörte ich einmal von einem interessanten Fall:
Eine amerikanische Jüdin hatte sich in einen Nichtjuden verliebt und wollte ihn heiraten. Er wiederum war sogar bereit, orthodox zum Judentum zu konvertieren. Am Ende jedoch wollte er die junge Frau gar nicht mehr heiraten, denn er war zu religiös geworden und wollte keine jüdische Frau mehr, die bereit war, einen Nichtjuden zu heiraten.

Im Talmud Traktat Avodah Zarah 36b kommt die Frage auf, ob denn ALLE Ehen zwischen Juden und Nichtjuden verboten seien. In der Parashat Va'etchanan werden schließlich nur die nichtjüdischen Völker in Eretz Israel genannt.
Die Schüler der berühmten talmudischen Rabbiner Hillel und Shammai genauso wie der berühmte Rabbi Schimon Bar Yochai kommentieren dagegen, dass damit ALLE Nichtjuden gemeint sind. Im Talmud Kiddushin 68b heißt es, dass jegliche Ehen zwischen Juden und Nichtjuden von der Halacha als Null und Nichtig betrachtet werden. Alle Ehen von Nichtjuden, die NICHT konvertieren und einen Juden heiraten, sind ungültig. Siehe dazu auch den RASHBA in TOSAFOT und den Rambam in seiner Mishna Thora (Hilchot Biah 12:1).

Nicht nur halachisch sind solche Ehen ein Problem; wer sich in der Kabbalah etwas auskennt, der weiß, dass bei unserer Erschaffung eine Seele (Neschama) in zwei Hälften getrennt wurde. Unsere Aufgabe ist es, unsere sogenannte "bessere Hälfte" wiederzufinden und durch die Hochzeit mit Nichtjuden erreichen wir das nicht. Dies gilt gleichermassen für den Fall, wenn der Nichtjude nicht ernsthaft konvertiert. Ganz zu schweigen mit den Identitätsproblemen der Kinder. Ich kenne so einige Fälle, in denen Kinder aus amerik. Ehen, bei denen die Mutter Nichtjüdin war, zum Judentum konvertieren wollten und ausgerechnet die nichtjüdische Mutter aggressiv einschritt. Die wollte ihre Kinder lieber in der Kirche sehen. Zum Glück konvertierten die Kinder aber doch und gingen später auf orthod. Yeshivot.

Immer und immer wieder warnt uns die Thora vor der Assimilierung. Ein ganz wichtiger Rabbiner, der dies auch tat war der Frankfurter Rabbi Samson Raphael Hirsch. Wir dürfen niemals vergessen, dass G - tt die Juden mit einer bestimmten Aufgabe erschaffen hat. Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz (der Seher von Lublin) sagte, dass die Juden ihre Wurzeln in den Namen G - ttes haben.

In dieser Parasha heisst es: 

"Ihr sollt meine Gesetze einhalten … die ich euch HEUTE aufgetragen habe zu tun".

Im Talmud Eruvin 22a heißt es dazu, dass sich das Wort HEUTE auf unsere Welt bezieht. In dieser materiellen Welt sollen wir G - ttes Mitzwot erfüllen und nicht morgen in der Kommenden Welt (Olam HaBah), denn dort ist es zu spät.

Die Assimilationsprobleme in der Diaspora (Galut) sind vielfältig. Leicht vergisst man seinen eigentlichen Ursprung und will sich nur allzu gerne anpassen. Aber nicht nur in der Galut herrscht das Problem, sondern auch hier in Israel. Leider sehen wir die Ergebnisse immer häufiger, wenn junge Leute aus dem Ausland kommen und sich in Yeshivot einschreiben wollen. Dann sind sie halachisch nicht jüdisch und müssen erst konvertieren. Ich erlebte nicht wenige, die sauer auf ihre Eltern waren, weil sie eine "Mischehe" führten.

Ferner trägt uns G - tt auf, Seine Thoragesetze NICHT zu verändern bzw. neue hinzuzufügen. Die Thora ist das Wort G - ttes und bis in alle Ewigkeiten gültig. Nichts daran darf verändert werden, nur weil der Originalinhalt einigen Leuten nicht in den Kram passt. Noch nicht einmal ein einziger Buchstabe darf umgeändert, ausgelassen oder hinzugefügt werden !

Am Schabbat ist es eine Mitzwah, Simcha (Freude) zu haben und alle Art von Trauer und Traurigkeit zu vermeiden. Aber vielleicht wäre es keine schlechte Idee, wenn sich jeder von uns einmal darauf besinnt, warum wir auf dieser Welt sind und was unsere Aufgabe ist. Jeder Mensch wurde mit einer ihm zugedachten Aufgabe auf dieser Welt erschaffen und es liegt an jedem einzelnen von uns, dadurch unseren Tikkun (Seelenreparatur) zu erfüllen, die Welt perfektionieren und so zur Ankunft des Meschiach beitragen. Ich kann nicht den Tikkun meines Nachbarn oder Freundes erfüllen und diese Leute wiederum nicht meinen Tikkun übernehmen.

Schabbat Schalom