Donnerstag, Juni 14, 2012

Parashat Schlach Lecha: "Gibt es einen Unterschied zwischen den Spionen und den Juden heute ?"


Gesehen in der Jaffa Road / Downtown Jerusalem

Photo: Miriam Woelke

 B"H  

Die Thoralesung für diesen Schabbat 


Die dieswöchige Thoralesung berichtet uns ausführlich, wie Moshe die Spionen entsandte, um das Land Israel (damals noch Canaan) auszukundschaften. G – tt hatte Moshe nicht angewiesen, dies zu tun, denn Er selber hatte den Juden versprochen, sie in ein Land zu führen, welches GUT (TOV) ist. Warum also dann Spione entsenden ? Vertraute man nicht auf das Versprechen G – ttes ? Offenbar vertrauten nicht alle Juden in der Wüste. 

Kommentare besagen, dass viele von ihnen auch gar nicht bereit waren, ihr geordnetes Leben aufzugeben. Erst einmal im Heiligen Land angekommen, sollten sie nach israelischen Stämmen territorial aufgeteilt werden und ihr Land selbst bearbeiten. Arbeiten, um sich einen Lebensunterhalt zu erwirtschaften. In der Wüste hingegen kam alles von G – tt. Von der Nahrung MAN (Manna) bis hin zum Wasser sowie dem Schutz vor Feinden. Plötzlich auf sich allein gestellt sein: Davor hatten nicht wenige Israeliten Angst. 

G – tt sagte Moshe, dass Moshes Entscheidung, die Spione doch noch loszuschicken, auf dessen eigene Kappe gehe. Moshe seinerseits hatte sich von den Juden breitschlagen lassen und stimmte letztendlich der Entsendung der Spione zu. So machten diese sich auf den Weg und erforschten das gesamte Land Israel. Vom Süden bis hinauf in den Norden. 

Am 9. des Monat Av (ca. Ende Juli / Anfang August) kehrten sie ins Lager der Israeliten zurück und verbreiteten Panik. Nicht, dass sie mit ihren negativen Berichten logen, sondern ihr Fehler war, dass sie eben alles nur negativ darstellten, anstatt die Vorteile zu sehen und auf G – tt zu vertrauen. Die Juden verfielen in Panik und wollten nicht mehr ins Gelobte Land ziehen. G – tt bestrafte fast die gesamte Generation der Spione, indem sie innerhalb der 40 Wanderjahre allmählich starben. Es sollte eine neue Generation heranwachsen, welche schliesslich in Israel Einzug hielt. 

Außerdem hat der 9. des jüdischen Monat Av bis heute folgenschwere Auswirkungen auf das Judentum. Da die Juden nach dem Bericht der Spione klagten und jammerten anstatt auf G – tt zu vertrauen, machte G – tt diesen Tag zum Trauertag. Beide Jerusalemer Tempel wurden am 9. Av zerstört. Einmal von den Babylonier und viele Jahre später von den Römern. Und bis heute ist der Tisha be’Av, der 9. Av., deswegen ein Trauertag im Judentum, an dem 25 Stunden lang gefastet wird. Ähnlich dem Yom Kippur. 

Der Maharal von Prag (16. Jahrhundert) schrieb in seinem Thorakommentar GUR ARYEH, dass aus den ursprünglich rechtschaffenden Spionen Menschen wurden, die sich von negativen Meinungen beeinflussen liessen. Sprich, aus den Spionen wurden Diener derjenigen, die G – tt nicht trauten und die Entsendung von Spionen forderten. Von Kundschaftern, die Israel ausspionieren, ob da auch wirklich Milch und Honig fliesse. 

Der Maharal kommt zu der Schlussfolgerung, dass die Juden damals noch nicht reif für den Einzug in das Gelobte Land waren und sie deshalb viele Jahre durch die Wüste wandern mussten, ehe sie am Ende doch den Weg nach Israel fanden. Zu sehr waren sie an die tagtäglich stattfindenden G – tteswunder wie das fallende Manna oder den Brunnen der Miriam gewohnt als dass sie sich auf Natur und Alltag eingelassen hätten. Wer nur Wunder erlebt, der kommt nicht mehr so einfach in den Alltag zurück. 

Und was hat diese Thoralesung mit uns zu tun ? 

Seien wir ehrlich und stellen uns die Frage, ob wir anders gehandelt hätten. Schauen wir auf die heutigen Diasporajuden, die aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht nach Israel einwandern, sondern lieber die Bequemlichkeiten der Diaspora geniessen. Vor einiger Zeit startete ich auf einem meiner deutschen Blogs eine Umfrage, warum deutsche Juden nicht nach Israel ziehen wollen. Die Mehrheit antwortete: Wir haben Angst, keine Arbeit und Wohnung zu finden. 

Das Leben in Israel ist alles andere als einfach, es sei denn, man kommt mit einem Sack voller Geldmünzen. Die Wenigsten sind dazu in der Lage und so findet der alltägliche Kampf ums Überleben statt. Da lebt es sich in der Schweiz, in Deutschland oder Österreich wesentlich angenehmer. Man schaue nur auf all die sozialen Absicherung, obwohl die Leute dort ständig am Jammern sind. In Israel deckt die Sozialhilfe noch nicht einmal die Miete und der Bedürftige kann sehen, wo er bleibt. 

Trotzdem existiert viel Positives in unserem Land. Die Leute sind anders und nicht so starr wie in Europa. Das Land Israel ist wunderschön und ich denke dabei an die sanften kühlen Sommerbrisen, die des nachts über Jerusalem ziehen. Das Judentum kann offen gelebt werden und jeder wird, wenn er denn will, seine Nische in der Gesellschaft finden. 

Wer die Augen aufmacht, der findet ein Land, in dem Milch und Honig fliessen. Man muss nur bereit sein, dies zu erkennen und nicht ständig mäkeln, dass in Europa der Standard höher und daher besser sei. Vielleicht sollten sich die Juden in der Diaspora, und dies geht die USA oder Kanada, genau so an, darüber Gedanken machen, was ihnen im Leben wirklich wichtig ist. 

Schabbat Schalom

Mittwoch, Juni 13, 2012

Vatikan will über das Grab des König David verfügen

B"H  

Diejenigen, die es bisher noch nicht wussten: Der Vatikan sowohl als auch die griechisch – orthodoxe Kirche besitzen zahlreiche Grundbesitztümer in Jerusalem. Man könnte fast sagen, dass die Hälfte der Stadt auf Ländereien errichtet ist, welche der griechisch – orthodoxen Kirche gehören. Nehmen wir, zum Beispiel, den Boden, auf dem das Israel Museum oder die Knesset steht. Alles griechisch – orthodoxes Eigentum und theoretisch könnte die Kirche die Politiker aus der Knesset schmeissen und den Grundbesitz als Eigenbedarf anmelden. Vielleicht wäre es ja gar keine schlechte Idee, die Knessetpolitiker zu feuern.:-)

Hinsichtlich der katholischen Kirche und dem Papst: Seit Ewigkeiten schon beansprucht die Kirche das Grab des jüdischen König David für sich. Wenn das David wüsste, würde er umgehend zum Feldzug nach Rom aufbrechen. Historische Tatsache allerdings ist, dass es die katholische Kirche war, die seit vielen Jahren behauptet, das entsprechende Grab sei die Ruhestätte des König David. Eindeutige Beweise von jüdischer Seite gibt es nicht, doch besuchen alljährlich Tausende Juden das Grab auf dem Zionsberg nahe der Altstadt. Trotzdem kommt immer wieder die Frage auf, ob es nun das Grab des König David ist oder nicht. Historiker behaupten, David sei nahe am Grab seines Sohnes Avshalom bestattet und nicht auf dem Zionsberg.

Heutzutage weiss niemand mehr zu sagen, wo genau das tatsächliche Grab Davids zu finden ist. Andererseits bestehen im Judentum viele Traditionen und eine davon lautet, dass das Grab des David vorläufig doch als sein Grab anerkannt wird, selbst wenn es sich nicht um die wahre Grabstätte handeln sollte. Da Juden seit vielen Jahren ans Grab pilgern, ist die zeitlich begrenzte Anerkennung als Tradition zu betrachten. Dasselbe geschieht im Fall des Grabes der Rachel außerhalb von Bethlehem (Beit Lechem) oder mit dem Grab des Yosef Schechem (Nablus). Bei diesen Gräbern ist ebenfalls nicht bewiesen, ob es sich historisch um die Originalgräber handelt oder ob irgendwann jemand auf den Gedanken kam, die Gräber als solche auszugeben. Genaues werden wir erst nach dem Eintreffen des Meschiach bzw. der Wiederauferstehung der Toten wissen. Dann wird sich zeigen, wer aus welchem Grab steigt. :-)

Allgemein besitzen die Kirchen viel zu viel Einfluss in und auf Israel. Entweder durch ihren Grundbesitz oder aufgrund von finanziellen Investitionen. Da unsere Regierung keine religiöse ist, dürfen wir uns nicht wundern, wenn die Politiker im eigenen Interesse handeln und nicht gemäss der Thora bzw. des Judentums. Übrigens glaube ich kaum, dass der heutige Abendmahlsaal der Christen tatsächlich der Raum war, in welchem J,. sein letztes Mahl zelebrierte. Das Gebäude schaut ebenso wenig aus als befände es sich bereits seit 2000 Jahren vor Ort. Alles wirkt neu und das gleich neben dem Grab des König David. Wer hat da im Mittelalter wohl was mit wem verbunden ? 

Der Saal des Abendmahls ist heute Touristenattraktion und die Kirche sahnt mächtig ab. Innendrin flippen nicht wenige christliche Touristen aus. Entweder fangen sie an wild zu singen oder die tanzen in Ekstase. Alles in allem aber geht es der katholischen Kirche bei dem Gezerre um die Örtlichkeiten eher um Machtanspruch und Geld als um Religion. Was würde wohl der Jude J. dazu sagen ?


 Das Grab des King David auf dem Jerusalemer Zionsberg







Memorial Candles 




Die Ezrat Nashim (Frauenseite)



Das wahre Grab des King David ? 
Hier bedeckt mit einem roten Seidentuch.

Photos: Miriam Woelke

Rosh Chodesh TAMMUZ Programm am Grab der Rachel


Auf den Flyer klicken und dann vergrößert sich das Bild. HIER !

Tuesday 19 June 2012

9.00 - 10.30am Efrat sponsored Rosh Chodesh Shiur in Memory of Sara Blaustein

11 - 12am Rabbi Dr. Joseph C. Klausner, "Joshua Restores Glory of Rachel"

3.00 - 5.00pm "Bullying, Bystanders or Upstanders ?"

Panel Evelyn Haies or "Rachel's Children Reclamation Foundation" and Ronald Wachtel of Kav L'Noar


Wednesday, 20 June 2012

10 - 11am Sefer Torah Reading

 12 - 1pm Atara Gur, Rachel Imenu Scholar and Author

 4pm Rabbi Yitzchak Breitowitz "Joining Hands, Two Visions of Community"

6 - 7pm Rabbi Ephraim Sprecher "Politics and Sinat Chinom, a deadly sin

7pm Miriam Adahan "Staying sane in an insane World"


Thursday, 21 June 2012

10am Rabbi Shimshon Nadel "Return to Zion in Days of Ezra & Nechemia and Today"

11am Elyakim Haetzni "Self Affirmation - A Shield Against Defamation"

6 - 10pm Dov Shurin Musical Extravaganza; wine and cheese supperette


Die Jerusalemer Egged Buslinie fährt direkt zu Rachel’s Grab (nahe Bethlehem). Organisatorin Evelyn Haies liess mich wissen, dass für die Teilnahme an einem der Vorträge 20 Schekel (ca. 4 Euro) verlangt werden. Ein ganzer Tag kostet 50 Schekel (ca. 10 Euro).

Weitere Infos: Evelyn Haies - 054 224 2649 or 
rachelschildren@gmail.com 

Dienstag, Juni 12, 2012

Die Spione, die Juden und der Meschiach


 Gesehen in Jerusalem

Photo: Miriam Woelke
B"H  

An diesem Schabbat wird in den Synagogen der Thoraabschnitt SCHLACH LECHA gelesen. Im Wesentlich geht es dabei um die Spione, die Moshe aussandte und welche zurückkehrten und ausschliesslich Negatives über Israel (damals Canaan) berichteten. Unterschiedliche Thorakommentare berichten von zahlreichen Beweggründen, ob die Spione dies absichtlich taten oder ob sie ganz einfach nur in gutem Glauben die negativen Punkte auflisteten. G – tt selbst hatte Moshe gar nicht beauftragt, die Spione auszusenden. Vielmehr hatten dies die Juden selbst eingefordert und letztendlich gab Moshe nach. Was sich im Nachhinein als schwerer Fehler herausstellten sollte. Deswegen bedeutet SCHLACH LECHA übersetzt SENDE ZU DIR, SENDE DIR, womit G – tt deutlich machte, dass Moshe die Spionage auf seine eigene Verantwortung entsandte.

Der Sefat Emet (Rabbi Yehudah Aryeh Leib Alter, ein früherer Rebbe der Chassidut Gur, 1847–1905) bringt in seinem Thorakommentar einen interessanten Gedanken. Nämlich, dass für die Juden die Zeit noch nicht reif war, ins Gelobte Land einzuziehen. Aus welchen Gründen auch immer.

Dasselbe geschieht mit unserem eigenen Exil (der Galut): Wenn die Juden bereit sind, zu G – tt zurückzukehren, wird G – tt auch dafür Sorge tragen, dass der Meschiach sehr schnell erscheint. Zuerst mag alles äußerst langatmig und fast hoffnungslos erscheinen, doch plötzlich geht alles Knall auf Fall. Genau so wie bei den Juden, die erst 40 Jahre lang durch die Wüste wanderten, um dann recht schnell in Israel einzuziehen. Kabbalisten meinen hierzu unter anderem, dass diese 40 Jahre wie ein Reinigungsprozess wirkten. Damit die Juden von all ihren Sklavereigedanken abkamen, die sie aus Ägypten noch mit sich trugen. Ferner war die Mehrzahl der Juden, die nach den 40 Jahren in Israel einzog, Mitglied einer neuen Generation. Die meisten der alten Generation waren in der Wüste gestorben.

Dies nur so als kurze Idee, doch stellt sich die wichtige Frage, ob die Juden sowie Moshe nicht ihren G – ttgegebenen FREIEN WILLEN benutzen ? Die Juden, indem sie die Entsendung der Spione forderten und Moshe, indem er letztendlich nachgab und zustimmte. Und waren es nicht auch die Spione selbst, die ihren FREIEN WILLEN benutzen und sich entschlossen, nur alles Negative bezüglich Israel aufzulisten ? 

Hing also alles nur am FREIEN WILLEN oder war es ein G – ttgewollter Plan ? Wenn wir unseren FREIEN WILLEN nutzen, dann sollten wir dies mit Chochmah (Weisheit) tun und nicht gemäss unseren eigenen Lebensvorstellungen richten und entscheiden. Letzteres nämlich veranlasste die Spione, ihren einseitig negativen Bericht abzuliefern.

"HaRabbi miLubawitsch - The Rebbe"

B"H

Das Buch gilt bei vielen Leuten als ziemlich kontrovers. Insbesondere bei der chassidischen Gruppe Chabad. 

Es ist zwei Jahre her, seitdem die Autoren Menachem Friedman und Shmuel Heilman das Buch veröffentlichten und ich kann mir vorstellen, dass es auf dem deutschen Markt fast unbekannt sein dürfte. Friedman und Heilman verfassten ein kritisches Buch über die letzten zwei Lubawitscher Rebben: Den sechsten Rebben, Rabbi Yoseph Yitzchak Schneersohn, sowie den siebten Rebben, Rabbi Menachem Mendel Schneerson. Anzumerken sei, dass Rabbi Menachem Mendel der Schwiegersohn des Rebben Yoseph Yitzchak was und daher die Schreibweisen des Nachnamens unterschiedlich geschrieben werden.  


Photo: Miriam Woelke

Der Buchtitel lautet "HaRabbi miLubavitch" (in der hebräischen Ausgabe) und "The Rebbe: The life and the afterlife of Menachem Mendel Schneerson" (in der englischen Ausgabe). Das Buch rief eine hohe Kontroverse hervor, da es sich eingehend mit dem fast "säkuleren" Lebensstil des Rebben Menachem Mendel befasst. Und zwar zu der Zeit als er an den Unis in Berlin und Paris studierte. Außerdem: Wie kam es dazu, dass Chabad – Lubawitsch von einer kleinen unbedeutenden chassidischen Gruppe zu einem der größten Unternehmen aufsteigen konnte ?

Vor ein paar Tagen kaufte ich mir die hebräische Buchausgabe, doch wer in englischer Sprache nachlesen will, der kann dies HIER tun!

Weitere Links:



Ich werde das Buch lesen und hier auf Hamantaschen sowohl als auch auf meinem englischen Buch einige Inhalte diskutieren.

Montag, Juni 11, 2012

Reiche Rabbis in Israel

B"H

Der "Failed Messiah" bringt einen aktuellen Bericht zu einem Thema, welches mich schon seit langem stört und welches ich immer wieder plane anzusprechen. Anzusprechen in dem Maße, dass mein Bericht auf Tatsachen und einer guten Recherche beruht. Und genau das kostet Zeit. Momentan plane ich viele unterschiedliche Recherchen zu verschiedenen Themen und all das ist ein riesen Zeitaufwand. Im Blog mag der Artikel als recht kurz empfunden werden, doch machen sich die Leser häufig keine Vorstellung davon, was ein paar Sätze an langfristiger Recherche bedeuten.

Ich bin nicht unbedingt ein großer Fan des "Failed Messiah", denn meiner Meinung nach pickt dieser sich nur sämtliche negativen Seiten der jüdisch – religiösen Welt heraus, ohne auf das Positive einzugehen. Nur weil man einmal Zoff innerhalb seiner eigenen Gruppe, beim “Failed Messiah” war dies Chabad, hatte, muss ich doch nicht dermassen ausrasten und in das hasserfüllte Gegenteil umschlagen. Dennoch gebe ich zu, dass selbst der "Failed Messiah" einige interessante Infos beisteuert. Zu seinem Artikel, den ich hier ansprechen möchte, würde mich allerdings die Herkunft seiner Angaben der Geldsummen interessieren. Die genauen Summen kennt vermutlich niemand außer den jeweiligen Rabbinern und den Banken.

In Israel ist es, weiss G – tt, nicht unbekannt, dass einige chassidische Rebben sowie verschiedene Rabbiner reich sind. Zum Beispiel gehört der Gerrer Rebbe (Chassidut Gur) zu den reichsten Bewohnern des Landes. Als einer der vorherigen Gerrer Rebben wegen des in Polen stattfindenden Holocaustes nach Israel (damals noch Palästina) entkam, war der Rebbe recht arm. Kurz darauf jedoch stieg die chassidische Gruppe Gur, insbesondere deren Rebbe, zu Reichtum auf. Die offizielle Begründung lautet, dass der Rebbe ein gutes Händchen in der Immobilienbranche besass. Inoffiziell aber weiss niemand so genau, woher das Geld stammte. Trotzdem will ich dem "Failed Messiah" mit meiner Version keine neue Nahrung für Spekulationen bieten.

Der Belzer Rebbe ist ebenso reich und ich nehme an, dass viele der Gelder aus dem Belzer Diamantenbusiness in Antwerpen stammen. Andererseits darf jedoch nie vergessen werden, dass die Rebben sehr viel Geld in ihre eigenen Gemeinden investieren. Zedakah - Spenden an die Bedürftigen sowie soziale Einrichtungen, stehen dabei an vorderster Stelle. Wir sollten uns davor hüten, blind zu argumentieren, dass sich hier ein paar wohlhabende chassidische Rebben mit ihrem Geld einen faulen Lenz machen.

Persönlich ist es mir völlig schnuppe, ob diverse Chassidim reich sind oder nicht. Was mich aber stört, sind zahlreiche sephardische Rabbiner, die sich in die israelische Politspäre sowie bei heimischen Geschäftsleuten einschleimen, um abzusahnen. Insbesondere ziele ich hierbei auf Rabbi Pinto. Seit längerer Zeit schon sammele ich Material über die Machenschaften des Rabbi Pinto und mehrere Leser meines englischen Blogs haben mir Infos zukommen lassen. Rabbi Pinto ist eine der Hauptfiguren, welche die jüdische Religion benutzen, um ihr Leben a la Hollywood zu gestalten. G – tt ist dabei egal, Hauptsache, es geht mir gut. Seit mehreren Jahren hat es sich geradezu eingebürgert, dass Rabbi Pinto israelische Celebrities am Rosh Hashana zum Grab des Rabbi Nachman von Breslov in das ukrainische Uman schleppt. Die israelische Presse steigt jedes Jahr wild auf das Thema ein und lobt Pinto. Ich hingegen frage mich, was ihm das an sogenannten unversteuerten "Spendengeldern" einbringt.

Zweifellos gibt es viele wohlhabende Rabbiner / chassidische Rebben, doch die Kehrseite der Medaille dürfen wir auch nicht übersehen: Nämlich, dass viele von ihnen hohe Geldsummen für wohltätige Zwecke ausgeben.

Gewürzmischung gegen das "Böse Auge / den Bösen Blick"

B"H

Neulich betrat ich einen Jerusalemer Gewürzladen am Machane Yehudah Markt und zu meiner Überraschung wird dort eine eher ungewöhnliche Gewürzmischung angeboten: Eine Rezeptur gegen das “Böse Auge / den Bösen Blick” (Hebräisch: AYIN HA’RAH). Die seltsame Mischung soll jedenfalls davor schützen.


Sieht aus als bestehe die Mischung aus kleinen Zweigen, Steinchen und vielleicht ein paar Gewürzen. Was es nicht alles gibt.

Photo: Miriam Woelke

Links:


Sonntag, Juni 10, 2012

Die HURVAH SYNAGOGE by Night


Die im Jahre 1948 von den Jordaniern zerstörte und vor wenigen Jahren wieder aufgebaute HURVAH Synagoge in der jüdischen Altstadt von Jerusalem.

Photos: Miriam Woelke


Das Fundament der Thora, Teil 1

B"H

Was erwartet G – tt von Juden und Nichtjuden ? Sind Juden wirklich nur perfekt, wenn sie sämtliche Gesetze der Thora einhalten oder gibt es da vielleicht ein paar wesentliche Glaubensgrundsätze, die sie, wenn auch sonst säkuler, dennoch einhalten sollten ? Glaubensgrundsätze, welche genau so für Nichtjuden gelten, obwohl diese eigentlich nur zur Einhaltun der Sieben Noachidischen Gesetze verpflichtet sind.

Laut Rabbi Moshe ben Maimon, dem RAMBAM (Maimonides, 1135 – 1204) existieren spezielle fundamentale Grundsätze für jedermann und nicht unbedingt nur für Juden. 

1. Wir sollten WISSEN, dass es einen G – tt gibt. In seiner Mischna Thora (Traktat HILCHOT YEDODE’I HA’TORAH) verwendet der Rambam bewusst den Begriff WISSEN und nicht GLAUBEN. Ob sich Rambam hier nicht mit seinem "Buch der Mitzwot – Sefer Ha’Mitzwot" widerspreche, denn dort verwendet er schliesslich das Wort GLAUBEN. An einen G – tt zu glauben. 

Die Mischna Thora ist das einzige seiner Bücher, welches er in hebräischer Sprache verfasst. Alle anderen schrieb er auf Arabisch. Handelt es sich bei dem GLAUBEN in Sefer Ha’Mitzwot lediglich um einen Übersetzungsfehler ? Eine Antwort darauf suche ich noch. 

Wie dem auch sei … andere Rabbiner halten den Ausdruck “An G – tt glauben” für nicht gerade passend. Der berühmte spanische Thorakommentator, Rabbi Yitzchak Abarbanel (1437 – 1508), zum Beispiel, stellt diesbezüglich eine logische Frage: 

Wie kann das erste Gebot lauten, an einen G – tt GLAUBEN zu müssen, wenn G – tt doch selber die Gebote erstellte ? Ohne Ihn gebe es ja schliesslich dieses Gebot gar nicht !

Donnerstag, Juni 07, 2012

Die hohe Lebenserwartung im Buch Bereschit (Genesis)

B"H

Der Talmud, die Midrasch sowie sämtliche rabbinischen Kommentare, nicht zu vergessen die Thora selbst, lehren uns von einer erstaunlich hohen Lebenserwartung der ersten Menschen. Die ersten Generationen, welche von Adam und Eva (Chava) bzw. ihrem dritten Sohn Seth (Schet) abstammen. 500, 600, 700, ja sogar 900 Jahre lebten die Menschen damals. Wie kann das sein ?

Die allgemeine Erklärung lautet, dass die Menschen vor der Flut einen anderen DNA besassen als wir heute. Selbst als die Generationen nach der Flut. Auch gab es vor der Flut keinerlei Krankheiten und wenn es an der Zeit war, zu sterben, vielen die Menschen einfach um. Ohne Vorwarnung, ohne alles.

Der RAMBAM (Maimonides, 1135 – 1204) und der RAMBAN (1194 – 1270) legen ihren völlig unterschiedlichen Ansichten zum Thema in ihren Schriften fest. Der RAMBAM in seinem "Führer der Unschlüssigen - Moreh Nevuchim" und der RAMBAN in seinem Thorakommentar. Beide Rabbiner, die sich nie begegnet sind, könnten unterschiedlicher nicht sein. Der Rambam ist eher auf das Pragmatische fixiert und hält nicht viel von spirituellen oder kabbalistischen "Exkursionen". Der RAMBAN war das genaue Gegenteil und die Kommentare der beiden Rabbiner werden bis heute gerne gegenübergestellt.

So sagt der RAMBAM zur hohen Lebensspanne der Menschen vor der Flut, dass nicht alle Leute viele Hundert Jahre alt wurden. Allein diejenigen, die sich in der Thoraauflistung befinden: Adam, Schet, Enosch, Kenan, Mahalalel, Jared, Enosch, Methusalem, Lamech und Noach lebten mehrere Hundert Jahre.

Was aber ist mit all den anderen Generationen, die ebenfalls von Adam abstammten ? Hatten Schet oder Enosch, etc. nicht viele weitere Kindern bzw. Nachkommen ? Was war mit ihnen ?

Rabbinische Kommentare besagen (u.a. im BUCH KUZARI von Rabbi Yehudah HaLevi), dass nur diejenigen eine hohe Lebenserwartung besassen, welche sich in direkter Linie bis Avraham fortsetzen. Mit Avraham sehen wir, dass die Entstehung des gesamten Judentums einer Linie folgt. Nämlich mit seinem Sohn Yitzchak und nicht mit Ischmael. Yitzchak hat zwei Söhne und auch hier geht die direkte Linie nur an einen über: Nämlich an Yaakov und nicht an Esav.

Genau so verhält es sich, gemäss des RAMBAM mit der hohen Lebenserwartung vor der Flut Noachs. Der RAMBAN hingegen war der Ansicht, dass alle Menschen ein dermassen hohes Lebensalter erreichten und nicht nur einige Wenige. Auch hier erhalten wir keine deutliche Festlegung, denn niemand von uns war dabei bzw. kann dies heute noch nachprüfen.

Links:



Die Lebenserwartung vor und nach der Flut

Keine klaren Antworten, oder doch ?

B"H

Wer im Judentum eindeutige Antworten sucht, der sollte sich darauf gefasst machen, sie nicht zu finden. Allein die Gemara (Teil des Talmuds) besteht zu weit mehr als 50% aus widersprüchlichen rabbinischen Ansichten und Diskussionen. Ein Rabbiner hat zu einem Thema eine Meinung, ein zweiter Rabbiner ist anderer Ansicht und so fort. 

Wie man sich auf eine Antwort einigt, ist teilweise Auslegungssache. Welchem Rabbiner und welcher Ansicht / Brauch folgt man heute ? Ist man aschkenasischer oder sephardischer Jude oder jemenitischer Abstammung. Insgesamt kommt es auf viele Faktoren an, doch gibt es festgelegte Gesetze, an denen sich nicht rütteln läßt. Ein Basiskonzept ist also stets vorhanden, wie der SCHULCHAN ARUCH, zum Beispiel. Die MISCHNA THORA des Rambam oder der ARUCH HA'SCHULCHAN. 

Ich gebe zu, dass die Fülle der halachischen Festlegungen, Auslegungen und Kommentare oft verwirrt. Für Juden, die sich jedoch mehrere Stunden am Tag damit beschäftigen, werden die Themenbesprechungen höchst interessant.

Dienstag, Juni 05, 2012

Chassidische Sichtweisen zum Konvertiten

B"H

"A Simple Jew" bat mich, seine Buchveröffentlichung bekanntzugeben. Da das Thema sicher viele Leser interessiert, hier der entsprechende Link: 


Beim "Simple Jew" bin ich mir sicher, dass seine Inhalte sehr gut recherchiert sind. Allerdings ist das Buch bisher nur in englischer Sprache erhältlich. 

Ich will ja keine Schleichwerbung betreiben, doch befinde auch ich mich inmitten einer Buchvorbereitung. Das Buch, wenn es denn, hoffentlich im September, fertig sein wird, erscheint auf Deutsch sowohl als auch auf Englisch. Genaueres gebe ich noch bekannt. Der Inhalt wird sich nicht mit Konversionen beschäftigen, sondern vielmehr die haredische (ultra – orthodoxe) Welt darstellen. 

Das Buch ist auch in deutscher Sprache zu haben:

http://www.amazon.de/Bnei-Avraham-Ahuvecha-Chassidic-Thought/dp/1470014521/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1339072854&sr=8-1

Montag, Juni 04, 2012

Kostenloses YAHRZEIT App

B"H 

Neulich lud ich mir ein kostenloses Yahrzeit App herunter und wer sich dafür interessiert, der findet es HIER. 

Unter YAHRZEIT (in Hebräisch AZKARAH) versteht man den Todestag einer Person. Im Judentum wird der Todestag besonders "gefeiert". Das mag sich für den Außenstehenden schlimm anhören, ist es aber bei genauerer Betrachtung nicht. Normalerweise wird eine Yahrzeit mit der Einladung von Freunden, Bekannten und Verwandten, die den Toten kannten oder auch nicht, begangen. Festliches Essen wird serviert und ein jeder kann seine Erlebnisse mit dem Toten zum Besten geben. Auf diese Weise wird die Seele des Toten erhoben.

Chabad Ramat Aviv darf nicht in die örtliche Shopping Mall


Der heutige Artikel in der israelischen tageszeitung MA'ARIV

Photo: Miriam Woelke
B"H

Laut der israelischen Tageszeitung MA'ARIV (sowie anderweitiger Presseberichte), dürfen die Chabad (Lubawitsch) Chassidim ab sofort keinen Tefillinstand mehr in der örtlichen Shopping Mall aufstellen. Bisher hatten Kunden sowohl als auch Ladenbesitzer den Chabad – Stand genutzt, um ihre Tefillin (Gebetsriemen) zu legen, doch dies scheint nun vorbei zu sein.

Das Legen der Gebetsriemen ist ein vorgeschriebenes morgentliches Ritual im Judentum. Jüdische Männer legen ihre Tefillin basierend auf Thora sowie der Halacha. Die chassidische Gruppe Chabad (Lubawitsch) legt hohen Wert darauf, Outreach zu betreiben und baut seit vielen Jahren öffentliche Stände an Flughäfen, in Fussgängerzonen oder auf Märkten an, wo jüdischen Männern, die normalerweise nicht jeden Tag Tefillin legen, dies nachzuholen. 

Gestern nachmittag kam der Ramat Aviv Chabad Rabbi, Rabbi Mordechai Wober, wie gewohnt zur Shopping Mall der noblen Ramat Aviv Mall, um drinnen seinen Tefillinstand aufzubauen. Zu seiner Überraschung verweigerte ihm der Wächter am Eingang den Zutritt. Rabbi Wober ging zu einem anderen Eingang und auch hier wurde er am Eintritt gehindert. Letztendlich gelang es dem Rabbi jedoch, die Mall zu betreten, denn Passanten hatten sich lautstark für den Rabbiner eingesetzt.

Die offizielle Stellungnahme der Ramat Aviv Mall: Die Ramat Aviv Mall heisst jeden Besucher willkommen. Egal, welche Hautfarbe, welches Geschlecht oder welche Religion er hat. Im Fall Chabad jedoch hatte es seitens vieler Kunden und Ladeninhaber Beschwerden gegeben, denn zahlreiche Leute fühlen sich von den Chassidim bedrängt. Aus diesem Grund hatte die Leitung der Mall die Chabadnikim aufgefordert, in Zukunft auf ihren Stand zu verzichten. Als Kunden aber seien sie jederzeit gern gesehen.

Die Chabad – Niederlassung im Nobelviertel Ramat Aviv (im Norden von Tel Aviv) hat seit Jahren Probleme mit vielen Teilen der Bewohner. Zum einen ist die Niederlassung meschichistisch angehaucht. Bedeutet, dass die Chabadnikim in Ramat Aviv zu denjenigen der Gruppe gehören, welche den letzten Rebben Menachem Mendel Schneerson (gestorben im Juni 1994) als den Meschiach betrachten. Das Herumfahren auf einem gelben Meschiach – Motorrad sowie das Schwenken der berühmten gelben Meschiach – Flagge kommt nicht bei allen Nachbarn gut an. 


Chabad House mit Meschiach - Flagge in Zfat / Nordisrael

Photo: Miriam Woelke


Zudem ist die Mehrheit der Bevölkerung von Ramat Aviv säkuler, wenn nicht sogar der eigenen Religion nicht gerade freundlich gesonnen. Chabad also stört den säkuleren Schein. Andererseits veranstaltet Chabad öffentliche Pessach – Sedern, zu der zahlreiche Nachbarn gern und zahlreich erscheinen. Ich selbst nahm vor zwei Jahren an der Pessach – Seder in Ramat Aviv teil.

Für jene, die nicht mit den Örtlichkeiten vertraut sind: Das Chabad House und die eigene Yeshiva (relig. Schule) liegen nur wenige Meter von der Mall entfernt. 

Link:

Nur in Chabad: "Der Weihnachtsmann mit Tefillin"

Koscher an die Klagemauer (Kotel)

B"H 

Um an die Klagemauer (Kotel) zu gelangen, muss ein jeder Besucher einen Security Check durchlaufen. In der Realität bedeutet dies, dass der Besucher eine Sicherheitsschranke durchquert. Vorher sollten Tascheninhalte und sonstige Mitbringsel auf ein Fliessband gelegt werden, wobei ein Monitor deren Innenleben anzeigt. Befinden sich noch irgendwelche Metallteile in den Jackentaschen des Besuchers, so erklingt das Alarmsignal der Sicherheitsschranke. Manchmal verursachen sogar das Kleingeld im Portemonnaie oder eine Gürtelschnalle ungeahnte Probleme.

Es existieren vier Eingänge zum Kotel Plaza und alle vier werden von Angestellten eines privaten Sicherheitsunternehmen bewacht. Zwar befindet sich am Plaza eine Polizeistation, doch die Polizisten selbst führen keine Checks durch. Es sei denn, die Security Angestellten melden jemanden Auffälliges.

In der Vergangenheit beschwerten sich viele religiöse Juden über das private Sicherheitspersonal, welches vorwiegend aus eingewanderten Äthiopiern bestand. Die Äthiopier wiederum schienen relig. aschkenazische Juden nicht unbedingt auf ihrer Beliebtheitsskala zu haben. Es gab ständig Zoff. Vor allem am Schabbat, denn da kame in weiteres Problem auf: 

An Wochentagen durchlaufen die Besucher die Sicherheitsschranke, doch was geschieht am Schabbat ? Die Schranke wird elektronisch betrieben und es leuchten rote und grüne Lichter auf. Juden aber ist es verboten, am Schabbat Licht zu zünden. Ein Anzünden zu verursachen fällt ebenso in die Verbotskategorie. Was geschieht also mit der Schranke am Schabbat ? Viele relig. Juden weigerten sich, am Schabbat die Schranke zu durchqueren. Immer wieder kam es zu langwierigen Diskussionen mit dem Sicherheitspersonal. Die elektronischen Sensoren waren seit jeher ein schwerwiegendes halachisches Problem.

Jetzt wurde es gelöst, denn führende Rabbiner setzten sich zusammen und suchten nach einer Lösung. Ein technologisches Institut entwarf eine koschere Sicherheitsschranke, welche sogar die Zustimmung des Rabbi Moshe Sternbuch von der ultra – extremen Dachorganisation "Edah HaCharedit" erhielt.

Sonntag, Juni 03, 2012

Leserfrage: "Ist Nichtjuden das Kippaanfassen verboten ?

B"H 

Jemand stiess auf diesen Blog, indem er die Frage "Kippa anfassen für Nichtjuden verboten ?" googelte. Auf den ersten Blick klingt die Frage eher belustigend, doch schauen wir, was genau dahinter steckt. 

Weder eine Kippa, noch Zizit (Schaufäden) oder Tefillin (Gebetsriemen) sind heilige Objekte. Es sind Objekte, die ein Jude zu einem bestimmten Zweck benutzt und wenn sie ausgedient haben bzw. kaputt gehen, werden sie weggeworfen. Bei den Tefillin sollte man jedoch vor dem Wegwerfen darauf achten, die Thoraverse, die auf Papier in den einzelnen Boxen vorhanden sind, herauszunehmen. 

Es besteht keinerlei Anlass für einen Nichtjuden, eine Kippa nicht anfassen zu dürfen. Genau so kann er Tefillin oder Zizit anfassen. Letztere sollte er nicht benutzen, vor allem nicht die Tefillin legen, doch ein Anfassen macht ja nichts unkoscher. 

Was hingegen weder von Nichtjuden noch von Juden, die keine Cohanim (Tempelpriester sind) angefasst werden darf, wäre die Bundeslade, die bis heute als zeitweilig verschollen gilt. Jene Bundeslade, die von den Israeliten in der Wüste gebaut wurde und worin,u.a., die Thoratafeln oder der Stock des Aharon enthalten sind. 

Was von Nichtjuden nicht angefasst werden sollte (und der Talmud gibt Auskunft darüber) ist eine geöffnete Flasche koscheren Weines. Eine geschlossene Flasche darf angefasst werden. Eine Nichtjude darf in dem Fall, in dem es sich um gekochten Wein handelt, selbst eine geöffnete Flasche koscheren Weines anfassen. 

Wer als Nichtjude in einem jüdischen Haushalt eingeladen ist, der sollte sich auf alle Fälle nicht gleich der Weinflasche bedienen, sondern die Angelegenheit mit dem Hausherrn absprechen oder warten bzw. verlangen, dass man ihm den Wein ins Glas einschenkt. 

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Vorsicht bei Wein !

Konvertiten zum Judentum und höhere jüdische Studien

Rabbi Moshe ben Maimon, der Rambam (1135 - 1204). Einer der größten jüdischen Philosophen und Kommentatoren.



B"H 

Längst habe ich es aufgegeben, irgendwelche Infos zum Giur (der Konversion zum Judentum) in Israel zu veröffentlichen. Zu kompliziert ist das Verfahren geworden und da lohnen sich kaum Erläuterungen, wenn sich nach einem Monat eh wieder die Gesetze ändern. Eines aber kann ich sagen: Der orthodoxe Giur in Israel ist alles andere als leicht. Spezielle Zulassungen vom Innenministerium bezüglich der Visafrage werden benötigt. Dazu weitere Zulassungen vom Oberrabbinat und dem einzelnen Konversionskurs. Weiter will ich mich zum Thema nicht auslassen. 

Warum ich an dieser Stelle zum Thema überhaupt noch Stellung nehme, hat einen ganz anderen Grund. Und zwar geht es um potentielle Konvertiten, die im Nachhinein irgendwie doch nicht konvertieren wollen, weil ihnen die Stellungnahmen des Rambam (Maimonides, 1135 – 1204) nicht passen. Und zwar würde der Rambam, u.a., gegen Nichtjuden hetzen. Ein paar Mails eines Betreffenden erreichten mich zum Thema und die Inhalte brachten mich auf den Gedanken, folgendes in den Blog zu stellen: 

Zuerst einmal sei gesagt, dass ein Neuling, der sich mit dem Judentum auseinandersetzt bzw. zu konvertieren plant oder bereits dabei ist, sich gewiss nicht mit hochakademischen Schriften wie denen des Rambam auseinandersetzen sollte. Das ist so als Beginne ich mein Physikstudium mit meiner eigenen Nominierung zum Nobelpreis. Wer sich mit dem Judentum beschäftigt und keinerlei Grundkenntnisse besitzt (die Segen zum Essen etc., warum man Schabbat hält und wie, wie ein Jude betet, wie wird koscher gegessen bzw. gekocht und warum gibt es nur einen G – tt) der sollte gemeinsam mit einem Rabbiner oder in einem Konversionskurs ein Fundament aufbauen. Dies geschieht im Regelfall allmählich, denn es geht nicht darum, im Hauruck – Verfahren die Einhaltung der Halachot eingekloppt zu bekommen, sondern die Konversion zum Judentum setzt eine Änderung der Lebenseinstellung voraus. 

Nicht, dass sich der Neuling hochakademische Studien "reinzieht" und bei jeder Gelegenheit wahllos aus dem Talmud oder vom Rambam zitiert. Inhalte, die er gar nicht zu deuten versteht und lediglich mit seinem falschen Wissen anzugeben versucht. Kenntnisse im Judentum werden sich innerhalb vieler Jahre angeeignet und sich einfach so hinzusetzen und Bücher zu lesen, ohne Rabbiner ohne Kurs ohne Yeshiva (relig. Schule) grenzt an Arroganz. "Ich lese das, verstehe es und was soll ich da mit einem Rabbiner ? Ist doch alles klar, oder ?" 

Der Eine konvertiert und gibt sich hinterher mit einem gewissen Quentchen an Grundwissen zufrieden. Ab und an geht er zu einem relig. Vortrag und das reicht ihm. Andere hingegen melden sich nach dem Giur zu weiteren höheren Studien bei Yeshivot oder Seminaren an, um dort ein Jahr oder länger zu verbringen. Aber selbst dort steht der Rambam noch nicht sofort auf dem Programm. Wie also kann da ein Anfänger einfach so die Schriften des Rambam lesen, noch dazu in einer Fremdsprache und nicht im hebräischen bzw. im arabischen Original ? 

Grundsätzlich sei angemerkt, dass ein Studium des Rambams allein ebenso mehrere Jahre voraussetzt und nicht eben mal so ein kurzes Durchschmökern und dann "passt mir nicht". Leider muss ich sagen, dass sich viele dieser Leute keines Besseren belehren lassen und es vorziehen, mit ihren einsamen falschen Studien fortzufahren. 

All jene, die ernsthaft am Rambam interessiert sind: Rabbi Chaim Eisen aus Jerusalem bietet kostenlose online Vorträge an: 

http://yeshivathsharashim.org/

Mittwoch, Mai 30, 2012

Zum Thema MYSTIK

B"H

Die jüdische Kabbalah hat für einen Außenstehenden fast immer einen Hauch von Magie. So richtig schön geheim und sei man erst einmal in der Lage, gewisse Kenntnisse zu erlangen, geschweige denn, irgendwelche Codes zu knacken, so könne man endlich sein Leben perfekt meistern. Die Kabbalah als Heilmittel des Privatlebens. Erst dann geht es mir gut und aus diesem Grund boomt der Esotherik – Markt gleich mit.


Copyright / Photo: Miriam Woelke

Dass das ernsthafte Studium der jüdischen Kabbalah nur unter bestimmten Bedingungen erfolgen kann, daran denkt seit Madonna kaum noch jemand. Frei nach dem Motto: “Was Madonna und Demi Moore können, das kann ich schon lange !” Was die Wenigsten wissen: Madonna lernt lediglich die jüdischen Buchstaben und meditiert am ersten Buchstaben Aleph. Das Kabbalah – Center aber verkauft allein dieses wirre Meditieren bereits als Kabbalah und Madonna allein brachte der Familie Berg Millionen ein.

Was die jüdische Kabbalah jedoch genau beinhaltet, ist nicht immer ganz so aufregend. Immerhin wird die Kabbalah in einige unterschiedliche Arten unterteilt. Eine Menge Thorawissen, Propheten, Talmud, Midrasch oder Legenden (Aggadot), sind notwendig. Das Studium ist aufwendig und dauert Jahre. Fast immer geschieht es, dass ein Lernender auf Hindernisse stößt. Die Recherche gehört dazu und fast jedes Konzept birgt viele weitere Konzepte in sich, die dann auch erst wieder recherchiert werden müssen. An dem Punkt angelegt bewegt man sich bereits in ein anderes Thema hinein, läßt sein eigentliches Thema etwas fallen und recherchiert, bis kurz darauf eine dritte Komplikation auftaucht. Wer, z.B., den Talmud nicht interpretieren kann, dem ist abzuraten, sich mitten im Kabbalahstudium an den Talmud heranzutasten. 

Das hört sich alles nervig und verwirrend an und genau aus diesem Grund kann der Lernende leicht verloren gehen. Das heutige Kabbalah – Center jedoch lehrt nicht diese präzise Tiefe, sondern pickt sich einige wenige Brocken heraus und peppt diese esotherisch leicht gemacht auf. Ansonsten würde niemand vom Clientele auch nur einen winzigen Teil kapieren.

Wer zumindest der englischen Sprache mächtig ist, der kann sich bei Amazon die Bücher der Jerusalemer Professorin Rachel Elior bestellen. Es gibt nur wenige Religionsbücher von israelischen Professoren, die ich lese, denn normalerweise betrachten Professoren alles von der akademischen Sichtweise her und nicht von der Religiösen. Rachel Elior ist dagegen mit ihrem Fachwissen eine der wenigen positiven Ausnahmen.

In ihrem Buch "Jewish Mysticism – The Infinite Expression of Freedom" definiert Rachel Elior die Bedeutung der Mystik. Was ist Mystik ? Die jüdische Mystik geht davon aus, dass es eine weitere verborgene Welt neben unserer jetzigen alltäglichen Welt gibt. Eine verborgene Welt außerhalb der unseren, welche wir nur mit Hilfe bestimmter Werkzeuge erreichen. Zum Beispiel durch Meditation oder indem wir uns zu G – tt bekennen und Seine Thoragesetze einhalten.

Eine uns verborgene Welt muss jedoch nicht unbedingt eine andere Welt sein, in die wir uns per Spiritualität einklinken. Genau so kann die Mystik in unserer Welt, in unserem Jetzt, stattfinden. Wie ? Indem es eine weitere Realität gibt. Eine zusätzliche Realität neben jener, die wir tagtäglich erleben. Eine Änderung unseres Bewusstseins bzw. unseres Wahrnehmungsvermögens reicht schon aus, um die zweite Realität zu erfassen. Nicht immer zu verstehen, doch zu wissen, dass sich hinter dem Vorhang unserer Welt noch ganz etwas anderes verbirgt.

Die jüdische Kabbalah bezieht sich in fast all ihrer Literatur stets auf die G – TT / MENSCH Beziehung. Ich wurde von G – tt erschaffen und meine Aufgabe in dieser Welt besteht darin, mich Ihm zu nähern und Seinen an mich gestellten Willen (die Thoragesetze) so gut wie möglich zu erfüllen. Nicht perfekt, sondern gemäss dem Potential, welches G – tt mir mit auf den Lebensweg gab.

Nähere ich mich an G – tt an, lerne Thora, dann wird mir klar, dass Er es war, welcher jegliches Sein inklusive dem Universum erschuf. Er steht über allem Positiven und auch Negativen. Anhand von Gebet und Thoramitzwot erhalte ich als Mensch einen eingeschränkten Einblick in die spirituelle Welt G – ttes. Verstehen oder sehen werde ich weder G – tt noch die Welten; lediglich meine Seele erhält ihren Bedarf an spiritueller Nahrung.

In der jüdischen Mystik ist die Welterschaffung durch G – tt ein wesentlicher Faktor. Wie wurde unser Universum von G – tt erschaffen und die mittelalterlichen Kabbalisten entwarfen aufgrund ihrer Beschreibungen ein regelrechtes Heer der symbolischen Sprache. Eine Symbolik, welche uns den unendlichen unsichtbaren G – tt nahebringt. Anhand dieser Symbolik kann sich unser menschlicher Verstand eine Welterschaffung aus dem absoluten Nichts vorstellen. "Am Anfang war nur G – tt allein" – wie bittschön sollten wir uns das ohne Symbolsprache vorstellen ? Dass da ein großes schwarzes Loch existierte, in dem G – tt herumschwebte und sich eben mal so entschloss, etwas zu erschaffen.

Aber nicht nur die späteren Kabbalisten entwickelten eine Symbolsprache. Schauen wir nur in die Prophezeigungen des Yechezkel (Jezekiel), dann werden wir von Beginn an mit Symbolen überhäuft. Engel und unterschiedliche Staturen G – ttes. Zwischen dem eigentlichen Text und der Interpretation liegen Welten und wer die Symbolik nie zu deuten gelernt hat, geht in seinen eigenen Phantasien unter.


Blick auf die Berge von Meron. Unterhalb befindet sich der berühmte Friedhof von Zfat in Nordisrael. Auf diesem Friedhof sind zahlreiche mittelalterliche Kabbalisten beerdigt. 

Copyright / Photo: Miriam Woelke


Die Frage ist, ob wir unbedingt spirituell abtauchen müssen, um die verborgene Welt um uns herum zu erfahren. Meiner Meinung nach nicht und fast immer sind wir eh in unserer Alltagsrealität gefangen. Was sollen wir da nebenbei noch mit der verborgenen Welt ?

Mein Vorschlag wäre, dass jeder seine Augen öffne und allein seine Umwelt und vor allem sich selbst viel intensiver wahrnimmt und nicht einfach nur beduselt, genervt oder gestresst durchs Leben hastet. Was nützt es mir, wenn ich die verborgene Welt suche, doch meine eigene Realität noch gar nicht kenne ?


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Schon lange nichts Neues mehr verfasst, doch auch das wird sich demnächst ändern ! Wer aber ein paar Hintergrundinfos sucht, der ist HIER richtig:

Dienstag, Mai 29, 2012

Dürfen ungestempelte Briefmarken wiederverwertet werden ?

B"H

Dürfen ungestempelte Briefmarken wiederverwertet werden ?  
 
Ab und zu kommt es schon vor, dass ein Brief eintrifft und die Post vergaß doch glatt, die Briefmarke zu stempeln. Vor vielen Jahren als ich noch richtige Briefe verschickte, freute ich mich, wenn da eine ungestempelte Marke kam, die ich ausschnitt und auf meinen nächsten Brief klebte. Die Frage aber ist, ob dies im Judentum erlaubt ist. 

Erst jetzt fand ich heraus, dass die private Wiederverwertung solcher von der Post übersehener Marken verboten ist. Die jüdische Halacha betrachtet ein derartiges Handeln als DIEBSTAHL, denn zahlte doch der ursprüngliche Absender des Briefes die Post für ihre Dienste. Die Post jedoch übersah, aus welchen Gründen auch immer, den Brief und vergaß diesen abzustempeln. Trotzdem lieferte sie den Service und somit verwirkt die Briefmarke ihre einmalige Gültigkeit. 

Wenn also bei Euch ein Brief mit einer ungestempelten Briefmarke eingeht, so könnt Ihr diese nicht wiederverwenden.

Feiertagspause im Judentum




Das Äußere einer sephardischen Synagoge im Jerusalemer Stadtteil Nachlaot. 

Photo: Miriam Woelke 
B"H 

In Israel ging Schavuot am Sonntag abend zuende, in der Diaspora gestern (Montag) abend. Wem die ganzen Feiertage "langweilig" bzw. "zu viel" wurden, dem sei gesagt: "Bis zum Rosh Hashana (jüd. Neujahrsfest) Mitte September finden kaum weitere Feiertage statt !" 

Am Samstag abend als der Schabbat zuende ging und umgehend Schavuot begann, beteten Juden die längste Havdalah (Gebet nach dem Schabbat und die Segnung der neuen Woche) des Jahres. Zuerst wurde der Schabbat verabschiedet und gleich darauf erfolgte der Kiddusch (Segnung des Weines) für den Schavuot – Feiertag. 

Seit weit mehr als einem Jahr war ich wieder einmal bei einem Schabbatessen bei Rabbi Mordechai Machlis. Ich weiss, dass andere Blogs die Machlis - Familie als diejenigen anpreisen, welche auch Nichtjuden am Schabbat aufnehmen. Allerdings hören sich derlei Ankündigungen wie ein Touristenreport an, der da ganze Reisegruppen zu den Machlises schicken will. Immerhin sei erwähnt, dass zu viele Nichtjuden mit ihren Kameras nicht unbedingt willkommen sind. Ein jüdischer Schabbat ist keine Ausstellung des Judentums und wer die Machlis – Familie eben mal so als Ausflugsziel ankündigt, der übersieht anscheinend die anwesenden jüdischen Gäste, die einen jüdischen Schabbat feiern suchen und nicht unbedingt einen Tischnachbarn wollen, der ein fettes Kreuz als Halskette trägt. 

Insgesamt bin ich froh, wieder in Jerusalem zu sein. Da ich in der glücklichen Lage bin, mir meine Arbeitszeiten selbst einteilen zu können, finde ich auch endlich wieder Zeit, an relig. Unterrichten (Schiurim) teilzunehmen. Außerdem war ich froh, endlich einmal viele Freunde wiederzusehen, die ich wegen des Zeitmangels solange nicht sehen konnte.