Montag, Januar 16, 2012

Darf ein Jude nichtjüdische Freunde haben ?

B”H 

Darf ein Jude nichtjüdische Freunde haben ? 

In der Diaspora klingt diese Frage wahrscheinlich mehr als skurril und allzu Liberale kommen jetzt sicherlich wieder mit der “Rassismus – Keule” daher: 

“Was, wie, Juden sind etwas Besonderes und über allen anderen erhaben ?” 

Bei jüdisch - religiösen Familien in Israel kommt diese Frage weniger auf, denn normalerweise haben eben jene Kinder keine nichtjüdischen Freunde und sehnen sich auch nicht danach. Im Alltag stossen sie kaum auf Nichtjuden und wenn, dann nicht im näheren direkten Umkreis. Man ist in der jüdischen Welt, sprich Kindergarten, Familie oder Schule, eingebunden und dort befinden sich keine Nichtjuden. 

Die Thora selbst lehrt, dass ein Jude sich nicht zu sehr an Nichtjuden hängen soll. Wer mit Nichtjuden zusammensitzt, der ißt oder trinkt nicht selten und das wiederum kann zu unkoscheren Speisen führen. Beispiel: Ein Jude ißt daheim bei seinen nichtjüdischen Freunden. 

Koscheres Essen beinhaltet nicht nur koschere Zutaten, sondern in der Regel sollte ein Jude ebenso den Herd zur Einleitung Kochprozess anstellen. Falls er das nicht tut, so muss ein Jude zumindest einmal das kochende Essen umrühren. Hinzu kommt, dass das Geschirr koscher sein muss und dies ist im Hause eines Nichtjuden ebenso wenig gegeben. 

Ferner lehrt die Thora, dass Juden G – ttes Volk sind und nicht zu freundlich mit anderen Völkern werden sollen. Dies wieder in Bezug auf die von Juden einzuhaltenden Halachot und Aufgaben im Leben. Ja, Juden sind verpflichtet, andere Völker zu achten, fair mit ihnen umzugehen und sich an Vereinbarungen halten, doch zu eng sollte der Kontakt nicht werden. 

Ich kann zu dem Thema einiges aus dem Nähkästchen meines Privatlebens plaudern: Zu meiner Zeit in Deutschland erlebte ich es immer wieder, dass selbst enge nichtjüdische Freunde super Freunde waren. Sie achteten auf meine Religion und es gab selten dumme Sprüche. Weder von Freunden noch so richtig von Arbeitskollegen. Alles ging gut, aber immer wieder kommt ein ganz bestimmter Punkt im Leben, wo sie anhand ihrer Bemerkungen nicht mehr meine Freunde sind oder sein können. Klar, sind wir nach wie vor befreundet, doch weiss ich, woran ich bin und damit ist die Freundschaft weniger intensiv. 

Der Punkt, von dem ich sprach, kann zu unterschiedlichen Zeiten und Gesprächsthemen auftauchen. Öfters erlebte ich es, dass nichtjüdische Freunde protestierten, wenn es darum ging, dass Juden keine Nichtjuden heiraten dürfen (laut der Thora). Mag sein, dass sich meine Freunde in dem Moment zurückgesetzt fühlten. Als Rechtfertigung kann ich hierzu sagen, dass G – tt für Juden sowie Nichtjuden unterschiedliche Aufgaben im Leben vorsah. Wäre Er der Meinung gewesen, alle seien gleich, dann hätte Er ergo keine Juden und Nichtjuden erschaffen, sondern nur eine einzige Art von Mensch. 

Ein weiterer Streitpunkt mag der Holocaust sein und dass ja nicht alle Deutschen schuld waren. Aber ich will mich hier nicht unbedingt festlegen, denn jeder Jude dürfte sich schon einmal in solch einer Situation wiedergefunden haben. Wenn er plötzlich merkt, wo er eigentlich hingehört und das die nichtjüdischen Freunde ihm keine jüdischen ersetzen. Die Kabbalah erklärt dies mit den gemeinsamen Verbindungen der jüdischen Seele. 

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich habe nichtjüdische Freunde, aber eine so intensive Beziehung wie mit jüdischen Freunden besteht nicht. Auch, weil die Gemeinsamkeiten nicht vorhanden sind. Sprich: Schabbaterlebnisse, etc.

Samstag, Januar 14, 2012

Soul Music aus Buchara



Wo ist mein Geld in Sicherheit ?

B”H

Der Talmud Traktat Bava Metziah 42a diskutiert die Frage, wo genau ein Jude sein Geld sicher aufbewahren soll. Eine Antwort darauf lautet, dass das Geld an einer sicheren Stelle einfach vergraben wird. Allgemein jedoch gilt die Regel, dass ein sicherer Ort für die Gelddeponierung von der jeweiligen Zeitepoche abhängt. Vor Tausend Jahren mag das Vergraben noch recht populär gewesen sein, doch Rabbi Moshe Feinstein legte fest, dass in unserer Zeit Geld am besten auf der Bank aufgehoben sei. Und zwar bei einer seriös arbeitenden Bank mit Sparkonten und Depots.

Freitag, Januar 13, 2012

Nur in Chabad: Der Weihnachtsmann mit Tefillin

B”H   

es gibt einfach Dinge, die passieren nur bei der chassidischen Gruppe Chabad (Lubawitsch). Und ich sage dies durchaus im positiven Sinne.

Der junge Chabadnik Yakov Jacobson war unterwegs und half Juden beim Anlegen der Gebetsriemen (Tefillin), wie Chabad das vielerorts an öffentlichen Plätzen zu tun pflegt. Plötzlich stand der Weihnachtsmann vor Yakov und es stellte sich heraus, dass dieser eigentlich Jude ist, doch noch nie im Leben Tefillin angelegt hatte. So verhalf Chabad dem Mann, der da als Santa sein Geld verdiente, zu der wichtigen Mitzwah (Thoragesetz), die Gebetsriemen anzulegen. 

Geschehen im Dezember 2011 in Laguna Beach / Kalifornien. 

Titus und die Mücke

B”H 

Der römische Kaiser Titus war massgeblich an der Zerstörung des zweiten jüdischen Tempel von Jerusalem beteiligt. Titus Vater, Vespasian, hatte seinen Sohn einstmals nach Palästina entsandt, wo dieser zum Abbild des Bösen wurde. Er schleppte eine Prostituierte zum Sex in den Tempel und machte sich auch sonst über G – tt lustig. Titus stahl alle möglichen Tempelgegenstände und brachte sie nach Rom. Darunter anscheinend auch die Menorah (den siebenarmigen Leuchter aus dem Tempel). Als er sich auf der Schiffsreise zurück nach Rom befand, liess G – tt einen Sturm aufkommen. In Titus kam sogleich der Verdacht auf, dass sich G – tt offenbar an ihm rächen will und so er forderte Ihn heraus. Der Talmud Traktat Gittin 56b beschreibt uns, dass Titus der Meinung war, G – tt habe nur auf dem Wasser Macht, doch nicht an Land. Somit begab sich Titus an Land und wollte dort mit G – tt kämpfen. Letzterer erschien jedoch nicht persönlich, sondern plötzlich flog eine Mücke in die Nase des Titus. 

Der Talmud lehrt, dass die Mücke sich in seinem Gehirn festsetzte und dieses ganze sieben Jahre lang langsam auffrass. Bis zu seinem Tod litt der Kaiser an unbeschreiblich starken Kopfschmerzen und als man später den Kopf seines Leichnams untersuchte, wurde eine Mücke von der Größe eines Vogels gefunden. 

Die Schwester des Titus hatte einen Sohn namens KOLONIKOS. Und eben jener Kolonikos war der Vater des großen jüdischen Thorakommentators ONKELOS. In späteren Verlauf seines Lebens war Onkelos

Donnerstag, Januar 12, 2012

Parashat SHEMOT (Exodus) - פרשת שמות













B"H

Die Thoralesung für diesen
Schabbat

Kaum jemand dürfte Probleme haben, sich mit der Paraschat Schemot (Exodus) etwas zu identifizieren. Zumindest weiß fast jeder, worum es eigentlich geht: Moshe betritt die Bühne. Die Tochter Pharaos (lt. der Midrasch lautet ihr Name "Batya") fischt ihn samt einem Körbchen aus dem Nil, Moshe wächst im Hause Pharaos auf, erschlägt im Alter von 18 Jahren einen ägyptischen Aufseher, muß fliegen, heiratet Zippora, die Tochter Yitros, sieht den "Brennenden Dornenbusch" und kommt auf G - ttes Geheiß wieder zurück nach Ägypten, um die Israeliten heim ins Gelobte Land zu führen. 

Mit der Thoralesung von Schemot - Exodus beginnen wir also das 2. Buch Moshe. Seltsamerweise wird dieses Buch in anderen Sprachen "Exodus - Auszug" genannt. Im hebräischen Original jedoch heißt das Buch sowie die dieswöchige Parasha "Schemot - Namen". Namen deshalb, weil gleich zu Beginn die Namen jener 70 Israeliten genannt werden, welche mit Yaakov nach Ägypten kamen. Alle seine Familienmitglieder.


Antikes Ägypten

Das erste Buch Genesis (Bereschit) berichtete uns über die Welterschaffung durch G - tt sowie über die Geburt des jüdischen Volkes. Die Geschichte unserer Vorväter ist von immenser Wichtigkeit für uns und das gesamte Buch Genesis gilt als Gründungsstein für das jüdische Volk (Ramban). Das nächsten Buch Exodus beschreibt die Geschichte der Israeliten als Volk (Rabbi Samson Raphael Hirsch). 

Bei einem Vortrag hörte ich einmal, dass der derzeitige Papst Benedikt einen Kommentar zum Buch Genesis schrieb und man wunderte sich gewaltig über dessen komplette Fehlinterpretation des gesamten "Buches Genesis". Da sah der Papst Genesis einzig und allein verbunden mit dem Vergehen Adam und Evas (Chava) im Paradies (Gan Eden). Dies verdeutlicht, dass man heutzutage wirklich alles verkaufen kann, auch wenn man völlig falsche Zusammenhänge veröffentlicht. In Genesis geht es um die Geburt des jüdischen Volkes und im Buch Exodus kommt es mit der Vergabe der Thora zum Höhepunkt. Die Juden und die Thora gehen gemeinsam Hand in Hand und beide sind auf ewig miteinander verbunden. 

Über die Parashat Schemot zu schreiben ist alles andere als einfach, denn zuviele Themen stehen zur Auswahl. Ich will mich daher auf drei kleine Punkte beschränken und all das, was ich darüber schreibe, ist nur ein kleiner Bruchteil von dem, was es an weiteren Informationen, Kommentaren, Büchern und dergleichen gibt. Die Punkte sind die 70 Familienangehörigen Yaakovs, die nach Ägypten kamen, ein "neuer Pharao" und der "Brennende Busch". 

Der mittelalterliche Kabbalist aus dem nordisraelischen Safed, Rabbi Moshe Alshich, stellt in seinem Thorakommentar "Torat Moshe" die Frage, warum die Thora uns zu Beginn dieser Parasha nochmals die Namen der 70 Familienmitglieder auflistet. Seine Antwort lautet, wie zu erwarten, höchst kabbalistisch. Rabbi Alshich nämlich berichtet von bestimmten Kräften in einer jeden jüdischen Seele (Neschama), welche von Generation zu Generation weitervererbt werden. Als die Familienmitglieder Yaakovs nach Ägypten kamen, gaben diese jene Kräfte an ihre Nachfahren weiter. Daher kam es, dass die Mehrheit der Israeliten sich bis zum Schluß ihres Aufenthaltes in Ägyoten niemals assimilierten. Sie behielten ihre Sprache, Namen und ihren Kleidungsstil bei und schämten sich dessen nicht (siehe Midrasch). 

Aber nichtsdestotrotz wurden gewissen ägyptische Riten im Lebensstil unternommen und insbesondere in der Chassidut heißt es, dass wenn G - tt sie nicht nach den 210 Jahren in der Diaspora aus Ägypten herausgeführt hätte, die Israeliten komplett in der Versenkung verschwunden wären. 

Was aber macht diese bestimmte Kraft in der Seele aus, fragt Rabbi Moshe Alshich weiter. G - tt hatte den Vorvätern angekündigt, dass in jedem Exil der Israeliten, Er selbst (G - tt) mit ihnen ziehen wird. Als die Israeliten mit Yaakov nach Ägypten zogen, zog die Schechinah (Anwesenheit G - ttes) automatisch mit ihnen mit. Egal, wo sich ein Jude befindet, die Schechinah wird immer mit ihm in seiner Seele sein und diese ist es, welche die Seelenkraft ausmacht. 

Zum Thema "Diaspora" kommentierte der Baal Shem Tov:

Es gibt zweierlei Arten der Diaspora; die physische und die spirituelle.
Bei der physischen Diaspora wollen sich die Juden unbedingt den anderen Völkern anpassen, bei der spirituellen aber vergessen sie auch noch ihre Thora. Von daher wiegt die spirituelle Diaspora umso schwerer, was wir in den kommenden Parashot der Thora sehen. Selbst nach vielen Jahren in der Wüste kam in vielen Israeliten immer wieder die spirituelle Diaspora auf und ließ sie an Ägypten denken. 

130 Jahre nach der Ankunft der Israeliten in Ägypten wurde Moshe geboren. Kurz zuvor hieß es in der Thora, dass ein neuer König aufkam, der Yosef nicht mehr kannt. Dieser Satz gibt vielen Kommentatoren Stoff zum Nachdenken. Im Talmud Traktat Sotah 11a vertreten die Rabbiner Rav und Shmuel zwei unterschiedliche Meinungen. Einer von ihnen war der Meinung, dass ein gänzlich neuer König regierte und der andere vertrat die Meinung, dass nur seine Erlasse neue Gestalt annahmen. 

Bei der letzteren Stellungnahme sollte nicht davon ausgegangen werden, dass immer noch der gleiche König wie zu Yosefs Zeiten herrschte. Zeitlich wäre dies unmöglich. Vielmehr herrsche dessen Sohn oder Enkel und interessiere sich nicht mehr für Yosef und seine Nachfahren (der Maharal von Prag).

Gehen wir jedoch in die damalige Geschichte des Landes, dann fällt uns etwas ganz Gravierendes auf: Genau zu der Zeit herrschten in Ägypten nicht die Ägypter selbst, sondern ein semitischer Stamm namens HYKSOS. Viele Jahre zuvor hatten die Hyksos das Land überrannt und ihrer Herrschaft unterworfen. So war es möglich, dass Yosef überhaupt erst Vizekanzler werden konnte. Gebürtige Ägypter hätten einen jüdischen Vizekanzler niemals zugelassen, da sie alles aus dem Lande Kanaan abgrundtief hassten und auf dessen Bewohner mit Abscheu herabschauten. Jahre später besiegten die Ägypter die Hyksos und die Zeit der relig. Toleranz war wieder vorbei. Ein neuer Pharao übernahm das Zepter und somit begann die Zeit der Peinigung.

Jahre danach fand sich Moshe vor einem "Brennenden Dornenbusch" wieder. G - tt hatte die Aufschreie der Israeliten unter der ägyptischen Herrschaft erhört und wollte sie aus dem Lande herausführen. 

Eine Stelle in der Thora sorgt immer wieder für neue Verwirrung. Nämlich das ein Engel G - ttes dem Moshe in dem "Brennenden Dornenbusch" erschien. Wieso ein Engel und nicht G - tt selbst, wenn dieser eh mit Moshe reden will ? 

Den Verlauf der folgenden Handlungen in kürze zu beschreiben, ist fast unmöglich. Moshe stand keinesfalls physisch vor einem "Brennenden Dornenbusch", sondern vielmehr handelt es sich hier um eine Vision, die sich in seinem Kopf abspielte. Moshe war der größte Prophet, den wir jemals hatten und seine Art zu prophezeihen bzw. mit G - tt zu kommunizieren, war einzigartig. Niemand war und ist auf so einem hohen Level wie Moshe. Die Vorväter erhielten ihre Visionen überwiegend in Träumen, nachfolgende Propheten sahen Visionen nur durch einen Vorhang und niemals so klar und deutlich. "Vorhang" ist an dieser Stelle metaphorisch zu betrachten und bedeutet, dass sie Prophezeihungen manchmal nur "verschwommen" aufnahmen. Moshe dagegen sprach mit G - tt zu jeder Zeit von Angesicht zu Angesicht. 

Die "Namen G - ttes" sind ein weiteres Thema, was man kaum in wenigen Worten abhandeln kann. Anhand Seiner Namen erfahren wir, was er von uns will und dieses Wissen läßt uns die Mitzwot (Gebote) erfüllen und so eine Verbindung mit ihm eingehen (Rabbi Samson Raphael Hirsch). Ebenso repräsentieren die Namen G - ttes dessen Handlungen, wie z.B. bei der Welterschaffung oder der Beziehung zu Seiner Erschaffung. 

G - tt nennt Moshe einige Seiner Namen, wobei dieses selbstverständlich nicht Seine wahren Namen sind, sondern nur eine Angabe, dies es uns ermöglicht, mit einem ansonsten unzugänglichen und für uns unbegreifbaren Wesen wie G - tt eine Verbindung aufzunehmen. Zusätzlich deuten Seine Namen auf die Vergangenheit, die Gegenwart sowie die Zukunft hin und der erste aschkenazische Oberrabbiner Israels, Rabbi Avraham Yitzchak HaCohen Kook, kommentiert hierzu, dass dies eine Andeutung auf die Gültigkeit der Thora mit sich bringt. Die Thora war, ist und wird immer Gültigkeit haben, genauso wie G - tt Seine Vorgehensweisen niemals ändern wird. 

Was wir aus dieser Parasha lernen sollen, ist nur allzu offensichtlich. Selbst wenn wir in der Diaspora leben, sollen wir niemals Israel die jüdische Identität aus den Augen verlieren. Gerade die ägyptische Diaspora macht uns klar, wie schnell sich das Blatt wenden kann. Erst geht es den Juden gut und plötzlich finden Pogrome statt und die Bürgerrechte werden drastisch eingeschränkt. Das damalige Ägypten ist ein bis heute aktuelles Beispiel des Antisemitismus.

Schabbat Schalom aus dem dieser Tage eiskalten und verregneten Tel Aviv !

Rabbi Nathan Lopes Cardozo: "Ich nehme meine Kippah ab !"

B"H

Der in Jerusalem recht bekannte englischsprachige Referent Rabbi Natan Lopes Cardozo zu seiner Entscheidung, die Kippah vom Kopf zu nehmen:



Ich kenne Rabbi Cardozo viele Jahre. Nicht persönlich, sondern von seinen Vorträgen her. Es ranken sich immer wieder unterschiedliche Interpretationen bezüglich seiner Herkunft. Die einen sagen, er sei gebürtiger Jude und andere behaupten, er sei irgendwann zum Judentum konvertiert und in seinem früheren Leben ein Priester im Vatikan gewesen. Tatsache ist, dass Rabbi Lopes Cardozo in regelmässigen Abständen bei der Jerusalemer “Orthodox Union” Vorträge zum Thema “Warum der christliche J. nicht der Meschiach ist” hält. 

Ich muss zugeben, dass ich seine aktuelle Aussage nicht ganz verstehe. Meint er es tatsächlich ernst oder will er mit dem Essay lediglich zum Nachdenken anregen ? 

Natürlich bindet die Kippah einen jüdischen Mann an die Mitzwot (Thoragesetze) und in dem Moment, in dem sie getragen wird, wird derjenige schon an seine Herkunft erinnert. Leider ist es oft so, dass religiöse Juden immer beflissen auf die Einhaltung der Halachot schauen und weniger auf G – tt selber. Das geht mir genau so und in vielen Situationen, in denen ich nicht immer super religiös bin, sehe ich schon insgeheim die Strafe auf mich zukommen. Genau so sollte es nicht sein und jeder von uns ist in erster Linie dazu aufgerufen, G – tt zu lieben. Die Halachot sind der Leitfaden G – ttes an die Juden, heisst, wie sie leben sollen und was Er von ihnen verlangt. 

Die rabbinische Literatur unterscheidet bei der Mitzwoteinhaltung zwischen unterschiedlichen Leveln. Der höchste Level ist, wenn ein Jude die Thoragesetze aus Liebe zu G – tt erfüllt und nicht, weil es eben mal so irgendwo geschrieben steht. Der Talmud lehrt, dass die Ehrfurcht vor G – tt sowie die Liebe zu Ihm immer miteinander verbunden werden und in Einklang gehen müssen. Real betrachtet ist dieses Verhalten allerdings extrem schwer zu verwirklichen.

Mittwoch, Januar 11, 2012

Die jüdischen “Taliban” Frauen rechtfertigen sich



B”H 

Obwohl die kurze Dokumentation lediglich in hebräischer Sprache erfolgt, so ist die Message eindeutig: Die jüdischen “Taliban” Frauen rechtfertigen sich und sagen, dass niemand einen anderen Menschen gemäss seiner Kleidung richten soll. Frauen, die sich “talibanmässig” kleiden, folgen ihren eigenen hohen Anstandsregeln und betrachten sich nicht als “Kult”. Sie seien ganz normale religiöse Frauen und keine subversive Vereinigung. Es ist ihr Leben und ihre Entscheidung und sie wollen keinem anderen etwas Böses. 

Bei den sogenannten “Taliban” Frauen bestehen zahlreiche Unterschiede und nicht jede Frau, die sich einen Schal umwirft, sieht sich selber als zugehörig zur “Taliban”Gruppe der Rabbanit Ben Izri. 

Anmerkung: Eine RABBANIT ist die Frau eines orthodoxen Rabbiners. 

Die Frauen im Video sind nicht alles “Taliban” Frauen, sondern eher am Thema “Anstand” interessiert. Viele von ihnen kenne ich von den chassidischen Tischen bei der Chassidut Toldot Aharon. Die Frauen der Toldot Aharon sind gewiss keine “Taliban” Frauen, dennoch besteht innerhalb der Gruppe bei einigen Frauen der Hang zum Konservativen. Und dazu gehört ein langer schwarzer Schal als Kopfbedeckung. 

Link:

Die Familiengeschichte des Rabbi Israel Me'ir Lau


B"H

FRUMLIFE bringt einen sehr interessanten Live - Bericht zu einem Vortrag von Israels ehemaligem aschkenazischen Oberrabbiner Israel Me'ir Lau. Wie der Rabbi und dessen Bruder den Holocaust überlebten und nach Israel gingen. 

Rabbi Lau publizierte sein neues Buch, in welchem er seine "Kindheit im Konzentrationslager Buchenwald" Revue passieren lässt. Nach dem Vortrag standen die Menschen Schlange, um sich handsignierte Buchausgaben abzuholen. Aufgrund des Andrangs wurden sogar Nummern verteilt, wie mir Frumlife berichtete. Und selbst um die Nummern wurde noch gekämpft. 

Dienstag, Januar 10, 2012

Positive und negative Vorurteile bezüglich Chabad (Lubawitsch)


Die "Zemach Zedek" Chabad Synagoge in der Altstadt von Jerusalem

Photo: Miriam Woelke
B”H 

Insbesondere in Deutschland ranken sich ja um die chassidische Gruppe Chabad (Lubawitsch) seltsame “Weisheiten”. Von Meschichistentum ist ständig die Rede, denn man meint halt allgemein, dass grundsätzliche alle Chabadnikim (Mitglieder von Chabad) ihren im Juni 1994 verstorbenen letzten Rebben Menachem Mendel Schneerson als den kommenden Meschiach betrachten. Ich persönlich kenne Unmengen von Chabadnikim, die das nicht tun und nicht jeder in Chabad ist automatisch Meschichist. 

Ferner höre ich auch aus Israel, dass Chabad so toll modern sei. Jeder Jude ist immer sofort eingeladen, man braucht sich nicht super anständig anziehen und alles ist total nett. Ohne jegliches superreligiöse Gelabere wie bei anderen Haredim (ultra – orthodoxen Juden). Außerdem gehen zahlreiche Chabadnikim in Israel zum Armeedienst. Da muss doch Chabad zwangsläufig modern und tolerant sein. Jedenfalls im Gegensatz zu anderen chassidischen Gruppen. 

Als ich bei einigen Israelis mit der Wahrheit daherkam, wollte mir das erst niemand glauben. DAS hatte keiner erwartet und doch ist es wahr. Wer Chabad als so toll modern sieht, irrt gewaltig. Chabad ist neben den Satmarer Chassidim eine der striktesten antizionistischen Gruppierungen überhaupt und niemand in Lubawitsch feiert den israelischen Unabhängigkeitstag, sondern gedenkt dem “Tag der Knochen”.  Wie kann es dann sein, dass einige Lubawitscher Chassidim zur israelischen Armee gehen, fragte ich einen Chabad Rabbi. Dessen Antwort lautete, dass die Gruppe sich den Gepflogenheiten eines jeden Landes, wo man gerade lebt, anpasst. Ein kleiner “Missionsgedanke” mag natürlich auch dahinterstehen. Ansonsten ist Chabad vollkommen antizionistisch eingestellt. 

Heutzutage muss man weitgehend zwischen alteingesessenen geborenen Chabadnikim sowie den Tausenden Neureligiösen unterscheiden, welche später im Leben zur Gruppe stiessen und den letzten Rebben nie sahen und nicht kannten. Zwischen jenen, die schon seit Generationen dabei sind und den Neuen bestehen gravierende Unterschiede. Allein das sieht man auch an einer bestimmten Chabad – Yeshiva in Jerusalem, auf welcher nur alteingesessene Chassidim studieren. In Jiddisch und wo die Väter Chabad Rabbiner sind. Seit Generationen. Die neureligiösen Chabad Schlichim aus den bekannten Chabad Häusern hingegen mögen zwar hier und da modern erscheinen, doch mit diesem Verhalten sollen Juden angezogen werden. Nicht unbedingt in die Gruppe hineinmissioniert, sondern vielmehr dem Judentum nähergebracht werden. Wobei Chabad einzig und allein an halachischen Juden interessiert ist und nicht an Reformkonvertiten oder Nichtjuden. 

Den eigenen Antizionismus propagandiert Chabad wenig bis gar nicht und man muss schon sehr viel über die Gruppe lernen, um die Ideologien mitzubekommen. Vor allem die Geschichte der Chassidut Chabad, in welcher sogar von Abspaltungen aus den eigenen Reihen die Rede ist. Ich nenne hier nur als kleines Beispiel die chassidische Gruppe “Malachim”, welche heute nur in New York existiert und weitgehend in die Chassidut Satmar integriert worden ist. Natürlich zieht es Ex – Chabadnikim oder Noch – Chabadnikim zu Gruppierungen mit demselben starken Antizionismus. 

Was Chabad ebenso wenig propagadiert, und da steht die Gruppe nicht alleine, ist die Stellung zum Holocaust. Darauf aber werde ich intensive getrennt eingehen und will dies an dieser Stelle nicht hopplahopp abwickeln und Missverständnisse aufkommen lassen. Festhalten sollten wir, dass Chabad eine chassidische Gruppe mit einer strengen Ideologie ist und jeder, der sich intensiv mit Chabad beschäftigt, kommt sehr schnell dahinter. Durch meine Blogkontakte zu vielen Chabadnikim in aller Welt stellte ich fest, dass die Interna der Gruppe ebenso zahlreich wie kompliziert sind. Wer mit wem und warum und warum dann auch wieder nicht. 

Links: 




In der jüdischen Altstadt von Jerusalem




Die wiederaufgebaute HURVA Synagoge





Klagemauer mit dem Felsendom im Hintergrund



Aufgang zum Tempelberg



Copyright / Photos: Miriam Woelke

Leser - Run auf die haredische Welt

B”H 

Da, ohne Zweifel, eine riesige Menge an Zugriffen auf meine Artikel zur haredischen (ultra – orthodoxen) Welt erfolgen, würde mich interessieren, was genau die Leser zu diesem Thema zieht. Ist es lediglich die Berichterstattung der linksgerichteten israelischen Presse oder besteht ein weiteres Interesse zum Thema ?

Sonntag, Januar 08, 2012

Ashdod: Äthiopier schlugen Haredi zusammen

B”H 

Am letzten Freitag abend gab es eine erneute tätliche Attacke gegen einen Haredi (ultra – orthodoxen Juden). Seitdem Israels linksgerichtete Presse mit allen Mitteln gegen Haredim Propaganda betreibt, kommt es zu immer mehr gewalttätigen Auseinandersetzungen in denen Haredim zum Opfer werden. 

Am Freitag abend ging ein Chassid (soweit ich erkennen kann, ein Mitglied der chassidischen Gruppe Gur) eine Straße in der israelischen Hafenstadt Ashdod entlang. Er passierte eine Gruppe Äthiopier, die da auch sogleich loslegten und wissen wollten, was er denn zu den Anschuldigungen gegen die Haredim in der Presse sage. Der Chassid, der offenbar in keine Auseinandersetzung geraten wollte, antwortete lediglich mit “Schabbat Schalom” und dass er alle Juden lieben und kein Rassist sei. Einem der Äthiopier gefiel die Antwort nicht und er boxte dem Chassid ins Gesicht. Die Brille des Chassid zersprang und Glassplitter gerieten in sein Auge. Wenig später wurde er ins Krankenhaus eingeliefert. 

Dank der linksgerichteten Presse und ihrer anti – haredische Hetze sowie allen Blogs / Sites, die sich daran beteiligen. Über derlei Vorfälle und Attacken wird dann aber lieber doch nicht berichtet. 

Das entsprechende Video könnt Ihr in hebräischer Sprache auf ARUTZ 7 oder der haredischen Site KIKAR SHABBAT ansehen !

Samstag, Januar 07, 2012

Leserfrage: Erhält die EDAH HACHAREDIT Geldspenden ?

B”H 

Jemand googelte die Frage, ob Mea Shearims antizionistische Dachorganisation “Edah HaCharedit” von Geldspenden lebt. Die Antwort darauf lautet JA. 

Weder die Edah noch ihre Mitgliedergruppen nehmen Geld vom Staat Israel entgegen und sind deswegen finanziell ganz auf sich allein gestellt. Woher also kommt das Geld ? Ein großer Teil stammt von der reichen chassidischen Gruppe Satmar in New York. Ferner gibt es sehr viele wohlhabende religiöse Juden, die zwar kein Mitglied einer chassidischen Gruppe sind, doch trotzdem die Edah samt Anhängerschaft großzügig unterstützen. Hierzu zählen insbesondere reiche amerikanische sowie kanadische Juden. Fast alle religiös und selber Haredim.

Supermärkte bieten jetzt schon Ware zum Tu be'Shevat


Getrocknete Früchte zum Tu be'Shevat

B”H 

Kaum war Chanukkah vorüber, kramten viele israelische Supermärkte schon die Ware für den nächsten anstehenden Feiertag hervor: In wenigen Wochen feiern wir Tu be’Shevat – den 15. des jüdischen Monat Shevat. Und schon werden zu dem biblischen Feiertag getrocknete Früchte angeboten. 

Wer sich eindecken will, der sollte das rechtzeitig tun, denn zum Tu be’Shevat steigen die Preise dafür wahnsinnig an. 

Fast in jedem Jahr fällt der Tu be’Shevat auf meinen weltlichen Geburtstag und so auch dieses Mal wieder. Bis Anfang Februar jedoch ist es noch reichlich Zeit. 

Hier ein paar Tu be'Shevat Impressionen vom vergangenen Jahr aus Tiberias / Nordisrael:
http://hamantaschen.blogspot.com/2011/01/bilder-aus-der-natur-zum-tu-beshevat.html

Deutsche bei den Haredim

B"H

"Deutsche bei den Haredim" - Warum stellte ich den Artikel nicht auf diesen Blog, wo er doch eigentlich hingehört ? Dies geschah aus Absicht, um auch einmal Lesern, die nicht "nur" an der Religion sowie dem Hamantaschen - Blog interessiert sind, einen kleinen Einblick in die gelebte haredische (ultra - orthodoxe) Wirklichkeit zu vermitteln.

Donnerstag, Januar 05, 2012

Der SEFAT EMET zur Thoralesung VAYECHI

B"H


One of the greatest religious problems is that people fear having a relationship with God and consequently distance themselves from Him. Just as angels serve God without fear despite their lower status in comparison to God, so too human beings should take their model (walk amongst them) and not be afraid of developing a relationship with God and serving Him. This represents a wholeness that we as human beings are capable of only if we think of ourselves as walking amongst angels. (Sfas Emes, Parshat Beha'alotecha 5636)

Bei dieser Aussage des Sefat Emet kommt mir stets meine eigene Realität in den Sinn, denn auch ich ziehe mich bei gewissen Annäherungen an G – tt immer wieder gern zurück. Schon allein aus der Angst heraus, dass mir gerade DASS wieder passiert. Und aus diesem Grund lebe ich in Tel Aviv und nicht mehr in Jerusalem.
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Photo: Miriam Woelke

Einer meiner chassidischen Lieblingskommentatoren zur Thora ist der Sefat Emet, Rabbi Yehudah Aryeh Leib Alter, 1847 - 1905. Zur dieswöchigen Parashat Vayechi gibt er hervorragende Insights: 

"Yaakov lebte in Ägypten" (Gen. 47:28). 

Mit der Charaktereigenschaft der "Emet - Wahrheit" war Yaakov imstande, sogar in Ägypten zu leben. "Wahrheit" im chassidischen Sinne bedeutet eine emotionale und ernsthafte Hingabe zur Thora und zu G - tt. Ohne jegliche Hintergedanken, nach Erfolg oder Anerkennung zu streben. 

Mit der Charaktereigenschaft der Wahrheit (Emet) war Yaakov wirklich am Leben, bedeutet, dass es ihn zur Wurzel und somit zu dem zog, was uns alle am Leben erhält. Nichts auf dieser Welt, noch nicht einmal das Leiden, sollte uns davon abhalten, uns G - tt versuchen zu nähern. Egal, wo wir uns befinden. 

Obwohl er in Ägypten lebte, war sich Yaakov darüber im klaren, dass das gesamte Land nur eine einzige verborgene "Schale" innerhalb der g - ttlichen Lebenskraft war. Darum sagen uns Weisen, dass die Bösen schon zu Lebzeiten "tot" sind. Eben weil sie von dieser Lebenskraft abgetrennt sind. 

Raschi kommentierte Yaakov in der Parasha dabei war, uns das Ende zu prophezeihen; nämlich den Zeitpunkt, wann der Meschiach eintreffen wird. Yaakov war auf der Höhe des Prophezeihungslevels als er zu kurz vor seinem Tod zu seinen Söhnen sprach. Letztendlich aber wurde die Fähigkeit der Prophezeihung von ihm genommen, denn anscheinend wollte G - tt nicht, dass die Menschen alles im voraus erfahren. 

Yaakov wollte klarstellen, dass die Diaspora (Galut) nur auf verborgener Basis stattfindet und das die Kraft, die dahintersteht, von G - tt kommt. Wäre dies jedoch publik geworden, dann hätte es wahrscheinlich keine Diaspora gegeben und somit bekamen wir von Yaakov mehr oder weniger versteckte Hinweise. 

Der kabbalistische Zohar lehrt uns, dass Yaakov prophezeihte, was er wollte, nur fand dies auf einer verborgenen Art und Weise statt. Anhand von Metaphern sowie Andeutungen.
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Quelle:

"The Language of Truth"
The Torah Commentary of the Sefat Emet
Übersetzt und interpretiert von Arthur Green


Link:

Blick in eine Synagoge


Synagoge in Jerusalemer Stadtteil Nachlaot

Photo: Miriam Woelke

Mittwoch, Januar 04, 2012

"Die verpasste Gelegenheit" oder "Brauchen wir Jerusalem" ?

B"H

Morgen (Donnerstag) begeht die jüdische Welt den Halbfastentag "ASARAH BE'TEVET - der 10. TEVET"
 

Vor zwei Jahren hörte ich bei der Jerusalemer ORTHODOX UNION einen Vortrag von Rabbi Chaim Eisen gegeben, wo der Rabbiner auf bemerkenswerter Weise in sämtliche talmudische Details ging.

Am 10. des jüdischen Monat Tevet begannen die Babylonier mit der Belagerung Jerusalems. Einige Zeit später nahmen sie die Stadt ein und zerstörten den Ersten Tempel (586 vor der Zeitrechnung).

Wieso wurde der Erste Tempel schließlich zerstört ? Hatte nicht G – tt die Juden schon mehrere Male gerettet und somit vor dem Feind verschont ? Zur Zeit König Chizkiyahu als Sennacheriv Jerusalem belagerte und dessen Armee wie durch ein Wunder des nachts umkam. Oder später die Juden in Babylonien als Haman plante, alle Juden umzubringen und sie durch Esther und Mordechai gerettet wurden.

Sobald schlechte Zeiten für das Jüdische Volk beginnen, ist es jedesmal wieder an der Zeit zur kollektiven Umkehr zu G – tt. So geschah es zu Zeiten Chizkiyahus als alle Juden beteten und somit das negative G – ttesurteil abwendeten. Aber auch die Umkehr der Juden Babylons zur Zeit Esthers bewirkte das gleiche.

In der Gemara (rabbinische Diskussionen) des Talmud Rosh HaShana 18a wird darüber diskutiert, ob wir in der Lage sind, ein von G – tt ausgesprochenes negatives Urteil über uns, abzuwenden. Rabbi Akiva ist der Ansicht, dass eine einzelne Person dies nicht vermag, eine ganze jüd. Gemeinde dagegen schon. Rabbi Yochanan hingegen war der Ansicht, dass ein einzelner sehr wohl in der Lage ist, sein vorbestimmtes Schicksal zum Positiven zu verändern (genauso dachten Rabbi Yitzchak und Rabbi Me'ir).

Viele talmudische Rabbiner sind jedoch der Meinung, dass jeder einzelne anhand von tiefen inneren Gebeten sein Schicksal zu ändern vermag. Ein ernsthaftes Gebet kann aus jemandem einen neuen Menschen machen und aufgrunddessen werden die negativen G – ttesurteile hinfällig.

Die Babylonier begannen am 10. Tevet die Belagerung Jerusalems, aber wieso fasten wir am 10. Tevet ? Der Tempel wurde erst viel später zerstört. Wegen einer Belagerung allein braucht man nicht gleich zu fasten. Und woher wissen wir überhaupt, dass wir am 10. Tevet fasten müssen ?

Das genaue Datum berichtet uns der Prophet Yechezkel (24:1 – 2). Diesem trug G – tt höchstpersönlich dieses Datum auf.

Die Belagerung allein ist kein Grund zu fasten, doch worum genau trauern wir am 10. Tevet ?
Allgemein werden ganz andere Gründe für den 10. Tevet genannt. Der große Prophet Ezra, der mehrere Tausend Juden aus dem 70 – jährigen Babylonischen Exil zurück nach Israel führte, verstarb am 9. Tevet. 

Aber nicht nur, dass Ezra für die Rückkehr der Juden sorgte; die Gemara im Talmud Traktat Sanhedrin 21b nennt ihn würdig, den damaligen Juden die Thora wieder zurückgegeben zu haben.
Die Gemara läßt uns weiterhin wissen, dass die Thora zu einer gewissen Zeit im Babylonischen Exil vergessen worden war. Genau gesagt, viele Mitzwot (Gesetze) gerieten in Vergessenheit. Dies geschah unter anderem auch, da die Sprache und Schrift der Thora verändert wurde, aber dieses Thema bietet genügend Stoff für einen eigenen Artikel.

Der Tod Ezras war eine nationale Tragödie für das jüdische Volk. Als der babylonische Herrscher den Juden die Rückkehr nach Israel und den Bau eines neuen Tempels erlaubte, war Ezra der Meinung, dass nun alle Juden freudig aufschreien und sofort loslaufen. Tragischerweise war genau das Gegenteil der Fall. Die Juden hatten es sich im Babylonischen Exil zu bequem gemacht; sie errichteten florierende Unternehmen, es ging ihnen gut und sie waren wohlhabend. Wozu also in ein zerstörtes Israel zurückkehren, in dem sie ggf. dem Hunger und der Armut ausgesetzt waren ?

Ezra schrieb an alle Gemeinden und erhielt größtenteils Absagen. Die Juden hatten die Diaspora akzeptiert. Genauso geschah es mit den damaligen deutschen Gemeinden Speyer, Worms und Mainz. Diese Gemeinden waren die ersten in Deutschland und existierten schon zu Zeiten Ezras. Und genau jene deutschen Gemeinden schrieben ihm, dass auch sie lieber in ihren deutschen Städten verweilen wollen. Laut vieler Meinungen bestrafte G – tt diese drei deutschen Gemeinden für diese Absage. Zur Zeit des ersten Kreuzzuges im Jahre 1096 ermordeten die Kreuzritter mehr als 100.000 Juden bei ihrem Durchmarsch durch die Gegend dieser Städte.

Aus dem damaligen babylonischen Exil kehrten nur 42.360 Juden zurück nach Israel. Millionen weiter blieben in Babylon. Aufgrund dieser Tatsache unterschied sich der Zweite Tempel in wesentlicher Form vom Ersten.

Im Ersten Tempel war G – ttes Gegenwart, die Schechinah, immer und zu jeder Zeit gegenwärtig. Im Allerheiligsten befand die die Bundeslade, der Hohepriester besaß das Urim ve'Turim, ein Pergament mit den Namen G – ttes, es gab Propheten, etc. All das ging zur Zeit des Zweiten Tempels verloren.
Ursprünglich hatte G – tt eine komplette Wiedereinrichtung vorgesehen, aber dadurch, dass die Mehrheit der Juden das Leben in der Diaspora vorzog, änderte G – tt seine Meinung. Hätten die Juden Ezra nicht abgesagt und zu ihrer nationalen Einheit zurückgefunden, wäre die Geschichte mit Sicherheit anders verlaufen.

Am 10. Tevet betrauern wir nicht den Beginn der Belagerung Jerusalems, sondern die Zeit der verpaßten Gelegenheiten. Hätten die Juden anders gehandelt, dann sehe es heute anders aus. Die Frage bleibt, ob es heutzutage unter den Juden soviel besser ausschaut. Wer von jenen, die in der Diaspora leben, denkt überhaupt an Israel, an Jerusalem oder an einen Dritten Tempel ? Außer am Schabbatgebet wird doch gar nicht mehr an Jerusalem und dessen Wichtigkeit im Judentum gedacht. Auch heute geht es den Juden in der Diaspora viel zu gut und wer will schon in das unbequeme krisengeschüttelte Israel zurückkehren ? Auf Besuch kommen alle gerne und danach sind sie schnell wieder weg.

Es ist dieses Verhalten, was wir am 10. Tevet betrauern und darum fasten wir. Wer es sich in der Diaspora zu bequem macht und sich zu wohl fühlt, der handelt gegen G – ttes Willen.

Fastentag Asarah be'Tevet - Der 10. Tevet

B"H

Der 10. des jüdischen Monats Tevet ist ein rabbinisch festgelegter Halbfastentag. Oftmals als weniger relevant angesehen, hat dieser Fastentag doch eine immense historische Bedeutung. Hier ein paar Details zum 10. Tevet, welchen wir morgen begehen.

Historisch betrachtet begann an diesem Tag im Jahre 589 BCE die Belagerung Jerusalems durch die Babylonier. Drei Jahre später überrannten sie die Stadt und zerstörten den Ersten Tempel, den Tempel König Salomons.

Der 10. Tevet steht für Leid und Zerstörung. Während der dreijährigen Belagerung litt die eingeschlossene Bevölkerung unter einer Hungersnot. Nach 410 Jahren zerstörte Nebuchadnezzar am 9. des Monat Av (ca. im August) den Tempel und trieb die Juden in ein 70 - jähriges Exil nach Babylon. Allgemein werden beide Tempelzerstörungen (die zweite fand im Jahre 70 CE durch die Römer statt) als Strafe G - ttes gesehen. Die Gemara im Talmud Traktat Yoma 9b lehrt, dass die Gründe für diese Strafe der Götzendienst, sexuelle Perversionen und Mord waren. So hatten die Juden zuvor begonnen, Kinder zu opfern. Dafür gab es außerhalb der Stadt einen speziellen Ort, der Tofet genannt wurde (heute nahe dem Kino Cinematheq). Einen positiven Aspekt gab es dennoch in der damaligen Bevölkerung; trotz allem glaubten sie an G - tt, aber sie verstanden die Opferungen falsch.

Die Zerstörung des Ersten Tempels im Jahre 586 vor der Zeitrechnung hatte noch andere weitreichendere Folgen. Die Bundeslade verschwand. Wohin, das weiss bis heute niemand. Propheten gibt es auch keine mehr, sondern nur noch eine BAT KOL, die das Echo einer himmlischen Stimme ist (Talmud Traktate Yoma 9b und Eruvin 13b).
Die Schechina, die Anwesenheit G - ttes, ist nicht mehr das, was sie zu sein pflegte und auch das Shemen HaMishcha (das Salbungsöl) verschwand (Jerusalemer Talmud Yoma 1:1).

Jetzt fragen sich vielleicht einige "Was hat das heute alles mit mir zu tun ? "Vor mehr als 2000 Jahren wurde der Erste Tempel zerstört, so what ?"

Der 10. Tevet steht für Leid und daher ernannten ihn die Rabbiner kurz nach der Gründung des Staates Israel zum Holocaust - Gedenktag. An diesem Tag wird das Kaddisch - Gebet für all jene gesagt, deren Todestag oder Todesort unbekannt sind. Die Religiösen behalten das Andenken bis heute bei und dies ist auch einer der Gründe, warum viele Haredim (Ultra – Orthod.) den offiziellen staatlichen Holocaust - Gedenktag im April nicht als solchen anerkennen.


Anmerkung:
Vielfach wird das "Kaddisch" von Außenstehenden als Totengebet interpretiert, was absolut nicht der Richtigkeit entspricht. Vielmehr preisen wir G - ttes Größe in dem aramäischen Gebet und gerade das Kaddisch ist es, welches während des Synagogendienstes als eine Art Trennung gilt; das Gebet trennt einige Teile des Services ab bzw. leitet ein neues Gebet ein.


Im Talmud Traktat Taanit 30b ist zu lesen:
"Wer um Jerusalem trauert, der wird später die "Wiederaufstehung" Jerusalems sehen". Heißt, die Ankunft des Meschiach.

In Israel beginnt der Fastentag morgen früh gegen 4.00 Uhr und endet am gleichen Abend um 17.14 Uhr.

Der 10. Tevet ist ein Tag der Umkehr und soll unsere Herzen dazu verleiten, aus den Fehlern unserer Vorväter zu lernen. Jeder sollte verstehen, dass das gesamte Universum für ihn erschaffen wurde (Talmud Traktat Sanhedrin 37a) und somit ist jeder einzelne für seine Taten verantwortlich. Jeder Jude hat seine bestimmte Aufgabe innerhalb des jüdischen Volkes und wer diese erfüllt, der beeinflusst nicht nur seine Generation, sondern ebenso die zukünftigen Generationen bis zur Ankunft des Meschiach.

Warum das Fasten ?

Drei unterschiedliche Kommentare befassen sich mit dem Fasten am 10. Tevet. Erstens wird zum Zwecke der Umkehr zu G - tt gefastet. Ein Tag des Gebetes und der Einsicht, aber auch gleichzeitig der Zuversicht, in der Zukunft einiges besser zu machen. Zweitens dient das Fasten auch einem spirituellen Zwecke, denn damit entsagen wir uns der materiellen Welt und dringen in das Spirituelle ein. Rabbi Mordechai Machlis aus Jerusalem nannte einmal einen dritten Punkt, der oft zuwenig Erwähnung findet: Wenn wir fasten, sparen wir automatisch Geld, welches wir ja folglich nicht für Lebensmittel ausgeben. Dieses Geld sollte im Nachhinein als Spende an die Armen weitergereicht werden.

Der diesjährige 10. Tevet fällt leider wieder einmal in eine Zeit, in welcher unser Land der nationalen sowie internationalen Bedrohung ausgesetzt ist. Momentan bekriegen sich israelische Juden untereinander, doch das sagte schon der Gaon von Vilna vor mehr als 200 Jahren voraus. Nicht die Ishmaeliten sind unser grösster zu bekämpfender Feind vor der Ankunft des Meschiach, sondern die Juden untereinander. Dieser Tage fiel mir immer wieder das Konzept der EREV RAV ein, was ich unbedingt näher ausführen will. Eben auch wegen der Dispute innerhalb der israelischen Gesellschaft. 

ZOM KAL - Ein leichtes Fast

Neue Kampagne christlicher Missionare auf Juden

B"H

ARUTZ 7 berichtet von einer neuen miesen Attacke christlicher Missionare gegen Juden

Ist die Schauspielerin MERYL STREEP Jüdin ?

B”H 

Der Hollywood Star Mary Louise “Meryl” Streep wurde am 22. Juni 1949 in New Jersey geboren. Ihre Eltern waren Mary Wolf (geborene Wilkinson) und Harry William Streep, Junior. Väterlicherseits stammten die Vorfahren von Meryl Streep aus Deutschland sowie der Schweiz. Mütterlicherseits ist sie amerikanisch mit irischem, schottischem und walisischem Einfluss. 

Meryl Streep wurde zur Presbyterian erzogen. Eine Form des Protestantismus. Heute sieht sie sich keiner Religion zugehörig.  Die Antwort lautet, dass Meryl Streep weder jüdische Vorfahren hat noch selber Jüdin ist.

Dienstag, Januar 03, 2012

Jerusalem: Von der Jaffa Road zum Jaffa Tor


Jaffa Road mit Blick auf die Altstadtmauer









Die heutige Altstadtmauer wurde ursprünglich von den Ottomanen im 16. Jahrhundert errichtet.

Copyright / Photos: Miriam Woelke

Der haredische (ultra – orthodoxe) Busfahrer


Jerusalemer Stadtbusse. Hier in der Agippas Street am Machane Yehudah Markt

Photo: Miriam Woelke
B”H 

Momentan ist die Relevanz des Thema wieder am Abflauen, denn die Zeitungen haben wieder einmal anderweitige Themen entdeckt. Trotzdem sind die Haredim (ultra – orthodoxe Juden) nach wie vor sauer, von den Medien zu etwas abgestempelt worden zu sein, was sie nicht sind. Und das in einem Atemzug, wobei sich niemand mehr die Mühe machte zu unterscheiden, welche haredischen Gruppen genau betroffen sind und wer sich überhaupt nicht am Streit beteiligt. Im Endeffekt zeigten die Angriffe säkulerer Juden, der linksgerichteten israelischen Presse sowie vieler israelischer Politiker die Wirkung, dass die Haredim auf einmal Einigkeit zeigten, wobei die hohe Anzahl verschiedener haredischer Richtungen sich doch sonst nicht gerade grün ist. Im Kampf gegen die masslosen Angriffe des Säkularismus wurde ungewohnte Einigkeit bewiesen. 

Auf meiner Rückfahrt von Jerusalem nach Tel Aviv am gestrigen abend war ich erstaunt einen haredischen Busfahrer auf der Route vorzufinden. Ausgerechnet im ansonsten hochsäkuleren Bus 405 vom Jerusalemer zum Tel Aviver Zentralen Busbahnhof. 

Die Buslinie 480 von Jerusalem zum Bahnhof in der Arlozorov Street von Tel Aviv wird dagegen häufig von Haredim benutzt und den ein oder anderen Busfahrer mit einer schwarzen Kipa gibt es auch. Die Arlozorov liegt an der Stadtgrenze nach Ramat Gan und von dort aus fahren viele Stadtbusse am haredischen Teil der Nachbarstadt Bnei Brak vorbei oder direkt hinein. 

Als unser Bus, die Linie 405 gegen 21.40 Uhr den Jerusalemer Busbahnhof verliess, waren wir recht wenige Fahrgäste. Normalerweise ist das Gegenteil der Fall, aber je weniger, desto besser. Die Fahrt nach Tel Aviv dauert ca. eine Stunde und die Mehrheit der Fahrgäste schläft eh unterwegs ein. Es dauerte nicht lange und unser junger haredische Busfahrer kam mit einem Fahrgast, der fast neben ihm sass, ins Gespräch. Natürlich ging es dabei auch um die aktuellen Anschuldigungen der Presse und der Haredi zog richtig ab. Dass unsere Presse sich nicht schäme, Reden von Rabbinern bruchstückhaft zu verwenden und zu zitieren. Aus dem Zusammenhang gegriffen und immer wieder gegen die haredische Gesellschaft verwendet. Seit mehr als einer Woche gehe das nun schon so, dass linksgerichtete Politgruppen haredische Busse stürmen wollen und Trouble machen. Erst vorgestern versuchte solch eine Gruppe in einen haredischen Bus einzusteigen, doch der Fahrer wollte die Linken nicht hineinlassen: “Bis jetzt gab es hier nie Probleme und jetzt kommt Ihr und macht welche !”, so der Busfahrer zu den Linken. Viele Haredim stiegen erst gar nicht mehr in den Bus und warteten lieber auf den nächsten. Das Resultat war, dass die Linken den koscheren Busse am Ende nicht kritisierten und plötzlich auch nichts mehr auszusetzen hatten; sie zogen von dannen. 

“Dass sei doch allen ein abgekatertes Spiel der Linken”, so der Busfahrer weiter, Die Insassen stimmten ihm zu und wenig später war wieder Ruhe, denn bis Tel Aviv wurde der Rest des Weges durchgeschlafen.

Montag, Januar 02, 2012

Haredische Demonstranten suchten Aufmerksamkeit …

und bekamen sie. Tja, ganz schön hereingefallen, liebe Blogger und Berichterstatter !


Zwar gefallen wir mir die Bilder der Kinder mit den Davidsternen auch nicht gerade, doch war mir der Sinn und Zweck der gestrigen Demo schon klar. Die Judensterne sollte schocken und die Massen zum Nachdenken bewegen. Gesagt, getan. Heute gab es im Jerusalemer Nobelhotel “Mezudat David” eine erregte Podiumsdiskussion mit Politikern (Oppositionsführerin Zipi Livni) sowie Vertretern der haredischen sowohl als auch der säkuleren Presse. 

Januar 2012

B”H  

Wahrscheinlich waren jene ausländischen Touristen, die den Jahreswechsel 2012 in Tel Aviv verbrachten, eher enttäuscht. Ein kleines Feuerwerk am Strand, ein paar Parties und sonst - außer Spesen nichts gewesen. Heute wurde vielerseits wieder abgereist und momentan regnet es in Tel Aviv, was das Zeug hält. 

An meinem freien Tag fahre ich morgen einmal wieder nach Jerusalem. In haredischen (ultra – orthodoxen) Gegenden kann man derzeit keine Kamera herausziehen, denn dann denken alle sofort, man wolle provozieren und komme von der säkuleren Hetzpresse. Falls das Wetter mitspielt, werde ich ein paar Freunde aus haredischen Stadtteilen treffen und mit denen etwas herumlaufen. Ohne Kamera. Schüttet es aus allen Eimern, fällt selbst das Herumlaufen ins Wasser.

Sonntag, Januar 01, 2012

Warum Juden nicht an Joschke glauben

B"H

Ein aktueller Artikel der litvisch - haredischen (ultra - orthodoxen) Yeshiva AISH HATORAH definiert, warum Juden nicht glauben, dass der Jude J. der Meschiach war oder ist