Donnerstag, Mai 15, 2008

Jerusalem aus haredischer (ultra - orthod.) Sicht



B"H

Eine neue einmalige Photo - Ausstellung wird am Sonntag in Jerusalem eröffnet. Haredische (ultra - orthod.) Frauen und Mädchen haben Photos aus ihrer Sichtweise geschossen.

Wird sicher nicht uninteressant und wenn ich Gelegenheit finde, werde ich vielleicht vorbeischauen.

http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3543299,00.html

The exhibition will open on Sunday, May 18, at 5 pm, at the Oman Gallery, on 5 Zichron Yaakov Street, Jerusalem. It will be displayed until Thursday, May 22, between 9 am-1 pm and 4-8 pm.

Breslov holt auf

B"H

Sind wir es nicht alle längst gewohnt, die Lubawitscher Chassidim (Chabad) überall auf der Welt anzutreffen ? Sogar in Thailand haben sie ihre Niederlassungen.

Und innerhalb der letzten Jahre fragte ich mich ständig:
"Warum immer nur Chabad ?" "Wo bleibt Breslov ?"

Details zu Breslov:

Chassidut Breslov - Teil 1

Chassidut Breslov - Teil 2

Nicht, dass ich mich zu den Anhängern der Chassidut Breslov zähle; tatsächlich bin ich absolut kein Anhänger einer ganz bestimmten chassidischen Gruppe. In jeder chassidischen Gruppe entdecke ich Inhalte, die mir zusagen und solche, die das eben nicht tun. Und ich sehe mich nicht unbedingt als Mitglied in einer einzigen Gruppe und einem einzigen Rebbe folgend.

Früher einmal lernte ich einige Jahre bei Chabad und danach ebenso bei Breslov. Allerdings ohne Beitrittsabsichten, sondern nur mit dem reinen Ziel, mehr über den Chassidismus zu lernen.
Eines jedoch muß ich offen zugeben: Ich fühle mich mehr zu den Inhalten der Chassidut Breslov hingezogen als zu einer einzigen Story einer der sieben Lubawitscher Rebben. Vielleicht schon aus dem Grund, weil Rabbi Nachman von Breslov ein direkter Nachfahre des Baal Shem Tov (Besht) war und der Chabad – Gründer, Rabbi Sheur Zalman von Liadi, noch nicht einmal ein Schüler des Besht war.

In Israel leistet Chabad gute Arbeit. In Shopping Malls sieht man die Chabadnikim an ihren Ständen stehen. Jeder Jude, der will, kann bei ihnen seine Tefilin (Gebetsriemen) anlagen. Tefilin, Ausgabe der aktuellen Thoraparasha, alles was man will. Außerdem verfügt Chabad schon allein in Jerusalem über zwei Suppenküchen für die Bedürftigen. Eine davon gegenüber der Kotel (Klagemauer) und die zweite in Mea Shearim. Und die Chabad – Meschichisten (jene, die glauben, dass der letzte Lubawitscher Rebbe der Meschiach sei) sind tanzend und fahneschwingend allgegenwärtig mit ihren Meschiach – Flaggen.

Nun jedoch scheint Breslov aufzuholen. Zwei neue Stände in der Jerusalemer Ben Yehudah Mall und einen großen Stand in Downtown Tel Aviv: Allenby – Ecke Sheinkin.

Die zwei Stände in der Ben Yehudah arbeiten offensichtlich nicht zusammen. Einer von ihnen wird von den sogenannten Na Na Chassidim geleitet und der zweite Stand steht unter der Herrschaft der Schüler des Rabbi Shalom Arush. In Tel Aviv hingegen sind die Na Na Chassidim am präsentesten.

Die Schüler des Rabbi Arush in der Ben Yehudah versuchen gewissenhaft, die Publikationen (u.a. "The Garden of Emuna") ihres Lehrers an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Als ich vorbeiging, wurde ich sofort von einem Chassid angesprochen, mußte aber abwinken, denn das Buch "Garden of Emuna" befindet sich schon in meinem Besitz. Weiterempfehlen kann ich das Buch jedoch allemal, denn es eignet sich perfekt für jedermann, einige Lebensfragen beantwortet zu bekommen.

Der letzte Lubawitscher Rebbe verstarb vor noch nicht allzu langer Zeit, nämlich im Juni 1994. Damit fiel es den Chabadnikim leicht, ihre Strukturen und Inhalte mehr oder weniger aufrecht zu erhalten. Ja, ja, natürlich bildeten sich nach dem Tode des Rebben verschiedene interne Untergruppen mit ihren eigenen Zielen; dennoch hat Chabad bis heute einen Hauptsitz und zumindest eine Art Führungsriege.

Rabbi Nachman von Breslov war der einzige Rebbe, welchen die Breslover Chassidim jemals hatten. Nach seinem Tod im Jahre 1810 wollte niemand die Rebbe – Position einnehmen und bis heute hat sich daran nichts geändert. Man könnte glatt meinen, dass ein fehlender Rebbe zwangsläufig zur Auflösung der Gruppe oder zum Verlust der ursprünglichen Strukturen / Inhalte führen täte. Falsch, denn Breslov überlebte und gerade heute verfügt die Chassidut über herausragende Rabbis wie, u.a., Rabbi Eliezer Berland und Rabbi Shalom Arush.

Fairerweise sollte erwähnt werden, dass auch Breslov gespalten ist. Verschiedene Richtungen und die Tatsache, dass die originalen Breslover die vielen Neuankömmlinge nicht immer Willkommen heißen. Und die Newcomer – Gesellschaft wird vorwiegend von den beiden o.g. Rabbis geleitet, da beide Rabbis selbst der Chassidut Breslov erst im späteren Teil ihres Lebens beitraten. Rabbi Berland gründete seine eigene Yeshiva in der Jerusalemer Altstadt und sein ehemaliger Schüler, Rabbi Shalom Arush, gründete ebenso seine eigene Yeshiva. Letztens erzielte er durch sein Buch "The Garden of Emuna" einen hohen Bekanntheitsgrad, denn das Buch erwies sich in Israel als Verkaufsknüller, welcher sogar ins Englische übersetzt wurde.

Viele Leute aus aller Welt haben mich über Breslov befragt. Sie lesen die Stories des Rabbi Nachman und wollen mehr wissen. Das einzige Problem ist, dass Breslov, im Gegensatz zu Chabad, im Ausland weniger präsent ist. Und das daraus folgende Ergebnis ist leider, dass die Interessierten ausschließlich auf Breslov – Sites im Internet angewiesen sind.

Vielleicht ist es an der Zeit, dass Breslov einen Schritt weitergeht und sich zum internationalen Outreach wie zuvor schon Chabad entscheidet. Immerhin wäre dies eine tolle Alternative zur Chabad – Übermacht und an Interessenten fehle es sicherlich nicht. Ebenso besteht der Chassidismus nicht nur aus Chabad und wer nur die Lubawitscher gewöhnt ist und nichts anderes kennt, der mag diesem Irrtum unterliegen.

Breslov sollte auf alle Fälle die positiven Punkte eines solchen Unternehmens einmal genauer abwägen. Aber zwischenzeitlich freue ich mich über die verstärkte Breslov – Präsenz in Jerusalem und Tel Aviv.

Und viel Glück in der Ben Yehudah und der Sheinkin !!!!!!

Links und Infos:

Breslov World

Der Schatz unter der Brücke

Hasidic Homepage

Die Breslover Chassidim am Jerusalemer Zion Square

Rabbi Nachman's Stories

Parashat Behar

B"H

Die Thoralesung für diesen Schabbat

Da es sich gemäß des jüdischen Kalenders um ein Schaltjahr handelt, wird diese Parasha ohne die sonst übliche zweite Parashat Bechukotai gelesen.

Parashat Behar beginnt mit der Mitzwa der Einhaltung des Schemittah - Jahres und des Yovel. Sechs Jahre lang sollen wir unsere Felder bestellen und im siebten Jahr sollen sie ruhen und wir leben von den Erzeugnissen aus dem sechsten Jahr.
Sieben Mal sollen wir Schmittah halten, was insgesamt 49 Jahre ausmacht und im 50. Jahr feiern wir das Yovel, an dem alle Sklaven freigelassen werden und sämtliche Landbesitze an ihre ursprünglichen Eigentümer zurückgehen. Im 51. beginnen wir mit dem neuen Schemittah - Zyklus.

Bei oberflächlicher Betrachung machen diese zwei Gebote wenig Sinn. Eventuell könnte man meinen, dass eine Ruhepause für die Felder, Bäume etc. doch gar keine schlechte Idee sei. Lernen wir dagegen die Thora in ihrer tieferen Bedeutung, so ergeben sich unerwartete Erkenntnisse. Bezüglich des Schemittah gibt es vor allem in der Chassidut unendlich viele Kommentare.
Sechs Jahre sollen wir die Felder bestellen und im siebten Jahr (im Schemittah) werden sie nicht bestellt und landwirtschaftliche Erzeugnisse vom Schemittah werden nicht verzehrt. Genauso wenig werden Weintrauben aus dem Schemittah - Jahr für koscheren Wein verwendet.

Wenn wir uns in diesem Fall die Zahl sechs und sieben genau anschauen, werden wir automatisch an den Schabbat erinnert. G - tt erschuf die Welt in sechs Tagen und am siebten Tage ruhte Er.

Ein weiterer Hinweis auf diese beiden Zahlen ergibt sich aus dem Talmud Traktat Sanhedrin, wo es in der Gemara heißt, dass die Welt 6000 besteht und im 7. Jahrtausend (die Angaben richten sich hier nach dem jüdischen Kalender) beginnt das Zeitalter des Meschiach.
Der Ramban (Maimonides), der chassidische Kommentator Shem MiShmuel sowie bei der Chassidut Chabad wird der letztere Punkt metaphorisch betrachtet. Die sechs Jahre Arbeit repräsentieren die 6000 Jahre vor dem Meschiach und die sieben steht für die Zeit der Ankunft des Meschiach.

Diese Welt (Olam Hazeh) ist mit einem Korridor, der uns in die Kommende Welt (Olam Habah) führt, zu vergleichen. Wahres Leben beginnt dann, wenn wir unser Streben nach materiellem Gewinn verlieren und uns stattdessen auf unser spirituelles Wachstum konzentrieren.

Eine weitere Bedeutung der Einführung des Schemittah liegt darin, dass wir alle sieben Jahre daran erinnert werden, dass G - tt über allen Dingen steht und nicht wir. Menschen neigen dazu zu glauben, dass sie allein alles fest im Griff haben und werden arrogant (u.a. Sefat Emet und Rabbeinu Bachya). Sobald wir aber im siebten Jahr nichts pflanzen oder ernten dürfen, hängen wir ganz von G - tt ab und uns selbst sind die Hände gebunden. Auf diese Weise soll uns bewußt machen, dass wir eben nicht alles im Griff haben und G - tt immer über uns steht.

Das Gebot des Schemittah wurde zwar am Berg Sinai gegeben, aber eingehalten wurde es erst nach der Ankunft der Israeliten im Gelobten Land mit Yoshua Bin Nun. Das Schemittah trifft nur auf Israel zu (u.a. Rambam - Maimonides in seiner Mischna Thora - Hilchot Schemittah). Wenn ein Shmittah - Jahr ansteht, beginnt es am 1. Tischrei (an Rosh HaShana - am jüd. Neujahrsfest), so der Talmud Traktat Rosh HaShana 2a + 8b. Der Monat Tischrei fällt normalerweise fast immer in den September.

Israel ist das einzige Land auf der Erde, über das G - tt persönlich wacht und kein Engel. Es gehört G - tt allein und wir müssen Seine Mitzwot erfüllen, um die Vorzüge dieses Landes geniessen zu können (Rabbi Samson Raphael Hirsch). Nichts hier ist selbstverständlich, auch nicht der Regen. Jedes Jahr müssen wir im Amidah - Gebet (Schemonah Ezrei) erneut um Regen beten. Folgen wir Seinen Geboten, geht es uns gut in Israel und falls nicht, wird es genau umgekehrt sein (siehe Parashat Bechukotai). Eines dürfen wir dennoch nie vergessen: Es gibt immer eine Umkehr (Teschuva) und verlassen hat und wird G - tt die Juden niemals.

Häufig kommt es vor, das es in den Regenmonaten Dezember und Januar in Israel nicht regnet. Beispielsweise hat es in diesem Jahr wenig geregnet und offiziell läßt man verlauten, dass wir in diesem Sommer einer ersthaften Wasserkrise entgegen gehen. Israel ist vom Regen abhängig, denn wir haben nur wenige Regenmonate und ansonsten herrscht Hitze. Die einzige Wasserquelle des Landes, der Kinneret (See Genezareth) weist einen negativen Wasserpegel auf und jedes Jahr hoffen wir erneut auf mehr Regen. In manchen Jahren riefen führende israelische Rabbiner zu extra Gebeten an der Klagemauer (Kotel) auf. Der Wassermangel führt uns jedesmal wieder neu vor Augen, wie sehr wir von G - tt abhängig sind.

Bis heute zählen wir das Schemittah, aber nicht mehr das Yovel, das 50. Jahr. Die Gemara im Talmud Traktat Arachin 32b lehrt, dass ein Yovel nur eingehalten werden kann, wenn sich alle zwölf Stämme Israels in Israel befinden.
Als vor der Zerstörung des Ersten Tempels die drei Stämme Reuven, Gad und die Hälfte des Stammes Menasche von den assyrischen Koenigen Tillegath Pilnesser und Pul ins Exil getrieben wurden, wurde die Zählung des Yovels eingestellt.

Im Zweiten Tempel wurde das Yovel nicht mehr gezählt. Allerdings hält Rabbeinu Tam (Enkel von Raschi) dagegen und sagt, dass es während der Zeit doch eingehalten wurde. Die Tannaim (Verfasser der Mischna - der mündlicher Gesetzesüberlieferung G - ttes an Moshe am Berg Sinai) gingen sogar soweit zu sagen, dass es kein Schemittah ohne Yovel geben kann.

Und wie alles eine mystisch – kabbalistische Bedeutung hat, so natürlich auch das Schemittah:

Der Sefat Emet sieht im siebten Schemittah – Jahr eine eigene Zeitrechnung. Eine Zeit innerhalb einer Zeit.

Außerdem sind der Schabbat, welcher ebenso von der Zahl sieben abhängt und das siebte Schemittah – Jahr miteinander verbunden. Beide seien eine Angelegenheit des "Bitul". Der "Bitul" ist ein chassidisches Konzept und bedeutet eine "Selbstaufgabe".
Man löst sich von allem Materiellem und eigenen Bedürfnissen, um nur noch G – ttes Willen zu erfüllen und Seinen Geboten zu folgen.

Am Schabbat sowie im Schemittah – Jahr müssen wir uns von unseren eigenen Bedürfnissen loslösen und G – ttes Willen (nicht arbeiten bzw. keine Felder bestellen) erfüllen. Und demnach liegt unser Dasein in G – ttes Hand.

Schabbat Schalom

Mittwoch, Mai 14, 2008

Neue Poster - Alter Inhalt

B"H

Am letzten Schabbat sah man knallig rote Mitteilungsposter (Fakschivilim) an den Wänden Mea Shearims und des nebenan liegenden Stadtteiles Ge'ulah aushängen. Und wieder einmal wurde darauf die Handelskette AM:PM angegriffen. Es müsse endlich Schluß damit sein, den Lebensmittelladen AM:PM auch am Schabbat geöffnet zu halten. Und da soweit keine Einigung in Sicht ist, bleibt der Bann über den "Schefa - Markt" bestehen.

Fakshivilim in Mea Shearim




Hintergrund:
AM:PM sowie eine weitere Kette, der "Schefa - Markt", gehören zur Dor - Alon Gruppe, einem israelischen Handelsriesen. Im Gegensatz zum auf haredisch (ultra – orthod.) getrimmten Einkaufsparadies "Schefa – Markt" sieht die Ladenkette AM:PM ihre Hauptkundschaft in der säkuleren Welt Tel Avivs. Fast an jeder Ecke in Downtwon Tel Aviv ist ein AM:PM zu sehen. Die Läden sind 24 Stunden lang geöffnet; auch am Schabbat. Ich frage mich allerdings, wie man gerade bei AM:PM einkaufen kann, denn die Preise sind horrend. Ansonsten hat die Kette alles zu bieten und die Kundschaft rennt ihnen sogar die Bude ein.

Der Schefa – Markt befindet sich hingegen überwiegend in haredischen Gebieten. Wer hinein will, der muß anständig gekleidet sein: Männer in langer Hose und mit Kopfbedeckung – Frauen in langem Rock und die Arme müssen bis zum Ellbogen bedeckt sein. Bei Schefa läßt sich gut und billig einkaufen, was ich bestätigen kann. Nur liegt eben auf jener Kette ein haredisch - rabbinischer Bann und die Kundschaft bliebt aus. Seit Wochen eskaliert der Streit zwischen den Inhabern der Dor – Alon Gruppe und den Haredim (dem litvischen Oberrabbiner Eliyaschiv sowie dem Rebben der chassidischen Gruppe Gur, Rabbi Yaakov Aryeh Alter). Durch den Streik auf Schefa will man den Dor – Alon Konzern zwingen, AM:PM am Schabbat zu schliessen. Bisher ohne Erfolg.

Manche mögen sich fragen, ob denn so ein Bann überhaupt irgendetwas bewirken kann.
Obwohl Israel mehrheitlich säkuler sein mag, so ist der Anteil der haredischen oder anderweitigen relig. Kundschaft keineswegs zu unterschätzen. Wer etwas verkaufen will, der kümmere sich gefälligst auch um die Religiösen, denn da liegt eine hohe Einnahmensquelle. Das haben die meisten israel. Firmen schon längst erkannt und fahren, neben ihrer regulären Werbung, ebenso haredisch – anständige Werbespots und Poster. Zum Beispiel sind die Handygeselllschaften Orange und Cellcom in haredischen Wohnvierteln überall vertreten. Auch die Religiösen lieben ihre Handys mit allem dazugehörigen Schnickschnack, nur tat sich einmal wieder mehr das große Problem des "Anstandes" auf. Verschickten da nicht Spam – Firmen ihre Porno – SMS ? Und daher entschieden führende Rabbis, die Handykonzerne zu boykottieren. Letztere stellten ihr Denken sofort um, denn finanzielle Einbußen sollten vermieden werden. Schnell wurde eine extra Haredi – Line eingerichtet. Die Handyvorwahl 057 ist ausschließlich den Haredim vorbehalten. Eine anständige Telefonnummer macht schon was aus.

Das haben auch die haredischen Schulen wie Beit Yaakov und Talmud Torah erkannt. Wer seine Kinder bei ihnen einschulen will, der muß als Elternteil über ein "koscheres" Handy mit der Vorwahl 057 verfügen.

Aber wie immer tun sich bei all den Vorschriften auch immer wieder Lücken auf und man weiß sich zu helfen. Neben dem "koscheren" Handy halten viele Haredim noch ein weiteres ganz normales Handy.

Pscht, der Nachbar braucht das ja nicht zu wissen.

Dienstag, Mai 13, 2008

Question & Answer With Miriam Woelke

B"H

Guest Post bei Simple Jew

http://asimplejew.blogspot.com/2008/05/question-answer-with-miriam-woelke.html

All jene, die des Englischen mächtig sind, sind eingeladen, mein Guest Post bei dem Breslover Chassid und Blogger "Simple Jew" zu lesen.

Bin ich unanständig ?

Na Nach Nachma Nachman Meuman


Na Na - Graffiti der Na Na Breslover Chassidim

B"H

Bin ich unanständig ?

Ein Breslover Na Na Chassid scheint doch tatsächlich dieser Meinung zu sein, denn unentwegt verspürt er den Drang, mir ein Buch mit dem Titel "Die anständige Frau" in die Hand zu drücken. Sobald er mich in Downtown Tel Aviv erblickt, rennt er auf mich zu. Nicht, dass ich die Einzige sei, denn er rennt auf jede Frau zu, die in seinen Augen oder denen der Halacha (jüd. Religionsgesetz) unanständig gekleidet ist. Anstatt eines langen Rockes trage ich Hose. Dafür sind meine Ärmel einermassen lang und meine Ellbogen immer bedeckt. Darüber also bitte keine Beschwerden …

Längst schon müßte ich daran gewöhnt sein, doch immer noch treibt es mich manchmal auf die Palme, wenn relig. Juden ihre Glaubensgenossen nach dem Äußeren beurteilen. Und sollte nicht gerade ein Chassid sowieso zuerst in die Seele (Neschama) schauen ? Aber nicht jeder ist dazu in der Lage und jetzt habe ich halt den Na Na Chassid am Hals.

Jedesmal, wenn ich an ihm vorbeilaufe, denke ich daran das angebotene Buch "Die anständige Frau" in Empfang zu nehmen. Eine kleine Spende geben und ein wenig über Zniut (Anstand) lernen. Außerdem beabsichtige ich den Na Na Typen zu fragen, ob ich wirklich so unanständig ausschaue. Ich bin einfach nur neugierig auf seine Reaktion.

Was soll ich denn erwarten ? Natürlich betrachtet mich die haredische Gesellschaft als unanständig. Hosen, aarrgghhh.
Wie dem auch sei, nach all den Jahren in Israel habe ich einige Dinge ausgiebig gelernt: Beurteile niemals einen anderen Juden nach seinem äußeren Auftreten. Ja Kipa – keine Kipa, Rock oder Hosen ? Was sagt uns all das wirklich ?
Ihr werdet vielleicht überrascht sein zu hören, wie relig. jene sein können, die keine Kipa auf dem Kopf tragen. Oder wie schrecklich säkuler und ignorant jene sein können, die sich so gerne selber als Haredim (Ultra – Orthodox) sehen.

Ich frage mich immer wieder, wie wohl G – tt dazu steht. Sind wir Menschen nicht viel zu sehr auf das Detail fixiert anstatt "Kaf Se'chut – einen Zweifel einräumen" walten zu lassen. Nie zu früh richten, sondern immer erst die genaue Situation abtasten.

Soll ich jetzt das "Anstandsbuch" annehmen oder nicht ?
Im Grunde genommen weiß ich eh was drinsteht und der Inhalt wird mich nicht für sich gewinnen und umstimmen. Ich könnte hierfür Hundert Erklärungen und Rechtfertigungen abgeben. Wenigstens weiß G – tt , was tatsächlich im tiefsten Inneren eines Menschen vor sich geht.

Montag, Mai 12, 2008

Kiruv

B"H

Kiruv ?

Ist soetwas in Deutschland allgemein bekannt und wenn ja, ist es sinnvoll ?

Kiruv ist das ewige leidliche Thema in sämtlichen jüdisch - relig. Sites. Aber bevor ich näher auf das Thema eingehe, wäre es sinnvoller zuerst einmal das Wort "Kiruv" zu definieren.

"Kiruv" kommt aus dem Hebräischen und bedeutet ganz einfach "Annäherung an etwas". Das dazu passende Verb lautet "lehitkarev - sich nähern, näherkommen, annähern".

Im relig. - orthodoxen Judentum verwendet man den Begriff ausschließlich für Programme oder Leute (z.B. bestimmte Rabbiner), welche einen Juden seinem eigenen Judentum näherbringen wollen. Oder in anderen Worten ausgedrückt: Programme, die aus säkuleren Juden relig. Juden machen wollen. Das ist die grundsätzliche Absicht des Kiruv.

Mittlerweile haben sich ganze Berufszweige für Leute entwickelt, die professionell im Kiruv tätig sind. Im relig. Slang heißen sie "Kiruvniks".
Ich nehme einmal die USA und Israel als Beispiele.
Die litvisch - haredische Yeshiva AISH HATORAH ist bestes Beispiel für ein ausgedehntes Kiruv - Programm. In den USA verfügt sie über unzählige Niederlassungen und in Jerusalem hat sie ihr Hauptgebäude an der Kotel (Klagemauer). Säkulere Juden werden zu Vorträgen oder Programmen eingeladen. Natürlich ist es erklärtes Ziel, die Säkuleren zu Haredim umzufunktionieren. Und in vielen Fällen klappt das sogar.

Wer nicht unbedingt auf die Haredi - Schiene bzw. nur "easy going" will, der nehme am wöchentlich stattfindenden "Discovery - Program" teil. Zweck ist es, Juden jeder Herkunft die eigene jüdische Identität klarzumachen, um hinterher Intermarriages (Ehen zwischen Juden und Christen) zu verhindern. Kennt ein Jude seinen Ursprung, denkt er dreimal nach bevor er sich mit einer Schickse (nichtjüdischem Mädel) einläßt. Bei den Männern ist das gleiche angesagt. Aber nicht nur AISH betreibt offen den Kiruv. Auch Chabad ist fleissig dabei.

Der Kiruv wird vielfach kritisiert, weil gerade die Kiruvniks oftmals zu aufdringlich auftreten und die Neuankömmlinge in irgendetwas hineinreden. Religiös wird man nicht von heute auf morgen und erst recht nicht haredisch (ultra - orthod.). Diese "Metamorphose" benötigt viele Monate und manchmal einige Jahre. Wer alles ruckzuck über den Zaum bricht und meint, er ist nächste Woche der Super - Haredi, lebt in einer Illusion. Solche Drängler bleiben meistens nicht lange dabei.

Braucht man überhaupt jene Kiruvniks, meistens Rabbiner, die sich auf die Anwerbung und den Unterricht von Neuankömmlingen spezialisieren ?

Viele sagen NEIN. Gerade jene Kiruvniks sind selber ehemalige "Neuankömmlinge" und haben teilweise keine Ahnung, wie man mit jemandem umgeht, der sich in solch einem wichtigen Umschwung seines Leben befindet; langsam relig. wird und somit ein neues vollkommenes anderes Leben führt. Nicht selten führt die Lebensumstellung zu Krisen beim Neuankömmling und die wenigsten Kiruvniks sind in der Lage, ihren Schützling behutsam aus einer mentalen Krise herauszureden. Stattdessen wird mit der Holzhammermethode agiert: "Friss oder stirb".

Zuviel Konsequenz ist zu Beginn nie gut und führt nur zu weiteren inneren Krisen. Und eben jener unfähigen Art von Kiruvnik ist es zu "verdanken", dass viele Interessierte vor der Religion flüchten.

Selbst wenn keine Kiruvniks ausgesandt werden, Anfängerprogramme sind immer notwendig. Doch auch hier sollten die Leute langsam an die Religion herangeführt werden. Leider geschieht es allzu oft, dass fanatische Kiruvniks weitere neue Fanatiker "heranzüchten". Auf diese Weise entsteht nicht wiedergut zu machender Schaden. Auch für jene, die vor einem nervenden Kiruvnik flüchten und meinen, die jüdische Religion bzw. die haredische Szene bestehe nur aus solchen Chaoten.
Viele Stories sind bekannt geworden; erfolgreiche Kiruv - Arbeit und das Gegenteil.

Was leider immer wieder zu bemängeln ist, ist die Kleidungsumstellung. Auch hier wird dem Neuankömmling kaum Zeit zum Atmen gelassen. Rein in den schwarzen Anzug, schwarzer Hut auf und los gehts. Bei den Frauen ist es der lange Rock.

In Jerusalem passen sich einige Studenten der o.g. Yeshiva sowie der Yeshiva Ohr Sameach halt an. Erst einmal wieder daheim in den USA, England oder Südafrika angekommen, wird der schwarze Hut nicht selten wieder beiseite gelegt. Entweder ist keine Lust mehr da oder die Realität stellt sich ein. Was, wenn die Eltern reform sind ? Dann gibts meistens kein koscheres Essen im Haus und der Schabbat geht den Bach hinunter.

Neurelig. jener Kiruv - Yeshivot reagieren auf unterschiedliche Arten auf den Alltag daheim. Einige wenden sich wieder von der Orthodoxie ab, andere machen ihren Eltern die Hölle heiß und andere wiederum versuchen ihren besten relig. Beitrag zu geben, mit dem Ziel, in eine andere heimische Yeshiva zu wechseln.

Meine Antwort lautet:

Kiruv JA, aber in Maßen und mit viel Einfühlungsvermögen.

Sonntag, Mai 11, 2008

Langweiliger G - ttesdienst ?

B"H

Wer sich entschließt, einfach nur mal eben so in die Synagoge zu gehen, richtig relig. zu werden und mit allem was dazugehört zu beten oder wer zum orthodoxen Judentum konvertiert, dem wird eines kompliziert vorkommen. Vorausgesetzt er war vorher noch nicht mit einem jüdisch - orthod. Gebetbuch (Sidur) in Berührung gekommen.

In der Diaspora geht es oft gemächlicher zu und wenn der Synagogeng - ttesdienst von Vorbetern bzw. Rabbinern geleitet wird, die die hebräische Sprache nicht ihre Muttersprache nennen, dann kann es schonmal länger dauern. Für jene Betenden, welche mit dem Sidur weniger vertraut sind und dem G - ttesdienst in einer fremden Sprache (Hebräisch) nur schwer und gar nicht folgen können, erweist sich die "Langsamkeit" durchaus positiv. Wenigstens kann man einigermassen folgen und wer den Anschluß verpasst, stößt halt irgendwann wieder dazu. In Israel hingegen geht es anders zu, denn dort wird zügig gebetet. Meine ausländischen Freude kommen jedesmal wieder ins Wanken. "Äh, auf welcher Seite im Sidur sind wir jetzt wieder"?

Auch wer sich auskennt, kann bei der Gebetsmasse oft verloren gehen. Immer spielt dabei eine Rolle, wo sich der G - ttesdienstbesucher gerade befindet. In einer sephardischen Synagoge ? Hui, dann wird's kompliziert.
Teilweise etwas andere Riten (z.B. beim Kaddisch wird gesessen) und andere Aussprachsweisen. Bei den Jemeniten wußte ich nie, wann denn jetzt AMEN gesagt wird, da ich den Text nie verstand.

Wer es einigermassen einfach haben will, der gehe zu den aschkenazischen Nationalreligiösen oder den ebenso aschkenazischen litvischen Juden. Die Chassidim wiederum sind längere Gewöhnungssache, wobei eine zusätzliche Komplikation auftaucht. Viele chassidische Gruppen nämlich verfügen über ihr eigenes Sidur (Satmar, Toldot Aharon, Toldot Avraham Yitzchak, Chabad oder Karlin - Stolin, zum Beispiel). Und die Aussprache ist genauso gewöhnungsbedürftig. Besonders bei chassidischen Gruppen, welche ihren Ursprung in Ungarn oder der Ukraine haben. Aus dem "E - lo - h - ei - nu" wird da beispielsweise ein "E - lo - h - ei - ni".

Der amerikanische Artscroll - Verlag hat sich einige Besonderheiten einfallen lassen. So werden Sidurim mit den sogenannten "Transliterations" angeboten. Auf zwei Seiten finden wir den hebräischen Gebetstext, die engl. Übersetzung sowie die Transliteration - die hebr. Sätze in Engl. ausgeschrieben.
Dieses Sidur ähnelt meiner Meinung nach einem schwerfälligen Klotz. Wenn es da in der Synagoge schneller und professioneller zugeht, dann hängt man da. Wo schaue ich jetzt hin ? Aufs Hebräische, aufs Englische oder mühe ich mich flugs mit der Transliteration ab ?
Eine Freundin von mir will mir glauben machen, dass sie sich auf alle drei Arten konzentrieren kann. Immerhin sagt sie, dass sie mitkomme. Mehr oder weniger. Allerdings helfe ich ihr dennoch recht häufig.

Wer regelmässig in die Synagoge geht, der gewöhnt sich an die Riten und die Gebete. Am Anfang erscheint alles furchtbar wild und durcheinander. Mit der Zeit jedoch geht es wesentlich besser. Von Vorteil wäre auch, sich in verschiedenen Synagogen umzuschauen. Ich weiß, dass dies gerade in Deutschland kaum möglich ist, denn es gibt fast immer nur eine Synagoge in einem Ort. In London, Antwerpen, New York und vor allem Israel sei dies jedoch zu empfehlen. Einfach einmal neue Leute kennen lernen und andere Gebetsformen erleben. Besonders interessant und vielfältig geht es bei den Chassidim zu. Allgemein gilt, dass Gebete im hebräischen Original anerkannter sind als jene, die in einer fremden Sprache gebetet worden sind. Der Schulchan Aruch (Code of Jewish Law) jedoch sieht keinen Widerspruch in Gebeten in anderen Sprachen. Bekanntlich dann nicht, wenn der Betende des Hebräischen nicht mächtig ist und gar nicht versteht, was er da betet.

In der Synagoge sowie im Gebet muß jeder irgendwo seinen eigenen Weg finden. Der Zugang zu G - tt ist individuell und litvisches stocksteifes Herumstehen ohne jegliche Euphorie klingt nicht gerade nach "Kavanah - Konzentration", sondern eher nach "Gebet am Fließband".

Es gibt widersprüchliche Meinungen darüber, aber real zeigen sich die G - ttesdienstbesucher etwas beschämt vor sich selbst. Okay, ich bin gerade mitten in einem Gebet. Soll ich das jetzt erst zuende beten oder lieber der Masse folgen. Seiten überschlagen, um einen guten Eindruck zu schinden und nicht anzuecken ?
Manchmal mag dies vielleicht angebracht erscheinen, dennoch sollte sich ein jeder ein gewisses Bet - Selbstbewußtsein zulegen. Ich bete jetzt, komme was wolle und die Gemeindemitglieder können mir den Buckel herumterrutschen.

Und gerade die Intensität ist es, die ein Gebet ausmacht und die einen sich hinterher besser fühlen läß. "Wow, was für ein Davening (Beten)" ?

Bin ich in der Lage, dem G - ttesdienst zu folgen oder nicht ? Einige Dinge sollte man jedoch nie aus den Augen verlieren:

- Bei meinem Gebet stehe ich vor G - tt selbst und darauf sollte ich mich konzentrieren. Dies ist zu vergleichen mit jemandem, der vor seinem König steht.

- Nie aufgeben, auch wenn man einmal den Faden verliert.

- Wenn es denn gar zu schnell geht, sich einfach auf einige wenige Sätze oder ein Konzept konzentrieren und dieses dann mit absoluter Intensität (Kavanah) beten. Lieber einige Paragraphen richtig beten als sich nur schnell durch alles mühsam durchzuquälen.

All das ist nicht einfach, aber nach einier Zeit sollte man schon ein gewisses Selbstvertrauen aufbringen. Und daheim gibt es auch genügend Gelegenheiten zum Praktizieren.

Ähnliche Links:

Anmerkungen zum Gebet im Judentum

Engel und Gebete

Die Geschichte des Sidur (Gebetbuch)

Das Tor der Tränen

Halachisches & Kabbalistisches zum Gebet

Zwiegespräch bei der Neturei Karta

B"H

Neturei Karta wohin ?

Und wo sind die guten alten Zeiten ?

Sehnsucht nach der Vergangenheit

Freitag, Mai 09, 2008

Raus aus der Heiligen Stadt

B"H

Viele Male zuvor erwähnte ich bereits, dass mein größtes Ziel im Leben die Rückkehr in die haredische (ultra – orthod.) Gesellschaft ist. Dieses hat für mich äußerste Priorität. Mein größtes Problem, welches diesen Prozeß verhindert bzw. verzögert ist meine fehlende Zugehörigkeit a la "In welchen Rahmen passe ich".

Chassidim hegen den Drang zur gnadenlosen Identifizierung:
Wo gehörst Du hin ? Bist Du Breslov, Satmar, Vishnitz, Zanz oder was ? Wer ist Dein Rebbe ? Wessen Erlässen oder Bräuchen folgst Du ?

Viele Male zuvor erwähnte ich bereits, dass ich keine Person bin, die sich ausschließlich nur für eine einzige chassidische Gruppe entscheidet. Früher dachte ich einmal, dass Satmar das Richtige für mich sei. Heute hingegen würde ich noch nicht einmal mehr zu Satmar gehen, denn der Streit zwischen den beiden Rebbes stört mich gewaltig.

Viele Male zuvor erwähnte ich bereits, dass ich vor einigen Jahren die haredische Gesellschaft aufgrund einer persönlichen Krise verließ. Nach einer kurzen Zeit des "gar nichts tuns" entschloß ich mich jedoch zu einer Rückkehr. Und seitdem arbeite ich daran. Nichtsdestotrotz gibt es mehrere Dinge, die mich auch wieder davon abhalten, was mich mehr als nur stört. Ich stehe dem oft ziemlich hilflos entgegen.

So mancher mag das nun die Yetzer HaRah (die negative Seite in uns) nennen, welche mich mit allen nur möglichen Argumenten von einer Rückkehr abhalten will. Eine innere Stimme sozusagen, die mir zuflüstert, dass ich eh wieder nur in einer weiteren Krise enden täte: "Das haredische Leben ist nichts für Dich. Du hast es versucht, ganz toll, netter Versuch, aber besinne Dich jetzt lieber auf die Realität und setze Deine früheren Wege fort".

Das letzte der Argumente kann und will ich nicht so akzeptieren. Jemand, der vorher einmal ein haredisches Leben geführt hat und sich nun auf "weniger relig. Pfade" begeben hat, verliert niemals seine mentale Verbindung zur relig. Welt. Selbst vor dem Essen kommt es sofort in einem hoch, einen Beracha (Segen) über das Essen sagen zu wollen. Das geschieht ganz unbewußt und ohne, dass man es vielleicht will. Ob derjenige letztendlich den Beracha macht oder nicht, ist seine Sache. Dennoch kann keiner den Gedanken daran verhindern, denn ganz plötzlich kriecht er einem ins Hirn.

Vor einigen Wochem entschloß ich mich, von Jerusalem nach Tel Aviv zu ziehen; mit Nähe zum haredischen Bnei Brak versteht sich. In Jerusalem erscheint derzeit alles irgendwie festgefroren. Ständig sehe ich dieselben Leute, gehe zu denselben Schiurim (relig. Vorträge) und denselben Rabbis. Momentan tut sich kein Weg der Verbesserung auf. Ich will weiterkommen, aber ausgerechnet Jerusalem scheint mit gerade jetzt der falsche Ort dafür zu sein.
Selbstverständlich wird es auch an einem neuen Ort nichts anderes werden. Irgendwie ist man ja immer mehr oder weniger festgefahren im Leben. C'est la vie !
Überall gewöhnt man sich ein und nach einiger Zeit kommt eine gewisse Routine auf. Das Leben ist keine Wild West Show, wo sich jede Minute etwas verändert. Manchmal schon, aber an der Tagesordnung ist es nicht.

Ich denke, dass mein zweites großes Problem, welches mich von einer Rückkehr ins haredische Leben abhält, meine früheren Erfahrungen sind. Ängste, die gleichen Fehler zu machen. Vielleicht nicht alle Fehler, doch einige schon.

Ich bin so ziemlich das, was man kreativ nennt und ich brauche Leute um mich herum, die mitdenken. Nicht gerade Mr. & Mrs. Nobelpreisgewinner, aber immerhin Leute mit Verstand. Und ob es jemand glaubt oder nicht, diesen Menschentyp fand ich ausgerechnet in Tel Aviv. Die Jerusalemer erscheinen gegenüber den Tel Avivern zu festgefahren, was man auch selber zugibt. Wer alles nicht diesen oder jenen Weg macht, der gilt als Außenseiter. Viele Male gleicht das Leben in Jerusalem einem Dorfleben. Nichts tut sich und die Leute haben Holzschädel. Kommt jemand aus dem Dorf in die Großstadt, tut sich erst dann die neue Sichtweise auf, die da Freiheit und Toleranz lauten mag.

Mein Ziel ist es, in Tel Aviv viele meiner persönlichen Charaktereigenschaften versuchen unter einen Hut zu bringen. Sobald ich in der haredischen Gesellschaft bin, verspüre ich oftmals die Angst, eine dieser Eigenschaften zu verlieren. Daher will ich das offene Leben der Intelligenz mit dem haredischen Leben verbinden.
Klingt das jetzt schizophren ?
Vielleicht. Nichtsdestotrotz bin ich überzeugt, dass diese zwei Dinge nebeneinander existieren können.
Ich betrachte es ganz und gar nicht so als ob ich mich damit dem Leben nach der Yetzer (negative Seite in uns) hingeben täte.
Warum sollte ich ?
Und war es nicht G – tt, der uns alle mit unterschiedlichen Charaktereigenschaften erschuf ?
Und eine Menge meiner Charaktereigenschaften passen nun einmal nicht in die haredische Welt.
Oder hat Kreativität einen Platz in der haredischen Welt.
Vielleicht gibt es heutzutage mehr davon als noch vor einigen Jahren. Die Dinge ändern und verbessern sich. Aber der Wechsel dauert lange und manchmal eben zu lange.

Das ist der Grund für meinen Umzug. Eben weil ich unterschiedliche Dinge miteinander kombinieren will.
Ich habe keine Ahnung, ob das Unternehmen von Erfolg gekrönt sein wird, aber ist nicht immer der beste Part im Leben die Suche selbst ?
So, I keep on trying.

Der staatliche Widerspruch zum Omer

B"H

Und es war wieder einmal so wie in all den Jahren zuvor. Der 60. Geburtstags des Staates Israel veranlasste die wenigsten Haredim (Ultra - Orhtod.) zum Feiern. Man gab sich unsichtbar und ging seiner Wege.

Zwar gab es am Erev Yom HaZikaron (Tag zur Erinnerung der gefallenen israel. Soldaten), am Dienstag abend, einen Zwischenfall in Mea Shearim; dieser jedoch schien so offensichtlich von außen provoziert, dass er schon kaum der Rede wert ist. Ein Mann stellte sich am Kikar Schabbat mit einem Poster "zionistischen" Inhaltes auf. Fast überflüssig zu erwähnen, dass einige Satmarer Chassidim kamen und ihm einiges zu sagen hatten. Die Chassidut Satmar gilt als besonders anti - zionistisch und ist das einflußreichste Mitglied in der anti - zionistischen Dachorganisation "Edah HaCharedit".

Und immer wieder ruft gerade das "Omer" eine riesige Kontroverse hervor. Inwieweit ist es uns in dieser Zeit von Pessach bis hin zum Wochenfest Schavuot zu feiern. Laut Talmud Yevamot gilt die Zeit des Omer als Trauerperiode und es finden keinerlei Hochzeiten statt. Auch rasieren tun sich relig. Männer derzeit nicht, denn das Nichtrasieren ist ein weiterer Ausdruck der Trauer. Und so sieht man derweil relig. Männer, die normalerweise ohne Bart herumlaufen mit Bart. Eine Sache, die manchmal ziemlich gewöhnungsbedürftig ist.

Ein weiteres Verbot am Omer ist das Hören von Musik. Und feiern wir nicht gerade am Unabhängigkeitstag wie gestern und vorgestern besonders laut. Da knallen die Feuerwerke nur so und die Disco - Musik dröhnt durch die Straßen. Kann man da mitfeiern, wenn es talmudisch verboten ist ? Rabbi Akiva verlor zu talmudischen Zeiten 24.000 seiner Schüler, die durch eine Krankheit umkamen. Und was machen wir ? Wir jagen Feuerwerkskörper in die Luft.

Die Frage stellt sich, ob nicht gerade der Freudesausdruck ein Zeichen des Überkommens der Trauer ist. Ein Zeichen der Hoffnung. Es kann ja nur alles besser werden sozusagen.
Aber ist dies nicht wiederum eine Ausrede für wilde Parties. Okay, ich trauere zwar, lasse es aber dennoch knallen, um alles zu überkommen ?

Manchmal ist es vielleicht besser, in Zeiten tiefer Trauer einen Hoffnungssschimmer zu sehen, und dieser heißt da, dass die Juden wieder ein eigenes Land haben. Ich frage mich da jedesmal, wie wohl Rabbi Akiva reagiert hätte. Gerade er, denn der Rabbi erlebte die Zeit nach der Zerstörung des Zweiten Tempels und die brutale römische Besatzung. Und genau diese Römer richteten ihn letztendes auf unbeschreiblich brutale Art und Weise hin.

Hätte nicht vielleicht auch Rabbi Akiva einen Funken Hoffnung gesehen ?

Mittwoch, Mai 07, 2008

Überzogene Eindrücke

B"H

Eine sarkastische Reaktion auf die Akademische Welt

Jedesmal macht es mich aufs Neue wahnsinnig, wenn ich inmitten der Professoren sitze. Die "Profs" nehmen sich so schrecklich wichtig, weil sie an ihren Büchern tippen. Die Tatsache an einem Buch zu schreiben, scheint einige Professoren in noch höhere Selbstbewußtheitszonen zu katapultieren. Sie bekommen einen regelrechten Kick davon.

Falls jemand einmal in der National University Library in Jerusalem sitzt, ohne auch nur an einem Buch zu schreiben, wird er automatisch als "Nichts" abgestempelt.
Ein Niemand, der seine Zeit doch tatsächlich mit ernsthaften jüdisch – religiösen Studien verschwendet.
"Was, du schreibst an keinem Buch ? Wie kannst Du es wagen, hierher zu kommen ?"
"Was, du bist kein Akademiker, sondern "nur" ein Religiöser, der etwas lernen will ?"
Igitt.

Nein, ich gehöre nicht zur Akademikerwelt.
Sorry, dass ich "nur" über eine Yeshiva – Vergangenheit verfüge.
Und einst zog ich es sogar ernsthaft in Erwägung, der Chassidut Satmar beizutreten.
Nein, dies ist jetz kein sarkastischer Witz, sondern Realität. Oder zumindest gehörte es einmal zur Realität.

Und nun schreibe ich an meinen Blogs und für verschiedene jüdische Organisationen. Was mich aber immer noch zu keinem Akademiker macht, außer einem errungenen BA.
Egal, wieviele Leser ich habe, ich gehöre weder zur oberen noch zur unteren Akademikerschicht.
Macht nichts, wenn hinterher nur zehn Leute das akademische Buch wirklich lesen, ein akademischer Titel ist unbedingter Teil des Pflichtprogrammes.

Zusätzlich werde ich als "gestört" eingestuft.
Einige Professoren haben nämlich mitbekommen, dass ich einen aktiven Umgang mit Haredim pflege. Ich lese nicht nur Bücher oder plage mich durch Youtube, sondern spreche real mit Haredim.
Die Professoren können es nicht fassen und meinen, dass ich ja so nur meine Zeit verschwende. Schließlich sind eh alle erforderlichen Materialien und Infos schon in den Bücherregalen erhältlich, und deswegen brauche ich auch nicht nach Mea Shearim und zu den "Ich verschwende nur meine Zeit – Lokalitäten" gehen.

Ich verschwende also meine Zeit, weil ich aktiven Umgang mit Haredim pflege.
Und genau diese Haredim werden von Professoren und Studentenschaft als gestört eingestuft.
Haredim, egal ob männlich oder weiblich, haben keinerlei Uniausbildung und ohne diese Bildung sind sie "weniger intelligent und somit weniger wert". "Weniger intelligent" ist eine freundliche Umschreibung für "dämlich".
"Wer bist Du überhaupt, Haredi ? Ich kann in Deine Gesellschaft eindringen und alles nur Erdenkliche über Dich herausfinden. Und Du bist viel zu dämlich, um mir auf die Schliche zu kommen. Ich quetsche alles aus Dir heraus und veröffentliche es hinterher". Ätsch !

So die Gedankengänge der Studenten und ihrer Profs.

"Was, Du warst einmal einer von denen und bist bis heute mit ihnen befreundet ?" – Mindestens Tausendmal mußte ich diese Frage über mich ergehen lassen.
Die Professoren waren sprachlos und wußten nicht, wie sie reagieren sollten.
"Was ? Jemand Religiöses mit einer Portion Verstand ? Wo gibt' s denn sowas ?"

Ja, ich war einmal Teil der haredischen Gesellschaft oder zumindest rechnete ich mich selbst dazu. Allerdings ist es etwas völlig anderes, ein wirkliches Mitglied in einer chassidischen Gruppe zu sein. Und ich rede hier nicht mal eben so von Chabad oder Breslov. Ich rede hier von Satmar, Vishnitz, Belz oder Toldot Aharon.
Aaarrgghhhh, Toldot Aharon, wow.

Tatsache ist, dass ich mit sovielen Haredim befreundet sein kann, wie ich mag; niemals jedoch bin ich auch nur im Entferntesten ein Teil der internen Gesellschaft geschweige denn Teil der Gruppe selbst. Ich kann am Schabbat eingeladen sein und mit den Haredim mehr als eine Stunde lang reden, aber nie und nimmer erhebt mich dies zum Gruppenmitglied.

Und genau das ist es, was Studenten und Professoren einfach nicht kapieren wollen. Sie setzen ein Gespräch mit einem Chassid mit einer Ernennung zum Gruppenmitglied gleich.
Wir Außenseiter werden niemals Mitglied sein, es sei denn, wir treten der jeweiligen chassidischen Gruppe bei und gehen mit Haut und Haaren in ihr auf. Und dann schreiben wir auch nicht mehr im Internet und sind auch nicht mehr als Professor tätig.
Bücher dürfen wir dennoch weiterhin schreiben. Religiösen Inhaltes, versteht sich.

Zur Akademikerzunft zählen wir jedoch immer noch nicht, denn schließlich wird den Haredim ja ein Hirn abgesprochen.

Parashat Emor

B"H

Die Thoralesung für diesen Schabbat

Und abermals erhalten wir in dieser Parasha mehrere Mitzwot (Gebote) auf einmal. Gleich zu Beginn wird den Cohanim (Tempelpriestern) aufgetragen, keine Leichen anzufassen, um nicht unrein zu werden.

Zuerst macht G - tt mit der Gabe der Thora an das jüdische Volk klar, dass Er zwischen Juden und Nichtjuden unterscheidet. Beide haben bestimmte Aufgaben im Leben und die der Juden ist es, nach der Thora zu leben. In Parashat Emor jedoch macht G - tt einen weiteren Unterschied. Nämlich den zwischen den regulären Juden und dem der Cohanim (Tempelpriester) und Nachkommen Aharons. Diese unterscheiden sich von den regulären Juden insofern als das sie zusätzliche Gesetze bekommen. Sowohl für den Tempeldienst als auch für das Privatleben. Cohanim sollen ein Vorbild für andere Juden sein und G - tt sieht sie für sich selbst als heilig an.

Was mich immer am Inhalt dieser Parasha störte war die Mitzwa (Gebot), dass Cohanim mit bestimmten körperlichen Defekten keine Opferungen bringen dürfen. Ich betrachtete das immer als etwas rassistisch, suchte aber nie richtig nach dem Sinn dieses Gebotes und vergaß die Angelegenheit jedesmal wieder. Bis zu einem Shabbatessen bei Rabbi Mordechai Machlis, bei dem jener plötzlich auf das Thema zu sprechen kam und genau meine Gedanken vortrug. Er, der Rabbi, selbst hätte genauso Probleme den Sinn darin zu verstehen. Er erzählte, dass er diesbezüglich einen Freund befragte, der ihm folgende Antwort gab:
Vielleicht ist das Gelände um das Allerheiligste (Kodesh HaKedoshim) und den sich davor befindenden Opferplatz Teil einer höheren Welt, in der die vollkommene Perfektion herrscht und nichts Imperfektes erlaubt ist.

Diese Antwort gab mir sehr zu denken und bis heute halte ich sie für eine treffende Erklärung.

Aber nicht nur die Cohanim bekamen neue Mitzwot, sondern auch wir. Die Einhaltung des Schabbats wird erneut erwähnt. Außerdem die Zählung des Omer (Sefirat HaOmer), in der wird uns gerade befinden. Danach folgen Rosh HaShana (jüd. Neujahrsfest), Yom Kippur, Sukkot (das Laubhüttenfest) und Shemini Atzeret, bei denen es sich um meine bevorzugten Feiertage handelt. An Rosh HaShana sowie Yom Kippur verbringe ich die meiste Zeit in der Synagoge. Vielleicht an Rosh HaShana etwas weniger, denn Essen ist ja erlaubt und erwünscht.

Rosh HaShana wird in der Thora nicht bei diesem Namen genannt, sondern der Tag gilt als "Yom HaTeruah - ein Tag, an dem der Sound eines Hornes zu vernehmen ist".
Leider spiegeln weder die deutsche noch die englische Übersetzung die eigentliche Bedeutung des Hebräischen wieder.

Für viele mag Rosh HaShana als ausnahmslos jüdischer Feiertag gelten, was allerdings nicht ganz richtig ist. An Rosh HaShana werden nicht nur Juden von G - tt gerichtet, sondern sie ganze Welt. Wie wird die Zukunft der Welt und der unserigen für das neue Jahr aussehen ? Werden wir Erfolg haben, Krisen erleiden, G - tt behüte krank werden etc. Alles, was uns im neuen Jahr erwartet, wird an Rosh HaShana entschieden.

Einen Unterschied gibt es dennoch: Die Welt wird an den zwei Tagen des Festes gerichtet und bei Juden wird das endgültige G - ttesurteil am Yom Kippur gefällt (Gemara im Talmud Traktat Rosh HaShana 16a). Einige chassidische Kommentatoren sagen, dass Juden sogar bis Chanukkah Zeit haben Teshuva zu begehen (zu G - tt umkehren).

Wer sich also gut auf Rosh HaShana vorbereiten will, der sollte seine guten und schlechten Taten im derzeitigen Jahr überdenken und sich vornehmen, dieses oder jenes vielleicht anders handzuhaben.
Sephardische Juden beginnen mit den traditionellen Selichot - Gebeten schon am Rosh Chodesh (Monatsbeginn) Elul und ashkenazische Juden beten Selichot am Schabbatausgang vor Rosh HaShana.
Selichot sind vorgeschriebene Gebete, die einen zur Umkehr bewegen sollen und gleichzeitig gestehen wir ein, dass wir gesündigt haben. Das bekannteste Gebet darin ist wohl "Avinu Malkeinu".

Der Monat Elul vor dem 1. Tishrei an Rosh HaShana, ist dafür berühmt, dass G - tt für alle ein offenes Ohr hat, welche ihre schlechten Taten ernsthaft bereuen. Besonders die Chassidut Chabad pflegt hier das Konzept "המלך בשדה - The King is in the Fields" - Der König ist im Feld, heißt, zu der Zeit ist G - tt näher bei uns als zu anderen Zeitpunkten im Jahr. Die Klagemauer (Kotel) ist im Elul zu jeder Tageszeit voll Leute.

Anmerkung: Elul beginnt meistens im August und Tishrei im September.

Fast am Schluss der Parasha wird uns kurz von einem seltsamen Ereignis berichtet. Der Sohn einer israelitischen Mutter und eines ägyptischen Vaters kommt in das israelitische Lager in der Wüste. Nachdem der Sohn, dessen Namen nie genannt wird, G - tt verfluchte, brachten ihn die Israeliten zu Moshe, damit dieser über ihn richte.
Zu dem Zeitpunkt nennt die Thora plötzlich den Namen der Mutter, welcher Schlomit Bat Dibri lautet. G - tt befiehlt Moshe den Sohn zu steinigen und gleichzeitig soll jeder, der in der Zukunft G - tt verflucht, gesteinigt werden.

Im vorherigen Paragraph war noch vom Schabbat die Rede und aus heiterem Himmel wird das Thema gewechselt. Wie wir aber wissen, steht nichts Überfluessiges oder Bedeutungsloses in der Thora und alles Erwähnte will uns etwas sagen bzw. lehren. Der Rokeach und der Arizal (Rabbi Yitzchak Luria) sehen zwischen dem zuvor erwähnten Schabbat und den darauffolgenden Flüchen des Sohnes den Zusammenhang, dass sich das Ereignis am Shabbat selbst zutrug.

Doch woher kam dieser Sohn genau ?
Erinnern wir uns zurück an die Parashat Shemot (Exodus), in der Moshe einen Ägypter tötete. Die Mehrheit der Thorakommentatoren (u.a. der Kabbalist Rabbi Yitzchak Luria in "Shaar HaPesukim") ist sich einig, dass dieser Ägypter der Vater des Sohnes war und damals ein Verhältnis mit Schlomit Bat Dibri führte. Diese betrug ihren israelitischen Ehemann, der sie nach der Entdeckung des Verhältnisses verließ. Doch Schlomit war schwanger vom Ägypter und bekam einen Sohn, welcher der Halacha (jüd. Gesetz) nach Jude war, da er eine jüdische Mutter hatte. Gleichzeitig aber betrachten die Midrash Rabbah, Yalkut Reuveni und der Ramban ihn jedoch als "Mamzer". Mamzer deshalb, weil seine israelitische Mutter ein außereheliches Verhältnis eingegangen war.

Die Mischna (mündliche Überlieferung von G – tt an Moshe am Berg Sinai) im Talmud Traktat Yevamot 49a legt fest, was ein Mamzer ist. Jemand der aus einem in der Thora verbotenen Verhältnis abstammt.
Ramban und Rabbeinu Bachya kommentieren, dass der Sohn überraschend im Lager der Israeliten auftauchte. Rashi fährt fort, dass er sein Zelt im Lager des Stammes Dan aufschlug und die Mitglieder des Stammes Dan ihm sagten, dass er nicht zu ihnen gehöre.Die Mitgliedschaft eines Stammes richtet sich nach dem Stamm des Vaters und somit hatte der Sohn Schlomits keine Mitgliedschaft in irgendeinem der Stämme, was er wußte. Dennoch meinte er, sein Zelt bei Dan aufschlagen zu können, da seine Mutter vom Stamm Dan kam. Als das alles fehlschlug, begann er G - tt zu verfluchen.
Des weiteren mißt Rashi dem Namen der Schlomit wichtige Bedeutung bei. Bat Dibri heißt, dass sie gerne viel redete. Sie achtete nicht unbedingt auf Anstand, sondern redete die Männer gleich obszön an.
Rabbi Moshe Alshich sieht den Vorfall mit dem Sohn als den einzigen Fall überhaupt, indem eine israelitische Frau ein Verhältnis mit einem ägyptischen Mann eingegangen war, da in der hebräischen Grammatik in der Einzahl gesprochen wird (in der Thora). Ansonsten hätte sich niemand mit dem Feind eingelassen.

Um nochmals auf Rosh HaShana zurueckzukommen: Ein Tag des Sounds. Den Sound lassen wir aus dem Schofar erklingen, welches laut dem Shulchan Aruch - Orach Chaim § 586 und dem TUR ein Widderhorn sein sollte. Außerdem leiten wir diese Tatsache von der Opferung des Yitzchak durch seinen Vater Avraham ab. Der Sound des Schofar, welches während des Rosh HaShana Synagogendienstes zweimal geblasen wird (in der Shemona Esrei) sowie im Mussaf, soll uns zur Teshuva (Umkehr) bewegen und gleichzeitig bei G - tt Gnade erwecken.

Manchmal allerdings geschieht es doch, dass jemand von G - tt für das kommende Jahr negativ gerichtet wurde. Für solch einen Fall gibt die Gemara in Rosh HaShana 16b vier Lösungen: Derjenige sollte viel Zedakah (Spenden) geben, seinen Namen ändern, beten oder seine Taten ändern.

Was aber, wenn ich mich bessere, aber G - tt Seinerseits meine Reue nur am Rosh HaShana anerkennt ?

Jeder kann sich täglich ändern und muß nicht erst bis zu den hohen Feiertagen warten. Hierzu die berühmte Aussage des Rabbi Nachman von Breslov, dass jeder Mensch täglich eine neue Chance hat alles zum Guten zu wenden.

חג שמח - Сhag Sameach + Shabbat Shalom

Ich werde mich heute Abend zum Unabhängigkeitstag in einige Tel Aviver Festivitäten begeben. Die anti - zionistische Dachorganisation "Edah HaCharedit" hat ihren Mitglieder offiziell sämtliche Teilnahmen an "zionistischen" Unabhängigkeitsaktivitäten untersagt.

Und obwohl die chassidische Gruppe Vishnitz Mitglied der Agudat Israel ist und sogar einen Knessetabgeordneten in der Partei "Yahadut HaTorah" stellt, feiert man bei Vishnitz nicht mit.
So geschieht es bei vielen Gruppen der Agudah und Vishnitz ist keine Ausnahme.

Aller Widersprüche zum Trotz bin ich froh, dass es immerhin einen Staat Israel gibt, und deswegen werde ich an einigen Feierlichkeiten teilnehmen.