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Montag, Februar 06, 2012

Givat Sha'ul / Jerusalem

B"H

Der Jerusalemer Stadtteil Givat Sha'ul ist nur einer von den zahlreichen haredischen (ultra – orthodoxen) Gegenden der Stadt. Touristen kennen fast immer nur den Stadtteil Mea Shearim aus Reiseführern, doch allein das bekannte Mea Shearim ist längst nicht der einzige Stadtteil dieser Art. Wenn ich hier “ultra – orthodxer” Stadtteil sage, so meine ich damit NICHT die Nationalreligiösen, denn diese wohnen mehr verstreut und der einzige richtige Stadtteil, den sie haben nennt sich “Kiryat Moshe”. Viele Jahre lebte ich in Kiryat Moshe und kenne daher den Stadtteil sehr gut. Das benachbarte haredische Givat Sha’ul hat sein Eigenleben und so besitzt auch Kiryat Moshe seinen individuellen Charakter. Im haredischen Givat Sha’ul leben litvische Haredim genau so wie Chassidim.

Vor mehr als zehn Jahren wohnten Freunde von mir in Givat Sha’ul. Eine Familie, die eigentlich nationalreligiös war und von daher gar nicht in den Stadtteil passte. Ich erinnere mich, dass ich sie einmal besuchen kam und ein haredischer Nachbar weigerte sich, mit mir den Aufzug zu teilen. Wir waren allein und er pochte auf “No Yichud”. Halachisch betrachtet wollte er mit keiner Frau allein in einem Raum sein, mit der er nicht verheiratet ist. Ich war sauer, weil ich nicht auf den nächsten Aufzug warten wollte und stattdessen zufuss die Treppe hinaufstieg. Der Typ hätte mir ja wenigstens den Aufzug überlassen und selber die Treppe benutzen können. Die Kinder meiner Freunde besuchten die nationalreligiöse "Noam" Schule und keinen haredischen"Talmud Torah" (Jungenschule) oder "Beit Yaakov" (Mädchenschule). Bei “Noam” lernt man zwar auch getrennt nach Geschlechtern, doch mit einer anderen Philosophie. 

Nicht, dass jetzt jeder wieder denkt: “Was denn: Nach Geschlechtern getrennt lernen ? Das sei doch bestimmt wieder so ein ultra – orthodoxer Rassismus den Frauen gegenüber !” Falsch, denn auf religiösen Schulen verfolgen Jungen und Mädchen vollkommen andere Lernziele. Neben den regulären Unterrichtsfächern lernen Jungen und Mädchen unterschiedliche Halachot (jüdische Gesetze) sowie die Jungen Talmud.

Um auf meine Freunde zurückzukommen: Die sind bald darauf umgezogen, sprich, sie verliessen den Stadtteil. Nicht, weil sie eine andere Ideologie vertraten, sondern weil die Miete erhöht wurde und die Frau zur gleichen Zeit ihren Job verlor. So zogen sie ins nationalreligiöse Beit El bei Jerusalem.


Jerusalem heute morgen. Mit Blick auf Givat Sha'ul (auf der linken Seite).



Mossad Harav Kook: Bibliothek und Vortragshalle benannt nach dem ersten Oberrabbiner Israel, Rabbi Avraham Yitzchak HaCohen Kook.



Rechts neben dem Mossad HaRav Kook finden wir eine Mikweh (Ritualbad), die sich in einem kleinen Gebäude befindet, welches von der chassidischen Gruppe Stropkov auch als Yeshiva (relig. Schule) genutzt wird.



Die Stropkov Yeshiva. Die Hauptsynagoge der chassidischen Gruppe befindet sich im Stadtteil Mea Shearim.



Jerusalem mit Blick auf den Zentralen Busbahnhof.

Copyright / Photos: Miriam Woelke

Montag, Juli 18, 2011

Halbfastentag 17. Tammuz - Shiva Asar be'Tammuz

 
Miniaturmodell: Jerusalem zur Zeit des Zweiten Tempels - Einzusehen im Jerusalemer Israel Museum.

B"H

Morgen, Dienstag, 19. Juli, begehen wir den Fastentag des 17. Tages im jüdischen Monat Tammuz. Der 17. Tammuz war im Verlauf der Geschichte viele Male ein Schicksalstag für die Juden. So stieg Moshe an dem Tage vom Berg Sinai herab, sah, dass die Israeliten um das Goldene Kalb tanzten und zerschmetterte vor Wut die zwei Gesetzestafeln. Viele Jahre später wurde die Stadtmauer Jerusalems von den Feinden überrannt. Eine Tragödie, die drei Wochen später (am 9. des Monats Av – Tisha Be'Av) in noch einer viel größeren Tragödie endete: der Zerstörung beider Tempel. Im Jahre 586 vor der Zeitrechnung durch die Babylonier und im Jahre 70 nach der Zeitrechnung durch die Römer.

Die Geschichte reiht uns eine ganze Liste tragischer Ereignisse auf. Eines davon geschah im Jahre 1944 als am 17. Tammuz das Ghetto Kovno von den Nazis aufgelöst und sämtliche inhaftierte Juden in die Vernichtungslager geschickt worden waren.

Der 17. des jüdischen Monats Tammuz leitet eine dreiwöchige Trauerperiode ein, welche mit dem Tisha Be' Av (9. des jüd. Monats Av) endet. Am 9. des jüd. Monat Av wurden beide Tempel zerstört.

Der 17. Tammuz ist ein Halbfastentag, der morgens gegen 4.00 Uhr beginnt und abends nach Einbruch der Dunkelheit endet. Den gesamten Tag über essen und trinken wir nichts. Wer fastet, der muß im Morgengebet Schacharit einige zusätzliche Gebet einfügen.

Ein Fastentag soll uns immer zur Teschuva (Umkehr zu G – tt) bewegen. An solch einem Tag sollten wir Thora lernen (z.B. Parashat Ki Tisa, in der es um den Bau des Goldenen Kalbes geht). Nicht, dass wir die Thora nur lernen und sie danach wie ein gewöhnliches Buch wieder zur Seite legen. Stattdessen ist es Ziel, die Thora zu verinnerlichen und durch die Einhaltung der Gesetze, die G – tt uns gab, erfüllen wir Seinen höchsten Willen (Ratzon HaEliyon) und erreichen eine besondere Devekut (Nähe zu Ihm). Die Thora sollte ein Teil von uns sein, mit dem wir die Kraft haben, einen Tikun (Reparatur der Seele) für das Zerschmettern der Gesetzestafeln zu verrichten (Sefer HaSichot – Chabad). Ein weiteres Zeichen zur Teshuva ist das Geben von Zedakah (Spenden), so lesen wir im Buch Tanya – Iggeret HaTeshuva, Kapitel 3).

Das chassidische Buch Bnei Yissachar kommentiert, dass aus den einstigen Trauertagen 17. Tammuz sowie 9. Av in der Zukunft einmal Feiertage werden. Nämlich nach der Ankunft des Meschiach.

Halachot (Gesetze) für den 17. Tammuz:

a) Nichts essen

b) Nichts trinken

c) Vergnügungen aller Art sollten unterlassen werden


Halachot für die folgenden drei Wochen vor dem Tisha Be'Av:

a) Es finden keinerlei jüdische Hochzeiten statt.

b) Von Vergnügungen wie Parties, Kino, Musikhören etc. sollte Abstand genommen werden.

Hierbei ist zu beachten, dass neun Tage vor Tisha Be ' Av noch einige weitere Halachot hinzukommen, die ich zu gegebener Zeit nennen erläutern werde !!!

Warum sind ausgerechnet diese drei Wochen zwischen der Zerstörung der Jerusalemer Stadtmauer und der endgültigen Zerstörung der Tempel eine Trauerperiode ? In der Zeit sind Tausende von Juden bei der Verteidigung der Tempel umgekommen. Sei es durch das Schwert des Feindes oder durch Hunger.

Hoffen wir, dass der Meschiach baldigst kommt und der Dritte Tempel errichtet wird.

Zom Kal – ein leichtes Fasten


Absorbing the Sanctity of Eretz Israel
Quelle: "Celebration of the Soul" von
Rabbi Avraham Yitzchak Kook
The more difficult it is to endure the air of the Diaspora, the more one feels the impure spirit of the impure land. This is a sign of the inner absorption of the sanctity of Eretz Israel, of the heavenly mercy that will not abandon one who is worthy of dwelling in the pure shadow of the land of life, even when he is far away and wandering in his exile. The foreignness felt in the Diaspora ties all of one's inner desire to Eretz Israel and its sanctity of the Land bores deeper and deeper.
When the depth of the holy yearning of love for Zion, the memory of the Land and all its preciousness, wells up in the soul of the individual, it flows like a spring for the entire collective, for all of the thousands of sould bond to Him. The sound of the Shofar heralds the ingathering of the dispersed and great mercy abounds. Israel's hope for life glitters, the blossom of G - d flourishes, and the light of salvation and redemption ramifies and spreads like the dawn spreading over the mountains.


Sehr poetisch ausgedrückt !
Die ausländische Presse übersetzt "Eretz Israel" fast immer mit dem feindlich gesinnten "Großisrael". So als handele es sich hier um eine israelische Ausweitung in die Nachbarländer a la Hitlerbesetzung. Dem jedoch ist ganz und gar nicht so, denn der heutige Staat Israel plant alles andere als sich auszuweiten. Die Grenze zu Jordanien, Syrien, Ägypten oder dem Libanon wird anerkannt und wir sind alle froh, wenn man uns von dort aus in Ruhe lässt.
"Eretz Israel" bedeutet einzig und allein ein Israel in den biblischen Grenzen, welche Teile des heutigen Jordaniens sowohl dem Libanon mit einbeziehen. Dieses ursprüngliche Israel mit G - ttes Grenzen wird in der Zeit des Meschiach wieder in Kraft treten.

Donnerstag, Juni 23, 2011

Wer braucht COHANIM (Tempelpriester) und LEVI’IM (Leviten) ?

B”H

An diesem Schabbat lesen wir in den Synagogen die Thoralesung KORACH. Und eben jener Korach, der Sohn des Itzhar, ein Verwandter von Moshe, rebellierte, weil er nicht einsah, dass ausschliesslich Moshe und Aharon sich die Priesterschaft  teilen. Warum sollen ausgerechnet nur die beiden Brüder das Sagen haben und er, Korach, ist ausgeschlossen ?

Rabbi Avraham Yitzchak HaCohen Kook (1865 – 1935) stellte die Frage, warum das Judentum überhaupt einer Tempelpriesterschaft bedarf ? Warum können nicht alle Juden gleich sein ?

In seiner Antwort vergleicht Rabbi Kook den Bedarf der jüdischen Tempelpriesterschaft mit den Organen eines Körpers. Jedes Organ hegt seine eigene individuelle Aufgabe und Funktion, damit unser Körper funktioniert. Darüber hinaus funktioniert unsere Gesellschaft ebenso nach einem Unterteilungsprinzip: Jemand ist Wissenschaftler, Bauer oder Arzt. Nicht sind gleich, sondern gehen ihren Fähigkeiten nach. Ziehen alle an einem Strang, dient dies dem Wohl der ganzen Gemeinschaft. 

Siehe den gesamten Kommentar des Rabbi Avraham Yitzchak HaCohen Kook HIER !

Montag, Juli 19, 2010

The Inner Mystery of Judaism

B"H

Aus dem Buch OROT (LICHTER) von Rabbi Avraham Yitzchak HaCohen Kook (erster Oberrabbiner Israels, verstorben im Jahre 1936):

The Gentiles defiled revealed Judaism by their touch; they touched the holy oils and rendered them impure. The stones of the holy altar were made unfit. However, the inner mysteries (of Judaism) that are hidden and sealed from foreign touch retained their sanctity - but only the most soulful inwardness, for the (outer) expressions of the mysteries were already desecrated by intruders. This inwardness, which is the soul of the supernal soul, is fixed in the characteristic soul of Israel, and never moves thence, as long as the connection to the totality of the nation and its character lives in its midst, as long as it desires at all the well - being and success of the Israelite nation. Though it does not know to call by the Name and enunciate its mysteries, and even if it errs in its deeds and opinions - its inside is the holy of holies.


Besonders in Jerusalem ist der Tisha be'Av ein nicht wegzudenkender Trauertag. Ein trauriges Geschehnis der Geschichte, welches die Juden dennoch daran erinnert, wer sie sind und was ihr Ziel sein sollte: Der Dritte Jerusalemer Tempel und Meschiach.

Man nahm den Juden die Tempel, doch das innere Wesen der jüdischen Seele nimmt uns niemand !

"Zom Kal - Ein leichtes Fasten !"

Montag, Juni 28, 2010

Halbfastentag 17. Tammuz - Shiva Asar be'Tammuz

 
Miniaturmodell: Jerusalem zur Zeit des Zweiten Tempels - Einzusehen im Jerusalemer Israel Museum.


B"H
Morgen, Dienstag, 29. Juni begehen wir den Fastentag des 17. Tages im jüdischen Monat Tammuz. Der 17. Tammuz war im Verlauf der Geschichte viele Male ein Schicksalstag für die Juden. So stieg Moshe an dem Tage vom Berg Sinai herab, sah, dass die Israeliten um das Goldene Kalb tanzten und zerschmetterte vor Wut die zwei Gesetzestafeln. Viele Jahre später wurde die Stadtmauer Jerusalems von den Feinden überrannt. Eine Tragödie, die drei Wochen später (am 9. des Monats Av – Tisha Be'Av) in noch einer viel größeren Tragödie endete: der Zerstörung beider Tempel. Im Jahre 586 vor der Zeitrechnung durch die Babylonier und im Jahre 70 nach der Zeitrechnung durch die Römer.

Die Geschichte reiht uns eine ganze Liste tragischer Ereignisse auf. Eines davon geschah im Jahre 1944 als am 17. Tammuz das Ghetto Kovno von den Nazis aufgelöst und sämtliche inhaftierte Juden in die Vernichtungslager geschickt worden waren.

Der 17. des jüdischen Monats Tammuz leitet eine dreiwöchige Trauerperiode ein, welche mit dem Tisha Be' Av (9. des jüd. Monats Av) endet. Am 9. des jüd. Monat Av wurden beide Tempel zerstört.

Der 17. Tammuz ist ein Halbfastentag, der morgens gegen 4.00 Uhr beginnt und abends nach Einbruch der Dunkelheit endet. Den gesamten Tag über essen und trinken wir nichts. Wer fastet, der muß im Morgengebet Schacharit einige zusätzliche Gebet einfügen.

Ein Fastentag soll uns immer zur Teschuva (Umkehr zu G – tt) bewegen. An solch einem Tag sollten wir Thora lernen (z.B. Parashat Ki Tisa, in der es um den Bau des Goldenen Kalbes geht). Nicht, dass wir die Thora nur lernen und sie danach wie ein gewöhnliches Buch wieder zur Seite legen. Stattdessen ist es Ziel, die Thora zu verinnerlichen und durch die Einhaltung der Gesetze, die G – tt uns gab, erfüllen wir Seinen höchsten Willen (Ratzon HaEliyon) und erreichen eine besondere Devekut (Nähe zu Ihm). Die Thora sollte ein Teil von uns sein, mit dem wir die Kraft haben, einen Tikun (Reparatur der Seele) für das Zerschmettern der Gesetzestafeln zu verrichten (Sefer HaSichot – Chabad). Ein weiteres Zeichen zur Teshuva ist das Geben von Zedakah (Spenden), so lesen wir im Buch Tanya – Iggeret HaTeshuva, Kapitel 3).

Das chassidische Buch Bnei Yissachar kommentiert, dass aus den einstigen Trauertagen 17. Tammuz sowie 9. Av in der Zukunft einmal Feiertage werden. Nämlich nach der Ankunft des Meschiach.

Halachot (Gesetze) für den 17. Tammuz:

a) Nichts essen

b) Nichts trinken

c) Vergnügungen aller Art sollten unterlassen werden

Halachot für die folgenden drei Wochen vor demTisha Be'Av:


a) Es finden keinerlei jüdische Hochzeiten statt.

b) Von Vergnügungen wie Parties, Kino, Musikhören etc. sollte Abstand genommen werden.

Hierbei ist zu beachten, dass neun Tage vor Tisha Be ' Av noch einige weitere Halachot hinzukommen, die ich zu gegebener Zeit nennen erläutern werde !!!

Warum sind ausgerechnet diese drei Wochen zwischen der Zerstörung der Jerusalemer Stadtmauer und der endgültigen Zerstörung der Tempel eine Trauerperiode ?
In der Zeit sind Tausende von Juden bei der Verteidigung der Tempel umgekommen. Sei es durch das Schwert des Feindes oder durch Hunger.

Hoffen wir, dass der Meschiach baldigst kommt und der Dritte Tempel errichtet wird.

Zom Kal – ein leichtes Fasten



Absorbing the Sanctity of Eretz Israel
Quelle: "Celebration of the Soul" von
Rabbi Avraham Yitzchak Kook

The more difficult it is to endure the air of the Diaspora, the more one feels the impure spirit of the impure land. This is a sign of the inner absorption of the sanctity of Eretz Israel, of the heavenly mercy that will not abandon one who is worthy of dwelling in the pure shadow of the land of life, even when he is far away and wandering in his exile. The foreignness felt in the Diaspora ties all of one's inner desire to Eretz Israel and its sanctity of the Land bores deeper and deeper.
When the depth of the holy yearning of love for Zion, the memory of the Land and all its preciousness, wells up in the soul of the individual, it flows like a spring for the entire collective, for all of the thousands of sould bond to Him. The sound of the Shofar heralds the ingathering of the dispersed and great mercy abounds. Israel's hope for life glitters, the blossom of G - d flourishes, and the light of salvation and redemption ramifies and spreads like the dawn spreading over the mountains.


Sehr poetisch ausgedrückt !

Die ausländische Presse übersetzt "Eretz Israel" fast immer mit dem feindlich gesinnten "Großisrael". So als handele es sich hier um eine israelische Ausweitung in die Nachbarländer a la Hitlerbesetzung. Dem jedoch ist ganz und gar nicht so, denn der heutige Staat Israel plant alles andere als sich auszuweiten. Die Grenze zu Jordanien, Syrien, Ägypten oder dem Libanon wird anerkannt und wir sind alle froh, wenn man uns von dort aus in Ruhe lässt.

"Eretz Israel" bedeutet einzig und allein ein Israel in den biblischen Grenzen, welche Teile des heutigen Jordaniens sowohl dem Libanon mit einbeziehen. Dieses ursprüngliche Israel mit G - ttes Grenzen wird in der Zeit des Meschiach wieder in Kraft treten.

Freitag, Mai 14, 2010

Ein jüdischer Tourist, der Schavuot in Israel verbringt

B"H

Am Dienstag beginnt bekanntlich das jüdische Fest SCHAVUOT. An dem Tag erhielten wir von G - tt persönlich die Thora am Berg Sinai. Somit haben die Juden die Aufgabe, die Thoragesetze zu erfüllen und für die Nichtjuden bestehen die "Sieben Noachidischen Gesetze". Dem Judentum zufolge haben ALLE Menschen eine Chance, in die "Kommende Welt - Olam HaBah" zu kommen.
Woher nehmen wir diese Erkenntnis ?
Aus dem Talmud Traktat Sanhedrin, in welchem die Frage diskutiert wird, ob Bilam (der berühmte nichtjüdische Prophet, welcher daran scheiterte, die Juden in der Wüste zu verfluchen) nach seinem Tod in der Kommenden Welt einen Platz fand.
Warum sollte der Talmud diese Frage erst aufbringen, wenn Bilam als Nichtjude keinen Platz bekäme ?
Folglich ergibt sich, dass ALLE Menschen ihren Platz dort finden und nicht nur Juden, denn G - tt erschuf alle Menschen und im Judentum wird diesbezüglich niemand ausgeschlossen oder verdammt wie, zum Beispiel, im Christentum. Allerdings sollten Nichtjuden zumindest die Sieben Noachidischen Gesetze halten, die ebenso beinhalten, keinen Götzendienst zu betreiben.

In Israel feiern wir Schavuot EINEN TAG lang. Vom nächsten Dienstag abend bis Mittwoch abend. In der Diaspora jedoch wir ein zusätzlicher zweiter Tag angehängt. Dies findet ebenso an Pessach und Sukkot statt.

Dabei kommt die Frage auf, wie sich ein Diasporajude verhalten soll, der an Schavuot in Israel weilt ? Soll er, wie die Israelis einen Tag halten oder, da er immer noch in der Dispora wohnt, zwei Tage ?

Vor einigen Jahren arbeitete ich im Büro verschiedener Poskim (Halachexperten) in Jerusalem. Dort wurden wir per e - mail immer wieder neu mit der Frage konfrontiert.
Die Poskim antworteten folgendermassen: Wenn ein Diasporajude Israel besucht und keinerlei Aliyahpapiere in der Hand hält, so muss er auch in Israel die zusätzlichen Diasporatage einhalten. Hat ein Israeli hingegen seinen festen Wohnsitz in der Diaspora, so ist dieser nach drei Jahren außerhalb Israel verpflichtet, die zusätzlichen Feiertage der Diaspora anzunehmen.

Im Buch "Celebration of the Soul" - The Holidays in the Life and Thought of Rabbi Avraham Yitzchak Kook - von Rabbi Moshe Zvi Neriah, fand ich folgende Auslegung:

Sobald ein Tourist Rabbi Avraham Yitzchak Kook (1865 - 1935) fragte, ob er denn den jeweiligen zusätzlichen Tag der Diaspora auch in Israel einhalten müsse, legte der Rabbi ihm nahe, sich permanent in Israel niederzulassen. Er hob die "Absicht der Rückkehr nach Israel" hervor. Die jüdische Seele sei nun einmal mit Eretz Israel verbunden. Jeder Jude, der das Land besucht, erhält einen Vorgeschmack der besonderen heiligen Atmosphäre, die hier herrscht. Somit will der Jude das Land gar nicht mehr verlassen.

Real betrachtet drängen den jüdischen Touristen Verpflichtungen im Ausland auch wieder dorthin zurück, dennoch ist es die weltliche Gedankenwelt, welche ihn zu dem Schritt veranlasst. Das Herz dagegen sehnt sich danach, in das Land unserer Vorväter zurückzukehren.

Montag, April 19, 2010

Rabbi Avraham Yitzchak HaCohen Kook

B"H

Wer kennt ihn nicht in jüdischen Kreisen ? Ob Anhänger oder Gegner, Rabbi Avraham Yitzchak HaCohen Kook war und ist berühmt. Allein seine Schriften werden bis heute studiert und diskutiert. Seine Essays lesen sich wie Prophezeihungen, welche auf die Geburt des Staates Israel hinweisen (siehe Klappentext zum Buch "War and Peace").

Geboren wurde er im Jahre 1865 in Greive, nahe Dvinsk in Lettland. Seine Eltern waren Rabbi Shlomo Zalman und Perel Zelata - die Tochter von Rabbi Rephael - seinerzeit einer der ersten Chassidim des Lubawitscher Rebben Menachem Mendel (dem "Zemach Zedek").
Unter anderem lernte Rabbi Avraham Yitzchak in zahlreichen Yeshivot; davon eineinhalb Jahre in der berühmten "Volozhin Yeshiva", die einst vom Anhänger des Vilna Gaon, Rabbi Chaim von Volozhin, gegründet worden war. In Volozhin lernte er ganze achtzehn Stunden am Tag. Der damalige Leiter der Volozhin Yeshiva, Rabbi Naftali Zvi Yehudah Berlin (bekannt unter dem Namen "Der NETZIV") hatte einen immensen Einfluss auf Rabbi Avraham Yitzchak Kook.

Im Frühjahr des Jahres 1886 heiratete er im Alter von 20 Jahren.

Bald wurden seine Schriften vielfach publiziert. Er bekam eine Stelle als Gemeinderabbiner in Zoimel / Litauen, wo er sieben Jahre lang tätig war. Im Jahre 1902 verstarb Rabbi Naftali Hertz HaLevi, der Rabbiner von Yaffo. Rabbi Kook übernahm die Rabbinerposition im Jahre 1904.
Gleich nach seinem Eintreffen machte er sich daran, die Barrieren zwischen den Religiösen sowie den Säkuleren Lagern aus dem Wege zu schaffen. Während andere Rabbiner die säkuleren Juden ignorierten, machte es sich Rabbi Kook zur Aufgabe, jenen die Thora näherzubringen. Das Land musste bebaut werden und der Rabbi ermutigte die Juden dies in die Tat umzusetzen. Außerdem unterhielt er sich mit jedem Juden und stattete vielen, egal, ob religiös oder nicht, private Besuche ab.

Im Jahre 1916 wurde er Rabbiner bei der "Machzikei HaDa'at" Gemeinde in London. Im Jahre 1919 machte er sich auf, um Rabbiner in Jerusalem zu werden. Rabbi Avraham Yitzchak HaCohen Kook wurde der erste offizielle Oberrabbiner Palästinas (von 1921 - 1935). Die Antizionisten Mea Shearims ernannten aus Protest einen der ihren Rabbiner zu ihrem Oberrabbiner; nämlich Rabbi Yosef Chaim Sonnenfeld.

Im Jahre 1935 erkrankte er an Krebs und noch im selben Jahr darauf verstarb er.

Einige seiner Lehren:

So wie der Baal Shem Tov sagt, dass eine Person G - tt auf allen möglichen Wegen dienen muss, so muss ein jeder die Zeit des Meschiach erwarten.
(Igrot 1, Seite 142)

Rabbi Kook sah in der Wiederbesiedlung Israels den ersten Schritt auf dem Wege zur Ankunft des Meschiach.

Einmal kam eine Gruppe deutscher Immigranten zum Rabbi. Die Immigranten vermissten ihre deutsche Heimat und sie litten furchtbar unter Heimweh. Rabbi Kook antwortete ihnen: Was unterscheidet den Flug einer Wolke von dem einer Taube ? Die Wolken bewegen sich, ohne das sie es wollen; sie werden ganz einfach vom Wind angetrieben. Eine Taube dagegen fliegt, wann immer sie Lust hat und wohin sie will. Wenn sie ihr Nest vermissen, fliegen sie nach Hause.
So prophezeihte Jesaja (Yeshayahu): Dass Zion (die Juden) eines Tages wieder in ihr Land zurückkehren würden. Einige von ihnen täten dies aus der Sehnsucht nach der Heimat, sprich "dem Nest" wie bei der Taube. Andere wiederum verlieren ihre Heimat und werden auf diese Weise nach Israel "getrieben" wie die Wolken vom Wind. Die Rückkehr jener mit dem Winde hat schon begonnen und möge G - tt Euch helfen, Eurer Dasein hier bald den Tauben gleichzumachen, die sich nach ihrem Nest sehnen.
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Quelle:

"Celebration of the Soul" - Thought of
Rabbi Avraham Yizchak Kook - von
Rabbi Moshe Zvi Neriyah


Link:

Rav Kook.Net