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Donnerstag, März 08, 2012

Parashat KI TISA - פרשת כי תשא


 Photo: Miriam Woelke

B"H
Die Thoralesung für diesen Schabbat

Bei der Thoraparashat Ki Tisa, meinen viele leider immer nur, es gehe nur um das Goldene Kalb (Egel HaZahav). Bei genauem Hinschauen jedoch stellen wir fest, dass dort viele weitere wichtige Mitzwot (Gesetze) gegeben werden. Konzentrieren wir uns daher nicht nur auf das Goldene Kalb, sondern schauen wir uns die Parasha etwas genauer an.

Eine Anmerkung vorweg: Die Thora hält sich erneut nicht an die chronologische Reihenfolge (siehe Talmud Traktat Pesachim 6b). Die Abgabe des halben Schekels sowie weitere Ereignisse in Ki Tisa fanden erst nach dem Goldenen Kalb statt und nicht vorher.

G - tt beauftragt Moshe eine Volkszählung unter den Juden durchzuführen. Jeder, der älter ist als zwanzig Jahre, muss einen halben Schekel geben. Dieser Schekel ist nicht wörtlich als Währung zu verstehen, sondern als Gewichtseinheit. Später wurden diese halben Schekel gezählt und somit die genaue Anzahl der Juden ermittelt. Aus dieser Mitzwah lernen wir, dass es verboten ist, Juden auf normalem Wege zu zählen, sondern nur anhand von individuell abgegebenen Gegenständen. Ein praktisches Beispiel hierfür kann ich aus Mea Shearim geben. Eine befreundete chassidische Familie hat insgesamt zwölf Kinder. Fragt man sie jedoch nach der Anzahl ihrer Kinder so bekommt man zur Antwort, dass Juden nicht gezählt werden dürfen. 

Rabbi Samson Raphael Hirsch gibt zur gemeinsamen Abgabe in der Wüste eine philosophischere Erklärung: Aufgrund des halben Schekels hatten die Jude ein gemeinsames Ziel. Sobald eine Nation ein gemeinsames Ziel verfolgt, wird aus jedem einzelnen Individuum ein Ganzes (die Nation). In dem Moment, in dem ein Jude aufgrund von G - ttes Anweisung gezählt wird, wächst in ihm der Stolz dem jüdischen Volk anzugehören. 

Rabbi Yehudah HaLevi sieht in seinem Buch "The Kuzari" dieses als Beweis dafür, dass Juden vorzugsweise in der Anwesenheit einer Minyan (zehn jüd. Männer) beten sollen. Etwas Gemeinsames sei immer besser als daheim im stillen Kämmerlein zu sitzen.


Weiterhin sollten die Mitzwot nicht nur ausgeführt werden, sondern jeder sollte genauso einen inneren Bezug zu ihnen haben. Die innere Einstellung und Gedanken sind nicht weniger wichtig (Ner Israel – Chassidut Ruzhin). 

G - tt beauftragt Moshe ebenso ein kupfernes Kiyor (Wasserbecken) zu bauen. In diesem Kiyor sollen sich die Cohanim (Tempelpriester und zur damaligen Zeit Aharons Söhne) Hände und Füsse waschen, bevor sie ihren Dienst beginnen. Der berühmte Thorakommentator Ohr HaChaim versteht dies so, dass Hände und Füsse gleichzeitg gewaschen werden müssen. Der Cohen (Tempelpriester) plaziert seine rechte Hand auf seinen rechten Fuss und danach seine linke Hand auf seinen linken Fuß (siehe dazu Rashi zum Talmud Traktat Zevachim 19b). Dieser Vorgang symbolisiert, dass der untere Teil des Körpers gemeinsam mit dem oberen gleichzeitg geheiligt (gereinigt) wird. 

Nach der Zerstörung der beiden Tempel haben wir die Aufgabe, unser Zuhause in einen "Tempel" zu verwandeln. Schon immer wuschen Juden vor dem Essen ihre Hände genauso wie die Cohanim (Tempelpriester) vor ihrem Dienst. Deshalb fahren wir fort mit dem Netillat Yadaim, dem Händewaschen, bevor wir Brot essen und verwandeln so unseren Essenstisch in einen "Altar". 

In vielen Geschichtsbüchern lesen wir, dass aufgrund unserer Reinheitsgebote die Juden im Mittelalter viel weniger von der Pest oder sonstigen ansteckenden Krankheiten befallen wurden, was aber andererseits den Verdacht der nichtjüdischen Bevölkerung erregte, dass die Juden irgendwelche Magien betreiben. Dieses wiederum führte zu ständigen Pogromen (siehe Buch von Rabbi Joshua Trachtenberg "Jewish Magic and Superstition – A study in folk and religion). 

Nachdem die Juden am Berg Sinai die Thora bekommen hatten, sollte ihr Leben ganz anders ausschauen. Sie befanden sich auf einem für uns heute unvorstellbaren spirituellen Level (u.a. der derzeitige Rebbe der Chassidut Slonim in Jerusalem, Rabbi Shmuel Bozorowsky) und sollten unsterblich werden. Sie hatten eine zusätzliche Seele, die Neshama Yeterah. Einen kleinen Einblick darin bekommen wir heute an jedem Schabbat, wenn wir eine zusätzliche Seele bekommen. Vor dem Goldenen Kalb hatten die Juden täglich diese zweite Seele. (siehe u.a. Likutei Reuveni und Sefat Emet). 

Unzählige Kommentatoren geben der sogenannten EREV RAV die Schuld am Bau des Goldenen Kalbes. Diese Erev Rav war eine Bevölkerungsgruppe, die sich aus ägyptischen Konvertiten zum Judentum zusammensetzte. Die Konvertiten waren aus egoistischen Gründen zum Judentum konvertiert und ebenso Reinkarnationen der Generation der Flut, des Turmes zu Bavel und der Leute von Sodom (Rabbi Yitzchak Luria – Arizal). 

Nachdem die Juden wegen einer Fehlkalkulation Moshe einen Tag früher zurückerwarteten, stachelten diese Erev Rav die Juden an, das Goldene Kalb zu bauen. Chur wollte die davon abhalten, doch er wurde ermordet. Danach kamen die Leute zu Aharon, der einwilligte. 

Es gibt viele Kommentare, die sich mit der Einwilligung Aharons beschäftigen. Realistisch wäre, dass er Angst hatte, auch er könne umgebracht wird und Moshe eh bald vom Berg Sinai zurückkommt. Rabbi Yitzchak Luria (der Arizal) hat einen langen Kommentar zu dem Thema und lehrt, dass diverse Reinkarnationen in Aharon und Chur eine grosse Rolle spielten und Aharon deswegen in den Bau eines Kalbes einwilligte. 

Das kabbalistische Buch Zohar beschreibt ganz ausführlich, wie genau der Bau des Kalbes von statten ging. Gold wurde eingesammelt und zusammengeschmolzen. Die Erev Rav nutzten diverse magische Kräfte, um dieses Kalb zu erschaffen. Später wurde dem Kalb ein Zettel mit einem der Namen G - ttes in den Mund geschoben und es begann zu sprechen. 

Moshe wurde von G - tt zurückgeschickt und war geschockt über das Vorgehen der Leute im Lager. Im Talmud Traktat Avodah Zarah 44a lesen wir, dass Moshe das Kalb pulverisierte und den Staub in alle Winde verstreute. Zur Strafe wurde die Israeliten, die am Goldenen Kalb teilgenommen hatten auf dreierlei Arten bestraft. Die Levi'im (Leviten) und die Frauen nahmen übrigens nicht an dem Bau teil. Der chassidische Kommentator Shem MiShmuel sagt, dass das Mischkan (Tabernakel) als ein Tikun (Seelenreparatur) für das Goldene Kalb diente. 

Das Ereignis mit dem Goldenen Kalb war ein Disaster für die Juden damals und auch für uns heute. Hätten sie es damals nicht gebaut, würde die Welt heute ganz anders aussehen. Kabbalistische Kommentatoren vergleichen das Kalb mit dem Turm von Bavel und dem Vergehen von Adam und Eva (Chava) im Paradies. Das Buch Megaleh Amukot sieht das Goldene Kalb als Grund für die Zerstörung des Zweiten Tempels. 

Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, alle Meinungen über den Bau, die Anbetung und die Folgen des Goldenen Kalbes aufzulisten und zu analysieren. Die Kommentare reichen von "Ja, die Juden leisteten Götzendienst" bis hin zu "nur die Erev Rav war involviert" oder "die Juden suchten nur einen neuen Anführer, da sie glaubten, Moshe sei ihnen abhandengekommen (siehe Rabbi Simcha Bunim von Peshis'cha)". 

Und was bleibt uns heute nach dem Vorgang mit dem Goldenen Kalb ?
Wir sollten daraus lernen, dass jeder Mensch einen freien Zugang zu G - tt hat und keine Stellvertreter geschweige denn ein Medium braucht. Wir können uns keinen G - tt als Statue bauen, sondern sollten lernen zu akzeptieren, dass G - tt für uns nicht sichtbar und außerhalb jeder menschlichen Vorstellungskraft liegt. In der Kabbalah wird G - tt Ein Sof genannt; ein G - tt ohne jeden Beginn und ohne jedes Ende. Er existierte schon immer und wird dies immer tun. Seine Handlungen sind unbegrenzt und uneingeschränkt. 

Wir können es heute nur besser machen, indem wir zu dem EINEN G - tt beten und nicht unseren negativen Gedanken folgen. Der derzeitige Rebbe der Chassidut Slonim in Jerusalem, Rabbi Shmuel Bozorowsky, nennt in seinem Kommentar einen ganz wichtigen Punkt. Obwohl die Juden das Goldene Kalb bauten, machten sie hinterher Teshuva und kehrten zu G – tt zurück. Der Teshuva – Aspekt sei hier immens wichtig und wir sehen, dass Teshuva fast immer möglich ist.

Schabbat Schalom

Donnerstag, Juni 09, 2011

Parashat Beha'alotcha - פרשת בהעלותך


Eine Nachbildung der Tempelmenorah, welche gegenüber der Kotel (Klagemauer) in Jerusalem ausgestellt ist. Laut dem RAMBAM (Maimonides) schaute die Menorah jedoch SO aus.

Photo: Miriam Woelke

B"H

Die Thoralesung für diesen Schabbat


Wortdefinition:  Beha’alotcha = Wenn Du anzündest

Nachdem die Israeliten in Parashat Ki Tisa das Goldene Kalb (Egel HaZahav) bauten, trug ihnen G - tt auf, das Tabernakel (Mischkan) zu bauen. Vor allem in der Kabbalah wird das Mischkan als ein Tikun (Seelenreparatur) betrachtet. Darüber hinaus wird der Tag der Einweihung des Mischkan sogar als Tag der Welterschaffung kommentiert. Alles im Mischkan vorhandene steht im direkten Bezug auf die Welterschaffung (u.a. Rabbeinu Bachya in seinem Thorakommentar).

Nach der Beschreibung des Mischkans bekamen die Israeliten die Mitzwot (Gebote) für den Tempeldienst.

Am Anfang der Parasha trug G - tt Moshe auf, seinem Bruder Aharon auszurichten, wie die Menorah (der siebenarmige Leuchter im Mischkan) auszusehen habe. Nämlich geformt aus einem einzigen Stück Gold und die Arme sollen sich demjenigen Arm in der Mitte zuwenden. Alle spirituellen und mentalen Kräfte eines Juden sollen sich G - tt (symbolisch in der Mitte der Menorah) zuwenden. Die Levi'im (Leviten) nehmen einen Sonderstatus im Tempeldienst ein. Einen Status, der sich im Dritten Tempel und nach der Ankunft des Meschiach fortsetzen wird.

Hätte es nicht den Bau des Goldenen Kalbs und somit einen Rückfall in den Götzendienst gegeben, die Welt täte heute anders ausschauen. G - ttes ursprünglicher Plan war es nämlich, die Israeliten direkt in das "Gelobte Land" zu führen, in dem sie die gesamte Thora sofort hätten einhalten können. Die Juden hätten sich auf dem höchsten spirituellen Level befunden und wären ab sofort eine Vorbild für alle anderen Nationen gewesen (Rabbi Samson Raphael Hirsch). Aber leider kam alles anders und bis heute sind wir mit verschiedenen Tikkunim (Seelenkorrekturen) beschäftigt, um den Meschiach zu bringen.

In dieser Thoraparasha finden wir schon allein optisch etwas ganz Außergewöhnliches. Die Sätze in 10:35 sowie 11:1 sind in recht seltsamen Klammer gefaßt, welche aussehen wie der Buchstabe NUN ( ) im Hebräischen. Der Inhalt der zwei Verse sind Moshes Aussprüche sobald sich die Israeliten samt Bundeslade in Bewegung setzten oder sobald sie ein neues Lager aufschlugen.

Unzählige Thora - Kommentatoren lassen uns ihre Auslegungen über die Bedeutung der beiden Klammern wissen. Laut Raschi, dem Chizkuni sowie Rabbeinu Bachya zeigen uns die Klammern an, dass die Sätze Moshes eigentlich falsch platziert sind. Rabbeinu Bachya sagt, dass der Klammerinhalt ursprünglich in BaMidbar (Numbers) 2:17 hätte stehen müssen. Auch Raschi und der Chizkuni sehen die Sätze innerhalb der Klammern besser in BaMidbar platziert, wo beschrieben wird, wie die Stämme durch verschiedene Flaggen repräsentiert waren.

Alle Kommentatoren sind sich einige darüber, dass diese Verse ein separates Buch in der Thora darstellen. Diese Meinung basiert auf einer Gemara im Talmud Traktat Shabbat 116a. Dort heißt es, dass sämtliche Kapitel vor den Klammern eigene Bücher darstellt genauso wie die der Thorainhalt nach dem Text in den Klammern. Demnach gibt es nicht nur die fünf Bücher Moshes, sondern sieben Bücher in der Thora. Darüber hinaus geben das kabbalistische Buch Zohar und die Chassidut in Beer Moshe exzellente Erklärungen für den Text in den zwei Klammern. Laut Zohar stehen die Klammern für die Schechinah (Anwesenheits G - ttes), welche immer mit Israel verbunden ist. Und der Beer Moshe schreibt, dass eine besondere Einheit gebildet wird. Juden und G - tt wenden sich immer gegenseitig zu, genau wie die Klammern.

Nach all den Wundern, die G - tt für die Israeliten seit dem Auszug aus Ägypten vollbracht hatte, begannen erneut die Beschwerden. Das Manna (Man) sei keine ausreichende Nahrung und man wolle Fleisch essen.

Zuerst einmal stellt sich die Frage: Wer genau beschwerte sich wirklich ? Wie ich schon in einigen Parashot zuvor erklärte, zogen nicht nur die Juden aus Ägypten aus, sondern mit ihnen eine Bevölkerungsgruppe, die Erev Rav (Mixed Multitude) genannt wird. Die Erev Rav waren ägyptische Konvertiten zum Judentum, die nur aus Eigennutz den jüdischen Glauben annahmen. Viele von ihnen waren einfach nur Sklaven und da sie gehört hatten, dass G - tt die Juden einmal aus Ägypten herausführen wird, schlossen sie sich dem jüdischen Volk an. Religiöse Motive gab es keine. Diese Erev Rav hatten in der Wüste nicht den gleichen Status wie die Israeliten und begannen jederzeit neu das Volk aufzuwiegeln. Erst mit dem Bau des Goldenen Kalbes und nun wurde sich über das Essen beschwert.

G - tt gab den Israeliten das Manna als eine Art spirituelles Essen für die Seele (Neshama), welches sie auf einen höheren Level bringen sollte (Rabbi Yitzchak Luria in "Likutei Torah"). Das Manna repräsentiert die spirituelle Nahrung in "Olam Habah, der Kommenden Welt" (Sha'arei LeShem) .

Im Judentum haben wir das Konzept der Olam Habah nach dem Tod, aber auch nach der Ankunft des Meschiach. Nach dem Tod steigt eine jede Seele auf zu G - tt, wird gerichtet und bekommt ihren Platz in der Seelenwelt. Die einen näher bei G - tt und andere wiederum sind weiter entfernt. Das Judentum schließt niemanden aus der Olam Habah aus, wie andere Religionen, wo es heißt, dass nur der, der glaubt, einen Platz bei G - tt findet. Laut Talmud Sanhedrin kann jeder Mensch seinen Platz in Olam Habah erreichen und wir lernen dies von Bilam, wo die Gemara fragt, warum er keinen Platz bekommt. Heißt, wenn die Frage überhaupt erst aufkommt, dann gibt es auch für Nichtjuden eine Olam Habah (Kommende Welt).

In unserer heutigen Zeit ist Olam Habah eine reine Seelenwelt und nach der Ankunft des Meschiach wird diese auch hier in unserer Welt stattfinden, wenn sich die Menschen auf einem perfekten spirituellen Level befinden. Vor allem der Ramban (Nachmanides, 1194 - 1270) sowie der Rambam (Maimonides, 1135 - 1204) streiten sich um die Bedeutung der Olam Habah. Sind wird nur noch rein spirituell oder eher materiell ? Der Rambam sagt, dass wir genauso essen und trinken wie immer, der Ramban sagt das Gegenteil. In einer Gemara (rabbinischen Diskussion) im Talmud Traktat Berachot lehrt Rav, dass in Olam Habah weder gegessen noch getrunken wird. Es gibt keine Eifersucht, keinen Hass oder Rivalitäten, sondern alle wenden sich nur noch der Anwesenheit G - ttes (der Schechinah) zu.

Das Manna selbst war ein weißer Koriander - Flaum, der den jeweiligen Geschmack annahm, welchen der Verzehrende sich gerade erträumte. Allmorgentlich lag das Manna auf dem Tau und die Leute mußten es nur einsammeln (außer am Shabbat). Für die Gerechten fiel das Manna genau vor ihrem Zelt, für die regulären Leute fiel es außerhalb des Lagers und die Schlechten mußten weit hinausgehen, um ihr Manna aufzulesen (Gemara im Talmud Traktat Yoma 75a).

Wie weiß eine Person, welches ihr Manna ist ? Warum gehen die Schlechten nicht einfach zu den Zelten der Gerechten und lesen das Manna auf ? Es heißt, dass nur derjenige das Stück Manna aufsammeln konnte, für den es bestimmt war. Ergriff jemand das falsche Manna, blieb es am Boden kleben. Das Manna war ein reines Wunder, denn es wurde vollkommen vom Körper absorbiert und es gab keine auszuscheidenden Überreste (Gemara im Talmud Yoma 75b).

Für Halacha - Interessierte: Der Segen über das Manna hieß nicht "HaMozi Lechem Min Ha'Aretz, sondern HaMozi Lechem Min HaShamaim".

Warum schlossen sich die Israeliten der Erev Rav an und beschwerten sich ständig ? Warum weinten sie zu G - tt ?
Nachdem sie gerade die Thora bekommen hatten, begannen sie einige Dinge im Leben zu vermissen, die laut Thora von nun an verboten waren. Zum Beispiel war es zuvor üblich gewesen, dass jeder jeden in der Familie heiraten konnte und plötzlich war das verboten. Die Israeliten jedoch hatten sich an gewissen Perversitäten der ägyptischen Kultur gewöhnt und sahen nicht unbedingt ein, warum sie jetzt auf alle Freuden im Leben verzichten sollten.
Sie begannen zu trauern und sahen sich als eine Art lebender Toter, die von nun an auf alles verzichten müssen. Kein unkoscheres Essen mehr, keine Perversitäten und viele andere halachische Regeln. Plötzlich sahen sie ihr Leben als vertan und beschuldigten G - tt sie darum beraubt zu haben.

Bis heute kommen immer wieder die gleichen Missinterpretationen auf. Wenn jemand religiös wird und sich entschließt, nach der Thora zu leben, dann betrachten ihn seine Mitmenschen als ob er alle Lebensfreuden verliert und von nun an nur noch ein einseitiges langweiliges Leben führt. Aus irgendeinem Grund denken viele Leute, dass Religiöse auf ein tolles Leben verzichten und die Religion sie einzwänge. Jeder, der religiös lebt, weiss, dass dem nicht so ist. Sobald ein Jude nach der Thora lebt und deren Sinn zu verstehen lernt, sieht er sein Leben als bedeutungsvoller an als jemals zuvor und versteht nicht mehr, wie er einmal ohne die Thora leben konnte.

Gegen Ende der Parashat wird uns von der berühmten Begebenheit mit Miriam berichtet. Aharon und seine Schwester Miriam sprachen über ihren jüngeren Bruder Moshe. Kurz gesagt sprachen die Beiden in negativer Art und Weise darüber, dass sich Moshe rein räumlich von seiner Frau Zippora getrennt hatte. Keineswegs haben sie sich scheiden lassen, sondern Moshe trennte sich räumlich von ihr, da sein hochgradiger spiritueller Level (z.B. sprach er ständig mit G - tt) nicht mehr in weltliche Belange wie ehelicher Sex passte). Raschi kommentiert hierzu, dass Miriam das Gespräch mit Aharon BEGANN, denn die Thora listet sie als erstes auf:

"Va'tedaber Miriam veAharon be'Moshe …"

"Miriam und Aharon sprachen über Moshe …"


Was veranlasste Raschi zu der Schlußfolgerung ?
Obwohl Miriam eine Prophetin war, so war Aharon aufgrund seiner Cohen HaGadol (Hohepriester) - Stellung wesentlich wichtiger als seine Schwester. Weiterhin lautet das Verb im Thoratext "Va'tedaber". Diese Verbform im Hebräischen weist auf eine Frau im Singular hin. Hätte sich die Thora auf beide Geschwister bezogen, so wäre die korrekte Verbform "Va'idabru" gewesen. Hier jedoch bezieht sich das Verb "sprachen" auf ein einziges weibliches Wesen; in diesem Falle auf Miriam.

Sowohl Miriam als auch Aharon stimmten Moshes Verhalten gegenüber Zippora nicht gerade zu. Er (Moshe) hätte sich nicht von seiner Frau trennen dürfen. Immerhin spreche Moshe nicht nur mit G - tt, sondern ebenso mit seinen weltlichen Geschwistern. Ergo, sei er sehr wohl in dieser materiellen Welt. Wieso sich dann also von Zipporah aufgrund der hohen Spritualität trennen ?

G - tt sah die Diskussion der Geschwister als "Laschon HaRah - üble Nachrede" und bestrafte Miriam, die das ganze inszeniert hatte, mit "Tzarah - einer besonderen Form von Aussatz".
Die berühmte Frage hierbei ist, WARUM G - tt das tat, denn die Geschwister Moshes hatten es im Grunde nur gut gemeint. Keineswegs verfolgten sie mit ihrer Diskussion böse nachteilige Absichten. Warum also wurde Miriam mit dem Aussatz bestraft und warum war es "Laschon Harah" ? Auf dem israelischen haredischen (ultra - orthodoxen) Radiosender "Kol BaRamah" hörte ich einen Rabbiner folgendes sagen:
Wenn wir in die Parashat Bereschit (Genesis) im Buch Genesis und damit auf die Erschaffung von Adam und Eva (Chava) schauen, berichtet uns die Thora:

"Va'izer A - do - nai E - lo - him et Ha'Adam Afar min Ha'Adamah va'ipach be'afaw Nishmat Chaim va'yihi HaAdam le'Nefesh Chaya".

"Und G - tt (der Originaltext listet zwei Namen G - ttes auf) formte den Menschen aus dem Staub der Erde und blies in seine Nasenlöcher die Seele des Lebens. Und der Mensch wurde zur lebenden Seele".

Kurz gesagt, der Mensch erhielt seine Seele direkt von G - tt eingehaucht. Somit ist die Seele quasi ein Teil G - ttes in uns und wir sollten sie nicht mit unseren Vergehen negativ beeinflussen.

Es heißt, dass jeder Mensch in seinem Leben nur eine gewisse Anzahl an Worten von G - tt zur Verfügung gestellt bekommt. Danach muss er sterben. Dieses Statement soll, mit anderen Worten zum Ausdruck bringen, dass wir alle unsere Worte sorgsam nutzen und nichts Überflüssiges (Lästereien) von uns geben, denn so nutzen wir unsere Wortanzahl im Leben ab. Andererseits gibt es "Laschon HaRah", die gesagt werden muss und andere, auf die man verzichten sollte.

Rabbi Yaakov Kuli schreibt in seinem Kommentar "Yilkut Me'am Lo'ez":
Warum erzählt uns die Thora von der Begebenheit Miriam ? Um uns aufzuzeigen, was üble Nachrede alles verursachen kann.

Miriam sprach mit Aharon, da sie hoffte, dieser werde mit Moshe reden und diesen auf sein inkorrektes Verhalten (Miriam nannte es "inkorrekt") hinweisen. Allerdings machte Miriam hierbei den Fehler, Moshes Prophezeihungsfähigkeiten mit jenen unserer Vorväter zu vergleichen. A la "Avraham habe sich ja auch nicht von Sarah getrennt. Moshe Prophezeihungen und seine Art, mit G - tt zu kommunizieren, waren wesentlich anderer Natur und bis dahin, sowie seither, nie mehr existent. Moshe bewegte sich auf dem allerhöchsten Level bezüglich der Kommunikation mit G - tt. Wie die Vorväter erhielt er G - ttes Anweisungen nicht nur im Schlaf, sondern real von Angesicht zu Angesicht und zu jeder Tageszeit. Viele Thorakommentatoren wie Rabbeinu Bachya listen auf, wie genau sich die Prophezeihungen des Moshe von denen der Vorväter sowie späterer Propheten unterschieden.

Es gibt Dinge im Leben, die müssen gesagt werden und man kann nicht nur laut herausschreien "Laschon HaRah, Laschon HaRah", weil sich manche weigert, zuzuhören. Kriminelle müssen der Polizei gemeldet werden, etc. Dennoch gibt es anderweitige Angelegenheiten, bei denen der Moment etwas zu sagen eher unpassend oder im dem Moment Schaden hervorrufen kann.

Woher wussten eigentlich Moshe und Bezalel, wie das Mischkan oder, in diesem Fall, die Menorah, auszusehen hatten. Zwar erfahren wir, dass G – tt ihnen die Gegenstände sowie das Tempelbesteck beschrieb, doch woher wussten Moshe und Bezalel die Herstellungsdetails ? Die Antwort darauf lautet, dass beide im Moment der Beschreibung G – ttes die Gegenstände als eine Art Vision oder Prophezeihung vor sich sahen.

Schabbat Schalom

Montag, Februar 07, 2011

Israels Linke gegen das Eruv

B"H

Extreme israelische Linksaktivisten kletterten auf eine Leiter und demolierten absichtlich das Eruv relig. Siedlungen Maccabim - Re'ut nahe Modi'in / Kiryat Sefer.





Bei einem Eruv handelt es sich um einen Draht, der um einen jüdischen Stadtteil, ein Dorf oder eine Stadt gezogen ist. Bei kurzem Hinsehen könnte der Betrachter glatt meinen, es handele sich um einen Stromdraht.

Die Thora verbietet Juden, am Schabbat in öffentlichen Gebieten etwas zu tragen oder sich nur so - und - soviele Meter vom Aufenthaltsort zu entfernen. Mit dem Eruv kann dieses Verbot erleichtert werden, denn der gespannte Draht erweitert das erlaubte Gebiet.


In der Praxis sieht das so aus, dass ein Eruv, welches um eine Stadt gespannt ist, das Tragen am Schabbat erlaubt. Beispiel: Jerusalem. in der Diaspora hingegen darf nicht getragen werden (wenn kein Eruv besteht) und dies bedeutet, dass der Jude, der die Synagoge aufsucht, noch nicht einmal sein Sidur (Gebetbuch) von daheim mitbringen darf, sondern dieses vor dem Schabbat in der Synagoge deponiert.



Ich konnte kaum glauben, was ich gerade auf der israelisch - haredischen (ultra - orthodoxen) News Site "Kikar Shabbat" las:
Wie krank müssen diese anscheinend jüdischen Linksaktivisten sein, die da die Religion und insbesondere relig. Juden so sehr hassen, dass sie auf Leitern krabbeln, um halachische gespannte Eruvim zu beschädigen ? 


Wie weit ist es gekommen, dass derlei Leute sowohl als auch das Reformjudentum die Religion bzw. die Thoramitzwot als Last und sogar störend ansehen ? "Brauchen wir nicht mehr, denn wir sind ja so furchtbar emanzipiert und intellektuell !"


Bei dem Vorfall in Maccabim - Re'ut jedoch sollte man die Jüdischkeit der Demolierer in Frage stellen. Oberflächlich mögen sie es sein, kabbalistisch betrachtet aber könnten sie genauso Teil der EREV RAV sein.


Links:

Donnerstag, Januar 06, 2011

Parashat BO


Arbeh (Locust, Heuschrecke) 



B"H

Die Thoralesung für diesen Schabbat

Immer wieder verhärtete G - tt das Herz von Pharao und selbst wenn der ägyptische Herrscher die Juden hätte gehen lassen wollen, er konnte es nicht, denn G - tt hatte ihm praktisch seinen "Freien Willen" im Leben genommen. Pharao musste so handeln, ob er wollte oder nicht. Die Ägypter und die Juden sollten einsehen, dass es da EINEN G - tt gibt, der dies alles bewerkstelligen kann.

Der Ramban (Rabbi Moshe ben Nachman, Nachmanides - 1194 - 1270) schreibt in seinem Kommentar:

Raschi kommentiert, dass die Heuschreckenplage, welche sich in der Zeit des Propheten Yoel (Buch Yoel - Sefer Yoel) zutrug, schlimmer war als jene bei Moshe in Ägypten. Grund sei die Verzahl unterschiedlicher Heuschreckenarten in der Zeit Yoels. In Ägypten bestand die Plage nur aus einer einzigen Heuschreckenart.


Die Heuschreckenplage in Ägypten traf am 1. Shevat auf natürlichem Wege (mit dem Ostwind - siehe Exodus 10:13) wohin gegen die Heuschreckenplage bei Yoel ein spezieller Akt G - ttes war.

Raschi (Rabbi Shlomo ben Yitzchaki) stellt in seinem Kommentar die Frage, warum G - tt denn Moshe zu Pharao entsandte, wenn das Herz des Herrschers sowieso schon verhärtet worden war. Wieso dahin gehen und nur den Ablehnungen Pharaos lauschen ? Raschi antwortet, dass G - tt wollte, Moshe solle Pharao warnen.

Die vergangene Parasha, Parashat Va'era, schloß mit der Beschreibung der Plage des Hagels. Vielen Kommentatoren, darunter auch Rabbi Samson Raphael Hirsch, fiel auf, dass die Thora uns nicht sagt, dass der Hagel gänzlich verschwand. Stattdessen heißt es, dass er stoppte. Wieso stoppte er nur ?

Rabbi Hirsch kommentiert, dass der Hagel in der Luft stoppte und dort bestehen blieb.
Warum aber kam der Hagel nicht als Regen herab ? Kann er nur einfach so in der Luft stehenbleiben ?
Nichts passierte und weitere Kommentatoren sind der Meinung, dass sich der Hagel immer noch in der Luft befindet und von G - tt als Waffe im Krieg von Gog und Magog gegen jene Völker eingesetzt wird, welche sich gegen Israel erheben.

In der dieswöchigen Thoralesung folgen die Heuschrecken (Arbeh) - sowie die Plage der Dunkelheit (Choschech). Dazu heißt es recht seltsamerweise in der Thora, dass die ersten drei Tage der Dunkelheit kein Ägypter in der Lage war, etwas zu sehen. Darauf wird uns jedoch mitgeteilt, dass die folgenden drei Tage kein Ägypter in der Lage war, sich auch nur zu bewegen.

Der Ramban (Nachmanides) sagt, dass die Dunkelheit keineswegs so zu verstehen sei, dass da die Sonne nicht scheine oder sie verdeckt sei. Vielmehr kam diese unvorstellbare Dunkelheit direkt von G - tt und war so konzentriert, dass sie sogar jede Kerze erlöschen ließ. Hierbei redet der Ramban sogar von einer spezifischen Wolke, die vom Himmel herabkam und die Plage der Dunkelheit verursachte. Eine übernatürliche Dunkelheit und keineswegs die natürliche der Nacht.

Der Maharal von Prag schreibt in seinem Thorakommentar "Gur Aryeh", dass es den Ägyptern während der ersten drei Tage der Plage unmöglich war, sich gegenseitig zu sehen. In den weiteren Tagen jedoch war die Dunkelheit so dick, dass sich die Ägypter nicht mehr bewegen konnten.

Die Midrash Rabbah nennt zwei Gründe für die Plage der Dunkelheit:
Während die Ägypter ausgeschaltet waren, sahen die Israeliten genug. So gingen sie in die Häuser der Ägypter und schauten, wo deren Juwelen versteckt lagen. Mit dem Auszug aus Ägypten nämlich forderten sie von ihren Bossen den ausstehenden Lohn für all die Jahre und natürlich wollten die ägyptischen Sklavenhalter nichts zahlen und sagten, sie hätten kein Geld. Und so machten sich die Israeliten auf und nahmen sich, was ihnen zustand.

Der zweite, weniger bekannte Grund, den die Midrash Rabbah diesbezüglich nennt ist, dass es schon zu der Zeit Israeliten (Juden) gab, welche sich so sehr assimiliert hatten, dass für sie ein Auszug aus Ägypten nicht mehr möglich war. Deshalb beschloß G - tt, diese Juden zu töten. Die Dunkelheit sollte den Ägyptern diese Tatsache verbergen, dass da Menschen starben, denn hinterher hätten sie hämisch behaupten können, dass der G - tt der Juden ja seine eigenen Leute umbringe.

Insgesamt ist hier zu erwähnen, dass es talmudische Konzepte gibt, welche über verschiedene Gruppen von Juden Auskunft geben, inwieweit sich jemand assimilieren darf, um hinterher dennoch eine akzeptierte Teschuva (Umkehr zu G - tt) bekommen zu können. Wie weit darf sich ein Jude von G - tt und den Mitzwot entfernen ?
Vielleicht eine kleine Anregung, etwas tiefer über individuelle Handlungen nachzudenken.

Die Absicht G - ttes übernatürliche Geschehnisse einzusetzen und somit das jüdische Volk zu beschützen, dient einem Zweck: Nämlich den Völkern zu zeigen, dass es nur den EINEN, EWIGEN, UNENDLICHEN G - TT gibt und alle Götzen dieser Welt oder Menschen, die meinen G - tt zu sein, Lügner und Betrüger sind.

Anhand der offensichtlichen Wunder geben wir genauso die verdeckten Wunder zu. Alles auf dieser Welt erfolgt in einem g - ttlichen Einklang, den wir zwar nicht immer offen wahrnehmen. Manchmal sind die Verhältnisse dermassen im Verdeckten gehalten, dass wir gar kein Wunder erkennen. Was wir jedoch immer tun sollten, ist G - tt zu danken, dass er uns erschuf, denn ohne Ihn würden wir nicht existieren (siehe Ramban).

Im Judentum pochen wir auf das Konzept "S'char veOnesh - Reward and Punishment - Belohnung und Strafe". Erfüllen wir die Thoramitzwot, werden wir belohnt, tun wir es nicht, erfolgt dies nicht, erfolgt die Strafe. Wobei niemals der Aspekt der "Teschuva - Umkehr zu G - tt" ausgelassen werden darf. Diese Umkehr besteht fast immer und kann eine ungeahnte Belohnung bzw. einen Aufstieg der eigenen Seele in hohe Level hervorrufen.
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Ein im Judentum wichtiges und immer wiederkehrendes Konzept:

Die EREV RAV (Mixed Multitude)

Wer sind sie und wo liegt ihr eigentlicher Ursprung ?
An sich sind die Erev Rav einen eigenen Artikel oder ein ganzes Buch wert. Thorakommentatoren gehen weniger auf sie ein als der Talmud und die Kabbalah.

In der Thora (Exodus 12:38) heißt es, dass neben den Israeliten auch die Erev Rav Ägypten verließ, Raschi sagt lediglich, dass es sich hierbei um ägyptische Konvertiten zum Judentum handele.

Die folgenden Berichte sind sowohl aus Quellen des litvish - haredischen Kabbalahverständnis (aus der Schule des Vilna Gaon) als auch aus der chassidischen Schule des Kabbalahverständnisses. Beide Gruppen legen die Kabbalah des großen Kabbalisten, Rabbi Yitzchak Luria 1534 - 1572, in gewissen Themenbereichen unterschiedlich aus. Des Weiteren nenne ich Meinungen aus dem manchmal umstrittenen Buch "Emek HaMelech" (ein Kommentar zu den Schriften des Rabbi Y. Luria). Die Quellen sind jedoch von geringer Bedeutung, denn fast alle stimmen dem allgemeinen Bild von der Erev Rav zu.

Moshe entschied sich gegen den Willen G - ttes, unaufrichtige Konvertiten mit aus Ägypten zu nehmen. G - tt selbst warnte ihn zuvor, dass diese erhebliche hohe Bevölkerungsgruppe unentwegt Probleme bereiten wird. Im weiteren Verlauf werden wir sehen, dass es fortwährend diese Erev Rav waren, welche die Israeliten aufstachelten, gegen G - tt zu rebellieren. Unter anderem waren sie ebenso für den Bau des Goldenen Kalbes verantwortlich.
Aber nicht nur beim Marsch durch die Wüste erwiesen sich die Erev Rav als Plage. Da sie sich nach dem Einzug in das land Israel mit den Juden vermischten, gibt es sie bis heute in unserem Volk. Der Gaon aus Vilna unterscheidet fünf Gruppen innerhalb der Erev Rav und es heißt, dass nicht der Kampf gegen die Ishmaeliten der größte Hinderungsgrund für das Eintreffen des Meschiach sei, sondern der jüdische Kampf gegen die Erev Rav. Ein interner Kampf innerhalb des jüdischen Volkes, von dem wir heute schon einiges sehen. Immer wieder stacheln Juden andere Juden an, sich von G - tt loszulösen und doch lieber machen sollen, was sie wollen. Aber nicht nur das; auch Rabbiner teilt der Vilna Gaon den Erev Rav zu. Nämlich all jene, die nur auf ihren eigenen Ruf bzw. Vorteil aus sind, andere Leute ausnutzen und die Thora falsch lehren. Laut dem Gaon aus Vilna wird es unsere größte Herausforderung sein, die Erev Rav zu besiegen.

Kommentare zu den Erev Rav:

  • Jegliche Diaspora sowie die Tempelzerstörungen gehen auf das Konto der Erev Rav (Tikunei HaZohar).
  •  Die Erev Rav schädigen Israel mehr als jede andere Nation (Rabbi Simcha Yissachar Halberstam).
  •  Moshes Ziel war, die Erev Rav auf den richtigen Pfad zu führen, doch er scheiterte. Heutzutage sind die Erev Rav führende jüdische Persönlichkeiten, doch der Meschiach, welcher einen Funken von Moshe enthält, wird sie schließlich besiegen (Bnei Yissachar).

Wie schon zuvor erwähnt, waren die Erev Rav unaufrichtige ägyptische Konvertiten. Viele sind der Meinung, dass diese selbst Sklaven waren und sahen, dass die Israeliten einmal die Skalverei verlassen und in ihr eigenes Land zurückkehren werden. Genau darin sahen die Erev Rav ihren Vorteil, denn auch sie wollten aus der Skalverei heraus. So kam das Judentum ihnen gerade recht. Übrigens sehen wir in der Geshichte (bis in die heutige Zeit hinein), dass es immer wieder Leute gab, die aus dem eigenen Vorteil heraus zum Judentum konvertierten. Zu Zeiten König Davids sowie seines Sohnes, König Salomons, gab es jedoch keine Konvertiten zum Judentum. Auch wird es diese nach dem Eintreffen des Meschiach nicht mehr geben.

Beim Marsch durch die Wüste standen die Erev Rav gesellschaftlich unter den Israeliten und bekamen auch kein Manna vom Himmel. Stattdessen aßen sie die Reste der anderen. Auch mußten sie dem Marsch hinterherlaufen und waren nie vorne mit dabei. Mischehen gab es zu der Zeit keine, sondern erst im Lande Israel als viele den Überblick verloren, wer wer ist. So gelang es den Erev Rav schließlich im jüdischen Volk unterzutauchen.

Woher aber kamen diese Erev Rav und wieso ließ G - tt dies alles zu ?
Der Talmud Traktat Chagigah 13b - 14a gibt uns Auskunft. Das eigentlich Konzept jedoch geht auf einen Psalmenvers (105:8) zurück, wo geschrieben steht, dass G - tt den Juden die Thora nach 1000 Generationen geben wird.
Nach 1000 Generationen ?
Tatsache aber ist, dass die Juden die Thora schon nach 26 Generationen erhielten. Fehlen da nicht 974 Generationen ? Wo sind diese entschwunden ?

Im Talmud Chagigah sowie in unzähligen kabbalistischen Schriften steht, dass G - tt vor der Welterschaffung 1000 Generationen von Seelen erschuf. Dieses ist wieder einmal mehr als Metapher zu verstehen und NICHT wörtlich zu nehmen. Erschuf heißt hier "in Seinen Gedanken" und nicht, dass die Seelen physisch existierten. G - tt "dachte" nur an deren Erschaffung. Seither werden jene Seelen in jede Generation gepfanzt und haben die Aufgabe, sich zu perfektionieren. Bisher schlug das meistens fehl und somit wurden sie immer wieder aufs Neue reinkarniert. Meinungen besagen, dass der Meschiach erst dann eintrifft, wenn all diese Seelen perfektioniert sind. Die Seelen der Erev Rav wurden in mehreren Generationen reinkarniert. So in der Generation des Enosh, in der Generation von Noach, in der Generation von Sodom und später in der Generation, welche mit Moshe durch die Wüste marschierte.

Und so setzt sich die Liste der Erev Rav - Seelen bis heute fort. Identifizieren kann sie heute niemand mehr außer G - tt selber. Der letzte, der dau in der Lage war, war Rabbi Yitzchak Luria und vielleicht später noch der Baal Shem Tov. Heutzutage gibt es keinen so großen Kabbalisten mehr, der überhaupt zu Seelendeutungen in der Lage ist. Spätestens in der Zeit des Meschiach wird sich alles aufklären.

Wieso läßt G - tt so etwas zu ?

Er selber hatte alles ganz anders geplant, aber da Adam und Eva (Chava) im Paradies von einem Baum aßen, von dem sie nicht hätten essen sollen, wurden sie sich ihres freien Willens bewußt und nutzten ihn ausgiebig aus. Die in Adam enthaltetenen Seelen hätten ursprünglich perfektioniert werden sollen, doch Adam entschloß sich anders.

Wozu gab es überhaupt 10 Plagen ? Hätte nicht eine ausgereicht ?
Auch zu dieser Frage gibt es ausgiebige kabbalistische sowie chassidische Erklärungen, die ich aber auslasse. Stattdessen nenne ich eine Meinung des derzeitigen Rebben der chassidischen Gruppe Slonim aus Jerusalem, Rabbi Shmuel Bozorowsky. G - tt wollte den Israeliten bewußt machen, dass es Ihn gibt und Er der alleinige einzige G - tt über jede Schöpfung ist. Und dieses Ziel erkannten die oft assimilierten und teilweise frustrierten Israeliten nicht immer sofort.

Schabbat Schalom

Sonntag, Dezember 05, 2010

Rabbi Ovadiah Yosef und seine Aussagen


B"H

Wenn sich einige Israelis über die Aussagen des ehemaligen sephardischen Oberrabbiner Ovadiah Yosef aufregen, dann kann ich das noch einigermassen nachvollziehen. Wenn allerdings Juden oder besser gesagt, viele Nichtjuden, aus dem Ausland hysterisch werden, dann entzieht sich das meinem Verständnis. Vielerseit sind es gerade jene Juden, die sich aufregen, denen orthodoxe Aussagen eh nicht gefallen oder die die Thora nie richtig lernten. Geschweige denn Talmud.

Es ist durchaus richtig, dass Rabbi Yosef an vielen Mozzaei Schabbat häufig gerne diverse Sachen loslässt. Dies geschieht bei seiner Wochenansprache nach dem Schabbat. Was ich an Rabbi Yosef kritisiere ist, dass er viele tiefe jüdische Konzepte einfach so herausredet, ohne an die öffentlichen Konseqenzen zu denken. Nicht, dass, was er sagt, sondern wie er es an den Mann bringt.
Beispiel:

Wer als Mann zwischen zwei Frauen geht, ist ein Esel.

Es entspricht der Richtigkeit, dass diese Aussage im Talmud steht und relig. Männer normalerweise nicht zwischen zwei Frauen gehen, sondern am Rand bzw. drumherum.

Weiteres Beispiel:

Die Holocaust - Opfer sind Seelen, die einen Tikkun (Seelenkorrektur) brauchten.
Dieses Konzept allein ist sehr schwer zu verstehen und beruht einem jüdischen Thora-, Talmud - und Kabbalhkonzept der "Erev Rav". Leider habe ich bisher noch nie die Zeit gefunden, ausführlich darüber zu berichten, sondern habe dies immer nur am Rande getan.

Das Kontroverse ist, dass Rabbi Ovadiah Yosef nichts Falsches sagt, sondern dass er etwas behauptet, ohne G - tt jemals gefragt zu haben. Woher will er all das so genau wissen ? Zum Beispiel das mit den Opfer der Shoah ? Allerdings tut dies nicht nur Rabbi Yosef, sondern selbst der einstige Satmarer Rebbe Yoel Teitelbaum, der dem Zionismus eine Teilschuld am Holocaust einräumt.

Wenn Rabbi Yosef etwas sagt, dann ist das talmudisch untermauert, doch kann man nicht Dinge in die Öffentlichkeit werfen, von denen Otto Normalverbraucher nichts versteht. Ohne Ahnung zu haben, macht sich dann jeder seine eigenen Gedanken und versucht sich etwas zusammen zu reimen, was völlig falsch ist.

Der Rabbi hat Recht, wenn er sagt, alles Geschehen auf der Erde und im Universum hängt von G - tt ab, der da alles entscheidet. Nichts geschieht einfach so, sondern hat einen Hintergrund, der uns oft verborgen bleibt. Wie ich mehrmals andeutete, sehen wie Menschen nur einen Teil des Gesamtbildes und G - tt sieht alles. Daher sollte niemand sofort richten und meinen, er verstehe alles besser als Rabbi Ovadiah Yosef.

In Hinsicht auf den Brand auf dem Carmel gab es sicherlich einen Grund; einen Grund, den wir nicht kennen, doch die Juden in Israel sollten einmal in sich gehen und fragen, was schief läuft.  

Donnerstag, Januar 21, 2010

Parashat Bo



Arbeh (Locust, Heuschrecke) 



B"H

Die Thoralesung für diesen Schabbat

Immer wieder verhärtete G - tt das Herz von Pharao und selbst wenn der ägyptische Herrscher die Juden hätte gehen lassen wollen, er konnte es nicht, denn G - tt hatte ihm praktisch seinen "Freien Willen" im Leben genommen. Pharao musste so handeln, ob er wollte oder nicht. Die Ägypter und die Juden sollten einsehen, dass es da EINEN G - tt gibt, der dies alles bewerkstelligen kann.

Der Ramban (Rabbi Moshe ben Nachman, Nachmanides - 1194 - 1270) schreibt in seinem Kommentar:

Raschi kommentiert, dass die Heuschreckenplage, welche sich in der Zeit des Propheten Yoel (Buch Yoel - Sefer Yoel) zutrug, schlimmer war als jene bei Moshe in Ägypten. Grund sei die Verzahl unterschiedlicher Heuschreckenarten in der Zeit Yoels. In Ägypten bestand die Plage nur aus einer einzigen Heuschreckenart.


Die Heuschreckenplage in Ägypten traf am 1. Shevat auf natürlichem Wege (mit dem Ostwind - siehe Exodus 10:13) wohin gegen die Heuschreckenplage bei Yoel ein spezieller Akt G - ttes war.

Raschi (Rabbi Shlomo ben Yitzchaki) stellt in seinem Kommentar die Frage, warum G - tt denn Moshe zu Pharao entsandte, wenn das Herz des Herrschers sowieso schon verhärtet worden war. Wieso dahin gehen und nur den Ablehnungen Pharaos lauschen ? Raschi antwortet, dass G - tt wollte, Moshe solle Pharao warnen.

Die vergangene Parasha, Parashat Va'era, schloß mit der Beschreibung der Plage des Hagels. Vielen Kommentatoren, darunter auch Rabbi Samson Raphael Hirsch, fiel auf, dass die Thora uns nicht sagt, dass der Hagel gänzlich verschwand. Stattdessen heißt es, dass er stoppte. Wieso stoppte er nur ?

Rabbi Hirsch kommentiert, dass der Hagel in der Luft stoppte und dort bestehen blieb.
Warum aber kam der Hagel nicht als Regen herab ? Kann er nur einfach so in der Luft stehenbleiben ?
Nichts passierte und weitere Kommentatoren sind der Meinung, dass sich der Hagel immer noch in der Luft befindet und von G - tt als Waffe im Krieg von Gog und Magog gegen jene Völker eingesetzt wird, welche sich gegen Israel erheben.

In der dieswöchigen Thoralesung folgen die Heuschrecken (Arbeh) - sowie die Plage der Dunkelheit (Choschech). Dazu heißt es recht seltsamerweise in der Thora, dass die ersten drei Tage der Dunkelheit kein Ägypter in der Lage war, etwas zu sehen. Darauf wird uns jedoch mitgeteilt, dass die folgenden drei Tage kein Ägypter in der Lage war, sich auch nur zu bewegen.

Der Ramban (Nachmanides) sagt, dass die Dunkelheit keineswegs so zu verstehen sei, dass da die Sonne nicht scheine oder sie verdeckt sei. Vielmehr kam diese unvorstellbare Dunkelheit direkt von G - tt und war so konzentriert, dass sie sogar jede Kerze erlöschen ließ. Hierbei redet der Ramban sogar von einer spezifischen Wolke, die vom Himmel herabkam und die Plage der Dunkelheit verursachte. Eine übernatürliche Dunkelheit und keineswegs die natürliche der Nacht.

Der Maharal von Prag schreibt in seinem Thorakommentar "Gur Aryeh", dass es den Ägyptern während der ersten drei Tage der Plage unmöglich war, sich gegenseitig zu sehen. In den weiteren Tagen jedoch war die Dunkelheit so dick, dass sich die Ägypter nicht mehr bewegen konnten.

Die Midrash Rabbah nennt zwei Gründe für die Plage der Dunkelheit:
Während die Ägypter ausgeschaltet waren, sahen die Israeliten genug. So gingen sie in die Häuser der Ägypter und schauten, wo deren Juwelen versteckt lagen. Mit dem Auszug aus Ägypten nämlich forderten sie von ihren Bossen den ausstehenden Lohn für all die Jahre und natürlich wollten die ägyptischen Sklavenhalter nichts zahlen und sagten, sie hätten kein Geld. Und so machten sich die Israeliten auf und nahmen sich, was ihnen zustand.

Der zweite, weniger bekannte Grund, den die Midrash Rabbah diesbezüglich nennt ist, dass es schon zu der Zeit Israeliten (Juden) gab, welche sich so sehr assimiliert hatten, dass für sie ein Auszug aus Ägypten nicht mehr möglich war. Deshalb beschloß G - tt, diese Juden zu töten. Die Dunkelheit sollte den Ägyptern diese Tatsache verbergen, dass da Menschen starben, denn hinterher hätten sie hämisch behaupten können, dass der G - tt der Juden ja seine eigenen Leute umbringe.

Insgesamt ist hier zu erwähnen, dass es talmudische Konzepte gibt, welche über verschiedene Gruppen von Juden Auskunft geben, inwieweit sich jemand assimilieren darf, um hinterher dennoch eine akzeptierte Teschuva (Umkehr zu G - tt) bekommen zu können. Wie weit darf sich ein Jude von G - tt und den Mitzwot entfernen ?
Vielleicht eine kleine Anregung, etwas tiefer über individuelle Handlungen nachzudenken.

Die Absicht G - ttes übernatürliche Geschehnisse einzusetzen und somit das jüdische Volk zu beschützen, dient einem Zweck: Nämlich den Völkern zu zeigen, dass es nur den EINEN, EWIGEN, UNENDLICHEN G - TT gibt und alle Götzen dieser Welt oder Menschen, die meinen G - tt zu sein, Lügner und Betrüger sind.

Anhand der offensichtlichen Wunder geben wir genauso die verdeckten Wunder zu. Alles auf dieser Welt erfolgt in einem g - ttlichen Einklang, den wir zwar nicht immer offen wahrnehmen. Manchmal sind die Verhältnisse dermassen im Verdeckten gehalten, dass wir gar kein Wunder erkennen. Was wir jedoch immer tun sollten, ist G - tt zu danken, dass er uns erschuf, denn ohne Ihn würden wir nicht existieren (siehe Ramban).

Im Judentum pochen wir auf das Konzept "S'char veOnesh - Reward and Punishment - Belohnung und Strafe". Erfüllen wir die Thoramitzwot, werden wir belohnt, tun wir es nicht, erfolgt dies nicht, erfolgt die Strafe. Wobei niemals der Aspekt der "Teschuva - Umkehr zu G - tt" ausgelassen werden darf. Diese Umkehr besteht fast immer und kann eine ungeahnte Belohnung bzw. einen Aufstieg der eigenen Seele in hohe Level hervorrufen.
_____________________

Ein im Judentum wichtiges und immer wiederkehrendes Konzept:

Die EREV RAV (Mixed Multitude)


Wer sind sie und wo liegt ihr eigentlicher Ursprung ?
An sich sind die Erev Rav einen eigenen Artikel oder ein ganzes Buch wert. Thorakommentatoren gehen weniger auf sie ein als der Talmud und die Kabbalah.

In der Thora (Exodus 12:38) heißt es, dass neben den Israeliten auch die Erev Rav Ägypten verließ, Raschi sagt lediglich, dass es sich hierbei um ägyptische Konvertiten zum Judentum handele.


Die folgenden Berichte sind sowohl aus Quellen des litvish - haredischen Kabbalahverständnis (aus der Schule des Vilna Gaon) als auch aus der chassidischen Schule des Kabbalahverständnisses. Beide Gruppen legen die Kabbalah des großen Kabbalisten, Rabbi Yitzchak Luria 1534 - 1572, in gewissen Themenbereichen unterschiedlich aus. Des Weiteren nenne ich Meinungen aus dem manchmal umstrittenen Buch "Emek HaMelech" (ein Kommentar zu den Schriften des Rabbi Y. Luria). Die Quellen sind jedoch von geringer Bedeutung, denn fast alle stimmen dem allgemeinen Bild von der Erev Rav zu.

Moshe entschied sich gegen den Willen G - ttes, unaufrichtige Konvertiten mit aus Ägypten zu nehmen. G - tt selbst warnte ihn zuvor, dass diese erhebliche hohe Bevölkerungsgruppe unentwegt Probleme bereiten wird. Im weiteren Verlauf werden wir sehen, dass es fortwährend diese Erev Rav waren, welche die Israeliten aufstachelten, gegen G - tt zu rebellieren. Unter anderem waren sie ebenso für den Bau des Goldenen Kalbes verantwortlich.
Aber nicht nur beim Marsch durch die Wüste erwiesen sich die Erev Rav als Plage. Da sie sich nach dem Einzug in das land Israel mit den Juden vermischten, gibt es sie bis heute in unserem Volk. Der Gaon aus Vilna unterscheidet fünf Gruppen innerhalb der Erev Rav und es heißt, dass nicht der Kampf gegen die Ishmaeliten der größte Hinderungsgrund für das Eintreffen des Meschiach sei, sondern der jüdische Kampf gegen die Erev Rav. Ein interner Kampf innerhalb des jüdischen Volkes, von dem wir heute schon einiges sehen. Immer wieder stacheln Juden andere Juden an, sich von G - tt loszulösen und doch lieber machen sollen, was sie wollen. Aber nicht nur das; auch Rabbiner teilt der Vilna Gaon den Erev Rav zu. Nämlich all jene, die nur auf ihren eigenen Ruf bzw. Vorteil aus sind, andere Leute ausnutzen und die Thora falsch lehren. Laut dem Gaon aus Vilna wird es unsere größte Herausforderung sein, die Erev Rav zu besiegen.

Kommentare zu den Erev Rav:

- Jegliche Diaspora sowie die Tempelzerstörungen gehen auf das Konto der Erev Rav (Tikunei HaZohar).
- Die Erev Rav schädigen Israel mehr als jede andere Nation (Rabbi Simcha Yissachar Halberstam).
- Moshes Ziel war, die Erev Rav auf den richtigen Pfad zu führen, doch er scheiterte. Heutzutage sind die Erev Rav führende jüdische Persönlichkeiten, doch der Meschiach, welcher einen Funken von Moshe enthält, wird sie schließlich besiegen (Bnei Yissachar).

Wie schon zuvor erwähnt, waren die Erev Rav unaufrichtige ägyptische Konvertiten. Viele sind der Meinung, dass diese selbst Sklaven waren und sahen, dass die Israeliten einmal die Skalverei verlassen und in ihr eigenes Land zurückkehren werden. Genau darin sahen die Erev Rav ihren Vorteil, denn auch sie wollten aus der Skalverei heraus. So kam das Judentum ihnen gerade recht. Übrigens sehen wir in der Geshichte (bis in die heutige Zeit hinein), dass es immer wieder Leute gab, die aus dem eigenen Vorteil heraus zum Judentum konvertierten. Zu Zeiten König Davids sowie seines Sohnes, König Salomons, gab es jedoch keine Konvertiten zum Judentum. Auch wird es diese nach dem Eintreffen des Meschiach nicht mehr geben.

Beim Marsch durch die Wüste standen die Erev Rav gesellschaftlich unter den Israeliten und bekamen auch kein Manna vom Himmel. Stattdessen aßen sie die Reste der anderen. Auch mußten sie dem Marsch hinterherlaufen und waren nie vorne mit dabei. Mischehen gab es zu der Zeit keine, sondern erst im Lande Israel als viele den Überblick verloren, wer wer ist. So gelang es den Erev Rav schließlich im jüdischen Volk unterzutauchen.

Woher aber kamen diese Erev Rav und wieso ließ G - tt dies alles zu ?
Der Talmud Traktat Chagigah 13b - 14a gibt uns Auskunft. Das eigentlich Konzept jedoch geht auf einen Psalmenvers (105:8) zurück, wo geschrieben steht, dass G - tt den Juden die Thora nach 1000 Generationen geben wird.
Nach 1000 Generationen ?
Tatsache aber ist, dass die Juden die Thora schon nach 26 Generationen erhielten. Fehlen da nicht 974 Generationen ? Wo sind diese entschwunden ?

Im Talmud Chagigah sowie in unzähligen kabbalistischen Schriften steht, dass G - tt vor der Welterschaffung 1000 Generationen von Seelen erschuf. Dieses ist wieder einmal mehr als Metapher zu verstehen und NICHT wörtlich zu nehmen. Erschuf heißt hier "in Seinen Gedanken" und nicht, dass die Seelen physisch existierten. G - tt "dachte" nur an deren Erschaffung. Seither werden jene Seelen in jede Generation gepfanzt und haben die Aufgabe, sich zu perfektionieren. Bisher schlug das meistens fehl und somit wurden sie immer wieder aufs Neue reinkarniert. Meinungen besagen, dass der Meschiach erst dann eintrifft, wenn all diese Seelen perfektioniert sind. Die Seelen der Erev Rav wurden in mehreren Generationen reinkarniert. So in der Generation des Enosh, in der Generation von Noach, in der Generation von Sodom und später in der Generation, welche mit Moshe durch die Wüste marschierte.

Und so setzt sich die Liste der Erev Rav - Seelen bis heute fort. Identifizieren kann sie heute niemand mehr außer G - tt selber. Der letzte, der dau in der Lage war, war Rabbi Yitzchak Luria und vielleicht später noch der Baal Shem Tov. Heutzutage gibt es keinen so großen Kabbalisten mehr, der überhaupt zu Seelendeutungen in der Lage ist. Spätestens in der Zeit des Meschiach wird sich alles aufklären.

Wieso läßt G - tt so etwas zu ?

Er selber hatte alles ganz anders geplant, aber da Adam Und Eva (Chava) im Paradies von einem Baum aßen, von dem sie nicht hätten essen sollen, wurden sie sich ihres freien Willens bewußt und nutzten ihn ausgiebig aus. Die in Adam enthaltetenen Seelen hätten ursprünglich perfektioniert werden sollen, doch Adam entschloß sich anders.

Wozu gab es überhaupt 10 Plagen ? Hätte nicht eine ausgereicht ?
Auch zu dieser Frage gibt es ausgiebige kabbalistische sowie chassidische Erklärungen, die ich aber auslasse. Stattdessen nenne ich eine Meinung des derzeitigen Rebben der chassidischen Gruppe Slonim aus Jerusalem, Rabbi Shmuel Bozorowsky. G - tt wollte den Israeliten bewußt machen, dass es Ihn gibt und Er der alleinige einzige G - tt über jede Schöpfung ist. Und dieses Ziel erkannten die oft assimilierten und teilweise frustrierten Israeliten nicht immer sofort.

Schabbat Schalom

Dienstag, Juni 16, 2009

Der Vilna Gaon über die Zeit des Meschiach

B"H

Einige Meinungen des Vilna Gaon über die Ankunft des Meschiach. Die Inhalte entnahm ich dem 10. Kapitel des Buches "Even Sheleimah" - The classic collection of the Gaon of Vilna's wisdom (Feldheim Verlag).

Es werden vier Arten der Ge'ulah (Ankunft des Meschiach) stattfinden. Bedeutet, die Ge'ulah erfolgt in vier Etappen. Jede dieser Etappen erfolgt in einer der vier jährlichen Zeitperioden, in denen die Welt gerichtet wird. Laut der Mischna im Talmud Rosh HaShana wird die Welt jährlich viermal von G - tt gerichtet. An Pessach werden die Juden von ihrem Leiden befreit. An Rosh HaShana (dem jüdischen Neujahrsfest) wird das endgültige G - ttesurteil bezüglich der Feinde Israels (der Juden) weitergereicht. An Schavuot (dem Wochenfest) kommen die in der ganzen Welt zerstreuten Juden nach Israel. Dies soll anhand von Moshe stattfinden.


Hierzu muss ich anmerken, dass in jüdisch - relig. Literatur beschrieben wird, dass der Meschiach die Seele (Neschama) von Moshe besitzt. Damit ist nicht gemeint, dass Moshe wiederaufersteht, um als Meschiach in Erscheinung zu treten. Wie ich in einem vorherigen Artikel berichtete, legt der Rambam (Maimonides, 1135 - 1214) fest, dass sobald ein Mensch stirbt, er als Meschiach ausscheidet, denn wer tot ist, kommt automatisch nicht mehr als Meschiach in Frage. In jüdischer Literatur geht man vielmehr davon aus, dass der Meschiach einen Teil der Seele (Nitzotz) von Moshe besitzen wird.

Die vierte und letzte Etappe wird der Bau des "Beit HaMikdasch" - in diesem Falle der DRITTE TEMPEL sein. Sukkot (das Laubhüttenfest) wird vom Vilna Gaon als Zeitpunkt angegeben.

Die zehn verlorenen israelitischen Stämme werden zuerst nach Israel zurückkehren.
Wir erinnern uns: Zur Zeit des König Chizkiyahu erfolgte eine Besetzung des Nordreiches durch die Assyrer unter deren König Sancheiriv. Zu der Zeit verschleppten die Assyrer die zehn im Nordreich ansässigen Stämme gen Osten (Irak, Iran, etc.). Die Angehörigen diese Stämme sollen also als erstes wieder nach Israel zurückfinden. Wie genau dieses allerdings von Statten gehen wird, vermag niemand zu sagen.
Nach diesen zehn Stämmen wird der Stamm Yehudah an der Reihe sein und danach wird die Generation des Exodus wiederauferstehen.
Zur Wiederauferstehung gibt es jedoch noch ganz andere Meinungen. Darunter auch, dass nicht alle Toten wiederauferstehen werden, sondern nur ein gewisser Teil; jene, die im vorherigen Leben absolut gerecht (Zaddikim) waren.

Die Ge'ulah erfolgt aufgrund von Thorastudien. Besonders wichtig ist hierbei das Studium der Kabbalah.
Die richtige und ernsthafte Kabbalah im Judentum bedeutet "die verborgene Bedeutung der Thora" und keinen Hokuspokus oder Esotherik - Blabla wie dies heutzutage irgendwelche Scharlatane, incl. dem Kabbalah Center, vermitteln wollen, um Geld zu verdienen.

Die Ge'ulah (Zeitalter des Meschiach) wird "Morgen" und "Geburt" genannt. Genau zur dunkelsten Zeit bzw. dann, wenn bei einer schwangeren Frau die Wehen einsetzen, wird die Ge'ulah erfolgen. Bedeutet, dann wenn es den Juden am Schlechtesten geht und sie es gar nicht erwarten.

Im Talmud Chagigah sowie in der Kabbalah wird uns die "Erev Rav" näher umschrieben. Kurz gesagt handelt es sich bei dieser Gruppe von Menschen um diverse Seelen,(Neschamot), welche unterschiedliche Reinkarnationsphasen durchlaufen müssen. Insgesamt stellt dies ein breites Spektrum / Konzept dar und ich gehe an dieser Stelle nur kurz darauf ein.

Unter anderem wurden die Seelen der Erev Rav in jenen Leuten reinkarniert, welche zusammen mit den Israeliten beim Exodus Ägypten verliessen. Dabei handelte es sich um ägyptische Konvertiten zum Judentum, die allerdings aus keinerlei ernsthaften Beweggründen zum Judentum kamen; vielmehr waren sie Sklaven der Ägypter, die sich durch den Exodus den Schritt in die Freiheit versprachen. Deswegen hatten sie sich den Juden angeschlossen. Später jedoch (und das bis zum Eintreffen des Meschiach) erwies sich die Mitnahme dieser Leute als Fehler, denn immer wenn es beim Marsch in der Wüste zu einer Rebellion gegen G - tt kam, war es die Erev Rav, die dafür verantwortlich waren. Auch beim Bau des Goldenen Kalbes waren sie eifrig am Mitwirken.

In der Wüste und in der Zeit darauf, konnte man noch bestimmen, wer zu den Erev Rav gehörte. Irgendwann aber ging diese Kenntnis verloren und die Erev Rav heirateten Juden. Somit vermischte sich alles und man sagt, dass die Letzten, welche die Seelen der Erev Rav bestimmen konnten, der Arizal (Rabbi Yitzchak Luria, 1534 - 1572) sowie der Ramchal (Rabbi Moshe Chaim Luzzatto) und der Baal Shem Tov waren. Heutzutage jedenfalls seien wir dazu nicht mehr in der Lage und erst der Meschiach wird es wieder festlegen.

Der Vilna Gaon (sowie auch das kabbalistische Buch ZOHAR) legte seinerzeit fünf unterschiedliche Erev Rav - Gruppen fest, welche zur Zeit vor dem Kommen des Meschiach existieren werden: 1. Jene Juden, die ständig Streit suchen. 2. Juden, die gemäß ihrer Gelüste handeln. 3. Juden, die vorgeben so furchtbar gerecht und toll zu sein, es in Wahrheit aber nicht sind. 4. Juden, die ewig nach dem Respekt anderer gieren und sich wichtig machen, ohne das etwas dahintersteht. 5. Juden, die dem Geld hinterherlaufen.

Wer unter der Leserschaft nun meint, loslaufen zu müssen und jeden aufgrund dieser Liste in Frage kommenden Juden als Erev Rav zu beschimpfen, der missversteht das Konzept ! Weiterhin ist es nicht eines jeden Aufgabe loszurennen und irgendetwas zu behaupten.

In JEDER Generation besteht ein Datum für Meschiach und in JEDER Generation gibt es einen Meschiach. Nur wissen weder der Kandidat noch wir, wer dies sein wird. Es wird erst dann zum eigentlichen Eintreffen des Meschiach kommen, wenn G - tt es für richtig hält.
Hierzu gehen die Ansichten etwas auseinander; besonders im Talmud Traktat Sanhedrin. Zahlreiche Kommentare besagen, dass G - tt je nach unserem Verhalten bzw. nach unserem Missverhalten entscheidet, den Meschiach zu bringen oder auch nicht. Einige Gelehrte meinen, der Meschiach kommt, wenn wir Juden uns alle hundertprozentig verhalten; andere wiederum sagen, dass Meschiach dann kommt, wenn die Juden keine oder kaum noch Halachot einhalten. Dritte meinen, dass wir Juden G - tt in bestimmten Fällen G - tt sogar zwingen können, uns den Meschiach zu senden.

Ich persönlich bin garantiert kein Meschiach - Experte, hoffe aber genau wie alle anderen, dass er sich irgendwann einmal zeigt. Unsere Halacha schreibt uns vor, dass wir auf das Eintreffen des Meschiach sehnlichst warten und ihn jeden Augenblick erwarten sollen. Bedeutet, wir sollen stets vorbereitet sein, denn niemand kann mit Gewissheit sagen, wann der Zeitpunkt gekommen sein wird.