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Sonntag, September 09, 2012

Rosh Hashana und Adam Ha'Rishon


 Gesehen in Jerusalem

Photo: Miriam Woelke

B"H


Bei Rosh HaShana handelt es sich um das jüdische Neujahrsfest (am 1. des jüdischen Monat Tishrei) und diesmal feiern wir es beginnenden am 16. September. Im In - sowie im Ausland findet das Fest zwei Tage lang statt. Nicht nur, dass wir an Rosh HaShana ein neues Jahr (5773) beginnen; nein, die Zeitperiode vom Monatsbeginn Elul (vor ca. drei Wochen) über Rosh HaShana und Yom Kippur bis hin zum Laubüttenfest (Sukkot) steht ebenso für eine Umkehr zu G - tt (Teschuva) und die Vergebung G - ttes. Es gibt chassidische Quellen, denen zufolge G - tt erst an Chanukkah (im Dez.) Sein endgültiges Urteil fällt. 

Am Rosh HaShana wird die ganze Welt gerichtet, am Yom Kippur jedoch schließt G – tt sein Gericht über die Juden ab und unterschreibt, symbolisch gesprochen, das Urteil. Nichtjuden finden am Rosh HaShana ihr Gericht und ihr endgültiges Urteil und deswegen ist Rosh HaShana auch für sie von immenser Bedeutung. Aber nicht nur ein neues Jahr oder Teshuva bzw. das Gericht G - ttes sind die alleinigen Merkmale dieses Feiertages. Der Talmud Traktat Rosh HaShana 10b gibt uns Auskunft über weitere Geschehnisse, an denen wir an dem Feiertag gedenken. 

"Die Welt wurde im Monat Tishrei erschaffen".
(Talmud Rosh HaShana 10b) 

Diese Aussage in der Gemara (rabbinische Diskussionen) bezieht sich auf den sechsten Tag der Welterschaffung, denn an diesem sechsten Tag wurde der Mensch erschaffen. Der einzige Grund für die Welterschaffung war die Erschaffung des Menschen. Und die Welt war innerhalb der vorausgegangenen fünf Tage nicht perfekt, weil die Menschheit noch nicht erschaffen worden war. 

Die Gemara liefert uns einen Disput zweier Rabbiner (Rabbi Eliezer und Rabbi Yehoshua) wann denn nun genau die Welt erschaffen worden ist. Hierbei lautet eine Meinung, dass sie im Monat Nissan (April) erschaffen wurde und der zweite Rabbiner hält dagegen mit dem Argument, dass die Erde im Tishrei (mit der Erschaffung Adams) entstand. Im Prinzip sind beide Meinungen richtig, denn es heißt, dass G - tt im Nissan den Einfall hatte, eine Welt zu erschaffen und im Tishrei zur Tat Schritt (siehe hierzu auch den Thorakommentator Ohr HaChaim zur Parashat Bereschit). 
 Bitte dies nur als symbolische Erklärung aufnehmen ! 

Allein dieser Disput in Rosh HaShana 10b – 11a wird als Quelle dafür angesehen, dass Adam HaRishon an Rosh HaShana, dem 1. Tishrei, erschaffen worden ist. Der eigentliche Erschaffungsprozeß unserer Welt begann schon fünf Tage zuvor. Denn wie ich bereits sagte, bezog sich Rabbi Eliezer auf jene Phase der Welterschaffung, in welcher der Mensch (Adam) erschaffen worden ist. Erst mit ihm erreichte die Welt ihren eigentlichen Grund des Daseins. 

Ebenso wurden im Monat Tishrei die Vorväter Avraham und Yaakov geboren und sie verstarben im Monat Tishrei. Unser Vorvater Yitzchak wurde während des Pessach - Festes im Monat Nissan (ca. April) geboren. 

Es war am Rosh HaShana, dass sich G - tt an unsere bis dahin unfruchtbaren Vormütter Sarah und Rachel sowie an die Prophetin Channah (Mutter vom Propheten Samuel - Shmuel) erinnerte. 

Ebenso wurde der von den Ägyptern inhaftierte Yosef an Rosh HaShana aus seiner Haft entlassen". 

Nachdem Sarah, Rachel und Channah unendlich viele Jahre zu G - tt gebetet hatten und Ihn baten, ihnen doch Kinder zu schenken, wurden ihre Gebete erhört. Dies bedeutet keineswegs, dass sie an Rosh HaShana schwanger wurden oder gebaren, sondern vielmehr entschied G - tt an dem Tag, sie von ihrer Unfruchtbarkeit zu befreien (siehe die Kommentatoren Raschi, Ran und Maharsha). 

Im Judentum heißt es, dass jemand, der ein absolut gerechtes Leben (ein sogenannter Zaddik) führte, in seinem Geburtsmonat stirbt (siehe hierzu den Talmud Rosh HaShana 11a). Bestes Beispiel hierfür ist ebenso König David, der an Schavuot geboren wurde und an dem Tag auch verstarb. 

Unserer jüdischen mündlichen Überlieferung zufolge, wurde Adam (HaRishon - der erste Mensch) an Rosh HaShana erschaffen. Die Welt sowie der vorherige Erschaffungsprozeß begann einige Tage vor dem 1. Tishrei. Die Gemara (rabbinische Diskussionen) im Talmud Traktat Sanhedrin 38a lehrt dazu Folgendes: 

"Adam wurde an einem Freitag erschaffen und somit stand er am Ende des Erschaffungsprozesses". 

Die Gemara listet eine ganze Reihe von Gründen auf, warum Adam im Erschaffungsprozeß an letzter Stelle stand. Einer der Punkte besagt, dass Adam in eine für ihn erschaffene Welt gesetzt wurde. Sie war bereit für menschliches Leben und bot ihm Nahrung, Luft und alles was man als Mensch zum Leben benötigt (siehe auch Raschi). Und von daher finden wir eine der Quellen, dass Adam an Rosh HaShana erschaffen worden ist, in der Angabe des Datums (1. Tishrei) der Welterschaffung im Talmud Traktat 10b – 11a. Und dies, obwohl es dort nicht wörtlich heißt, dass Adam an dem Tag erschaffen wurde. Dennoch können wir es dem Diskussionsinhalt der Gemara entnehmen. 

Zusätzlich liefert Raschi einen interessanten Aspekt, warum Adam als letztes Glied in der Kette erschaffen worden ist. Den gesamten Erschaffungsprozeß über hatte es noch nicht ein einziges Mal geregnet. Bis heute müssen wir Juden im Land Israel für den Regen beten und kein Tropfen fällt von allein. Und laut Raschi wollte G – tt, dass auch Adam für Regen betet. 

Bereits der erste Mensch sollte G - ttes Schöpfung nicht als selbstverständlich ansehen, sondern für sein Wohlergehen beten und auf diese Weise G - tt selbst als den Erschaffer jeglicher Existenz anerkennen.

Sonntag, August 12, 2012

Midrasch YALKUT SHIMONI zur Thoralesung EKEV


 Photo: Miriam Woelke

B"H 

Diejenigen von Euch, die sich ausgiebig mit tieferen jüdischen Studien befassen wissen, dass es viele verschiedene Midraschim gibt. Normalerweise verweisen viele Texte und Rabbiner zumeist auf die zwei bekanntesten Midraschim: Auf die Midrasch Tanchuma und die Midrasch Rabbah. Wenn ich einmal genügend Zeit zur Verfügung habe, so lerne ich meistens zwei völlig andere Midraschim: Yalkut Shimoni und Yalkut Re'uveni. Aus dem einfachen Grund heraus, weil mir diese beiden Midraschim sehr gut gefallen. 

Obwohl die Thoralesung EKEV bereits am gestrigen Schabbat gelesen wurde, möchte ich doch noch einmal darauf zurückkommen, denn im YALKUT SHIMONI fand ich ein paar recht interessante Gedanken dazu. Bei seiner Aussage beruft sich der YALKUT SHIMONI auf die Thora selbst sowie auf das Buch Mischle'i (die Weisheiten des König Salomon). Und so heisst es im YALKUT SHIMONI, dass G – tt den Juden die Thoramitzwot nicht gab, damit diese (die Juden) die Belohnung für die Mitzwoteinhaltung sofort erhalten. Andererseits jedoch erhalten Nichtjuden ihre Belohnung für die Einhaltung der "Sieben Noachidischen Gesetze" bereits in dieser Welt. Juden dagegen erhalten ihre Belohnung meist erst in der Kommenden Welt. Siehe hierzu Mishle'i 11:21 und Deuteronomy 7:10. 

Mein Hauptanliegen aber ist der wichtige Gedanken, dass G – tt den Juden die Thoragesetze nicht gab, damit sie ausschliesslich an eine etwaige Belohnung Seinerseits denken. Gut, dass G – tt uns den Grad der Belohnung nie wissen liess, denn sonst würden wir die Mitzwot je nach Level der Belohnung ausführen. Gibt es für das eine Gesetz eine höhere Belohnung, so führe ich das natürlich eher aus als eines, für dessen Ausführung die Belohnung viel niedriger erscheint. Solch ein Verhalten wäre nur allzu menschlich. 

Ein wichtiger Punkt, über den es sich lohnt, etwas tiefer nachzudenken. Auch im Hinblick auf die eigene Einstellung gegenüber der Thoragesetze. Manchmal erscheint alles so unglaublich einfach und im Grunde wissen wir das ja alles schon. Warum ich diese Gedanken aber nochmals aufführe ist, dass wir nur allzu schnell vergessen und eine kleine Erinnerung an all die kleinen Dinge kann nie schaden.

Sonntag, Mai 13, 2012

Woran sollte man vor dem Sündigen denken ?

B"H

Woran sollte man vor dem Sündigen denken:

1. Woher komme ich ? 

2. Wohin gehe ich ? 

3. Wie soll ich mich vor G – tt rechtfertigen ?

In der Midrasch heißt es, dass Adam HaRishon (der erste Mensch) Punkt Nummer 1 nicht erkannte. Alle Generationen nach ihm hatten Eltern, Adam aber blieb die große Ausnahme, was ihm vielleicht ein paar psychologische Probleme bereitete. Außerdem heißt es in der Midrasch sowie in den Legenden (Aggadot), dass viele Menschen den Adam hänselten; er habe keine biologischen Eltern und deswegen stimme wohl etwas mit ihm nicht.

Samstag, März 24, 2012

Niemals gehen alle Wünsche in Erfüllung


Das Kapital: Wohnhaus und Bürokomplex in Ramat Gan (bei Tel Aviv)

Photo: Miriam Woelke 
B"H 

Kein Mensch auf dieser Welt erreicht auch nur annähernd die Hälfte all seiner Wünsche (Kohelet Rabbah 1:13)

Was hegt nicht jeder Mensch für Wünsche und Erwartungen im Leben. In der Psychologie heisst es, dass Depressionen auch dadurch ausgelöst werden, dass viele Erwartungen ans Leben unerfüllt bleiben. Aber so ist nun einmal der Verlauf des Lebens, denn G – tt hat Seinen eigenen Plan für einen Jeden von uns und entscheidet, was wir letztendlich bekommen und was nicht. Die Midrasch dem Buch Kohelet drückt dies in einem einzigen Satz aus (siehe oben). 

Was die meisten Menschen vergessen ist, sich auch auf etwas Spirituelles zu konzentrieren und nicht nur auf materielle Befriedigungen. Geld allein gibt zwar Sicherheit, doch macht es nicht glücklich. Außerdem bringt viel Geld auch viele große Sorgen und Komplikationen mit sich, wie ich seit einiger Zeit selber erfahre.

Montag, Juni 06, 2011

Talmud und Midrasch zur "Megillat Ruth - Buch Ruth"

B"H

Morgen abend (Dienstag) beginnt Schavuot; ein biblisches Fest, an welchem die Juden am Berg Sinai die Thora erhielten. Unzählige Fakten kann man über Schavuot berichten. Viel Kabbalistisches, die Midrasch gibt einiges her, die Kommentatoren, die Thora selbst, aber auch der Talmud. An dieser Stelle will ich mich vorerst auf den Talmud beziehen.

Am Mittwoch, dem eigentlichen Schavuot – Tag wird in den Synagogen das "Buch Ruth – Megillat Ruth" gelesen. Warum gerade Ruth ?

Weil sie eine Vorfahrin des König David war (ihr Sohn Oved war Davids Großvater) und dieser an Schavuot geboren wurde und ebenso verstarb. An Schavuot standen alle Israeliten am Berge Sinai und erhielten die Thora. Erst mit dem Erhalt der Thora wurden sie zu einem eigenen Volk und konvertierten mit der Annahme der Gesetze G – ttes zum Judentum. Ab dem Zeitpunkt handelte es sich bei ihnen um das Jüdische Volk.

Auch Ruth, die Moabiterin, konvertierte zum Judentum. Nicht so, wie dies heutzutage der Fall ist; mit Auswahlverfahren und Beit Din (rabbinischem Gericht). Ruth konvertierte einzig und allein durch ihre ehrliche Aussage, dass der G – tt ihrer Schwiegermutter Noami auch der ihre sei. Ohne wenn und aber und mit allen Konsequenzen. Dadurch wird gerade Ruth als die perfekte Konvertitin gesehen. 

Bis heute mag man meinen, dass gerade Schavuot das "Fest der Konvertiten zum Judentum" sei, doch die Realität schaut etwas anders aus. Zwar berichtet die "Jerusalem Post" alljährlich von einigen israelischen Konversionskursen, doch ist das Interesse der Israelis nicht besonders hoch, denn das Konvertitenthema geht mittlerweile den meisten ziemlich auf die Nerven. Und ich will hier nicht wieder neu beginnen, die Skandale aufzulisten. Vielmehr geht es um den Talmud und und die Midrasch sowie dessen Lehren über Ruth, König David und Naomi.

Die "Megillat Ruth" beginnt mit dem Bericht, wie Elimelech, seine Frau Naomi und die Söhne Machlon und Kiliyon die Stadt Bethlehem aufgrund einer verheerenden Hungersnot verliessen und ins Land Moav abwanderten. Im Talmud Traktat Bava Batra 91a wird in der Gemara (rabbinische Diskussionen) die Frage gestellt, wann man Israel verlassen darf, um woanders zu leben. Und wie fast jedesmal im Talmud bekommen wir nur Teilantworten. Eine Meinung lautet, dass wir Israel nur verlassen dürfen, um woanders zu leben, wenn die Preise so drastisch angestiegen sind, dass ein hiesiges Überleben kaum mehr möglich ist. Eine andere Meinung lautet, dann, wenn es nichts mehr zu kaufen gibt. Dennoch, sollte es immer noch Weizen zu kaufen geben, besteht wiederum ein Bleibegrund.

Thora, Talmud sowie die jüdische Halacha legen äußersten Wert darauf, dass ein Jude in Israel lebt. Unter anderem, weil nur hier ein unbeschreiblich hoher Level der Seele (Neshama) erreicht werden kann, denn nur im Lande Israel ist es einem Juden möglich, alle erforderlichen Mitzwot einzuhalten. Viele Thoramitzwot gelten im Ausland nicht und zeigen nur in Israel Wirkung (z.B. Schemittah – das 7. Jahr, in welchem die Landwirtschaft brachliegt). Außerdem werden Gebete in Israel besser und schneller akzeptiert als jene aus der Diaspora, denn hier steigen die Gebete sofort zu G – tt hinauf und gehen nicht erst Umwege wie nach Israel und dann nach Jerusalem und dann zu G – tt. Und der Talmud sowie der erste aschkenazische Oberrabbiner Kook (Kuk) lehren, dass die Luft in Israel weise macht. Was heißt weise ? Hier sind wir einfach zu ganz anderen Leveln fähig, wohin gegen wir im Ausland immer irgendwelchen Blockaden unterliegen.

Der Kommentator Raschbam wirft einen interessanten Punkt ein.
Er nämlich sieht einen Juden, der Israel verläßt als jemanden, der sich bis zu einem gewissen Grad selbst von den Thoramitzwot entfernt, denn er kann ja nicht mehr alle Mitzwot erfüllen. Der Ramban (Nachmanides) hingegen zeigt mehr Verständnis für die "Abwanderer" und sagt, dass es erlaubt ist, Israel zu verlassen, denn man darf sich auf keinen Fall selbst ruinieren.

Die Gemara in Bava Batra fährt fort mit dem Tode der beiden Söhne Machlon und Kiliyon. Hier scheint es als erwiesen, dass Elimelech für seine Abwanderung bestraft wurde, indem seine Söhne verstarben. Und gemäß der Midrasch Rabbah war Elimelech nicht irgendjemand in Bethlehem gewesen, sondern ein angesehener wohlhabender Mann der Provinz. Der Grund, warum er sich entschloß, Israel zu verlassen, war keineswegs der Hunger. Vielmehr wollte er seinen Besitz zusammenhalten. Er befürchtete ganz einfach, dass nun alle Armen zu ihm kommen und herumbetteln. Da wanderte er doch lieber nach Moav ab. Die Midrasch betrachtet dieses Verhalten als den Grund für den frühen Tod seiner Söhne.

Die Midrasch Rabbah fährt fort mit der Beschreibung der Indentität der Schwestern Ruth und Orphah. Beide nämlich waren die Töchter des Moabiterkönigs Eglon, und Eglon wiederum war ein Nachfahre des Balak; jener, der in der Wüste die Israeliten verwünscht haben wollte.

Als Elimelech verstarb, wollte seine Witwe Naomi wieder in die Heimat, nach Bethlehem, zurückkehren. Ihre Schwiegertöchter Ruth und Orphah machten sich mit ihr auf den Weg und unterwegs bat Naomi die beiden wieder nach Moav zurüchzukehren. Orphah ging zurück und Ruth blieb bei Naomi. Es heißt, dass Orphah später einen Sohn mit dem Namen Goliath gebar. Jener Goliath der gegen König David kämpfte und unterlag, war eigentlich ein Verwandter Davids.

Aufgrund ihres Verhaltens verdiente sich Ruth eine Vorfahrin des Meschiach zu sein. Ausgerechnet eine Moabiterin, denn den männlichen Moabitern ist es in alle Ewigkeiten verboten in das Jüdische Volk einzuheiraten. Bei den Moabiterfrauen hingegen ist es erlaubt. Rabbi Mordechai Machlis warf in einem Schiur einmal die Frage auf, warum nicht König Saul (Sha'ul) zum Meschiach wurde. Vielleicht, so der Rabbi, muß selbst der Meschiach einige Leichen im Keller haben und Sha'ul war zu perfekt. Wir lernen also, dass nicht jeder, der so ungemein perfekt ist, auch immer in die erste Wahl kommt. Auch Leute mit einem nicht so tollen Background haben Chancen und das lernen wir von Ruth und David. Beide wurden zu Lebzeiten von den Juden verspottet. So war sie die Moabiterin und er kein richtiger Jude. Richtiger Jude schon, doch nicht laut dem Spott der Mitmenschen.

Es heißt, dass der Meschiach nach seiner Ankunft mit seinem einzigartigen Geruchssinn feststellen wird, wer tatsächlich Jude ist und wer nicht. Viele mögen überrascht sein, die Wahrheit zu erfahren. Manche, die so fest glaubten, so toll und perfekt zu sein, könnten sich am Ende ganz unerwartet woanders wiederfinden. Und nicht immer muß der Meschiach aus einer tollen Familie kommen oder ein großer chassidischer Rebbe sein. Vielleicht sollten wir auch einmal einen Blick auf die kleinen Leute werfen und nicht immer nur auf bekannte Persönlichkeiten. Die unbekannte Moabiterin Ruth hat uns dies gelehrt.

Mittwoch, Februar 09, 2011

Was geht es G – tt an, wie wir die Mitzwot ausführen ?

B”H
m
Die Midrasch Rabbah (Bereshit – Genesis) 44:1 fragt, warum G – tt uns Unmengen von Details aufträgt, damit wir Juden die Thoramitzwot in einer bestimmten Art und Weise erfüllen. Was interessiert es G – tt, ob ein Tier vom Hals an geschlachtet wird oder an einem anderem Körperteil ? Warum nennt uns die Thora all die Mitzwot (Halachot) ?

Hat G – tt etwas davon und ist es nicht egal, ob ich ein Hühnerbein in Milch koche ? Wäre es dagegen nicht viel effektiver intellektuell zu erfassen, dass es einen Erschaffer gibt anstatt auf all den kleinen halachischen Details herumzureiten ? Selbst wenn die Mitzwot wichtig sind, warum bloß anhand all dieser Details ?

Dieselbe Midrasch gibt die Antwort, dass wir aus all dem schliessen können, dass die Mitzwot gegeben worden sind, um den Menschen spirituell zu reinigen. Selbst die Nichtjuden erhielten die Sieben Noachidischen Gesetze und es ist ihnen untersagt, andere Götter anzubeten. Das jüdische Volk aber erhielt 613 Gebote und wird dazu angehalten, diese in einer vorgeschriebenen Art und Weise auszuführen. Finden sich die anleitenden Details nicht in der Thora, dann mit Sicherheit im Talmud.

Als ich in einer Yeshiva (relig. Schule) zu lernen begann, hiess es immer, die Mitzwot seien dazu da, uns Disziplin zu lernen. Juden sollen den Völkern ein positives Beispiel sein und mit einer bestimmten Moral vorangehen. Der Mensch ist kein Tier, welches lediglich nach seinem Instinkt handelt, sondern wir besitzen die Möglichkeit, spirituell aufzusteigen. Essen, trinken, das Leben geniessen JA, aber mit Maßen und jeden Exzess vermeiden.

Anhand der Thoramitzwot verkündet uns G – tt Seinen Willen, denn ansonsten wüssten wir nicht, was Er von uns erwartet. Die Thora wird somit zum Kommunikationsmittel zwischen G – tt und uns. Wie sonst wäre dieser ewige und unendliche G – tt in der Lage, mit einem Sterblichen zu kommunizieren ?

Freitag, Dezember 17, 2010

Die MIDRASCH RABBAH und der CHATAM SOFER zur PARASHAT VAYECHI


Zfat (Safed) in Nordisrael.

Photo: Miriam Woelke

B"H

Der "Chatam Sofer" - Rabbi Moshe Schreiber (Hebräisch: SOFER, Deutsch: Schreiber) wurde im Jahre 1762 in Frankfurt /Main (Germany) geboren. Im Jahre 1839 verstarb er in Pressburg (heute: Bratislava / Slovakei). Zeit seines Lebens gehörte der Chatam Sofer zu den führenden Rabbinern Europas, wobei sein Anliegen besonders dem Kampf gegen das aufkommenden Reformjudentum gewidmet war. Er richtete eine Yeshiva in Pressburg ein. Heutzutage finden wir eine riesige "Yeshivat Pressburg" im Jerusalemer Stadtteil Givat Sha'ul.
Der Chatam Sofer bestand darauf, wie in der Thora selbst beschrieben, dass die Thora auf ewig gelte und niemals verändert warden darf. Genau dieses Thoraargument benutzte er gegen das Reformjudentum.



Parashat Vayechi

Die Midrasch Rabbah lehrt, dass als Yaakov dem Tode nahe war, er zahlreiche Visionen die Zukunft des jüdischen Volkes betreffend, hatte. Yaakov wollte das “Ende”, bedeutet: den Zeitpunkt der Ankunft des Meschiach bekannt geben, doch plötzlich verlor er seine Fähigkeit die Zukunft zu vorherzusagen.
Warum geschah das ?

Die Antwort aus der Midrasch lautet:
Weil sämtlichen weltlichen Probleme in dem Moment von ihm genommen wurden.

Der Chatam Sofer warnt vor es dem sich zu gut gehen lassen in der Galut (Diaspora). Dies nämlich führe zwangsläufig zur Assimilation. Hierzu gibt er ein vortreffliches Beispiel: Köng Ptolemys Erlass, die Thora ins Griechische übersetzen zu lassen. Zuerst schien es, dass die Juden durch die Übersetzung einiges an Prestige gewinnen würden. Die griechische Übersetzung wurde “Septuagint” genannt. Allerdings trat das genaue Gegenteil ein, den das “Septuagint” verleitete die Juden dazu, die griechische Kultur anzunehmen.

"Und der Todeszeitpunkt von Yaakov rückte näher …"
Die Midrasch lehrt, dass wir alle lediglich Fremde vor G – tt sind; “Reisende” wie unsere Vorväter: Unsere Tage auf Erden sind wie ein Schatten (I Chron. XXIX, 15). Niemand kann dem Tod entkommen; wir alle kennen die Wahrheit und wissen, dass wir eines Tages sterben.

Der Chatam Sofer kommentiert:
Yaakov gab seinen Enkeln und Nachfahren den Segen, dass das jüdische Volk niemals völlig vom unserem Planeten verschwindet. Er versicherte ihnen, dass sein Name sowie die Namen der Vorväter auch weiterhin an jüdische Kinder vergeben werden. Yaakov nahm sein eigenes Leben als Beispiel und betonte, dass G – tt ihn stets und überall beschützt habe. Der Name YISRAEL wird immer ein triumphierendes Volk verheissen, welches nicht aus der Furcht vor G – tt zu demselben zurückfindet, sondern weil die Juden ein ehrliches Verlangen danach haben, an der Seite G – ttes zu stehen. Und genau diese Faktoren sind es, welche die Ankunft des Meschiach einleiten werden (Chatam Sofer).

Mittwoch, Oktober 06, 2010

G - ttes Grund für die Erschaffung der Menschheit


Safed (Zfat) / Nordisrael.

Photo: Miriam Woelke

B"H

Es ist weitgehend bekannt, dass eine Gruppe von Engeln G - tt wegen Seiner Erschaffung des Menschen kritisierte. 
"Warum hast Du den Menschen erschaffen, so die Engel. Siehst Du nicht, dass der Mensch in der Zukunft sündigen und Dich so verärgern wird ?"
G - tt antwortete: "Wie dem auch sei, Zaddikim (gerechte Menschen) werden ebenso aus den Generationen hervorgehen. Ich erschuf den Menschen, sodass er in der Lage ist, auch nach seinen Vergehen Teschuva (Umkehr zu G - tt) zu tun. Natürlich ist mir bewusst, dass die Menschheit sündigen wird, aber werde ich nicht immer gleich verärgert sein, sondern das Privatleben jedes Menschen so gestalten, dass er zur Teschuva (Reue, Umkehr zu G - tt) kommt. Manchmal sogar schon bevor der Mensch überhaupt erst zu sündigen beginnt".

Weiter sprach G - tt: "Bevor ich den Menschen erschuf, kreierte ich im voraus das Konzept der "Teschuva". Es gibt Menschen, die sündigen werden, aber auch jene, die zu mir zurückfinden. Viele grosse Zaddikim (Gerechte) werden geboren werden, denn die Welt braucht das Licht genauso wie die Dunkelheit.
Wer seid Ihr Engel, die mir da sagen, dass die Erschaffung des Menschen ein Fehler war ? Nur die Menschen allein sind in der Lage zu beweisen, ob ihre Erschaffung falsch war oder richtig !"
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Quelle:

Die kabbalistische Midrasch
"Sefer Adam HaRishon"

Mittwoch, August 18, 2010

Wo die Nachfahren NOAHS (Noachs) Thora lernten


B"H

Es bestehen viele historische Auslegungen zur Höhle in der Altstadt von Safed. Ob Byzantiner, Kreuzritter oder Moslems, alles scheint versammelt gewesen zu sein. Die bekannteste Aussage jedoch stammt aus einer jüdischen Midrasch, nach welcher an diesem Ort (in der Höhle, über welche heute eine Synagoge steht) der Sohn Noachs "Schem" seinen Sohn "Ever" in Thora unterrichtet haben soll. Demzufolge wurden ebenso Avraham und Yitzchak hier unterrichtet.


Thora ? Wieso ? Die gab es doch zur Zeit von Noach (Noah) und dessen Nachfahren noch gar nicht !
Falsch, denn unsere Weisen sagen, dass selbst Avraham schon wichtige Bestandteile der Thoragesetze kannte.


Der Eingang.
Heute jedoch sieht man ein Gebäude auf dem Höhlengelände stehen.







Photos: Miriam Woelke

Donnerstag, Juli 01, 2010

Eine Kuh hält Schabbat

B"H

In der Gemara (rabbinische Diskussion) des Talmud Traktates Yoma 9a ist von einem "Rabbi Yochanan ben Torta" die Rede. Ein Kommentar zu Rabbi ben Torsa berichtet von dessen ungewöhnlichem Lebenslauf. Der Kommentar stützt sich hierbei auf die Midrasch Pesikta Rabbatai 14:

Es gibt Leute, die sagen, dass "ben Torta" nicht der richtige Familienname des Rabbi Yochanan war.

Einmal verkaufte eine frommer Jude seine Kuh an einen Nichtjuden. Der Nichtjude spannte die Kuh sechs Tage pro Woche vor einen Pflug, aber am Schabbat weigerte sich die Kuh plötzlich zu arbeiten. Der Nichtjude wurde wild und als die Kuh sich partout nicht bewegen wollte, schlug er sie sogar. Als auch das nichts nützte, beschwerte sich der Nichtjude beim ursprünglichen Besitzer über die anscheinend wirre Kuh.
Der fromme Jude flüsterte der Kuh ins Ohr, dass sie nun im Besitz eines Nichtjuden (Nichtjuden müssen keinen Schabbat einhalten) sei und den Schabbat nicht mehr einhalten müsse (sprich: freihabe). Sofort stand die Kuh auf und war arbeitswillig.
Der Nichtjude dachte zuerst, der Jude würde da irgendwelche komischen Magien mit der Kuh betreiben, doch sagte dann: "Was ? Eine Kuh, die nicht spricht und über kein besonderes Wissen verfügt, erkennt G - tt (der Erschaffer der Welt) an und ich als Mensch mit Verstand tue dies nicht. Wie kann das sein ?
Der Nichtjude sprachs und konvertierte zu Judentum, lernte Thora und wurde ein großer Gelehrter. Sein Name ist Rabbi Yochanan ben Torta.

"Torta" stammt aus dem Aramäischen und bedeutet "Kuh". Es war ausgerechnet eine Kuh, die Yochanan zum Judentum brachte. Rabbi Yochanan Sohn der Kuh (ben Torta).

Mittwoch, Dezember 23, 2009

Die hebräischen Buchstaben im Erschaffungsprozess


B"H

In der vorangegangenen Parashat Vayigash brachte ich die Sprache auf die verschiedenen Bedeutungen der Buchstaben des hebräischen Alphabetes. Unter anderem ist dort vom einstigen Bediensteten Avrahams, nämlich dem Eliezer, die Rede, dessen Name den Zahlenwert 318 ergibt. Wie das ?
Jeder hebräische Buchstabe besitzt seinen eigenen Zahlenwert und so lassen sich Zahlen mit einem Wort ausdrücken. Jedes Wort besitzt demnach seinen Zahlenwert und wenn wir Worte mit demselben Zahlenwert miteinander vergleichen, ergibt sich meist eine innere verborgene Verbindung.

In Israel nennen wir daher den ersten Wochentag (Sonntag) "Yom Rischon - erster Tag" aber genauso kann man auch YOM ALEPH sagen. Der erste Buchstabe des Alphabetes, das ALEPH, steht für die 1 und wer YOM ALEPH sagt, der meint den Sonntag. YOM BETH ist der Montag (Yom Scheni - zweiter Tag), YOM GIMMEL ist der Dienstag (Yom Schlischi - dritter Tag), YOM DALED = Mittwoch (Yom Revi'I - vierter Tag), YOM HEH = Donnerstag (YOM CHAMISCHI - fünfter Tag), YOM VAV = Freitag (YOM SCHISCHI - sechster Tag) und nur der Schabbat trägt als Wochentag einen richtigen Namen.
Die Wochentage werden vielerseits bei Öffnungszeiten der Banken, von Geschäften oder Institutionen verwendet.

In der jüdischen Kabbalah besitzen die Formen der hebräischen Buchstaben ebenso eine mystische Bedeutung. Zu dem Thema möchte ich zwei sehr gute englische Bücher empfehlen. Zum einen "The Hebrew Letters" vom Chabad Rabbiner Yitzchak Ginzburgh, welcher hier die Buchstaben eher mystisch angeht und deren Formen definiert. Zum anderen brachte ARTSCROLL MESORAH ein sehr gutes, leicht verständliches Buch "The Wisdom in the Hebrew Alphabet" heraus. Der Autor ist Rabbi (Yechiel Aryeh) Michael L. Munk, dessen Vater, Rabbi Ezriel Munk, einst der Rabbiner der Adas Israel Gemeinde zu Berlin war. Im Jahre 1938 flüchtete Rabbi Michael Munk nach England und im Jahre 1941 kam er nach Boston und entging so dem Holocaust in Europa.

Der israelische Chabad - Rabbiner Yitzchak Ginzburgh dürfte ein Begriff sein. Nicht nur wegen seiner rechten politischen Äußerungen, sondern insbesondere aufgrund seiner kabbalistischen Vorträge, Bücher sowie seiner Website "Inner.Org".

G - tt erschuf unser Universum so, dass alles Kreierte seinen eigenen alleinigen Auftrag hat, etwas zu vollfüllen. Für jegliche Existenz hat G - tt einen Plan und wir alle wurden so erschaffen, dass wir in der Lage sind, diesen zu erfüllen. Jedes Tier, jeder Berg, alles wurde aus einem Grund erschaffen und es hat ebenso einen Grund, warum der Berg gerade da steht und nicht woanders. Oder warum wir diesen Eltern geboren worden sind und nicht anderen.

Nicht nur das jegliche Erschaffung eine physikalische Einheit bzw. sichtbar ist. Jeder noch so kleine Teil der Erschaffung besitzt darüber hinaus eine Seele, die wir nicht zu sehen in der Lage sind. Sei es der Mensch, das Tier, die Pflanze, ein Gegenstand, ein Stein oder was auch immer. ALLES besitzt eine Seele !
Die Kabbalah mag zwischen unterschiedlichen Seelenleveln unterscheiden und nur wir Menschen sind in der Lage unseren Level höher hinaus zu bringen. Ein Tier oder Gegenstand bleibt stets auf dem gleichen Level, denn eine Kuh verspürt sicherlich keinen Drang danach, sich spirituell (anhand von Thoramitzwot) auf einen höheren Level zu bewegen. Dazu wurde eine Kuh andererseits auch gar nicht erschaffen. Wir Menschen aber müssen sehen, dass wir unser Dasein nicht nur allein auf einen tierischen Instinkt (Level) gründen. Unsere Aufgabe besteht darin, uns vom Tier zu unterscheiden. Ansonsten hätten wir gleich alle als Tiere erschaffen werden können.

G - tt erschuf die Welt anhand von 10 Aussagen ("Und es werde Licht" …). Nicht, dass G - tt dastand und all diese Sätze ausrief. Vielmehr gibt uns die Thora gleich zu Beginn unzählige Metaphern zur Welterschaffung, welche der Interpretation bedürfen. Seine Aussagen während des Erschaffungsprozesses bezeugen den g - ttlichen Willen, wobei wir diesen wiederum nicht definieren können, denn das kann nur G - tt selber.
Was verstehen wir Menschen vom Willen G - ttes ?

Das hebräische Alphabet beinhaltet 22 Buchstaben und im Chassidismus besitzt jeder der Buchstaben seine eigene Energie (Koach), sein Eigenleben (Chayiot) sowie sein Licht (Or). In der Kabbalah sowie dem Chassidismus hängt alles immer irgendwie an einem Licht (Denken bzw. der Seele) und einer bestimmten individuellen damit verbundenen Funktion. Und so auch bei den hebräischen Buchstaben, die sozusagen mit den zehn Aussagen von G - tt ihre Existenz erlangten. Die Buchstaben wurden so zum "Rohmaterial" der Erschaffung unseres Universums. G - tt formte die Buchstaben zu einem Wort und kabbalistisch betrachtet kam dadurch Sein Wille in die Realität. Alle Buchstaben ergeben unendliche Variationen bzw. Kombinationen, wenn man sie vermischt. Das kabbalistische Buch "Sefer Yetzirah - The Book of Creation), welches Avraham als Autor zugeordnet wird, beschreibt, wie die Buchstaben bei der Welterschaffung benutzt bzw. welche Bedeutung sie gespielt haben. Hierbei zeigen die Buchstaben spirituelle Kräfte auf. Weiterhin bilden die hebräischen Buchstaben den Kern, die innere Bedeutung, eines Wortes. Oder deutlicher gesagt: Sie geben den DNA und geben den Charakter eines Objektes oder Lebewesens an.

Der erste Mensch Adam HaRishon besass vor seinem Vergehen im Paradies den allerhöchsten Seelenlevel, den ein Mensch jemals erlangen kann. Er wusste alles und war unsterblich. Zumindest solange, bis er und Chawa (Eva) ihre kleinen Sünden begingen und sich aufgrunddessen diverse hohe Seelenlevel verflüchtigten und die beiden, u.a., sterblich wurden. Es wird gesagt, dass Adam jedem einzelnen Tier im Paradies einen Namen gab. Den Namen der Rasse und keinen Privatnamen. Er sah ein Tier und nannte die Rasse gemäss seines inneren Charakters.

Die Chassidut Chabad sieht in jedem Lebewesen einen Funken des zukünftigen Meschiach. Einem Funken (in der Seele), der seine Aufgabe vollbringt und somit die Ge'ulah (Zeitalter des Meschiach) näher bringt. In der jüdischen Seele sei der Funke aktiv, denn anhand von Thoramitzwot bringen Juden das Zeitalter des Meschiach näher. Bei allen anderen Lebewesen sei der Funke eher in passiver Form zu finden, doch dennoch vorhanden.

Wir wissen, dass Adam Buchstabenkombinationen konstruierte und auf diese Weise den Tierarten ihre Namen gab. Aber auch Betzalel (zu Zeiten Moshes) war dieser Befähigung der Buchstabenkombinationen mächtig. Als er das Tabernakel (Mischkan) sowie sämtliche dafür erforderlichen Gegenstände baute, verwand er zu diesem Zweck geheime Buchstabenkombinationen. Er besass die Fähigkeit, Realität anhand eines Namen zu kennen. Ferner besassen König Salomon oder der Prophet Ezra die Fähigkeit dieser besonderen Buchstabenkombinationen. Salomon wurde zu G - ttes Partner in der Erschaffung als er den Ersten Tempel baute. Ezra gleichfalls als er den Zweiten Tempel aus den Ruinen des Ersten erstehen liess.

Buchstabenkombinationen werden in der Kabbalah allgemein "Zirufim" genannt und stehen für die spirituellen Kräfte, welcher G - tt im Erschaffungsprozess verwandte.

Die hebräischen Buchstaben zeugen also nicht nur von einer sprachlichen, sondern ebenso von einer spirituellen Bedeutung. Einem inneren spirituellen Charakter. In materieller Form bieten die Buchstaben eine Kommunikation, denn in dem Moment, in dem wir sie zu einem Wort verbinden, sind wir in der Lage mit anderen sowie mit G - tt zu kommunizieren. Jeder Buchstabe besitzt eine individuelle Form, eine Nummer sowie einen Namen.

In der hebräischen Sprache haben wir zwei Artikel:

HA = der, die, das

sowie

ET (ETT)

Für ET gibt es keinerlei Übersetzung, denn das Wort allein hat keine Bedeutung. Was es tut ist, einen bestimmten Gegenstand / Person auszuweisen und mehr nicht. ET zeigt etwas Bestimmtes an und nicht nur den Gegenstand oder die Person.
Ich glaube, es war David Ben Gurion, der sich weigerte, das Wort ET überhaupt zu verwenden. Er benutze keine Wörter, die nichts bedeuten.
Die Torah hingegen ist voll mit dem Wort ET:

"Bereshit bara E - lo - him ET HaShamayim ve ET HaAretz".
"Am Anfang (mit Weisheit) erschuf G - tt DEN Himmel und DIE Erde".

Wie wir sehen ist hier etwas ganz Bestimmtes gemeint bzw. es wird hervorgehoben. G - tt erschuf den Himmel (es gibt ja nur einen) sowie die Erde. Eine Midrasch besagt, dass das Wort ET für etwas Komplettes, Vollkommenes steht, denn es beinhaltet sämtliche 22 Buchstaben des hebräischen Alphabetes. Das Aleph (den ersten Buchstaben) sowie das Tav (den letzten Buchstaben).

Der Baal Shem Tov und sein Nachfolger, der Maggid von Mezritch (Rabbi Dov Baer Friedman) kommentierten ihrerzeit (im 18. Jahrhundert): "Wir alle suchen unsere Erschaffer, der sich da inmitten seiner Erschaffung verbirgt".

Montag, November 30, 2009

Ezra und seine zehn Festlegungen, Teil 2

B"H


Erläuterungen zu Bava Kamma 82


Insbesondere zwei Fragen kamen zum Artikel "Ezra und seine zehn Festlegungen" (siehe Talmud Traktat Bava Kamma 82a) auf.

Ezra und seine Zehn Festlegungen, Teil 1


Hier ein paar weitere Infos, die ich zusätzlich heraussuchte:


In Exodus (Sefer Schemot) 15:22 heißt es, dass nachdem die Israeliten das Rote Meer durchquerten, sie die Wildnis SHUR betraten. Shur ist ein Teil des Sinai. "Und sie gingen drei Tage lang in der Wildnis, aber fanden kein Wasser".


Die Prophetengenerationen nach Moshe sahen hier eine verborgene Aussage. Sobald "Wasser" erwähnt wird, ist nicht selten auch die Thora gemeint. "Thora" und "Wasser" sind beides lebensnotwendige Element. Deswegen wird im Judentum die Thora oftmals mit dem Wasser gleichgesetzt.


Wenn es nun in der obigen Aussage lautet, dass die Israeliten drei Tage lang durch die Wildnis wanderten und sie kein Wasser fanden, so bedeutet dies darüber hinaus, dass sie ebenso drei Tage lang ohne Thora waren. Die Gemara (rabbinische Diskussionen) im Talmud Traktat Kiddushin 30b lehrt, dass die Thora ein Lebenselexier ist. In der gleichen Gemara steht geschrieben, dass G - tt sagte, Er habe die Yetzer HaRah (negative Seite in uns) erschaffen. Als Gegenpart dazu habe Er die Thora erschaffen.
G - tt fährt fort in Seiner Ansprache zu Israel (dem jüdischen Volk): "Solange Ihr Euch mit der Thora beschäftigt, hat die negative Seite in Euch selbst keine Chance, die Macht über Euch zu gewinnen. Wenn Ihr keine Thora lernt, dann seid Ihr der Yetzer HaRah ausgeliefert".


Da sich die Israeliten im Sinai drei Tage lang nicht der Thora zuwendeten, erfolgte eine spirituelle Erschöpfung.
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Die zweite Frage bezüglich Ezra lautete, weshalb die zwei weiteren Thoralesungen mitten in der Woche ausgerechnet am Montag und am Donnerstag dazu ausersehen worden sind. Die Gemara in Bava Kamma 82a lässt uns wissen, dass diese beiden Thoralesungen an den jeweiligen Tagen schon vor Ezra existierten.


Warum aber am Donnerstag und am Montag ?


Die Tosafot, welche sich auf eine Midrasch in der Midrasch Tanchuma beziehen, besagen, dass Moshe an einem Donnerstag den Berg Sinai bestieg, um das zweite Paar Gesetzestafel (Luchot) in Empfang zu nehmen. Nachdem er das erste Paar zerbrach als er einige der Israeliten um das Goldene Kalb herumtanzen sah.
An einem Montag dann kam Moshe wieder herab und G - tt hatte den Israeliten verziehen. Deswegen heißt es, dass G - tt an donnerstagen sowie montagen besondere Güte den Menschen bzw. Juden gegenüber zeigt. Und aus diesem Grunde solle die Thoralesung innerhalb der Woche an genau diesen zwei Tagen stattfinden.



Wer sind / waren die TOSAFOT ?


Ein eher bekannterer Name für sie ist RISHONIM und ihre Ära begann, nachdem Raschi seine Kommentare verfasst hatte. "Tosafot" heißt übersetzt "Zusätze" und es handelt sich hierbei um mittelalterliche Talmudkommentare. Wenn wir heute eine Talmudseite betrachten, so sehen wir den eigentlichen Talmudtext in der Mitte und drumherum einen Raschi - Kommentar sowie die Tosafot.


Unter anderem werden Rabbi Asher ben Yechiel, Rabbi Israel von Bamberg, Rabbi Yehudah ben Natan (der Riban), Rabbi Simcha ben Samuel von Speyer oder Rabbi Me'ir von Rothenburg als Tosafisten genannt.




Aber auch der Maharal von Prag, Rabbi Yehudah Loew ben Bezalel, 1520 - 1609, schreibt in seinen "Chiddushei Aggadot" zum Talmud Bava Kamma einen betreffenden Kommentar (siehe Seite 12 - 13). Auch er bezieht sich auf die Tosafot und kommentiert, dass der Donnerstag und der Montag besondere Tage in Bezug auf das himmlische Gericht darstellen. Hierzu nennt der Maharal einen Passuk aus dem Talmud Traktat Schabbat 129b:
"An Montagen und Donnerstagen befinden sich das himmlische sowie das erdliche Gericht zusammen in einer Sitzung".


Laut des Talmud Traktates Rosh HaShana 16a wird eine Person täglich vom himmlischen Gericht gerichtet. Gemäss der Festlegungen des Ezra aber halten an donnerstagen sowie an montagen auch die erdlichen rabbinischen Gerichte (Batei Din) ihre Sitzungen ab. Von daher sollten an diesen beiden Tagen Gefahrensituationen vermieden werden. Bedeutet, man begebe ich nicht nur Fallschirmspringen etc. in unnötige Gefahr, denn das himmlische Gericht könnte gegen mich entscheiden. Somit kommt der Maharal zu der Überzeugung, dass an den beiden Tagen Thoralesungen genauso wie persönliches Fasten erfolgen können. Wer meint, er müsse einen Tag lang fasten, um einen privaten Tikun (Seelenkorrektur) durchzuführen, der solle dies vornehmlich an montagen oder donnerstagen tun.


Fazit: Die Midrasch Tanchuma gibt an, dass Moshe an einem Donnerstag den Berg Sinai bestieg und an einem Montag mit dem zweiten Paar Gesetzestafeln wieder herab kam. Folglich lässt an diesen beiden Wochentage G - tt mehr Gnade walten als an anderen, denn Moshe hatte keinen leichten Gang vor sich, G - tt um Verzeihung zu beten.


Berechnungen der Wochentage und gewisser Zeitperioden finden wir ebenso im Talmud !

Montag, Mai 25, 2009

"Megillath Ruth" - Zum Buch RUTH

B"H

Am Donnerstag abend beginnt Schavuot, ein biblisches Fest, an welchem die Juden am Berg Sinai die Thora erhielten. Unzählige Fakten kann man über Schavuot berichten. Viel Kabbalistisches, die Midrasch gibt was her, die Kommentatoren, die Thora selbst, aber auch der Talmud. Und aus dem Talmud sowohl als auch der Midrasch möchte ich einige Lehren zu Schavuot entnehmen und hoffe, die richtige Auswahl getroffen zu haben.

Am Freitag, dem eigentlichen Schavuot – Tag wird in den Synagogen das "Buch Ruth – Megillat Ruth" gelesen. Warum gerade Ruth ?

Weil sie eine Vorfahrin des König Davids war (ihr Sohn Oved war Davids Großvater) und dieser an Schavuot geboren wurde und ebenso verstarb. An Schavuot standen alle Israeliten am Berge Sinai und erhielten die Thora. Erst mit dem Erhalt der Thora wurden sie zu einem eigenen Volk und konvertierten mit der Annahme der Gesetze G – ttes zum Judentum. Ab dem Zeitpunkt handelte es sich bei ihnen um das Jüdische Volk.

Auch Ruth, die Moabiterin, konvertierte zum Judentum. Nicht so, wie dies heutzutage der Fall ist; mit Auswahlverfahren und Beit Din (rabbinischem Gericht). Ruth konvertierte einzig und allein durch ihren Satz, dass der G – tt ihrer Schwiegermutter Naomi auch der ihre ist. Ohne wenn und aber und mit allen Konsequenzen. Dadurch wird gerade Ruth als die perfekte Konvertitin gesehen.


Die "Megillat Ruth" beginnt mit dem Bericht, wie Elimelech, seine Frau Naomi und ihre zwei Söhne Machlon und Kiliyon die Stadt Bethlehem aufgrund einer verheerenden Hungersnot verliessen und ins Land Moav abwanderten. Im Talmud Traktat Bava Batra 91a wird in der Gemara (rabbinische Diskussionen) die Frage gestellt, wann man Israel verlassen darf, um woanders zu leben. Und wie fast jedesmal im Talmud erhalten wir gleich mehrere Interpretationen zugleich. Eine davon lautet, dass wir Israel nur verlassen dürfen, um woanders zu leben, wenn die Preise so drastisch angestiegen sind, dass ein hiesiges Überleben kaum mehr möglich ist. Eine andere Meinung lautet, dann, wenn es nichts mehr zu kaufen gibt. Dennoch, sollte es immer noch Weizen zu kaufen geben, besteht wiederum ein Bleibegrund.

Thora, Talmud sowie die jüdische Halacha legen äußersten Wert darauf, dass ein Jude in Israel lebt. Unter anderem, weil nur hier ein unbeschreiblich hoher Level der Seele (Neschama) erreicht werden kann, denn nur im Lande Israel ist es einem Juden möglich, alle Mitzwot einzuhalten. Viele Thoramitzwot gelten im Ausland nicht und zeigen nur in Israel Wirkung (z.B. Schemittah – das 7. Jahr, in welchem die Landwirtschaft brachliegt). Außerdem werden Gebete in Israel besser und schneller akzeptiert als jene aus der Diaspora, denn hier steigen die Gebete sofort zu G – tt hinauf und gehen nicht erst Umwege wie nach Israel und dann nach Jerusalem und dann zu G – tt. Und der Talmud sowie der erste aschkenazische Oberrabbiner Kook (Kuk) lehren, dass die Luft in Israel weise macht. Was heißt weise ? Hier sind wir einfach zu ganz anderen Leveln fähig, wohin gegen wir im Ausland immer irgendwelchen Blockaden unterliegen.

Der Kommentator Raschbam wirft einen interessanten Punkt ein.
Er nämlich sieht einen Juden, der Israel verläßt als jemanden, der sich bis zu einem gewissen Grad selbst von den Thoramitzwot entfernt, denn er kann ja nicht mehr alle Mitzwot erfüllen. Der Ramban (Nachmanides) hingegen zeigt mehr Verständnis für die "Abwanderer" und sagt, dass es erlaubt ist, Israel zu verlassen, denn man darf sich auf keinen Fall selbst ruinieren.

Die Gemara in Bava Batra fährt fort mit dem Tode der beiden Söhne Machlon und Kiliyon. Hier scheint es als erwiesen, dass Elimelech für seine Abwanderung bestraft wurde, indem seine Söhne verstarben. Und gemäß der Midrasch Rabbah war Elimelech nicht irgendjemand in Bethlehem gewesen, sondern ein angesehener wohlhabender Mann der Provinz. Der Grund, warum er sich entschloß, Israel zu verlassen, war keineswegs der Hunger. Vielmehr wollte er seinen Besitz zusammenhalten. Er befürchtete ganz einfach, dass nun alle Armen zu ihm kommen und herumbetteln. Da wanderte er doch lieber nach Moav ab. Die Midrasch betrachtet dieses Verhalten als den Grund für den frühen Tod seiner Söhne.

Die Midrasch Rabbah fährt fort mit der Beschreibung der Indentität der Schwestern Ruth und Orphah. Beide nämlich waren die Töchter des Moabiterkönigs Eglon, und Eglon wiederum war ein Nachfahre des Balak; jener, der in der Wüste die Israeliten verwünscht haben wollte.

Als Elimelech verstarb, wollte seine Witwe Naomi wieder in die Heimat, nach Bethlehem, zurückkehren. Ihre Schwiegertöchter Ruth und Orphah machten sich mit ihr auf den Weg und unterwegs bat Naomi die beiden wieder nach Moav zurüchzukehren. Orphah ging zurück und Ruth blieb bei Naomi. Es heißt, dass Orphah später einen Sohn mit dem Namen Goliath gebar. Jener Goliath der gegen König David kämpfte und unterlag, war eigentlich ein Verwandter Davids.

Aufgrund ihres Verhaltens verdiente sich Ruth eine Vorfahrin des Meschiach zu sein. Ausgerechnet eine Moabiterin, denn den männlichen Moabitern ist es in alle Ewigkeiten verboten in das Jüdische Volk einzuheiraten. Bei den Moabiterfrauen hingegen ist es erlaubt. Rabbi Mordechai Machlis warf in einem Schiur einmal die Frage auf, warum nicht König Saul (Sha'ul) zum Meschiach wurde. Vielleicht, so der Rabbi, muß selbst der Meschiach einige Leichen im Keller haben und Sha'ul war zu perfekt. Wir lernen also, dass nicht jeder, der so ungemein perfekt ist, auch immer in die erste Wahl kommt. Auch Leute mit einem nicht so tollen Background haben Chancen und das lernen wir von Ruth und David. Beide wurden zu Lebzeiten von den Juden verspottet. So war sie die Moabiterin und er kein richtiger Jude. Richtiger Jude schon, doch nicht laut dem Spott der Mitmenschen.

Es heißt, dass der Meschiach nach seiner Ankunft mit seinem einzigartigen Geruchssinn feststellen wird, wer tatsächlich Jude ist und wer nicht. Viele mögen überrascht sein, die Wahrheit zu erfahren. Manche, die so fest glaubten, so toll und perfekt zu sein, könnten sich am Ende ganz unerwartet woanders wiederfinden. Und nicht immer muß der Meschiach aus einer tollen Familie kommen oder ein großer chassidischer Rebbe sein. Vielleicht sollten wir auch einmal einen Blick auf die kleinen Leute werfen und nicht immer nur auf bekannte Persönlichkeiten. Die unbekannte Moabiterin Ruth hat uns dies gelehrt.

Mittwoch, Mai 20, 2009

Aggadot (Legenden, Erzählungen)

B"H

Aggadot (Singular: Aggadah) sind Legenden aus der Midrasch oder dem Talmud. Genau genommen bilden sie einen Teil der "Thora she Baal Peh - der mündlichen Gesetzesüberlieferung", welche für Juden genauso Gesetz ist, wie die geschriebene Thora (Thora she Bichtav). Aggadot bestehen aus Folklore, Anekdoten sowie praktischen Hilfestellungen.

Unzählige Leute machen immer wieder den gleichen Fehler: Nämlich die Thora, den Talmud, Midraschim oder Aggadot absolut wörtlich zu nehmen. Der Rambam (Maimonides, 1135 - 1204) hält dazu einen treffenden Kommentar bereit, den ich einmal hier in den Blog stelle.

Der Rambam nimmt die Gemara (rabbinische Überlieferung im Talmud) als Beispiel. Hierzu insbesondere jene Gemara, die sich mit der messianischen Zeit (die Zeit vor und während des Meschiach) befasst.
Hierbei unterteilt der Rambam die Menschen in drei Gruppen:

1. Die erste Gruppe (die größte zu Lebzeiten des Rambam) versteht jedes geschriebene Wort absolut wörtlich.

2. Die zweite Gruppe erhöht sich selbst zum Kritiker und meint so, die Weisen als ignorant und primitiv abzutun. Laut dem Rambam ist die zweite Gruppe noch dümmer als die erste.

3. In die dritte Kategorie gehören all jene, welche die Größe der Weisen zu würdigen wissen. Sie sind sich bewusst, dass es Textstellen gibt, die gegen die Natur sprechen. Nicht alle Darstellungen in der Aggadah sind, gemäss der Natur, tatsächlich realistisch. Vielmehr wird jenen Menschen bewusst, dass der verfasste Text eine ganz andere Botschaft enthält, die uns etwas lehren will. Gewisse Inhalte werden folglich nur als Metapher genutzt. Diese metaphorischen Konzepte gilt es zu finden und zu analysieren.

Was will uns das Konzept bzw. der Text wirklich mitteilen ?

Und genau die letzte Kategorie zeigt uns, wie wir eine Aggadah zu lesen, zu lernen und zu verstehen haben. Der Rambam führt als Beispiel die "Wiederauferstehung der Toten" sowie die "Kommende Welt" nach dem Eintreffen des Meschiach an. Können wir derlei talmudische Aussagen tatsächlich wörtlich nehmen ?
In seiner Mischna Thora (Hilchot Melachim 12:1) schreibt der Rambam, dass viele dieser talmudischen Lehren oder Lehren aus dem Tanach (Thora, Propheten, Schriften) mit eben jenen Aussagen erst dann richtig interpretiert werden können, wenn wir das alles realistisch erfahren. Heißt, wenn wir leibhaftig dabei sind.

Hierzu lautet es aus der Mischna Thora, Schoftim, Hilchot Melachim veMilchamot 12:1:

Man solle nicht erwarten, dass sich nach dem Eintreffen des Meschiach alles (die Welterschaffung bzw. Natur eingeschlossen) verändere. Wie es, unter anderem bei dem Propheten Jesaja (Yeshayahu) heißt, dass dann der Wolf mit dem Schaf lebt. Diese Aussage bedeutet vielmehr, dass Israel (die Juden) und die Völker leben, ohne sich zu bekämpfen. Der Gaon aus Vilna- der GRA (Rabbi Eliyahu ben Shlomo Zalman Kremer,1720 - 1797, Litauen) kommentiert zu dem Vers aus der Mischna Thora und betrachtet sogar den vom Propheten Yechezkel beschriebenen Krieg zwischen Gog und Magog als Metapher, wobei die eigentliche Bedeutung eine ganz andere ist. Mehr dazu führt der GRA in seinem Kommentar zum "Sifra D'Zniuta" (Teil des kabbalistischen ZOHAR mit Erklärungen zum 1. Buch Moses (Bereschit) an. Israel muss auf dem Wege zum Meschiach allerlei Leiden (z.B. Diaspora) durchlaufen. So wie die Israeliten in Ägypten. Der "Auszug aus Ägypten - Yetziat Mizraim" wird in rabbinischer Literatur mit der Zeit des Meschiach verglichen.

Rabbeinu Bachya (Rabbi Bachya ben Asher, verstarb im Jahre 1340 in Saragossa / Spanien) lehrte, dass die Welt nach der Wiederauferstehung der Toten in jenen Zustand zurückkehrt, in welchem sich die Welt vor dem Vergehen des Adam (im Paradies) befand.

All diese Beispiele sollen nur verdeutlichen, wie wichtig es ist, eine Aggadah sowie auch weitere Thoraliteratur zu lernen. Gründlich zu lernen, wenn es geht, mit einem erfahrenen Lehrer. Nicht jeder sollte ebenso mal kurz alles durchlesen und sich seine eigenen Interpretationen zusammenstricken.

Allein für das Verfassen dieses Textes benutzt ich den Talmud, die Mischna Thora, die Propheten, Kommentare zur Mischna Thora, kabbalistische Literatur sowie ein Lexikon, in dem bekannte Rabbiner aufgelistet sind. Nicht selten sitzt man an einem einzigen Wort der Interpretation einen halben Tag und hat zwanzig oder mehr Kommentare um sich liegen.

Montag, April 27, 2009

Parashat Acharei Mot - Kedoshim


Jüdische Pilger vor dem Zweiten Tempel in Jerusalem

B"H

Die Thoralesung für diesen Schabbat

Zu Beginn der Parashat "Acharei Mot" heißt es, dass G - tt nach dem Tode der zwei Söhne Aharons (Nadav und Avihu) zu Moshe sprach. In einer der vorherigen Parashot (Schemini) starben die zwei als sie ein fremdes Feuer im Kodesh HaKedoshim (dem Allerheiligsten) opfern wollten. In Acharei Mot wird Moshe von G - tt beauftragt, seinem Bruder Aharon auszurichten, dass er als Hohepriester (Kohen HaGadol) nicht zu jeder Zeit in das Allerheiligste (Kodesh HaKedoshim) treten darf, sondern nur am Yom Kippur (Versöhnungstag). Aber auch an diesem Tag darf der Kohen HaGadol (Hohepriester) nur zu einem bestimmten Zeitpunkt ins Allerheiligste treten. Nämlich dann, wenn er den Opferdienst ausführt (Sifra).

Sechs Wochen nachdem die Juden am Berg Sinai die Thora erhielten, bauten sie das Goldene Kalb. Moshe zerbrach die ersten Gesetzestafel, stieg nochmals auf den Berg Sinai, bat für die Juden um Vergebung und bekam ein zweites Paar Gesetzestafeln. Mit diesen kam er, nachdem G - tt den Juden vollkommen vergeben hatte, am 10. des jüdischen Monats Tishrei (gewöhnlich im Oktober) hinunter vom Berg Sinai. Somit wurde dieser Tag,Yom Kippur, zum höchsten jüdischen Feiertag. Jedes Jahr an Yom Kippur bitten wir G - tt für unsere Vergehen um Vergebung und bitten Ihn ebenso, uns in das "Buch des Lebens - Sefer HaChaim" einzuschreiben. G - tt schaut bei unseren Gebeten am Yom Kippur auf unsere Intension, in Zukunft keine Sünden mehr begehen zu wollen oder zumindest Versuche zu starten, alles besser zu machen. Er richtet uns nach dem Augenblick und schaut nicht in unsere Zukunft, in der wir voraussichtlich abermals sündigen werden. Es kommt allein auf unsere Absicht und Ernsthaftigkeit in unseren Gebeten am Yom Kippur an.

Woher wissen wir, dass G - tt oft Menschen nach gewissen Augenblicken richtet ? Auch dann, wenn sie sich in der Zukunft als Katastrophen für das Jüdische Volk erweisen könnten.

Die Midrasch verweist auf den berühmten Vorfall mit Ishmael, dem Sohn Hagars und Avrahams. Als Hagar mit Ishmael in der Wüste saß und er dem verdursten nahe war und weinte, wurde Hagar Wasser gezeigt. G - tt hatte Mitgefühl mit dem weinenden Kind, obwohl Er wusste, dass von Ishmael einmal die Araber abstammen werden, welche in der Zukunft eine ständige Bedrohung für die Juden darstellen.

Wenn wir den ersten Satz in Acharei Mot lesen, meinen wir, dass G - tt Moshe bzw. Aharon nach dem Tode Nadav und Avihus beauftragte, nicht zu jeder Zeit ins Allerheiligste zu treten, um nicht zu sterben wie die beiden Söhne.Die Gemara im Talmud Traktat Yoma 53a stellt jedoch eine andere These auf. Die Warnung nicht zu jeder Zeit einzutreten bekam Moshe schon vor dem Tod der beiden. Die Art der Strafe für das Vergehen wurde ihm aber erst nach deren Tod mitgeteilt. Woher wissen wir das, fragt die Gemara und antwortet: Daraus das der Satz "…mit einer Wolke werde Ich erscheinen" grammatikalisch in der Zukunftsform geschrieben steht. Als G - tt den Satz aussprach, war Er noch nicht in einer Wolke erschienen.

Im Judentum haben wir das Konzept der Teschuva, der Umkehr zu G-tt. Wie weit wir auch von unserem Level hinabgefallen sind und welche Vergehen wir begangen haben, es gibt immer eine Chance zur Reue und Umkehr (Baer Moshe). Chassidischer Literatur zufolge ist es manchmal besser in niedrigere Level hinabzufallen, um danach viel höher aufzusteigen. Wir müssen nur den niedrigen mit dem hohen Level verbinden und sind dann somit in der Lage wieder zu einem hohen Level aufzusteigen (der Baal Shem Tov sowie sein Schüler und späterer Nachfolger Rabbi Dov Baer, der Maggid von Mezritch).

Was hiermit jedoch nicht gemeint ist und viele leider mißinterpretieren ist, dass ich mich nicht absichtlich in niedrigere Level fallen lassen. Sprich, Vergehen mit Absicht begehen, um hinterher zu bereuen und folglich in hohe Level aufzusteigen. Dieses war eines der wichtigen Konzepte des Schabtai Zvi, der da zum Islam konvertierte, nur um sich fallen zu lassen und hinterher höher aufzusteigen. In Wahrheit wurde Schabtai Zvi vor die Wahl gestellt zum Islam zu konvertieren oder hingerichtet zu werden. Aus Angst zog er den Islam vor und behauptete später alles mit Bedacht getan zu haben. Dieses idiotischen Handels wurden später die Chassidism beschuldigt, denn litvische Juden sahen in ihnen die Verhaltensmuster des G - tteslästerers Schabtai Zvi.

Der Kohen HaGadol (Hohepriester) erhält den Auftrag, seinen Service am Yom Kippur nur in weisser Leinenkleidung durchzuführen. An anderen Tagen trägt er dazu seine "Bigdei Zahav - seine goldenen Kleidungsstücke". Die Farbe weiß am Yom Kippur repräsentiert die Vergebung. Zum Thema Kleidung schreibt der Gründer der chassidischen Gruppe Toldot Aharon, Rebbe Aharon Roth, dass anständige Kleidung den Menschen vor Vergehen bewahrt, denn die Kleidung erinnert ihn immer daran, wer er ist.

Die Thora fährt fort mit einer ausführlichen Beschreibung des Yom Kippur Services. Ein wichtiger Teil war die Auslosung der zwei männlichen Ziegen. Die Auslosung nahm der Hohepriester vor und es wurde entschieden welche Ziege G - tt geopfert wurde und welche zum Azalzel, in die Wüste geschickt wurde. Übrigens stammt daher der Ausdruck "Sündenbock". Rabbi Samson Raphael Hirsch betrachtet die zwei männlichen Ziegen als eine Metaphor für das Jüdische Volk. Jeder von uns hat die freie Wahl G - tt zu dienen oder auch nicht. Wenn wir G - ttes Willen erfüllen, kommen wir metaphorisch gesehen in das Allerheiligste. Die Entscheidung, unseren eigenen Interessen zu folgen, hat dagegen keinen Platz im Allerheiligsten.

Aus dem Vorfall mit Nadav und Avihu lernen wir, wie gewissenhaft wir die Gesetze einhalten müssen, um keinen Schaden zu erleiden. Wir können nicht einfach eigene Initiativen entwickeln, sondern müssen das tun, was uns aufgetragen wurde, denn nur so können wir eine Perfektion (Schlemut) erreichen (Rabbi Samson Raphael Hirsch). Der Mensch sollte immer danach streben, seinen ihm gegebenen freien Willen positiv einzusetzen.

Jeder von macht die Erfahrung, dass er am Yom Kippur ernsthaft beabsichtigt, sich zu bessern. Realität ist, dass wir spätestens beim Neilah - Service am Ende ständig auf die Uhr schauen, wann es denn jetzt endlich etwas zu essen gibt. Dann wird Havdalah gemacht und alles stürzt sich aufs Essen. Unser Verhalten ist nur allzu menschlich.

Zum Schluss noch eine Story aus der Gemara im Talmud Sanhedrin 101a, 102b und 103a. Dort wird uns von dem bösartige König Menasche, Sohn des König Chizkiyahu, erzählt, der es zum Schluß doch noch schaffte, einen Platz in der kommenden Welt (Olam Habah) zu bekommen.

Menasche war 12 Jahre alt als er König wurde und regierte 55 Jahre lang in Jerusalem. Sein Vater Chizkiyahu war g - ttesfürchtig und hielt die Gebote ein (er hatte den Level vom Meschiach), doch sein Sohn Menasche war das genaue Gegenteil und betete Götzen an. Erst als die Assyrer Menasche gefangennahmen und nach Babylon brachten, begann er zu G - tt zu beten. G - tt erhörte seine Gebete und brachte ihn zurück nach Jerusalem.
Laut Midrasch Devarim Rabbah waren die Engel bei Menasches Tod dagegen, ihn aufgrund all seiner Sünden in die kommenden Welt (Olam Habah) zu lassen, doch G - tt vergab ihm, da Menasche ernsthafte Reue gezeigt hatte und ließ ihn doch noch ein. Dem Talmudkommentator Yad Ramah zufolge sah G - tt, dass König Menasche niemals Olam Habah erreicht, sollte er streng gerichtet werden. Da aber Menasches Gebete ernst gemeint waren, ließ G-tt Gnade vor Recht ergehen. Auch wir sollten daher niemals aufgeben.

In Paraschat Kedoschim erhalten wir wichtige Verhaltensregeln für unser tägliches Leben. Den Schabbat einhalten, Vater und Mutter ehren, nicht stehlen, nicht lügen und betrügen, nicht G - tes Namen missbrauchen, in Israel keine Früchte von Bäumen essen, die jünger als drei Jahre alt sind, kein Blut essen, keinen Ehebruch begehen und vor allem keinen Götzendienst begehen. G - tt will, dass wir Juden uns von anderen Völkern unterscheiden und gab uns deswegen die Thora mit ihren Gesetzen. Unsere Aufgabe ist es, dass wir mit der Einhaltung Seiner Gesetze anderen Völkern als Beispiel dienen. Die Thoragesetze wurden den Juden von G – tt gegeben, damit sie sich durch eine hohe Moral von den anderen Völkern unterscheiden. Durch ein bestimmtes Sozialverhalten, Charaktereigenschaften oder einer Fähigkeit zu vergeben. Ein Weg, G – tt näher zu kommen ist, Seine Thoragesetze zu erfüllen. Dies gilt für Juden genauso wie für Nichtjuden. Letztere sind an die "Sieben Mitzwot der Noachiden" gebunden und wenn sie diese einhalten, dann finden auch Nichtjuden einen Platz in der "Kommenden Welt (Olam HaBah)". Niemand ist ausgeschlossen, wenn er denn nur die für ihn individuell bestehenden Gesetze einhält.

Aber trotz allem guten Willen, all diese Gesetze erscheinen oft einfach zuviel des Guten. All diese Kleinigkeiten und wie soll man denn ewig an all das denken ? Das geht einem doch irgendwann furchtbar auf den Geist und wieso kann ich nicht wie alle anderen auch leben ?

Rabbi Samson Raphael Hirsch gibt Antworten, die eine nähere Betrachtung wert sind. Zu denken gibt es einem allemal. Zuerst einmal sollte man wissen, dass G – tt uns all die Gesetze gab, um auch unseren freien Willen zu testen. Wir Menschen verfügen über einen freien Willen und sind nicht an unseren Instinkt gebunden wie die Tiere. Um es einmal kabbalistisch zu sagen, besitzen wir ebenso die Fähigkeit, uns zu perfektionieren. Kein anderes Lebewesen kann dies tun, außer uns. Perfektionieren bedeutet, dass ich mich auf einen höheren Level begebe und ich tue dies, indem ich G - ttes Thoragesetze erfülle. Dieses ist, außer dem Gebet, die einzige Möglichkeit, G – tt näher zu kommen.

Aber nicht nur körperlich bringe ich mich auf einen hohen Level (z.B. durch die Einhaltung der Kaschrut – Koschergesetze). Auch seelenmäßig erhöht sich der Level und dieses ist der eigentliche Zweck unseres Daseins. Wie ein Tier besitzen wir eine "Nefesch – tierische Seele und gleichzeitig niedrigster Seelenlevel). Handele ich nur nach Instinkt um meine Bedürfnisse zu befriedigen ? Anhand meines freien Willen jedoch kann ich es zu viel mehr bringen und mich auf höhere Seelenlevel katapultieren (z.B. auf den Level "Ruach" oder "Neschama"). Dies gilt natürlich nur, wenn ich bereit bin, meinen freien Willen positiv zu nutzen.

In dieser Paraschat Kedoschim (Vayikra 19:15) steht geschrieben, dass ein Richter die Angeklagten gerecht richten solle. Viele Thorakommentatoren jedoch beziehen diese Aussage nicht nur auf die Richter, sondern auf uns alle. Jeder einzelne von uns soll den anderen gerecht richten. "Giving the benefit of a doubt" oder in Hebräisch "Kav S'chut" – so lautet das Konzept, welches so oft zitiert wird. Wie gehen wir mit den Mitmenschen um ? Gerade zu meiner Zeit in Deutschland fiel mit besonders auf, dass die Mehrheit meiner Umgebung die Mitmenschen schon von Weitem vorverurteilte. Welche Klamotten hat jemand an ? Teuer oder billig ? Welchen Beruf übt derjenige aus oder welchen Wagen fährt er ? In Israel ist diese Verhaltensart etwas weniger verbreitet. Zumindest in Jerusalem.

Für all das, was ein Mensch tut, gibt es einen Grund. Und falls sich ein Freund einmal verspätet, muß dies nicht immer seine schuld sein. Bei jedem Vorfall sollte man erst einmal herausfinden, was der Grund war. Manchmal erweckt etwas von außen betrachtet den falschen Anschein und es ist immer besser nachzufragen und den, anstatt sofort loszuschreien. "Kaf S'chut – einen Zweifel einräumen, bis der Grund geklärt ist". Zuviele Leute schauen immer nur auf die Fehler anderer, anstatt in jedem Menschen etwas Positives zu finden. Anstatt uns ständig nur über das Verhalten anderer aufzuregen, sollten wir in ihnen lieber die positiven Aspekte suchen, was uns folglich zu mehr innerer Zufriedenheit führen kann.
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Ebenso finden wir Parashat Kedoshim die Mitzwah, dass man einen Bediensteten nicht um seinen Lohn bringen soll. Dazu ein Beispiel aus dem Talmud:

Der Talmud Bava Metzia Seite 110 - 112 lehrt uns, dass Löhne pünktlich gezahlt werden müssen. Sobald dieses Thema aufkommt, werde ich sofort an eine Story mit Rabbi Akiva erinnert.

Die Story heißt "Der besondere Arbeiter"und berichtet von einem jüdischen Arbeiter aus Galiläa in Nordisrael, der sich für drei Jahre an einen Gutsherren verpflichtet hatte. Nach Ablauf der drei Jahre, einen Tag vor Yom Kippur, verlangte der Arbeiter seinen Lohn, um danach zu seiner Familie zurückzukehren. Der Gutsherr sagte, dass er kein Geld habe. Daraufhin verlangte der Arbeiter seinen Lohn in Obst. Obst habe ich auch keines, entgegnete der Gutsherr. Bezahle mich mit Land. Land habe ich auch keines. Bezahle mich mit Decken und Kissen. Das habe ich auch nicht. Der Arbeiter kehrte unverrichteter Dinge heim in den Norden.

Nach Sukkot reiste der Gutsherr den ganzen Weg hinauf zum Haus seines ehemaligen Arbeiters. Er bezahlte ihn reichlich mit Geld und Lebensmitteln. Als er den Arbeiter fragte, was dieser gedacht hatte, als er keinen Lohn bekam, antwortete der: "Ich dachte, dass du kein Bargeld und dein Land verpachtet hast."Genauso war es, sagte der Gutsherr. Doch ich schwor mir, dass, sobald ich das Geld habe, ich dir deinen Lohn zahlen werde.

Es heißt, dass der Arbeiter Rabbi Akiva und der Gutsherr Rabbi Eliezer Ben Hyrcanus waren. Wir lernen von Rabbi Akiva, dass alles was G - tt macht, zum Guten ist und das man jedem Menschen eine Chance geben sollte. Rabbi Akiva sah das unbekannte Potential welches in den Menschen steckt. Später wurde er einer der grössten Rabbiner.

Nichtsdestotrotz, nicht jeder ist so wie diese zwei berühmten Rabbis. Es ist ein biblisches Gebot, dass ein Arbeiter pünktlich bezahlt werden muss. Die Mischna in Bava Metzia 111a lehrt uns, dass es verboten ist, die Lohnauszahlung zu verschieben, wenn ein Arbeiter zuvor seinen Lohn verlangte. Die Gemara in 112a, fährt fort: Bestehle keinen Armen.
Der Arbeitgeber muss die Löhne pünktlich zahlen, da das Leben seines Arbeitnehmers davon abhängt. Wer die Lohnauszahlung verschiebt, wird angesehen als habe er das Leben des Arbeitnehmers genommen.
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Rabbi Akiva: ermordet von den Römern im Jahre 135 CE. Er war einer der grössten Gelehrten der Mischna.
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Eine immens lange und gleichzeitig frühzeitige Veröffentlichung der dieswöchigen Thoralesung am Schabbat. Morgen abend (Dienstag) einschliesslich Mittwoch ist Feiertag (Unabhängigkeitstag) und das ist der Grund, warum ich die Parasha schon heute in den Blog stelle. Außerdem spreche ich viele Punkte an, die erst einmal verdaut werden müssen.

Chag Sameach - Einen schönen Feiertag und vorab, wenn auch etwas verfrüht, Schabbat Schalom