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Sonntag, November 04, 2012

Parashat Vayera - פרשת וירא


Das Überbleibsel von Sodom (Sdom): Salz

B"H


Die Thoralesung für diesen Schabbat

Die ersten Worte der Thoraparasha beschreiben uns, wie Avraham in der Wüste vor seinem Zelt sitzt und nach vorbeikommenden Reisenden Ausschau hält, die er zum Essen einladen will. Avraham war die Verkörperung von "Chesed - Güte" und er schon zu seiner Zeit war er berühmt, dafür, wildfremde Menschen in sein Zelt zum Essen einzuladen. Persönlichen Dank verlangte er nie, sondern einzig und allein, daß die Gäste nach dem Mahl dem einzigen alleinigen G - tt danken. 

"Und G - tt erschien (Vayera) dem Avraham …" 

Raschi erklärt hierzu, daß G - tt den Avraham nach dessen Beschneidung "besuchen" wollte. Es handelte sich um den dritten Tag nach der Beschneidung und G - tt rief eine große Hitzewelle hervor, welche Reisende abhalten sollte, um so Avraham eine Ruhepause zu gönnen. Avraham dagegen hielt eifrig Ausschau und ließ sich selbst von den Schmerzen der Beschneidung nicht davon abhalten, Gäste bewirten zu wollen (Talmud Bava Metzia 86b). Schon aus den ersten Worten dieser Parasha lernen wir, wie wichtig Krankenbesuche sind, denn G - tt schaute "persönlich" bei Avraham vorbei. 

Kurz darauf stehen drei Fremde vor Avraham und dieser springt sogleich auf und lädt sie zum Essen ein, ohne allerdings zu ahnen, daß es sich bei ihnen um Engel handelt.
Danach beauftragt er seine Frau Sarah Essen zuzubereiten und kurz darauf hört Sarah einen der Engel sagen, daß sie demnächst einen Sohn zur Welt bringen wird. Sarah befand sich damals im stolzen Alter von 90 Jahren und lachte über die Bemerkung des Engels. Wenig später teilt G - tt Avraham von seiner Absicht mit, die Stadt Sodom sowie einige weitere Städte in der Gegend zerstören zu wollen und die Engel machen sie auf den Weg. 

Soweit die ersten Handlungen in der Parashat Vayera. 

Der Ramban (Nachmanides 1194 - 1270) bringt einen grandiosen Kommentar zu dem Geschehen und stützt sich dabei auf das Buch "Moreh Nevuchim - The Guide for the Perplexed " des Rambam (Maimonides, 1135 - 1204)). Die genaue Quellenangabe lautet: Moreh Nevuchim 2:41 - 42. 

Der Ramban stellt fest, daß wenn die Erklärungen des Rambam richtig sind, alle Handlungen (die drei Engel kommen zu Avraham, Sarah backt und lacht) niemals real stattgefunden haben (ebenso der Kommentar des Ohr HaChaim).
Wenn wir lesen "Vayera elav HaShem…" bedeutet dies, daß sich G - tt natürlich nicht in einer Form oder Gestalt dem Avraham zeigte (G - tt hat weder Form noch Gestalt), sondern, dss Er ihm (Avraham) in einer Vision erschien. 

Im zweiten Buch des "Guide for the Perplexed" beschreibt der Rambam ausführlich seine Meinungen zu jeglicher Art von Prophezeihung. Und nachdem Avraham beschnitten und somit einen Bund mit G - tt eingegangen war, unterlag er von nun an einer höheren Art von Prophezeihung als zuvor. Zuerst hatte Avraham "verschwommene" Visionen, welche mit einem Vorhang zu vergleichen sind. Wir sehen etwas, doch Einzelheiten bleiben mehr oder weniger verborgen. Nach der Beschneidung allerdings war Avraham auf einem wesentlich anderen Level und somit gab es für ihn klare Prophezeihungen. 

Eine interessante These, welche der Ramban da aufstellt. Oberflächlich betrachtet ist es unerheblich, ob Avraham die Handlungen nur in einer Vision erlebte oder ob sie tatsächlich real stattgefunden haben. Weitere Thorakommentatoren sehen die Handlungen als sehr real an. Allein schon aus dem Grund, daß als Sarah die Bemerkung des Engels hörte, sie werde trotz ihrer 90 Jahre demnächst einen Sohn (Yitzchak) gebären lachte, sie sarkastisch vor sich hin sagte, daß dieses ja wohl unmöglich sei, denn ihr Mann (Avraham) sei viel zu alt. 

Und nun achtet einmal alle auf den genauen Text in der Thora. 

Sie sagte, ihr Gatte sei zu alt. 

Als jedoch gleich darauf G - tt Avraham berichtet, daß Sarah lachte, sehen wir plötzlich eine ganz andere Wiedergabe des Geschehens. G - tt sagt nämlich zu Avraham: "Warum lachte Sarah und sagte - soll ich (Sarah) wirklich gebären, wo ich doch viel zu alt bin" ? 

Sarah aber sagte niemals, daß sie zu alt sei, sondern ihr Gatte. 

Die Frage ist: Wieso stellt G - tt den Inhalt von Sarahs Worten anders dar als er mit Avraham spricht ? 

Die Gemara im Talmud Bava Metzia 87a erklärt warum und stellt damit ein äußerst wichtiges und zugleich höchst kompliziertes Konzept im Judentum auf. Hätte G - tt dem Avraham die exakten Sätze Sarahs zitiert, dann hätte dies einen Streit zwischen Sarah und ihrem Gatten hervorrufen können. Um den Familienfrieden zu erhalten, benutzt G - tt sozusagen eine "Notlüge". 

Manchmal ist es wichtig, Familienmitgliedern oder guten Freunden nicht immer die direkte Wahrheit zu sagen, um keine Feindschaften zu schüren. Wann jedoch diese Fälle genau eintreten, ist sehr schwer zu erklären. Nicht jede "Notlüge" kann mit dem Konzept aus Bava Metzia gerechtfertigt werden. Kauft, zum Beispiel, eine Frau ein neues Kleid und der Gatte findet es total häßlich, dann sollte er seiner Frau nicht unbedingt direkt sagen, was sie denn da für einen häßlichen Fetzen gekauft habe. Um den Familienfrieden zu erhalten, sollte der Mann zurückhaltender sein, um die Gefühle der Frau nicht zu verletzen. 

Dieses komplizierte Konzept finden wir noch anderswo; nämlich bezüglich der "Laschon HaRah - des Gerüchteverbreitens und des Klatsches über andere". Ein berühmtes Beispiel finden wir im Buch Micha (Propheten), indem Yaakov EMET (Wahrheit) zugeschrieben wird. Aber sagte Yaakov wirklich immer die Wahrheit ?
Auch hier handelt es sich um komplizierte Zusammenhänge in Fällen, wo man eine Art von "Laschon HaRah" benutzen MUSS, um positive Ergebnisse zu verursachen. Aber wie gesagt, diese Konzepte sind höchst kompliziert und man sollte sich allgemein davor hüten, bestimmte Verhaltensweisen damit zu rechtfertigen. 

Die drei Männer, die Avraham erschienen, werden von den Kommentatoren als Engel dargestellt. Der Talmud Traktat Bava Metzia 86b nennt uns die Namen der drei Engel: Michael, Gabriel und Raphael. Und jeder der Drei hatte eine bestimmte Aufgabe in unserer Welt zu verrichten, denn niemals kommt ein Engel allein mit zwei Missionen (Midrash Rabbah). Jeder Engel führt seine individuelle Aufgabe aus und zieht sich danach zurück. So war es die Aufgabe Michaels, Sarah wissen zu lassen, daß sie ein Kind bekommen wird. Raphael kam, um Avraham zu heilen und Gabriel sollte Sodom zerstören. 

In der Midrash Rabbah fragt der Kommentator Etz Yosef, warum denn die Thora nicht die Namen der Engel nenne ? 

Laut dem berühmten talmudischen Rabbi Reish Lakish haben die Engel gar keine Namen. Der Etz Yosef fährt fort, daß die Namen gewisser Monate sowie Engel erst im babylonischen Exil entwickelt worden sind. So werden Michael und Gabriel im Buch des Daniel genannt und Raphael ist im Buch Tobi (Tovi) erwähnt. 

Noch heute verwenden wir den Ausdruck: "Wie Sodom und Gomorrha" ohne uns jedoch über die wahren Geschehnisse in der Gegend im klaren zu sein. Die Gegend am Toten Meer war damals keine Wüste, sondern ein blühendes fruchtbares Land. Auch das Tote Meer selbst gab es noch gar nicht, sondern es handelte sich geographisch um das Tal der Schedim, indem die Könige gegen Avraham kämpften (siehe die vorherige Parashat Lech Lecha). Erst nach der Zerstörung Sodoms wurde die Gegend eine Wüste in der nichts wächst. 

Die Bewohner Sodoms waren reich und wollte alles, nur keine armen Durchreisenden. Sie taten alles um zu verhindern, daß sich Leute unter ihrer Würde in der Stadt niederließen und brachten auch schonmal den ein oder anderen Reisenden um. Gastfreundschaft oder jegliches Mitleid waren gesetzlich verboten und so wurde eine Tochter Lot's, die einem Armen Essen reichte, zum Tode verurteilt. Sie wurde von oben bis unten mit Honig beschmiert und dann auf einem Dach plaziert. Unnötig zu erwähnen, daß sie von einem Bienenschwarm erstochen wurde (Talmud Sanhedrin 109b). G - tt hörte den Aufschrei der Frau und das Schicksal Sodoms war besiegelt. 

Aber warum gerade Sodom ? Gab es nicht überall auf der Welt solche Vergehen ? 

Die Begründung liegt darin, daß Sodom sich im Heiligen Land befand und nicht außerhalb. Und für das heilige Land ist G - tt allein verantwortlich. 

Zum Schluß erfahren wir von der Akeidat Yitzchak - der Opferung des Yitzchak auf dem Tempelberg (Har Ha'Moriah). Sarah und Avraham hatten einen gemeinsamen Sohn, den Yitzchak. Den 13 Jahre älteren Sohn Ishmael hatte Avraham mit seiner Konkubine Hagar, einer ägyptischen Prinzessin. 

Das kabbalistische Buch Zohar lehrt, daß Ishmael vor der Beschneidung Avrahams geboren wurde und dieser schon in seiner Kindheit dem Götzendienst seiner Mutter Hagar folgte. Wie schon erwähnt erreichte Avraham erst nach seiner Beschneidung einen besonders hohen Level und G - ttes Anwesenheit (Schechinah) lag immer auf ihm. Kabbalistisch gesehen ist Yitzchak damit höher als Ishmael, denn Sarah ist seine Mutter und er wurde erst nach der Beschneidung geboren. Außerdem war sein Charakter anders als der des Ishmael und somit wurde Yitzchak zum von G - tt auserwählten Erbe Avrahams. Zu erwähnen bleibt, daß Ishmael wesentlich später in seinem Leben Teshuvah machte und zu G - tt zurückkehrte. 

Die berühmte Frage lautet, warum G - tt Avraham damit testete, seinen geliebten Sohn zu opfern. Hierzu hat Rabbi Kook einen erstaunlichen Kommentar:
Avraham führte den Monothoismus wieder ein und damit bekam der Götzendienst der Mitmenschen eine gegengesteuerte Kraft. Kann der Monothoismus die gleiche religiöse Euphorie hervorrufen wie der Götzendienst ? Mit seiner uneingeschränkten Bereitwilligkeit G - tt zu dienen, bewies Avraham das dem so ist.

Sonntag, Oktober 21, 2012

Warum wurde DER KUZARI in arabischer Sprache verfasst ?

B"H

Ich kann an dieser Stelle nur für Israel sprechen und nicht für europäisch – jüdische Lehrangebote. Zumindest an israelischen Yeshivot (jüd. Lerninstitute) genau so wie in unzähligen orthodoxen landesweiten Kursen nimmt das Buch DER KUZARI von Rabbi Yehudah HaLevi ein weites Spektrum ein.

Der große spanische Rabbiner und Philosoph Yehudah HaLevi, welcher ca. 1075 geboren und gegen 1141 nahe Jerusalem ermordet wurde, verfasste sein Buch in arabischer Sprache. Einige Jahre später wurde der Inhalt von Yehudah ibn Tivon ins Hebräische übersetzt. Eine Übersetzung, welche Wort für Wort erfolgte und nicht mit eigenen Interpretationen gespickt ist, wie dies bei anderen Übersetzungen der Fall ist. 



Meine, von Ibn Tivon, übersetzte KUZARI Ausgabe

Photo: Miriam Woelke
 

Warum jedoch schrieb Rabbi Yehudah HaLevi sein Buch gerade in arabischer Sprache ? Womit er übrigens nicht allein stand, denn der spanische Rabbiner Maimonides, Rabbi Moshe ben Maimon (auch bekannt unter der Abkürzung RAMBAM), 1135 – 1204, verfasste seine Schriften in arabischer Sprache. Beide Rabbiner jedoch zitierten die Gemara (rabbinische Diskussionen des Talmud) in der Originalsprache Hebräisch. 

Das Spanien des frühen Mittelalters war muslimisch und somit war auch die Landessprache arabisch. DER KUZARI besteht vorweglich aus den Fragen des Königs der Khazaren an einen Moslem, einen Juden, einem Christen und einen Philosophen. Wer von ihnen ist in der Lage, seine Religion / Weltanschauung am glaubhaftesten darzulegen. Am Ende gewinnt der Jude und das Volk der Khazaren konvertiert zum Judentum. Eine offenbar reale historische Begebenheit, doch die im KUZARI beschriebene Diskussion wurde wahrscheinlich von Rabbi Yehudah HaLevi frei erfunden. 

Insbesondere diente der Buchinhalt dem Zweck, dem spanischen Judentum Fragen in Bezug auf das eigene Judentum zu erläutern. Gerade zu der Zeit befassten sich viele spanische Juden mit der griechischen sowie arabischen Philosophie und Rabbi Yehudahs Absicht lag darin, spanischen Juden klarzumachen, dass die so logisch klingenden philosophischen Darstellungen nicht unbedingt mit dem Judentum vereinbar sind. Einige Zeit später stellte auch der Rambam die Philosophie des Aristoteles denen des Judentum gegenüber, wobei Rambam aus seiner teilweise Verehrung des Aristoteles nicht immer einen Hehl machte, diesem jedoch oftmals immense widersprach. DER KUZARI richtete sich also an die spanischen Juden des 12. Jahrhunderts und deswegen wurde das Buch in der damaligen Landessprache geschrieben.

Freitag, August 24, 2012

Parashat SCHOFTIM - פרשת שופטים


 Die wiedererbaute HURVA - Synagoge in der Jerusalemer Altstadt

Photo: Miriam Woelke
B"H

Die Thoralesung an diesem Schabbat

In Schoftim werden wir angewiesen, Schoftim (Richter) und Schotrim (Exekutive, Polizisten) zu ernennen. Die Richter sollen über die Vergehen gegen die Halacha richten und die Aufgabe der Schotrim ist es, die Ausführung der Strafe zu überwachen. Nur ehrliche und aufrichtige Richter garantieren die Sicherheit Israels im eigenen Land (Raschi und Sifre). Unter normalen Bedingungen beschützt G - tt die Juden mit all Seiner Macht vor Strafen. Selbst dann, wenn die Juden dessen unwürdig erscheinen. Aber solange Israel aufrichtige Richter hat, die ernsthaft und gemäß der Halacha und der Thora richten, ist die Schechinah (G - ttes Anwesenheit) immer präsent. Sobald die Richter jedoch durch Korruption glänzen sollten, entfernt sich G - ttes Schechinah und die Juden sind Seinem strengen Gericht ausgeliefert (siehe Gemara im Traktat Shabbat 139a und den Kommentar Iyun Yaakov). 

Laut einer Gemara im Talmud Traktat Shabbat 10a werden Richter als Partner G - ttes in der Welterschaffung gesehen. Rabbeinu Perachya erklärt uns diese Aussage näher: Diebe und Plünderer tragen zur Zerstörung der Welt bei. Aufgrund dieser Vergehen wurde die Welt schon einmal zerstört, nämlich zur Zeit Noachs (siehe Talmud Sanhedrin 108). Nur ein gerechter Richter, der gestohlene Beute wieder an ihren ursprünglichen Eigentümer zurückgibt, trägt zur weiteren Existenz der Welt bei. So gesehen ist er ein Partner G - ttes. 

Rabbi Yaakov Yosef von Polonoye (der Lieblingsschüler des Baal Shem Tov) sagt, dass alle Mitzwot (Gesetze) der Thora für alle Ewigkeiten Gültigkeit besitzen. Dies betrifft auch die Schoftim und Schotrim. Bis heute haben wir Batei Din, rabbinische Gerichte, mit drei Rabbinern, die über die Ausführung der jüdischen Gesetze (Halacha) entscheiden. 

G - tt befahl den Juden an jedem der folgenden Feiertage nach Jerusalem zu kommen: An Pessach, Shavuot (Wochenfest) und an Sukkot (Laubhüttenfest). Zu Tempelzeiten kamen Tausende Juden, aber auch Nichtjuden, nach Jerusalem und brachten Tempelopfer dar. Nicht selten kam es vor, dass die Angereisten dem Sanhedrin (Richterausschuß im Tempel) halachische Probleme und Fragen vortrugen, welche das Beit Din (rabbinisches Gericht) in ihrem Heimatort nicht lösen konnte. Hierbei handelte es sich um äußerst komplizierte Fragen, auf die nur die Sanhedrin spezialisiert waren (Rabbeinu Bachya). 

Hierzu ein Vergleich aus der Gemara im Talmud Traktat Sanhedrin 87a, in der es heißt das der Tempelberg zu Jerusalem (zusammen mit dem Tempel) der höchste Punkt in ganz Israel sei. Der berühmte Thora - und Talmudkommentator Raschi erklärt uns, wie die Aussage der Gemara zu verstehen ist. Bei dem höchsten Punkt handele es sich nicht um eine geographische Angabe, sondern vielmehr um die Tatsache, dass das Jerusalemer Gericht, der Sanhedrin, alle anderen Gerichte im Land übertrifft und somit die höchste Instanz darstellt. 

Immer wieder aufs Neue höre ich die Frage, warum immer alles so strikt nach der Halacha ablaufen muß und wieso soviele Rabbiner darüber entscheiden. Es stehe doch eh alles in der Thora und G - tt hat entschieden. Sind nicht die ganzen rabbinischen Regelungen gegen die Thora und somit auch gegen G - tt ? Ist das nicht alles zuviel ? 

In Sefer Shemot, dem Buch Exodus, 23:2, heißt es, dass viele Gesetzesauslegungen der Mehrheit zufolge entschieden werden sollen (siehe Talmud Bava Metzia 59b). Im Klartext bedeutet dies, dass bei Unklarheiten und je nach Problemfall die Mehrheit der Rabbiner über eine Lösung entscheiden müssen. Bei der Mehrheit handelt es sich nicht um 10 oder 50 Rabbiner, sondern es muß schon eine ueberwaeltigende Mehrheit erforderlich sein.

Über die Halacha wird von Menschen entschieden, was allerdings den Richtlinien Moshe's am Berg Sinai entsprechen muß. Es ist G - tes Wille, dass die Menschen (Thoragelehrten) die Gesetze gemäß ihres menschlichen Verständnises auslegen. Es gibt Fälle, in denen uns die rabbinischen Auslegungen und Entscheidungen viel zu übertrieben vorkommen, doch lernen wir den Hintergrund der Auslegungen und erfahren Einzelheiten über "Warum und Weshalb", wird uns oft vieles klarer. Übrigens gibt es einen Disput im Talmud, indem G - tt zugibt, dass Ihn zwei Rabbiner mit ihren Entscheidungen "übertroffen" haben. 

Sobald die Israeliten das Land Canaan (Israel) nach den 40 Jahren in der Wüste eroberten, waren sie verpflichtet, drei Dinge zu tun (Mischna Thora - Hilchot Melachim vom Rambam sowie Talmud Sanhedrin 20b):

1. Einen König zu ernennen. 

2. Die Nachkommen Amaleks zu vernichten. 

3. Einen Tempel zu bauen.

G - tt befahl ihnen, einen König zu ernennen, doch wie wir aus den Propheten lernen, war es gerade G - tt, der Sich wenig darüber begeistert zeigte als die Juden ihn um die Ernennung eines Königs baten. Der Rambam sieht den Grund für die Bitte darin, dass die Juden dem Propheten Samuel (Shmuel) überdrüssig waren und einen richtigen König haben wollten (Mischna Thora - Hilchot Melachim 1:2). Laut Parashat Schoftim kann jemand nur dann König werden, wenn G - tt diesen auserwählt hat. Siehe Samuel, der sich auf die Suche nach Saul (Sha'ul) machen mußte. 

Bei dem König muß es sich IMMER um einen Juden handeln und es muß ein König sein und keine Königin, da G - tt in der Thora von einem Melech (König) und nicht einer Malka (Königin) sprach (Mishna Thora - Hilchot Melachim vom Rambam). Der König Israels hat eine ganz wichtige und einzigartige Mitzwah, die kein anderer Seinesgleichen hat. Sobald er zum König ernannt worden ist, muß er ein Sefer Torah, eine Thorarolle, schreiben. Er ist verpflichtet, die Thorarolle überall hin mitzunehmen, selbst in den Krieg und natürlich dann, wenn er über das Volk richtet. Genauso wie ein Richter ist auch der König verpflichtet, sich nicht bestechen zu lassen oder voreingenommen zu sein. Grundsätzlich sollte ein Mensch immer nur seiner Yetzer HaTov, seiner guten Seite in sich selbst, folgen und sich nicht durch seine schlechten Charaktereigenschaften (Yetzer HaRah) negativ beeinflussen lassen. 

Als G - tt die Welt erschuf, geschah dies aufgrund Seiner Gedanken, die nichts Negatives enthielten. Heißt, wir sind durch Seine reinen Gedanken erschaffen worden und genauso sollten wir unsere Gedanken rein halten, um uns mit unserer Ursprungsquelle (G - tt) verbinden zu können (Rabbi Elimelech von Lizhensk in seinem Buch "Noam Elimelech"). 

Ein paar Worte zum derzeitigen Monat ELUL und dessen Teschuva - Konzept:
 
Wortdefinition: "Teschuva – Der Umkehr zu G – tt". 

Viele Juden sind immer wieder fälschlicherweise der Meinung, dass "Teschuva" bedeutet, ab morgen streng religiös zu leben. Dem ist ganz und gar nicht so und leider leider legen heutzutage viele Rabbiner oder Institutionen das "Teschuva – Konzept" falsch aus. Wer hierzu weitere Details oder einen Beweis benötigt, der schaue sich die "Mischna Thora – Hilchot Teschuva" des Rambam (Maimonides) an. "Teschuva machen" bedeutet eine innere Erneuerung. Man versucht, die Fehler, welche man bisher begangen hat, nicht mehr zu tun und ein besserer g – ttesfürchtiger Mensch zu werden. "Teschuva" hat mit einer inneren Transformation der eigenen Persönlichkeit in Richtung Thora zu tun und nicht damit, dass ich ab morgen Haredi (Ultra – Orthod.) oder sonst etwas bin.

Schabbat Schalom an alle Leser !


Die richtige Art und Weise der "Teshuva - Umkehr" ist wichtig. Alles langsam und geduldig angehen und nichts über den Zaum brechen !
 
Links:

Mittwoch, Juni 27, 2012

Die Schwierigkeit, ein religiöses Buch zu schreiben

B"H 

Seit Jahren sitze ich intensiv über einem bestimmten Thema der Thora. Fast jede Talmudpassage, fast jede Midrasch, Aggadah oder fast jeden Kommentar sowie die Kabbalah habe ich zum Thema umgekrempelt. Und obwohl viele von mir ein Buch über die israelischen Haredim (ultra – orthodoxe Juden) erwarten, so beschränke ich mich vorerst auf eine Stelle in der Thora, die, meiner Meinung nach, viel zu wenig Beachtung erlangte, aber die mich schon immer interessierte. 

All das gesammelte Material zusammenzufassen ist nicht einfach. Noch dazu, wo immer weitere Fragen auftauchen. In meinem Buch geht es im Wesentlichen um Teile aus dem 1. Buch Moses (Bereschit – Genesis). Insbesondere um die Thoralesungen BERESCHIT (Genesis) und Noach. Weil es in einem Kapitel eigentlich nur kurz um "Dämonen (Schedim)" im Judentum geht, stecke ich einmal wieder so richtig fest und muss Rabbiner befragen. Die vielfältige talmudische und anderweitige relig. Literatur gibt keine eindeutige Auskunft, wobei ich das auch gar nicht erwarte. Jeder Rabbiner bzw. Kommentator hat so seine eigenen Auslegungen zum Thema und ferner scheint es darauf anzukommen, in welchem Zusammenhang die Dämonen in Erscheinung treten. Manchmal scheint es sie zu geben, in einem anderen Bezug dagegen finden sie lediglich als Symbol für etwas anderes Erwähnung. 

Weiterhin bin ich auch noch gezwungen, dass Thema ENGEL anzusprechen und wer hätte gedacht, wie viele rabbinische Auslegungen es hierzu gibt. In der Kabbalah, im Talmud, im Chassidismus und vom KUZARI (Buch des Rabbiners Yehudah HaLevi) oder dem RAMBAM (Guide for the Perplexed - Moreh Nevuchim) ganz zu schweigen. Das beginnt schon allein damit, dass der Rambam (Maimonides) im Moreh Nevuchim unzählige philosophische Statements des Aristoteles diskutiert und diese mit dem Judentum vergleicht. Zur Zeit des Rambam und sogar noch vorher (im 11. – 13. Jahrhundert) nahmen sich viele bekannte Rabbiner des Themas an, da immer mehr Juden die Lehren der griechischen und arabischen Philosophen für logisch und glaubwürdig hielten. Dies geschah in solch einem Ausmaß, dass zahlreiche Rabbiner Schriften verfassten, welche den Juden die wesentlichen Grundzüge des Judentums erklären sollten. Alles im direkten Vergleich mit philosophischen Ideologien und das selbst ein Aristoteles nicht auf dem Pfad des Judentums liegt. 

Und so stecke ich einmal wieder fest und versuche, Antworten zu finden. Auch um weiterzukommen und das Thema zu einem Ende zu bringen. Eindeutige Antworten aber werde auch ich nicht liefern können, denn die gibt es nicht.

Sonntag, Juni 10, 2012

Das Fundament der Thora, Teil 1

B"H

Was erwartet G – tt von Juden und Nichtjuden ? Sind Juden wirklich nur perfekt, wenn sie sämtliche Gesetze der Thora einhalten oder gibt es da vielleicht ein paar wesentliche Glaubensgrundsätze, die sie, wenn auch sonst säkuler, dennoch einhalten sollten ? Glaubensgrundsätze, welche genau so für Nichtjuden gelten, obwohl diese eigentlich nur zur Einhaltun der Sieben Noachidischen Gesetze verpflichtet sind.

Laut Rabbi Moshe ben Maimon, dem RAMBAM (Maimonides, 1135 – 1204) existieren spezielle fundamentale Grundsätze für jedermann und nicht unbedingt nur für Juden. 

1. Wir sollten WISSEN, dass es einen G – tt gibt. In seiner Mischna Thora (Traktat HILCHOT YEDODE’I HA’TORAH) verwendet der Rambam bewusst den Begriff WISSEN und nicht GLAUBEN. Ob sich Rambam hier nicht mit seinem "Buch der Mitzwot – Sefer Ha’Mitzwot" widerspreche, denn dort verwendet er schliesslich das Wort GLAUBEN. An einen G – tt zu glauben. 

Die Mischna Thora ist das einzige seiner Bücher, welches er in hebräischer Sprache verfasst. Alle anderen schrieb er auf Arabisch. Handelt es sich bei dem GLAUBEN in Sefer Ha’Mitzwot lediglich um einen Übersetzungsfehler ? Eine Antwort darauf suche ich noch. 

Wie dem auch sei … andere Rabbiner halten den Ausdruck “An G – tt glauben” für nicht gerade passend. Der berühmte spanische Thorakommentator, Rabbi Yitzchak Abarbanel (1437 – 1508), zum Beispiel, stellt diesbezüglich eine logische Frage: 

Wie kann das erste Gebot lauten, an einen G – tt GLAUBEN zu müssen, wenn G – tt doch selber die Gebote erstellte ? Ohne Ihn gebe es ja schliesslich dieses Gebot gar nicht !

Sonntag, Juni 03, 2012

Konvertiten zum Judentum und höhere jüdische Studien

Rabbi Moshe ben Maimon, der Rambam (1135 - 1204). Einer der größten jüdischen Philosophen und Kommentatoren.



B"H 

Längst habe ich es aufgegeben, irgendwelche Infos zum Giur (der Konversion zum Judentum) in Israel zu veröffentlichen. Zu kompliziert ist das Verfahren geworden und da lohnen sich kaum Erläuterungen, wenn sich nach einem Monat eh wieder die Gesetze ändern. Eines aber kann ich sagen: Der orthodoxe Giur in Israel ist alles andere als leicht. Spezielle Zulassungen vom Innenministerium bezüglich der Visafrage werden benötigt. Dazu weitere Zulassungen vom Oberrabbinat und dem einzelnen Konversionskurs. Weiter will ich mich zum Thema nicht auslassen. 

Warum ich an dieser Stelle zum Thema überhaupt noch Stellung nehme, hat einen ganz anderen Grund. Und zwar geht es um potentielle Konvertiten, die im Nachhinein irgendwie doch nicht konvertieren wollen, weil ihnen die Stellungnahmen des Rambam (Maimonides, 1135 – 1204) nicht passen. Und zwar würde der Rambam, u.a., gegen Nichtjuden hetzen. Ein paar Mails eines Betreffenden erreichten mich zum Thema und die Inhalte brachten mich auf den Gedanken, folgendes in den Blog zu stellen: 

Zuerst einmal sei gesagt, dass ein Neuling, der sich mit dem Judentum auseinandersetzt bzw. zu konvertieren plant oder bereits dabei ist, sich gewiss nicht mit hochakademischen Schriften wie denen des Rambam auseinandersetzen sollte. Das ist so als Beginne ich mein Physikstudium mit meiner eigenen Nominierung zum Nobelpreis. Wer sich mit dem Judentum beschäftigt und keinerlei Grundkenntnisse besitzt (die Segen zum Essen etc., warum man Schabbat hält und wie, wie ein Jude betet, wie wird koscher gegessen bzw. gekocht und warum gibt es nur einen G – tt) der sollte gemeinsam mit einem Rabbiner oder in einem Konversionskurs ein Fundament aufbauen. Dies geschieht im Regelfall allmählich, denn es geht nicht darum, im Hauruck – Verfahren die Einhaltung der Halachot eingekloppt zu bekommen, sondern die Konversion zum Judentum setzt eine Änderung der Lebenseinstellung voraus. 

Nicht, dass sich der Neuling hochakademische Studien "reinzieht" und bei jeder Gelegenheit wahllos aus dem Talmud oder vom Rambam zitiert. Inhalte, die er gar nicht zu deuten versteht und lediglich mit seinem falschen Wissen anzugeben versucht. Kenntnisse im Judentum werden sich innerhalb vieler Jahre angeeignet und sich einfach so hinzusetzen und Bücher zu lesen, ohne Rabbiner ohne Kurs ohne Yeshiva (relig. Schule) grenzt an Arroganz. "Ich lese das, verstehe es und was soll ich da mit einem Rabbiner ? Ist doch alles klar, oder ?" 

Der Eine konvertiert und gibt sich hinterher mit einem gewissen Quentchen an Grundwissen zufrieden. Ab und an geht er zu einem relig. Vortrag und das reicht ihm. Andere hingegen melden sich nach dem Giur zu weiteren höheren Studien bei Yeshivot oder Seminaren an, um dort ein Jahr oder länger zu verbringen. Aber selbst dort steht der Rambam noch nicht sofort auf dem Programm. Wie also kann da ein Anfänger einfach so die Schriften des Rambam lesen, noch dazu in einer Fremdsprache und nicht im hebräischen bzw. im arabischen Original ? 

Grundsätzlich sei angemerkt, dass ein Studium des Rambams allein ebenso mehrere Jahre voraussetzt und nicht eben mal so ein kurzes Durchschmökern und dann "passt mir nicht". Leider muss ich sagen, dass sich viele dieser Leute keines Besseren belehren lassen und es vorziehen, mit ihren einsamen falschen Studien fortzufahren. 

All jene, die ernsthaft am Rambam interessiert sind: Rabbi Chaim Eisen aus Jerusalem bietet kostenlose online Vorträge an: 

http://yeshivathsharashim.org/

Dienstag, Mai 22, 2012

Am Grab des RAMBAM (Maimonides) in Tiberias


Ein Wahrzeichen, was man von Weitem erkennt: Das Gebilde am Grab des RAMBAM (Maimonides) in der Innenstadt von Tiberias in Nordisrael.



Unter dem Monument befindet sich das Grab des RAMBAM (Rabbi Moshe ben Maimon, 1135 - 1204).





Nicht direkt am Grab, doch an einer Hauswand in Tiberias: Ein Portrait des RAMBAM.

Photos: Miriam Woelke

HIER gibt es weitere Photos !


Warum der RAMBAM in Tiberias begraben liegt 

http://hamantaschen.blogspot.com/2010/11/warum-der-rambam-in-tiberias-begraben.html

Montag, Januar 23, 2012

Rambam: "G – tt kennen"

B"H 

Der Rambam (Maimonides, Rabbi Moshe ben Maimon, 1135 – 1204) nennt in seiner “Mishna Thora” mehrere Grundsätze des jüdischen Glaubens. Gleich zu Beginn, im ersten Kapital des Mishna Thora Traktates “Sefer Mada”, macht der Rambam deutlich, dass der fundamentale Grundsatz ist, G – tt zu kennen. Wörtlich heisst es: 

“Zu wissen, dass es einen G – tt gibt. Zu wissen, dass G – tt vor Seiner Erschaffung des Universums und jeglicher Existenz, allein jegliche Existenz ausmachte. Niemand und nichts außer G – tt allein existierte". 

Es stellt sich die Frage, warum der Rambam nicht ganz einfach sagt, der Mensch solle an G – tt glauben. Stattdessen benutzt der Rambam in der Mishna Thora Aussage das Wort “YADA – wissen, kennen”. 

Zuerst muss der Mensch akzeptieren, dass es da einen G – tt gibt. Ferner muss der Mensch verinnerlichen, dass G – tt als höchstes, für unseren Verstand unfassbares, Wesen die Welt sowie jegliche Existenz erschuf. 

Sobald ein Mensch diese Tatsache weiss und akzeptiert, kann er fortfahren und an G – tt glauben. Der erste Schritt jedoch ist, zu wissen, dass G – tt existiert. Allein der Glaube ist im Judentum keine Bedingung, sondern das Eingeständnis, dass G – tt vorhanden ist. Jemand kann also akzeptieren, dass G – tt existiert, doch der Glaube ist keine Bedingung.

Montag, Juli 18, 2011

Die Lebensgeschichte des RAMBAM als Comic

B"H

Google Books bringt die Lebensgeschichte des RAMBAM (Maimonides, Rabbi Moshe ben Maimon, 1135 - 1204) als Comic. Verfasst von Robert Avrech.


Sonntag, Februar 13, 2011

MET MITZVAH

B”H

Wenn die Leiche eines Juden allein und verlassen aufgefunden wird und es sich nicht feststellen läßt, wer genau die Verwandten sind, so wird die Leiche MET MITZWAH genannt. Der Rambam (Maimonides, 1135 – 1204) legt in seiner “Mischna Thora – Hilchot Avel 3:8) fest, dass die Person, welche die Leiche findet, diese bestatten muss. Und zwar dort, wo der Tote aufgefunden worden ist. 

"Met Mitzvah Koneh Mekomo" – der MET MITZWAH "kauft den Ort, an dem er beerdigt wird." Selbst dann, wenn die Leiche in einem Feld aufgefunden wird, welches einer dritten Person gehört. 

Sollte die Leiche des Juden im Einzugsbereiche von 2000 Amos einer jüdischen Gemeinde gefunden werden, so muss sie auf dem jüdischen Friedhof der Gemeinde begraben werden (siehe die Mishna Thora – Hilchot Tumat Met 8:7 des Rambam).

Dienstag, November 30, 2010

Eine koschere Strasse für Cohanim in Tiberias

B"H

Einem Nachkommen des biblischen Aharon (Bruder von Moshe), einem "Cohen - Tempelpriester" ist es verboten, mit diversen Unreinheiten in Berührung zu kommen. Darunter fallen, u.a., Leichen und Friedhöfe. Will ein Cohen einen Friedhof besuchen, so wird der Plan zum halachischen Schwierigkeitsgrad.


Die Stadt Tiberias am See Genezareth baut momentan eine extra Strasse für Cohanim. Die "koschere" Strasse führt von der Hayarden Street am Zentralen Busbahnhof bis hin zum Grab des Rambam (Maimonides, 1135 - 1204) gleich um die Ecke.


Tiberias selbst ist auf einem antiken Friedhof errichtet worden. Keinem Friedhof im eigentlichen Sinne, sondern gemeint sind damit antike Gräber von vor weit mehr als 2000 Jahren.






Das Grab des Rambam in Tiberias.





Der halachische Strassenbau genau gegenüber. Ein haredischer (ultra - orthodoxer) Rabbiner wacht darüber, dass der Bau im Sinne des jüdischen Religionsgesetzes verläuft.

Wie wird eine halachisch einwandfreie Strasse für Cohanim gebaut ?
Indem über die alten Gräber in vorgeschriebener Form dicke Betonteile gelegt werden.






Photos vom 29. November 2010:
Miriam Woelke


Links:


Dienstag, November 09, 2010

Warum der RAMBAM in Tiberias begraben liegt

B"H

Im Jahre 1204 verstarb der Rambam (Maimonides) in Ägypten, doch begraben liegt er im nordisraelischen Tiberias. Wie aber kam die Leiche des Rambam ausgerechnet nach Tiberias ?

Es ranken sich zahlreiche Legenden und ich gehe an dieser Stelle nicht auf die Diskussion ein, ob die Lokalität des Rambam - Grabes in Tiberias das Originalgrab ist oder ob der Rambam nicht doch eher in Ägypten beerdigt worden ist.

Hier die bekannteste Legende darüber wie der Rambam nach Tiberias kam:

Vor seinem Tod rief der Rambam seine Anhänger zusammen und trug ihnen auf, dass seine Leiche nach seinem Tod auf ein Kamel aufgeladen werden soll. Das Kamel soll seiner Wege gehen und die Anhänger des Rambam sollen dem Tier folgen.
Wo auch immer es stehen bleibt und absolut nicht weiter will, an der Stelle soll die Leiche des Rambam begraben werden.

Gesagt, getan. Nach seinem Tod agierten die Anhänger wie befohlen. Die Leiche des Rambam kam auf den Kamelrücken und das Kamel begann seine eigene individuelle Reise. Demzufolge ist es bis nach Tiberias gelaufen und an einer Stelle an der Stadt wollte es absolut nicht mehr weiterlaufen. Die Stelle lag nicht weit vom Grab des berühmten talmudischen Rabbiner Yochanan ben Zakkai entfernt. In der Tat handelt es sich hier um nur wenige Meter.

 


Hier geht es hinauf zum Grabe des RAMBAM in Tiberias.

Photo: Miriam Woelke


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Quellen

Die Story zur Beerdigung:

Iggeret Rabbi Yosef Sofer from Zfat (Safed)


Als weitere Infoquelle:

"Mekomot Kedushim ve'Kivrei Zaddikim
be'Galil - מקומות קדושים וקברי צדיקים בגליל"


Link

Sonntag, Oktober 24, 2010

Die Gräber des Rambam und Rabbi Yochanan ben Zakkai

B"H

Am vergangenen Donnerstag besuchte ich, wieder einmal, das Grab des RAMBAM.

Der RAMBAM (Maimonides, 1135 - 1204) ist in Tiberias / Nordisrael begraben.




Am Grab des Rambam.
Die Mechitzah (Trennwand zwischen den Geschlechtern) geht genau über das Grab hinweg, was ich eher seltsam finde. Vor ein paar Jahren ist das noch nicht der Fall gewesen. 

 

Erinnerungskerzen




Das Grab des berühmten talmudischen Rabbi Yochanan
ben Zakkai in unmittelbarerer Nähe des Rambam.


Photos: Miriam Woelke

Mittwoch, Oktober 20, 2010

Parashat Vayera - פרשת וירא


Das Überbleibsel von Sodom (Sdom): Salz

B"H


Die Thoralesung für diesen Schabbat

Die ersten Worte der Thoraparasha beschreiben uns, wie Avraham in der Wüste vor seinem Zelt sitzt und nach vorbeikommenden Reisenden Ausschau hält, die er zum Essen einladen will. Avraham war die Verkörperung von "Chesed - Güte" und er schon zu seiner Zeit war er berühmt, dafür, wildfremde Menschen in sein Zelt zum Essen einzuladen. Persönlichen Dank verlangte er nie, sondern einzig und allein, daß die Gäste nach dem Mahl dem einzigen alleinigen G - tt danken.


"Und G - tt erschien (Vayera) dem Avraham …"


Raschi erklärt hierzu, daß G - tt den Avraham nach dessen Beschneidung "besuchen" wollte. Es handelte sich um den dritten Tag nach der Beschneidung und G - tt rief eine große Hitzewelle hervor, welche Reisende abhalten sollte, um so Avraham eine Ruhepause zu gönnen. Avraham dagegen hielt eifrig Ausschau und ließ sich selbst von den Schmerzen der Beschneidung nicht davon abhalten, Gäste bewirten zu wollen (Talmud Bava Metzia 86b). Schon aus den ersten Worten dieser Parasha lernen wir, wie wichtig Krankenbesuche sind, denn G - tt schaute "persönlich" bei Avraham vorbei.


Kurz darauf stehen drei Fremde vor Avraham und dieser springt sogleich auf und lädt sie zum Essen ein, ohne allerdings zu ahnen, daß es sich bei ihnen um Engel handelt.
Danach beauftragt er seine Frau Sarah Essen zuzubereiten und kurz darauf hört Sarah einen der Engel sagen, daß sie demnächst einen Sohn zur Welt bringen wird. Sarah befand sich damals im stolzen Alter von 90 Jahren und lachte über die Bemerkung des Engels. Wenig später teilt G - tt Avraham von seiner Absicht mit, die Stadt Sodom sowie einige weitere Städte in der Gegend zerstören zu wollen und die Engel machen sie auf den Weg.


Soweit die ersten Handlungen in der Parashat Vayera.


Der Ramban (Nachmanides) hat einen grandiosen Kommentar zu dem Geschehen und stützt sich dabei auf das Buch "Moreh Nevuchim - The Guide of the Perplexed " des Rambam (Maimonides). Die genaue Quellenangabe lautet: Moreh Nevuchim 2:41 - 42.


Der Ramban stellt fest, daß wenn die Erklärungen des Rambam richtig sind, alle Handlungen (die drei Engel kommen zu Avraham, Sarah backt und lacht) niemals real stattgefunden haben (ebenso der Kommentar des Ohr HaChaim).
Wenn wir lesen "Vayera elav HaShem…" bedeutet dies, daß sich G - tt natürlich nicht in einer Form oder Gestalt dem Avraham zeigte (G - tt hat weder Form noch Gestalt), sondern daß Er ihm in einer Vision erschien.


Im zweiten Buch des "Guide for the Perplexed" beschreibt der Rambam ausführlich seine Meinungen zu jeglicher Art von Prophezeihung. Und nachdem Avraham beschnitten und somit einen Bund mit G - tt eingegangen war, unterlag er von nun an einer höheren Art von Prophezeihung als zuvor. Zuerst hatte Avraham "verschwommene" Visionen, welche mit einem Vorhang zu vergleichen sind. Wir sehen etwas, doch Einzelheiten bleiben mehr oder weniger verborgen. Nach der Beschneidung allerdings war Avraham auf einem wesentlich anderen Level und somit gab es für ihn klare Prophezeihungen.


Eine interessante These, welche der Ramban da aufstellt. Oberflächlich betrachtet ist es unerheblich, ob Avraham die Handlungen nur in einer Vision erlebte oder ob sie tatsächlich real stattgefunden haben. Weitere Thorakommentatoren sehen die Handlungen als sehr real an. Allein schon aus dem Grund, daß als Sarah die Bemerkung des Engels hörte, sie werde trotz ihrer 90 Jahre demnächst einen Sohn (Yitzchak) gebären lachte, sie sarkastisch vor sich hin sagte, daß dieses ja wohl unmöglich sei, denn ihr Mann (Avraham) sei viel zu alt.


Und nun achtet einmal alle auf den genauen Text in der Thora.


Sie sagte, ihr Gatte sei zu alt.


Als jedoch gleich darauf G - tt Avraham berichtet, daß Sarah lachte, sehen wir plötzlich eine ganz andere Wiedergabe des Geschehens. G - tt sagt nämlich zu Avraham: "Warum lachte Sarah und sagte - soll ich (Sarah) wirklich gebären, wo ich doch viel zu alt bin" ?


Sarah aber sagte niemals, daß sie zu alt sei, sondern ihr Gatte.


Die Frage ist: Wieso stellt G - tt den Inhalt von Sarahs Worten anders dar als er mit Avraham spricht ?


Die Gemara im Talmud Bava Metzia 87a erklärt warum und stellt damit ein äußerst wichtiges und zugleich höchst kompliziertes Konzept im Judentum auf. Hätte G - tt dem Avraham die exakten Sätze Sarahs zitiert, dann hätte dies einen Streit zwischen Sarah und ihrem Gatten hervorrufen können. Um den Familienfrieden zu erhalten, benutzt G - tt sozusagen eine "Notlüge".
Manchmal ist es wichtig, Familienmitgliedern oder guten Freunden nicht immer die direkte Wahrheit zu sagen, um keine Feindschaften zu schüren. Wann jedoch diese Fälle genau eintreten, ist sehr schwer zu erklären. Nicht jede "Notlüge" kann mit dem Konzept aus Bava Metzia gerechtfertigt werden.


Kauft, zum Beispiel, eine Frau ein neues Kleid und der Gatte findet es total häßlich, dann sollte er seiner Frau nicht unbedingt direkt sagen, was sie denn da für einen häßlichen Fetzen gekauft habe. Um den Familienfrieden zu erhalten, sollte der Mann zurückhaltender sein, um die Gefühle der Frau nicht zu verletzen.
Dieses komplizierte Konzept finden wir noch anderswo; nämlich bezüglich der "Laschon HaRah - des Gerüchteverbreitens und des Klatsches über andere". Ein berühmtes Beispiel finden wir im Buch Micha (Propheten), indem Yaakov EMET (Wahrheit) zugeschrieben wird. Aber sagte Yaakov wirklich immer die Wahrheit ?
Auch hier handelt es sich um komplizierte Zusammenhänge in Fällen, wo man eine Art von "Laschon HaRah" benutzen MUSS, um positive Ergebnisse zu verursachen. Aber wie gesagt, diese Konzepte sind höchst kompliziert und man sollte sich allgemein davor hüten, bestimmte Verhaltensweisen damit zu rechtfertigen.


Die drei Männer, die Avraham erschienen, werden von den Kommentatoren als Engel dargestellt. Der Talmud Traktat Bava Metzia 86b nennt uns die Namen der drei Engel: Michael, Gabriel und Raphael. Und jeder der Drei hatte eine bestimmte Aufgabe in unserer Welt zu verrichten, denn niemals kommt ein Engel allein mit zwei Missionen (Midrash Rabbah). Jeder Engel führt seine individuelle Aufgabe aus und zieht sich danach zurück. So war es die Aufgabe Michaels, Sarah wissen zu lassen, daß sie ein Kind bekommen wird. Raphael kam, um Avraham zu heilen und Gabriel sollte Sodom zerstören.


In der Midrash Rabbah fragt der Kommentator Etz Yosef, warum denn die Thora nicht die Namen der Engel nenne ?
Laut dem berühmten talmudischen Rabbi Reish Lakish haben die Engel gar keine Namen. Der Etz Yosef fährt fort, daß die Namen gewisser Monate sowie Engel erst im babylonischen Exil entwickelt worden sind. So werden Michael und Gabriel im Buch des Daniel genannt und Raphael ist im Buch Tobi (Tovi) erwähnt.


Noch heute verwenden wir den Ausdruck: "Wie Sodom und Gomorrha" ohne uns jedoch über die wahren Geschehnisse in der Gegend im klaren zu sein. Die Gegend am Toten Meer war damals keine Wüste, sondern ein blühendes fruchtbares Land. Auch das Tote Meer selbst gab es noch gar nicht, sondern es handelte sich geographisch um das Tal der Schedim, indem die Könige gegen Avraham kämpften (siehe die vorherige Parashat Lech Lecha). Erst nach der Zerstörung Sodoms wurde die Gegend eine Wüste in der nichts wächst.


Die Bewohner Sodoms waren reich und wollte alles, nur keine armen Durchreisenden. Sie taten alles um zu verhindern, daß sich Leute unter ihrer Würde in der Stadt niederließen und brachten auch schonmal den ein oder anderen Reisenden um. Gastfreundschaft oder jegliches Mitleid waren gesetzlich verboten und so wurde eine Tochter Lot's, die einem Armen Essen reichte, zum Tode verurteilt. Sie wurde von oben bis unten mit Honig beschmiert und dann auf einem Dach plaziert. Unnötig zu erwähnen, daß sie von einem Bienenschwarm erstochen wurde (Talmud Sanhedrin 109b). G - tt hörte den Aufschrei der Frau und das Schicksal Sodoms war besiegelt.


Aber warum gerade Sodom ? Gab es nicht überall auf der Welt solche Vergehen ?


Die Begründung liegt darin, daß Sodom sich im Heiligen Land befand und nicht außerhalb. Und für das heilige Land ist G - tt allein verantwortlich.


Zum Schluß erfahren wir von der Akeidat Yitzchak - der Opferung des Yitzchak auf dem Tempelberg (Har HaMoriah). Sarah und Avraham hatten einen gemeinsamen Sohn, den Yitzchak. Den 13 Jahre älteren Sohn Ishmael hatte Avraham mit seiner Konkubine Hagar, einer ägyptischen Prinzessin.


Das kabbalistische Buch Zohar lehrt, daß Ishmael vor der Beschneidung Avrahams geboren wurde und dieser schon in seiner Kindheit dem Götzendienst seiner Mutter Hagar folgte. Wie schon erwähnt erreichte Avraham erst nach seiner Beschneidung einen besonders hohen Level und G - ttes Anwesenheit (Schechinah) lag immer auf ihm. Kabbalistisch gesehen ist Yitzchak damit höher als Ishmael, denn Sarah ist seine Mutter und er wurde erst nach der Beschneidung geboren. Außerdem war sein Charakter anders als der des Ishmael und somit wurde Yitzchak zum von G - tt auserwählten Erbe Avrahams. Zu erwähnen bleibt, daß Ishmael wesentlich später in seinem Leben Teshuvah machte und zu G - tt zurückkehrte.


Die berühmte Frage lautet, warum G - tt Avraham damit testete, seinen geliebten Sohn zu opfern. Hierzu hat Rabbi Kook einen erstaunlichen Kommentar:
Avraham führte den Monothoismus wieder ein und damit bekam der Götzendienst der Mitmenschen eine gegengesteuerte Kraft. Kann der Monothoismus die gleiche religiöse Euphorie hervorrufen wie der Götzendienst ? Mit seiner uneingeschränkten Bereitwilligkeit G - tt zu dienen, bewies Avraham das dem so ist.


Schabbat Schalom

Dienstag, Juli 13, 2010

Ani Ma'amin … - Ich glaube …

B"H

"Ani ma'amin (a) be'Emunah Shlemah …

So lauten jeweils die ersten Worte des Rambam (Maimonides, 1135 - 1204) in seinen für Juden verbindlichen "13 Principles of Faith - 13 Ikkarim - 13 Glaubensgrundzügen". 
Der Rambam definierte den Schlüssel zum erfolgreichen Thorastudium so:
Ein Mensch muss daran glauben, dass die Juden die Thora am Berg Sinai von G - tt erhielten. Ein Mensch muss sich des Erschaffers des Universums sowie seiner Thora bzw. der Gesetze bewusst sein.

- Ich glaube, dass die gesamte Thora, die wir heute in den Händen halten, vom Himmel an Moshe, unseren Lehrer, gegeben worden ist.

- Ich glaube, dass die Thora nicht ausgetauscht (verändert) wird; auch wird es keine weitere Thora vom Erschaffer, gepriesen sei Sein Name, geben.

Donnerstag, Mai 20, 2010

Der RAMBAM zu SHMUEL (Prophet Samuel)

B"H

Israel (die Juden) erhielt drei Thoramitzwot, welche sie nach der Ankunft im Gelobten Land ausgeführt werden sollten:

1. Einen König zu ernennen.

2. Die Nachkommen Amaleks auszumerzen.

3. Einen Beit HaMikdash (G - ttes Haus zu errichten).

Wenn es eine Mitzwah ist, einen König zu ernennen - warum war G - tt verärgert als die Juden vom Propheten Samuel (Shmuel) nach einem solchen verlangten ?

Weil die Juden das Verlangen nach der Monarchie aufgrund einer Beschwerde aussprachen. Anstatt die Ernennung eines Königs aufgrund der bestehenden Mitzwah einzufordern, weigerten sie sich auf den Propheten Samuel (Shmuel) zu hören und suchten lieber einen starken Herrscher wie andere Nationen auch.
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Quelle:

"Mischna Thora - Hilchot Melachim"
vom Rambam (Maimonides, 1135 - 1204)