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Donnerstag, November 08, 2012

Bild des Tages


Chassidischer Hut auf dem Regal

Gesehen in Zfat / Nordisrael

Photo: Miriam Woelke

Dienstag, Oktober 09, 2012

Leserfrage: "Ab wann tragen chassidische Jungen einen Streimel ?"


Ein junger Chassid mit seinem Streimel (traditionelle Pelzmütze)

Photo: Miriam Woelke
B"H

Leserfrage:

Hallo Miriam,

brauche bitte mal Deine Unterstützung: Weißt Du wann der jüdische Mann/Junge erstmal einen Shtreimel trägt? Bekommt er ihn von jemanden zu einem besonderen Anlass geschenkt oder kauft er sich ihn selbst? 

Mir hat mal jemand erzählt die Haredim würden mit ihrem Shtreimel auch beigesetzt werden. Ist das wahr? 

Vielen Dank für Deine Hilfe und weiterhin alles Gute.


Antwort:

Normalerweise wird lediglich in chassidischen Kreisen ein Streimel getragen, wenn es auch in Jerusalem diverse alteingesessene Yerushalmim gibt, die, obwohl sie sich alt litvische (litauische) Juden bezeichnen, am Schabbat dennoch eine Streimel tragen. Bestes Beispiel hierfür war der vor wenigen Monaten verstorbene geistige Führer der Litvischen, Rabbi Yosef Shalom Eliyashiv. 

Ein chassidischer Junge trägt ab seiner Bar Mitzwah einen Streimel. Bitte beachten, dass bei Chabad mittlerweile keine Streimel mehr getragen werden, sondern nur schwarze Hüte. Warum das so ist, darüber berichte ich noch in den Blogs ! 

Da die Streimel sehr teuer sein, bekommt ein Bar Mitzwah Junge oft nur einen gebrauchten Streimel. Heisst, von aelteren Brüdern, zum Beispiel. Der Streimel wird vorher gesäubert und der Streimelmacher trimmt ihn auf fast neu. Spätestens zur Hochzeit erhaelt der einstige Junge einen nagelneuen Streimel. Und zwar geschenkt von der Braut bzw. ihren Eltern. 

Niemand wird in seinem Streimel beigesetzt. Dies wäre auch gegen die Halacha, denn es bestehen genaue Vorschriften, wie jemand ins Grab gelegt wird. Nämlich im Totenhemd. In der Beziehung sind wir alle gleiche.:-)

Dienstag, August 28, 2012

Rosh Hashana Einkäufe

B"H

Am Abend des 16. September 2012 beginnt dieses Mal das jüdische Neujahrsfest Rosh Hashana und damit treten wir, lt. dem jüdischen Kalender, in das Jahr 5773 ein. Viel viel mehr zum Fest gibt es in dieser Zeit vor dem Fest auf diesem Blog ! 

Mal kurz nachgefragt: Haben die jüdischen Leser unter uns schon mit den materiellen Vorbereitungen begonnen ? Außer all der Teschuwa (Umkehr zu G – tt) und den speziellen Gebeten geht es genau so um das leibliche Wohl und die Sitzplatzreservierung in vielen Synagogen. Einkaufen, Planen, Kochen, Putzen, eventuell Gäste einladen. Immerhin dauert Rosh Hashana von Sonntag abend bis Dienstag abend (16. – 18. September 2012). 

Bei mir selbst schaut es so aus, dass ich eingeladen bin, aber auch ein paar Leute zu mir daheim zum Essen einlade. Und das Putzen, Einkaufen und Kochen bleibt mir eh nicht erspart. 

Hier eine kleine Liste vorab. All die Dinge, die man zum Rosh Hashana unbedingt braucht:


Honig, Honig, Honig.

Der Honig gehört zur Grundausstattung und in ihn dippt man Apfelstücke sowie die Challah (Festtagsbrot). Die Tradition besagt, dass wir ein gutes und süßes Neues Jahre haben wollen und was bietet sich da besser an als Honig ? 



Neue Schuhe für die haredische (ultra – orthodoxe) Damenwelt von Bnei Brak. Dort jedenfalls entstand das Photos. 

Neben dem Honig werden im Vorfeld neue Klamotten sowie Schuhe zum Fest gekauft. Wer sich dies nicht leisten kann, muss nicht unbedingt mitmachen.



Igitt. Ebenfalls zum Mahl an Rosh Hashana gehört entweder ein Fisch – oder ein Schafskopf. Wer will, der kann sich ein wenig Fleisch aus den Köpfen picken, denn schliesslich wollen wir im Neuen Jahr vorne mit dabeisein und nicht hinten anstehen. Aus diesem Grund steht meist ein Fischkopf auf dem Tisch, wobei viele Anwesende nicht immer davon essen.:-)

Photos: Miriam Woelke

Montag, Juli 09, 2012

Neue Kleidung in den Bejn HaMetzarim

B"H 

Seit dem gestrigen Halbfastentag 17. Tammuz befindet sich die jüdische Welt in den drei Trauerwochen, welche ihren Höhepunkt mit dem Tisha be’Av finden. Diese drei Wochen (Bejn HaMetzarim) sind nicht so zu verstehen, dass wir nun alle herumtrauern und keine Freude am Leben zeigen. Vielmehr liegt unsere Aufgabe darin, uns selbst zu verbessern und ein wenig in uns zu gehen, um CHESCHBON NEFESCH – SELBSTANALYSE IN BEZUG AUF G – TT zu üben. Wo liegen unsere Fehler und wir können wir versuchen, uns in kleinen Schritten zu verbessern ?

Innerhalb dieser drei Woche gelten besondere Regeln, welche sich mit dem Monatsbeginn des Av (neun Tage vor dem Tisha be’Av) abermals verstärken. Momentan wird bis nach Tisha be’Av in jüdischen Kreisen nicht geheiratet. Ferner bildet neue Kleidung eine weitere Ausnahme. Darf ich in diesen drei Wochen neue Klamotten kaufen und auch tragen ? Immerhin wird mit dieser Halacha des Verbotes daran erinnert, dass die Bewohner des eingekesselten Jerusalems dahinvegetierten, denn weder die Babylonier noch später die Römer liessen Nahrungsmittel in die Stadt. Die Propheten berichten uns, wie die Jerusalemer elend hungerten und am Tisha be’Av (9. Av) der Tempel brannte. 

Kaufen wir neue Kleidung wie T – Shirts, Röcke oder Hosen, so danken wir G – tt, dass wir in der Lage waren, dies zu tun. Insbesondere auch finanziell, denn G – tt versieht uns mit einem Auskommen. Ferner, dass wir am Leben sind und somit in der Lage sind, uns Kleidung anzuschaffen. 

Der Segen, den wir bezüglich des Tragens neuer Kleidung sprechen, ist der “Scheyechiyanu” – Segen. Tragen wir neue Schuhe, so sagen wir keinen Segen ! Einige Juden hegen den Brauch, auf die Sohle der neuen Schuhe das Wort AMALEK mit ihrem Finger zu schreiben. Dies nur symbolisch betrachtet, denn richtig geschrieben wird Amalek nicht, sondern lediglich mit dem Finger aufgezeigt. Amalek, der Erzfeind der Juden, den wir symbolisch gesehen mit unseren Füssen treten. 

Nicht nur, dass Amalek eine real existierende Person war, sondern als Amalek betrachten wir ebenso antisemitisches oder antijüdisches Verhalten. Die Nachkommen Amaleks, die das Judentum ausmerzen wollen. Ferner steckt Amalek auch in uns selbst. Nämlich dann, wenn uns unser Gefühl überreden will, heute einmal nicht zu beten oder einen Cheeseburger zu essen. 

Dürfen Juden also laut der Halacha in den drei Wochen neue Kleidung kaufen und tragen ? 

Das Problem liegt nicht unbedingt im Kauf, sondern beim Tragen. Es heisst, dass neue Kleidung, die einen Segen verlangt, nicht getragen werden darf. Neue Socken oder Unterwäsche hingegen schon. Wer unbedingt etwas kaufen will, der kann das tun, sollte aber bis nach dem Tisha be’Av mit dem Tragen warten. 

Anmerkung: 

Einige Rabbiner erlauben das Tragen neuer Kleidung noch bis zum Monatsbeginn des Av !

Freitag, März 02, 2012

Parashat Tetzaveh - Zachor - פרשת תצוה - זכור


Das "Choschen" des Cohen HaGadol (Hohepriester)


B"H

Die Thoralesung für diesen Schabbat

Der Schabbat vor Purim (welches wir am Donnerstag bzw. Freitag kommender Woche feiern) ist stets "Schabbat Zachor". G - tt trug uns auf, niemals zu vergessen, wie hinterhältig Amalek die Israeliten in der Wüste angegriffen hatte. Und dies einzig und allein aus dem Grund, weil sie Juden waren. Später befahl einer der Nachkommen der Amalekiter, Haman, die Juden Babylons auszurotten (siehe das "Buch Esther - Megillath Esther). 

Bis heute verfolgt uns Amalek, der einstige Enkel Esavs, dessen Nachkommen von vielen Kommentatoren als jene Menschen gesehen werden, welche das Judentum zu vernichten planen. An oberster Stelle steht dabei Nazi - Deutschland. In der Vergangenheit war es Rom, heute sind es Europa und die USA. 

Weiterhin jedoch handelt es sich bei "Amalek" genauso um ein zweites Konzept. Wenn wir allein auf die Gematria des AMALEK schauen, erhalten wir die Summe 240.

Nur nebenbei: In der hebräischen Sprache steht jeder Buchstabe für einen Zahlenwert. Das ALEPH ist eine Eins, das Beit eine Zwei, usw.

Die Buchstabensumme des Amalek ergibt also 240 genauso wie das hebräische Wort für ZWEIFEL (Safek). Beide Wörter ergeben 240 und müssen demzufolge in Verbindung miteinander stehen. Daher das "Konzept Amalek", welches den Zweifel in uns selbst beschreibt. An G - tt und der Thora zweifeln oder sich einreden, dass dies alles nicht mehr so wichtig ist und man ein neues Leben ohne das alles beginnen sollte. Sobald derlei Zweifel aufkommen, haben wir die Aufgabe, diese zu besiegen. Unsere eigene "Yetzer HaRah - negative Seite in uns" zu besiegen und dementsprechend einen Tikun (Seelenkorrektur) hervorzurufen. 

In chassidischer Literatur besteht, wie mehrere Male beschrieben, das Konzept des "ZADDIK" (Gerechten) und gerade bei den Chassidim nimmt vor allem der Rebbe der derweiligen Gruppe den Platz des Zaddik ein. Ein Zaddik verfügt über einen "speziellen Kanal / Verbindung " zu G - tt und er bringt anhand von Gebeten und Mitzwot seine Chassidim in die oberen spirituellen Welten. 

Der einstige Rebbe der Chassidut Gur, bekannt unter dem Namen SEFAT EMET, lehrt:
Die Midrasch lehrt, dass jeder Jude individuelle Aufgaben in dieser Welt besitzt. Genau wie ein Engel. Nur das ein Engel mit nur einer einzigen Aufgabe in dieser Welt auftritt und nicht mit mehreren zusammen. Das ist es, was die Zaddikim tun. 

Der Krieg gegen Amalek fand nicht nur damals in der Wüste statt, sondern er setzt sich bis heute fort ! 

Die vorherige Parashat Terumah lehrte uns jegliche Einzelheiten über den Bau des Mischkans (Tabernakel), wogegen wir aus der dieswöchigen Parashat Tetzaveh erfahren, wie wir die Mitzvot im Mischkan erfüllen sollen. Gleich im ersten Satz der Parsha sagt G - tt zu Moshe, dass dieser den Israeliten auftragen (Tetzaveh) soll, reines Olivenöl zum Anzünden des Ewigen Lichtes zu bringen. Die Chassidut lehrt uns, dass alles in der physischen Welt seine Wurzeln in der oberen geistigen Welt (spiritual world) hat. Auch das Ewige Licht hat seine Wurzeln in der "upper spiritual world" und wird bis hinunter zu uns weitergeleitet. So wird die obere mit der unteren unseren Welt verbunden (Noam Elimelech und Degel Machane Ephraim). 

In der hebräischen Sprache drückt das Wort "Tetzaveh" eine sofortige Erfüllung aus. Die Gabe des Olivenöl sollte umgehend erfolgen. Mit den individuellen Gaben für das Mischkan hat jeder Israelit einen Anteil daran. Da wir derzeit keinen Tempel besitzen, gibt es auch kein Ewiges Licht mehr. Das Licht, welches uns jedoch immer bleibt ist die Thora. Die Lichter des Tempels können erlöschen, doch ist es unmöglich, das Licht der Thora auszuschalten (Sefat Emet). 

Der einstige Ischbitzer Rebbe Mordechai Yosef Leiner kommentierte im Zusammenhang mit der Mitzwah des puren Olivenöls: Olivenöl wird von vielen Thorakommentatoren als Symbol der Weisheit (Chochmah) gesehen und hier erhält Moshe von G - tt den Auftrag, die Weisheit, welche im jüdischen Volke ist zu nehmen, und Ihm (G - tt) näherzuführen. Die Weisheit, dass es da EINEN G - tt gibt, der alles erschuf. 

Das Buch "Sefer Hama'amorim" sieht in dem Wort "Tetzaveh - Auftragen" nicht nur diese einzige alleinige Bedeutung. "Tetzaveh" stammt ebenso von dem Wort "Tzavsa - verbinden" und hier sollen G - tt und die Juden miteinander verbunden werden. Der Kli Yakar (Rabbi Shlomo Ephraim Lunshitz, ca. 1550 - 1619, aus Lemberg und Prag) kommentierte seinerzeit: Moshe fungierte als spiritueller Kanal, durch den G - tt Seine Wunder erscheinen liess. Der Malbim, Rabbi Me'ir Leibish ben Yechiel Michel, 1809 – 1879, Rabbi in Deutschland, Rumänien und Russland, sah Moshe ebenso als Medium zwischen den Israeliten und G - tt. G - tt betrachtete Moshe als denjenigen, durch den Er Seine Thora an die Juden weiterleiten konnte. 

Warum aber forderte G - tt die Juden auf, pures reines Olivenöl zu benutzen ? 
Jeder kann so religiös sein, wie er will, doch befinden wir uns alle auf unserem persönlichen Level; der "Madrega - Stufe". Wir können sagen, dass wir dieses oder jenes halt so tun und die Mitzwot erfüllen. Okay, ich halte den Schabbat und begehe keinen Verstoss gegen die Halacha. Kein Problem und derjenige erfüllt die Mitzwah. Doch hat er die Mitzwah mit Freude vollbracht ? Hat er spirituell etwas für sich erreicht, außer der Gewissheit, den Schabbat gehalten zu haben ? Eine höhere Madrega wäre, wenn er nicht nur stumpf alles einhält, sondern dies mit Freude tut. Seinen Schabbat mit Liedern und Thoragesprächen würzt.
Warum heißen Chassidim "Chassidim" ? Eben weil sie fromm sind und über die Thoramitzwot hinausgehen. Man kann die Chanukkahkerzen ganz normal zünden. Mit Kerzen halt. Ein höherer Level aber wäre Olivenöl wie damals die Menorah im Tempel. 

Demnach müssen wir uns entscheiden, auf welcher Madrega wir wandeln wollen. Einfach nur sagen, okay, ich vollbringe das... Dagegen ist nichts einzuwenden, doch gibt es (kenne ich) viele Leute, die sich damit nicht zufrieden geben und mehr wollen und auch tun. Nicht verbissen rumwerkeln, sondern aus purer Freude heraus. 

Das nächste Gebot, welches Moshe von G - tt erhält, ist die Herstellung der acht Kleidungsstücke des Hohepriesters (Cohen HaGadol). In kabbalistischer sowie talmudischer Literatur repräsentiert jedes dieser Kleidungsstücke einen Tikun (eine Seelenkorrektur). Jedes einzelne Vergehen der Israeliten wird sozusagen von einem der Kleidungsstücke "repariert" (hebrä. Mekaper). 

Die Talmud Traktate Zevachim 88a und Arachin 16a geben hierzu eine Liste: 

Der Umhang (Ketonet) reparierte das Blutvergiessen, die Hose (Michnas) moralisches Fehlverhalten, der Turban reparierte die Arroganz, der Gürtel falsche Gedanken vom Herzen, das Choschen die Ungerechtigkeit, das Ephod den Götzendienst, der Mantel böswilliges Gerede und das Zitz am Kopf reparierte die Gleichgültigkeit gegenüber G - ttes Geboten. 

Viele Kommentatoren sind der Meinung, dass es hierbei nicht nur um die Kleider des Hohepriesters (Cohen HaGadol) geht. Es geht um Kleidung überhaupt. Im Judentum drückt die Kleidung den Charakter des Menschen aus. Sie gibt dem Menschen nicht nur ein gewisses Erscheinungsbild, sondern zeigt genauso seine Moral (Rabbi Samson Raphael Hirsch). 

Die Kleidung des Hohepriesters machte ihm zu etwas Besonderem und er unterschied sich dadurch von allen anderen. Genauso sollten wir uns durch unsere Kleidung von derer anderer Nationen unterscheiden. Durch anständige Kleidung vollbringen wir einen Tikun für uns selbst und diese Art der Kleidung hält uns davon ab zu sündigen (Rabbi Moshe Chaim Luzzatto – Ramchal). 

Viele haredische Freunde sagten mir, dass sie sich durch ihre Kleidung immer auf einem religiösen höheren Level befinden, welcher sie von relig. Vergehen abhält. Ich selbst habe auch schon diese Erfahrungen gemacht. 

Rabbi Kook gibt zu dem Thema ein exellentes und berühmtes Beispiel aus dem Talmud Traktat Shabbat 31a: 

Ein Nichtjude ging einmal an einer jüdischen Schule vorbei und hörte wie der Lehrer den Kindern die Kleidung des Hohepriesters lehrte. Der Nichtjude fand Gefallen an der Kleidung und beschloß, zum Judentum zu konvertieren. Er dachte, dass er nach seiner Konversion zum Hohepriester ernannt werden wird und diese tolle Kleidung tragen darf. Der Nichtjude ging also zu Schammai und trug ihm sein Anliegen vor. Doch Shammai akzeptierte ihn nicht. Das Judentum besteht nicht nur aus dem Dienst des Hohepriesters allein und der Nichtjude sollte schon andere Motivationen mitbringen. Daraufhin ging der Nichtjude zu Hillel. Er sagte ihm, dass er konvertieren wolle, um Hohepriester werden zu koennen. Hillel antwortete ihm, dass er zuerst einmal lernen muss, was ein Hohepriester für Aufgaben hat. Der Nichtjude lernte sehr ausführlich die jüdische Religion und fand so allein heraus, dass er nach seiner Konversion (als Konvertit) niemals Hohepriester sein kann. Nicht einmal König David hätte Hohepriester werden können, da er kein Cohen war. Wie also kann ich als Fremder, der zum jüdischen Volk kommt, Hohepriester werden ? 

In der nächsten Woche feiern wir Purim. In Jerusalem wird am Freitag (9. März) "Schuschan Purim" gefeiert und in fast allen anderen Orten der Welt findet Purim schon am Donnerstag statt. 

Solange es auf dieser Welt Antisemitismus gibt und andere Völker Juden einfach so ausrotten wollen, solange ist Purim allgegenwärtig und deswegen sollten wir dem Fest eine besondere Bedeutung einräumen. 

Der Herausgeber des Naziblattes "Der Stürmer", Julius Streicher, sagte wenige Sekunden vor seiner Hinrichtung durch den Strang "Purimspiel". Streicher wusste ganz genau, dass er in dem Augenblick der Haman war, der da, wie allen anderen Nazigrössen am Galgen endete. Was Streicher vielleicht nicht bekannt war: Die Bedeutung des Jahres, in welchem er hingerichtet worden ist stand in einem besonderen Zusammenhang mit dem Jahr der Hinrichtung des Haman und dessen Söhne.

Schabbat Schalom und Purim Sameach !!!

Mittwoch, Oktober 05, 2011

CROCS am Yom Kippur ?

B"H

Viele Rabbiner sprechen sich gegen das Tragen von Crocs am Yom Kippur aus. Darunter auch das führender spirituelle / halachische Oberhaupt der litvischen Haredim, Rabbi Eliyashiv.
Crocs am Yom Kippur oder Tisha Be' Av ? Die Plastikschuhe seien viel zu bequem und deswegen disqualifiziert.

Freitag abend (Erev Schabbat) beginnt der Yom Kippur und außer dem Essen und Trinken ist es den Juden ebenso untersagt, Lederschuhe zu tragen. Jegliches Bequeme soll vermieden werden, denn am Tisha Be'Av (für welchen fast die gleichen Gesetze wie am Yom Kippur gelten) betrauern wir die Zerstörung beider Tempel und am Yom Kippur sollen wir uns ganz zu G - tt richten; ohne weltliche Bequemlichkeiten, ohne alles. 
Normalerweise tragen jene Juden, welche den Yom Kippur einhalten, Turnschuhe ohne Lederanteile oder Plastik - bzw. Stoffschuhe. Seit der Einführung der Crocs jedoch, änderten sich die Gewohnheiten der Israelis. Crocs sind in unserem Land überaus beliebt, doch verhältnismässig teuer. Ein Paar originale Crocs kostet 200 Schekel (ca. 40 Euro). Aus diesem Grund wussten man hierzulande schnell Rat, indem "falsche" Crocs eingeführt wurden. Diese Plagiate kosten zwischen 20 - 30 Schekel (ca. 4 - 5 Euro) und werden überall verkauft. Sie sind fast so gut wie die echten Crocs, doch nur FAST.

Nun bleibt die Frage, ob die Plagiate am Yom Kippur genauso verboten sind ?

Donnerstag, Juli 28, 2011

Darf mit CROCS an den Füssen gebetet werden ?

B"H

Die halachische Frage, ob es erlaut ist zu beten, wenn man CROCS trägt, erscheint mir sehr wichtig. Ich selber bin ein großer CROCS Fan und trage die Schuhe in unterschiedlichen Variationen.

KIKAR SHABBAT wirft die Frage auf, ob ein Jude in CROCS beten darf und die Antwort darauf lautet JA. Allerdings sollte man seine Füsse nicht barfuss in die CROCS stecken, sondern schon Socken tragen.

Besonders im haredischen (ultra – orthodoxen) Judentum wird Wert darauf gelegt, nicht barfuss herumzulaufen. Auch nicht während des Gebetes. Wer Sandalen trägt oder CROCS, der sollte stets Socken anziehen und nicht seine bloßen Füsse zeigen.

Neue Kleidung vor dem Tisha be'Av ?


Photo: Miriam Woelke

B”H

Momentan befinden wir uns in den drei Wochen vor dem Tisha be’Av (genannt: Bejn HaMizrim), aber schon jetzt stehen wir mitten in der Trauerperiode um die zwei Jerusalemer Tempel. Der neunte des jüdischen Monat Av ist der Tag, an welchem der Erste und später der Zweite Tempel zerstört worden sind. Einmal durch die Babylonier und danach von den Römern.

Der 17. Tammuz leitete die Trauerperiode der drei Wochen ein und von dem Tag bis zum 9. Av (in diesem Jahr am 9. August) finden keinerlei Feiern statt. Keine Hochzeiten oder großartige Feste mit Musik. Neun Tage vor dem Tisha be’Av, am Rosh Chodesh Av (Monatsbeginn Av) startet die richtige Trauerperiode, wobei an den Wochentagen kein Fleisch gegessen wird, sondern nur am Schabbat. Aber dies nur als kleine Einleitung für weitere Texte zum Tisha be’Av.

Innerhalb der neun Tage vor dem Tisha be’Av gilt die Halacha, dass Juden keinerlei frische Wäsche anziehen. Bedeutet, dass die Kleidungsstücke vor Beginn der neun Tage schon einmal getragen werden mussten. Diejenigen, welche die Halacha einhalten, tragen bestimmte Kleidungsstücke ca. 30 Minuten abwechselnd im voraus.

Wie jedoch verhält sich die Sache mit der Wäsche in den jetzigen drei Wochen ?
Die Antwort lautet, dass neue Kleidung getragen, aber nicht gekauft werden darf. Wer vorher etwas Neues anschaffte, der darf es anziehen. Diejenige Kleidung, die keines Segens bedarf wie Socken oder Unterwäsche, darf sehr wohl gekauft und getragen werden. Einige Halacha – Experten erlauben sogar den Kauf neuer Kleidung bis zum Monatsbeginn des Av (am kommenden Montag).

Viele Juden mögen sich nicht darüber bewusst sein, dass wir beim erstmaligen Anziehen neuer Kleidung einen Segen sagen. Dies jedoch nur bei Shirts, Pullovern, Hosen, etc. Bei neuen Schuhen sagen wir keinen Segen, aber es gibt einen Brauch, dass man symbolisch mit einem Finger über die Schuhsohle streicht und so tut als schreibe man das Wort AMALEK. Bei Amalek handelte einen Nachkommen des Esav, welcher die Juden vernichten wollte.

Der Segen für neue Kleidung ist der reguläre “She Hechiyanu veKimanu LaZman Hazeh”.

Dienstag, Juli 26, 2011

Wo stammt der chassidische STREIMEL her ?



Normalerweise wird der chassidische Streimel am Schabbat sowie an Feiertagen getragen.

Montag, August 30, 2010

Höchst anständig gekleidete Frau in Meron


Photo: Miriam Woelke

Ich sah diese höchst anständig gekleidete Frau am Grabe des Rabbi Schimon bar Yochai in Meron. Vielleicht arbeitet sie dort auf der Frauenseite als eine Art "sebsternannte Aufsicht". Nichtsdestotrotz liess sie mich passieren und sagte kein einziges Wort.

Dienstag, August 17, 2010

Warum eine KIPA tragen ?

B"H

Warum bedecken Juden ihren Kopf mit einer Kipa (auch "Yarmulka" genannt) ?

Hierzu eine kurze Interpretation aus dem chassidischen Chabad Zirkel:

Der Gründer des Lubawitscher Movement, Rabbi Schneur Zalman von Liadi, 1745 - 1813, schrieb in seiner Interpretation des "Schulchan Aruch - Code of Jewish Law", dass der Kopf ein Teil des Körpers ist. Normalerweise bedecken Juden ihre Körperteile und stellen nicht alles öffentlich zur Schau. Die Halacha besagt, dass man vor G - tt in unachtsamer Weise keine diversen Körperteile entblössen darf. Vor allem nicht beim Gebet.

Ein unbedeckter Kopf würde, lt. Rabbi Schneur Zalman, eben zu jener Kategorie gehören und deswegen wird der Kopf bedeckt.

In chassidischen Kreis jedoch wird der Kopf beim Gebet nicht "nur" mit einer Kipa bedeckt, sondern gleichsam mit einem Tallit (Gebetsmantel) oder einem Hut.

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Quelle:

"The Encyclopedia of Hasidism"
von Tzvi M. Rabinowicz

Montag, Juli 12, 2010

Nichts als Perücken


Im Perückenladen.
Eigentlich sollte das Photo das "Bild des Tages" werden.:-)



B"H

Viele verheiratete haredische (ultra - orthodoxe) Frauen bedecken ihre Haare mit Perücken (Jiddisch: Scheitel). Hier die Gründe,warum im Judentum eine verheiratete, verwitwete oder geschiedene Frau ihre Haare bedeckt:



Weiterer Link zum Thema:



Persönlich erlebt:

Montag, Juli 05, 2010

Bild des Tages

Dienstag, Februar 16, 2010

Teurer Purim Spass

B"H

Nur kurze Zeit vor Purim sind Eltern damit beschäftigt, ihren lieben Kleinen Purimkostüme zu kaufen. Zu Purim verkleidet man sich ja bekanntlich und das Business läuft auf Hochtouren. Geschenkkörbe und Kostüme. Der Wahn hat begonnen und all das kostet wieder einmal Geld.

Die Kinder wollen nicht zurückstecken und ein tolles Kostüm muss her für die Schulparties zu Purim. Selbst die Kindergartenkinder rotieren und wollen nur das Beste. Bei säkuleren israelischen Youngsters sind Michael Jackson, Astronauten oder Comic Heros wie Superman IN. Kleine Mädels hingegen machen auf "Little Kitty" oder wie auch immer der rosa "Firlefanz" heissen mag. Bei den Religiösen steht nach wie vor die Tradition an. Die Mädchen gehen als Braut oder Königin Esther aus dem Buch Esther und die Jungen als Soldaten, Polizisten oder Harry Potter.

Vor einigen Tagen ging ich in das Jerusalemer Billigkaufhaus "Max Stock" und das war vollgepackt mit Haredim (Ultra - Orthodoxen). Litvische Yeshiva Studenten probierten Cowboyhütte an und junge Chassidim die allseits beliebten roten türkischen Hütte.
Warum gerade die türkischen Hüte ? Muss wohl noch an den Türken liegen, welche Palästina vor den Briten besetzten.

Einige Mea Shearim Rabbis lehnen die Verkleidungen als Polizisten oder Soldaten ab, denn das würde ja den zionistischen Staat repräsentieren. Wie auch immer - die Kinder lieben derlei Verkleidungen.





Die Frauen der Toldot Aharon


Das witzigste und süssteste Kostüm sah ich bei der chassidischen Gruppe Toldot Aharon in Mea Shearim. Ein kleines Mädchen, so ca. zwei oder drei Jahre alt, ging als verheiratete Frau. Von ihrer Mutter erhielt sie anscheinend die traditionelle schwarze Kopfbedeckung der Gruppe, die "Yasameh" (das schwarze Tuch).

Ich täte mich auch so verkleiden doch leider ist mein Jiddisch immer noch %$$#$%^* und wo bekomme ich solch ein schwarzes Tichel her?

Mittwoch, Januar 27, 2010

Der "letzte Streimel Schrei"


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Anmerkung: Die Pelzmützen, welche viele Chassidim am Schabbat oder am Feiertag aufsetzen, werden in der Regel "Streimel" genannt.

Mittwoch, Oktober 07, 2009

Der ANSTÄNDIGE Kragen der FRAU

B"H

Als ich vorgestern an den Sukkotfeierlichkeiten in Mea Shearim teilnahm, fand ich mich vor der Synagoge der chassidischen Gruppe Toldot Aharon in Mea Shearim / Jerusalem neben drei oder vier Frauen eben aus jener Gruppe wieder. Es wurden "Anstandsheftchen" für die Frau ausgeteilt und ich sprach mit zwei der Frauen, um auch eines zu bekommen.

Das Heft dreht sich im Wesentlichen um verheiratete haredische (ultra - orthodoxe) Frauen, die Perücke tragen, um so, wie für eine relig. jüdische Frau üblich, ihr Haar zu bedecken. Viele Rabbiner / Gruppierungen der haredischen Welt sprechen sich gegen die Perücke aus. Auf den Inhalt des Heftes werde ich baldigst näher eingehen.

Unter anderem befand sich jedoch auch eine Seite mit einer Graphik darin, den anständigen Kragen einer Frau beschreibend. Das eckige Kästchen in der Mitte zeigt die koscheren Variationen, nämlich, dass die Frau nicht mit einem unbedeckten Hals bzw. einem Ausschnitt herumlaufe.

Die Köpfe auf den Graphiken sind gesichtslos, was ebenso in vielen Kreisen der haredischen Gesellschaft üblich ist. Gesichter werden aus relig. Gründen nicht gerne dargestellt.



Samstag, September 26, 2009

Crocs am Yom Kippur ?


B"H

Viele Rabbiner sprechen sich gegen das Tragen von Crocs am Yom Kippur aus. Darunter auch das führender spirituelle / halachische Oberhaupt der litvischen Haredim, Rabbi Eliyashiv.
Crocs am Yom Kippur oder Tisha Be' Av ? Die Plastikschuhe seien viel zu bequem und deswegen disqualifiziert.

Morgen abend (Sonntag) beginnt der Yom Kippur und außer dem Essen und Trinken ist es den Juden ebenso untersagt, Lederschuhe zu tragen. Jegliches Bequeme soll vermieden werden, denn am Tisha Be'Av (für welchen fast die gleichen Gesetze wie am Yom Kippur gelten) betrauern wir die Zerstörung beider Tempel und am Yom Kippur sollen wir uns ganz zu G - tt richten; ohne weltliche Bequemlichkeiten, ohne alles.
Normalerweise tragen jene Juden, welche den Yom Kippur einhalten, Turnschuhe ohne Lederanteile oder Plastik - bzw. Stoffschuhe. Seit der Einführung der Crocs jedoch, änderten sich die Gewohnheiten der Israelis. Crocs sind in unserem Land überaus beliebt, doch verhältnismässig teuer. Ein Paar originale Crocs kostet 200 Schekel (ca. 40 Euro). Aus diesem Grund wussten man hierzulande schnell Rat, indem "falsche" Crocs eingeführt wurden. Diese Plagiate kosten nur 20 Schekel (ca. 4 Euro) und werden überall verkauft. Sie sind fast so gut wie die echten Crocs, doch nur FAST.

Nun bleibt die Frage, ob die Plagiate am Yom Kippur genauso verboten sind ?

Donnerstag, August 13, 2009

Gründe für die Kopfbedeckung der jüdischen Frau

B"H

Beim Zusammenfassen der Gründe, warum eine jüdische verheiratete Frau eine Kopfbedeckung zu tragen hat, liess ich soweit außer Acht, dass ebenso geschiedene wie verwitwete Frauen gewöhnlich ihr Haar bedecken. Hierbei jedoch bestehen Ausnahmen. Es gibt sogar Rabbiner, wenn auch nur wenige, welche geschiedenen Frauen keine Kopfbedeckung anraten.

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Die allerersten Thorastellen, in denen die Kopfbedeckung einer verheirateten Frau erwähnt wird, finden wir in der Thoraparasha"Chayei Sarah" im Buch Bereschit (Genesis), 24:65 sowie in Numeri (Bamidbar), 5:18, wo es um die Prozedur der "Sotah" geht. Eine Prozedur, ausgeführt im Tempel, bei der eine verheiratete Frau dem Verdacht unterliegt, ein außereheliches Verhältnis zu unterhalten. Bei dieser speziellen Prozedur bei welcher die Kopfbedeckung der Frau abgenommen wird. Somit wissen wir, das eine verheiratete Frau eine Kopfbedeckung trug.
In Parashat "Chayei Sarah" geht es hingegen darum, dass Rivka (Rebekka) zum ersten Male ihrem Zukünftigen, Yitzchak, begegnet und sie dabei vorher ihr Haar bedeckt.

Der Talmud Traktat Ketubot 72 nennt mehrere Merkmale, wann sich ein Ehemann sofort und ohne Weiteres scheiden lassen kann. Bedeutet unter anderem, dass er bei einem dieser Gründe nicht die festgelegte Summe der Ketubah (Ehevertrag) an seine Ex zahlen muss.

- Wenn eine Ehefrau hinaus auf den Markt geht und dabei keine Kopfbedeckung trägt.
Weitere Gründe sind: Die Ehefrau spricht mit jedem anderen Mann. Sie schreit und verflucht lauthals ihre Mitmenschen. Die Nachbarn hören die lauten Schreie und bzw. die schimpfende Stimme. Wenn die Gattin dem Mann vorlügt, sie sei "rein" und danach haben beide Sex. Befindet sich eine Ehefrau im Status der "Unreinheit", heißt, sie hat ihre Periode oder war nach einer vorgeschriebenen Anzahl von Tagen noch nicht in der Mikweh (im Ritualbad), kann der der Gatte sofort beim Beit Din (rabbinischen Gericht) die Scheidung einreichen. Genauso wenn sie beim Backen keine Challah (vorgeschrieben Teigmenge, die früher an den Tempel ging und heutzutage verbrannt wird) nimmt. Ebenso wenn die Frau ihre Eide und Schwüre (hierfür gelten spezielle Halachot) nicht einhält.

Die Thora (in Numeri 5:18) verbietet einer verheirateten Frau mit unbedecktem Kopf hinauszugehen (auf den Markt).

Was aber bedeutet "hinaus auf den Markt" ? Muss sich eine Frau die Haare bedecken, sobald sie sich zum Markt aufmacht ?

Der Talmud beschreibt, dass "zum Markt" bedeutet, dass sobald eine verheiratete Frau in die Öffentlichkeit (hinaus vor die Tür) tritt, sie dies mit bedecktem Haupte zu tun hat. Die Talmudkommentatoren Raschi, Ritva sowie die Tosafot sagen, dass die Frau in den eigenen vier Wänden keine Kopfbedeckung tragen muss, sondern nur draußen vor der Türe. Hierzu sei anzumerken, dass die Mehrheit der heutigen relig. israelischen Frauen auch daheim eine Kopfbedeckung trägt. Nationalrelig. genauso wie haredische (ultra - orthodoxe) Frauen. Nur wenn sie allein mit ihrem Gatten sind, nehmen sie die Kopfbedeckung herunter.

Die Mischna (mündliche Gesetzesüberlieferung vom Berg Sinai) legt fest, dass eine Zuwiderhandlung der Frau ein Verstoß gegen die Thora des Moshe bildet. Oder mit anderen Worten: Die Frau handelt unanständig. Der Chazon Ish kommentiert hierzu, dass eine absichtlich nicht aufgesetzte Kopfbedeckung zu weiteren Fehlverhalten der Frau führt. Es wird, u.a., befürchtet, dass ein anderer Mann die Frau als Single ansieht, er sich an sie heranmacht und die Frau sogar zustimmt.

Der Rambam (Maimonides, 1135 - 1214) greift dieses Thema in seiner "Mischna Thora - Hilchot Ischut 24:11" auf. Eine verheiratete Frau, die sich öffentlich ohne Kopfbedeckung zeigt, handelt wider der Thora.

Im "Schulchan Aruch - Code of Jewish Law" (Even Ezer - Hilchot Ischut 21:2) finden wir dieselben halachischen Bestimmungen.

Viele fragen, was denn nun mit einer Konvertitin zum Judentum ist, die da nach ihrem Giur einen Juden heiratet. Selbstverständlich ist diese ebenso verpflichtet, eine Kopfbedeckung zu tragen.

Was, wenn eine Konvertitin zum Judentum geschieden ist ? Heißt, sie war im vorherigen Leben als Nichtjüdin verheiratet und liess sich dann irgendwann scheiden.

Sie braucht keine Kopfbedeckung zu tragen, wenn sie nach dem Giur keinen Juden heiratete bzw. Single blieb. Die Ehe von vor der Zeit der Konversion zählt nicht im Judentum und demzufolge war sie nie verheiratet. Ergo, eine Kopfbedeckung ist nicht erforderlich.

Ich werde mich zu dem Thema noch etwas schlauer machen. Insbesondere was Witwen und jüdisch geborene geschiedene Frauen betrifft.

Manchmal kann das Thema jedoch recht heikel werden:

Eine Bekannte von mir wurde in chassidischen Synagoge öfters angemacht. Dort ist es für die Frauen selbstverständlich, dass jemand verheiratet ist. Wer ab einem gewissen Alter noch ohne Kopfbedeckung herumläuft, scheint irgendwie verdächtig.

Einmal kam eine chassidische Frau auf mich zu und meinte, dass meine Freundin doch bitte eine Kopfbedeckung tragen möge. Letztere aber war konvertiert und aus dem Leben vor dem Giur geschieden. Da ich nicht all die Privatangelegenheiten meiner Bekannten aufdecken wollte, meinte ich nur, dass sie halt geschieden sei. Die chassidische Frau aber beharrte auf ihrer Meinung und sagte, dass wenn eine verheiratete oder geschiedene Frau ihre Haare nicht bedecke, ihre Gebete nicht aufsteigen.

Von einer derartigen Meinung hörte ich offiziell noch nie, doch besteht eine Ansicht, dass eine verheiratete Frau nur mit Kopfbedeckung beten sollte !

Donnerstag, August 06, 2009

Der "Scheitel - Krieg"

Photo + Artikel: Kikar Shabbat


B"H

Manchmal frage ich mich tatsächlich, ob es nichts Dringlicheres auf der Welt als die Rechtmässigkeit eines Scheitels (Perücke) anzuzweifeln. Ist nichtjüdisches Haar, welches zur Perückenherstellung verwendet wird nun koscher oder nicht ? Unter jenen, die sagen, es sei durchaus koscher ist der Vilna Gaon. Andere Rabbiner sehen das heutzutage nicht mehr so, denn die Perückenherstellung habe sich verändert.

Eine verheiratete, geschiedene oder verwitwete jüdisch religiöse Frau muss ihre Haare bedecken. Vorwiegend haredische (ultra - orthodoxe) Frauen tun dies anhand einer Perücke, welche in der Jiddischen Sprache auch "Scheitel" genannt wird. Nationalrelig. Frauen sowie jene, der der chassidischen Gruppe Breslov angehören, bedecken ihr Haar nicht mit einem Scheitel, sondern lediglich mit einem Hut oder einer Midpachat (links im Bild).

Ich muss gestehen, dass ich mit dem Thema wenig auseinandersetze, eben weil ich Single bin und das Problem nicht habe. Wenn ich verheiratet wäre, dann täte ich mich ebenso für die moderne Form eines Hutes entscheiden, denn warum sollte ich mein Haar mit anderem Haar (entweder Kunsthaar oder eine Perücke aus echtem Haar) bedecken ?
Ich finde eine Perücke einfach ekelhaft. Außerdem ist sie teuer und muss ständig beim Perückenmacher gepflegt / gesäubert werden. Da bildet ein Hut die einfachere Alternative.

Natürlich ist es für mich leicht, solch eine Aussage zu machen, denn ich bein kein Teil der haredischen Gesellschaft mehr. Und ich komme immer mit den altbekannten Argumenten daher, dass es Haredim gibt, die da mit offenem Shirt, ggf. Sandalen und aufgerollten Ärmeln herumlaufen, während ihre Frauen mehr als zugeknöpft anständig herumlaufen müssen. Wieso sollte ich mir das antun ?

Andererseits verstehe ich den Sinn und Zweck innerhalb der haredischen Gesellschaft. Es bestehen dort halachische sowie gesellschaftliche Gründe.
Der ehemalige sephardische Oberrabbiner Ovadiah Yosef lehnt die Scheitel komplett ab und die Frauen der chassidischen Toldot Aharon hassen Perücken wie die Pest. Sie scheren sich die Haare vom Kopf und setzen eine Yasameh (Kopftuch) auf.

Toldot Aharon Frauen. Nicht nur diese Frauen scheren sich ihre Haare vom Kopf, sondern ebenso die Mehrheit aller chassidischen Frauen (außer Chabad und Breslov).

Seit Jahren läuft die Scheiteldiskussion in Israel und immer wieder laufen Hetztiraden gegen die Perücken hergestellt aus nichtjüdischem Haar. Bei Chabad trägt die Frau, soweit mir bekannt ist, nur Kunsthaarperücken und somit ist wenigstens Chabad von dem Thema befreit.:-)

Persönlich denke ich, dass es wichtigere Probleme innerhalb des Judentum gibt als darüber zu zoffen, welche Perücke nun koscher ist und welche nicht. Und schert sich G - tt darum, was ich für eine Perücke trage ? Die Haare bedecken, okay, aber wieso soll man solch eine immense Summe für eine Perücke aufwenden und hinterher wird einem dann gesagt, dass diese unkoscher ist und jetzt in den Müll geworfen wird.


Meine Lösung für alle zionistisch Eingestellten:



Links:

Cover your Hair

Headcoverings by Devorah

Dienstag, Mai 05, 2009

Koscheres Mehl und die weibliche Kopfbedeckung

B"H

Eine seltsame Überschrift, doch schauen wir, wie sich beides ineinanderfügt.

Wer sich jüdisch - religiös kleidet, von dem wird normalerweise ein diverses relig. Verhalten erwartet. Zumindest beim Auftreten in der Öffentlichkeit.

Der Mann mit Kipa, schwarzer Kipa, weissem Hemd und schwarzer Hose; die verheiratete (geschiedene oder verwitwete) Frau mit Kopfbedeckung und Rock. Wer diesen Beschreibungen allem Anschein nach nicht entspricht, der wird in vielen Teilen Israels, ganz besonders in Jerusalem, rein äußerlich automatisch in die Kategorie "sekulär" verfrachtet. Nur muss die Stereotype nicht immer stimmen, denn nicht gerade wenige offenbar säkulere Juden erweisen sich im Nachhinein als recht traditionell, wenn nicht sogar als religiös. Nur sieht man es ihnen von außen her kaum an.

Letzteres hatten wir gestern in unserer Bäckerei. "Ja" und auch wieder "Nein", denn ich bin mir in dem Fall nicht sicher, ob es um Religion, Prioritäten, Prinzipien oder alles zusammen ging.
Eine offensichtlich, jedenfalls nach außen hin, sekuläre Israelin betrat morgens den Laden und fragte vor dem Einkauf einer bestimmten Ware von wann denn das Mehl sei mit dem gebacken wurde. Ob noch von vor Pessach (Pessach war vor ca. einem Monat) oder schon von nach Pessach ?
Der Manager war gerade anwesend und sagte, dass wir erst in 2 - 3 Tagen mit dem neuen Mehl beginnen und solange noch mit dem Mehl von vor Pessach backen. Die Frau lehnte den Kauf der Ware aus diesem Grunde ab und entschied sich für ein anderes Gebäck, bei welchem schon Mehl von nach Pessach verwendet worden war.

Als sie wegen all dem fast einen kleinen Aufstand zelebrierte, dachten wir, dass sie wohl anscheinend super relig. war und man es halt nicht sah. Mit gleichem Atemzuge jedoch berichtete sie von ihren Kindern und so weiter. Ich sagte daraufhin zum Manager, dass da ja wohl etwas nicht ganz zusammenpasst. Einerseits auf wer weiss wie korrekt machen und andererseits aber ohne Kopfbedeckung herumlaufen.
Bei Kindern und dem dazugehörigen Ehemann würde sie sich da nicht die Haare bedecken, wenn sie denn selber so korrekt auf diverse Dinge achte ? Selbst geschiedene oder verwitwete Frauen tragen nach wie vor die Kopfbedeckung !

Nun liegt es nicht an der Bäckerei, die Frau zu richten, doch kam mir all das nur so in den Sinn als ich das Geschehen beobachtete.

Die Bäckerei verfügt über das Koscherzertifikat (Hechscher) der Belzer Chassidim (Badatz Belz) und diese sorgen selbstverständlich dafür, dass alles koscher abläuft. Laut der Halacha darf Mehl, welches sich in einem Haushalt oder einem Unternehmen befand und nicht über die Pessachfeiertage an einen Nichtjuden verkauft worden war (in der Fachsprache nennt man diesen Verkauf "Mechirat Chametz") nach Pessach nicht mehr verwendet werden, denn es gilt als nicht koscher !
Hingegen darf Mehl, welches symbolisch verkauft worden war, ohne Zweifel weiterhin verwendet werden und somit kann nach Pessach der Backprozeß beginnen. Nebenbei bekommt man bei Verkauf ein Zertifikat, welches im Laden aufgehängt wird. Eine Bestätigung vom jeweiligen Maschgiach (Koscherexperten), dass das Mehl verkauft worden war. Nicht wenige unserer Kunden (speziell die Haredim) wollen dieses Zertifikat sehen.

Demnach also ist es egal, ob das Mehl von vor oder nach Pessach stammt, denn es ist koscher ! Was also gab es zu beanstanden ? Vor allem dann, wenn ich auf ein Gesetz besonderen Wert lege und andererseits nachlässig im Hinblick auf die Halacha handele.


Lassen wir Kav S'chut (Benefit of a Doubt, Zweifel) gelten und sagen wir, die Frau hat Kinder, aber war niemals verheiratet. Oder sie war verheiratet und ist im späteren Lebensverlauf zum Judentum konvertiert. Wer als Nichtjude mit einem Nichtjuden oder mit einem Juden verheiratet war, sich scheiden läßt und danach irgendwann zum Judentum konvertiert, der braucht sich nicht die Haare zu bedecken, denn die vorherige Ehe gilt in der Orthodoxie als ungültig. Somit wird man automatisch als Single eingestuft. Selbst dann, wenn man aus der Ehe als Nichtjude Kinder hatte.

Aber nicht nur die Orthodoxie handelt dementsprechend; wer nach einem solchen Giur (Konversion zum Judentum) Aliyah macht und in seinem "früheren" Leben mit einem Nichtjuden verheiratet gewesen war, bekommt als Ausweiseintrag "Single" und nicht "Geschieden".

Allerdings es gibt auch noch einen ganz anderen Lösungsvorschlag:
Die Frau pickte sich eine Mitzwah aus der gesamten Halacha und diese hält sie auf Biegen und Brechen ein; selbst dann, wenn sie alle anderen Gesetze vernachlässigt.

Aber auch hierbei ist zu beanstanden, dass unser Mehl nun einmal koscher war …