Im jüdischen Altstadtviertel vor der dem Tempelberg. Im Hintergrund die Klagemauer sowie der Felsendom.
Photo: Miriam Woelke
B”H
Die Thoralesung für diesen Schabbat
An diesem Schabbat wird in den Synagogen die Thora von vorne gelesen. Jedes Jahr unterliegen die jeweiligen Wochenabschnitte der Thora einem speziellen Zyklus, welcher mit Sukkot endet. Nach Simchat Thora geht es wieder von vorn los und so lautet die Thora Parasha des dieswöchigen Schabbat BERESCHIT – GENESIS.
Gerade bei Bereschit besteht immer wieder das Problem, wo genau man denn anfangen soll zu kommentieren. Schliesslich beinhaltet die Parasha die gesamte Erschaffung unseres Universums sowie die Erschaffung jeglicher Existenz. Im Gegensatz zum christlichen Glauben geht es in der Parasha nicht ausschliesslich um Adam und Eva (Chava), die da ihren G – ttgegebenen freien Willen an einem Apfel ausliessen, sondern darum, dass G – tt als alleinige Existenz unser Universum sowie uns erschuf.
In der Kabbalah existieren haufenweise Kommentare und Bücher allein zum ersten Wort der Thora “Bereschit – Genesis”. Allgemein wird es ja mit “Am Anfang” übersetzt, was jedoch nicht ganz der Richtigkeit entspricht. Insbesondere in der kabbalistischen Literatur wird das eine Wort in zwei unterteilt:
Bereschit = Be’Reschit = בראשית
Und so wird aus dem Inhalt nicht “Am Anfang”, sondern “Mit Weisheit”. G – tt erschuf die Welt mit Weisheit (“Reschit” oder auch “Chochmah”).
Das Wort BERESCHIT stellt laut dem kabbalistischen Buch ZOHAR die Wurzel der gesamten Thora. “Bereschit” beinhaltet die uns verborgene Kraft und die Gedanken G – ttes, mit welchen Er die Welt erschuf. Mehrere Male zuvor deutete ich an, dass allein G – tt mit Seinen Gedanken ERSCHAFFEN kann. Und genau das tat Er bei der Erschaffung des Universums und allein Seins.
Doch nicht nur die Entstehungsgeschichte ist in “Bereschit” enthalten, sondern genau so die Zukunft, so der Vilna Gaon, Rabbi Eliyahu Kremer, 1720 – 1797. “Bereschit” sei das Tor zur Vergangenheit, der Gegenwart sowie der Zukunft und nicht umsonst besteht die kabbalistische Literatur aus Tausenden Kommentaren zum Wort “Bereschit”.
Das Buch BERESCHIT (1. Buch Mose) ist mein absolutes Lieblingsbuch der Thora und immer wieder berichte ich insbesondere zur Parashat Bereschit oder Noach.
An dieser Stelle will ich einmal die Kabbalah beiseite lassen und einen hervorragenden Kommentar des chassidischen Rabbiners Elimelech von Lejanks (Letschansk), 1717 – 1787, einbringen. In seinem Thorakommentar “Noam Elimelech” führt er ein Beispiel an, was auch uns heutzutage zu denken geben sollte.
Im Gan Eden (Paradies) gab es viele unterschiedliche Pflanzen und Bäume. Bei den uns bekanntesten Bäume handelt es sich eindeutig um den “Baum des Lebens – Etz HaChaim" und den “Baum der Erkenntnis – Etz HaDa’at Tov veRah”.
Rabbi Elimelech stellt die beiden Bäume einander gegenüber und verbindet sie mit folgender Symbolik:
Der “Baum des Lebens – Etz HaChaim” steht für die Thora, denn ohne Thora keine Existenz und kein Leben. Der “Baum der Erkenntnis – Etz HaDa’at Tov veRah” dagegen steht für die materielle Welt. Bedeutet, für die Befriedigung der Menschen. Essen, trinken, Luxusgüter, Geld, alles Materielle sowie Kino, TV, sich das neueste Galaxy Handy anzuschaffen (wie ich es demnächst vorhabe).
Anstatt vom “Baum des Lebens” zu essen, bedeutet, die Thora zu lernen, stürzten sich Adam und Eva lieber auf alles Weltliche.
Ohne Thorawissen jedoch kann die Kenntnis allen Weltlichen folgenschwere Konsequenzen haben, denn wie soll ich, ohne jegliches Wissen um G – tt, noch unterscheiden, was richtig und falsch ist. Was ist oberflächlich und bringt mir kurzfristige Freude im Leben, wohingegen mir das Thorawissen ganz andere Möglichkeiten eröffnet ? Spiritualität und eine Verbindung zu G – tt.
Das aktuelleste iPhone (ich besitze G – tt sei Dank keine Apple Geräte) bietet einem Menschen, in diesem Fall “Konsumenten”, lediglich eine zeitweilige Befriedigung. Was aber bleibt davon übrig ? In spätestens ein bis zwei Jahren hat derjenige schon wieder ein neues Handy und schert sich nicht mehr um das alte.
Der Sinn unseres Lebens besteht in Tieferem und nicht in einer materiellen Kaufkraft, die uns zeitweilige oberflächliche Freude bringt. Das ist es, was Rabbi Elimelech von Lejansk hier mitteilen will und dieser Gedanke trifft in unserer Generation mehr zu als in allen vorherigen.
Essen nicht auch wir zuerst vom “Baum des Materiellen” ?
“Schabbat Schalom” an alle Leser !
Links: