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Die israelische Supermarktkette "Schefa" ist nach wie vor mit einem haredischen (ultra – orthod.) Bann versehen. Wie ich schon mehrere Male in der Vergangenheit berichtete, gehört "Schefa" zur "Dor – Alon Gruppe", welche ebenso die Supermarktkette "AM:PM" besitzt. Und genau der "AM:PM" ist das eigentliche Problem, denn die Filialen haben am Schabbat geöffnet. Wer heute durch Tel Aviv oder das benachbarte Ramat Gan geht, der findet fast an jeder Straßenecke eine dieser Filialen. Die Produkte sind im Wesentlichen koscher, doch die Öffnungszeiten am Schabbat halt nicht.
Die "Schefa" – Kundschaft besteht zum größten Teil aus Haredim oder den Nationalreligiösen und es war der litvische geistige Führer, Rabbi Eliyashiv, der den Bann zusammen mit dem Rebben der Chassidut Gur, Rebbe Yaakov Aryeh Alter, ausrief:
Solange "AM:PM" am Schabbat verkauft, bleibt der Bann auf den noch so haredischen "Schefa" bestehen.
Der "Schefa" - MarktEs entzieht sich meiner Kenntnis, wie das "Schefa" – Management mit den finanziellen Verlusten fertig wird. Manchmal vergessen wir alle sogar das Thema und es ist unklar, ob der Bann noch aktuell ist oder nicht. Vor zehn Tagen war ich in Bnei Brak und dort wurde mir mehr als klargemacht, dass der Bann nichts an Aktualität verloren hat. Warnende Poster überall an den Hauswänden. Man solle bloß nicht bei "Schefa" einkaufen.
Lokalzeitungen in Tel Aviv berichteten neulich von einem weiteren haredischen Bann. Eine andere unkoschere Ladenkette ("Tiv Ta'am") wolle neben einem haredischen Stadtteil (in Tel Aviv) eine neue Filiale eröffnen. "Tiv Ta'am" ist mehr als unkoscher, denn dort wird schon jahrelang Schweinefleisch verkauft. Besitzer ist meines Wissens nach immer noch der russ. – israel. Milliardär Arkadi Gaydamak.
Die haredische Bevölkerung dagegen sieht ihre Immobilienpreise in Gefahr. Welcher Haredi will denn noch ein Haus in einer Gegend kaufen, in der Schweinefleisch über die Ladentheke geht ?
Der ganz aktuelle Fall kommt aus Haifa. Dort erwägen haredische Rabbiner einen Bann auf die lokalen EGGED – Busse, denn einige von ihnen fahren am Schabbat durch die Stadt. Haifa entschied sich erneut für einen kleinen Busverkehr am Schabbat, was nichts Neues darstellt, denn dies wird schon jahrelang so gehandhabt. Laut der Fahrgäste stören die Busse ja niemanden, denn sie durchqueren keine haredischen Gebiete.
Meine Absicht besteht nicht darin, die Seite der Haredim oder die der Gegenseite zu ergreifen, doch habe ich ein paar Fragen.
Warum sprechen die Haredim erst dann einen Bann (Cherem) aus, wenn es schon fast zu spät erscheint bzw. die Sache schon ins Rollen gekommen ist ? Warum nicht viel eher ?
"Tiv Ta'am" verkauft schon jahrelang Schweinefleisch und niemand sagte ein Wort.
"AM:PM" hat schon jahrelang am Schabbat geöffnet, doch niemand regte sich groß auf.
Einige Busse in Haifa sind schon jahrelang am Schabbat in Betrieb, aber Beschwerden blieben weitgehend aus.
Wo waren bisher all die Beschwerden und die Anstandspolizei ? Wird erst immer reagiert, wenn es haredische Stadtteil betrifft.
Wo bleiben die wilden Demos und der Bann auf "The Kingdom of Pork Factory" nahe des Tel Aviver Busbahnhofes ? Wo sind all die Demos gegen die unkoscheren Läden in der Jerusalemer Agrippas Street hin ? Warum wird sich erst jetzt beschwert ?
Ist der Grund wieder einmal nur die Politik, wie so oft zuvor ?