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Mittwoch, Februar 22, 2012

Rettet FELDHEIM Israel !

B"H 

Eine der größten Verleger jüdisch – religiöser Bücher, FELDHEIM (Israel), steht offenbar kurz vor dem Zusammenbruch. Die haredische (ultra – orthodoxe) News Site "Be'Chadre'i HaCharedim" berichtete als erstes von dem möglichen Konkurs des israelischen Zweiges des FELDHEIM Verlages. Kommentatoren zum Artikel berichteten von einem 15 Mio Schekel Schuldenberg (mehr als 3 Mio Euro). Andere behaupten sogar, FELDHEIM habe noch viel höhere Schulden.

Wer in Deutschland FELDHEIM vielleicht nicht kennt: Der Verlag ist weltweit bekannt und veröffentlich Bücher im jüdisch – orthodoxen Sinne. Fast immer in englischer Sprache mit hervorragenden Kommentarsammlungen und Erklärungen.

Viele Rabbiner und Autoren zeigen ihre für Unterstützung FELDHEIM



Ohne FELDHEIM wären Tausende Bücher niemals veröffentlicht worden.

Wenn ich einen möglichen Bankrottgrund nennen darf: Für mich persönlich waren FELDHEIM Bücher immer etwas teuer. Zwar sind sie brilliant gemacht, aber sie haben ihren stolzen Preis. Sobald mein Hebräisch fliessend war, kaufte ich mir Bücher israelischer Verlage, die da wesentlich billiger zu haben sind. Wer als Yeshiva Student kann sich schon FELDHEIM Bücher leisten, die da oft Hunderte von Schekel kosten ?

Sonntag, Februar 19, 2012

"Kfar Hashashu'im" und die Purim - Werbung

B"H 

Kein Zweifel. Purim steht direkt vor der Tür. Woher ich das weiss ? Nicht nur vom Blick in den jüdischen Kalender, sondern meine Umwelt macht mir das anstehende jüdische Fest mehr als deutlich. Vor ein paar Tagen sah ich meine ersten Hamantaschen in diesem Jahr in einer Tel Aviver Bäckerei. Bei den Hamantaschen handelt es sich um die traditionelle Purim – Nascherei. Neben dem Essen aber ist Purim genau so im Tel Aviver Carmel Markt präsent, denn eine Menge Stände verkaufen Kinderkostüme.

Wer nicht in Israel lebt, der kennt bestimmt auch nicht die landesweite Spielzeug – und Schreibwarenkette "Kfar HaShashu'im". Die Ladenkette ist hierzulande extrem populär; ganz besonders wegen ihrer recht günstigen Preise.

"Kfar Shashashu'im" hat auch eine Facebook page und dort wird gerade Purim – Werbung für die ultra – orthodoxe Kundschaft betrieben. Man darf nicht vergessen, dass die Haredim (ultra – orthodoxe Juden) einen beträchtlichen Kundenanteil ausmachen und viel Geld in die Kassen bringen ! 

Jedenfalls regt sich die säkulere Kundschaft des "Kfar Hashashu'im" momentan mächtig über ein Werbeposter auf der Facebook Page des Unternehmens aus. "Kfar HaShashu’im" zeigt sich überrascht, denn niemand hatte den Aufruhr erwartet. Säkulere Kunden aber stören sich an einem Werbeposter, auf dem die Gesichter der Mädchen unkenntlich gemacht worden sind. Offenbar deshalb, weil in der haredischen Werbung kaum jemals eine Frau erscheint bzw. abgelichtet wird. An anderen Stellen erscheint das Poster mit allen Gesichtern.


Ich erinnere mich, dasselbe Poster schon im letzten Jahr gesehen zu haben. Und zwar machte "Kfar Hashashu’im" schon damals Werbung für Purimkostüme, in welcher keinerlei Mädchengesichter erschienen. In der haredischen Presse sowohl als auch in einer nationalreligiösen Wochenzeitung.


Falls mich jemand dazu befragt: Ich finde derlei Werbung mit herausgeschnippelten Gesichtern voll daneben.

Samstag, Januar 14, 2012

Wo ist mein Geld in Sicherheit ?

B”H

Der Talmud Traktat Bava Metziah 42a diskutiert die Frage, wo genau ein Jude sein Geld sicher aufbewahren soll. Eine Antwort darauf lautet, dass das Geld an einer sicheren Stelle einfach vergraben wird. Allgemein jedoch gilt die Regel, dass ein sicherer Ort für die Gelddeponierung von der jeweiligen Zeitepoche abhängt. Vor Tausend Jahren mag das Vergraben noch recht populär gewesen sein, doch Rabbi Moshe Feinstein legte fest, dass in unserer Zeit Geld am besten auf der Bank aufgehoben sei. Und zwar bei einer seriös arbeitenden Bank mit Sparkonten und Depots.

Dienstag, November 15, 2011

Das Tor zur Lebensfreude


Am Strand von Tel Aviv.

Photo: Miriam Woelke

B"H 

Was ich gerade dieser Tage lernte: Allein eine Menge Geld zu haben macht nicht glücklich. Das Einzige, was Geld bringt ist Sicherheit. Wer dagegen wahre Lebensfreude sucht, der erfreue sich seiner Gesundheit und lege großen Wert auf gute Freunde und eine intakte Familie.

Donnerstag, Juni 23, 2011

Die “Hüttenkäse – Rebellion”


Photo: Miriam Woelke
B”H

Ausgerechnet ein Haredi (ultra – orthodoxer Jude) aus Bnei Brak (bei Tel Aviv) zettelte auf Facebook den israelischen Verbraucherkrieg gegen die heimschen Hüttenkäse (Cottage) – Hersteller an.

Seit geraumer Zeit steigt der Preis für den in Israel so beliebten Hüttenkäse drastisch an und der Konsument verweigert nun den Kauf des Produktes. Die Facebook Group half und plötzlich sehen sich die Hersteller an die Wand gedrängt.

Montag, März 22, 2010

Falsche Koscherzertifikate


Ein echtes Hechscher des Jerusalemer Oberrabbinats


B"H

Unzählige falsche Koscherzertifikate (Hechscherim) sind in Israel unterwegs. Restaurants oder Cafes wollen die Zahl ihrer Kundschaft anheben und hängen, selbst wenn nicht koscher, ein Zertifikat vom Rabbanut (Oberrabbinat) oder einer anderen relig. Einrichtung wie "Badatz Belz" aus.

Sobald ich ein Restaurant betrete oder an einem Marktstand mit einem bestimmten ausgehängten Hechscher einkaufe, muss ich eigentlich davon ausgehen, dass alles koscher ist. Denkste, denn viele Hechscherim sind falsch und nur dazu da, relig. Kundschaft anzulocken und somit den Kunden irrezuführen.

Am Freitag passierte es mir, dass ich ein Zertifikat vom Rabbanut Tel Aviv in einem sonst unkoscheren Schwarma - Restaurant vorfand. Am vergangenen Pessach verkaufte dieser Schnellimbiss auch weiterhin das verbotene Chametz (Weizenpitot). Es mag ja sein, dass man sich mittlerweile eines Besseren besann und koscher wurde, dennoch habe ich meine Zweifel.

1. Ist das Zertifikat grün und nicht wie sonst ockerfarben oder gelb.

2. Fehlt der offizielle Stempel.

3. Der Name des ausstellenden Rabbiners erscheint nicht auf der Liste des Oberrabbinat Tel Aviv.

Ich habe das Rabbanut kontaktiert und werde sehen, wie die Antwort ausfällt.

Angebrachte Zweifel und wer Klarheiten, gerade jetzt vor Pessach, sucht, der schaue hier herein:


oder hier:

Dienstag, März 16, 2010

עיני הרנטגן - Rabbi Yaakov Ifergan

B"H

Jüdisch - relig. scheint momentan Hochkonjunktur zu haben. Wenn westliche nichtjüdische Medien oder säkulere israelische Uniprofessoren oder Journalisten berichten, klingt fast alles ein wenig flapsig und falsch interpretiert. Seit einigen Monaten jedoch überrascht uns der israelische TV Sender "Arutz 10" mit nicht schlecht recherchiertem Material. Zwar nach wie vor aus der Sicht von Anfängern, doch immerhin ausgestattet mit Interviews von "vor Ort" und nicht Abkopiertes und Selbstinterpretiertes" aus dem Internet.

Vor wenigen Tagen kam nun Rabbi Yaakov Ifergan an die Reihe. "Ifergan, der New Age Guru" oder, wie er gerne genannt wird, der "Röntgen Rabbi". Letzterer Name deswegen, weil er schon beim Anblick einer Person alles, incl. Schicksal, zu wissen scheint.
Rabbi Yaakov Ifergan wohnt im südlichen Netivot und war, soweit mir bekannt ist, einmal ein Schüler des großen marokkanischen Rabbis "Baba Sali" (Israel Abuchatzeira). Solange, bis sich Ifergan selbständig machte und die Röntgenstrahlen sah. Seither plagt die Kleinstadt Netivot ein ernster Konkurrenzzwist der Familien Abuchatzeira und Ifergan. Leider ist es heute so, dass mehr Juden zu den Ifergans pilgern als zum Grab des Baba Sali nicht weit entfernt.

Ich will Rabbi Ifergan nichts unterstellen, doch ahne ich nie Positives, wenn sich da ein Rabbi an die High Society schmeisst und auf "spirituelle Erleuchtung" macht. Weder die israelische High Society noch der Rabbi bestreiten, dass es neben G - tt auch noch um reichhaltige Spendenzuwendungen geht. Die Reichen meinen, erleuchtet worden zu sein und Ifergan nimmt dankend Bares an. Seine Kontakte machten ihn damit zu einem der meist einflussreichsten Persönlichkeiten Israels.

Nun zeigte Arutz 10 einen Filmreport über den "Röntgen". Leider ist der Bericht nur in hebräischer Sprache und selbst ich muss ihn mir noch anschauen. Eines jedoch steht schon fest: Der TV - Report brach viele Einschaltquoten. Ein Beweis dafür, dass der "Röntgen Rabbi" Freunde und Feinde zu haben scheint. Zumindest will jeder ein paar seiner "Strahlen" sehen.


Mittwoch, Dezember 02, 2009

Rabbi Nissim Karelitz gegen die NEW PHARM

B"H

Noch vor wenigen Tagen tobte hier auf diesem Blog eine erbitterte Diskussion zum Thema "Frauen mit zu dick aufgetragener Schminke etc." und schon steht dieses Thema auch im fast haredischen (ultra - orthodoxen) Bnei Brak (bei Tel Aviv) zur Diskussion.
Dort nämlich erliess der örtliche Oberrabbiner Nissim Karelitz einen Issur (Verbot), bei der gerade neu eröffneten "New Pharm" (eine israelische Drogeriekette) einzukaufen. Oder mit anderen Worten: Das Beit Din (rabbinisches Gericht) des Rabbi Karelitz erliess einen Bann gegen "New Pharm".

Warum ?

Weil er die Drogerie mit ihren Produkten wie Parfums und allerlei Kosmetikartikeln als spirituelle Gefahr sieht.

Mal sehen, wie die Angelegenheit weitergeht, denn ich bin mir sicher, dass Bnei Braker Haredim gerne dort einkaufen täten. Allgemein gelten die Bnei Braker eh als "modern" und "peppig auf die Mode achtende" Haredim. Zur Missfallen einiger strenger Rabbiner.

Ob sich wohl jetzt alle nach dem Erlass richten und boykottieren ?


Link:

Artikel der Chadrei HaCharedim (hebraeisch)

Mittwoch, November 04, 2009

Die modernen Schnorrer

B"H


In Israel ansässige orthodoxe Einrichtungen, hierbei vor allem haredische (ultra - orthodoxe) Ausrichtungen, sind nicht selten auf Spenden angewiesen. Fast alle haredischen Rabbiner (einschliesslich der chassidischen) benötigen Unmengen von Geldern, um die Yeshivot und andere Lerninstitute aufrecht zu erhalten. Hinzu kommt der finanzielle Unterhalt der Synagogen, aber auch die Einsatzbereitschaft sozialer Dienste wie das Essen der Schüler, die Unterstützung armer Familien oder die Einrichtung einer Suppenküche für die Gemeinschaft.
Dies alles wird vielfach von Spenden finanziert, denn so manche , wen auch wenige, Gruppierungen verweigern die finanziellen Zuwendungen des Staates Israel und unterhalten sich ausschliesslich von privaten Spenden.


Aus diesem Grund reisen besonders chassidische Rabbiner mehrmals im Jahr ins Ausland. Nach England, in die USA, nach Kanada, Australien, Österreich oder in die Schweiz. Dorthin, wo das Kapital sitzt; vorweglich das jüdische. Ich erinnere hier nur an die wohlhabende, im wahrsten Sinne des Wortes, Familie Reichmann aus (Kanada ?), die da vielen chassidischen Rebben finanziell zur Seite steht.


Das Ausland ist immer gut zum Geldmachen, das haben schon diverse Rabbiner vor Jahren entdeckt, deswegen unternehmen sie als Privatperson mit ihrem selbstverfassten und "gerade erschienen" Buch unter dem Arm eine Art Promotiontour durch verschiedene amerikanische Gemeinden oder auch in England. Es kommt immer darauf an, welcher Sprache man mächtig ist und wo Beziehungen aufgebaut worden sind. Vielfach durch Freunde oder Bekannte, die schon im Vorfeld kräftig die Werbetrommel erschallen lassen.


Bisher galt, dass die englische Sprache führend ist. Wer ein Buch schreibt und es einträglich verkaufen will, der muss etwas auf Englisch vorweisen. Wer im Ausland soll das sonst auch lesen ?


Der deutschsprachige Markt wurde dabei oft ausgelassen, doch das soll nun anders werden. Immerhin sitzen reiche Juden in der Schweiz, in Österreich und ggf. auch in Deutschland. Und derlei Wohlhabende haben vielleicht einmal das Bedürfnis einen Vortrag eines Rabbiners aus Israel zu lauschen.
Vortrag ?
Das kann ja nie schaden dahinzugehen, denn selbst wenn mich der Inhalt nicht interessiert, ein soziales Networking ist immer vorhanden.







Nicht alle im Ausland referierenden Rabbiner sind so anerkannt wie Rabbi Adin Steinsaltz. Zuviele schwarze Schafe versuchen ihr Business Glück im Ausland, denn in Israel ist der Markt gesättigt.

Photo: Steinsaltz



Sind Gemeinden, die soetwas veranstalten, sich immer darüber im Klaren, wer da so als Rabbiner antanzt ?
Vortrag, schön und gut, doch hinterher sammelt der Rabbi eventuell Spenden (Schecks) ein und will sein Buch anpreisen.


Manche deutschsprachige Gemeinden mögen in der Hinsicht unbedarft sein. Man hört den Namen eines Rabbiners, der irgendwie in Israel bekannt ist; doch wird nicht näher nachgeforscht, in welcher Hinsicht so manch einer bekannt ist ? Informiert sich die Gemeinde darüber, was andere haredische Gruppierungen in Israel von der besagten Person halten ?
Wie sieht es letztendlich tatsächlich mit dem so offenbar fabelhaften Ruf aus ? Wo genau fliessen die Spenden hin und was soll mir als "Kunde" so ein Buch jetzt sagen ? Ein Buch relig. verfasst mit allem Drum und Dran, aber ich habe eigentlich gar keine Ahnung von dem Inhalt. Um was geht es da jetzt genau ?


Die Frage für den Staat Israel, sprich der Fiskus, bleibt stets, ob diese modernen Schnorrer auf ihre Profite Steuern zahlen oder nicht.
Wahrscheinlich nicht.


Was ich den Gemeinden damit sagen will ist:
Alles ganz toll, Rabbiner aus Israel bei sich zu haben und einmal einen Vortrag halten zu lassen. Trotz aller Euphorie sollte jedoch der Verstand siegen und ich rate jedem, sich eingehend zu erkundigen, wen er sich da ins Haus holt. Dies sind die Gemeindevorsitzenden ihren Mitglieder schuldig.

Dienstag, Oktober 27, 2009

FOX Fashion und die Unzucht


Die Poster "koscher" gemacht (photoshopped) von der haredischen Site HAREDIM

B"H

"Netive'i Ayalon" ist wahrscheinlich DIE meist befahrenste Autobahn in Israel. Die "Ayalon" führt nach und ausTel Aviv und wird täglich von Tausenden von Menschen benutzt. 

Tel Aviv liebt seine gigantische Plakatwerbung und sie sind überall sichtbar: Ob das am Kikar Rabin, der Kreuzung Arlozorov Bahnhof / Ramat Gan oder eben am  Netive'i Ayalon ist. Da prangt am Netive'i Ayalon der Lubawitscher Rebbe Menachem Mendel Schneerson z"l in Riesenformat (mit der Aufschrift er sei der "Meschiach") und nun legte Israels Modeunternehmen FOX noch eins drauf, indem es gigantische Plakate am Highway aufhing. Zu sehen ist, unter anderem, das israelische Topmodel Bar Rafaeli (die EX von Leonardi Di Caprio).



Die Ayalon Autobahn in Tel Aviv


Soweit ist nichts Besonderes am Aufhängen der nervigen Werbeplakate, bis das haredische (ultra - orthodoxe) Online magazin HAREDIM und Teile der haredischen Gesellschaft einen absoluten Aufstand um die FOX - Poster veranstalteten. Die Plakate seien unanständig und müssten sofort entfernt werden !
Der haredische Standpunkt wurde folgendermassen begründet:
Tausende Haredim benutzten ebenso den "Netive'i Ayalon" und wollen nicht von unanständigen Poster (mit einer Frau) gestört werden. Ganz zu schweigen von den haredischen Schulkindern, welche da nicht der sekulären "Pornographie" ausgesetzt werden sollen.

Israels sekuläre Presse reagierte erst gestern als das Modeunternehmen FOX kleinbei gab und die Plakate entfernte. "Ein Fehler, wie mir ein älterer Chassid gestand. FOX hätte sich nicht von einigen haredischen Anstandsfreaks einschüchtern lassen sollen. Was kommt als nächstes ? Muss die Frau um Erlaubnis fragen, wenn sie das Haus verlassen will ?"
Soweit der Chassid.



Die Poster Netive'i Ayalon auf "anständig" (mit Photoshop) getrimmt: "Haredim Website"


Link:



Es besteht gar kein Zweifel daran, dass viele israelische Werbespots oder Plakate ziemlich dämlich gemacht sind und oftmals wirklich an Pornographie grenzen. Dennoch, die besagten Poster auf der Ayalon waren nicht unanständig; dumm vielleicht, aber nicht unanständig.
Wenn die haredische Gesellschaft verlangt ernst genommen zu werden, dann muss sie dies im Gegensatz mit allen anderen Gesellschaften in Israel tun. "Leben und leben lassen ! Die Ayalon gehört uns allen !"

Dienstag, Juli 28, 2009

Das Business mit den Gebeten

B"H

Bisher habe ich mich stets geweigert, wenn Angebote kamen, meine Blogs mit Werbung zu spicken. Google und andere Firmen versuchen fast jedem Internet Site - Inhaber alles so schmackhaft wir nur irgend möglich zu machen. Der Sitebesucher klickt auf ein solches Ad und der Siteinhaber bekommt ein paar Dollar dafür. Klickt niemand auf die Werbung, gibt es auch keinen Verdienst.


Ich klicke nie auf irgendeine Werbung auf Internetseiten. Ich bin der absolute Anti - Werbung - Charakter und halte dies auch auf meinen Sites so. Keine Werbung, außer es wäre einmal ein wirklich sinnvolles Produktangebot und vor allem kein Unternehmen, bei welchem die Kunden hereingelegt werden.

Gestern bekam ich ein neues Werbeangebot per e - mail. Der Adresse nach zu urteilen kam es von einer relig. Dame aus einem Jerusalemer Stadtteil. Sie habe eine Site, auf welcher "Kunden" Gebete bestellen können. Wer keine Gelegenheit hat, an der Jerusalemer Klagemauer (Kotel) zu beten, der zahlt ein paar Dollar und jemand Anonymes geht dann sozusagen in "dessen" Auftrag dorthin und betet.

Für derlei Angebote (andere beten in meinem Auftrage) bin ich nicht zu haben, denn meiner Meinung nach will G - tt, dass wir selber beten. Suchen wir einen passenden Heiratspartner (Schidduch), wollen wir Gesundheit, Geld, Happiness in Life, all das sollen wir uns selbst erbeten. Natürlich kann (soll) ich auch für das Wohlbefinden anderer beten, aber weniger gegen Bezahlung.

Ein Chassid berichtete mir, dass bei Angelegenheiten wie der entsprechenden Site Kinder zur Kotel gesandt werden, die da ein paar Psalmen (Tehillim) aufsagen. Oder in anderen Worten: Reine Geschäftemacherei.
Es gibt Sites, auf denen man eine Summe zahlt und dann steckt jemand in meinem Namen einen Bittzettel in die Klagemauer. Okay, das leuchtet mir noch irgendwo ein, obwohl ein jeder an jedem Ort der Welt für sich selbst beten kann. Niemand muss deswegen zur Kotel kommen, denn G - ttes Schechinah (Anwesenheit) ist überall auf der Welt zu finden. Vielleicht am Tempelberg etwas intensiver, aber darüber lässt sich ohne Dritten Tempel streiten.

Ich sagte der Dame mit der obigen Begründung ab und sie war nicht gerade angetan.Meinerseits verstehe ich nicht, wie Leute mit dem Willen anderer, eine Beziehung zu G - tt aufzubauen, Geschäfte machen können. G - tt will eine Beziehung mit jedem Einzelnen von uns und Er will sehen, dass wir uns darum bemühen und nicht ein Dritter in unserem Auftrag.

Dienstag, Mai 26, 2009

Chabad Search

B"H

Unter der weltweiten Wirtschaftskrise leiden alle und besonders jene, welche ihre Organisationen fast nur durch Spenden aufrecht erhalten können. Plötzlich fielen wichtige Spender weg, denn auch sie haben seit Madoff anscheinend nichts mehr zu spenden.

Nun versucht die chassidische Gruppe CHABAD (Lubawitsch) auf ganz unkonventionelle Art Geld zu verdienen. Mit dem eigens eingerichteten GOOGLE Search:

http://chabadsearch.com/

Wer per Chabad Search sucht, der bringt einiges an Geld in die Kasse der Chassidim.

Samstag, April 11, 2009

AM:PM Koscher für Pessach

B"H

Die Tel Aviver Lebensmittelkette AM:PM wird seit mehr als einem Jahr von der antizionistischen "Edah HaCharedit" genauso wie von der Chassidut Gur boykottiert.

AM:PM gehört zur israelischen Dor Alon - Gruppe, die gleichzeitig Eigentümer der haredischen (ultra - orthodoxen) SHEFA SHUK (Markt) - Kette ist. Ein Boykott des AM:PM allein ist für die Haredim nicht unbedingt ertragreich und deswegen wird der SHEFA SHUK mitboykottiert. Entweder AM:PM schließt am Schabbat oder SHEFA bleibt weiterhin von der haredischen Einkaufsliste gestrichen.

Nach einem fast endlosen Kampf machte nun AM:PM einen gänzlich überraschenden Schritt: Man putzte auf den letzten Drücker noch für Pessach, verkauft ausschließlich "koscher für Pessach" - Produkte und keinen einzigen Krümel Chametz (verbotenes Getreide an Pessach) !

Ich sprach mit einer der Verkäuferinnen und die gestand erfreut, dass ich die Erste in ihrer Filiale sei, welche die koscheren Pessachprodukte bemerke. Man habe sich diesesmal besonders angestrengt.

Obwohl der AM:PM nach wie vor am Schabbat geöffnet ist, verdient es doch Anerkennung, dass man wenigstens Pessach einhält ! Viele andere Tel Aviver Geschäfte tun dies leider nicht.

Sonntag, Februar 01, 2009

Immer mehr Geschlechtertrennungen

B"H

Obwohl nicht offiziell und allzu sichtbar, die Geschlechtertrennung in der haredischen (ultra - orthod.) Gesellschaft schreitet unentwegt fort.

Heute in einer Woche feiern wir das Neujahrsfest der Bäume "Tu be'Shevat" und an dem Tag ist es Tradition, diverse Früchte zu verzehren. In Israel werden dazu zusätzlich besonders gerne getrocknete Früchte genauso wie Nüsse, Sonnenblumenkerne, etc. serviert. Obststände sowie die überall anzutreffenden "Pizuchim" - Läden (Kerne, Nüsse, etc. aller Art samt getrockneter Früchte) haben Hochkonjunktur und die Preise jagen zum Fest ebenso in die Höhe.

Aber wer hätte bei all dem Trubel auch noch an den Anstand gedacht ?
Der Laden "Pizuche'i Mizrachi" im Jerusalemer Stadtteil Bucharim (am ultra - orthod. Ge'ulah gelegen) hat. Und wie, denn in den Tagen vor dem "Tu be'Shevat" beabsichtigt man bei Mizrachi eine Geschlechtertrennung von Männlein und Weiblein zu praktizieren. Männer kaufen auf der einen Seite ein und Frauen auf der anderen. So bleibt auch alles schön anständig und niemand kommt auf abartige Gedanken.

Mizrachi führt das Koscherzertifikat der anti - zionistischen Edah HaCharedit aus Mea Shearim und insgesamt fällt es in der Gegend immer mehr auf, dass viele Läden nur noch Kundschaft in anständiger Kleidung (sprich Frauen im langen Rock und langen Ärmeln und Männer in langen Hosen und ebenfalls langen Ärmeln) einlassen.

Das langsam schleichende Movement der Geschlechtertrennung wirkt zumindest auf mich recht besorgniserregend. Nicht, dass man sich sonstwie anzieht oder benimmt, doch den Anstand zu übertreiben braucht man nun auch wieder nicht. Jedenfalls nicht talibanartig.




Schon lange nicht mehr ausreichend. Die Trennwand (Mechitzah) in der Synagoge.

Montag, Oktober 27, 2008

EGGED und die Reklame

B"H

Das staatliche israelische Busunternehmen EGGED hat sich entschlossen, aus "Anstandsgründen" keine Frauenbilder mehr in Werbespots bzw. auf Posters an / in den Bussen zu kleben. Wenn schon Reklame, dann nur noch mit Photos von Männern.

Hierauf reagiert das Busunternehmen auf den nicht selten entstehenden extremen haredischen Vandalismus in den Bussen. Da werden Reklameposter abgerissen und ganze Busse beschädigt.
Anzumerken bleibt, das diese Art des Vandalismus längst nicht von einer haredischen Mehrheit ausgeht, sondern es sich dabei nur um eine handvoll Chaoten handelt, die da von sich reden machen wollen.

Gibt EGGED mit dieser Entscheidung zu sehr nach ?

Mittwoch, September 10, 2008

Die Demo vor dem Schuhgeschäft




B"H

Als ich gestern abend durch den ultra - orthodoxen Stadtteil Ge'ulah (Jerusalem) lief, las ich zuerst einmal alle neuen Mitteilungsposter an den Häuserwänden. Diese Poster werden im einheimischen Slang "Fakshivilim" genannt.

Nach dem Lesen sah ich eine kleinen Menschentraube neben der Kreuzung Kikar Shabbat (Schabbatplatz) stehen. Wenn ich meinen regulären Weg fortsetzen wollte, muß ich durch die Menschentraube hindurch.

Bei der Menschenansammlung handelte es sich um verschiedene Haredim (Ultra - Orthod.), die entweder gebannt auf ein Demoplakat oder hinunter in den sich dort befindenden Schuhladen für Damen starrten. Ein junger Litvak (Haredi) stand dort mit einem selbstgebastelten Schild, auf welchem geschrieben stand, dass irgendwelche Rabbiner von einem Besuch des besagten Schuhgeschäftes abrieten. Jemand aus der Menge fragte lautstark, was denn hier los sei und der junge Litvak murmelte etwas von wegen das Damenschuhgeschäft lasse auch Männer hinein. Zum Beispiel Ehemänner, die ihre Frauen einfach zum Schuhekaufen begleiten.

In Mea Shearim und Ge'ulah ist es seit langem verpönt, in Bekleidungsgeschäften einzukaufen, welche männliche und weibliche Kundschaft hineinlassen. Der Gatte solle also seine Frau nicht mehr zum Kauf begleiten und umgekehrt. Wäre dies weiterhin der Fall, so täten sich viele haredische Frauen beim Kleiderkauf einfach nicht wohlfühlen, wenn da vor ihrer Umkleidekabine ein fremder Mann herumlaufe. Wie solle man da noch anständig anprobieren ?

Leider stand auf dem Plakat des Litvaks kein einziger Name eines Rabbiners. Eine Überraschung stellt solch eine Szene nicht mehr dar und wer einen haredischen Film drehen wollte, der kam zu dem gestrigen Ereignis gerade recht. Alles ohne Statisten und vollkommen live.

Schon seit einigen Jahren werden immer mehr Geschäftsinhaber dazu bewegt, Schilder auszuhängen, die entweder darauf hinweisen, dass die Kundschaft nur noch in anständiger Bekleidung den Laden betreten darf oder das gleich eine völlige Geschlechtertrennung stattfindet. Wer von den Inhabern sich weigert, den Anstandsanordnungen zu folgen, muß halt mit den Konsequenzen rechnen.

Wer steckt hinter allem und warum wurden schon vor knapp zwei Jahren mehrere Läden in Ge'ulah abgefackelt ?
Die haredische Gegend wird von einer kleinen superradikalen Gruppe heimgesucht, die sich selber die "Sikarikim" nennt. Sikarikim gab es schon zu Tempelzeiten und diese achteten hemmungslos darauf, dass die Halacha befolgt wurde. Widerspenstige oder Gegner wurden brutal niedergemetzelt.

Der Jerusalemer Polizei ist es bis heute nicht gelungen, die Mitglieder der Sikarikim zu ermitteln. Wie auch ? In Mea Shearim verpfeifft niemand den anderen bei der zionistischen Polizei. Ab und zu werden Razzien gefahren, doch wer die Zusammenhänge in Mea Shearim nicht kennt, der fängt auch keine Sikarikim.

Die ganze Szene vor dem Schuhladen jedenfalls kam mir schrecklich vor und erinnerte mich an den Nazi - Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April 1933.



Hauptstraße Mea Shearims

Sonntag, August 17, 2008

WALMART und die Definition von Halacha

B"H

Beim Se'udat Shlishit (der dritten Schabbatmahlzeit) sprach Rabbi Mordechai Machlis ein kompliziertes halachisches Thema an und niemand der anwesenden Gäste (einschließlich des Rabbis selbst) konnten eine befriedigende Antwort finden. Vielleicht weiß ja jemand von den Lesern hier Rat bzw. kann einen Vorschlag machen.

Die Story lautet folgendermassen:

Beim Gang zur Klagemauer (Kotel) berichtete jemand dem Rabbi, dass ein Freund von ihm in den Staaten regelmäßig eine bestimmte Prozedur unternimmt.
Der Discounter Walmart bietet seinen amerikanischen Kunden einen ganz speziellen Kundendienst. Jeder Kunde, der ein Elektrogerät ersteht, kann dieses innerhalb von 30 Tagen ohne Angabe von Gründen wieder zurückgeben und der volle Anschaffungspreis wird ihm von Walmart erstattet. Natürlich geht der Handelsriese davon aus, dass nur diejenigen Kunden diesen Schritt unternehmen, die einen Defekt an dem Gerät entdecken. Andererseits kann diese Art des Kunderservices auch ausgenutzt werden.

Der Bekannte des Rabbis berichtete also, dass ein Freund von ihm, der noch dazu jüdisch – relig. ist, jedesmal vor dem Urlaub eine Kamera etc. bei Walmart kauft. Mit seiner Frau fährt er dann in den Urlaub, benutzt, die / das Gerät /e, nur um sie / es gleich danach wieder an Walmart zurückzugeben und den Kaufpreis zu erhalten. Weiterhin sehe dieser relig. Freund darin keinen Verstoß gegen die Halacha. Dazu kommt, dass er sich sogar einem Walmart – Manager anvertraut habe. Leider ist der genaue Inhalt dieses Gespräches nicht bekannt.

Die Frage tut sich auf, ob diese Art des Verhaltens tatsächlich mit der Halacha im Einklang liegt.

Besagte relig. Person rechtfertigt sich mit zweierlei Maß.
Zum einen ist Walmart so reich, dass ihnen dieser Verlust nicht unbedingt weh tut. Zum anderen bietet Walmart selbst ja diesen Service an und muß demnach automatisch davon ausgehen, dass die Kundschaft den Kundendienst ausnutzt.

Mehr als zehn der Anwesenden bei Rabbi Machlis debattierten heftig und sahen die Angelegenheit wider jeder Halacha (mich eingeschlossen). Der Rabbi jedoch versuchte, wie immer, "Kav Sechut – Benefit of a Doubt", gelten zu lassen. Wenn der Kunde schon zur Reklamation erscheint, dann muß er ggf. bei Walmart einen langen Gang in die Elektroabteilung in Kauf nehmen. Dabei passiert er Hunderte von anderen Regalen und sieht vielleicht hier und da andere Gegenstände, die er kaufen will. Somit macht Walmart zusätzliches Business und verliert durch den Umtausch kein Geld.

Andererseits kann Walmart die zurückgegebene Ware nicht mehr als brandneu verkaufen, sondern nur noch als gebraucht. Einer der Anwesenden gab ferner zu bedenken, dass Walmart ja inzwischen seine Politik geändert habe, denn der reklamierende Kunde muß nun seinen Namen und Adresse hinterlassen. Insgesamt kann er nur dreimal reklamieren und danach geht nichts mehr.

Trotz all der Pros und Cons konnten wir uns nicht auf etwas Halachisches einigen bzw. dem Rabbi fiel keine genaue halachische Quelle ein, aus der man das Verhalten rechtfertigen oder ablehnen könnte. Was Rabbi Machlis jedoch tat war, einen Fall aus dem Talmud Traktat Bava Metziah, wo jemand eine professionelle Spedition beauftragte, Weinfässer zu transportieren. Die sogenannten professionellen Arbeiter entpuppten sich jedoch als nicht ganz so beflissen und liessen die Ware fallen und ruinierten so den Wein. Dennoch mußte der Auftraggeber den Arbeitern den Lohn erstatten.

Vielleicht hat ja jemand aus der Leserschaft weitere Ideen.

Montag, Juli 28, 2008

Neue haredische Proteste

B"H

Die israelische Supermarktkette "Schefa" ist nach wie vor mit einem haredischen (ultra – orthod.) Bann versehen. Wie ich schon mehrere Male in der Vergangenheit berichtete, gehört "Schefa" zur "Dor – Alon Gruppe", welche ebenso die Supermarktkette "AM:PM" besitzt. Und genau der "AM:PM" ist das eigentliche Problem, denn die Filialen haben am Schabbat geöffnet. Wer heute durch Tel Aviv oder das benachbarte Ramat Gan geht, der findet fast an jeder Straßenecke eine dieser Filialen. Die Produkte sind im Wesentlichen koscher, doch die Öffnungszeiten am Schabbat halt nicht.

Die "Schefa" – Kundschaft besteht zum größten Teil aus Haredim oder den Nationalreligiösen und es war der litvische geistige Führer, Rabbi Eliyashiv, der den Bann zusammen mit dem Rebben der Chassidut Gur, Rebbe Yaakov Aryeh Alter, ausrief:
Solange "AM:PM" am Schabbat verkauft, bleibt der Bann auf den noch so haredischen "Schefa" bestehen.



Der "Schefa" - Markt


Es entzieht sich meiner Kenntnis, wie das "Schefa" – Management mit den finanziellen Verlusten fertig wird. Manchmal vergessen wir alle sogar das Thema und es ist unklar, ob der Bann noch aktuell ist oder nicht. Vor zehn Tagen war ich in Bnei Brak und dort wurde mir mehr als klargemacht, dass der Bann nichts an Aktualität verloren hat. Warnende Poster überall an den Hauswänden. Man solle bloß nicht bei "Schefa" einkaufen.

Lokalzeitungen in Tel Aviv berichteten neulich von einem weiteren haredischen Bann. Eine andere unkoschere Ladenkette ("Tiv Ta'am") wolle neben einem haredischen Stadtteil (in Tel Aviv) eine neue Filiale eröffnen. "Tiv Ta'am" ist mehr als unkoscher, denn dort wird schon jahrelang Schweinefleisch verkauft. Besitzer ist meines Wissens nach immer noch der russ. – israel. Milliardär Arkadi Gaydamak.

Die haredische Bevölkerung dagegen sieht ihre Immobilienpreise in Gefahr. Welcher Haredi will denn noch ein Haus in einer Gegend kaufen, in der Schweinefleisch über die Ladentheke geht ?

Der ganz aktuelle Fall kommt aus Haifa. Dort erwägen haredische Rabbiner einen Bann auf die lokalen EGGED – Busse, denn einige von ihnen fahren am Schabbat durch die Stadt. Haifa entschied sich erneut für einen kleinen Busverkehr am Schabbat, was nichts Neues darstellt, denn dies wird schon jahrelang so gehandhabt. Laut der Fahrgäste stören die Busse ja niemanden, denn sie durchqueren keine haredischen Gebiete.

Meine Absicht besteht nicht darin, die Seite der Haredim oder die der Gegenseite zu ergreifen, doch habe ich ein paar Fragen.
Warum sprechen die Haredim erst dann einen Bann (Cherem) aus, wenn es schon fast zu spät erscheint bzw. die Sache schon ins Rollen gekommen ist ? Warum nicht viel eher ?

"Tiv Ta'am" verkauft schon jahrelang Schweinefleisch und niemand sagte ein Wort.

"AM:PM" hat schon jahrelang am Schabbat geöffnet, doch niemand regte sich groß auf.

Einige Busse in Haifa sind schon jahrelang am Schabbat in Betrieb, aber Beschwerden blieben weitgehend aus.

Wo waren bisher all die Beschwerden und die Anstandspolizei ? Wird erst immer reagiert, wenn es haredische Stadtteil betrifft.
Wo bleiben die wilden Demos und der Bann auf "The Kingdom of Pork Factory" nahe des Tel Aviver Busbahnhofes ? Wo sind all die Demos gegen die unkoscheren Läden in der Jerusalemer Agrippas Street hin ? Warum wird sich erst jetzt beschwert ?

Ist der Grund wieder einmal nur die Politik, wie so oft zuvor ?

Mittwoch, Mai 14, 2008

Neue Poster - Alter Inhalt

B"H

Am letzten Schabbat sah man knallig rote Mitteilungsposter (Fakschivilim) an den Wänden Mea Shearims und des nebenan liegenden Stadtteiles Ge'ulah aushängen. Und wieder einmal wurde darauf die Handelskette AM:PM angegriffen. Es müsse endlich Schluß damit sein, den Lebensmittelladen AM:PM auch am Schabbat geöffnet zu halten. Und da soweit keine Einigung in Sicht ist, bleibt der Bann über den "Schefa - Markt" bestehen.

Fakshivilim in Mea Shearim




Hintergrund:
AM:PM sowie eine weitere Kette, der "Schefa - Markt", gehören zur Dor - Alon Gruppe, einem israelischen Handelsriesen. Im Gegensatz zum auf haredisch (ultra – orthod.) getrimmten Einkaufsparadies "Schefa – Markt" sieht die Ladenkette AM:PM ihre Hauptkundschaft in der säkuleren Welt Tel Avivs. Fast an jeder Ecke in Downtwon Tel Aviv ist ein AM:PM zu sehen. Die Läden sind 24 Stunden lang geöffnet; auch am Schabbat. Ich frage mich allerdings, wie man gerade bei AM:PM einkaufen kann, denn die Preise sind horrend. Ansonsten hat die Kette alles zu bieten und die Kundschaft rennt ihnen sogar die Bude ein.

Der Schefa – Markt befindet sich hingegen überwiegend in haredischen Gebieten. Wer hinein will, der muß anständig gekleidet sein: Männer in langer Hose und mit Kopfbedeckung – Frauen in langem Rock und die Arme müssen bis zum Ellbogen bedeckt sein. Bei Schefa läßt sich gut und billig einkaufen, was ich bestätigen kann. Nur liegt eben auf jener Kette ein haredisch - rabbinischer Bann und die Kundschaft bliebt aus. Seit Wochen eskaliert der Streit zwischen den Inhabern der Dor – Alon Gruppe und den Haredim (dem litvischen Oberrabbiner Eliyaschiv sowie dem Rebben der chassidischen Gruppe Gur, Rabbi Yaakov Aryeh Alter). Durch den Streik auf Schefa will man den Dor – Alon Konzern zwingen, AM:PM am Schabbat zu schliessen. Bisher ohne Erfolg.

Manche mögen sich fragen, ob denn so ein Bann überhaupt irgendetwas bewirken kann.
Obwohl Israel mehrheitlich säkuler sein mag, so ist der Anteil der haredischen oder anderweitigen relig. Kundschaft keineswegs zu unterschätzen. Wer etwas verkaufen will, der kümmere sich gefälligst auch um die Religiösen, denn da liegt eine hohe Einnahmensquelle. Das haben die meisten israel. Firmen schon längst erkannt und fahren, neben ihrer regulären Werbung, ebenso haredisch – anständige Werbespots und Poster. Zum Beispiel sind die Handygeselllschaften Orange und Cellcom in haredischen Wohnvierteln überall vertreten. Auch die Religiösen lieben ihre Handys mit allem dazugehörigen Schnickschnack, nur tat sich einmal wieder mehr das große Problem des "Anstandes" auf. Verschickten da nicht Spam – Firmen ihre Porno – SMS ? Und daher entschieden führende Rabbis, die Handykonzerne zu boykottieren. Letztere stellten ihr Denken sofort um, denn finanzielle Einbußen sollten vermieden werden. Schnell wurde eine extra Haredi – Line eingerichtet. Die Handyvorwahl 057 ist ausschließlich den Haredim vorbehalten. Eine anständige Telefonnummer macht schon was aus.

Das haben auch die haredischen Schulen wie Beit Yaakov und Talmud Torah erkannt. Wer seine Kinder bei ihnen einschulen will, der muß als Elternteil über ein "koscheres" Handy mit der Vorwahl 057 verfügen.

Aber wie immer tun sich bei all den Vorschriften auch immer wieder Lücken auf und man weiß sich zu helfen. Neben dem "koscheren" Handy halten viele Haredim noch ein weiteres ganz normales Handy.

Pscht, der Nachbar braucht das ja nicht zu wissen.