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Mittwoch, Oktober 17, 2012

Wie entstanden Fische und Vögel ? - Teil 1

B"H 

Immer wieder neu zeigt uns die Thoralesung (Parasha) BERESCHIT, dass wir niemals  vorsichtig genug den Thoratext studieren können. Was man normalerweise schnell "durchliest", stellt sich bei genauer Betrachtung als überaus wichtiges Detail heraus, welches vielerseits hastig überlesen wurde und somit erst gar nicht auffiel. Mit so eben mal überfliegen ist nicht, wie wir, u.a., hier sehen: 

Am fünften Tag der Welterschaffung erschuf G – tt die Fische und alle weiteren Meereslebewesen. Mit ihnen wurden gleichzeitig die Vögel erschaffen. 

Wie aber entstanden eigentlich die Fische ? Aus welchem Material wurden sie erschaffen oder waren sie plötzlich einfach so da ? 

Der Talmud Traktat Chullin 27b lehrt uns, dass die Fische aus dem Wasser selbst hervorgingen. Im Laufe der Zeit formte das Wasser die Fische wohingegen die Tiere auf dem Land aus dem Staub des Erdbodens hervorgingen. Die Vögel wiederum entstanden aus Schlamm. 

Der mittelalterliche Talmudkommentator Rashi definiert diesen Schlamm als eine Kombination von Wasser und Staub / Erde vom Land. Rabbi Shmuel von Kaputkiyah sagte in der Gemara (rabbinischen Diskussion im Talmud): 

"Du sollst wissen, dass Geflügel aus Schlamm erschaffen wurde. Einer Mischung, die ebenfalls Wasser enthält. Deswegen sehen wir bei Vögeln Schuppen an den Füssen; genau so wie die Schuppen der Fische, welche definitiv aus dem Wasser heraus entstanden sind". 

Eine Meinung, die ebens vom talmudischen Rabbi Gamliel vertreten wird. (siehe Gemara in Talmud Chullin 27b). 

Nebenbei erwähnt: Der Traktat Chullin beschäftigt sich sehr eingehend mit koscheren Tieren, wie sie geschächtet werden und was genau ein koscheres Tier vor und nach dem Schächten ausmacht. 

Die Gemara in Chullin 27b definiert die unterschiedlichen Entstehungsweisen der Fische, Landtiere sowie Vögel, da die Arten unterschiedlichen Schächtprozeduren unterliegen. Allerdings werden Fische nicht geschächtet. Es heisst, dass deren Blut beim Zerschneiden allein ausläuft. Im Internet fand ich eine rabbinische Meinung, dass Fische sogar vollständig bzw. lebend verzehrt werden dürfen. Ob tatsächlich LEBEND, entzieht sich meiner Kenntnis und vielleicht kann ja jemand diverse PROS oder CONS Quellen nennen. 

Woher aber wissen wir, dass die Fische aus dem Wasser selbst entstanden ? 

In der Thora Bereshit (Genesis) 1:20 – 23 heisst es unter anderem, dass die Fische aus dem Wasser hervorgingen bzw. "Vom Wasser Kommen" = Aus dem Wasser selbst entstanden. 
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Ich habe mich in diesem Artikel weitgehend auf die Aussagen der Thora und dem Talmud beschränkt. Im nachfolgenden Teil 2 werde ich eine Zusammenfassung rabbinischer Kommentare liefern. Danach geht es weiter mit Dinosauriern und warum sie in manchen jüdischen Ausrichtungen unerwähnt bleiben. 


Links:

Dinosaurier, Fossilien, Darwin und der Big Bang im Judentum

Mittwoch, August 22, 2012

Buchempfehlung: "Von Meerjungfrauen, Drachen und der Erschaffung des Universums"

B"H

In der englischsprachigen Welt ist der in Israel lebende gebürtige Brite und orthodoxe Jude, Natan Slifkin, sehr bekannt. Vor Jahren fing der im orthodoxen Ramat Beit Shemesh lebende Slifkin damit an, Bücher über die Tierwelt der Thora zu verfassen. Hinzu kam, dass ebenso die Erschaffung der Welt erörtert wurde. Damit jedoch verärgerte Natan Slifkin diverse orthodoxe Richtungen als er verkündete, die Welt sei zwar in sechs Tagen erschaffen worden, doch stehe jeder dieser Tag für Millionen, wenn nicht sogar für Milliarden von Jahren. Eine These, die ich sowie viele andere orthodoxe Ausrichtungen mit ihm teilen. Was wir heute als 24 – Stunden – Tag kennen, gab es zur Zeit der Erschaffung noch gar nicht. Weder ist G – tt an irgendwelche Zeiteinheiten gebunden, noch war der Tag in 24 Stunden unterteilt. 

Wie ich bereits mehrere Male hervorhob, gehen Judentum und Wissenschaft Hand in Hand und widersprechen sich keineswegs. Im Gegenteil, denn zu früheren Zeiten waren berühmte Rabbiner gleichzeitig Physiker, Ärzte, Mathematiker oder Astronomen (Beispiel: der Vilna Gaon, der Rambam oder der Ramban und viele andere). Von daher sind die sechs Tage der Welterschaffung keineswegs ein Märchen, sondern eine Tatsache. Da das Universum zu dem Zeitpunkt keinem Zeitsystem unterlag, ist es durchaus denkbar, dass EIN TAG MIllionen von Jahren beinhaltete und nicht nur 24 Stunden. Wie dem auch sei, Natan Slifkin fing sich mit der These harsche Kritik einiger Teile der orthodoxen Szene ein. Man verbannte seine Bücher, doch gleichzeitig standen ihm bekannte Rabbiner aus Israel und den USA zur Seite. Ob der Bann immer noch gilt, entzieht sich meiner Kenntnis, doch wer Interesse an der Kontroverse hat, kann darüber Details auf Slifkins Website ZOOTORAH nachlesen.  

An dieser Stelle möchte ich zwei Bücher des Natan Slifkin empfehlen. Auszeichnen tun sie sich damit, dass massenhaft Quellenabgaben stattfinden und der Autor unverkennbar seine Hausaufgaben gemacht hat. Vom Rambam (Maimonides) bis hin zum Maharal von Prag, dem Talmud, der Halacha oder Joseph B. Soloveitchik ist alles vorhanden. 

Von besonderem Interesse dürfte das Buch SACRED MONSTERS sein, wo Natan Slifkin ausführlich auf Fabelwesen aus Talmud und Midrasch eingeht wie Einhorn, Meerjungfrau, Drachen, Werwölfe oder Seeungeheuer. Gab es das wirklich oder sind derlei Talmuderzählungen lediglich metaphorische Legenden mit tieferem Hintergrund ? 

Nicht jeder wird sich diese Bücher anschaffen, doch werde ich einiges daraus auf diesem Blog berichten. Natürlich mit den entsprechenden Quellenangaben !





Photos: Miriam Woelke

Link:

Halb Mensch, halb Tier

B”H 

Es ist schon seltsam, wie wir Menschen manchmal nach dem Ungewöhnlichen suchen. Die X – Files oder andere diverse TV – Serien erfreuen sich massiger Beliebtheit, denn nicht selten zeigen sie uns das Unfassbare, was uns zudem noch reizt. Von der Vampirsaga einmal abgesehen, finden wir ziemlich häufig Fabelwesen “Halb Mensch, halb Tier” in Filmen, der Literatur und somit auch in unserer Phantasie. Die Frage aber ist, ob es überhaupt ein solches Wesen geben kann. Wäre es möglich, dass Mensch und Tier Sex haben und es danach zu einer Schwangerschaft kommen kann, aus welcher ein Wesen hervorgeht, welches halb Mensch und halb Tier ist ? 

Der Talmud Bechorot 8 beschäftigt sich mit den Delphinen und Meerjungfrauen. Der Talmudkommentator Raschi bestreitet zwar, dass Delphine und Menschen Sex miteinander haben und daraus auch noch ein Baby hervorgeht. Dennoch glaubt Raschi an existierende Meereswesen halb Mensch, halb Tier. An die Meerjungfrauen, zum Beispiel. 

Viele Rabbiner stimmen der Ansicht des Raschi nicht zu. Vor Noachs Flut war es tatsächlich einmal möglich, dass Menschen und Tiere sich genetisch kreuzten. Die Generation Noachs hatte Sex mit Tieren, woraus Babies hervorgingen. Dies berichtet uns schon der Talmud Sanhedrin. Nach der Flut jedoch änderte G – tt unsere Gene und ab dem Zeitpunkt war es unmöglich geworden, dass eine Vermehrung aus dem Sex von Mensch und Tier hervorgeht. 

Persönlich habe ich mir den Glauben an Fabelwesen längst abgewöhnt, doch bestand im Mittelalter (zur Zeiten des Raschi) durchaus der Trend, Fabelwesen aus dem Talmud sowie der Midrasch als real - existierend und nicht etwa als Metapher zu betrachten. 


Link: 

Montag, Mai 21, 2012

Darf man gemäss der jüdischen Halacha ein Haustier einschläfern lassen ?

B"H 

Auf jeden Fall sollte vor der Einschläferung ein Rabbiner zu Rate gezogen werden, denn die Thora schreibt vor, dass Tiere nur zum Wohle der Menschheit getötet werden dürfen. Bedeutet, dass Menschen sich von den Tieren ernähren, um keinerlei Hunger zu erleiden. Andererseits darf ein Tier getötet werden, wenn dies zum seinem Besten erfolgt. Bedeutet: Einschläfern im Krankheitsfall. Trotzdem sollte ein Rabbiner befragt werden, der sich in halachischen Fragen auskennt. 

Einfach so aus Spass an der Freud Tiere jagen ist im Judentum verboten. 


Gesehen in Jerusalem

Photo: Miriam Woelke

Mittwoch, März 14, 2012

Hundefutter im Judentum

B"H 

Am Themenreichtum erkennt Ihr leicht, dass es im Judentum kaum einen Bereich gibt, in dem die Halacha (Gesetzgebung) keine Rolle spielt. Falls es überhaupt einen Bereich ohne jegliche Halacha gibt. :-)

Gerade jetzt vor Pessach (Anfang April) kommt immer wieder die Frage auf, ob Tiere koscheres Essen haben sollen. Muss Hunde – oder Katzenfutter koscher für Pessach sein ? Die Antwort lautet JA, denn das Futter sollte keinerlei Getreidezusätze enthalten, da ein Jude an Pessach das verbotetene Getreide (Chametz) an den Pessachfeiertagen weder im Haus haben darf, noch sonst irgendwie in seinem Besitz haben sollte. Dies gilt für Weizen, Roggen, Hafer oder Gerste. Von daher ist es absolut nichts Ungewöhnliches, wenn in jüdischen Supermärkten, insbesondere in Israel, Hundefutter kascher le’Pessach angeboten wird. Bedeutet, ohne jegliches Getreide. 

Allgemein gilt, dass Tier nicht koscher essen müssen. 

Außer der Pessach – Regel mit dem Getreide gibt es jedoch noch eine weitere, welche im Talmud verankert ist. Kocht ein Jude aus Versehen Milch und Fleisch zusammen, so darf er dies bekanntlich nicht essen. An die Haustiere darf er das unkoschere Essen ebenso wenig verfüttern, sondern muss es in dem Fall wegwerfen. 

Wer sich im "Schulchan Aruch – Code of Jewish Law" schlaumachen will, der schaue in den Traktat Yoreh Deah, Siman 87:1 – 3.

Dienstag, Januar 24, 2012

Fische müssen koscher sein


 Fisch gebacken in Kokosnussmilch


B”H 

Im 3. Buch Moses (Leviticus – Sefer Vayikra) gibt G – tt den Juden die Kaschrutgesetze, denn Er will, dass Sein Volk nur koscheres Essen zu sich nimmt. In Vayikra (Leviticus) 11:9 heisst es, dass alle Fische, die Schuppen und Flossen besitzen, koscher sind und wir sie verzehren dürfen. Weiter heisst es in  Vayikra 11:10, dass jene Meereslebewesen, die weder Flossen noch Schuppen besitzen, nicht koscher und somit nicht gegessen werden dürfen. 

Was aber ist, wenn ein Fisch entweder nur Flossen oder nur Schuppen besitzt ? Ist er dann trotzdem koscher oder doch nicht ? 

Die Mischna (G – ttes mündliche Gesetzesüberlieferung am Berg Sinai) im Talmud Traktat Chullin 66 legt fest, dass ein Fisch Schuppen UND Flossen haben muss, um als koscher zu gelten. Rabbinische Zusatzkommentare diskutieren, u.a., die Bedeutung der Schuppen. Beispiel: Vor dem Verzehr sollten die Schuppen mit einem Messer entfernt werden. Gesetz dem Fall, dass die Schuppen Bestandteil des Körpers sind und sich somit nicht mit einem Messer abkratzen lassen, ist es fraglich, ob diese Schuppen dann wirklich als Schuppen gelten und der Fisch damit nicht doch in die Kategorie “unkoscher” fällt. Normalerweise jedoch lassen sich jene Fische mit Schuppen und Flossen, die wir auf den Märkten kaufen, leicht mit dem Messer herunterkratzen. 

Was dagegen nicht koscher und somit im Judentum verboten ist, ist der Verzehr von Muscheln, Shrimps, Krabben, Tintenfisch, Krebse, Aale oder Garnelen. 

Links:


Wo sind die Skelette der Toten von Noahs Flut ?

Mittwoch, Dezember 07, 2011

Ist das Fleisch eines von einem Nichtjuden geschächteten Tieres koscher ?

B”H 

Für den Fall, dass ein deutscher Jude in einen türkischen Laden geht, um dort Fleisch oder Wurst einzukaufen, mag sich die Frage stellen, ob die von Moslems geschächteten Tiere koschere Wurst hergeben. KOSCHER im Sinne der jüdischen Halacha. 

Immerhin lehrt uns der Talmud Traktat CHULLIN, wie genau ein koscheres Tier geschächtet werden muss. Unter anderem, mit welchem Messer und dass ein Messer keinerlei Beschädigungen an der Klinge aufweisen darf. Das Schächten erfolgt normalerweise durch einen SCHOCHET, der extra dafür ausgebildet worden ist. Der Schnitt mit der Klinge erfolgt blitzschnell und sobald Beschädigungen an der Klinge vorhanden sind und eventuell beim Schnitt ruckartig vorgegangen wird, ist das Fleisch nicht mehr geniessbar, sprich, nicht mehr koscher. Ferner werden nach dem Schächtungsprozess diverse Eingeweide des Tieres untersucht um festzustellen, ob das Tier ggf. krank war. Auch hier legt uns der Talmud strenge Vorschriften nahe. 

Ist das von einem Nichtjuden geschächtete und eigentlich koschere Tier wie Rind oder Huhn koscher ?

Der Talmud Traktat Chullin 13 sagt NEIN. Selbst wenn der Nichtjude die halachischen Regeln des Schächtens einhält, ist seine Schächtung ungültig und das Fleisch nicht mehr koscher. Zwar essen Moslems kein Schweinefleisch und ihr Fleisch ist eigentlich als koscher anzusehen. Entsprechend der jüdischen Halacha wurde jedoch nicht geschächtet. 

Links:


Mittwoch, August 17, 2011

Die Fische vor der Zeit Jonahs


Fische auf dem Jerusalemer Machane Yehudah Markt

Photo: Miriam Woelke

B”H

Was vielen vielleicht unbekannt sein mag: Der Talmud lehrt Unmengen an Mystik und ist nicht nur ausschliesslich eine Geschichts – und Halacha – Lektüre. 

In der folgenden Lehre aus dem Talmud geht es zwar um weniger Mystik, doch um einen interessanten Aspekt aus der Schöpfungsperiode und noch davor als G – tt die Erschaffung plante.

Die Gemara (rabbinische Diskussion) des Talmud Traktat Bechorot 8 lehrt, dass Menschen, Fische und Schlangen den Sex von Angesicht zu Angesicht ausleben. Die Gemara erklärt, warum dies ausgerechnet bei den Fischen der Fall ist. Der Grund liegt nämlich darin, dass G – tt mit dem Fisch, der Jonah verschluckt hatte, sprach und ihm auftrug, Jonah wieder auszuspucken. 

Bedeutet dies dann, dass in dem Moment, in welchem G – tt zu dem Fisch sprach, die Fische ihre Natur änderten und von dem Zeitpunkt den Sex von Angesicht zu Angesicht durchführen – fragte hier die Gemara weiter ?

Der berühmte deutsche Talmudist Rabbi Yaakov Emden aus Hamburg – Altona (1697 – 1776) antwortet, dass die Fische von Beginn an so erschaffen worden sind, denn in der Zukunft wollte G – tt mit eben jenem bestimmten Fisch reden.

Wie der Talmud an anderer Stelle lehrt, kreierte G – tt diverse Dinge und Tiere, vor der Welterschaffung bzw. kurz vor Einbruch des allerersten Schabbat (Beispiel: Den Brunnen der Miriam, den Mund des Esels von Bilam oder den Stab des Moshe). Zwar waren die Sexgewohnheiten der Fische nicht darunter, doch soll mein Beispiel klarmachen, dass G – tt im voraus bestimmte Dinge erschuf, welche später an Bedeutung gewinnen.

Montag, März 21, 2011

Der CHATAM SOFER und andere Rabbiner zur dieswöchigen Thoralesung SHEMINI


Parashat Shemini

Photo: Miriam Woelke


B”H
 Parashat Shemini 5771 / 2011

Erst kürzlich fragte mich ein Leser zur Bedeutung der “Tieropfer – Korbanot” in beiden Jerusalemer Tempeln. Nebenbei sei kurz erwähnt, dass nicht alle Tempelopfer Tiere waren, sondern genauso verschiedene Gewürze (Ketoret) oder Mehl in Öl zu bestimmten Tageszeiten und Anlässen geopfert worden sind. 

Auch in der dieswöchigen Thoralesung “Shemini” ist einmal wieder von Tieropfern die Rede. In Vayikra (Leviticus) 9:6 heißt es dazu:

“Und Moshe sagte: “Tut, was G – tt Euch aufgetragen hat und die Herrlichkeit G – ttes (Kavod A – do – nei) wird sich Euch zeigen”.

An dem entsprechenden Tag, welcher in Shemini beschrieben wird, zeigte sich G – ttes “Schechinah – Anwesenheit” in einer einzigartigen Form, denn das Mishkan (Tabernakel) wurde eingeweiht und die Schechinah sollte darin “wohnen” (siehe Raschi – Kommentar oder Sifte’i Chachamim). 

Der “Me’am Lo’ez”, Rabbi Yaakov Chuli (17. / 18. Jahrhundert) erklärt, wie die Juden in der Wüste denn an dem Tag die “Herrlichkeit G – ttes” erfahren sollten. Indem sie bei der “Tieropferung” zu G – tt umkehren (Teschuva machen). Sie, genauso wie wir heute, legen in dem Moment alles Negative in uns ab und konzentrieren sich nur noch auf eines: Nämlich G – tt dienen zu wollen. In genau jenem Moment, in dem wir uns von unserer eigenen Yetzer HaRah (der schlechten Seite in uns) abwenden, kommt G – ttes Schechinah (Anwesenheit) über uns. Wie es im Mishkan geschah, denn die Juden hielten sich an die Thora und somit konnte G – tt unter ihnen weilen. Nicht im wörtlichen Sinne, sondern vielmehr bedeutet dies, dass G – tt den Juden und Moshe sehr nahe war und Er sie direkt vor allen Feinden beschützte. Dazu kamen all die offensichtlichen Wunder, wie der Brunnen der Miriam (Be’er Miriam) oder das Manna.

Der berühmte Chatam Sofer beruft sich auf die Aussage Moshes 

“Tut, was G – tt Euch aufgetragen hat …!” 

Was also geschieht, wenn wir nicht das tun, was G – tt uns aufträgt ? Ganz zu schweigen von den Juden damals in der Wüste, denn die waren auf einem wesentlich höheren Level als wir. Gibt G – tt nicht schon gleich zu Beginn der Parashat Shemini einen Hinweis darauf, dass die Juden das tun sollen, was Er (G – tt) uns aufträgt ? Ist das nicht ein Hinweis auf das, was später folgen wird ? Nämlich der tragische Tod der Söhne Aharons, Nadav und Avihu. 



Thorakommentar des CHATAM SOFER

Photo: Miriam Woelke


Der Chatam Sofer kommentiert, dass beide Brüder eine Ketoret (Gewürze) opferten. Zwei unterschiedliche Ketorot auf einen Schlag, was gar nicht erlaubt ist. Einer der Brüder opferte im richtigen Sinne, der andere im falschen, doch beide mussten sterben. Warum ? Der Chatam Sofer schreibt: Weil beide Brüder nicht auf Moshe hörten als dieser sagte: “Tut, wie Euch aufgetragen …!” Stattdessen wollte jeder der Brüder der beste und der erste sein.

Wie viele Male zuvor von mir beschrieben, hat das hebräische Wort “Korban” (Plural: Korbanot) seine Wurzel im Verb “Lehitkarev – sich etwas nähern”. Die englische sowie deutsche Übersetzung mit dem Wort “Opfer” drückt genau genommen nicht die ursprüngliche Bedeutung aus. Mit einem KORBAN versucht ein Jude, sich G – tt zu nähern. Zum Beispiel, indem er ein Korban zwecks eines Feiertages bringt oder zwecks eines begangenen Thoraverstosses. Mit dem Korban verbindet der Jude eine Eingestehung seiner Tat, jedoch gleichzeitig eine Besserung. Und diese Besserung ist eine Annäherung an G – tt, indem ich in Zukunft versuche, denselben Fehler zu vermeiden.

Die Korbanot sind alles andere als aus der "Mode", denn mit dem Eintreffen des Meschiach und dem Bau des Dritten Tempels wird ebenso der Opferdienst wieder stattfinden. Ausgeführt von den Cohanim (Tempelpriestern).

Montag, März 22, 2010

Tierschutz im Judentum, Teil 2



B"H

Wie wir in TEIL1 zu diesem Thema lernten, besteht für einen Juden die Pflicht, beim Entladen eines schwer beladenen Tier (Pferd, Kamel, Esel) mitzuhelfen. In Exodus (Sefer Schemot) 23:5 wird ein Tier erwähnt, welches schwer unter seine aufgeladenen Fracht leidet und dem Beistehenden das Entladen aufgetragen wird. In Deuteronomy (Sefer Devarim) 22:4 wird ein Packtier erwähnt, welches unter der Packlast zusammenbrach und der Cargo aufgrund des Sturzes herabfiel und verstreut auf dem Boden liegt. In diesem Falle wird also von der Pflicht des Beladens gesprochen. Allerdings nur soweit, wie es die Kondition des Tieres zulässt.

Was jedoch hat all das mit der "Jagd im Judentum" oder mit dem Tierschutz überhaupt zu tun ?

Die beiden Auszüge der Thora lehren uns, ein Tier nicht unnötig leiden zu lassen. Das Beladen sowie Entladen sind als Beispiele aufgeführt, doch macht G - tt darauf aufmerksam, dass ein Tier nicht leiden soll (u.a. die Kommentatoren Raschi und Ritva). Keine Tierquälereien soll es geben und die Jagd ist in gegebenem Masse eine solche. Wenn es sich nicht um reine Nahrungssuche handelt, sondern vielmehr um einen Sport.

Nebenbei erwähnt:
Der Talmud Traktat Avodah Zarah (Götzendienst) geht bis ins kleinste Detail auf den Unterschied zwischen Tieren von Juden und Götzendienern ein. Dies beginnt schon damit, wo genau ein Pferd abgestellt werden soll, wenn sich der Besitzer in ein Gasthaus zur Übernachtung begibt. Darf das Pferd eines Juden zusammen mit dem eine Götzendieners in EINEM Stall stehen ?
Bei Götzendiener sollte immer davon ausgegangen werden, dass in antiker Zeit nicht wenige Nichtjuden Sex mit ihren Eseln oder Pferden ausübten. So auch der berühmte Bilam (siehe Parashat Balak), der die Juden verfluchen sollte.

Auch der Kommentator Me'iri geht in seinem Kommentar "Beit HaBechirah" zum Talmud Traktat Bava Metziah 32b ein und legt fest, dass der Abschnitt mit dem Beladen und Entladen eines Tieres auf den Tierschutz im Judentum aufmerksam gemacht werden soll. Tiere sollen nicht leiden und es gilt ihnen zu helfen.

Sonntag, März 14, 2010

Tierschutz im Judentum, Teil 1



B"H

Neulich fragte ein Leser, wie es sich denn mit der "Jagd im Judentum" verhält. Jagen von Tieren aus sportlichen Gründen heraus ist im Judentum unbekannt und selbst von Esav, dem Sohne Yaakobs, (siehe Bereschit - Parashat Toldot) lernen wir, dass Esav jagen ging, um seinem Vater stets frisches Wild vorzusetzen. Hier ein paar Einblicke zum Thema "Tiere im Judentum".

Den ersten Tierschutz der Welt erfuhr die Welt sicherlich vom Judentum. Die Mischna (g - ttliches Gebot an Moshe auf dem Berg Sinai) im Talmud Traktat Bava Metziah 32a lehrt uns:

"Das Entladen eines Tieres, welches unter seiner Last zusammenbrach, ist eine Pflicht. Wir sollen die Fracht vom gefallenen Tier abladen und, sobald sich das Tier erholt hat und wieder auf seinen Beinen steht, erneut beladen. Selbst dann, wenn das Tier mehrere Male fällt.

Es ist ein Thoragesetz ein Lasttier, welches unter seiner Fracht leidet, zu entladen".

Sieht jemand ein Tier unter seiner Last zusammenbrechen, so ist derjenige verpflichtet, dem Besitzer des Tieres beim Entladen zu helfen. Diesen Vorgang nennen wir "Perika - Abladen" und schon in Exodus (Sefer Shemot) 23:5 lautet es:

Wenn Du den Esel Deines Feindes unter einer Last zusammenbrechen siehst, so helfe dem Tier.

Ferner ist ein Passant genauso verpflichtet, Fracht, die von einem Tier herunterfiel, wieder aufzuladen.

Diese beiden Verpflichtungen werden nach dem ersten Statement ausführlichst in den anfolgenden rabbinischen Diskussionen (bekannt als die GEMARA) definiert:

Es ist ein Thoragesetz, ein Tier, welches unter seinem Cargo leidet, UMSONST zu entladen bzw. dabei mitzuhelfen. Allerdings ist es kein Thoragesetz, dass Tier UMSONST zu beladen.

Rabbi Schimons Ansicht in der hier besprochenen Gemara in Bava Metziah 32a lautet jedoch, dass das Entladen sowohl als auch das Beladen eines Tieres umsonst (ohne Bezahlung) zu verrichten sind ! Mit diesem Statement erfolgt, wie könnte es anders sein im Talmud, ein weit diskutierter Disput (Machloket). Insbesondere ein Disput zwischen den Talmudkommentatoren RAN und ROSCH, die beide einen anderen Talmudtraktat hierbei verschiedenartig auslegen.

In der talmudischen Gemara jedoch geht es erst einmal weiter mit dem rabbinischen Statement, dass das Entladen eines schwer belasteten Tieres umsonst erfolgen muss, während für die Beladung des Tieres ein Lohn verlangt werden kann. Rabbi Shimon jedoch hält dagegen an seiner Meinung fest, dass beide Vorgänge ohne Bezahlung zu erfolgen haben.

Dass, was sowohl der Talmud als auch die Thora sagen wollen ist, dass kein Tier unter einer Last bis zum Zusammenbruch leiden soll. Wir alle sind verpflichtet, einem Tier in Not zu helfen und es nicht zu unnötig zu quälen. 

Beladen meint in diesem Zusammenhang, Beladen mit Maßen und nicht absichtlich überladen.

Montag, Februar 22, 2010

Die Jagd im Judentum und anderes

B"H

Diese Woche ist vollgepackt mit Research zu Purim und ebenso zur Thoralesung Tetzaveh, die da die Kleidung des Hohepriesters (Cohen HaGadol) beschreibt; aber auch die Ketoret (Gewürzopferung) und das Olivenöl der ständig brennenden Flamme im Tempel stehen an. Ich unterrichte einige nationalrelig. junge Frauen im Chassidismus und von daher schlage ich mich durch sämtliche chassidische Kommentare zu den Themen.

Ferner fragte mich ein Leser wie das mit dem "Jagen von Tieren" ist. Wie wird die Jagd im Judentum betrachtet und was sagen die Halachot ? 
Auch hierzu habe ich einiges an Material zusammengestellt und werde es in den Blog stellen. Soviel vorab: Das Jagen von Tieren als Sport im Judentum generell verboten.

Es gibt also viel zu tun dieser Tage und einige Male werde ich Buspausen einlegen, um von Jerusalem nach Tel Aviv (oder umgekehrt) zu fahren.

Einen Monat nach Purim, nämlich schon Ende März, feiern wir Pessach. Konkret bedeutet das, dass die relig. Hausfrau nach Purim mit dem Pessachputz beginnt und dass immer weniger Getreideprodukte gekauft werden. Der Genuss von jeglichen Getreideprodukten (Chametz) wie Bier, Nudeln, Kuchen, Brot und alles, was Weizen, Gerste, Spelt oder Roggen enthält, ist an Pessach verboten. Auch unsere Bäckerei wird gleich nach Purim die Produktion herunterfahren und den Personalbedarf reduzieren. Leider bin ich davon aber nicht betroffen.

Geniessen wir die Wochen vor Pessach noch, denn bald geht es ans nervige Putzen !

Dienstag, Oktober 13, 2009

Tierschächtungen im Judentum

B"H

Die Thora beinhaltet das Gebot der Opferdarbringungn von Tieren, doch wie genau die Tiere geschlachtet (geschächtet) werden sollen, dies teilte G - tt dem Moshe in der mündlichen Überlieferung mit. Demnach sind die genauen Schächtanleitungen im Talmud zu finden !

Besonders bekannt für diese Inhalte sind die Talmudtraktate "Chullin" und "Zevachim". Im Traktat "Chullin" werden all jene Tierschächtungen beschrieben, bei denen die Tiere einzig und allein zum Verzehr dienen und nicht auf dem Tempelaltar geopert werden. Der Talmud Traktat Zevachim dagegen beschreibt die genaue Vorgehensweise der Tierschächtung, welche als Tempelopferungen vorgesehen sind.


In Chullin finden wir folgende Beschreibungen:

1. Rituelle Tierschlachtungen (Schächten)
2. Tiere mir körperlichen Defekten dürfen nicht geschächtet werden, denn sie sind unkoscher.
3. Was geschieht mit dem Fötus eines geschächteten Tieres ?
4. Mit dem Verbot, dass Mutter und Kind am gleichen Tag geschächtet werden.
5. Mit dem Gebot, dass das Blut eines geschächteten Tieres oder Geflügel bedeckt werden muss.
6. Mit der "Gid HaNashe". Die GID ist ein Nerv, dessen Verzehr Juden verboten ist und deswegen nach der Schächtung herausgenommen wird. Das Verbot geht auf die Stelle in der Torah zurück, in welcher Yaakov mit dem Engel rang.
7. Weiterhin wird das Verbot des gemeinsamen Essens von Milch und Fleisch definiert.
8. Welche Unreinheiten können ein zu schächtendes Tier befallen, welche es letztendlich unkoscher machen ?
9. Welche Teile des geschächteten Tieres an den Cohen (Tempelpriester) gehen.
10. Das biblische Verbot, ein Ei aus einem Vogelnest zu entfernen, ohne die Vogelmutter davongesandt zu haben.

Der Talmud Traktat Chullin beschreibt detailliert, wie ein koscheres Tier definiert und erkannt wird. Doch selbst wenn ein Tier koscher ist gelten nach wie vor einige weitere Verbote:

1. "Ever Min HaChaj" - Einem lebenden Tier ein Körperglied auszureissen und dies verzehren.
2. "Terefah" - Ein koscheres Tier, welches einen schwerwiegenden Defekt aufweist. Beispiel: Der Verlust eines Organes zu Lebzeiten macht ein Tier unbrauchbar für die rituelle Schächtung.
Dieses Gesetz gilt sowohl als auch, wenn der Körperschaden angeboren oder im Verlauf des Lebens (durch den Angriff eines anderen Tieres, zum Beispiel) erfolgte.
3. "Nevelah" - Ein koscheres Tier muss einer rituellen Schlachtung unterliegen, damit Juden es verzehren können. Das Schächten wird in der Fachsprache "Schechitah" genannt.
Ein Tier, welches anderweitig einer anderen Schlachtungsporzedur unterlag wird somit zur Nevelah und ist vom Verzehr ausgeschlossen.


Schechitah - Das rituelle Schlachten

Ein Tier schächten bedeutet im Judentum dem Tier die Luft - sowie Speiseröhre durchzuschneiden. Das Schneiden selbst unterliegt festen Gesetzen. Unter anderem muss der Schnitt mit einem Mal erfolgen und darf nicht zögerlich oder ruckartig ausgeführt werden. Demzufolge darf das Messer keinerlei Rillen oder Unebenheiten ausweisen, welche eventuell am Hals des Tieres hängenbleiben und der Schochet (Schächter) am Hals des Tieres zieht und das Tier leiden lässt. In Fällen, wo dies passiert, wird das Fleisch automatisch unkoscher und nicht verzehrt. Außerdem sind während des Schächtvorganges folgende Verfahrensweisen verboten:


1. Während des Schnittes wird keine Pause gemacht.
2. Das Messer darf nicht in den Hals des Tieres hineingestochen werden.
3. Das Schneiden an der falschen Stelle bzw. das Ansetzen an der falschen Schneidestelle am Hals des Tieres.

Nicht jeder darf einfach so drauf los schächten, sondern hierfür gibt es ausgebildete Schochtim. Weiterhin werden für Geflügel extrem kleine und scharfe Messer verwendet, für andere Tiere hingegen gibt es große Messer.