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Freitag, August 31, 2012

Schabbat Schalom


Buchhandlung im haredischen (ultra - orthodoxen) Teil von Bnei Brak (bei Tel Aviv)

Photo: Miriam Woelke
B"H 

Als ich gestern in der Stadt Ramat Gan einen Termin wahrnehmen musste, machte ich mich auch kurzerhand in die unmittelbare Nachbarstadt Bnei Brak auf. Tel Aviv, Ramat Gan sowie Bnei Brak liegen dicht zusammen und wer gut zufuss ist, kann alles erlaufen. 

In Bnei Brak wollte ich eigentlich nur eines: In einer Buchhandlung ein bestimmtes Buch kaufen, denn ich plante, rechtzeitig nach Jerusalem zurückkehren. Erstens hatte ich einen Krankenbesuch im Hadassah Hospital vor und zweitens war es Donnerstag, was bedeutet, dass die Busse von Tel Aviv nach Jerusalem rappelvoll sind. Bereits am Donnerstag reisen viele Israelis über den Schabbat zu Freunden, Verwandten oder einfach nur heim zu den Eltern, mit dem Resultat, dass die Schlangen vor den Busbahnhöfen und Ticketschaltern endlos erscheinen.

In Bnei Brak war ich in zwei haredischen (ultra – orthodoxen) Buchhandlungen. Erfolglos, denn mein Wunschbuch "Migdal Oz" von Rabbi Yaakov Emden habe ich immer noch nicht gefunden. Ja, ich besitze es auf einer PDF File, doch mit keinem guten Druck. Deswegen starte ich einen neuen Versuch und mache ich mich nächste Woche nochmals hier in Jerusalem auf, dass Buch vielleicht doch noch zu finden bzw. zu kaufen. 

Immerhin erstand ich in Bnei Brak drei andere gute Bücher. Chassidische Teachings für Rosh Hashana und Yom Kippur sowie ein Buch vom MAHARAL von Prag. Ich bin immer wieder froh, der hebräischen Sprache mächtig zu sein und relig. Bücher im Original lesen zu können. Erstens, da die Mehrheit der Bücher nie in eine andere Sprache übersetzt worden ist und zweiten, weil viele Übersetzungen nicht das wiedergeben, was das Original beschreibt. Nicht aufgrund von Übersetzungsfehlern, sondern weil es unmöglich ist, diverse Inhalte in einer anderen Sprache wiederzugeben. 

Und jetzt mache ich mich ans Putzen und Kochen zwecks Schabbat.:-)

SCHABBAT SCHALOM an alle Leser !

Samstag, März 31, 2012

To – do – List für Pessach

B"H 

Diese Woche geht es so richtig los, denn am Donnerstag abend ist schon BEDIKAT CHAMETZ. Eine traditionelle Zeremonie, in welcher obligatorisch das Haus nach Chametz abgesucht wird, eingeleitet durch einen speziellen Segen. Mindestens zehn kleine Chametzteilchen werden in Papier eingewickelt und im Haus versteckt. Dann wird mit Kerze oder Taschenlampe danach gesucht, eingesammelt und am nächsten Morgen beim BI’UR CHAMETZ, der Verbrennung des letzten Chametz, vernichtet. Hört sich alles furchtbar kompliziert an, ist es aber nicht. Außerdem sind sämtliche Segen und Gebete (wie zum BI’UR CHAMETZ) im PESSACH MACHZOR (Pessach – Gebetbuch) enthalten.

Bevor die letzten Stunden vor dem Fest anbrechen, muss ich allerdings noch wie wild putzen. Küchenschrank ausräumen und auswaschen. Mein letztes Mehl loswerden und die Kidniyot (Dosen mit Erbsen oder Mais) wegstellen. Aschkenazische Juden hegen den Brauch, keine Hülsenfrüchte zu essen und so gibt es an Pessach keinen Mais, keine Erbsen oder Bohnen. In Israel muss ganz besonders aufgepasst werden, denn das Land ist voller sephardischer Juden und die essen an Pessach Hülsenfrüchte. Da Kidniyot sowohl als auch in diversen Gewürzen und allem Möglichen enthalten sind, sollte jeder auf die Label schauen, ob, zum Beispiel, die Würste im Supermarkt frei von Kidniyot sind.

Aufgrund des Auszuges aus Ägypten ist es Juden lt. der Thora verboten, an Pessach Chametz zu verzehren. Kein Getreide und dessen Produkte. Die eigene Wohnung muss frei von jedem Getreide sein und wer davon recht viel besitzt und es nicht gerade wegwerfen will, der kann es an bestimmten Stellen verkaufen. MECHIRAT CHAMETZ wird dies in der Fachsprache genannt. Derzeit sehen wir überall Yeshiva – Studenten (relig. Schulen) sitzen, welche, gegen einen Unkostenbeitrag, dem Verkäufer eine kleine Urkunde ausstellen, dass sein Chametz verkauft worden ist. Zwar darf der Verkäufer das Chametz in der Wohnung behalten – in einer extra Tüte, weggesperrt in einem Schrank – doch gehören tut es ihm an Pessach gar nicht mehr. Im ganzen Land findet dieser CHAMETZ – VERKAUF statt und kann sogar online getätigt werden. Insbesondere Lebensmittelhersteller wie Bäckereien verkaufen ihr Chametz.

Traditionell übergeben dieser Tage die beiden Oberrabbiner Israels einem drusischen Geistlichen die Urkunde des Verkaufs. Damit ist das gesamte Chametz aller Juden in der Hand der Drusen. Dies geschieht symbolisch, doch wird somit das Verbot der Thora etwas umgangen. Wenn Pessach vorbei ist, wird umgehend das Chametz wiederverwendet und es geht in den Besitz des rechtmässigen Eigentümers über. Ebenso werden nach Pessach in der Lebensmittelbranche / in Geschäften Urkunden des Rabbinates ausgehängt, dass dieses Unternehmen sein Chametz an Pessach verkauft hatte. War das Chametz nicht verkauft worden, so ist es für den Genuss nicht mehr koscher und sollte weggeworfen werden. Wer in einem Laden kauft, der das Chametz nicht verkauft hat, sollte ein paar Wochen warten, bis er wieder in dem Laden einkauft. In der Hoffnung, dass bis dahin das unkoscher gewordene Chametz aufgebraucht ist.

Ich selber putze ganz normal für Pessach und drehe nicht vollkommen durch, wie andere Leute. Viele legen ihre gesamte Küchenanrichte und die Schränke mit Aluminiumfolie aus. Ich tue das nicht. Zahlreiche Juden benutzen an Pessach anderes Geschirr. Eigens angeschafft für das Fest. Ebenso andere Töpfe. Andere wiederum lassen ihre Töpfe mit kochend heissem Wasser ausbrennen. Hinzu kommt der Einkauf. Pessach ist ein teures Fest und wer gute Mazzot will, der muss investieren. Familien mit Kindern fällt das schwer und so gibt es lediglich bei der Pessach – Seder am Freitag abend die teuren handgefertigten Mazzot und an den restlichen Tagen reguläre.

Tausende Israel haben an Pessach Urlaub und es ist die Zeit der Ausflüge. Wenn nicht ins Ausland, dann im eigenen Land. Zimmer und Hotels sind ausgebucht und Parks, Museen, das Tote Meer und sämtliche Sehenswürdigkeiten werden vor dem Massenandrang fast auseinanderplatzen. Ich muss an den Tagen arbeiten, doch werde ich versuchen, an den Zwischenfeiertagen (Chol HaMo'ed) mindestens einmal nach Jerusalem zu kommen.

Pessach steht ebenso für einen Tag der ALIYAT HA’REGEL nach Jerusalem. Zu Tempelzeiten gingen die Juden aus dem ganzen Land an Pessach, Schavuot sowie an Sukkot nach Jerusalem, um Opfer darzubringen. Bis heute sehen viele Juden es als Verpflichtung an, während dieser Feiertage wenigstens einen Tag in Jerusalem zu verbringen.

Was fehlt noch ? Bis Freitag muss ich unbedingt noch ein Paket MAZZA SCHMURAH auftreiben, denn ich esse an Pessach keine normalen Mazzot, sondern eine Art Mazzot, die während des Herstellungsprozesses besonders überwacht wurde. Zwar ist die SCHMURAH teurer, doch dafür schmeckt sie besser und ist nicht so trocken wie die normale Mazza.


 Mazza Schmurah

Photo: Miriam Woelke



PHOTOS AUS BNEI BRAK (APRIL 2011)



April 2011: "Bi'ur Chametz – das Verbrennen des letzten Chametz" wenige Stunden vor Pessachbeginn im Herzen von Bnei Brak. Nahe der Rabbi Akiva Street.



Viele religiöse Juden haben den Brauch, ihren Lulav von Sukkot zusammen mit dem Chametz wenige Stunden vor Pessach zu verbrennen. Ich sah unheimlich viele Haredim (ultra – orthodoxe Juden), die ihren Lulav zum Feuer mitbrachten. Ebenso wie jene Besen, mit welchen die Weiblichkeit das Haus pessachrein machte.

Chametz repräsentiert symbolisch betrachtet unsere eigene Yetzer HaRah (die schlechte Seite in einem jeden von uns) und mit dem Verbrennen drücken wir ebenso symbolisch aus, dass wir uns von der schlechten Yetzer befreiten.






Hier wird öffentlich Geschirr (Kelim) kascher le’Pessach gemacht. Dies geschieht anhand einer speziellen Prozedur,bei welcher das Geschirr in kochend heisses Wasser getaucht wird.


Das kochend heisse Wasser.



Der Vater der Mädels im Hintergrund brachte seine Kidduschbecher vom Schabbat zum Kaschern.



Weiteres Kaschern.

Copyright / Photos: Miriam Woelke

Dienstag, März 27, 2012

Tour durch Bnei Brak


Montag, März 26, 2012

Pessach Vorbereitungen in Bnei Brak

B"H

Heute früh ging ich durch die Bnei Braker Haupt – und Geschäftsstraße Rabbi Akivah Street um mir jene speziellen Mazzot zu besorgen, die ich an Pessach normalerweise esse: "Mazza Schmurah", welche eine besondere halachische Überwachung bei der Herstellung geniesst. Leider sichtete ich nur die superteuren handgefertigten sowie reguläre Mazzot. Bis Pessach aber muss ich noch meine geliebten Schmura Mazzot auftreiben. 

Bnei Brak ist eine Stadt zwischen Ramat Gan und Petach Tikwah. Alle drei Städte sind mit den lokalen Tel Aviver Bussen bequem und zum Ortstarif zu erreichen. Bnei Brak selbst wird vielerseits als haredische (ultra – orthodoxe) Stadt dargestellt, was nicht ganz stimmt. Es leben viele säkulere Juden dort genau so wie Nationalreligiöse. Nicht jeder in Bnei Brak trägt einen schwarzen Anzug mit Hut. Allerdings gibt es rein haredische Stadtteile, die ich recht oft besuche.


Kreuzung Ramat Gan - Bnei Brak: Ramat Gan zur Linken und Bnei Brak zur Rechten.



Vor Pessach schaffen sich viele jüdische Haushalte neues Geschirr kascher le’Pessach an. Alles soll blitzblank und frei von jedem an Pessach verbotenem Getreide sein.



Spendenaufruf per Plakat: Zedakah (Spenden für Bedürftige) sind ein wichtiges Thema in Bnei Brak, denn die Stadt gilt als die ärmste Stadt Israels.




Photos: Miriam Woelke

Donnerstag, Februar 02, 2012

Bilder aus dem haredischen Teil der Stadt Bnei Brak

B”H 

Hier ein paar Photos vom haredischen (ultra – orthodoxen) Teil der Stadt Bnei Brak bei Tel Aviv:








"Genug mit der haredischen (ultra - orthodoxen) Nichteinhaltung des Anstands !" Das Graffiti gibt es schon seit ein paar Jahren und es weist auf jene haredischen Frauen hin, die angeblich zu kurze Röcke tragen und sich auch sonst in zu bunten auffälligen Farben kleiden. 

Wir sehen hier, dass es innerhalb der haredischen Gesellschaft auch genügend Zoff gibt.



Chabad in Rashi Street 



Kiryat Vishnitz (Stadtteil der chassidischen Gruppe Vishnitz)




 Copyright / Photos: Miriam Woelke

Freitag, Dezember 30, 2011

Parashat Vayigash: "Die Juden und ihre Aufgabe in der Diaspora"


Gesehen im haredischen (ultra - orthodoxen) Teil der Stadt Bnei Brak bei Tel Aviv

Photo: Miriam Woelke

B"H

Die Thoralesung an diesem Schabbat heisst Parashat “Vayigash”. Yehudah wendet sich an Yosef (Vayigash elav Yehudah). Yehudah ist damit der einzige der Brüder, welcher den Yosef konfrontiert und somit seinen Standpunkt klarmacht.

Chassidische Kommentatoren stellen die Frage, warum die Thora uns nicht genau definiert, an wen sich Yehudah hier wendet, denn im Text heisst es lediglich, dass Yehudah sich an IHN wendet. Wer aber ist IHN ? Verfolgen wir den Text weiter, wird uns bewusst, dass Yehudah den Yosef anspricht. Nichtsdestotrotz sehen chassidische Kommentatoren, u.a., der Sefat Emet oder Rabbi Elimelech von Lejansk eine tiefere Message im Thoratext. Yehudah kommt mit seiner Rede an Yosef G – tt näher. Er legt alle materiellen Gedanken ab, um seinen kleinen Bruder Benjamin zu beschützen. Yehudah tut dies sehr emotional, doch mit Takt gegenüber dem ägyptischen Vize des Pharao, sprich Yosef. Genau so sollten wir vor G – tt stehen.

In der Parashat Vayigash wir wie die Juden von G – tt in die Galut (Diaspora) geschickt worden sind. G – tt hatte Seinen eigenen Plan, warum dies so geschehen musste und nicht anders. Die jüdische Literatur bietet uns eine ausgedehnte Bandbreite an Kommentaren warum die Juden in die Diaspora entsandt worden sind. Die jüdische Kabbalah lehrt uns das Konzept der sogenannten “Funken – Netzizot”, welche während der Welterschaffung entstanden.  G – ttes Plan war es, den Menschen einen freien Willen zu geben und sie nicht allein zu Befehlsempfängern zu degradieren. Deshalb erschuf Er keine perfekte Welt, sondern zog Seine eigene Perfektion zurück, um eine imperfekte Welt zu kreieren. Hätte G – tt dies nicht getan, wären wir alle absolut perfekt. Genau das aber wollte Er nicht, sondern dass Juden die Welt selber perfektionieren. Mit der Erfüllung der Thoramitzwot, dem Gebet oder dem Geben von Spenden an Bedürftige, zum Beispiel.

Die “Funken” können überall auf der Welt gefunden werden, doch vorsicht: Es handelt sich bei ihnen lediglich um ein kabbalistisches Konzept entwickelt vom mittelalterlichen Kabbalisten Rabbi Yitzchak Luria. Niemand sollte daher mit der Schaufel loslaufen und nach irgendwelchen Funken suchen ! 

Die jüdische Aufgabe liegt darin, die Welt zu perfektionieren. Anhand von Segenssprüchen vor dem Essen, zum Beispiel. Alles soll irgendwie in die höheren spirituellen Spähren erhoben werden; solange, bis der Meschiach eintrifft.

Was mich an dieser Parasha fasziniert ist, wie Yehudah sich aufbäumt und wie die Juden in die Galut geschickt werden. Ich selbst bin nicht in Israel aufgewachsen und weiss was es bedeutet, in der Diaspora zu leben. Beneiden tue ich daher Yosef und dessen Familie nicht, denn ein Leben in der Diaspora ist für mich unvorstellbar geworden.

Donnerstag, Dezember 22, 2011

Südkoreanisches Filmteam in der Ponevezh Yeshiva

B”H

Die in der litvisch – haredischen (ultra – orthodoxen) Welt berühmte Yeshiva PONEVEZH erhielt Besuch aus Südkorea. Ein Filmteam kam und suchte nach den Wurzeln der jüdischen Intelligenz, welche, allem Anschein nach, im Talmudstudium zu suchen ist. Nicht ganz unberechtigt die Annahme, denn aus meiner aktiven Yeshiva – Zeit, wo auch ich Gemara (rabbinische Diskussionen des Talmud) lernte, weiss ich, dass das Talmudstudium einiges an Köpfchen abverlangt. Meine hebräisch – aramäischen Talmudwörterbücher liegen immer noch vor mir im Regal und ich fühle mich schon sei längerer Zeit etwas schuldig, nicht mehr viel davon in die Hand zu nehmen. Aber demnächst soll sich der Zustand ändern. 

Ponevezh befindet sich heute in Bnei Brak bei Tel Aviv und gilt als “Nobel”Yeshiva. Wer keinen Vater hat, der ein überaus anerkannter Rabbiner ist und einen ausgezeichneten Leumund vorweisen kann, der hat bei der Aufnahmeprüfung Null Chancen. Ferner gilt Ponevezh als konservativ und die Studenten gehen weder ins Kino noch setzen sie ihren Ruf sonst irgendwie aufs Spiel.


Sinn des Talmudstudiums ist sein Leben zum Positiven zu verändern !

Montag, November 14, 2011

Bnei Brak: Kahaneman Street


Im haredischen (ultra - orthodoxen) Teil von Bnei Brak (nahe Tel Aviv).

Photo: Miriam Woelke

Mittwoch, November 09, 2011

Kiryat Nadvorna in Bnei Brak

B"H 

Kiryat Nadvorna ist der Stadtteil der chassidischen Gruppe Nadvorna und befindet sich in Bnei Brak nahe Tel Aviv. 













Das weisse Tor ist der Eingang zur Privatwohnung des Rebben der Chassidut Nadvorna. 



Photos: Miriam Woelke

Samstag, Oktober 29, 2011

Der Anstandswahnsinn von Bnei Brak

B”H 

In den letzten Jahren nahm der Anstandswahnsinn innerhalb einigen wenigen Teilen der haredischen (ultra – orthodoxen) Gesellschaft erheblich zu. Insbesondere bei ein paar kleinen litvisch – haredischen Gruppierungen wie der antizionistischen Neturei Karta (litvisch, da viele Mitglieder litvisch und nicht unbedingt chassidisch sind) sowohl als auch bei einigen chassidischen Gruppierungen. Von der kleinen Neturei Karta einmal abgesehen, deren Ziel es ist, ganz Mea Shearim (ultra – orthodoxer Stadtteil Jerusalems) sowie Bnei Brak (bei Tel Aviv) ihren idiotischen Stempel aufzudrücken und zu terrorisieren, bestehen ebenfalls seitens der antizionistischen Dachorganisation “Edah HaCharedit” diverse Erlässe gegen die unanständige Kleidung innerhalb der haredischen Gesellschaft. Wohlgemerkt, die Edah HaCharedit ist kein Teil der Neturei Karta und umgekehrt. Beide Gruppierungen agieren völlig unabhängig voneinander und die Edah will nicht unbedingt etwas mit der Neturei Karta zu tun haben noch mit ihr identifiziert werden. 

Grund für immer höhere Anstandslevel ist einzig und allein die eigene Politik, des “immer besser und frommer sein zu wollen als alle andere”. Eine Frau solle sich nicht eben mal so beim schnellen Gang zum Tante – Emma – Laden eine Kopfbedeckung überschmeissen und im Hausanzug Milch und Brot holen gehen. Auch der kurze Einkaufsgang setze voraus, dass eine Frau sich anständig kleidet und nicht im kunterbunten Hausanzug über die Straße haste. Bunte Farben ziehen die Augen der Männer auf sich und das soll gefälligst vermieden werden. 

Hier einige Anstandswarnungen an die haredischen Bewohner von Bnei Brak bei Tel Aviv:


An alle Bekleidungsgeschäfte: Unanständige Kleidung zu verkaufen ist wie mit unkoscherem Fleisch zu handeln !



Genug mit dem fehlenden haredischen Anstand ! damit wird auf jene haredischen Frauen hingewiesen, die teilweise zu kurze Röcke tragen oder sich in zu bunten Farben kleiden. Haredische Kleidung sollte aus dunklen unauffälligen Farben wie schwarz, grau oder dunkelblau bestehen. Dieser Graffiti ist allerdings schon einige Jahre in der Raschi Street zu sehen.



Selbst wenn eine Hausfrau nur eben mal schnell Brot oder Milch einkaufen geht, sollte sie anständig gekleidet sein und dem Anstandsmodel und Vormutter Rachel folgen.



Die Edah HaCharedit und der Satmarer Rebbe (Rebbe Aharon Teitelbaum, nehme ich an, denn Bnei Brak ist voll mit seinen Anhängern und nicht jenen seines Bruders und Konkurrenten, Rebbe Zalman Leib Teitelbaum: Unanständige Kleidung zu verkaufen kommt dem Verkauf unkoscheren Fleisches gleich !

Photos: Miriam Woelke

Montag, Oktober 03, 2011

Bnei Brak, Machzor & Yom Kippur


 Kreuzung Ramat Gan / Bnei Brak

Photo: Miriam Woelke
B”H  

Nun sind sie da, die “Aseret Yame’i Teschuva – Die 10 Tage der Umkehr zu G – tt” zwischen Rosh Hashana und den am Freitag abend beginnenden höchsten jüdischen Feiertag YOM KIPPUR (Versöhnungstag). Viel Gefühl habe ich noch nicht entwickelt, denn ich bin täglich zu sehr mit der Arbeit beschäftigt. Heute aber machte ich eher Schluß und fuhr dann kurz darauf von Tel Aviv nach Bnei Brak. Mit dem Bus dauert das ca. eine halbe Stunde. Zuerst wird die Nachbarstadt Ramat Gan durchkreuzt und gleich anschliessend folgt Bnei Brak. 

Nicht alle Bewohner von Bnei Brak sind relig., doch existieren zahlreiche ultra – orthodoxe Stadtviertel, wie ich schon mehrmals andeutete.  Ich befinde mich momentan in einem Dilemma, denn bis zur letzten Minute werde ich nicht wissen, wo ich den Yom Kippur verbringe. Werde ich mit der Arbeit am Freitag rechtzeitig fertig und schaffe ich es, einen der letzten Busse nach Jerusalem zu erwischen, um den Fastentag in der Heiligen Stadt zu verbringen ? Schaffe ich es zeitlich nicht mehr, so bleibe ich in Tel Aviv. Mein Boss meinte aber, dass ich es zum Bus schaffen werden. Notfalls soll halt jemand anders für mich einspringen, damit ich zum Bus rennen kann. 

Die zweite Problematik war, dass ich immer noch ein paar meiner Bücher in Jerusalem habe. Darunter auch mein Yom Kippur Machzor (Gebetbuch zum Yom Kippur). Zeit, es abzuholen, habe ich vor dem Fastenbeginn nicht mehr und somit fuhr ich heute nach Bnei Brak, um mir kurzfristig ein neues Machzor anzuschaffen. Viel kostet es nicht, doch Bnei Brak kommt gerade recht, denn ich kaufe stets chassidischen Gebetbücher. Und so fand ich dann im vierten von mir angesteuerten Buchladen noch das letzte Machzor Nussach Sfarad. 

Bei Feiertagsgebetbüchern genau so wie bei den normalen Siddurim mit den regulären Wochentags – und Schabbatgebeten, bestehen starke Unterschiede in verschiedenen Riten. Chassidim fügen, zum Beispiel, kabbalistische Passagen in die Gebete mit ein. Vorweglich vom mittelalterlichen Kabbalisten Rabbi Yitzchak Luria. Ebenso beten wir einige Passagen des Baal Shem Tov. Viele chassidischen Gruppen besitzen ihre eigenen Gebetbücher und viele von Euch werden das auch von Chabad (Lubawitsch) kennen. Sephardische Juden beten fast dasselbe wie Aschkenazim, doch an den Feiertagen existieren Unterschiede. Das reine aschkenazische Gebetbuch enthält den regulären Gebetsritus, jedoch keine Zusätze aus der Kabbalah oder, wie bei den Sepharadim, Zusätze sephardischer Rabbiner. 

In Bnei Brak ein chassidisches Machzor zum Yom Kippur zu finden, erwies sich schwieriger als angenommen, denn die Mehrheit der Buchläden verkauft alles im Set und nur in wenigen Fällen Einzelausgaben. Da ich jedoch alle Machzorim für die Feiertage Pessach, Schavuot, Rosh Hashana, Yom Kippur und Sukkot besitze, brauche ich kein Set. Nur kurzfristig ein neues Machzor für den Yom Kippur. Im vierten Buchladen fand ich schliesslich ein Exemplar des “Machzor Rabbah” für 24 Schekel (ca. 5,50 Euro). 

Photos stelle ich morgen in den Blog, damit Ihr seht, wie so etwas eigentlich ausschaut. 

Wenn ich schon einmal in Bnei Brak bin, dann will ich mir doch gleich die momentan stattfindenden Kapparot ansehen. Juden wollen ihre Sünden vergeben wissen und viele schächten deswegen ein Huhn, welches vorher bezahlt und über den Kopf desjenigen Sünders geschwenkt wird. Ich mache dabei nie mit, weil ich das furchtbar finde. Tausende Hühner in Plastikboxen warten auf ihren Tod. Und der Gestank erst. 

Vor Jahren gab ich statt der Hühnerprozedur immer Geld, aber auch das stellte ich ein. Kapparot sind ein Brauch und viele Weisen lehnen ihn ab. In Bnei Brak dagegen wurde viel Posterwerbung betrieben, doch teilzunehmen und 36 Shekel (ca. 7 Euro) zu zahlen, um mit dem Geld armen Familien unter die Arme zu greifen. Letztendlich fand ich in Bnei Brak keinen Kapparotplatz und suchte auch erst gar nicht groß herum. Dafür kaufte ich ein paar billige Lebensmittel ein, denn in haredischen (ultra – orthodoxen) Gebieten liegen in vielen Geschäften die Preise wesentlich niedriger, da die Bewohner wenig Geld haben.

Dienstag, September 20, 2011

Kiryat Vishnitz in Bnei Brak

B"H

Jedes Mal wieder stelle ich mir die Frage, wo genau ich anfangen soll, denn immer wieder hagelt es Kritik an meiner Auflistung: 

Prinzipiell hat die chassidische Gruppe Vishnitz in Bnei Brak (bei Tel Aviv) drei Rebben. Bnei Brak unterstreiche ich deswegen, weil ein anderer Vishnitzer Rebbe (Rabbi Mordechai Hager und Bruder vom Bnei Brak Rebben Moshe Yehoshua) seinen eigenen Sitz in Montsey (bei New York) hat. 

In Bnei Brak haben wir als allererstes den alten Rebben Moshe Yehoshua Hager. Seit mehreren Jahren leidet er an Alzheimer und seine beiden Söhne streiten sich um die Rebbenachfolge. Rebbe Israel Hager nahm die Position ein und ihm folgen die meisten Vishnitzer aus Bnei Brak. Sein Bruder, Rabbi Menachem Mendel Hager, gründete seinen eigenen Vishnitzer Part, lebt jedoch mit seinen Anhängern nach wie vor im selben Stadtteil. In der Vergangenheit führte das zu Kämpfen.

Die folgenden Photos zeigen einige der Einrichtungen des Rebbe Israel Hager in Kiryat Vishnitz / Bnei Brak.














Hier, unter freiem Himmel vor der Beit Midrash (Lehrhaus), hält Rebbe Israel Hager seinen Tisch ab. Einmal war ich an Sukkot dort, doch wir Frauen waren gegenüber in einem Gebäude untergebracht und durften lediglich durch die kleinen Fenster nach außen sehen. An diesem Sukkot im Oktober werde ich wieder dort sein und hoffe diesmal auf einen Platz im Freien.





Photos 19. September 2011: Miriam Woelke

Montag, September 19, 2011

Die Synagoge des BIALE REBBEN in Bnei Brak

B"H

Jemand aus Bnei Brak erzählte mir einmal, dass der lokale Bialer Rebbe zwar nicht viele eigene Anhänger hat, doch ist sein Gebetsservice so beliebt, dass ca. 300 Juden am Schabbat vorbeikommen. Zweimal war ich in der Biale Synagoge zu Bnei Brak, doch jedesmal kam ich zu spät und verpasste den G – ttesdienst. 

Die chassidische Gruppe BIALE hat eine alte Tradition. Es gibt mehrere Rebben an unterschiedlichen Orten und alle von ihnen stammen aus der Familie des Rabbi Yaakov Yitzchak Rabinowicz. Ein berühmter polnischer chassidischer Rabbiner, über den ich noch nicht viel berichtet habe. 

New York hat einen Biale Rebben genauso wie London oder Jerusalem. Deutschsprachigen Juden dürfte vor allem der Biale Rebbe aus Lugano / Schweiz ein Begriff sein !


Hier zwei Photos der Biale Synagoge in Bnei Brak bei Tel Aviv. 




Copyright / Photos: Miriam Woelke

Donnerstag, Juni 30, 2011

Die haredische (ultra - orthodoxe) Welt in dieser Woche


Thema Nr. 1 dieser Woche: Rabbiner Michel Yehudah Lefkowitz aus Bnei Brak verstarb vor wenigen Tagen. 100,000 Menschen kamen zur Beerdigung.

Einen Bericht zum Tod des Rabbi Lefkowitz folgt im nachfolgenden Blogartikel !

Rabbi Michel Yehudah Lefkowitz verstorben

B"H

Die Stadt Bnei Brak bei Tel Aviv hat ihre eigenen Thoragrößen und Rabbiner. Die litvisch – haredische (ultra – orthodoxe) Yeshiva Ponivezh ist eine der bedeutensten relig. Lehrinstitute des Landes und hat Rang und Namen. Nicht jeder wird dort eben mal so aufgenommen, sondern muss schon einen gewissen Family Background nachweisen. Ferner ist Ponivezh nicht gerade modern eingestellt und der Student muss schon auf so einiges verzichten (Beispiel: Kino).

Vor wenigen Tagen, am 27. Juni, verstarb einer der führenden rabbinischen Köpfe Bnei Braks sowie der Yeshivat Ponivezh: Rabbi Michel Yehudah Lefkowitz. Über 100,000 Menschen nahmen an seinem Begräbnis teil. 

Hier ein Video mit dem berühmten Rabbiner:

Mittwoch, April 20, 2011

Israelis geniessen ihren Pessach Ausflüge


Bnei Brak bei Tel Aviv

Photo: Miriam Woelke

B”H

Momentan befindet sich halb Israel auf Reisen. Pessach Attraktionen werden geboten und am morgigen Donnerstag findet in Jerusalem während des Morgengebetes Schacharit der traditionelle “Segen der Cohanim – Birkat HaCohanim” an der Klagemauer (Kotel) statt. Dies geschieht so ca. gegen 9.00 Uhr früh.

Montag, April 18, 2011

Bi'ur Chametz und Kashering Geschirr in Bnei Brak (Photos)

B"H

Heute morgen wanderte ich etwas mehr als eine Stunde im fast haredischen (ultra – orthodoxen) Bnei Brak (bei Ramat Gan und Tel Aviv) umher. Kaufte ein und schoss nebenher ein paar tolle Photos vom traditionellen Verbrennen des letzten Chametz (verbotenes Getreide sowie verbotene Getreideprodukte wie Nudeln) an Pessach. Übrigens gibt es an Pessach auch kein Bier !

In Bnei Brak herrschte eine tolle Atmosphäre und hier ist eine kleine Auswahl der vielen Photos, die ich machte:



Kreuzung Ramat Gan - Bnei Brak / nahe Tel Aviv



"Bi'ur Chametz – das Verbrennen des letzten Chametz" wenige Stunden vor Pessachbeginn im Herzen von Bnei Brak. Nahe der Rabbi Akiva Street.



Viele religiöse Juden haben den Brauch, ihren Lulav von Sukkot zusammen mit dem Chametz wenige Stunden vor Pessach zu verbrennen. Ich sah unheimlich viele Haredim (ultra – orthodoxe Juden), die ihren Lulav zum Feuer mitbrachten. Ebenso wie jene Besen, mit welchen die Weiblichkeit das Haus pessachrein machte.

Chametz repräsentiert symbolisch betrachtet unsere eigene Yetzer HaRah (die schlechte Seite in einem jeden von uns) und mit dem Verbrennen drücken wir ebenso symbolisch aus, dass wir uns von der schlechten Yetzer befreiten.







Hier wird öffentlich Geschirr (Kelim) kascher le’Pessach gemacht. Dies geschieht anhand einer speziellen Prozedur,bei welcher das Geschirr in kochend heisses Wasser getaucht wird.



Das kochend heisse Wasser.



Der Vater der Mädels im Hintergrund brachte seine Kidduschbecher vom Schabbat zum Kaschern.



Weiteres Kaschern.

Copyright / Photos: Miriam Woelke