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Sonntag, Dezember 19, 2010

Chassidischer Tisch in TOLDOT AHARON


B”H

Nach einem mehr als chassidischen Schabbat in Jerusalem kehre ich heute heim nach Tiberias. 

Am Freitag abend sowie zum gestrigen Mittagessen war ich im ultra – orthodoxen Stadtteil Mea Shearim zum Essen eingeladen. Freitag abend ging es nach dem Essen weiter auf chassidische Tischsuche. Normalerweise geben an dem Abend viele Rebben unterschiedlicher Gruppen ihre Tische. Bedeutet, die Chassidim versammeln sich um den Tisch des Rebben in der jeweiligen Synagoge, singen, der Rebbe gibt ggf. eine Thoradrascha und die Stimmung ist ziemlich spirituell. In chassidischen Kreisen gilt der Rebbe als “Zaddik – Gerechter” und es hat eine besondere Bedeutung ihm zuzusehen oder ihn überhaupt zu sehen. 

Mit einer Freundin klapperte ich am Freitag abend einige Synagogen in Mea Shearim ab, doch der einzige Tisch, den wir fanden, war bei der chassidischen Gruppe Toldot Aharon. Eine Gruppe, über die ich in der Vergangenheit unendlich viel berichtet habe. 

Der Tisch war voll Chassidim und Besucher. Auch auf den Frauenemporen war fast kein Durchkommen mehr, doch wir erhaschten ein paar Blicke auf das Geschehen im Erdgeschoss sowie den Rebben David Kahn.

Sonntag, Mai 02, 2010

Chassidischer Tisch in Chassidut Toldot Avraham Yitzchak


Die Toldot Avraham Yitzchak mit Rebbe Kahn


B"H

Zum Sommer hin wird es zum Problem: Die Schabbatmahlzeit beginnt später (und so auch der Schabbat) und man muss sich regelrecht mit dem Kiddusch (Segnung des Weines) sowie dem Essen beeilen, um einigermassen pünktlich zu einem chassidischen Tisch zu kommen. Ansonsten sind alle Sitzplätze besetzt.

Zum Essen also ging es zu Rabbi Mordechai Machlis und kaum zwei Stunden später schon weiter ins ultra - orthodoxe Mea Shearim zum Tisch des Rebben der chassidischen Gruppe Toldot Avraham Yitzchak (eine Abspaltung der Toldot Aharon). Bei beiden Gruppen sind die Zeitangaben oftmals verwirrend, denn beide Gruppen sind antizionistisch und stellen ihre Uhren nicht auf die "zionistische" Sommerzeit um. Wer also dorthin geht, der sieht die nicht umgestellte Uhr, muss jedoch eine Stunde vorrechnen.

Wir hatten Glück, rechtzeitig in der Avraham Yitzchak Synagoge anzukommen, denn Rebbe Shmuel Yaakov Kahn sprach gerade Segen über das Brot gesprochen (HaMozi) und noch waren auf der Frauenempore Sitzplätze zu haben. Gleich nach uns traf eine ganze Klasse haredischer Mädels ein, die an diesem freitag durch Mea Shearim tourten. Seit einiger Zeit ist es in Mode gekommen, dass viele Schulklassen relig. Schulen die Tische der chassidischen Rebben zu besuchen, um sich das Event einmal anzusehen.
Die Klasse bestand teils aus aschkenazischen und teils aus sephardischen Mädchen und es wurde laut als sie eintraten. Ihre zwei Lehrerinnen sorgten für Ruhe, den die Avraham Yitzchak Frauen hatten sich über den Lärm beschwert. Circa 15 Minuten später kam die nächste Gruppe herein und die erste Gruppe ging. Jetzt waren es nationalrelig. Schülerinnen, die zwar ruhig waren, doch gar nicht wussten, bei welcher chassidischen Gruppesie sich eigentlich befanden. Ihre Lehrer haben selbst keine Ahnung von Haredim (Ultra - Orthodoxen) und so war es nur von Vorteil als sich ein Avraham Yitzchak Teenager zur Verfügung stellte, um den Nationalrelig. etwas zu erklären, die da noch nicht einmal wussten, was Jiddisch ist und warum man es spricht.

Auch die Nationalreligiösen zogen nach einer Weile von dannen und immer mehr Toldot Avraham Yitzchak Frauen strömten herein. Dazu eine kleine Gruppe chassidischer Frauen (offenbar aus New York) die auf ihrer Perücke (Kopfbedeckung verheirateter haredischer Frauen) noch ein kleines weisses Tichel (Tuch) trugen. Vielleicht von der chassidischen Gruppe Satmar, denn Satmar kommt recht häufig auf Besuch herüber.

Die Toldot Avraham Yitzchak Rebbitzen trat ein und bevor sie auf ihrem extra Stuhl Platznahm, begrüßte sie die New Yorker Tichel - Crew.
Ja, ein Tichel müsste man haben …

Rebbe Shmuel Yaakov schwebte in anderen Welten und seine Chassidim sangen. Ich liebe es anzusehen, wenn er mit den Armen wedelt und am letzten Freitag abend klopfte er dazu mit seinem kleinen Löffel im Takt zu den gesungenen Melodien.

Das Vorgehen auf der Frauenempore ist mir relativ egal und ich schaue lieber dem Rebben sowie den Chassidim zu. Bei fast jedem chassidischen Tisch begrüßt ein Rebbe seine um ihn herum auf Metalltribünen stehenden Chassidim und so auch in Avraham Yitzchak. Dort jedoch ist es ein besonderes Vergnügen zuzuschauen. Vor allem, wenn die Chassidim dem Rebben zurückwinken.

Eigentlich zu früh, gegen 00.45 Uhr, verliessen wir den Tish, denn es war Bettzeit. Wenn ich innerhalb der Woche nur weniger Arbeiten täte und freitags abends nicht so müde wäre …

Montag, April 12, 2010

Chassidischer Tisch in Toldot Aharon

B"H

Am vergangenen Schabbat war ich wieder einmal in Mea Shearim eingeladen, wo ich mittlerweile mehrere Familien unterschiedlicher chassidischer Gruppen kenne. Mit zwei Familien bin ich seit weit mehr als zehn Jahren gut befreundet und beide Familien wollen mich in "ihre haredische (ultra - orthodoxe)" Welt zurückbefördern. Ganz so wie in alten Zeiten halt und ich solle mich endlich einmal aufraffen und entscheiden. Keine Ausflüchte mehr und eine Bekannte davon schwang sich zu meiner "Mea Shearim Mutter" auf und wir telefonieren mehrmals pro Woche. Natürlich wird auch ständig das Thema "Religiös" von hinten bis vorne diskutiert.:-)

Die Mea Shearim - Welt am Freitag abend, Erev Schabbat, einem Außenstehenden zu beschreiben, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Selbst wer sich als Tourist durch den Stadtteil bewegt, bekommt nie das mit, was er erleben würde, wäre er Mitglied der haredischen Gesellschaft oder kenne er dort die Bewohner.

Obwohl totmüde, raffte ich mich zum Schabbatessen auf und sass fast zwei Stunden nach Beginn des Schabbat in einem Mea Shearim Wohnzimmer. Vollgepackt mit Möbeln älteren Baujahres, dem traditionellen Kerzenleuchter an der Decke und weit mehr als zehn Enkelkinder liefen auf und ab.

Wer hier herumfragt, ob er Madonna oder Michael Jackson kennt, stößt auf ein überdeutliches NEIN. Kein Interesse an einer anderen weltlichen Welt, sondern allein die Thora zählt. Meine Gastgeber (Freunde) sind stolz auf ihre Kinder und Enkel. Die älteste Enkelin heiratet kurz nach Schavuot im Mai / Juni einen Chernobyler Chassid und alle sind aufgeregt, sobald das Thema "Heirat" aufkommt.

Es wird sich auf das positive Thoraleben und nicht den Klatsch drumherum konzentriert. Falls einmal jemand eingeladen wird, dann sind das Juden aus haredischen Yeshivot (Schulen) oder jene, die einmal dort lernten oder sich zumindest in der haredischen Gesellschaft bewegen / bewegten. So hält es auch die Rebbitzen der Chassidut Toldot Aharon gleich nebenan, wenn sie zum Schabbat einlädt. Normalerweise machen solche Telefonnummern in haredischen Yeshivot / Seminaren die Runde und niemals außerhalb.

Nach dem Essen und einer langen (üblichen "Religiös - Diskussion) wollte ich kurz zu einem der chassidischen Tische eines Rebben in der Nachbarschaft gehen. Bei den Toldot Avraham Yitzchak war nichts und alles duster und so versuchte ich mein Glück mit zwei israelischen Seminarmädels, die ich unterwegs traf, bei den Toldot Aharon gleich um die Ecke. Obwohl dort auch die Eingänge eher unbelebt waren, fand ein Tisch statt. Rebbe David Kahn aß gerade seine Hühnersuppe und an seinem ewig langen Tisch sowie drumherum auf den Metalltribünen hatten sich zahlreiche Chassidim versammelt. Im Verlauf der Nacht sollten es einige Hundert werden.

Auf der Frauenempore war nicht viel los, was normalerweise nicht so ist. Dann nämlich quetscht man sich im Gedränge nach vorn an die Glasmechitzah (Trennwand zu den Männern im Erdgeschoss) und steht (oder sitzt) wie eine Ölsardine da.

Ich fand einen tollen Stehplatz; hätte ich gesessen, wäre ich womöglich vor Müdigkeit eingeschlafen. Plötzlich kam eine in Weiss gekleidete Frau auf die zwei Seminargirls und mich zu. Den Frauen um uns herum hatte sie kleine weisse Zettel ausgeteilt und jetzt waren wir an der Reihe. Ich fragte sie, ob sie Tehillim (Psalmen) verteile und sie bejahte. Das Austeilen von Tehillim unter den Frauen bei chassidischen Tische ist durchaus keine Seltenheit.

Die Frau teilte Zettel mit unterschiedlichen Tehillim - Tagen und Nummern aus. Wir sollen für gekidnappte israelische Soldaten beten, meinte sie zu mir. Die Frau war kein Mitglied der Toldot Aharon und ich schätze einmal frei heraus, dass sie den Breslovern nahesteht.
Ich bekam den Freitag aufgedrückt, der mir gut passt, denn dann habe ich etwas Zeit.

Die Frau zog weiter und die Seminargirls wollten heim. Ich blieb und kurz darauf erschien die Toldot Aharon Rebbitzen. Wir kennen uns etwas, da wir schon einige Male miteinander redeten und ich einmal zu ihrem Unterricht (Schiur) erschien.

Wie ein chassidischer Tisch abläuft ?
Der Rebbe kommt herein, macht Kiddusch (Segnung des Weines) und viele Rebbes essen dann ein kleines Schabbatmahl. Dabei teilen sie immer wieder ihr Essen mit den anwesenden Chassidim, denn Essen, worüber der Rebbe einen Segen sprach, erhöht auch die Seelen der Chassidim. Deswegen wird sich stets um ein paar Brösel des Essen vom Rebben gedrängelt.

Lieder mit chassidischen Melodien werden gesungen und es kommt eine unbeschreibliche Atmosphäre auf. Jeder Rebbe pflegt seine individuellen Gewohnheiten und mir fällt es normalerweise leicht, mit den Frauen einer Gruppe ins Gespräch zu kommen. Wenn, dann stets über die Religion und das chassidische Leben. Wer kennt wen und so trifft eines auf das andere.

Um die wahre Bedeutung eines Tisches zu verstehen, sollte man sich mit der chassidischen Gesellschaft aus dem relig. Chassidismus heraus bewegen. Ansonsten schaut ein Besucher einmal hin, doch richtige Einblicke bleiben ihm fremd und verborgen.

Sonntag, März 14, 2010

Schabbat Vayakhel - Pekudei in Mea Shearim

B"H


Das Schabbatessen bei Rabbi Machlis war hervorragend. Nicht zuviele Leute, sondern "nur" die üblichen 60 oder 70 Gäste. Hinterher ging ich vom Stadtteil Maalot Dafna hinunter nach Mea Shearim. Zuerst jedoch durch die Shmuel HaNavi Street nahe dem Machlis Haus. Dort ist die kleine chassidische Gruppe Dushinsky angesiedelt, doch nichts tat sich. Alles ruhig und da es ein warmer Sommerabend mitten im März war, zogen es haredische (ultra - orthodoxe) Ehepaare eh vor, einen Abendspaziergang zu unternehmen. Ursprünglich hatte ich geplant, zum chassidischen Tisch des Kaliver Rebben sowie zur Chassidut Ruzhin - Boyan zu gehen, doch ich war zu faul zum Laufen. Letztendlich machte ich bis nach Mea Shearim, aber auch dort herrschte das Schweigen im Walde. Zumindest hatte auch ich einen tollen Abendspaziergang.

Sonntag, März 07, 2010

Mea Shearim, Neturei Karta sowie ein "realistischer" chassidischer Tisch

B"H

"So und was hat Dir gestern abend der chassidische Tisch des Rebben gebracht ?"
Diese Frage stellte mit eine gute Bekannte aus dem ultra - orthodoxen Mea Shearim und insgeheim begann ich nachzudenken. In der Nacht zuvor war ich in von zwei Familien im Stadtteil eingeladen gewesen, schaffte es jedoch nur zu einer davon. Beide Familien sind das, was wir so gerne "antizionistisch" nennen und noch vor der ersten Schabbatmahlzeit lernte ich, dass man dort nicht "Hebräisch" sagt, sondern es "die Heilige Sprache - Laschon HaKoidesch" nennt".

Zusätzlich lernte ich, dass die Bewohner von Mea Shearim die Neturei Karta (NK) alles andere als mögen. Dies betrifft beide in Mea Shearim ansässigen NK Gruppierungen. Wie die NK will man selbst als Antizionist nicht die Araber über einen herrschen wissen, sondern andere Völker ohne israelische Regierung. Bis der Meschiach kommt und sich eh alles ändern wird. A la "Dritter Tempel" und so. Andererseits aber ist gerade die Neturei Karta im Stadtteil für ihre Wohltätigkeit bekannt und nicht alles ist grundweg schlecht.

Nach dem Schabbatessen machte ich mich auf um die Ecke zum chassidischen Tisch der Chassidut Toldot Aharon. Dort hatte Rebbe David Kahn schon längst Kiddusch (Segen über den Wein) gemacht und man setzte ihm seine richtige Mahlzeit vor.
Bei Tisch eines Rebben versammeln sich die Chassidim um einen riesigen Tisch. Wer dort keinen Platz findet, der steht auf bankartigen Tribünen und schaut zu, was der Rebbe macht. Der wiederum redet von der Thora oder man singt Lieder. Meist herrscht eine unbeschreibliche Atmosphäre, die man umso mehr geniesst, wenn man chassidische Konzepte zu schätzen weiss.

Bis kurz nach 1.00 Uhr morgens (bis zum Ende) blieb ich bei Tisch der Toldot Aharon und genoss die neue weiträumigere Synagoge trotz der hohen Besucheranzahl. Irgendwie traf es sich, dass ich neben der Rebbitzen (Frau eines chassidischen Rebben) stand und nebendran mit einer Toldot Aharon Frau sprach, die ich schon länger kenne.

Was ich vom Tisch spirituell mitnahm ?
Beim Tisch ging es eher ruhig zu, denn Rebbe David Kahn ist gewiss nicht so entertaining wie sein Bruder, der Rebbe der Splittergruppe Toldot Avraham Yitzchak. Spirituelle Höhen fand ich am Freitag abend nicht unbedingt; stattdessen liess ich meine Gedanken umherwandern. 
Wie sich wohl eine Newcomer in dieser so geschlossenen Gesellschaft der Toldot Aharon
fühlen täte ? Nicht, dass ich auch nur irgendwo Mitglied werden will, dennoch stellte ich mir die Frage, wie gerade Newcomer auf ihr vorheriges Leben verzichten und sich allein auf diese Gruppe und deren Inhalte ausrichten. Wie bringt man soetwas fertig ? Wie lege ich mein Schicksal in die Hände der Gruppe bzw. des Rebben ?

Anstatt vor mich herzuträumen und mich von chassidischen Gefühlen überwältigen zu lassen (wie das bei vielen Besuchern so der Fall ist), wog ich einige Realitäten sorgsam ab und habe so wohl doch einiges vom Tisch mitgenommen.

Sonntag, April 26, 2009

Chassidischer Tisch in Chassidut Vishnitz

B"H

Am vergangenen Freitag abend hielt einer der Bnei Braker Rebben der chassidischen Gruppe Vishnitz einen Tisch in Jerusalem ab.
Hier ein kleiner Bericht dazu !

Donnerstag, März 05, 2009

Purim Insights

B"H

Meine Absicht ist es, in diesem Beitrag einige Insights in den jüdischen Feiertag Purim zu geben. Insights, die vielleicht dem ein oder anderen nicht so geläufig sein mögen. Die eigentliche Purim – Storie dagegen kann jeder auf den Sites von Aish HaTorah und Chabad.org nachlesen.

Vorweg aber dennoch einige Halachot aus dem Schulchan Aruch (Code of Jewish Law):

Am Abend vor dem Lesen der Megillah wird der Machazit HaShekel eingesammelt. Dieses geht auf die Thoraparasha "Ki Tisa", welche wir in einer Woche lesen. Am Schabbat Schekalim, dem Schabbat vor dem Monatsbeginn Adar. Das Geld, welches auf diese Weise zusammenkommt, wird an Purim selbst unter den Bedürftigen verteilt.
In Parashat Ki Tisa wurde Moshe von G - tt aufgefordert eine Volkszählung durchzuführen. Jeder Israelit über 20 Jahre sollte einen halben Schekel geben.
Ich persönlich gehe meistens in eine Chabad – Synagoge und gebe den Machazit HaShekel dort vor Beginn des Lesens der Megillah. Jeder kann soviel spenden, wie er will. Es gibt diesbezüglich keine Vorgaben.

An Purim wird zweimal die Megillath Esther (das Buch Esther) gelesen; einmal abends nach Einbruch der Dunkelheit und einmal morgens. Jeder muss die Megillah diese zweimal hören, vorzugsweise natürlich in der Synagoge. Geht jemand nicht in die Synagoge, so muss er die Megillah daheim lesen.

- Ein jeder muss die Megiallah hören, selbst Kleinkinder.

- Jedes Wort der Megillah muss vom Zuhörer gehört werden.

- Man muss an Purim eine Se'udah, ein festliches Mahl, haben.

Der Schulchan Aruch schreibt vor, dass man sich betrinken muss oder zumindest mehr Alkohol trinkt als normal. Laut Talmud Traktat Megillah 7b sollte soviel getrunken werden, dass man den Unterschied zwischen Mordechai und Haman nicht mehr weiss.
Hierüber jedoch gibt es Dispute und viele sind der Ansicht, dass ein wenig Wein genauso ausreichend sei.

Wer an Purim arbeitet, dem bringt das so verdiente Geld keinen Segen.
(Kitzur Shulchan Aruch, Hilchot Megillah 141)

Exellente Einblicke in Purim liefern der Talmud Traktat Megillah sowie die Midrash Rabbah – Esther.

Überall auf der Welt und in den meisten Orten Israels wird Purim am 14. des jüdischen Monats Adar gefeiert. In Jerusalem sowie in anderen Städten, die zu Zeiten Joshua bin Nun eine Stadtmauer hatten, wird Purim jedoch am 15. Adar gefeiert (Gemara in Megillah 2a). Dieser Tag wird Schuschan Purim genannt. Wenn in Tel Aviv Purim schon längst wieder vorbei ist (in Tel Aviv wird am kommenden Dienstag Purim gefeiert), beginnen wir in Jerusalem, Purim zu feiern. Einen Tag später (in diesem Jahr am kommenden Mittwoch).

Was ist der Grund für Schuschan Purim ?
Wie wir im Buch Esther lesen, wurde in der babylonischen Hauptstadt Schuschan Purim am 15. Adar gefeiert und eben jenes Schuschan war von einer Stadtmauer umgeben. Diese Regel von Schushan Purim gilt sowohl für israelische Städte als auch für Städte im Ausland (Ramban, Rambam und Ritva).

Warum mussten die Orte gerade in der Zeit von Joshua bin Nun eine Stadtmauer besitzen ? Der Talmud Yerushalmi antwortet, dass wenn die Zeitrechnung mit dem stattfinden von Purim begonnen haette, das Land Israel keine Stadtmauer besessen haette. Man wollte ganz einfach dem Land Israel die Schande ersparen und so einigte man sich auf die Zeit Joshua bin Nun. Des weiteren führte Joshua den Krieg gegen Amalek und Haman war ein Nachkomme Amaleks. So wird der Sieg von Purim mit dem Sieg gegen Amalek in der Wüste verbunden.

Alles in der Megillat Esther ist versteckt und uns nicht offensichtlich. Selbst der Name Esther stammt vom hebräischen Wort Seter = hidden, Versteck. G - ttes Name erscheint offiziell nicht ein einziges Mal in der Megillah. Verschlüsselt finden wir Seinen Namen dennoch; wenn Esther König Achashverosh und Haman zum Essen einlädt: Yavo Hamelech ve Haman ….. Die Anfangsbuchstaben der jeweiligen Wörter ergeben den Namen G - ttes י - ה - ו - ה.

Die Stadt Schushan liegt im heutigen Iran. Nach der Zerstörung des Ersten Tempels durch die Babylonier lebten die Juden 70 Jahre in der Babylonier Diaspora. König Achaschwerosch war zu der Zeit der mächtigste Herrscher der Welt und Herr über 127 Länder. Er herrschte von 3393 - 3407 (nach dem jüd. Kalender).

Zu Beginn der Megillah lesen wir von einem grossen Bankett, welches er gab. Leider nahmen an dem Bankett auch Juden teil. Das unkoschere Essen, welches serviert wurde, störte sie nicht. Das weit verbreitete Vergehen unter ihnen war, dass sie kaum noch Thora lernten, sondern sich mit der Situation im Exil abfanden. So liess G - tt es zu, dass Haman sein Urteil faellen konnte (Maharsha und Raschi).

Achaschwerosch sah das Bankett als eine Lehre für die Juden, dass sie nun endlich verstehen, dass ihr G - tt sie nicht mehr aus Babylon rettet. Der König stellte die Kleidung und die Gefässe aus dem Ersten Tempel zur Schau. Er trug die Kleidung und benutzte die Gefässe (Midrash Rabbah – Esther). Während Achaschwerosch mit den Männern feierte, so feierte seine Frau Vashti mit den Frauen (Megillah 12a). Auch Vashti stellte auf ihrer Party die Gegenstände aus dem Ersten Tempel zur Schau.
In der Megillah lesen wird die berühmte Stelle, in der Achaschwerosch Vashti am siebten Tage des Banketts auffforderte, vor der Männergesellschaft zu erscheinen, sie sich weigert und der König sie zur Strafe hinrichtet.

Die Gemara in Megillah 12b diskutiert ausführlich was denn wohl der Grund für Vashtis Reaktion gewesen war. Einige Meinungen lauten, dass sie plötzlich Lepra bekam und wieder andere sagen, dass ihr ein Schwanz wuchs. Alles in allem ist aber anzunehmen, dass sie sich einfach nicht der Demütigung aussetzen wollte, nackt vor dem König und dessen Untertanen zu erscheinen.

Haman erliess den Erlass, alle Juden umzubringen, aus purem Judenhass. Mordechai verbeugte sich nicht vor ihm und Haman empfand dies als Beleidigung. Sein Hass auf Mordechai schlug in Hass auf alls Juden um.

An dieser Stelle möchte ich einen Kommentar von einem meiner Rabbis, Rabbi Mordechai Machlis, einbringen. Anstatt auf das zu schauen, was er (Haman) in seinem Leben alles hatte, konzentrierte er sich nur auf das, was er nicht hatte; nämlich die Verbeugung Mordechais.
Das Gleiche gilt auch heute in unserem Leben. Vielmals konzentrieren wir uns auf das, was wir in unserem Leben nicht haben, übersehen jedoch komplett, das was wir eigentlich haben. Wir wollen immer mehr Geld, wissen aber nicht zu schaetzen, dass wir schon ein Haus besitzen und bester Gesundheit sind. Dass der Nachbar vielleicht ein grösseres Haus hat, macht uns wahnsinnig.

Nach dem ganzen Komplott Hamans musste dieser auch noch zu seiner Schande den Mordechai auf einem Pferd durch die Stadt führen. Hamans Tocher sah dies und dachte, dass ihr Vater auf dem Pferd sitze und Mordechai führe es. Sie wusste nicht, dass es genau umgekehrt war. Aus Verachtung gegenüber Mordechai nahm sie ihren Nachttopf unter dem Bett hervor und schüttete ihn auf denjenigen, der das Pferd führte, nämlich ihren Vater. Als sie sah, was sie angerichtet hatte, stürzte sie sich vor Scham über den Balkon in den Tod (Megillah 16a).
Haman und seine zehn Söhne wurden gehängt und das jüdische Volk überlebte.

Mit dem Lesen der Megillah machen wir das damals stattfindende Wunder publik. Wer einmal an dem Aish HaTorah – Discovery – Program in Jerusalem teilnimmt, der wird dort lernen, dass die zehn gehängten Söhne Hamans mit den 10 hingerichteten Nazi – Kriegsverbrechern nach den Nürnberger Prozessen verglichen werden. Auch der Verbrecher Julius Streicher erkannte dies als er vor seiner Hinrichtung das Wort "Purimspiel" ausrief.

Das jüdische Volk überlebte aufgrund von Umkehr und der erneuten Aufnahme des Thorastudiums. Es gibt die berühmte Gemara im Talmud Traktat Schabbat 88a, dass die Israeliten am Berg Sinai die Thora aus Furcht akzeptierten. In den Tagen Achaschweroschs jedoch akzeptierten sie sie erneut. Dieses Mal aus Liebe zu G - tt (Rashi). Als sie unter Ezra aus dem babylonischen Exil nach Israel zurückkamen, nahmen sie die Thora ohne Konditionen an. Die neue Verpflichtung war eine Folge der Wunder, die zu ihren Gunsten geschehen waren und sie vor dem sicheren Tod bewahrt hatten.



Die Chassidim von Karlin - Stolin (Jerusalem) am letzten Schuschan Purim

Da ich in Tel Aviv lebe, werde ich die Megillah am Montag abend sowie am Dienstag morgen hören. Dienstag abend dann werde ich in Bnei Brak sein, um die dortigen chassidischen Purim - Tische der Rebben (Vishnitz, Biale, Schomrei Emunim, Lelov, Bohush, Modzidz, Nadvorna, Sadigura, etc.) mitzuerleben.
Mittwoch geht es nach Jerusalem zur Party von Rabbi Mordechai Machlis am Nachmittag, und gleich darauf weiter nach Mea Shearim zu den dortigen chassidischen Purimfeiern (Toldot Aharon, Toldot Avraham Yitzchak, Neturei Karta, Mishkenot HaRoim, Karlin - Stolin, Satmar, Kretchnif, Dushinsky und viele andere).

Montag, November 17, 2008

Toldos Aharon Rebbe's Shabbos in Boro Park, Brooklyn

B"H

Puhhhh, endlich bin ich mit der Übersetzung einigermaßen fertig und zugleich auch mit den Nerven.:-)

Hier ein weiterer Gastkommentar eines relig. New Yorkers, der vom chassidischen Tisch des Toldot Aharon Rebben in Boro Park (New York) am vergangenen Schabbat berichtet:

http://chassidicstories.blogspot.com/2008/11/toldos-aharon-rebbes-shabbos-in-boro.html

Samstag, November 15, 2008

"Siehst Du den Rebben ?"

B"H

"Siehst Du den Rebben ?"

Ein Bericht zum chassidischen Tisch einer der zwei Satmarer Rebben (Rebbe Aharon Teitelbaum) in Bnei Brak am letzten Schabbat.

Samstag, November 01, 2008

Dialog


Toldot Aharon Chassidim in Mea Shearim (im Schabbat - bzw. Feiertagsoutfit).


B"H

Am gestrigen Erev Schabbat (Freitag abend) ging ich mit einer Freundin zum chassidischen Tisch der als extrem angesehenen chassidischen Gruppe Toldot Aharon. In deren großer Synagoge in Mea Shearim erlebte ich Folgendes:

Als meine Freundin und ich gegen 23.00 Uhr ankamen, war der chassidische Tisch des Toldot Aharon Rebben David Kahn schon gerammelt voll. In der Ezrat Naschim, der Frauenempore im Obergeschoß, gab es keine sichtbaren Steh - bzw. Sitzplätze mehr auf den Metallgerüsten. Alles war voll und während meine Freundin das stille Örtchen aufsuchte, suchte ich nach einem Platz, um den Tisch anschauen zu können. Dabei landete ich im zweiten Raum der Frauenempore auf der rechten Seite neben dem Metallgerüst. Das Gerüst muß man sich als eine Tribünenreihe ähnlich in einem Fußballstadion vorstellen. Drei junge Amerikanerinnen standen an der Seite und quetschten sich ans Fenster, um ins Erdgeschoß schauen zu können. Dort saß der Rebbe und einige Hundert Chassidim standen ebenso auf Metallbänken um ihn herum. Normalerweise verläuft ein chassidischer Tisch mit dem Essen des Rebben (nicht alle Rebben essen immer) sowie dem Gesang der Chassidim.

Eine der drei Amerikanerinnen kannte ich und wir begrüßten uns kurz. Die Drei waren dabei zu gehen und überliessen mir ihre Plätze. Als meine Freundin vom Örtchen zurückkehrte, verfügten wir über zwei tolle Stehplätze auf dem Metallgerüst inmitten der Toldot Aharon Frauen. Eine grandiose Sicht über das gesamte Erdgeschoß, wo Rebbe Kahn gerade seine Hühnersuppe zu essen begann.

Ich stand noch keine halbe Minute und schon redete mich die neben mir stehende Frau an. Eine Frau in die Sechzig vielleicht.
Obwohl sie eine weisse Kopfbedeckung trug, sah sie mir nicht gerade nach einem Toldot Aharon Mitglied aus. Eher eine Besucherin von der Chassidut Dushinsky oder so in der Art. Sie sprach mich an und es ergab sich folgender Dialog:

Sie: Woher kommst Du ?
Ich: Eigentlich aus Deutschland, doch bin ich Israeli.
Sie: Wo wohnst Du ?
Ich: Meistens in Tel Aviv.
Sie: Oh, fährst Du heute abend noch zurück nach Tel Aviv ?
Ich: Nein, es ist ja Schabbat. Eigentlich bin ich noch einige weitere Tage in Jerusalem und fahre erst dann zurück.
Sie: Oh, Du bist relig. oder so ?
Ich: Ja, ich tue mein bestens oder versuche es zumindest.

Daraufhin quetschte sie mich nach meiner ganzen Vergangeheit aus und wie ich überhaupt zu den Toldot Aharon gekommen sei. Zwischendurch jedoch fragte ich genauso nach.

Ich: Und was ist mit Dir ? Bist Du hier geboren oder in Ungarn (die Toldot Aharon sind ungarischen Ursprungs) ?
Sie: Nein, ich komme aus Deutschland.
Ich: Aus Deutschland ? Wow, vor einigen Monaten sprach ich schon einmal mit einem Mitglied von hier, deren Eltern vor dem Krieg aus München kamen. Kommst Du auch aus München ?
Sie: Nein. (Sie sagte mir woher, doch verzichte ich vorerst auf die genaue Ortsangabe. Nur soviel: Der Ort liegt auch in Bayern).
Sie: Woher weißt Du von den Toldot Aharon ?
Ich: Ich habe chassidische Bekannte, die der Gruppe des Chatam Sofer folgen. Und deren Tochter heiratete einen Newcomer von den Toldot Aharon.
Und was ist mit Dir ? Bist Du hier Mitglied oder nur Besucherin ?

Letzter Frage stellte ich zweimal, woraufhin sie stets nur mit einem Nicken reagierte. Ich nahm einfach einmal an, dass sie ein Toldot Aharon Mitglied war.
Mittlerweile hatten sich einige Frauen um uns gescharrt und hörten gebannt zu.

Dennoch machte mir die Frau nie den Eindruck eines Toldot Aharon Mitgliedes.
Sie: Und was machst Du so im Leben ?
Ich: Überwiegend gebe ich relig. Unterricht oder schreibe über Chassidut.

Ich war es einfach leid, mein Tun bei den Toldot Aharon zu verschweigen und sagte die ganze Wahrheit. Websites, Artikel für New Yorker Gemeinden und so.

Ich: Gerade schreibe ich einiges über den "Kastner - Fall".
Sie: Wenn Du über Kastner schreibst, dann schreibst Du auch über den Holocaust.
Ich: Eigentlich weniger und derzeit halt nur auf Kastner bezogen.
Sie: Und was denkst Du über Kastner ?
Ich: Es gibt unterschiedliche Meinungen und ich kann diese nur zitieren, denn ich war ja nicht dabei. Unter anderem, wie der Satmarer Rebbe reagierte.
Sie: Kennst Du Leute, die damals in Ungarn mit dabei waren ?
Ich: Ich plane ein Interview mit einer ungarischen Auschwitz - Überlebenden.
Sie: Für einen Außenstehenden weißt Du sehr viel. Was hälst Du von Toldot Aharon ?
Ich: Normalerweise besuche ich verschiedene Tische. Hier in der Umgebung, aber auch Belz und bei Nadvorna in Bnei Brak war ich auch schon. Außerdem habe ich ein Photo vom Toldot Aharon Rebben und dem Nadvorna Rebben bekommen. Aus deren Hotel in Saalbach / Österreich im letzten Sommer.
Sie: Woher hast Du das Photo ?
Ich: Aus dem Internet ?

Dann herrschte ein kurzes Schweigen und eine Frau kam auf uns zu. Diese Frau kenne ich schon länger und sprach oft mit ihr. Ich drehte mich um, denn die Frau wollte mit meiner Gesprächspartnerin reden.

Die Frau zu meiner Gesprächspartnerin:

"GUT SCHABBES, REBBITZEN !"

Die ganze Zeit über hatte ich mit der Rebbitzen der Toldot Aharon geredet und wußte es nicht. Ich hatte sie sogar gefragt, ob sie Mitglied der Gruppe sei und meine Freundin meinte hinterher, dass sie sich bestimmt daheim mit ihrem Gatten, dem Rebben David Kahn, kaputtlacht.

Danach setzte ich mich mit meiner Freundin in die oberste Reihe, gleich hinter der Rebbitzen, die die gesamte Tischzeit über stand. Mehrere Frauen drängten noch zu ihr und sie bekamen Segen und Ratschläge für alle möglichen Lebenssituationen. Als wir kurz vor Tischende gingen, streckte sich die Rebbitzen vor und wünschte mir "Gut Schabbes".

Vor wenigen Wochen erzählte Rabbi Mordechai Machlis bei einem Schabbatessen wie er einmal zur Chassidut Gur ging, um deren Rebben zu sehen. Ganz enttäuscht kam er heraus, denn ein Mann hatte ihm die Sicht verstellt. Draußen angekommen wurde er von einem Gerrer Chassid gefragt, ob er den Rebben gesehen hätte und als Rabbi Machlis ihm von dem im Weg stehenden Mann berichtete, meinte der Chassid: "Du Dummkopf ! Das war doch der Rebbe !"

Genauso fühlte ich mich gestern. Mehr als zwanzig Minuten redete ich mit der Rebbitzen von Toldot Aharon und wußte noch nicht einmal, wer sie war. Allerdings muß ich zugeben, dass sie keine leichte Gesprächspartnerin ist. Jedenfalls in Bezug auf Informationen. Sie fragt und antwortet nicht viel.
Vielleicht beim nächsten Mal.

Zugeben muß ich, dass sie eine sehr nette und sich bescheiden gebende Frau ist. Keineswegs eingebildet, sondern so bescheiden, dass man nicht merkt, welchen Status sie besitzt.


Anmerkung:
Eigentlich stammt die Toldot Aharon Rebbitzen von der Chassidut Sidichov in New York. Kann sein, dass sie in Bayern (in einem DP - Camp ?) geboren wurde oder vorher schon wegen der Nazis nach New York flüchtete. Eine Tatsache, die anscheinend keine chassidische Enzyklopädie kennt und allein deswegen hatte ich nie in Betracht gezogen, mit der Rebbitzen zu sprechen.

Sonntag, September 21, 2008

Rabbi Brandsdorfers Familienwege

B"H

Am vergangenen Erev Schabbat (Freitag abend) nahm ich wieder einmal an einem chassidischen Tisch der Gruppe Toldot Aharon teil.

Mehr dazu gibt es hier:

http://chassidicstories.blogspot.com/2008/09/rabbi-brandsdorfers-familienwege.html

Sonntag, September 14, 2008

Die Frauen und ihre Empore

B"H

Ich schiebe jetzt einfach einmal alles auf den auch in Israel stattfindenden Wetterumschwung. Tagsüber ist es nach wie vor heiß, nachtsüber ist es kühler und wir alle scheinen den aufkommenden Temperaturumschwung noch gar nicht richtig wahrzunehmen. Ein unübersehbares Anzeichen jedoch ist die ständige Müdigkeit; ganz zu schweigen vom Erkältungsvirus, der wieder einmal umgeht.

Auch ich war am letzten Schabbat von der Müdigkeit ergriffen und schlief beim Schabbatabendessen bei Rabbi Mordechai Machlis glatt ein. Auf dem Heimweg kam ich an der großen Synagoge der chassidischen Toldot Aharon - Hinterhof vorbei.

In chassidischen Synagoge ist es üblich, dass die Frauen einen getrennten Eingang von den Männern haben. Manchmal, sollte jemand eine neue Besucherin sein, hat diejenige das Problem den Fraueneingang zu finden. Einfach so zu fragen ist nicht immer drin, denn als Frau spricht man nicht so einfach einen männlichen chassidischen Passanten an. Dies ist jedoch nicht überall, denn bei manchen Gruppen reden die Männer durchaus mit Frauen und beantworten Fragen. Ein Neuling sollte jedoch immer vorsichtiger sein und nicht unbedingt ein unnötiges Risiko eingehen. Das Einzige, was einem oft bleibt, ist zu warten, bis eine Frau vorbeikommt, die man fragen kann.

Die Toldot Aharon im Jerusalemer Mea Shearim verfügen sogar über zwei Fraueneingänge. Im ersten Stock, wie bei anderen chassidischen Gruppen auch, befindet sich die Frauenempore.
Ob Frau überhaupt etwas vom Geschehen im Untergeschoß bei den Männern mitbekommt, hängt von der Mechitzah, der Trennwand, ab. Bei machen Gruppierungen steht ein Eisengitter jeder Sicht im Wege. Außerdem gibt es Holzmechitzot, die manchmal mit den Augen nur schwer zu durchdringen sind. Einige Gruppen wie Karlin - Stolin, Ruzhin - Boyan, Toldot Avraham Yitzchak oder die Toldot Aharon haben riesige Fenster und so sind die Frauen in der Lage, alles zu überblicken. Die Männer andererseits können jedoch nicht hineinschauen und sehen nur Spiegel.

Die Toldot Aharon machen eine kleine Ausnahme, denn sobald das Tageslicht in die Synagoge dringt, werden vor den Scheiben der Mechitzah Metallgitter installiert, denn die Sonnenstrahlen ermöglichen den Männern im Erdgeschoß den Blick durch die Spiegelscheiben.

Bei den Toldot Aharon gibt es zu den Gebetszeiten am Schabbat sowie zum Tisch des Rebben einen riesen Andrang und so war es am Freitag abend gerammelt voll. Aus dem Grunde hielt ich mich auch nicht lange dort auf, will das aber am kommenden Schabbat nachholen.
Hunderte Frauen und Mädchen drängten sich in zwei großen Räumen auf den Metallsitzen auf einer Art Zuschauertribüne. Alles war versammelt und unten bei den Männern gab es noch nicht einmal mehr einen freien Stehplatz. Nach einer Abwesenheit von fast zwei Monaten gab Rebbe David Kahn wieder einen seiner begehrten Tische.
Auch die anderen chassidischen Rebbes, die sich während der Sommermonate im Ausland aufhielten, sind wieder in Jerusalem eingetrudelt und die Zeit der chassidischen Tische ist wieder angebrochen. Insbesondere jetzt vor den hohen Feiertagen und davon ganz besonders am Laubhüttenfest Sukkot im Oktober. Ein achttägiger Feiertag, an dem es in Mea Shearim oder in Bnei Brak besonders hoch her geht und ich werde mich bei allen Gruppen durchkämpfen.


Links:

Jegliche Details zur Chassidut Toldot Aharon



Kinder der Toldot Aharon Gruppe

Donnerstag, August 28, 2008

Feiern in Ruzhin - Boyan

B"H

Der Terminkalender für diesen anstehenden Schabbat in der chassidischen Gruppe Ruzhin - Boyan in Ge'ulah (Jerusalem):

http://chassidicstories.blogspot.com/2008/08/feiern-in-ruzhin-boyan.html

Wer Fragen zur Chassidut Ruzhin - Boyan hat, kann mich diese bis Sonntag wissen lassen, denn dann treffe ich einen der Chassidim zum Interview !!!

Entweder hier im Blog oder per e - mail:
miriamwoelke@gmail.com

Sonntag, Juli 27, 2008

Chassidischer Tisch bei Ruzhin - Boyan

B"H

Einen mehr als ausführlichen Bericht zu unserem letzten Besuch bei einem chassidischen Tisch am Schabbat gibt es hier zu lesen:

http://chassidicstories.blogspot.com/2008/07/chassidischer-tisch-bei-ruzhin-boyan.html

Freitag, Mai 30, 2008

Schabbat Pläne

B"H

Nach ein paar Schabbatot, an denen ich es vorzog, eher wenig oder aufgrund von Müdigkeit gar nichts zu tun, will ich heute eine Exzessnacht starten. Bis zum Einschlafen werde ich zu verschiedenen chassidischen Tischen gehen. Und wenn ich durchhalte, mache ich mich nach einem kurzen Päuschen gleich auf zum Morgengebet Schacharit.

Es ist fast Juni und normalerweise ist das die Zeit, in welcher der Rebbe der Toldot Aharon, Rabbi David Kahn, sowohl als auch sein Bruder, der Toldot Avraham Yitzchak Rebbe Shmuel Yaakov Kahn, ins Ausland reisen. Nicht zusammen, sondern getrennt. Verbinden tut sie nur das fast gleiche Abreisedatum.
Zuerst machen beide Rebben einen Privaturlaub, um danach in der Welt herumzureisen und Geld für ihre jeweilige Gruppen zu sammeln.

Im letzten Jahr machten sich beide im Juni auf und kamen erst Ende August wieder zurück. Ich meinerseits habe sie total vermisst, denn ich liebe ihre chassidischen Tische. Heute Abend werde ich sehen, ob sie noch da oder schon abgereist sind. Und falls die beiden weg sind, bleiben immerhin noch die Gruppen Kretchnif, die Slonim, Belz oder vielleicht Dushinsky. Wenn man Glück hat, ist vielleicht auch der "Shomrei Emunim - Rebbe Avraham Chaim Roth, hier.

Mein eigentliches Ziel ist es, einige Details herauszufinden. Unter anderem wann und wo die Toldot Aharon - Rebbitzen ihre dritte Schabbat - Mahlzeit (Se'udat Shlishit) gibt.

Schabbat Schalom an alle Leser !!!!!!

Sonntag, Mai 18, 2008

Chassidische Sehnsüchte

B"H

Wie sehr hatte ich es innerhalb der vergangenen Wochen doch vemisst: Meine Anwesenheit in chassidischen Gefilden.

Nicht, dass ich ganz und gar raus war, doch hatte ich dennoch eine kleine Ruhepause eingelegt und war alles etwas lässiger angegangen. Nichtsdestotrotz, an diesem gerade vorübergegangenen Schabbat war wieder alles beim Alten.

Innerhalb der letzten zwei Wochen beschränkte sich mein "haredisches (ultra - orthod.) Leben" nur mehr oder weniger auf die chassidische Gruppe Breslov. Ein anderer Blogger hatte mich gebeten, einen Artikel für seinen Blog zu schreiben, der so Einiges auslöste. Außerdem meldet sich die Chassidut Breslov vermehrt bei mir, wobei ich hinzufügen muß, dass ich kein Mitglied der Breslover bin und dies auch nicht vorhabe zu werden. Ich berichte über alle möglichen chassidischen Gruppen, auch wenn ich oft den Lehren des Rabbi Nachman einen Vorzug zu geben scheine.

Aber zurück zur vielfältigen Realität, denn am Freitag abend (Erev Schabbat) war ich in Mea Shearim eingeladen. Meine Gastgeberin legte erneut hohen Wert darauf, nicht im Internet genannt zu werden, was ich respektieren. Nur soviel, dass ziemlich viele Gäste anwesend waren und ich mit einer neben mit sitzenden Frau ins Gespräch kam.

Die Dame war ca. 60 Jahre alt und schaute äußerlich aus wie eines der weiblichen Mitglieder der extremen chassidischen Gruppe Toldot Aharon (in Mea Shearim). Obwohl mir klar war, dass sie nicht dazugehören konnte, denn sonst hätte sie kaum bei uns zum Abendessen gesessen, fragte ich sie beiläufig nach ihrer Zugehörigkeit. Woraufhin sie mir eine eindeutige Antwort gab, zu keiner bestimmten Gruppe zu gehören. Sie ziehe sich halte gerne so an, das sei alles.

Und dann begann sie mir ewig lange einige Stellen aus den Propheten und anderen Schriften zu zitieren. Dazu folgte eine Story über die Mutter der derzeitigen Rebbes der chassidischen Gruppen Toldot Avraham Yitzchak (Rebbe Shmuel Yaakov Kahn) sowie dessen Bruder, des Toldot Aharon Rebben, Rabbi David Kahn.

Deren Mutter habe als junges seinerzeit noch unverheiratetes Mädchen auf einer Aussichtsplattform gestanden als plötzlich eine Jugendgruppe mit Kibbutzkindern kam. Die Jugendgruppe sei höchst unanständig angezogen gewesen. "Wie das im Kibbutz halt nun mal so sei", bemerkte die Frau. Jedenfalls ging das damalige junge Mädchen (die spätere Mutter der Rebben) aus diversen Gründen von der Plattform. Kurz darauf stürzte die Plattform samt der Kindergruppe ein.

Und nun die Behauptung meiner Tischnachbarin:
Das sei ja alles nur wegen des fehlenden Kleidungsanstandes geschehen. Fehle der nämlich, dann ziehe G - tt seine Schechinah (Präsenz) zurück und somit sei der Weg für Unglücke freigegeben.

Okay, ich kann in der Behauptung irgendwo noch einen Sinn erkennen. Warum nicht ?

Dennoch weigere ich mich zu akzeptieren, dass das angebliche Unglück geschah, weil die Kibbutzjugend keine anständige Kleidung trug. Solch Behauptungen und Theorien sind mir grundlegend zuwider. Und nun setzte ein Disput mit der Frau ein.
"Ja, wie ich denn das nicht glauben könne und das stehe ja alles in den Propheten".

Irgendwie mag sie ja recht haben, doch glaube ich nicht, dass wir Menschen in der Lage sind, alle Geschehnisse dieser Welt zu deuten. Dies allein kann nur G - tt und wenn ich das auch könnte, wäre ich folglich Er.

Ich sagte der Frau, dass es zwar so gewesen sein könnte, wir jedoch nicht mit absoluter Gewißheit bestimmen können, warum was geschieht. Die Frau gab auf und redete nicht mehr mit mir. Stattdessen sprangen alle anderen Tischnachbarn auf das Thema an. Ein paar nationalrelig. Mädels und zwei junge Amerikanerinnen. Alle waren meiner Meinung, aber die Frau gab nicht auf.

Von mir aus kann jemand behaupten, was er will, nur sollte sich derjenige im Klaren sein, dass wir keineswegs in der Lage sind, G - ttes Handlungen zu begreifen. Natürlich fragen wir uns in gewissen Situationen, warum dies oder jenes geschieht. Aber passiert das nicht aus einer Unerklärbarkeit heraus. Wir suchen nach Antworten und so geben wir uns menschliche Logiken.

Danach holte ich eine Freundin, welche im Hause der Machlises gegessen hatte, zu unseren gemeinsamen chassidischen Tischbesuchen ab. Schon auf meinem Weg zum Machlis - Haus sah ich ungewöhnlich viele Toldot Aharon sowie Avraham Yitzchak Chassidim durch die Straßen laufen und mir war klar, dass bei jenen Gruppen chassidische Tisch der Rebben anstanden. Und so war unser erstes Ziel dann auch die Gruppe Toldot Aharon.

Und hier kam es gleich zu einem unvorhergesehenen Vorfall.
Wir traten ins Treppenhaus und sahen einen jungen litvischen Haredi die Treppe hinaufsteigen. Wohlgemerkt, der Haredi befand sich im Fraueneingang des Gebäudes, was doch recht merkwürdig war. Ich versuchte ihn zu warnen, dass er um das Gebäude herumgehen müssen, und dann dort auf der anderen Seite den Männereingang fände. Den Haredi interessierte das jedoch nicht und er schaute nur wirr drein.

Er stieg die Treppe hinauf und auf dem Weg nach oben liessen ihn die Toldot Aharon Frauen wissen, dass er sich im falschen Trakt befände.

Nichts. Der Haredi ließ sich nicht stören.
Vor uns trat er in den Raum mit den Metallbänken, auf denen ca. 100 Frauen sassen. Sie alle schauten den sich im Erdgeschoß befindenden Chassidim und Rebbe David Kahn zu.

Als die Frauen den Litvischen erblickten, riefen sie ihm zu, dass er verschwinden solle.

Wieder nichts. Der junge Haredi stand nur verwirrt da.

Ich erklärte ihm nochmals den Weg zum Männereingang und erschaute mich mit mit großen Augen an: "Ich weiß nicht", sagte er und setzte sich.

Einer Frau reichte es und sie lief die Treppen hinunter. Ich wußte, was jetzt gleich folgen würde, denn die Frau wollte offenbar männliche Hilfe holen, um den Eindringling fortzuschaffen.

Nun kam eine weitere Frau auf mich zu und fragte, wer denn der junge Haredi sei.

"Offensichtlich etwas verwirrt, meinte ich".
Und dann kam auch schon einer der Toldot Aharon Chassidim hineingeschossen, um den jungen Mann zu entfernen.
Meine Freundin meinte hinterher, dass der junge Typ sei ja total zugekifft gewesen sei.
Naja, wer weiß.

Nach dem Zwischenfall setzten wir uns inmitten der Mitgliederfrauen und sogleich redete mich eine chassidische Frau an. Ich schätze, dass sie den Satmarer Chassidim angehörte. Ihr Wortschatz bestand nur aus Englisch und Jiddisch und wir begannen eine recht nette Konversation. Überhaupt war die Stimmung bei den Toldot Aharon sehr angenehm und wenn wir nicht so müde gewesen wären, hätten wir auch bis zum Schluß durchgehalten. Aber so machten wir uns auf den Heimweg.

Mittendrin landeten wir jedoch trotzdem noch auf eine halbe Stunde beim Tisch der Chassidut Avraham Yitzchak. Dort verfiel ich in ein kleines Nickerchen, und wir beschlossen, nun endgültig heimzugehen. Wenn nur nicht immer die Müdigkeit dazwischenkäme……

An diesem Donnerstag abend beginnt Lag Ba'Omer und ich werde in Jerusalem bzw. in Mea Shearim sein, um dem dortigen Treiben zuzuschauen.

Verwandte Links:

Der Drang nach Kommunikation

Samstag, März 29, 2008

"Aus dem Nichts" oder "Die unerwartete Normalität"

B"H

Normalerweise berichte ich nach jedem Schabbat, an welchen chassidischen Tischen meine Freundin und ich teilnahmen bzw. in welchen Synagoge wir waren. Diesesmal ist es genau umgekehrt. Ich berichte über ein Ereignis, will jedoch auf keinen Fall den Namen der chassidischen Gruppe nennen. Nur soviel: Die Gruppe ist in Mea Shearim beheimatet, gilt aber als eher offen.

Eines kann ich dennoch offen sagen: Zum freitaglichen Abendgebet (Erev Schabbat) waren wir, wie immer, in der Synagoge der Chassidut Karlin - Stolin. Nach dem Schabbatessen bei Rabbi Mordechai Machlis machten wir uns zu einem chassidischen Tisch auf. Wir besuchten eine Gruppe, bei der wir häufig zugegen sind, obwohl ich ausgerechnet gestern Abend plante, eine andere Gruppe aufzusuchen. Ein Bekannter aber meinte, er gehe zu der Gruppe und so entschieden wir uns spontan, auch dorthin zu gehen.

Der Tisch des Rebben verlief wie immer, nur schien es, dass die Chassidim noch müde von Purim waren. Alles kam nur schwer in Gang, obwohl der Rebbe alle Anwesenden zum Mitsingen aufrief. Einige Zeit später kam dann tatsächlich mehr Schwung hinein.
Die Frauenempore war mehr als spärlich besucht, aber meine Freundin und ich fanden zuerst keinen richtigen Sitzplatz und so standen wir neben einigen hinter der Mechitzah (Trennwand zu den Männern) sitzenden chassidischen Frauen.
Wie aus dem Nichts stand plötzlich ein junges Mädchen neben meiner Freundin und sprach sie auf Jiddisch an. Ein Mädchen aus besagter Gruppe. Meine Freundin, die weder des Jiddischen noch des Hebräischen richtig mächtig ist und ausschließlich Englisch spricht, vermittelte das Gespräch an mich weiter. Und so kam ein längeres intensives Gespräch zwischen mir und dem etwa 13 - jährigen Mädchen zustande. Ebenso aus dem Nichts lud sie uns zu sich nach Hause ein. Ihr Vater habe in einem anderen israel. Landesteil eine Yeshiva (relig. Schule) für jene relig. Studenten, welche in ihren eigenen relig. Familien nicht zurecht kamen und sogar aus den Yeshivot geflogen waren. Bevor solche relig. Jugendlichen ganz verloren gehen (siehe hier), richtete ihr Vater eine Institution ein, welche versucht, die Betroffenen wenigstens in der Religion zu halten. Ich fand das überaus interessant, denn gerade ich berichte mehr als häufig zu dem Thema. Außerdem führe ihr Vater fast jeden Schabbat Schabbatmahlzeiten mit vorwiegend amerik. Gästen durch und wir seien jederzeit herzlich eingeladen.

Einige Gesprächsfetzen:
Ich: Ich dachte immer, dass keine auswärtigen Gäste bei solchen Gruppen wie der Euren eingeladen werden. Alles liefe nur noch über Yeshivaschüler oder es sei denn, man stehe einer chassidischen Gruppe sehr nahe.
Sie: Nein, das stimmt nicht. Es gibt viele Plätze in Mea Shearim. Man muss nur wissen, wie.
Sie: Ich will Englisch lernen, denn daheim haben wir ständig amerik. Yeshivaleute zu Gast.
Ich: In der Schule lernt ihr kein Englisch, richtig ?
Sie: Richtig, aber ich will es privat lernen.
Sie: Es ist wichtig, dass relig. Jugendliche, die Probleme in der relig. Gesellschaft haben, auch weiterhin relig. bleiben. Mein Vater nimmt sie in seiner Yeshiva aus, damit sie nicht auf Abwege geraten.
Ich: Ich kann solche Leute durchaus verstehen, denn nicht jeder, der in die chassidischen Gesellschaft hineingeboren wird, passt auch hinein. Nicht jeder muss gerade Satmar sein. Manche haben Schwierigkeiten mit dem Gruppendruck und sich selbst.
Sie: Ja, das stimmt.

Wir redeten mindestens 15 Minuten und in der Zwischenzeit hatten sich andere Mädels aus der Gruppe bzw. einige Frauen zu uns gesellt, um dem Gespräch zu lauschen. Wiederum plötzlich tauchte wie aus dem Nichts ein ca. 15 - jähriges Mädchen auf und flüsterte meiner Gesprächspartnerin etwas ins Ohr. Ich ahnte, dass es nichts Gutes war. Kurz darauf sagte meine junge Gesprächspartnerin "Schabbat Schalom" zu mir und eilte davon. Meine Freundin schien sogleich die Lösung parat zu haben. Es gebe zwei ältere Frauen der Gruppe, welche uns die ganze Zeit über permanent angestarrt hatten. Aus welchen Gründen auch immer schienen sie die "Abgesandte" geschickt zu haben, um das offene Gespräch zu unterbinden.

Schon des Öfteren hatten wir bemerkt, dass uns gerade diese zwei Frauen missmutig anstarren. Warum ? Keine Ahnung. Nie haben wir je mit ihnen etwas zu tun gehabt geschweige denn mit ihnen gesprochen. Ich denke mir, dass es sich einfach um zwei, im Engl. sagt man "Miserable", Frauen handelt, die nichts anderes zu tun haben als alles unter Kontrolle zu halten. Meine Freundin meinte, dass sie vielleicht die Gruppe schützen wollen. Vielleicht. Aber immerhin könnten sie ja persönlich etwas sagen und keinen "Sklaven" vorbeischicken.

Danach geschah gar nichts. Wir blieben aus Absicht weiterhin dort und liessen uns nicht hinausdrängeln. Der Vorgang schien sich schnell herumgesprochen zu haben und viele Frauen nickten uns freundlich zu. Selbst die Rebbitzen.
Nur die zwei Missmutigen schwiegen. Das betroffene Mädchen hörte aus ihrem Winkel, in dem sie sass, nicht auf, mich anzustarren. Nach einer halben Stunde ging sie und tippte mir von der Seite auf die Schulter. Sie ginge heim und "Schabbat Schalom". Wir beide hatten unsere Konversation sehr genossen und anscheinend ließ sich sich nicht von den Aufseherdamen kleinkriegen.

So sind wir nun diese Woche am Überlegen, ob wir am kommenden Schabbat wieder hingehen oder nicht. Hingehen auf alle Fälle, denn wir lassen uns von den zwei "Damen" nicht rausekeln. Nur stellt sich die Frage, ob wir das Mädchen wiedersehen und unser Gespräch vielleicht anderswo fortführen können. Die Einladung täten wir schon gerne annehmen und mit dem Vater würde ich sehr gerne über seine Yeshivatätigkeit sprechen.

Montag, März 24, 2008

Die Chassidim an Purim

B"H

Jemand auf der Purim – Party von Rabbi Mordechai Machlis sagte mir gestern, dass dies das gelungenste Purim sei, das sie je gefeiert habe. Zuerst hielt ich diese Formulierung für übertrieben, doch im Nachhinein stimme ich ihr zu. Auch bei mir ist es so.
Gewöhnlich ging ich in jedem Jahr zu Megillah – Lesung (Buch Esther) zu Chabad in die Jüdische Altstadt. Dort jedoch war nie etwas Wirkliches geboten. Im Gegensatz zu den Chassidim in Mea Shearim weiß Chabad nicht zu feiern. Zumindest nicht in der Tzemach Zedek Synagoge im Cardo.

Wie schon beschrieben, ging ich mit einer Freundin zur ersten Lesung der Megillah zur Großen Synagoge der Breslover Chassidim in Mea Shearim. Ich kann die Synagoge nur weiterempfehlen; tolle Leute und ebenso tolle Gebete.

Gestern, an Purim Schuschan in Jerusalem, gingen wir zuerst zur Party in Rabbi Mordechai Machlises Haus. Es war gerammelt voll und wir befürchteten schon, keinen Platz mehr zu finden. Wider Erwarten gab es jedoch ausreichend Plätze. Das Essen war hervorragend, Dank Rebbitzen Henny Machlis und dem Küchenteam (den Machlis – Töchtern). Die zahlreichen Gäste waren so ziemlich voll, aber benahmen sich anständig.

Bei den Machlises







Gegen 19.00 Uhr machte ich mich mit zwei Freundinnen auf nach Mea Shearim. Eine davon begleitet mich eh ständig und die andere war noch nie mit dabei gewesen, aber ganz versessen darauf.

Ich glaube, dass die Leute außerhalb der haredischen Welt gar nicht mitbekamen, dass ausgerechnet gestern wilde Feiern in Mea Shearim abgehalten wurden. Obwohl Purim gegen 18.00 Uhr vorüber war, wurde noch bis mindestens 22.00 Uhr gefeiert. Die meisten Parties hatten um 17.00 Uhr (bei den Toldot Aharon) oder gegen 18.00 Uhr (bei den Avraham Yitzchak) begonnen.

Da niemand der üblichen auswärtigen Besucher anwesend war, hatten wir freie Bahn. Unser erstes Ziel waren die Toldot Aharon. Was soll ich sagen ? Es war übervoll.
Alle Frauen hatten längst die Plätze auf den Metallbänken in Beschlag genommen und es gab keinen freien Platz mehr. Das Einzige was wir vor uns sahen, waren Frauenbeine. Und so standen wir hinter einen kleinen weissen Metallabsperrung zwischen den Bänken.
Eine der Toldot Aharon Frauen paßte wachsam auf, dass an dieser Stelle sich nur weibliche Gruppenmitglieder hinter der Mechitzah (Trennwand zu den Männern) aufhalten. Stets schloß sie sorgsam das kleine weisse Tor.

Und plötzlich sprach sie mich an. Sie kenne mich vom Sehen und ich sei ja schon oft hier gewesen. Ob ich nicht passieren wolle, um mich hinter die Mechitzah zu stellen. Ich erwiderte, dass ich noch zwei Freundinnen dabei habe und ich nicht unbedingt näher rücken muß. Allerdings sagte ich ihr, dass wir jemanden dabei haben, die noch nie einen Tisch des Rebben gesehen hat. Am Ende winkte sie uns alle Drei durch. Sie gab uns ein paar Minuten und erklärte, dass alles mehr oder weniger abgesperrt sei, denn die Rebbitzen hätte ihre Familie da. Es vergingen ein paar Minuten und immer mehr Toldot Aharon Frauen strömten hinein. Mir wurde die Situation unangenehm, denn ich wollte anderen nicht den Platz wegnehmen und so beschlossen wir, zu gehen.

Ich weiß nicht, wer genau die Toldot Aharon Frau war, die uns einließ, aber ich möchte mich auf diesem Wege nochmals riesig bei ihr bedanken. Dies tat ich zwar schon persönlich, doch wollte sie davon nichts wissen.

Weiter ging es zu den Toldot Avraham Yitzchak.
Aber auch dort war es voll. Rebbitzen Channah saß genau vor uns und ich muß zugeben, dass sie es genoß, nach der unten spielenden Musik zu swingen. Die Band der Avraham Yitzchak war grandios und die Musik super. Überhaupt waren alle Gruppen gut drauf und die Musik war bei allen super.

Nach einer halben Stunde zogen wir ab, denn wir brauchten frische Luft. Eine Außentemperatur von 33 Grad und die fehlende Klimaanlage innen taten ihr Übriges. Wenigstens bei Toldot Aharon gibt es eine Klimaanlage.

Nach wenigen Minuten erreichten wir die große Synagoge der Neturei Karta. Auch dort wurde Musik gemacht und getanzt und wir beschlossen hineinzuschauen. Leichter gesagt als getan, denn der ausgeschilderte Fraueneingang führt lediglich in einen Speisesaal. Meine Freundinnen nutzten die Gelegenheit zum Toilettengang. Typisch.

Ich wartete und plötzlich tauchte ein Teenager vor mir auf. Den fragte ich sogleich nach dem Fraueneingang der Synagoge.
Aus Anstand sprach er nicht mit mir, zeigte mir jedoch schweigend den Eingang.

Unterdessen strömten meine Freudinnen aus dem "stillen Örtchen" und wir stiegen durch ein Treppenhaus. Allerdings fanden wir dort die richtige Tür nicht, und eine der Freundinnen ging ganz verloren. Dann kamen auch noch Männer durchs Treppenhaus, aber am Ende ging alles recht gut aus. Auch die zweite Freundin fand ihren Weg wieder und so gingen wir hinaus. Demnächst wollen wir nochmals hingehen und auch die richtige Tür finden.

Die "Schomrei Emunim" waren zwecks Party in eine große Halle umgezogen und wir verspürten keine große Suchlust.

Nächste Station: Die mehr oder weniger geheime Gruppe Mea Shearims, die "Mischkenot HaRoim". Es ist außerordentlich schwer, zu ihnen zu gelangen geschweige denn Photos zu machen, doch gestern hatten wir Glück.

Die Mishkenot HaRoim am gestrigen Purim Schuschan







Bei den Mischkenot HaRoim war Partytime und es war toll mit anzusehen, wie sie tanzten. Die Mechitzah besteht aus Glas und so konnten wir alles überblicken. Ausgerechnet sie wurden gestern Abend zu meiner Party Nummer Eins.

Kurz darauf gingen wir zu den Stropkover Chassidim in deren kleine Synagoge. Die Frauenempore bei Stropkov erinnerte mich fast an ein Wohnzimmer und dementsprechend war auch die Atmosphäre. Auf dem Wege dorthin sahen wir einen total betrunkenen Chassid auf dem Gehsteig liegen und die zweite Freundin, eine Ärztin, machte sich Sorgen. Andere Chassidim jedoch versicherten ihr, dass dies schon okay sei. Der Chassid habe halt an Purim nur zuviel gekippt.

Auch bei Stropkov war es übervoll und wir sahen nur wenig. Zwei Photos gelangen durch die Mechitzah, aber es ist kaum etwas zu erkennen.





Nächste Station: Karlin – Stolin.
Dort hatte man draußen extra ein Zelt aufgebaut und es war alles einzusehen.

Eigentlich wollten wir noch zu den Satmarer Chassidim, zu Kretchnif sowie zu Dushinsky. Allerdings beschlossen wir spontan, bei den chassidischen Gruppen Sadigora, Kaliv und Chernobyl vorbeizuschauen. Leider lief bei den letzten drei Gruppen nichts bzw. die Feierlichkeiten waren schon vorüber.

Wir jedenfalls hatten eine tolle Zeit und ich befinde mich nach wie vor im Tischrausch sowohl als auch in der ganzen Atmosphäre und suche noch die Normalität wieder.

Sonntag, März 23, 2008

"Tag der offenen Tür" in Mea Shearim

B"H

Auf einen Tag wie den heutigen haben wir lange gewartet. Wo immer man auch hinschaute, alle chassidischen Gruppen luden zu Veranstaltungen ein.
Leider nur schienen wir die einzigen Auswärtigen zu sein, denn überall sichteten wir ansonsten nur chassidische Gäste. Aber das konnte uns nur recht sein, wie sich bald herausstellte.

Nach der riesen Party bei Rabbi Mordechai Machlis nahm ich zwei Freundinnen mit nach Mea Shearim. Eine davon begleitet mich fast jeden Schabbat zu den chassidischen Tischen und die Zweite war noch nie dabei und daher total aufgeregt.

Wir waren bei den Veranstaltungen folgender Gruppen:
Toldot Aharon, Toldot Avraham Yitzchak, der Neturei Karta, den Mischkenot HaRoim, der Chassidut Stropkov und bei Karlin - Stolin.

Diesen Gruppen haben wir einen grandiosen Abend zu verdanken.

Ab Morgen werde ich weitere Photos in den Blog stellen. Unter anderem auch von den Mischkenot HaRoim, der geheimen chassidischen Gruppe aus Mea Shearim. Bisher gibt es von ihnen nur ein einziges Photo.

Insgesamt habe ich das diesjährige Purim - Fest sehr genossen, aber leider kehren wir ab Morgen wieder in den Alltag zurück.