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Montag, November 12, 2012

Buchempfehlung: RABBI ARYEH LEVIN

B"H

Seit 15 Jahren lebe ich in Jerusalem (von einigen kurzen Unterbrechungen einmal abgesehen), doch zu meiner Schande muss ich eingestehen, dass ich es immer wieder verpasste, über eine der größten Persönlichkeiten der Stadt zu schreiben. Obwohl der Angesprochene sich gewiss nicht als Persönlichkeit empfinden würde. Die Rede ist von Rabbi Aryeh Levin, welcher im Jerusalemer Stadtteil Nachlaot lebte und lehrte. Trotzdem Rabbi Aryeh bereits im Jahr 1969 verstarb, bleibt er bis heute unvergessen. Insbesondere seine vielen Besuche von Etzel, Irgun und Lechi Gefangenen im einstigen britischen Militärgefängnis der Stadt. Ein Rabbiner, den wir heute schmerzlich vermissen.

Wer mehr über Rabbi Aryeh Levin wissen möchte, hier meine Buchempfehlung:



A ZADDIK (Gerechter) IN OUR TIME von Simcha Raz

Erhältlich über FELDHEIM oder in der Jerusalemer Buchhandlung Pomeranz für 120 Schekel (ca. 24 Euro).

Photo: Miriam Woelke

Dienstag, Oktober 02, 2012

DIE JUDEN - Das "Volk des Buches"


Vor einer relig. Buchhandlung im ultra - orthodoxen Stadtteil Mea Shearim / Jerusalem.

Photo: Miriam Woelke

Montag, September 03, 2012

Rabbi Reuven Ziegler: "MAJESTY AND HUMILITY – The Thought of Rabbi Joseph B. Soloveitchik"

B"H

Im deutschsprachigen Raum mag die berühmte Rabbinerfamilie Soloveitchik (Nachtigall) weniger bekannt sein. Falls doch, dann wird, wie fast überall innerhalb der jüdischen Welt, gerne der Philosoph und Talmudist Joseph B. Soloveitchik zitiert und dabei vergessen, dass die Familie aus viel mehr bekannten Rabbinern bestand. Einschliesslich des Rabbi Chaim Soloveitchik, dem Begründer der Brisker Methode des Talmudstudiums.

In Jerusalemer ist das Brisker Movement bis heute ziemlich relevant. Insbesondere bei der antizionistischen Dachorganisation EDAH HA’CHAREDIT im ultra – orthodoxen Mea Shearim. Allerdings sind die Brisker (Brest – Litowsk) keineswegs mit Chassidim zu verwechseln, denn bei ihnen handelt es sich um litvische (litauische) Juden mit schwarzem Anzug, weissem Hemd und schwarzem Hut. Bis heute extrem antizionistisch halten sie stets ihre eigenen Regeln und Traditionen hoch. Unter anderem die Tradition ihrer besonderen Form der Schläfenlocken sowie dem eigens entwickelten System des Talmudstudiums. Neben Jerusalem sind die Brisker in den USA recht groß.

Die Familie Soloveitchik selbst entstammt keinem Geringerem als dem berühmten Rabbi Chaim von Volozhin, dem bekanntesten Schüler des Vilna Gaon. Bis zum Holocaust besass die Volozhin Yeshiva (relig. Lerninstitut) Rang und Namen und einer der Yeshivaleiter (Rosh Yeshiva) war ebenso ein Vorfahre der Soloveitchiks: Rabbi Naftali Zvi Yehudah Berlin (der NETZIV).

Rabbi Joseph B. Soloveitchik gilt in manchen streng haredischen Kreisen als eine Art "schwarzes Schaf" der Familie und viele halten ihn für zu modern. Wer sich dagegen mit seinen Schriften und Aussagen beschäftigt, der merkt schnell, dass Rabbi Joseph B. an der jüdischen Religion und dessen Traditionen mehr als festhielt. 

Rabbi Reuven Ziegler gibt in seinem aktuellen Buch viele viele Inhalte und Gedanken des Rabbi Joseph B. Soloveitchik wieder.



Photo: Miriam Woelke

Sonntag, September 02, 2012

Leckerbissen für Sammler: "Trauerrede aus der Synagoge Fürth"

B"H

Weit mehr als 90% der begehrten Literaturraritäten sind lediglich in hebräischer Sprache zu haben, doch hier ist einmal etwas auf Deutsch. Die Trauerrede der jüdischen Gemeinde Fürth zum Tode Maximilian Joseph I. von Bayern. Das Manuskript ist auf den 23. Oktober 1825 datiert und umfasst 44 Seiten.

HIER kann es entweder online gelesen werden oder es steht kostenlos zum Download zur Verfügung.

Freitag, August 31, 2012

Schabbat Schalom


Buchhandlung im haredischen (ultra - orthodoxen) Teil von Bnei Brak (bei Tel Aviv)

Photo: Miriam Woelke
B"H 

Als ich gestern in der Stadt Ramat Gan einen Termin wahrnehmen musste, machte ich mich auch kurzerhand in die unmittelbare Nachbarstadt Bnei Brak auf. Tel Aviv, Ramat Gan sowie Bnei Brak liegen dicht zusammen und wer gut zufuss ist, kann alles erlaufen. 

In Bnei Brak wollte ich eigentlich nur eines: In einer Buchhandlung ein bestimmtes Buch kaufen, denn ich plante, rechtzeitig nach Jerusalem zurückkehren. Erstens hatte ich einen Krankenbesuch im Hadassah Hospital vor und zweitens war es Donnerstag, was bedeutet, dass die Busse von Tel Aviv nach Jerusalem rappelvoll sind. Bereits am Donnerstag reisen viele Israelis über den Schabbat zu Freunden, Verwandten oder einfach nur heim zu den Eltern, mit dem Resultat, dass die Schlangen vor den Busbahnhöfen und Ticketschaltern endlos erscheinen.

In Bnei Brak war ich in zwei haredischen (ultra – orthodoxen) Buchhandlungen. Erfolglos, denn mein Wunschbuch "Migdal Oz" von Rabbi Yaakov Emden habe ich immer noch nicht gefunden. Ja, ich besitze es auf einer PDF File, doch mit keinem guten Druck. Deswegen starte ich einen neuen Versuch und mache ich mich nächste Woche nochmals hier in Jerusalem auf, dass Buch vielleicht doch noch zu finden bzw. zu kaufen. 

Immerhin erstand ich in Bnei Brak drei andere gute Bücher. Chassidische Teachings für Rosh Hashana und Yom Kippur sowie ein Buch vom MAHARAL von Prag. Ich bin immer wieder froh, der hebräischen Sprache mächtig zu sein und relig. Bücher im Original lesen zu können. Erstens, da die Mehrheit der Bücher nie in eine andere Sprache übersetzt worden ist und zweiten, weil viele Übersetzungen nicht das wiedergeben, was das Original beschreibt. Nicht aufgrund von Übersetzungsfehlern, sondern weil es unmöglich ist, diverse Inhalte in einer anderen Sprache wiederzugeben. 

Und jetzt mache ich mich ans Putzen und Kochen zwecks Schabbat.:-)

SCHABBAT SCHALOM an alle Leser !

Mittwoch, August 22, 2012

Buchempfehlung: "Von Meerjungfrauen, Drachen und der Erschaffung des Universums"

B"H

In der englischsprachigen Welt ist der in Israel lebende gebürtige Brite und orthodoxe Jude, Natan Slifkin, sehr bekannt. Vor Jahren fing der im orthodoxen Ramat Beit Shemesh lebende Slifkin damit an, Bücher über die Tierwelt der Thora zu verfassen. Hinzu kam, dass ebenso die Erschaffung der Welt erörtert wurde. Damit jedoch verärgerte Natan Slifkin diverse orthodoxe Richtungen als er verkündete, die Welt sei zwar in sechs Tagen erschaffen worden, doch stehe jeder dieser Tag für Millionen, wenn nicht sogar für Milliarden von Jahren. Eine These, die ich sowie viele andere orthodoxe Ausrichtungen mit ihm teilen. Was wir heute als 24 – Stunden – Tag kennen, gab es zur Zeit der Erschaffung noch gar nicht. Weder ist G – tt an irgendwelche Zeiteinheiten gebunden, noch war der Tag in 24 Stunden unterteilt. 

Wie ich bereits mehrere Male hervorhob, gehen Judentum und Wissenschaft Hand in Hand und widersprechen sich keineswegs. Im Gegenteil, denn zu früheren Zeiten waren berühmte Rabbiner gleichzeitig Physiker, Ärzte, Mathematiker oder Astronomen (Beispiel: der Vilna Gaon, der Rambam oder der Ramban und viele andere). Von daher sind die sechs Tage der Welterschaffung keineswegs ein Märchen, sondern eine Tatsache. Da das Universum zu dem Zeitpunkt keinem Zeitsystem unterlag, ist es durchaus denkbar, dass EIN TAG MIllionen von Jahren beinhaltete und nicht nur 24 Stunden. Wie dem auch sei, Natan Slifkin fing sich mit der These harsche Kritik einiger Teile der orthodoxen Szene ein. Man verbannte seine Bücher, doch gleichzeitig standen ihm bekannte Rabbiner aus Israel und den USA zur Seite. Ob der Bann immer noch gilt, entzieht sich meiner Kenntnis, doch wer Interesse an der Kontroverse hat, kann darüber Details auf Slifkins Website ZOOTORAH nachlesen.  

An dieser Stelle möchte ich zwei Bücher des Natan Slifkin empfehlen. Auszeichnen tun sie sich damit, dass massenhaft Quellenabgaben stattfinden und der Autor unverkennbar seine Hausaufgaben gemacht hat. Vom Rambam (Maimonides) bis hin zum Maharal von Prag, dem Talmud, der Halacha oder Joseph B. Soloveitchik ist alles vorhanden. 

Von besonderem Interesse dürfte das Buch SACRED MONSTERS sein, wo Natan Slifkin ausführlich auf Fabelwesen aus Talmud und Midrasch eingeht wie Einhorn, Meerjungfrau, Drachen, Werwölfe oder Seeungeheuer. Gab es das wirklich oder sind derlei Talmuderzählungen lediglich metaphorische Legenden mit tieferem Hintergrund ? 

Nicht jeder wird sich diese Bücher anschaffen, doch werde ich einiges daraus auf diesem Blog berichten. Natürlich mit den entsprechenden Quellenangaben !





Photos: Miriam Woelke

Link:

Halb Mensch, halb Tier

B”H 

Es ist schon seltsam, wie wir Menschen manchmal nach dem Ungewöhnlichen suchen. Die X – Files oder andere diverse TV – Serien erfreuen sich massiger Beliebtheit, denn nicht selten zeigen sie uns das Unfassbare, was uns zudem noch reizt. Von der Vampirsaga einmal abgesehen, finden wir ziemlich häufig Fabelwesen “Halb Mensch, halb Tier” in Filmen, der Literatur und somit auch in unserer Phantasie. Die Frage aber ist, ob es überhaupt ein solches Wesen geben kann. Wäre es möglich, dass Mensch und Tier Sex haben und es danach zu einer Schwangerschaft kommen kann, aus welcher ein Wesen hervorgeht, welches halb Mensch und halb Tier ist ? 

Der Talmud Bechorot 8 beschäftigt sich mit den Delphinen und Meerjungfrauen. Der Talmudkommentator Raschi bestreitet zwar, dass Delphine und Menschen Sex miteinander haben und daraus auch noch ein Baby hervorgeht. Dennoch glaubt Raschi an existierende Meereswesen halb Mensch, halb Tier. An die Meerjungfrauen, zum Beispiel. 

Viele Rabbiner stimmen der Ansicht des Raschi nicht zu. Vor Noachs Flut war es tatsächlich einmal möglich, dass Menschen und Tiere sich genetisch kreuzten. Die Generation Noachs hatte Sex mit Tieren, woraus Babies hervorgingen. Dies berichtet uns schon der Talmud Sanhedrin. Nach der Flut jedoch änderte G – tt unsere Gene und ab dem Zeitpunkt war es unmöglich geworden, dass eine Vermehrung aus dem Sex von Mensch und Tier hervorgeht. 

Persönlich habe ich mir den Glauben an Fabelwesen längst abgewöhnt, doch bestand im Mittelalter (zur Zeiten des Raschi) durchaus der Trend, Fabelwesen aus dem Talmud sowie der Midrasch als real - existierend und nicht etwa als Metapher zu betrachten. 


Link: 

Sonntag, Juli 01, 2012

Hebräische Buchempfehlungen

B"H

Obwohl die Bücher in hebräischer Sprache verfasst wurden, möchte ich sie dennoch jenen ans Herz legen, die der Sprache mächtig sind.




Die erste Buchempfehlung betrifft das neu erschienene Buch des im November 2001 verstorbenen großen Rabbiner Elazar Menachem Man Shach. In dem Buch geht es um Rabbi Shachs Ansichten über neureligiöse Juden (jene Juden, die von Geburt an Juden sind, doch zuerst einen säkuleren Lebensstil führten). 

Wenn sich ein säkulerer Jude plötzlich der Religion zuwendet, wie soll er sich dann gegenüber seiner gewohnten Umwelt verhalten ? Mit welchen Problemen hat er zu kämpfen, wie kann er diese bewältigen und vor allem, wie findet er seine innere Stärke durchzuhalten und nicht mitten in dem Prozess aufzugeben ? 

An all jene, die der hebräischen Sprache nicht mächtig sind: Ich werde des Öfteren Inhalte aus dem Buch hier auf den Blog stellen und diskutieren. Dies betrifft genau so die weiteren zwei Bücher, die ich empfehle !




Die Geschichte sowie die Generationen von Studenten der einstigen berühmten Volozhin – Yeshiva in Litauen. Bis zum Holocaust spielte die Yeshiva in der jüdisch - orthodoxen Welt Europas seine herausragende Rolle.






Demnächst beginnen wir im Judentum die drei Wochen vor dem Fasten – und Trauertag "Tisha be’Av". Ein Tag, an welchem zu unterschiedlichen Zeitabschnitten die zwei Jerusalemer Tempel zerstört wurden. Einmal von den Babyloniern und viele Jahre später von den Römern. Diese drei Wochen ("Bejn HaMetzarim" genannt) der Trauerperiode beginnen mit dem anstehenden 17. Tammuz, einem Halbfastentag, und endet mit dem Tisha be’Av (9. Av). Innerhalb dieser Wochen gelten bestimmte halachische Regeln, auf die ich eingehen werde. Außerdem gibt es viel Neues aus dem dritten Buch, welches ich hiermit empfehle:


Photos: Miriam Woelke

Samstag, Juni 30, 2012

Judentum im Wandel der Neuzeit

B"H

Wer der englischen Sprache mächtig ist, der findet auf dem amerikanisch – jüdischen Markt eine unbeschreibliche Auswahl guter Literatur. Von berühmten Rabbinern Verfasstem bis hin zur jüdischen Philosophie oder gesellschaftlichen Themen. Alles ist zu haben, denn, im Gegensatz zur Vergangenheit, wird im Judentum heutzutage alles auf dem freien Markt angeboten. Bis zur Zeit des 2. Weltkrieges waren gute jüdische Bücher nur beschränkt erhältlich bzw. viele Inhalte waren noch nie gedruckt worden. Insbesondere die 90iger Jahre lieferten uns ein wahres Eldorado von Angeboten. Allein schon wegen des neu aufgekommenen Internets. Plötzlich wurde fast alles zugänglich gemacht und kaum ein Thema bleibt unerwähnt. 

Bereits im Jahre 2005 erschien auf dem amerikanischen Markt das Buch "Off the Derech – How to respond to the Challenge". Verfasst von der amerikanischen Jüdin Faranak Margolese. "Off the Derech" ist die jüdische – orthodoxe Beschreibung für "vom (frommen / traditionellen orthodoxen) Wege abgekommen". 

Das Buch beschäftigt sich mit dem aktuellen Thema der jüdischen Assimilation. Warum werden einst orthodoxe Juden säkuler ? Warum heiraten immer mehr Juden Nichtjuden ? Bietet uns die Orthodoxie heute noch das, was wir für wichtig halten ? Faranak Margolese sah den Ansatzpunkt ihres Buches in der Tatsache, dass immer mehr ihrer Freunde und Bekannten zugaben, einst die jüdischen Thoragesetze eingehalten zu haben, doch dann irgendwann begannen, weniger Schabbat zu halten und vielleicht nicht ganz so auf koscheres Essen achteten. 

Amerikas Juden sehen sich seit vielen Jahren diesem gravierendem Problem ausgesetzt. Worin aber liegt die Herausforderung der Orthodoxie gerade junge Mitglieder zu halten ? 

Zu Beginn ihres Buches zeigt Frau Margolese auf, dass das Problem der Assimilation nicht erst seit heute oder gestern besteht. Hierzu liefert das Buch einige sehr interessante Statistiken und um die geht es in diesem Artikel, bevor ich etwas später auf weitere Inhalte des Buches eingehe. 

Bis zur Zeit der Aufklärung im 19. Jahrhundert gab es weder ein reform – noch progressives - noch ein konservatives Judentum. Juden waren ganz einfach Juden und die Mehrheit identifizerte sich mit der Religion. Ferner wird im Judentum das Judentum an sich als Volksgemeinschaft betrachtet. "Am HaYehudi – Das jüdische Volk". Bis heute in den modernen Staat Israel hinein gilt der Ausdruck "Das jüdische Volk" und selbst säkulere Juden sehen sich diesem Volk zugehörig und nicht nur israelisch. 

Schon vor dem 10. / 11. Jahrhundert gab es Judenverfolgungen seitens der Christen. Mit den Kreuzzügen nahm das Ausmaß der Judenverfolgung erheblich zu. Nicht nur, dass die Kreuzritter auf ihrem Weg von Europa nach Palästina eine unbeschreibliche Blutspur hinterliessen. Man schaue nur auf das Rheinland, wo Abertausende Juden von Kreuzrittern niedergemetzelt worden sind. Bei ihrem Einzug in Jerusalem löschten die Kreuzritter jegliches jüdische Leben in der Stadt aus. Als der Ramban (Rabbi Moshe ben Nachman, Nachmanides, 1194 – 1270) nach Jerusalem kam, fand er kaum mehr eine Minyan (10 jüdische Männer) zum Gebetsservice vor. Erst langsam erholte sich die jüdische Gemeinde Jerusalems und neue Synagogen entstanden. 

Das europäische Judentum wurde über Jahrhunderte hinweg von der Kirche verfolgt, gefoltert oder ermordet. Selbst die Maranos (spanische Juden, welche unter Zwang der Kirche zum Christentum konvertiert waren), wurden auch weiterhin von der Kirche mit Argwohn betrachtet. Nicht wenige der Maranos waren zwar zum Christentum übergetreten, lebten jedoch heimlich ihr Judentum weiter. 

Aufgrund der Verfolgung hielt man im Judentum zusammen und der Weg hinaus hätte eh nicht viel eingebracht. Die Kirche sowie Nachbarn hätte auch dann weiter herumgeschnüffelt und gedroht. Große Freiheiten hat die Welt des Mittelalters und auch danach nicht geboten und so blieb ein Jude ein Jude. Wie oben erwähnt, kam es erst mit dem Aufkommen des Reformjudentums zu einer massiven Umschichtung innerhalb des Judentums. Faranak Margolese in ihrem Buch: Bis zum 19. Jahrhundert waren ungefähr 250,000 Juden zum Christentum konvertiert. In den Jahren 1812 – 1845 verliessen 85% der Berliner Juden ihre Religion und liefen zum Christentum über. Als Quelle hierfür nennt Frau Margolese: Rabbi Ephraim Buchwald (Founder and Director of the National Jewish Outreach Program), Personal Interview, 22 August 2000. See also Chaim Dov Rabinowitz: The History of the Jewish People – From Nehemia to the Present.

Bis zum Jahre 1929 heirateten 30% der Judenheit Europas Nichtjuden. Bis zum Jahre 1930 besuchten 70% der jüdischen Kinder Polens keine jüdischen Schulen mehr. Rabbi Ephraim Buchwald gibt weiterhin an, dass ca. 30% der ehemals orthodoxen Studenten der berühmten Volozhin – Yeshiva im späteren Verlauf ihres Lebens zu säkuleren Bolschewiken wurden. Und bei diesen Studenten handelte es sich nicht um Juden, die ihre Religion nicht kannten und diese ihnen deswegen nicht viel bedeutete. Ganz im Gegenteil, denn im 19. Jahrhundert war die litauische Yeshiva (relig. Schule) VOLOZHIN das Harvard des Judentums. 

Zu der Zeit gab es in Europa ca. 3000 – 4000 Yeshiva Studenten. Im Vergleich zu heute: Die berühmte Yeshiva von Lakewood (bei New Jersey) hat allein 3000 Yeshiva Studenten. 

Zusammen mit der Moderne kam nach vielen Jahrhunderten die Zeit des "freien Willens" der Menschen auf. Die Bewohner Europas wurden nach all der Knechtschaft der Kirche sowie des Adels freie Bürger und diese Freiheit liess viele Juden die Orthodoxie oder die Religion als Ganzes verlassen. Man wollte sein, wie alle anderen oder halt sein Leben so leben, wie man es selbst für richtig hielt. 

Frau Margolese zitiert hier Rabbi Norman Lamm, den einstigen Präsidenten der amerikanischen Yeshiva University: "Es ist so als sitze man vor einem Bufett und habe die Qual der Wahl das auf seinen Teller zu legen, was man will". 

Die wichtigste Frage aber ist, warum diese gewonnene Freiheit viele ehemalige relig. Juden säkuler werden läßt. Liesse sich denn nicht Beides miteinander verbinden ? Faranak Margolese diskutiert im Verlauf ihres Buches mehrere Perspektiven, die vielleicht ein paar Antworten geben. Unter anderem den Einfluss der Außenwelt auf unser Verhalten. 

Nicht selten ringt das orthodoxe Judentum um seine Mitglieder und hierbei insbesondere um die Jugend. Was bei Eltern und Großeltern noch als wichtig und selbstverständlich galt, scheint der jungen Generation eine zunehmende Last. Eine Alternative zur Orthodoxie gibt es nicht, denn man kann, wie im Reformjudentum, nicht eine ganze Religion so zurechtrücken, wie es einem gerade passt. Was die Orthodoxie hingegen tun muss ist, jene Punkte aufzuzeigen, welche gerade die Orthodoxie so lebenswert macht, denn sie ist gewiss nicht das, wofür sie fälschlicherweise immer gehalten wird: Eine störende Last, die nur darauf aus ist, strenge Gesetze einzuhalten und einem das Leben zu vermiesen. 
_______________________________

In der folgenden Zeit werde ich das Buch von Faranak Margolese des Öfteren erwähnen. Nebenher ebenso die Volozhin – Yeshiva: Ihre große Vergangenheit bis zum Holocaust, ihre Rabbiner sowie ihre heutigen Ableger in Israel und den USA. Außerdem stehen demnächst die drei Wochen vor dem jüdischen Trauer – und Fastentag Tisha be’Av (9. Av) an und dazu werde ich sehr viele Infos in den Blog stellen.

Mittwoch, Juni 27, 2012

Die Schwierigkeit, ein religiöses Buch zu schreiben

B"H 

Seit Jahren sitze ich intensiv über einem bestimmten Thema der Thora. Fast jede Talmudpassage, fast jede Midrasch, Aggadah oder fast jeden Kommentar sowie die Kabbalah habe ich zum Thema umgekrempelt. Und obwohl viele von mir ein Buch über die israelischen Haredim (ultra – orthodoxe Juden) erwarten, so beschränke ich mich vorerst auf eine Stelle in der Thora, die, meiner Meinung nach, viel zu wenig Beachtung erlangte, aber die mich schon immer interessierte. 

All das gesammelte Material zusammenzufassen ist nicht einfach. Noch dazu, wo immer weitere Fragen auftauchen. In meinem Buch geht es im Wesentlichen um Teile aus dem 1. Buch Moses (Bereschit – Genesis). Insbesondere um die Thoralesungen BERESCHIT (Genesis) und Noach. Weil es in einem Kapitel eigentlich nur kurz um "Dämonen (Schedim)" im Judentum geht, stecke ich einmal wieder so richtig fest und muss Rabbiner befragen. Die vielfältige talmudische und anderweitige relig. Literatur gibt keine eindeutige Auskunft, wobei ich das auch gar nicht erwarte. Jeder Rabbiner bzw. Kommentator hat so seine eigenen Auslegungen zum Thema und ferner scheint es darauf anzukommen, in welchem Zusammenhang die Dämonen in Erscheinung treten. Manchmal scheint es sie zu geben, in einem anderen Bezug dagegen finden sie lediglich als Symbol für etwas anderes Erwähnung. 

Weiterhin bin ich auch noch gezwungen, dass Thema ENGEL anzusprechen und wer hätte gedacht, wie viele rabbinische Auslegungen es hierzu gibt. In der Kabbalah, im Talmud, im Chassidismus und vom KUZARI (Buch des Rabbiners Yehudah HaLevi) oder dem RAMBAM (Guide for the Perplexed - Moreh Nevuchim) ganz zu schweigen. Das beginnt schon allein damit, dass der Rambam (Maimonides) im Moreh Nevuchim unzählige philosophische Statements des Aristoteles diskutiert und diese mit dem Judentum vergleicht. Zur Zeit des Rambam und sogar noch vorher (im 11. – 13. Jahrhundert) nahmen sich viele bekannte Rabbiner des Themas an, da immer mehr Juden die Lehren der griechischen und arabischen Philosophen für logisch und glaubwürdig hielten. Dies geschah in solch einem Ausmaß, dass zahlreiche Rabbiner Schriften verfassten, welche den Juden die wesentlichen Grundzüge des Judentums erklären sollten. Alles im direkten Vergleich mit philosophischen Ideologien und das selbst ein Aristoteles nicht auf dem Pfad des Judentums liegt. 

Und so stecke ich einmal wieder fest und versuche, Antworten zu finden. Auch um weiterzukommen und das Thema zu einem Ende zu bringen. Eindeutige Antworten aber werde auch ich nicht liefern können, denn die gibt es nicht.

Freitag, Juni 22, 2012

Kostenlose jüdische Bücher downloaden

B"H 

Wer der englischen oder hebräischen Sprache mächtig ist, der kann hier kostenlos Bücher downloaden. Die meisten hebräischen Bücher setzen die Fähigkeit voraus, Raschi – Skript zu lesen, aber wer will, der findet auch anderes. 

Ich zog mir gerade das Buch MIGDAL OZ von Rabbi Yaakov Emden herunter und bin begeistert. 

Dienstag, Juni 12, 2012

"HaRabbi miLubawitsch - The Rebbe"

B"H

Das Buch gilt bei vielen Leuten als ziemlich kontrovers. Insbesondere bei der chassidischen Gruppe Chabad. 

Es ist zwei Jahre her, seitdem die Autoren Menachem Friedman und Shmuel Heilman das Buch veröffentlichten und ich kann mir vorstellen, dass es auf dem deutschen Markt fast unbekannt sein dürfte. Friedman und Heilman verfassten ein kritisches Buch über die letzten zwei Lubawitscher Rebben: Den sechsten Rebben, Rabbi Yoseph Yitzchak Schneersohn, sowie den siebten Rebben, Rabbi Menachem Mendel Schneerson. Anzumerken sei, dass Rabbi Menachem Mendel der Schwiegersohn des Rebben Yoseph Yitzchak was und daher die Schreibweisen des Nachnamens unterschiedlich geschrieben werden.  


Photo: Miriam Woelke

Der Buchtitel lautet "HaRabbi miLubavitch" (in der hebräischen Ausgabe) und "The Rebbe: The life and the afterlife of Menachem Mendel Schneerson" (in der englischen Ausgabe). Das Buch rief eine hohe Kontroverse hervor, da es sich eingehend mit dem fast "säkuleren" Lebensstil des Rebben Menachem Mendel befasst. Und zwar zu der Zeit als er an den Unis in Berlin und Paris studierte. Außerdem: Wie kam es dazu, dass Chabad – Lubawitsch von einer kleinen unbedeutenden chassidischen Gruppe zu einem der größten Unternehmen aufsteigen konnte ?

Vor ein paar Tagen kaufte ich mir die hebräische Buchausgabe, doch wer in englischer Sprache nachlesen will, der kann dies HIER tun!

Weitere Links:



Ich werde das Buch lesen und hier auf Hamantaschen sowohl als auch auf meinem englischen Buch einige Inhalte diskutieren.

Dienstag, Juni 05, 2012

Chassidische Sichtweisen zum Konvertiten

B"H

"A Simple Jew" bat mich, seine Buchveröffentlichung bekanntzugeben. Da das Thema sicher viele Leser interessiert, hier der entsprechende Link: 


Beim "Simple Jew" bin ich mir sicher, dass seine Inhalte sehr gut recherchiert sind. Allerdings ist das Buch bisher nur in englischer Sprache erhältlich. 

Ich will ja keine Schleichwerbung betreiben, doch befinde auch ich mich inmitten einer Buchvorbereitung. Das Buch, wenn es denn, hoffentlich im September, fertig sein wird, erscheint auf Deutsch sowohl als auch auf Englisch. Genaueres gebe ich noch bekannt. Der Inhalt wird sich nicht mit Konversionen beschäftigen, sondern vielmehr die haredische (ultra – orthodoxe) Welt darstellen. 

Das Buch ist auch in deutscher Sprache zu haben:

http://www.amazon.de/Bnei-Avraham-Ahuvecha-Chassidic-Thought/dp/1470014521/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1339072854&sr=8-1

Montag, Mai 14, 2012

Privatbibliothek

B"H 

Ein winziger Teil meiner relig. Privatbibliothek samt Computerkabel.


Photo: Miriam Woelke

Mittwoch, März 28, 2012

Die Suche nach dem Chametz in uns selbst


"OZAR HA'MOADIM" – Eine Sammlung mit den Kommentaren vieler gelehrter Rabbiner. Ich habe das Buch erst in dieser Woche in Bnei Brak (bei Tel Aviv) erstanden und muss sagen, der Kauf hat sich gelohnt.

Photo: Miriam Woelke

B"H 

Im Buch enthalten sind die Pessach – Gesetze, "Hilchot Pessach" aus dem "Schulchan Aruch - Code of Jewish Law", die "Hilchot Pessach" aus der "Mischna Berura", Pessach – Kommentare aus dem kabbalistischen Buch ZOHAR sowie Pessach – Kommentare zahlreicher chassidischer Rabbiner / Kommentatoren wie dem Bnei Yissachar, dem Baal Shem Tov, dem Maggid von Mezritch, Chesed le'Avraham, Rabbi Yaakov Yosef von Polonnoye, Noam Elimelech, Beer Mayim Chaim, Ma'or veShemesh, dem Sfat Emet. Am Ende des Buches werden eine ganze Reihe Minhagim (Bräuche von Rabbinern) aufgelistet.

Rabbi Yaakov Yosef von Polonnoye, dem berühmten Anhänger des Baal Shem Tov:
Bereits mehrere Wochen vor Pessach beginnen Abertausende Juden mit dem Pessach – Putz daheim. Juden ist es an den Pessach – Tagen verboten, Chametz zu besitzen und so wird jeder Krümel Weizen, Hafer, Gerste, Spelt oder Roggen weggeschrubbt. Das Haus muss rein und Chametz – Frei sein. Putzen bis zum Unfallen.

Bevor Pessach so richtig beginnt, sollten wir uns einmal hinsetzen und uns darauf besinnen, wie wir unser eigenes persönliches Chametz in uns loswerden. Im Judentum steht Chametz symbolisch für die HaRah (die negative Seite in einem Jeden von uns) und unsere Aufgabe besteht darin, eben diese Yetzer zu überkommen und nicht jedem Drang nachzugeben. In der Nacht vor Pessach, wenn wir normalerweise das traditionelle “Bedikat Chametz – Die Suche nach dem letzten Chametz" durchführen, sollten wir uns die Zeit nehmen, auch das Chametz in uns selber suchen.

Mittwoch, Februar 22, 2012

Rettet FELDHEIM Israel !

B"H 

Eine der größten Verleger jüdisch – religiöser Bücher, FELDHEIM (Israel), steht offenbar kurz vor dem Zusammenbruch. Die haredische (ultra – orthodoxe) News Site "Be'Chadre'i HaCharedim" berichtete als erstes von dem möglichen Konkurs des israelischen Zweiges des FELDHEIM Verlages. Kommentatoren zum Artikel berichteten von einem 15 Mio Schekel Schuldenberg (mehr als 3 Mio Euro). Andere behaupten sogar, FELDHEIM habe noch viel höhere Schulden.

Wer in Deutschland FELDHEIM vielleicht nicht kennt: Der Verlag ist weltweit bekannt und veröffentlich Bücher im jüdisch – orthodoxen Sinne. Fast immer in englischer Sprache mit hervorragenden Kommentarsammlungen und Erklärungen.

Viele Rabbiner und Autoren zeigen ihre für Unterstützung FELDHEIM



Ohne FELDHEIM wären Tausende Bücher niemals veröffentlicht worden.

Wenn ich einen möglichen Bankrottgrund nennen darf: Für mich persönlich waren FELDHEIM Bücher immer etwas teuer. Zwar sind sie brilliant gemacht, aber sie haben ihren stolzen Preis. Sobald mein Hebräisch fliessend war, kaufte ich mir Bücher israelischer Verlage, die da wesentlich billiger zu haben sind. Wer als Yeshiva Student kann sich schon FELDHEIM Bücher leisten, die da oft Hunderte von Schekel kosten ?

Montag, Dezember 12, 2011

Schriftstellerin Naomi Ragen von einem Jerusalemer Gericht schuldig gesprochen

Quelle: Website von Naomi Ragen

http://www.naomiragen.com/



B"H

Nach einem vier Jahre andauernden Rechtsstreit wurde heute die amerikanisch – israelische Schriftstellerin Naomi Ragen von einem Jerusalemer Bezirksgericht schuldig gesprochen. Die Anklage lautete Plagiarismus und dem wurde stattgegeben, da es erwiesen ist, dass Naomi Ragen Zeilen bzw. ganze Paragraphen aus den Büchern der haredischen (ultra – orthodoxen) Schriftstellerin Sarah Shapiro abgekupferte.

Ich kann Mrs Shapiro sehr gut verstehen, Mrs Ragen angezeigt hatte. Es gibt kaum Schlimmeres für jemanden, der schreibt, wenn er seinen eigenen Content geklaut irgendwo anders wiederfindet. Leider ist heutzutage das “Copy & Paste” Verfahren zu sehr verbreitet und jeder, der selber nichts auf die Beine stellen kann, klaut halt woanders. Dasselbe gilt für Journalisten und selbsternannte Researcher. Auf meinen Blogs läuft es so ab, dass ich normalerweise, wenn bekannt, die Quellen nenne und bei Photos Links hinzufüge.

Um auf Naomi Ragen zurückzukommen: Sie legte vor Jahren einen recht guten Start mit ihren ersten Büchern "The Sotah" und "Jephte's Daughter" hin, aber danach kam nicht mehr viel. Die Leserschaft sank und Mrs Ragen, die nationalreligiös ist, bot keine neuen Inhalte mehr, da sie ja kein Teil der haredischen Gesellschaft ist, über die sie jedoch häufig schreibt. Es wäre gut für sie, einmal wieder einen Bestseller zu landen. Gerade jetzt, wo sie saftige Geldstrafen an Sarah Shapiro zahlen muss.

Montag, Juli 18, 2011

Die Lebensgeschichte des RAMBAM als Comic

B"H

Google Books bringt die Lebensgeschichte des RAMBAM (Maimonides, Rabbi Moshe ben Maimon, 1135 - 1204) als Comic. Verfasst von Robert Avrech.


Dienstag, Juni 28, 2011

Sefer Kushiot: Warum Avraham und Yaakov von G - tt neue Namen erhielten




Photos: Miriam Woelke

B"H

Ich liebe das mittelalterliche Buch “SEFER KUSHIOT”, welches da auf einem Frage – und Antwortprinzip basiert. Hier ein kleines kurzes Beispiel:

Warum erhielten Avraham und Yaakov neue Namen von Gott, doch Yitzchaks (Sohn des Avraham und Vater des Yaakov) Name wurde nie geändert ?

Wir erinnern uns: Avraham wurde ursprünglich als AVRAM geboren und später, nach der Beschneidung (Brit Milah), fügte G - tt dem Namen ein HEH - ה , ein H, hinzu. So wurde aus Avram AVRAHAM.

Nach dem Kampf mit dem "Engel" erhielt Yaakov den zweiten Namen ISRAEL.


Kommt jemand auf die Antwort ?

Sonntag, Juni 26, 2011

“Die Armee des Rebben”

B”H

Anscheinend erfreut sich das bereits im Jahre 2003 erschienene Buch der Sue Fishkoff “The Rebbe and his Army” höchstem Interesse auf einem deutsch – jüdischen Blog. Selbst schrieb ich schon vor drei Jahre eine Abhandlung zum Buch. Zuerst blickt der Leser mit hoher Erwartung auf das Buch, erwartet er doch einige Insights in die chassidische Gruppe Chabad (Lubawitsch). Nach wenigen Seiten jedoch kommt die Langeweile auf und man merkt schnell, dass Sue Fishkoff sich hat einwickeln lassen. 

Bei all meinen Jahren in der haredischen (ultra – orthodoxen) Gesellschaft schaue ich nicht nur eben mal in dieses oberflächliche Buch, sondern lieber in die wahren Ideologien von Chabad. Angefangen von der Gruppengründung bis heute. Auf meinem englischen Blog kommuniziere ich regelmässig mit einem geborenen Chabadnik der “alten Garde” und musste so erfahren, dass heutzutage ein Unterschied zwischen Chabad und Lubawitsch besteht. Dass die als etwas “modern” betrachteten Chabad – Häuser in aller Welt nicht die wahre Ideologie wiedergeben. Dass Chabad eine sehr ernsthaft, ja, geradezu strenge Chassidut ist. Abgesehen von ihrem extremen Antizionismus, in welchem sie zu manchen Zeiten noch viel strenger und rigoroser vorging als die bekannten Satmarer Chassidim. 

Allgemein ist Sue Fishkoff’s Buch oberflächlich gehalten und ohne, die für den wahren Chabad – Interessenten, tiefen Hintergrundbeschreibungen. Man muss das Buch nicht kaufen und in der Originalsprache Englisch ist es eh schon vor acht Jahren erschienen und wurde damals ziemlich schnell abgehandelt. Eben wegen der fehlenden Inhalte. Wer sich kurz informieren will, der kann das jetzt anscheinend in einer deutschen Übersetzung tun. Wie gesagt, einer professionelleren Betrachtung hält Sue Fishkoff nicht stand. 

An alle Leser, die an mehr als einer einseitigen Betrachtung von Chabad interessiert sind, empfehle ich das Buch: “DER REBBE”. Professionell gemacht und mit vielen Beschreibungen zur Chabad Philosophie. Was steckt hinter dem Chassidismus und worin unterschied sich der Chabad – Gründer Rabbi Schneur Zalman von Liadi vom Baal Shem Tov Nachfolger, dem Maggid von Mezritch ?


Ferner existieren zum Thema CHABAD viele viele Bücher und wer an einer Literaturliste (englisch) interessiert ist, kann mir schreiben. Einfach so als Schabbat – Kaffeekränzchen in einem Chabad Haus sollte man die chassidische Gruppe gewiss nicht abtun.