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Montag, August 27, 2012

Unkoscherer Käse auf dem Jerusalemer Machane Yehudah Markt

B"H


Der oberste Koscherexperte der chassidischen Gruppe BELZ (Koscherzertifikat: Machzike'i Ha’Da’at), Rabbiner Yitzchak Ziegelman, auf dem Jerusalemer Machane Yehudah Market.

Photo: Miriam Woelke


Kaschrut - Warnung:

"Jerusalem Kosher News" bestätigte, dass der populäre Käseladen BASHER in der Mitte des Machane Yehudah Marktes, kein Koscherzertifikat besitzt. Der Grund ist in einem Satz erklärt: BASHER bietet viele Käsesorten aus dem Ausland (u.a. Frankreich) an, die einfach nicht koscher sind. 

Vor ein paar Jahren brachte die "Jüdische Allgemeine" einmal einen längeren Artikel über den Käse Store, liess dabei aber die Tatsache aus, dass der Laden nicht koscher ist. Daraufhin verfasste ich einen Blogartikel, indem ich das versuchte klarzustellen. Ein peinlicher Fehler der "Jüdischen Allgemeinen", das Wichtigste auszulassen. 
 
Wer bei BASHER vorbeikommt, dem fällt es sicherlich schwer, der Versuchung bei all den lecker aussehenden Käsesorten, zu widerstehen. Auch ich ging einmal hinein, in der Hoffnung, dass ich mich irre und doch ein Koscherzertifikat vorhanden ist. Fehlanzeige und ein Verkäufer sagte mir auf den Kopf zu, dass einige Käsesorten koscher sind, andere wiederum nicht. Also ging ich und war sauer. Warum kann sich der Käseladen nicht auf Koscheres beschränken ? Immerhin gibt es genügend israelische Kleinbauern, die sich auf die eigene Käseherstellung spezialisiert haben.

Samstag, Februar 11, 2012

Geschichte der Chassidut BELZ

B"H 

Die Geschichte der chassidischen Gruppe Belz in jiddischer Sprache. 

Die Chassidut Belz: Heute eine der reichsten chassidischen Gruppen mit Hauptsitz in Jerusalem begann die Gruppe einst in der Kleinstadt Belz in Polen (heute Ukraine). Von der Gestapo verfolgt, gelang dem damaligen Belzer Rebben, Rabbi Aharon Rokeach, die Flucht nach Israel. 

Dienstag, Januar 17, 2012

ARUTZ 7 zitierte aus meinen englischen Blog

B"H 

Mein englischsprachiger SHEARIM Blog fand heute auf der nationalreligiösen israelischen News Site ARUTZ 7 Erwähnung. Es wurde aus meinem Bloginhalt zum langjährigen Streit zwischen den chassidischen Gruppen Belz und Satmar zitiert. 

Für Außenstehende ist allein dieser Streit lediglich zweier großer und wichtiger chassidischer Gruppen eine Verständnisherausforderung. Es ist kaum möglich, den Hintergrund in einem Abwasch darzulegen und zu erklären. Allein zu dem Streit können ganze Bücher verfasst werden. 

Leider betreiben deutsche Medien, neben den israelischen, eine wirre Hetzjagd gegen ultra – orthodoxe Juden in Israel. Die hebräische Sprache kennt den Ausdruck “ultra – orthodox” nicht und man beschränkt sich auf den Begriff “Haredim”. Wobei “Haredim” ein Oberbegriff für mehr als Hundert kleine Grüppchen und Richtungen darstellt. Der Laie geht nach wenigen Minuten im Wust der Gruppierungen und Ideologien unter und mischt am Ende alles zusammen, was nicht zusammen gehört. Deswegen lese ich grundsätzlich keine Artikel solcher Laien und Möchtegern – Kommentatoren, die noch niemals Teil der haredischen Gesellschaft waren, sondern lediglich mutmassen oder von anderen Sites abkopieren. 

Meine Beziehungen zur chassidischen Gruppe Satmar waren vor Jahren einmal sehr intensiv. Was den Streit zwischen Satmar und Belz betrifft, so kann ich auf diesem Blog auf Wunsch gerne mehr berichten bzw. Links zu meinem chassidischen Blog geben. Sollten sich Leser melden, die spezielle Infos suchen, können sie mich dies per Mail oder Kommentar wissen lassen. 

Hier erst einmal ein Kommentar von mir zum ARUTZ 7 Artikel: 

Offenbar versuchen der Belzer Rebbe (Jerusalem) sowie einer der zwei derzeitigen Satmarer Rebben (New York), Rabbi Aharon Teitelbaum, Frieden zu schliessen. Vor fast Dreissig Jahren war es zu einem riesen Zoff zwischen den beiden Gruppen gekommen und seither war man sich nicht mehr grün. Nur gibt es da ein kleines Problem: Die Frau des Belzer Rebben ist die Schwester der Gattin des Rebben Aharon Teitelbaum. Schon allein deswegen gab es inoffizielle Kontake zwischen den Familienmitgliedern. 

Soweit so gut, doch stört eine Person in dem Spiel: Der zweite derzeitige Satmarer Rebbe, Rabbi Zalman Leib Teitelbaum. Dieser ist Rebbe Aharons Bruder und beide befinden sich im Krieg um die Führungsposition in Satmar. 

Wer die Größe der Chassidut Satmar nicht einzuordnen vermag: Die Satmarer stellen die größte chassidische Gruppe der Welt. Größer als Chabad (Lubawitsch). 

Der Belzer Rebbe und Rebbe Aharon Teitelbaum sind also verschwägert und lästern gern über Rebbe Zalman Leib. Der Dritte im Freundschaftbund ist einer der drei derzeitigen Vishnitzer Rebben aus Bnei Brak (bei Tel Aviv), Rebbe Israel Hager. Rebbe Israel ist der Bruder der beiden o.g. Gattinen des Belzer und Satmarer Rebben. 

Die Frage, die sich in Satmar stellt ist, was denn Rebbe Zalman Leib zu einem etwaigen Friedensbündnis zwischen Belz und seinem Bruder Aharon sagen wird. Dabei hatte Rebbe Zalman Leib doch schon vor Jahren gelästert, dass Rebbe Aharons Gattin (die Tochter des alten Vishnitzer Rebben in Bnei Brak) auf eine Schule ging, auf der Hebräisch und nicht Jiddisch gesprochen wird. “Ein Unding” in Satmar und Rebbe Zalman Leib Teitelbaum verwendete dieses Argument gegen seinen Bruder im Kampf um die Vorherrschaft. 

Alles klar ? 

Wie gesagt, wer gerne mehr wissen möchte oder wenigstens ein paar chassidische Stories / Ideologien zu hören beabsichtigt, kann es mich gerne wissen lassen. 


http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/151825#.TxW0jV12rZI

Montag, Dezember 12, 2011

Der JÜDISCHE Feiertag CHANUKKAH

B”H 

Am Dienstag abend, dem 20. Dezember 2011, wird in diesem Jahr die erste Chanukkah – Kerze gezündet. Dabei möchte ich noch einmal betonen, dass Chanukkah ein rein JÜDISCHES Fest ist und es geradezu lächerlich erscheint, wenn sich viele Christen diesen Feiertag einfach so aneignen wollen. Die Maccabim kämpften gegen die damalige griechische Besatzungsmacht und deren sowie jeglichen weiteren Götzendienst. 

Der Aufstand der Maccabim / der Juden im damaligen Israel soll uns bis heute lehren, dass wir 

1. Stolz auf unsere Religion sein sollen

und 

2. Uns keinerlei Götzendienst auf Erden hingeben und uns nach der Thora richten. Darin inbegriffen, dass wir keinem falschen Messias folgen, wie das im Christentum der Fall ist. Wenn die Maccabim heute am Leben wären, würden sie die in Israel herumlaufenden christlichen Missionare bekämpfen wie damals zu ihrer Zeit die Griechen. 

Das Anzünden der Chanukkah - Kerzen bei der chassidischen Gruppe BELZ in Jerusalem. 

Mittwoch, November 30, 2011

Die amerikanische Neturei Karta gegen Gur und Belz

B"H 

Die zwei chassidischen Gruppen Gur und Belz sind aktive Mitglieder der Knessetpartei "Yahadut HaTorah" und haben dadurch auf Israel einen immensen Einfluss. Das allein aber besagt nicht, dass die zwei Gruppen sowohl als auch andere Chassidim, welche die Partei wählen, nun der zionistischen Idee des Staates Israel zustimmen. Ganz im Gegenteil, denn die Mehrheit der Haredim (ultra – orthodoxe Juden) ist gegen den offiziellen Staat Israel, hat sich aber mit ihm arrangiert. Jedenfalls solange bis der Meschiach kommt. 

Durch die haredischen Parteien in der Knesset kommt einiges an Religion in das sonst so säkulere Parlament und so kann von innen heraus Einfluss genommen werden, damit auch die haredische Bevölkerung zu ihrem Recht kommt udn das Land nicht ganz gegen die Religion agiert. 

Die antizionistische Neturei Karta (im Video protestiert die NK Niederlassung in New York) sieht das alles, wie immer, anders und bezichtigt Belz und Gur, mit den Zionisten zusammen zu arbeiten. 


Das Problem ist, dass die Demonstranten von Israel selbst gar keine Ahnung haben !

Donnerstag, November 24, 2011

Die haredische Welt in dieser Woche


Eine der Nachrichten: Der Rebbe der chassidischen Gruppe Belz, Rabbi Issachar Dov Rokeach, fuhr in diesem Jahr nicht wie sonst hinauf in den Norden nach Tiberias, um dort am Grab seines Vaters Rabbi Mordechai von Bilgoraj dessen Yahrzeit (Todesgedenktag) zu gedenken. Stattdessen gedachte der Rebbe in Telshe Stone / ausserhalb von Jerusalem. Gerüchte besagen, der Rebbe sei krank und ihn erwarte eine Beinoperation.

Montag, September 19, 2011

The Battle for Israel's Soul oder "Die Richtigstellung einiger falscher TV - Darstellungen"

B”H 

Einfach sämtliche Informationen durcheinanderzuwürfeln, wie das in den folgenden drei Videoteilen der Fall ist, kann keine detaillierte Aufklärung bedeuten. Sehen sich Leute, die nicht mit all der Problematik vertraut sind, den Dokumentarfilm an, erhalten sie viele Falschinformationen. Allein zu jedem angesprochenen Thema im Film könnte ich seitenweise Berichte verfassen. Trotzdem stelle ich das Video in den Blog, will aber vorher einiges korrigieren. 

Dass die Armee von den meisten Haredim (ultra – orthodoxen Juden) abgelehnt wird, hat mehrere Gründe. Das Thorastudium ist kein entscheidender Grund, wie im Video fälschlich angegeben. Auch nicht immer der Antizionismus. Vielmehr ist es die Tatsache, dass die Armee den Haredim keine besondere Umgebung gewährleistet. Natürlich gibt es die “Nachal HaHaredi”, eine haredische Militäreinheit, doch dort sind heutzutage kaum Haredim zu finden, sondern die Nationalreligiösen. Beide relig. Gruppierungen in eine Einheit zu verlegen wäre ein Fehler. Schon allein, da die Haredim strengere Koscherlevels einhalten als die Nationalrelig. 

Ein weiterer Grund für das Fernbleiben von der Armee ist das Verbot einiger führender Rabbiner und da sich kein junger haredischer Student sein Leben ruinieren will, hält er sich an die rabbinischen Erlasse, obwohl er vielleicht anders denkt. 

Weiterhin kommt im Video einmal wieder das Thema “Geld vom Staat” auf. Hierzu sei gesagt, dass viele haredische Gruppen keinerlei Geld vom Staat annehmen, sondern sich vorwiegend von Spenden der eigenen Leute aus den USA oder Kanada finanzieren. 

Die gezeigte chassidische Gruppe Belz, über die ich in diesem Blog mehrfach berichtete, nimmt Geld vom Staat, geht aber nicht zur Armee. Nebenbei sind die Belzer reich. Nicht alle, dennoch viele. Vor allem jene, die im Ausland wie in Antwerpen oder London leben. 

Fälschlicherweise würfelt das Video aschkenazische und sephardische Juden wahllos durcheinander. So wird von Belz zum beiden Neturei Karta – Führer in Mea Shearim geschwenkt. Zu Yoelish Kroisz und Israel Hirsch. Beides Konkurrenten und beide absolute Outlaws im Stadtteil. Sie werden als “Meschuggene” gesehen und verachtet. Besonders Israel Hirsch, der garantiert keine 5000 Anhänger hat. Noch nicht einmal 50, denn seine Synagoge besteht aus seinem Wohnzimmer. 

Wenige Meter weiter im Markt von Mea Shearim finden wir die Synagoge des Yoelish Kroisz, in der ich selbst einige Male weilte. Kroisz selber ist innerhalb der jüdischen Welt völlig unbedeutend und um auf sich aufmerksam zu machen, verbrennt er hier und da mal eine israelische Flagge. Wobei er aber vorher die zionistische Presse informiert, damit auch ja alles in die Zeitung kommt. 

Ich denke, dass man bei Interviews vorsichtig sein sollte, denn es gehört eine Portion Hintergrundwissen dazu. Wer steht auf welcher Seite, welche haredische Gruppe verfolgt welche Politik und warum macht wer was und wer ist mit wem verfeindet ? 

Am Schluss wird die nationalrelig. Gruppe des Baruch Marzel gezeigt, wie sie durch den palästinensischen Ort Silwan (nahe der Klagemauer) läuft. Dies geschah NICHT weil Juden den Tempelberg stürmen wollte. Hier ist der Filmemacher voll und ganz auf die palästinensische Propaganda hereingefallen, die da schon seit Jahren behauptet, die Juden wollen die Al Aksa Moschee stürmen. Das ist falsch und die Propaganda dient eigentlich dazu, die UNO auf seine Seite zu bekommen und Israel ein Recht auf den Tempelberg abzusprechen. Immerhin behaupten die Palästinenser fleissig, es habe nie irgendwelche Tempel in Jerusalem gegeben und alles gehöre dem Islam. Zusätzlich wird im Video verschwiegen, dass es im Dorf Silwan immer wieder zu palästinensischen Ausschreitungen kommt, was nichts mit dem Marsch des Baruch Marzel zu tun hat. Dabei vergessen sollte nicht werden, dass Silwan lediglich seine in paar Jahrzehnten existiert und nicht seit Hunderten von Jahren, wie die Palästinenser gerne behaupten. 


Mittwoch, August 10, 2011

Die Belzer Chassidim nach Tisha be'Av

B"H

Die Belzer Chassidim (Jerusalem) und ihr Tisch des Rebben nachdem der Fastentag Tisha be’Av gestern abend vorüber war. Es heisst, dass Rebbe Yissachar Dov Rokeach bei seinem Tisch der Chassidim in der großen Belzer Synagoge zu Jerusalem in Tränen ausbrach.


Die Belzer an der Kotel (Klagemauer) nach Ende des Tisha be'Av.




Der Belzer Tisch nach Tisha be'Av



Alle Photos HIER !

Sonntag, Juni 12, 2011

Eli Wiesel zu Besuch beim Belzer Rebben in Jerusalem

B"H

Im Laufe der Zeit hörte ich von amerikanischen Juden unterschiedliche Meinungen über den Holocaust – Schriftsteller und Friedensnobelpreisträger (1986) Eli Wiesel. Die Mehrheit der Meinungen besagt, Wiesel habe sich allein zu einer Art Führungsposition des amerikanischen Judentums aufgeschwungen, ohne dass ihn die Juden unbedingt dort wollen.

Jetzt besuchte Eli Wiesel den Rebben der chassidischen Gruppe Belz in Jerusalem und berichtete dem Rebben (dessen Frau die Tochter des Vishnitzer Rebben von Bnei Brak / bei Tel Aviv ist), dass sein Vater (Wiesels Vater) ursprünglich ein Vishnitzer Chassid war. Es ist allgemein bekannt, dass Wiesel in Sighet / Rumänien geboren wurde und seine ersten Lebensjahr in einem Cheder (chassidische Jungenschule) verbrachte. Nach Auschwitz jedoch schien sein Leben eine drastische Wende zu nehmen.

Weitere Photos vom Besuch HIER !

Mittwoch, Mai 11, 2011

Die haredische (ultra - orthodoxe) Welt in dieser Woche

B"H

Mit dem Belzer Rebben, Rabbi Yissachar Dov Rokeach, im oberen Teil ganz gross im Bild, der da seinen Chassidim einen Shiur (relig. Vortrag) gab. Unter anderem sprach sich der Rebbe gegen die Nutzung des "Blackberry" Handies aus. Ich berichtete davon auf meinem englischen Blog und schon kam ein Kommentar mit dem Zweifel daran, ob der Rebbe ein Blackberry Handy eigentlich aus eigener Erfahrung heraus kenne oder lediglich von Berichten seiner Chassidim.

Dienstag, April 05, 2011

Beit Midrash der Chassidut Belz


Die Beit Midrash samt Synagoge der Chassidut Belz in der Jerusalemer Agrippas Street.

Photo: Miriam Woelke

Dienstag, Dezember 15, 2009

Was haben Aschkenazim gegen das Koscherzertifikat der Sepharadim ?



Sephardisches Koscherzertifikat "Badatz Beit Yosef"

B"H

Es liegt schon ein paar Wochen zurück als mich jemand fragte, warum die Chassidut Belz das Koscherzertifikat (Hechscher) der sephardischen Juden (Badatz Beit Yosef) nicht anerkennt. Nicht nur Belz (die da ihr eigenes Hechscher "BADATZ BELZ") ausstellen, sondern ebenso wenig erkennt die aschkenazische Abteilung des israelischen Oberrabbinates (Rabbanut) das sephardische Beit Yosef an. uch die antizionistische aschkenazische "Edah HaCharedit" hat mit dem Beit Yosef nichts zu schaffen.

Ich weiss, das klingt alles total kompliziert und in Jerusalem wird nicht selten Politik mit den unterschiedlichen Zertifikaten betrieben. So zum Beispiel der Machtkampf zwischen dem Oberrabbinat sowie dem ehemaligen sephardischen Oberrabbiner Ovadiah Yosef, der da seinen Sohn als Oberrabbiner Jerusalems einschleusen will, um so zusätzlich mehr Anerkennung für sein "Beit Yosef" herbeizuführen.

Das sephardische "Beit Yosef" bezieht sich jedoch auf die Halachot des "Schulchan Aruch" - Autoren, Rabbi Yosef Karo, und nicht auf Rabbi Yosef selbst !

Was haben die Aschkenazim für ein Problem mit dem sephardischen Beit Yosef ?
Die Edah (Badatz Edah HaCharedit) sowie die Belzer schauen auf die Unterschied in der Auslegung diverser Halachot. So bestehen zwischen aschkenazischen Juden (Europa, USA, Russland, etc.) sowie den Sepharden (Kurden, Iraker, Iraner, Marokkaner, Algerier, Tunesier, etc.) wesentliche Unterschiede in der Interpretation zahlreicher Bräuche, Gebete und Halachot. Besonders in der Auffassung der Halachot, denn die Sepharden richten sich nach Rabbi Yosef Karo und die Aschkenazen nach dem RAMA !

Kaschrutunterschiede gibt es auf vielen Ebenen. So gehen die Sephardim wesentlich strenger mit ihren Sch'chitah (rituelles Schächten / Schlachten) um als Aschkenazim. Nicht, dass das Fleisch dadurch unkoscher wird; allgemein bestätigte mir ein Belzer Chassid, dass Fleisch sowie das gesamte "Beit Yosef" Hechscher wesentlich besser sei als das des Oberrabbinates (Kasher Le'Mehadrin), denn die Sepharadim gehen gewissenhafter mit dem Abchecken der Kaschrut (Koscherregeln) um. Das Rabbanut ist als fahr - und unzuverlässig verschrien. Zumindest in Jerusalem und viele Cafes (wie HILLEL) wechselten mittlerweile zum sephardischen "Beit Yosef" Hechscher über.

Unter anderem gehen die Sepharadim ebenso viel strenger mit ihren Kochregeln (Bischul) um. Ein Nichtjude darf bei ihnen am Kochprozess NICHT beteiligt sein, wohin gegen Aschkenazim einen Nichtjuden unter Aufsicht kochen, jedoch nicht den Herd anstellen lassen. Auch bei der Benutzung ihres Geschirrs durch einen nichtjüdischen Besucher tun sich viele Sepharadim schwer und lassen denjenigen oftmals lediglich Plastikgeschirr benutzen !

Es gibt sehr viele Unterschiede zwischen beiden Gruppen (siehe die Auslegungen der sephardischen Juden im den Buchern "Or Hamizrach").
"Beit Yosef" wird damit keinesfalls zum Aussatz oder zur zweiten Klasse, doch nehmen chassidische Aschkenazim ihre Bräuche und Interpretationen sehr ernst und halten somit ihre Traditionen aufrecht. Ein Belzer Chassid meinte zu mir, dass es dennoch vorteilhafter für mich sei, "Beit Yosef" zu benutzen als Produkte mit einem Rabbanut - Zertifikat.

Mehr Details auf Englisch bei "Jerusalem Kosher News" !

Donnerstag, November 26, 2009

Fragen an einen Belzer Chassid

B"H

Antworten auf ein paar Fragen, die ich vor kurzem spontan an einen Belzer Chassid stellte:


Es macht sich niemand eine Vorstellung, wieviele Baalei Teschuva (Neurelig.) einer chassidischen Gruppe beitreten wollen. Und ich rede hier nicht eben mal so von Chabad oder Breslov; nein, die absoluten Renner sind ausgerechnet chassidische Gruppen wie Satmar, Toldot Aharon, Belz oder selbst Gur. Gruppen, die nicht allzu leicht neue Leute aufnehmen.

Die Probleme beim Beitritt einer  chassidischen Gruppe habe ich schon oft beschrieben. Trotz allem, die Leute lassen sich nicht abhalten, was auch nicht mein Ziel ist. Im Gegenteil, soll jeder das machen, wozu er sich berufen sieht. Die aufkommenden Schwierigkeiten aber sollten nicht unter den Tisch gekehrt werden. Man ist nicht eben mal so super fromm, sondern muss stets daran denken, was die Zukunft bringt.

"Kann ich meine Verantwortung / Ziele einhalten oder unterliege Kurzzeitphasen ?"

Samstag, November 14, 2009

Rebbe Yissachar Dov Rokeach (I) in Marienbad



Marienbad Kurliste vom Juni 1916




Der Belzer Rebbe Yissachar Dov Rokeach (I) in Marienbad










Unten: Brief des Schriftstellers Franz Kafka an seinen Freund und Schriftstellerkollegen Max Brod. Kafka beschreibt sein Zusammentreffen mit dem damaligen Belzer Rebben Yissachar Dov Rokeach (I).


Der derzeitige Rebbe der Chassidut Belz heisst ebenfalls "Yissachar Dov" und deswegen wird zwischen dem ersten und dem zweiten Yissachar Dov unterschieden.


Der erste Rebbe Yissachar Dov Rokeach war der Vater von Rebbe Aharon Rokeach, seinem Nachfolger. Der derzeitige Belzer Rebbe Yissachar Dov ist der Neffe von Rebbe Aharon und der Enkel des ersten Yissachar Dov.



18. Brief an Max Brod [Briefkopf: Marienbad, Schloß Balmoral und. Osborne, Mitte Juli 1916]


[Zum Briefkopf hinzugeschrieben: Wieder in der vollen Halle, es lockt mich. ]


„Lieber Max, danke für die Benachrichtigung, sie traf mich an einem Kopfschmerzentag, wie ich ihn wenigstens hier gar nicht mehr erwartet hätte. Trotzdem lief ich gleich nach dem Essen hin.

Ich werde das Ganze nur beschreiben, mehr als das, was man sieht, kann ich nicht sagen. Man sieht aber nur allerkleinste Kleinigkeiten und das allerdings ist bezeichnend, meiner Meinung nach. Es spricht für Wahrhaftigkeit auch gegenüber dem Blödesten. Mehr als Kleinigkeiten kann man mit bloßem Auge dort, wo Wahrheit ist, nicht sehn.


Zunächst war Langer unauffindbar. Es sind dort einige Häuser und Häuserchen zusammengedrängt, auf einer Anhöhe, die eine Verbindung der Häuser, die einem Besitzer gehören, nur durch halb unterirdische Treppen und Gänge zuläßt. Die Namen der Häuser sind zum Verwechseln eingerichtet: Goldenes Schloß, Goldene Schüssel, Goldener Schlüssel, manche haben zwei Namen, vorn einen und hinten einen andern, dann wieder heißt die Restauration anders als das zugehörige Haus, auf den ersten Anlauf kommt man also nicht durch. Später zeigt sich allerdings eine Ordnung, es ist eine kleine, nach Ständen geordnete Gemeinde, eingefaßt von zwei großen eleganten Gebäuden, Hotel National und Florida. Der goldene Schlüssel ist das ärmlichste.


Ich war also um ½8 vor dem Hotel National, in dem er wohnt. Langer erwartete mich. Es regnete selbst für diese Regenzeit außerordentlich stark. Gerade zu dieser Stunde hatte es vielleicht in den letzten 14 Tagen nicht geregnet. Langer behauptete, es werde gewiß aufhören, aber das tat es nicht, sondern regnete noch stärker. Langer erzählte, nur einmal habe es bei der Ausfahrt geregnet, im Wald dann aber gleich aufgehört. Diesmal hörte es aber nicht auf.


Wir sitzen unter einem Baum und sehen einen Juden mit einer leeren Sodawasserflasche aus dem Haus laufen. Der holt Wasser für den Rabbi, sagt Langer. Wir schließen uns ihm an. Er soll Wasser aus der Rudolfsquelle holen, die dem Rabbi verordnet ist. Leider weiß er nicht, wo die Quelle ist. Wir laufen im Regen ein wenig irre. Ein Herr, dem wir begegnen, zeigt uns den Weg, sagt aber gleichzeitig, daß alle Quellen um 7 geschlossen werden. »Wie können denn die Quellen geschlossen werden« meint der zum Wasserholen Bestimmte und wir laufen hin. Tatsächlich ist die Rudolfsquelle geschlossen, wie man schon von weitem sieht. Es ändert sich nicht, als man trotzdem näher geht. »Dann nimm Wasser aus der Ambrosiusquelle« sagt Langer »die ist immer offen.« Der Wasserholer ist sehr einverstanden und wir laufen hin. Tatsächlich waschen dort noch Frauen die Trinkgläser. Der Wasserholer nähert sich verlegen den Stufen und dreht die schon ein wellig mit Regenwasser gefüllte Flasche in den Händen. Die Frauen weisen ihn ärgerlich ab, natürlich ist auch diese Quelle seit 7 Uhr geschlossen. Nun so laufen wir zurück. Auf dem Rückweg treffen wir zwei andere Juden, die mir schon früher aufgefallen sind, sie gehn wie Verliebte neben einander, schauen einander freundlich an und lächeln der eine die Hand in der tief hinabgezogenen Hintertasche, der andere städtischer. Fest Arm in Arm. Man erzählt die Geschichte von den geschlossenen Quellen; die zwei können das nicht begreifen, der Wasserholer begreift es nun wieder auch nicht und so laufen die drei ohne uns wieder zur Ambrosiusquelle. Wir gehn weiter zum Hotel National, der Wasserholer holt uns wieder ein und überholt uns, außer Atem ruft er uns zu, daß die Quelle wirklich geschlossen ist.


Wir wollen, um uns vor dem Regen zu schützen, in den Flur des Hotels treten, da springt L. zurück und zur Seite. Der Rabbi kommt. Niemand darf sich vor ihm aufhalten, vor ihm muß immer alles frei sein, es ist nicht leicht, dies immer einzuhalten, da er sich oft überraschend wendet und es nicht leicht ist, im Gedränge schnell genug auszuweichen. (Noch schlimmer soll es im Zimmer sein, da ist das Gedränge so groß, daß es den Rabbi selbst in Gefahr bringt. Letzthin soll er geschrien haben: »Ihr seid Chassidim? Ihr seid Mörder.«) Diese Sitte macht alles sehr feierlich, der Rabbi trägt förmlich (ohne zu führen, denn rechts und links von ihm sind ja Leute) die Verantwortung für die Schritte aller. Und immer wieder ordnet sich die Gruppe neu, um ihm freie Blickrichtung zu geben.


Er sieht aus wie der Sultan, den ich als Kind in einem Doréee-Münchhausen oft gesehn habe. Aber keine Maskerade, wirklich der Sultan. Und nicht nur Sultan, sondern auch Vater, Volksschullehrer, Gymnasialprofessor u. s. f. Der Anblick seines Rückens, der Anblick der Hand, die auf der Hüfte liegt, der Anblick der Wendung dieses breiten Rückens - alles das gibt Vertrauen. Auch in den Augen der ganzen Gruppe ist dieses ruhige glückliche Vertrauen, das ich gut ahne.


Er ist mittelgroß und recht umfangreich, aber nicht schlecht beweglich. Langer weißer Bart, außergewöhnlich lange Schläfenlocken (die er auch an andern liebt; wer lange Locken hat, für den ist er schon gut gestimmt; er lobt die Schönheit zweier Kinder, die der Vater an den Händen führt, er kann aber mit der Schönheit nur die Locken meinen). Ein Auge ist blind und starr. Der Mund ist schief gezogen, es sieht gleichzeitig ironisch und freundlich aus. Er trägt einen seidenen Kaftan, der vorn offen ist; einen starken Gurt um den Leib; eine hohe Pelzmütze, die ihn äußerlich am meisten hervorhebt. Weiße Strümpfe und, wie L. sagt, weiße Hosen.


Der Belzer Rabbi Yissachar Dov Rokeach und sein Sohn Aharon Rokeach, und Begleitung verlassen das Hotel „Goldenes Schloss“, die Aufnahme vor dem „Haus Magdeburg“, im Hintergrung „Goldenes Schloss“, Fotografie ~1916-1920.


Vor dem Verlassen des Hauses vertauscht er den Silberstock mit dem Schirm. (Es regnet immerfort gleichmäßig stark und hat bis jetzt ½11 Uhr noch nicht aufgehört.) Der Spaziergang (zum erstenmal keine Ausfahrt, offenbar will er die Leute nicht im Regen in den Wald hinter sich ziehn) beginnt jetzt. Es gehn etwa 10 Juden hinter und neben ihm. Einer trägt den Silberstock und den Sessel, auf den sich der Rabbi vielleicht wird setzen wollen, einer trägt das Tuch, mit dem er den Stuhl abtrocknen wird, einer trägt das Glas, aus dem der Rabbi trinken wird, einer (Schlesinger, ein reicher Jude aus Preßburg) trägt eine Flasche mit dem Wasser der Rudolfsquelle, er hat sie offenbar in einem Geschäft gekauft. Eine besondere Rolle spielen im Gefolge die vier Gabim (oder ähnlich), es sind die »Nächsten«, Angestellte, Sekretäre. Der oberste der vier ist, wie Langer behauptet, ein ganz besonderer Schuft; sein großer Bauch, seine Selbstgefälligkeit, sein schiefer Blick scheinen dafür zu sprechen. Übrigens darf man ihm daraus keinen Vorwurf machen, alle Gabim werden schlecht, die dauernde Nähe des Rabbi kann man nicht ertragen, ohne Schaden zu nehmen, es ist der Widerspruch zwischen der tieferen Bedeutung und der ununterbrochenen Alltäglichkeit, die ein gewöhnlicher Kopfnicht ertragen kann.


Der Spaziergang geht sehr langsam vorwärts.
Der Rabbi kommt zunächst schwer in Gang, ein Bein, das rechte, versagt ihm ein wenig den Dienst, auch muß er anfänglich husten, achtungsvoll umsteht ihn das Gefolge. Nach einem Weilchen scheint es aber kein äußeres Hindernis zu geben, wohl aber beginnen jetzt die Besichtigungen und bringen den Zug jeden Augenblick zum Stillstehn. Er besichtigt alles, besonders aber Bauten, ganz verlorene Kleinigkeiten interessieren ihn, er stellt Fragen, macht selbst auf manches aufmerksam, das Kennzeichnende seines Verhaltens ist Bewunderung und Neugierde. Im Ganzen sind es die belanglosen Reden und Fragen umziehender Majestäten, vielleicht etwas kindlicher und freudiger, jedenfalls drücken sie alles Denken der Begleitung widerspruchslos auf das gleiche Niveau nieder. Langer sucht oder ahnt in allem tiefem Sinn, ich glaube, der tiefere Sinn ist der, daß ein solcher fehlt, und das ist meiner Meinung nach wohl genügend. Es ist durchaus Gottesgnadentum, ohne die Lächerlichkeit, die es bei nicht genügendem Unterbau erhalten müßte.


Das nächste Haus ist ein Zanderinstitut. Es liegt hoch über der Straße auf einem Steindamm und hat einen durch ein Gitter eingefaßten Vorgarten. Der Rabbi bemerkt einiges zum Bau, dann interessiert ihn der Garten, er fragt, was das für ein Garten ist. Ähnlich wie etwa der Statthalter vor dem Kaiser in ähnlichem Fall sich benehmen würde, rast Schlesinger (hebr. Sina genannt) die Treppe zum Garten hinauf, hält sich oben gar


Eintrag Franz Kafkas in die Kurliste, wohnhaft im „Schloß Balmoral“ 1916, Felice Bauer ist hier als Helene Bauer eingetragen, wollte sie unerkannt bleiben? Eher wurde der Name falsch abgeschrieben ... :
nicht auf, sondern rast sofort (alles im strömenden Regen) wieder herunter und meldet (was er natürlich schon gleich anfangs von unten erkannt hat), daß es nur ein Privatgarten ist, der zu dem Zanderinstitut gehört.


Der Rabbi wendet sich, nachdem er nochmals den Garten genau angeschaut hat, und wir kommen zum Neubad. Hinter dem Gebäude, wohin wir zuerst kommen, laufen in einer Vertiefung die Röhren für das Dampfbad. Der Rabbi beugt sich tief über das Geländer und kann sich an den Röhren nicht satt sehn, es wird Meinung und Gegenmeinung über die Röhren ausgetauscht.

Das Gebäude ist in einem gleichgültigen unkenntlichen Mischstil aufgebaut. Die unterste Fensterreihe ist in laubenartige, aber vermauerte Bogen eingebaut, welche im Scheitel einen Tierkopf tragen. Alle Bogen und alle Tierköpfe sind gleich, trotzdem bleibt der Rabbi fast vor jedem der 6 Bogen der Breitseite besonders stehn, besichtigt sie, vergleicht sie, beurteilt sie und zwar von der Ferne und Nähe.


Wir biegen um die Ecke und stehn jetzt an der Frontseite. Das Gebäude macht großen Eindruck auf ihn. Über dem Tor steht in goldenen Lettern »Neubad«. Er läßt sich die Inschrift vorlesen, fragt, warum es so heißt, ob es das einzige Bad ist, wie alt es ist u.s.w. Öfters sagt er, mit dem besondern ostjüdischen Staunen: »Ein schönes Gebäude«.


Schon früher hat er öfters die Dachtraufen beobachtet, jetzt da wir eng am Gebäude (wir haben die Front schon einmal auf der gegenüberliegenden Straßenseite passiert) zurückgehn, macht er eigens einen Umweg, um zu einer Dachtraufe zu kommen, die in einem durch einen Hausvorsprung gebildeten Winkel herunterführt. Es freut ihn, wie das Wasser drin klopft, er horcht, schaut die Röhre entlang nach oben, betastet sie und läßt sich die Einrichtung erklären“. (Hier bricht der Brief mitten im Brief bogen ab.)


die Benachrichtigung: Über die Anwesenheit des Belzer Rabbis - »jetzt wohl der Hauptträger des Chassidismus«, wie Kafka schreibt (F 666) - in Marienbad. (Das Städtchen Belz in Galizien war seit fast hundert Jahren der Sitz einer Dynastie chassidischer tsaddikim.)


Langer: Georg (Jiří) Mordechai Langer (1894-1943), Angehöriger einer assimilierten, tschechischsprechenden Prager Familie, war 1913 nach Belz aufgebrochen, wo er sich dem Anhang des Rabbis anschloß. Dieser »Westjude, der sich den Chassidim assimiliert hat« (T 468), hatte Kafka 1915 kennengelernt und blieb viele Jahre lang mit ihm befreundet. Siehe hierzu vor allem Ritchie Robertson, Kafka. Judaism, Politics, and Literature, Oxford 1985, S. 176-178

Dienstag, November 10, 2009

Einzigartige Photos aus Marienbad



Der Belzer Rebbe Aharon Rokeach , 1877 - 1957, in Marienbad.





Rabbi Me'ir Alter (Chassidut Gur) in Marienbad. Rabbi Me'ir war der älteste Sohn des "Imrei Emet" (Rebbe Avraham Mordechai Alter). Während der Shoah kam er in Treblinka um.





Der Munkatcher Rebbe Chaim Elazar Spira, 1871 - 1937, in Marienbad.

Montag, Oktober 26, 2009

Kaschrut: Badatz und das Anstellen eines Ofens

B"H

Die Bäckerei in welcher ich ein zweimal pro Woche arbeite, läuft unter dem Koscherzertifikat (Hechsher) des "Badatz (Beit Din Zedek) Belz"; andere nennen es auch "Machzikei HaDa'at".

Gestern abend sprach ich mit einem unserer zwei Maschgichim (Koscherexperten). Beide sind Belzer Chassidim und ich fragte einen von ihnen, wie  "Badatz Belz" oder das "Badatz der  Edah HaCharedit" Restaurants, Cafes, etc. danach kontrollieren, ob nicht ein Nichtjude den Herd angestellt hat.

Besonders in Jerusalem arbeiten zahlreiche Araber in jüdischen Restaurants, Cafes oder Bäckereien. Bei uns arbeiten keine, doch andere Unternehmen stehen diesem Problem gegenüber: Was, wenn der Araber morgens als erster den Betrieb betritt und den Herd anstellen muss, um den Koch - Backprozess einzuleiten ?
Laut der jüdischen Halacha wäre dies unzulässig. Vor allem bei den strengen Koscherzertifikaten der Belzer Chassidim sowie der Edah HaCharedit aus Mea Shearim ist dies absolut undenkbar. Ist ein Nichtjude allein im Raum, muss er stets einen Juden finden, welcher den Ofen anstellt ! Zum Beispiel einen vorbeilaufenden Passanten oder einen Nachbarn.

"Wie also kontrollieren die Belzer und die Edah, dass nicht der Nichtjude morgens den Herd anstellte, sondern ein Jude ? fragte ich den Belzer. Theoretisch könnte doch der Nichtjude hinterher behaupten, ein Jude habe den Ofen angestellt, doch insgeheim war er es."

Antwort unseres Maschgiach:

"Jeder Betrieb mit nichtjüdischen Angestellten, welcher ein Zertifikat von der Edah oder uns (Belz) erhält, muss ein kleines Notizbuch ausliegen haben. Trifft der Nichtjude morgens zuerst im Betrieb ein, so muss er einen Juden suchen gehen, der ihm den Herd anstellt. Der Jude wiederum trägt seinen Namen samt Telefonnummer in das Buch ein und somit wissen wir und der Inhaber, dass alles seine koschere Richtigkeit hatte". 


Link:

Mehr Kashrut in Jerusalem

Dienstag, Juni 23, 2009

Spannungen

B"H

Das israelische Online Magazin YNET berichtet von neuen Drohungen gegenüber Jerusalems Bürgermeister Nir Barkat.

http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3735669,00.html



Zum säkuleren Barkat gibt es viel zu sagen; unter anderem, dass er im letzten November nur zum Bürgermeister gekrönt wurde, weil Israels größte chassidische Gruppe, die Gerrer (Gur) Chassidim, sich gegen den haredischen Gegenkandidaten Porush aussprachen und aus Trotz Nir Barkat wählten. Nicht nur Gur, sondern ebenso befahl der Belzer Rebbe seinen Chassidim für Barkat zu stimmen. Im gegenseitigen Einvernehmen mit Gur.
Kurz gesagt, es lief einen Gerre Fehde gegen den ultra - orthodoxen Gegenkandidaten Me'ir Porush, denn diesen betrachtet der Gerrer Rebbe als persönlichen Feind.

So kam ein säkulerer Bürgermeister nach dem relig. Uri Lupolianski und Gur erhoffte sich folglich einigen Einfluss. Schließlich war ja Barkat nun irgendwie verpflichtet. Doch Pustekuchen ! Nir Barkat macht, was er will und die antizionistische Dachorganisation "Edah HaCharedit" aus Mea Shearim lacht sich über Gur und Belz ins Fäustchen.

Immer noch ziehen die Demos um Barkats Freigabe des städtischen Parkhauses am Schabbat ihre Kreise und an diesem Schabbat wird es, allem Anschein nach, wieder knallen (zwischen der Edah und der "zionistischen" Polizei). Die Gay Parade steht am Donnerstag an und auch da werden Ausschreitungen auf haredischer Seite erwartet.

Und nun steht Nir Barkat auch schon neuer Ärger ins Haus. Erneut mit Gur, Belz und weiteren Mitgliedergruppen der in der Knesset vertretenen haredischen Partei "Yahadut HaTorah".

Worum geht es jetzt wieder ?

Am Sonntag gab Nir Barkat von sich, dass er sich einen ZIONISTISCHEN Oberrabbiner für Jerusalem wünsche. Im Klartext: Einen nationalrelig. Rabbiner und keinen haredischen !
Daraufhin drohten Mitglieder der Yahadut Hatorah dem Bürgermeister. Sollte es einen zionistischen Oberrabbiner Jerusalems geben, werden die Haredim folglich dessen halachische Beschlüsse boykottieren. Auch wird das Kaschrutzertifikat (Hechscher) eines solchen Rabbis nicht anerkannt werden.

All diese Forderungen und Themen haben eine unendlich lange Vorgeschichte und es ist keineswegs einfach, dies an dieser Stelle alles darzulegen. Deswegen sollte jeder, der weitere Fragen hat, diese stellen !

Bisher war mir absolut unbekannt, dass ein "städtisches Rabbinat" den Jerusalemer Oberrabbiner zu ernennen plant und nicht das allgemeine Oberrabbinat, welches mehrheitlich im Besitz der Haredim ist. Demnach besitzt Nir Barkat Entscheidungsgewalt.
Zweitens sei zu beachten, dass hier die "Yahadut HaTorah" droht und keineswegs jene chassidischen sowie litvishe - haredischen Gruppen, welche sich zu den Mitgliedern der Edah HaCharedit zählen. Haredi bedeutet nicht immer gleich Haredi und es ist bestimmt nicht leicht, alle Unterschiede auf einmal zu erfassen !

Die Mitgliedergruppen der Edah HaCharedit aus Mea Shearim (Satmar, Toldot Aharon, Dushinsky, Toldot Avraham Yitzchak, Teile Breslov, diverse litvish - haredische Gruppierungen, Chassidut Spinka und weitere) betrachten die Yahadut HaTorah mit Gur, Belz, Vishnitz sowie litvishen Haredim als "zionistisch" denn sie sind in der "zionistischen" Knesset des "Zionistenstaates" vertreten. Andererseits sind weder Gur noch Belz noch Vishnitz noch etc. zionistisch !!!

Wie das ?

Die Gruppierungen der Yahadut HaTorah sind keine Zionisten, doch glauben sie daran, den weltlichen Staat Israel in einem positiven relig. Sinne zu beeinflussen. Deswegen sitzen sie in der Knesset (mit 5 Sitzen).

Die Edah hingegen erkannte noch nie etwas an und stellte schon im Jahre 1921 ihre ersten eigenen Oberrabbiner, Rabbi Yosef Chaim Sonnenfeld, auf. Im Gegensatz zum damaligen Oberrabbinats des Britischen Mandats (Palästina), Rabbi Avraham Yitzchak haCohen Kook (ausgesprochen: Kuk). Bis heute erkennt die Edah die Kaschrut (Koscherzertifikate) des Oberrabbinates nicht an. Man ißt auch nichts von Belz, was wiederum einschlägige politische Gründe hat. Aus Rache ißt Belz auch nichts von der Edah !


Die Edah arbeitet nur auf einem Gebiet mit dem "zionistischen" Rabbanut (Oberrabbinat) zusammen und das ist im Bereich der Ausstellung von Geburts - sowie Heiratsurkunden. Hier kommt die Edah nicht um eine Zusammenarbeit herum, denn das Rabbanut besitzt die gesetzliche Oberhohheit.

Und nun kommt Nir Barkat mit seinem eigenen städtischen Rabbinat ins Spiel. Die Yahadut HaTorah droht halachische Beschlüsse eines eventuellen zionistischen Oberrabbiners zu boykottieren. Die Edah kümmert das alles nicht, denn sie leben eh ihr eigenes Leben.

Mir drängt sich allerdings die Frage auf, wieso Jerusalem einen Oberrabbiner braucht. Ohne ihn sind doch bisher alle gut gefahren. Wozu also das Geplänkel ? Und die Haredim halten sich sowie nicht an einen haredischen Oberrabbiner, da sie ja ihren eigenen Rebben haben. Und die Edah zieht ihr eigenes Ding ab.

Können die Leser noch folgen oder sind sie im Wust der Politlandschaft bzw. der Intrigen untergegangen ? Falls jemand nicht mehr nachkommt - keine Sorge, denn die wenigstens Israelis sind in der Lage, durch das Chaos noch durchzusteigen.

Montag, Februar 09, 2009

Falschinterpretationen in der "Jüdischen Allgemeinen"

B"H

Ich beziehe mich an dieser Stelle auf zwei Artikel der "Jüdischen Allgemeinen Wochenzeitung" vom Dezember 2008. Nicht, dass die Zeitung zu meiner regelmässigen Lektüre gehört, doch wenn ich sie ab und an in die Finger bekomme, blättere ich halt darin herum. Insgesamt jedoch ist mir die "Jüdische Allgemeine" zu unbedarft und für einen Israeli klingen die Beiträge furchtbar nach Diasporaabklatsch. Besonders in den Beschreibungen bezüglich Israels.

In einer der Dezemberausgaben wird auf der Titelseite Stellung gegen israelische Siedler bezogen. Unbedarft wie eh und je, denn es ist augenscheinlich, dass sich die Autorin mit dem Thema nur einseitig befasste, ohne den ideologischen Hintergrund überhaupt zu erahnen.

Ein Wladimir Struminski versuchte sich daran, die Dispute chassidischer Gruppen untereinander sowie den Fall "Porush und die Chassidut Gur" zu beschreiben. Damit ging der Ofen dann auch ganz aus. Auf den Photos zum Artikel wurden ggf. Karliner oder Toldot Aharon Chassidim zu Gerrer (Gur) Chassidim und ebenso wurde die Karliner Jugend (der Kleidung nach könnte es auch die Satmarer Jugend gewesen sein) zu Belzer Chassidim. Die Inhalte des Artikels waren zu 80 % falsch dargestellt. Angebrachter wäre das Wort "Fehlinformation". Fakten wurden durcheinandergewürfelt und wer niemals bei Chassidim war bzw. sich jahrelang mit dem Thema beschäftigt, der sollte die Finger von derlei krächzenden Versuchen lassen, die chassidische Welt darzustellen.

Tatsächlich eskaliert der Streit zwischen Gur und Me'ir Porush seit den frühen 80iger Jahren immer wieder einmal. Belz und Gur sind nicht verfeindet, sondern Rivalen um den Machtkampf. Nicht unbedingt der der "Yahadut HaTorah" Partei, denn Belz war länger nicht mehr vertreten und wartete erst wieder vor ca. sechs Wochen auf Listenplatz Nr. 6 der Partei auf.

Wenn diverse chassidische Gruppen an den Knessetwahlen teilnehmen, bedeutet das noch lange nicht, dass sie für den Staat Israel stehen. Meist sogar das Gegenteil, doch legen sie Wert auf eine Partei, die für die Rechte der haredischen Gesellschaft eintritt und darüber hinaus meinen sie, den säkuleren Staat mit ihrer Knessetanwesenheit doch noch positiv beeinflussen zu können.

Weiterhin nehmen die Karliner nicht an jeder Knessetwahl teil, sondern immer wieder neu entscheidet darüber deren Rebbe. Chassidut Sadigura ist ein Spezialfall, an dem ich mir nicht die Finger verbrennen will, denn allgemein ist die Gruppe antizionistisch eingestellt.

Bei den morgen stattfindenden Knessetwahlen werden sicherlich viele aschkenazische Haredim die sephardische SHASS - Partei wählen. Und das, obwohl sich der Belzer Rebbe nun doch für die "Yahadut HaTorah" stark machte. Wieso auch nicht, stellt doch der Belzer Chassid Israel Eichler den sechsten Platz auf der Parteiliste.

Soweit nur ein paar kleine Erläuterungen zum Struminski - Artikel. Schade nur, dass die Leser der Zeitung solcherlei Informationen für bare Münze nehmen, ohne zu ahnen, dass sie der Falschinformation aufgesessen sind.