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Mittwoch, Januar 04, 2012

"Die verpasste Gelegenheit" oder "Brauchen wir Jerusalem" ?

B"H

Morgen (Donnerstag) begeht die jüdische Welt den Halbfastentag "ASARAH BE'TEVET - der 10. TEVET"
 

Vor zwei Jahren hörte ich bei der Jerusalemer ORTHODOX UNION einen Vortrag von Rabbi Chaim Eisen gegeben, wo der Rabbiner auf bemerkenswerter Weise in sämtliche talmudische Details ging.

Am 10. des jüdischen Monat Tevet begannen die Babylonier mit der Belagerung Jerusalems. Einige Zeit später nahmen sie die Stadt ein und zerstörten den Ersten Tempel (586 vor der Zeitrechnung).

Wieso wurde der Erste Tempel schließlich zerstört ? Hatte nicht G – tt die Juden schon mehrere Male gerettet und somit vor dem Feind verschont ? Zur Zeit König Chizkiyahu als Sennacheriv Jerusalem belagerte und dessen Armee wie durch ein Wunder des nachts umkam. Oder später die Juden in Babylonien als Haman plante, alle Juden umzubringen und sie durch Esther und Mordechai gerettet wurden.

Sobald schlechte Zeiten für das Jüdische Volk beginnen, ist es jedesmal wieder an der Zeit zur kollektiven Umkehr zu G – tt. So geschah es zu Zeiten Chizkiyahus als alle Juden beteten und somit das negative G – ttesurteil abwendeten. Aber auch die Umkehr der Juden Babylons zur Zeit Esthers bewirkte das gleiche.

In der Gemara (rabbinische Diskussionen) des Talmud Rosh HaShana 18a wird darüber diskutiert, ob wir in der Lage sind, ein von G – tt ausgesprochenes negatives Urteil über uns, abzuwenden. Rabbi Akiva ist der Ansicht, dass eine einzelne Person dies nicht vermag, eine ganze jüd. Gemeinde dagegen schon. Rabbi Yochanan hingegen war der Ansicht, dass ein einzelner sehr wohl in der Lage ist, sein vorbestimmtes Schicksal zum Positiven zu verändern (genauso dachten Rabbi Yitzchak und Rabbi Me'ir).

Viele talmudische Rabbiner sind jedoch der Meinung, dass jeder einzelne anhand von tiefen inneren Gebeten sein Schicksal zu ändern vermag. Ein ernsthaftes Gebet kann aus jemandem einen neuen Menschen machen und aufgrunddessen werden die negativen G – ttesurteile hinfällig.

Die Babylonier begannen am 10. Tevet die Belagerung Jerusalems, aber wieso fasten wir am 10. Tevet ? Der Tempel wurde erst viel später zerstört. Wegen einer Belagerung allein braucht man nicht gleich zu fasten. Und woher wissen wir überhaupt, dass wir am 10. Tevet fasten müssen ?

Das genaue Datum berichtet uns der Prophet Yechezkel (24:1 – 2). Diesem trug G – tt höchstpersönlich dieses Datum auf.

Die Belagerung allein ist kein Grund zu fasten, doch worum genau trauern wir am 10. Tevet ?
Allgemein werden ganz andere Gründe für den 10. Tevet genannt. Der große Prophet Ezra, der mehrere Tausend Juden aus dem 70 – jährigen Babylonischen Exil zurück nach Israel führte, verstarb am 9. Tevet. 

Aber nicht nur, dass Ezra für die Rückkehr der Juden sorgte; die Gemara im Talmud Traktat Sanhedrin 21b nennt ihn würdig, den damaligen Juden die Thora wieder zurückgegeben zu haben.
Die Gemara läßt uns weiterhin wissen, dass die Thora zu einer gewissen Zeit im Babylonischen Exil vergessen worden war. Genau gesagt, viele Mitzwot (Gesetze) gerieten in Vergessenheit. Dies geschah unter anderem auch, da die Sprache und Schrift der Thora verändert wurde, aber dieses Thema bietet genügend Stoff für einen eigenen Artikel.

Der Tod Ezras war eine nationale Tragödie für das jüdische Volk. Als der babylonische Herrscher den Juden die Rückkehr nach Israel und den Bau eines neuen Tempels erlaubte, war Ezra der Meinung, dass nun alle Juden freudig aufschreien und sofort loslaufen. Tragischerweise war genau das Gegenteil der Fall. Die Juden hatten es sich im Babylonischen Exil zu bequem gemacht; sie errichteten florierende Unternehmen, es ging ihnen gut und sie waren wohlhabend. Wozu also in ein zerstörtes Israel zurückkehren, in dem sie ggf. dem Hunger und der Armut ausgesetzt waren ?

Ezra schrieb an alle Gemeinden und erhielt größtenteils Absagen. Die Juden hatten die Diaspora akzeptiert. Genauso geschah es mit den damaligen deutschen Gemeinden Speyer, Worms und Mainz. Diese Gemeinden waren die ersten in Deutschland und existierten schon zu Zeiten Ezras. Und genau jene deutschen Gemeinden schrieben ihm, dass auch sie lieber in ihren deutschen Städten verweilen wollen. Laut vieler Meinungen bestrafte G – tt diese drei deutschen Gemeinden für diese Absage. Zur Zeit des ersten Kreuzzuges im Jahre 1096 ermordeten die Kreuzritter mehr als 100.000 Juden bei ihrem Durchmarsch durch die Gegend dieser Städte.

Aus dem damaligen babylonischen Exil kehrten nur 42.360 Juden zurück nach Israel. Millionen weiter blieben in Babylon. Aufgrund dieser Tatsache unterschied sich der Zweite Tempel in wesentlicher Form vom Ersten.

Im Ersten Tempel war G – ttes Gegenwart, die Schechinah, immer und zu jeder Zeit gegenwärtig. Im Allerheiligsten befand die die Bundeslade, der Hohepriester besaß das Urim ve'Turim, ein Pergament mit den Namen G – ttes, es gab Propheten, etc. All das ging zur Zeit des Zweiten Tempels verloren.
Ursprünglich hatte G – tt eine komplette Wiedereinrichtung vorgesehen, aber dadurch, dass die Mehrheit der Juden das Leben in der Diaspora vorzog, änderte G – tt seine Meinung. Hätten die Juden Ezra nicht abgesagt und zu ihrer nationalen Einheit zurückgefunden, wäre die Geschichte mit Sicherheit anders verlaufen.

Am 10. Tevet betrauern wir nicht den Beginn der Belagerung Jerusalems, sondern die Zeit der verpaßten Gelegenheiten. Hätten die Juden anders gehandelt, dann sehe es heute anders aus. Die Frage bleibt, ob es heutzutage unter den Juden soviel besser ausschaut. Wer von jenen, die in der Diaspora leben, denkt überhaupt an Israel, an Jerusalem oder an einen Dritten Tempel ? Außer am Schabbatgebet wird doch gar nicht mehr an Jerusalem und dessen Wichtigkeit im Judentum gedacht. Auch heute geht es den Juden in der Diaspora viel zu gut und wer will schon in das unbequeme krisengeschüttelte Israel zurückkehren ? Auf Besuch kommen alle gerne und danach sind sie schnell wieder weg.

Es ist dieses Verhalten, was wir am 10. Tevet betrauern und darum fasten wir. Wer es sich in der Diaspora zu bequem macht und sich zu wohl fühlt, der handelt gegen G – ttes Willen.

Fastentag Asarah be'Tevet - Der 10. Tevet

B"H

Der 10. des jüdischen Monats Tevet ist ein rabbinisch festgelegter Halbfastentag. Oftmals als weniger relevant angesehen, hat dieser Fastentag doch eine immense historische Bedeutung. Hier ein paar Details zum 10. Tevet, welchen wir morgen begehen.

Historisch betrachtet begann an diesem Tag im Jahre 589 BCE die Belagerung Jerusalems durch die Babylonier. Drei Jahre später überrannten sie die Stadt und zerstörten den Ersten Tempel, den Tempel König Salomons.

Der 10. Tevet steht für Leid und Zerstörung. Während der dreijährigen Belagerung litt die eingeschlossene Bevölkerung unter einer Hungersnot. Nach 410 Jahren zerstörte Nebuchadnezzar am 9. des Monat Av (ca. im August) den Tempel und trieb die Juden in ein 70 - jähriges Exil nach Babylon. Allgemein werden beide Tempelzerstörungen (die zweite fand im Jahre 70 CE durch die Römer statt) als Strafe G - ttes gesehen. Die Gemara im Talmud Traktat Yoma 9b lehrt, dass die Gründe für diese Strafe der Götzendienst, sexuelle Perversionen und Mord waren. So hatten die Juden zuvor begonnen, Kinder zu opfern. Dafür gab es außerhalb der Stadt einen speziellen Ort, der Tofet genannt wurde (heute nahe dem Kino Cinematheq). Einen positiven Aspekt gab es dennoch in der damaligen Bevölkerung; trotz allem glaubten sie an G - tt, aber sie verstanden die Opferungen falsch.

Die Zerstörung des Ersten Tempels im Jahre 586 vor der Zeitrechnung hatte noch andere weitreichendere Folgen. Die Bundeslade verschwand. Wohin, das weiss bis heute niemand. Propheten gibt es auch keine mehr, sondern nur noch eine BAT KOL, die das Echo einer himmlischen Stimme ist (Talmud Traktate Yoma 9b und Eruvin 13b).
Die Schechina, die Anwesenheit G - ttes, ist nicht mehr das, was sie zu sein pflegte und auch das Shemen HaMishcha (das Salbungsöl) verschwand (Jerusalemer Talmud Yoma 1:1).

Jetzt fragen sich vielleicht einige "Was hat das heute alles mit mir zu tun ? "Vor mehr als 2000 Jahren wurde der Erste Tempel zerstört, so what ?"

Der 10. Tevet steht für Leid und daher ernannten ihn die Rabbiner kurz nach der Gründung des Staates Israel zum Holocaust - Gedenktag. An diesem Tag wird das Kaddisch - Gebet für all jene gesagt, deren Todestag oder Todesort unbekannt sind. Die Religiösen behalten das Andenken bis heute bei und dies ist auch einer der Gründe, warum viele Haredim (Ultra – Orthod.) den offiziellen staatlichen Holocaust - Gedenktag im April nicht als solchen anerkennen.


Anmerkung:
Vielfach wird das "Kaddisch" von Außenstehenden als Totengebet interpretiert, was absolut nicht der Richtigkeit entspricht. Vielmehr preisen wir G - ttes Größe in dem aramäischen Gebet und gerade das Kaddisch ist es, welches während des Synagogendienstes als eine Art Trennung gilt; das Gebet trennt einige Teile des Services ab bzw. leitet ein neues Gebet ein.


Im Talmud Traktat Taanit 30b ist zu lesen:
"Wer um Jerusalem trauert, der wird später die "Wiederaufstehung" Jerusalems sehen". Heißt, die Ankunft des Meschiach.

In Israel beginnt der Fastentag morgen früh gegen 4.00 Uhr und endet am gleichen Abend um 17.14 Uhr.

Der 10. Tevet ist ein Tag der Umkehr und soll unsere Herzen dazu verleiten, aus den Fehlern unserer Vorväter zu lernen. Jeder sollte verstehen, dass das gesamte Universum für ihn erschaffen wurde (Talmud Traktat Sanhedrin 37a) und somit ist jeder einzelne für seine Taten verantwortlich. Jeder Jude hat seine bestimmte Aufgabe innerhalb des jüdischen Volkes und wer diese erfüllt, der beeinflusst nicht nur seine Generation, sondern ebenso die zukünftigen Generationen bis zur Ankunft des Meschiach.

Warum das Fasten ?

Drei unterschiedliche Kommentare befassen sich mit dem Fasten am 10. Tevet. Erstens wird zum Zwecke der Umkehr zu G - tt gefastet. Ein Tag des Gebetes und der Einsicht, aber auch gleichzeitig der Zuversicht, in der Zukunft einiges besser zu machen. Zweitens dient das Fasten auch einem spirituellen Zwecke, denn damit entsagen wir uns der materiellen Welt und dringen in das Spirituelle ein. Rabbi Mordechai Machlis aus Jerusalem nannte einmal einen dritten Punkt, der oft zuwenig Erwähnung findet: Wenn wir fasten, sparen wir automatisch Geld, welches wir ja folglich nicht für Lebensmittel ausgeben. Dieses Geld sollte im Nachhinein als Spende an die Armen weitergereicht werden.

Der diesjährige 10. Tevet fällt leider wieder einmal in eine Zeit, in welcher unser Land der nationalen sowie internationalen Bedrohung ausgesetzt ist. Momentan bekriegen sich israelische Juden untereinander, doch das sagte schon der Gaon von Vilna vor mehr als 200 Jahren voraus. Nicht die Ishmaeliten sind unser grösster zu bekämpfender Feind vor der Ankunft des Meschiach, sondern die Juden untereinander. Dieser Tage fiel mir immer wieder das Konzept der EREV RAV ein, was ich unbedingt näher ausführen will. Eben auch wegen der Dispute innerhalb der israelischen Gesellschaft. 

ZOM KAL - Ein leichtes Fast

Dienstag, September 27, 2011

HAMELECH - Die Bedeutung des jüdischen Neujahrsfestes Rosh Hashana


Gesehen in Jerusalem
Photo: Miriam Woelke

B"H

Rosh Hashana, das jüdische Neujahrsfest, welches morgen (Mittwoch) abend beginnt, beinhaltet soviel mehr als nur den weiteren Beginn eines neuen Jahres im jüdischen Kalender.

Da wir Rosh Hashana zwei Tage lang feiern, beginnt im Anschluß daran gleich am Freitag abend der Schabbat.

Am vergangenen Schabbat (25. Elul) feierten wir den Jahrestag der Welterschaffung, wohingegen Rosh Hashana, der erste Tishrei, die Erschaffung von Adam und Chava (Eva) repräsentiert. Beide wurden am sechsten Tag (folglich an Rosh Hashana) erschaffen (siehe Talmud Rosh Hashana 8a, RIF, Tosafot, Maharsha, Sefat Emet).

Nun stellt sich automatisch die berechtigte Frage, warum wir das Neujahrsfest nicht am Tage der Welterschaffung, sondern am Tage der Erschaffung von Adam und Chava begehen ?

Weil die Welt erst mit der Erschaffung der Menschheit ihren eigentlichen Sinn und ihre Perfektion erreichte. Der Mensch ist die Krönung des Erschaffungsprozesses, denn nur er ist in der Lage, G – d zum König zu krönen und Seine Mitzwot (Gesetze) auszuführen (Talmud Rosh Hashana 8a, Sha'arei HaMoadim von Chabad).

Gleich zu Beginn des Talmud Traktates Rosh Hashana gibt es eine Diskussion darüber, ob die Welt am 1. des Monats Nissan (ca. April) oder am 1. Tischrei erschaffen wurde. Der Thorakommentator Or Chaim schrieb, wie ich finde, den besten Kommentar zu diesem Streitpunkt. Er kommentiert, dass G – tt am 1. Nissan an die Erschaffung der Welt dachte und die tatsächliche Aktion, sprich die Erschaffung selbst, erst am 1. Tishre'i vornahm.

Die Mischna im Talmud Rosh Hashana 16a lehrt uns, dass G – tt an Rosh Hashana die Menschheit richtet. Zu Beginn des Morgengebetes Schacharit am ersten und zweiten Feiertag beten wir das Gebet "HaMelech – Der König". G – tt sitzt auf Seinem Thron und richtet uns und gleichzeitig krönen wir Ihn zum König, denn Er allein hat die Welt und uns erschaffen.

Wie sitzt G – tt und richtet ?

Das Sitzen ist an dieser Stelle metaphorisch gemeint und heißt, Er beugt Sich zu uns hinab. Er ist uns näher als sonst. Außerdem lässt uns der Talmud Rosh Hashana wissen, dass G – tt, wieder metaphorisch betrachtet, drei Bücher vor sich liegen hat (Rosh Hashana 16b). In das Erste trägt Er jene Menschen ein, welche kaum Vergehen begangen haben und deshalb sofort in das Buch des Lebens für das kommende Jahr eingeschrieben werden koennen. Das zweite Buch ist für jene Sünder, die im Buch des Lebens aufgrund ihrer Vergehen keinen Platz mehr haben und das dritte Buch ist für all jene, die irgendwo dazwischen liegen. Allgemein wird angenommen, dass Letzteres auf uns zutrifft.

Laut jüdischer Tradition richtet G – tt an Rosh Hashana die gesamte Welt sowie die ganze Menschheit. Egal, ob Jude oder Nichtjude. Bei Juden allerdings zieht sich der Urteilsprozess bis zum Yom Kippur, zehn Tage nach Rosh Hashana, hin. Erst dann gibt es ein endgültiges Urteil (Talmud Rosh HaShana 16a).
Einigen chassidischen Kommentatoren zufolge wird das endgültige G – ttesurteil erst zu Chanukkah gesprochen.

Rosh Hashana wird außerdem Yom HaDin (Judgment Day), Yom HaZikaron (Day of Remembrance) sowie Yom Teruah (Day of Sounding) genannt. Die Bezeichnung Rosh Hashana finden wir nicht in der Thora, denn dort heißt es lediglich, dass wir am ersten Tag im siebten Monat einen "Day of Sounding" haben sollen. Der Talmud Traktat Rosh Hashana gibt schriftliche Beispiele, woran wir erkennen, dass jener Tag "Judgment Day" ist.

Nun könnte man meinen, dass das Neujahrsfest ein extrem ernster Feiertag ist und wir unser Büßergewand anziehen müssen. Teilweise stimmt dies, doch ist Rosh Hashana auch vor allem ein fröhlicher Festtag, was viele Leute vergessen. Unter anderem sollen wir festliches Essen servieren und uns freuen.

Aber der 1. Tischre'i repräsentiert nicht nur die Erschaffung der Menschheit, sondern auch unsere Vorväter Avraham und Yaakov wurden an dem Tag geboren. Da ein Zaddik (Gerechter) immer an seinem Geburtstag stirbt (siehe das berühmte Beispiel des König David an Schavuot beschrieben im Talmud Rosh Hashana 11a), starben Avraham und Yaakov auch an diesem Tag. Und es war an Rosh Hashana, dass G – tt sich an unsere Vormütter Rachel und Sarah sowie an die Mutter des Propheten Samuel (Shmuel) erinnerte. An dem Tag beschloß G – tt, dass diese drei bis dahin unfruchtbaren Frauen Kinder haben werden.

Wir sitzen also in den Synagogen und G – tt soll entscheiden, ob wir für das Neue Jahr ins Buch des Lebens eingetragen werden. Buch des Lebens heißt nicht nur Leben, sondern auch alle unsere Lebensverhältnisse werden bestimmt. Sei es nun unser Arbeitsleben, Freundeskreis, werden wir genügend Geld verdienen, ein Dach über dem Kopf haben und und und. All das gehoert dazu.

Es ist anzunehmen, dass jeder von uns mit den allerbesten Vorsätzen in die Synagoge geht. Wir kommen an, beten und versprechen alles Mögliche im kommenden Jahr besser zu machen. Andererseits weiss jeder irgendwie, dass der Wille zwar stark ist, aber das Fleisch schwach. Ich will damit sagen: Was passiert, wenn ich am Rosh Hashana alles Mögliche verspreche, es aber nicht einhalte und schon zwei Tage später in den alten Trott verfalle.

Hierauf gibt uns die Thora Antwort. Als Avraham seine zweite Frau Hagar und den gemeinsamen Sohn Ishmael fortsandte, ritten die beiden durch die Wüste und liessen sich später erschöpft nieder. G – tt hörte das Weinen des Kindes Ishmael und beschloß in dem Moment, ihn nicht verdursten zu lassen, obwohl er wusste, dass spätere Generationen Ishmaels das jüdische Volk vernichten wollen.
Hieraus lernen wir, dass G – tt einen Menschen in einem Augenblick richtet, obwohl Er natürlich weiss, dass derjenige wieder sündigen wird (siehe Talmud Rosh Hashana 16b) .

Wie begehen wir also Rosh Hashana ?

Normalerweise gehen die Männer einige Stunden vor dem Beginn des Neujahrsfestes in die Mikweh (Ritualbad). Allgemein gibt es zusätzlich noch den Brauch, Friedhöfe zu besuchen oder Zedakah (Spenden) zu geben (siehe Shulchan Aruch – Orach Chaim – Hilchot Rosh HaShana 581).

Die Super – und Wochenmärkte werden alle hoffnungslos überfüllt sein, denn es gilt die sogenannten Simanim zu besorgen (Karotten, Granatäpfel, Fisch – bzw. Schafskopf, Honig und dergleichen).

Kurz vor Beginn des Festes beten wir ein bestimmtes Gebet (siehe Machzor für Rosh Hashana), anhand dessen wir Schwüre, welche wir während des ausklingenden Jahres ausgesprochen haben, für Null und Nichtig erklären (Bitul Nedarim). Häufig im Leben kommt es vor, dass wir G – tt gegenüber etwas versprechen, dies kurz darauf wieder vergessen und es nie und nimmer einhalten. Allerdings vergißt G – tt unsere Schwüre nicht und koennte sie theoretisch bei der "Urteilsfällung" gegen uns verwenden. Aus dem Grunde sagen wir das spezielle Gebet.

Da diesmal dem Neujahrsfest sofort der Schabbat folgt, sollte jeder jüdische Haushalt ein "Eruv Tavshilin" machen. Siehe dazu das Machzor Rosh Hashana.

An Feiertagen sind uns zwei Dinge erlaubt, die am Schabbat verboten sind:

1. Wir dürfen ohne Eruv tragen. Dieses Nichtstragendürfen am Schabbat stellt sich für Israelis nicht, denn fast in jedem Ort haben wir in Eruv.

2. Am Feiertag dürfen wir von einem brennenden Feuer eine Flamme entzünden und so kochen. In der Praxis schaut das so aus, dass wir vor dem Feiertag eine 48 – Stunden Kerze anzünden und von jener dann mit einem Streichholz jederzeit eine Flamme entnehmen koennen. Auf diese Art und Weise dürfen wir einen Herd anzünden (in Israel gibt es überwiegend Gasherde) und kochen.

Da wir jedoch am Feiertag Essen für den Schabbat vorbereiten müssen und die Vorbereitung somit nicht unter die Kategorie "Essen für den Feiertag, sondern für einen anderen Tag" faellt, muss ein Eruv Tavshilin ausgesprochen werden. Die Prozedur hierfür kann jeder seinem Machzor entnehmen.

Üblicherweise geht es nach dem Kernzenanzünden in die Synagogen zum Abendgebet Maariv. Beim Kerzenanzünden nicht den zweiten Segen "She Hechiyanu" vergessen.

Zum Beginn des Rosh Hashana wird während des Maariv kein Schofar geblasen. Dies findet erst zum Morgengebet Schacharit an beiden Tagen statt.

Auch sagen wir kein HALLEL an Rosh Hashana. Einer der Gründe dafür, dass wir kein Hallel sagen ist, dass wir uns daran erinnern, dass G – tt ueber uns richtet und wir keine übermässige Freude zeigen sollen.

Nach dem Abendgebet wird zur festlichen Tafel geschritten. Normalerweise findet nach dem Kiddusch (Segnung des Weines) die Zeremonie der Simanim statt. Simanim heißt übersetzt "Zeichen" und es handelt sich hierbei um bestimmte Essenszubereitungen, welche wir in einer vorgeschriebenen Reihenfolge essen. Mit dabei sind natürlich der Äpfel, welcher in Honig getaucht wird und ein süsses gutes Neues Jahr repräsentiert. Jedem einzelnen kleinen Menu geht ein speziellen Segen voraus, der eine eigene Bedeutung hat. Die Simanim sind u.a. ein Symbol dafür, dass jeder Jude sein eigenes Schicksal ändern kann.

Eines der Simanim – Menus fällt jedes Jahr auf allgemeine "Begeisterung", denn es soll etwas Fleisch aus einem Fisch oder Schafskopf gegessen werden. Der Kopf liegt auf einem Teller und als ich vor Jahren bei Chabad den Schafskopf sah, fiel ich fast vom Stuhl. Vor allem weibliche Teenies kriegen da ihren Kreischanfall. Man kann sich auch weigern davon zu kosten, was viele tun. Das Fleisch aus dem Fischkopf symbolisiert, dass wir am Beginn von etwas stehen wollen und nicht nur am Ende.

Eine äusserst wichtige Rolle spielt der Honig. Das ganze Jahr über verteilen wir auf die Challot (Schabbatbrote) etwas Salz, aber an Rosh Hashana tauchen wir alles in Honig. Vor allem Chassidim essen ihr Brot mit Honig bis mindestens Hoshana Rabbah.

Nach dem Essen bzw. des nachts gibt es den Minhag (Brauch), Auszüge aus dem Talmud Traktat Rosh Hashana zu lernen. Bei mir befinden sich jene Auszüge (Pesukim) im Machzor, aber ich weiss nicht, wie es damit bei anderen Leuten in der Diaspora ausschaut.

Am darauffolgenden Morgen geht es zurück in die Synagoge, wo ein langer G – ttesdienst auf uns wartet. Bei den Chassidim noch laenger als anderswo üblich. Der Morgeng – ttesdienst Schacharit beginnt mit dem HaMelech – Gebet, indem wir, wie zuvor beschrieben, G – tt zum König krönen. Nur Er allein ist der Herrscher der Welt.

Bei Ashkenazim folgt das "HaDin" – Gebet und danach Avinu Malkeinu. Die Thoralesung am ersten Tag erzählt uns, wie Avraham seine zweite Frau Hagar fortsandte und G – tt ihr spaeter eine Wasserquelle zeigte. Was wir außer dem Richten in jenem speziellen Moment lernen ist, dass Hagar die Quelle erst sah als G – tt sie ihr zeigte. Wahrscheinlich aber war die Quelle schon die ganze Zeit dagewesen und Hagar hatte sie übersehen. Dies zeigt uns den tieferen in Situationen, wo wir meinen, es gebe keine Lösung für uns. Wir suchen und suchen und sehen vor lauter Bäumen den Wald nicht. Hätten wir dagegen genau hingeschaut, dann hätten wir die perfekte Lösung sofort erkannt. Eine Lösung, welche gleich neben uns steht, wir sie aber nicht sehen.

Der Maftir am Ende der Thoralesung erfolgt aus Sefer BaMidbar (Numeri) 29:1, wo uns G – tt auftragt, einen Day of Sounding (Yom Teruah) zu haben.

Die anschliessende Haftarah (Lesung aus den Propheten) erzählt uns von Channah, der Mutter des Propheten Samuel (Shmuel).

In der Synagoge, in die ich gehe, wird nach der Haftarah jedesmal an dieser Stelle ein Kiddusch (Segnung des Weines) gemacht und es gibt ein paar Kuchenstücke zu essen. Im Anschluß darauf folgt das Blasen des Schofars. Im darauffolgenden Mussaf wird das Schofar nochmals geblasen.

Am zweiten Tag verläuft der Morgeng – ttes fast gleich. Allerdings lesen wir aus der Thora die "Akeidat Yitzchak", die Opferung des Yitzchak. Der Maftir ist der gleich dem Vortag.

Die Haftarah (Lesung aus den Propheten) erfolgt aus Yirmeyahu (Jesaja) 31:1 – 19. Hier verspricht G – tt den Juden, ewig an sie zu denken und sie zurückzuführen in das Land ihrer Vorfahren.

Die wichtigste Mitzwah am Rosh Hashana ist, dass ein jeder das Schofar hört.
Des weiteren gibt es noch einige Minhagim (Bräuche) wovon der bekannteste wohl ist, daß man am Rosh Hashana sich nachmittags nicht hinlegt und schläft. Außer des nachts soll jeglicher Schlaf vermieden werden, denn G – tt richtet über uns und da macht ein Mittagsschläfchen keinen guten Eindruck. Außerdem essen wir keine Nüsse, denn das hebräische Wort für Nuss "Egoz - אגוז" hat die gleiche Gematria (Zahlenwerte hebräische Buchstaben) wie das Wort Vergehen - חטא (Chet).

Am ersten Feiertag ist es üblich (Minhag) nach dem Nachmittagsgebet Mincha zu einem Fluß oder Meer zu gehen und das Taschlich – Gebet zu sprechen. Der Brauch des Taschlich begann im Mittelalter und steht symbolisch für G – ttes Vergebung unserer Vergehen am Judgment Day. Wer Taschlich verpaßt, was mir oft passiert, der kann dies noch während der zehn Tage bis Yom Kippur nachholen und bei vielen Chassidim sogar noch bis Hoshana Rabbah. Wer keinen Fluß in der Nähe hat, der kann sich an einen Brunnen oder einen Wasserhahn stellen (nicht im Badezimmer !!!) und und spricht bei laufendem Wasser das Gebet (siehe Machzor).

Sollte der erste Rosh Hashana – Feiertag auf einen Schabbat fallen, so findet das Taschlich am zweiten Tag statt. Aber in diesem Jahr sind wir von der Regel befreit und Taschlich findet ganz normal am ersten Tage statt.

Wer in Israel nicht gerade am Meer wohnt, hat es schwer, denn nicht überall fließt ein Fluß vorbei. Zu Tempelzeiten war es in Jerusalem anders, doch heute ist der Gichon ausgetrocknet. Es gibt Quellen, zu denen man gehen kann, jedoch befinden sich diese im oder nahe des arab. Dorfes Silwan (gegenüber des Tempelberges) und nicht immer ist der Gang dorthin ohne Sicherheitsrisiko.


Rosh Chodesh Tishre'i – Der Beginn des jüdischen Monat Tischre'i

Rosh Hashana ist zugleich der Beginn des Monats Tischre'i und diesbezüglich fasse ich mich nur kurz. Da mich viele um die kabbalistischen Bedeutungen eines jeden Monats baten, hier die Kurzfassung für den Monat Tischrei.

Jeder jüdische Monat symbolisiert ein Sternzeichen, einen der israelitischen Stämme, einen hebrä. Buchstaben, einen der menschlichen Sinne und ein Organ.

Das Sternzeichen ist die Waage, da G – tt uns richtet und unsere Vergehen gegenüber unseren guten Taten aufwiegt. Bei dem israelitischen Stamm handelt es sich um Ephraim, die Farbe des Tischre'i ist rot – violett, der Buchstabe ist das Lamed ל, das Organ ist die Galle und der menschliche Sinn ist das Anfassen.


Zom Gedaliah – Der Fastentag des Gedaliah

Den Fastentag des Gedaliah begehen wir am 3. Tischrei gleich anschliessend an Rosh Hashana. Der Vorteil ist, dass viele eh eine Diät nach all dem Festtagsessen brauchen und da kommt der Fastentag gerade recht. In diesem Jahr allerdings wird der Zom Gedaliah auf Sonntag verlegt, da Rosh Hashana vom Schabbat gefolgt wird und es am Schabbat verboten ist, zu fasten. Eine Ausnahme hierfür bildet der Yom Kippur, welchen wir nächste Wochen begehen und der diesmal auf einen Schabbat fällt. Wenn Yom Kippur auf den Schabbat fällt, wird gefastet !!!

Zom Gedaliah ist für nicht wenige ein Fastentag, zu dem sie keinen persönlichen Bezug finden und ich bilde da keine Ausnahme. Man sagt sich, naja, eigentlich sollte man fasten, aber tut es dann doch nicht. Zum Zom Gedaliah habe ich einige Ausführungen im Talmud Rosh Hashana 18b gefunden, die so mancherlei Ansicht vielleicht aendert.

Wie erwähnt, findet er normalerweise am 3. Tischre'i statt und ist ein Halbfastentag. Gefastet wird von morgens (ca. 5.00 Uhr) bis ca. 20.00 Uhr am Abend.

Wer war Gedaliah überhaupt und was hat er mit mir zu tun ?

Gedaliah war der vom babylonischen König Nebuchadnezzar eingesetzte jüdische Gouverneur über Eretz Israel (nach der Ersten Tempelzerstoerung). Er wurde von seinem Landsmann Ishmael ben Nethaniah umgebracht. Eine Schreckenstat, die wenig spaeter zur voelligen Ausloeschung jüdischen Lebens in Israel führte (siehe Yirmeyahu – Jeremiah 39 – 41).

Der Zom Gedaliah war schon zu Zeiten des Zweiten Tempels ein Fastentag und wir sollen uns bewusst machen, dass der Tod eines Zaddik (Gerechten) der einer Tempelzerstoerung gleicht. Besonders erinnert wurden wir an das Ereignis als der ehemalige Premier Yitzchak Rabin ermordet wurde. Nicht, daß Rabin so ein großer Zaddik war, doch toetet kein Jude einen anderen Juden.

Auf alle Faelle wünsche ich jetzt schon einmal allen Lesern ein
Gutes und Gesundes Neues Jahr 5772 und das alle ins Buch des Lebens eingeschrieben werden !!!!

Chag Sameach, Shana Tova ve' Chatimah Tova !!!!

Montag, Juli 18, 2011

Halbfastentag 17. Tammuz - Shiva Asar be'Tammuz

 
Miniaturmodell: Jerusalem zur Zeit des Zweiten Tempels - Einzusehen im Jerusalemer Israel Museum.

B"H

Morgen, Dienstag, 19. Juli, begehen wir den Fastentag des 17. Tages im jüdischen Monat Tammuz. Der 17. Tammuz war im Verlauf der Geschichte viele Male ein Schicksalstag für die Juden. So stieg Moshe an dem Tage vom Berg Sinai herab, sah, dass die Israeliten um das Goldene Kalb tanzten und zerschmetterte vor Wut die zwei Gesetzestafeln. Viele Jahre später wurde die Stadtmauer Jerusalems von den Feinden überrannt. Eine Tragödie, die drei Wochen später (am 9. des Monats Av – Tisha Be'Av) in noch einer viel größeren Tragödie endete: der Zerstörung beider Tempel. Im Jahre 586 vor der Zeitrechnung durch die Babylonier und im Jahre 70 nach der Zeitrechnung durch die Römer.

Die Geschichte reiht uns eine ganze Liste tragischer Ereignisse auf. Eines davon geschah im Jahre 1944 als am 17. Tammuz das Ghetto Kovno von den Nazis aufgelöst und sämtliche inhaftierte Juden in die Vernichtungslager geschickt worden waren.

Der 17. des jüdischen Monats Tammuz leitet eine dreiwöchige Trauerperiode ein, welche mit dem Tisha Be' Av (9. des jüd. Monats Av) endet. Am 9. des jüd. Monat Av wurden beide Tempel zerstört.

Der 17. Tammuz ist ein Halbfastentag, der morgens gegen 4.00 Uhr beginnt und abends nach Einbruch der Dunkelheit endet. Den gesamten Tag über essen und trinken wir nichts. Wer fastet, der muß im Morgengebet Schacharit einige zusätzliche Gebet einfügen.

Ein Fastentag soll uns immer zur Teschuva (Umkehr zu G – tt) bewegen. An solch einem Tag sollten wir Thora lernen (z.B. Parashat Ki Tisa, in der es um den Bau des Goldenen Kalbes geht). Nicht, dass wir die Thora nur lernen und sie danach wie ein gewöhnliches Buch wieder zur Seite legen. Stattdessen ist es Ziel, die Thora zu verinnerlichen und durch die Einhaltung der Gesetze, die G – tt uns gab, erfüllen wir Seinen höchsten Willen (Ratzon HaEliyon) und erreichen eine besondere Devekut (Nähe zu Ihm). Die Thora sollte ein Teil von uns sein, mit dem wir die Kraft haben, einen Tikun (Reparatur der Seele) für das Zerschmettern der Gesetzestafeln zu verrichten (Sefer HaSichot – Chabad). Ein weiteres Zeichen zur Teshuva ist das Geben von Zedakah (Spenden), so lesen wir im Buch Tanya – Iggeret HaTeshuva, Kapitel 3).

Das chassidische Buch Bnei Yissachar kommentiert, dass aus den einstigen Trauertagen 17. Tammuz sowie 9. Av in der Zukunft einmal Feiertage werden. Nämlich nach der Ankunft des Meschiach.

Halachot (Gesetze) für den 17. Tammuz:

a) Nichts essen

b) Nichts trinken

c) Vergnügungen aller Art sollten unterlassen werden


Halachot für die folgenden drei Wochen vor dem Tisha Be'Av:

a) Es finden keinerlei jüdische Hochzeiten statt.

b) Von Vergnügungen wie Parties, Kino, Musikhören etc. sollte Abstand genommen werden.

Hierbei ist zu beachten, dass neun Tage vor Tisha Be ' Av noch einige weitere Halachot hinzukommen, die ich zu gegebener Zeit nennen erläutern werde !!!

Warum sind ausgerechnet diese drei Wochen zwischen der Zerstörung der Jerusalemer Stadtmauer und der endgültigen Zerstörung der Tempel eine Trauerperiode ? In der Zeit sind Tausende von Juden bei der Verteidigung der Tempel umgekommen. Sei es durch das Schwert des Feindes oder durch Hunger.

Hoffen wir, dass der Meschiach baldigst kommt und der Dritte Tempel errichtet wird.

Zom Kal – ein leichtes Fasten


Absorbing the Sanctity of Eretz Israel
Quelle: "Celebration of the Soul" von
Rabbi Avraham Yitzchak Kook
The more difficult it is to endure the air of the Diaspora, the more one feels the impure spirit of the impure land. This is a sign of the inner absorption of the sanctity of Eretz Israel, of the heavenly mercy that will not abandon one who is worthy of dwelling in the pure shadow of the land of life, even when he is far away and wandering in his exile. The foreignness felt in the Diaspora ties all of one's inner desire to Eretz Israel and its sanctity of the Land bores deeper and deeper.
When the depth of the holy yearning of love for Zion, the memory of the Land and all its preciousness, wells up in the soul of the individual, it flows like a spring for the entire collective, for all of the thousands of sould bond to Him. The sound of the Shofar heralds the ingathering of the dispersed and great mercy abounds. Israel's hope for life glitters, the blossom of G - d flourishes, and the light of salvation and redemption ramifies and spreads like the dawn spreading over the mountains.


Sehr poetisch ausgedrückt !
Die ausländische Presse übersetzt "Eretz Israel" fast immer mit dem feindlich gesinnten "Großisrael". So als handele es sich hier um eine israelische Ausweitung in die Nachbarländer a la Hitlerbesetzung. Dem jedoch ist ganz und gar nicht so, denn der heutige Staat Israel plant alles andere als sich auszuweiten. Die Grenze zu Jordanien, Syrien, Ägypten oder dem Libanon wird anerkannt und wir sind alle froh, wenn man uns von dort aus in Ruhe lässt.
"Eretz Israel" bedeutet einzig und allein ein Israel in den biblischen Grenzen, welche Teile des heutigen Jordaniens sowohl dem Libanon mit einbeziehen. Dieses ursprüngliche Israel mit G - ttes Grenzen wird in der Zeit des Meschiach wieder in Kraft treten.

Mittwoch, März 16, 2011

Das Fasten der Esther - Ta'anit Esther

B”H

Alles zum morgigen Halbfastentag “Ta’anit Esther” erfahrt Ihr HIER ! Der Fastentag beginnt morgen früh und endet am selben Abend. 

Kaum zu glauben, dass Purim direkt vor der Türe steht, denn in Israel ist es momentan sonnig und warm. Allein in Tel Aviv hatten wir heute strahlend blauen Himmel bei 25 Grad Celsius. Normalerweise ist es an Purim kalt und verregnet, doch da wir in diesem Jahr einen zweiten Monat Adar (Adar Beit) aufgrund des Schaltjahres im jüdischen Kalender angehängt haben, ist es zur fortgeschrittenen Purimzeit schon wärmer. 

Donnerstag, Dezember 16, 2010

Chaim Adler singt Kaddish

B"H


An diesem Freitag, dem 10 Tevet, gedenken haredische (ultra - orthodoxe) Gemeinden den Opfern des Holocaustes. Der 10. Tevet ist ein tragischer Tag in der juedischen Geschichte und der Tag ist deswegen ein Halbfastentag. Im nachfolgenden Video singt der Chazan Chaim Adler KADDISCH.

Dienstag, Dezember 14, 2010

"Die verpasste Gelegenheit" oder "Brauchen wir ein Jerusalem ?"

B"H

Vor drei Jahren nahm ich an einem Schiur (Unterricht) der Jerusalemer Orthodox Union (Israel – Center) teil, bei dem wir Zuhörer zusätzliche Einzelheiten zu diesem Tag lernten. Der Vortrag wurde von Rabbi Chaim Eisen gegeben, der bemerkenswerter Weise in sämtliche talmudische Details ging.

Am 10. des jüdischen Monat Tevet (an diesem Freitag) begannen die Babylonier mit der Belagerung Jerusalems. Einige Zeit später nahmen sie die Stadt ein und zerstörten den Ersten Tempel (586 vor der Zeitrechnung).

Wieso wurde der Erste Tempel schließlich zerstört ? Hatte nicht G – tt die Juden schon mehrere Male gerettet und somit vor dem Feind verschont ? Zur Zeit König Chizkiyahu als Sennacheriv Jerusalem belagerte und dessen Armee wie durch ein Wunder des nachts umkam. Oder später die Juden in Babylonien als Haman plante, alle Juden umzubringen und sie durch Esther und Mordechai gerettet wurden.

Sobald schlechte Zeiten für das Jüdische Volk beginnen, ist es jedesmal wieder an der Zeit zur kollektiven Umkehr zu G – tt. So geschah es zu Zeiten Chizkiyahus als alle Juden beteten und somit das negative G – ttesurteil abwendeten. Aber auch die Umkehr der Juden Babylons zur Zeit Esthers bewirkte das gleiche.

In der Gemara (rabbinische Diskussionen) des Talmud Rosh HaShana 18a wird darüber diskutiert, ob wir in der Lage sind, ein von G – tt ausgesprochenes negatives Urteil über uns, abzuwenden. Rabbi Akiva ist der Ansicht, dass eine einzelne Person dies nicht vermag, eine ganze jüd. Gemeinde dagegen schon. Rabbi Yochanan hingegen war der Ansicht, dass ein einzelner sehr wohl in der Lage ist, sein vorbestimmtes Schicksal zum Positiven zu verändern (genauso dachten Rabbi Yitzchak und Rabbi Me'ir).

Viele talmudische Rabbiner sind jedoch der Meinung, dass jeder einzelne anhand von tiefen inneren Gebeten sein Schicksal zu ändern vermag. Ein ernsthaftes Gebet kann aus jemandem einen neuen Menschen machen und aufgrunddessen werden die negativen G – ttesurteile hinfällig.

Die Babylonier begannen am 10. Tevet die Belagerung Jerusalems, aber wieso fasten wir am 10. Tevet ? Der Tempel wurde erst viel später zerstört. Wegen einer Belagerung allein braucht man nicht gleich zu fasten. Und woher wissen wir überhaupt, dass wir am 10. Tevet fasten müssen ?

Das genaue Datum berichtet uns der Prophet Yechezkel (24:1 – 2). Diesem trug G – tt höchstpersönlich dieses Datum auf.

Die Belagerung allein ist kein Grund zu fasten, doch worum genau trauern wir am 10. Tevet ?
Allgemein werden ganz andere Gründe für den 10. Tevet genannt. Der große Prophet Ezra, der mehrere Tausend Juden aus dem 70 – jährigen Babylonischen Exil zurück nach Israel führte, verstarb am 9. Tevet. Aber nicht nur, dass Ezra für die Rückkehr der Juden sorgte; die Gemara im Talmud Traktat Sanhedrin 21b nennt ihn würdig, den damaligen Juden die Thora wieder zurückgegeben zu haben. Die Gemara läßt uns weiterhin wissen, dass die Thora zu einer gewissen Zeit im Babylonischen Exil vergessen worden war. Genau gesagt, viele Mitzwot (Gesetze) gerieten in Vergessenheit. Dies geschah unter anderem auch, da die Sprache und Schrift der Thora verändert wurde, aber dieses Thema bietet genügend Stoff für einen eigenen Artikel.

Der Tod Ezras war eine nationale Tragödie für das Jüdische Volk. Als der Babylonische Herrscher den Juden die Rückkehr nach Israel und den Bau eines neuen Tempels erlaubte, war Ezra der Meinung, dass nun alle Juden freudig aufschreien und sofort loslaufen. Tragischerweise war genau das Gegenteil der Fall. Die Juden hatten es sich im Babylonischen Exil zu bequem gemacht; sie errichteten florierende Unternehmen, es ging ihnen gut und sie waren wohlhabend. Wozu also in ein zerstörtes Israel zurückkehren, in dem sie ggf. dem Hunger und der Armut ausgesetzt waren ?

Ezra schrieb an alle Gemeinden und erhielt größtenteils Absagen. Die Juden hatten die Diaspora akzeptiert. Genauso geschah es mit den damaligen deutschen Gemeinden Speyer, Worms und Mainz. Diese Gemeinden waren die ersten in Deutschland und existierten schon zu Zeiten Ezras. Und genau jene deutschen Gemeinden schrieben ihm, dass auch sie lieber in ihren deutschen Städten verweilen wollen.
Laut vieler Meinungen bestrafte G – tt diese drei deutschen Gemeinden für diese Absage. Zur Zeit des ersten Kreuzzuges im Jahre 1096 ermordeten die Kreuzritter mehr als 100,000 Juden bei ihrem Durchmarsch durch die Gegend dieser Städte.

Aus dem damaligen Babylonischen Exil kehrten nur 42.360 Juden zurück nach Israel. Millionen weitere blieben in Babylon. Aufgrund dieser Tatsache unterschied sich der Zweite Tempel in wesentlicher Form vom Ersten.

Im Ersten Tempel war G – ttes Gegenwart, die Schechinah, immer und zu jeder Zeit gegenwärtig. Im Allerheiligsten befand die die Bundeslade, der Hohepriester besaß das Urim ve'Turim, ein Pergament mit den Namen G – ttes, es gab Propheten, etc. All das ging zur Zeit des Zweiten Tempels verloren.
Ursprünglich hatte G – tt eine komplette Wiedereinrichtung vorgesehen, aber dadurch, dass die Mehrheit der Juden das Leben in der Diaspora vorzog, änderte G – tt seine Meinung. Hätten die Juden Ezra nicht abgesagt und zu ihrer nationalen Einheit zurückgefunden, wäre die Geschichte mit Sicherheit anders verlaufen.

Am 10. Tevet betrauern wir nicht den Beginn der Belagerung Jerusalems, sondern die Zeit der verpaßten Gelegenheiten. Hätten die Juden anders gehandelt, dann sehe es heute anders aus. Die Frage bleibt, ob es heutzutage unter den Juden soviel besser ausschaut. Wer von jenen, die in der Diaspora leben, denkt überhaupt an Israel, an Jerusalem oder an einen Dritten Tempel ? Außer am Schabbatgebet wird doch gar nicht mehr an Jerusalem und dessen Wichtigkeit im Judentum gedacht. Auch heute geht es den Juden in der Diaspora doch gut und wer will schon in das unbequeme krisengeschüttelte Israel zurückkehren ? Auf Besuch kommen alle gerne und danach sind sie schnell wieder weg.

Es ist dieses Verhalten, was wir am 10. Tevet betrauern und darum fasten wir. Wer es sich in der Diaspora zu bequem macht und sich zu wohl fühlt, der handelt gegen G – ttes Willen.

Der Halbfastentag "Asarah be'Tevet"



B"H

Der 10. des jüdischen Monats Tevet ist ein rabbinisch festgelegter Halbfastentag. Das Fasten beginnt an diesem Freitag morgen und endet abends vor Schabbateinbruch.
Oftmals als weniger relevant angesehen, hat dieser Fastentag doch eine immense historische Bedeutung. Hier ein paar Details zum 10. Tevet, der dieses Jahr auf den Freitag (17.12.) fällt.

Historisch betrachtet begann an diesem Tag im Jahre 589 vor Beginn der Zeitrechnung die Belagerung Jerusalems durch die Babylonier. Drei Jahre später überrannten sie die Stadt und zerstörten den Ersten Tempel, den Tempel König Salomons.

Der 10. Tevet steht für Leid und Zerstörung. Während der dreijährigen Belagerung litt die eingeschlossene Bevölkerung unter einer Hungersnot. Nach 410 Jahren zerstörte Nebuchadnezzar am 9. des Monat Av (ca. im August) den Tempel und trieb die Juden in ein 70 - jähriges Exil nach Babylon. Allgemein werden beide Tempelzerstörungen (die zweite fand im Jahre 70 CE durch die Römer statt) als Strafe G - ttes gesehen. Die Gemara im Talmud Traktat Yoma 9b lehrt, dass die Gründe für diese Strafe der Götzendienst, sexuelle Perversionen und Mord waren. So hatten die Juden zuvor begonnen, Kinder zu opfern. Dafür gab es außerhalb der Stadt einen speziellen Ort, der Tofet genannt wurde (heute nahe dem Kino Cinematheque). Einen positiven Aspekt gab es dennoch in der damaligen Bevölkerung; trotz allem glaubten sie an G - tt, aber sie verstanden die Opferungen falsch.

Die Zerstörung des Ersten Tempels im Jahre 586 vor der Zeitrechnung hatte noch andere weitreichendere Folgen. Die Bundeslade verschwand. Wohin, das weiss bis heute niemand. Propheten gibt es auch keine mehr, sondern nur noch eine BAT KOL, die das Echo einer himmlischen Stimme ist (Talmud Traktate Yoma 9b und Eruvin 13b).
Die Schechina, die Anwesenheit G - ttes, ist nicht mehr das, was sie zu sein pflegte und auch das Shemen HaMishcha (das Salbungsöl) verschwand (Jerusalemer Talmud Yoma 1:1).

Jetzt fragen sich vielleicht einige "Was hat das heute alles mit mir zu tun ? "Vor mehr als 2000 Jahren wurde der Erste Tempel zerstört, so what ?"

Der 10. Tevet steht für Leid und daher ernannten ihn die Rabbiner kurz nach der Gründung des Staates Israel zum Holocaust - Gedenktag. An diesem Tag wird das Kaddisch - Gebet für all jene gesagt, deren Todestag oder Todesort unbekannt sind. Die Religiösen behalten das Andenken bis heute bei und dies ist auch einer der Gründe, warum viele Haredim (Ultra – Orthod.) den offiziellen staatlichen Holocaust - Gedenktag im April nicht als solchen anerkennen.

Anmerkung:
Vielfach wird das "Kaddisch" von Außenstehenden als Totengebet interpretiert, was absolut NICHT der Richtigkeit entspricht. Vielmehr preisen wir G - ttes Größe in dem aramäischen Gebet und gerade das Kaddisch ist es, welches während des Synagogendienstes als eine Art Trennung gilt; das Gebet trennt einige Teile des Services ab bzw. leitet ein neues Gebet ein.

Im Talmud Traktat Taanit 30b ist zu lesen:
"Wer um Jerusalem trauert, der wird später die "Wiederaufstehung" Jerusalems sehen". Heißt, die Ankunft des Meschiach.

Der 10. Tevet ist ein Tag der Umkehr und soll unsere Herzen dazu verleiten, aus den Fehlern unserer Vorväter zu lernen. Jeder sollte verstehen, dass das gesamte Universum für ihn erschaffen wurde (Talmud Traktat Sanhedrin 37a) und somit ist jeder einzelne für seine Taten verantwortlich. Jeder Jude hat seine bestimmte Aufgabe innerhalb des jüdischen Volkes und wer diese erfüllt, der beeinflusst nicht nur seine Generation, sondern ebenso die zukünftigen Generationen bis zur Ankunft des Meschiach.

Warum das Fasten ?

Drei unterschiedliche Kommentare befassen sich mit dem Fasten am 10. Tevet. Erstens wird zum Zwecke der Umkehr zu G - tt gefastet. Ein Tag des Gebetes und der Einsicht, aber auch gleichzeitig der Zuversicht, in der Zukunft einiges besser zu machen. Zweitens dient das Fasten auch einem spirituellen Zwecke, denn damit entsagen wir uns der materiellen Welt und dringen in das Spirituelle ein.

ZOM KAL - Ein leichtes Fasten

Montag, Juni 28, 2010

Halbfastentag 17. Tammuz - Shiva Asar be'Tammuz

 
Miniaturmodell: Jerusalem zur Zeit des Zweiten Tempels - Einzusehen im Jerusalemer Israel Museum.


B"H
Morgen, Dienstag, 29. Juni begehen wir den Fastentag des 17. Tages im jüdischen Monat Tammuz. Der 17. Tammuz war im Verlauf der Geschichte viele Male ein Schicksalstag für die Juden. So stieg Moshe an dem Tage vom Berg Sinai herab, sah, dass die Israeliten um das Goldene Kalb tanzten und zerschmetterte vor Wut die zwei Gesetzestafeln. Viele Jahre später wurde die Stadtmauer Jerusalems von den Feinden überrannt. Eine Tragödie, die drei Wochen später (am 9. des Monats Av – Tisha Be'Av) in noch einer viel größeren Tragödie endete: der Zerstörung beider Tempel. Im Jahre 586 vor der Zeitrechnung durch die Babylonier und im Jahre 70 nach der Zeitrechnung durch die Römer.

Die Geschichte reiht uns eine ganze Liste tragischer Ereignisse auf. Eines davon geschah im Jahre 1944 als am 17. Tammuz das Ghetto Kovno von den Nazis aufgelöst und sämtliche inhaftierte Juden in die Vernichtungslager geschickt worden waren.

Der 17. des jüdischen Monats Tammuz leitet eine dreiwöchige Trauerperiode ein, welche mit dem Tisha Be' Av (9. des jüd. Monats Av) endet. Am 9. des jüd. Monat Av wurden beide Tempel zerstört.

Der 17. Tammuz ist ein Halbfastentag, der morgens gegen 4.00 Uhr beginnt und abends nach Einbruch der Dunkelheit endet. Den gesamten Tag über essen und trinken wir nichts. Wer fastet, der muß im Morgengebet Schacharit einige zusätzliche Gebet einfügen.

Ein Fastentag soll uns immer zur Teschuva (Umkehr zu G – tt) bewegen. An solch einem Tag sollten wir Thora lernen (z.B. Parashat Ki Tisa, in der es um den Bau des Goldenen Kalbes geht). Nicht, dass wir die Thora nur lernen und sie danach wie ein gewöhnliches Buch wieder zur Seite legen. Stattdessen ist es Ziel, die Thora zu verinnerlichen und durch die Einhaltung der Gesetze, die G – tt uns gab, erfüllen wir Seinen höchsten Willen (Ratzon HaEliyon) und erreichen eine besondere Devekut (Nähe zu Ihm). Die Thora sollte ein Teil von uns sein, mit dem wir die Kraft haben, einen Tikun (Reparatur der Seele) für das Zerschmettern der Gesetzestafeln zu verrichten (Sefer HaSichot – Chabad). Ein weiteres Zeichen zur Teshuva ist das Geben von Zedakah (Spenden), so lesen wir im Buch Tanya – Iggeret HaTeshuva, Kapitel 3).

Das chassidische Buch Bnei Yissachar kommentiert, dass aus den einstigen Trauertagen 17. Tammuz sowie 9. Av in der Zukunft einmal Feiertage werden. Nämlich nach der Ankunft des Meschiach.

Halachot (Gesetze) für den 17. Tammuz:

a) Nichts essen

b) Nichts trinken

c) Vergnügungen aller Art sollten unterlassen werden

Halachot für die folgenden drei Wochen vor demTisha Be'Av:


a) Es finden keinerlei jüdische Hochzeiten statt.

b) Von Vergnügungen wie Parties, Kino, Musikhören etc. sollte Abstand genommen werden.

Hierbei ist zu beachten, dass neun Tage vor Tisha Be ' Av noch einige weitere Halachot hinzukommen, die ich zu gegebener Zeit nennen erläutern werde !!!

Warum sind ausgerechnet diese drei Wochen zwischen der Zerstörung der Jerusalemer Stadtmauer und der endgültigen Zerstörung der Tempel eine Trauerperiode ?
In der Zeit sind Tausende von Juden bei der Verteidigung der Tempel umgekommen. Sei es durch das Schwert des Feindes oder durch Hunger.

Hoffen wir, dass der Meschiach baldigst kommt und der Dritte Tempel errichtet wird.

Zom Kal – ein leichtes Fasten



Absorbing the Sanctity of Eretz Israel
Quelle: "Celebration of the Soul" von
Rabbi Avraham Yitzchak Kook

The more difficult it is to endure the air of the Diaspora, the more one feels the impure spirit of the impure land. This is a sign of the inner absorption of the sanctity of Eretz Israel, of the heavenly mercy that will not abandon one who is worthy of dwelling in the pure shadow of the land of life, even when he is far away and wandering in his exile. The foreignness felt in the Diaspora ties all of one's inner desire to Eretz Israel and its sanctity of the Land bores deeper and deeper.
When the depth of the holy yearning of love for Zion, the memory of the Land and all its preciousness, wells up in the soul of the individual, it flows like a spring for the entire collective, for all of the thousands of sould bond to Him. The sound of the Shofar heralds the ingathering of the dispersed and great mercy abounds. Israel's hope for life glitters, the blossom of G - d flourishes, and the light of salvation and redemption ramifies and spreads like the dawn spreading over the mountains.


Sehr poetisch ausgedrückt !

Die ausländische Presse übersetzt "Eretz Israel" fast immer mit dem feindlich gesinnten "Großisrael". So als handele es sich hier um eine israelische Ausweitung in die Nachbarländer a la Hitlerbesetzung. Dem jedoch ist ganz und gar nicht so, denn der heutige Staat Israel plant alles andere als sich auszuweiten. Die Grenze zu Jordanien, Syrien, Ägypten oder dem Libanon wird anerkannt und wir sind alle froh, wenn man uns von dort aus in Ruhe lässt.

"Eretz Israel" bedeutet einzig und allein ein Israel in den biblischen Grenzen, welche Teile des heutigen Jordaniens sowohl dem Libanon mit einbeziehen. Dieses ursprüngliche Israel mit G - ttes Grenzen wird in der Zeit des Meschiach wieder in Kraft treten.

Freitag, Dezember 25, 2009

"Die verpasste Gelegenheit" oder "Brauchen wir ein Jerusalem ?"

B"H

Vor zwei Jahren nahm ich an einem Schiur (Unterricht) der Jerusalemer Orthodox Union (Israel – Center) teil, bei dem wir Zuhörer zusätzliche Einzelheiten zu diesem Tag lernten. Der Vortrag wurde von Rabbi Chaim Eisen gegeben, der bemerkenswerter Weise in sämtliche talmudische Details ging.

Am 10. des jüdischen Monat Tevet (am kommenden Sonntag) begannen die Babylonier mit der Belagerung Jerusalems. Einige Zeit später nahmen sie die Stadt ein und zerstörten den Ersten Tempel (586 vor der Zeitrechnung).

Wieso wurde der Erste Tempel schließlich zerstört ? Hatte nicht G – tt die Juden schon mehrere Male gerettet und somit vor dem Feind verschont ? Zur Zeit König Chizkiyahu als Sennacheriv Jerusalem belagerte und dessen Armee wie durch ein Wunder des nachts umkam. Oder später die Juden in Babylonien als Haman plante, alle Juden umzubringen und sie durch Esther und Mordechai gerettet wurden.

Sobald schlechte Zeiten für das Jüdische Volk beginnen, ist es jedesmal wieder an der Zeit zur kollektiven Umkehr zu G – tt. So geschah es zu Zeiten Chizkiyahus als alle Juden beteten und somit das negative G – ttesurteil abwendeten. Aber auch die Umkehr der Juden Babylons zur Zeit Esthers bewirkte das gleiche.

In der Gemara (rabbinische Diskussionen) des Talmud Rosh HaShana 18a wird darüber diskutiert, ob wir in der Lage sind, ein von G – tt ausgesprochenes negatives Urteil über uns, abzuwenden. Rabbi Akiva ist der Ansicht, dass eine einzelne Person dies nicht vermag, eine ganze jüd. Gemeinde dagegen schon. Rabbi Yochanan hingegen war der Ansicht, dass ein einzelner sehr wohl in der Lage ist, sein vorbestimmtes Schicksal zum Positiven zu verändern (genauso dachten Rabbi Yitzchak und Rabbi Me'ir).

Viele talmudische Rabbiner sind jedoch der Meinung, dass jeder einzelne anhand von tiefen inneren Gebeten sein Schicksal zu ändern vermag. Ein ernsthaftes Gebet kann aus jemandem einen neuen Menschen machen und aufgrunddessen werden die negativen G – ttesurteile hinfällig.

Die Babylonier begannen am 10. Tevet die Belagerung Jerusalems, aber wieso fasten wir am 10. Tevet ? Der Tempel wurde erst viel später zerstört. Wegen einer Belagerung allein braucht man nicht gleich zu fasten. Und woher wissen wir überhaupt, dass wir am 10. Tevet fasten müssen ?

Das genaue Datum berichtet uns der Prophet Yechezkel (24:1 – 2). Diesem trug G – tt höchstpersönlich dieses Datum auf.

Die Belagerung allein ist kein Grund zu fasten, doch worum genau trauern wir am 10. Tevet ?
Allgemein werden ganz andere Gründe für den 10. Tevet genannt. Der große Prophet Ezra, der mehrere Tausend Juden aus dem 70 – jährigen Babylonischen Exil zurück nach Israel führte, verstarb am 9. Tevet.
Aber nicht nur, dass Ezra für die Rückkehr der Juden sorgte; die Gemara im Talmud Traktat Sanhedrin 21b nennt ihn würdig, den damaligen Juden die Thora wieder zurückgegeben zu haben.
Die Gemara läßt uns weiterhin wissen, dass die Thora zu einer gewissen Zeit im Babylonischen Exil vergessen worden war. Genau gesagt, viele Mitzwot (Gesetze) gerieten in Vergessenheit. Dies geschah unter anderem auch, da die Sprache und Schrift der Thora verändert wurde, aber dieses Thema bietet genügend Stoff für einen eigenen Artikel.

Der Tod Ezras war eine nationale Tragödie für das Jüdische Volk. Als der Babylonische Herrscher den Juden die Rückkehr nach Israel und den Bau eines neuen Tempels erlaubte, war Ezra der Meinung, dass nun alle Juden freudig aufschreien und sofort loslaufen. Tragischerweise war genau das Gegenteil der Fall. Die Juden hatten es sich im Babylonischen Exil zu bequem gemacht; sie errichteten florierende Unternehmen, es ging ihnen gut und sie waren wohlhabend. Wozu also in ein zerstörtes Israel zurückkehren, in dem sie ggf. dem Hunger und der Armut ausgesetzt waren ?

Ezra schrieb an alle Gemeinden und erhielt größtenteils Absagen. Die Juden hatten die Diaspora akzeptiert. Genauso geschah es mit den damaligen deutschen Gemeinden Speyer, Worms und Mainz. Diese Gemeinden waren die ersten in Deutschland und existierten schon zu Zeiten Ezras. Und genau jene deutschen Gemeinden schrieben ihm, dass auch sie lieber in ihren deutschen Städten verweilen wollen.
Laut vieler Meinungen bestrafte G – tt diese drei deutschen Gemeinden für diese Absage. Zur Zeit des ersten Kreuzzuges im Jahre 1096 ermordeten die Kreuzritter mehr als 100,000 Juden bei ihrem Durchmarsch durch die Gegend dieser Städte.

Aus dem damaligen Babylonischen Exil kehrten nur 42.360 Juden zurück nach Israel. Millionen weiter blieben in Babylon. Aufgrund dieser Tatsache unterschied sich der Zweite Tempel in wesentlicher Form vom Ersten.

Im Ersten Tempel war G – ttes Gegenwart, die Schechinah, immer und zu jeder Zeit gegenwärtig. Im Allerheiligsten befand die die Bundeslade, der Hohepriester besaß das Urim ve'Turim, ein Pergament mit den Namen G – ttes, es gab Propheten, etc. All das ging zur Zeit des Zweiten Tempels verloren.
Ursprünglich hatte G – tt eine komplette Wiedereinrichtung vorgesehen, aber dadurch, dass die Mehrheit der Juden das Leben in der Diaspora vorzog, änderte G – tt seine Meinung. Hätten die Juden Ezra nicht abgesagt und zu ihrer nationalen Einheit zurückgefunden, wäre die Geschichte mit Sicherheit anders verlaufen.

Am 10. Tevet betrauern wir nicht den Beginn der Belagerung Jerusalems, sondern die Zeit der verpaßten Gelegenheiten. Hätten die Juden anders gehandelt, dann sehe es heute anders aus. Die Frage bleibt, ob es heutzutage unter den Juden soviel besser ausschaut. Wer von jenen, die in der Diaspora leben, denkt überhaupt an Israel, an Jerusalem oder an einen Dritten Tempel ? Außer am Shabbatgebet wird doch gar nicht mehr an Jerusalem und dessen Wichtigkeit im Judentum gedacht. Auch heute geht es den Juden in der Diaspora doch gut und wer will schon in das unbequeme krisengeschüttelte Israel zurückkehren ? Auf Besuch kommen alle gerne und danach sind sie schnell wieder weg.

Es ist dieses Verhalten, was wir am 10. Tevet betrauern und darum fasten wir. Wer es sich in der Diaspora zu bequem macht und sich zu wohl fühlt, der handelt gegen G – ttes Willen.