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Mittwoch, September 19, 2012

SELICHOT - Gebete an der Klagemauer (Kotel)


B"H

Am vergangenen Mozzae'i Schabbat, Samstag abend nach dem Schabbatausklang, ging ich mit ein paar Freunden zur Jerusalemer Klagemauer (Kotel), um die traditionellen SELICHOT - Gebete vor Rosh Hashana und dem nachfolgenden Yom Kippur zu beten.

Mit viel Beten und Spiritualität war es dann aber nicht weit her, denn wir, wie alle anderen auch, wurden auf Schritt und Tritt von Leuten verfolgt, die Spendengelder (Zedakah) für verschiedene soziale Zwecke sammelten. 

Vor dem Rosh Hashana, welches bereits gestern abend endete, und dem Yom Kippur ist es Brauch, einiges an Spendengeldern zu geben, um so G – ttes Gnade bei seinem Richten bezüglich des neuen Jahres (nach dem jüdischen Kalender) zu erwecken. Anhand der Spendenfreudigkeit zeigen wir unseren guten Willen und somit könnte G – tt sein Urteil über uns doch noch gnädiger ausfallen lassen.

Trotzdem aber muss ich sagen, dass uns das Angebaggere nach Geld, was alle paar Meter neu erfolgte, total auf die Nerven ging. Wurden wir den Einen los, stand auch schon ein Zweiter gleich daneben. Von dem Geldgenerve einmal abgesehen, den Gang zu Klagemauer bereuen, kam dennoch nicht in Frage.:-)

An der Kotel selbst nahm ich das obere kurze Video auf. Im Hintergrund ist das traditionelle Schofar (Widderhorn) zu hören. 

Sonntag, September 16, 2012

SHANA TOVA - Ein gutes Neues Jahr 5773


Gestern abend an der Klagemauer (Kotel)

Photo: Miriam Woelke

B"H

Allen Leser ein gutes, gesundes und erfolgreiches Neues Jahr 5773 !
Leider bin ich am Ende nicht mehr dazu gekommen, im voraus mehr zu berichten, doch am Mittwoch (im Neuen Jahr 5773) stelle ich viel mehr Photos von den gestrigen Selichot - Gebeten an der Klagemauer sowie ein paar Videos in die Blogs. 

Geputzt habe ich und jetzt mache ich mich wieder ans Kochen. 

SHANA TOVA & CHATIMA TOVA - Ein gutes Neues Jahr & eine gute Unterschrift (G - ttes, wenn Er am Rosh Hashana richtet).

Donnerstag, September 13, 2012

SELICHOT vor Rosh Hashana



B"H

In der Gemara (rabbinische Diskussionen) des Talmud Traktates Nedarim 39b finden wir das Statement, dass G - tt vor der Erschaffung unseres Universums sieben Dinge erschuf. Eines davon ist die "Teschuva - Umkehr zu G - tt". Ohne die Möglichkeit der Umkehr nach einem Vergehen, könnte der Mensch nicht existieren. 


In kabbalistischer Literatur heißt es, dass bevor G - tt unsere Welt erschuf, Er andere Welten erschuf. Was bedeute das "andere Welten" ? 

In Seinen Gedanken erschuf G - tt andere Welten vor der unseren materiellen Welt. G - tt ist das einzige Wesen überhaupt, welches mit Seinen Gedanken erschaffen kann. Wir Menschen hingegen benötigen unseren Körper, Werkzeuge oder Material, um etwas zu erschaffen / herzustellen. 

Ebenso lautet es in der Kabbalah, dass G - tt die vorherigen Welten wieder zerstörte, denn praktisch gesehen kann ein Mensch mit einem von G - tt gegebenen FREIEN WILLEN dort nicht existieren. Die vorherigen Welten, welche G - tt mit seinen GEDANKEN erschuf, und welche anscheinend auch nur dort existierten, waren auf DIN (GERICHT) ausgerichtet. Bedeutet, sobald ein Mensch sündigen täte, müsste G - tt diesen automatisch richten. Demnach könnte der Mensch nach einem strengen Gericht sofort sterben. 

Aber ist es wirklich Sinn und Zweck unserer Erschaffung, dass wir nach jedem Vergehen, selbst, wenn es nur in unseren Gedanken stattfindet, sofort auf der Stelle gerichtet werden ? Wie lange wären wir da wohl in der Lage zu überleben ? Wenige Minuten ? Eine Stunde ? 

Deswegen musste so etwas wie Teschuva (Umkehr) und Gnade (Rachamim) her. Nur so ist unsere Welt lebensfähig. Wir Menschen bekamen von G - tt die FREIE WAHL (B'chirat Chofschit) uns für Ihn oder gegen Ihn zu entscheiden. Entweder leben wir ein moralisches oder ein unmoralisches Leben. Ein Religiöses oder ein Säkuleres. 

Eines jedoch können wir immer tun: Teschuva machen. Unsere Vergehen bereuen und versuchen, in Zukunft alles besser zu machen. Diese Tür der Teschuva hält G - tt jederzeit für uns offen. Nie ist es dazu zu spät, wobei ich gleichermassen daran erinnere, dass der Rambam (Maimonides, 1135 - 1214) in seiner "Mischna Thora - Hilchot Teschuva" Ausnahmen der Teschuva beschreibt. Für einen jeden von uns kann eine Zeit kommen, in welcher unsere Vergehen so gravierende Formen angenommen haben, dass eine Teschuva unmöglich wird und G - tt unsere Reue nicht mehr annimmt. Nehmen wir hier Hitler, Eichmann, etc. als Beispiel. Bei solchen Leuten hilft eine Umkehr nichts mehr und ihre Seelen werden vernichtet. 

Bleiben wir bei weniger extremen Fällen, nämlich bei uns selbst. Jetzt vor Rosh Hashana (jüd. Neujahrsfest), welches diesmal am Abend des 16. September beginnt, ist die Zeit der Reue und Umkehr. An Rosh Hashana richtet G - tt die gesamte Welt und ALLE Menschen auf ein weiteres Jahr. Ebenso Nichtjuden ! 

Wird es Hungersnöte, Vulkanausbrüche und anderweitige Katastrophen geben ? Wie wird mein persönliches Neues Jahr ausfallen ? All das wird an Rosh HaShana entschieden. Juden haben Zeit bis zum Yom Kippur und erst dann, zehn Tage nach Rosh HaShana, fällt die Entscheidung. 

Juden verfügen mit ihren Gedanken, Worten und Taten (Mitzwot) die Kraft, die oberen spirituellen Welten zu beeinflussen. Anhand der Mitzwot (Gebote) können sie unsere materielle Welt in die oberen spirituellen Welten hinauf befördern.

An jüdischen Fastentagen sowie insbesondere vor Rosh Hashana besteht unsere Absicht darin, G - ttes Gnade erwecken. Schließlich wollen wir alle gnadenvoll von Ihm gerichtet werden und nicht mit zu strengem Din (Urteil). Deswegen beten wir gerade in den Tagen vor Rosh HaShana spezielle Gebete, welche sich SELICHOT nennen. Übersetzen könnte man dies mit "ENTSCHULDIGUNGEN". Wir gestehen unsere Vergehen vor G - tt ein und geloben Besserung. 


Die Selichot Gebete sind in einem eigenen Gebetbuch zusammengefasst und bestehen aus poetischen Texten (Piyutim) sowie aus Gebeten. Beginnen tun wir stets mit dem Psalm 145 (Aschre'i Yoshev Be'itecha …) und danach folgt ein halbes Kaddisch. 

Anmerkung: Das Kaddisch ist KEIN Totengebet, wie viele meinen, sondern vielmehr preisen wir darin die Größe G - ttes. Der Text ist auf Aramäisch und die Aufgabe des Kaddisch besteht darin, unterschiedliche liturgische Abläufe während eines Gebetes / G - ttesdienstes voneinander zu trennen. 

Normalerweise werden die Selichot ca. eine Stunde nach Mitternacht (oder vor dem Morgengrauen) gebetet. Die erste Nacht der Selichot ist von besonderer Wichtigkeit, denn dann sitzt G - tt Gericht. 

Schon zu Zeiten der Geonim (800 - 1000 nach Beginn der Zeitrechnung) wurden Selichot gebetet. Am 25. Elul erschuf G - tt unser Universum, an Rosh Hashana wurden die ersten Menschen, Adam und Eva (Chava) kreiert. Laut dem Gaon von Vilna (GRA) beginnen aschkenazische Juden mit ihren Selichot ausgerechnet an einem Mozzaei Schabbat (Schabbatausklang), weil dies den ersten Tag der Welterschaffung repräsentiert. Der erste Tag der Erschaffung war ein Sonntag (Yom Rischon). Im Judentum beginnt der neue Tag jedoch schon mit Einbruch der Dunkelheit des vorhergehenden Tages. Somit am Abend zuvor. Demnach begann die Welterschaffung am Samstag abend und der erste Tag endete am Sonntag abend. 


 
Der "Big Bang" - Die Welterschaffung



Die SELICHOT Gebete der aschkenazischen Juden vor Rosh HaShana begannen am vergangenen Samstag abend (nach Ende des Schabbat): Jeden darauffolgenden Tag vor dem Rosh Hashana beten wir also Selichot und das Gebetbuch ist in jeden einzelnen Tag unterteilt. Am ersten Tag beten wir beispielsweise: 


Psalm 145 (Aschre'i), ein halbes Kaddisch, dass wir vor G - tt stehen und Seine Gnade erbitten (Lecha A - do - nai), A - do - nai - E - l - Rachum veChanun ( G - ttes Gnade ist groß) 

Dieses Gebet wird innerhalb der Selichot mehrere Male wiederholt und am Yom Kippur beten wir es unzählige Male, sodass wir es spätestens beim Ne'ilah Service (dem letzten G - ttesdienst vor dem Ausklang des Yom Kippur) auswendig kennen. Genauso wie das VIDUI (Geständnis): "Aschamnu. Bagadnu. Gasalnu. Dibarnu Dofi. He'evinu", etc.  


Wir gestehen hier unsere Sünden stets im PLURAL ein ! Als das gesamte jüdische Volk. Darüber hinaus bestehen die Selichot ebenso aus weiteren einzelnen Gebeten. Jedesmal wieder sind es bewegende Momente an der Jerusalemer Klagemauer (Kotel) zu stehen und des nachts die Selichot zu beten. Viele Betende sind dermassen vertieft in ihr Gebet (Kavanah), dass sie sogar weinen, denn es heißt, das Tränen das Tor zu G - ttes Gnade öffnen.











Selichot Gebete

Photos: Miriam Woelke



Das Buch "Shaare'i Moadim" von Chabad / Lubawitsch lehrt folgende Inhalte:

- Der Schabbat, an welchem abends die ersten Selichot gebetet werden, wird "Schabbat Selichot" genannt.

- Die Selichot vor Rosh HaShana ersetzten spezielle Opferungen aus der Tempelzeit, denn ohne den Dritten Tempel sind Juden derzeit außerstande, Opferungen darzubringen.



Weiterer Link: 

Sonntag, September 09, 2012

SELICHOT mit Cantor Chaim Adler

Gestern in der Großen Synagoge von Jerusalem 




Samstag, September 08, 2012

Ab heute abend: "Aschkenazische Juden beginnen Selichot - Gebete"

B"H

Juden sephardischer Herkunft (Marokko, Tunesien, Iran, Irak, etc.) beten bereits seit dem Beginn des Monat ELUL (seit ca. drei Wochen) die vor Rosh Hashana und Yom Kippur traditionellen SELICHOT – Gebete. Aschkenazische Juden (Europa, Australien, USA, Kanada oder Südafrika) beginnen die SELICHOT – Gebete erst heute nacht. Allgemein werde ich dieser Tage tiefer auf die Selichot und deren Bedeutung sowie Rosh Hashana eingehen. 

Momentan strömen in Jerusalem Tausende Juden entweder an die Klagemauer (Kotel) oder in ihre lokale Synagoge, um nach Mitternacht die Selichot zu beten. Kurz gefasst handelt es sich bei den Selichot um mehrere Gebete zugleich, in denen wir G – tt um Verzeihung für unsere Vergehen um Verzeihung bitten, damit Er uns am Rosh Hashana sowie am Yom Kippur gnädig auf ein weiteres Jahr richtet.

Hier ein paar Bilder, de zeigen, wie Hunderte Juden heute abend zu den Selichot in die Große Synagoge von Jerusalem (in Keren Hayesod Street) strömen:







Photos: Miriam Woelke

Montag, September 03, 2012

SELICHOT der sephardischen Juden



Das Video zeigt die SELICHOT - Gebete der sephardischen Juden. Die der Ashkenazim vor Rosh Hashana beginnen erst in einigen Tagen.

Sonntag, August 26, 2012

SELICHOT in NEHAR SHALOM

Rabbi Mordechai Scharabi (1908 - 1984)



B"H

In drei Wochen feiern wir Rosh Hashana, das jüdische Neujahrsfest. Mag sein, dass sich einige darunter eine Art "jüdisches Sylvester" vorstellen, aber dem ist ganz und gar nicht so. Zwar handelt es sich bei Rosh Hashana und ein fröhliches Fest, doch findet dies mit ernsthaftem Hintergrund statt. G – tt richtet die Welt auf ein weiteres neues Jahr. Die gesamte Welt einschliesslich Juden und Nichtjuden. In dieser Hinsicht sollten auch Nichtjuden am Rosh Hashana in sich kehren und hoffen, dass ihnen ein gutes Neues Jahr bevorsteht.

Rosh Hashana wird zwei Tage lang gefeiert und üblicherweise gehen Juden in die Synagoge und geniessen das Festtagsessen. Gleichzeitig handelt es sich beim Rosh Hashana um den Beginn des neuen jüdischen Monat Tischre'i.

Einen Monat zuvor, im derzeitigen Monat ELUL, beginnen die sephardischen Juden bereits mit ihren SELICHOT – Gebeten vor Rosh Hashana. Man bittet G – tt um Entschuldigung für seine Vergehen verbunden mit der Absicht, in Zukunft alles besser zu machen. Juden aschkenazischer Herkunft beginnen die SELICHOT erst am Mozzaei Schabbat (Schabbatausklang) vor dem Rosh Hashana.

Am Rosh Hashana werden die Welt, Juden sowie Nichtjuden gerichtet. Der große Unterschied besteht jedoch darin, dass die Welt sowie die Nichtjuden an diesen zwei Tagen gerichtet werden. Juden dagegen können ihr Schicksal noch bis zum Yom Kippur bzw. Ende Sukkot zum Guten oder auch zum Negativen wenden. Rosh Hashana ist also ein Feiertag für die gesamte Welt, der Yom Kippur aber ist ein reiner jüdischer Feiertag !

In den sephardischen Gemeinden laufen die Selichot – Gebete und diese werden zumeist nach Mitternacht begonnen. Im Jerusalemer Stadtteil Nachlaot finden wir unzählige kleine sephardische Synagogen. Von den Syrern über die Kurden bis hin zu den Iranern und Irakern ist alles vertreten.



Photo: Miriam Woelke

Hier sehr Ihr ein kleines Poster, welches die Selichot – Gebete in der NEHAR SHALOM Synagoge verkündet. Bei NEHAR SHALOM handelt es sich um eine Synagoge der jemenitischen Juden, gegründet vom bekannten jemenitischen Kabbalisten, Rabbi Mordechai Scharabi



Die NEHAR SHALOM Synagoge in Nachlaot/ Jerusalem

Photo: Miriam Woelke

Montag, August 20, 2012

Juden sephardischer Herkunft

B"H 

Nicht immer ist es soziologisch ganz korrekt zu sagen, dass alle Juden aus den Ländern Marokko, Tunesien, Algerien, Kurdistan, dem Irak sowie dem Iran, Syrien, Spanien oder Südamerika sephardische Juden sind. Es gibt kleine historische Unterschiede, wobei die jemenitischen Juden sich ebenso eine Sonderstellung einräumen. Umgangssprachlich jedoch werden die Juden der ersten Länderkategorie als SEPHARADIM (sephardische Juden) bezeichnet. 

Juden aus Europa, den USA, Kanada, Australien, Neuseeland, Südafrika, aus Teilen Südamerikas, etc. sind allgemein ASCHKENAZISCHER Herkunft. Beide Kategorien folgen vielen unterschiedlichen Bräuchen, wobei die Sepharadim als religiöser bzw. weitaus traditioneller gelten als  die westeuropäischen aschkenazischen Juden, denen im 19. Jahrhundert die Reformluft um die Nase kroch. 

Viele Leute, die Israel noch nie besucht haben, meinen fälschlicherweise, unser Land bestehe entweder vorweglich aus deutschsprachigen Juden oder zumindest einer aschkenazischen Mehrheit. Vielerorts ist aber das genaue Gegenteil der Fall. Nehmen wir nur Jerusalem als Beispiel, wo die Mehrheit der Bewohner sephardischer Abstammung ist. In Tel Aviv hingegen ist es weitgehend umgekehrt. Dann wieder gibt es Orte, deren Bewohner fast nur aus sephardischen Juden bestehen wie Ofakim, Sderot, Netivot, Gedera, Kiryat Malachi, Yafne, Arad, Dimona oder einst sogar die Stadt Beit Shemesh. Seitdem die Anglo – Neueinwanderer jedoch Beit Shemesh entdeckten, wendete sich das Blatt zur aschkenazischen Seite. 

Was ich insgesamt damit zum Ausdruck bringen will ist, dass in Israel ein extrem hoher Anteil an der sephardischen Judenschaft besteht und das nicht alles so toll westeuropäisch abläuft, eben aufgrund der verschiedenen Mentalitäten. 

Es kommt auf die Situation an, doch oft liegen mir die sephardischen Juden mehr als die aschkenazischen. Besonders dann, wenn es ums Essen geht. Ich esse gerne orientalisch scharf und da komme ich bei den Sepharadim gerade recht. Auch die Portionen sind bei ihnen reichlicher als bei den knauserigen Aschkenazim, wo man gerade einmal einen Keks auf dem Teller findet.:-) 

Sephardische Juden folgen anderen Bräuchen und beten aus ihrem eigenen Sidur (Gebetbuch). Einer ihrer Bräuche ist es, ab dem Monatsbeginn des Elul bereits die Selichot (Entschuldigungsgebete) vor dem jüdischen Neujahr Rosh Hashana zu beten. Aschkenazische Juden beginnen damit erst wenige Tage vor dem eigentlichen Fest Gebete, die bei den sephardischen Juden mit eigenen Melodien verbunden sind. 

Da ich momentan für ein paar englischsprachige jüdische Presseorgane einige Artikel vorbereite, mache ich mich heute, u.a., auf den Weg, die sephardische Selichot – Gebetsstimmung an der Klagemauer (Kotel) einzufangen. Mit Photos und Videos. Einiges davon werde ich in meinen Blogs veröffentlichen und vielleicht ist es für die deutschsprachigen Leser nicht uninteressant zu erfahren, was sich in anderen jüdischen Communities abspielt. Gerade in Jerusalem haben wir ziemlich viel davon und das Angebot ist breit gefächert. Von den syrischen Juden, dem iranischen Ritus bis hin zu den chassidischen Gruppen.

Samstag, September 24, 2011

SELICHOT vor Rosh Hashana



B"H

In der Gemara (rabbinische Diskussionen) des Talmud Traktates Nedarim 39b finden wir das Statement, dass G - tt vor der Erschaffung unseres Universums sieben Dinge erschuf. Eines davon ist die "Teschuva - Umkehr zu G - tt". Ohne die Möglichkeit der Umkehr nach einem Vergehen, könnte der Mensch nicht existieren.

In kabbalistischer Literatur heißt es, dass bevor G - tt unsere Welt erschuf, Er andere Welten erschuf.
Was bedeute das "andere Welten" ?


In Seinen Gedanken erschuf G - tt andere Welten vor der unseren materiellen Welt. G - tt ist das einzige Wesen überhaupt, welches mit Seinen Gedanken erschaffen kann. Wir Menschen hingegen benötigen unseren Körper, Werkzeuge oder Material, um etwas zu erschaffen / herzustellen.

Ebenso lautet es in der Kabbalah, dass G - tt die vorherigen Welten wieder zerstörte, denn praktisch gesehen kann ein Mensch mit einem von G - tt gegebenen FREIEN WILLEN dort nicht existieren.
Die vorherigen Welten, welche G - tt mit seinen GEDANKEN erschuf, und welche anscheinend auch nur dort existierten, waren auf DIN (GERICHT) ausgerichtet. Bedeutet, sobald ein Mensch sündigen täte, müsste G - tt diesen automatisch richten. Demnach könnte der Mensch nach einem strengen Gericht sofort sterben.

Aber ist es wirklich Sinn und Zweck unserer Erschaffung, dass wir nach jedem Vergehen, selbst, wenn es nur in unseren Gedanken stattfindet, sofort auf der Stelle gerichtet werden ? Wie lange wären wir da wohl in der Lage zu überleben ? Wenige Minuten ? Eine Stunde ?


Deswegen musste so etwas wie Teschuva (Umkehr) und Gnade (Rachamim) her. Nur so ist unsere Welt lebensfähig.
Wir Menschen bekamen von G - tt die FREIE WAHL (B'chirat Chofschit) uns für Ihn oder gegen Ihn zu entscheiden. Entweder leben wir ein moralisches oder ein unmoralisches Leben. Ein Religiöses oder ein Säkuleres.


Eines jedoch können wir immer tun: Teschuva machen. Unsere Vergehen bereuen und versuchen, in Zukunft alles besser zu machen.
Diese Tür der Teschuva hält G - tt jederzeit für uns offen. Nie ist es dazu zu spät, wobei ich gleichermassen daran erinnere, dass der Rambam (Maimonides, 1135 - 1214) in seiner "Mischna Thora - Hilchot Teschuva" Ausnahmen der Teschuva beschreibt. Für einen jeden von uns kann eine Zeit kommen, in welcher unsere Vergehen so gravierende Formen angenommen haben, dass eine Teschuva unmöglich wird und G - tt unsere Reue nicht mehr annimmt. Nehmen wir hier Hitler, Eichmann, etc. als Beispiel. Bei solchen Leuten hilft eine Umkehr nichts mehr und ihre Seelen werden vernichtet.

Bleiben wir bei weniger extremen Fällen, nämlich bei uns selbst.

Jetzt vor Rosh HaShana (jüd. Neujahrsfest), welches diesmal am Abend des 28. September beginnt, ist die Zeit der Reue und Umkehr. An Rosh HaShana richtet G - tt die gesamte Welt und ALLE Menschen auf ein weiteres Jahr. Ebenso Nichtjuden !

Wird es Hungersnöte, Vulkanausbrüche und anderweitige Katastrophen geben ? Wie wird mein persönliches Neues Jahr ausfallen ? All das wird an Rosh HaShana entschieden. Juden haben Zeit bis zum Yom Kippur und erst dann, zehn Tage nach Rosh HaShana, fällt die Entscheidung.
Juden verfügen mit ihren Gedanken, Worten und Taten (Mitzwot) die Kraft, die oberen spirituellen Welten zu beeinflussen. Anhand der Mitzwot (Gebote) können sie unsere materielle Welt in die oberen spirituellen Welten hinauf befördern.

An jüdischen Fastentagen sowie insbesondere vor Rosh HaShana wollen wir G - ttes Gnade erwecken. Schließlich wollen wir alle gnadenvoll von Ihm gerichtet werden und nicht mit zu strengem Din (Gericht). Deswegen beten wir gerade in den Tagen vor Rosh HaShana spezielle Gebete, welche sich SELICHOT nennen. Übersetzen könnte man dies mit "ENTSCHULDIGUNGEN". Wir gestehen unsere Vergehen vor G - tt ein und geloben Besserung.

Sephardische Juden (aus Marokko, Tunesien, Spanien, Kurdistan, Irak, etc.) folgen dem Brauch, die Selichot Gebete am zweiten Tag des Monatsbeginn Elul zu beginnen. Aschkenazische Juden (Europa, USA, Russland, etc.) dagegen beginnen die Selichot erst am Mozzaei Schabbat (Schabbatausklang) direkt vor dem Rosh HaShana - Fest (diesmal am 24. September). Fällt Rosh HaShana jedoch auf einen Montag oder Dienstag, so beginnen auch für die Aschkenazim die Gebete eine Woche vorher.

Die Selichot Gebete sind in einem eigenen Gebetbuch zusammengefasst und bestehen aus poetischen Texten (Piyutim) sowie aus Gebeten. Beginnen tun wir stets mit dem Psalm 145 (Aschre'i Yoshev Be'itecha …) und danach folgt ein halbes Kaddisch.

Anmerkung: Das Kaddisch ist KEIN Totengebet, wie viele meinen, sondern vielmehr preisen wir darin die Größe G - ttes. Der Text ist auf Aramäisch und die Aufgabe des Kaddisch besteht darin, unterschiedliche liturgische Abläufe während eines Gebetes / G - ttesdienstes voneinander zu trennen.
Normalerweise werden die Selichot ca. eine Stunde nach Mitternacht (oder vor dem Morgengrauen) gebetet. Die erste Nacht der Selichot ist von besonderer Wichtigkeit, denn dann sitzt G - tt Gericht.

Schon zu Zeiten der Geonim (800 - 1000 nach Beginn der Zeitrechnung) wurden Selichot gebetet. Am 25. Elul erschuf G - tt unser Universum, an Rosh HaShana wurden die ersten Menschen, Adam und Eva (Chava) kreiert. Laut dem Gaon von Vilna (GRA) beginnen aschkenazische Juden mit ihren Selichot ausgerechnet an einem Mozzaei Schabbat (Schabbatausklang), weil dies den ersten Tag der Welterschaffung repräsentiert. Der erste Tag der Erschaffung war ein Sonntag (Yom Rischon). Im Judentum beginnt der neue Tag jedoch schon mit Einbruch der Dunkelheit des vorhergehenden Tages. Somit am Abend zuvor. Demnach begann die Welterschaffung am Samstag abend und der erste Tag endete am Sonntag abend.

 
Der "Big Bang" - Die Welterschaffung



Die SELICHOT Gebete der aschkenazischen Juden vor Rosh HaShana beginnen in dieser Woche: Nach dem Schabbatausklang am Samstag abend ! Jeden darauffolgenden Tag vor dem Rosh HaShana beten wir also Selichot und das Gebetbuch ist in jeden einzelnen Tag unterteilt. Am ersten Tag beten wir beispielsweise:
 
Psalm 145 (Aschre'i), ein halbes Kaddisch, dass wir vor G - tt stehen und Seine Gnade erbitten (Lecha A - do - nai), A - do - nai - E - l - Rachum veChanun ( G - ttes Gnade ist groß)
- Dieses Gebet wird innerhalb der Selichot mehrere Male wiederholt und am Yom Kippur beten wir es unzählige Male, sodass wir es spätestens beim Ne'ilah Service (dem letzten G - ttesdienst vor dem Ausklang des Yom Kippur) auswendig kennen. Genauso wie das VIDUI (Geständnis): "Aschamnu. Bagadnu. Gasalnu. Dibarnu Dofi. He'evinu", etc.

Wir gestehen hier unsere Sünden stets im PLURAL ein ! Als das gesamte jüdische Volk.
Darüber hinaus bestehen die Selichot ebenso aus weiteren einzelnen Gebeten. Jedesmal wieder sind es bewegende Momente an der Jerusalemer Klagemauer (Kotel) zu stehen und des nachts die Selichot zu beten. Viele Betende sind dermassen vertieft in ihr Gebet (Kavanah), dass sie sogar weinen, denn es heißt, das Tränen das Tor zu G - ttes Gnade öffnen.
 Selichot


Das Buch "Shaare'i Moadim" von Chabad / Lubawitsch lehrt folgende Inhalte:

- Der Schabbat, an welchem abends die ersten Selichot gebetet werden, wird "Schabbat Selichot" genannt.

- Die Selichot vor Rosh HaShana ersetzten spezielle Opferungen aus der Tempelzeit, denn ohne den Dritten Tempel sind
Juden derzeit außerstande, Opferungen darzubringen.

 


Weiterer Link: 
 

Beginn der SELICHOT Gebete vor Rosh Hashana


B"H
Heute Nacht (circa eine Stunde nach Mitternacht) beginnen die aschkenazischen Juden in aller Welt mit den traditionellen Selichot - Gebeten vor dem Feiertag Rosh HaShana.

Sephardische Juden begannen bereits am Rosh Chodesh Elul (vor fast einem Monat) mit den Selichot.
Dem Brauch nach beginnen aschkenazische Juden die Selichot am Mozzaei Schabbat (Schabbatausklang am Samstag abend) vor dem Rosh HaShana. Rosh Hashana selber beginnt am Mittwoch abend dieser neuen Woche.

Mittwoch, August 31, 2011

Sephardische SELICHOT Gebete vor Rosh Hashana an der Kotel (Klagemauer)

B”H

Mit dem Monatsbeginn des ELUL beginnen sephardische Juden ihre SELICHOT Gebete vor dem anstehende jüdischen Neujahrsfest Rosh Hashana. Am Rosh Hashana richtet G – tt die Welt und am Yom Kippur die Juden. 

Mit dem Elul, einem Monat vor dem Neujahrsfest im Tischre’i, beginnen die Juden mit der Umkehr, damit ihnen G – tt an Rosh Hashana bzw. am Yom Kippur ein weiteres Jahr auf dieser Welt gewährt. 

Der Monat Elul vor Rosh Hashana und Yom Kippur ist die Zeit der Besinnung. Was haben wir falsch gemacht und was wollen wir persönlich im neuen Jahr 5772 besser machen. Unsere Fehler einsehen, zu G – tt umkehren und auf ein besseres, positiveres Jahr hoffen. Ein weiteres Jahr, das ist es, worum wir G – tt bitten. Ein Jahr in Frieden, Gesundheit und mit ausreichenden Finanzen. 

Die sephardischen Juden haben mit ihren Selichot – Gebeten begonnen, in denen G – tt um Vergebung gebeten wird. Er soll und unsere Vergehen vergeben, aber dazu gehört unsererseits die Einsicht, etwas falsch gemacht zu haben. Ferner muss die Absicht da sein, es in Zukunft besser zu machen.

Aschkenazische Juden beginnen mit ihren Selichot – Gebeten erst am Schabbatausklang (Mozzaei Schabbat) vor dem Rosh Hashana; bedeutet am Abend des 24. September 2011. In der Regel werden die Selichot – Gebete nach Mitternacht gebetet. Tausende Menschen strömen noch bis zum Yom Kippur an die Kotel (Klagemauer) und ich werde mich in der kommenden Woche dorthin begeben und einmal umschauen. 

Anmerkung: Selichot = Entschuldigungen, Vergebungen





Montag, September 13, 2010

SELICHOT an der Kotel (Klagemauer)


In der Nacht vor Rosh HaShana 5771:
Selichot Gebete and der Kotel (Klagemauer) in Jerusalem.

Photo: Miriam Woelke

Montag, September 06, 2010

Freitag, September 03, 2010

Schabbat Schalom


Kalorienbombe zum Rosh HaShana:
Honigkuchen mit Schokoladenguss in unserer Bäckerei

Photo: Miriam Woelke


B"H

Der letzte Schabbat vor Rosh HaShana in der kommenden Woche. Meine Arbeitskollegen machen schon Pläne, ob sie am Mittwoch (ist nur ein halber Tag, da abends der Feiertag beginnt) arbeiten und wenn ja, wielange. Man will pünktlich daheim sein und nicht noch überflüssige Arbeitsstunden schieben. Selbst dann nicht, wenn sich die Kundschaft vor dem Fest wieder einmal fast die Schädel einschlägt. Aber das ist normal, wenn ein Feiertag ansteht. Kaufen, kaufen, kaufen und die Preise schnellen in die Höhe.

Morgen abend beginnen die Selichot - Gebete der aschkenazischen Juden und somit wird es an der Kotel (Klagemauer) rappelvoll. Auch in der Innenstadt, denn viele Restaurants, Cafes oder Geschäfte bleiben dieser Tage rund um die Uhr geöffnet. Selbst unsere Bäckerei wird vermutlich in der nächsten Woche zu den offenen "Fressstellen" für Kotelhungrige gehören.

Unterdessen warte ich sehnsüchtig auf den kommenden Mittwoch, an welchem ich mit Freunden über die Feiertage wieder hinauf in den Norden fahre. Rosh HaShana in Safed mit Chabad. Fehlt nur noch der Meschiach.:-))))))

"Schabbat Schalom" an alle Leser !

Sonntag, August 29, 2010

Rabbi Chaim Brovender zum Monat ELUL und den SELICHOT Gebeten

B"H

Rabbi Chaim Brovender (Jerusalem) spricht über den Monat Elul sowie die vor Rosh HaShana anstehenden SELICHOT Gebete.
Rosh HaShana beginnt am Mittawoch abend, dem 8. September. Am Samstag abend (Mozzaei Schabbat) zuvor beginnen die Selichot Gebete, in denen wir G - tt um Gnade / Vergebung für unsere Vergehen des zuende gehenden Jahres 5770 bitten.

Bei mir lief das Video nur ca. 4,20 von den vorgesehenen sechs Minuten; dennoch setze ich es in den Blog, denn es beinhaltet ein sehr interessantes Teaching: In einer der vorherigen Thora Parashot ging es um die weibliche Kriegsgefangene, die ein jüdischer Soldat heiraten will. Er bringt sie mit vom Schlachtfeld, doch sie ist keine Jüdin und muss der Thora zufolge einige Vorbedingungen wie Haare abschneiden erfüllen. Sie weint um ihre Verwandten im Heimatland. Rabbi Brovender nennt dazu einen Passuk (Abschnitt) aus dem kabbalistischen Zohar, wo genau diese Thorastelle mit den Israeliten in der Wüste Sinai verglichen wird.

Die Rede des Rabbis ist gespickt mit Fachwörtern, die jedoch fast immer im Nachhinein erklärt werden.

Moshe stieg am 1. Elul nochmals auf den Berg Sinai, um das zweite Paar Gesetzestafeln (Luchot) entgegenzunehmen, denn das erste Paar hatte er zerschmettert als er bei seiner Rückkehr vom Berg Sinai viele Israeliten um das Goldene Kalb (Egel HaZahav) tanzen sah. G - tt sah darin ein schweres Götzendienstvergehen und wollte die Israeliten vernichten. Moshe jedoch stieg nochmals auf den Berg und bat G - tt um Gnade und Vergebung. Als Moshe einen Monat später mit dem zweiten Paar Gesetzestafeln vom Berg stieg, hatte G - tt den Israeliten vergeben. Dieser Tag ist der YOM KIPPUR !

Am Samstag abend beginnen die aschkenazischen Juden ihre SELICHOT Gebete, in denen sie G - tt um Vergebung für die Sünden des ausklingenden Jahres bitten. ER möge sie an Rosh HaShana und Yom Kippur gnädig richten. Sephardische Juden hingegen begannen ihrer Tradition zufolge die Selichot Gebete schon am 1. Elul.

Die Selichot selber setzen sich aus mehreren Versen / Gebeten zusammen und sind in speziellen jüdischen Gebetbüchern einzusehen !



SELICHOT Gebete vor Rosh HaShana

Photo: Yoffner


B"H

In der Gemara (rabbinische Diskussionen) des Talmud Traktates Nedarim 39b finden wir das Statement, dass G - tt vor der Erschaffung unseres Universums sieben Dinge erschuf. Eines davon ist die "Teschuva - Umkehr zu G - tt". Ohne die Möglichkeit der Umkehr nach einem Vergehen, könnte der Mensch nicht existieren.

In kabbalistischer Literatur heißt es, dass bevor G - tt unsere Welt erschuf, Er andere Welten erschuf.
Was bedeute das "andere Welten" ?
In Seinen Gedanken erschuf G - tt andere Welten vor der unseren materiellen Welt. G - tt ist das einzige Wesen überhaupt, welches mit Seinen Gedanken erschaffen kann. Wir Menschen hingegen benötigen unseren Körper, Werkzeuge oder Material, um etwas zu erschaffen / herzustellen.

Ebenso lautet es in der Kabbalah, dass G - tt die vorherigen Welten wieder zerstörte, denn praktisch gesehen kann ein Mensch mit einem von G - tt gegebenen FREIEN WILLEN dort nicht existieren. Die vorherigen Welten, welche G - tt mit seinen GEDANKEN erschuf, und welche anscheinend auch nur dort existierten, waren auf DIN (GERICHT) ausgerichtet. Bedeutet, sobald ein Mensch sündigen täte, müsste G - tt diesen automatisch richten. Demnach könnte der Mensch nach einem strengen Gericht sofort sterben.

Aber ist es wirklich Sinn und Zweck unserer Erschaffung, dass wir nach jedem Vergehen, selbst, wenn es nur in unseren Gedanken stattfindet, sofort auf der Stelle gerichtet werden ? Wie lange wären wir da wohl in der Lage zu überleben ? Wenige Minuten ? Eine Stunde ?
Deswegen musste soetwas wie Teschuva (Umkehr) und Gnade (Rachamim) her. Nur so ist unsere Welt lebensfähig. Wir Menschen bekamen von G - tt die FREIE WAHL (Bechirat Chofschit) uns für Ihn oder gegen Ihn zu entscheiden. Entweder leben wir ein moralisches oder ein unmoralisches Leben. Ein Religiöses oder ein Säkuleres.
Eines jedoch können wir immer tun: Teschuva machen. Unsere Vergehen bereuen und versuchen, in Zukunft alles besser zu machen. Diese Tür der Teschuva hält G - tt jederzeit für uns offen. Nie ist es dazu zu spät, wobei ich gleichermassen daran erinnere, dass der Rambam (Maimonides, 1135 - 1214) in seiner "Mischna Thora - Hilchot Teschuva" Ausnahmen der Teschuva beschreibt. Für einen jeden von uns kann eine Zeit kommen, in welcher unsere Vergehen so gravierende Formen angenommen haben, dass eine Teschuva unmöglich wird und G - tt unsere Reue nicht mehr annimmt. Nehmen wir hier Hitler, Eichmann, etc. als Beispiel. Bei solchen Leuten hilft eine Umkehr nichts mehr und ihre Seelen werden vernichtet.

Bleiben wir bei weniger extremen Fällen, nämlich bei uns selbst.

Jetzt vor Rosh HaShana (jüd. Neujahrsfest), welches diesmal am Abend des 8. September beginnt, ist die Zeit der Reue und Umkehr. An Rosh HaShana richtet G - tt die gesamte Welt und ALLE Menschen auf ein weiteres Jahr. Ebenso Nichtjuden !

Wird es Hungersnöte, Vulkanausbrüche und anderweitige Katastrophen geben ? Wie wird mein persönliches Neues Jahr ausfallen ? All das wird an Rosh HaShana entschieden. Juden haben Zeit bis zum Yom Kippur und erst dann, zehn Tage nach Rosh HaShana, fällt die Entscheidung.
Juden verfügen mit ihren Gedanken, Worten und Taten (Mitzwot) die Kraft, die oberen spirituellen Welten zu beeinflussen. Anhand der Mitzwot (Gebote) können sie unsere materielle Welt in die oberen spirituellen Welten hinauf befördern.

An jüdischen Fastentagen sowie insbesondere vor Rosh HaShana wollen wir G - ttes Gnade erwecken. Schließlich wollen wir alle gnadenvoll von Ihm gerichtet werden und nicht mit zu strengem Din (Gericht). Deswegen beten wir gerade in den Tagen vor Rosh HaShana spezielle Gebete, welche sich SELICHOT nennen. Übersetzen könnte man dies mit "ENTSCHULDIGUNGEN". Wir gestehen unsere Vergehen vor G - tt ein und geloben Besserung.

Sephardische Juden (aus Marokko, Tunesien, Spanien, Kurdistan, Irak, etc.) folgen dem Brauch, die Selichot Gebete am zweiten Tag des Monatsbeginn Elul zu beginnen. Aschkenazische Juden (Europa, USA, Russland, etc.) dagegen beginnen die Selichot erst am Mozzaei Schabbat (Schabbatausklang) direkt vor dem Rosh HaShana - Fest (diesmal am 12. September). Fällt Rosh HaShana jedoch auf einen Montag oder Dienstag, so beginnen auch für die Aschkenazim die Gebete eine Woche vorher.

Die Selichot Gebete sind in einem eigenen Gebetbuch zusammengefasst und bestehen aus poetischen Texten (Piyutim) sowie aus Gebeten. Beginnen tun wir stets mit dem Psalm 145 (Aschre'I Yoshev Be'itecha …) und danach folgt ein halbes Kaddisch.

Anmerkung: Das Kaddisch ist KEIN Totengebet, wie viele meinen, sondern vielmehr preisen wir darin die Größe G - ttes. Der Text ist auf Aramäisch und die Aufgabe des Kaddisch besteht darin, unterschiedliche liturgische Abläufe während eines Gebetes / G - ttesdienstes voneinander zu trennen.
Normalerweise werden die Selichot NACH Mitternacht (oder vor dem Morgengrauen) gebetet. Die erste Nacht der Selichot ist von besonderer Wichtigkeit, denn dann sitzt G - tt Gericht.


Schon zu Zeiten der Geonim (800 - 1000 nach Beginn der Zeitrechnung) wurden Selichot gebetet. Am 25. Elul erschuf G - tt unser Universum, an Rosh HaShana wurden die ersten Menschen, Adam und Eva (Chava) kreiert. Laut dem Gaon von Vilna (GRA) beginnen aschkenazische Juden mit ihren Selichot ausgerechnet an einem Mozzaei Schabbat (Schabbatausklang), weil dies den ersten Tag der Welterschaffung repräsentiert. Der erste Tag der Erschaffung war ein Sonntag (Jom Rischon). Im Judentum beginnt der neue Tag jedoch schon mit Einbruch der Dunkelheit des vorhergehenden Tages. Somit am Abend zuvor. Demnach begann die Welterschaffung am Samstag abend und der erste Tag endete am Sonntag abend.




Der "Big Bang" - Die Welterschaffung
Photo: Washington Post


Die SELICHOT Gebete der aschkenazischen Juden vor Rosh HaShana beginnen in dieser Woche: Nach dem Schabbatausklang am Samstag abend !
Jeden darauffolgenden Tag vor dem Rosh HaShana beten wir also Selichot und das Gebetbuch ist in jeden einzelnen Tag unterteilt. Am ersten Tag beten wir beispielsweise:
Psalm 145 (Aschre'I), ein halbes Kaddisch, dass wir vor G - tt stehen und Seine Gnade erbitten (Lecha A - do - nai), A - do - nai - E - l - Rachum veChanun ( G - ttes Gnade ist groß)
- Dieses Gebet wird innerhalb der Selichot mehrere Male wiederholt und am Yom Kippur beten wir es unzählige Male, sodass wir es spätestens beim Ne'ilah Service (dem letzten G - ttesdienst vor dem Ausklang des Yom Kippur) auswendig kennen. Genauso wie das VIDUI (Geständnis): "Aschamnu. Bagadnu. Gasalnu. Dibarnu Dofi. He'evinu", etc.

Wir gestehen hier unsere Sünden stets im PLURAL ein ! Als das gesamte jüdische Volk.
Darüber hinaus bestehen die Selichot ebenso aus weiteren einzelnen Gebeten. Jedesmal wieder sind es bewegende Momente an der Jerusalemer Klagemauer (Kotel) zu stehen und des nachts die Selichot zu beten. Viele Betende sind dermassen vertieft in ihr Gebet (Kavanah), dass sie sogar weinen, denn es heißt, das Tränen das Tor zu G - ttes Gnade öffnen.

 Selichot



Photo: Jewish Software


Das Buch "Shaare'i Moadim" von Chabad / Lubawitsch lehrt folgende Inhalte:

- Der Schabbat, an welchem abends die ersten Selichot gebetet werden, wird "Schabbat Selichot" genannt.

- Die Selichot vor Rosh HaShana ersetzten spezielle Opferungen aus der Tempelzeit, denn ohne den Dritten Tempel sind
Juden derzeit außerstande, Opferungen darzubringen.
Photo: Chabad

Links zur Welterschaffung:

Zurück zum Ursprung, Teil 1

Zurück zum Ursprung, Teil 2

Donnerstag, August 12, 2010

Die sephardischen Juden begannen mit ihren SELICHOT Gebeten



B"H

Die sephardischen Juden begannen in der vergangenen Nacht mit ihren SELICHOT Gebeten vor Rosh HaShana. Da ich gestern nacht arbeitete, hörten meine sephardischen Kollegen und ich im Radio  eine Live - Übertragung eines sephardischen Gebetsservices. Die Melodien sind manchmal gewöhnungsbedürftig, doch hat mir die Übertragung sehr gefallen !




Hier einige Photos von sephardischen Juden beim SELICHOT beten.









Alle Photos gibt es hier:

http://www.bhol.co.il/news_read.asp?id=6757&cat_id=1

Mittwoch, September 23, 2009

Zum YOM KIPPUR

B"H


Was Du nicht willst, dass man Dir antut, tue auch keinem anderen an !

Selichot an der Kotel (Klagemauer)

B"H

Die SELICHOT - Gebete halten nach wie vor an und hier einige Bilder dazu von der Jerusalemer Klagemauer (Kotel):












Sämtliche Bilder gibt es hier zu sehen:

http://www.bhol.co.il/news_read.asp?id=12419&cat_id=2

Sonntag, September 13, 2009

Selichot in Vishnitz

B"H

Wow, grandios ! Eine eindrucksvolle Atmosphäre und hoffentlich finde ich morgen oder übermorgen abend die Zeit, zu Vishnitz nach Bnei Brak (bei Tel Aviv) hinauszufahren.

Es ist zwar immer ein tolles Erlebnis, seine Selichot an der Kotel (Klagemauer) zu beten, dennoch, eine richtig chassidische Atmosphäre lässt sich auch nicht verachten !

http://chassidicstories.blogspot.com/2009/09/selichot-in-vishnitz.html