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Sonntag, November 11, 2012

In der Nähe des Grabes von Rabbi Yitzchak Luria



B"H 

Das Video nahm ich nahe dem Grab des berühmten mittelalterlichen Kabbalisten, Rabbi Yitzchak Luria (Kurzname: ARI) auf. Rabbi Luria (1534 -1572) lebte insgesamt nur ein Jahr in Zfat bevor er starb, doch in der kurzen Zeit wurde er zum Nachfolger des berühmten Kabbalisten, Rabbi Moshe Cordovero, ausersehen. Rabbi Cordovero, der, u.a., einen grandiosen Kommentar zum kabbalistischen Buch ZOHAR verfasst (den Kommentar OR YAKAR), verstarb nur wenige Tage, nachdem sich Rabbi Luria in Zfat niedergelassen hatte. 

Außerdem im Video: Die Umgebung des antiken Friedhofs von Zfat mit den gegenüberliegenden Bergen von Meron, wo der talmudische Rabbiner Schimon bar Yochai beerdigt liegt.

Ferner sehen wir die Metalltribünen um das Grab des ARI, welche es den Cohanim (Tempelpriestern und Nachkommen Aharons) ermöglichen, den Friedhof zu besuchen. Laut der jüdischen Halacha ist es Cohanim untersagt, mit Unreinheiten in Berührung zu kommen und Tote sind darin mitenthalten. Um jedoch den Cohanim den Besuch eines Friedhofes zu ermöglichen, finden wir vielerseits derlei Metallgestelle auf jüd. Friedhöfen. Somit betreten die Cohanim nicht den Boden des Friedhofs und werden nicht unrein. Teilweise dienen die Metallpfade auch als Wegetrennung von Mann und Frau. Dies allerdings nur bei grossen Besucherandrang. Als ich Ende Oktober dieses Video aufnahm, konnte ich mich auf dem Friedhof durchaus frei bewegen.

Leider werden aufgrund der Metallgestelle andere Gräber verdeckt, was mich persönlich etwas stört.

Donnerstag, November 08, 2012

Was lehrt uns die Thoralesung CHAYE SARAH ?


Gesehen in Jerusalem

Photo: Miriam Woelke

B"H

Jede Thoralesung hat ja so ihre Mitzwot (Gesetze). Zum Beispiel ging es in LECH LECHA vor zwei Wochen um die Beschneidung (Brit Milah) oder in Bereschit vor einigen Wochen gab G – tt das Gebot der Fortpflanzung (welches in der Regel im Judentum in erster Linie auf den Mann zutrifft, doch weniger auf die Frau). 

Die dieswöchige Thoralesung CHAYE SARAH enthält zwar keine direkten Thoragesetze, dennoch will sie uns etwas ganz Bestimmtes lehren: Nämlich, dass wir Toten Respekt zollen sollen. Darüber hinaus müssen wir in die Zukunft schauen und planen. 

Avraham gibt uns in CHAYE SARAH das beste Beispiel: Er kaufte eine Grabstätte für Sarah, sich selbst und seine Nachkommen. Gleichzeitig liess er seinen Bediensteten Eliezer nach einer passenden Frau für Sohn Yitzchak suchen.

Sonntag, September 02, 2012

Selbstmord im Judentum

B"H  

Sicherlich kein schönes Thema und ich will hier niemanden in die Depression schicken. Trotzdem mag der der jüdische Standpunkt zum Thema "Selbstmord" für den einen oder anderen Leser von Interesse sein. 

Um es gleich direkt auszudrücken: Selbstmord ist im Judentum verboten und viele jüdische Friedhöfe beerdigen Selbstmörder bis heute in einer Ecke am Zaun. 

Was aber, wenn ein Jude sich, aus welchem Gründen auch immer, das Leben nimmt ? Wenn er dabei meint, dass G – tt ihm schon verzeihen bzw. sein Problem verstehen und ihn nicht bestrafen werde ? Die jüdische Welt auf Erden mag denjenigen als Selbstmörder richten, doch G – tt lasse im Himmel Gnade walten. 

Zu diesem Thema sagte mir einmal ein Rabbiner aus Jerusalem (und ich meine, das Konzept ist ebenso im kabbalistischen Buch ZOHAR verankert): 

"Wenn sich ein Jude das Leben nimmt, steigt seine Seele nicht zu G – tt auf um gerichtet zu werden, sondern sie bleibt auf dem Weg nach oben in einer Art Twilight Zone hängen". 

Wie lange die Seele in einem Raum zwischen der Erde und G – tt hängenbleibt, entzieht sich meiner Kenntnis. Jedenfalls sollte jeder Jude, der mit dem Gedanken des Selbstmords spielt wissen, dass sich seine Seele weder hier noch dort befinden wird. Zumindest für eine bestimmte Zeit.

Dienstag, Juli 24, 2012

Die Yahrzeit des Kabbalisten Rabbi Yitzchak Luria


Der Friedhof von Safed / Nordisrael beherbergt nicht nur reguläre Gräber, wie wir es gewohnt sind, sondern ebenso Höhlen mit vielen Einzelgräbern darin.

Oben rechts im Bild sehen wir den gesamten Grabeskomplex des Rabbi Yitzchak Luria. Sein Grab ist das meistbesuchte auf dem Friedhof und es finden viele Gedenkveranstaltungen statt. Die Gerüste sind teilweise zu dem Zweck angelegt, damit die Cohanim (Nachkommen der Priesterfamilie des Aharon - Bruder des Moshe) einen Friedhof besuchen können. Im Judentum besteht das Gesetz, dass Cohanim aus Reinheitsgründen nicht mit der Unreinheit des Todes in Berührung kommen dürfen. Wenn die Cohanim jedoch nicht mit dem Friedhofsboden selbst in Berührung kommen, so ist es ihnen erlaubt, einen Friedhof zu "betreten".

Photo: Miriam Woelke

B"H

Die jüdische Welt gedenkt heute einer wichtigen Yahrzeit (Todesgedenktag). Der berühmte mittelalterliche Kabbalist, Rabbi Yitzchak Luria, verstarb heute am 5. Tag des jüdischen Monat Av. Im Alter von nur 38 Jahren verstarb Rabbi Luria im Jahre 1572. Der Verdienst des Rabbi Yitzchak Luria war es, der Kabbalah eine bis dahin unbekannte Symbolik hinzuzufügen. Ohne die in der jüdischen Kabbalah allgemein üblichen Symbolsprache wären wir nie in der Lage, G – ttes Welterschaffungsprozess und Sein Handeln auch nur annähernd zu begreifen. Allerdings muss angemerkt warden, dass die Symbolsprache lediglich eine Idee gibt und keinerlei endgültige Resultate liefert, denn diese kennt nur G – tt allein.


In der Kleinstadt Safed gibt es zwei Synagogen des bekannten Kabbalisten Rabbi Yitzchak Luria (des ARI): Eine sephardische sowie eine aschkenazische Synagoge.
Hier nur ein kleiner Vorgeschmack auf die aschkenasische Synagoge des ARI.


Photo: Miriam Woelke

Weitere Links zum Thema:





Freitag, Juni 22, 2012

3. Tammuz (Gimmel Tammuz) in Chabad - Lubawitsch

B"H

Die chassidische Gruppe Chabad (Lubawitsch) hat an diesem Schabbat ihren großen Tag. Der 3. Tammuz (Gimmel Tammuz) steht an. Der Tag, an dem der letzte Rebbe Menachem Mendel im Juni 1994 verstarb.

Chabad begeht den Tag festlich, denn die Seele eines Verstorbenen soll auf seinem Todesgedenktag erhoben werden. Eine jüdische Tradition. Ich nehme daher an, dass in den Chabad – Synagogen morgen eine "Meshiach Meal – Se’udat Meshiach" serviert wird. Nicht, weil alle Chabadnikim meinen, der letzte Rebbe komme als Meschiach wieder. Vielmehr bedeutet die "Se’udat Meshiach" in Chabad eine festliche Einleitung der Ankunft des Meschiach und steht somit für ein altes generelles chassidisches Konzept. Nämlich die Zeit des Meschiach näherzubringen. Wobei dies nicht unbedingt etwas mit dem Lubawitscher Rebben zu tun hat.

Diejenigen in Chabad, die in Rebbe Menachem Mendel tatsächlich den Meschiach sehen, sind der Ansicht, dass der Rebbe niemals starb, sondern am Gimmel Tammuz für unsere Augen unsichtbar wurde. Er stieg in höhere Spähren auf, residiert jedoch nach wie vor in seinem Haus am Eastern Parkway 770 in Crown Heights / New York. Wenn die Zeit kommt, wird er sich als Meschiach zurückmelden.

Mehr Infos dazu hier:





Photo: Miriam Woelke

Das Chabad – Haus in Zfat (Safed) in Nordisrael. Die Kleinstadt ist für ihren extrem hohen Anteil an Lubawitscher Chassidim bekannt. Auch dafür, dass die Mehrheit der lokalen Chabadnikim glühende Anhänger der "Rebbe Menachem Mendel ist der Meschiach" - Ideologie sind. 

Kurz gesagt, bei Chabad in Zfat dreht sich alles um den letzten Rebbe und seiner Person als Meschiach.

Montag, Juni 04, 2012

Kostenloses YAHRZEIT App

B"H 

Neulich lud ich mir ein kostenloses Yahrzeit App herunter und wer sich dafür interessiert, der findet es HIER. 

Unter YAHRZEIT (in Hebräisch AZKARAH) versteht man den Todestag einer Person. Im Judentum wird der Todestag besonders "gefeiert". Das mag sich für den Außenstehenden schlimm anhören, ist es aber bei genauerer Betrachtung nicht. Normalerweise wird eine Yahrzeit mit der Einladung von Freunden, Bekannten und Verwandten, die den Toten kannten oder auch nicht, begangen. Festliches Essen wird serviert und ein jeder kann seine Erlebnisse mit dem Toten zum Besten geben. Auf diese Weise wird die Seele des Toten erhoben.

Donnerstag, Mai 03, 2012

Parashat EMOR - פרשת אמור


Blick auf den Ölberg mit dem jüdischen Friedhof am Abhang

Photo: Miriam Woelke
B"H

Zu Beginn der Parashat (Thoralesung) EMOR trägt G – tt Moshe auf, den Cohanim (Tempelpriester), den Nachkommen (Söhnen) Aharons, zu sagen, dass sie sich von bestimmten Unreinheiten fernzuhalten haben.

Wortdefinition: EMOR = Sagen. Moshe soll den Cohanim, den Söhnen Aharons SAGEN, dass … 

Der polnisch - chassidische Rabbiner Elimelech von Lizhensk (Rabbi Elimelech Weisblum, 1717 – 1787) stellt die Frage, warum G – tt an dieser Stelle sagt: "Den COHANIM, den SÖHNEN AHARONS". Waren die Cohanim (Tempelpriester) nicht eh alles die Nachkommen des Aharon ? Wozu also diese Unterteilung bzw. zweimalige Erwähnung ? 

Rabbi Elimelech definiert aus dem Kontext heraus, dass es zweierlei Arten Zaddikim (Gerechte) und Cohanim gibt. Nämlich jene, die absolut ernsthaft bei der Sache sind und die zweite Gruppe, zumeist die Nachkommen, welche halt die Cohanim – Stellung innehalten,weil ihr Vater ein Cohen war. Richtiges Interesse aber haben sie nicht immer. Aber selbst wenn sie nicht mehr so aufrichtig sein sollten in ihrem Handeln, wie ihre Väter, so besitzen sie dennoch vor G – tt die Pluspunkte ihrer Väter und können in gewissem Maße davon zehren. Beispiel: Die heutigen Juden, inklusive den religiösen, sind nicht so dermassen fromm wie die Vorväter Avraham, Yitzchak oder Yaakov. Trotzdem wird sich G – tt immer an die großen Taten der Vorväter erinnern und zu den heutigen Juden halten. Selbst dann, wenn sie nicht immer ganz so fromm sein sollten. 

Kurz darauf heißt es in der Parasha, dass Cohanim sich von zwei Dingen distanzieren müssen: 
1. Sie dürfen keine Konvertitinnen oder keine geschiedene Frau heiraten. 
2. Cohanim dürfen nicht mit Toten in Berührung kommen und aus diesem Grund noch nicht einmal einen Friedhof betreten. Nummer 2 scheint auf den ersten Blick ein eher seltsames Gebot zu sein, doch in der Parasha erklärt G – tt den Hintergrund. Die Kabbalah geht noch viel weiter darauf ein. Insbesondere das kabbalistische Buch ZOHAR, welches beschreibt, wie unrein ein toter Körper sein kann. Gerade kurz nach dem Tod eines Menschen spielen sich unterschiedliche Dinge ab. Die Seele verläßt den Körper und aufgrunddessen wird der Körper unrein. Wann die Seele wohin aufsteigt oder wie lange sie im Körper verbleibt, darüber diskutiert nicht nur die Kabbalah, sondern auch der Talmud Traktat Berachot. 

Im Judentum besteht das Gesetz einen Verstorbenen unverzüglich zu begraben und nicht zu warten. Je länger die Zeit zwischen dem Todeszeitpunkt und dem Begräbnis, desto länger befindet sich die Seele des Toten gefangen in einem Twilight. Sie ist nicht auf Erden und nicht im Himmel, sondern in einer Art Grauzone (dies einmal symbolisch ausgedrückt). 

Praktisch gesehen ist es für einen Cohen kompliziert, einen Friedhof zu besuchen. Richtig aktuell wird das Thema wieder in der kommenden Woche, denn dann feiern wir gegen Ende der Woche das LAG BA’OMER, den 33. Tag des Omer. Hunderttausend Juden werden sich an dem Tag in Meron (Nordisrael) versammeln. Am Grab des talmudischen Rabbi Schimon bar Yochai, denn Lag Ba’Omer ist dessen Todestag. Und laut vielen Meinungen war es Rabbi Schimon, welcher den ZOHAR verfasste. Zwar nicht niederschrieb, sondern seine Mystik mündlich an seine Anhängerschaft weitergab. 

Sämtliche chassidischen Gruppen und deren Rebbes werden sich am nächsten Mittwoch abend bzw. Donnerstag in Meron versammeln und die traditionellen Feuer anzünden. Einige der Rebben sind jedoch Cohanim wie, z.B., der Rebbe der chassidischen Gruppe Toldot Aharon aus Jerusalem. Wie bekommt man den Rebben den Berg zum Grab des Rabbi Schimon hinauf, wenn er doch keinen Friedhof betreten darf ? HIER die Antwort !


Andere jüdische Friedhöfe hingegen bauten extra Brücken für Cohanim. Ein komplizertes halachisches Thema und der Bau wird stets von Rabbinern überwacht wie hier in Tiberias:

http://hamantaschen.blogspot.com/2010/11/eine-koschere-strasse-fur-cohanim-in.html

Samstag, November 19, 2011

Auf den Friedhof am Schabbat ?

B”H 

Ein Leser googelte die Frage, ob es erlaubt sei, am Schabbat den Friedhof zu besuchen. Die Antwort lautet, dass Juden am Schabbat nicht auf den Friedhof gehen, denn ein Friedhof kann in vielen Fällen mit Trauer verbunden sein. Am Schabbat aber sollen wir nicht trauern, sondern den Alltag gedanklich beiseite legen und uns auf erfreuliche Dinge konzentrieren. Dies betrifft, u.a., auch, dass jemand sogar seine finanziellen Probleme vergisst. Jedenfalls solange, bis der Schabbat vorüber ist. 

Während der Zwischenfeiertage an Pessach und Sukkot (Laubhüttenfest) folgen aschkenazische und sephardische Juden unterschiedlichen Bräuchen. Aschkenazim besuchen an den Zwischenfeiertagen keinen Friedhof, Sepharadim hingegen schon.

Samstag, September 17, 2011

Ex – Haredi Yoel Hazroni nahm dich das Leben

B”H  

Vor circa zwei oder drei Wochen nahm sich der einstige Haredi (ultra – orthodoxe Jude) Yoel Hazroni aus Modi’in Illit (Kiryat Sefer nahe Modi’in) das Leben, indem er sich in seiner Tel Aviver Wohnung erhängte. Yoel stieg erst vor wenigen Jahren aus der haredischen Gesellschaft aus. Genau wie sein älterer Bruder einige Jahre vor ihm. Zuerst lebten die Beiden gemeinsam in einem Apartment in Bat Yam. Kurz darauf zog es Yoel nach Tel Aviv und sein Bruder zog nach Petach Tikwah (bei Tel Aviv). In Tel Aviv lebte Yoel Hazroni in einer WG mit Shai Gold, der ihn erhängt auffand. 

Vor noch nicht allzu langer Zeit gab Yoel offen zu, schwul zu sein und schloss sich der Tel Aviver Gay Community an. Während all der Zeit erhielt er Unterstützung von seinem Zuhause, was nicht gerade der Fall bei jedem davon gelaufenen Haredi ist. Normalerweise brechen die frommen Eltern den Kontakt ab und ihr nun säkuler lebendes Kind gehört nicht mehr zur Familie. Bei Yoel Hazroni war dies anders und er besucht seine Familie in Kiryat Sefer und sie ihn in Tel Aviv. Auch noch als er zugab, homosexuell zu sein. 

Ein oder zwei Tage vor seinem Tod traf sich die Familie zum Todestag des Vaters von Yoel. Dort soll ein Bruder des Vaters Yoel beleidigt haben, doch genaue Inhalte des Gespräches sind nicht bekannt. Jedenfalls war Yoel danach außer sich. Viele Freunde und einige Blogs stellen die Frage, ob der Onkel der Grund für den Selbstmord war. Eine Antwort darauf werden wir nie erhalten. 

Yoel Hazroni wurde auf dem Jerusalemer Har HaMenuchot Friedhof beigesetzt. Die Halacha schreibt vor, dass jüdische Selbstmörder nicht direkt auf dem Friedhof mit allen anderen begraben werden, sondern auf einer separat gehaltenen Fläche. Selbstmord ist im Judentum verboten. 

Allerdings sagt die Halacha ebenso, dass ein Jude bis zum letzten Atemzug die Möglichkeit hat, zu G – tt zurückzukehren und zu bereuen. Woher aber wollen wir wissen, ob jemand im letzten Augenblick doch noch alles bereute ? Tat er es oder nicht ? Aus diesem Grund des Zweifels hat der Jude ein Anrecht auf eine halachisch angemessene Beerdigung. Nur eben nicht immer im Zentrum des Friedhofes, sondern am Zaun. 

Yoel Hazronis Tod ist tragisch und die Frage ist, warum er keine professionelle psychologische Hilfe in Anspruch nahm. Gerade Tel Aviv ist ein Eldorado der Help Lines für haredische Aussteiger, was ich aus eigener Erfahrung weiss. Auf alle Fälle aber sollten wir alle aus Yoels Tod heraus lernen, nach Hilfe zu suchen und auch in Anspruch zu nehmen. 

Link:

Video von YOEL HAZRONI

Dienstag, Mai 10, 2011

Leserfrage: Gehen Juden am Schabbat auf den Friedhof ?

B"H

Ein Leser fragte, ob Juden am Schabbat auf den Friedhof gehen.

Antwort: Nein, tun sie nicht ! Zumindest keine orthodoxen Juden.

Der Grund ist ganz einfach: Der Schabbat spiegelt einen freudigen Tag wieder und, wenn es geht, soll jegliche Trauer vermieden werden. Deswegen wird der Friedhof an einem Wochentag aufgesucht. 

An den Zwischenfeiertagen (Chol HaMoed) an Pessach und Sukkot gibt es bei aschkenasischen Juden den Brauch, den Friedhof nicht aufzusuchen, sondern vor Feiertagsbeginn. Sephardische Juden besuchen am Chol HaMoed Pessach + Sukkot sehr wohl den Friedhof.

Donnerstag, Mai 05, 2011

Parashat EMOR



B"H
 
Die Thoralesung für diesen Schabbat

Zu Beginn der dieswöchigen Thoralesung EMOR trägt G - tt den Cohanim (Tempelpriester und Nachkommen Aharons) auf, sich REIN (Tahor) zu halten. Wen sie heiraten dürfen und dass sie nicht mit Leichen in Berührung kommen sollen, welche sie unrein (Tameh) machen. Hierzu kommentiert der Rebbe der Chassidut Toldot Avraham Yitzchak, Shmuel Yaakov Kahn, dass eine solche Unreinheit immer mehr nach sich zieht als vorher angenommen. Mit der Unreinheit kommen ebenso die unreinen Aktivitäten und die Yetzer HaRah (negative Seite in uns) will uns vom rechten Wege abbringen.

Der Thorakommentator Shem MiShmuel, Rabbi Shmuel Borenstein (oder Bernstein), 1856 - 1926, fragt, warum sich ausgerechnet die Cohanim von Toten fernhalten sollen, um sich selber keine Unreinheit zu verursachen. Seine Antwort darauf lautet, dass beim allerersten Vergehen der Menschheitsgeschichte (nämlich im Paradies) jene Tatsache eine Rolle spielte, insofern Adam und Eva (Chava) imperfekt waren.

Was bedeutet "perfekt" ?

Wenn ich mein Augenmerk nicht auf die Zukunft ausrichte, sondern auf die Gegenwart, dem Jetzt, wo ich G - ttes Willen, erfülle. Die beiden ersten Menschen waren nicht imstande, den Willen G - ttes in aller Perfektheit auszuführen, denn sie liessen sich beeinflussen. Aus diesem Grund erhielten den Juden die Thoramitzwot und die Cohanim weitere Gesetze, welche nur auf sie zutreffen. Bis heute übrigens !

Zuerst macht G - tt mit der Gabe der Thora an das jüdische Volk klar, dass Er zwischen Juden und Nichtjuden unterscheidet. Beide haben bestimmte Aufgaben im Leben und die der Juden ist es, nach der Thora zu leben. Rabbi Samson Raphael Hirsch kommentiert, dass wer ein "heiliges" Leben führt und sich nach der Thora richtet, somit seine gesamte Existenz positiv beeinflusst.

In Parashat Emor jedoch macht G - tt einen weiteren Unterschied. Nämlich den zwischen den regulären Juden und dem der Cohanim (Tempelpriester) und Nachkommen Aharons. Diese unterscheiden sich von den regulären Juden insofern als das sie zusätzliche Gesetze bekommen. Sowohl für den Tempeldienst als auch für das Privatleben. Cohanim sollen ein Vorbild für andere Juden sein und G - tt sieht sie für sich selbst als heilig (kadosch) an. Die Nachfahren Aharons, die Cohanim, sind heilig für G - tt. Dies bedeutet nicht, dass wir, die nicht dazugehören nun alle neidisch sein müssen. Jeder einzelne von uns hat seine bestimmte Aufgabe im Leben und die Cohanim haben die ihre.
G - tt sah durch die speziellen Gesetze für die Cohanim vor, dass seine Gedanken stets bei G - tt haben soll und er sich deswegen von jeglicher Unreit fern halten soll. Das höchste Lebensideal sozusagen (Rabbi Samson Raphael Hirsch). G - tt proklamierte Seinen Willen im Zentrum des Judentums. Zum ersten Male geschah dies am Berg Sinai, an der Er uns die Thora gab, welche wiedrum Seinen Willen ausdrückt.

Was mich immer am Inhalt dieser Parasha störte war die Mitzwah (Gebot), dass Cohanim mit bestimmten körperlichen Defekten keine Opferungen bringen dürfen. Ich betrachtete das immer als etwas rassistisch, suchte aber nie richtig nach dem Sinn dieses Gebotes und vergaß die Angelegenheit jedesmal wieder. Bis zu einem Schabbatessen bei Rabbi Mordechai Machlis, bei dem jener plötzlich auf das Thema zu sprechen kam und genau meine Gedanken vortrug.
Er, der Rabbi, selbst hätte genauso Probleme den Sinn darin zu verstehen. Er erzählte, dass er diesbezüglich einen Freund befragte, der ihm folgende Antwort gab:

Vielleicht ist das Gelände um das Allerheiligste (Kodesh HaKedoshim) und der sich davor befindenden Opferplatz Teil einer höheren Welt, in der die vollkommene Perfektion herrscht und nichts Imperfektes erlaubt ist. So eine Art Schabbat, an welchem wir ebenso in die oberen spirituellen Welten eindringen können, in denen kein Platz für weltliche Belange wie Arbeit besteht.

Aber nicht nur die Cohanim bekamen neue Mitzwot, sondern auch wir. Die Einhaltung des Schabbats wird erneut erwähnt. Außerdem die Zählung des Omer (Sefirat HaOmer), in der wird uns gerade befinden. Danach folgen Rosh HaShana (jüd. Neujahrsfest), Yom Kippur, Sukkot (das Laubhüttenfest) und Shemini Atzeret, bei denen es sich um meine bevorzugten Feiertage handelt.

Fast am Schluss der Parasha wird uns kurz von einem seltsamen Ereignis berichtet. Der Sohn einer israelitischen Mutter und eines ägyptischen Vaters kommt in das israelitische Lager in der Wüste. Nachdem der Sohn, dessen Namen nie genannt wird, G - tt verfluchte, brachten ihn die Israeliten zu Moshe, damit dieser über ihn richte. Zu dem Zeitpunkt nennt die Thora plötzlich den Namen der Mutter, welcher "Schlomit Bat Dibri" lautet. G - tt befiehlt Moshe den Sohn zu steinigen und gleichzeitig soll jeder, der in der Zukunft G - tt verflucht, gesteinigt werden.

Im vorherigen Paragraph war noch vom Schabbat die Rede und aus heiterem Himmel wird das Thema gewechselt. Wie wir aber wissen, steht nichts Überflüssiges oder Bedeutungsloses in der Thora und alles Erwähnte will uns etwas sagen bzw. lehren. Der Rokeach und der Arizal (Rabbi Yitzchak Luria) sehen zwischen dem zuvor erwähnten Schabbat und den darauffolgenden Flüchen des Sohnes den Zusammenhang, dass sich das Ereignis am Schabbat selbst zutrug.

Doch woher kam dieser Sohn genau ?
Erinnern wir uns zurück an die Parashat Shemot (Exodus), in der Moshe einen Ägypter tötete. Die Mehrheit der Thorakommentatoren (u.a. Rabbi Yitzchak Luria in "Shaar HaPesukim") sind sich einig, dass dieser Ägypter der Vater des Sohnes war und damals ein Verhältnis mit Schlomit Bat Dibri führte.
Diese betrug ihren israelitischen Ehemann, der sie nach der Entdeckung des Verhältnisses verließ. Doch Schlomit war schwanger vom Ägypter und bekam einen Sohn, welcher der Halacha (jüd. Gesetz) nach Jude war, da er eine jüdische Mutter hatte. Gleichzeitig aber betrachten die Midrasch Rabbah, Yalkut Reuveni und der Ramban ihn jedoch als "Mamzer". Mamzer deshalb, weil seine israelitische Mutter ein außereheliches Verhältnis eingegangen war. Die Mischna (mündliche Überlieferung von G – tt an Moshe am Berg Sinai) im Talmud Traktat Yevamot 49a legt fest, was ein Mamzer ist. Jemand der aus einem in der Thora verbotenen Verhältnis abstammt.

Ramban und Rabbeinu Bachya kommentieren, dass der Sohn überraschend im Lager der Israeliten auftauchte. Raschi fährt fort, dass er sein Zelt im Lager des Stammes Dan aufschlug und die Mitglieder des Stammes Dan ihm sagten, dass er nicht zu ihnen gehöre. Die Mitgliedschaft eines Stammes richtet sich nach dem Stamm des Vaters und somit hatte der Sohn Schlomits keine Mitgliedschaft in irgendeinem der Stämme, was er wußte. Dennoch meinte er, sein Zelt bei Dan aufschlagen zu können, da seine Mutter vom Stamm Dan kam. Als das alles fehlschlug, begann er G - tt zu verfluchen.

Des weiteren mißt Raschi dem Namen der Schlomit wichtige Bedeutung bei. Bat Dibri heißt, dass sie gerne viel redete. Sie achtete nicht unbedingt auf Anstand, sondern redete die Männer gleich obszön an. Rabbi Moshe Alshich sieht den Vorfall mit dem Sohn als den einzigen Fall überhaupt, indem eine israelitische Frau ein Verhältnis mit einem ägyptischen Mann eingegangen war, da in der hebräischen Grammatik in der Einzahl gesprochen wird (in der Thora). Ansonsten hätte sich niemand mit dem Feind eingelassen. 


Hier ein Kommentar aus dem kabbalistischen ZOHAR zur Parashat EMOR:

In der vorherigen Parashat Kedoschim trug G – tt den Juden auf, sich selbst anhand der Mitzwoteinhaltung als heiliges Volk auszuzeichnen. In der dieswöchigen Parashat Emor trägt Er den Cohanim (Tempelpriestern und Nachkommen Aharons) auf, nicht unrein zu werden.
Der Talmud listet uns so einige Arten der UNREINHEIT auf, doch bezieht sich der ZOHAR in seinem Statement auf die Unreinheit durch das in Berührung kommen mit einer Leiche. Dies ist einem Cohen bis heute untersagt genau so wie das Betreten eines Friedhofs.

Zohar:

Wenn ein Mensch auf dem Totenbett liegt, erscheinen ihm drei Boten und er sieht, was seine Mitmenschen nicht sehen. Das ist der Tag des Gerichts, wenn G – tt seinen “Pfand” wiederhaben will. Glücklich sei der Mensch, welcher Körper und Seele unbeschadet, heisst REIN, an G – tt zurückgibt.

Die Talmud Traktate Moed Katan 28a sowie Bava Kamma 82b lehren uns, dass im Judentum Verstorbene unverzüglich beerdigt werden müssen und die Leichen nicht tagelang aufbewahrt werden. Das Buch ZOHAR gibt uns zum Hintergrund dieser Halacha Auskunft:


Ein Leichnam, der nicht innerhalb von 24 Stunden beerdigt wurde, verursacht Verwirrungen in den oberen spirituellen Welten. Zum Beispiel könnte G – tt für die Seele des Verstorbenen eine Reinkarnation in einen anderen Menschen vorgesehen haben, doch dies kann nur von statten gehen, wenn der Leichnam beerdigt worden ist. Was also, wenn eine Leiche noch nicht unter der Erde ist, doch G – tt in einem bestimmten Moment die Reinkarnation vornehmen wollte ? Eine Seele kann erst dann reinkarniert werden, wenn der Körper beerdigt wurde. Ein Mann kann auch keine zweite Frau heiraten, wenn die erste verstorbene Frau noch nicht unter der Erde liegt.

Weiterhin: Solange ein lebloser Körper unbeerdigt bleibt, leidet seine Seele, denn sie kann nicht in die Seelenwelt nach dem Tod hinübergleiten.


Dienstag, Mai 03, 2011

Und die Seele verabschiedet sich ...


(Bild von I. Ldura)
B”H

Der berühmte mittelalterliche Kabbalist, Rabbi Yitzchak Luria (1534 – 1572), bringt in einem bestimmten Zusammenhang (auf welchen ich Mitte der Woche bezüglich der Thoralesung an diesem Schabbat, der Parashat EMOR, näher eingehen werde) einen denkanstossenden Kommentar. Wenn Rabbi Luria auf das Thema “Tod” zu sprechen kommt, so sagte er, dass wir Menschen oftmals zu weit gehen und immer neue Vergehen begehen. Irgendwann halte es unsere Seele einfach nicht mehr aus und verabschiede sich aus dem Körper.

Damit sei keineswegs gemeint, dass jeder, der stirbt, wer weiss was getrieben hat und aufgrunddessen die Seele einfach das Weite suchte und sich aus dem Staub machte. Vielmehr geht der Kommentar aus dem Verhalten des Adam im Paradies hervor und darum geht es in der Thoralesung dieser Woche, welche ich ca. am Mittwoch in den Blog stellen werde.

Trotzdem sollte uns die Aussage des Rabbi Yitzchak Luria etwas zu denken geben. Nicht, dass wir auf der Stelle tot umfallen, aber uns dennoch einmal Gedanken machen, was daran zutreffend sein kann. Vielleicht uns selber einfach einmal durchleuchten.

Montag, Februar 21, 2011

"Jonah und der Fisch" - Eine Betrachtung aus der Welt der Kabbalah


B”H

Zur dieswöchigen Thoralesung Vayakel (aus dem kabbalistischen Buch ZOHAR)
Über JONAH und den Fisch (p. 172), Zohar 198b

Rabbi Abba diskutiert den Text:

G – tt befahl dem Fisch, Jonah wieder auszuspeien. Die Frage ist, wann und wo genau G – tt mit dem Fisch sprach, um ihm diesen Befehl zu übermitteln ?

Rabbi Abba antwortet, dass Zeit und Ort am fünften Tag der Welterschaffung zu finden sein. Dann nämlich suchte G – tt einen bestimmten Fisch aus, welcher in der Zukunft einmal Jonah verschlucken und nach drei Tagen wieder ausspeien soll.

Das kabbalistische Buch ZOHAR (veröffentlicht im Jahre 1290 in Spanien) gibt uns zur Parashat Vayakel einen faszinierenden tiefgehenden Einblick in das Buch Jonah. Mehrere Jahrhunderte später griff der Vilna Gaon das zoharische Konzept auf und verfasste basierend darauf seinen eigenen Kommentar.

Der Zohar lehrt uns:

Wenn es im Buch Jonah heißt, dass Jonah ins Schiff hinunterging, so ist diese Aussage lediglich symbolisch zu erfassen. Jonah steht für die Seele, die aus der oberen spirituellen Welt herunter kommt und im Körper eines Menschen landet.
Die Seele ist nicht gerade erfreut darüber, denn plötzlich wird sie von G – tt gezwungen aus ihrer perfekten g – ttlichen Umgebung hinunter in die materielle Welt abzutauchen und in unseren Körpern zu landen. Dabei will die Seele im Grunde genommen nur eines: In ihrer perfekten Umgebung verbleiben und so nahe wie möglich bei G – tt verbleiben. Der Mensch handelt nicht gerade immer gemäß G – ttes Willen und sündigt, was die Seele im Körper nicht will. Der Körper selber jedoch handelt nach seinem individuellen Verlangen.

Der Mensch sündigt und denkt sich dabei insgeheim, dass er schon irgendwie vor der Anwesenheit G – ttes entfliehen kann. Vielleicht sieht G – tt ja doch nicht alles. Aber, wie wir dennoch alle wissen, G – tt entgeht nichts und jeder Mensch muss letztendlich für seine Handlungen die Verantwortung übernehmen.

Jonah befand sich im Bauch des Fisches und der Bauch steht symbolisch für eine untere Welt genannt Sheol. Wobei es sich um reine Symbolik handelt und es materiell keine unteren sowie oberen Welten gibt. Die untere Welt ist lediglich ein unterer Seelenlevel innerhalb desjenigen Menschen selbst.

"Drei Tage und drei Nächte" war Jonah im Bauch des Fisches. Bei der Anzahl "Drei Tage und drei Nächte" steht ebenso für die Zeit, die eine Leiche im Grab liegt bevor sich der Bauch öffnet. Nach drei Tagen im Grab erhält der Tote seine Strafen in jedem Organ. In den Augen, in den Händen oder in den Füssen. Dieser Prozeß dauert 30 Tage an und in diesem Zeitraum werden die Seele und der Körper zusammen bestraft. Aus diesem Grund verbleibt die Seele solange im toten Körper und steigt noch nicht wieder auf zu ihrem Ursprung. Nach 30 Tagen steigt die Seele auf, während der Körper völlig verwest. Allerdings bleibt immer ein kleiner Teil im Körper, welcher bei der Wiederauferstehung der Toten (Tchiat HaMetim) reaktiviert werden wird. Manche sagen, dass ein Teil der Seele in der Leiche verbleibt. Der Talmud spricht, u.a., von einem bestimmten Knochen, welchen G – tt bei der Wiederauferstehung reaktiviert.

Sobald der Fisch Jonah verschluckte, starb Jonah. Nach drei Tagen aber wurde er wieder zum Leben erweckt und vom Fisch ausgespiehen. Ähnlich wird G – tt in der Zukunft das Land Israel zu neuem Leben erwecken.

Ein Mensch durchläuft nach seinem Tod sieben Prüfungen. Der erste Test findet statt, sobald die Seele den Körper verläßt und das Himmelsgericht über den Toten beginnt. Der zweite Test erfolgt in dem Moment, wenn die Handlungen und Worte vor dem Toten hergehen. Bedeutet, wenn er ihnen zufolge gerichtet wird. Die dritte Prüfung findet statt, wenn der Tote in sein Grab gelegt wird. Die vierte Prüfung ist das Grab selbst. Der fünfte Test ist die Verwesung. Test Nummer 6 steht für die Strafen / das Leiden in Gehinom. Wobei es sich bei Gehinom um einen spirituellen Reinigungsprozeß handelt und dies keinesfalls mit dem christlichen Konzept der “Hölle” gleichzusetzen ist. Nummer 7 beinhaltet die rastlose Seele, welche von Welt zu Welt wandert; solange bis ihre Aufgabe erfüllt ist und sie ihren endgültigen Tikun (Korrektur) hinter sich gebracht hat.

All das soll uns dazu anhalten, unsere tagtäglichen Handlungen zu überdenken. Zuerst nachdenken und dann handeln. 
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Wenn ich diese Verse aus dem Zohar anschaue, fühle ich mich plötzlich wie Jonah.

Donnerstag, Februar 17, 2011

Das Sitzen auf einem Grabstein

B”H

Die Gemara (rabbinische Diskussionen) im Talmud Traktat Sanhedrin 48a lehrt uns, wenn eine Person einen Grabstein auf ein Grab stellt, der Stein zur “verbotenen Zone” wird. Bedeutet dies u.a., dass man auf dem Grabstein weder sitzen noch sich anlehnen darf ?

Der Tur zitiert Rabbeinu Yeshaya, welcher die Nutzung eines Grabsteines für persönliche Belnage verbietet. Weitere halachische Quellen besagen, dass das Sitzen oder sich an einen Grabstein anlehnen eben aus jenem Grund verboten ist.

Andererseits zitiert den Tur seinen Vater, den Rosh, Rabbi Asher ben Yechiel, welcher die Nutzung des Grabsteines erlaubt, denn der allein der Grabstein markiere ein Grab und somit ist er nicht direkter Bestandteil des Grabes. Offensichtlich war das zu Zeiten des Gemara vor 2000 Jahren anders, denn da war der Grabstein noch bestandteil des Grabes. Heute hingegen ist dem nicht mehr so.

Weitere Kommentatoren teilen die gleiche Meinung, denn in der heutigen Zeit diene der Grabstein lediglich als Zierde des Grabes sowie der Ehrung des Toten. Es bestehen sogar halachische Aussagen, dass der Grabstein einst aufgestellt worden sei, um Leuten die Möglichkeit zu geben, darauf zu sitzen oder sich anzulehnen. 

Die Halacha besagt, dass an Orten, an denen es nicht zur Gepflogenheit gehört, auf einem Grabstein zu sitzen, das Sitzen vermieden werden sollte. Ferner sollte der Tote geehrt werden und da macht sich ein Sitzen auf dem Grabstein nicht so gut.

Was mir hier fehlt ist eine Erwähnung einer eventuellen Unreinheit (von Toten). Jüdische Friedhöfe in Israel sind teilweise so dicht mit Gräbern versehen, dass kaum mehr Platz ist, durchzukommen. Was ich zumindest immer versuche ist, auf keinen Grabstein zu treten. 


Der antike jüdische Friedhof in Zfat (Safed) / Nordisrael. 
Photo: Miriam Woelke

Mittwoch, Dezember 08, 2010

Kein Zugang für Cohanim !

B"H

COHANIM, die Nachkommen Aharons, gingen einem besonderen Dienst im Tempel nach und musste daher von biblischen Unreinheiten (exakte Definierungen finden sich im Talmud) ferngehalten werden. Unter anderem gilt als Unreinheit, mit Toten in Berührung zu kommen.

Siehe, u.a., mehr dazu HIER !



Cohanim ist das direkte Entlanglaufen vor dieser Mauer verboten !

Gesehen ausserhalb des Friedhofes von Herzliya.

Photo: Miriam Woelke

Dienstag, November 30, 2010

Eine koschere Strasse für Cohanim in Tiberias

B"H

Einem Nachkommen des biblischen Aharon (Bruder von Moshe), einem "Cohen - Tempelpriester" ist es verboten, mit diversen Unreinheiten in Berührung zu kommen. Darunter fallen, u.a., Leichen und Friedhöfe. Will ein Cohen einen Friedhof besuchen, so wird der Plan zum halachischen Schwierigkeitsgrad.


Die Stadt Tiberias am See Genezareth baut momentan eine extra Strasse für Cohanim. Die "koschere" Strasse führt von der Hayarden Street am Zentralen Busbahnhof bis hin zum Grab des Rambam (Maimonides, 1135 - 1204) gleich um die Ecke.


Tiberias selbst ist auf einem antiken Friedhof errichtet worden. Keinem Friedhof im eigentlichen Sinne, sondern gemeint sind damit antike Gräber von vor weit mehr als 2000 Jahren.






Das Grab des Rambam in Tiberias.





Der halachische Strassenbau genau gegenüber. Ein haredischer (ultra - orthodoxer) Rabbiner wacht darüber, dass der Bau im Sinne des jüdischen Religionsgesetzes verläuft.

Wie wird eine halachisch einwandfreie Strasse für Cohanim gebaut ?
Indem über die alten Gräber in vorgeschriebener Form dicke Betonteile gelegt werden.






Photos vom 29. November 2010:
Miriam Woelke


Links:


Dienstag, September 14, 2010

Warum gehen Juden am Schabbat auf keinen Friedhof ?

B"H

Am Freitag abend beginnt der höchste jüdische Feiertag YOM KIPPUR und dieser Tagen beten wir Juden zu G - tt, Er möge uns am Feiertag gnadenvoll richten. Viele Juden gehen deswegen in dieser Woche zu den Gräbern unserer Vorväter, denen bekannter Rabbiner und eine Arbeitskollegin fuhr gestern hinaus zum Grab der Rachel (Frau von Yaakov) bei Bethlehem (Bet Lechem).

Vielleicht sollte ich mehr zum YOM KIPPUR verfassen, doch immer wieder neu stosse ich auf interessante Themen drumherum. Beim Durchforsten kabbalistischer Literatur fand ich die Meinung des Rabbi Yitzchak Luria (1534 - 1572), der da, u.a., im Buch "Sha'ar Ruach HaKodesh" eine Antwort auf die Frage "Warum Juden am Schabbat keinen Friedhof besuchen" gibt.

Am Schabbat treten die jüdischen Seelen von jenen Juden, die den Schabbat halten, in eine höhere spirituelle Welt. Seelen (Neschamot) steigen hinauf und so auch die Seelen der Toten. Gehen wir also auf einen jüdischen Friedhof, werden die Seelenteile der Toten, welche mit am Grab verbleiben, nicht "anwesend" sein, da sie in höhere Welten aufstiegen. In dem Fall treten wir an ein Grab ohne jeden Seelenzugang zum Toten.
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Details zum Thema folgenden noch !

Montag, Juli 05, 2010

Jüdischer Friedhof Givat Shaul / Jerusalem


Photo: Miriam Woelke

Dienstag, Juni 01, 2010

Grabschändungen auf dem Ölberg

B"H

Der Kauf einer Grabstätte in Israel ist alles andere als billig und der Kauf einer Grabstätte auf dem Ölberg (Har HaZe'itim) in Jerusalem gleich gar nicht. 50,000 Dollar oder mehr muss jemand dafür hinblättern.

Der Ölberg hatte schon zu Tempelzeiten eine besondere Bedeutung für Jerusalem. Gleich gegenüber der Stadt des König David gelegen. Einstmals wurde dort die Rote Kuh (Parah Adumah) verbrannt, um die Asche zur spirituellen Reinigung zu verwenden.
Der jüdische Friedhof auf dem Ölberg liegt genau gegenüber der Altstadtmauer und jenem Altstadttor, welchem nachgesagt wird, dass dort der Meschiach als erstes auftritt. Um den Friedhof herum befinden sich Kirchen und auf dem Berg ein arabisches Dorf.
Vor vielen Jahren ging ich einmal durch das Dorf, wo die palästinensische Bevölkerung sich nicht allzu freundlich zeigt. Es sei denn, mann ist ganz offensichtlich Tourist. Und so überrascht es keineswegs, dass in letzter Zeit immer mehr Gräber auf dem etwas unterhalb gelegenen jüdischen Friedhof geschändet werden. Vor melr als einem Jahr musste der Rebbe der chassidischen Gruppe Nadvorna geradezu vor steineschmeissenden Palästinensern flüchten als er den Friedhof besuchen wollte. Nicht nur er, sondern ebenso andere bekannte Rabbiner.

Wer also bewacht den jüdischen Friedhof in dem vor den nicht allzu freundlich gesinnten Nachbarn ? Derzeit niemand, denn zuviele israelische Ministerien streiten um die Zuständigkeiten. Darüber hinaus steht für eine Security gar kein Haushaltsbudget zur Verfügung. Alles muss erst die Bürokratie durchlaufen und bis einmal etwas geschieht, schänden die Araber auch weiterhin den jüdischen Friedhof auf dem Ölberg. Nicht nur dort, sondern ebenso in Hebron.

Dienstag, Mai 25, 2010

Großdemonstration in Yaffo


B"H

Zusammen mit der antizionistischen Dachorganisation "Edah HaCharedit" rief die Chassidut Satmar (Jerusalem) am heutigen Dienstag zu einer Großdemonstration in Yaffo (bei Tel Aviv) auf. Leider kann ich selber an dem Event nicht teilnehmen, um darüber zu berichten, denn ich stecke bei der Arbeit in der Jerusalemer Bäckerei fest. Wer jedoch die Demoberichte auf dem israelisch - haredischen Radiokanal "Kol HaRamah" mitverfolgt, der erhält Berichte von haredischen (ultra - orthodoxen) Journalisten, welche von der Polizei verhaftet worden sind.
Verhaftet, aufgrunddessen, dass sie Haredim sind oder einfach nur filmten, wie die Polizei teilweise brutal gegen die haredischen Demonstranten vorging ? Wer vermag das aus der Ferne beurteilen ?

Seit Wochen wird in Jerusalem, in Aschkelon (dort herrscht mittlerweile Ruhe) sowie in Yaffo demonstriert. Der Grund sind antike Friedhöfe, welche wegen Bauarbeiten verlegt werden sollen. Dies ist halachisch möglich, doch kann das Ausgraben der Skelette nur unter Anleitung professioneller Rabbiner erfolgen. Die Regierung Netanyahu entschied sich gegen Halacha und Rabbiner und läßt die Knochen von Archäolgen ausgraben.

Lautete in Aschkelon noch die Begründung, es handele sich ja "nur" um nichtjüdische Gräber, so scheint die Lage in Yaffo eindeutig. Laut eines Journalisten des Radiosenders gab es in der Vergangenheit mehrmals Vorfälle, bei denen Archäologen Kreuze oder sonstige götzendienerische Symbole auf Gräber malten nur um zu beweisen, es handele sich nicht um jüdische Gräber. In Yaffo aber gebe es nichts zu fälschen, denn auf dem antiken Friedhof liegen Juden.

Netanyahu allerdings läßt sich davon wenig beeindrucken und will die Gräber in Yaffo ebenfalls wider jeder Halacha räumen. Und so kommt es heute wieder einmal zu einer wilden Demo am Hafen von Yaffo. Zu sehen gibt es nicht viel, denn die Polizei ist gerüstet und wird die Umgebung voraussichtlich weiträumig abriegeln.

Chassidim der Chassidut Satmar sowie der Toldot Aharon rollen heute aus Jerusalem an. Angeblich soll auch einer der führenden Edah Rabbiner, Rabbi Tuvia Weiss, demonstrieren. Leider weiss ich nicht, ob und wann genau er eintrifft.

Mehr Pashkevilim (Mitteilungsposter) HIER !