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Freitag, Juni 29, 2012

Parashat Chukat - פרשת חקת


Die Rote Kuh

Photo: Temple Institute Jerusalem



B"H

Die Thoralesung für diesen Schabbat
Wortdefinition: 

CHUKAT = Basisgesetz, Fundamental Law

Der Ramban und Raschi kommentieren: "Dies ist ein Gesetz von Mir (G - tt) und Ihr habt kein Recht, es in Frage zu stellen !"
Diese Thoralesung beginnt mit einem Paradox. Wahrscheinlich ist es das größte und berühmteste Paradox in der gesamten Thora und sogar der weise König Salomon (Schlomo HaMelech) verzweifelte an der Logik. Normalerweise erklärte G - tt Moshe die Gründe und die Logik sämtlicher Thoragesetze, doch in der Midrasch lesen wir, dass als Moshe G - tt nach der Bedeutung der Parah Aduma, der Roten Kuh fragte, er keine Antwort bekam.

Die Parasha heißt Chukat und Chukat steht für Gesetze, die wir mit unserem eingeschränkten menschlichen Verstand nicht zu fassen in der Lage sind. G - tt trägt Moshe auf, eine Rote Kuh (Parah Adumah) ohne jegliche Schönheitsfehler zu finden und sie in einem bestimmten Ritus durch Priester (Cohanim) verbrennen zu lassen. Danach wird die Asche der Kuh mit Wasser vermischt und unreine Menschen sowie Tempelgegenstände (Geschirr) werden, nachdem sie mit dem Wasser in Berührung gekommen sind, wieder rein. Körperlich genauso wie in ihrer Seele (Neschama). Allerdings wird derjenige, der den Verbrennungsprozess ausführt, dadurch unrein. Und genau darin besteht das Paradox. 


Wie kann etwas, was eigentlich rein (tahor) macht, andere wiederum unrein (tamei) machen ?

Hierzu gibt es viele Kommentare, doch eine erklärende Antwort haben wir nicht. Anscheinend soll uns diese Mitzwah (Gesetz) deutlich machen, dass unser menschlicher Verstand im Gegensatz zu G - ttes allumfassendes Wissen nur sehr eingeschränkt funktioniert. Nicht alles was G - tt tut oder entscheidet, liegt in unserer Kraft es auch logisch nachzuvollziehen. Die Logik ist vielleicht unser großes Problem, denn wir wollen alles logisch beantwortet haben und wehe dem, wenn es einmal nicht so funktioniert.

Die Mitzwah der Roten Kuh, selbst wenn sie uns unverständlich ist, dürfen wir laut der Gemara im Talmud Traktat Yoma 67b nicht kritisieren. Dort heißt es, dass dieses spezielle Gesetz von G - tt stammt und wir keinerlei Recht zur Kritik daran haben. Insgesamt wurden in der jüdischen Geschichte nur neun Rote Kühe verbrannt. Die erste in der Zeit Moshes und die letzte vor der Zerstörung des Zweiten Tempels. Es heißt, dass die zehnte Rote Kuh vom Meschiach verbrannt wird. Rabbi Zadok HaCohen von Lublin betrachtet die Mitzwah der Roten Kuh als Tikun (Reparatur der Seele) für das Goldene Kalb (siehe hierzu auch das Buch Noam Elimelech und die Tosafot).

Was ist die eigentliche Bedeutung der Mitzwot (Gesetze), die uns G - tt in der Thora aufgetragen hat ? Warum das alles ?

In der Chassidut wird als Hauptgrund angegeben, dass wir anhand der Erfüllung der Mitzwot eine Devekut (Nähe) zu G - tt erreichen. Wir können G - tt jedoch nur nahe sein, wenn wir uns in einem reinen Zustand befinden (Magen Avraham), wo wiederum die Rote Kuh mit ihrem Reinigungsprozess ins Spiel kommt. Einen sehr interessanten Kommentar zur Roten Kuh fand ich bei Rabbi Samson Raphael Hirsch. Rabbi Hirsch vergleicht die Roten Kuh und deren spätere Asche mit den zwei menschlichen Eigenschaften; der tierischen und der g - ttlichen. Die Tierische steht für die sogenannte "physical world" und die G - ttliche für die sogenannte "upper world". Unser weltlicher Körper, ausgedrückt durch die Kuh, wird sterben, aber unsere Seele (Neschama), ausgedrückt durch die Asche, wird für alle Ewigkeiten weiterleben.

Das Verbrennen der Roten Kuh mußte außerhalb des Lagers der Israeliten bzw. später zu Tempelzeiten außerhalb der Tempel stattfinden. In der Ära des Zweiten Tempels wurde die Kuh auf dem Ölberg verbrannt. In einer Prozession wurde die Kuh dorthin gebracht. Auf dem Ölberg angekommen wurde die Kuh mit einem Seil aus Bast so an einen Pfahl gebunden, dass ihr Kopf nach Süden und ihr Gesicht nach Westen gerichtet war. Der Priester (Cohen) stand in Richtung Osten und mit dem Gesicht nach Westen. Er schlachtete sie mit der rechten Hand und fing das ihr Blut mit der linken Hand auf (Talmud Parah, Mishna 9).

Seit der Zerstörung des Zweiten Tempels sind wir in der Ausführung unserer Mitzwot sehr eingeschränkt. Ca. 70 – 80 der ursprünglich 613 sind wir heutzutage in der Lage zu erfüllen. Alle weiteren bezogen sich auf den Tempeldienst und die Cohanim (Tempelpriester). Auch die Mitzwah der Roten Kuh gibt es derzeit nicht, sondern erst wieder nach dem dem Eintreffen des Meschiach.

Rote Kühen selbst sind vielen Wissenschaftlern ein Rätsel. Wie genau sahen die Kühe aus und wie kam es überhaupt, dass sie damals existierten und heute nicht ? Vor einigen Jahren glaubte man, in der Nähe von Haifa eine solche Rote Kuh entdeckt zu haben. Schon meinten viele, dass dann der Meschiach nicht mehr weit sei. Die Euphorie wurde jedoch schnell gedämpft, denn die Rote Kuh war nicht perfekt wie vorgeschrieben. Sie hatte einige schwarze Haare in ihrem ansonsten so roten Fell, was sie unkoscher für ein Verbrennen machte.

Der Parashainhalt der Roten Kuh, sowie der Tod von Miriam und ihrem Bruder Aharon sollten uns an diesem Schabbat etwas nachdenklich in bezug auf unser eingeschränktes Wissen und unsere Sterblichkeit stimmen.

Zu guter Letzt eine chassidische Story; eine Story von Rabbi Zusha von Anapoli (1718 - 1800), dem jüngeren Bruder des großen chassidischen Rabbiners Elimelech Weissblum von Lizhensk (Lejanks in Polen).

Einmal sagte Rav Zusha zu seinen Schülern:

"Wenn ich sterbe, wird mich G - tt nach meinem Tode nicht fragen - "Zusha, warum warst Du nicht so perfekt wie Avraham oder Moshe ?".
Was Er mich dagegen fragen wird ist - "Zusha, warum warst Du nicht Zusha ?"

Die Bedeutung ist, dass wir nicht immer auf andere und deren Potential schauen sollen. Stattdessen sollten wir uns lieber auf unsere Aufgaben und unser individuelles Potential konzentrieren. Was meines Nachbarn Aufgabe in dieser Welt ist, ist noch lange nicht meine.

 
Links:


Samstag, April 21, 2012

Der Jasper Stein und der Schlaf

B"H

Im Judentum ist der Schlaf eines Menschen sehr wichtig. Nicht nur in Bezug auf das körperliche Wohlbefinden, sondern ebenfalls in Bezug auf das "Aufwecken" einer anderen Person. Weiss jemand, dass eine andere Person schläft, so gilt es, die Person nicht absichtlich aus irgendwelchen unwichtigen Beweggründen heraus aufzuwecken. Nicht einfach aus Jux an eine Tür zu hammer oder den Schlafenden absichtlich zu stören.

Im Talmud Yerushalmi (Jerusalemer Talmud, Peah 1:1) lehrt uns ein Nichtjude den eigenen Vater zu achten. Die Story findet ebenso im Babylonischen Talmud, Traktat Kiddushin 31a, Erwähnung. Darüber hinaus wird uns hier ebenso gelehrt, wie wichtig Schlaf sein kann.

Nur nebenbei erwähnt: Die jüdische Literatur sieht ausgerechnet im bösen Esav einen Menschen, der seinen Vater (Yaakov) am meisten achtete. Von Esav können wir eines lernen: Nämlich die Achtung des eigenen Vaters.

Aber zurück zum Talmud und folgender Story:

Zur Zeit des Ersten Jerusalemer Tempels lebte ein Mann namens DAMA BEN NETINA in Ashkelon. Dama war kein Jude. Seine Familien hatte es zu zwei Unternehmen gebracht: 1. Den Verkauf von Diamanten und 2. die Züchtung von Rinder – und Schafsherden. In jenen Tagen des Ersten Tempels trug der Hohepriester (Cohen HaGadol) immer noch das Urim ve’Turim, welches mit der Tempelzerstörung durch die Babylonier verloren ging. In einem anderweitigen Artikel werde ich ausführlich auf das Urim ve’Turim (Brustplatte des Cohen HaGadol) eingehen. Hier nur soviel: Der Hohepriester konnte seine Brustplatte zu Rate ziehen, um bestimmte g – ttliche Antworten zu erhalten. 


Die Brustplatte bestand aus zwölf wertvollen Steinen, von denen jeder einzelne eine der zwölf israelitischen Stämme repräsentierte. Der Jerusalemer Talmud beschreibt uns hier, das seines Tages einer der Steine verloren ging. Und zwar der Jasper Stein, der den Stamm Benjamin repräsentiert. 

Ein neuer Jasper Stein musste her und es wurde viel Geld geboten, doch niemand schien einen solchen Stein zu besitzen. Nach längerer Suche stellte sich heraus, dass der Nichtjude Dama Ben Netina, der in Ashkelon lebte, einen Jasper Stein besass. Man machte sich in die Hafenstadt Ashkelon auf und traf Dama Ben Netina in seinem Haus. Der empfing die jüdische Abordnung aus Jerusalem, machte aber sofort darauf aufmerksam, leise zu sein, da sein Vater schlafe. Die Juden aus Jerusalem berichteten Dama, was geschehen war und der war bereit den Jasper Stein zu verkaufen. Allerdings befand sich der Stein in einem Safe und der Schlüssel dazu lag unter dem Kopfkissen, auf dem sein Vater schlief. Beharrlich weigerte sich Dama, seinen Vater zu wecken. 

Man bot ihm mehr und mehr Geld für den Stein, doch Dama Ben Netina weigerte sich. Nichts half und die Juden kehrten unverrichteter Dinge nach Jerusalem zurück. Dennoch ziemlich beeindruckt von der Achtung des Dama vor dem Schlaf seines Vaters. Kurze Zeit später wurde ein anderer Besitzer eines Jasper Steins ausfindig gemacht und käuflich erstanden. 

Ein oder zwei Jahre später benötigten die Juden eine neue Rote Kuh, die da verbrannt werden sollte, weil deren Asche eine spirituelle Reinheit hervorbrachte. Wir erinnern uns an das Gebot der Roten Kuh, nachdem die Juden in der Wüste das Goldene Kalb gebaut hatten. Eine solche Kuh musste nur rote Haare besitzen und kein einziges Haar einer anderen Farbe durfte an ihr gefunden werden. Wurde solch eine reine Kuh gefunden, so fand die Verbrennung auf dem Ölberg statt. Anhand einer vorgeschriebene Prozedur, die sogar einen eigenen Talmud Traktat (Parah) ausmacht. 

Es war noch schwieriger, solche eine Kuh aufzutreiben als zuvor den Jasper Stein. Und wie es halt so kommt: Dem Dama Ben Netina wurde solch eine perfekte Rote Kuh geboren. Nochmals kam die Jerusalemer Delegation zum Kauf und diesmal war der Vater wach und der Deal kam zustande. Allerdings verlangte Dama Ben Netina einen fairen Preis. Nämlich die Summe, welche er Jahre zuvor für den Jasper Stein geboten bekam. 

Was uns die Story aus dem Talmud noch lehrt ? Manchmal scheinen wir im Leben etwas zu verpassen. Aus gutem Grund und weil uns eine Angelegenheit momentan nicht passend erscheint. Lehnen wir etwas aus positiven Beweggründen heraus ab und machen dadurch einen Verlust, so kann es passieren, dass wir alles später einmal doppelt zurückbekommen.

Mittwoch, Juni 29, 2011

Parashat Chukat - פרשת חקת


Die Rote Kuh

Photo: Temple Institute Jerusalem



B"H

Die Thoralesung für diesen Schabbat

 
Wortdefinition: 

CHUKAT = Basisgesetz, Fundamental Law

Der Ramban und Raschi kommentieren: "Dies ist ein Gesetz von Mir (G - tt) und Ihr habt kein Recht, es in Frage zu stellen !"
 
 
Diese Thoralesung beginnt mit einem Paradox. Wahrscheinlich ist es das größte und berühmteste Paradox in der gesamten Thora und sogar der weise König Salomon (Schlomo HaMelech) verzweifelte an der Logik. Normalerweise erklärte G - tt Moshe die Gründe und die Logik sämtlicher Thoragesetze, doch in der Midrasch lesen wir, dass als Moshe G - tt nach der Bedeutung der Parah Aduma, der Roten Kuh fragte, er keine Antwort bekam.

Die Parasha heißt Chukat und Chukat steht für Gesetze, die wir mit unserem eingeschränkten menschlichen Verstand nicht zu fassen in der Lage sind. G - tt trägt Moshe auf, eine Rote Kuh (Parah Adumah) ohne jegliche Schönheitsfehler zu finden und sie in einem bestimmten Ritus durch Priester (Cohanim) verbrennen zu lassen. Danach wird die Asche der Kuh mit Wasser vermischt und unreine Menschen sowie Tempelgegenstände (Geschirr) werden, nachdem sie mit dem Wasser in Berührung gekommen sind, wieder rein. Körperlich genauso wie in ihrer Seele (Neschama). Allerdings wird derjenige, der den Verbrennungsprozess ausführt, dadurch unrein. Und genau darin besteht das Paradox. 

Wie kann etwas, was eigentlich rein (tahor) macht, andere wiederum unrein (tamei) machen ?

Hierzu gibt es viele Kommentare, doch eine erklärende Antwort haben wir nicht. Anscheinend soll uns diese Mitzwah (Gesetz) deutlich machen, dass unser menschlicher Verstand im Gegensatz zu G - ttes allumfassendes Wissen nur sehr eingeschränkt funktioniert. Nicht alles was G - tt tut oder entscheidet, liegt in unserer Kraft es auch logisch nachzuvollziehen. Die Logik ist vielleicht unser großes Problem, denn wir wollen alles logisch beantwortet haben und wehe dem, wenn es einmal nicht so funktioniert.

Die Mitzwah der Roten Kuh, selbst wenn sie uns unverständlich ist, dürfen wir laut der Gemara im Talmud Traktat Yoma 67b nicht kritisieren. Dort heißt es, dass dieses spezielle Gesetz von G - tt stammt und wir keinerlei Recht zur Kritik daran haben. Insgesamt wurden in der jüdischen Geschichte nur neun Rote Kühe verbrannt. Die erste in der Zeit Moshes und die letzte vor der Zerstörung des Zweiten Tempels. Es heißt, dass die zehnte Rote Kuh vom Meschiach verbrannt wird. Rabbi Zadok HaCohen von Lublin betrachtet die Mitzwah der Roten Kuh als Tikun (Reparatur der Seele) für das Goldene Kalb (siehe hierzu auch das Buch Noam Elimelech und die Tosafot).

Was ist die eigentliche Bedeutung der Mitzwot (Gesetze), die uns G - tt in der Thora aufgetragen hat ? Warum das alles ?

In der Chassidut wird als Hauptgrund angegeben, dass wir anhand der Erfüllung der Mitzwot eine Devekut (Nähe) zu G - tt erreichen. Wir können G - tt jedoch nur nahe sein, wenn wir uns in einem reinen Zustand befinden (Magen Avraham), wo wiederum die Rote Kuh mit ihrem Reinigungsprozess ins Spiel kommt. Einen sehr interessanten Kommentar zur Roten Kuh fand ich bei Rabbi Samson Raphael Hirsch. Rabbi Hirsch vergleicht die Roten Kuh und deren spätere Asche mit den zwei menschlichen Eigenschaften; der tierischen und der g - ttlichen. Die Tierische steht für die sogenannte "physical world" und die G - ttliche für die sogenannte "upper world". Unser weltlicher Körper, ausgedrückt durch die Kuh, wird sterben, aber unsere Seele (Neschama), ausgedrückt durch die Asche, wird für alle Ewigkeiten weiterleben.

Das Verbrennen der Roten Kuh mußte außerhalb des Lagers der Israeliten bzw. später zu Tempelzeiten außerhalb der Tempel stattfinden. In der Ära des Zweiten Tempels wurde die Kuh auf dem Ölberg verbrannt. In einer Prozession wurde die Kuh dorthin gebracht. Auf dem Ölberg angekommen wurde die Kuh mit einem Seil aus Bast so an einen Pfahl gebunden, dass ihr Kopf nach Süden und ihr Gesicht nach Westen gerichtet war. Der Priester (Cohen) stand in Richtung Osten und mit dem Gesicht nach Westen. Er schlachtete sie mit der rechten Hand und fing das ihr Blut mit der linken Hand auf (Talmud Parah, Mishna 9).

Seit der Zerstörung des Zweiten Tempels sind wir in der Ausführung unserer Mitzwot sehr eingeschränkt. Ca. 70 – 80 der ursprünglich 613 sind wir heutzutage in der Lage zu erfüllen. Alle weiteren bezogen sich auf den Tempeldienst und die Cohanim (Tempelpriester). Auch die Mitzwah der Roten Kuh gibt es derzeit nicht, sondern erst wieder nach dem dem Eintreffen des Meschiach.

Rote Kühen selbst sind vielen Wissenschaftlern ein Rätsel. Wie genau sahen die Kühe aus und wie kam es überhaupt, dass sie damals existierten und heute nicht ? Vor einigen Jahren glaubte man, in der Nähe von Haifa eine solche Rote Kuh entdeckt zu haben. Schon meinten viele, dass dann der Meschiach nicht mehr weit sei. Die Euphorie wurde jedoch schnell gedämpft, denn die Rote Kuh war nicht perfekt wie vorgeschrieben. Sie hatte einige schwarze Haare in ihrem ansonsten so roten Fell, was sie unkoscher für ein Verbrennen machte.

Der Parashainhalt der Roten Kuh, sowie der Tod von Miriam und ihrem Bruder Aharon sollten uns an diesem Schabbat etwas nachdenklich in bezug auf unser eingeschränktes Wissen und unsere Sterblichkeit stimmen.

Zu guter Letzt eine chassidische Story; eine Story von Rabbi Zusha von Anapoli (1718 - 1800), dem jüngeren Bruder des großen chassidischen Rabbiners Elimelech Weissblum von Lizhensk (Lejanks in Polen).

Einmal sagte Rav Zusha zu seinen Schülern:

"Wenn ich sterbe, wird mich G - tt nach meinem Tode nicht fragen - "Zusha, warum warst Du nicht so perfekt wie Avraham oder Moshe ?".
Was Er mich dagegen fragen wird ist - "Zusha, warum warst Du nicht Zusha ?"

Die Bedeutung ist, dass wir nicht immer auf andere und deren Potential schauen sollen. Stattdessen sollten wir uns lieber auf unsere Aufgaben und unser individuelles Potential konzentrieren. Was meines Nachbarn Aufgabe in dieser Welt ist, ist noch lange nicht meine.

 
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Sonntag, Oktober 03, 2010

Blick auf den Tempelberg (Har HaBayit)

B"H

Viele nationalreligiöse Juden machen sich regelmässig zum offiziellen Besuch auf dem Tempelberg (Har HaBayit) auf. Normalerweise wird vor solch einem Besuch der Gang in die Mikweh (ins Ritualbad) verlangt. 
"Man dürfe den Moslems nicht alles willenlos überlassen und müsse jüdische Präsenz zeigen !" - so die Begründung des nationalrelig. Movements.

Die ultra - orthodoxen Haredim dagegen betreten den Tempelberg derweil kaum oder am liebsten gar nicht, denn lt. ihrer Ideologie befinden wir Juden uns in der heutigen Zeit in einem Zustand der spirituellen Unreinheit, welche nicht mit einer Mikweh aus der Welt geschafft wird, sondern nur anhand der Asche der Roten Kuh (Parah Adumah). Und diese Asche aus der Zeit Moshes sowie des Ersten Tempels verschwand zusammen mit der Bundeslade (Aron HaKodesh). Erst wenn alles wieder auftaucht und Meschiach kommt, ist uns der Gang auf den Tempelberg erlaubt. Dann nämlich gibt es ebenso einen Dritten Tempel und weder einen Felsendom noch eine Al - Aksa - Moschee mehr.

In der vergangenen Woche unternahm ich zwei organisierte Touren in den arabischen Teil der Jerusalemer Altstadt. Auf einer der Touren kamen wir an einer jener Türen vorbei, welche direkt auf den Tempelberg führt. Die Tür auf den Photos wird von der israelischen Polizei sowie Grenzpolizei bewacht. Innen, auf dem Tempelberg, herrscht die moslemische Tempelwache Wakf.

Es sei noch anzumerken, dass diese Tür auf den Photos nur von Moslems benutzt werden darf !










Es stimmt einen als Juden unglaublich traurig, wenn man das, was einem rechtsmässig gehört, nicht erreichen kann !

Photos: Miriam Woelke

Montag, Juni 21, 2010

Kommentare zur "Roten Kuh", Teil 2


Die Rote Kuh


B"H


Zu Teil 1 - siehe HIER !


Nach wie vor sind befinden wir uns in der Thora Parashat CHUKAT, in welcher G - tt das Gesetz der "Roten Kuh - Parah Adumah" gibt. Der Hohepriester soll die Rote Kuh erst schächten, danach völlig verbrennen und ihre Asche wird wir den spirituellen Säuberungsprozess verwendet. Die Frage ist, warum gab G - tt den Juden dieses Gesetz ?
Eine Antwort darauf finden wir nicht, denn die kennt nur G - tt allein; zumindest aber erhalten wir Einblicke in die Welt berühmter Kommentatoren, des Talmud, der Kabbalah sowie verschiedener Midraschim.


Parashat Chukat - Bamidbar / Numeri 19:1 ff.



Rabbi Samson Raphael Hirsch:
Die Halacha besagt, dass keine Person, welche aktiv an der Schächtung sowie der Verbrennung der Roten Kuh involviert ist, keine andere Arbeit verrichten darf, bis die Kuh nicht zu völliger Asche verbrannt ist. Ansonsten wäre die gesamte Prozedur der Verbrennung der Parah Adumah (der Roten Kuh) ungültig (siehe Sifri). Nicht nur das: Im Talmud Traktat Yoma 42a heißt es ferner, dass der agierende Hohepriester (Cohen HaGadol) seine Gedanken ebenso an die Rote Kuh richten muss. Bedeutet: Er darf nicht einfach so routinemässig handeln und seine Gedanken schweifen zu lassen, sondern er hat die Pflicht, richtig bei der Sache zu sein.




BaMidbar / Numeri 19:2


"Sot Chukat HaThora - Die ist die Verordnung des Gesetzes"


Raschi kommentiert hierzu, dass die Nationen der Welt die Juden in späteren Jahren wegen diesem Gesetz (der Roten Kuh) verhöhnen werden. Aus diesem Grunde nennt die Thora die Verordnung "Chukat", denn somit wird aufgezeigt, dass die "Rote Kuh und alles, was damit zusammenhängt, direkt von G - tt kommt und niemand ein Recht zur Kritik besitzt.
Der Ramban (Nachmanides) greift den ursprünglichen Raschi - Kommentar auf und führt ihn noch viel weiter aus.

Bevor wir aber zu den Kommentaren von Raschi und dem Ramban kommen, hier eine kleine Reise in den Talmud.


Talmud Traktat Yoma 67b:
Der Talmud Traktat Yoma 67a beschreibt jene Ziege, welche am Yom Kippur (Versöhnungstag) während einer speziellen Zeremonie in die Wildnis gesandt wird (siehe Vayikra / Leviticus 16:22). Danach fährt die Gemara (rabbinische Diskussionen) fort mit g - ttlichen Erlässen:


Vayikra / Leviticus 18:4:

… (Und) Ihr sollt meine Verordnungen einhalten - … (Ve)Chukotai Tischmeru.


In der Thora finden wir fortwährend Auflistungen des Wortes "Mischpatim - Gesetze". In der Tat unterscheiden wir in der hebräischen Thorasprache bei Gesetzen und Verordnungen die "Mischpatim" von den "Chukim". Talmud Yoma 67b gibt darüber Aufschluss und legt fest, dass es sich bei Mischpatim um jene Gesetze handelt, die für uns Menschen einen absolut logischen Zugang haben. Beispiele: Nicht töten, ehebrechen oder stehlen. Keinen Götzendienst betreiben oder G - ttes Namen negativ verunglimpfen.
Chukim hingegen sind g - ttliche Erlasse, die wir nicht logisch zu erfassen in der Lage sind wie "kein Schweinefleisch essen", "keine Kleidung bestehend aus Schatnetz (Wolle und Leinen) tragen", "am Yom Kippur eine Ziege zum Azalzel (negative Seite) senden", usw. Jedoch stammen Mischpatim genauso wie die Chukim in der Thora direkt von G - tt !


Vayikra / Leviticus 18:5

… Ani A - do - nai E - lo - he - chem - Ich bin Euer ewiger G - tt.


Damit macht G - tt klar, dass gewisse Dinge so und nicht anders abzulaufen haben und Er keine Widerrede erwartet. Der Talmud Yoma 67b allerdings lässt uns wissen, dass die Völker der Erde uns gerade mit den Chukim (den unlogischen Thoragesetzen) dumm daherkommen werden und uns herausfordern: "Wozu wir das denn brauchen oder warum wir die komischen Gesetze einhalten ?"


Im Talmud Traktat Bava Batra 16a finden wir eine komplette Erläuterung zur negativen Seite in den Menschen und das dieses negative Veranlagung, die wir alle beinhalten, uns dazu verleiten will, die Thora nicht einzuhalten. Das sei doch alles überflüssiger Quatsch und sowas brauchen wir heute, in unserer modernen Zeit, nicht mehr. Raschi kommentiert, dass diese negative Veranlagung uns sogar einreden will, die gesamte Thora stamme nicht von G - tt und sei eh nur gelogen.




Wozu der Ausflug in derlei Erklärungen ? Ist das nicht alles zuviel ?


Wer Thora und alles drumherum lernt, der unternimmt unendliche Ausflüge in Kommentare, in die Halacha oder eben in den Talmud. Um die Thora zu begreifen, sind Definitionen äußerst wichtig und die Gemara in Yoma 67b macht deutlich, was genau das Wort "Chukat" uns sagen will und wann es verwendet wird. In der Parashat Chukat finden wir es im Zusammenhang mit der Roten Kuh und von Raschi, der sich auf das Statement in Yoma 67b stützt, erfahren wir, dass das Wort sich auf jene G - ttesgesetze bezieht, die wir logisch mit unserem Verstand nicht in der Lage sind zu begreifen. Derlei Gesetze aber dennoch genauso gültig sind, wie alle anderen auch.

Sonntag, Juni 20, 2010

Kommentare zur "Roten Kuh", Teil 1


Die Rote Kuh

Photo: Temple Institute Jerusalem




B"H

Parashat Chukat - Bamidbar / Numeri 19:1 ff.:

G - tt beauftragt die Juden, eine perfekte Rote Kuh (Parah Adumah) zu nehmen und diese vom Cohen HaGadol (Hohepriester) außerhalb des Lagers (später außerhalb des Tempels auf dem Ölberg) zu schächten und zu verbrennen. Die Asche der Kuh sollte zu spirituellen Reinigung dienen.

Die Thora Parashat, in der das Gesetz der Roten Kuh erteilt wird, heißt CHUKAT (Gesetz). Die Gemara im Talmud Traktat Menachot 19a lehrt zum Wort CHUKAT:

"THORA und CHUKAT sind für die Wesentlichkeit erforderlich: Dies ist das Gesetz (Chukah) der Thora (siehe Bamidbar / Numeri 19:2)".

Kommentar: 
Der talmudische Rabbiner Rav meint meint dazu, dass jedes noch so kleine Detail zum Ritus der Roten Kuh (Parah Adumah) notwendig für die Gültigkeit des Gesetzes ist.

Wie deuten jüdische Kommentatoren das Gesetz der Parah Adumah ?

Rabbi Samson Raphael Hirsch:
Die Kuh muss absolut perfekt sein und darf kein einziges Haar einer anderen Farbe als rot enthalten. Selbst zwei schwarze oder zwei weisse Haare mitten im Fell machen eine Rote Kuh imperfekt.

Obwohl die Rote Kuh nicht im Tempel (innerhalb des Lager der Juden in der Wüste) geschächtet und verbrannt wurde, so wusch der Cohen HaGadol (Hohepriester) sich dennoch vorher rituell Hände und Füsse.

Die Parah Adumah wurde auf den Ölberg (östlich der Stadt Jerusalem, wenige Meter vom Tempel entfernt) geführt. Die Kuh wurde allein geführt und mit keiner zweiten oder weiteren Kuh zusammen (siehe Talmud Traktat Yoma 43a).

Gewöhnlich fand die Prozedur bei Tageslicht statt und nicht in der Nacht.

Jeder, der an der Prozedur in irgendeiner Form beteiligt ist, wird danach "unrein - tameh" und muss sich und seine Kleidung hinterher rituell (u.a. Mikweh - Ritualbad) reinigen.


Talmud Traktat Yoma 42a:
Hier finden wir einen Disput, ob die Rote Kuh von einem regulären Cohen (Tempelpriester) geschächtet werden darf. Die Thora sah für diese Aufgabe eigentlich einen Cohen HaGadol (Hohepriester) vor. Oder darf die Parah Adumah lediglich von einem Hohepriester geschächtet und verbrannt werden. Rav sagt JA - nur von einem Hohepriester, weil die Parah Adumah keine Tieropferung im eigentlichen Sinne darstellte.

Donnerstag, Juni 17, 2010

Parashat Chukat - פרשת חקת


Die Rote Kuh

Photo: Temple Institute Jerusalem


B"H

Die Thoralesung für diesen Schabbat

Diese Thoralesung beginnt mit einem Paradox. Wahrscheinlich ist es das größte und berühmteste Paradox in der gesamten Thora und sogar der weise König Salomon (Schlomo HaMelech) verzweifelte an der Logik. Normalerweise erklärte G - tt Moshe die Gründe und die Logik sämtlicher Thoragesetze, doch in der Midrasch lesen wir, dass als Moshe G - tt nach der Bedeutung der Parah Aduma, der Roten Kuh fragte, er keine Antwort bekam.

Die Parasha heißt Chukat und Chukat steht für Gesetze, die wir mit unserem eingeschränkten menschlichen Verstand nicht zu fassen in der Lage sind. G - tt trägt Moshe auf, eine Rote Kuh (Parah Adumah) ohne jegliche Schönheitsfehler zu finden und sie in einem bestimmten Ritus durch Priester (Cohanim) verbrennen zu lassen. Danach wird die Asche der Kuh mit Wasser vermischt und unreine Menschen sowie Tempelgegenstände (Geschirr) werden, nachdem sie mit dem Wasser in Berührung gekommen sind, wieder rein. Körperlich genauso wie in ihrer Seele (Neschama). Allerdings wird derjenige, der den Verbrennungsprozess ausführt, dadurch unrein. Und genau darin besteht das Paradox.
Wie kann etwas, was eigentlich rein (tahor) macht, andere wiederum unrein (tamei) machen ?

Hierzu gibt es viele Kommentare, doch eine erklärende Antwort haben wir nicht. Anscheinend soll uns diese Mitzwah (Gesetz) deutlich machen, dass unser menschlicher Verstand im Gegensatz zu G - ttes allumfassendes Wissen nur sehr eingeschränkt funktioniert. Nicht alles was G - tt tut oder entscheidet, liegt in unserer Kraft es auch logisch nachzuvollziehen. Die Logik ist vielleicht unser großes Problem, denn wir wollen alles logisch beantwortet haben und wehe dem, wenn es einmal nicht so funktioniert.

Die Mitzwah der Roten Kuh, selbst wenn sie uns unverständlich ist, dürfen wir laut der Gemara im Talmud Traktat Yoma 67b nicht kritisieren. Dort heißt es, dass dieses spezielle Gesetz von G - tt stammt und wir keinerlei Recht zur Kritik daran haben. Insgesamt wurden in der jüdischen Geschichte nur neun Rote Kühe verbrannt. Die erste in der Zeit Moshes und die letzte vor der Zerstörung des Zweiten Tempels. Es heißt, dass die zehnte Rote Kuh vom Meschiach verbrannt wird. Rabbi Zadok HaCohen von Lublin betrachtet die Mitzwah der Roten Kuh als Tikun (Reparatur der Seele) für das Goldene Kalb (siehe hierzu auch das Buch Noam Elimelech und die Tosafot).

Was ist die eigentliche Bedeutung der Mitzwot (Gesetze), die uns G - tt in der Thora aufgetragen hat ? Warum das alles ?


In der Chassidut wird als Hauptgrund angegeben, dass wir anhand der Erfüllung der Mitzwot eine Devekut (Nähe) zu G - tt erreichen. Wir können G - tt jedoch nur nahe sein, wenn wir uns in einem reinen Zustand befinden (Magen Avraham), wo wiederum die Rote Kuh mit ihrem Reinigungsprozess ins Spiel kommt. Einen sehr interessanten Kommentar zur Roten Kuh fand ich bei Rabbi Samson Raphael Hirsch. Rabbi Hirsch vergleicht die Roten Kuh und deren spätere Asche mit den zwei menschlichen Eigenschaften; der tierischen und der g - ttlichen. Die Tierische steht für die sogenannte "physical world" und die G - ttliche für die sogenannte "upper world". Unser weltlicher Körper, ausgedrückt durch die Kuh, wird sterben, aber unsere Seele (Neschama), ausgedrückt durch die Asche, wird für alle Ewigkeiten weiterleben.

Das Verbrennen der Roten Kuh mußte außerhalb des Lagers der Israeliten bzw. später zu Tempelzeiten außerhalb der Tempel stattfinden. In der Ära des Zweiten Tempels wurde die Kuh auf dem Ölberg verbrannt. In einer Prozession wurde die Kuh dorthin gebracht. Auf dem Ölberg angekommen wurde die Kuh mit einem Seil aus Bast so an einen Pfahl gebunden, dass ihr Kopf nach Süden und ihr Gesicht nach Westen gerichtet war. Der Priester (Cohen) stand in Richtung Osten und mit dem Gesicht nach Westen. Er schlachtete sie mit der rechten Hand und fing das ihr Blut mit der linken Hand auf (Talmud Parah, Mishna 9).

Seit der Zerstörung des Zweiten Tempels sind wir in der Ausführung unserer Mitzwot sehr eingeschränkt. Ca. 70 – 80 der ursprünglich 613 sind wir heutzutage in der Lage zu erfüllen. Alle weiteren bezogen sich auf den Tempeldienst und die Cohanim (Tempelpriester). Auch die Mitzwah der Roten Kuh gibt es derzeit nicht, sondern erst wieder nach dem dem Eintreffen des Meschiach.

Rote Kühen selbst sind vielen Wissenschaftlern ein Rätsel. Wie genau sahen die Kühe aus und wie kam es überhaupt, dass sie damals existierten und heute nicht ? Vor einigen Jahren glaubte man, in der Nähe von Haifa eine solche Rote Kuh entdeckt zu haben. Schon meinten viele, dass dann der Meschiach nicht mehr weit sei. Die Euphorie wurde jedoch schnell gedämpft, denn die Rote Kuh war nicht perfekt wie vorgeschrieben. Sie hatte einige schwarze Haare in ihrem ansonsten so roten Fell, was sie unkoscher für ein Verbrennen machte.

Der Parashainhalt der Roten Kuh, sowie der Tod von Miriam und ihrem Bruder Aharon sollten uns an diesem Schabbat etwas nachdenklich in bezug auf unser eingeschränktes Wissen und unsere Sterblichkeit stimmen.

Zu guter Letzt eine chassidische Story; eine Story von Rabbi Zusha von Anapoli (1718 - 1800), dem jüngeren Bruder des großen chassidischen Rabbiners Elimelech Weissblum von Lizhensk (Lejanks in Polen).

Einmal sagte Rav Zusha zu seinen Schülern:

"Wenn ich sterbe, wird mich G - tt nach meinem Tode nicht fragen - "Zusha, warum warst Du nicht so perfekt wie Avraham oder Moshe ?".
Was Er mich dagegen fragen wird ist - "Zusha, warum warst Du nicht Zusha ?"

Die Bedeutung ist, dass wir nicht immer auf andere und deren Potential schauen sollen. Stattdessen sollten wir uns lieber auf unsere Aufgaben und unser individuelles Potential konzentrieren. Was meines Nachbarn Aufgabe in dieser Welt ist, ist noch lange nicht meine.

Schabbat Schalom

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Soweit zu dem was ich im vergangenen Jahr verfasste. Heute abend bereite ich weitere Zusätze zur Parashat Chukat vor. Unter anderem einen brillianten Kommentar des Baal Shem Tov sowie weiterer Kommentatoren !

Mittwoch, Juni 16, 2010

Das Tor der Roten Kuh (Parah Adumah)

B"H

Die Asche einer Roten Kuh soll uns spirituell reinigen ? Reicht nicht, dass Juden in die Mikweh (Ritualbad) gehen ? Allgemein unterscheiden wir zwischen Körper und Seele (Neschama). Wenn der Körper rein ist, bedeutet dies noch lange nicht, das auch die Seele weissgewaschen ist. Letztere einfach so reinezumachen ist nicht einfach. Thoramitzwot einhalten hilft, beten oder Zedakah (Spenden an Bedürftige) geben.

Juden haben die Aufgabe in dieser Welt, diese zu reparieren und ergo auf ihren extrem hohen Level (bevor Adam & Eva vom Apfel kosteten) zurückzubefördern. Selbst in der Kabbalah gehen die Meinungen auseinander, ob eine vollkommene Reparatur (Tikun) der Welt nötig ist oder Meschiach auch einfach so vor der Türe stehen kann.

Zwischen Reinheit und Unreinheit sollen wir unterscheiden. Nicht nur körperlich (der Talmud nennt uns die Gründe der körperlichen Unreinheit wie, z.B., eine Echse anfassen etc.). Eine körperliche Unreinheit kann eine spirituelle nach sich ziehen und all das wurde in der Zeit des Mischkan (Tabernakel) bei Moshe in der Wüste sowie zu Tempelzeiten repariert, indem die Asche einer Roten Kuh spirituelle Reinigung hervorrief. Warum ausgerechnet eine Rote Kuh ? Und warum wurde derjenige, der die Rote Kuh gemäss Halacha (siehe Talmud Traktat Parah (Kuh)) verbrannte, unrein ? Sämtliche Paradoxe prasseln hier aufeinandern und niemand hat bisher eine alles erleuchtende Antwort gefunden.

Die jüdische Mystik Kabbalah berichtet uns wieder und wieder von TOREN (SHEARIM), welche ein Juden durchbrechen sollte. Gebet können Tore öffnen und auch die Mitzwot zeigen Wirkungen. Die Asche der Roten Kuh soll uns in andere, höhere spirituelle Spähren wirbeln. In eine Welt, die nach Perfektion strebt. In einer Spähre, in der wir nicht nach unseren persönlichen Begierden (Geld, Essen und allem Materiellen) greifen, sondern uns darauf besinnen, dass unser Dasein mehr beinhaltet als "wie finanziere ich mein neues Auto".

Nur der Meschiach wird uns die Asche der Roten Kuh wiederbringen. Dies geschieht entweder kurz bevor er kommt oder kurz danach. Ohne eine spirituelle Reinigung ist es kaum möglich, den Tempelberg zu betreten geschweige denn der wieder erscheinenden Bundeslade gegenüberzutreten.

Dienstag, Juni 01, 2010

Grabschändungen auf dem Ölberg

B"H

Der Kauf einer Grabstätte in Israel ist alles andere als billig und der Kauf einer Grabstätte auf dem Ölberg (Har HaZe'itim) in Jerusalem gleich gar nicht. 50,000 Dollar oder mehr muss jemand dafür hinblättern.

Der Ölberg hatte schon zu Tempelzeiten eine besondere Bedeutung für Jerusalem. Gleich gegenüber der Stadt des König David gelegen. Einstmals wurde dort die Rote Kuh (Parah Adumah) verbrannt, um die Asche zur spirituellen Reinigung zu verwenden.
Der jüdische Friedhof auf dem Ölberg liegt genau gegenüber der Altstadtmauer und jenem Altstadttor, welchem nachgesagt wird, dass dort der Meschiach als erstes auftritt. Um den Friedhof herum befinden sich Kirchen und auf dem Berg ein arabisches Dorf.
Vor vielen Jahren ging ich einmal durch das Dorf, wo die palästinensische Bevölkerung sich nicht allzu freundlich zeigt. Es sei denn, mann ist ganz offensichtlich Tourist. Und so überrascht es keineswegs, dass in letzter Zeit immer mehr Gräber auf dem etwas unterhalb gelegenen jüdischen Friedhof geschändet werden. Vor melr als einem Jahr musste der Rebbe der chassidischen Gruppe Nadvorna geradezu vor steineschmeissenden Palästinensern flüchten als er den Friedhof besuchen wollte. Nicht nur er, sondern ebenso andere bekannte Rabbiner.

Wer also bewacht den jüdischen Friedhof in dem vor den nicht allzu freundlich gesinnten Nachbarn ? Derzeit niemand, denn zuviele israelische Ministerien streiten um die Zuständigkeiten. Darüber hinaus steht für eine Security gar kein Haushaltsbudget zur Verfügung. Alles muss erst die Bürokratie durchlaufen und bis einmal etwas geschieht, schänden die Araber auch weiterhin den jüdischen Friedhof auf dem Ölberg. Nicht nur dort, sondern ebenso in Hebron.

Freitag, März 05, 2010

Schabbat Schalom



B"H

Am kommenden Sonntag begeht die chassidische Welt den 224. Todestag (Yahrzeit) des einstigen großen chassidischen Rabbiners Elimelech von Lizhensk (Polen). Hunderte oder Tausende Chassidim verbringen daher diesen Schabbat in Polen und wie die chassidische Tischsituation in Mea Shearim (ultra - orthodoxer Stadtteil Jerusalems) aussehen wird ? Der Rebbe der Toldot Avraham Yitzchak ist nicht mit nach Lizhensk gefahren und vielleicht gibt es dort einen Tisch.

Das Wetter ist deutlich wärmer geworden und bietet perfekte Ausflugsgelegenheiten. Abends bin ich in Mea Shearim eingeladen und morgen früg gehe ich in eine der Synagogen im Stadtteil. Bände könnte ich über meine dortigen Erfahrungen verfassen, doch wo anfangen ?
Es ist außerordentlich schwer, das Bild eines Mea Shearim Juden an Außenstehende zu vermitteln.

Hinzu kommt, dass in dieser Woche, am Schabbat Ki Tisa nicht nur vom Bau des Goldenen Kalbes gelesen wird, sondern an jedem Schabbat nach Purim der folgende Schabbat "Schabbat Parah" ist. Die Rote Kuh steht im Vordergrund und auch über sie und ihre Asche wurde ein eigener Talmudtraktat verfasst. Allerdings findet die Prozedur mit der Roten Kuh ohne Tempel nicht statt. Richtige rote koschere Kühe geibt es ganz selten einmal oder gar nicht.

Paradoxerweise macht ihre Asche "rein" und dieser Reinheit bedürfen wir, wenn wir den Dritten Tempel haben. Nicht nur eine körperliche, sondern ebenso eine spirituelle Reinheit. Wie genau das funktioniert, begreift bis heute kaum ein Mensch. Selbst der berühmte weise Shlomo HaMelech (König Salomon) gab bei der Roten Kuh auf. Kabbalisten versuchen alles mit Toren (Shearim) zu erklären und somit sei auch die Asche der Roten Kuh das Tor zu eine absolut perfekten höheren Welt.

"Schabbat Schalom - Gut Schabbes" an alle Leser !

Donnerstag, Juni 25, 2009

Parashat Chukat - פרשת חוקת


Die Rote Kuh
Photo: Temple Institute Jerusalem

B"H

Die Thoralesung für diesen Schabbat

In Israel wird an diesem Schabbat "nur" die Thoraparasha "Chukat" in den Synagogen gelesen, im Ausland hingegen gibt es, soweit mir bekannt ist, zwei Parashot zu hören"Korach und Chukat". Nachdem Israel und die Diaspora aufgrund von Schavuot (dem Wochenfest) zeitverschobene Thoraparashot am Schabbat lasen, erfolgen an diesem Schabbat in der Diaspora zwei Lesungen. Somit sind wir am kommenden Schabbat, dem 4. Juli, wieder auf ein und demselben Stand. Dann lesen Diaspora und Israel gemeinsam die Parashat Balak.

Zur Parashat Chukat:

Diese Thoralesung beginnt mit einem Paradox. Wahrscheinlich ist es das größte und berühmteste Paradox in der gesamten Thora und sogar der weise König Salomon (Shlomo HaMelech) verzweifelte an der Logik.
Normalerweise erklärte G - tt Moshe die Gründe und die Logik sämtlicher Thoragesetze, doch in der Midrasch lesen wir, dass als Moshe G - tt nach der Bedeutung der Parah Aduma, der Roten Kuh fragte, er keine Antwort bekam.

Die Parasha heißt Chukat und Chukat steht für Gesetze, die wir mit unserem eingeschränkten menschlichen Verstand nicht zu fassen in der Lage sind. G - tt trägt Moshe auf, eine Rote Kuh (Parah Adumah) ohne jegliche Schönheitsfehler zu finden und sie in einem bestimmten Ritus durch Priester (Cohanim) verbrennen zu lassen. Danach wird die Asche der Kuh mit Wasser vermischt und unreine Menschen sowie Tempelgegenstände (Geschirr) werden, nachdem sie mit dem Wasser in Berührung gekommen sind, wieder rein. Körperlich genauso wie in ihrer Seele (Neschama). Allerdings wird derjenige, der den Verbrennungsprozess ausführt, dadurch unrein. Und genau darin besteht das Paradox.

Wie kann etwas, was eigentlich rein (tahor) macht, andere wiederum unrein (tamei) machen ?

Hierzu gibt es viele Kommentare, doch eine erklärende Antwort haben wir nicht. Anscheinend soll uns diese Mitzwah (Gesetz) deutlich machen, dass unser menschlicher Verstand im Gegensatz zu G - ttes allumfassendes Wissen nur sehr eingeschränkt funktioniert. Nicht alles was G - tt tut oder entscheidet, liegt in unserer Kraft es auch logisch nachzuvollziehen. Die Logik ist vielleicht unser großes Problem, denn wir wollen alles logisch beantwortet haben und wehe dem, wenn es einmal nicht so funktioniert.

Die Mitzwah der Roten Kuh, selbst wenn sie uns unverständlich ist, dürfen wir laut der Gemara im Talmud Traktat Yoma 67b nicht kritisieren. Dort heißt es, dass dieses spezielle Gesetz von G - tt stammt und wir keinerlei Recht zur Kritik daran haben. Insgesamt wurden in der jüdischen Geschichte nur neun Rote Kühe verbrannt. Die erste in der Zeit Moshes und die letzte vor der Zerstörung des Zweiten Tempels. Es heißt, dass die zehnte Rote Kuh vom Meschiach verbrannt wird. Rabbi Zadok HaCohen von Lublin betrachtet die Mitzwah der Roten Kuh als Tikun (Reparatur der Seele) für das Goldene Kalb (siehe hierzu auch das Buch Noam Elimelech und die Tosafot).

Was ist die eigentliche Bedeutung der Mitzwot (Gesetze), die uns G - tt in der Thora aufgetragen hat ? Warum das alles ?

In der Chassidut wird als Hauptgrund angegeben, dass wir anhand der Erfüllung der Mitzwot eine Devekut (Nähe) zu G - tt erreichen. Wir können G - tt jedoch nur nahe sein, wenn wir uns in einem reinen Zustand befinden (Magen Avraham), wo wiederum die Rote Kuh mit ihrem Reinigungsprozess ins Spiel kommt. Einen sehr interessanten Kommentar zur Roten Kuh fand ich bei Rabbi Samson Raphael Hirsch. Rabbi Hirsch vergleicht die Roten Kuh und deren spätere Asche mit den zwei menschlichen Eigenschaften; der tierischen und der g - ttlichen. Die Tierische steht für die sogenannte "physical world" und die G - ttliche für die sogenannte "upper world". Unser weltlicher Körper, ausgedrückt durch die Kuh, wird sterben, aber unsere Seele (Neschama), ausgedrückt durch die Asche, wird für alle Ewigkeiten weiterleben.

Das Verbrennen der Roten Kuh mußte außerhalb des Lagers der Israeliten bzw. später zu Tempelzeiten außerhalb der Tempel stattfinden. In der Ära des Zweiten Tempels wurde die Kuh auf dem Ölberg verbrannt. In einer Prozession wurde die Kuh dorthin gebracht. Auf dem Ölberg angekommen wurde die Kuh mit einem Seil aus Bast so an einen Pfahl gebunden, dass ihr Kopf nach Süden und ihr Gesicht nach Westen gerichtet war. Der Priester (Cohen) stand in Richtung Osten und mit dem Gesicht nach Westen. Er schlachtete sie mit der rechten Hand und fing das ihr Blut mit der linken Hand auf (Talmud Parah, Mishna 9).

Seit der Zerstörung des Zweiten Tempels sind wir in der Ausführung unserer Mitzwot sehr eingeschränkt. Ca. 70 – 80 der ursprünglich 613 sind wir heutzutage in der Lage zu erfüllen. Alle weiteren bezogen sich auf den Tempeldienst und die Cohanim (Tempelpriester). Auch die Mitzwah der Roten Kuh gibt es derzeit nicht, sondern erst wieder nach dem dem Eintreffen des Meschiach.

Rote Kühen selbst sind vielen Wissenschaftlern ein Rätsel. Wie genau sahen die Kühe aus und wie kam es überhaupt, dass sie damals existierten und heute nicht ? Vor einigen Jahren glaubte man, in der Nähe von Haifa eine solche Rote Kuh entdeckt zu haben. Schon meinten viele, dass dann der Meschiach nicht mehr weit sei. Die Euphorie wurde jedoch schnell gedämpft, denn die Rote Kuh war nicht perfekt wie vorgeschrieben. Sie hatte einige schwarze Haare in ihrem ansonsten so roten Fell, was sie unkoscher für ein Verbrennen machte.

Der Parashainhalt der Roten Kuh, sowie der Tod von Miriam und ihrem Bruder Aharon sollten uns an diesem Schabbat etwas nachdenklich in bezug auf unser eingeschränktes Wissen und unsere Sterblichkeit stimmen.

Zu guter Letzt eine chassidische Story; eine Story von Rabbi Zusha von Anapoli (1718 - 1800), dem jüngeren Bruder des großen chassidischen Rabbiners Elimelech Weissblum von Lizhensk (Lejanks in Polen).

Einmal sagte Rav Zusha zu seinen Schülern:
"Wenn ich sterbe, wird mich G - tt nach meinem Tode nicht fragen - "Zusha, warum warst Du nicht so perfekt wie Avraham oder Moshe ?".
Was Er mich dagegen fragen wird ist - "Zusha, warum warst Du nicht Zusha ?"

Die Bedeutung ist, dass wir nicht immer auf andere und deren Potential schauen sollen. Stattdessen sollten wir uns lieber auf unsere Aufgaben und unser individuelles Potential konzentrieren. Was meines Nachbarn Aufgabe in dieser Welt ist, ist noch lange nicht meine.

Schabbat Schalom