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Mittwoch, November 07, 2012

Aus dem Buch KUZARI: "Absicht und Handlung"

B"H 

Einmal in der Woche nehme ich an einem Online Unterricht teil. Das Thema ist das Buch DER KUZARI und der unterrichtende Rabbiner ist Rabbi Chaim Eisen. Ursprünglich aus New York, doch in Jerusalem lebend. 

Wer von Euch über ausreichende Englischkenntnisse verfügt und Lust hat, kann sich ebenso kostenlos einschreiben und teilnehmen. HIER eintragen. Umsonst und ohne Spam !

Rabbi Eisen selbst kenne ich seit einigen Jahren persönlich, denn ich nehme an einem weiteren Schiur (relig. Vortrag) von ihm teil. Ebenfalls einmal pro Woche, aber nicht online, sondern live bei der ORTHODOX UNION in Jerusalem.

Bei seinem letzten Vortrag zum SEFER HA’KUZARI sprach der Rabbi über die Intension (Absicht, Vorsatz) und die nachfolgende Handlung.

Vorsätze (die Absicht) ist wichtig, aber nicht genug. Das, was zählt, ist die ernsthafte Handlung.

Das Judentum ist eine Religion der HANDLUNG. An G – tt glauben allein reicht nicht, denn schliesslich gab G – tt uns in der Thora Seinen Willen kund und demnach sind Juden verpflichtet, gewisse Gebote zu erfüllen (Koscher, Schabbat, Beschneidung, Feiertage, usw.) Nicht zu vergessen die Wichtigkeit der zwischenmenschlichen Beziehungen. Wenn wir also handeln, so ist die vorherige Absicht enorm wichtig, denn sich einfach so hinstellen und handeln ist zwar nicht falsch, befindet sich jedoch in einem unteren Level. Beim Ausführen der Thoragesetze benötigen wir zuerst die Absicht, doch die Handlung muss ebenso konzentriert wie ernsthaft erfolgen. 


Rabbi Eisen nannte uns das Beispiel eines Yeshiva Studenten (Schüler einer relig. Schule), der abends seine Wecker stellt, um pünktlich zum Morgengebet Schacharit geweckt zu werden, doch in dem Moment als der Wecker klingelte, er diesen an die Wand warf und weiterschlief.

Die Frage ist: WIE EIGENTLICH SCHAUT EINE GUTE ABSICHT AUS ? Meiner Meinung nach kommt es hierbei auf den Individualfall sowie auf den Level eines Jeden an. Es gibt Zeiten, in denen die Absicht des Einzelnen höher sein könnte, denn er besitzt ein hohes Potenzial, welches er jedoch in dem Moment nicht ausnutzt.

Rabbi Eisen listete uns ein paar Personen aus dem Alten Testament (Thora, Propheten, Schriften) auf, deren Absichten durchaus positiv waren, doch die nachfolgende Handlung sich als völig falsch erwies. Da wäre zum einen der tragische Tod von Nadav und Avihu (den Söhnen Aharons), deren Absicht, Kräuter (Ketoret) zu verbrennen, absolut gutwillig gemeint war. Offenbar waren beide Brüder von all den Geschehnissen um sie herum überwältigt und sie wollten G – tt danken. Dennoch verstiessen sie damit gegen die Regeln G – ttes, denn dieser hatte Moshe und Aharon beauftragt, dass die Ketoret nur zu bestimmten Zeiten geopfert werden darf und nicht einfach so zwischendurch.

Ein weiteres Beispiel finden wir im EGEL (Goldened Kalb). Viele Juden schlossen sich der Tat mit dem Goldenen Kalb an, teilweise jedoch au seiner guten Absicht heraus, denn sie meinten, dass dies ein guter Weg sei, G – tt anzubeten. Sie sahen nicht das Kalb allein, sondern stand immer noch G – tt für sie im Vordergrund. Eine Handlung, die sich als fatal erwies.

Ein drittes Beispiel finden wir im DIVRE’I HA’YAMIM (Chroniken II), 26:16 – 23: 

König Uzziyahu (Uzziah), der sehr viel Positives erreicht hatte, beschloss, G – tt zu danken, indem er Ihm eine Ketoret (verbrannte Kräuter und Gewürze) darbrachte. Und das auf dem Altar (Mizbeach) des Tempels. Diese Aufgabe aber ist den Tempelpriestern (Cohanim) vorbehalten und niemandem sonst. Tut es dennoch jemand außer einem Cohen, unterliegt er einer g – ttlichen Bestrafung. 

Obwohl die Tempelpriester Uzziyahu warnten, die Ketoret nicht selbst zu verbrennen, liess sich der König von seinem Vorhaben nicht abbringen. Er wollte G – tt unbedingt danken, komme, was wolle. Und es kam: G – tt strafte Uzziyahu mit Za’arat (Aussatz) auf dessen Stirn. Das traurige Ergebnis war, dass Uzziyahu nicht mehr direkt in Jerusalem bleiben konnte, sondern ins Lager der Aussätzigen zog. Sohn Yotam wurde sein Nachfolger.
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1. Der biblische Aussatz war, medizinisch betrachtet, nicht jener, den wir heute kennen, sondern eine spezielle, uns unbekannte Art des Aussatzes. 

2. Laut der Thora darf ein Jude, versehen mit einem biblischen Aussatz, nicht in der Mitte anderer Juden leben, sondern nur fernab. Wir sehen dies, u.a., bei der Miriam als sie mit Aussatz versehen wurde und außerhalb des Lagers der Israeliten leben musste.  

Donnerstag, September 27, 2012

"Jonah und der Fisch" - Eine Betrachtung aus der Welt der Kabbalah


B”H

Während des gestrigen Nachmittagsgebetes MINCHA lasen wir am Yom Kippur das Buch Jonah. Hier noch ein kleiner Nachtrag zum Inhalt des Buches aus dem kabbalistischen Buch ZOHAR.

Über JONAH und den Fisch (p. 172), Zohar 198b

Rabbi Abba diskutiert den Text:

G – tt befahl dem Fisch, Jonah wieder auszuspeien. Die Frage ist, wann und wo genau G – tt mit dem Fisch sprach, um ihm diesen Befehl zu übermitteln ?

Rabbi Abba antwortet, dass Zeit und Ort am fünften Tag der Welterschaffung zu finden sein. Dann nämlich suchte G – tt einen bestimmten Fisch aus, welcher in der Zukunft einmal Jonah verschlucken und nach drei Tagen wieder ausspeien soll.

Das kabbalistische Buch ZOHAR (veröffentlicht im Jahre 1290 in Spanien) gibt uns zur Parashat Vayakel einen faszinierenden tiefgehenden Einblick in das Buch Jonah. Mehrere Jahrhunderte später griff der Vilna Gaon das zoharische Konzept auf und verfasste basierend darauf seinen eigenen Kommentar.

Der Zohar lehrt uns:

Wenn es im Buch Jonah heißt, dass Jonah ins Schiff hinunterging, so ist diese Aussage lediglich symbolisch zu erfassen. Jonah steht für die Seele, die aus der oberen spirituellen Welt herunter kommt und im Körper eines Menschen landet.
Die Seele ist nicht gerade erfreut darüber, denn plötzlich wird sie von G – tt gezwungen aus ihrer perfekten g – ttlichen Umgebung hinunter in die materielle Welt abzutauchen und in unseren Körpern zu landen. Dabei will die Seele im Grunde genommen nur eines: In ihrer perfekten Umgebung verbleiben und so nahe wie möglich bei G – tt verbleiben. Der Mensch handelt nicht gerade immer gemäß G – ttes Willen und sündigt, was die Seele im Körper nicht will. Der Körper selber jedoch handelt nach seinem individuellen Verlangen.

Der Mensch sündigt und denkt sich dabei insgeheim, dass er schon irgendwie vor der Anwesenheit G – ttes entfliehen kann. Vielleicht sieht G – tt ja doch nicht alles. Aber, wie wir dennoch alle wissen, G – tt entgeht nichts und jeder Mensch muss letztendlich für seine Handlungen die Verantwortung übernehmen.

Jonah befand sich im Bauch des Fisches und der Bauch steht symbolisch für eine untere Welt genannt Sheol. Wobei es sich um reine Symbolik handelt und es materiell keine unteren sowie oberen Welten gibt. Die untere Welt ist lediglich ein unterer Seelenlevel innerhalb desjenigen Menschen selbst.

“Drei Tage und drei Nächte” war Jonah im Bauch des Fisches. Bei der Anzahl “Drei Tage und drei Nächte” steht ebenso für die Zeit, die eine Leiche im Grab liegt bevor sich der Bauch öffnet. Nach drei Tagen im Grab erhält der Tote seine Strafen in jedem Organ. In den Augen, in den Händen oder in den Füssen. Dieser Prozeß dauert 30 Tage an und in diesem Zeitraum werden die Seele und der Körper zusammen bestraft. Aus diesem Grund verbleibt die Seele solange im toten Körper und steigt noch nicht wieder auf zu ihrem Ursprung. Nach 30 Tagen steigt die Seele auf, während der Körper völlig verwest. Allerdings bleibt immer ein kleiner Teil im Körper, welcher bei der Wiederauferstehung der Toten (Tchiat HaMetim) reaktiviert werden wird. Manche sagen, dass ein Teil der Seele in der Leiche verbleibt. Der Talmud spricht, u.a., von einem bestimmten Knochen, welchen G – tt bei der Wiederauferstehung reaktiviert.

Sobald der Fisch Jonah verschluckte, starb Jonah. Nach drei Tagen aber wurde er wieder zum Leben erweckt und vom Fisch ausgespiehen. Ähnlich wird G – tt in der Zukunft das Land Israel zu neuem Leben erwecken.

Ein Mensch durchläuft nach seinem Tod sieben Prüfungen. Der erste Test findet statt, sobald die Seele den Körper verläßt und das Himmelsgericht über den Toten beginnt. Der zweite Test erfolgt in dem Moment, wenn die Handlungen und Worte vor dem Toten hergehen. Bedeutet, wenn er ihnen zufolge gerichtet wird. Die dritte Prüfung findet statt, wenn der Tote in sein Grab gelegt wird. Die vierte Prüfung ist das Grab selbst. Der fünfte Test ist die Verwesung. Test Nummer 6 steht für die Strafen / das Leiden in Gehinom. Wobei es sich bei Gehinom um einen spirituellen Reinigungsprozeß handelt und dies keinesfalls mit dem christlichen Konzept der “Hölle” gleichzusetzen ist. Nummer 7 beinhaltet die rastlose Seele, welche von Welt zu Welt wandert; solange bis ihre Aufgabe erfüllt ist und sie ihren endgültigen Tikun (Korrektur) hinter sich gebracht hat.

All das soll uns dazu anhalten, unsere tagtäglichen Handlungen zu überdenken. Zuerst nachdenken und dann handeln. 
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Wenn ich diese Verse aus dem Zohar anschaue, fühle ich mich plötzlich wie Jonah.

Sonntag, August 26, 2012

Der RADAK und sein Kommentar zum Christentum

B"H

Beim RADAK, Rabbi David Kimchi (1160 - 1235), handelt es sich um einen der bekanntesten Kommentatoren des Buches der Propheten. Mir ist nicht bekannt, ob sein Kommentar jemals in die englische Sprache übersetzt worden ist, doch wenn wir die Propheten in hebräischer Sprache lernen, so kommen wir kaum um den Kommentar des RADAK herum. 

Jetzt fand ich im Internet einen nicht weniger interessanten Kommentar des Rabbi David Kimchi: Nämlich seine Antwort auf das Christentum und wie Christen, insbesondere das Buch der Propheten, falsch interpretieren.

Montag, Juli 23, 2012

Wird die MEGILLATH EICHA auch dann noch gelernt / gelesen, wenn der Meschiach eingetroffen ist ?

B"H

Wird die MEGILLATH EICHA auch dann noch gelernt / gelesen, wenn der Meschiach eingetroffen ist ?

Eine interessante Frage. Die meisten von uns sind insgeheim der Meinung, dass mit dem Kommen des Meschiach die Thora wie gewohnt weiter existiert. Und das bis in alle Ewigkeit. Der Yom Kippur aber wird kein Fastentag und Tag der Umkehr mehr sein, denn mit dem Meschiach wird kein Mensch auf der Welt je wieder gegen G – tt laufen, geschweige den rebellieren. Daher besteht überhaupt kein Grund mehr zur Umkehr, denn es sind ja bereits alle umgekehrt. Juden wie Nichtjuden gleichermassen.

Und ja, auch nach dem Eintreffen des Meschiach wird es weiterhin Juden und Nichtjuden geben. Was es nicht mehr geben wird sind diverse Götzendienereien wie den Buddhismus, die Krishnas und selbst das Christentum wird dann der Vergangenheit angehören. Mit der Ankunft des Meschiach wird sich die Welt dem EINEN G – tt zuwenden und man kann noch nicht einmal etwas dagegen unternehmen.

Aber zurück zum Ausgangspunkt:

Wird in der Zeit des Meschiach nach wie vor das Buch Eicha gelesen, welches da von der Zerstörung des Ersten Tempels berichtet ? Wozu noch daran erinnern ?

Die Antwort, die ich fand, lautet eindeutig JA. Die Megillath Eicha wird auch nach der Ankunft des Meschiach noch gelernt. Eben weil sie ein fester Bestandteil des TANACH (Thora, Propeten und Schriften) ist. Nichts aus dem Tanach darf entfernt, umgeschrieben oder hinzugefügt werden. 

Ferner lernen wir in der Zeit gerade anhand von Eicha, was es bedeutet, in der tollen Zeit des Meschiach zu leben und keine Tempelzerstörungen mehr erleiden zu müssen. Ansonsten würden wir unter Meschiach nur allzu schnell die Anerkennung der Zeitperiode, in der die Menschen dann leben, beginnen zu ignorieren. Man gewöhnt sich halt an eine neue tolle Zeit, ohne groß darüber nachzudenken, welcher Ehre man eigentlich unterliegt. Ähnlich den heutigen Juden in Jerusalem, die da alles haben. Koscheres Essen, jüdisches Leben pur, jüdische Buchläden an jeder Ecke und sogar die Kotel (Klagemauer). Anstatt uns diese Ehre jeden Tag bewusst zu machen, driften wir im Alltag in die Gleichgültigkeit ab.

Donnerstag, Oktober 06, 2011

"Wie die Engel" - Der höchste jüdische Feiertag YOM KIPPUR



B"H

Die zehn Tage (Aseret Yame'i Teshuva) zwischen dem Neujahrsfest Rosh HaShana und dem Versöhnungstag Yom Kippur sind jedesmal sehr emotional. An Rosh HaShana werden wir Juden für das Neue Jahr gerichtet und am Yom Kippur (Freitag abend - Samstag abend) "unterschreibt" G - tt Sein Urteil (um es einmal bildlich darzustellen).

Für die zehn Tage zwischen den beiden Feiertagen gilt allgemein die Regel, dass wir uns mit jeglichen Vergehen etwas zurückhalten sollten. Schließlich kann es ja durchaus sein, dass G - tt unser individuelles Schicksal noch nicht entschieden hat und so wollen wir Ihm dieser Tage zeigen, dass wir doch eigentlich gar nicht so schlecht sind. Demzufolge könnte Er bis Yom Kippur Seine Meinung über uns ändern und uns für ein positives Jahr ins "Buch des Lebens" eintragen. Auch beten wir innerhalb dieser zehn Tage weiter die Selichot - Gebete, um G - tt um Verzeihung zu bitten.

Den Feiertag Yom Kippur begehen wir jedes Jahr am 10. des jüdischen Monat Tischre. Der 10. Tischre war der Tag, an dem Moshe mit dem zweiten Paar Gesetzestafeln vom Berg Sinai in das israelitische Lager zurückkehrte. G - tt hatte ihnen nach dem Vorfall mit dem Goldenen Kalb verziehen und Moshe, nachdem er die ersten Gesetzestafeln zerbrach, ein zweites Paar gegeben. In den Thoraparashot (Thoralesungen) "Acharei Mot" sowie in "Pinchas" trägt G - tt uns auf, diesem Tag auch weiterhin zu gedenken und ihn zu feiern. Somit ist der Yom Kippur ein biblisch - vorgeschriebener Feiertag.


Während an Rosh HaShana Juden und Nichtjuden gerichtet werden, betrifft der Yom Kippur einzig und allein nur für das jüdische Volk.



Bevor ich auf den eigentlich Feiertag eingehe, möchte ich einen Minhag (Brauch) beschreiben, der in den Tagen vor Yom Kippur von wesentlicher Bedeutung ist und der von jeher von Nichtjuden als antisemitische Hetze gegen Juden verwendet wurde. Vielleicht versteht ja nach dem Lesen des Artikels der ein oder andere den Minhag etwas besser.

Beim dem Minhag handelt es sich um die "Kapparot".Nicht, dass mir jetzt sämtliche Tierschützer aufs Dach steigen und mir Tierquälerei vorwerfen, denn bei den Kapparot geht es vorwiegend um die rituelle Schlachtung eines Huhnes. Überall in jüdisch - relig. Wohngegenden sieht man in dieser Woche folgendes Schauspiel:
Juden gehen zu Ständen, an denen die Kapparot angeboten werden. Man zahlt einen Unkostenbeitrag, ein Religiöser nimmt ein Huhn und zirkelt dies 3 oder 7 Mal über unsere Köpfe hinweg. Die Anzahl von drei oder sieben kommt ganz auf den Brauch der jeweiligen Person an. Die Person spricht ein kurzes Gebet und danach wird das Huhn rituell geschächtet, heisst, es wird ihm mit einem kleinen Schächtmesser die Kehle durchgeschnitten. Es ist üblich für eine Frau eine Henne und für den Mann einen Hahn zu verwenden (siehe Kitzur Shulchan Aruch - Dinei Yom Kippur) .

Der Brauch der Kapparot findet weder in der Thora noch im Talmud Erwähnung. Allerdings ist der Minhag sehr alt, denn schon im 9. Jahrhundert wurde er von Kommentatoren erwähnt. Hintergrund des Brauches ist die Symbolisierung des sogenannten Sündenbockes (Azalzel), ein Ritual, bei welchem der Hohepriester (Cohen HaGadol) in einer Tempelzeremonie einen Ziegenbock in die Wüste sandte. Symbolisch betrachtet transferieren wir unsere Sünden in das Huhn, welches für uns stirbt. Diese Meinung ist ausdrücklich nur Symbolik, und das eigentliche Ziel der Kapparot ist es, uns auf den Yom Kippur vorzubereiten, an dem wir G - tt um Verzeihung bitten.

Nicht immer finden die Kapparot anhand eines Huhnes statt. Leute, die nicht unbedingt wollen, dass ein Huhn für sie stirbt, können sich darauf beschränken, nur einen bestimmten Unkostenbeitrag zu geben und bekommen dann ein kleines Zertifikat ausgestellt. Wieder andere geben nur Geld, aber zusätzlich wird ein Huhn über ihren Kopf gedreht, welches hinterher nicht geschächtet wird. Im Mittelalter lehnten so berühmte Rabbiner wie der Ramban und Rabbi Yosef Karo diese Zeremonie grundsaetzlich ab. Das sei alles dumm und erinnere an götzendienerische Rituale. Der große Kabbalist, Rabbi Yitzchak Luria, hingegen sah in den Kapparot eine immense kabbalistische Bedeutung.

Wie dem auch sei, jeder kann für sich entscheiden, ob er Kapparot macht oder nicht. Ich selbst habe mich schon im vergangenen Jahr entschieden, dem Brauch nicht mehrzu folgen und die Kapparot auszulassen.

Den Kapparot in Jerusalem zu entkommen, ist unmöglich, denn in der ganzen Stadt stehen Stände. In Mea Shearim und neben dem Machane Yehuda Markt werden vor dem Feiertag täglich Tausende von Hühnern geschächtet und Geldstände sich ebenso zur Genüge vorhanden.
Aber was passiert eigentlich danach mit all den toten Hühnern ?
Hierzu gibt es unterschiedliche Bräuche. Manche nehmen das Huhn mit heim und essen es und wieder andere geben es als Spende an arme Leute.



Israelische Tierschützer protestieren jedes Jahr aufs Neue gegen den Kapparot - Brauch. Bisher brachten die Demos nichts ein, denn vor allem die Haredim (Ultra - Orthod.) sehen nicht ein, warum sie auf das Huhn verzichten sollten. Weiterhin seien die Kapparot mit einem Huhn kabbalistisch ggf. auf einem höheren Level.


Die Tierschützer

Photos Ynet


In Jerusalem ist schon gegen mittag Yom Kippur Stimmung. Die Geschäfte machen früh dicht und jeder eilt nach Hause, um sich nicht übermässig anzustrengen und noch auszuruhen.




Leere Straßen am Yom Kippur.


Grundsätzlich gelten für diese 25 Feiertagsstunden fünf feste Regeln:

1. Nichts essen, denn an dem Tag sind wir wie die Engel, welcher keiner Nahrung bedürfen.
Diese Regel trifft nicht auf jene Menschen zu, die ernsthafte gesundheitliche Probleme haben. Auch Kleinkinder und schwangere Frauen sind von der Regel befreit.

2. Nichts trinken

3. Keinen Sex

4. Keine Lederschuhe tragen, denn die sind ein Zeichen für Bequemlichkeit. Innerhalb der vergangenen Jahre tat sich ebenso das "Problem" der CROCS auf. Sind die Crocs zu bequem am Yom Kippur ? Viele israelische Rabbiner sagen JA und man sollte auf sie verzichten.

5. Sich nicht duschen, waschen oder Deos bzw. Cremes verwenden.

Am Yom Kippur sollen auf alle weltlichen Bequemlichkeiten verzichtet werden und wir widmen uns G - tt, Der uns richtet. Neben diesen fünf Regeln gelten natürlich zusätzlich sämtliche Halachot wie für den Schabbat auch (kein Feuer anzünden, etc).

Vor dem Fastenbeginn essen wir nochmals ausreichend bei einer speziellen Mahlzeit, die "Se'udat Mafseket" genannt wird. Diese Mahlzeit ist eine Mitzwa, auf die keinesfalls verzichtet werden sollte.

Dieser Tage werden fast alle israel. Tageszeitungen ihre alljährlichen Empfehlungen für die Mahlzeiten ablassen. Was isst man am besten, wenn man danach 25 Stunden fastet ? Fleisch macht durstig und vegetarisch wäre besser. Sind Früchte und Obst angebracht ? Mein persönlicher Geheimtipp lautet immer Weintrauben und viel Wasser trinken.

Nach dem Kerzenanzünden gehen wir in die Synagogen. Wer für verstorbene Angehörige eine Kerze (Ner Zikaron) zünden will, der sollte das vor den Kerzen für den Yom Kippur tun.

Der Synagogenservice beginnt mit dem "Kol Nidrei" und danach gehen wir über zum Abendgebet Ma'ariv.

Der Tag darauf wird von nonstop Synagogendiensten bestimmt. Im Morgengebet Schacharit lesen wir bei der Thoralesung aus dem Buch Vayikra (Leviticus) 16:1 - 34 (Parashat Acharei Mot). Der Maftir wird aus Numeri (Sefer BaMidbar) 29:7 - 11 gelesen und die Haftarah (Lesung aus den Propheten) erfolgt aus Jesaja (Yeshayahu) 57 - 14, welche von der Umkehr zu G - tt handelt.

Zum Nachmittagsgebet Mincha erfolgt die Thoralesung aus Vayikra (Leviticus) 18:1 - 30, in der es um verbotene sexuelle Beziehungen geht. Der Grund für diese Lesung ist, dass gerade aufgrund dieser Vergehen das jüdische Volk immer wieder aufs Neue ins Verderben fiel.



Die Haftarah (Lesung aus den Propheten) ist das Buch Jonah.
Ein jeder von uns kennt die Geschichte Jonah's, der vor G - tt flüchtete als ihm aufgetragen wurde, nach Ninveh zu gehen und die Stadt vor G - ttes Zorn zu warnen. Letzendlich landete Jonah im Bauch eines Fisches, bat G - tt um Verzeihung, wurde aus dem Fisch befreit und er ging nach Ninveh.

Wir lesen das Buch Jonah am Yom Kippur, da das gesamte Buch natürlich mit Umkehr zu G - tt (Teshuva) zu tun hat. Ich war immer der Meinung, dass es reicht, einmal das Buch Jonah zu lesen und dann habe ich meine Message auf ewig. Dann fand ich zufällig den Kommentar des Vilna Gaon zum Buch Jonah und seitdem habe ich einen wesentlich anderen Zugang zum Buch.

Der Vilna Gaon sieht die ganze Story nur als Metapher. Seiner Meinung nach ist die Person Jonahs nur ein Symbol für unsere eigene Seele, die im Paradies sitzt und von G - tt auf die Erde gesagt wird. Die Seele weigert sich natürlich, denn sie will nicht in einen irdischen Körper. Daher sagt der Vilna Gaon das der Körper hier von dem Schiff symbolisiert wird, auf das Jonah flüchtete. Der Körper kann alles andere als spirituell sein und geht gewöhnlich seinen weltlichen Verlangen nach. Der Fisch ist sozusagen das Grab und die Seele einer Person steigt auf (das trockene Land, auf welches Jonah gespiehen wurde).

Nach dem Mincha - Gebet gehen wir über in das Ne'ilah - Gebet, welches recht kurz ist. Mittlerweile schauen schon alle auf die Uhr, wann das Fasten denn endlich vorbei ist. Das Ne' ilah ist die letzte Chance bevor die Himmelstore geschlossen werden und daher wird es im Englischen "Closing the Gates" genannt.

Gleich anschliessend ertönt das Schofar und es darf nach Herzenslust gegessen und getrunken werden. Besonders emotional ist der Yom Kippur - Ausgang an der Klagemauer, wo Abertausende von Menschen versammelt sein werden. Damit nicht alle hungrig heimgehen, werden Gebäck und Getränke ausgeteilt.

Die Yeshiva Aish HaTorah veranstaltet zusammen mit Jeff Seidel's Jewish Student Information Center sowie dem kostenlosen relig. Hostel Heritage House ein Yom Kippur Programm. Zum Abschluß des Fastens findet ein "Break - Fast bei" Jeff Seidel statt. Dort gibt es Unmengen von Getränken, Beigels, Käse und Obst. Niemand bleibt ungesättigt und wir alle haben jedesmal das ganz besondere Gefühl, dass wir es tatsächlich durchgehalten haben und frei von jeder Sünde sind. Jedenfalls für kurze Zeit.

Bleibt noch zu erwähnen, dass zu Tempelzeiten ganz spezielle Yom Kippur - Riten im Tempel stattfanden. Es war der einzige Tag im Jahr, an dem der Hohepriester (Cohen HaGadol) das Allerheiligste (Kodesh HaKedoshim) betreten durfte. Er rief G - ttes richtigen Namen aus und bat für das jüdische Volk um Vergebung. Auch fand die berühmte Verlosung der zwei Ziegenböcke statt, von denen einer G - tt geopfert wurde und der andere dem sogenannten Azalzel, der schlechten Seite.

Im Judentum haben wir eine absolut unterschiedliche Vorstellung von der schlechte Seite bzw. dem Satan. Der Satan ist keine Person, sondern unsere eigene schlechte Seite, die uns zum Sündigen veranlasst. Der "jüdische Satan", wenn ich das einmal so formulieren darf, wurde von G - tt selbst erschaffen. Er wollte, dass wir eine freie Wahl im Leben haben und dies wäre ohne negative Aspekte unmöglich. Im Talmud Bava Batra heisst es, dass G - tt nach der Ankunft des Meschiach die schlechten Veranlagungen in uns abschafft und wir nur noch Gutes tun werden.


BeShana HaBah Be' Yerushalaim - Im nächsten Jahr in Jerusalem - Nach der Ankunft des Meschiach.

Zom Kal und Gmar veChatimah Tova an alle Leser.

Ein leichtes Fasten und ein gnädiges G - ttesurteil an alle Leser.

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Montag, September 05, 2011

Das Verschwinden der Prophezeihungen nach der Zerstörung des Zweiten Tempels

B”H 

An dieser Stelle beziehe ich mich lediglich auf den Talmud Traktat Bava Batra 12a und, u.a., nicht auf die Meinung des Rambam (Maimonides) in seinem “Moreh Nevuchim – Guide for the Perplexed – Führer der Unschlüssigen” ! 

In Bava Batra 12a zitiert die Gemara (rabbinische Diskussionen) Rav Avdimi d'Min Chaifah, der da sagte, dass nach der Zerstörung des Zweiten Tempels (im Jahre 70 nach Beginn der Zeitrechnung durch die Römer) jegliche Fähigkeiten der Prophezeihung von den damaligen Propheten genommen und den Weisen gegeben wurde. Die Gemara fragt, ob die Weisen nicht auch schon vor der Tempelzerstörung einen Level an Prophezeihung besassen. Rabbi Avdimi jedoch scheint zu meinen, dass die Fähigkeit der Prophezeihung von den Propheten genommen wurde, nicht aber von den Weisen. 

Der Talmudkommentator Raschi dagegen schreibt, dass die Prophezeihung von jenen Propheten genommen wurde, die nicht weise waren. Diejenigen Propheten mit einem Level an Weisheit dagegen behielten ihre Fähigkeit zu prophezeihen. 

Glaubte Raschi etwa, dass es Propheten gab, die nicht weise waren ? Muss ein Prophet nicht automatisch weise sein, wie uns der Talmud an anderer Stelle lehrt ? 

Wie uns die Geschichte lehrt, gab es zu Tempelzeiten (insbesondere zur Zeit des Ersten Tempels) Hunderte Propheten. Ja, es existierten ganze Prophetenschulen und Prophezeihungen waren absolut nichts Ungewöhnliches. Wenn denn der Prophet die Bedingungen erfüllte, sich Prophet nennen zu dürfen. Nicht jeder Prophet war gleich und schon die Kabbalah lehrt uns die unterschiedlichen Prophezeihungslevel. So mancher Prophet zur damaligen Zeit hatte in seinem Leben nur eine einzige Prophezeihung und danach war es aus. Das war nicht unbedingt seine Schuld, sondern G – tt sah es so vor. Mit der Vollendung einer Prophezeihung hatte der Prophet seine Aufgabe erfüllt. Somit treffen die vier Prophetenbedingungen aus dem Talmud nur auf jene Propheten zu, welche mehrere Prophezeihungen erfuhren. 

Der Ramban (Nachmanides) stimmt Raschi nicht zu, sondern kommentierte, dass lediglich all jene Prophezeihungen genommen worden sind, die auf einer prophetischen Vision aufbauen, nicht aber jene Prophezeihungen, die auf der Weisheit einer Person beruhen. Diverse Eingebungen der Weisheit bestehen auch weiterhin.

Donnerstag, August 25, 2011

Parashat Re'eh - פרשת ראה


Die Thoralesung für diesen Schabbat


Bevor wir mit der eigentlichen Thoralesung beginnen:

Wonach werden eigentlich die jeweiligen Wochenabschnitte benannt ? In dieser Woche, zum Beispiel, sehen wir das Wort "Re'eh".

Antwort: Die jeweilige wöchentliche Thoralesung am Schabbat ergibt sich vorwiegend aus dem ersten oder einem der ersten Wörter der jeweiligen Parasha. In dieser Woche finden wir das Wort "Re'eh - Siehe" als erstes Wort der Parasha.

Immer und immer wieder läßt G - tt uns durch Moshe im Sefer Devarim (Deutoronomy) wissen, wie wichtig es für Juden ist, die Thoramitzwot (Gesetze) einzuhalten. Halten wir sie ein, so geht es uns gut, wir leben in Wohlstand und Frieden und natürlich in unserem eigenen Land Israel. Halten wir G - ttes Gesetze nicht ein und wenden uns von Ihm ab, dann wird Er uns unter den Völkern verstreuen. Auch die Parashat Re'eh beginnt mit diesen Warnungen. Eine ganz wichtige Warnung, die von G - tt immer wieder in der Thora Erwähnung findet, ist der Götzendienst. Niemals sollen wir uns von dem EINEN alles regierenden G - TT abwenden und stattdessen anderen Göttern dienen.

Gleich zu Beginn der Parasha gibt uns G - tt einen Segen und einen Fluch, wobei natürlich der Götzendienst eine große Rolle spielt. Wenn wir Gutes tun, dann geht es uns gut und beim Gegenteil geschieht etwas Negatives. Der "Ohev Israel" (Rabbi Avraham Yehoshua Heshel von Apta) sowie Rabbeinu Bachya verweisen hierbei auf unsere individuelle freie Wahl im Leben. Als G - tt unsere Welt erschuf, kreierte Er uns so, dass wir selbst im Leben entscheiden können, was für Menschen wir werden. G - ttesfürchtig oder das Gegenteil. All das liegt in unserer eigenen Hand und wir haben dafür die Verantwortung zu tragen.

"Re'eh Anochi Noten Lifnejchem Hayom Bracha u'Klalah - Siehe, Ich gebe Euch heute Segen und Fluch".

Normalerweise benutzt G - tt das Wort "Anochi", wenn Er von Sich selber in der ICH - Form redet. "Anochi" bedeutet "Ich"; allerdings wird es nur in Bezug auf G - tt verwendet. Zum Beispiel gibt es kaum einem Menschen, der von sich in der ICH - Form als "Anochi" redet.

Der Thorakommentator Baal HaTurim merkt an, dass G - tt hier in der absoluten Einzahl redet. Viele Male finden wir in der Thora, dass G - tt anscheinend im Plural "E - lo - him" von sich redet, wobei G - tt selber NICHT zum Plural wird, sondern sich IMMER im SINGULAR befindet ! Was bei E - lo - him angesprochen wird, sind G - ttes unterschiedliche Kräfte, mit denen Er uns und die Welt regiert. 

In diesem Falle aber spricht G - tt in der Einzahl jeden einzelnen Juden an. A la "Schaut auf die Zehn Gebote", denn von ihnen geht alles andere aus. Und, so der Baal HaTurim weiter, beginnt das allererste Wort auf den Gesetzestafeln (Luchot) mit ANOCHI:

"Anochi A - do - nai E - lo - hej - chem …"
"Ich bin der Herr Euer G - tt …"

Von G - tt allein ging jegliche Schöpfung aus und Ihm allein sollen wir dienen.

Zum Wort "Re'eh" kommentiert Rabbi Samson Raphael Hirsch:
"Siehe" - Dies bezieht sich auf jene Generationen, die das Land Israel besiedeln werden. Die Juden müssen ihre Zukunft der Thora entsprechend gestalten. Das Entsagen von jeglichem Götzendienst bedeutet gleichzeitig eine Anerkennung der Thora. G - tt ist EINE EINZIGE EINHEIT ! Der Glaube an EINEN G - tt !
Götzendienst, lt. Rabbi Hirsch und weiteren, besteht schon in dem Moment, sobald G - tt in unterschiedliche Einheiten aufgeteilt wird.

Am Montag abend beginnt der "Umkehr - Monat" ELUL. Wie in vorherigen Artikeln angedeutet, ruft uns der Monat ELUL zur Umkehr (Teschuva) zu G - tt auf, denn am Rosh HaShana (Beginn am Abend des 28. September) wird die gesamte Welt auf ein weiteres Jahr von G - tt gerichtet. Juden erhalten ihr letztes "Gericht" am nachfolgenden Yom Kippur (Beginn am Abend des 7. Oktober).

Vielleicht beeinflusst die Thoralesung RE'EH ja den ein oder anderen zum Rosh Chodesh Elul am Dienstag und Mittwoch. Der einstige Rebbe der Chassidut Gur, der Sefat Emet, schreibt, dass der Elul der Monat des WILLEN (RATZON) ist. Innerhalb G - tt und Seinem Wesen findet niemals eine Veränderung statt ! Ferner steht G - tt über der Zeit, denn Er nicht an sie gebunden (wie wir Menschen), da Er sie ja erschuf.
Der Wille, G - tt näherzukommen. In dieser unserer materiellen Welt sowie in Bezug auf die Oberen spirituellen Welten, denn Juden besitzen die Aufgabe, diverse Seelenkorrekturen (Tikkunim) vorzunehmen. Wie ? Anhand der Mitzwoterfüllung.

Der hier angesprochene Segen bezieht sich auf die Gnade G - ttes (Rachamim) und der Fluch wiederum bezieht sich auf den richtenden G - tt (Din). Mit eben jenen zwei "Charaktereigenschaften" erschuf Er auch die Welt (Rabbeinu Bachya). Vor allem die Kabbalah beschreibt das Zusammenspiel jener zwei Charaktereigenschaften. Hätte G - tt die Welt nur mit Gnade erschaffen, dann müsste Er dementsprechend nur Gnade walten lassen, was ein ausgewogenes Leben für uns unmöglichte. Wir könnten soviele Sünden begehen, wie wir wollen und bräuchten uns keinerlei Gedanken über Bestrafung zu machen, denn es herrscht ja nur Gnade. Hätte G - tt dagegen die Welt nur mit der richtenden Eigenschaft Din erschaffen, dann sehe es anders aus. Bei jedem sündhaften Gedanken werden wir sofort gerichtet und fallen auf der Stelle tot um.

Beides allein funktioniert niemals. Bestrafungen müssen gleichzeitig unter einer gewissen Gnade stattfinden und genauso muß in der Gnade auch eine Art Din vorhanden sein. Der große Kabbalist, Rabbi Yitzchak Luria, hat in seiner Lurianischen Kabbalah dieses Zusammenspiel von Rachamim und Din erst richtig begreifbar gemacht. Zusätzlich findet dieses Zusammenspiel innerhalb der Thora in verschiedenen Namen G – ttes Erwähnung.

Auch unterscheiden die Kabbalah genauso wie die Chassidut zwischen unterschiedlichen Leveln der Ausführung der Mitzwot. Manche führen sie nur aus, weil es so geschrieben steht, andere wiederum mit Freude und andere, weil sie gezwungen werden oder Angst vor Bestrafung haben. Wie sich sicherlich jeder denken kann, wird der Ausführung mit Freude die größte Belohnung beigemessen. Der Ohev Israel sowie Rabbi Elimelech von Lizhensk (im Buch Noam Elimelech) sagen uns, wie genau wir einen hohen Level bei der Mitzwot - Ausführung erreichen. Nämlich indem wir sie mit Kavanah (Konzentration) und Keduscha (reinen Gedanken) ausführen und nicht im gleichen Moment an unsere g - ttliche Belohnung denken. In dem Moment, wo ich, z.B., einem Mitmenschen helfe, sollte ich nicht die Belohnung im Hinterkopf haben oder daran denken, was mir das jetzt einbringt. Im Judentum heißt es, dass die Belohnung für eine Mitzwah immer eine neue Mitzwah ist ("Mitzwah goreret Mitzwah").

G - tt gab uns das Land unter der Bedingung, dass wir Seine Gebote und Seine Thora einhalten. Kein anderes Land auf der Erde wurde einem Volk unter diesen Bedigungen gegeben. Rabbi Samson Raphael Hirsch schreibt, dass erst die Erfüllung der Mitzwot den Juden zu einem Ganzen machen und wir uns selbst anhand von jeder Mitzwah segnen.

Weiter heißt es in der Thora: "Und sollte unter euch ein Prophet oder ein Träumer auftauchen und euch Zeichen und Wunder tun, glaubt ihm nicht…. Er soll zum Tode verurteilt werden". Und weiter: "Glaubt selbst nicht euren Angehörigen, wenn sie euch zum Götzendienst überreden wollen".

Als ich das las, stellte ich mir die Frage, wie jemand denn zwischen einem richtigen Propheten und einem Schwindler unterscheiden soll. Theoretisch könnte die Aussage in der Thora auf fast alles zutreffen.
Aber im Judentum richten wir neben der schriftlichen Thora genauso nach G - ttes mündlicher Ueberlieferung der Gesetze, der Mischna im Talmud. Und hier gibt uns, wie immer, die Mischna genaue Auskunft. Dort finden wir im Traktat Sanhedrin 89a die genaue Definition eines falschen Propheten:

Ein falscher Prophet ist jemand der prophezeiht, was er nicht gehört hat oder was ihm nicht gesagt wurde und somit soll er zum Tode verurteilt werden. Das Todesurteil soll vom Gericht (Sanhedrin) ausgesprochen werden. Sollte dagegen ein Prophet seine Prophezeihung unterdrücken, jemand die Worte eines Propheten mißachten oder ein Prophet seine eigene Prophezeihung mißachten, so wird das Todesurteil von G - tt selbst ausgeführt.

Grundsätzlich wird im Judentum jemand als falscher Prophet angesehen, sobald dieser die Abschaffung oder die Änderung der Thora bzw. deren Gesetze predigt. Hinzukommen sogenannte Weissagungen, in denen jemand neue Gesetze der Thora hinzufügen will. Jegliche Änderungen aller Art sind biblisch verboten (siehe unter anderem Deutoronomy 18:20 oder 29:28). G – tt wies mehrmals in Seiner Thora darauf hin, dass niemals etwas geändert oder hinzugefügt werden kann.

Wenn also demnach jemand behauptet, G – tt habe ihm gesagt, dass dies oder das nicht mehr gelte, stellt sich derjenige automatisch selbst als Schwindler heraus (Raschi). Selbst ein richtiger Prophet darf niemals neue Gesetze hinzufügen (siehe Talmud Traktate Megillah 2b und Yoma 80a). Allerdings muß ich an dieser Stelle hinzufügen, dass es verschiedene halachische Ansichten darüber gibt, ob ein wahrer Prophet ZEITWEILIG und BEFRISTET das Thoragesetz außer Kraft setzen darf. Hierzu gibt es nähere Informationen bei Raschi, dem Rambam (Maimonides) in der Mischna Thora – Hilchot Yesodei HaThora 9:3 und dem Talmud Yevamot 90b. Theoretisch könnte ein Prophet dies tun, doch NICHT im Fall in dem er zum Götzendienst aufruft.

Das Thema Propheten und Prophezeihungen nimmt im Judentum ein sehr weites Literaturspektrum ein. Vor allem Kabbalisten beschäftigen sich ausgiebig mit dem Thema, denn Prophezeihungen befinden sich auf unterschiedlichen Leveln. Nicht jede Prophezeihung ist gleich. Moshe, z.B., war der größte Prophet, den wir jemals hatten und kein weiterer Prophet erreichte jemals seine Größe. Er sah G – tt sozusagen von "Angesicht zu Angesicht" wogegen folgende Propheten nur Visionen in ihrer eigene Seele (Neschama) hatten. Aber auch andere Propheten unterscheiden sich maßgebend. Normalerweise ist eine Vision kein Bild oder ein Film, der sich vor einem abspielt, sondern alles vollzieht sich in der eigenen Seele, wo zugleich die Lösung mitgeliefert wird. Der Prophet kann also sofort seine "gesehenen Bilder" definieren. Andere Propheten glauben etwas zu sehen, doch kennen die Lösung nicht. Jeder ganz nach seinem Level. Der Rambam schreibt in seiner Mischna Thora – Hilchot Yesodei HaThora, Kapitel 7, dass nur ganz bestimmte Leute auf dem Level der Prophezeihungen sind. Jemand muß schon vollkommen religiös und weise sein. Die Chassidut verweist dabei auf den Zaddik (den Gerechten).

Im Talmud heißt es, dass es seit der Zerstörung des Ersten Tempels keine Propheten mehr gibt. Viele Rabbis sind der Ansicht, dass es allerdings noch bis Bau Zweiten Tempels diverse Visionen gab. Nach dessen Zerstörung gehen wir von einer "Bat Kol", dem Echo einer himmlischen Stimme (siehe Raschi), aus.

Eines aber ist im Judentum von unendlicher Bedeutung und Rabbi Samson Raphael Hirsch sowie der Rambam (Hilchot Yesodei HaThora) bringen es auf einen Nenner. G – tt ist nur ein EINZIGES "Wesen" und es gibt niemanden neben Ihm. Der Glaube an EINEN G – tt bringt einen Juden automatisch auf einen höheren Level, selbst wenn er nicht unbedingt alle anderen Mitzwot gleichzeitig einhält. Womit ich jetzt nicht sagen will, dass alle nur an einen G – tt glauben und den Rest nicht einzuhalten brauchen. Aber die Grundlage für einen Juden ist der Glaube an EINEN G – tt, der die Welt erschuf. Andererseits besteht das Judentum aus Taten und nicht allein aus Glauben.

Dieser Schabbat ist gleichzeitig "Schabbat Mevarchin", da am Montag abend der Rosh Chodesh Elul beginnt. Somit wird also innerhalb des Schabbatg – ttesdienstes der neue folgende Monat gesegnet.

Schabbat Schalom

Sonntag, März 27, 2011

Warum wurde Ovadiah Prophet ?

B”H

Der Talmud Traktat Sanhedrin 39b konfrontiert uns mit einer eher merkwürdigen Frage: Rebbi Yitzchak fragt, warum Ovadiah verdiente, ein Prophet zu werden. 

Die “kleineren” Propheten wie Chavakuk, Micha oder eben Ovadiah sind leider oftmals viel zu unbekannt, dabei nicht weniger wichtig.

Warum wurde Ovadiah Prophet ? Die Antwort des Rebbi Yitzchak lautet, dass es Ovadiah war, der 100 Propheten vor der widerlichen Königin Yezevel versteckte, die einmal wieder darauf aus war, gläubige Juden vernichten zu wollen. 

Nur so nebenbei, im Namen / Wort Yezevel steckt das hebräische Wort ZEVEL, welche ABFALL bedeutet, 

Warum aber stellt die Gemara (rabbinische Diskussionen) diese Frage, denn bei Yirmeyahu (Jeremia) oder Daniel fragt ja auch niemand nach ? Zur damaligen Zeit musste jemand auf einem besonderen spirituellen Level sein, um Prophet zu werden oder überhaupt Prophezeihungen zu erhalten. Genau genommen gab es zu Zeiten des Erstens Tempels in Jerusalem eine “Prophetenschule”, auf welcher Hunderte von Propheten lernten. Manche Propheten empfingen regelmässig Prophezeihungen, andere wiederum nur einmal im Leben.

Der mittelalterliche Kommentator Raschi sieht den Grund darin, dass Ovadiah zum Judentum konvertiert war. G – tt sagte zu Avraham, dass er Seinen Bund nur mit den leiblichen Nachfahren Avraham eingehen wird (Bereshit 17:7). Der Talmud Yevamot 42a schlussfolgert darauf, dass nur lediglich auf geborenen Juden die Schechinah (G – ttes Anwesenheit) liegt und nicht auf Konvertiten zum Judentum. Daher stelle die Gemara in Sanhedrin natürlich die Frage. Immerhin stammte Ovadiah aus dem feindlichen Edom.

Der Talmudkommentator Maharsha stellt Rashis Erklärung jedoch in Frage, denn Rabbi Yitzchak mache schliesslich keine Andeutung darüber, dass alles nur an Ovadiahs Konversion zum Judentum liege. Viemehr fragt der Maharsha, warum Ovadiah ausgerechnet nach Edom entsandt wurde, um dort zu prophezeihen. Anderweitige Kommentatoren sehen den Grund dafür natürlich in Ovadiahs Abstammung als Edomiter. Darüber hinaus heisst es, dass Ovadiah niemand war, der sich seit seiner Jugend auf das Prophetenamt vorbereitete. Immerhin liess ihn Königin Yezevel ja am Leben und war nicht hinter ihm her, um ihn zu töten wie all die anderen Propheten. Deswegen muss Ovadiahs Level der Prophezeihung besonders verdient gewesen sein und darum frage die Gemara in Sanhedrin nach. 
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Wer jetzt eine perfekte Antwort erwartet, der wird sie nicht erhalten. Schon gar nicht vom Talmud, wo die Meinungen nur so aufeinanderprasseln. Trotzdem regen uns die Kommentare an, uns einmal ausführlicher mit den aufgeführten Themen auseinanderzusetzen.

Donnerstag, Februar 03, 2011

IRAN: Die Gräber von Esther, Mordechai, dem Propheten Daniel sowie Mishael, Azariah und Chananiya

B"H

Rabbi Israel Me'ir Gabbai von "Ohalei Zaddikim" erhielt ein iranisches Visum und reiste zu den berühmten jüdischen Gräbern des Landes. Rabbi Gabbai flog zuerst nach Teheran und von dort aus zu weiteren Orten. Er besuchte die Gräber des Propheten Habakuk, von Mordechai und Esther sowie die Gräber des Propheten Daniel und andere. Die Situation für die noch im Iran lebenden Juden soll nicht gerade angenehm sein, wie sich selber jeder vorstellen kann.


Das Grab des Propheten Daniel in Shush. Rabbi Gabbai merkt an, dass heute kaum mehr Juden in Shush leben, doch verhältnismässig viele kommen auf Besuch, um am Grab zu beten. 



Rabbi Israel Me'ir Gabbai betet am Grab von Mordechai und Esther.



Rabbi Israel Me’ir Gabbai an den Gräbern von Mishael, Azariah und Chananiya. 

Alle Photos gibt es HIER zu sehen !

Montag, Dezember 13, 2010

Wer war Yechezkel der Prophet ?

B"H

Yeshayahu (Jesaya), Yirmeyahu (Jeremia) und Yechezkel - so lauten Namen und Reihenfolge der größten jüdischen Propheten, wobei der Prophet Yechezkel der letzte in der Serie ist.

Yechezkel ben Buzi (Yechezkel, der Sohn des Buzi), war ein Cohen (aus der Familie Aharons und somit Tempelpriester) und prophezeihte in Babylon. Er war der einzige Propphet, der aus dem Ausland prophezeihte, obwohl Yirmeyahu diesbezüglich eine kleine Ausnahme bildet. Informationen über das Leben Yechezkels vor der Diaspora (Galut) haben wir keine. Einige Historiker nehmen an, dass Yechezkel schon in Israel zu den Propheten gehörte, doch dazu existiert keine Bestätigung.

Was bedeutet der Name YECHEZKEL ?
Am Ende des Namens sehen wir das Wort "E - L" welches einer der Namen G - ttes" ist.
"Yichazek" bedeutet "stärken" und die grammatikalische Wurzel dazu lautet "Chazak", was mit "stark" übersetzt wird. Somit bedeutet der Namen "Yechezkel" entweder "Starker G - tt" oder "G - tt stärkt".

Mittwoch, September 15, 2010

"Wie die Engel" -Der höchste jüdische Feiertag YOM KIPPUR



B"H

Die zehn Tage (Aseret Yame'i Teshuva) zwischen dem Neujahrsfest Rosh HaShana und dem Versöhnungstag Yom Kippur sind jedesmal sehr emotional. An Rosh HaShana werden wir Juden für das Neue Jahr gerichtet und am Yom Kippur (Freitag abend - Samstag abend) "unterschreibt" G - tt Sein Urteil (um es einmal bildlich darzustellen).

Für die zehn Tage zwischen den beiden Feiertagen gilt allgemein die Regel, dass wir uns mit jeglichen Vergehen etwas zurückhalten sollten. Schließlich kann es ja durchaus sein, dass G - tt unser individuelles Schicksal noch nicht entschieden hat und so wollen wir Ihm dieser Tage zeigen, dass wir doch eigentlich gar nicht so schlecht sind. Demzufolge könnte Er bis Yom Kippur Seine Meinung über uns ändern und uns für ein positives Jahr ins "Buch des Lebens" eintragen. Auch beten wir innerhalb dieser zehn Tage weiter die Selichot - Gebete, um G - tt um Verzeihung zu bitten.

Den Feiertag Yom Kippur begehen wir jedes Jahr am 10. des jüdischen Monat Tischre. Der 10. Tischre war der Tag, an dem Moshe mit dem zweiten Paar Gesetzestafeln vom Berg Sinai in das israelitische Lager zurückkehrte. G - tt hatte ihnen nach dem Vorfall mit dem Goldenen Kalb verziehen und Moshe, nachdem er die ersten Gesetzestafeln zerbrach, ein zweites Paar gegeben. In den Thoraparashot (Thoralesungen) "Acharei Mot" sowie in "Pinchas" trägt G - tt uns auf, diesem Tag auch weiterhin zu gedenken und ihn zu feiern. Somit ist der Yom Kippur ein biblisch - vorgeschriebener Feiertag.


Während an Rosh HaShana Juden und Nichtjuden gerichtet werden, betrifft der Yom Kippur einzig und allein nur für das jüdische Volk.



Bevor ich auf den eigentlich Feiertag eingehe, möchte ich einen Minhag (Brauch) beschreiben, der in den Tagen vor Yom Kippur von wesentlicher Bedeutung ist und der von jeher von Nichtjuden als antisemitische Hetze gegen Juden verwendet wurde. Vielleicht versteht ja nach dem Lesen des Artikels der ein oder andere den Minhag etwas besser.

Beim dem Minhag handelt es sich um die "Kapparot".Nicht, dass mir jetzt sämtliche Tierschützer aufs Dach steigen und mir Tierquälerei vorwerfen, denn bei den Kapparot geht es vorwiegend um die rituelle Schlachtung eines Huhnes. Überall in jüdisch - relig. Wohngegenden sieht man in dieser Woche folgendes Schauspiel:
Juden gehen zu Ständen, an denen die Kapparot angeboten werden. Man zahlt einen Unkostenbeitrag, ein Religiöser nimmt ein Huhn und zirkelt dies 3 oder 7 Mal über unsere Köpfe hinweg. Die Anzahl von drei oder sieben kommt ganz auf den Brauch der jeweiligen Person an. Die Person spricht ein kurzes Gebet und danach wird das Huhn rituell geschächtet, heisst, es wird ihm mit einem kleinen Schächtmesser die Kehle durchgeschnitten. Es ist üblich für eine Frau eine Henne und für den Mann einen Hahn zu verwenden (siehe Kitzur Shulchan Aruch - Dinei Yom Kippur) .

Der Brauch der Kapparot findet weder in der Thora noch im Talmud Erwähnung. Allerdings ist der Minhag sehr alt, denn schon im 9. Jahrhundert wurde er von Kommentatoren erwähnt. Hintergrund des Brauches ist die Symbolisierung des sogenannten Sündenbockes (Azalzel), ein Ritual, bei welchem der Hohepriester (Cohen HaGadol) in einer Tempelzeremonie einen Ziegenbock in die Wüste sandte. Symbolisch betrachtet transferieren wir unsere Sünden in das Huhn, welches für uns stirbt. Diese Meinung ist ausdrücklich nur Symbolik, und das eigentliche Ziel der Kapparot ist es, uns auf den Yom Kippur vorzubereiten, an dem wir G - tt um Verzeihung bitten.

Nicht immer finden die Kapparot anhand eines Huhnes statt. Leute, die nicht unbedingt wollen, dass ein Huhn für sie stirbt, können sich darauf beschränken, nur einen bestimmten Unkostenbeitrag zu geben und bekommen dann ein kleines Zertifikat ausgestellt. Wieder andere geben nur Geld, aber zusätzlich wird ein Huhn über ihren Kopf gedreht, welches hinterher nicht geschächtet wird. Im Mittelalter lehnten so berühmte Rabbiner wie der Ramban und Rabbi Yosef Karo diese Zeremonie grundsaetzlich ab. Das sei alles dumm und erinnere an götzendienerische Rituale. Der große Kabbalist, Rabbi Yitzchak Luria, hingegen sah in den Kapparot eine immense kabbalistische Bedeutung.

Wie dem auch sei, jeder kann für sich entscheiden, ob er Kapparot macht oder nicht. Ich selbst habe mich schon im vergangenen Jahr entschieden, dem Brauch nicht mehrzu folgen und die Kapparot auszulassen.

Den Kapparot in Jerusalem zu entkommen, ist unmöglich, denn in der ganzen Stadt stehen Stände. In Mea Shearim und neben dem Machane Yehuda Markt werden vor dem Feiertag täglich Tausende von Hühnern geschächtet und Geldstände sich ebenso zur Genüge vorhanden.
Aber was passiert eigentlich danach mit all den toten Hühnern ?
Hierzu gibt es unterschiedliche Bräuche. Manche nehmen das Huhn mit heim und essen es und wieder andere geben es als Spende an arme Leute.



Israelische Tierschützer protestieren jedes Jahr aufs Neue gegen den Kapparot - Brauch. Bisher brachten die Demos nichts ein, denn vor allem die Haredim (Ultra - Orthod.) sehen nicht ein, warum sie auf das Huhn verzichten sollten. Weiterhin seien die Kapparot mit einem Huhn kabbalistisch ggf. auf einem höheren Level.


Die Tierschützer

Photos Ynet


In Jerusalem ist schon gegen mittag Yom Kippur Stimmung. Die Geschäfte machen früh dicht und jeder eilt nach Hause, um sich nicht übermässig anzustrengen und noch auszuruhen.




Leere Straßen am Yom Kippur.


Grundsätzlich gelten für diese 25 Feiertagsstunden fünf feste Regeln:

1. Nichts essen, denn an dem Tag sind wir wie die Engel, welcher keiner Nahrung bedürfen.
Diese Regel trifft nicht auf jene Menschen zu, die ernsthafte gesundheitliche Probleme haben. Auch Kleinkinder und schwangere Frauen sind von der Regel befreit.

2. Nichts trinken

3. Keinen Sex

4. Keine Lederschuhe tragen, denn die sind ein Zeichen für Bequemlichkeit. Innerhalb der vergangenen Jahre tat sich ebenso das "Problem" der CROCS auf. Sind die Crocs zu bequem am Yom Kippur ? Viele israelische Rabbiner sagen JA und man sollte auf sie verzichten.

5. Sich nicht duschen, waschen oder Deos bzw. Cremes verwenden.

Am Yom Kippur sollen auf alle weltlichen Bequemlichkeiten verzichtet werden und wir widmen uns G - tt, Der uns richtet. Neben diesen fünf Regeln gelten natürlich zusätzlich sämtliche Halachot wie für den Schabbat auch (kein Feuer anzünden, etc).

Vor dem Fastenbeginn essen wir nochmals ausreichend bei einer speziellen Mahlzeit, die "Se'udat Mafseket" genannt wird. Diese Mahlzeit ist eine Mitzwa, auf die keinesfalls verzichtet werden sollte.

Dieser Tage werden fast alle israel. Tageszeitungen ihre alljährlichen Empfehlungen für die Mahlzeiten ablassen. Was isst man am besten, wenn man danach 25 Stunden fastet ? Fleisch macht durstig und vegetarisch wäre besser. Sind Früchte und Obst angebracht ? Mein persönlicher Geheimtipp lautet immer Weintrauben und viel Wasser trinken.

Nach dem Kerzenanzünden gehen wir in die Synagogen. Wer für verstorbene Angehörige eine Kerze (Ner Zikaron) zünden will, der sollte das vor den Kerzen für den Yom Kippur tun.

Der Synagogenservice beginnt mit dem "Kol Nidrei" und danach gehen wir über zum Abendgebet Maariv.

Der Tag darauf wird von nonstop Synagogendiensten bestimmt. Im Morgengebet Schacharit lesen wir bei der Thoralesung aus dem Buch Vayikra (Leviticus) 16:1 - 34 (Parashat Acharei Mot). Der Maftir wird aus Numeri (Sefer BaMidbar) 29:7 - 11 gelesen und die Haftarah (Lesung aus den Propheten) erfolgt aus Jesaja (Yeshayahu) 57 - 14, welche von der Umkehr zu G - tt handelt.

Zum Nachmittagsgebet Mincha erfolgt die Thoralesung aus Vayikra (Leviticus) 18:1 - 30, in der es um verbotene sexuelle Beziehungen geht. Der Grund für diese Lesung ist, dass gerade aufgrund dieser Vergehen das jüdische Volk immer wieder aufs Neue ins Verderben fiel.



Die Haftarah (Lesung aus den Propheten) ist das Buch Jonah.
Ein jeder von uns kennt die Geschichte Jonah's, der vor G - tt flüchtete als ihm aufgetragen wurde, nach Ninveh zu gehen und die Stadt vor G - ttes Zorn zu warnen. Letzendlich landete Jonah im Bauch eines Fisches, bat G - tt um Verzeihung, wurde aus dem Fisch befreit und er ging nach Ninveh.

Wir lesen das Buch Jonah am Yom Kippur, da das gesamte Buch natürlich mit Umkehr zu G - tt (Teshuva) zu tun hat.
Ich war immer der Meinung, dass es reicht, einmal das Buch Jonah zu lesen und dann habe ich meine Message auf ewig. Dann fand ich zufällig den Kommentar des Vilna Gaon zum Buch Jonah und seitdem habe ich einen wesentlich anderen Zugang zum Buch.

Der Vilna Gaon sieht die ganze Story nur als Metapher. Seiner Meinung nach ist die Person Jonahs nur ein Symbol für unsere eigene Seele, die im Paradies sitzt und von G - tt auf die Erde gesagt wird. Die Seele weigert sich natürlich, denn sie will nicht in einen irdischen Körper. Daher sagt der Vilna Gaon das der Körper hier von dem Schiff symbolisiert wird, auf das Jonah flüchtete. Der Körper kann alles andere als spirituell sein und geht gewöhnlich seinen weltlichen Verlangen nach. Der Fisch ist sozusagen das Grab und die Seele einer Person steigt auf (das trockene Land, auf welches Jonah gespiehen wurde).

Nach dem Mincha - Gebet gehen wir über in das Ne'ilah - Gebet, welches recht kurz ist. Mittlerweile schauen schon alle auf die Uhr, wann das Fasten denn endlich vorbei ist. Das Ne' ilah ist die letzte Chance bevor die Himmelstore geschlossen werden und daher wird es im Englischen "Closing the Gates" genannt.

Gleich anschliessend ertönt das Schofar und es darf nach Herzenslust gegessen und getrunken werden. Besonders emotional ist der Yom Kippur - Ausgang an der Klagemauer, wo Abertausende von Menschen versammelt sein werden. Damit nicht alle hungrig heimgehen, werden Gebäck und Getränke ausgeteilt.

Die Yeshiva Aish HaTorah veranstaltet zusammen mit Jeff Seidel's Jewish Student Information Center sowie dem kostenlosen relig. Hostel Heritage House ein Yom Kippur Programm. Zum Abschluß des Fastens findet ein "Break - Fast bei" Jeff Seidel statt. Dort gibt es Unmengen von Getränken, Beigels, Käse und Obst. Niemand bleibt ungesättigt und wir alle haben jedesmal das ganz besondere Gefühl, dass wir es tatsächlich durchgehalten haben und frei von jeder Sünde sind. Jedenfalls für kurze Zeit.

Bleibt noch zu erwähnen, dass zu Tempelzeiten ganz spezielle Yom Kippur - Riten im Tempel stattfanden. Es war der einzige Tag im Jahr, an dem der Hohepriester (Cohen HaGadol) das Allerheiligste (Kodesh HaKedoshim) betreten durfte. Er rief G - ttes richtigen Namen aus und bat für das jüdische Volk um Vergebung. Auch fand die berühmte Verlosung der zwei Ziegenböcke statt, von denen einer G - tt geopfert wurde und der andere dem sogenannten Azalzel, der schlechten Seite.

Im Judentum haben wir eine absolut unterschiedliche Vorstellung von der schlechte Seite bzw. dem Satan. Der Satan ist keine Person, sondern unsere eigene schlechte Seite, die uns zum Sündigen veranlasst. Der "jüdische Satan", wenn ich das einmal so formulieren darf, wurde von G - tt selbst erschaffen. Er wollte, dass wir eine freie Wahl im Leben haben und dies wäre ohne negative Aspekte unmöglich. Im Talmud Bava Batra heisst es, dass G - tt nach der Ankunft des Meschiach die schlechten Veranlagungen in uns abschafft und wir nur noch Gutes tun werden.


BeShana HaBah Be' Yerushalaim - Im nächsten Jahr in Jerusalem - Nach der Ankunft des Meschiach.

Zom Kal und Gmar veChatimah Tova an alle Leser.

Ein leichtes Fasten und ein gnädiges G - ttesurteil an alle Leser.

צום קל וגמר וחתימה טובה