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Donnerstag, Januar 13, 2011

Die Midrasch Rabbah & Parashat Beshalach


In Zfat / Nordisrael:
Eine Beit Midrasch (Lernhaus) und Mikweh (Ritualbad).



Eine Synagoge in Zfat. 
Vielfach wird die blaue Frabe benutzt, um böse Geister fernzuhalten.

Photos: Miriam Woelke

B”H

In der Midrasch Rabbah (Parashat Beshalach) fand ich eine interessante Aussage, die ich an dieser Stelle kurz ausführen möchte. Wer hätte gedacht, dass eine kurze symbolische Erzählung eine solch bedeutende Botschaft besitzt. 

Ein Mann reitet auf einem Esel und urplötzlich sieht er ein Kind in der Gasse. Der Reiter muss sofort reagieren, denn der Esel überrennt sonst das Kind. Blitzschnell reisst er den Esel zur Seite und somit bleibt das Kind unverletzt. Alles ging nochmal gut und die Leute beginnen, den Esel zu loben. Der eigentliche Held jedoch war der Reiter, der so schnell reagiert hatte.

Die Midrasch bezieht diese kleine Erzählung auf eine andere Begebenheit, doch ich sah darin etwas Alltägliches. Wie oft geschieht es, dass wir andere Leute loben, wenn etwas geschah. Die Polizei, die Armee, den hilfsbereiten Nachbarn oder sonstige Mitmenschen. Was wir verpassen ist, den wahren Verursacher der guten taten zu sehen. Wenn G – tt nicht die Welt regieren und die Menschen zu ihrem veranlassen würde, könnte vieles ganz anders aussehen. Wo wären wir, wenn G – tt sich nicht einmischen würde und andere Menschen dazu bringt, dieses oder jenes zu tun ?

Wir mögen anderen Menschen oder Organisationen für ihre Hilfe danken, aber der wahre Verursacher von allem ist G – tt.

Mittwoch, November 10, 2010

Rabbi Israel Lipkin von Salant und der Schuhmacher

B"H

Es war schon spät am Abend als der litauische Rabbi Israel Lipkin von Salant, (1810 - 1883), das Haus eines Schuhmachers betrat. Der Schuhmacher sass bei flackerndem Kerzenlicht bei der Arbeit und reparierte Schuhe. Die Kerze neben ihm drohte bald zu erlöschen und Rabbi Israel sagte:
"Warum arbeitest Du noch so spät ? Ist es nicht Zeit zum Feierabend und nebenbei bemerkt, Deine brennende Kerze geht eh gleich aus".
"Das ist kein Problem, antwortete der Schuhmacher. Solange die Kerze noch brennt, ist es immer noch möglich zu arbeiten und zu reparieren".

Rabbi Israel zeigte sich von den Worten des Schuhmachers tief beeindruckt. Wenn ein Mensch seinen Lebensunterhalt bestreitet, solange eine Kerze noch brennt, wie sehr muss er dann erst daran arbeiten, sein spirituelles Leben zu verbessern, solange die Seele - "G - ttes Kerze" - noch in ihm ist ?

Selbst viele Tage später hörte man Rabbi Israel in seinem Zimmer aufgeregt auf und ab gehen, wobei er immer wieder den Satz des Schuhmachers wiederholte: "Solange die Kerze noch brennt, ist es möglich zu arbeiten und zu reparieren".

Sonntag, Juli 13, 2008

Der RAMCHAL über die drei Tempel

B"H

Der berühmte Rabbi Moshe Chaim Luzzatto (geboren in Padua / Italien im Jahre 1707 - verstorben in Israel im Jahre 1746) ist aus dem Judentum nicht mehr wegzudenken. Er schrieb Mussar (Ethik) - Bücher (The Path of the Just, Derech HaShem - The Way of G - d) genauso wie Kabbalistisches (Adir BaMarom). In keiner Yeshiva gibt es einen Vorlesungsplan ohne den Ramchal.

In einer seiner bekannten Schriften setzt er sich eingehend mit den drei Jerusalemer Tempeln auseinander. Hier ein kleiner Auszug mit Erläuterungen:

Unter anderem schrieb der Rambam (Maimonides), dass der Dritte Tempel einmal völlig fertiggestellt vom Himmel herabkommt (siehe auch Exodus 15:17). Aber nicht nur der Rambam ist dieser Ansicht, sondern Raschi kommentiert genau das Gleiche.

Was aber ist die Bedeutung der Aussage, dass der Dritte Tempel schon fertiggebaut im Himmel steht und nur noch auf Meschiach wartet, der ihn wieder voll und ganz auf Erden einführen wird ?

Rabbi Moshe Chaim Luzzatto gibt uns hierzu seine Interpretation:
In der Kabbalah bzw. der Chassidut hat jeder materielle Gegenstand und auch wir seinen spirituellen Gegensatz im Himmel bzw. in den oberen spirituellen Welten. Zum Beispiel sind wir auf Erden eben jene Person mit Stärken und Schwächen, aber in den oberen spirituellen Welten befindet sich metaphorisch oder spirituell gesehen unser Gegenpart. Ein ICH, welches absolut perfekt ist. Dieses eigene ICH bildet die Perfektheit, die ich auf Erden hätte erreichen können, ich jedoch an meinen eigenen Unzulänglichkeiten scheiterte. Nach meinem Tode wird mir mein perfektes ICH vor Augen geführt.

Ebenso verhält es sich mit dem "oberen spirituellen Jerusalem" oder dem "oberen spirituellen Tempel". In den höheren Welten sind diese perfekte Einheiten, aber materiell auf Erden sind sie nicht immer das, was man gerade perfekt nennen würde.

Die Bedeutung ist nicht, dass da jetzt ein fix und fertiggebauter Dritter Tempel im Himmel steht. Vielmehr wird die materielle Struktur hier auf Erden gebaut werden. Und zwar vom Meschiach.
Die spirituelle Struktur jedoch kommt aus den oberen perfekten spirituellen Welten, sprich das perfekte Gebäude, welches von perfekten Menschen geführt wird.

Wir erinnern uns:
Nach dem Kommen des Meschiach befinden wir uns auf einem extrem hohen Seelenlevel, der uns gar nicht mehr an irgendwelche Vergehen denken läßt. Demnach wird es im Dritten Tempel keine Korruption, keinen Neid und alles Negative mehr geben, denn wir Menschen sind anders. Somit verbindet sich die oberen perfekte spirituelle Welt mit unserer unteren materiellen.

Weiterhin stellt Rabbi Moshe Chaim Luzzatto die Frage, warum Yechezkel in seiner Vision den Dritten Tempel und nicht den Zweiten Tempel sah. Zur Zeit Yechezkels war gerade erst der Erste Tempel zerstört und der Zweite noch gar nicht gebaut worden.

Yechezkel erreichte in seiner Prophezeihung den Level der kabbalistischen BINA, des vollständigen Verstehens, welches ihm gleichzeitig zu einer Sichtweise außerhalb von Zeit und Raum verhalf. Und somit sah er über die Zeit des Zweiten Tempels hinaus, welcher da erst 56 Jahre später erbaut werden sollte. Yechezkel sah einzig und allein die Vision eines einen alles überragenden ewiglichen Tempel und damit war keinesfalls der Zweite Tempel gemeint, sondern der Dritte ewigliche.

Dienstag, Juli 01, 2008

Panik

B"H

Irgendwie bekam ich jedesmal die Panik, wenn ich hörte, was andere Leute so alles tun. Sie hatten Zeit, die gesamte Thoralesung für den anstehenden Schabbat zu lernen. Anderen Referenten wiederum gelingt es, die jüdische Geschichte sowie Philosophie in Kürze auswendig zu lernen….und was tue ich ? Bei mir dauert alles ewig lange, weil ich in einem Buch lese und Tausend weitere neue Quellen finde. Zwischendurch rede ich mit Leuten, die sich ggf. mit dem Thema besser auskennen und mir Tips geben. Insbesondere Chassidim vielerlei Gruppen.

Zuerst fragte ich mich immer, wie die Leute das nur alles zeitlich schaffen. Wie und wann lernen sie all die Kommentare und Unterkommentare ? Bin ich zu langsam oder zu doof ?

Bis mir jemand eines abends vor dem Haus eines Rabbis sagte, dass ich mich nicht auf die Lernpotentiale der anderen konzentrieren soll, sondern lieber auf mich selber schaue. Ich lernte nur zwei Seiten statt der fünfzig Seiten Thoraparasha, so what ? Immerhin habe ich etwas gemacht und sollte das anerkennen.

Seither schaue ich nicht mehr unbedingt auf andere, doch fragte ich mich weiterhin still und leise, wie man sich die jüdische Geschichte + den Rambam in wenigen Wochen einpauken kann. Letzte Woche dann hatte ich die Erleuchtung und weiß jetzt, wie man es macht. Sprich, wie man schummelt und trotzdem gut dabei wegkommt.

Man lese einfach Wikipedia und stehe dann selbstbewußt und Eindruck schindend vor seinen Zuhörern. Dies aber ist mir dann doch etwas zu billig und ich bereite lieber richtig vor. Selbst wenn es länger dauert. Ich schinde nichts und schaue halt in vielen Fällen lieber nicht mehr auf die anderen. Jeder hat sein eigenes Potential und dies sollte er nutzen.

Hierzu gibt es die bekannte chassidische Story des Rabbi Zusha (1718 - 1800), dem Bruder des berühmten chassidischen Rabbi Elimelech von Lejansk.

Kurz vor seinem Ableben erzählte Rabbi Zusha seinen Chassidim Folgendes:

Nach meinem Tode wird mich G - tt nicht fragen, warum ich nicht so war wie Avraham, Yitzchak, Moshe oder König David.
Einzig und allein wird Er wird mich fragen:
"Zusha, warum warst Du nicht Zusha ?".

Sprich, es ist wichtig, sein individuelles Potential zu nutzen und nicht nur auf andere zu schauen oder andere zu imitieren.