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Dienstag, Juli 31, 2012

SIUM HA'SHASS in Jerusalem

B"H

Alle sieben Jahre wieder endet der Zyklus sämtlicher Talmud Traktate und es geht wieder von vorne los mit dem Lernen. Wenn der komplette Talmud Seite für Seite innerhalb der sieben gelernt wurde, gibt es eine riesige Veranstaltung zum SI'UM HA’SHASS (Ende des talmudischen Lernzykluses). Gestern war es soweit und Tausende Lernende (nicht nur ultra – orthodoxe, sondern auch andere Juden) trafen sich an mehreren Orten Jerusalems zur Abschlussfeier. Ob im Teddy Stadion oder im Messezentrum Binyane'i HaUma.

Hier ein paar Bilder, so dass Ihr einen kleinen Eindruck erhaltet:





Alle Photos findet Ihr HIER !

Sonntag, März 25, 2012

Einem nichtjüdischen König Respekt zollen

B"H 

Die Gemara (rabbinische Diskussion) des Talmud Traktates Berachot 58a lehrt, dass ein Jude einem nichtjüdischen König Respekt entgegenbringen soll. Kommt, zum Beispiel, die König von England oder der schwedische König zu Besuch, so sollte ein Jude unter den Zuschauern sein und den König / die Königin begrüssen.

Donnerstag, März 22, 2012

Eruvin 13b: "Über Berühmtheit und Erfolg"

B"H 

Wer nach Berühmtheit strebt wird feststellen, dass die Berühmtheit vor ihm flüchtet. Wer dagegen vor der Berühmtheit flüchtet, wird von ihr eingeholt werden. Diejenigen, die die Zeit bezwingen wollen, werden selbst von der Zeit bezwungen. Derjenige der Zeit aufbringt, für den wird die Zeit anhalten. 

Talmud Eruvin 13b 

Raschi Kommentar: "Versuche nicht, Erfolg zu schnell herbeizuführen".

Montag, März 12, 2012

Werden Träume wahr ?

B"H

Im Judentum sind TRÄUME ein häufiges Thema. Zum einen erfahren wir aus der Thora von Personen und deren Träume. Bekannte Beispiele hierfür sind Yosef (der Sohn des Yaakov) sowie Pharao. Darüber hinaus hält der Talmud im Traktat Berachot ein ganzes Kapitel zum Thema bereit. Unter anderem in Berachot 55a, wo Rabbi Chisda lehrt: 

"Ein positiver Traum wird niemals ganz in Erfüllung gehen genau so wie ein negativer Traum niemals völlig in Erfüllung geht". 

Bedeutet, dass viele unterschiedliche Elemente in einen Traum mit einfliessen. Zum Beispiel Dinge aus dem menschlichen Unterbewusstsein. Deswegen können gute oder schlechte Träume niemals ganz der Richtigkeit entsprechen. 

Weiter sagt Rabbi Chisda: 

"Ein schlechter Traum ist besser als ein guter Traum". 

Hierzu kommentiert der berühmte mittelalterliche Kommentatore RASCHI:

"Ein schlechter Traum sei für uns viel vorteilhafter, denn er bewege uns zur Einsicht und ggf. zur Umkehr zu G – tt". 

Im gleichen Text dieser Gemara (rabbinischen Diskussion) lehrt Rabbi Berechyah: 

"Ein Traum, der auf ein Ereignis in der Zukunft hindeutet, geht niemals ganz in Erfüllung. Ein Teil kann sich bewahrheiten, doch immer bleibt ein Rest, der nicht Realität wird". 

Auf was genau beruht die Aussage des Rabbis ? 

Als Grundlage dienen die Träume des Yosef, der da, u.a., träumte, dass sich seine elf Brüder samt Eltern einmal vor ihm verneigen werden. Als Yosef all das träumte, war jedoch seine Mutter Rachel schon gar nicht mehr am Leben. Daraus lernen wir, dass sich viele unwahre Elements in Träume einschleichen können.

Links:


Mittwoch, Februar 15, 2012

Armut unterliegt einem Zyklus

B”H 

Der Talmud Traktat Schabbat 151 lehrt, dass Armut einem gewissen Zyklus unterliegt. Bedeutet, dass es zu einem bestimmten Zeitpunkt im Leben jeden Menschen trifft. 

Der Vilna Galon, Rabbi Shlomo Zalman Kremer (1720 – 1797) kommentiert dazu, dass “Zedakah – Spenden” immer in zwei Richtungen gehen. Der Gebende kann zu einem gewissen Zeitpunkt im Leben ebenso zum Empfänger werden. 

Und daran sollten wir immer denken: Dass jeder von uns einmal arm sein kann.

Samstag, Januar 28, 2012

Talmud Chagigah 12a: Adams Größe umfasste die ganze Welt

B”H

Der Talmud Traktat Chagigah 12a lehrt, dass Adam HaRishon (Adam) von einer Größe war, sodas er die gesamte Welt umfasste. Er reiche von einem Ende der Welt bis zum anderen.

Erklärung:

Wie so viele Statements aus der Aggadah sind auch in diesem Fall die angegebenen Maße nicht wörtlich zu verstehen. Vielmehr will uns die Gemara (rabbinische Diskussion) vermitteln, dass Adams Verstand dermassen hoch lag und ausreichte, um die gesamte Welt zu verstehen und zu begreifen. Er wusste, was an allen Enden der Welt vor sich ging und war sich gleichzeitig dessen bewusst, was sich zwischen Himmel und Erde abspielte. 

Immerhin dürfen wir nicht vergessen, dass Adam vor seinen Vergehen mit solch hohen Seelenleveln ausgestattet war, die wir heute nicht mehr in der Lage sind zu begreifen, sondern deren Wirken nur aus kabbalistischer Literatur bekannt sind. Unter anderem handelte es sich dabei um einen Level, welcher einem Menschen ewiges Leben auf Erden ermöglichte. All die hohen Level jedoch nahm G – tt dem Adam nach dessen Vergehen und warf ihn nebst Gattin Eva (Chava) aus dem Paradies.

Montag, Januar 16, 2012

Talmud Avodah Zarah (Götzendienst) 2a

B”H 

Wer sich eingehend mit jüdischen Studien auseinandersetzt, wird immer wieder mit neu aufkommenden Fragen, die sich aus Kommentaren ergeben, konfrontiert. Erst hat jemand eine Frage, schaut nach einer Antwort in entsprechenden Quellen und schon kommt die nächste Frage auf. Eine Kette ohne Ende, in der man sich schnell verloren gehen sieht. Am Ende, wann immer das auch sein mag, ergibt jedoch alles wieder einen Sinn und man ärgert sich, warum die Ergebnissuche so lange dauern konnte. 

Hier eine meiner talmudischen Fragen, an deren Antwort ich tagelang ackerte und sämtliche Kommentare durchging. Ein Kollel (relig. Institut) half mir schliesslich bei der Lösungsfindung, doch will ich das Thema aus dem Talmud Traktat Avodah Zarah 2 auch nach diesem Post noch etwas weiter ausbauen. 

Hier der Link zu meinem Artikel dazu auf meinem englischen Blog: 

Samstag, Januar 14, 2012

Wo ist mein Geld in Sicherheit ?

B”H

Der Talmud Traktat Bava Metziah 42a diskutiert die Frage, wo genau ein Jude sein Geld sicher aufbewahren soll. Eine Antwort darauf lautet, dass das Geld an einer sicheren Stelle einfach vergraben wird. Allgemein jedoch gilt die Regel, dass ein sicherer Ort für die Gelddeponierung von der jeweiligen Zeitepoche abhängt. Vor Tausend Jahren mag das Vergraben noch recht populär gewesen sein, doch Rabbi Moshe Feinstein legte fest, dass in unserer Zeit Geld am besten auf der Bank aufgehoben sei. Und zwar bei einer seriös arbeitenden Bank mit Sparkonten und Depots.

Donnerstag, Dezember 22, 2011

Südkoreanisches Filmteam in der Ponevezh Yeshiva

B”H

Die in der litvisch – haredischen (ultra – orthodoxen) Welt berühmte Yeshiva PONEVEZH erhielt Besuch aus Südkorea. Ein Filmteam kam und suchte nach den Wurzeln der jüdischen Intelligenz, welche, allem Anschein nach, im Talmudstudium zu suchen ist. Nicht ganz unberechtigt die Annahme, denn aus meiner aktiven Yeshiva – Zeit, wo auch ich Gemara (rabbinische Diskussionen des Talmud) lernte, weiss ich, dass das Talmudstudium einiges an Köpfchen abverlangt. Meine hebräisch – aramäischen Talmudwörterbücher liegen immer noch vor mir im Regal und ich fühle mich schon sei längerer Zeit etwas schuldig, nicht mehr viel davon in die Hand zu nehmen. Aber demnächst soll sich der Zustand ändern. 

Ponevezh befindet sich heute in Bnei Brak bei Tel Aviv und gilt als “Nobel”Yeshiva. Wer keinen Vater hat, der ein überaus anerkannter Rabbiner ist und einen ausgezeichneten Leumund vorweisen kann, der hat bei der Aufnahmeprüfung Null Chancen. Ferner gilt Ponevezh als konservativ und die Studenten gehen weder ins Kino noch setzen sie ihren Ruf sonst irgendwie aufs Spiel.


Sinn des Talmudstudiums ist sein Leben zum Positiven zu verändern !

Mittwoch, Dezember 07, 2011

Ist das Fleisch eines von einem Nichtjuden geschächteten Tieres koscher ?

B”H 

Für den Fall, dass ein deutscher Jude in einen türkischen Laden geht, um dort Fleisch oder Wurst einzukaufen, mag sich die Frage stellen, ob die von Moslems geschächteten Tiere koschere Wurst hergeben. KOSCHER im Sinne der jüdischen Halacha. 

Immerhin lehrt uns der Talmud Traktat CHULLIN, wie genau ein koscheres Tier geschächtet werden muss. Unter anderem, mit welchem Messer und dass ein Messer keinerlei Beschädigungen an der Klinge aufweisen darf. Das Schächten erfolgt normalerweise durch einen SCHOCHET, der extra dafür ausgebildet worden ist. Der Schnitt mit der Klinge erfolgt blitzschnell und sobald Beschädigungen an der Klinge vorhanden sind und eventuell beim Schnitt ruckartig vorgegangen wird, ist das Fleisch nicht mehr geniessbar, sprich, nicht mehr koscher. Ferner werden nach dem Schächtungsprozess diverse Eingeweide des Tieres untersucht um festzustellen, ob das Tier ggf. krank war. Auch hier legt uns der Talmud strenge Vorschriften nahe. 

Ist das von einem Nichtjuden geschächtete und eigentlich koschere Tier wie Rind oder Huhn koscher ?

Der Talmud Traktat Chullin 13 sagt NEIN. Selbst wenn der Nichtjude die halachischen Regeln des Schächtens einhält, ist seine Schächtung ungültig und das Fleisch nicht mehr koscher. Zwar essen Moslems kein Schweinefleisch und ihr Fleisch ist eigentlich als koscher anzusehen. Entsprechend der jüdischen Halacha wurde jedoch nicht geschächtet. 

Links:


Sonntag, November 06, 2011

Blitz & Donner

B”H 

Im Judentum gibt es spezielle Segen für Blitz und Donner:

Blitz: ….Oseh Ma’aseh Bereschit 

Donner: …she Kocho u’Gvurato maleh Olam 

Sobald man einen Blitz sieht oder den ersten Donner hört, werden diese Segen gesagt. Tritt beides gleichzeitig ein, so wird lediglich …Oseh Ma’aseh Bereschit … gebetet. 

Der Talmud Traktat Berachot (Segen) 59a stellt die Frage, was genau den Donner oder sogar Erdbeben verursacht. Die Antwort der Gemara (rabbinische Diskussion) zu diesem Traktat lautet, dass beides entweder durch die Tränen G – ttes, wenn G – tt in die Hände klatscht, mit dem Fuß aufstampft oder Seine Füsse unter Seinen Thron schiebt.  

Es ersteht sich von allein, dass die Gemara uns hier anhand der Symbolsprache tiefere Inhalte lehren will. 

Rabbeinu Chananel interpretiert die Gemara: Lärm repräsentiert die Unzufriedenheit G – ttes darüber, dass die Juden noch immer in der Diaspora leben. Gerne würde Er sie zurückführen, doch die Zeit dazu ist noch nicht reif. 

Obwohl an dieser Stelle Begriffe wie “G – ttes Füsse” etc. keinesfalls wörtlich zu verstehen sind, sondern rein symbolisch, so wird uns dennoch gelehrt, dass G – tt sehr wohl Naturkatastrophen aufkommen läßt, um die Menschen zu warnen, damit diese wieder zu Ihm finden. Das mag jetzt furchtbar apokalyptisch klingen, doch die Kabbalah und der Talmud beweisen uns dies an mehreren Stellen. Schon zu Zeiten der Generation des Enosch kam es zu Landverkleinerungen und das Meer fraß ganze Landgebiete auf. Was früher einmal zum Festland gehörte, wurde plötzlich vom Meer verschluckt.

Mittwoch, November 02, 2011

Der Vilna Gaon zum Talmud Traktat Schabbat 10a

B”H

Der Talmud Traktat Schabbat 10a lehrt:

Eine Person sollte das Thorastudium nicht unterbrechen, um zu beten, denn dann ist sein Gebet nicht effektiv.

Der Vilna Gaon, Rabbi Eliyahu ben Shlomo Zalman Kremer (1720 – 1797), gibt zu der Aussage eine eigene Erklärung ab:

Wenn eine Person nicht hinhört, während jemand anderes Thora lehrt, nur weil die entsprechende Person das jeweilige Teaching schon einmal an anderer Stelle gehört hat, wird auch G – tt dessen Gebete nicht mehr anhören. Bedeutet: Wendet jemand seine Aufmerksamkeit ab, nur weil er ein Thora Teaching schon kennt, so wendet auch G – tt Seine Aufmerksamkeit ab, wenn die Person betet. Denn das hat G – tt schliesslich auch schon einmal gehört.

Einmal saß ich bei einem Schabbatessen neben einem Mann, der meinte, er brauchte dem Rabbi gerade nicht zuhören, denn das Thora Teaching, welches der momentan ausführt, habe er eh schon einmal gehört. Wozu also nochmals anhören ? Als ich dem Mann daraufhin von der Auslegung des Vilna Gaon berichtete, änderte dieser sofort seine Meinung und hörte dem Rabbiner zu.

Dienstag, September 06, 2011

Sieben Tage ohne Traum

B”H 

Nicht nur im Talmud, sondern schon in der Thora (5 Bücher Moses) nehmen TRÄUME ein ungewöhnlich breites Spektrum ein. Denken wir dabei nur an den Traum von Yaakov, die Traumdeutungen des Yosef und den Traum des Pharao. 

All diese Thoraabschnitte lesen wir vorwiegend im Dezember und im kabbalistischen Sinne ist der Monat KISLEV (Dezember / Januar) der Monat des Schlafes und der Träume. Traumdeutungen liefert teilweise auch der Talmud im Traktat Berachot. 

Ebenso im Talmud Traktat Berachot 14 sagt Rabbi Yonah im Namen von Rabbi Ze’ira, dass jeder, der sieben Tage (Nächte) lang keinen Traum zu verzeichnen hat, ein böser Mensch ist. 

Wie ist diese Aussage gemeint und warum bin ich ein schlechter Mensch, wenn ich sieben Tage lang einmal gar nichts träume ? Immerhin hat ja kein Mensch einen Einfluss darauf, ob er nun träumt oder nicht. Eine Antwort bietet uns der berühmte Vilna Gaon, Rabbi Eliyahu ben Zalman Kremer (1720 – 1797): 

Der Vilna Gaon vergleicht denjenigen, der sieben Tage lang ohne Traum bleibt mit jemandem, der sieben Tage lang durch diese Welt geht, ohne sich darüber bewusst zu sein, dass unsere Welt nichts weiter ist als eine zeitbefristete Existenz. Wir alle sind nur auf bestimmte Zeit hier und deswegen sollte unser Bestreben darauf gerichtet sein, einen guten Platz in der Kommenden Welt zu erreichen. Der Welt nach dem Tode, wobei es sich um eine Seelenwelt handelt. Viel mehr weiss selbstverständlich niemand, obwohl uns der Talmud diverse Spekulationen liefert.   

Wer sechs Tage lang durch den Alltag rennt, ohne zu bemerken, dass wir alle vergänglich sind, der ist entschuldigt denn, so der Vilna Gaon weiter, muss derjenige arbeiten und seinen Lebensunterhalt verdienen. Am siebten Tage aber, dem Schabbat, sollte der Betreffende sein Bestreben darauf richten, wenigstens an diesem Tag spirituell zu wachsen. Bedeutet, darüber nachzudenken, worin seine Aufgaben hier auf Erden besteht. Wer all das nicht tut und einfach nur so gedankenlos vor sich hinlebt, der kann als schlechter Mensch bezeichnet werden. 

Unsere Tage auf Erden sind nicht unendlich und irgendwann ist Schluss. Unsere Existenz ist wie ein zeitweiliger Traum, ohne jegliche Dauer. Aus diesem Grund stellt der Vilna Gaon die beiden Vergleiche auf. 


Links: 





Sonntag, Juni 19, 2011

Engelsbilder

B”H

Der Talmud Traktat Avodah Zarah 43b lehrt uns, keinerlei Bilder oder Ikonen von Himmelwesen anzufertigen. Hierbei werden vor allem die Bilder bzw. Statuen von ENGELN angesprochen. 

Obwohl sich auf dem der Aron HaKodesch (die Bundeslade) zwei Engel der Gattung CHERUVIM befanden, ist es Juden dennoch verboten, Engelsmotive zu erstellen, anzufertigen oder zu drucken. Kurz gesagt, es dürfen keine Formen von Engeln dargestellt werden, wobei die Cheruvim auf der Bundeslade einen im Talmud verzeichneten Sonderstatus einnehmen.

Inwieweit Engel als solches existieren, ist uns vollkommen unbekannt. Mehrere Male berichtete ich von der Ansicht des chassidischen Meisters, dem Baal Shem Tov, der da sagte, dass es sich bei Engeln lediglich um unterschiedlich wirkende Kräfte G – ttes handele.

Jüdisch – kabbalistische Literatur beschreibt uns verschiedenartige Engelsgruppen. Davon bewegt sich lediglich eine Gruppe in unserer materiellen Welt und der Rest der Engel bewegt sich in den zwei oberen spirituellen Welten. In der vierten, der obersten spirituellen Welt genannt ATZILUT, steht G – tt normalerweise allein. Eine spirituelle Welt, in welcher es nichts gibt, außer G – tt und in ihr findet nur die Sprache der Gedanken statt.

Übrigens sind die Cheruvim (Engel mit Kindergesichtern) alles andere als freundliche Engel, denn bei ihnen handelt es sich rechtmässig um die Engel der Zerstörung.

Donnerstag, Juni 16, 2011

Talmud Schabbat 88: G – tt hielt den Berg Sinai über die Juden, Teil 2


The Sleeping Beauty Galaxy
B”H

TEIL 1 siehe HIER !


Obwohl viele talmudische sowie rabbinische Meinungen lauten, G – tt habe die Juden am Berg Sinai sozusagen “gezwungen”, die Thora zu akzeptieren, existieren dennoch ganz andere Meinungen. Wie im Talmud so üblich, denn dort wird bekanntlich alles auseinanderdiskutiert und fast immer kommt es zu keiner definitive Aussage.

Der Kommentator RAN, Rabbi Nissim von Gerona, zum Beispiel, sagt, dass die Juden die Thora annehmen mussten, denn allein das war ihr Ticket ins Gelobte Land. Ohne die Thora hätte G – tt ihnen das Land Israel erst gar nicht gegeben. Sobald die Juden in der ersten Diaspora landeten (nachdem die Babylonier den Ersten Tempel zerstört hatten) dachten sie, dass die Thoragesetze für sie nun nicht mehr gelten, denn sie leben ja im Ausland. Allerdings änderte sich die gesamte Einstellung zur Thora nach dem “Purimwunder”. Im babylonischen Exil verfielen viele Juden den lokalen Götzendienstbräuchen und vergaßen die Thora. Durch Haman und seinem Plan, die Juden auszurotten, kame es jedoch ganz anders und die Juden fanden zu ihrem Ursprung zurück. Als Jahre darauf Ezra die Juden (nicht alle, denn viele von ihnen wollten unbedingt in Babylon bleiben, da sie dort wirtschaftlich angeblich besser dastanden) nach Eretz Israel zurückführte, wurde die Thora kompromisslos angenommen.

Der talmudische Rabbiner Resh Lakish zieht einen Vergleich zwischen den sechs Tagen der Welterschaffung und dem 6. Sivan. Dem Tag, an welchem die Juden die Thora erhielten. Auch der Talmudkommentator Raschi kommt zu der Erkenntnis, dass der sechste Tag der Welterschaffung auf den 6. Sivan hindeutet. Der Talmud Traktat Schabbat 88a lehrt in der Gemara (rabbinische Diskussion), dass DIE ERDE SICH FÜRCHTETE UND SICH DANACH BERUHIGTE, denn die Situation ging positiv zuende. Was ist damit gemeint ?

Raschi kommentiert, dass die Erde sich fürchtete, die Juden könnten die Thora verweigern und damit werde die gesamte Erschaffung von G – tt wieder zerstört. Als die Juden die Thora jedoch am 6. Sivan annahmen, beruhigte sich die Erde wieder, denn alles ging gut aus.

Der Ramban (Nachmanides) kommentiert, dass die Welt so erschaffen worden war, dass die Juden die Thora annehmen. Im gegenteiligen Fall würde die Welt zwangsläufig von G – tt zerstört werden.

Montag, Juni 06, 2011

Talmud und Midrasch zur "Megillat Ruth - Buch Ruth"

B"H

Morgen abend (Dienstag) beginnt Schavuot; ein biblisches Fest, an welchem die Juden am Berg Sinai die Thora erhielten. Unzählige Fakten kann man über Schavuot berichten. Viel Kabbalistisches, die Midrasch gibt einiges her, die Kommentatoren, die Thora selbst, aber auch der Talmud. An dieser Stelle will ich mich vorerst auf den Talmud beziehen.

Am Mittwoch, dem eigentlichen Schavuot – Tag wird in den Synagogen das "Buch Ruth – Megillat Ruth" gelesen. Warum gerade Ruth ?

Weil sie eine Vorfahrin des König David war (ihr Sohn Oved war Davids Großvater) und dieser an Schavuot geboren wurde und ebenso verstarb. An Schavuot standen alle Israeliten am Berge Sinai und erhielten die Thora. Erst mit dem Erhalt der Thora wurden sie zu einem eigenen Volk und konvertierten mit der Annahme der Gesetze G – ttes zum Judentum. Ab dem Zeitpunkt handelte es sich bei ihnen um das Jüdische Volk.

Auch Ruth, die Moabiterin, konvertierte zum Judentum. Nicht so, wie dies heutzutage der Fall ist; mit Auswahlverfahren und Beit Din (rabbinischem Gericht). Ruth konvertierte einzig und allein durch ihre ehrliche Aussage, dass der G – tt ihrer Schwiegermutter Noami auch der ihre sei. Ohne wenn und aber und mit allen Konsequenzen. Dadurch wird gerade Ruth als die perfekte Konvertitin gesehen. 

Bis heute mag man meinen, dass gerade Schavuot das "Fest der Konvertiten zum Judentum" sei, doch die Realität schaut etwas anders aus. Zwar berichtet die "Jerusalem Post" alljährlich von einigen israelischen Konversionskursen, doch ist das Interesse der Israelis nicht besonders hoch, denn das Konvertitenthema geht mittlerweile den meisten ziemlich auf die Nerven. Und ich will hier nicht wieder neu beginnen, die Skandale aufzulisten. Vielmehr geht es um den Talmud und und die Midrasch sowie dessen Lehren über Ruth, König David und Naomi.

Die "Megillat Ruth" beginnt mit dem Bericht, wie Elimelech, seine Frau Naomi und die Söhne Machlon und Kiliyon die Stadt Bethlehem aufgrund einer verheerenden Hungersnot verliessen und ins Land Moav abwanderten. Im Talmud Traktat Bava Batra 91a wird in der Gemara (rabbinische Diskussionen) die Frage gestellt, wann man Israel verlassen darf, um woanders zu leben. Und wie fast jedesmal im Talmud bekommen wir nur Teilantworten. Eine Meinung lautet, dass wir Israel nur verlassen dürfen, um woanders zu leben, wenn die Preise so drastisch angestiegen sind, dass ein hiesiges Überleben kaum mehr möglich ist. Eine andere Meinung lautet, dann, wenn es nichts mehr zu kaufen gibt. Dennoch, sollte es immer noch Weizen zu kaufen geben, besteht wiederum ein Bleibegrund.

Thora, Talmud sowie die jüdische Halacha legen äußersten Wert darauf, dass ein Jude in Israel lebt. Unter anderem, weil nur hier ein unbeschreiblich hoher Level der Seele (Neshama) erreicht werden kann, denn nur im Lande Israel ist es einem Juden möglich, alle erforderlichen Mitzwot einzuhalten. Viele Thoramitzwot gelten im Ausland nicht und zeigen nur in Israel Wirkung (z.B. Schemittah – das 7. Jahr, in welchem die Landwirtschaft brachliegt). Außerdem werden Gebete in Israel besser und schneller akzeptiert als jene aus der Diaspora, denn hier steigen die Gebete sofort zu G – tt hinauf und gehen nicht erst Umwege wie nach Israel und dann nach Jerusalem und dann zu G – tt. Und der Talmud sowie der erste aschkenazische Oberrabbiner Kook (Kuk) lehren, dass die Luft in Israel weise macht. Was heißt weise ? Hier sind wir einfach zu ganz anderen Leveln fähig, wohin gegen wir im Ausland immer irgendwelchen Blockaden unterliegen.

Der Kommentator Raschbam wirft einen interessanten Punkt ein.
Er nämlich sieht einen Juden, der Israel verläßt als jemanden, der sich bis zu einem gewissen Grad selbst von den Thoramitzwot entfernt, denn er kann ja nicht mehr alle Mitzwot erfüllen. Der Ramban (Nachmanides) hingegen zeigt mehr Verständnis für die "Abwanderer" und sagt, dass es erlaubt ist, Israel zu verlassen, denn man darf sich auf keinen Fall selbst ruinieren.

Die Gemara in Bava Batra fährt fort mit dem Tode der beiden Söhne Machlon und Kiliyon. Hier scheint es als erwiesen, dass Elimelech für seine Abwanderung bestraft wurde, indem seine Söhne verstarben. Und gemäß der Midrasch Rabbah war Elimelech nicht irgendjemand in Bethlehem gewesen, sondern ein angesehener wohlhabender Mann der Provinz. Der Grund, warum er sich entschloß, Israel zu verlassen, war keineswegs der Hunger. Vielmehr wollte er seinen Besitz zusammenhalten. Er befürchtete ganz einfach, dass nun alle Armen zu ihm kommen und herumbetteln. Da wanderte er doch lieber nach Moav ab. Die Midrasch betrachtet dieses Verhalten als den Grund für den frühen Tod seiner Söhne.

Die Midrasch Rabbah fährt fort mit der Beschreibung der Indentität der Schwestern Ruth und Orphah. Beide nämlich waren die Töchter des Moabiterkönigs Eglon, und Eglon wiederum war ein Nachfahre des Balak; jener, der in der Wüste die Israeliten verwünscht haben wollte.

Als Elimelech verstarb, wollte seine Witwe Naomi wieder in die Heimat, nach Bethlehem, zurückkehren. Ihre Schwiegertöchter Ruth und Orphah machten sich mit ihr auf den Weg und unterwegs bat Naomi die beiden wieder nach Moav zurüchzukehren. Orphah ging zurück und Ruth blieb bei Naomi. Es heißt, dass Orphah später einen Sohn mit dem Namen Goliath gebar. Jener Goliath der gegen König David kämpfte und unterlag, war eigentlich ein Verwandter Davids.

Aufgrund ihres Verhaltens verdiente sich Ruth eine Vorfahrin des Meschiach zu sein. Ausgerechnet eine Moabiterin, denn den männlichen Moabitern ist es in alle Ewigkeiten verboten in das Jüdische Volk einzuheiraten. Bei den Moabiterfrauen hingegen ist es erlaubt. Rabbi Mordechai Machlis warf in einem Schiur einmal die Frage auf, warum nicht König Saul (Sha'ul) zum Meschiach wurde. Vielleicht, so der Rabbi, muß selbst der Meschiach einige Leichen im Keller haben und Sha'ul war zu perfekt. Wir lernen also, dass nicht jeder, der so ungemein perfekt ist, auch immer in die erste Wahl kommt. Auch Leute mit einem nicht so tollen Background haben Chancen und das lernen wir von Ruth und David. Beide wurden zu Lebzeiten von den Juden verspottet. So war sie die Moabiterin und er kein richtiger Jude. Richtiger Jude schon, doch nicht laut dem Spott der Mitmenschen.

Es heißt, dass der Meschiach nach seiner Ankunft mit seinem einzigartigen Geruchssinn feststellen wird, wer tatsächlich Jude ist und wer nicht. Viele mögen überrascht sein, die Wahrheit zu erfahren. Manche, die so fest glaubten, so toll und perfekt zu sein, könnten sich am Ende ganz unerwartet woanders wiederfinden. Und nicht immer muß der Meschiach aus einer tollen Familie kommen oder ein großer chassidischer Rebbe sein. Vielleicht sollten wir auch einmal einen Blick auf die kleinen Leute werfen und nicht immer nur auf bekannte Persönlichkeiten. Die unbekannte Moabiterin Ruth hat uns dies gelehrt.

Freitag, Mai 20, 2011

Jenseits unseres menschlichen Fassungsvermögens


B”H

Viele Male schon beschrieb ich in verschiedenen Artikeln, dass G – tt für Juden ein unerfassbares, unbegreifliches Wesen ist. Ein Wesen, welches wir mit unserem begrenzten menschlichen Denk – bzw. Fassungsvermögen nicht begreifen und niemals begreifen werden. Offenbar sieht G – tt es als irrelevant an und stattete uns mit einem Denkvermögen aus, welches so einiges mit einschliesst, jedoch nicht, Ihn zu begreifen.

G – tt erschuf die Welt, uns Menschen sowie überhaupt jede Form von Existenz und des Seins. Absolut nichts geschieht auf dieser Welt, ohne dass er es will. Sowohl alles Positive wie auch alles Negative. Nicht wenige Menschen aber fragen sich: Was war vor der Welterschaffung ? 

G – tt als ewiges Wesen gab es immer und wird es immer geben; bis in alle Unendlichkeiten. Wobei allein der Begriff “unendlich” für uns nicht erfassbar ist. Was ist unendlich ? "Halt immer" - aber eine genauere Definition besitzen wir nicht.

Wie war die Zeit vor der Welterschaffung ? Wo ist G – tt ? Befindet Er sich in unserem Universum oder schaut er von außerhalb auf uns hernieder ? Und wenn ja, wo befindet sich dieses “außerhalb” ? Gibt es einen Raum jenseits unseres Daseins ? Jenseits unseres Universums ? Ist das Universum irgendwo zuende und man stösst an eine Art Mauer, hinter welcher etwas ganz anderes liegt ?

Der berühmte Talmudkommentator Me’iri kommentiert, wie denn Juden all die Fragen bezüglich der Welterschaffung stellen, wenn doch eindeutig unser menschlicher Verstand begrenzt ist. Wie kann jemand davon ausgehen etwas zu entdecken oder zu verstehen, wenn das Fassungsvermögen nicht ausreicht ?

Der Maharal von Prag kommentiert, dass es ziemlich sinnlos sei, darüber zu forschen, warum G – tt den Menschen mit zwei und nicht drei oder vier Beinen erschuf. Eine Antwort darauf werden wir eh nicht erhalten, denn dazu müssten wir schon G – tt selbst interviewen. Was wir dagegen tun können ist, so der Maharal weiter, die Vorteile unseres zweibeinigen Daseins anzuerkennen.

Samstag, April 16, 2011

Erdbeben und Donner im Talmud

B”H

Die Gemara (rabbinische Diskussion) im Talmud Traktat Berachot 59a nennt zahlreiche Gründe zur Verursachung von Erdbeben. Der spanische Kommentator RASHBA (Rabbi Shlomo ben Aderet, 1235 – 1310) allerdings versteht den hiesigen Text in Berachot 59a nicht als Erdbeben, sondern als DONNER. 

Was also verursacht Erdbeben ? Wenn G – tt in die Hände klatscht, mit Seinen Füssen aufstampft oder diese unter Seinen Thron stellt ? Das hört sich jetzt ungemein nach den Götter der alten Germanen an. Die Germanen nämlich glaubten, dass wenn der Gott Donar / Thor mit dem Hammer um sich schlägt oder mit einem Wagen dahinrollt, der Himmel bebt und so Donner auslöst.



Obwohl die Gemara zwar auflistet, dass Erdbeben verursacht werden, wenn G – tt in die Hände klatscht, etc., so ist dies nicht wörtlich zu nehmen und wir sollen die tiefere Bedeutung darin erkennen. Der tunesische Kommentator Rabbeinu Chananel (Rabbi Chananel ben Chushiel, 11. Jahrhundert) erklärt, dass laute Geräusche G – ttes Widerwillen darüber ausdrücken, dass die Juden sich in der Diaspora (Galut) befinden. G – tt will die Juden wieder zurück nach Israel führen, doch die Zeit hierfür ist noch nicht gekommen.

Der Rashba fügt hinzu, dass selbst der Donner während eine Sturmes eigentlich wie ein Naturereignis erscheint. Zu Zeiten der beiden Tempel, wenn die Juden den Willen G – ttes erfüllten, kamen schwere Stürme gar nicht erst auf. Nicht, dass es all das nicht gab und kein Donner aufkam, wenn es einmal doch stürmte. Vielmehr bedeutet die Aussage, dass Regen insofern fiel als dass es ausreichend war und nicht mehr. Der Donner während eines Sturmes sollte die Juden stets dazu aufrufen, sich zu G – tt zu bekennen und dessen Willen zu erfüllen. 

Wenn G – tt einen Regenbogen nach einem Regenfall aufkommen lässt, so ist dies ein Zeichen dafür, dass Er keine Flut mehr über die Welt bringen will und einst mit Noach einen Bund schloss. Wohlgemerkt, keine Flut über die WELT. Über einzelne Länder aber schon.

Der Regenbogen ist zwar ein Naturereignis, dennoch G – tt wählte Naturerscheinungen, um Seinen Missfallen gegenüber den Handlungen der Menschen auszudrücken. Aus diesem Grund gab es keine oder kaum Regenbogen in Zeiten als die Juden den Willen G – ttes erfüllten. Es erscheint kein Regenbogen, wenn es richtige Zaddikim (Gerechte) auf der Wekt gibt. 
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Ehrlich gesagt, verstehe ich die Gemara nicht ganz. Erdbeben erfolgen, wenn die Juden G – ttes Willen nicht folgen, sprich, die Thora nicht einhalten. Vielleicht auch, wenn andere Völker sich fehlverhalten. G – tt bedient sich gewisser Naturereignisse, um uns zur Rückkehr zu Ihm zu bewegen oder um uns zumindest nachdenklich zu machen. Nichts auf dieser Welt geschieht ohne Grund. Kein Erdbeben, kein Donner, kein Tsunami und keine anderweitigen Naturkatastrophen. Unbedingt zu spekulieren und mit dem Finger zu zeigen, halte ich nicht für besonders effektiv. Natürlich kann man Japan als Beispiel nehmen und sagen “Du, Du, Du”, doch Tatsache ist, dass wir den wahren Grund, warum G – tt die Katastrophe zugelassen hat, nicht kennen.

Montag, März 21, 2011

Ein Tier vor einem Gasthaus abstellen



B”H

Die nun folgende Aussage des Talmud Traktates "Avodah Zarah" (Götzendienst) 22a mag so ziemlich “antik” klingen und in unserer heutigen modernen Zeit absolut überflüssig wirken. Trotz aller Vermutungen jedoch, ist die Aussage höchst aktuell, denn selbst auf Youtube sehen wir, wie diverse Leute derlei Praktiken immer noch nachgehen.

Die Mischna (mündliche Gesetzgebung G – ttes an Moshe auf dem Berg Sinai) lehrt, dass ein Jude seinen Esel, sein Kamel oder sein Pferd keinem nichtjüdischen (nochri) Gastwirt anvertrauen soll, da Letzterer sich eventuell an dem Tier sexuell vergeht. Erreicht ein Jude am Abend mit seinem Lasttier ein nichtjüdisches Gasthaus und plant eine Übernachtung, so soll er sich selbst um sein Tier kümmern und es nicht dem Wirt anvertrauen.

Hört sich seltsam an ?

Sex mit Tieren war in der Antike weit verbreitet und der Talmud Traktat Sanhedrin lehrt, dass selbst Bilam Sex mit seiner Eselin hatte.

Dienstag, März 01, 2011

Königin Esther und ihr Niddah – Zustand

B”H

Die Gemara (rabbinische Diskussion) im Talmud Traktat Pesachim 111 diskutiert die Frage, was geschieht, wenn eine jüdische Frau, die sich zu der Zeit im “Niddah – Zustand” befindet, zwischen zwei Männern geht.

Dazu sei kurz erklärt, dass sich, grob ausgedrückt, eine jüdische Frau dann im “Niddah – Zustand” befindet, wenn sie ihre Monatsbeschwerden hat. Laut Halacha muss eine Frau nach ihrer Periode eine bestimmte Anzahl an Tagen rein sein; bedeutet, sie blutet in keinster Weise mehr. Danach darf sie in die Mikweh (Ritualbad). Diese Prozedur wiederholt sich bekanntlich jeden Monat neu.

Ferner besteht eine Halacha, die insbesondere von der Orthodoxie eingehalten wird. Nicht von allen nationalreligiösen Richtungen, doch von fast allen haredischen (ultra – orthodoxen) Strömungen. Eigentlich stammt diese Halacha aus dem Talmud. Jedenfalls soweit mit bekannt ist.

Ein Mann sollte vermeiden, zwischen zwei Frauen zu gehen. 

Im folgenden Fallbeispiel jedoch wird der Spiess herumgedreht und es geht eine Frau, nämlich Königin Esther, zwischen zwei Männern. Dagegen ist weiterhin nichts einzuwenden, doch befindet sich Esther im Niddah – Zustand und wir werden sehen, was der Talmud dazu meint.

In der Gemara heißt es, dass wenn eine Frau im Niddah – Zustand zwischen zwei Männern geht, dies eine Tragödie nach sich zieht. Haben ihre Monatsbeschwerden gerade erst begonnen, so kann es sein, dass einer der Männer den Tod findet. Gehen ihre Monatsbeschwerden dagegen dem Ende entgegen, werden sich die beiden Männer streiten.

Der berühmte Vilna Gaon kommentiert, warum Königin Esther den Haman zum gemeinsamen Abendessen mit ihr und ihrem Gatten Achashwerosh einlud. Bei dem Essen wollte sie den König überreden, den Befehl zur Ermordung der Juden rückgängig zu machen. Weder Achashwerosh noch Haman wussten, dass Esther Jüdin war. Warum aber lud sie ausgerechnet Haman ein ? Hätte eine private Aussprache mit ihrem Gatten nicht wesentlich mehr gebracht ?

Die Gemara im Talmud Traktat Megillah 15a lehrt, dass Esther vor Schock ihre Monatsbeschwerden bekam, sobald sie vom katastrophalen Erlass Hamans hörte. Drei Tage später gab sie ihr Abendessen mit Achashwerosh und Haman. Bei den “drei Tagen” sehen wir, dass sich Esther gerade am Anfang ihres Niddah – Zustandes befand und folglich einer der beiden Männer sterben musste und somit der Erlass gegen die Juden rückgängig gemacht werde. Der Talmud bezieht sich an dieser Stelle auf einen anderen Traktat (Ta’anit 29a), wo es heißt, dass wenn ein Erlass festgelgt worden ist und einer der Personen dieses offiziellen Kommittees stirbt, der Erlass annulliert wird.

Allerdings bleibt unklar, ob Haman sterben sollte oder Achashwerosh. Wie das Ergebnis auch gelautet hätte, letztendlich brach ein Streit zwischen den beiden Männern aus, der Haman das Leben kostete. All das war ein Teil ins Esthers Strategie, denn sie war keinesfalls so jung und naiv, wie viele meinen.