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Dienstag, Dezember 27, 2011

Gute und schlechte Haredim (ultra - orthodoxe Juden)


Photo: Miriam Woelke
B”H 

Akiva hat Recht. Zu wenig haredische (ultra – orthodoxe) israelische Rabbiner widersetzen sich den fanatischen Sikarikim, die da eine ganze Gesellschaft herumkommandieren wollen. Es wird Zeit, dass haredische Rabbiner aufstehen und mit der Faust auf den Tisch hauen, denn die gesamte haredische Gesellschaft wird beschuldigt und von der säkuleren Presse durch den Schmutz gezogen. Ein normaler Zeitungsleser, der wenig bis gar keine Ahnung vom Judentum hat, ist gar nicht mehr in der Lage zu unterscheiden, wer hier eigentlich gegen wen demonstriert. Und wie der sephardisch – haredische SHASS – Politiker Chaim Amlanz gestern sagte geht es nicht um einen Krieg zwischen religiösen und säkuleren Juden, sondern um den Kampf aller gegen die Sikarikim. 

Die Sikarikim sind eine handvoll Haredim, welche sich zu Fanatikern aufgeschwungen haben und alle anderen Haredim bedrohen. 

Sehr lesenswert: “Mystical Path” von Reb Akiva 

Montag, Dezember 26, 2011

ISRAEL: Die Rolle der Geschlechtertrennung

B”H 

Die Nachrichten überschlagen sich und Israels Presse berichtet mehr von Bussen und Anstandsschildern als zur politischen Lage der Nation. Nichts spielt mehr eine Rolle, denn man befindet sich im Krieg gegen das ultra – orthodoxe Judentum. Dabei stellte ein haredischer (ultra – orthodoxer) Forenkommentar fest, dass die Presse anscheinend übersieht, dass selbst die nationalreligiöse Na’ama Margolis auf eine Mädchenschule geht und Jungen sind dort aus Anstandsgründen ebenso wenig erlaubt. Anstatt Chanukkah richtig zu feiern, agieren Presse und zahlreiche andere Gruppierungen wie die Axt im Wald dagegen. Alles konzentriert sich auf Negativschlagzeilen, denn das bringt Umsatz. Und Profite sind dringend notwendig, denn das kostenlose Massenblatt “Israel Hayom” stiehlt der einst alles überragenden “Yediot Acharonot” die Kundschaft. 

Die Rolle der Frau scheint in Gefahr, denn im orthodoxen Judentum herrschen strikte Geschlechtertrennungen. Von der Synagoge angefangen bis hin bei relig. Schulen. Warum pocht die ultra – orthodoxe Männerwelt so sehr auf die Trennung von Männlein und Weiblein ? Der Grund scheint banal, ist es aber nicht. Trotzdem muss ich zugeben, dass ich ihm manchmal ein gewisses Quentchen an Absurdität beifüge. “Männer sind von Natur aus in der Lage, sich weniger zu beherrschen al seine Frau. Angefangen bei sexuellen Dingen bis hin zur Bewältigung aller möglichen Triebe. Und aus diesem Grund muss die Frau den Mann vor dem Aufkommen negative Triebe bewahren. Wie ? Indem sie getrennt vom Mann sitzt. 

Beispiel SYNAGOGE: 
Auch hier wird getrennt gesessen, denn man soll sich auf das Gebet konzentrieren und nicht fremde Geschlechter anstarren. In der Synagoge kann ich das verstehen und habe keinerlei Probleme damit, von der Männerwelt getrennt zu sitzen. Im Bus wäre mir eine komplette Trennung zu extrem und meiner Meinung nach reicht es völlig aus, wenn zwei Männer oder zwei Frauen nebeneinandersitzen, doch nicht gleich der gesamte Bus in Frauen – und Männerriege getrennt wird. 

Was das Chaos in Beit Shemesh angeht: Vor ein paar Jahren war ich bei chassidischen Freunden zum Schabbat eingeladen und merkte, wie angespannt die Situation zwischen den Nationalreligiösen und den Haredim jenseits der Brücke ist. Beit Shemesh ist nicht gerade zu vergleichen mit Jerusalem oder Bnei Brak. Das Problem ist mitten in der haredischen Gesellschaft zu suchen, wo sich einige wenige Extremisten profilieren und ihre Machtposition ausbauen bzw. stärken wollen. Sie, die Sikarikim, versetzen andere Haredim in Angst und Schrecken, wenn sie diese bedrohen oder ihre Geschäfte abfackeln. Siehe, u.a., den Fall der Buchhandlung “Or HaChaim” in Mea Shearim.

Nur nebenbei gesagt, die “Süddeutsche Zeitung” brachte vor wenigen Tagen einen Artikel, in dem der Autor den gesamten Konflikt um die “Or HaChaim” Buchhandlung absolut missverstand und falsch darstellte !!! Es waren die Sikarikim, nicht die Haredim, welche die Buchhandlung bedrohten und der Fall an sich ist mehr als kompliziert. Übrigens gehört die Buchhandlungen selbst den Haredim. Chassidim aus der Chassidut GUR, um genau zu sein. Derlei Müll und falsche Informationen kommen heraus, wenn ein Journalist ohne Ahnung vom Fach, einen Artikel schreibt. Da sträuben sich einem nur noch die Haare. 

Die haredische Gesellschaft ist gespalten und es ist kaum möglich sie DIE haredische Gesellschaft zu nennen. Was sind Haredim, wer gehört dazu und für welche Ideologie stehen die mehr als 100 internen Richtungen ? 

Solange mein Leben nicht durch irgendeine Trennung eingeschränkt wird, ist es mir egal, was diverse extremistische Haredim in Beit Shemesh treiben. Nur tut mir die Mehrheit der Haredim leid, denn sie selber wird von eben jenen Extremisten drangsaliert. Nach all dem Hickhack um Frauen, Männer und Trennungen, wie sieht es eigentlich innerhalb der säkuleren Welt Israels aus ? Apropos, auch die Nationalreligiösen trennen Männlein und Weiblein sehr wohl. 

Insgesamt sind Frauen in Israel benachteiligt. Im Job, bei den Karrierechancen sowie beim Gehalt. Ein Mann verdient mehr und wird bevorzugt eingestellt. Wer als Frau eine Firma leitet, der darf sich nicht selten die Frage gefallen lassen, wo denn der Gatte sei. Denn Mister Gatte ist ja offenbar der wahre Boss des Unternehmens. 

Ein weiterer Gedanke: Wer fragt eigentlich die haredischen Frauen was sie denken ? Fühlen sie sich wirklich so benachteiligt oder ist es lediglich der weltliche Liberalismus, der sie als Opfer abstempelt ?

Anstandskrieg in Beit Shemesh

B”H 

”Unterschätze niemals Deine Leser”, so lautet ein Bloggermotto von mir. Dennoch gibt es Momente, da bin ich mir wirklich nicht sicher, ob ich in der Lage bin, den genauen Knackpunkt einer Situation in einem Artikel zum Leser zu bringen. Gerade beim Thema “Frauen im ultra – orthodoxen Judentum”. 

Warum ? 

Erstens, weil fast jeder in der Diaspora lebende Juden unterschiedliche Vorstellungen von ultra – orthodoxen Juden in Israel hat. Nichtjuden sind gar noch mehr verwirrt. Hinzu kommt, dass die Medien eine oft ziemlich bizarre Wirklichkeit wiedergeben. Noch dazu, wenn es sich um deutsche Medien handelt, welche absolut keine Ahnung vom Judentum haben und jeden Haredi grundsätzlich mit einem nationalreligiösen Siedler gleichsetzen. 

Trotzdem will ich das Thema in meinen deutschsprachigen Blogs nicht auslassen, sonst kommen deutsche Medien auf den Plan und ziehen die jüdische Religion wieder einmal durch den Schmutz. 

Zum Thema “Geschlechtertrennung in israelischen Busse” berichtete ich zu aktuellen Gegebenheiten bereits hier: 

Warum benutzte Tanya Rosenblit einen Mehadrin Bus ?

Die Wahrheit über Tanya Rosenblit

Nachdem sich die Lage wieder beruhigt hatte, kam es vor wenigen Tagen erneut zum Knall, denn einige Haredim hatten im relig. Teil der Stadt Beit Shemesh (ca. 15km westlich von Jerusalem) ein 8 – jähriges nationalreligiöses Mädchen namens Na’ama Margolis angegriffen. Heisst, beschimpft, denn das Mädchen sei nicht anständig genug gekleidet gewesen und ihr Verhalten habe zu wünschen übrig gelassen. Die israelische Presse sowie die Nationalreligiösen stürzten sich auf den Fall und seither wird “Klein Na’ama” ständig vor die Kamera gezerrt. Es ist geradezu in Mode gekommen, die gesamte haredische Gesellschaft anzuklagen und selbst auf Facebook laufen Groups gegen Haredim. 

Als Hintergrundinformation muss man jedoch einiges wissen: Der haredische Stadtteil sowie der nationalrelig. Stadtteil liegen in Beit Shemesh eng beieinander und sind lediglich durch eine Brücke getrennt. Seit Jahren gibt es Zoff zwischen beiden Gesellschaftsgruppen und ich selbst habe erlebt, wie Nationalrelig. die Haredim beschimpfen und herausfordern. 

Warum ? 
Zuerst einmal geht der Zwist auf das Verhalten des relig. – zionistischen MIZRACHI Movements im Holocaust zurück. Darüber werde ich noch berichten. 

Zweitens fühlen sich zahlreiche Nationalreligiöse mit eigenen Komplexen behaftet, wenn sie Haredim sehen. Eine Art Neid kommt auf, denn die Haredim sind wohl relig. als es die nationalrelig. Gesellschaft zustande bringt. Dann ist jeder Grund Recht, den Haredim eines auszuwischen, um sich selber erhabener zu fühlen. Beit Shemesh war schon immer ein Pulverfass und beide Gesellschaftsrichtungen liegen dort so richtig im Clinch.



Na'ama Margolis

Photo: Kikar Shabbat

In einem nachfolgenden Artikel werde ich ausführlich auf die Situation eingehen und hier nur eine kurze Zusammenfassung der aktuellen Ereignisse: 

Die Stadtverwaltung Beit Shemesh, Bürgermeister Moshe Abutbul und die lokale Polizei entschieden, dass von nun an ca. 400 Videokameras in den Straßen aufgehängt werden, um die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten. Auch an der nationalrelig. Schule “Orot Banot”, in die Na’ama Margolis geht.

Seit mehreren Jahren hängen eine handvoll Fanatiker, die im Sprachgebrauch “Sikarikim” genannt werden, Anstandsschilder auf. Geschlechtertrennungen auf den Gehsteigen oder, wie in diesem angesprochenen Fall, Frauen sollen sich nicht vor einem bestimmten Lehrhaus versammeln, sondern die gegenüberliegende Straßenseite benutzen. 

Gestern sandte die Stadtverwaltung Beit Shemesh Ordnungshüter aus, um die Schilder zu entfernen. Wohlgemerkt, die Schilder hingen bereits einige Jahre herum, doch die Mehrheit der Haredim hielt sich eh nie an die Anordnungen, denn die Sikarikim gelten als idiotische Fanatiker, mit denen niemand etwas zu tun haben will. Gestern kamen die Schilder und in der darauffolgenden Nacht wurden sie von zahlreichen Haredim wieder aufgehängt. 

Die Mehrheit der Haredim macht bei dem Krieg gar nicht mit, sondern sagt, dass lediglich ein paar Fanatiker ständig ausflippen und sich aufspielen wollen. Belästigt jedoch fühlen sie sich von den israelischen TV – Stationen, die seit Tagen durch Beit Shemesh kreuzen, um alles aufzunehmen, was vor die Linse kommt. Die Kameras wirken provozierend und nun begann ein Krieg zwischen der Presse und den Nationalreligiösen auf der einen, sowie den Haredim auf der anderen Seite. 

Mittlerweile traf sich eine Gruppe Haredim mit Na’ama Margolis, um sich für ein paar ausrastende Fanatiker zu entschuldigen. 

Fazit: Die haredische Gesellschaft ist, wie immer, gespalten und einige Fanatiker wollen unbedingt mehr macht ausüben. Allerdings geht dies alles auf Kosten der gesamten haredischen Gesellschaft. 

Hier ein paar aktuelle Photos von dem Lehrhaus (Beit Midrasch) der chassidischen Gruppe Toldot Avraham Yitzchak und einem Anstandsschild vor dem Gebäude. Das Schild fordert Frauen auf, die gegenüberliegende Straßenseite zu benutzen.







Die Beit Midrash der Chassidut Toldot Avraham Yitzchak in Beit Shemesh



Das Anstandsschild vor der Beit Midrash.

Ehrlich gesagt überraschte es mich, dass das Schild ausgerechnet dort angebracht ist. Unzählige Male berichtete ich über die Toldot Avraham Yitzchak und habe Freunde, die dort Mitglied sind. War es nun die Gruppe, die das Schild anbrachte oder doch die Sikarikim ?



Alle Photos gibt es HIER !

Dienstag, Oktober 11, 2011

Sukkot Markt in Ramat Beit Shemesh

Die Stadt Beit Shemesh liegt ungefähr 20 Minuten von Jerusalem entfernt. Der Anteil der religiösen Bevölkerung nahm innerhalb der letzten Jahre drastisch zu, denn in Beit Shemesh wurde weniger Miete gezahlt und nach Jerusalem lässt sich bequem pendeln.

Sonntag, Mai 02, 2010

Lag Ba'Omer Photos


Lag Ba'Omer in Beit Shemesh







Der Vishnitzer Rebbe Moshe Yehoshua Hager, Vater der Belzer Rebbitzen, der Satmarer Rebbitzen (die Frau von Rebbe Aharon Teitelbaum) und der Rebbitzen von New Square / New York (Chassidut Skver).




Photo Potpourri MERON !

Weitere Photos HERE !


Gestern abend feierte die Chassidut Toldot Avraham Yitzchak in Mea Shearim/ Jerusalem ganz gross Lag Ba'Omer. Heute gegen 10.30 Uhr reist der Rebbe mit seinen Chassidim nach Meron zum Grabe des Rabbi Schimon bar Yochai.




Dienstag, Dezember 23, 2008

Der "Anstandskrieg"

B"H

In Jerusalem tobt ein "Anstandskrieg". Jede chassidische Gruppe will besser sein als die andere und insbesondere extremere Gruppen (insbesondere die Mitglieder der antizionistischen Edah HaCharedit wie die Toldot Aharon) hängen in Mea Shearim unaufhörlich "Anstandsaufrufe" auf. Frauen und Männer sollen in der Öffentlichkeit nicht unbedingt aufeinanderstossen, denn das könne zur Missachtung des Anstandes führen.

Schon seit geraumer Zeit rege ich mich über die mir oft erscheinende übertrieben Auslegung der Halacha auf. Manche Chassidim kleben so sehr an ihrer Perfektheit, dass sie sich am Schabbat noch nicht einmal die Zähne putzen.
Begründung: Die Zahnbürste könne ein Zahnfleischbluten verursachen.
Diesen Rat der Einhaltung gab übrigens ein Chabad - Rabbiner und noch nicht einmal jemand einer absolut extremen Gruppe.

Am Schabbat die Hände einzucremen ist generell verboten; und das laut Halacha und nicht nur eben mal so. Ich muss zugeben, dass mir diese Tatsache bis vor knapp zwei Wochen verborgen geblieben ist. Dann sagte es mir jemand und gab mir gleichzeitig Ratschläge, wie ich am Schabbat doch noch zur Creme komme. Nämlich in anderem Sinne und viel umständlicher auf die Haut auftragen.

Ehrlich gesagt nervte mich das. Okay, das Eincremen am Schabbat ist verboten, aber da ich besonders im Winter trockene Haut habe, warte ich nicht bis zum Schabbatende, um die Creme hervorzuholen. Meines Erachtens nach ist das übertrieben und alle sind eingeladen jetzt über mich herzufallen, weil ich mir am Schabbat die Hände eincreme.

Nicht, dass die Halacha überflüssig ist, doch manche Auslegungen, wie das Zähneputzverbot am Schabbat, erscheinen mir unlogisch. Ich bin mir nicht sicher, ob G - tt uns Juden tatsächlich das Leben so verkomplizieren bzw. erschweren will.

Und jetzt entstand auch noch ein weiterer Anstandskrieg, aber nicht zum Zwecke des Anstandes, sondern aus rein egoistischen Gründen einiger Rabbiner. "Ich bin besser als Du", so denken sich einige führende haredische Rabbis. Im haredischen Bnei Brak bei Tel Aviv genauso wie im haredischen Teil von Ramat Beit Shemesh sollten getrennte Gehsteige eingeführt werden. Männer auf der einen und Frauen auf der anderen Straßenseite. Für Ehepaare gibt es keine Ausnahme !

Wer sich hierfür näher interessiert, der kann in einigen Tagen auf meinem chassidischen Blog einen Gastbeitrag von einem New Yorker lesen, der im chassidischen Dorf der Gruppe Skver an einem Tisch des dortigen Rebben teilnahm. In New Square (nahe Monsey bei New York) der Gruppe Skver gibt es nach Geschlechtern getrennte Gehsteige.

Generell jedoch sei anzumerken, dass in Israel nur eine haredische Minderheit mit diesen Gesetzen übereinstimmt. Die Mehrheit liest sich halt die Plakate mit den Vorschlägen durch und denkt sich ihr Teil. Zu fanatisch und chaotisch, so denken auch viele Haredim und nichts ist mit dem von der säkuleren Presse propagandierten Fanatismus aller Haredim. Im Gegenteil, wenn man sich in der haredischen Gesellschaft bewegt, stellt man fest, dass dort viele offener sind als angenommen. Zumindest dann, wenn man sie näher kennt.

Der Rebbe der extremen Toldot Aharon, Rabbi David Kahn, in Mea Shearim, erliess schon vor Monaten ein internes Gesetz, nachdem die Frauen ihre Empore mindestens 15 Minuten vor dem Ende des chassidischen Tisches verlassen müssen, damit nicht Männer und Frauen zum gleichen Zeitpunkt das Synagogengebäude verlassen und es draußen zu einem "Geschlechterstau" kommt. Man treffe aufeinander und vor allem dem männlichen Geschlecht wird allgemein eine starke "Yetzer HaRah - negative innere Veranlagung" nachgesagt. Männer können sich halt in sexuellen Angelegenheiten weniger zurückhalten als Frauen und daher könnten Zusammentreffen diverse Gefühle hervorrufen.
Diese Angabe betrachte ich als absoluten Quatsch. Was hätten wohl unsere Vorväter, Vormütter oder König David dazu gesagt ? Die täte hetzutage sicherlich der Schalg treffen. Darüber hinaus haben viele Toldot Aharon Fraune damit begonnen, auch den Synagogendienst am Schabbat einige Minuten vor den Männern zu verlassen. Man erlegt sich selbst weitere höhere Maßstäbe auf, um sich zu perfektionieren.
Insgeheim bewundere ich das Verhalten an sich, denn es erfordert ungemein viel Selbstdisziplin, die ich nicht (oder zumindest noch nicht) habe. Andererseits kann ich mir einen gewissen Sarkasmus auch nicht gerade verkneifen, denn manches scheint mir dann doch wieder zu abgefahren.

Ganz aktuell sind "Anstandsbusse" im Gespräch, in denen Männer und Frauen getrennt sitzen. In Bnei Brak gibt es schon seit Jahren solch einen diversen Bus, in dem die Frauen hinter einem Vorhang im hinteren Teil des Busses sitzen. Bei der chassidischen Gruppe Satmar in New York fahren ebenso solche Busse. Bei ihnen gibt es durch die Gangmitte des Busses einen Vorhang und die Frauen sitzen auf der einen und die Männer auf der anderen Seite des Mittelganges.

Das staatliche Busunternehmen EGGED verwehrt den Jerusalemer Haredim derlei Busse, denn die gesamte Öffentlichkeit könne nicht zum Anstand gezwungen werden. Tausende säkulere Fahrgäste benutzen die Busse ebenso und da laufe nichts mit haredischen Forderungen. Außerdem gebe es ja schon längst inoffizielle Geschlechtertrennungen in jenen Bussen, die durch haredische Wohngebiete fahren. Wie der 35er Bus nach Ramot, Linie 1 und 2 von der Kotel (Klagemauer), Linie 11, 15 nach Har Nof genauso wie weitere Linien. Nicht immer wird die Trennung eingehalten, denn mittendrin steigen auch säkulere Fahrgäste zu, sollte der Bus in der Innenstadt unterwegs sein. Nähert er sich jedoch den haredischen Gebieten, dann wird die meist Trennung fast immer eingehalten.

Da EGGED sich nicht alle Forderungen leisten kann, knobelten die Haredim eine andere Lösung aus, die da "Superbus" heißt. Private Busunternehmen fahren hinaus ins haredische Beitar oder in weitere Orte. Demnächst kommt der Superbus auch nach Beit Shemesh; kostengünstiger als EGGED übrigens.
EGGED wiederum erhält die "koschere" Busverbindung der Linie 402 von Jerusalem nach Bnei Brak aufrecht.
Nun hat der Superbus auch noch den Vorteil, dass er nicht vom staatlichen Unternehmen EGGED stammt, denn viele antizionistisch eingestellte Haredim verweigern EGGED grundsätzlich die Kundschaft. Eventuell nehmen sie einen EGGED - Bus wenn es gerade wirklich keine andereweitige Lösung gibt. Ansonsten will man den Staat Israel nicht mit dem Kauf eines Tickets bzw. eine Buslinie unterstützen, welche manchmal andernorts ihre Busse am Schabbat einsetzt.

Der nächste "Anstands - Coup" steht schon vor der Tür. Der Rabbiner des Jerusalemer Stadtteiles Ramot D (Daled) will jetzt eine Geschlechtertrennung an der Supermarktkasse einführen. Eine Kasse für Männer und eine für Frauen.
Rabbi Fuchs sieht hierin eine optimale Lösung im Kampf gegen die Yetzer. Der Stadtteil ist fast ausschließlich haredisch mit Ausnahme des nationalrelig. Ramot B (Beth) sowie einigen wenigen Säkuleren in Ramot A (Aleph). Ramot G (Gimmel) und D (Daled) hingegen sind nur haredisch bewohnt.

Mich als Weiblichkeit nervt der ganze Kampf um höhere Anstandswerte, denn ich erlebe am eigenen Leibe, wie ich bei Veranstaltungen oder anderen Events ausgegrenzt werde. Das sei nichts für Frauen und selbst jene Haredim, welche diese Vorschriften allgemein ablehnen, können mir dann nicht mehr helfen.

Fragt sich nur, wo der ganze Anstandskampf noch enden soll ?
Im Iran vielleicht ?

Sonntag, Dezember 21, 2008

Krieg zwischen den Haredim und den Nationalreligiösen

B"H

In Beit Shemesh schleicht sich so allmählich ein Krieg zwischen den Haredim und den Nationalreligiösen ein. Die Fronten sind gespalten, nachdem immer mehr Haredim nach Beit Shemesh ziehen und sich in ihrem Stadtteil Ramat Beit Shemesh B niederlassen. Ich selbst war vor einer Woche einen Schabbat lang im chassidischen Teil von Beit Shemesh eingeladen. Und genau zu dem Zeitpunkt sollen Nationalrelig. von Haredim zusammengeschlagen worden sein, weil die Haredim um den Anstand in ihrem Stadtteil fürchteten.

Daraufhin ging es in nationalrelig. Blogs hoch her und es kam zu regelrechten Haßtiraden gegen die Haredim in Beit Shemesh. Ich hegte meine Zweifel, denn schon in der Vergangenheit kam es gerade in Beit Shemesh zu Behauptungen seitens der Nationalrelig., welche sich im Nachhinein als unwahr herausstellten.

Von haredischer Seite aus heißt es nun, dass man den Natinalrelig. lediglich gesagt habe, sich bei unanständigem Verhalten aus den haredischen Teilen Beit Shemeshs fernzuhalten. Dieses beinhaltet insbesondere das Zusammenstehen von Maennlein und Weiblein und das laute Kichern der Frauen. Die Nationalrelig. können treiben, was sie wollen, doch nicht im haredischen Stadtteil.
Haredim betrachten die Nationalreligiösen als weniger religiös, denn diese zeigen sich unverheiratet mit Frauen, halten schonmal Händchen und zeigen sich auch sonst nicht immer von der besten relig. Seite. Dieser Vorwurf besteht teilweise zu recht und teilweise zu unrecht.

Bei dem ganzen Gerede und nach meinem Aufenthalt in Beit Shemesh, bei dem ich einiges "live" miterleben durfte, kam es mir vor als provozieren nicht nur die Säkuleren, sondern genauso die Nationalrelig. einen Krach mit den Haredim. Wieso bleibt nicht jeder in seinem Stadtteil wie die Haredim ? Nein, Säkulere und Nationalrelig. fühlen sich aufgerufen, zu provozieren und Krach zu schlagen. Hinterher eilt man zur Presse und jammert über die "bösen" Haredim.

Auf haredischer Seite befürchtet man nun einen Racheakt der Nationalreligiösen. Nicht wie zuvor wollen diese mit zehn oder zwanzig Leuten anrücken und Krawall schlagen, sondern gleich mit einer Hundertschaft.

Völlig übertriebene Aktionen, die nur mehr Haß gegen die haredische Bevölkerung schüren sollen. Leider haben die Haredim eh schon keine gute Presse, was den Nationalrelig. sehr gelegen kommt.

Freitag, Dezember 12, 2008

Schabbat Schalom

B"H

Allgemein hasse ich ein Herumgehetze vor dem Schabbat. Im Winter ist das besonders schlimm, denn der Schabbat beginnt ausgesprochen früh. Schon gegen 16.00 Uhr (in Israel) und bis dahin solte alles fertig sein. Ich bin dann immer fix & fertig.

Heute ist wieder so ein stressiger Freitag, denn ich muss noch schnell im Internet herausfinden, wann der letzte Bus nach Ramat Beit Shemesh fährt. Kein Problem, aber meine Gastgeber für diesen Schabbat machten mir schon zu Wochenbeginn klar, dass ich bloss nicht den falschen Bus nehmen soll. Und der "falsche Bus" für sie bedeutet der Bus ins reguläre Beit Shemesh und nicht in den haredischen (ultra - orthod.) Teil Ramat Beit Shemesh.

Also werfe ich mir anständige Kleidung (langer Rock) über und verbringe den Schabbat in einem chassidischen Stadtteil von Ramat Beit Shemesh. Meine Gastgeber lernte ich vor fast einem Jahr bei einem Schabbatessen in Mea Shearim kennen und seither halten wir Kontakt. Mittlerweile sind sie selber Mitglieder der chassidischen "Toldot Avraham Yitzchak", einer Abspaltung der extremen "Toldot Aharon" geworden. Zuvor gehörten sie einer großen chassidischen Gruppe an, doch suchten sie etwas Kleineres. Überschaubarer und der Familienvater wollte mit einem Rebben in engem Kontakt sein und nicht in der Anonymität untergehen. Die Kinder scheinen happy zu sein und ich werde mich einmal näher erkundigen wie es ist, einer chassidischen Gruppe beizutreten. Mit welchen Probleme und Überraschungen man da rechnen muss.

Die Stadt Beit Shemesh ist innerhalb der letzten Jahre fast zu einer Großstadt aufgestiegen. Viele Amerikaner sind gekommen, aber auch Russen und Äthiopier. Hinzu kommt, dass sich gerade dort ein neues "Silicon Valley" auftat und insbesondere amerikanische Haredim Jobs fanden. Dennoch tut man sich schwer, denn Beit Shemesh ist gespalten . Hier die Haredim in Ramat Beit Shemesh (Satmar, Dushinsky, Toldot Aharon, Toldot Avraham Yitzchak, die Neturei Karta oder auch Belz). Die Belzer errichteten schon ihren eigenen Stadtteil. Und mein Schabbat wird inmitten dieser Gruppen stattfinden.

Beit Shemesh oder Beitar, diese Städte wurden für die haredische Bevölkerung immer attraktiver, denn dort sind die Mieten noch bezahlbar. Beitar ist, im Gegensatz zu Beit Shemesh, eine vollkomene haredische Stadt.

Ich begebe mich jetzt zurück in das Herumgehetze und Täschchen packen.

Schabbat Schalom - Gut Schabbes !