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Sonntag, Oktober 21, 2012

Warum wurde DER KUZARI in arabischer Sprache verfasst ?

B"H

Ich kann an dieser Stelle nur für Israel sprechen und nicht für europäisch – jüdische Lehrangebote. Zumindest an israelischen Yeshivot (jüd. Lerninstitute) genau so wie in unzähligen orthodoxen landesweiten Kursen nimmt das Buch DER KUZARI von Rabbi Yehudah HaLevi ein weites Spektrum ein.

Der große spanische Rabbiner und Philosoph Yehudah HaLevi, welcher ca. 1075 geboren und gegen 1141 nahe Jerusalem ermordet wurde, verfasste sein Buch in arabischer Sprache. Einige Jahre später wurde der Inhalt von Yehudah ibn Tivon ins Hebräische übersetzt. Eine Übersetzung, welche Wort für Wort erfolgte und nicht mit eigenen Interpretationen gespickt ist, wie dies bei anderen Übersetzungen der Fall ist. 



Meine, von Ibn Tivon, übersetzte KUZARI Ausgabe

Photo: Miriam Woelke
 

Warum jedoch schrieb Rabbi Yehudah HaLevi sein Buch gerade in arabischer Sprache ? Womit er übrigens nicht allein stand, denn der spanische Rabbiner Maimonides, Rabbi Moshe ben Maimon (auch bekannt unter der Abkürzung RAMBAM), 1135 – 1204, verfasste seine Schriften in arabischer Sprache. Beide Rabbiner jedoch zitierten die Gemara (rabbinische Diskussionen des Talmud) in der Originalsprache Hebräisch. 

Das Spanien des frühen Mittelalters war muslimisch und somit war auch die Landessprache arabisch. DER KUZARI besteht vorweglich aus den Fragen des Königs der Khazaren an einen Moslem, einen Juden, einem Christen und einen Philosophen. Wer von ihnen ist in der Lage, seine Religion / Weltanschauung am glaubhaftesten darzulegen. Am Ende gewinnt der Jude und das Volk der Khazaren konvertiert zum Judentum. Eine offenbar reale historische Begebenheit, doch die im KUZARI beschriebene Diskussion wurde wahrscheinlich von Rabbi Yehudah HaLevi frei erfunden. 

Insbesondere diente der Buchinhalt dem Zweck, dem spanischen Judentum Fragen in Bezug auf das eigene Judentum zu erläutern. Gerade zu der Zeit befassten sich viele spanische Juden mit der griechischen sowie arabischen Philosophie und Rabbi Yehudahs Absicht lag darin, spanischen Juden klarzumachen, dass die so logisch klingenden philosophischen Darstellungen nicht unbedingt mit dem Judentum vereinbar sind. Einige Zeit später stellte auch der Rambam die Philosophie des Aristoteles denen des Judentum gegenüber, wobei Rambam aus seiner teilweise Verehrung des Aristoteles nicht immer einen Hehl machte, diesem jedoch oftmals immense widersprach. DER KUZARI richtete sich also an die spanischen Juden des 12. Jahrhunderts und deswegen wurde das Buch in der damaligen Landessprache geschrieben.

Dienstag, April 17, 2012

Der KUZARI und die griechische Philosophie


Buch KUZARI - Sefer HA'KUZARI von Rabbi Yehudah HaLevi

Photo: Miriam Woelke
B"H

Der bis heute berühmte jüdische Poet und Philosoph, Rabbi Yehudah HaLevi, lebte einst im Spanien der intellektuellen Blütezeit. Zu einer Zeit als das Land von den Moslems beherrscht wurde, die zur damaligen Zeit des frühen Mittelalters intellektuelle Studien förderten. Im Gegensatz zu den christlichen Kirchenfürsten im nördlichen Teil Europas, wo Wissen unterdrückt wurde und das Landvolk ungebildet bleiben sollte.

Es war Rabbi Yehudah HaLevi, welcher im 12. Jahrhundert das bekannte Buch DER KUZARI verfasste. Grundsätzlich geht es in dem Werk um den König der Khazaren (ein real existierendes Volk), der sich für eine Religion für sein Volk entscheiden will und so einen Christen, einen Moslem, einen Juden und ein einem Philosophen vorlud, um zu erforschen, wer von den Vieren die besseren Argumente vorbringt. Am Ende gewann der Jude und die Khazaren konvertierten zum Judentum. Historiker betrachten den Vorfall größtenteils als Legende, welche Rabbi Yehudah in seinem Buch zu neuen Dimensionen verhalf. Fest steht jedoch, dass die Khazaren tatsächlich zum Judentum konvertierten; allerdings aus etwas anderen Beweggründen. 

Rabbi Yehudah HaLevi sah sein Werk als dringend erforderlich an, denn zu der Zeit kursierten die Werke der einstigen griechischen Philosophen Plato, Sokrates und Aristoteles durch die akademische Welt Spaniens. Des Rabbis Absicht bestand darin, den Juden Spaniens jüdische Glaubensgrundsätze klarzumachen, damit sie nicht auf die griechischen Philosophielehren hereinfielen. 

Die griechische Philosophie unterscheidet sich in einigen wesentlichen Punkten vom Judentum. Unter anderem in der Welterschaffung, denn die Griechen sahen das Universum als vorher schon existent an. Laut dem Judentum jedoch erschuf G – tt ALLES aus dem Nichts heraus. Ferner stand für die Griechen der Intellekt im Vordergrund und nur mit ihm war es möglich, eine Verbindung zum Schöpfer aufzubauen. Eine Ideologie, die der Rambam (Maimonides) kurze Zeit später in seinem "Führer der Unschlüssigen – Moreh Nevuchim" diskutierte. Wie Rabbi Yehudah HaLevi, so besteht auch der "Moreh Nevuchim" des Rambam größtenteils aus philosophischen Diskussionen. Ganz besonders im Hinblick auf die Philosophie des Aristoteles. 

DER KUZARI ist die jüdische Antwort auf die griechischen Philosophielehren sowie auf die Ideen der Karaiten (jene, welche nur an die geschriebene Thora glauben und nicht an die mündlichen Lehren). Die Karaiten waren besonders im frühen Mittelalter sehr weit verbreitet. Zum Beispiel glaubten sie, dass, wenn am Schabbat kein Feuer / Licht gezündet werden darf, man halt im Dunkeln sitzt. Kein Licht zünden aber bedeutet, dass man dies vor dem Schabbat tun kann und es bis Schabbatende durchbrennen läßt. Ferner haben die Karaiten Probleme mit verschiedenen jüdischen Glaubensgrundsätzen wie der Kommenden Welt des Meschiach oder dem Leben nach dem Tod. Die Karaiten folgten einer falschen Lehre, doch fand ihre Ideologie im frühen Mittelalter sehr viel Zulauf. Später kamen die griechischen Philosophielehren der intellektuellen Welt hinzu und die Rabbiner sahen Handlungsbedürfnis. 

DER KUZARI ist ein einzigartiges Werk und wer sich etwas in der griechischen Philosophie auskennt, weiss die Kritik des Judentums zu schätzen. Dass es eben nicht ausreicht, nur intellektuell dazusitzen, sondern im Judentum ist gleichzeitig vom Tun die Rede. Ein Jude muss Thoramitzwot erfüllen um eine Verbindung zu G – tt aufzubauen. 

Man liest den KUZARI eben nicht mal so, sondern lernt das Buch von vorn bis hinten. Manchmal jahrelang. Ich tue das, wenn ich Zeit habe, was leider oft viel zu selten vorkommt. Wer den KUZARI verstehen will, der kommt allerdings nicht um die griechische Philosophie drumherum.

Donnerstag, April 08, 2010

"Die Herkunft der sephardischen Juden" - Die Ausweisung der spanischen Juden im Jahre 1492


Das Dokument der Ausweisung der Juden aus Spanien. Erlassen am 31. März 1492, in Kraft getreten am 31. Juli 1492. Den vollständigen Inhalt des Erlasses gibt es HIER einzusehen !




B"H

Sind deutsche, österreichische oder schweizer Juden in der Lage, etwas mit dem Begriff "Sephardisches Judentum" anzufangen ?
Soviele Sepharadim hat Europa nicht; in den USA leben ganze sephardische Gemeinden und selbst der amerikanische ARTSCROLL Verlag entwickelte ein sephardisches Gebetbuch (Sidur).


Sephardische Juden, das sind, u.a., Juden aus Marokko, Algerien, Tunesien, Kurdistan, dem Iran oder dem Irak. Jemenitische Juden spielen in Israel sind selten eine Sonderrolle genauso wie die syrischen Juden.

Sephardische Juden unterliegen oftmals anderen Bräuchen als ihr aschkenazischer (europ. Juden) Gegenpart. Die Sepharadim sagen über sich selbst, dass SIE es sind, welche das authentischere Judentum leben. Das mag in vielen Fällen der Richtigkeit entsprechen. Insgesamt aber nahmen sie im Laufe der Jahrhunderte Bräuche / Traditionen aus ihren arabischen "Heimatländern" an. Dies jedoch trifft genauso auf aschkenazische Juden zu. Man schaue nur auf die deutschen Juden vor dem Ersten Weltkrieg; wie ausgesprochen DEUTSCH sie sich gaben und auch sein wollten.

Wie aber kam es zur Trennung zwischen aschkenazischen und 
sephardischen Juden ?

Spätestens nach der Zweiten Tempelzerstörung durch die Römer im Jahre 70 unserer Zeitrechnung, wurden die Juden in alle Herren Länder verstreut. Viele von ihnen nach Babylon, aber auch nach Europa. Im Laufe der Jahrhunderte nahm das einst wichtige "jüdische" Babylon immer mehr an Bedeutung ab, denn der Islam kam auf. Tausende Juden suchten neue Länder, in denen es ihnen gutgeht und so kam ziemlich schnell Spanien in Betracht. Nach Babylon wurde Spanien zur jüdischen Hochburg, denn dort konnte man sich entwickeln und es gab berühmte jüdische Schulen, Rabbinerseminare sowie Gelehrte. Im frühen Mittelalter wurde Spanien zur kabbalistischen Hochburg. Auch der "Zohar" wurde dort im Jahre 1290 von Rabbi Moshe DeLeon veröffentlicht.

Unter den moslemischen Herrschern Spaniens ging es den Juden immer noch besser als unter den nachfolgenden christlichen Herrschern, denn die begannen mit Zwangskonversionen zum Christentum, Pogromen sowie der Inquisition.

Im März 1492 beschloss das katholische antisemitische Königspaar (beide waren gleichfalls Cousin und Cousine zweiten Grades) Isabella von Castile und Ferdinand von Aragon die Ausweisung der Juden aus Spanien. 200,000 spanische Juden sollten entweder zum Christentum konvertieren, was ihnen erlaubte, in Spanien zu bleiben oder sie mussten das Land sofort (am 30. Juli 1492) verlassen.



Die Ausweisung der Juden aus Spanien war eine Idee der Spanischen Inquisition gewesen. Unter der Leitung des Dominikanerpaters Thomas de Torquemada, der da befürchtete, dass die Christen Spaniens von den Juden relig. beeinflusst werden könnten und so aus den willigen Schäfchen Rebellen werden, die da zu hinterfragen beginnen, was es sich eigentlich auf sich hat mit dem von der katholischen Kirche auserwählten J. Meschiach. Die Inquisition selber war vom Herrscherpaar Ferdinand und Isabella ins Leben gerufen worden.


Die Mehrheit der Juden weigerte sich, zum Christentum zu konvertieren und so flüchtete man vor den Fängen der Inquisition nach Nordafrika, in die Türkei, nach Portugal (von dort wurden die Juden wenige Jahre später verbannt) oder nach Italien.

Juden, die sich zur Konversion bereiterklärten, wurden "Conversos" genannt. Die meisten von ihnen konvertierten nur vordergründig zum Christentum und praktizierten insgeheim weiter ihr Judentum (Marranos). Ganz zum Missfallen der Inquisition der katholischen Kirche, die da nicht wenige ertappte Marranos auf dem Scheiterhaufen verbrannte.