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Montag, August 20, 2012

"Maariv, Maariv" - Heute abend an der Klagemauer








Abendgebet (Maariv) an der Klagemauer (Kotel) in Jerusalem

Photo & Copyright: Miriam Woelke

Dienstag, April 17, 2012

Gebetsrichtungen

B"H

Im Judentum wenden sich die Betenden immer in Richtung Jerusalem. Dies sehen wir, z.B., an der Platzierung des "Aron HaKodesh – des Thoraschreins" in den Synagogen. Immer steht dieser in der Richtung nach Jerusalem. 


Der Tempelberg mit der Klagemauer (Kotel). Im Vordergrund sehen wir eine Zelteinrichtung von Archäologen, welche Überreste aus der Zeit der Byzantiner (Christen in Jerusalem, 325 - 634 nach Beginn der Zeitrechnung) ausgraben.

Photo: Miriam Woelke

Der Talmud Traktat Berachot 30a lehrt uns, dass ein sich in der Diaspora befindender Jude immer in Richtung Israel beten sollte. Ein Jude in Israel sollte sich stets in Richtung Jerusalem wenden. Ein sich in Jerusalem befindender Jude wendet sich Richtung Tempelberg und ein betender Jude an der Klagemauer (Kotel) wendet sich bei seinem Gebet Richtung "Kodesch HaKedoschim – dem Allerheiligsten des einstigen Tempels, wo die Bundeslade aufbewahrt worden ist". 

Was aber sagt die Halacha zu einem Blinden, der nicht weiss, welche Richtung wohin weist ? Hat der Blinde gerade niemanden zum Fragen, so sollte er seine Gedanken an G – tt richten !

Samstag, Februar 25, 2012

Yedid Nefesh

B"H 

YEDID NEFESH, ein Lied gesungen in den Synagogen zwischen dem Mincha (Nachmittagsgebet) und der Kabbalat Schabbat am Freitag abend. Warum nicht einmal die neue Woche mit dieser tollen Melodie aus dem Video einleiten ?

Mittwoch, Dezember 28, 2011

Ribono shel Olam

B”H 

Im Judentum wird vor dem Zubettgehen das sogenannte “Bedtime Shema” gesagt. Eine Reihe von Gebeten und Psalmen wobei am Ende das Gebet “Adon Olam” steht. Nach dem “Bedtime Shema” wird nicht mehr gesprochen, sondern sich schlafengelegt. 

Das erste Gebet des “Bedtime Shema” heißt “Ribono shel Olam – Herr des Universums”. In dem Gebet lassen wir nochmals unsere Taten des jeweiligen Tages Revue passieren. Gutes und Schlechtes. Wir bitten G – tt, Gnade walten zu lassen, falls wir etwas falsch gemacht haben und uns nicht vielleicht mit irgendwelchen Leiden (Krankheit, Armut, Arbeitslosigkeit etc.) bestrafen. Im Talmud Berachot 5 heißt es, dass jeder, dem in einer Lebensphase Negatives passiert, seine Taten gedanklich überprüfen soll. Sich fragen, ob ihm nicht Negatives widerfährt, weil er vielleicht falsch gehandelt hat. Ferner lehrt der Talmud Berachot 5 ebenso, dass wer keinerlei Vergehen in seinem Verhalten feststellen kann, sich vielleicht schuldig machte, nicht genügend Thora zu lernen. Aber all das bedeutet nun nicht, dass jeder, der arbeitslos ist, irgendwelcher Vergehen schuldig geworden ist ! 

Was wir im “Ribono shel Olam” – Gebet ebenso tun ist, all jenen Mitmenschen zu vergeben, die uns tagsüber ans Leder wollten, uns beleidigten oder verletzten. Ehrlich gesagt habe ich manchmal so meine Probleme damit uns es gibt Zeiten, an denen ich das “Ribono shel Olam” auslasse und mit dem nächsten Gebet “HaMapil” beginne. Andererseits, wenn wir von G – tt Gnade erwarten, wie können wir dann so streng richten ? Manchmal ist es besser, über das Verhalten anderer hinwegzusehen, es einfach abzuhaken und nicht allzu ernst zu nehmen. 
 
Links:


REINKARNATIONEN in Talmud und Gebet

Dienstag, Oktober 11, 2011

Juden falten keine Hände



B”H  

Gegenüber dem Christentum falten Juden ihre Hände nicht beim Gebet. Genau gesagt, weder beim Gebet noch bei anderen Gelegenheiten sollten die Finger ineinandergeschoben werden wie bei einem christlichen Gebet. Den Grund dafür lernte ich schon vor Jahren aus den Schriften des Kabbalisten, Rabbi Yitzchak Luria (1534 – 1572), der da argumentierte, dass die Finger unserer zwei Hände für die “Zehn Sefirot” aus der jüdischen Kabbalah stehen. Jeder Finger repräsentiert sozusagen eine Sefirah. Faltet jemand seine Hände bzw. steckt die Finger ineinander, so bringt er demnach die Reihenfolge der Sefirot durcheinander. 

Es ist anzunehmen, dass Rabbi Luria die Idee dem kabbalistischen Buch ZOHAR (erschienen in Spanien im Jahre 1290) entnahm. Im ZOHAR heißt es nämlich, dass es nicht gut sei, die Finger der zwei Händen ineinander zustecken, denn dies bringe Unglück und könne ebenso G – tt dazu veranlassen, denjenigen strenger zu richten. 

Beim Gebet darf ein Jude die Hände aufeinanderlegen und die Hände dürfen sich berühren, jedoch sollten die Finger auf keinen Fall ineinandergefaltet werden. 

Links:


Die "Zehn Sefirot", Teil 2

Donnerstag, Oktober 06, 2011

Ein Blick ins YOM KIPPUR MACHZOR

B”H

Ein kleiner Blick ins Gebetbuch (Machzor) zum jüdischen Feiertag YOM KIPPUR




Dieses gesamte Machzor beten wir am Yom Kippur durch. Es umfasst das Abendgebet Ma'ariv sowie das Morgengebet, Nachmittagsgebet, das Ne'ilah - Gebet und erneut den Ausklang mit dem Ma'ariv.



Beginn des Morgengebetes Schacharit (diesmal am Schabbatmorgen) mit dem HAMELECH - Der König - Gebet.G - tt "sitzt" auf seinem Thron und richtet die Juden auf ein weiteres Jahr.







Immer wieder neu wird das "Vidui" gebetet, in welchem wir unsere Vergehen darlegen (Al Chet she chatanu lifane'icha").



Den Ausklang am Samstag abend bildet der laute Ruf der anwesenden Gemeinde: SHEMA ISRAEL. Wenn wir G - tt als den EINEN anerkennen. Was an diesem Ausruf besonders ist: Dass der zweite Satz des SHEMA ISRAEL, "Baruch Shem Kavod Malchuto Le'Olam va'Ed" laut ausgesprochen wird und nicht leise, wie sonst das ganze Jahr über. Danach erfolgt siebenmal das "Ado - nai Hu HaE - lo - him".


Photos: Miriam Woelke

Montag, Oktober 03, 2011

Bnei Brak, Machzor & Yom Kippur


 Kreuzung Ramat Gan / Bnei Brak

Photo: Miriam Woelke
B”H  

Nun sind sie da, die “Aseret Yame’i Teschuva – Die 10 Tage der Umkehr zu G – tt” zwischen Rosh Hashana und den am Freitag abend beginnenden höchsten jüdischen Feiertag YOM KIPPUR (Versöhnungstag). Viel Gefühl habe ich noch nicht entwickelt, denn ich bin täglich zu sehr mit der Arbeit beschäftigt. Heute aber machte ich eher Schluß und fuhr dann kurz darauf von Tel Aviv nach Bnei Brak. Mit dem Bus dauert das ca. eine halbe Stunde. Zuerst wird die Nachbarstadt Ramat Gan durchkreuzt und gleich anschliessend folgt Bnei Brak. 

Nicht alle Bewohner von Bnei Brak sind relig., doch existieren zahlreiche ultra – orthodoxe Stadtviertel, wie ich schon mehrmals andeutete.  Ich befinde mich momentan in einem Dilemma, denn bis zur letzten Minute werde ich nicht wissen, wo ich den Yom Kippur verbringe. Werde ich mit der Arbeit am Freitag rechtzeitig fertig und schaffe ich es, einen der letzten Busse nach Jerusalem zu erwischen, um den Fastentag in der Heiligen Stadt zu verbringen ? Schaffe ich es zeitlich nicht mehr, so bleibe ich in Tel Aviv. Mein Boss meinte aber, dass ich es zum Bus schaffen werden. Notfalls soll halt jemand anders für mich einspringen, damit ich zum Bus rennen kann. 

Die zweite Problematik war, dass ich immer noch ein paar meiner Bücher in Jerusalem habe. Darunter auch mein Yom Kippur Machzor (Gebetbuch zum Yom Kippur). Zeit, es abzuholen, habe ich vor dem Fastenbeginn nicht mehr und somit fuhr ich heute nach Bnei Brak, um mir kurzfristig ein neues Machzor anzuschaffen. Viel kostet es nicht, doch Bnei Brak kommt gerade recht, denn ich kaufe stets chassidischen Gebetbücher. Und so fand ich dann im vierten von mir angesteuerten Buchladen noch das letzte Machzor Nussach Sfarad. 

Bei Feiertagsgebetbüchern genau so wie bei den normalen Siddurim mit den regulären Wochentags – und Schabbatgebeten, bestehen starke Unterschiede in verschiedenen Riten. Chassidim fügen, zum Beispiel, kabbalistische Passagen in die Gebete mit ein. Vorweglich vom mittelalterlichen Kabbalisten Rabbi Yitzchak Luria. Ebenso beten wir einige Passagen des Baal Shem Tov. Viele chassidischen Gruppen besitzen ihre eigenen Gebetbücher und viele von Euch werden das auch von Chabad (Lubawitsch) kennen. Sephardische Juden beten fast dasselbe wie Aschkenazim, doch an den Feiertagen existieren Unterschiede. Das reine aschkenazische Gebetbuch enthält den regulären Gebetsritus, jedoch keine Zusätze aus der Kabbalah oder, wie bei den Sepharadim, Zusätze sephardischer Rabbiner. 

In Bnei Brak ein chassidisches Machzor zum Yom Kippur zu finden, erwies sich schwieriger als angenommen, denn die Mehrheit der Buchläden verkauft alles im Set und nur in wenigen Fällen Einzelausgaben. Da ich jedoch alle Machzorim für die Feiertage Pessach, Schavuot, Rosh Hashana, Yom Kippur und Sukkot besitze, brauche ich kein Set. Nur kurzfristig ein neues Machzor für den Yom Kippur. Im vierten Buchladen fand ich schliesslich ein Exemplar des “Machzor Rabbah” für 24 Schekel (ca. 5,50 Euro). 

Photos stelle ich morgen in den Blog, damit Ihr seht, wie so etwas eigentlich ausschaut. 

Wenn ich schon einmal in Bnei Brak bin, dann will ich mir doch gleich die momentan stattfindenden Kapparot ansehen. Juden wollen ihre Sünden vergeben wissen und viele schächten deswegen ein Huhn, welches vorher bezahlt und über den Kopf desjenigen Sünders geschwenkt wird. Ich mache dabei nie mit, weil ich das furchtbar finde. Tausende Hühner in Plastikboxen warten auf ihren Tod. Und der Gestank erst. 

Vor Jahren gab ich statt der Hühnerprozedur immer Geld, aber auch das stellte ich ein. Kapparot sind ein Brauch und viele Weisen lehnen ihn ab. In Bnei Brak dagegen wurde viel Posterwerbung betrieben, doch teilzunehmen und 36 Shekel (ca. 7 Euro) zu zahlen, um mit dem Geld armen Familien unter die Arme zu greifen. Letztendlich fand ich in Bnei Brak keinen Kapparotplatz und suchte auch erst gar nicht groß herum. Dafür kaufte ich ein paar billige Lebensmittel ein, denn in haredischen (ultra – orthodoxen) Gebieten liegen in vielen Geschäften die Preise wesentlich niedriger, da die Bewohner wenig Geld haben.

Samstag, September 24, 2011

SELICHOT vor Rosh Hashana



B"H

In der Gemara (rabbinische Diskussionen) des Talmud Traktates Nedarim 39b finden wir das Statement, dass G - tt vor der Erschaffung unseres Universums sieben Dinge erschuf. Eines davon ist die "Teschuva - Umkehr zu G - tt". Ohne die Möglichkeit der Umkehr nach einem Vergehen, könnte der Mensch nicht existieren.

In kabbalistischer Literatur heißt es, dass bevor G - tt unsere Welt erschuf, Er andere Welten erschuf.
Was bedeute das "andere Welten" ?


In Seinen Gedanken erschuf G - tt andere Welten vor der unseren materiellen Welt. G - tt ist das einzige Wesen überhaupt, welches mit Seinen Gedanken erschaffen kann. Wir Menschen hingegen benötigen unseren Körper, Werkzeuge oder Material, um etwas zu erschaffen / herzustellen.

Ebenso lautet es in der Kabbalah, dass G - tt die vorherigen Welten wieder zerstörte, denn praktisch gesehen kann ein Mensch mit einem von G - tt gegebenen FREIEN WILLEN dort nicht existieren.
Die vorherigen Welten, welche G - tt mit seinen GEDANKEN erschuf, und welche anscheinend auch nur dort existierten, waren auf DIN (GERICHT) ausgerichtet. Bedeutet, sobald ein Mensch sündigen täte, müsste G - tt diesen automatisch richten. Demnach könnte der Mensch nach einem strengen Gericht sofort sterben.

Aber ist es wirklich Sinn und Zweck unserer Erschaffung, dass wir nach jedem Vergehen, selbst, wenn es nur in unseren Gedanken stattfindet, sofort auf der Stelle gerichtet werden ? Wie lange wären wir da wohl in der Lage zu überleben ? Wenige Minuten ? Eine Stunde ?


Deswegen musste so etwas wie Teschuva (Umkehr) und Gnade (Rachamim) her. Nur so ist unsere Welt lebensfähig.
Wir Menschen bekamen von G - tt die FREIE WAHL (B'chirat Chofschit) uns für Ihn oder gegen Ihn zu entscheiden. Entweder leben wir ein moralisches oder ein unmoralisches Leben. Ein Religiöses oder ein Säkuleres.


Eines jedoch können wir immer tun: Teschuva machen. Unsere Vergehen bereuen und versuchen, in Zukunft alles besser zu machen.
Diese Tür der Teschuva hält G - tt jederzeit für uns offen. Nie ist es dazu zu spät, wobei ich gleichermassen daran erinnere, dass der Rambam (Maimonides, 1135 - 1214) in seiner "Mischna Thora - Hilchot Teschuva" Ausnahmen der Teschuva beschreibt. Für einen jeden von uns kann eine Zeit kommen, in welcher unsere Vergehen so gravierende Formen angenommen haben, dass eine Teschuva unmöglich wird und G - tt unsere Reue nicht mehr annimmt. Nehmen wir hier Hitler, Eichmann, etc. als Beispiel. Bei solchen Leuten hilft eine Umkehr nichts mehr und ihre Seelen werden vernichtet.

Bleiben wir bei weniger extremen Fällen, nämlich bei uns selbst.

Jetzt vor Rosh HaShana (jüd. Neujahrsfest), welches diesmal am Abend des 28. September beginnt, ist die Zeit der Reue und Umkehr. An Rosh HaShana richtet G - tt die gesamte Welt und ALLE Menschen auf ein weiteres Jahr. Ebenso Nichtjuden !

Wird es Hungersnöte, Vulkanausbrüche und anderweitige Katastrophen geben ? Wie wird mein persönliches Neues Jahr ausfallen ? All das wird an Rosh HaShana entschieden. Juden haben Zeit bis zum Yom Kippur und erst dann, zehn Tage nach Rosh HaShana, fällt die Entscheidung.
Juden verfügen mit ihren Gedanken, Worten und Taten (Mitzwot) die Kraft, die oberen spirituellen Welten zu beeinflussen. Anhand der Mitzwot (Gebote) können sie unsere materielle Welt in die oberen spirituellen Welten hinauf befördern.

An jüdischen Fastentagen sowie insbesondere vor Rosh HaShana wollen wir G - ttes Gnade erwecken. Schließlich wollen wir alle gnadenvoll von Ihm gerichtet werden und nicht mit zu strengem Din (Gericht). Deswegen beten wir gerade in den Tagen vor Rosh HaShana spezielle Gebete, welche sich SELICHOT nennen. Übersetzen könnte man dies mit "ENTSCHULDIGUNGEN". Wir gestehen unsere Vergehen vor G - tt ein und geloben Besserung.

Sephardische Juden (aus Marokko, Tunesien, Spanien, Kurdistan, Irak, etc.) folgen dem Brauch, die Selichot Gebete am zweiten Tag des Monatsbeginn Elul zu beginnen. Aschkenazische Juden (Europa, USA, Russland, etc.) dagegen beginnen die Selichot erst am Mozzaei Schabbat (Schabbatausklang) direkt vor dem Rosh HaShana - Fest (diesmal am 24. September). Fällt Rosh HaShana jedoch auf einen Montag oder Dienstag, so beginnen auch für die Aschkenazim die Gebete eine Woche vorher.

Die Selichot Gebete sind in einem eigenen Gebetbuch zusammengefasst und bestehen aus poetischen Texten (Piyutim) sowie aus Gebeten. Beginnen tun wir stets mit dem Psalm 145 (Aschre'i Yoshev Be'itecha …) und danach folgt ein halbes Kaddisch.

Anmerkung: Das Kaddisch ist KEIN Totengebet, wie viele meinen, sondern vielmehr preisen wir darin die Größe G - ttes. Der Text ist auf Aramäisch und die Aufgabe des Kaddisch besteht darin, unterschiedliche liturgische Abläufe während eines Gebetes / G - ttesdienstes voneinander zu trennen.
Normalerweise werden die Selichot ca. eine Stunde nach Mitternacht (oder vor dem Morgengrauen) gebetet. Die erste Nacht der Selichot ist von besonderer Wichtigkeit, denn dann sitzt G - tt Gericht.

Schon zu Zeiten der Geonim (800 - 1000 nach Beginn der Zeitrechnung) wurden Selichot gebetet. Am 25. Elul erschuf G - tt unser Universum, an Rosh HaShana wurden die ersten Menschen, Adam und Eva (Chava) kreiert. Laut dem Gaon von Vilna (GRA) beginnen aschkenazische Juden mit ihren Selichot ausgerechnet an einem Mozzaei Schabbat (Schabbatausklang), weil dies den ersten Tag der Welterschaffung repräsentiert. Der erste Tag der Erschaffung war ein Sonntag (Yom Rischon). Im Judentum beginnt der neue Tag jedoch schon mit Einbruch der Dunkelheit des vorhergehenden Tages. Somit am Abend zuvor. Demnach begann die Welterschaffung am Samstag abend und der erste Tag endete am Sonntag abend.

 
Der "Big Bang" - Die Welterschaffung



Die SELICHOT Gebete der aschkenazischen Juden vor Rosh HaShana beginnen in dieser Woche: Nach dem Schabbatausklang am Samstag abend ! Jeden darauffolgenden Tag vor dem Rosh HaShana beten wir also Selichot und das Gebetbuch ist in jeden einzelnen Tag unterteilt. Am ersten Tag beten wir beispielsweise:
 
Psalm 145 (Aschre'i), ein halbes Kaddisch, dass wir vor G - tt stehen und Seine Gnade erbitten (Lecha A - do - nai), A - do - nai - E - l - Rachum veChanun ( G - ttes Gnade ist groß)
- Dieses Gebet wird innerhalb der Selichot mehrere Male wiederholt und am Yom Kippur beten wir es unzählige Male, sodass wir es spätestens beim Ne'ilah Service (dem letzten G - ttesdienst vor dem Ausklang des Yom Kippur) auswendig kennen. Genauso wie das VIDUI (Geständnis): "Aschamnu. Bagadnu. Gasalnu. Dibarnu Dofi. He'evinu", etc.

Wir gestehen hier unsere Sünden stets im PLURAL ein ! Als das gesamte jüdische Volk.
Darüber hinaus bestehen die Selichot ebenso aus weiteren einzelnen Gebeten. Jedesmal wieder sind es bewegende Momente an der Jerusalemer Klagemauer (Kotel) zu stehen und des nachts die Selichot zu beten. Viele Betende sind dermassen vertieft in ihr Gebet (Kavanah), dass sie sogar weinen, denn es heißt, das Tränen das Tor zu G - ttes Gnade öffnen.
 Selichot


Das Buch "Shaare'i Moadim" von Chabad / Lubawitsch lehrt folgende Inhalte:

- Der Schabbat, an welchem abends die ersten Selichot gebetet werden, wird "Schabbat Selichot" genannt.

- Die Selichot vor Rosh HaShana ersetzten spezielle Opferungen aus der Tempelzeit, denn ohne den Dritten Tempel sind
Juden derzeit außerstande, Opferungen darzubringen.

 


Weiterer Link: 
 

Montag, September 19, 2011

Baal Shem Tov: "Ein Gebet kann alle Tore öffnen"


Medziborz, der Wohnort des Baal Shem Tov

Aus der Baal Shem Tov Ausstellung der Jewish National Library in Jerusalem (Juli 2010).

Photo: Miriam Woelke

 B"H

"In einem Königspalast befinden sich Hunderte von Räumen und an jeder Tür ist ein anderes Schloß angebracht, welches jeweils nur mit einem dafür vorgesehenen Spezialschlüssel geöffnet werden kann. Aber für sämtliche Türen gibt es einen Generalschlüssel, der alles öffnet und das ist das gebrochene Herz. Wer vor G – tt mit einem ernsthaft gebrochenen Herzen im Gebet auftritt, hat die Kraft, alle Türen aufzumachen, durch alle Tore zu gehen und bis in den himmlischen Palast vorzudringen.

Vom BAAL SHEM TOV

Samstag, September 10, 2011

“Modeh Ani” und das Händewaschen am Morgen

B”H 

Morgens nach dem Aufwachen sollte ein Jude sich sofort zum Waschbecken bewegen und sich rituell die Hände waschen. Mit dem dazu gehörigen Segen (Al Netilat Yadaim). 

Laut dem kabbalistischen Buch ZOHAR bringt der Schlaf diverse Unreinheiten mit sich, denn die Seele verlässt den Körper und steigt in höhere Spähren zu G – tt auf. Wie mehrfach berichtet, kommt die Seele dort nicht immer an, denn unterwegs kann sie auf viele verschieden Hindernisse stossen. Hat die Seele den Körper verlassen, und sollte es nur im Fall des Schlafs sein, so tritt der Körper in eine Art “Todeszustand” und befindet sich damit halachisch gesehen in der Unreinheit. Um diese loszuwerden, wäscht man sich nach dem Wiedereintritt der Seele, heißt, nach dem Aufwachen, erst einmal die Hände, die sich mit im Zustand der Unreinheit befinden. 

Das Erste, was wir nach dem Augenaufschlag tun ist jedoch, dass Gebet “Modeh Ani” zu sagen. Hierbei danken wird G – tt, dass Er unsere Seele wieder in den Körper zurückführte. Die Frage ist, ob wir zuerst aufstehen, uns die Hände waschen und dann das “Modeh Ani” sagen oder ob wir es schon im Bette sagen ? 

Rabbi Shlomo Ganzfried (1804 – 1886) geht in seinem “Kitzur Schulan Aruch” auf diese Fragestellung ein; der reguläre “Schulchan Aruch – Code of Jewish Law” des Rabbi Yoseph Karo tut dies hingegen nicht. Die Antwort aus dem “Kitzur Schulchan Aruch” lautet, dass wir das “Modeh Ani” sofort nach dem Aufwachen sagen und dies noch im Bett. Bedeutet, die Hände müssen vorher nicht gewaschen werden ! 

Warum das, wenn wir uns doch noch im Unreinheitszustand befinden und uns deswegen eigentlich das Beten bis nach dem rituellen Händewaschen untersagt ist ? Weshalb dürfen wir dann das “Modeh Ani” dennoch sagen ? 

Weil es keinen Namen G – ttes enthält !

Sonntag, September 04, 2011

Ein aufrichtiges Gebet

B”H 

Wie erkennt der Betende, dass er G – tt aufrichtig und selbstlos dient ? 
Wenn er sich nach dem Gebet bescheiden gibt und nicht anfängt, sich auf sein konzentriertes intensives  Beten etwas einzubilden. 
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Quelle: Der Baal Shem Tov

Donnerstag, Juli 14, 2011

Wie steht ein Jude morgens auf ?

B”H

Es versteht sich wieder einmal von selbst, dass auch der Teil des morgentlichen Aufstehens im Judentum halachisch geregelt ist. So, wie fast unser ganzes Leben.

Sobald eine Jude morgens seine Augen aufschlägt, sagt er das MODEH ANI Gebet, in welchem er G – tt dankt, dass dieser ihn nach dem Schlaf aufwachen lassen hat. Der Talmud Berachot lehrt uns, dass der Schlaf 1/60 Tod bedeutet. Während wir schlafen, verläßt die Seele den Körper und steigt in die oberen spirituellen Welten hinauf. Sobald wir aufwachen, gelangt die Seele im Bruchteil einer Sekunde wieder in unsere Körper zurück (siehe das kabbalistische Buch ZOHAR). Wenn also die Seele den Körper verläßt, befindet sich dieser in einer Art Todeszustand. Nach dem morgentlichen Aufwachen waschen wir uns daher sofort die Hände, um die Unreinheit des Todes zu entfernen.

Chassidim haben den Brauch, eine Schüssel gefüllt mit Wasser neben das Bett zu stellen, damit sie morgens gleich nach dem Aufwachen sofort die Hände waschen. Andere relig. Juden hingegen sagen, wie die Chassidim auch, erst das MODEH ANI Gebet und gehen danach zu einem Waschebecken, um sich rituell die Hände mit einem bestimmten Gefäß (Natlah) zu waschen.

Normalerweise sollten wir mit Unreinheit an den Händen keine Gebete sagen, doch laut dem Kitzur Schulchan Aruch darf das MODEH ANI noch vor dem rituellen Händewaschen gebetet werden. 


Samstag, April 23, 2011

Druckfehler in deutsch – jüdischen Sidurim (Gebetbüchern)

B”H

Laut der israelisch – haredischen (ultra – orthodoxen) Nachrichtensite “Kikar Shabbat” befindet sich in bestimmten neuen deutschen Sidurim (Gebetbüchern) einiger jüdischer Gemeinden ein schwerwiegender Druckfehler. Ein Übersetzungsfehler, der die alten antisemitischen Ressentiments der “Opferung von Kindern im Judentum” wieder aufleben lassen könnte.

Es geht um die Tempelopferungen und es werden im Text Widder, Lämmer, Stier sowie JUNGE KINDER aufgelistet. Dabei müsste es anstatt “JUNGE KINDER” doch richtig “JUNGE RINDER” heissen. 

Angeblich sollen nun deutsche Rabbiner darüber nachdenken, wie der Fehler behoben werden kann. 

 

Samstag, April 09, 2011

Rabbi Chaim Soloveitchik zum SHEMONA ESRE Gebet

B"H

Rabbi Chaim Soloveitchik hatte seinerzeit einen kurzen, doch äußerst wichtigen Kommentar zum jüdischen SHEMONA ESRE Gebet. Wie hoch soll die Kavanah (Konzentration) bei einem der wichtigsten Gebete des Judentums sein ?

Während wir das SHEMONA ESRE Gebet beten, sollten wir uns bewusst sein, dass wir in dem Moment tatsächlich direkt vor G – tt stehen.

Von daher muss die Kavanah besonders hoch sein, denn wer steht schon vor einem König und lässt seine Gedanken anderweitig wandern und ignoriert somit 
den König ? Ist es nicht eher so, dass wir vor einem König ein bestimmtes gepfelgtes Verhalten an den Tag legen und uns auf jedes Wort konzentrieren ? Genauso sollte es beim SHEMONA ESRE Gebet sein, wenn wir vor unserem Erschaffer stehen !

Längst hätte ich mehr über das so wichtige SHEMONA ESRE Gebet schreiben sollen, doch leider bin ich nie dazu gekommen. Das Judentum ist unerschöpflich und aufgrund des unermesslichen Themenreichtums kann dieser Blog ewig weiterlaufen. Aber keine Sorge: Zum SHEMONA ESRE Gebet komme ich auch noch zu sprechen.

Mittwoch, März 09, 2011

Engel verstehen kein Aramäisch


Himmel über Tel Aviv

Photo: Miriam Woelke

B”H

Die Gemara (rabbinische Diskussion) im Talmud Traktat Schabbat 12b lehrt, dass die Engel die aramäische Sprache nicht verstehen. Kommentatoren fragen daher, wie die Gemara solche eine Behauptung aufstellen kann, wenn doch die Engel die Gedanken der Menschen kennen. Daher sollten sie der aramäischen Sprache mächtig sein (in Jerusalem vor mehr als 2000 Jahren wurde aramäisch gesprochen). 

Woher wissen die Kommentatoren, dass die Engel unsere Gedanken kennen ?

Und wie immer finden wir im Talmud sowie den späteren Schriften der Tosafot Widersprüche und Uneinigkeiten. Einerseits heisst es, dass die Engel die Gedanken der Menschen nicht kennen, sondern nur G – tt allein. Der einstige Rebbe der Chassidut Gur, der berühmte Thorakommentator Sfat Emet, hebt hervor, dass das kabbalistische Buch ZOHAR ausdrücklich lehrt, jene Engel, die zu Avraham kamen, fragten diesen, wo sich seine Frau Sarah befinde. Die Engel wissen folglich nur das, was G – tt sie wissen lässt. 

Der berühmte Vilna Gaon hingegen schlägt eine weitere Quelle im Talmud Traktat Berachot 55a vor. Dort nämlich heisst es, dass ein “Iyun Tefillah” verursacht, dass die Sünden eines Betenden genauer betrachtet werden. Bedeutet, dass jemand, der betet und erwartet, dass G – tt sein Gebet erhört und positiv “beantwortet”, denn er (der Betende) investierte schliesslich soviel Konzentration in sein Gebet, dass G – tt einfach reagieren “muss”. Die Engel dagegen sehen betrachten die Angelegenheit wesentlich anders und achten weniger auf die Konzentration im Gebet als auf das gerechte Verhalten einer Person. Deswegen fordern sie G – tt auf, doch erst einmal das Verhalten des Betenden genauer zu untersuchen als sich lediglich auf die hohe Betkonzentration zu verlassen. Und so schaut G – tt auf das Leben des Betenden und ob er denn eine Antwort verdiene, wenn er diese einfordere. 

Wenn aber die Engel G – tt zu näherer Betrachtung auffordern, woher wissen sie dann, was der Betende bezweckt ? Also müssen sie doch zwangsläufig dessen Gedanken kennen. Kann es sein, dass jene Engel, welche für Gebete der Menschen zuständig sind, die Fähigkeit besitzen, die Gedanken der Menschen zu kennen und demnach entscheiden, wessen Gebet beantwortet wird oder nicht. 

Eine Meinung lautet, dass die Engel sehr wohl unsere Gedanken kennen und daher die Gebete, welche wir in aramäisch beten (wie das KADDISCH), verstehen. G – tt aber will die Engel nicht für Gebete in aramäischer Sprache als unsere Für – oder Gegensprecher, die uns da im Himmel rechtfertigen (oder auch nicht). Gebete in hebräischer Sprache sind G – tt einfach wesentlich lieber. Wenn jedoch ein Betender der hebräischen Sprache nicht mächtig ist, dann erhalten die Engel die Ermächtigung, zugunsten des Betender bei G – tt “vorzusprechen”. 

Der berühmte Talmudkommentator “Rosh” meint, die Engel verstehen Aramäisch, betrachten die Sprache aber als minderwertig gegenüber der heiligen hebräischen Sprache. Aus diesem Grund sprechen sie vor G – tt nicht zu unseren Gunsten, da das Gebet nicht in hebräischer Sprache erfolgte.

Der ROSH sowie der Kommentator RA’AVAD kommentieren weiter, dass die Engel nur der hebräischen Sprache folgen und keiner weiteren. 

Erhalten wir eine definitive Antwort ?

Nein, wie so oft im Talmud !


Links:


Intensivität bis zur Erschöpfung

Donnerstag, März 03, 2011

Persönliche Wünsche an G – tt inmitten des Shemonah Esre (Amidah) Gebetes

B”H

Die Gemara (rabbinische Diskussion) im Talmud Traktat Avodah Zarah 7b lehrt, dass es erlaubt ist, während dem wichtigen Shemonah Esre Gebet persönliche Bitten an G – tt zu richten. Unter anderem dürfen wir für unsere und die Gesundheit beten. Braucht jemand ein gutes Einkommen, von dem er leben kann, so darf er G – tt ebenfalls darum bitten.

Jemand erzählt mir einmal, dass in der Shemonah Esre um einen Heiratspartner gebetet werden darf, doch sollte ein Name ausgelassen werden. 
Bedeutet: A betet, dass sie unbedingt den B heiraten wolle und G – tt ihr dabei helfe.
Wenn um einen Heiratspartner gebetet wird, dann lediglich a la “G – tt solle einen den Richtigen / die Richtige finden lassen.

Die Rabbiner in der Gemara straiten, ob derjenige, der betet, nicht lieber im Plural bitten solle, damit G – tt für alle Juden etwas tue. Beispiel: Alle Juden heile oder sie ausreichend Geld verdienen zu lassen. Warum immer nur für sich selbst beten ? Eine Meinung lautet, dass demjenigen, der genauso andere mit in seine Bitten und Gebet mit einschliesst, seine Wünsche zuerst erfüllt werden.

Dienstag, November 30, 2010

Wo wir nicht beten sollen

B"H

Der Talmud Traktat Berachot 25a klärt uns darüber auf, dass das "Schema Israel" Gebet nicht an stark verunreinigten Orten gebetet werden darf.
Allgemein gilt das Verbot nicht nur für dieses eine Gebet, sondern für alle Gebete an verunreinigten Orten wie Toiletten, Müllhalden oder Plätze, die nach Abfall, Abwasser oder Fäkalien riechen.

Während eines Gebetes stehen wir vor G - tt, unserem Erschaffer, woraus sich ergibt, dass wir in einem sauberen Zustand antreten sollten. Niemand sagt etwas gegen Arbeitskleidung, wenn das Gebet während der Arbeit stattfindet. Toiletten oder sonstiges jedoch sind jedoch passe. Ebenso mit Orte mit Tierfäkalien.

Donnerstag, Oktober 14, 2010

Limitierungen & Gebet

B"H


Bis sonntag früh weile ich im Chabad Hostel "Ascent" im nordisraelischen Zfat. "Ascent" bietet alles; von relig. Unterricht (Schiurim) hin bis zu organisierten Schabbatot, Trips und individueller Beratung bezüglich des eigenen relig. Lebens.


Was mich allerdings nervt sind die Computer. Jeder darf sie nutzen, doch letztendlich hat der Nutzer (falls er denn seinen eigenen Laptop besitzt) beim Wireless Internet freien Zugang zu allem. "Ascent" baute in seinem eigenen Computersystem soviele unglaubliche Firewalls auf, dass das Internet kaum zu nutzen ist. Youtube oder selbst meine Blogs fallen der Firewall zum Opfer und sind gesperrt. Andere Hostelgäste kommen nicht in ihr Yahoo, da dies ebenso geblockt wird.


Ich sprach mit dem zuständigen Computertypen und der meinte, dass geschehe alles aus Anstandsgruenden. Ansonsten würde sicher so mancher pornographische Movies oder Bildchen ansehen. Andererseits jedoch werden die Hizbollah Homepage oder Al Jazeera nicht geblockt. Da stelle ich mir wirklich die Frage, was hier wo anständig ist.


Da ich momentan zu faul bin, meinen Laptop anzuschmeissen, antworte ich an dieser Stelle auf den Kommentar von s5 zu den Thora Codes:


Rabbi Eli Kaye arbeitet für "Ascent" und versucht die Gäste zu einer Teilnahme an den Codes zu überreden. Einige Leute sind interessiert, andere wieder nicht. Mich, zum Beispiel, interessiert es überhaupt nicht, obwohl Rabbi Kaye mir gestern sämtliche Vorteile auflistete. Man lerne seine inneren Kräfte kennen und könne danach sein Leben orientieren.


Zugegeben, viele Leute hören "Kabbalah" und sind sofort hin und weg. Wer will, der kann Eli Kaye schreiben und er bekommt seine Codes. Hierbei wird genauso das jüdische Geburtsdatum verlangt und bei Konvertiten, soweit mir eine Frau berichtete, verlangt der Computer das Datum der eigentlichen Konversion zum Judentum.


Normalerweise mache ich keine Werbung auf meinen Blogs, doch gibt es immer wieder Leute, die an solchen sogenannten kabbalistischen Methoden interessiert sind. Wer teilzunehmen plant, dem sage ich im voraus: Kostenlos ist die Teilnahme nicht, sondern kostet 150 Schekel (ca. 30 Euro).


Um jedoch auf das Thema "geblocktes Internet" etc. zurückzukommen:
Oft gehen mir die Limitierungen der relig. Welt zu weit. Jemanden zu blocken und ihm alles zu untersagen ist nicht immer der richtige Weg ins relig. Leben, sondern verursacht eher Abschreckung.


Vor wenigen Minuten hatte ich eine Unterredung mit dem "Ascent" Rabbi Mordechai Siev. Er gab einen Schiur darueber, wie im Gebet die g - ttliche Seele und die naturelle (tierische) Seele des Juden verbunden werden. Ein Gebet startet hier, in unserer materiellen, Welt und nicht sofort in der spirituellen Welt. Wir muessen an uns arbeiten und Mitzwot erfüllen. Nur die Spiritualität allein bringt uns nicht weiter. Wir sind keine Engel, sondern G - tt erschuf uns, damit wir in der materiellen Welt unsere Aufgabe erfüllen.


Das Chabat - Konzept zum persönlichen Gebet besteht darin, in der materiellen Welt zu beginnen, und sich dann, wie auf einer Leiter, immer mehr empor zu arbeiten. Beispiel: Morgens aufstehen, Segen sagen, Hände waschen, etwas Thora lernen ... All das hat mit Mitzwaherfuellung zu tun und bereitet uns auf das eigentliche Gebet vor. Somit agieren wir, erreichen einen gewissen Emotionslevel und sind dann bereit zu beten.


Dies alles mag "furchtbar" Chabad klingen, doch andere chassidische Gruppen betrachten derlei Konzepte nicht viel anders. Die Richtige Vorbereitung auf ein Gebet ist sogar schon im Talmud (Traktat Berachot) verankert.

Mittwoch, September 15, 2010

"KOL NIDRE" - Das missverstandene jüdische Gebet



B"H


Kurz nach Beginn des höchsten jüdischen Feiertages Yom Kippur (Beginn an diesem Freitag  abend) wird weltweit in den Synagogen das "KOL NIDRE" gesprochen. Bei dem Kol Nidre handelt es sich um kein Gebet, sondern ein Zitat mit einer jahrhunderte alten herzzerreißenden Melodie. In der Regel wird es vor dem Sonnenuntergang und somit vor dem Abendgebet Maariv gesagt.


Der "Kol Nidre Service" leitet den langen Yom Kippur G – ttesdienst ein und ist einer der Höhepunkte an diesem Feiertag. Der Thoraschrein (Aron HaKodesh) wird geöffnet und drei Thorarollen werden herausgenommen und auf die Bimah, den Tisch vor dem Thoraschrein, gelegt. Der sogenannte "Schaliach Zibur" nimmt eine der Rollen in seinen Arm und die zwei weiteren Rollen bekommt je ein geachtetes Gemeindemitglied. Es ist Brauch, dass die Männer einen Tallit (Gebetsmantel) bei dieser Zeremonie tragen. Der Schaliach Zibur ist in der heutigen Zeit meistens ein Rabbiner dessen Aufgabe darin besteht, das Kol Nidre vor dem offenen Thoraschrein dreimal vorzutragen.


Die Geschichte des Kol Nidre ist bis hin in die "Responsa der Geonim" (ca. 800 – 1000 nach Beginn der Zeitrechnung) zurückzuverfolgen. Der Inhalt des Kol Nidre besteht aus einer Annullierung von Schwüren und Versprechen, welche man im folgenden Jahr (bis zum nächsten Neujahrsfest Rosh HaShana) eingehen könnte.


Der berühmte Jerusalemer Chabad – Rabbiner, Rabbi Adin Steinsaltz, schreibt dazu in seinem Buch "A Guide to Jewish Prayer", dass diese Zeremonie eine emotionale Befreiung für einen jeden Anwesenden darstellt. Das Kol Nidre hat eine tiefe emotionale Bedeutung anhanddessen wir unsere Seele auf einen höheren Level bewegen und einen inneren Frieden für den Yom Kippur selbst herstellen.


Bei meinen Recherchen zu dem Thema mußte ich einmal wieder umso mehr feststellen, dass es schon zu frühester Zeit christlichen Widerstand gegen das Kol Nidre gab. Nicht zum ersten Mal hatte man ein jüdisches Ritual völlig missinterpretiert. Übrigens sind auch heute noch diverse christliche Hetzsites im Internet zu lesen, auf denen es heißt, dass Christen die besseren Geschäftspartner und überhaupt verläßlicher seien. Schließlich würden die Juden nur oberflächlich Versprechungen eingehen und wären danach in keinster Weise verpflichtet, diese einzuhalten, denn sie hätten ja das Kol Nidre. Mit diesen Worten begann schon der Haß im Mittelalter und hat sich bis heute aufrechterhalten.


Warum sagen wir das Kol Nidre ?
Besonders verärgerte Menschen sagen oft Dinge, die sie hinterher bereuen oder sie nach dem Zornesausbruch sofort vergessen. G – tt allerdings vergißt keine solcher Schwüre, auch wenn sie einem bloß unabsichtlich über die Lippen kamen (Beispiel: "Wenn Du nicht das und das machst, dann rede ich nicht mehr mit Dir).
Aus dem Grund annullieren wir von vornherein all unsere fälschlich ausgesprochenen Versprechungen und G – tt kann in einem Urteilsfalle nichts gegen uns verwenden. Mit Geschäftsgebaren etc. hat das Kol Nidre nichts zu tun.


Das Kol Nidre ist kein Einzelfall, denn ebenso kam es im Mittelalter von christlicher Seite aus schon zur Hetze gegen das jüdische "Aleinu – Gebet".




Avraham Fried singt KOL NIDRE



Freitag, September 03, 2010

Zweifel am Gebet

B"H

Vor weit mehr als zehn Jahre als ich in die haredische (ultra - orthodoxe) Welt einstieg, stiegen in mir so mancherlei Zweifel an vielen Gebetssätzen auf und in diesen Tagen als ich einige Texte zum Rosh HaShana vorbereitete, stiess ich auf ein Buch mit ähnlichem Inhalt. Eine Episode wurde mir besonders in Erinnerung gerufen.

Zu jenen Gebetsinhalten, die mich verwirrten, gehörte der Satz aus dem Morgengebet "Schacharit", in welchem wir G - tt danken, uns erschaffen zu haben. Dieser Satz ist für Männer und Frauen verschieden:

- Männer danken G - tt, dass Er sie nicht als Frau erschuf.

- Frauen danken G - tt, dass dieser sie in Seinem Ebenbild erschuf.

Ohne Zweifel klingen die beiden, nach Geschlechtern getrennten, Versionen, seltsam. Und wieso wird da überhaupt ein Unterschied gemacht ? Ein Mann dankt G - tt, nicht als Frau erschaffen worden zu sein. Hört sich das nicht so an als sei die Frau irgendein Aussatz ?

Damals befragte ich einige Rabbiner und mir wurde erklärt, dass Frauen aufgrund von diversen Tageszeiten und der Kinderversorgung nicht immer an alle Mitzwot gebunden sind. Unter anderem brauchen sie nicht ständig in der Synagoge erscheinen wie der Mann. Tefillin (Gebetsriemen) sind keine Verpflichtung für eine Frau, obwohl es ihnen nicht offiziell verboten ist. Dennoch ist es in orthodoxen Kreisen heutzutage unüblich für eine Frau, Tefillin anzulegen. Die Kabbalah ist absolut gegen eine Frau mit Tefillin.

Kurz gesagt, die Frau ist durch die Kindererziehung und den Haushalt von einigen Mitzwot befreit bzw. kann diese später ausführen. Und genau hierauf bezieht sich der Gebetssatz des Mannes, wenn er G - tt dankt als Mann erschaffen worden zu sein. Bedeutet: Der Mann dankt G - tt für die breite Vielfalt der Mitzwahausübung und nicht, wie eine Frau, eingeschränkt zu sein.

In der Vergangenheit hatte ich ständig Fragen zu den Gebeten und war oftmals obzessiv auf der Suche nach Antworten.

Nach wie vor befinden wir uns im Monat ELUL und Juden sind angehalten, eine "Cheschbon Nefesch" durchzuführen. In sich selbst zu gehen, seine Sünden / Fehlverhalten / Fehler zu analysieren und versuchen, in der Zukunft alles ins Positive umzuleiten. Nichtsdestotrotz ist die "Cheschbon Nefesch" nicht nur für den Elul reserviert, sondern sollte während des gesamten Jahres stattfinden.

Im Chabad Buch "Shaarei HaMoadim", dass wir uns nicht tagtäglich ausführlich mit unseren privaten Vergehen auseinandersetzen können, da sich dies als störend bei Thorastudium und im relig. Leben insgesamt auswirkt. In dem Falle konzentrierten wir uns auf alles Negative, vergessen oftmals den positiven Aspekt und werden dadurch depressiv. Genau das ist nicht der Sinn der Sache, denn wir sollen zwar unsere Fehler erkennen und diese bewältigen; ebenso aber gilt es positiv vorwärts zu denken und nicht in negativen Gedanken steckenzubleiben.

Besagtes Buch führt dazu das "Kriat Shema - Bedtime Shema - Das Gebet direkt vor dem Zu Bett gehen" an. Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, in welcher ich mich weigerte, den ersten Paragraphen des aus mehreren Teilen bestehenden Gebetes zu sagen. Im ersten Abschnitt lautet es unter anderem, dass wir jenen Menschen vergeben, welche uns tagsüber beleidigt oder die uns etwas angetan haben. Dabei beten wir, dass wir all jenem vergeben. Was aber geschieht, wenn ich nicht vergebe ? Jedenfalls noch nicht am selben Abend ? Soll ich entsprechenden Abschnitt in dem Fall überhaupt erst sagen ? Ich jedenfalls entschied mich, ihn auszulassen. Heute dagegen sage ich ihn, habe aber dennoch Zweifel ob es richtig ist, etwas zu beten, bei dem man nicht so ganz dahintersteht.