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Mittwoch, Oktober 05, 2011

Warum werden gute Menschen immer wieder vom Schicksal heimgesucht ?

B"H

Ein paar Gedanken zum anstehenden Yom Kippur


Warum werden gute Menschen immer wieder vom Schicksal heimgesucht ?

Ein jeder von uns kann getrost zugeben, sich diese Frage schon mehrere Male gestellt zu haben. Da haben offensichtlich die schlimmsten Menschen ein immer anhaltendes Glück und können unbekümmert mit ihren Umtrieben fortfahren. Andere hingegen, die als aufrichtige gute Menschen einzustufen sind, werden von Schicksalsschlägen eingeholt. Seien es nun Todesfälle in der Familie, Krankheiten, Pleiten, etc.

Das orthodoxe Judentum ist sich dieser Frage bewußt und hat seine eigene philosophische Antwort darauf. In der Tat fällt es uns schwer zu verstehen, warum ein allmächtiger G - tt soetwas tut. Häufig machen wir den Fehler emotional zu reagieren und suchen Antworten aus unseren Emotionen heraus. Dabei vergessen wir nicht selten jegliche Art von Logik und sind demzufolge nur eingeschränkt fähig, logische Schlußfolgerungen zu ziehen. Wie aber sollen wir diese auch ziehen, hat G - tt doch Seine eigenen Gründe und wir können nur Vermutungen anstellen.

Schicksalsschläge rufen bei nicht wenigen katastrophale Antworten hervor. Da schrieb vor mehreren Jahren der jüdisch konservative Rabbi Harold Kushner ein Buch, in dem er zu der Schlußfolgerung kam, dass G - tt nur über eine eingeschränkte Macht verfügt. Ein katastrophaler Fehler Kushners selbst wenn er den schrecklichen qualvollen Tod seines Sohnes zu beklagen hat, der an einer seltenen Erkrankung verstarb. Harold Kushners Sohn starb als uralter Mann, der erst im Teenageralter war, denn er erkrankte an jener Krankheit, welche junge Leute vorzeitig altern läßt.

Der Standpunkt im orthodoxen Judentum ist, dass G - tt allmächtig ist und Er Seine Gründe für alles hat, was in unserer Welt geschieht. Er sieht das Gesamtbild und wir nicht. Das einzige, was wir sehen, ist der Teil eines Ganzen und ziehen somit ziehen wir falsche Schlüsse. Hätten wir dagegen den gesamten Überblick, so wäre eine nur emotionale Schlussfolgerung ausgeschlossen.

Die Yeshiva (relig. Schule) Aish HaTorah hat eine Liste aufgestellt, warum gute Menschen unter Schicksalsschlägen zu leiden haben. Vielleicht geben diese Punkte dem ein oder anderen einen besseren Einblick in die Materie.


Wenn G - tt gut ist, dann würde Er gewiß verhindern, dass guten Menschen Negatives wiederfährt. Aus diesem Grund wundern wir uns darüber, warum guten Menschen Schlechtes wiederfährt und ob G - tt wirklich allmächtig ist oder ob Er überhaupt existiert.

Mögliche Erklärungen

- Es ist uns allen klar, dass intelligentere Wesen wie wir es sind oftmals Dinge tun, die wir mit unserem eigenen Intellekt nicht begreifen können. G - tt verfügt über einen Intellekt, den wir mit unserem begrenzten Denkvermögen nicht in der Lage sind zu begreifen.

- Das Leid muss nicht immer durch Böses verursacht worden sein, sondern eher aufgrund eines diversen Umstandes, auf den eine Person irrational reagiert.

- Bei dem Umstand muß es sich nicht automatisch um eine Bestrafung handeln, sondern eher um eine Gelegenheit, die einem die Möglichkeit bietet, zu wachsen. Ein Test so zusagen.

- Die Probleme könnten nur dazu bestimmt sein, uns zu einem positiven Umstand weiterzuleiten. Zuerst sehen wir nur die negativen Umstände ohne an die Zukunft zu denken, die aufgrund dieser Erlebnisse nur Gutes für uns bereit hält.

- In vielen Fällen glauben wir, dass G - tt uns die Probleme zukommen lassen hat, und wir übersehen nur allzu leicht, dass es eigentlich die Menschen waren, die etwas auslösten.

- Es könnte durchaus sein, dass wir nicht den Wert einer guten Tat oder die Ernsthaftigkeit von Gewalt zu schätzen wissen. In vielen Fällen übersehen wir G - ttes Güte oder Seine Art von Bestrafung und müssen die Konsequenzen tragen.

- Da wir eine faire Belohnung nur durch unsere individuellen Bemühungen erreichen, könnte G - tt uns diverse Hindernisse in den Weg legen und dadurch unsere Bemühungen maximieren denen folglich eine höhere Belohnung folgt.

Viele Ziele können wir nur aufgrund von Anstrengungen erreichen und sobald wir erst einmal beginnen, wird G - tt uns helfen. Ein jüdischer Aspekt ist hierbei, dass sollten unsere Bemühungen nicht zum Ziel führen, wir dennoch von G - tt belohnt werden. Eine begonnene Mitzwa (Thoragebot), die nicht bis zum Ende ausgeführt wurde, wird trotzdem anerkannt.

Beispiel: Wir wollen jemandem Geld spenden, haben aber selbst kaum Geld. G - tt sieht unseren ehrlichen Gedanken als eine tatsächlich durchgeführte Spende, selbst wenn wir aktiv nicht in der Lage ware sie auszuführen.

- Manchmal wirken sich Probleme für eine Person positiv aus, denn so erhält die Person Gelegenheit, seine Pläne bzw. Verhalten zu überdenken. Eine Art Aha - Erlebnis.

- Reinkarnation (Gilgul)


Wir können diese Punkte annehmen oder auch nicht. Eines aber ist sicher, eine perfekte Lösung haben wir Menschen in dieser Welt nicht.

Montag, September 26, 2011

Das BUCH DES LEBENS



B”H 

Dieser Tage wünschen sich Juden gegenseitig “Shana Tov – Ein Frohes Neues Jahr”, denn am Mittwoch abend beginnt das jüdische Neujahrsfest Rosh Hashana. 

Trotz aller Neujahrswünsche wird das neue Jahr wird nicht mit Feuerwerk begonnen, sondern mit Freude und der Umkehr zu G – tt. G – tt nämlich “sitzt” und richtet die Juden sowie den gesamten Erdball. Wobei Juden erst am Yom Kippur ihr Urteil erhalten und Nichtjuden bereits am Rosh Hashana. 

Außer dem “Shana Tova” wird sich gegenseitig eine “Chatima Tova – Gute Unterschrift” gewünscht. 
Was soll das sein ? 

In der Zeit von Rosh Hashana bis Yom Kippur (viele Kommentaroren sagen “bis Ende Sukkot”) sitzt G – tt und richtet. In Symbolsprache gesprochen liegen auf Seinem Tisch drei Bücher. In das erste, dem Buch des Lebens, kommen alle guten Leute, denen noch ein weiteres Lebensjahr gewährt wird. Mindestens bis zum nächsten Rosh Hashana. 

In das zweite Buch schreibt G – tt all jene Personen, die weder zu gut noch zu böse sind und sich in der Mitte bewegen. Derlei Juden erhalten erst am Yom Kippur ihr endgültiges G – ttesurteil und können sich in den zehn Tagen zwischen Rosh Hashana und Yom Kippur bewähren. 

Das dritte Buch ist das Gegenteil des Buch des Lebens. Wer ist dermassen schlecht, dass er schlimme Urteile zu erwarten hat ? 

Die Mehrheit aber befindet sich in der Mitte und muss dich dieser Tage bewähren. Einmal seine gute Seite zeigen anhand von Gebet, weniger sündigen, nett zu seinen Mitmenschen sein, hilfsbereit oder Spendengelder geben. 

Dafür, dass G – tt uns am Rosh Hashana eine gute positive Unterschrift in das Buch des Lebens in Aussicht stellt, darum bitten wir an dem Feiertag. Zehn Tage danach, am Yom Kippur, wird sich gegenseitig “Gmar ve’Chatima Tova” gewünscht. Eine gute Unterschrift ins Buch des Lebens und somit das endgültige Urteil inklusive dem Stempel G – ttes. 

Was ist mir im ausklingenden Jahr 5771 wiederfahren und was will ich im neuen Jahr 5772 besser machen ?

Dabei sollten wir von zu übertriebenen Versprechungen lieber Abstand nehmen, denn wer ist letztendlich in der Lage, zuviel auferlegtes einzuhalten. Zwar hegen wir an diesen hohen Feiertagen die allerbesten Vorsätze, doch sind die Tage erstmal vorüber, sinken auch die Emotionen und Gelassenheit zieht auf. Vielleicht ist es keine schlechte Idee, sich eine kleine Sache vorzunehmen. Zum Beispiel, jeden Tag mindestens einmal ein bestimmtes Gebet zu sagen oder einen Segen über das Essen. Einen Segen, eine gute Tat. 

Wer gleich anfängt sich vorzunehmen, perfekt zu sein, der verliert nach ein paar Tagen die Lust und gibt auf. Was jedoch ist Leben und wozu sind wir hier ? Besteht unsere Aufgabe darin, vollends religiös zu sein und nur der Perfekte kommt weiter ? Ganz sicher nicht, denn jeder von uns besitzt andere Aufgaben und ebenso unterschiedliche Fähigkeiten. Die Stärken des einen müssen noch längst nicht meine Stärken sein; so sehr ich mir dies vielleicht auch wünschen mag. 

Leben bedeutet für mich, dass man eine gewisse Zufriedenheit mit sich selbst entwickelt. Auf die Religion bezogen trifft dies genau so zu. Herausfinden, was momentan geht und anderes als Zielsetzung für die Zukunft einplanen. Denn was nützt mir meine Liste mit all den Thoragesetzten, die ich erfülle, wenn ich zugleich als depressiver unzufriedener Mensch ende ?

Montag, September 12, 2011

Religion nur für nicht arbeitende Leute ?

B”H 

Oft denke ich einfach, dass Juden, die nicht arbeiten, einfach mehr Zeit zur Religionsausübung haben. Ich dagegen schufte die ganze Zeit herum und abends bleibt mir kaum mehr Zeit, an relig. Events teilzunehmen. 

So bin ich am Mittwoch abend zu einer Hochzeit in Jerusalem eingeladen, kann aber die Einladung nicht wahrnehmen, da ich an dem Tag länger arbeite. Irgendwie bleibt die arbeitende Masse oftmals außen vor und wir kommen zu kaum etwas. 

Das mag vielleicht wie eine Ausrede klingen, doch wer den ganzen Tag herumrennt, sieht das anders und will nach der Arbeit erst einmal ausspannen.