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Dienstag, Oktober 23, 2012

Chabad Meshichisten in Zfat / Nordisrael






Die Kleinstadt Zfat ist eine DER Hochburgen, in denen jene Chabadnikim verkehren, die der Meinung sind, dass der letzte und im Juni 1994 verstorbene Rebbe Menachem Mendel Schneerson als wiederkommt. 

Auf den Photos sehen wir die Chabad Meshichisten - Yeshiva in der Ari Street in Zfat / Nordisrael. Ich habe allerdings keine Ahnung, was genau das Flugzeug zu bedeuten hat. Die gelben Schildchen aber sagen: Meshiach - Messias !

Photos: Miriam Woelke

Sonntag, Oktober 14, 2012

Rabbi Amnon Yitzchak und sein iPhone

B"H

In Israel zählt der jemenitische Rabbi Amnon Yitzchak zu jenen, die einem das Geld nur allzu leicht aus der Tasche ziehen wollen. Die aschkenazische haredische (ultra – orthodoxe) Welt lacht sich über die plumpen Reden des Amnon Yitzchak kaputt und rät eher dazu, sich von ihm fernzuhalten. Nichtsdestotrotz hat Rabbi Amnon Yitzchak sein Wirtschaftsimperium aufgebaut und bezieht beträchtliche Spendensummen aus dem Ausland. Genau so wie viele weitere Rabbiner, die sich ihr eigenes Ba'al Teshuva (Neureligiösen) Imperium erschaffen haben. Darunter die Neureligiösen Breslover Rabbi Eliezer Berland, Rabbi Lazer Brody sowie Rabbi Shalom Arush. Zu sagen braucht man nicht viel, denn in Israel sind all diese Leute nur allzu gut bekannt und man muss sich nicht mit ihnen abgeben.

Seit gewisser Zeit raten viele haredische Rabbiner ihrer Gefolgschaft von der Nutzung des Internets sowie den Smartphones ab. Allerdings erhalten jene Haredim, welche beruflich mit dem Internet zu tun haben, Sondergenehmigungen. Ferner gibt es in Israel Internetanbieter wie RIMON, welche automatisch Firewalls zu diversen Sites einrichten. Nichts ist also mit Porno schauen. :-)

In der Realität aber besitzen viele haredische Haushalte einen Internetanschluss sowohl als auch ein Smartphone. Manche dürfen sich halt nur nicht erwischen lassen. Auch Rabbi Amnon Yitzchak zog gegen das iPhone vom Leder, wurde aber kürzlich selbst mit einem erwischt. Die wirkliche haredische Welt lachte sich über den Jemeniten wieder einmal schadenfroh kaputt und der Rabbi kam in Erklärungsnot. Er brauche schliesslich sein iPhone, um andere Juden religiös zu machen, wenn er mit ihnen am Telefon spreche. Und außerdem habe ihm der einflussreiche Rabbi Aharon Yehudah Leib Steinman die Nutzung eines iPhones erlaubt.

Kein Wunder also, dass ich immer noch keine perfekte Teschuva gemacht habe, denn ich besitze ja ein Samsung Galaxy und kein iPhone. Und das iPhone hat in relig. Hinsicht, laut Rabbi Amnon Yitzchak, offenbar viel mehr Power.

Hier geht es zum ausfuehrlichen Artikel auf meinem englischen Blog !

Sonntag, Juli 01, 2012

Hebräische Buchempfehlungen

B"H

Obwohl die Bücher in hebräischer Sprache verfasst wurden, möchte ich sie dennoch jenen ans Herz legen, die der Sprache mächtig sind.




Die erste Buchempfehlung betrifft das neu erschienene Buch des im November 2001 verstorbenen großen Rabbiner Elazar Menachem Man Shach. In dem Buch geht es um Rabbi Shachs Ansichten über neureligiöse Juden (jene Juden, die von Geburt an Juden sind, doch zuerst einen säkuleren Lebensstil führten). 

Wenn sich ein säkulerer Jude plötzlich der Religion zuwendet, wie soll er sich dann gegenüber seiner gewohnten Umwelt verhalten ? Mit welchen Problemen hat er zu kämpfen, wie kann er diese bewältigen und vor allem, wie findet er seine innere Stärke durchzuhalten und nicht mitten in dem Prozess aufzugeben ? 

An all jene, die der hebräischen Sprache nicht mächtig sind: Ich werde des Öfteren Inhalte aus dem Buch hier auf den Blog stellen und diskutieren. Dies betrifft genau so die weiteren zwei Bücher, die ich empfehle !




Die Geschichte sowie die Generationen von Studenten der einstigen berühmten Volozhin – Yeshiva in Litauen. Bis zum Holocaust spielte die Yeshiva in der jüdisch - orthodoxen Welt Europas seine herausragende Rolle.






Demnächst beginnen wir im Judentum die drei Wochen vor dem Fasten – und Trauertag "Tisha be’Av". Ein Tag, an welchem zu unterschiedlichen Zeitabschnitten die zwei Jerusalemer Tempel zerstört wurden. Einmal von den Babyloniern und viele Jahre später von den Römern. Diese drei Wochen ("Bejn HaMetzarim" genannt) der Trauerperiode beginnen mit dem anstehenden 17. Tammuz, einem Halbfastentag, und endet mit dem Tisha be’Av (9. Av). Innerhalb dieser Wochen gelten bestimmte halachische Regeln, auf die ich eingehen werde. Außerdem gibt es viel Neues aus dem dritten Buch, welches ich hiermit empfehle:


Photos: Miriam Woelke

Donnerstag, Mai 03, 2012

Der Mensch darf Fehler machen



B"H 

Mein persönliches Lieblingsthema im Judentum ist all das, was sich mit der Welterschaffung beschäftigt. Zum "Bereshit – Am Anfang" wurden Abertausende Texte verfasst und die Kabbalah dringt tief in die Materie ein. 

Unter anderem ist die Thora kein reines Geschichtsbuch, welches uns eben mal so die Historie des Judentum lehrt, sondern vielmehr ein Gesetzesbuch. Die Thora definiert die Aufgabe der Juden und teilweise auch die der Nichtjuden in dieser Welt. Bis heute haben sich diese Aufgaben nicht verändert, nur die Zeiten, in denen wir leben. Wer gegen die Thoragesetze verstößt, der wird von G – tt bestraft. Wer die Gesetze einhält, wird belohnt. 

Der Talmud lehrt uns, dass G – tt bereits vor der eigentlichen Erschaffungsphase mehrere Dinge erschuf. Darunter das Prinzip der "Teschuva – der Reue und Umkehr zu G – tt". Ohne die Reue und Umkehr wäre die Menschheit verloren und unfähig, vor G – tt zu bestehen. 

Adam und Eva (Chava) zeigten nach ihrem Rauswurf aus dem Paradies Reue. Auch Kain bereute im Nachhinein. "Teschuva – Reue und Umkehr" stellen mitunter eine der wichtigsten Erkenntnisse des Buches "Bereshit – Genesis" dar. Ein Mensch darf sündigen, aber wenn er ernsthafte Reue zeigt, kann er jederzeit zu G – tt zurückkommen. 

Das Buch "Bereshit – Genesis" ist das "Buch der Erschaffung". Nicht nur von der Erschaffung der Ozeane, Kontinente oder Planeten, sondern vielmehr vom Ursprung des jüdischen Volkes.

Sonntag, November 20, 2011

Die EDAH HA'CHAREDIT warnt vor den "Taliban" Frauen


Die antizionistische Dachorganisation “Edah HaCharedit” warnt vor den sogenannten jüdischen “Taliban” Frauen.

Quelle: LaDa'at

B"H 

Manchmal wünschte ich, ich hätte Psychologie studiert und nicht BWL. Dann nämlich würde ich vielleicht verstehen, warum diverse Frauen dazu tendieren, sich Kulten (Hebräisch: כתות - Katot) anzuschliessen. Wie kann es sein, dass eine Frau ihre Freiheit aufgibt, nur um einem Sektenführer bzw. einer Ideologie zu folgen ? Vielleicht bin ich einfach zu unabhängig im Leben als dass ich derlei Frauen begreife.

Anmerkung: Meine hiesigen Ausführungen haben nichts mit der Thora oder dem religiösen Leben zu tun, sondern ich formuliere allgemein !

Wie kann eine Frau nur so dumm sein, sich, u.a., einem Daniel Ambash anzuschliessen ? Ein Beweggrund wäre vielleicht, dass die Frauen in einer finanziellen Notlage sind, einfach auf der Straße stehen und nicht wissen, wohin. Oder wie kommen Frauen plötzlichauf die Idee, sich wie unsere Vormütter Sarah, Rivka (Rebekka), Lea und Rachel zu kleiden ? Wobei ich mir sicher bin, dass sich keine der Vormütter a la "Taliban" Frau kleidete noch sich so extrem verhielt. Die heutigen jüdischen “Taliban” Frauen gehen noch nicht einmal in einen Laden, wenn sich gerade ein männlicher Kunde darin befindet.


Der weibliche Part einer "Taliban" Family in Beit Shemesh. 

Das jüdische Leben kann äußerst facettenreich sein und die Frage ist, wie mache ich einem Außenstehenden klar, wer oder was jüdische “Taliban” Frauen in Israel sind ? Dass sie sich “taliban”ähnlich kleiden. Mit dickem Schal, einer Burka oder sonstigen Körperbedeckungen. Handschuhe tragen sie auch, damit bloß niemand ein Stückchen Haut sieht, denn das ist für die “Taliban” Frauen unzüchtig. Anständig wollen sie sein und dem Vorbild der biblischen Vormütter folgen. Die Frauen legen sich selber strenge Lebensweisen auf, eben weil sie einen höheren Level erreichen wollen. Für sich selbst. 

Die Frauen gehören vorwiegend der chassidischen Gruppe Breslov an. Der Gruppe der Neureligiösen in Breslov und nicht den geborenen originalen Breslover Chassidim von Mea Shearim. Es sind Rabbiner wie Eliezer Berland (der vor kurzer Zeit geistig abdrehte und von einem Sohn weggesperrt wurde) sowie Berlands Spezi, Rabbi Shalom Arush, welche den “Taliban” Frauen den Freifahrtschein geben. Sie befürworten den Kult und eines muss ich immer wieder hervorheben: Berland, Arush und die “Taliban” Frauen haben NICHTS mit den original Chassidim von Breslov zu tun, sondern sind ein neureligiöser Kult !!! 

König David hätte sich über die Talibaninnen kaputt gelacht und selbst die Juden der Ersten und Zweiten Tempelperiode wären sicherlich recht verduzt gewesen, wenn da eine vermummte Gestalt aufgetaucht wäre. Man schaue nur auf die emanzipierte Gattin des talmudischen Rabbi Me’ir, die da den Juden Ratschläge gab und in der Religion bewandert war. Man schaue auf Raschis Töchter oder Dona Gracia.

Ich kenne haredische (ultra – orthodoxe) Akademikerinnen und Rechtsanwältinenn. Wenn G – tt einen Menschen mit einer bestimmten Gabe ausstattet, dann ist es die Aufgabe eben jenes Menschen, diese Gabe zu nutzen. Hat jemand die Begabung zu malen, dann soll er dies tun. Ist jemand sportlich begabt, kann photographieren, schreiben oder sonstiges, dann sollte er sich diesen Bereichen hingeben und mit seinem Können andere erfreuen. G – tt erschuf die Frauen nicht, damit sie allein daheim am Herd stehen oder sich in einen “Taliban” Dress werfen. G – tt will, dass wir leben !

Mir ist klar, dass nicht alle Frauen stark, sondern viele schwach sind. Sie haben nicht gelernt, ihr Leben zu meistern, noch erlernten sie einen Beruf. Aus welchen Gründen auch immer. Demnach gibt es Frauen, die eine Leitfigur in ihrem Leben suchen und dabei stossen sie häufig an die falschen Vorbilder und werden im Nachhinein ausgenutzt. Sekten (Kult) anhänger können sich abwenden und am Ende ist es meist der Sektenführer, der erbärmlich dasteht, denn er versuchte sein Sebstwertgefühl anhand von Schwächeren zu stärken.

Und was sagen jetzt eigentlich die “Taliban” Frauen ? Fragt jemand nach deren Meinung
Auf einem Blog fand ich ein paar Antworten. Offenbar gibt es innerhalb der "Taliban" Frauen – Bewegung ebenso gewaltige Unterschiede und nichts ist einfach so “talibanmässig” wie es aussieht. Einige Frauen sind fanatisch und halten sich an strenge Regeln; andere wiederum nehmen es eher gelassener und ihr Markenzeichen ist ein extra Schal, mit dem sie sich “verhüllen”. 

Wie bereits erwähnt, unterstützen die Neureligiösenrabbiner Berland und Arush den Kult. Hinzu kommt Rabbi Aharon Rumpler, vor dessen Beit Midrash (Lernzentrum) in Ge’ulah (Jerusalem) gestern abend eine haredische Demonstration stattfand. Circa 200 Leute waren dort und demonstrierten gegen den “Taliban” Kult. 


 Die gestrige Demo gegen die "Taliban" Frauen vor der Beit Midrash des Rabbi Aharon Rumpler.


Wer diesen Blog mitverfolgt weiss, dass ich Leute wie Berland und Arush eh gefressen habe, denn sie sind einzig und allein auf das Geld anderer Leute aus und wissen, wie man es denen aus der Tasche ziehen kann. 

Samstag, September 24, 2011

SELICHOT vor Rosh Hashana



B"H

In der Gemara (rabbinische Diskussionen) des Talmud Traktates Nedarim 39b finden wir das Statement, dass G - tt vor der Erschaffung unseres Universums sieben Dinge erschuf. Eines davon ist die "Teschuva - Umkehr zu G - tt". Ohne die Möglichkeit der Umkehr nach einem Vergehen, könnte der Mensch nicht existieren.

In kabbalistischer Literatur heißt es, dass bevor G - tt unsere Welt erschuf, Er andere Welten erschuf.
Was bedeute das "andere Welten" ?


In Seinen Gedanken erschuf G - tt andere Welten vor der unseren materiellen Welt. G - tt ist das einzige Wesen überhaupt, welches mit Seinen Gedanken erschaffen kann. Wir Menschen hingegen benötigen unseren Körper, Werkzeuge oder Material, um etwas zu erschaffen / herzustellen.

Ebenso lautet es in der Kabbalah, dass G - tt die vorherigen Welten wieder zerstörte, denn praktisch gesehen kann ein Mensch mit einem von G - tt gegebenen FREIEN WILLEN dort nicht existieren.
Die vorherigen Welten, welche G - tt mit seinen GEDANKEN erschuf, und welche anscheinend auch nur dort existierten, waren auf DIN (GERICHT) ausgerichtet. Bedeutet, sobald ein Mensch sündigen täte, müsste G - tt diesen automatisch richten. Demnach könnte der Mensch nach einem strengen Gericht sofort sterben.

Aber ist es wirklich Sinn und Zweck unserer Erschaffung, dass wir nach jedem Vergehen, selbst, wenn es nur in unseren Gedanken stattfindet, sofort auf der Stelle gerichtet werden ? Wie lange wären wir da wohl in der Lage zu überleben ? Wenige Minuten ? Eine Stunde ?


Deswegen musste so etwas wie Teschuva (Umkehr) und Gnade (Rachamim) her. Nur so ist unsere Welt lebensfähig.
Wir Menschen bekamen von G - tt die FREIE WAHL (B'chirat Chofschit) uns für Ihn oder gegen Ihn zu entscheiden. Entweder leben wir ein moralisches oder ein unmoralisches Leben. Ein Religiöses oder ein Säkuleres.


Eines jedoch können wir immer tun: Teschuva machen. Unsere Vergehen bereuen und versuchen, in Zukunft alles besser zu machen.
Diese Tür der Teschuva hält G - tt jederzeit für uns offen. Nie ist es dazu zu spät, wobei ich gleichermassen daran erinnere, dass der Rambam (Maimonides, 1135 - 1214) in seiner "Mischna Thora - Hilchot Teschuva" Ausnahmen der Teschuva beschreibt. Für einen jeden von uns kann eine Zeit kommen, in welcher unsere Vergehen so gravierende Formen angenommen haben, dass eine Teschuva unmöglich wird und G - tt unsere Reue nicht mehr annimmt. Nehmen wir hier Hitler, Eichmann, etc. als Beispiel. Bei solchen Leuten hilft eine Umkehr nichts mehr und ihre Seelen werden vernichtet.

Bleiben wir bei weniger extremen Fällen, nämlich bei uns selbst.

Jetzt vor Rosh HaShana (jüd. Neujahrsfest), welches diesmal am Abend des 28. September beginnt, ist die Zeit der Reue und Umkehr. An Rosh HaShana richtet G - tt die gesamte Welt und ALLE Menschen auf ein weiteres Jahr. Ebenso Nichtjuden !

Wird es Hungersnöte, Vulkanausbrüche und anderweitige Katastrophen geben ? Wie wird mein persönliches Neues Jahr ausfallen ? All das wird an Rosh HaShana entschieden. Juden haben Zeit bis zum Yom Kippur und erst dann, zehn Tage nach Rosh HaShana, fällt die Entscheidung.
Juden verfügen mit ihren Gedanken, Worten und Taten (Mitzwot) die Kraft, die oberen spirituellen Welten zu beeinflussen. Anhand der Mitzwot (Gebote) können sie unsere materielle Welt in die oberen spirituellen Welten hinauf befördern.

An jüdischen Fastentagen sowie insbesondere vor Rosh HaShana wollen wir G - ttes Gnade erwecken. Schließlich wollen wir alle gnadenvoll von Ihm gerichtet werden und nicht mit zu strengem Din (Gericht). Deswegen beten wir gerade in den Tagen vor Rosh HaShana spezielle Gebete, welche sich SELICHOT nennen. Übersetzen könnte man dies mit "ENTSCHULDIGUNGEN". Wir gestehen unsere Vergehen vor G - tt ein und geloben Besserung.

Sephardische Juden (aus Marokko, Tunesien, Spanien, Kurdistan, Irak, etc.) folgen dem Brauch, die Selichot Gebete am zweiten Tag des Monatsbeginn Elul zu beginnen. Aschkenazische Juden (Europa, USA, Russland, etc.) dagegen beginnen die Selichot erst am Mozzaei Schabbat (Schabbatausklang) direkt vor dem Rosh HaShana - Fest (diesmal am 24. September). Fällt Rosh HaShana jedoch auf einen Montag oder Dienstag, so beginnen auch für die Aschkenazim die Gebete eine Woche vorher.

Die Selichot Gebete sind in einem eigenen Gebetbuch zusammengefasst und bestehen aus poetischen Texten (Piyutim) sowie aus Gebeten. Beginnen tun wir stets mit dem Psalm 145 (Aschre'i Yoshev Be'itecha …) und danach folgt ein halbes Kaddisch.

Anmerkung: Das Kaddisch ist KEIN Totengebet, wie viele meinen, sondern vielmehr preisen wir darin die Größe G - ttes. Der Text ist auf Aramäisch und die Aufgabe des Kaddisch besteht darin, unterschiedliche liturgische Abläufe während eines Gebetes / G - ttesdienstes voneinander zu trennen.
Normalerweise werden die Selichot ca. eine Stunde nach Mitternacht (oder vor dem Morgengrauen) gebetet. Die erste Nacht der Selichot ist von besonderer Wichtigkeit, denn dann sitzt G - tt Gericht.

Schon zu Zeiten der Geonim (800 - 1000 nach Beginn der Zeitrechnung) wurden Selichot gebetet. Am 25. Elul erschuf G - tt unser Universum, an Rosh HaShana wurden die ersten Menschen, Adam und Eva (Chava) kreiert. Laut dem Gaon von Vilna (GRA) beginnen aschkenazische Juden mit ihren Selichot ausgerechnet an einem Mozzaei Schabbat (Schabbatausklang), weil dies den ersten Tag der Welterschaffung repräsentiert. Der erste Tag der Erschaffung war ein Sonntag (Yom Rischon). Im Judentum beginnt der neue Tag jedoch schon mit Einbruch der Dunkelheit des vorhergehenden Tages. Somit am Abend zuvor. Demnach begann die Welterschaffung am Samstag abend und der erste Tag endete am Sonntag abend.

 
Der "Big Bang" - Die Welterschaffung



Die SELICHOT Gebete der aschkenazischen Juden vor Rosh HaShana beginnen in dieser Woche: Nach dem Schabbatausklang am Samstag abend ! Jeden darauffolgenden Tag vor dem Rosh HaShana beten wir also Selichot und das Gebetbuch ist in jeden einzelnen Tag unterteilt. Am ersten Tag beten wir beispielsweise:
 
Psalm 145 (Aschre'i), ein halbes Kaddisch, dass wir vor G - tt stehen und Seine Gnade erbitten (Lecha A - do - nai), A - do - nai - E - l - Rachum veChanun ( G - ttes Gnade ist groß)
- Dieses Gebet wird innerhalb der Selichot mehrere Male wiederholt und am Yom Kippur beten wir es unzählige Male, sodass wir es spätestens beim Ne'ilah Service (dem letzten G - ttesdienst vor dem Ausklang des Yom Kippur) auswendig kennen. Genauso wie das VIDUI (Geständnis): "Aschamnu. Bagadnu. Gasalnu. Dibarnu Dofi. He'evinu", etc.

Wir gestehen hier unsere Sünden stets im PLURAL ein ! Als das gesamte jüdische Volk.
Darüber hinaus bestehen die Selichot ebenso aus weiteren einzelnen Gebeten. Jedesmal wieder sind es bewegende Momente an der Jerusalemer Klagemauer (Kotel) zu stehen und des nachts die Selichot zu beten. Viele Betende sind dermassen vertieft in ihr Gebet (Kavanah), dass sie sogar weinen, denn es heißt, das Tränen das Tor zu G - ttes Gnade öffnen.
 Selichot


Das Buch "Shaare'i Moadim" von Chabad / Lubawitsch lehrt folgende Inhalte:

- Der Schabbat, an welchem abends die ersten Selichot gebetet werden, wird "Schabbat Selichot" genannt.

- Die Selichot vor Rosh HaShana ersetzten spezielle Opferungen aus der Tempelzeit, denn ohne den Dritten Tempel sind
Juden derzeit außerstande, Opferungen darzubringen.

 


Weiterer Link: 
 

Freitag, September 23, 2011

Der jüdische Thorakommentator SFORNO zur Thora Parashat Nitzavim


 Gesehen in Jerusalem

Photo: Miriam Woelke

B"H 

Die wahre Umkehr zu G – tt ist das Verlangen, zu Ihm zurückzukehren und nicht, um sich von einem Leiden zu befreien (verbunden mit der Hoffnung, dass es einem besser geht, wenn man sich denn nur an G – tt wendet) oder gar einen g – ttlichen Segen zu erhalten.

Donnerstag, September 22, 2011

Parashat Nitzavim - VaYelech - פרשת נצבים וילך




B"H
Die Thoralesung für diesen Schabbat 

Wortdefinitionen zu den zwei Thoralesungen an diesem Schabbat:

NITZAVIM = STEHEN

VAYELECH = GING (Moshe ging)


Dieser Schabbat ist der Schabbat vor Rosh HaShana und in beiden Parshot, welche wir in den Synagogen lesen, ruft uns G - tt erneut zur Einhaltung Seiner Thora auf.

"Ihr steht heute alle vor HaShem Elo – hei - chem (vor Eurem G – tt …)"

mit diesem Satz beginnt die Parashat Nitzavim. Auch finden wir hier die Erwähnung zweier Namen G - ttes, welche zum einen den gütigen vergebenden G - tt, aber zum zweiten auch den richtenden G - tt darstellen.

Am letzten Tag seines Lebens versammelte Moshe nochmals alle Stämme vor sich, um alle an den Bund mit G - tt zu erinnern. Nitzavim wird stets am Schabbat vor Rosh HaShana gelesen, denn nicht nur damals zu Moshes Zeiten standen die Juden vor G - tt, sondern wir tun dies heute genauso (Beer Moshe). Das "Heute" in der Thora bedeutet nicht nur das "Heute" in der Vergangenheit. Die Thora ist bis in alle Ewigkeiten gültig und somit hat alles auch einen Bezug auf das heutige Judentum.

Wie damals die Israeliten, so werden auch wir an Rosh HaShana vor G - tt stehen und über unsere Taten des letzten Jahre Rechenschaft ablegen müssen. Nicht nur jene Juden, die damals persönlich vor G - tt standen, gingen den Bund mit Ihm ein und verpflichteten sich zur Einhaltung der Thora. In Nitzavim heißt es ebenso, dass jene nachfolgenden Generationen, die nicht persönlich anwesend waren, sich gleichzeitig zur Einhaltung des Bundes verpflichten. Der Thorakommentator Sforno legt die Bedeutung des Satzes so aus, dass die Älteren verpflichtet sind, ihre Kinder zu unterrichten. Die Zukunft des Judentums hängt immer von der jüdischen Bildung ab. Schon im frühen Alter soll einem Kind Thoraunterricht erteilt werden. Wenn Juden eine neue Gemeinde gründen, dann wird noch vor der Synagoge eine Schule für die Kinder gebaut. Es ist extrem wichtig, dass ein Kind von kleinauf das Judentum erlernt und sich so der Rolle seiner jüdischen Identität bewusst wird.

Die Gemara im Talmud Traktat Niddah 30b lehrt, dass wir alle vor unserer Geburt als Embryo die Thora im Mutterleib gelehrt bekommen. Sobald aber ein Baby das Licht der Welt erblickt, kommt ein Engel und gibt, bildlich gesprochen, dem Baby einen Klapps auf den Mund, was zur Folge hat, dass das Baby nach der Geburt die gesamte Thora wieder vergißt. Die Lebensaufgabe besteht dann darin, sie wieder neu zu erlernen.

Die Gemara im Talmud Traktat Shabbat 146a wirft eine interessante Frage auf:

Was ist eigentlich mit den Konvertiten zum Judentum, die nicht am Berg Sinai gestanden und die Thora erhalten haben ?

Die gleich anschliessende Antwort lautet, dass diese zwar nicht persönlich anwesend waren, dennoch aber ihr "Mazal" dort war. Ein "Mazal" ist an dieser Stelle ein persönlicher Engel eines Jeden, der die Person beim Himmlischen Gericht vertritt. Die Person war selber nicht dort, doch ein Engel hat sie sozusagen vertreten.

Und wieder warnt uns die Thora vor dem Götzendienst. Nach der Überquerung des Jordan und der Einnahme des Landes soll man sich keinesfalls anderen G - ttern zuwenden. Immer und immer wieder wiederholt G - tt dieses Verbot in Seiner Thora. Kein Gesetzesbruch wird von Ihm so streng geahndet wie der Götzendienst. Die Thora verpflichtet uns, nur an Ihn zu glauben und uns nicht von unserer Umwelt von anderen fremden Ideen oder falschen Thorainterpretationen verleiten zu lassen. "Wenn Ihr die Mitzwot (Gesetze) einhaltet, dann bleibt ihr in dem Land, welches Ich euch gegeben habe und wenn nicht, dann wird Mein Zorn auf euch lasten und ihr werdet das Land verlieren, in die Diaspora gehen, wo fremde Völker über euch herrschen. Wenn ihr jedoch Buße tut (Teschuva, Umkehr) und die Mitzwot einhaltet, dann werde Ich Gnade zeigen und euch wieder in euer Land zurückführen". Aus diesen Sätzen lernen wir, dass G - tt selbst in der Diaspora immer bei uns sein wird und uns niemals verlässt. Rabbi Shimon bar Yochai sagte: "Kommt und seht wie sehr G - tt die Israeliten liebt ! Wo immer sie sich auch in der Diaspora befinden, G - ttes Anwesenheit (Schechinah) ist immer mit ihnen. Und G - tt wird sie aus der Diaspora zurück nach Israel führen" (siehe Talmud Megillah 29a).

Zu Zeiten der zwei Tempel, war G - ttes Anwesenheit (Schechinah) für jedermann deutlich spürbar. Vor allem zu Zeiten des Ersten Tempels waren allerlei Wunder für jedermann sichtbar. Nach den Zerstörungen ist das nicht mehr der Fall und G - tt hat sich etwas weiter von der Welt “zurückgezogen”. Ganz verlassen aber tut Er uns nie. Durch den sogenannten TIKUN OLAM, eine Korrektur der eigenen Seele sowie der Welt durch die Erfüllung der Mitzwot, sind Juden jederzeit in der Lage, den jetzigen Zustand zum Positiven zu verändern. Viele sehen die Gründung des Staates Israel schon als Einleitung zum hoffentlich baldigen perfekten Tikun Olam und der Ankunft des Meschiach.

Jederzeit können wir zu G - tt umkehren (Teschuva machen) und nicht nur an Rosh HaShana. Allerdings ist G - tt im Monat Elul und in der Zeit bis Yom Kippur besser für uns erreichbar als zu anderen Zeiten. An Rosh HaShana beten wir im Morgengebet Schacharit das Gebet "HaMelech", in dem wir G - tt zu unserem König krönen. In "HaMelech" heißt es metaphorisch, dass G - tt auf Seinem Thron sitzt und uns richtet. Wörtlich zu nehmen ist dies nicht und "sitzen" bedeutet, dass G - tt sich zu uns "niederbeugt" bzw. "herabläßt" und so unseren Gebeten näher entgegenkommt und sie erhört.

Wann immer die Juden sich mit ihren Gebeten an G - tt wenden, ist Er nahe bei ihnen erhört sie. Unsere Gebet haben die Macht, jegliches negatives G- ttesurteil in etwas Positives umzuwandeln. So auch an Rosh HaShana (siehe Talmud Rosh HaShana 18a).

In Parashat VaYelech findet das Hakhel Erwähnung, welches alle sieben Jahren und ein Jahr nach dem Schemittah - Jahr am ersten Tag des Chol HaMoed Sukkot (der erste Zwischenfeiertag des Laubhüttenfestes) gelesen wird. Hierbei wird das gesamte Buch Deutoronomy (Sefer Devarim) gelesen. Früher las es der König dem jüd. Volk im Tempel vor und heute findet die Hakhel - Zeremonie vor der Klagemauer statt.

Im Jahre 2001 war ich anwesend und es war ein überwältigendes Ereignis. Nachgebaute Trompeten aus dem Tempel wurden geblasen und leiteten die Zeremonie ein. Danach lasen abwechselnd sephardische und ashkenazische Rabbiner die Thoraabschnitte vor. Der Platz vor der Kotel (Klagemauer) war komplett überfüllt und jeder wollte dabei sein.

Noch ein kleiner Hinweis Rosh HaShana betreffend:
Es reicht nicht aus, dass wir auf intellektueller Basis wissen, dass es einen G - tt gibt. Die Mitzwot und Gebete sollen nicht nur intellektuell ausgeführt werden, sondern auch emotional. Nur, wenn alles vom Herzen kommt, kann es zu einer wirklichen Teschuva (Teschuva) kommen ! 

An den Feiertagen, vor allem am Yom Kippur, werden wir mit Synagogengängen und Gebeten nur so überflutet. In dem Moment, in dem wir inmitten des Gebets nachdenken und es intellektuell analysieren wollen, verlieren wir total den Faden. Wir denken nach und nichts kommt mehr vom Herzen. Aber es ist äußerst wichtig, dass das Gebet vom Herzen kommt und daher sollte der Gebetsinhalt vielleicht später daheim intellektuell analysiert werden. 

Die Haftarah (Lesung aus den Propheten nach der Thoralesung) wird aus Yeshayahu (Jesaja) 61:10 - 63:9 gelesen. Auch in ihr geht es um Teschuva und darum, dass G - tt Sein Volk wieder zurückführen wird. Außerdem beginnen wir Ashkenazim in der Nacht von Samstag auf Sonntag mit den Selichot - Gebeten vor Rosh HaShana. Die Selichot sollten zwischen Mitternacht und dem Morgengebet Shacharit gebetet werden. Ratsam ist es, eine Stunde nach Mitternacht zu beginnen. 

Schabbat Schalom

Dienstag, Juli 19, 2011

Im Gedenken an LEIBBY KLETZKY

In Erinnerung an den ermordeten chassidischen Jungen LEIBBY KLETZKY aus New York. 





Trotz all der Trauer und die Tatsache, dass ein Kind einen dermassen brutalen Tod gestorben ist, muss ich dennoch sagen, dass ich die Aussagen diverser Rabbiner sowie deren Anhänger ablehne. In den letzten Tagen kamen Meinungen auf wie “Leibby starb für unsere Sünden” oder “Wir Juden sollten noch mehr Teschuva (Umkehr zu G – tt machen)”. Natürlich hat G – tt seine Gründe für alles, was auf dieser Welt geschieht und anscheinend war es ebenso ein Plan, dass Leibby brutal ermordet wurde. Doch das WARUM kennen wir nicht und deswegen sollten wir uns von voreiligen Statements fernhalten !

Sonntag, Juni 05, 2011

Schavuot Stories

B"H

Schavuot, das Wochenfest, steht vor der Tür. In der Schavuotnacht von Dienstag auf Mittwoch werden Tausende Juden die Nacht durchlernen. Thora, religiöse Vorträge aller Art, alles ist geboten. Der “Tikkun Le’il Schavuot” ist in jüdischen Kreisen sehr populär und selbst säkulere Juden aus Tel Aviv eilen in der Schavuotnacht von Vortrag zu Vortrag. Allgemein ist Schavuot der Tag, an welchem G – tt am Berg Sinai (Har Sinai) den Juden die Thora gab.  

Der Talmud Traktat Schabbat 88 lehrt, dass die Juden damals am Har Sinai die Thora nicht vollständig freiwillig annahmen, sondern eher aus Furcht vor G – tt. Was würde denn geschehen, sagten sie NEIN zu G – tt ? Nein, wie wollen die Thora nicht. Komplett verinnerlicht haben die Juden die Thora erst zu Zeiten als Haman die Ausrottung der Juden plante und Esther und Mordechai alles ins Lot brachten.

Schavuot ist ein freudiger Feiertag und tollen relig. Vorträgen (Schiurim). In Jerusalem ist es Tradition, am Shavuot Morgen bzw. in der Nacht zur Kotel (Klagemauer) zu gehen. Erst durchlernen und dann morgens um 4.00 oder 5.00 Uhr zur Kotel zum Schacharit (Morgengebet).

In früheren Jahren bin ein ein paar Mal wach geblieben, habe durchgelernt und war an der Kotel. Der Nachteil aber war, dass nach dem Morgengebet der Tag gelaufen war. Mit letzter Kraft schleppte ich mich ins Bett, wo ich dann den Rest des Feiertages verbrachte. Seither lerne ich nicht mehr durch, sondern gönne mir Schlaf.


Ein berühmter Schavuot – Brauch ist es, an dem Feiertag Milchspeisen zu verzehren. Seien es nun Käsekuchen, Milch, Joghurts oder Lasagne.

Und wie in jedem Jahr stelle ich mir wieder die Frage, ob ich für Schavuot bereit bin. Das unterschwellige eigene Hinterfragen, ob man denn auch bereit ist, die Thora zu empfangen. An die Antwort denke ich vorerst einmal nicht:-)

Aber Schavuot ruft in mir noch ganz andere Gedanken hervor. Nämlich die Erinnerung an mein schlimmstes Schavuot überhaupt, welches ich einmal im haredischen (ultra – orthodoxen) Stadtteil Kiryat Mattersdorf in Jerusalem verbrachte. 

Es war Schavuot im Jahre 1997 und zu der Zeit lernte ich noch auf einer nationalreligiösen Yeshiva. Allerdings schon mit einem Hang in die haredische Richtung. Einige Schülerinnen eines haredischen Seminars für Neureligiöse (geborene Juden, die erst im späteren Verlauf des Lebens religiös werden) hatten mich für Schavuot eingeladen. Und das in ihr Seminar im Jerusalemer Haredi – Stadtteil von Kiryat Mattersdaorf.

Zuerst wollte ich nicht so recht, denn dort hinzugehen, zu übernachten und den ganzen Schavuottag dort zu verbringen, war mir etwas zuwider. Schliesslich waren die Girls dort voll auf dem Ultratrip und ich war mir nicht sicher, ob ich das durchhalte. Letztendlich ging ich dann doch, denn schlimmstenfalls konnte ich zufuss heimkehren, da mein Seminar nicht allzu weit entfernt lag. 

Ich ging nach Kiryat Matterdorf hinüber und schon auf dem Weg merkte ich, dass ein Virus im Anmarsch war. Ich fühlte mich kotzübel und als ich in der Yeshiva ankam, musste ich mich erst einmal hinlegen. Der Plan aber war, abends zu Familien zum Essen zu gehen. 

Mir war nur noch speiübel und sonst passiert mir so etwas eigentlich nie. AlIe Girls waren total nett und ich lag auf meinem frisch gemachten Bett. Der Gesundheitszustand besserte sich nicht; eher das Gegenteil war der Fall. Fieber und das Gefühl, sich jede Sekunde übergeben zu müssen. All das ruinierte mein Schavuot. 

Dann kam auch noch eine deutsche Frau, welche sich als meine “Mitbewohnerin” des Zimmers im Ultraseminar herausstellte, ins Zimmer. Den Feiertag sollten wir im selben Zimmer nächtigen und das erste, was sie tat war, das Zimmer auf Muktze – Gegenstände zu filzen. 


Unter “Muktze” versteht man Gegenstände, deren Benutzung am Schabbat oder Feiertag verboten ist. Zumindest sollte man sie außer Sichtweite räumen, um keine Gefahr zu laufen, sie unabsichtlich zu benutzen. In die Muktze – Kategorie fallen verschiedene elektronische Geräte oder Kugelschreiber. Die Deutsche erspähte dann auch gleich ein paar Stifte auf einem Tisch und schon ging der Zoff los. Dabei waren es weder meine Stifte, noch hätte ich sie benutzt. 

Mein Feiertag wurde immer schlimmer und ich wäre am liebsten auf die Toilette gezogen, wo ich den Kopf in der Kloschüssel vergrabe. Die Deutsche dagegen verkündete, sie habe eine Familie zum Essen organisiert und da gehen wir heute abend hin. Keine Widerrede, denn wir müssen hier eine Schavuot – Mitzwah erfüllen. 

Ich schleppte mich also zu der Familie und unterwegs erklärte mir die Deutsche Einzelheiten zu den Leuten. Ich kann mich weder an Gesichter noch Namen erinnern. Nur soviel: Die Familie war sehr nett. Litvische Haredim, glaube ich. Mitbekommen habe ich kaum etwas, da ich nur noch darauf achtete, nicht in die Kidduschbecher zu kotzen. Eines jedoch weiss ich noch: Es wurde Lasagne serviert und ich aß ein kleines Stück. Die beste Lasagne, die ich je hatte. Nur schade, dass ich so gut wie gar nichts runterbrachte. Ich glaube, ich schlief am Tisch ein und irgendwann stolperte ich wieder ins mein Bett im Seminar.

Die Deutsche verkündete, wir müssen in der Nacht aufstehen, um früh an die Kotel zu gehen, aber das schaffte ich nicht und schlief durch. Als ich aufwachte, war die Hälfte der Girls schon an der Kotel und die daheimgebliebene Hälfte hockte herum und las eifrig Tehillim (Psalmen). Mir war immer noch übel und ich hatte Fieber. Als ich die Mädels da sitzen sah, reichte es mir und ich wollte nur noch weg. Sie zeigten sich besorgt, ob ich den Heimweg denn alleine schaffe, aber ich wollte um jeden Preis weg. Weg von all den Regeln, der stickigen Atmosphäre, dem guten Benehmen und dem Gruppenzwang. 

Zurück in meinem Yeshiva Wohnheim sah ich anderes. Die Girls redeten unbeschwert und es gab kein “Mach dies, mach das”. Ich ging ins Bett, wachte nach ungefähr einer Stunde auf und war fast geheilt. Das Fieber war heruntergegangen und die Übelkeit war entschwunden. Zwar war ich noch recht schwach, aber das Schlimmste war überstanden. Kaum zu glauben !

Es war das erste Mal als mir auffiel, dass jemand so furchtbar perfekt sein kann und alles super hinbekommt. Das ganze Schabbat – und Feiertagsprogramm rauf und runter einhält und noch darüber hinaus. Manchmal jedoch wünschte ich mir ein wenig mehr Rachmunes (Gnade, Erbarmen, Geduld) mit jenen, die da weniger perfekt erscheinen und nicht gerade dem Idealbild entsprechen. Wir alle besitzen unser individuelles Potential und sollten es nutzen. Mein Potential ist aber nicht das der deutschen Mitbewohnerin im Zimmer, die mich da zur Lasagne schleppte und mein Potential besteht ebenso wenig darin, den gesamten Tag Psalmen zu lesen.

Mittwoch, März 30, 2011

Ba'al Teschuva Burnout


Edmonton / Canada


B"H

Aus welchen Gründen auch immer entscheidet sich ein Jude, so richtig religiös zu werden. Wenn ein vormals säkulerer Jude versucht, sich auf den religiösen Pfad zu begeben, so wird er im “Fachjargon” BA’AL TESCHUVA genannt. “Teschuva machen” bedeutet wörtlich “Zu G – tt zurückkehren”. Dieser Prozess des religiös werden, und ich kenne eine “Betreffende in Jerusalem”, die mir dies einmal als “Metamorphose” beschrieb, dauert jahrelang und geht nicht mal eben so von heute auf morgen. Der Prozess beinhaltet einen unendlich langen Lernprozess, denn schliesslich soll der Ba'al Teschuva ja wissen, wie welche Halacha (Gesetz) ausgelegt bzw. ausgeführt wird. Wie soll ein zuvor säkulerer Jude sein Leben ändern und wie mit seiner alten und zugleich seiner neuen Umwelt umgehen ? Wird er akzeptiert oder hapert es ? 

In Deutschland mögen derlei Belange weniger existieren, denn dort wird nicht direkt in religiösen Stadtteilen gelebt wie in Paris, London, Manchester, New York oder in vielen Orten Israels. Somit fällt der direkte Gemeinschaftsdruck fast ausschliesslich weg und viele können sich dadurch kaum vorstellen, wie Juden aus anderen Ländern den Ba’al Teschuva Prozess durchleben. 

Vor mehr als zehn Jahren traf ich die “Teschuva – Entscheidung” in Jerusalem, da ich überzeugt war (und bis heute bin), dass die Thora die absolute Wahrheit ist und von G – tt stammt. Mein gesamtes Leben began sich darauf aufzubauen. Ich ging in eine Yeshiva (relig. Schule) und wohnte in relig. Stadtteilen. Meine Leben fand fast ausschliesslich in der haredischen (ultra – orthodoxen) Gesellschaft statt und es ist erstaunlich, wie schnell ich alles drumherum vergessen konnte. Tolle Klamotten, die Annehmlichkeiten des Lebens, alles spielte keine Rolle mehr. Trotzdem kann das vorherige Leben nicht einfach so vergessen und beiseite gestellt werden und es ergibt sich, dass “alte” Interessen in die Gedanken eintreten: Kino, das Lesen von weltlichen Büchern, mit allen möglichen Leuten reden oder einfach nur irgendwo herumhängen und ein Bier trinken. Genauso kann man als Ba’al Teschuva ins Kino gehen ode rein Bier trinken, doch beginnt dann die innerliche Frage, ob dies oder das erlaubt oder weniger erlaubt ist. Ferner kommt der Druck aus der relig. Gesellschaft hinzu sowie der Druck und die Erwartungen, welche man sich selbst auferlegt.

Viele Male habe ich zu diesem Thema berichtet und mir auf meinem englischen Blog riesige Kritik von diversen Ba’alei Teschuva eingefangen, die nicht wahrhaben wollen, dass ein Neureligiöser niemals so akzeptiert wird wie ein geborener Haredi (Ultra – Orthodoxer). Insbesondere in der haredischen Gesellschaft. Geborene Haredim werden kaum einem Neureligiösen einen Heiratspartner (Schidduch) anbieten, sondern eher jemanden, der ebenso Teschuva machte. Wenn es sich denn doch um einen geborenen Haredi handelt, dann ist er mindestens einmal oder mehr geschieden, krank oder so tief in der Schuldenfalle, dass ihn niemand anders mehr will.
Das Hauptproblem, welches geborene Haredim in den Neureligiösen in ihrer Gesellschaft sehen ist, dass Letztere von säkuleren Eltern abstammen, die wohl kaum die jüdischen “Taharat HaMischpacha – Familienreinheit” einhielten und Sex hatten, ohne dass die Frau nach ihren Monatsbeschwerden in der Mikweh (Ritualbad) war. Geschweige denn, dass die Eltern vielleicht sogar verbotenen Sex während der Monatsbeschwerden der Frau hatten. Dies ist im Judentum absolut verboten.
 
Kabbalistisch betrachtet bedeutet das Nichteinhalten der “Familienreinheit” eine Art Schönheitsfehler an der Seele des Neugeborenen. Bedeutet, dass das Kind sich später negative entwickelt. Dies muss nicht unbedingt sein, doch es besteht eine Wahrscheinlichkeit bis in die nächsten Generationen hinein.
 
Das ist der Hauptgrund, warum eine durch und durch haredische (ultra – orthodoxe) Familie keinen Ba’al Teschuva in die Familie einheiraten sehen will. Die Frage stellt sich, was jedoch mit einem Konvertiten zum Judentum ist, der sich in die haredische Gesellschaft begibt und dort leben will. Ein Konvertit wird nach dem Mikwehgang als “Neugeboren” betrachtet und die leiblichen Eltern sind halachisch betrachtet zwar immer noch die Eltern, doch erhält der Konvertit ab sofort die biblischen Sarah und Avraham als Eltern. Demnach hat er keine Eltern, welche die Familienreinheit nicht einhielten, denn seine leiblichen nichtjüdischen Eltern waren ja dazu gar nicht verpflichtet. Man könnte also annehmen, dass er es in der Beziehung leichter hat, stimmt aber nicht.

Nur wenige Wochen nachdem ich vor Jahren meinen Teschuva – Prozess began, gab ich auf, der haredischen Umwelt gefallen zu wollen. Leider drängen sich viel zuviele Ba’alei Teschuva in die Lage des “Gefallen Wollens”, denn man will akzeptiert und sogar besser sein. Ich gab das schnell auf, denn die Umwelt war mir egal und ich wollte mich auf meine eigenen Vorstellungen konzentrieren und nicht, ob Nachbarin A mich akzeptiert oder nicht. Ob Nachbarin B mit mir redet und mich zum Schabbat einlädt. Zu meinem Leidwesen erregte ich mit diesem Verhalten mehr Aufsehen als mir lieb war, denn es kamen Einladungen. Vielleicht, weil ich ein besserer und offener Gesprächspartner war als jene, die sich tierisch darauf konzentrieren, bloß nichts falsch zu machen, perfekt zu wirken und damit jedem auf die Nerven zu gehen.

Ich sprach über meine Schwächen und wusste, dass ich nicht perfekt war. Es wäre schön, wenn eine Perfektion dagewesen wäre. War sie aber nicht. 100,000 Mal fiel ich zurück in meinen alten Lebensstil und dann wieder in die haredische Gesellschaft. Nicht unbedingt der Ba’al Teschuva ist an einem Burnout schuld, sondern die haredische Gesellschaft an sich. Da kommt man mit so tollen Vorstellungen an und dann sieht man als “Neuer” viele Haredim, die sich benehmen wie “Sau”. Manche Rabbiner sind nur auf Geld und Ansehen aus und sobald ein reicher potentieller Sponsor auftaucht, lassen sie alles und G – tt stehen und liegen.

Wenn ich so etwas sehe, will ich nur noch entkommen. Da denken einige Rabbiner, sie seien so “heilig” und dann das. Auf meinen englischen Blog bekam ich zu diesem Artikel viele konstruktive Kommentare sowohl als auch private e – mails von Betroffenen. “Rabbiner seien auch nur Menschen und selbst Haredim müssen sich alltäglich überwinden, nichts Negatives zu tun". Nicht immer mit Erfolg, wie man sieht. Tatsache jedoch ist, dass dieses anti – religiöse und egoistische Verhalten andere Juden von der Religion fernhält. Und so etwas ist ein schweres Vergehen und wird “Chilul HaShem – G – tteslästerung” genannt. 

Schon vor mehreren Monaten entschloss ich mich dazu, viele Mitzwot auszuführen und andere … nun, wenn der Zeitpunkt gekommen ist und ich dazu bereit zu bin. Es bringt nichts, sich sein Leben auf Stress aufzubauen und kontant depressiv zu sein, nur eine Perfektion zu erreichen. Und perfekt ist niemand. Rabbi Nachman von Breslov sowohl als auch Rabbi Schneur Zalman von Liadi (Begründer der chassidischen Gruppe Chabad – Lubawitsch) waren der Meinung, dass G – tt niemanden in die relig. Depression stürzen will. Vielmehr hat jeder Jude dieAufgabe an sich selbst zu arbeiten, darf dabei aber nicht seine Lebensfreude verlieren.

Montag, März 21, 2011

Der CHATAM SOFER und andere Rabbiner zur dieswöchigen Thoralesung SHEMINI


Parashat Shemini

Photo: Miriam Woelke


B”H
 Parashat Shemini 5771 / 2011

Erst kürzlich fragte mich ein Leser zur Bedeutung der “Tieropfer – Korbanot” in beiden Jerusalemer Tempeln. Nebenbei sei kurz erwähnt, dass nicht alle Tempelopfer Tiere waren, sondern genauso verschiedene Gewürze (Ketoret) oder Mehl in Öl zu bestimmten Tageszeiten und Anlässen geopfert worden sind. 

Auch in der dieswöchigen Thoralesung “Shemini” ist einmal wieder von Tieropfern die Rede. In Vayikra (Leviticus) 9:6 heißt es dazu:

“Und Moshe sagte: “Tut, was G – tt Euch aufgetragen hat und die Herrlichkeit G – ttes (Kavod A – do – nei) wird sich Euch zeigen”.

An dem entsprechenden Tag, welcher in Shemini beschrieben wird, zeigte sich G – ttes “Schechinah – Anwesenheit” in einer einzigartigen Form, denn das Mishkan (Tabernakel) wurde eingeweiht und die Schechinah sollte darin “wohnen” (siehe Raschi – Kommentar oder Sifte’i Chachamim). 

Der “Me’am Lo’ez”, Rabbi Yaakov Chuli (17. / 18. Jahrhundert) erklärt, wie die Juden in der Wüste denn an dem Tag die “Herrlichkeit G – ttes” erfahren sollten. Indem sie bei der “Tieropferung” zu G – tt umkehren (Teschuva machen). Sie, genauso wie wir heute, legen in dem Moment alles Negative in uns ab und konzentrieren sich nur noch auf eines: Nämlich G – tt dienen zu wollen. In genau jenem Moment, in dem wir uns von unserer eigenen Yetzer HaRah (der schlechten Seite in uns) abwenden, kommt G – ttes Schechinah (Anwesenheit) über uns. Wie es im Mishkan geschah, denn die Juden hielten sich an die Thora und somit konnte G – tt unter ihnen weilen. Nicht im wörtlichen Sinne, sondern vielmehr bedeutet dies, dass G – tt den Juden und Moshe sehr nahe war und Er sie direkt vor allen Feinden beschützte. Dazu kamen all die offensichtlichen Wunder, wie der Brunnen der Miriam (Be’er Miriam) oder das Manna.

Der berühmte Chatam Sofer beruft sich auf die Aussage Moshes 

“Tut, was G – tt Euch aufgetragen hat …!” 

Was also geschieht, wenn wir nicht das tun, was G – tt uns aufträgt ? Ganz zu schweigen von den Juden damals in der Wüste, denn die waren auf einem wesentlich höheren Level als wir. Gibt G – tt nicht schon gleich zu Beginn der Parashat Shemini einen Hinweis darauf, dass die Juden das tun sollen, was Er (G – tt) uns aufträgt ? Ist das nicht ein Hinweis auf das, was später folgen wird ? Nämlich der tragische Tod der Söhne Aharons, Nadav und Avihu. 



Thorakommentar des CHATAM SOFER

Photo: Miriam Woelke


Der Chatam Sofer kommentiert, dass beide Brüder eine Ketoret (Gewürze) opferten. Zwei unterschiedliche Ketorot auf einen Schlag, was gar nicht erlaubt ist. Einer der Brüder opferte im richtigen Sinne, der andere im falschen, doch beide mussten sterben. Warum ? Der Chatam Sofer schreibt: Weil beide Brüder nicht auf Moshe hörten als dieser sagte: “Tut, wie Euch aufgetragen …!” Stattdessen wollte jeder der Brüder der beste und der erste sein.

Wie viele Male zuvor von mir beschrieben, hat das hebräische Wort “Korban” (Plural: Korbanot) seine Wurzel im Verb “Lehitkarev – sich etwas nähern”. Die englische sowie deutsche Übersetzung mit dem Wort “Opfer” drückt genau genommen nicht die ursprüngliche Bedeutung aus. Mit einem KORBAN versucht ein Jude, sich G – tt zu nähern. Zum Beispiel, indem er ein Korban zwecks eines Feiertages bringt oder zwecks eines begangenen Thoraverstosses. Mit dem Korban verbindet der Jude eine Eingestehung seiner Tat, jedoch gleichzeitig eine Besserung. Und diese Besserung ist eine Annäherung an G – tt, indem ich in Zukunft versuche, denselben Fehler zu vermeiden.

Die Korbanot sind alles andere als aus der "Mode", denn mit dem Eintreffen des Meschiach und dem Bau des Dritten Tempels wird ebenso der Opferdienst wieder stattfinden. Ausgeführt von den Cohanim (Tempelpriestern).

Montag, Februar 21, 2011

"Jonah und der Fisch" - Eine Betrachtung aus der Welt der Kabbalah


B”H

Zur dieswöchigen Thoralesung Vayakel (aus dem kabbalistischen Buch ZOHAR)
Über JONAH und den Fisch (p. 172), Zohar 198b

Rabbi Abba diskutiert den Text:

G – tt befahl dem Fisch, Jonah wieder auszuspeien. Die Frage ist, wann und wo genau G – tt mit dem Fisch sprach, um ihm diesen Befehl zu übermitteln ?

Rabbi Abba antwortet, dass Zeit und Ort am fünften Tag der Welterschaffung zu finden sein. Dann nämlich suchte G – tt einen bestimmten Fisch aus, welcher in der Zukunft einmal Jonah verschlucken und nach drei Tagen wieder ausspeien soll.

Das kabbalistische Buch ZOHAR (veröffentlicht im Jahre 1290 in Spanien) gibt uns zur Parashat Vayakel einen faszinierenden tiefgehenden Einblick in das Buch Jonah. Mehrere Jahrhunderte später griff der Vilna Gaon das zoharische Konzept auf und verfasste basierend darauf seinen eigenen Kommentar.

Der Zohar lehrt uns:

Wenn es im Buch Jonah heißt, dass Jonah ins Schiff hinunterging, so ist diese Aussage lediglich symbolisch zu erfassen. Jonah steht für die Seele, die aus der oberen spirituellen Welt herunter kommt und im Körper eines Menschen landet.
Die Seele ist nicht gerade erfreut darüber, denn plötzlich wird sie von G – tt gezwungen aus ihrer perfekten g – ttlichen Umgebung hinunter in die materielle Welt abzutauchen und in unseren Körpern zu landen. Dabei will die Seele im Grunde genommen nur eines: In ihrer perfekten Umgebung verbleiben und so nahe wie möglich bei G – tt verbleiben. Der Mensch handelt nicht gerade immer gemäß G – ttes Willen und sündigt, was die Seele im Körper nicht will. Der Körper selber jedoch handelt nach seinem individuellen Verlangen.

Der Mensch sündigt und denkt sich dabei insgeheim, dass er schon irgendwie vor der Anwesenheit G – ttes entfliehen kann. Vielleicht sieht G – tt ja doch nicht alles. Aber, wie wir dennoch alle wissen, G – tt entgeht nichts und jeder Mensch muss letztendlich für seine Handlungen die Verantwortung übernehmen.

Jonah befand sich im Bauch des Fisches und der Bauch steht symbolisch für eine untere Welt genannt Sheol. Wobei es sich um reine Symbolik handelt und es materiell keine unteren sowie oberen Welten gibt. Die untere Welt ist lediglich ein unterer Seelenlevel innerhalb desjenigen Menschen selbst.

"Drei Tage und drei Nächte" war Jonah im Bauch des Fisches. Bei der Anzahl "Drei Tage und drei Nächte" steht ebenso für die Zeit, die eine Leiche im Grab liegt bevor sich der Bauch öffnet. Nach drei Tagen im Grab erhält der Tote seine Strafen in jedem Organ. In den Augen, in den Händen oder in den Füssen. Dieser Prozeß dauert 30 Tage an und in diesem Zeitraum werden die Seele und der Körper zusammen bestraft. Aus diesem Grund verbleibt die Seele solange im toten Körper und steigt noch nicht wieder auf zu ihrem Ursprung. Nach 30 Tagen steigt die Seele auf, während der Körper völlig verwest. Allerdings bleibt immer ein kleiner Teil im Körper, welcher bei der Wiederauferstehung der Toten (Tchiat HaMetim) reaktiviert werden wird. Manche sagen, dass ein Teil der Seele in der Leiche verbleibt. Der Talmud spricht, u.a., von einem bestimmten Knochen, welchen G – tt bei der Wiederauferstehung reaktiviert.

Sobald der Fisch Jonah verschluckte, starb Jonah. Nach drei Tagen aber wurde er wieder zum Leben erweckt und vom Fisch ausgespiehen. Ähnlich wird G – tt in der Zukunft das Land Israel zu neuem Leben erwecken.

Ein Mensch durchläuft nach seinem Tod sieben Prüfungen. Der erste Test findet statt, sobald die Seele den Körper verläßt und das Himmelsgericht über den Toten beginnt. Der zweite Test erfolgt in dem Moment, wenn die Handlungen und Worte vor dem Toten hergehen. Bedeutet, wenn er ihnen zufolge gerichtet wird. Die dritte Prüfung findet statt, wenn der Tote in sein Grab gelegt wird. Die vierte Prüfung ist das Grab selbst. Der fünfte Test ist die Verwesung. Test Nummer 6 steht für die Strafen / das Leiden in Gehinom. Wobei es sich bei Gehinom um einen spirituellen Reinigungsprozeß handelt und dies keinesfalls mit dem christlichen Konzept der “Hölle” gleichzusetzen ist. Nummer 7 beinhaltet die rastlose Seele, welche von Welt zu Welt wandert; solange bis ihre Aufgabe erfüllt ist und sie ihren endgültigen Tikun (Korrektur) hinter sich gebracht hat.

All das soll uns dazu anhalten, unsere tagtäglichen Handlungen zu überdenken. Zuerst nachdenken und dann handeln. 
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Wenn ich diese Verse aus dem Zohar anschaue, fühle ich mich plötzlich wie Jonah.