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Donnerstag, November 08, 2012

Was lehrt uns die Thoralesung CHAYE SARAH ?


Gesehen in Jerusalem

Photo: Miriam Woelke

B"H

Jede Thoralesung hat ja so ihre Mitzwot (Gesetze). Zum Beispiel ging es in LECH LECHA vor zwei Wochen um die Beschneidung (Brit Milah) oder in Bereschit vor einigen Wochen gab G – tt das Gebot der Fortpflanzung (welches in der Regel im Judentum in erster Linie auf den Mann zutrifft, doch weniger auf die Frau). 

Die dieswöchige Thoralesung CHAYE SARAH enthält zwar keine direkten Thoragesetze, dennoch will sie uns etwas ganz Bestimmtes lehren: Nämlich, dass wir Toten Respekt zollen sollen. Darüber hinaus müssen wir in die Zukunft schauen und planen. 

Avraham gibt uns in CHAYE SARAH das beste Beispiel: Er kaufte eine Grabstätte für Sarah, sich selbst und seine Nachkommen. Gleichzeitig liess er seinen Bediensteten Eliezer nach einer passenden Frau für Sohn Yitzchak suchen.

Parashat CHAYE SARAH - פרשת חיי שרה


Im Stadtteil Nachlaot / Jerusalem

Photo: Miriam Woelke 

B"H 

Die Thoraparasha für diesen Schabbat

Tausende Juden werden diesen Schabbat in der Stadt Hebron verbringen, denn gleich zu Beginn der Thoraparasha "Chaye Sarah" geht es um den Tod Sarahs, der Frau Avrahams. Viele Kommentare (unter anderem der des "Ohr HaChaim") besagen, dass Sarah in dem Moment verstarb, in welchem sie erfuhr, dass ihr Gatte sich aufgemacht hatte, um den geliebten Sohn Yitzchak zu opfern. Obwohl dies nicht geschah, sondern nur ein Test G - ttes an Avraham war, sah Sarah schwarz und bekam einen Schock, der sie letztenendes tötete. 

Avraham war zutiefst erschüttert und weitere Kommentare sehen in ihm den Verfasser von "Eschet Chayil". Bei "Eschet Chayil" handelt es sich um ein Lied, welches wir an jedem Freitag abend nach dem "Schalom Aleichem" und vor dem Kiddusch (Segnung des Weines) singen. In ihm gedenken wir der immens wichtigen Rolle der Hausfrau und Mutter. 

Avraham und Sarah waren stets Fremde im Lande Kanaan geblieben, denn sie passten sich den Gepflogenheiten der Einheimischen nicht an. Die Kanaaniter waren alles andere als ein angenehmes Volk. Unter anderem behielten sie den Kopf verstorbener Verwandten und stellten ihn sich ins Wohnzimmer. 

Um Sarah zu begraben, wollte Avraham Land kaufen; eine Höhle, die heutige "Ma'arat HaMachpelah in Hebron" und ein wenig Land darum. Eine Begräbnisstätte für Sarah war ihm ungemein wichtig. Er scheute keine Mühen und Kosten und machte sich auf zu Ephron und dessen Hittiter - Volk. Die Hittiter waren ein kanaanitischer Stamm. Canaan, ein Nachfahre Hams des Sohn Noachs, gebar Zidon und Chet. "Bnei Chet - Söhne von Chet", so werden die Hittiter in der Thora genannt. 

Obwohl Ephron auf freundlich und fürsorgend machte, zog er Avraham dennoch über den Tisch. Vierhundert Schekel verlangte er für die Machpelah und das Land drumherum. Ein Wucherpreis zur damaligen Zeit. Avraham aber vermied jedes Feilschen, denn er befand sich in Trauer und er zahlte lieber, um seine Ruhe zu haben. 

Ist es nicht ein Irrwitz, dass Avraham die Ma'arat HaMachpelah in Hebron KAUFTE ? Zeugen waren die "Bnei Chet" und wenn wir dies heute sagen, so werden wir Juden als Rassisten abgestempelt. Dabei erstand Avraham das Land rechtmässig von den Hittitern und selbst die wären heute buff, wenn da irgendwelche Palästinenser daherkommen und das Gebiet für sich beanspruchen. Avraham kaufte seiner Frau Sarah ein Grab und Hagar, die Mutter Ischmaels, hat damit nichts zu tun. Sie und ihre Kinder waren nie mit einbezogen, wie wir am Ende der Parasha sehen werden ! 

Der Ramban (Nachmanides) sieht in dem Landkauf einen Hinweis darauf, wie wichtig es für einen Juden ist, in Israel begraben zu werden. Ferner lehrt uns der Talmud Traktat Ketubot 110, dass Diasporajuden so anzusehen sind als hätten sie keinen G - tt. Wobei hiermit gemeint ist, dass die in der Diaspora lebenden Juden anfälliger für die Religionen und Bräuche andere Völker sind. 

Avraham entschloss sich, für seinen Sohn Yitzchak eine passende Frau zu suchen. Der war immerhin schon vierzig Jahre alt und sollte endlich unter die Haube. Eine Caaniterin sollte es jedenfalls nicht sein, sondern eine g - ttesfürchtige Frau. Die Frage ist nur: Wo soll man die hernehmen, wenn man doch inmitten einem götzendienerischen Volk nimmt ? 

Deswegen entsandte Avraham seinen Diener Eliezer zu den Verwandten. Sein Bruder Nachor hatte einen Sohn namens Betuel und der wiederum hatte einen Sohn namens Lavan und eine Tochter namens Rivka (Rebekka). Jemand aus der Verwandtschaft sollte auserkoren werden, Yitzchak zu ehelichen, denn immerhin kennt man sich in der Familie und es geht weniger schief. Obwohl Rivka innerhalb einer götzendienerischen Familie aufwuchs, so erkannte sie G - tt als alleinigen Schöpfer an und war auch sonst nicht so mies drauf, wir ihr Vater oder ihr Bruder. 

Eliezer kommt in das Land von Avrahams Vorfahren und trifft an einem Brunnen die Rivka. Das gesamte Kapitel 24 nennt unzählige Male den "Kad - Wasserkrug), mit dem Rivka die Kamele Eliezers tränkt. Im Hebräischen wird "Kad" mit Chaf und Daled buchstabiert. Beide Buchstaben ergeben zusammen die Zahl 24 und das Kapitel in Genesis (Bereschit) ist ebenso 24.

Details zum Treffen zwischen Rivka (Rebekka) und Yitzchak.
Warum Rivka hier ihre Haare bedeckte:
Nach dem Tode Sarahs lässt uns die Thora wissen, dass Avraham sich eine zweite Ehefrau namens "Keturah" nahm. Laut der jüdischen Tradition handelte es sich dabei eigentlich um Hagar, welche eine ägyptische Prinzessin war. 

Warum aber heiratete Avraham keine andere Frau aus seiner Familie ? Bei Yitzchak entsandte er noch eifrig den Eliezer und er selbst heiratete eine Frau aus einem anderen Volk ? 

Der Ramban (Nachmanides) kommentiert, dass Avraham keine Frau suchte, deren Kinder später ein Vorvater des jüdischen Volkes werden sollten. Diese Rolle war nur Yitzchak zugedacht und Avraham konnte dementsprechende heiraten, wen er wollte.
Mit Keturah gebar er noch weitere Söhne, die er jedoch alle in den Fernen Osten entsandte, denn Yitzchak allein sollte das Erbe annehmen. Manche kommentieren heute, dass einige fernöstliche Völker ab und an jüdische Bräuche haben, von denen keiner mehr sagen kann, woher diese stammen. Anscheinend stammen sie aber von jenen Kindern, die Avraham fortsandte. 

Am Ende der Parasha erfahren wir vom Tode Avrahams im Alter von 175 Jahren. Ischmael kommt zur Beerdigung und begeht Teschuva (Umkehr zu G - tt).

Schabbat Schalom an alle Leser !

Schabbat CHAYE SARAH in Hebron

B"H

Am diesem Schabbat lesen wir in den Synagogen die Thoralesung "CHAYE SARAH", in welcher Sarah, die Frau des Avraham, stirbt. Begraben liegt sie zusammen mit Avraham und ihren Nachfahren Yitzchak und Rivka (Rebekka) sowie Ya'akov und Leah in der Ma’arat HaMachpelah in Hebron. Einer ehemaligen Höhle, auf welcher viele Jahre später Herodes (Hordos) ein riesiges Gebäude bauen liess.




Wer die Machpelah in Hebron besucht, der sieht nicht die Originalgräber. Diese nämlich befinden viele Meter unterhalb der heutigen Besucherräume. 

Weitere Infos HIER !


In jedem Jahr versammeln sich zur Parashat CHAYE SARAH Tausende Juden in und vor der Machpelah, um dieser großen Vormutter Sarah zu gedenken.

Hoffentlich werden die diesjährigen Besucher nicht allzu nass, denn am Schabbat bahnt sich Regen an !


Sonntag, November 04, 2012

Rabbi Samson Raphael Hirsch zur Parashat VAYERA

B"H


In der Altstadt von Zfat / Nordisrael

Photo: Miriam Woelke


"Besser spät als nie", so lautet auch das Motto in dieser Woche. In der vergangenen Woche schaffte ich es zeitlich nicht, eine neue Fassung der Thoralesung am Schabbat zu verfassen. Der Grund liegt ganz einfach darin, dass ich dieser Tage an einer längeren Publikation arbeite und all meine Energie dafür aufwende.

Jetzt aber dennoch einen interessanten Kommentar zur Thoralesung VAYERA vom vergangenen Schabbat. Der Kommentar stammt vom deutschen Rabbiner Samson Raphael Hirsch (1808 – 1888):

Die Thoralesung VAYERA beginnt mit den Worten:

"Vayera elav A – do – nai … - Dann erschien ihm (Avraham) G – tt …"

Rabbi Hirsch stellt hierzu fest ,dass, generell betrachtet, G – tt immer und überall gegenwärtig ist, doch sind wir uns dessen in der Regel oftmals gar nicht bewusst. Nur durch jemandem wie Avraham, dessen ganzer Lebensinhalt auf G – tt ausgerichtet war, wird anderen so richtig klar, wie sehr G – tt eigentlich immer anwesend ist.

Dem einen oder anderen Leser mag dieser Kommentar unwichtig erscheinen, denn all das ist ja reichlich bekannt und wozu nochmal wiederholen ?

Oft ist es so, dass wir so vor uns dahinwuseln und meinen, wir sind einsam und verlassen. Rabbi Hirsch hält uns in diesem kurzen Kommentar jedoch vor Augen, dass dem eigentlich gar nicht so ist. Für Avraham war dies leicht zu erkennen, denn in seinem Leben gab es kaum etwas anderes als G – tt. Wir hingegen sind meistens viel zu sehr mit anderen Dingen bzw. uns selbst beschäftigt und tendieren dazu, das Wesentliche zu übersehen: Nämlich, dass G – ttes Anwesenheit immer und überall zu finden ist.

Parashat Vayera - פרשת וירא


Das Überbleibsel von Sodom (Sdom): Salz

B"H


Die Thoralesung für diesen Schabbat

Die ersten Worte der Thoraparasha beschreiben uns, wie Avraham in der Wüste vor seinem Zelt sitzt und nach vorbeikommenden Reisenden Ausschau hält, die er zum Essen einladen will. Avraham war die Verkörperung von "Chesed - Güte" und er schon zu seiner Zeit war er berühmt, dafür, wildfremde Menschen in sein Zelt zum Essen einzuladen. Persönlichen Dank verlangte er nie, sondern einzig und allein, daß die Gäste nach dem Mahl dem einzigen alleinigen G - tt danken. 

"Und G - tt erschien (Vayera) dem Avraham …" 

Raschi erklärt hierzu, daß G - tt den Avraham nach dessen Beschneidung "besuchen" wollte. Es handelte sich um den dritten Tag nach der Beschneidung und G - tt rief eine große Hitzewelle hervor, welche Reisende abhalten sollte, um so Avraham eine Ruhepause zu gönnen. Avraham dagegen hielt eifrig Ausschau und ließ sich selbst von den Schmerzen der Beschneidung nicht davon abhalten, Gäste bewirten zu wollen (Talmud Bava Metzia 86b). Schon aus den ersten Worten dieser Parasha lernen wir, wie wichtig Krankenbesuche sind, denn G - tt schaute "persönlich" bei Avraham vorbei. 

Kurz darauf stehen drei Fremde vor Avraham und dieser springt sogleich auf und lädt sie zum Essen ein, ohne allerdings zu ahnen, daß es sich bei ihnen um Engel handelt.
Danach beauftragt er seine Frau Sarah Essen zuzubereiten und kurz darauf hört Sarah einen der Engel sagen, daß sie demnächst einen Sohn zur Welt bringen wird. Sarah befand sich damals im stolzen Alter von 90 Jahren und lachte über die Bemerkung des Engels. Wenig später teilt G - tt Avraham von seiner Absicht mit, die Stadt Sodom sowie einige weitere Städte in der Gegend zerstören zu wollen und die Engel machen sie auf den Weg. 

Soweit die ersten Handlungen in der Parashat Vayera. 

Der Ramban (Nachmanides 1194 - 1270) bringt einen grandiosen Kommentar zu dem Geschehen und stützt sich dabei auf das Buch "Moreh Nevuchim - The Guide for the Perplexed " des Rambam (Maimonides, 1135 - 1204)). Die genaue Quellenangabe lautet: Moreh Nevuchim 2:41 - 42. 

Der Ramban stellt fest, daß wenn die Erklärungen des Rambam richtig sind, alle Handlungen (die drei Engel kommen zu Avraham, Sarah backt und lacht) niemals real stattgefunden haben (ebenso der Kommentar des Ohr HaChaim).
Wenn wir lesen "Vayera elav HaShem…" bedeutet dies, daß sich G - tt natürlich nicht in einer Form oder Gestalt dem Avraham zeigte (G - tt hat weder Form noch Gestalt), sondern, dss Er ihm (Avraham) in einer Vision erschien. 

Im zweiten Buch des "Guide for the Perplexed" beschreibt der Rambam ausführlich seine Meinungen zu jeglicher Art von Prophezeihung. Und nachdem Avraham beschnitten und somit einen Bund mit G - tt eingegangen war, unterlag er von nun an einer höheren Art von Prophezeihung als zuvor. Zuerst hatte Avraham "verschwommene" Visionen, welche mit einem Vorhang zu vergleichen sind. Wir sehen etwas, doch Einzelheiten bleiben mehr oder weniger verborgen. Nach der Beschneidung allerdings war Avraham auf einem wesentlich anderen Level und somit gab es für ihn klare Prophezeihungen. 

Eine interessante These, welche der Ramban da aufstellt. Oberflächlich betrachtet ist es unerheblich, ob Avraham die Handlungen nur in einer Vision erlebte oder ob sie tatsächlich real stattgefunden haben. Weitere Thorakommentatoren sehen die Handlungen als sehr real an. Allein schon aus dem Grund, daß als Sarah die Bemerkung des Engels hörte, sie werde trotz ihrer 90 Jahre demnächst einen Sohn (Yitzchak) gebären lachte, sie sarkastisch vor sich hin sagte, daß dieses ja wohl unmöglich sei, denn ihr Mann (Avraham) sei viel zu alt. 

Und nun achtet einmal alle auf den genauen Text in der Thora. 

Sie sagte, ihr Gatte sei zu alt. 

Als jedoch gleich darauf G - tt Avraham berichtet, daß Sarah lachte, sehen wir plötzlich eine ganz andere Wiedergabe des Geschehens. G - tt sagt nämlich zu Avraham: "Warum lachte Sarah und sagte - soll ich (Sarah) wirklich gebären, wo ich doch viel zu alt bin" ? 

Sarah aber sagte niemals, daß sie zu alt sei, sondern ihr Gatte. 

Die Frage ist: Wieso stellt G - tt den Inhalt von Sarahs Worten anders dar als er mit Avraham spricht ? 

Die Gemara im Talmud Bava Metzia 87a erklärt warum und stellt damit ein äußerst wichtiges und zugleich höchst kompliziertes Konzept im Judentum auf. Hätte G - tt dem Avraham die exakten Sätze Sarahs zitiert, dann hätte dies einen Streit zwischen Sarah und ihrem Gatten hervorrufen können. Um den Familienfrieden zu erhalten, benutzt G - tt sozusagen eine "Notlüge". 

Manchmal ist es wichtig, Familienmitgliedern oder guten Freunden nicht immer die direkte Wahrheit zu sagen, um keine Feindschaften zu schüren. Wann jedoch diese Fälle genau eintreten, ist sehr schwer zu erklären. Nicht jede "Notlüge" kann mit dem Konzept aus Bava Metzia gerechtfertigt werden. Kauft, zum Beispiel, eine Frau ein neues Kleid und der Gatte findet es total häßlich, dann sollte er seiner Frau nicht unbedingt direkt sagen, was sie denn da für einen häßlichen Fetzen gekauft habe. Um den Familienfrieden zu erhalten, sollte der Mann zurückhaltender sein, um die Gefühle der Frau nicht zu verletzen. 

Dieses komplizierte Konzept finden wir noch anderswo; nämlich bezüglich der "Laschon HaRah - des Gerüchteverbreitens und des Klatsches über andere". Ein berühmtes Beispiel finden wir im Buch Micha (Propheten), indem Yaakov EMET (Wahrheit) zugeschrieben wird. Aber sagte Yaakov wirklich immer die Wahrheit ?
Auch hier handelt es sich um komplizierte Zusammenhänge in Fällen, wo man eine Art von "Laschon HaRah" benutzen MUSS, um positive Ergebnisse zu verursachen. Aber wie gesagt, diese Konzepte sind höchst kompliziert und man sollte sich allgemein davor hüten, bestimmte Verhaltensweisen damit zu rechtfertigen. 

Die drei Männer, die Avraham erschienen, werden von den Kommentatoren als Engel dargestellt. Der Talmud Traktat Bava Metzia 86b nennt uns die Namen der drei Engel: Michael, Gabriel und Raphael. Und jeder der Drei hatte eine bestimmte Aufgabe in unserer Welt zu verrichten, denn niemals kommt ein Engel allein mit zwei Missionen (Midrash Rabbah). Jeder Engel führt seine individuelle Aufgabe aus und zieht sich danach zurück. So war es die Aufgabe Michaels, Sarah wissen zu lassen, daß sie ein Kind bekommen wird. Raphael kam, um Avraham zu heilen und Gabriel sollte Sodom zerstören. 

In der Midrash Rabbah fragt der Kommentator Etz Yosef, warum denn die Thora nicht die Namen der Engel nenne ? 

Laut dem berühmten talmudischen Rabbi Reish Lakish haben die Engel gar keine Namen. Der Etz Yosef fährt fort, daß die Namen gewisser Monate sowie Engel erst im babylonischen Exil entwickelt worden sind. So werden Michael und Gabriel im Buch des Daniel genannt und Raphael ist im Buch Tobi (Tovi) erwähnt. 

Noch heute verwenden wir den Ausdruck: "Wie Sodom und Gomorrha" ohne uns jedoch über die wahren Geschehnisse in der Gegend im klaren zu sein. Die Gegend am Toten Meer war damals keine Wüste, sondern ein blühendes fruchtbares Land. Auch das Tote Meer selbst gab es noch gar nicht, sondern es handelte sich geographisch um das Tal der Schedim, indem die Könige gegen Avraham kämpften (siehe die vorherige Parashat Lech Lecha). Erst nach der Zerstörung Sodoms wurde die Gegend eine Wüste in der nichts wächst. 

Die Bewohner Sodoms waren reich und wollte alles, nur keine armen Durchreisenden. Sie taten alles um zu verhindern, daß sich Leute unter ihrer Würde in der Stadt niederließen und brachten auch schonmal den ein oder anderen Reisenden um. Gastfreundschaft oder jegliches Mitleid waren gesetzlich verboten und so wurde eine Tochter Lot's, die einem Armen Essen reichte, zum Tode verurteilt. Sie wurde von oben bis unten mit Honig beschmiert und dann auf einem Dach plaziert. Unnötig zu erwähnen, daß sie von einem Bienenschwarm erstochen wurde (Talmud Sanhedrin 109b). G - tt hörte den Aufschrei der Frau und das Schicksal Sodoms war besiegelt. 

Aber warum gerade Sodom ? Gab es nicht überall auf der Welt solche Vergehen ? 

Die Begründung liegt darin, daß Sodom sich im Heiligen Land befand und nicht außerhalb. Und für das heilige Land ist G - tt allein verantwortlich. 

Zum Schluß erfahren wir von der Akeidat Yitzchak - der Opferung des Yitzchak auf dem Tempelberg (Har Ha'Moriah). Sarah und Avraham hatten einen gemeinsamen Sohn, den Yitzchak. Den 13 Jahre älteren Sohn Ishmael hatte Avraham mit seiner Konkubine Hagar, einer ägyptischen Prinzessin. 

Das kabbalistische Buch Zohar lehrt, daß Ishmael vor der Beschneidung Avrahams geboren wurde und dieser schon in seiner Kindheit dem Götzendienst seiner Mutter Hagar folgte. Wie schon erwähnt erreichte Avraham erst nach seiner Beschneidung einen besonders hohen Level und G - ttes Anwesenheit (Schechinah) lag immer auf ihm. Kabbalistisch gesehen ist Yitzchak damit höher als Ishmael, denn Sarah ist seine Mutter und er wurde erst nach der Beschneidung geboren. Außerdem war sein Charakter anders als der des Ishmael und somit wurde Yitzchak zum von G - tt auserwählten Erbe Avrahams. Zu erwähnen bleibt, daß Ishmael wesentlich später in seinem Leben Teshuvah machte und zu G - tt zurückkehrte. 

Die berühmte Frage lautet, warum G - tt Avraham damit testete, seinen geliebten Sohn zu opfern. Hierzu hat Rabbi Kook einen erstaunlichen Kommentar:
Avraham führte den Monothoismus wieder ein und damit bekam der Götzendienst der Mitmenschen eine gegengesteuerte Kraft. Kann der Monothoismus die gleiche religiöse Euphorie hervorrufen wie der Götzendienst ? Mit seiner uneingeschränkten Bereitwilligkeit G - tt zu dienen, bewies Avraham das dem so ist.

Donnerstag, Oktober 25, 2012

Parashat Lech Lecha - פרשת לך לך

Die Thoralesung "Lech Lecha - Geh zu Dir selbst"


B"H


Die Thoralesung für diesen Schabbat


"Lech Lecha - Geh hinaus": G - tt beauftragte Avraham (zu der Zeit hieß er noch Amram, der der Buchstabe der Buchstabe Heh wurde dem Namen erst etwas später hinzugefügt). Avraham sollte Heimat und Familie verlassen und sich in das Land Kanaan aufmachen, wo G - tt ihn und seine Nachfahren zu einer großen Nation machen wollte. Die einfache Interpretation lautet, dass Avraham sich möglichst weit weg von seiner bisherigen Umgebung entfernen sollte. 

Dieser erste Satz der Thoraparasha "Lech Lecha" erinnert mich stets daran, wie auch ich auszog, um Aliyah nach Israel zu machen. Nicht nur, dass ich meine gewohnte deutsche Umgebung verliess; gleichzeitig verliess ich genauso ein Stück meiner selbst, um etwas Neues aufzubauen. Ein neues Leben zu beginnen, wobei bei mir die Religion der Aliyahgrund Nummer Eins war und geblieben ist. 

Avraham fragte nicht lange zu zog in die Ferne; in ein Land, das G - tt ihm zeigen wollte. Auch wir, die da Aliyah machen, benötigen eine gehörige Portion an G - ttvertrauen. Doch G - tt lehrt uns nicht nur den Auszug in das Land Israel. Ebenso bedeutet Lech Lecha, dass jeder zu sich selbst finde. Herausfinden, wer man eigentlich ist und wo die eigenen persönlichen Prioritäten liegen: Mit welcher Moral oder welchen Prinzipien beabsichtige ich mein Leben zu meistern ?  

Nicht jeder kann gerade einmal so Aliyah nach Israel machen und deswegen sollten wir uns auf einen weiteren Punkt konzentrieren, den Avraham uns übermittelt: Er kam aus dem Land "Ur Kasdim", welches mit dem heutigen Süden von Irak identifiziert wird. Inmitten all der dortigen Bewohner, die Nimrod als G - tt anbeteten, schaffte es Avraham zum einzigen wahren G - tt zu finden und den Götzendienst aufzugeben. Sollte dies nicht ein Anreiz für alle in der Diaspora lebenden Juden sein, sich ebenso ihres Glaubens zu besinnen ? 

 Die beiden Talmud Traktate Nazir 23b und Horayot 10b gehen näher auf das Verhalten Lots (dem Neffen Avrahams) ein. In Sefer Bereshit (1. Buch Moses) 13:10 heißt: "Und Lot erhob seine Augen und sah das gesamte (fruchtbare) Jordantal".
Vor der Zerstörung von Sodom und Gomorrha, versteht sich. 

Die Thora lehrt uns , dass die Hirten Lots sowie Avrahams im Dauerclinch lagen und Avraham vorschlug, sich zu trennen, damit die Ausmasse des Streites nicht noch schlimmere Züge annahmen. Daraufhin sah Lot sich um, sah das fruchtbare Jordantal und wollte sich dort niederlassen, obwohl es dort wahrlich zuging wie halt in "Sodom & Gomorrha". All die vergehen und Bestialitäten der dortigen Bewohner schreckten ihn nicht ab, sich ausgerechnet dort niederzulassen. Lot dachte einzig und allein an seinen finanziellen Vorteil und ein tolles Leben. Was er tat war, nur auf die Oberflächlichkeiten zu schauen: Man sieht etwas Schönes und will es haben. Ob es gut für uns ist oder nicht, interessiert in dem Moment weniger. Wir sehen und entscheiden gemäss unserer Augen. Ob das in der Partnersuche ist oder woanders. Schönheit muss sein, selbst wenn sich, z.B. ein Ehepartner, hinterher als Katastrophe erweist. 

Genau wie Lot, der in das sündhafte Sodom rannte; einer Stadt, in welcher arme Durchreisende ihrer allerletzten Habe beraubt und dann umgebracht worden sind. Viele meinen, Sodom und Gomorrha seien wegen der dort stattfindenden sexuellen Perversionen von G - tt zerstört worden, doch das stimmt nicht. Der Talmud Traktat Sanhedrin geht da eher auf Mord und Diebstahl ein. Fremde wurden gequält, denn die Bewohner Sodoms wollten alles, nur keine armen lästigen Durchreisenden in der Stadt. Bedürftige hatten dort nichts verloren und man tat alles, um sie fernzuhalten bzw. auszuschalten. 

Die o.g. Talmudtraktate sehen in Lot jemanden, der nach den Augen entscheidet und auch dementsprechend handelt. Er sieht, will haben und denkt nicht an das Danach. Indem Lot das sündhafte Sodom als Wohnort aussuchte, zeigte er seinen wahren Charakter (Horayot 10b sowie der Talmudkommentator Maharsha). Die Kommentatoren Raschi und Ramban stimmen dem zu. Anstatt nur nach allem Schönen und Oberflächlichem zu schauen, hätte Lot von Avraham lernen sollen. Außer all dem Äußeren eines Menschen gibt es auch noch einen inneren Kern, der da Seele genannt wird. Und danach sollte man beim Auswahl eines Partners oder von Freunden gehen. Den Menschen kennen lernen und seine Seele erkunden, denn das ist wichtiger als einer Schönheitskönigin ohne Inhalte hinterherzulaufen. 

Aus den Reaktionen Avrahams (Zieh hinaus bzw. entferne Dich von negativen Einflüssen) und Lots (Er hob die Augen und "folgte ihnen") lernen wir, wie wichtig es ist, im Leben eigene Massstäbe und eine Moral zu setzen. Bevor wir uns nur nach den Augen und unserem Herzen entscheiden, sollten wir vorher den Verstand einschalten und uns über eventuelle Konsequenzen im Klaren sein. 

Es kann ja jeder einmal selbst überlegen, wie oft er in Alltagssituationen nur nach seinen Augen geht und etwas haben will, ohne nachzudenken. 

Schabbat Schalom an alle Leser !



Schabbatatmosphäre


Verkauf von "Challot - Schabbatbroten" in Mea Shearim

Freitag, September 21, 2012

Parashat Vayelech & Der TESHUVA DRUCK


Rituelles Händewaschen vor der Kotel (Klagemauer)

Photo: Miriam Woelke

B"H

In wenigen Tagen begeht die jüdische Welt ihren höchsten Feiertag YOM KIPPUR (Versöhnungstag). Den Tag, an welchem Moshe mit dem zweiten paar Gesetzestafeln vom Berg Sinai zurückkehrte und G – tt den Juden das Vergehen mit dem Goldenen Kabl verziehen hatte. Genau so wie die Juden damals, bitten wir bis heute G – tt um die Vergebung unserer Vergehen und hoffen gleichzeitig, dass Er uns auf ein weiteres neues Jahr gnadenvoll richten tut.

Demnach dreht sich vor dem Yom Kippur und in diesen Tagen zuvor alles um die Teshuva (Umkehr zu G – tt). Wir sollen unsere Vergehen aufrichtig bereuen und versuchen, in Zukunft alles besser zu machen. Was aber geht tatsächlich in uns vor ? Ich jedenfalls kriege die Panik, wenn ich dieser Tage das Wort TESHUVA auch nur höre, denn für mich symbolisiert gerade jetzt das Wort einen riesigen Berg an Thoragesetzen und Vorschriften, welche es einzuhalten gilt. Ein Berg so hoch, dass man hinaufschaut und unter der Last gleich wieder aufgibt. Man beginnt sich einzureden, dass das eh alles keinen Sinn habe und die Teshuva eh nicht zu schaffen sei. Wieso dann überhaupt erst starten ?

Gestern abend war ich bei einem Schiur (relig. Vortrag), wo ein Rabbiner zum Thema TESHUVA und YOM KIPPUR sprach. Teshuva, Teshuva, Teshuva und die wenigen Anwesenden (der Fastentag ZOM GEDALYIAH war gerade zuende gegangen und die meisten Leute befanden sich daheim beim Essen) schauten den Rabbiner ratlos an. All die ganze Teshuva und ob das denn jetzt so furchtbar perfekt durchgezogen werden muss ? Klar, hofften wir alle darauf, dass der Rabbi mit NEIN antworte.

Zwar sagte er nicht NEIN, trotzdem bereitete er uns Hoffnung.
Teshuva bedeutet nicht, dass ich so mir nichts dir nichts mein Leben total umkrempele und nur noch auf heilig mache. Was Teshuva dagegen bedeutet, ist in sich zu kehren und nachzudenken, wo ich stehe und wie ich mir die Zukunft vorstelle. Wo bin ich heute und wo will ich in einem Jahr sein ? Nicht, dass jemand drauflos fuhrwerkt und alle Thoragesetze auf einmal einhalten will. Wer das tut, der steht am Ende mit gar nichts da, denn die meisten der so Handelnden geben nach ein paar Wochen oder Monaten erschöpft auf.

Man setze sich hin, versuche nicht die Welt zu verändern oder auf seinen Nachbarn zu schauen, sondern beginne im kleinen Rahmen. Nämlich bei sich selbst. Jeder nach seinem gegebenen Potenzial. Nicht immer muss alles in riesigen, ach so perfekten Schritten verlaufen, sondern hier geht es eher um kleine Veränderungen in eine positive Richtung. Wie werde ich zu einem besseren Menschen ?

Als der Rabbi dies erklärte, wirkte die Teshuva plötzlich nicht mehr wie ein unüberbrückbares Hindernis. Hoffnung kam auf, dass auch wir es schaffen können. Vielleicht nichts riesig Perfektes, dafür aber ein paar kleine Schritte in Richtung Zukunft.

Die dieswöchige Thoralesung (Parasha) VAYELECH berichtet uns, wie Moshe sich, wenige Stunden vor seinem Tod, von den Israeliten verabschiedete. G – tt war Seinen Bund mit den Juden eingegangen und versprach ihnen das Land Israel. 

In diesem Jahr begehen wir den Yom Kippur unter einem schweren Stern. Gerade dann, in der kommenden Woche, wird der iranische Diktator Achmadinejad vor der UN – Vollversammlung sprechen. Ausgerechnet am Yom Kippur. 

Wird es Krieg geben oder bleibt alles friedlich ? Noch niemals sah zum jüdischen Neujahrsfest und Yom Kippur die Situation im Nahen Osten derart brenzlig aus. Nicht nur im Bezug auf den Iran, sondern ebenso wegen der Muslimischen Bruderschaft in Syrien und Ägypten sowie der Hizbollah – Bedrohung aus dem Libanon. 

In Kohelet, welches wir an Sukkot (Laubhüttenfest fünf Tage nach Yom Kippur) lesen heisst es, dass es eine Zeit zum Frieden und eine Zeit für Krieg gibt. Welche Zeit legt G – tt für uns in diesen Tagen fest ? 

Als die Israeliten nach Israel einzogen, erhielten sie das Land nicht, weil sie so supertolle Juden waren. Vielmehr gab G – tt das Land den Juden, aufgrund des Versprechen an die Vorväter. 

Wo stehen wir heute ? Hoffentlich entscheidet G – tt, dass wir unserer Vorväter würdig erscheinen und wir somit im Land verbleiben bis Meshiach kommt.

Sonntag, August 12, 2012

Midrasch YALKUT SHIMONI zur Thoralesung EKEV


 Photo: Miriam Woelke

B"H 

Diejenigen von Euch, die sich ausgiebig mit tieferen jüdischen Studien befassen wissen, dass es viele verschiedene Midraschim gibt. Normalerweise verweisen viele Texte und Rabbiner zumeist auf die zwei bekanntesten Midraschim: Auf die Midrasch Tanchuma und die Midrasch Rabbah. Wenn ich einmal genügend Zeit zur Verfügung habe, so lerne ich meistens zwei völlig andere Midraschim: Yalkut Shimoni und Yalkut Re'uveni. Aus dem einfachen Grund heraus, weil mir diese beiden Midraschim sehr gut gefallen. 

Obwohl die Thoralesung EKEV bereits am gestrigen Schabbat gelesen wurde, möchte ich doch noch einmal darauf zurückkommen, denn im YALKUT SHIMONI fand ich ein paar recht interessante Gedanken dazu. Bei seiner Aussage beruft sich der YALKUT SHIMONI auf die Thora selbst sowie auf das Buch Mischle'i (die Weisheiten des König Salomon). Und so heisst es im YALKUT SHIMONI, dass G – tt den Juden die Thoramitzwot nicht gab, damit diese (die Juden) die Belohnung für die Mitzwoteinhaltung sofort erhalten. Andererseits jedoch erhalten Nichtjuden ihre Belohnung für die Einhaltung der "Sieben Noachidischen Gesetze" bereits in dieser Welt. Juden dagegen erhalten ihre Belohnung meist erst in der Kommenden Welt. Siehe hierzu Mishle'i 11:21 und Deuteronomy 7:10. 

Mein Hauptanliegen aber ist der wichtige Gedanken, dass G – tt den Juden die Thoragesetze nicht gab, damit sie ausschliesslich an eine etwaige Belohnung Seinerseits denken. Gut, dass G – tt uns den Grad der Belohnung nie wissen liess, denn sonst würden wir die Mitzwot je nach Level der Belohnung ausführen. Gibt es für das eine Gesetz eine höhere Belohnung, so führe ich das natürlich eher aus als eines, für dessen Ausführung die Belohnung viel niedriger erscheint. Solch ein Verhalten wäre nur allzu menschlich. 

Ein wichtiger Punkt, über den es sich lohnt, etwas tiefer nachzudenken. Auch im Hinblick auf die eigene Einstellung gegenüber der Thoragesetze. Manchmal erscheint alles so unglaublich einfach und im Grunde wissen wir das ja alles schon. Warum ich diese Gedanken aber nochmals aufführe ist, dass wir nur allzu schnell vergessen und eine kleine Erinnerung an all die kleinen Dinge kann nie schaden.

Sonntag, August 05, 2012

Parashat EKEV: "G – tt macht Mut"


Blick auf Downtown Jerusalem

Photo: Miriam Woelke
B"H

Nachdem ich die letzte Thora Parasha VA’ETCHANAN aus zeitlichen Gründen (und auch, weil ich einmal eine kleine Blogpause brauchte) ausliess, bin ich in dieser Woche mit der Parshat EKEV wieder zur Stelle. Seltsamerweise steht gleich der Beginn der Parasha wieder einmal im Sinn aktueller Ereignisse, denn die israelische Presse spekuliert erneut über einen Angriff auf die Atomanlagen des Iran. Außerdem berichtete mir jemand aus dem Bekanntenkreis, die arabische Welt plane eine Attacke auf Jerusalem. Und das zu Beginn des nächsten Monat. 

Was auch immer, die ersten Sätze von EKEV geben den Juden Mut. Eine Zuversicht, die wie alle nur zu gerne erleben täten, obwohl sie uns in brenzligen Situationen immer wieder entgleitet. G – tt nämlich verspricht den Juden, dass wenn sie Seine Thoragesetze halten, Er sie unter allen Umständen beschützen wird. Kein Jude soll sich vor der Übermacht der Welt fürchten. Und das, obwohl die Juden immer nur eine kleine Minderheit ausmachen. Sobald wir uns fürchten und meinen, die Welt siege über uns, sollen wir uns daran erinnern, wie G – tt es den Ägyptern und Pharao zeigte. Waren die Ägypter nicht eines der herausragenden Völker der Antike ? Aber auch das half ihnen nichts, denn letztendlich gingen sie in den Zehn Plagen sowie im Roten Meer unter. 

Bedeutet: Die Völker mögen übermächtig erscheinen, doch ein kleiner Wink von G – tt reicht aus, um sie sehr schnell in die Knie zu zwingen.

Donnerstag, Juli 05, 2012

Ein paar Gedanken zur dieswöchigen Thoralesung BALAK


Szenerie in Jerusalem

Photo: Miriam Woelke
 B"H

In jüdisch – kabbalistischer Literatur nimmt die Thora Parasha BALAK ein weites Spektrum ein. Insbesondere in den niedergeschriebenen Kommentaren des mittelalterlichen Kabbalisten, Rabbi Yitzchak Luria, den KITVEI HA’ARI. Rabbi Luria zählt die jeweiligen Reinkarnationen des Bilam und Balak auf, welche die beiden enthielten. Das kabbalistische Buch ZOHAR beschreibt dagegen die Zaubereien, welche Balak und Bilam durchführten. 

Das Erstaunliche ist, dass die Israeliten von dem Geschehen um Balak und Bilam gar nichts mitbekamen. Lediglich G – tt war Zeuge der Verschwörung zwischen den Moabitern und den Midianitern. Heute dagegen wäre dies vielleicht anders, denn Bilam würde seine Pläne auf seiner Facebook Page verkünden und mit seinem Hass auf Israel täte er sich sicherlich viele Freunde und LIKES gewinnen. Auch in unserer Zeit verbünden sich sogar ausgesprochene Feinde, sobald es gegen Israel geht. Es scheint als habe sich seit Bilam und Balak kaum etwas verändert.

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Der Baal Shem Tov zur Parashat BALAK

Freitag, Juni 29, 2012

Parashat Chukat - פרשת חקת


Die Rote Kuh

Photo: Temple Institute Jerusalem



B"H

Die Thoralesung für diesen Schabbat
Wortdefinition: 

CHUKAT = Basisgesetz, Fundamental Law

Der Ramban und Raschi kommentieren: "Dies ist ein Gesetz von Mir (G - tt) und Ihr habt kein Recht, es in Frage zu stellen !"
Diese Thoralesung beginnt mit einem Paradox. Wahrscheinlich ist es das größte und berühmteste Paradox in der gesamten Thora und sogar der weise König Salomon (Schlomo HaMelech) verzweifelte an der Logik. Normalerweise erklärte G - tt Moshe die Gründe und die Logik sämtlicher Thoragesetze, doch in der Midrasch lesen wir, dass als Moshe G - tt nach der Bedeutung der Parah Aduma, der Roten Kuh fragte, er keine Antwort bekam.

Die Parasha heißt Chukat und Chukat steht für Gesetze, die wir mit unserem eingeschränkten menschlichen Verstand nicht zu fassen in der Lage sind. G - tt trägt Moshe auf, eine Rote Kuh (Parah Adumah) ohne jegliche Schönheitsfehler zu finden und sie in einem bestimmten Ritus durch Priester (Cohanim) verbrennen zu lassen. Danach wird die Asche der Kuh mit Wasser vermischt und unreine Menschen sowie Tempelgegenstände (Geschirr) werden, nachdem sie mit dem Wasser in Berührung gekommen sind, wieder rein. Körperlich genauso wie in ihrer Seele (Neschama). Allerdings wird derjenige, der den Verbrennungsprozess ausführt, dadurch unrein. Und genau darin besteht das Paradox. 


Wie kann etwas, was eigentlich rein (tahor) macht, andere wiederum unrein (tamei) machen ?

Hierzu gibt es viele Kommentare, doch eine erklärende Antwort haben wir nicht. Anscheinend soll uns diese Mitzwah (Gesetz) deutlich machen, dass unser menschlicher Verstand im Gegensatz zu G - ttes allumfassendes Wissen nur sehr eingeschränkt funktioniert. Nicht alles was G - tt tut oder entscheidet, liegt in unserer Kraft es auch logisch nachzuvollziehen. Die Logik ist vielleicht unser großes Problem, denn wir wollen alles logisch beantwortet haben und wehe dem, wenn es einmal nicht so funktioniert.

Die Mitzwah der Roten Kuh, selbst wenn sie uns unverständlich ist, dürfen wir laut der Gemara im Talmud Traktat Yoma 67b nicht kritisieren. Dort heißt es, dass dieses spezielle Gesetz von G - tt stammt und wir keinerlei Recht zur Kritik daran haben. Insgesamt wurden in der jüdischen Geschichte nur neun Rote Kühe verbrannt. Die erste in der Zeit Moshes und die letzte vor der Zerstörung des Zweiten Tempels. Es heißt, dass die zehnte Rote Kuh vom Meschiach verbrannt wird. Rabbi Zadok HaCohen von Lublin betrachtet die Mitzwah der Roten Kuh als Tikun (Reparatur der Seele) für das Goldene Kalb (siehe hierzu auch das Buch Noam Elimelech und die Tosafot).

Was ist die eigentliche Bedeutung der Mitzwot (Gesetze), die uns G - tt in der Thora aufgetragen hat ? Warum das alles ?

In der Chassidut wird als Hauptgrund angegeben, dass wir anhand der Erfüllung der Mitzwot eine Devekut (Nähe) zu G - tt erreichen. Wir können G - tt jedoch nur nahe sein, wenn wir uns in einem reinen Zustand befinden (Magen Avraham), wo wiederum die Rote Kuh mit ihrem Reinigungsprozess ins Spiel kommt. Einen sehr interessanten Kommentar zur Roten Kuh fand ich bei Rabbi Samson Raphael Hirsch. Rabbi Hirsch vergleicht die Roten Kuh und deren spätere Asche mit den zwei menschlichen Eigenschaften; der tierischen und der g - ttlichen. Die Tierische steht für die sogenannte "physical world" und die G - ttliche für die sogenannte "upper world". Unser weltlicher Körper, ausgedrückt durch die Kuh, wird sterben, aber unsere Seele (Neschama), ausgedrückt durch die Asche, wird für alle Ewigkeiten weiterleben.

Das Verbrennen der Roten Kuh mußte außerhalb des Lagers der Israeliten bzw. später zu Tempelzeiten außerhalb der Tempel stattfinden. In der Ära des Zweiten Tempels wurde die Kuh auf dem Ölberg verbrannt. In einer Prozession wurde die Kuh dorthin gebracht. Auf dem Ölberg angekommen wurde die Kuh mit einem Seil aus Bast so an einen Pfahl gebunden, dass ihr Kopf nach Süden und ihr Gesicht nach Westen gerichtet war. Der Priester (Cohen) stand in Richtung Osten und mit dem Gesicht nach Westen. Er schlachtete sie mit der rechten Hand und fing das ihr Blut mit der linken Hand auf (Talmud Parah, Mishna 9).

Seit der Zerstörung des Zweiten Tempels sind wir in der Ausführung unserer Mitzwot sehr eingeschränkt. Ca. 70 – 80 der ursprünglich 613 sind wir heutzutage in der Lage zu erfüllen. Alle weiteren bezogen sich auf den Tempeldienst und die Cohanim (Tempelpriester). Auch die Mitzwah der Roten Kuh gibt es derzeit nicht, sondern erst wieder nach dem dem Eintreffen des Meschiach.

Rote Kühen selbst sind vielen Wissenschaftlern ein Rätsel. Wie genau sahen die Kühe aus und wie kam es überhaupt, dass sie damals existierten und heute nicht ? Vor einigen Jahren glaubte man, in der Nähe von Haifa eine solche Rote Kuh entdeckt zu haben. Schon meinten viele, dass dann der Meschiach nicht mehr weit sei. Die Euphorie wurde jedoch schnell gedämpft, denn die Rote Kuh war nicht perfekt wie vorgeschrieben. Sie hatte einige schwarze Haare in ihrem ansonsten so roten Fell, was sie unkoscher für ein Verbrennen machte.

Der Parashainhalt der Roten Kuh, sowie der Tod von Miriam und ihrem Bruder Aharon sollten uns an diesem Schabbat etwas nachdenklich in bezug auf unser eingeschränktes Wissen und unsere Sterblichkeit stimmen.

Zu guter Letzt eine chassidische Story; eine Story von Rabbi Zusha von Anapoli (1718 - 1800), dem jüngeren Bruder des großen chassidischen Rabbiners Elimelech Weissblum von Lizhensk (Lejanks in Polen).

Einmal sagte Rav Zusha zu seinen Schülern:

"Wenn ich sterbe, wird mich G - tt nach meinem Tode nicht fragen - "Zusha, warum warst Du nicht so perfekt wie Avraham oder Moshe ?".
Was Er mich dagegen fragen wird ist - "Zusha, warum warst Du nicht Zusha ?"

Die Bedeutung ist, dass wir nicht immer auf andere und deren Potential schauen sollen. Stattdessen sollten wir uns lieber auf unsere Aufgaben und unser individuelles Potential konzentrieren. Was meines Nachbarn Aufgabe in dieser Welt ist, ist noch lange nicht meine.

 
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Donnerstag, Juni 14, 2012

Parashat Schlach Lecha: "Gibt es einen Unterschied zwischen den Spionen und den Juden heute ?"


Gesehen in der Jaffa Road / Downtown Jerusalem

Photo: Miriam Woelke

 B"H  

Die Thoralesung für diesen Schabbat 


Die dieswöchige Thoralesung berichtet uns ausführlich, wie Moshe die Spionen entsandte, um das Land Israel (damals noch Canaan) auszukundschaften. G – tt hatte Moshe nicht angewiesen, dies zu tun, denn Er selber hatte den Juden versprochen, sie in ein Land zu führen, welches GUT (TOV) ist. Warum also dann Spione entsenden ? Vertraute man nicht auf das Versprechen G – ttes ? Offenbar vertrauten nicht alle Juden in der Wüste. 

Kommentare besagen, dass viele von ihnen auch gar nicht bereit waren, ihr geordnetes Leben aufzugeben. Erst einmal im Heiligen Land angekommen, sollten sie nach israelischen Stämmen territorial aufgeteilt werden und ihr Land selbst bearbeiten. Arbeiten, um sich einen Lebensunterhalt zu erwirtschaften. In der Wüste hingegen kam alles von G – tt. Von der Nahrung MAN (Manna) bis hin zum Wasser sowie dem Schutz vor Feinden. Plötzlich auf sich allein gestellt sein: Davor hatten nicht wenige Israeliten Angst. 

G – tt sagte Moshe, dass Moshes Entscheidung, die Spione doch noch loszuschicken, auf dessen eigene Kappe gehe. Moshe seinerseits hatte sich von den Juden breitschlagen lassen und stimmte letztendlich der Entsendung der Spione zu. So machten diese sich auf den Weg und erforschten das gesamte Land Israel. Vom Süden bis hinauf in den Norden. 

Am 9. des Monat Av (ca. Ende Juli / Anfang August) kehrten sie ins Lager der Israeliten zurück und verbreiteten Panik. Nicht, dass sie mit ihren negativen Berichten logen, sondern ihr Fehler war, dass sie eben alles nur negativ darstellten, anstatt die Vorteile zu sehen und auf G – tt zu vertrauen. Die Juden verfielen in Panik und wollten nicht mehr ins Gelobte Land ziehen. G – tt bestrafte fast die gesamte Generation der Spione, indem sie innerhalb der 40 Wanderjahre allmählich starben. Es sollte eine neue Generation heranwachsen, welche schliesslich in Israel Einzug hielt. 

Außerdem hat der 9. des jüdischen Monat Av bis heute folgenschwere Auswirkungen auf das Judentum. Da die Juden nach dem Bericht der Spione klagten und jammerten anstatt auf G – tt zu vertrauen, machte G – tt diesen Tag zum Trauertag. Beide Jerusalemer Tempel wurden am 9. Av zerstört. Einmal von den Babylonier und viele Jahre später von den Römern. Und bis heute ist der Tisha be’Av, der 9. Av., deswegen ein Trauertag im Judentum, an dem 25 Stunden lang gefastet wird. Ähnlich dem Yom Kippur. 

Der Maharal von Prag (16. Jahrhundert) schrieb in seinem Thorakommentar GUR ARYEH, dass aus den ursprünglich rechtschaffenden Spionen Menschen wurden, die sich von negativen Meinungen beeinflussen liessen. Sprich, aus den Spionen wurden Diener derjenigen, die G – tt nicht trauten und die Entsendung von Spionen forderten. Von Kundschaftern, die Israel ausspionieren, ob da auch wirklich Milch und Honig fliesse. 

Der Maharal kommt zu der Schlussfolgerung, dass die Juden damals noch nicht reif für den Einzug in das Gelobte Land waren und sie deshalb viele Jahre durch die Wüste wandern mussten, ehe sie am Ende doch den Weg nach Israel fanden. Zu sehr waren sie an die tagtäglich stattfindenden G – tteswunder wie das fallende Manna oder den Brunnen der Miriam gewohnt als dass sie sich auf Natur und Alltag eingelassen hätten. Wer nur Wunder erlebt, der kommt nicht mehr so einfach in den Alltag zurück. 

Und was hat diese Thoralesung mit uns zu tun ? 

Seien wir ehrlich und stellen uns die Frage, ob wir anders gehandelt hätten. Schauen wir auf die heutigen Diasporajuden, die aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht nach Israel einwandern, sondern lieber die Bequemlichkeiten der Diaspora geniessen. Vor einiger Zeit startete ich auf einem meiner deutschen Blogs eine Umfrage, warum deutsche Juden nicht nach Israel ziehen wollen. Die Mehrheit antwortete: Wir haben Angst, keine Arbeit und Wohnung zu finden. 

Das Leben in Israel ist alles andere als einfach, es sei denn, man kommt mit einem Sack voller Geldmünzen. Die Wenigsten sind dazu in der Lage und so findet der alltägliche Kampf ums Überleben statt. Da lebt es sich in der Schweiz, in Deutschland oder Österreich wesentlich angenehmer. Man schaue nur auf all die sozialen Absicherung, obwohl die Leute dort ständig am Jammern sind. In Israel deckt die Sozialhilfe noch nicht einmal die Miete und der Bedürftige kann sehen, wo er bleibt. 

Trotzdem existiert viel Positives in unserem Land. Die Leute sind anders und nicht so starr wie in Europa. Das Land Israel ist wunderschön und ich denke dabei an die sanften kühlen Sommerbrisen, die des nachts über Jerusalem ziehen. Das Judentum kann offen gelebt werden und jeder wird, wenn er denn will, seine Nische in der Gesellschaft finden. 

Wer die Augen aufmacht, der findet ein Land, in dem Milch und Honig fliessen. Man muss nur bereit sein, dies zu erkennen und nicht ständig mäkeln, dass in Europa der Standard höher und daher besser sei. Vielleicht sollten sich die Juden in der Diaspora, und dies geht die USA oder Kanada, genau so an, darüber Gedanken machen, was ihnen im Leben wirklich wichtig ist. 

Schabbat Schalom

Donnerstag, April 19, 2012

Parashat Tazria Metzorah - פרשת תזריע מצורע


Die Andromeda - Galaxy

B"H

Die Thoralesung für diesen Schabbat

Die erste der beiden Parashot, Parashat Tazria, beginnt mit der Beschreibung der Unreinheit einer Frau, nachdem sie ein Kind gebar. Klingt irgendwie seltsam: Eine Frau bekommt ein Kind und nach der Geburt ist sie für eine bestimmte Zeit unrein. Der Ehemann darf sie noch nicht einmal anfassen. Scheint das nicht unfair nach all den Wehen und Anstrengungen ?

Rabbi Jonathan Eibeschütz (geboren im Jahre 1690 in Krakau, verstorben im Jahre 1764 in Hamburg - Altona) führt in seinem Thorakommentar einen kabbalistischen Grund, basierend auf dem ZOHAR, auf. Alles gehe zurück auf Adam und Chava (Eva) aus dem Paradies, die da nicht gerade G - ttesergiebig vorgingen. Chava habe nicht nur mit der Schlange gesprochen, sondern auch noch Sex mit ihr gehabt und auf diese Weise sei Kain entstanden. 

Was genau diese weit verbreiteten Ausführungen mit der Schlange, dem Sex und dem Dasein im Paradies (Gan Eden) wirklich bedeuten, weiss niemand ! Die Thora dürfen wir diesbezüglich mehr symbolisch als wörtlich sehen und gerade das Konzept des Paradieses weiss niemand zu deuten. Handelt es sich hierbei um einen real existierenden Ort oder lediglich um einen höheren Bewusstseinslevel ? Nicht, dass Chava mit einer Schlange dalag und Sex hatte, sondern vielmehr ist das Konzept eine Anspielung auf ihr in dem Moment aufkommendes negatives Gedankengut. Durch das Verhalten von Adam und Chava wurde eine Geburt mit Tumah (Unreinheit) behaftet. 

Rabbi Samson Raphael Hirsch kommentiert, dass wir Juden gemäss der Thora gewissen Verhaltensregeln unterworfen sind. Sobald wir, zum Beispiel, unkoscheres Essen verzehren oder mit bestimmten unreinen Dingen (u.a. diverse Tiere wie einer Eidechse oder mit Leichen von Menschen, Periode der Frau, etc.) in Verbindung kommen, wir uns entweder einem vorgeschriebenen Reinigungsprozess (u.a. die Mikweh - das Ritualbad oder einer Opferung im Tempel) unterwerfen oder wir einfach weitermachen und auf diese Weise unsere Seele schädigen und nicht nur in eine körperliche, aber gleichfalls auch spirituelle, Unreinheit (Tumah) verfallen. 

Es wird zwischen mehreren Arten der Unreinheit unterschieden. Zum Beispiel der Niddah (eine menstruierende Frau), dem Ba'al Keri (ein Mann der während er schlief, einen unbeabsichtigen Samenerguss hatte oder eine gebärende Frau. Die hier in der Thora genannten Gesetze bezüglich der Tumah sowie dem Reinigungsprozess beziehen sich nur auf Juden ! 

Wieder einmal sollen uns die Gesetze der beiden Parashot "Moral" lehren. Eine Moral, welche uns die Thora vorgibt und uns vom Tier unterscheidet. Als G - ttes "Auserwähltes Volk" haben Juden die Aufgabe den anderen Nationen als vorbildliches moralisches Beispiel voranzugehen. (Nicht, dass uns das immer gelingt !). 

Der Sefat Emet, Rabbi Yehudah Aryeh Leib Alter, ehemals Rebbe der Chassidut Gur (Ger), 1847 - 1905 in Polen, lehrt, dass sämtliche Erschaffungen einem Tikun (einer Seelenreparatur) unterliegen. Durch die Menschheit vereinen sich Erschaffung und das Kommen des Meschiach. Aufgrunddessen wurde der Mensch zuletzt erschaffen, damit er direkt in den Schabbat wechseln konnte. So wie es ursprünglich für Adam und Chava (Eva) im Paradies (Gan Eden) vorgesehen war. Zumindest vor ihrem Vergehen am Baum des Wissens (Etz HaDa'at). Der Schabbat und das "Kommen des Meschiach" gehören zusammen. 

Die Welt und alles Notwendige der menschlichen Existenz wurde vorher erschaffen und erst dann trat der Mensch in Erscheinung. Somit ist alles Erschaffene ebenso zu einem kleinen Teil in uns enthalten, denn wir brauchen das Erschaffene, um zu existieren. Unsere erschaffene Umwelt ist der Körper und die Menschen stellen die Seele dar. 

Die biblische Art des Lepra (Aussatzes) ist nicht zu vergleichen, mit dem was wir heute als Krankheit kennen. Die biblische Art fand zwar körperlich statt, doch beruhte sie stets auf einer spirituellen Unreinheit der Seele. Mit Vergehen beflecken wir die eigene Seele und unsere Aufgabe ist es, dem vorzubeugen und uns erst gar nicht in diverse Gefahren zu begeben.

"Schabbat Schalom"

Donnerstag, März 22, 2012

Parashat VAYIKRA - פרשת ויקרא

B"H

Die Thoralesung für diesen Schabbat


Was ? Wieso Tieropferungen ?

Tierquälerei und ein Brauch aus antiker Zeit. Was geht mich das heute an und überhaupt sind die Zeiten eh vorüber. 

Fakt ist, dass sobald der Meschiach kommt und der Dritte Tempel steht, wir wieder Tieropferungen bringen werden. Kein Sündenopfer (Chatat), sondern wohl eher ein Dankesopfer an G - tt (Olah). 

Die Opferungen waren / sind nicht dazu da, weil es um blutrünstige Befriedigung durch Opfer im eigentlichen Sinne geht. Im hebräischen Original wird ein Tempelopfer "Korban" genannt und eben jenes Wort beinhaltet die Buchstabenwurzel "Lehitkarev - näher kommen - להתקרב". Anhand des Opfer kommen wir demnach G - tt näher; dennoch nur dann, wenn wir aufrichtig bereuen und geloben, in Zukunft alles besser zumachen. 

Details dazu HIER !

In der Parashat Vayikra verbietet G - tt den Juden ausdrücklich jeglichen Blutverzehr. Schon das Ablecken des Blutes von jemandem, der sich in den Finger schnitt, ist verboten. Rabbi Samson Raphael Hirsch hat dazu einen einzigartigen Kommentar: 

Nur in der hebräischen Sprache erscheint die wahre Bedeutung des Wortes "Korban" zum Ausdruck gebracht, denn wer "Korban" im Deutschen lediglich als "Opfer" übersetzt, der hat die eigentliche Bedeutung nicht verstanden. Es wird nicht geopfert, sondern durch den Willen der Umkehr entsteht eine neue Beziehung zu G - tt und somit einen gewisse Nähe. Theoretisch könnte ich ein Opfer bringen und mir sagen "Naja, jetzt ist eh alles vergeben". G - ttes Erbarmen jedoch findet nur dann statt, wenn ich wirklich meine negativen Taten bereue und wenn dem nicht der Fall ist, kann ich soviele Opfer auf den Tempelaltar schmeissen, wie ich will; vergeben ist letztendlich nichts. 

Rabbi Hirsch fährt fort:
Immer dort, wo in der Thora von den "Korbanot - Opferungen" die Rede ist, wird G - ttes Name Yud - Heh - Vav - Heh - י - ה - ו - ה verwendet. Der Name, welcher Gnade ausdrückt und nicht pures Gericht / Urteil wie der Name E - lo - h - i - m. G - tt lässt demnach keine harte Justiz walten, sondern Gnade. Jemand bekommt die Möglichkeit, seine vorherigen Fehler im Leben zu korrigieren. Eine spirituelle und moralische Wiederauferstehung sozusagen. Der Gewinn von neuer Stärke den Willen G - ttes, die Thora, zu erfüllen. 

Der Ramban (Nachmanides), 1194 - 1270, merkt in seinem Thorakommentar an, dass die Tatsache, dass der Name Yud - Heh - Vav - Heh in Verbindung mit den Opferungen genannt wird, dies ein Zeichen der Widerlegung jeglicher christlicher Theorien darstellt, welche G - tt als Dreifaltigkeit proklamieren. G - tt besitzt nur EIN ewiges und zeitloses inneres Wesen und das ist Er selbst. Ohne Verwandte oder Geister. Ferner weist der Ramban darauf hin, dass der G - ttesname Yud - Heh - Vav - Heh stets eine Vereinigung bedeutet. In Bezug auf die Korbanot also auf eine Vereinigung zwischen G - tt und Seinem Volk Israel (den Juden).

Ein Wunder ist der Kommentar des Ramban nicht, denn seinerzeit führte er mehrere Dispute mit Abgesandten der katholischen Kirche. Berühmt ist vor allem sein öffentliches Streitgespräch mit Pablo Christiani.

In der Thora heißt es, der Geruch der aufsteigenden Opferungen finde G - ttes Wohlgefallen.
Der "Geruch" ? Wir wir bereits wissen, ist G - tt kein Wesen, welches nach Gerüchen aburteilt und so ist der Ausdruck vermenschlicht um zu verdeutlichen, wie sehr G - tt die Umkehr eines Menschen zu Ihm gefällt.

Die Kennzeichen eines Menschen sind seine Gedanken, seine Sprache (Ausdruck) sowie seine Taten. Anhand dieser Merkmale ist der Mensch jederzeit in der Lage, sein Leben zu ändern, denn G - tt gab uns eine Umkehr. Wir haben die Möglichkeit zu bereuen und ein besseres Leben zu geloben. Niemand wird sofort und gnadenlos verdammt, nur weil er einmal einen Fehler beging.


"Schabbat Schalom" an alle Leser !
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