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Dienstag, Juli 31, 2012

Kritisches zum Tu be'Av (15. Av)

B"H 

An diesem Freitag ist, laut Rabban Gamliel im Talmud Traktat Ta’anit 26b, neben dem Yom Kippur (Versöhnungstag) einer der freudenreichsten Tage im Judentum: Der Tu be’Av oder genauer gesagt – der 15. Tag im Monat Av. 

War der Tisha be’Av (9. Av) an diesem Sonntag noch ein Trauer – und Fastentag, so steht der Tu be’Av im gegenteiligen Sinne der Freude. Wir lernen aus dem Talmud, dass zu Tempelzeiten junge unverheiratete Frauen und Männer in die Felder gingen und sich offenbar dort fanden und nachher ggf. heirateten. Die weiblichen Kandidaten trugen alle weisse Kleidung und es war ihnen an dem Tag nicht anzusehen, ob sie nun aus einer wohlhabenden oder armen Familie stammten. Alle sahen von Weitem irgendwie gleich aus und Sinn und Zweck war es, dass ein Mann sich seine Zukünftige nicht nur allein nach ihrem gesellschaftlichem Status aussucht, sondern nach Sympathie. Ob das wirklich so erfolgreich gelang, bezweifele ich manchmal, denn nicht nur allein die Kleidung drückt einen Status aus. Unter anderem kann es genau so die Sprache sein oder allein das Verhalten. 




Die Frage aber ist, ob dieselbe Prozedur heutzutage vorstellbar oder eher undenkbar erscheint. Realistisch zumindest klingt die talmudische Prozedur des Tu be’Av heute nicht, denn damals wie heute finden sich selbst hochrelig. zukünftige Ehepaare nicht im Feld, sondern allein der Verlobung gehen hochkomplizierte Auswahlverfahren voraus. Der Sohn von einem Superrabbi oder die Tochter eines Gelehrten heiraten auch heute nicht unbedingt einen kleinen Thoraschüler bzw. eine Tochter aus einfachem Hause. Egal, ob in haredischen (ultra – orthodoxen) oder in nationalrelig. Kreisen, die jungen ledigen Heiratswilligen schalten meistens einen sogenannten SCHADCHAN (eine Frau wird SCHADCHANIT genannt) ein. Heiratsvermittler, die sich professionell auf die Anbahnungssuche machen soll. Neben dem Verfahren besteht natürlich auch die Mundpropaganda (a la man kenne da jemanden, der vielleicht in Frage käme). Oder in ganz extremen Ultra – Kreisen suchen die Eltern die Kandidaten aus. Teilweise werden auch Rabbiner zu Rate gezogen, ob sie nicht einen Kandidaten kennen bzw. empfehlen können. 

Heute ist es eher unwahrscheinlich, dass die Tochter oder der Sohn eines angesehenen Rabbiners einen Ehepartner auswählen, der, zum Beispiel, aus einer Konvertitenfamilie stammt. Normalerweise heiraten Kinder aus Rabbiner - oder gar chassidischen Rebbefamilie fast ausschliesslich ihresgleichen oder zumindest die Kinder aus anderweitigen hoch angesehenen Rabbinerfamilien. Demnach würde man sich heutzutage nicht im Feld oder an einem Weinberg treffen, sondern den üblichen Eheanbahnungsmethoden folgen. Allgemein gesprochen heiraten in hoch relig. Kreisen sephardische Juden andere sephardische Juden, Aschkenazim heiraten Aschkenazim, Behinderte erhalten meistens Kandidaten mit einer Behinderung, Geschiedenen werden anderweitige Geschiedene oder Verwitwete vorgestellt und und und. 

Das relig. Eheanbahnungssystem erscheint selbst mir nicht selten rassistisch, aber wer diesen Weg geht, der wird um all die Regel kaum herumkommen. Wem das alles nicht passt und zu doof erscheint, der muss sich halt eine andere Methode suchen und das wird kaum einfacher sein. Trotzdem sollte sich deswegen niemand den Tu be’Av vermiesen lassen, denn es gibt genug Freuden im Leben und nicht nur die Ehe.:-)

Sonntag, Juli 08, 2012

In Jerusalem heiraten




B"H

Das Rabbanut (Oberrabbinat), Abteilung Eheschliessungen: Diejenigen Juden, die hierher kommen, um eine Eheschliessungserlaubnis einzuholen, werden auf Herz und Nieren auf ihre halachische Jüdischkeit geprüft. Ich hörte so einige Horrorstories von dieser Abteilung, doch letztendlich ist es besser, alles geprüft zu wissen, damit sich nicht jemand einschleichen kann, der, laut Halacha, gar kein Jude ist. 

Juden, die Aliyah machten und in Jerusalem heiraten wollen, müssen ihre jüdische Herkunft detailliert nachweisen. Unter anderem wird die Ketubah (Hochzeitsvertrag) der Eltern verlangt. Weiterhin ein Brief vom Rabbiner aus dem Heimatland sowie Dokumente der jeweiligen Stadtverwaltung im Heimatland, die bestätigen, dass derjenige Heiratswillige entweder Single, geschieden oder verwitwet ist. 

Orthodoxe Konvertiten zum Judentum werden erst recht auseinandergenommen, wenn sie einen geborenen Juden heiraten wollen. Heiratswillige, bei denen beide Parteien Konvertiten zum Judentum sind, werden ab und zu weniger gründlich nachgeprüft. Will jedoch ein orthodoxer Konvertit einen geborenen Juden heiraten, kommt die Maschinerie ins Rollen. Es gibt sogar Fälle, bei denen das Rabbanut die Hochzeiten ablehnte, denn ein Konvertit sollte nicht gerade einen säkuleren Israeli heiraten.  

Von mir aus kann sich jetzt gerne jeder sein Teil denken und zustimmen oder nicht. Fakt ist: Wer heiraten will, der unterwirft sich diesem Prozess. Andere gehen lieber zu den Belzer Chassidim und heiraten dort. Gleiche Prozedur, aber oft schneller bearbeitet. Trotzdem wird auch dort den Konvertiten nichts geschenkt und man sollte einen einwandfreien orthodoxen Lebenswandel vorweisen. 

So sind die Regeln und ich habe sie nicht gemacht.

Photos: Miriam Woelke

Donnerstag, Februar 09, 2012

Die gestrige Hochzeit in Chassidut Toldot Aharon

B"H

Wie berichtet, heiratete gestern abend die jüngste Tochter des Toldot Aharon Rebben den Enkel eines wichtigen Rabbiners der chassidischen Gruppe Satmar. Die Hochzeit selbst fand in Beit Shemesh (15km von Jerusalem) statt. 

Hier ist ein Video: 

http://www.bhol.co.il/Article.aspx?id=37789


Und hier sind Photos: 

Samstag, Januar 28, 2012

Ahallel Amallel


Mittwoch, November 23, 2011

Hochzeit Faltishan Vien Spinka

B”H

Es gibt unzählige kleinere chassidische Gruppen und das untere Video zeigt eine Hochzeit, die dieser Tage in Brooklyn / New York stattfand. Drei chassidische Gruppen (Faltishan, Vien und Spinka) waren involviert und Braut und Bräutigam wurden miteinander verheiratet. 

Wie kommt es zu all den kleineren chassidischen Gruppen ? 
Es handelt sich um Abspaltungen großer Gruppen sowie deren Familieangehöriger der jeweiligen Rebben. Nicht immer wird sich aus Protest oder im Zorn von einer bestehenden Gruppe abgespalten. Vielmehr kann ein Rebbe mehrere Söhne haben, von denen jeder seine eigene Dynastie gründet. Unter anderem hat die chassidische Gruppe Chernobyl unsaglich viele kleine Abspaltungen (z.B. Skver, Rachmastrivka, Tulna oder Machnovke. Wobei Machnovke ebenso an Belz hängt, denn bei den Rebbefamilien handelt es sich um Verwandte. Abgesehen von der Tatsache, dass zwischen Belz und Machnovke ein interner Krieg herrscht). 


Dienstag, September 13, 2011

Dürfen jüdische Hinterbliebene nach dem 11. September 2001 erneut heiraten ?

B”H 

Fast 3000 Menschen kamen am 11. September 2001 beim Terrorangriff auf das World Trade Center ums Leben. Wer mag sich dennoch vorstellen, dass heute, zehn Jahre danach, 1100 Menschen immer noch nicht identifiziert worden sind ? 

Man weiss ganz einfach nicht, ob sie mit Sicherheit bei der Terrorattacke umkamen. DNA – Proben existieren nicht mehr und die Flugzeuginsassen der beiden Maschinen, die in die Türme krachten, sind eh nicht mehr zu identifizieren, sondern wurden sofort zu Asche. 

Circa 400 Juden kamen in den Twin Towers um und nicht alle sind identifiziert. Neonazis sowie Verschwörungstheoretiker mögen die Zahl 400 – 500 anstreiten und lieben es stattdessen zu behaupten, die Juden hätten im voraus von dem geplanten Anschlag gewusst und sich gegenseitig gewarnt. Tatsache jedoch ist, dass an dem Morgen viele Juden vor der Arbeit zum Beten gegangen waren, denn es war die Zeit vor dem jüdischen Neujahrsfest Rosh Hashana und somit der Selichot – Gebete. 

Auf der englischen Site von Chabad New York fand ich eine sehr interessante Fragestellung: 

Was geschieht mit jenen Juden, die wieder heiraten möchten, aber vorher mit jemandem verheiratet waren, der vermutlich in den Twin Towers umkam ? Was dann, wenn die Leiche nicht gefunden worden ist und daher eine Identifikation nicht stattfindet ? 

Immerhin ist es halachische Vorschrift, dass ein Verheirateter seinen Gatten / Gattin nur dann für tot erklären lassen kann, wenn eindeutige Beweise vorhanden sind. Wie aber sieht es bezüglich der Toten vom 11. September 2001 aus ? 

Siehe die Antwort darauf HIER !

Donnerstag, August 11, 2011

Parashat Va'etchanan - פרשת ואתחנן



Gesehen in Tel Aviv

Photo: Miriam Woelke

B"H

Die Thoralesung für diesen Schabbat

Dieser Schabbat ist zugleich "Schabbat Nachamu", der Schabbat nach dem Tisha be'Av (am Dienstag dieser Woche). Die Thoralesung "Va'etchanan" wird immer am Schabbat nach dem Tisha be'Av gelesen ! Va'etchanan ist mit dem Tisha be'Av verbunden, denn G - tt warnt die Juden vor dem Fall in den Götzendienst und dies war dann auch der Hauptgrund für die Zerstörung des Ersten Tempels. Va'etchanan zeigt uns jedoch ebenso den Weg der Hoffnung und dem des Neubeginn.

Aus unseren Fehlern sollten wir lernen und in der Zukunft zu vermeiden lernen. Im Judentum besteht fast immer ein Weg der Rückkehr zu G - tt. Wir können die Generationen des Ersten oder Zweiten Tempels nicht mehr umfunktionieren, doch haben wir die Chance, es besser zu machen.

Jeder von uns hat seine Lieblingsparshot in der Thora und jene, die ihm gar nichts sagen oder nur schwer verständlich sind. Die Parasha Va'etchanan gehört zu meinen Lieblingsparashot, eben weil sie soviel wichtige Inhalte enthält.

Wir erfahren, dass Moshe G - tt bat, nicht vielleicht Seine Meinung zu ändern und ihn (Moshe) doch wenigstens für kurze Zeit den Jordan überqueren lassen will und Moshe so das Land Israel sehen und betreten kann. G - tt gibt nicht nach, beauftragt Moshe jedoch, auf eine Anhöhe (Pisgah) zu gehen, damit er so das Land sehen könne. Es heißt, dass Moshe nicht nur das Land sah, sondern auch dessen Zukunft. In jenem Moment sah er alle folgende Generationen bis hin in unsere Zeit und noch darüber hinaus.

In der Thora heisst es:

"… u're'eh be'ejnecha … - und sehe mit DEINEN Augen".
Dies sagte G - tt zu Moshe als Er ihn aufforderte, in das verheissene Land herabzuschauen.

Der Thorakommentator Raschi fragt an dieser Stelle, warum G - tt sagte "… mit DEINEN Augen". 
Mit welchen Augen hätte Moshe denn sonst schauen sollen ?
Raschi aber betrachtet die Hervorhebung der eigenen Augen Moshes so, dass G - tt ja die Bitte Moshes zumindest teilweise erfüllte a la "Du willst das Land sehen ? Soviel kann Ich (G - tt) Dir gewähren. Dein Körper hingegen wird Israel nicht betreten.

Stellen wir uns einmal vor, was geschehen wäre, wenn Moshe mit den Israeliten nach Israel gegangen und weiterhin ihr Oberhaupt geblieben wäre. In der Kabbalah lautet eine Idee, dass Moshe den Meschiach sofort gebracht hätte. Der Kommentator Or HaChaim sagt, dass G - tt den Tempel sicherlich nicht zerstört hätte, wenn Moshe dagewesen wäre. Eine Zerstörung musste erfolgen, um die Juden für ihre Vergehen zu bestrafen und sie letztendlich in die Diaspora zu befördern, damit sie später nach Israel zurückkehren und der Meschiach kommt. Mit einer Person wie Moshe wäre G - ttes Plan etwas durcheinander gekommen. Wir selber sind aufgerufen gemäss G - ttes Willen zu agieren und eine Überperson wie Moshe hätte das vielleicht unbewusst verhindert. Der chassidische Thorakommentator Shem MiShmuel schreibt, dass die Juden aufgerufen waren, den letztendlichen Tikkun (Seelenkorrektur) in Israel auszuführen, denn ihre Seele war noch nicht perfektioniert. 

Ich weiß nicht, wie es in Thoraübersetzungen in verschiedene Sprachen ausschaut, doch adressiert Moshe in seiner Bitte G - tt mit zwei dessen Namen: A - do - nai (HaShem) und dem Namen Yud - Heh - Vav - Heh. Raschi und der Ramban (Nachmanides) kommentieren, dass die Namen für Gnade und Gesetz stehen. Laut Rabbi Samson Raphael Hirsch verwendete Moshe beide Namen um auszudrücken, dass wie immer auch G - ttes Entscheidung ausfallen werde, Moshe sie ohne Widerspruch akzeptiert.

Im Talmud Traktat Sotah 14a wird gefragt, warum Moshe unbedingt nach Eretz Israel gelangen wollte ?
Die Antwort lautet, dass ein Jude nur dort in der Lage ist, ALLE Mitzwot (Gesetze) auszuführen. Im Ausland lebende Juden haben immer das Problem, dass sie nie alle Mitzwot ausüben können und ihre Gebete erst über Umwege aufsteigen. Währenddessen in Israel alle Gebete sofort aufsteigen und direkt erhört werden. Von daher ist es sehr wichtig, in Israel zu leben. Moshe war bereit, G - ttes Entscheidung ohne jeden Widerspruch hinzunehmen. Genauso sollten auch wir unser Leben führen; nämlich in dem wir den wahren Grund erkennen, warum wir in dieser Welt sind und wer uns erschaffen hat.

In keinem Buch der Thora warnt G - tt so ausdrücklich vor dem Fall in den Götzendienst wie im Sefer Devarim (Deutoronomy). Jegliche Assimilation mit anderen Nationen wird uns untersagt. Im Talmud Traktat Avodah Zarah (Götzendienst) finden wir hervorragende Beispiele dafür, was uns genau verboten wurde und aus welchem Grund.
Genauso verhält es sich in Sefer Devarim mit der Intermarriage, der Ehen zwischen Juden und Nichtjuden. Übrigens ein biblisches Verbot, auch wenn manche es heutzutage vielfach schönreden wollen. Wer genaue Auskunft darüber sucht, der braucht nur Sefer Devarim und den Talmud aufzuschlagen, wo er alle Antworten diesbezüglich finden kann. In der Parashat Va'etchanan warnt G - tt vor Ehen zwischen Juden und den Völkern, die sich in Eretz Israel befinden, u.a. die Kanaaniter und die Jebusiten. Wer als Jude einen Nichtjuden heiratet, läuft große Gefahr sich leztendlich zu assimilieren, auch wenn er es vorher nicht für möglich hielt.

Was ? Mir passiert so etwas nicht, denken viele, aber spätestens die nachfolgende Generation sieht das schon ganz anders. Falls die nachfolgende Generation aufgrund einer nichtjüdischen Mutter überhaupt noch halachisch als jüdisch zu bezeichnen sein sollte. Aber es ist nicht nur Assimilation, sondern solche Ehen führen oft zwangsläufig zum Götzendienst der anderen Partei.

In einem Schiur (Vortrag) hörte ich einmal von einem interessanten Fall:
Eine amerikanische Jüdin hatte sich in einen Nichtjuden verliebt und wollte ihn heiraten. Er wiederum war sogar bereit, orthodox zum Judentum zu konvertieren. Am Ende jedoch wollte er die junge Frau gar nicht mehr heiraten, denn er war zu religiös geworden und wollte keine jüdische Frau mehr, die bereit war, einen Nichtjuden zu heiraten.

Im Talmud Traktat Avodah Zarah 36b kommt die Frage auf, ob denn ALLE Ehen zwischen Juden und Nichtjuden verboten seien. In der Parashat Va'etchanan werden schließlich nur die nichtjüdischen Völker in Eretz Israel genannt.
Die Schüler der berühmten talmudischen Rabbiner Hillel und Shammai genauso wie der berühmte Rabbi Schimon Bar Yochai kommentieren dagegen, dass damit ALLE Nichtjuden gemeint sind. Im Talmud Kiddushin 68b heißt es, dass jegliche Ehen zwischen Juden und Nichtjuden von der Halacha als Null und Nichtig betrachtet werden. Alle Ehen von Nichtjuden, die NICHT konvertieren und einen Juden heiraten, sind ungültig. Siehe dazu auch den RASHBA in TOSAFOT und den Rambam in seiner Mishna Thora (Hilchot Biah 12:1).

Nicht nur halachisch sind solche Ehen ein Problem; wer sich in der Kabbalah etwas auskennt, der weiß, dass bei unserer Erschaffung eine Seele (Neschama) in zwei Hälften getrennt wurde. Unsere Aufgabe ist es, unsere sogenannte "bessere Hälfte" wiederzufinden und durch die Hochzeit mit Nichtjuden erreichen wir das nicht. Dies gilt gleichermassen für den Fall, wenn der Nichtjude nicht ernsthaft konvertiert. Ganz zu schweigen mit den Identitätsproblemen der Kinder. Ich kenne so einige Fälle, in denen Kinder aus amerik. Ehen, bei denen die Mutter Nichtjüdin war, zum Judentum konvertieren wollten und ausgerechnet die nichtjüdische Mutter aggressiv einschritt. Die wollte ihre Kinder lieber in der Kirche sehen. Zum Glück konvertierten die Kinder aber doch und gingen später auf orthod. Yeshivot.

Immer und immer wieder warnt uns die Thora vor der Assimilierung. Ein ganz wichtiger Rabbiner, der dies auch tat war der Frankfurter Rabbi Samson Raphael Hirsch. Wir dürfen niemals vergessen, dass G - tt die Juden mit einer bestimmten Aufgabe erschaffen hat. Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz (der Seher von Lublin) sagte, dass die Juden ihre Wurzeln in den Namen G - ttes haben.

In dieser Parasha heisst es: 

"Ihr sollt meine Gesetze einhalten … die ich euch HEUTE aufgetragen habe zu tun".

Im Talmud Eruvin 22a heißt es dazu, dass sich das Wort HEUTE auf unsere Welt bezieht. In dieser materiellen Welt sollen wir G - ttes Mitzwot erfüllen und nicht morgen in der Kommenden Welt (Olam HaBah), denn dort ist es zu spät.

Die Assimilationsprobleme in der Diaspora (Galut) sind vielfältig. Leicht vergisst man seinen eigentlichen Ursprung und will sich nur allzu gerne anpassen. Aber nicht nur in der Galut herrscht das Problem, sondern auch hier in Israel. Leider sehen wir die Ergebnisse immer häufiger, wenn junge Leute aus dem Ausland kommen und sich in Yeshivot einschreiben wollen. Dann sind sie halachisch nicht jüdisch und müssen erst konvertieren. Ich erlebte nicht wenige, die sauer auf ihre Eltern waren, weil sie eine "Mischehe" führten.

Ferner trägt uns G - tt auf, Seine Thoragesetze NICHT zu verändern bzw. neue hinzuzufügen. Die Thora ist das Wort G - ttes und bis in alle Ewigkeiten gültig. Nichts daran darf verändert werden, nur weil der Originalinhalt einigen Leuten nicht in den Kram passt. Noch nicht einmal ein einziger Buchstabe darf umgeändert, ausgelassen oder hinzugefügt werden !

Am Schabbat ist es eine Mitzwah, Simcha (Freude) zu haben und alle Art von Trauer und Traurigkeit zu vermeiden. Aber vielleicht wäre es keine schlechte Idee, wenn sich jeder von uns einmal darauf besinnt, warum wir auf dieser Welt sind und was unsere Aufgabe ist. Jeder Mensch wurde mit einer ihm zugedachten Aufgabe auf dieser Welt erschaffen und es liegt an jedem einzelnen von uns, dadurch unseren Tikkun (Seelenreparatur) zu erfüllen, die Welt perfektionieren und so zur Ankunft des Meschiach beitragen. Ich kann nicht den Tikkun meines Nachbarn oder Freundes erfüllen und diese Leute wiederum nicht meinen Tikkun übernehmen.

Schabbat Schalom

Dienstag, August 02, 2011

Darf ein Konvertit zum Judentum eine "Bat Cohen - Tochter eines Cohen" heiraten ?

B”H

Cohanim, dabei handelt es sich um die Nachkommen des Hauses Aharon (Bruder des Moshe) und sie waren es, die von G - tt zum Tempeldienst berufen worden sind. Opferungen ausführen und eben fast alles, was mit den beiden Tempeln zu tun hatte. In der messianischen Zeit, wenn es erneut einen Tempel, den Dritten Tempel, geben wird, kommen die Cohanim erneut zum Einsatz.

Wer genau heute noch ein wahrer Nachkomme Aharons ist, läßt sich nicht immer mit Bestimmtheit sagen. In der Regel besitzen die Cohanim Dokumente. Und das über Generationen hinweg. Ferner besteht die Halacha, dass ein Cohen (Tempelpriester) nur gewisse Frauen heiraten darf. Zum Beispiel darf er keine Frau heiraten, die zum Judentum konvertiert ist, sondern lediglich geborene Jüdinnen.
Wie aber sieht es bei der Tochter eines Cohen aus ? Darf sie einen Konvertiten zum Judentum heiraten ?

Die Antwort lautet JA, aber …

Eine Gemara (rabbinische Diskussion) im Talmud Traktat Pesachim 49 wirft die Frage auf, ob es denn so gut sei, wenn eine Jude, der nicht unbedingt die Thoragesetze einhält, die Tochter eines Cohen heiraten solle. Die Antwort darauf lautet, wie zu erwarten, NEIN. Wenn, dann sollte ein Nicht - Cohen zumindest ein weiser gelehrter Jude sein, der die Tochter eines Cohen ehelichen.

Was ist nun aber mit dem Konvertiten ?

Ich kann nur von der heutigen Zeit sprechen und vor ein paar Jahren heiratete ein Konvertit, den ich damals ab und an bei diversen Schabbatfeiern sah, die Tochter eines Cohen. Er kam aus Polen, sie aus Südafrika. Die Ehe ging nach drei Monaten zu Bruch, aber nicht, weil sie die Tochter eines Cohen war.

Bevor die Hochzeit überhaupt stattfinden konnte, untersuchte das Rabbanut (Oberrabbinat) jede noch so kleine Einzelheit. Wo war der Typ konvertiert ? Führt er ein relig. Leben ? War er tatsächlich in seinem nichtjüdischen Leben niemals verheiratet gewesen und falls ja, gab e seine rechtmässige Scheidung ? Diese Frage wird auch anderweitigen Konvertiten zum Judentum gestellt, die einen geborenen Juden heiraten wollen und hier heisst es, Dokumente aus dem Heimatland vorzulegen. Zum Beispiel eine Bescheinigung vom Standesamt daheim, welche Auskunft über den Personenstatus gibt. Falls notwending, ggf. auch die Scheidungsurkunde.

Der Konvertit wurde auf Herz und Niere geprüft und immer ein wenig mehr als andere, bevor er die Cohentochter heiraten konnte. Von Anfang an aber wollten ihn die Eltern der Braut nicht in der Familie und daran ist letztendlich die Ehe gescheitert.

Montag, Januar 10, 2011

Die jüdische Hochzeit

B"H

Eine recht wilde und auf Youtube nicht ganz kritikfreie Hochzeit eines Brautpaares der Lubawitscher (Chabad) Chassidim, aber dennoch toll anzusehen. 


Montag, Dezember 06, 2010

Samstag, Oktober 16, 2010

Wie ein religiöser Jude seinen Ehepartner (Schidduch) findet

B"H

Ein Chabadnik gab heute im Chabad - Hostel "Ascent" in Zfat einen Schiur (relig. Vortrag) zum Thema "Wie ein religiöser Jude seinen Schidduch (zukünftigen Ehepartner) findet". 

In jüdisch - relig. Kreisen sucht man seinen Ehepartner nicht auf der Strasse oder in der Disco, sondern geht normalerweise zu einem Heiratsvermittler. Der Vermittler sucht dem Suchenden einen Kandidaten und, in der Regel, ruft der Mann die Frau an (fast niemals umgekehrt) und es wird ein Treffen an einem öffentlichen Ort wie Cafe oder Hotellobby vereinbart. Hierbei geht es nicht darum, die grosse Liebe und Romantik zu finden, sondern bei verschiedenen Treffen wird über die jeweiligen Ansichten zur Familienplanung bzw. Lebensziele geredet. Tacheles und passen die Ansichten nicht zusammen, werden neue Kandidaten aufgefahren.

In ganz strengen chassidischen Kreisen geht es noch eingeengter zu, doch die Beschreibung dazu lasse ich momentan etwas beiseite.

Ich persönlich war noch niemals ein Schidduchtyp; jemand der da auszieht und sich mit irgendwelchen Kandidaten trifft und auf "freundlich" macht. Ausserdem glaube ich kaum, dass ein Heiratswilliger anhand weniger Treffen mit einem Kandidaten die wahre Persönlichkeit des Partners ausmachen kann. Was, zum Beispiel, wenn jemand dreckige Unterwäsche hat und das Wort "duschen" ein Fremdwort ist ?

An all diejenigen "Frummies" die da dennoch Interesse haben an dem, was Rabbi Amram Moyal zum Thema sagte, hier eine kleine Zusammenfassung:


1. Jeder sollte den Schidduch - Kandidaten zuerst sehen und erst danach mit ihm telefonieren !

Diese Argumentation kenne ich live von Freunden: 
Wochenlang und manchmal sogar monatelang unterhielten sich zwei Kandidaten amTelefon und dann endlich vereinbarten sie ein Treffen. Sobald sie sich live sahen, kam die grosse Enttäuschung, denn am Telefon hatte man sich anderes vorgestellt.


2. Niemals die Entscheidung, einen Kandidaten zu heiraten, zu schnell fällen !

Der Heiratswillige sollte sich Zeit nehmen und falls beide Parteien zu schnell agieren, darf der Schadchan (Heiratsvermittler) mit kleinen Tricks einschreiten und so tun als ob eine Partei die andere nicht so ganz will bzw. dass bei einer der Parteien nach wie vor Zweifel bestehen. Dies erweckt normalerweise die Neugier des Gegenpart und er beginnt um die Eheentscheidung zu kämpfen.


3. Schau in die Seele des Gegenübers und nicht nur auf die äusserliche Erscheinung !

4. Man achte darauf, dass eine gewisse Einigkeit bezüglich der privaten Interessen besteht bzw. dass die Frau die Rabbiner des Mannes akzeptiert.

5. Sei niemals der Meinung, schlechte Angewohnheiten des Kandidaten nach der Hochzeit ändern zu können!

Donnerstag, Mai 20, 2010

Parashat Nasso


Photo: Mark Rothko

B"H

Die Thoralesung für diesen Schabbat

Parashat Nasso ist ungewöhnlich lang und enthält viele verschiedene Mitzwot (Gesetze). In der Regel wird Nasso entweder am Schabbat vor oder nach Schavuot gelesen.

Zu Beginn der Parasha wird Moshe von G - tt angewiesen, die Gershoniter zu zählen. Levi hatte drei Söhne, Gershon, Kehat und Merari. Die Nachfahren der Drei wurden mit unterschiedlichen Aufgaben bezüglich des Auf - u. Abbau des Mischkans (Tabernakel) betraut. Die Kehaniter trugen die besonders heilige Objekte wie die Menorah oder die Bundeslade (Aron) durch die Wüste. Dagegen trugen die Geshoniter sämtlich Vorhänge aus dem Mischkan, aufgrunddessen man annehmen könnte, dass die Kehaniter wichtiger waren.
Rabbi Moshe Feinstein kommentierte hierzu, dass kein Mensch eine niedrigere Aufgabe oder Bedeutung hat als andere. Manager sind nicht wichtiger als Hausmeister oder Büroangestellte. Jeder hat seine bestimmte Aufgabe im Getriebe, ohne die nichts funktionieren könnte. Genauso ist die hiesige Welt zu betrachten. Wir alle wurden von G - tt individuell mit unseren ganz bestimmten eigenen Aufgaben erschaffen.

Die Thora fährt fort mit der Beschreibung, dass unreine Personen für eine gewisse Zeit außerhalb des israelitischen Camps verweilen müssen. Danach folgt die Beschreibung der ehebrecherischen Ehefrau (Sotah), des Nazir und der Segen der Cohanim (Tempelpriester), um nur einige der vielen Mitzwot zu nennen.

Die Parasha erzählt uns von einer für uns heute recht seltsam klingenden Prozedur. Eine Ehefrau, welche ihren Mann betrogen hat, soll das sogenannte "Mei Sotah - das bittere Wasser" trinken. Der Talmud Traktat Sotah geht sehr ausführlich auf das Thema ein.
Wenn eine Ehemann seine Frau verdächtigt, eine Affäre mit einem anderen Mann zu haben, dann muss er sie zuvor warnen, nicht mehr mit diesem Mann zu sprechen, geschweige denn ihn zu teffen. Die Warnung muß in der Anwesenheit von mindestens zwei Zeugen erfolgen (Talmud Sotah 2a). Ignoriert die Frau die Warnung ihres Mannes und fährt mit ihren eventuellen Vergehen fort, werden Zeugen geladen. Bestätigen die Zeugen, dass Frau Sowieso sich mit jenem Mann trifft, so kann der Ehemann seine Frau nach Jerusalem zum Tempel bringen lassen. Entweder gesteht sie vor dem Sanhedrin (bestehend aus 71 Richtern) ihre Vergehen oder sie streitet alles ab.

Gesteht sie den Ehebruch, so kann sich der Mann scheiden lassen. Streitet sie alles ab, verabreichen ihr die Cohanim (Tempelpriester) das bittere Wasser (Talmud Sotah 7a). Sollte sich die Frau von vornherein ganz weigern nach Jerusalem zu gehen, hat der Ehemann das Recht sich scheiden zu lassen. Allerdings besteht dabei der Nachteil für die Frau, dass sie ggf. niemals ihre Unschuld beweisen kann.

Angenommen die Frau brach die Ehe, streitet jedoch vor den Sanhedrin alles ab und ihr wird das bittere Wasser verabreicht. Wie genau sah die Prozedur aus ?

Die Frau wurde von den Cohanim an eine bestimmte Stelle im Tempel geführt, sie mußte ihre Kopfbedeckung vom Haar nehmen und ihr Kleider wurden zerrissen. Dieses Verfahren allein war schon beschämend für die Frau. Auf einen Zettel wurde zweimal der gleiche Name G - ttes geschrieben (Zohar) und sobald einer der beiden verschwand oder auch nicht, zeigte das u.a. die Schuld bzw. Unschuld der Frau an.

Die Gemara (rabbinische Diskussionen) im Talmud Sotah 26b schliesst allerdings Frauen, welche ein sexuelles Verhältnis mit einem Tier hatten aus. Derlei Frauen brauchen keine Sotah - Prozedur durchlaufen genauso wenig wie jene Frauen, die Sex mit einem Minderjährigen hatten (siehe ebenso den RASCHI Kommentar). In diesen Fällen dürfte eine sofortige Ehescheidung bzw. anderweitige rabbinische Bestrafungen erfolgen. Der Rambam (Maimonides), 1135 - 1204, legt in seiner Mischna Thora / Hilchot Sotah 1:6 fest, dass nach seiner Auffassung das Alter des Minderjährigen unter 9 Jahren sein muss. Ab dem neunten Lebensjahr wäre ein Junge geschlechtsfähig. Der Rambam beruft sich bei seiner Festlegung auf zahlreiche Midraschim.

Bei dem bitteren Wasser handelte es sich um Wasser aus dem Kiyor (Becken im Tempel) vermischt mit etwas Erde vom Boden vor dem Allerheiligsten (Azarah). Die Frau trank es aus einer neuen Tonschale. Wenn die Frau das Wasser trank und es stellte sich keinerlei Wirkung ein und sie blieb am Leben, bedeutete dies ihre Unschuld. Wenn sie schuldig war, blähte sich ihr Magen auf und sie starb einen qualvollen Tod. Das bittere Wasser war die einzige g - ttliche übernatürliche Strafe in dieser Welt. Alle anderen Vergehen wurden halachisch durch die Sanhedrin geahndet und auch bestraft.

In der Midrasch Tanchuma gibt es die berühmte Story von der ehebrecherischen Frau, welche versuchte, die Sanhedrin zu betrügen. Sie schickte einfach ihre Zwillingsschwester um das bittere Wasser zu trinken. Wie erwartet, starb diese nicht, denn sie war unschuldig. Als die Zwillingsschwester mit der guten Nachricht zu ihrer ehebrecherischen Schwester heimkam, küßte sie die Schwester vor Freude. Das bittere Wasser, was noch auf ihren Lippen war, tötete jedoch die schuldige Schwester.

Warum gibt uns G - tt in seiner Thora solch ein Gesetz und was bedeuten unsere Vergehen für uns und Ihn ?

Im Falle des Ehebruchs sieht das kabbalistische Buch "Shushan Sodot" einen Bruch zwischen G - ttes Willen und dem menschlichen Handeln. G - tt hat ein bestimmtes Ehepaar zusammengeführt, welches eine Einheit bildet, und ein Ehepartner zerstört diese Einheit. Mit unseren halachischen Vergehen beschädigen wir nicht nur unsere Neschama (Seele), sondern genauso die "oberen spirituellen Welten". Jedes einzelne Vergehen entfernt uns immer mehr von G - tt. Im Talmud Sotah 3a lesen wir, dass kein Mensch sündigt bis ihn ein "Ruach Schtut (dummer Gedanke)" überkommt. Manches wollen wir eigentlich gar nicht tun, da wir genau wissen, dass es falsch ist, doch irgendwie überfällt uns ein Gedanke, dass alles nicht so schlimm wäre und wir es eh nie wieder tun.

Im Judentum heißt es, das ein Vergehen gleich das andere nach sich zieht (Averah goreret Averah). Sobald wir einmal beginnen, hören wir nicht mehr auf und denken, dass es ja eigentlich erlaubt sei (Talmud Sotah 22a). Hat man sich erst einmal an ein Vergehen gewöhnt, so wird alles als erlaubt angesehen und es kommt kaum noch zu einer Teschuvah (Umkehr), so die Talmudkommentatoren Rashi und RIF. Das Schlimme dabei ist, dass sich Außenstehende auch noch dazu verleiten kann, etwas zu tun, was sie gar nicht wollen.

Der Ishbitzer Rebbe sagt, dass wir nicht zulassen sollen, dass fremde Gedanken unser Leben beherrschen. Wie der Nazir schwört, sich von diversen Unreinheiten und vom Alkohol fernzuhalten, so sollten wir nicht allen Verführungen des Lebens erliegen und uns in niedrige spirituelle Level katapultieren.

Rabbi Samson Raphael Hirsch sieht im Ehebruch der Sotah ein Verlassen des moralischen Weges eines Menschen. Niemand sündigt, wenn er nicht gerade in dem Moment, wenn auch nur zeitweilig, das wahre Konzept des Lebens verliert.

Jedoch stelle ich mir diesbezüglich die Frage, ob nicht ein gewisses Verständnis für einen Ehebruch aufkommen kann, wenn die Ehe eh nicht mehr läuft und ernsthaft von Scheidung geredet wird. Die Halacha sieht in dem Falle erst eine Scheidung vor bevor es überhaupt zum Sex mit einem anderen Partner kommen kann. Und dies wiederum, lt. Judentum, erst nach einer erneuten Heirat, denn außerehelicher Sex ist untersagt.

Anmerkung: Im Judentum ist es, im Gegensatz zum Christentum, nach einer Scheidung durchaus erlaubt, wiederzuheiraten. Wollen dieselben Parteien nach ihrer Scheidung nochmals heiraten, dann kann diese erneute Hochzeit nur dann stattfinden, wenn die Frauen zwischenzeitlich mit keinem anderen Mann verheiratet war (nach der Scheidung). Ansonsten darf jede der geschiedenen Partei ein zweites Mal heiraten.

Der Ramban (Nachmanides), 1194 - 1270, stellt in seinem Thorakommentar die Frage, warum uns die Thora erst von der ehebrecherischen Frau (Sotah) berichtet und danach vom Nazir (Jemand, der auf bestimmte Zeit dem Wein abschwört, keinen Leichnam berühren darf, sich nicht die Haare schneidet und auch sonst noch einige Regelungen auf sich nimmt, um sich zu perfektionieren und G - tt näherzukommen). Übrigens ist ebenso eine Frau in der Lage, den Schwur eines Nazirs auf sich zu nehmen !

Wer eine ehebrecherische Frau in ihrer Pose sieht, halte sich von ihr fern und trinke keinen Wein, denn Prostitution und Wein können einer Person das Herz stehlen und somit geht man derjenigen Frau auf den Leim.

Natürlich heißt es im Judentum immer wieder, dass jeder Mensch die Möglichkeit zur Teschuva (Umkehr) nutzen kann. Manchmal muß man sehr tief fallen, um danach viel höher aufzusteigen (so die Chassidut). Doch ein ganz tiefer Fall verursacht häufig so tiefe Depressionen, dass derjenige sich für unwürdig zur Teschuva fühlt und erst recht abstürzt. Dies ist die schlimmste Depression, welche einem wiederfahren kann und trotz allen Chaos sollten wir jeden neuen Tag mit neuem Optimismus begegnen. Zumindest sollten wir versuchen, dies zu tun.

Schabbat Schalom

Dienstag, März 09, 2010

Wer ißt wie ?

B"H

In jüdisch - relig. Kreisen ist es ja bekanntlich allgemein üblich, seinen Ehepartner auf einer "Schidduchbasis" kennen zulernen. In der Praxis sucht man sich einen "Ehevermittler (Schadchan bzw. Schadchanit)" oder fragt halt im Freundes - Bekanntenkreis herum, ob die jemanden kennen, der momentan jemanden zum Heiraten sucht. Jede relig. - orthodox. Ausrichtung hat ihre eigenen Regeln und Gewohnheiten, auf die ich hier nicht eingehe. Alle aber fast etwas gemeinsam: Sich vorher einige Male an öffentlichen Orten wie Park, Hotellobby, Restaurant oder Cafe zu treffen. Man redet miteinander und schaut so allmählich, ob der oder die in Frage käme, wenn sie denn ungefähr dasselbe Lebensziel haben bzw. die Sympathie sowie Interessen da sind. Nach jedem Treffen macht man entweder einen neuen "Termin" aus oder wenn nichts dergleichen stattfindet, dann hat sich die Angelegenheit erledigt und es wird halt weitergesucht.

Nur nebenbei bemerkt: In strengen chassidischen Ausrichtungen wird sich bei den Eltern daheim im Wohnzimmer getroffen und nicht im Cafe ! 

Zahlreiche Blogs mit einschlägigen Erfahrungen finden viel Anklang im Internet und jeder versucht jedem Ratschläge zu geben. Die Schidduchwelt ist fast ihre eigene Welt und die Leute können ein Erfahrungslied singen. Nicht, dass ich das Verfahren befürworte geschweige denn praktiziere, doch wer damit zurecht kommt, soll es halt tun. 

Neulich berichtete mir eine haredische junge Frau, die auf der Suche ist, davon, wie sie sich bei den Treffen ihre Partner anschaut:

- Erstens solle derjenige nicht geizig sein und schon den Kaffee zahlen. Nicht das er knausert oder mies dreinschaut, wenn es zum Finanziellen kommt.

- Zweitens achte sie darauf, wie jemand esse und trinke. Schmatzt oder schlürft jemand
auffällig ? Ißt er normal oder frisst er alles nur so hin sich hinein ?

Diese Punkte seien ihr neben der Sauberkeit extrem wichtig und ich habe vollstes Verständnis dafür. Schon allein von der Art zu essen kann viel über einen Menschen aussagen.

Vor Jahren kam meine Cousine einmal mit einem neuen Freund heim und meine Tante riet ihr hinterher von den Typen ab. Der fresse und schmatze ja wie sonstetwas. Sowas brauche die Family zu allerletzt.

Montag, Januar 18, 2010

SRUGIM - סרוגים



B"H

Innerhalb der letzten ca. sechs Monate sorgte die TV - Serie "SRUGIM" in Israel für Furore. Der Serienhalt befasst sich mit der sehr modernen orthodoxen Szene in den Jerusalemer Stadtteilen Katamon sowie der German Colony. Die Hauptstraße der zwei aneinandergrenzenden Stadtteile, Emek Refa'im Street, wird häufig gezeigt.





Die zwei nachfolgenden Videos geben einen kleinen Einblick in die "Szene". Junge nationalreligiöse Israelis suchen einen Schidduch (Ehepartner). Im Gegensatz zur haredischen (ultra - orthodoxen) Gesellschaft nehmen es die Charaktäre in "SRUGIM" weniger mit dem Anstand und der Halacha. Ein ziemlich verwirrender außerirdischer Zustand für jemanden, der sich ernsthaft der Religion zuwendet und nicht so dermassen nachlässig dahingleitet.

Der witzigste Part im ersten Video ist die Szene, in der sich mehrere Schidduchpartner einfinden, sich dem Gegenüber kurz vorstellen und dann aufrücken. Einer behauptet dabei, er komme aus Petach Tikwah und der Lubawitscher Rebbe sei der Meschiach. Sein weibliches Gegenüber verlangt bezüglich der Meschiachangelegenheit Beweise.

Die Videos sind in hebräischer Sprache sowie mit hebräischen Untertiteln versehen !





Zum zweiten Video:

Der Freund einer der Mitbewohnerinnen nächtigte in der weiblichen WG. Dies verursacht am Morgen einen Disput, denn die Mitbewohnerinnen hatten vereinbart, keine Männer in der WG unterzubringen. Ebenso war es der Mitbewohnerin peinlich, dass sie nur halb angezogen herumlief und plötzlich ein fremder Typ vor ihr stand.

Derlei WGs gibt es tatsächlich und ich selber habe vor einigen Jahren genauso gelebt. In relig. WGs ist dies Gang und Gebe. Übrigens anders herum ebenso, denn in männlichen WGs sind keine Frauen zugelassen.

Im Video steht der Freund morgens auf und verlangt nach Tefillin (Gebetsriemen). Das Kuriose hierbei ist, dass er gerade alle relig. Verhaltensregeln brach, aber gleichzeitig nach Tefillin verlangt. Seine Bekannte fragt bei der Nachbarin, die kurz darauf Tefillin vorbeibringt. Der Freund jedoch beschimpft daraufhin die Nachbarin als Reformlesbe.
Eine Parodie auf das ach so freie ungezwungene Verhalten der hypermodernen "Orthodoxen". Einerseits wollen sie als relig. betrachtet werden, andererseits aber brechen sie die Regeln wie es ihnen passt.


Sonntag, Dezember 20, 2009

Hochzeit im Judentum, Teil 1

B"H

Gemäss dem jüdischen Gesetz Halacha kann der Besitz eines Objektes nur durch einen Kaufvertrag / Urkunde übertragen werden und somit der neue Eigentümer anerkannt werden. Ein legaler Akt, bei dem der Besitz seinen Eigentümer wechselt. Dieser Akt wird KINYAN genannt.
Die Thora erläutert uns mehrere Fälle von KINYANIM (Plural von Kinyan), bei denen unterschiedliche Eigentumswechsel zur Sprache kommen bzw. definiert werden. Zum Beispiel ersteht jemand neuen Grundbesitz, indem er dem vorherigen Eigentümer einen Kaufpreis bezahlt. Bei sich Tieren oder Gegenständen sieht es da wieder ganz anders aus.

KINYAN erfordert nicht nur ein gegenseitiges Abkommen zweier Parteien, sondern ebenso eine Verpflichtung, diese Transaktion gemeinsam zu durchlaufen. Darüber hinaus lehrt uns die Thora über krurzfristige Leasing Kinyanim. Jemand, der sich Geld leiht, verpflichtet sich durch einen Kinyan, die geliehene Summe zurückzuzahlen. Und, wer hätte es gedacht ? Kinyanim gelten genauso für die Ehe. Bei einer Ehe jedoch handelt es sich nicht um den gleichen Kinyan wie bei einer Eigentumserwerbung. Die Frau wird durch den Kinyan insoweit eingeschränkt, dass sie weder mit einem anderen Mann sexuelle Beziehungen haben noch einen anderen Mann heiraten kann. Der Ehemann gilt als Initiator des Kinyan und die Frau akzeptiert.

Die Thora nennt uns zwei Level einer Hochzeit: Erusin oder auch Kidduschin genannt und Nisuin. Im Kidduschin - Status sind beide lt. Halacha verheiratet, aber erst im Nisuin - Status dürfen sie sexuelle Beziehungen haben. Nisuin erfolgt dann, sobald die Braut unter den Hochzeitsbaldachin (Chupah) tritt. Die Chupah bildet somit eine Vervollkommnung der jüdischen Hochzeit.

Der Talmud Traktat Ketubot 57a lehrt uns, dass zu früherer Zeit der Kidduschin (Erusin) zustand 1 Jahr dauerte. Die Braut blieb bis zur endgültigen Hochzeit (Nisuin) im Haus der Eltern; heute hingegen werden beide Level gleichzeitig miteinander verbunden.

Die Mischna (mündliche Gesetzesüberlieferung G - ttes am Berg Sinai) im Talmud Traktat Kidduschin 2a lehrt, dass ein Mann eine Frau auf dreierlei Arten "erwirbt" (hier "erwerben", um anzuzeigen, dass einer Frau auch Geld übergeben werden kann):
1. Anhand von Geld - Mann gibt einer Frau Geld oder einen wertvollen Gegenstand - sie akzeptiert. Der Mann muss hierbei seine Heiratsabsicht deutlich klarmachen.
2. Anhand eines Dokumentes, welches der Mann in Anwesenheit von zwei Zeugen der Frau übergibt und diese somit verlobt sind. Dieses Dokument ist jedoch nicht zu verwechseln mit der eigentlichen Ketubah (dem Ehevertrag).
3. Mann und Frau haben sexuelle Beziehungen, wobei der Mann der Frau vorher deutlich vermittelt, dass dieser Akt eine Hochzeit mit sich zieht. Auch hierfür muss es Zeugen geben. Ähm, nicht für den sexuellen Akt, sondern die Zeugen sehen lediglich wie Mann und Frau sich in ein Zimmer zurückziehen.

Die Freiheit zurückerlangen tut die Frau unter anderem, wenn der Gatte stirbt.

Eine Ehe findet nur dann statt, wenn die Frau zustimmt (Kidduschin 2b). Gegen ihren Willen verheiratet werden darf sie nicht !

Mittwoch, Dezember 16, 2009

Auszüge aus der "Mischna Thora" zum Thema "Frauen"

B"H

Der Rambam (Maimonides), 1135 - 1204, verfasste im frühen Mittelalter die "Mischna Thora" (seine Interpretationen zu Halachot) und dabei liess er auch die Frauen nicht aus (siehe "Hilchot Nashim").
Hier einige wenige Auszüge dazu !

Die Thora verpflichtet die Juden, eine Trauung in Gegenwart von Zeugen durchzuführen. Ohne Zeugen, falls ein Paar vorhat, sich allein den Ring zu verabreichen, gibt es keine halachische Trauung.

Der Eheprozess wird durch drei Dinge eingeleitet: 1. Geld, 2. Ehevertrag (Ketubah) sowie 3. Intime Beziehungen. Punkt 2 und 3 haben einen biblischen Ursprung, Punkt 1 dagegen wurde von den Rabbinern festgelegt.

Er ist der Mann, der die Frau "ersteht"; dadurch, dass er ihr bei der Trauung vor Zeugen einen Gegenstand überreicht. Weiterhin muss der Mann der Frau eine Ketubah aushändigen, welche, u.a., die Geldsummer enthält, welche der Mann der Frau im Scheidungsfall zu zahlen verpflichtet ist. Sollte es sich bei der Summe in einem Scheidungsfall nach 20 oder 30 Jahren um einen geringeren Betrag halten als dies zum Zeitpunkt der Scheidung üblich ist, gliedert ein Beit Din (rabbinisches Gericht) die Summe der aktuellen Zeit an. Beispiel: Vor 10 Jahren bekam die Frau vielleicht nur 50.000 Schekel (ca. 10,000 Euro) in der Ketubah zugesprochen. Heutzutage handelt es sich meist um Beträge um ca. 100,000 Schekel (ca. 20,000 Euro).
Ohne eine Ketubah (Ehevertrag), ist die Ehe ungültig. Die Ketubah wird öffentlich unter dem Hochzeitsbaldachin (Chupah) in aramäischer Sprache verlesen. Ebenso gibt es bei jeder Trauung einen versteckten (manchmal weniger versteckten) Hinweis darauf, ob es sich bei der Braut um eine Jungfrau handelt oder nicht.

Ehelichen eine Jude oder eine Jüdin einen einen nichtjüdischen Partner, so wird diese Ehe nicht anerkannt. Es ist so als habe sie gar nicht stattgefunden und somit wird der Tatbestand bedeutungslos, da er nicht zählt.

Eine Frau kann für eine Ehe ungeeignet sein; die Punkte hierfür ergeben sich aus jener Liste, welche der Rambam in der Mischna Thora, Hilchot Bi'at HaMikdash 6 - 8, auflistet. Die Liste beschreibt ebenso die Schönheitsfehler eines Cohen (Tempelpriesters), dem es dann laut Leviticus (Vayikra) 21 verboten ist, im Tempel zu dienen.
1. Strenger Körpergeruch, 2. exessives Schwitzen, 3. Mundgeruch, 4. eine tiefe Stimme, 5. eine abnorme Brustgröße oder 6. ein Muttermal auf ihrer Stirn.

Ehelicht der Mann eine Jungfrau, so kann er sieben Tage lang feiern. Heiratet er hingegen eine Frau, die keine Jungfrau mehr ist, so muss nicht unbedigt die "Scheva Berachot - Sieben Tage lange Zeremonie" abgehalten werden. Drei Tage reichen aus, unabhängig davon, ob der Mann zuvor schon einmal verheiratet gewesen ist oder nicht.

Der Mann hat die Pflicht, die Frau mit Nahrung und Kleidung zu versorgen; genauso wie lt. Thora, intime Beziehungen zu einer Ehe gehören. Die Rabbiner erliessen zu den Mannespflichten folgende Zusätze: 1. Eine Ketubah muss her, sonst ist die Ehe nicht gültig und das Paar darf nicht zusammenleben. 2. Der Mann muss der Frau eine medizinische Versorgung (z.B. Krankenkasse) bieten. 3. Sollte sie gekidnappt werden, muss er für das Lösegeld aufkommen. 4. Er muss sie im Todesfalle beerdigen. 5. Im Falle seines Todes darf sie in seinem Haus weiter wohnen. 6. Im Falle seines Todes müssen seine Töchter bis zu ihrer eigenen Hochzeit finanziell versorgt sein. 7. Den Söhnen steht eine Erbschaft zu.

Was muss die Frau beisteuern ?

1. Der Mann hat ein Anrecht auf Teile (oder den gesamten) des Verdienstes der Frau. 2. Findet sie einen besitzerlosen Gegenstand, so hat er ein Anrecht darauf. 3. Der Mann hat das Recht, Zeit ihres Lebens über die Besitztümer seiner Frau zu verfügen. 4. Eine Anrecht auf das Erbe der Frau im Todesfall.

Soweit ich es bisher persönlich miterlebte, legt das Beit Din im Falle einer Ehescheidung die Besitz - sowie Erbansprüche individuell fest. Beim Rambam oder überhaupt in der Halacha mag sich dies alles total veraltert und frauenfeindlich anhören, in der Praxis jedoch wird nach den gegebenen Gesichtspunkten des "Falles" entschieden.

Die Halachot um Hochzeit oder Ehe sind ziemlich kompliziert. Allein schon aus dem Talmud heraus, doch hinzukommen tun auch noch einzelne rabbinische Entscheidungen und Festlegungen. Sicher kommt es bei zahlreichen Situationen immer wieder auf den Individualfall an und die Halacha dient als Rahmengesetzgebung.

Samstag, November 21, 2009

Eheimport aus Zypern

B"H

In Israel werden grundsätzlich keine Ehen zwischen Juden und Nichtjuden geschlossen und wenn ein "Paar" eine solche Ehe eingehen will, dann muss es zwangsläufig zur Hochzeit ins Ausland. Früher ging man formal auf die Botschaft von Paraguay in Tel Aviv und liess sich dort eine Urkunde ausstellen, doch dem Treiben schob Israel längst einen Riegel vor.


Die Thora verbietet Juden, Ehen mit Nichtjuden einzugehen !
Die Thora und nicht der Staat Israel und gewiss nicht orthodoxe Juden.
Orthodoxe Juden sind überhaupt einigen Israelis ein Dorn im Auge. Mehr aber der ausländischen (auch der deutschen) Presse, denn wir Orthodoxen sind einfach nur nervige Störenfriede. Bekloppt, konservativ, weltfremd - Steinzeit pur.
Diese Aussage kommt zustande, weil die Mehrheit nichts vom orthodoxen Judentum versteht und sich noch nicht einmal anstrengt, etwas zu erfahren. Ein paar negative TV - Berichte reichen und fertig ist die Meinung. Recherche braucht nicht zu sein, denn in Deutschland weiß ja der Medienkonsument eh nix vom Judentum und da kommt es auf den Wahrheitsgehalt nicht weiter an ! Genau so vernahm ich es von einigen Medienleuten, die bei mir Infos suchten.

Wieder einmal berichtet das säkulere Ynet von den Intermarriages (Mischeehen) zwischen jüdischen Israelis und Nichtjuden und wieder einmal nenne ich den Grund, warum Juden und Nichtjuden nicht miteinander heiraten sollen:

Beide Parteien haben unterschiedliche Aufgaben in dieser Welt. Und beide Parteien erhielten von G - tt unterschiedliche Seelen. Diese Seelen miteinander zu verbinden ist unmöglich, selbst wenn eine Ehe oberflächlich glücklich erscheint.

Was mir bei solchen Mischehen in Israel immer wieder neu auffällt ist, dass der jüdische Partner sich stets zu entschuldigen versucht. Nicht unbedingt vor seinem nichtjüdischen Partner. Trifft er auf Juden und die fragen ihn nach seiner Gattin / Gatten, dann kommt oft eine zögende Antwort verbunden mit dem "Ja, aber …". So als wolle sich derjenige mehr vor sich selbst rechtfertigen als vor den Mitmenschen.

Und wie kann man zu einer Ehe gratulieren, wenn die Kinder keine Juden mehr sein werden ? Die Generation geht somit den Bach hinunter !

Viele beschimpfen die Orthodoxen, andere den Staat. Was aber ist mit den Betroffenen, die da nur ihren Gefühlen und nicht dem Verstand folgen ? Und dann deren Rechtfertigungen …
Wieso beschuldigt niemand G - tt, der dieses Gesetz erliess ? Und G - tt tat dies ganz sicher aus einem festen Grund heraus !



Link:

Donnerstag, November 19, 2009

Parashat Toldot - פרשת תולדות


Photo: Gil Gilad


B"H


Die Thoralesung für diesen Schabbat


In der letzten Parashat Chaye Sarah verstarben erst Sarah und später auch noch ihr Gatte Avraham. Wir wir wissen, hinterließ Avraham mehrere Kinder. Zuerst zeugte er mit Sarahs Sklavin Hagar den Ishmael, danach bekamen er uns Sarah den gemeinsamen Sohn Yitzchak und nach Sarahs Tod heiratete Avraham abermals. Keturah hieß seine neue Frau, von der die Midrasch sagt, dass es sich bei ihr um Hagar handelte. Mit der Letzteren bekam Avraham weitere Kinder, welche er später gen Osten fortschickte. Heutzutage wird allgemein angenommen, dass aus dem Grunde viele fernöstliche Völker einige ursprünglich jüdische Ideen beibehalten haben.


Am Ende von Chaye Sarah werden die Nachkommen Ishmaels aufgelistet und es wird ganz deutlich hervorgehoben, dass die Mutter Ishmaels Hagar ist. Das Ende der vorherigen Parasha sowie der Beginn der dieswöchigen sind fast identisch. Beide Male erfolgt eine Auflistung der Generationen. Zuerst die von Avraham und danach die seines Sohnes Yitzchak. Beim genauer Betrachtung jedoch fällt ein ganz gravierender Unterschied auf, der nur in der hebräischen Originalsprache ersichtlich ist. Während in der vorherigen Thoralesung die Nachfahren Ishmaels aufgelistet sind, wird das Wort "Generationen - Toldot" ohne den dazugehörigen Buchstaben VAV ו geschrieben. In der aktuellen Parashat Toldot dagegen, ist das VAV vorhanden. Thorakommentatoren interpretieren diese Tatsache so, daß bei der Auflistung Ishmaels etwas imperfekt war; es fehlte die Perfektion. Wogegen bei Yitzchak mit dem vorhandenen Buchstaben eine Perfektion eingetreten war.


Die kabbalistische Midrasch "Sefer Seder HaDorot" ist bekannt für ihre Liebe zum Detail und so erfahren wir, dass Lot, der Neffe Avrahams, im Alter von 142 Jahren verstarb. Yitzchak war zu dem Zeitpunkt 39 Jahre alt.


Der Beginn von Parashat Toldot mag etwas seltsam klingen. "Und dies sind die Generationen von Yitzchak, dem Sohn Avrahams, Avraham gebar Yitzchak".
Wieso wird an der Stelle zweimal das Gleiche gesagt ? Es reicht vollkommen zu erwähnen, dass Yitzchak der Sohn des Avraham war.
Nach der Geburt von Yitzchak gab es seitens der Umwelt ziemlich viel Getuschel darüber, ob Avraham wirklich der leibliche Vater sein kann. Jahrelang hatten er und Sarah keine Kinder und dann kam plötzlich Avimelech daher. Ob Sarah da wohl nicht eine Affäre hatte und nicht eher Avimelech auch der Vater des Yitzchak ist ? G - tt aber entwickelte einen Plan, um allen klarzumachen, daß Avraham der genetische Vater ist, indem Yitzchak seinem Vater aufs Haar glich. Dies ging sogar soweit, dass wenn Vater und Sohn nebeneinander standen, die Mitmenschen nicht wußten, wer wer von beiden ist und sie ständig verwechselten (siehe u.a. den Ramban - Nachmanides).


Gab es da nicht den Altersunterschied, aus dem schon allein hervorging, wer Vater und wer Sohn ist ?


Hierzu klärt uns die Gemara im Talmud Traktat Bava Metziah 87a auf, die da lehrt, dass es bis zur Zeit Avrahams keine äußerlichen Zeichen der Alterung gab. Viele würden sich den Zustand heute wieder zurückwünschen, anstatt viel Geld für nutzlose Cremes gegen Hautalterung zum Fenster hinauszuwerfen. Avraham und seinem Sohn gingen die ewigen Verwechselungen jedoch so auf die Nerven, dass Avraham G - tt bat, etwas zu unternehmen. Und so wurde äußerlich gealtert.


Sarah durchlebte ein trauriges Schicksal, indem sie lange Jahre auf ein Kind warten musste. Der Frau Yitzchaks, Rebekka (Rivka) wiederfuhr das gleiche Schicksal. Auch sie war vorerst unfruchtbar, aber im Gegensatz zu seinem Vater heiratete Yitzchak keine weitere Frau. Als er sie heiratete, war er 40 Jahre alt und ganze 20 Jahre wartete das Paar auf ein Kind. In der Mishna (mündl. Gesetzesüberlieferung von G - tt an Moshe am Berg Sinai) im Talmud Traktat Yevamot 64a heißt es jedoch, dass bei einem Ehepaar, welches zehn Jahre verheiratet ist, und sich keine Schwangerschaft einstellt, der Mann sich von der Frau scheiden lassen muß. Ein Mann nämlich hat die Pflicht, sich fortzupflanzen und muß mindestens eine Tochter und einen Sohn zeugen. Bei den Haredim (Ultra - Orthod.) gibt es ab und an Meinungen, dass der Mann zwei Töchter und zwei Söhne zeugen muß). Bei einer Kinderlosigkeit ist der Mann also außerstande, seine biblische Pflicht zu erfüllen. Die Mischna schreibt vor, dass sich der Mann entweder scheiden lassen oder eine zweite Frau heiraten muß.


Folgendes ist zu der Mischna hinzuzufügen:


Zuerst einmal wird offiziell nicht angenommen, dass die Frau unfruchtbar ist, sondern eher, dass sie sehr wohl in der Lage ist, Kinder zu gebären. Aus irgendwelchen Gründen habe dies jedoch nicht stattfinden sollen und so kann es theoretisch sein, dass sie in einer weiteren zweiten Ehe mehr Glück hat (Raschi). Sollte dagegen bekannt sein, dass der Ehegatte steril ist, dann muß er sich nicht scheiden lassen. Ist wiederum die Frau steril und ihr Zustand ist allgemein bekannt, dann ist der Ehemann gezwungen, sich unverzüglich scheiden zu lassen. Selbst noch vor Ablauf der zehn Jahre. In dem Falle dürfte die Frau unter gar einen Umständen eine zweite Ehe mit einem Mann eingehen, der seine biblische Pflicht noch nicht erfüllte.


Sollte das Ehepaar, aus welchen Gründen auch immer, eine Trennung verweigern, dann kann ein Beit Din (rabbinisches Gericht) eine Scheidung herbeizwingen (siehe hierzu auch den Traktat Ketubot 77a). In der Realität sieht es aber so aus, dass dieses Verfahren seit Jahrzehnten nicht mehr angewandt wird. Ganz einfach aus dem Grund, weil die Rabbiner Streitereien in den Gemeinden befürchten.


Warum aber wartete Yitzchak ganze 20 Jahre ab und nicht die vorgeschriebenen 10 ?


Ebenso heißt es in Yevamot 64a, dass Yitzchak unfruchtbar war und er davon wußte. Den gesamten Zeitraum über gaben beide nicht die Hoffnung auf ein eigenes Kind auf und beteten zu G - tt. Schließlich wurde ihr Wunsch erhört und Yaakov und Esav (Esau) kamen auf die Welt. Die Thora will an dieser Stelle gleichzeitig uns sagen, dass wir niemals die Hoffnung aufgeben sollen. Es gibt sogar eine talmudische Verpflichtung selbst in den letzten Sekunden vor dem Tod nicht aufzugeben und die Hoffnung zu bewahren. Niemals sollten wir selbst in den auswegslosigsten Situationen aufgeben und genau das lernen wir von unseren Vorvätern.


Zum leidlichen Thema des Verhältnisses zwischen Yaakov und seinem Bruder Esav (Esau) schrieb Rabbi Samson Raphael Hirsch einen geradezu revolutionären Kommentar. Rabbi Hirsch ist der Meinung, daß die Eltern, in dem Falle Rivka und Yitzchak, rechtzeitig die unterschiedlichen Charaktäre ihrer Kinder erkannt haben müßten. Esav war eher der "Wilde", der viel Auslauf brauchte und Yaakov dagegen bevorzugte das Lernen.
Rabbi Hirsch sagt, dass jedes der Kinder gemäß seiner individuellen Natur hätte erzogen werden müssen. Einen Esav steckt man nicht in eine Schule, wo er den ganzen Tag über stillsitzen muß, sondern sucht andere Perspektiven. Vielleicht hätte sich demnach Esav in einen besseren Menschen verwandelt als brutal zu rebellieren. Des Weiteren hatte beide Elternteile ihre persönlichen Vorlieben für jedes der Kinder.


Rabbi Hirsch klagt weder Rivka noch Yitzchak einer falschen Erziehung an, doch zeigt er allgemein auf, wie man eventuell einen negativen Verlauf hätte verhindern können. Andererseits kann natürlich das Argument gebracht werden, dass G - tt anscheinend alles so geplant hatte und Esav der Großvater eine Amalek hatte werden müssen, um das jüdische Volk erst in die Diaspora zu treiben, nur um später die eigentliche Ge'ulah, sprich das messianische Zeitalter, und den eigentlichen Zweck der Welterschaffung herbeizuführen.


Schabbat Schalom und einen guten neuen Monat Kislev - שבת שלום וחודש טוב

Sonntag, November 08, 2009

Nach dem Giur: Hochzeit unmöglich ?

B"H

Immer wieder höre ich Stories von Paaren, bei denen der eine Teil zum Judentum konvertierte und denen die Hochzeitserlaubnis verweigert wird.

Nicht immer bedeutet ein israelischer Giur (Konversion zum Judentum) auch alle gleichwertigen Rechte, die geborene (selbst säkulere) Juden empfangen. Will ein geborener Jude einen Konvertiten heiraten, gibt es nicht selten Probleme seitens des Oberrabbinates (Rabbanut).

Wer heiraten will, benötigt eine schriftliche Erlaubnis vom Rabbanut und das Amt dafür befindet sich für Jerusalem in der Chavazelet Street, gegenüber vom Zion Square in der Innenstadt. Fand der Giur bei einem fragwürdigen Rabbiner (R. Druckman oder der Yeshiva Nachalat Zvi) statt, so entstehen in der Regel Probleme.
Heiraten zwei Konvertiten, geht normalerweise alles glatt über die Bühne - zumindest wenn das Giurzertifikat stimmt. Kein R. Druckman oder so.

Zum Chaos kommt es immer dann, wenn ein Konvertit einen geborenen Juden in Israel heiraten will. Dann nämlich muss der Konvertit aus seinem etwaigen Heimatland folgendes vorlegen:

  1.  Geburtsurkunde
  2.  Eventuelle Scheidungsurkunde
  3.  Bestätigung des Einwohnermeldeamtes im Heimatland, dass der Antragsteller nicht  anderweitig verheiratet ist.
  4.  Selbige Bestaetigung von der einstigen jüd. Gemeinde sowie Empfehlungsschreiben der Gemeinde / des Rabbiners.
  5. Konversionszertifikat (Te'udat Giur)

Darüber hinaus sollte der Partner des Konvertiten relig. sein oder zumindest diverse Miztwot einhalten. Es wird nachgeprüft und ist der zukünftige Partner als "säkuler" bekannt, wird die Hochzeit in vielen Fällen verweigert und das war's dann auch schon.

Ynet nennt hier nur ein kleines Beispiel, wobei Konversionen, die in der Armee stattfanden, in der Regel nicht akzeptiert werden.

http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3801184,00.html