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Samstag, Februar 04, 2012

Bar Mitzwah in Karlin - Stolin

B"H 

Der Rebbe der chassidischen Gruppe Karlin – Stolin feiert am Montag abend die Bar Mitzwah seines Sohnes im Jerusalem Kongress Zentrum “Binyane’i HaUma”.

Link:

Donnerstag, Februar 02, 2012

Bilder aus dem haredischen Teil der Stadt Bnei Brak

B”H 

Hier ein paar Photos vom haredischen (ultra – orthodoxen) Teil der Stadt Bnei Brak bei Tel Aviv:








"Genug mit der haredischen (ultra - orthodoxen) Nichteinhaltung des Anstands !" Das Graffiti gibt es schon seit ein paar Jahren und es weist auf jene haredischen Frauen hin, die angeblich zu kurze Röcke tragen und sich auch sonst in zu bunten auffälligen Farben kleiden. 

Wir sehen hier, dass es innerhalb der haredischen Gesellschaft auch genügend Zoff gibt.



Chabad in Rashi Street 



Kiryat Vishnitz (Stadtteil der chassidischen Gruppe Vishnitz)




 Copyright / Photos: Miriam Woelke

Sonntag, Juni 19, 2011

Ka Echsof - Chassidut Karlin

B”H

Der Text des Liedes stammt von Rebbe Aharon dem Großen, dem Gründer der aus Litauen stammenden chassidischen Gruppe Karlin. Heute ist Karlin in zwei Richtungen aufgeteilt und sich untereinander nicht unbedingt freundlich gesinnt: Die größere Gruppe KARLIN – STOLIN sowie die kleines Ausrichtung der KARLIN – PINSK.

Montag, Mai 17, 2010

Schavuot im ultra - orthodoxen Mea Shearim

B"H

Ursprünglich hatte ich für die morgige Schavuot - Nacht geplant zu mindestens zwei relig. Vorträgen zu gehen, doch damit wird es allem Anschein nach nichts werden. Ein Bekannter von mir, ein Rabbiner der chassidischen Gruppe Karlin - Stolin, hat mich zusammen mit einem Freund zum Essen eingeladen und danach ziehen wir gemeinsam zum Tisch des Karliner Rebben in Mea Shearim.

Die Chassidut Karlin, welche sich heute in Stolin und Pinsk aufteilt, mag in Europa weniger bekannt sein. Dabei handelt es sich eigentlich um die älteste chassidische Gruppe überhaupt. Gegründet von Rebbe Aharon dem Großen in Litauen. Karlin (ein Vorort von Pinsk) wurde noch vor Chabad gegründet und ist heute überwiegend in Brooklyn, Bnei Brak und Jerusalem ansässig. Der Rebbe ist in New York geboren, lebt jedoch mit seiner zweiten Frau (er ist der einzige geschiedene Rebbe) außerhalb Jerusalems, in Givat Ze'ev. Dort baute er im Laufe der Zeit einen eigenen Karliner Stadtteil auf. Leider kommt er nur zu bestimmten Tagen nach Jerusalem in seine große Synagoge im Stadtteil Mea Shearim (gegenüber der Chassidut Satmar).

Was die Karliner auszeichnet und wofür sie extrem bekannt sind, ist ihre Art zu beten bzw. den Synagogeng - ttesdienst zu betreiben. Die Gebete werden nur so in Ekstase herausgeschrien. Bei den Frauen weniger, jedoch bei den Männern. Wer sie sieht, der meint der Kleidung nach, absolut konservative, ja, sogar fundamentalistische, Chassidim vor sich zu haben, denn sie tragen am Schabbat die gestreiften Yerushalmi - Kaftane. Wer sie jedoch näher kennen lernt, der wird die Karliner als außerordentlich offen erleben. Nicht wenige Male wurde ich in der Synagoge zu verschiedenen Events eingeladen und einmal sprach ich mit der Rebbitzen und einer ihrer Töchter.

Insgesamt finden in ultra - orthodoxen Stadtteil Mea Shearim (Jerusalem) sowie vielen anderen haredischen Orten mehrere chassidische Tische statt. Zu etwas anderen Zeiten als gewöhnlich und wesentlich kürzer. Unter anderem bei der Chassidut Belz, den Toldot Avraham Yitzchak oder eben in Karlin - Stolin.

Dienstag, März 02, 2010

Purim 5770 in Mea Shearim

B"H

Mein gestriger Purim - Ausflug in eines der zahlreichen Jerusalemer ultra - orthodoxen Zentren Jerusalems: Mea Shearim.

Purimfeiern bei den chassidischen Gruppen Toldot Aharon, Kretchnif, Karlin - Stolin & Satmar.


Dienstag, November 24, 2009

Trauer und Hochzeit in Karlin - Stolin


B"H

Der Grund, warum ich diesen chassidischen Beitrag gerade in diesen Blog stelle, ist ein halachischer:

Der Karlin - Stoliner Rebbe (Jerusalem) trauert um seine Mutter (Rabbanit Feiga Schochet), die am vergangenen Schabbat verstarb. Nach dem Tode eines nahen Angehörigen sitzt der Trauernde sieben Tage lang Schiva. Waehrend dieser Zeit gelten für ihn bestimmte Regeln und ein etwaiges Feiern ist verboten. Im Falle des Stoliner Rebben jedoch findet an diesem Mittwoch die Hochzeit seines Sohnes statt und der Rebbe wird daran teilnehmen. Diese Entscheidung der Chassidut Karlin - Stolin basiert auf einem seltenen Psak Halacha (Halacha) des verstorbenen Halachaexperten Rabbi Moshe Feinstein. Allerdings wird der Rebbe auf der Hochzeit nicht tanzen, sondern nur sitzen.

Dienstag, Dezember 30, 2008

Chanukkah in Karlin - Stolin und Avraham Yitzchak

B"H

Im Chassidismus gibt es den Brauch, den achten und letzten Tag von Chanukkah besonders groß zu feiern. Gewöhnlich gibt es eh nach dem allabendlichen Zünden der Chanukkiah (des Chanukkah - Leuchters) ein Essen, doch am letzten Tag kommt oft der Rebbe der Gruppe in die Synagoge und gibt einen chassidischen Tisch. Manchmal mit Essen, aber immer mit einer hauseigenen Kapelle, welche chassidische Melodien spielt. In Deutschland mag man das "Klezmer" nennen, bei den Chassidim jedoch drückt diese Musik den eigenen Lebensstil, Stimmungslagen sowie ihre eigene Geschichte aus. Hinzu kommt, dass jede chassidische Gruppe ihre eigenen Melodien entwickelte.

Gestern (Montag) war der letzte Tag des diesjährigen Chanukkahs. Vorgestern war ich mit einer Freundin auf dem Jerusalemer Zions Square, wo Chabad die siebte Kerze anzünden liess. Ehrengast war der frisch gewählte neue Bürgermeister Nir Barkat.
In den vergangenen Jahren ging Chabad bei der Prozedur um einiges spiritueller zu Werke, doch in diesem Jahr glich alles nur einem Wischiwaschi. Ein wenig Politiker - Blabla, Kerzen zünden und ab nach Hause. So lief es ab und ich war heilfroh, gestern abend nach Mea Shearim zu gehen, um ein paar richtige chassidische Feiern zu sehen. Eine, wenn nicht gar die älteste chassidische Gruppe, Karlin - Stolin, sollte einen großen Tisch mit dem Rebben geben.

Die in Deutschland so gut wie unbekannte Chassidut Karlin wurde von Rabbi Aharon dem Großen, (1736 – 1772), gegründet, der wiederum ein Schüler des Maggid von Mezritch (Rabbi Dov Baer Friedman) war. Der Maggid war der Nachfolger des Baal Shem Tov und bei Karlin handelt es sich um einen Vorort der litauischen Stadt Pinsk. Rebbe Aharon der Große gründete eine der ersten chassidischen Zentren in Litauen und schon bald gab es Karliner Chassidim auch in der Stadt Vilna, was wiederum einen Kampf mit dem berühmten Gaon von Vilna nach sich zog.

Heute sind die Karliner Chassidim Jerusalems in zwei Gruppen gespalten, aufgrunddessen dass in der nicht allzu langen Vergangenheit Probleme mit der Anerkennung des neuen Rebben bestanden. Jener kleinere Teil, welcher den derzeitigen Rebben nicht anerkannte, machte sich selbständig und nennt sich heute Karlin – Pinsk. Der wesentlich größere Teil blieb zusammen und nennt sich Karlin – Stolin.



Der derzeitige Karlin - Stoliner Rebbe Baruch Me'ir Yaakov Shochet


Ferner besteht ein weiteres Zentrum der Karliner Chassidim in New York. Der Stoliner Rebbe verlegte seinen Wohnsitz in den Jerusalemer Vorort Givat Ze'ev, wo er allmählich viele seiner Chassidim um sich scharrte. Trotzdem, ein Großteil gehört nach wie vor zur Synagoge in Mea Shearim. Leider kommt der Rebbe selbst nur selten dorthin und gibt seinen chassidischen Tisch überwiegend in Givat Ze'ev. Auch am vergangenen Schabbat war er nicht in Jerusalem.

Eine Bäckereikollegin liess mich wissen, dass die Karlin - Stoliner Chassidim eine riesen Tisch geben werden und so zog ich gestern abend Richtung Mea Shearim los. Erst dachte ich, ich sei zu früh dran, aber um 20.30 Uhr waren die Karliner schon mitten am Feiern. Draußen war das Wetter regnerisch, in der Synagoge jedoch herrschte Hochbetrieb. Eine Band spielte lautstark chassidische Musik und mehrere Hundert Chassidim standen im Erdgeschoß auf den Metallbänken und swingten im Takt zur Musik.
Zuerst war ich erstaunt über die hohe Anzahl der Karliner Chassidim. Bisher hatte ich sie immer für weniger gehalten.


Karlin – Stolin in Jerusalem am letzten Sukkot




Die Frauenempore im ersten Stock war rappelvoll und alle Frauen und Mädels klebten an der Mechitzah (Trennwand), um den Männern im Erdgeschoß zuzuschauen. Letztere wiederum liessen ihre Augen nicht vom Karliner Rebben ab, der da in der Mitte an einem Tisch sass. Die Band spielte ununterbrochen und ich suchte mir einen mehr oder weniger günstigen Stehplatz. Ganz links an der Wand war noch etwas frei und es stand nur eine Mutter mit ihren vier Töchtern dort. Hinterher ging mir auf, dass dies die Rebbitzen gewesen sein kann, denn schon am Sukkot war die linke Seite der Empore für die Familie des Rebben reserviert gewesen. Und die Frau stand allein, ohne dass jemand herumrempelte.
Erst stand ich hinter ihr und kurz darauf machte sie einfach Platz, damit ich auch etwas sah. Wir unterhielten uns kurz über Karlin und schauten dann andächtig hinunter, wo die Männer auf den Metallbänken teilweise zu den Melodien auf und absprangen oder in die Hände klatschten. Nie habe ich sogar ältere Chassidim so wild hin und herwippen sehen wie bei Karlin gestern abend. Ein Vater tanzte mit seinem behinderten Sohn auf und ab und wenn man genauer hinschaute, dann sah man, dass die Beiden völlig in einer anderen höheren Welt aufzugehen schienen. Als die Lautsprecher kurz aussetzten, wurde einfach ohne sie weitergesungen. Es war eine unheimlich spirituelle Atmosphäre, die ich bisher noch bei keinem chassidischen Tisch erlebt habe. Alle schienen woanders zu sein, aber nicht in dieser materiellen unseren Welt.

Nach einiger Zeit kam ich dann allerdings doch wieder in die hiesige Welt zurück, denn auf der Empore war kein einziges Fenster offen und ich brauchte dringend frische Luft. Schweren Herzens netschloss ich mich zu gehen, wollte aber noch bei anderen Gruppen vorbeischauen. Durch den Mea Shearim Markt kam ich zu den Toldot Avraham Yitzchak, einer Abspaltung der Toldot Aharon und wer Rebbe Shmuel Yaakov Kahn kennt, der weiß, dass wenn es einen Tisch gibt, dieser mit Action beladen sein wird. Die Avraham Yitzchak sind meine unschlagbare Nummer Eins bei den chassidischen Tischen und kaum jemand feiert so wie deren Rebbe.

Als ich ankam, wackelte schon die ganze Synagoge; im wahrsten Sinne des Wortes. Auch hier spielte eine hauseigene Band, doch war es viel schwerer zu sehen, was sich bei den Männern abspielte, denn es waren mehr als Hundert Frauen und Kinder anwesend, die da an der Mechitzah klebten. Nach einigem Suchen fand ich einen Platz, von dem aus ich etwas sah. Im Erdgeschoß tanzten die Chassidim wild in einem Kreis und Hunderte weitere standen um sie herum und schauten zu. Ein beeindruckender Anblick, ob wohl ich noch von den Karlinern hin und weg war.

Der Weg nach Mea Shearim hatte sich gelohnt und ein wenig Spirituality kann nie schaden.

Sonntag, August 31, 2008

Kuchen in Karlin - Stolin

B"H

Die chassidische Gruppe Karlin ist nur allzu bekannt für die Freundlichkeit ihrer Chassidim sowie für ihr euphorisches Gebet. Wer noch nie bei den Karlinern an einem G - ttesdienst teilgenommen hat, der hat noch kein richtiges chassidisches Gebet miterlebt. Die Gebete werden nur so herausgeschrien und anhanddessen erreichen die Chassidim die höchst mögliche Devekut (Nähe zu G - tt). Die Karliner sind einfach unbeschreiblich und fast jeden Freitag abend zum Schabbatg - ttesdienst finde ich mich in der Karlin - Stoliner Synagoge ein.

Die Chassidut Karlin teilt sich heute in zwei Gruppen auf:
Zum einen in den kleineren Teil "Karlin - Pinsk", ansäßig im relig. Stadtteil Beit Israel in Jerusalem, sowie den größeren Teil Karlin - Stolin, ansäßig in Mea Shearim (Yoel Street, gegenüber Satmar).

Karlin ist mit eine der ältesten chassidischen Gruppen überhaupt. Gegründet wurde sie von Rabbi Aharon dem Großen (1736 - 1772) ca. im Jahre 1770. Bei Karlin selbst handelt es sich um einen Vorort der litauischen Stadt Pinsk. Rebbe Aharon von Karlin war ein Anhänger des Rabbi Dov Bear Friedman (der Maggid von Mezritch). Und der Maggid wiederum war der Nachfolger des Baal Shem Tov. Neben Chabad ist Karlin also eine der ältesten chassidischen Gruppen überhaupt und beide kommen ursprünglich aus Litauen.

Heute sind die Karlin - Stoliner Chassidim in New York, Bnei Brak, Beitar, Jerusalem sowie in einem Vorort Jerusalems, in Givat Ze'ev zu finden. Der derzeitige Stoliner Rebbe baute in Givat Ze'ev seine Hauptzentrale auf und leider kommt er nur recht selten am Schabbat in die Jerusalemer Synagoge in Mea Shearim. Trotz meiner stetigen Anwesenheit in Karlin, sah ich den Rebben nur ein einziges Mal.



Der derzeitige Stoliner Rebbe, Rabbi Baruch Yaakov Me'ir Shochet


Auch am letzten Freitag abend ging ich zur Kabbalat Schabbat in die Stoliner Synagoge, wobei ich ausgerechnet an dem Abend fast schon bei der chassidischen Gruppe Munkatch landete. Die Munkatcher sind ebenso in der Yoel Street zu finden; einige Meter vor Satmar und Karlin. Allerdings entschloß ich mich dann aber doch für Karlin, denn ein Karliner Chassid, den ich seit längerem vom Sehen her kenne, lud mich zu Karlin ein. Am Schabbatmorgen sollte der Aufruf für einen seiner Söhne stattfinden, welcher in dieser Woche heiratet. Und so ging ich dann doch zu Karlin - Stolin.

Bei meinem Eintreffen war nur eine einzige Frau auf der Frauenempore zu finden. Nicht viele chassidische Frauen gehen freitags abends in die Synagoge. Und bei Karlin - Stolin treffe ich fast jedesmal auf dieselbe ältere Dame.

Nach dem G - ttesdienst kam sie, wie gewohnt, auf mich zu und wir redeten ein paar Worte miteinander. Diesesmal sogar recht lange, aber dazu mehr in einem eigenen Beitrag. Ich erkundigte mich nach dem Aufruf am nächsten Morgen und sie meinte, dass nicht nur einer stattfinde, sondern DREI. Drei Karliner Chassidim heiraten also in dieser Woche.

Gestern früh dann nahm ich eine Freundin mit zum Karliner Morgeng - ttesdienst Schacharit. Mittlerweile benutze ich sogar das Karliner Sidur (Gebetbuch), wenn ich bei ihnen in der Synagoge bin. Sie haben ihr eigenes Sidur, welches den Namen "Beit Aharon ve'Israel - Das Haus Aharon (nach dem Gründer Rabbi Aharon von Karlin) und Israel" trägt. Obwohl ich selber ein chassidisches Sidur benutze, fehlen mir jedoch einige Karliner Gebete, welche sie dem regulären Ritus hinzufügen.

Als wir in der Synagoge eintrafen, war die Thoralesung schon in vollem Gange. Auf der Frauenempore war es rappelvoll, von der Männerseite im Erdgeschoß ganz zu schweigen. Die Karliner Synagoge ist relativ neu und die Frauenempore recht groß gehalten. Riesige Fenster bilden die Mechitzah (Trennung zu den Männern) und man kann von oben alles bequem beobachten, was im Erdgeschoß vor sich geht. Die Männer andererseits können nicht durch die Fenster zur Frauenempore hindurchschauen, da das Glas so gehalten ist, dass nur die Weiblichkeit hinausschauen kann. Dies geschieht, wie in jeder orthodoxen Synagoge aus, aus Anstandsgründen.

Die drei Bräutigame wurden traditionell zur Thora aufgerufen und stolz standen sie da, in ihrem Streimel (Pelzmütze). Diesen tragen eigentlich nur verheiratete Männer, doch ein chassidischer Brauch besagt, dass ein Bräutigam den Streimel in der Woche vor seiner Hochzeit täglich trägt. Nach der Hochzeit nur am Schabbat oder an Feiertagen.

Als die Thoralesung beendet wurde, machten die Frauen eines der Fenster auf und schmissen Süßigkeiten inab ins Erdgeschoß. Alle kleinen Jungen griffen sofort in die Luft, um eine der Tüten aufzufangen. Der Ansturm glich dem eines Rockkonzertes.
Nach dem G - ttesdienst kam die ältere Dame, die ich freitags treffe, auf mich zu und gab mir die Hand: "Gut Schabbes, gut Schabbes", sagte sie. Unten im Erdgeschoß, in einem Nebenraum zu den Männern, gebe es einen riesigen Kiddusch für die Frauen und meine Freundin und ich seien eingeladen. Also machten wir uns mit all den Frauen auf den Weg hinunter, wo sich ein kleiner Raum mit gedeckten Tischen befand. Was dort auf einem Bufett an Kuchen stand, war unbeschreiblich. Obstkuchen, handgemachte Trüffel mit Schokolade und Marzipan, Rumkugeln und Kokoskuchen, es war alles da. Unsere Augen kamen fast heraus. Zwei Frauen machten sich emsig daran, uns an einen der Tische zu führen und sofort wurden wir mit Jerusalemer Kugel (Nudelpastete) sowie mit sauren Gurken versorgt. Kuchen und Trüffel gab es reichlich und wir mußten uns total zusammennehmen, um nicht allzu sehr zuzugreifen.

Mittlerweile war eine Frau in braunem Kostüm auf mich zugekommen, denn alle waren irgendwie neugierig, wer wir denn überhaupt waren. Unter all den Karlin - Frauen waren wir die Einzigen von außerhalb. Besagte Frau stellte sich bei mir als die Schwester einer der drei Bräutigame vor. Sie komme aus Bnei Brak, sei ursprünglich Karlin, doch mit einem Vishnitzer Chassid verheiratet. Ich stellte mich auch vor und verheimlichte nicht, dass ich im Internet über chassidische Gruppen schreibe. Meine Freundin und ich blieben bis zum Ende des Kiddusch, denn wir hatten bis zum Mittagessen bei der Machlis - Family noch einiges an Zeit. Als wir gehen wollten, kam wieder die Vishnitz - Dame auf mich zu und fragte, wo wir denn jetzt hingehen. "Zu den Machlises", meinte ich. Die waren ihr gänzlich unbekannt und sie sagte, dass jetzt alle gemeinsam zum Mittagessen in einen Saal in einem Gebäude der chassidischen Gruppe Zhvil gehen. Es sei nicht weit und ob wir mitkommen wollen. Und so kam es, dann dann auch die Mutter der Bräutigams kam und mich total ausquetschte. Meine Freundin ist nur des Englischen mächtig und so rede eigentlich immer nur ich. Anschließend, nach eingehendem "Verhör" entschlossen sich die Frauen, uns tatsächlich zum Mittagessen mitzunehmen.

Eigentlich dachten wir, jetzt alle Karliner Frauen dort anzutreffen als wir im Zhviler Gebäude ankamen. Doch nichts da, denn das Mittagessen war nur für eine einzige Karliner Familie und wir fühlten uns als absolute Außenseiter recht unbehaglich. Man hatte einen kleinen Saal angemietet, der in der Mitte von ein paar Holzwänden aufgeteilt war. In eine Frauen - sowie eine Männerhälfte. Sofort wies uns eine Frau Plätze an einem der vier oder fünf runden gedeckten Tische zu. Wir wissen bis heute nicht, wie die Familie eigentlich heißt, was ich aber noch herausfinden will.

Wir saßen mit der Mutter des Bräutigam, einer weiteren Karliner Frau sowie zwei anderen Frauen aus der Chassidut Slonim zusammen. Die Familie schien einigige Familienmitglieder bei Vishnitz und den Slonim (Jerusalem) zu haben. Obwohl ich viel mit meiner Freundin aus Englisch redete, führte ich doch viele Gespräche mit den Frauen an unserem Tisch auf Hebräisch. Die Slonim - Frauen erzählten mir so Einiges über ihre Gruppe, was sehr interessant war. Gleichzeitig fragten sie, ob wir denn schon einmal bei den Slonim zum Tisch des Rebben waren. Waren wir. Und als die Frauen hörten, dass ich im Internet schreibe, fragten sie mich erst recht nach chassidischen Gruppen aus.

Nebenbei wurde ein grandioses Mahl serviert. Salate, gefillte Fisch, Filet, Kugel (Pastete), wieder Kuchen, Popcorn und Wassermelone. Wir waren noch vom vorherigen Kiddusch total vollgestopft und als wir den Saal nach dem Mittagessen verliessen, konnten wir kaum mehr gehen. Kurz gesagt, verbrachten wir eine tolle Zeit mit den Karliner Frauen und der Familie. Gegen 16.00 Uhr kamen wir dann doch noch bei den Machlises an und blieben bis zur dritten Schabbatmahlzeit. Zwischenzeitlich gingen wir zur Synagoge der Boyaner Chassidim, wo ein Tisch des Rebben stattfinden sollte. Anscheinend waren wir wohl etwas zu früh dran, denn bei unserem Eintreffen war die Frauenempore noch abgesperrt. Also kehrten wir zu den Machlises zurück.

Es war ein phänomenaler Schabbat mit vielen tollen Erfahrungen und netten Leuten.

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass es auch bei der antizionistischen Gruppe "Mischkenot HaRoim" einen Aufruf gab, doch waren wir leider schon busy mit Karlin. Leider, denn die Zeremonie bei den "Mischkenot HaRoim" hätte ich gerne miterlebt.
Mit oder ohne Essen.

Sonntag, August 24, 2008

Feste und Kopfbedeckungen

B"H

Normalerweise herrscht in den Sommermonaten alljährlich Ruhe, denn die Yeshivot (relig. Schulen) haben geschlossen, viele Haredim (Ultra - Orthod.) sind im Urlaub und die chassidischen Rebben befinden sich ebenfalls auf Tour. An diesem Schabbat jedoch war alles etwas anders, denn die chassidische Gruppe Ruzhin - Boyan feiert am Dienstag die Hochzeit eines Sohnes ihres Rebben. Und somit gab es am Schabbat einen Aufruf; heißt, der Bräutigam wurde zur Thora aufgerufen. Leider verpaßte ich die gesamte Zeremonie um weniger als fünf Minuten. Das kommt davon, wenn man am Abend zuvor zu lange beim Schabbatdinner sitzt und am Morgen danach nicht aus dem Bett kommt.

Nach dem Synagogenservice gaben die Boyaner ein riesen Festmahl im Erdgeschoß ihrer Synagoge und einige Frauen halfen emsig beim Tischdecken. Bisher war ich bei den Boyanern nur bei einem einzigen chassidischen Tisch des Rebben gewesen, doch dort hatte ich sofort jene Dame kennen gelernt, die anscheinend die gesamte Frauenempore unter sich hat. Das war vor ca. einem Monat und am Schabbat traf ich besagte Dame wieder. Sie kam gleich auf mich zu, schüttelte meine Hand und war sofort wieder auf und davon, denn schließlich war sie beim Tischedecken voll im Einsatz.
Die Synagoge der Boyaner war bis zum letzten Platz gefüllt; nicht nur mit Boyanern, sondern es waren auch Chassidim anderer Gruppen anwesend. Darunter erstaunlich viele Karliner, in deren Synagoge ich am Freitag abend zum Schabbatg - ttesdienst war.

Das einzige Problem bestand darin, dass ich mich bei den Boyanern nicht lange aufhalten konnte, denn ich hatte eine Einladung zum Mittagessen im benachbarten Mea Shearim. Und so verpaßte ich leider den gesamten Festschmaus im Untergeschoß.

Jedesmal wenn ich bei besagter Family in Mea Shearim eingeladen bin, bittet mich die Gastgeberin mindestens zwanzig Mal, nicht ihren Namen bzw. Lokalität oder Gruppe im Internet zu nennen. Daran halte ich mich, dennoch kann ich sagen, dass sie gerade zum Schabbatmittagessen kaum Gäste von außerhalb hatte, sondern fast nur ihre eigene Family war zu Besuch. Die Familie lebt in einem der vielen Mea Shearimer Hinterhöfe. Viele Leute fragen ab und an nach, ob das weitgehend chassidische Mea Shearim Gäste am Schabbat aufnimmt. Nach längerem Umhören fand ich heraus, dass dem so ist und zahlreiche Familie Leute einladen. Allerdings fast nur solche Gäste, die in Yeshivot oder relig. Seminaren lernen. Nichtjuden haben, soweit mir bekannt ist, absolut keine Chance mehr. Dies war früher etwas anders, doch gab es mit der Nachbarschaft Ärger oder die Gäste benahmen sich daneben. Mit den Nachbarn deshalb, weil allgemein die Befürchtung herrscht, dass da eventuell christl. Missionare herumschleichen und sich an die chassidischen Kinder heranmachen, wie es schon einige Male vorgekommen ist. Kurz gesagt benötigt man jedoch auch als Jude einige Beziehungen, um eingeladen zu werden.

Bei besagter Familie sitzen wir in zwei Räumen, je nach Männlein und Weiblein getrennt. Klingt vielleicht radikal, doch es hat seine Vorteile, weil man nicht dauernd von heiratswilligen Männern angestarrt wird und diese einem auf den Geist gehen. Unweigerlich wurde ich dann im Laufe des Mittagessens Zeuge einer für Mea Shearim anscheinend alltäglichen Diskussion. Die mir gegenübersitzende Gastgeberin sowie eine neben mir sitzende ältere Dame (die Enkelin eines berühmten Rabbiners) begannen eine für mich fremd klingende Diskussion. Ganz offen erzählten sie mir von ihren Kopfbedeckungen. Jede verheiratete, geschiedene oder verwitwete orthodoxe Jüdin bedeckt ihre Haare. Dies geschieht aus Anstandsgründen und man könnte jetzt lange diskutieren, ob dies in der Thora verankert ist und wie eine optimale Kopfbedeckung ausschaut.

Die Gastgeberin teilte offen und ehrlich mit, dass sie ihre Haare abrasiere. Dies geschehe ca. alle zwei Wochen, sobald diese nachwachsen. Den Brauch habe sie so von ihrer Mutter gelernt und ihn übernommen. Über ihr fast kahles Haupt setze sie eine Haube und darauf die Perücke.

Ich dachte bei der Beschreibung ziemlich praktisch und fragte, ob das denn nicht zu warm sei. "Nein, gaben beide Frauen wie aus der Pistole geschossen zurück. Nein, überhaupt nicht".
Weiter meinte die Gastgeberin, dass nur ein Schmattes (Tuch) um den Kopf für sie aus fehlenden Anstandsgründen nicht in Frage komme, denn soetwas könne verrutschen. Ein Perücke hingegen weniger. Und um ganz auf koschere Nummer Sicher zu gehen, sei ihr Perückenhaar aus synthetischen Haaren hergestellt. "Das sei wie Seide", meinte sie.

Die neben mir sitzende Dame fügte hinzu, dass sie ja nur mit dem Tuch um den Kopf herumlaufe. Das reiche doch aus und außerdem haben einige Frauen nun einmal einen Kopf wie für das Tuch gemacht. Vor allem diejenigen mit runder Gesichtsform. Denen stehe doch gar keine Perücke.

Die Diskussion ging einige Zeit so weiter und beide Frauen zeigten Angst, dass die jüngeren Generationen sich nicht mehr unbedingt an die alten Traditionen halten könnten. Und wie sagte der große Rabbiner Chatam Sofer schon: "Alles Neue und jegliche Änderungen sind abzulehnen".

Vier Stunden dauerte unsere Mittagsdiskussion, wobei es überwiegend um chassidische Gruppen ging. Wie gehe man als Frau mit den Traditionen und der Männerwelt um ? Aber genauso ging es um Schidduchim (Ehepartnesuche) und wie diese in Mea Shearim bzw. innerhalb verschiedener chassidischer Gruppen von statten gehen. Kurz gesagt, unbeschreiblich viel Stoff für mich, welchen ich erst einmal verarbeiten muß.

Wenn alles nach Plan verläuft, werde ich im September zu einigen weiteren Mea Shearim – Familien gehen und an den anstehenden hohen Feiertagen bin ich ebenso eingeladen. Gerade an den Sukkot (Laubhütten - ) – Feiertagen ist in Mea Shearim viel los und die Hauptstraße sowie der lokale Markt werden nach Geschlechtern getrennt.

Und was sagen die Chassidim, wenn sie erfahren, dass ich über ihre Belange schreibe ?

Die Reaktionen fallen unterschiedlich aus. Eine anfängliche Ablehnung bzw. bestehende Zweifel konnte ich zwar nicht immer vollständig aus dem Weg räumen, doch findet man sich irgendwie mit dem Thema ab. Außerdem gebe ich zwei wichtige Punkte zu bedenken, die mehr als plausibel klingen. Im Endeffekt sind viele neugierig, wie die Leserreaktion ausfällt und wie andere chassidische Gruppen reagieren.

Freitag, August 22, 2008

Back to Normal !

B"H

Nach all den Aufregungen dieser Woche, International Bloggers Convention hin oder her, dürfen wir eines nicht aus den Augen verlieren: Nämlich die Realität, dass der Schabbat naht.

Noch ist August und die Mehrheit der chassidischen Rebbes befindet sich noch mindestens eine Woche im Urlaub oder auf der Jagd nach Spenden für die eigene chassidische Gruppe. Daher ist derzeit etwas Leerlauf. Aber nichtsdestotrotz gehe ich heute abend zum Kabbalat Schabbat (Schabbatg - ttesdienst) in die Synagoge der chassidischen Gruppe Karlin - Stolin in Mea Shearim.

Morgen früh dann ist ebenso Synagogen - Time; und das bei den Boyanern, denn die feiern einen "Aufruf".

Das jiddische Wort "Aufruf" steht für den Thoraaufruf eines Bräutigams am Schabbat vor seiner Hochzeit. Traditionell werfen die Frauen und Mädels dabei jedesmal Süssigkeiten hinab auf die Männerseite, wo alle kleinen Jungen begeistert alles aufsammeln.

Und in der kommenden Woche gibt es dann eine große Hochzeit in der chassidischen Gruppe Ruzhin - Boyan, denn ein Sohn des Rebben heiratet.

Schabbat Schalom an alle Leser !!!

Und wer Lust hat, kann einmal auf FACEBOOK vorbeischauen und an etwaigen Diskussionsrunden teilnehmen.
Search for: "Freunde von Hamantaschen" (aber nicht nur Freunde sind gemeint :-))))

Freitag, Mai 23, 2008

Jerusalem brennt


Mystische Lag Ba'Omer - Feuer in Meron

B"H

Noch bis zum heutigen Schabbateinbruch feiern wir das Lag Ba' Omer – Fest. Was heißt feiern ? Die eigentliche "Show der Mystik" fand schon gestern (Donnerstag) abend statt.

Die Feuer sind die große Tradition des Lag Ba' Omer und natürlich sehen insbesondere die mystikverfallenen Chassidim darin einen Teil Kabbalah. Halb Bnei Brak (nahe Tel Aviv) war nach Meron abgerückt. 400.000 Menschen sollen sich vor dem Grabe des berühmten Rabbi Schimon Bar Yochai versammelt haben. Ich machte mich erst gar nicht auf den Weg, denn was sieht man schon groß bei 400.000 Leuten. Noch dazu, wo eh die Frauen aufgrund der Geschlechtertrennung ganz hinten stehen müssen.


Menschenauflauf in Meron an Lag Ba'Omer

In Mea Shearim las ich auf einem der Mitteilungsposter (Fakshivilim), dass das staatl. Busunternehmen Egged ganze 5700 Sonderbusse nach Meron eingesetzt hatte. Die anti – zionistische Dachorganisation "Edah HaCharedit" rief zu einem Boykott der Egged – Busse auf, denn Egged lasse seine Busse auch am Schabbat fahren. Aber dazu in der kommenden Woche anhand einiger Photos mehr.
Überhaupt schossen wir gestern Nacht viele Photos in Mea Shearim und ich werde diese nächste Woche in meine relig. Blogs stellen.

Mit einer Freundin machte ich mich auf und es war nicht schwer, die Feuer zum Lag Ba'Omer zu finden. Im Jerusalemer Sacher Park fand ein riesen Konzert des lokalen Fussballclubs "Beitar Yerushalaim" statt. Der Besitzer Arkadi Gaydamak hatte eingeladen und Tausende Fans trudelten ein. Die Musik dröhnte bis zum Machane Yehudah Makrt herüber. In Mea Shearim hingegen ging es weniger laut zu.
Unser erster Weg führte und vorbei am "Kikar Supnik" in der Strauss Street im haredischen (ultra – orthod.) Stadtteil Ge'ulah. Am Kikar Supnik steht die Jungenschule der chassidischen anti – zionistischen Gruppe "Dushinsky". Und bei Dushinsky feierte man draußen vor der Schule. Ein Feuer war in einer Metalltonne entzündet worden und die Chassidim tanzten drumherum. Die Musik war gräßlich, denn der Sänger war nicht ganz bei Stimme. Aber trotzdem war es recht nett. Auch die Frauen waren anwesend. Einige Meter weiter weg, aber es war okay.

Unsere nächste Station war die Yoel Street im benachbarten ultra – orthod. Mea Shearim. Dort feierte die chassidische Gruppe Satmar ausgiebig. Da Satmar wie bekannt in zwei Rebbes gespalten ist, gehört die Beit Midrasch in der Yoel Street den Anhänger des Rebben Zalman Leib Teitelbaum (New York – Williamsburgh).
Bei Satmar jedoch gingen zu der Stunde um 22.30 Uhr die Feuer schon fast aus. Wenig Männer, doch viele Kinder und Frauen. Überhaupt waren die meisten Haredim (Ultra – Orthod.) ins nordisraelische Meron abgerückt und man sah nicht besonders viele in den Straßen. Dafür hatten wir Frauen freie Bahn und das war endlich einmal etwas Erfreuliches.

Wenige Meter hinter Satmar feierten die Chassidim der Gruppe Karlin – Stolin. Und wer die Karliner kennt, der weiß, dass es bei ihnen die beste Musik gibt. Und so war es dann auch - die chassidische Musik war hervorragend und die Chassidim gut bei Laune. Viele tanzten wie wild in einem Kreis und es war Stimmung angesagt. Außerdem waren einige Breslover Chassidim sowie viele Nationalrelig. anwesend. Wir schossen gerade Photos als hinter uns ein neues Feuer gezündet wurde. Es gab riesige Flammen und zuerst dachten wir, dass ganze Ding würde explodieren. Umherstehende gingen sogar in Deckung. Doch alles brannte schnell nieder und auch hier begannen die Männer um das Feuer zu tanzen. Meistens litvische Haredim.

Der Rebbe der Gruppe Toldot Aharon war mit seinen männlichen Chassidim nach Meron abgerückt und so konnten die Frauen im Hinterhof ungehindert ihre Wäsche aufhängen. Die Stadt war voll mit Qualm und wer seine Wäsche draußen hat, der hatte das Nachsehen. Doch in Toldot Aharon – Hinterhof ging alles seinen gewohnten Gang. Mit viel Wäsche. Heute kehrt der Rebbe samt Anhang zurück und es wird ein chassidischer Tisch stattfinden.

Im Mea Shearim Markt waren gegen Mitternacht die Lichter fast aus. Nur ein Feuer brannte noch; nämlich das der "Neturei Karta".

Ausserdem:
Wir sahen eine älteren Neturei Karta - Chassid, der einem kleinen Junge die Haare schnitt. Am Lag Ba'Omer ist es mystische Tradition, kleinen Jungen am dem 3. Lebensjahr zum ersten Male die Haare zu schneiden.

Und:
Wurden wir von einem litvischen Haredi zu einem Besuch in der lokalen Mea Shearim Synagoge eingeladen. Die Synagoge befindet sich im Mea Shearim Markt und die Männerseite ist toll anzusehen. Mit verzierter Stuckdecke und wunderschönen Kronleuchtern.
Wir gingen hinein und waren jedoch etwas enttäuscht. Wie immer gab es eine Trennwand zur Männerseite und diese bestand aus einem Vorhang. Und so war nicht viel von der Herrlichkeit des Gebäudes auf der Männerseite zu sehen. Trotzdem, wir werden wieder hingehen und diesesmal zum G - ttesdienst.

Ich für meinen Teil habe den Abend sehr genossen. Überhaupt waren viele Auswärtige gerade in Mea Shearim unterwegs, um sich das Spektakel anzuschauen. Die dazugehörigen Photos gibt es, wie gesagt, erst nächste Woche.

Allen noch ein paar tolle Lag Ba'Omer Mystikfeierlichkeiten.
Schabbat Schalom an alle Leser !!!!

Sonntag, April 27, 2008

Die Edah HaCharedit und ihr Kampf um die Tradition

B"H

Zugegeben, das Polizeiaufgebot war wider Erwarten nur mehr als gering, was mit Sicherheit an den Feiertagen lag. Die anti - zionistische Dachorganisation "Edah HaCharedit" hatte eine Großdemonstration für den Dienstag an Chol HaMoed Pessach angekündigt und ihre Rabbis waren alle pünktlich und vollzählig zur Stelle. Austragungsort der Demo war der "Kikar Schabbat"; eine Kreuzung, welche die Stadtteile Ge'ulah und Mea Shearim voneinander trennt. Ansonsten heftig belebt, waren die Zufahrtsstrassen nun gesperrt. Der einzige Störenfried, von dem die Haredim (Ultra - Orthod.) gar nichts mitbekamen, war eine 10 – Mann - Gegendemo an der Kreuzung Strauss (Einfahrt nach Ge'ulah) - Jaffa Road sowie King George. Hier wollten die absolut Säkuleren ihren Chametz - Standpunkt a la "Ich bin ein freier Mensch und kann tun und lassen, was ich will" vertreten. Allerdings haben sie G - tt dabei völlig außer Acht gelassen.

Man kann zum Thema "Chametzverkauf (Getreideprodukteverkauf) in Israel an Pessach" stehen wie man will, über eines jedoch sollten alle einmal ehrlich in sich kehren. Wo beginnt eigentlich die Grenze, an der die säkuleren Juden sagen "Schluß mit der Anpassung an die nichtjüdische Welt. Bis hierher und nicht weiter, denn hier beginnt mein Judentum und meine jüdische Identität" ?

Und wieweit bin ich tatsächlich in der Lage, über mein Leben frei zu bestimmen ? Wer oder was bin ich ? Und was, wenn ich wirklich nur eine Art Marionette sein sollte, die über keinerlei "Freien Willen" verfügt und ausschließlich damit beschäftigt ist, ein Rädchen in G - ttes Getriebe zu sein, wie der Ischbitzer Rebbe, Rabbi Mordechai Yosef Leiner, kommentierte. Wahrscheinlich ist es sogar besser, hierauf lieber keine konkrete Antwort zu bekommen.

Und genau das war das Thema der Demo. Die offizielle Erlaubnis an die Läden an Pessach die biblisch verbotenen Getreideprodukte (Chametz) zu verkaufen. Diese Entscheidung ging der Edah HaCharedit zu weit.

Die Edah HaCharedit ist, wie gesagt, eine anti – zionistische Dachorganisation mit ihrem Hauptquartier in der Strauss Street – im Jerusalemer Stadtteil Ge'ulah. Genau genommen handelt es sich bei der Edah um einen Zusammenschluß mehrerer haredischer (ultra – orthod.) Gruppen bzw. Ausrichtungen. So sind die chassidischen Gruppen Satmar, Duschinsky, Toldot Aharon, Toldot Avraham Yitzchak (bilden eine kleine Ausnahme, da sie oft nach außen hin recht offen wirken), oder Spinka sowie Teile Breslovs vertreten. Die eher geheime Gruppe "die Mischkenot HaRoim" ist nicht unbedingt eine chassidische Gruppe, sondern eher eine Organisation mit einem gewissen Ziel. Dennoch sind sie ein nicht außer Acht zu lassendes Mitglied in der Edah. Ganz wichtig sind auch die Brisker, das frühere originale litvische "Rabbi Soloveitchik – Movement". Und wie ich unendliche Male zuvor schon darlegte, gehört die "Neturei Karta" NICHT der Edah HaCharedit an, denn sie hat ihre eigenen Regeln und besteht darüberhinaus eh aus mehreren Strömungen und ist keineswegs nur eine einzige Gruppe.

Die Mishkenot HaRoim am letzten Purim Schuschan (im März)







Zwei Organisationen sind in der israelischen haredischen Welt grundsätzlich auseinanderzuhalten und dies sind zum einen die "Edah HaCharedit" und zum anderen die "Agudat Israel". Die Edah ist kompromißlos antizionistisch, die Agudah hingegen sitzt mit ihrer eigenen Partei "Yahadut HaTorah" in der Knesset. Die Edah HaCharedit verachtet die Agudat Israel, da sie in ihr relig. Juden in Zusammenarbeit mit dem "zionistischen Feind" sieht. In der Agudah sitzen litvische Haredim genauso wie die Chassidut Gur (Gerer Chassidim), Chassidut Vishnitz und die Chassidut Belz. Die ursprünglich polnische Chassidut Gur war von Beginn an Mitglied in der Agudat Israel, Belz hingegen war bis ca. 1982 Mitglied der Edah. Als der jetzige Belzer Rebbe Yissachar Dov Rokeach entschied, die Edah zu verlassen (ca. im Jahre 1982), um sich der Agudah anzuschliessen, kam es zum Kleinkrieg zwischen Belz und Edah Gruppen wie Satmar sowie den Toldot Aharon. Bis heute ist der Krieg nie offiziell beigelegt worden und ich höre immer wieder unterschiedliche Ansichten darüber.

Da chassidische Gruppen wie Belz oder Gur extrem reich sind, hat die Agudat Israel weniger Probleme. Außerdem gewannen ihre Mitglieder so an immensem Einfluß auf der israelischen Politbühne. Die Edah HaCharedit hingegen hängt am Geldbeutel der Chassidut Satmar sowie privater US – Spender. Gegründet wurde die Edah im Jahre 1919 und der berühmte Rabbi Yosef Chaim Sonnenfeld, einer ihrer Gründer, und wurde gleichzeitig zum obersten Rabbiner der Edah ernannt. Gründungsgrund war, dass die Edah HaCharedit das zionistische Oberrabbinat (unter Rabbi Avraham Yitzchak HaCohen Kook) der damaligen Britischen Mandatsregierung nicht anerkennen wollte.

Wer die Edah HaCharedit mehr oder weniger in Action sehen will, der muß sich nach Mea Shearim oder Bnei Brak begegeben und entweder die Mitteilungsposter an der Häuserwänden lesen oder mit Chassidim der jeweiligen Edah – Gruppen sprechen. Eine weiteres Vorurteil, welches leider immer wieder von unwissenden Leuten, meistens Touristen, verbreitet wird ist, dass alle Bewohner Mea Shearims antizionistisch und total extrem seien. Mea Shearim wird jedesmal gerne als DAS extreme Beispiel der Haredim aufgeführt. Diesen Unwissenden kann ich nur entgegensetzen, dass diese Aussagen dumme Vorurteile von Leuten sind, die keine Ahnung haben.
Erstens sind nicht alle Bewohner Mea Shearims antizionistisch oder Mitglieder der Edah. Hierfür gibt es genügend Beispiele kleiner Fehden zwischen Edah – Mitgliedern und jenen chassidischen Mea Shearim – Gruppen, die sich offener geben. Avraham Yitzchak geht allen als Beispiel voraus. Obwohl Edah – Mitglied, geht deren Rebbe Shmuel Yaakov Kahn nicht selten eigene Wege und handelt sich somit harrsche Edah – Kritik ein. Aber auch das Nichtmitglied Karlin – Stolin fing sich schon so manches Mal den Mißmut verschiedener Edah – Gruppen ein.

Und im Gegensatz zu Bnei Brak (nahe Tel Aviv) ist Mea Shearim, man möge es kaum glauben, wesentlich liberaler. Was in Mea Shearim noch durchgeht, ist in Bnei Brak grundsätzlich verpönt. Vielleicht herrschen die litvischen Juden in Bnei Brak, aber dennoch gibt es chassidische Stadtteile wie Kiryat Vishnitz, den Satmarer Stadtteil, sowie weitere chassidische Gruppen wie Zhvil, Skver, Sadigora (manche sagen "Sadigura"), die Schomrei Emunim, Koschnitz, Gur und die Neturei Karta mit ihrer eigenen Synagoge darf auch nicht fehlen. Und das sind noch längst nicht alle.

Für einen Außenstehenden ist es wahrlich nicht leicht, die Ideologien der Edah HaCharedit auch nur annähernd zu verstehen. Und für mich ist es wiederum keineswegs einfach, alles begreiflich herüberzubringen. Ich denke, dass man in der haredischen Gesellschaft leben muß, um einigermaßen ein Gefühl für die Ideen zu bekommen. Auch um zu sehen, was eigentlich dahintersteckt (z.B. gesellschaftsmässig). Weiterhin ist selbstverständlich eine gehörige Portion Wissen über die jüdische Religion notwendig.

Soweit die kleine kurze Einführung in die Materie der Edah HaCharedit, über die es von außerhalb soviele Vorurteile aufgrund von Unkenntnis gibt.


Als ich zur Edah – Demo am vergangenen Dienstag kam, gab es zuerst nur eine spärlich langsame Ansammlung von Chassidim. Man hatte die Strauss Street sowie die Yechezkel gesperrt und einen Lastwagen in der Mitte geparkt. Auf der Ladefläche des LKWs waren weiße Stühle aufgestellt, auf denen die Edah – Rabbis Platz nahmen.
Wie gewohnt standen vorne die Männer und die vereinzelt anwesenden Frauen standen im Hintergrund. Hören konnte ich dennoch alles, nur mit der Sicht gab es bei etwas mehr als 100m Entfernung manchmal Probleme, und daher bin ich nicht in der Lage alle Namen der Edah – Rabbis aufzuzählen, welche Reden hielten.

Sogleich ging es auch zügig los. Die Chassidim der Toldot Aharon regelten oder besser gesagt beherrschten die Demo. Wobei die Edah die Demo nicht "Demo" nannte, sondern "Versammlung". Zu Beginn wurden Tehillim (Psalmen) verlesen und danach kam ein Rabbi nach dem anderen zu Wort. Gesprochen wurde in Jiddisch und einmal auch auf Hebräisch. Die Redner waren, u.a., Rabbi Moshe Sternbuch und Rabbi Rosenberger (von der Chassidut Satmar).

Sämtliche Redner waren sich in einem Punkt besonders einig:
60 Jahre zionistischer Staat Israel – was hat uns das wirklich beschert ?
Ein nichtrelig. oder teilweise sogar antirelig. Staat, der seine Aufgabe darin sieht, ein moderner jüdischer Staat zu sein. Aber kann es ohne Thora eine Moderne geben oder ist die Thora auch Moderne ?
Vorweg genommen: Natürlich ist die Thora Moderne, denn sie gilt bis in alle Ewigkeiten.

Laut der Meinung der Edah HaCharedit hat das zionistische säkulere Bildungswesen total versagt. Was wurde da für eine Jugend herangezüchtet, die ihr Wohl darin sieht, modern und westlich zu sein ? Vielleicht wäre dagegen weniger einzuwenden, wenn da nicht die Thora völlig außer Acht gelassen werden würde. Wo sind wir nur gelandet ? Ein Volk, welches vor einigen Jahren niemals auf den Gedanken gekommen wäre, relig. Konzepte abzulehnen oder zu verachten ? Was wird aus dem Jüdischen Volk ohne Thoraideale ? Wir sind von G – tt zum Auserwählten Volk deklariert worden, aber anscheinend sei diese Deklaration vielen so modernen und gebildeten Leute heutzutage egal. Was schert mich das alles ? Und die Schuld trägt ein Bildungswesen, welches von Politikern ausgearbeitet wurde, die selber keine Ahnung bzw. Achtung vor Werten haben. Was also soll dabei herauskommen ?

Ich muß sagen, dass ich in den Punkten nicht hätte mehr mit der Edah HaCharedit übereinstimmen können.

Aber es kamen noch viele weitere Kontroversen zur Sprache und es wäre wünschenswert gewesen, wenn sich auch Mitglieder bzw. Chassidim der Agudath Israel eingefunden hätten. Allerdings standen nur drei oder vier verirrte Belzer Chassidim herum und zwei von mir gesichtete Chassidei Gur gingen nur schnell vorbei. Leider leider hält sich der Gerer Rebbe nur allzu sehr aus vielen Belangen heraus. Meines Erachtens nach, um keine politischen Konflikte zu schüren, denn die Chassidut Gur mit Knessetmitglied Yaakov Litzmann ist ein lebenswichtiger Faktor der "Yahadut HaTorah – Partei". Politik hin oder her, es gibt Zeiten, Stellung zu beziehen und da sollte es egal sein, ob man mit der Edah übereinstimmt oder nicht.

Zu Beginn der Demo oder Versammlung war, wie könnte es auch anders sein, die Presse angerückt. TV – Kameras waren aufgestellt worden und die Reporter strömten aus. Dies geschah in aufdringlicher Art und Weise und die Presse war, ohne Zweifel, auf Skandale aus. Erstens sollte die Edah als fundamentalistischer Krawallclan dargestellt werden. Rabbiner mit langen Bärten und Chassidim, die sie eh nicht alle haben. Allerdings war die Presse ziemlich dämlich, denn sie entsandte Reporter ohne Jiddischkenntnisse und daher verstand man die Ansprachen nicht. Und so mußten die Chassidim bei Interviews herhalten. Dies wurde jedoch schnell per Mikrofon unterbunden, indem man dazu aufrief, der säkuleren Skandalpresse keine Auskunft zu erteilen. Ein paar litvische amerikanische Yeshivaleute spielten sich dann groß vor der Presse auf, ohne jedoch eine Ahnung zu haben, da sie selber des Jiddischen nicht mächtig waren. Schließlich entsandte die Edah sogar Aufpasser, um jeden Pressekontakt zu unterbinden.

Andererseits fragte ich mich, welches Bild nun die Säkuleren im TV von den demonstrierenden Chassidim bekommen. Da sitzt man vor dem Fernseher und sieht strengdreinblickende Rabbiner mit langen Bärten dasitzen. Was sagt mir das in Tel Aviv oder in Eilat ? Kann so tatsächlich ein relig. angelegter Protest dem ganzen Volke zugänglich gemacht werden ? Oder denken die halt nicht wieder am Ende, dass alle in Mea Shearim eh gestört seien ?

Auch hier sollte jeder in sich kehren und einmal hintergründig über das Anliegen nachdenken. Es geht nicht darum, mich eindeutig mit Mea Shearim zu identifizieren und morgen dorthin zu ziehen. Vielmehr geht es um immer mehr verloren gegangene jüdische Ideale sowie Thorakonzepte. Haben die Rabbis der Edah nur unrecht oder sprechen sie nicht einen wunden Gesellschaftspunkt an ? Sind die Rabbiner der Edah nicht eher das schlechte Gewissen aller, auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen ?

Ich denke, dass die Edah HaCharedit eine Imageaufpolierung nötig hat und zumindest eine Internetrepräsentanz haben sollten. Nur abkapseln allein genügt heute nicht mehr. Dies lernte schon vor wenigen Jahren die extreme Chassidut Toldot Aharon als sie Rabbi Popenheim als Medienvertreter abstellte.

Und obwohl ich mit der Edah in vielen Punkten sogar übereinstimme, hätten die Redner vielleicht alles nicht so schwarz malen müssen. Natürlich drohen vom Thoragesetz her strenge g – ttliche Strafen im Falle des Essen von Chametz an Pessach. Und es ist unbestreitbar, dass das Jüdische Volk für diverse Vergehen von G – tt bestraft wird.
Andererseits jedoch soll man sich auch immer auf positive Dinge konzentrieren und diese lauten, dass der absolute Großteil der Bevölkerung die offizielle Entscheidung des Verkaufes von Chametz an Pessach total ablehnt. Nicht alle Bürger sind so verdorben wie angenommen. Auch das sollte erwähnt werden.

Am Ende der Versammlung wurden zwei Gebete vom Yom Kippur (Versöhnungstag) gebetet. Danach löste sich die Versammlung mehr als friedlich auf und jeder ging seiner Wege. Die Presse hatte sich zu dem Zeitpunkt schon längst aus dem Staube gemacht.

In weiteren Beiträgen wird es auch weiterhin um die Edah HaCharedit, den Antizionismus sowie das Verhältnis zu anderen haredischen Anschauungen und Gruppierungen gehen.

Links zum Thema:

Der andere Zionismus

Rebbe Shmuel Yaakov Kahn und die Knesset

Der Bann der Neturei Karta

Montag, März 24, 2008

Die Chassidim an Purim

B"H

Jemand auf der Purim – Party von Rabbi Mordechai Machlis sagte mir gestern, dass dies das gelungenste Purim sei, das sie je gefeiert habe. Zuerst hielt ich diese Formulierung für übertrieben, doch im Nachhinein stimme ich ihr zu. Auch bei mir ist es so.
Gewöhnlich ging ich in jedem Jahr zu Megillah – Lesung (Buch Esther) zu Chabad in die Jüdische Altstadt. Dort jedoch war nie etwas Wirkliches geboten. Im Gegensatz zu den Chassidim in Mea Shearim weiß Chabad nicht zu feiern. Zumindest nicht in der Tzemach Zedek Synagoge im Cardo.

Wie schon beschrieben, ging ich mit einer Freundin zur ersten Lesung der Megillah zur Großen Synagoge der Breslover Chassidim in Mea Shearim. Ich kann die Synagoge nur weiterempfehlen; tolle Leute und ebenso tolle Gebete.

Gestern, an Purim Schuschan in Jerusalem, gingen wir zuerst zur Party in Rabbi Mordechai Machlises Haus. Es war gerammelt voll und wir befürchteten schon, keinen Platz mehr zu finden. Wider Erwarten gab es jedoch ausreichend Plätze. Das Essen war hervorragend, Dank Rebbitzen Henny Machlis und dem Küchenteam (den Machlis – Töchtern). Die zahlreichen Gäste waren so ziemlich voll, aber benahmen sich anständig.

Bei den Machlises







Gegen 19.00 Uhr machte ich mich mit zwei Freundinnen auf nach Mea Shearim. Eine davon begleitet mich eh ständig und die andere war noch nie mit dabei gewesen, aber ganz versessen darauf.

Ich glaube, dass die Leute außerhalb der haredischen Welt gar nicht mitbekamen, dass ausgerechnet gestern wilde Feiern in Mea Shearim abgehalten wurden. Obwohl Purim gegen 18.00 Uhr vorüber war, wurde noch bis mindestens 22.00 Uhr gefeiert. Die meisten Parties hatten um 17.00 Uhr (bei den Toldot Aharon) oder gegen 18.00 Uhr (bei den Avraham Yitzchak) begonnen.

Da niemand der üblichen auswärtigen Besucher anwesend war, hatten wir freie Bahn. Unser erstes Ziel waren die Toldot Aharon. Was soll ich sagen ? Es war übervoll.
Alle Frauen hatten längst die Plätze auf den Metallbänken in Beschlag genommen und es gab keinen freien Platz mehr. Das Einzige was wir vor uns sahen, waren Frauenbeine. Und so standen wir hinter einen kleinen weissen Metallabsperrung zwischen den Bänken.
Eine der Toldot Aharon Frauen paßte wachsam auf, dass an dieser Stelle sich nur weibliche Gruppenmitglieder hinter der Mechitzah (Trennwand zu den Männern) aufhalten. Stets schloß sie sorgsam das kleine weisse Tor.

Und plötzlich sprach sie mich an. Sie kenne mich vom Sehen und ich sei ja schon oft hier gewesen. Ob ich nicht passieren wolle, um mich hinter die Mechitzah zu stellen. Ich erwiderte, dass ich noch zwei Freundinnen dabei habe und ich nicht unbedingt näher rücken muß. Allerdings sagte ich ihr, dass wir jemanden dabei haben, die noch nie einen Tisch des Rebben gesehen hat. Am Ende winkte sie uns alle Drei durch. Sie gab uns ein paar Minuten und erklärte, dass alles mehr oder weniger abgesperrt sei, denn die Rebbitzen hätte ihre Familie da. Es vergingen ein paar Minuten und immer mehr Toldot Aharon Frauen strömten hinein. Mir wurde die Situation unangenehm, denn ich wollte anderen nicht den Platz wegnehmen und so beschlossen wir, zu gehen.

Ich weiß nicht, wer genau die Toldot Aharon Frau war, die uns einließ, aber ich möchte mich auf diesem Wege nochmals riesig bei ihr bedanken. Dies tat ich zwar schon persönlich, doch wollte sie davon nichts wissen.

Weiter ging es zu den Toldot Avraham Yitzchak.
Aber auch dort war es voll. Rebbitzen Channah saß genau vor uns und ich muß zugeben, dass sie es genoß, nach der unten spielenden Musik zu swingen. Die Band der Avraham Yitzchak war grandios und die Musik super. Überhaupt waren alle Gruppen gut drauf und die Musik war bei allen super.

Nach einer halben Stunde zogen wir ab, denn wir brauchten frische Luft. Eine Außentemperatur von 33 Grad und die fehlende Klimaanlage innen taten ihr Übriges. Wenigstens bei Toldot Aharon gibt es eine Klimaanlage.

Nach wenigen Minuten erreichten wir die große Synagoge der Neturei Karta. Auch dort wurde Musik gemacht und getanzt und wir beschlossen hineinzuschauen. Leichter gesagt als getan, denn der ausgeschilderte Fraueneingang führt lediglich in einen Speisesaal. Meine Freundinnen nutzten die Gelegenheit zum Toilettengang. Typisch.

Ich wartete und plötzlich tauchte ein Teenager vor mir auf. Den fragte ich sogleich nach dem Fraueneingang der Synagoge.
Aus Anstand sprach er nicht mit mir, zeigte mir jedoch schweigend den Eingang.

Unterdessen strömten meine Freudinnen aus dem "stillen Örtchen" und wir stiegen durch ein Treppenhaus. Allerdings fanden wir dort die richtige Tür nicht, und eine der Freundinnen ging ganz verloren. Dann kamen auch noch Männer durchs Treppenhaus, aber am Ende ging alles recht gut aus. Auch die zweite Freundin fand ihren Weg wieder und so gingen wir hinaus. Demnächst wollen wir nochmals hingehen und auch die richtige Tür finden.

Die "Schomrei Emunim" waren zwecks Party in eine große Halle umgezogen und wir verspürten keine große Suchlust.

Nächste Station: Die mehr oder weniger geheime Gruppe Mea Shearims, die "Mischkenot HaRoim". Es ist außerordentlich schwer, zu ihnen zu gelangen geschweige denn Photos zu machen, doch gestern hatten wir Glück.

Die Mishkenot HaRoim am gestrigen Purim Schuschan







Bei den Mischkenot HaRoim war Partytime und es war toll mit anzusehen, wie sie tanzten. Die Mechitzah besteht aus Glas und so konnten wir alles überblicken. Ausgerechnet sie wurden gestern Abend zu meiner Party Nummer Eins.

Kurz darauf gingen wir zu den Stropkover Chassidim in deren kleine Synagoge. Die Frauenempore bei Stropkov erinnerte mich fast an ein Wohnzimmer und dementsprechend war auch die Atmosphäre. Auf dem Wege dorthin sahen wir einen total betrunkenen Chassid auf dem Gehsteig liegen und die zweite Freundin, eine Ärztin, machte sich Sorgen. Andere Chassidim jedoch versicherten ihr, dass dies schon okay sei. Der Chassid habe halt an Purim nur zuviel gekippt.

Auch bei Stropkov war es übervoll und wir sahen nur wenig. Zwei Photos gelangen durch die Mechitzah, aber es ist kaum etwas zu erkennen.





Nächste Station: Karlin – Stolin.
Dort hatte man draußen extra ein Zelt aufgebaut und es war alles einzusehen.

Eigentlich wollten wir noch zu den Satmarer Chassidim, zu Kretchnif sowie zu Dushinsky. Allerdings beschlossen wir spontan, bei den chassidischen Gruppen Sadigora, Kaliv und Chernobyl vorbeizuschauen. Leider lief bei den letzten drei Gruppen nichts bzw. die Feierlichkeiten waren schon vorüber.

Wir jedenfalls hatten eine tolle Zeit und ich befinde mich nach wie vor im Tischrausch sowohl als auch in der ganzen Atmosphäre und suche noch die Normalität wieder.

Karlin - Stolin an Purim Schuschan

B"H

Die Chassidim der Gruppe Karlin - Stolin am gestrigen Purim Schuschan in Jerusalem:



Sonntag, März 23, 2008

"Tag der offenen Tür" in Mea Shearim

B"H

Auf einen Tag wie den heutigen haben wir lange gewartet. Wo immer man auch hinschaute, alle chassidischen Gruppen luden zu Veranstaltungen ein.
Leider nur schienen wir die einzigen Auswärtigen zu sein, denn überall sichteten wir ansonsten nur chassidische Gäste. Aber das konnte uns nur recht sein, wie sich bald herausstellte.

Nach der riesen Party bei Rabbi Mordechai Machlis nahm ich zwei Freundinnen mit nach Mea Shearim. Eine davon begleitet mich fast jeden Schabbat zu den chassidischen Tischen und die Zweite war noch nie dabei und daher total aufgeregt.

Wir waren bei den Veranstaltungen folgender Gruppen:
Toldot Aharon, Toldot Avraham Yitzchak, der Neturei Karta, den Mischkenot HaRoim, der Chassidut Stropkov und bei Karlin - Stolin.

Diesen Gruppen haben wir einen grandiosen Abend zu verdanken.

Ab Morgen werde ich weitere Photos in den Blog stellen. Unter anderem auch von den Mischkenot HaRoim, der geheimen chassidischen Gruppe aus Mea Shearim. Bisher gibt es von ihnen nur ein einziges Photo.

Insgesamt habe ich das diesjährige Purim - Fest sehr genossen, aber leider kehren wir ab Morgen wieder in den Alltag zurück.

Samstag, März 15, 2008

Die Qual der Wahl

B"H

Vielleicht sollte ich die Erlebnisse dieses gerade ausgeklungenen Schabbates in mehrere Teile zerstückeln, denn soviel ist geschehen. Spezifische Sachen halte ich vorerst hintenan, nur um zu einem späteren Zeitpunkt näher auf sie einzugehen.

Das Wetter am gestrigen Erev Schabbat (Freitag Abend) war kühl und windig. Das mag vielleicht der Grund gewesen sein, warum abends weniger aussenstehende Tischbesucher unterwegs waren als gewöhnlich. Mit einer Freundin begann ich den Schabbat mit dem Abendgebet (Maariv) bei der chassidischen Gruppe Karlin - Stolin in Mea Shearim. Normalerweise sind dort am Freitag Abend nur ganz wenige Frauen auf der Frauenempore vorzufinden, doch als wir gestern eintraten, waren recht viele Frauen versammelt. Unten bei den Männern herrschte ein Andrang und die Betenden standen sogar im Mittelgang zwischen den Bänken. Mindestens 300 Chassidim, wenn nicht mehr.
Was war los ?
Der Rebbe der Karliner war anwesend und es war zugleich das erste Mal, dass wir ihn live sahen. Sein eigentliches chassidisches Zentrum hat er im nahegelegenen Givat Zeev und daher kommt er nur alle paar Monate einmal nach Jerusalem. An diesem Schabbat war es dann soweit und alles war vollständig versammelt.

Rebbe Baruch Yaakov Meir Schochet von Karlin-Stolin in Jerusalem



Nach dem Gebet wurde auf Jiddisch verkündet, dass der Rebbe einen Tisch gibt und als ich eine Frau nach Einzelheiten befragte, erzählte sie mir, dass der Tisch nur für die Männer sei. Als ich sagte, dass dies ja für die Frauen schade sei, meinte sie, dass im extra aufgebauten Zelt halt zu wenig Platz sei. Traurig darüber war sie jedenfalls nicht. Draußen sahen wir dann das Zelt und viele Chassidim gegenüber in die Satmarer Synagoge (gehört zu einem der zwei New Yorker Satmarer Rebben, zu Rebbe Zalman Leib Teitelbaum) rennen, nur um dort zu essen und dann wieder zum Tisch bei Karlin auf der Matte bzw. im Zelt zu stehen.
Auch wir machten uns zum Essen auf; nämlich bei Rabbi Mordechai Machlis im benachbarten Stadtteil Maalot Dafna.

In der Mea Shearim Street trafen wir auf einen haredischen Bekannten und nicht lange nachgedacht, sandte ich ihn hinein in die Synagoge der geheimen anti - zionistischen Gruppe "Mischkenot HaRoim". Diese chassidische Gruppe gleicht eher einer Organisation, welche von Rabbi Chaim Rabinovicz geleitet wird. Sie sind Mitglied der anti - zionistischen Dachorganisation "Edah HaCharedit" und geben sich geheimnisvoll. Seit längerem versuche ich dort Anschluss zu bekommen, doch immer erfolglos, weil es ein reiner Männerclub zu sein scheint. Scheint, aber nicht ist.

Die "Mischkenot HaRoim". In der Mitte sitzend mit weissem Schal: Rabbi Avraham Yitzchak Ullmann von der Chassidut Dushinsky



Unser Bekannter ging hinein, stellte sich jedoch bei seiner Fragerei etwas ungeschickt an. Das hat man dann davon, wenn man Männer losschickt, die kaum denken können. Ein Chassid der Mischkenot HaRoim schaute uns an und meinte, wir können kommen. Allerdings nur morgens zum Gebet. Super, dann weiss ich gleich, wo ich demnächst hingehen werde

Relativ spät (gegen 22.45 Uhr) kamen wir zurück nach Mea Shearim und ich war mir sicher, dass jetzt, eine Woche vor Purim, fast alle Rebben einen chassidischen Tisch geben werden. Selbst jene, die ansonsten in Bnei Brak bei Tel Aviv leben. Wer sich für Chassidut Gur interessiert, dem sei gesagt, dass der Gerer Rebbe das Purim - Fest in Jerusalem verbringen wird. Mit Tisch und allem, was dazu gehört.
Der Rebbe von Karlin - Stolin hingegen wird Purim in Givat Zeev verbringen. Natürlich wird bei Karlin in Jerusalem der G - ttesdienst stattfinden, doch allerdings ohne den Rebben.

Wir gingen die Hauptstrasse Mea Shearim Street und ich dachte mir, warum nicht bei den "Schomrei Emunim - Hüter des Glaubens" reinschauen. Und tatsächlich, dort fand ein Tisch statt. Der Rebbe war aus Bnei Brak angereist. Die "Schomrei Emunim" sind die erste Abspaltung der Toldot Aharon und werden von Rebbe Avraham Chaim Roth geleitet.
Bei ihnen herrscht immer einer Hauch des "Ursprünglichem". Rebbe Roth hält die Tradition seines Vaters vielseits aufrecht; im Gegensatz zu den Rebben der Toldot Aharon und Avraham Yitzchak, wo viele fremde Einflüsse von Satmar oder Vishnitz an der Tagesordnung sind. Auch die kleine Synagoge der Schomrei Emunim gehört zu meinen persönlichen Mea Shearim - Attraktionen.

Wir kamen verhältnismaessig früh an und Rebbe Roth hatte erst begonnen. Der Rebbe nimmt alles sehr ernst und lässt sich beim Kiddusch (Segnung des Weines) viel Zeit. Die Lieder der Chassidim gehören zu den besten in der chassidischen Welt. Zwar sind nur ca. 70 Leute anwesend, aber es herrscht eine begeisterte Atmosphäre.

Der Rebbe der "Schomrei Emunim": Rabbi Avraham Chaim Roth



Es war erst das zweite Mal, dass wir an diesem Tisch teilnahmen, doch wir waren restlos begeistert. Leider ist auf der Frauenempore nur wenig Platz vorhanden und man kann den Rebben und das Geschehen nur verfolgen, wenn man in einer bestimmten Richtung durch die Mechitzah (Trennwand) schaut. Und eben jene Mechitzah ist nur ca. 4 Meter lang und wenn riesen Andrang herrscht, hat man halt Pech. Wir hatten Glück und sahen alles. Jedenfalls solange, bis mehr Frauen eintrafen und wir so richtig zerquetscht wurden. Das war der Zeitpunkt, an dem wir uns verabschiedeten. Leider, denn ich wäre liebend gerne noch dort geblieben. Ich hoffe wirklich, dass kommenden Freitag dort wieder ein Tisch stattfindet.

Nächstes Ziel: Chassidut Toldot Aharon, wenige Meter entfernt.
Dort war kein ein Durchkommen. Mehrere Hundert Frauen belagerten die Frauenempore und wir hatten Null Chancen, einen Platz zu finden, geschweige denn etwas zu sehen. Einmal durch die beiden Räume auf der Empore gelaufen und schnell den Hinterausgang genommen.

Nächstes Ziel: Die zweite Abspaltung der Toldot Aharon - die Chassidut Avraham Yitzchak.

Und hier beginnt der zweite Teil unserer Erlebnisse, welchen ich morgen in den Blog stellen werde. Die Ereignisse, welche uns dort erwarteten, sind einen eigenen Artikel wert.

Auf meinem chassidischen Blog stelle ich derzeit einen chassidischen Tisch - Guide auf. Bisher berichtete ich von den Belzer Chassidim sowie von der Chassidut Dushinsky. Morgen stelle ich die Chassidim von Slonim ein. In den Berichten erfahrt Ihr alle Details zum jeweiligen chassidischen Tisch.

Freitag, März 14, 2008

Pläne

B"H

Konkrete Pläne für diesen Schabbat, von einigen Ausnahmen einmal abgesehen, habe ich noch keine. Ein Freundin von mir, die in der vergangenen Woche zum Judentum konvertiert war, gab eine kleine Feier nach einem Shiur (relig. Vortrag). Und so stopften wir uns alle voll Kuchen und Fruchtsalat.

Wenige Minuten nach 17.00 Uhr beginnt in Jerusalem der Schabbat und ich schleife eben jene Freundin mit zum Abendgebet (Maariv) bei den Chassidim von Karlin - Stolin in Mea Shearim. Das Maariv - Gebet am Schabbat bei Karlin ist einzigartig, wie ich schon viele Male zuvor berichtete. Ekstasische Gebete und eine tolle Atmosphäre. Für mich wird der Gang zu Karlin - Stolin zu einem fast festen Ritual.

Danach gehen wir zu einem Schabbatessen, nur um kurz darauf wieder nach Mea Shearim zurückzukehren und an den chassidischen Tischen der unterschiedlichen Gruppen teilzunehmen. Besonders die Woche vor Purim, und natürlich an Purim selbst (nächste Woche), werden alle Rebben und sämtliche chassidische Gruppen Tische und große Feiern geben. Es wird eine Menge geboten sein.

Dann erst einmal SCHABBAT SCHALOM an alle Leser und ich hoffe, dass Ihr, wo immer Ihr auch seid, einen tollen Schabbat verbringt.

Sonntag, März 09, 2008

Tischandrang

B"H

Perfektes Schabbatwetter mit über 20 Grad erwartete uns alle.
Die Bäume stehen längst in voller Blüte und es herrschte geradezu ein Hauch von Sommer. Selbst die Nächte sind derzeit schon verhältnismässig warm. Dennoch dürfen wir nicht vergessen, dass es erst Anfang Mätz und der Winter somit noch nicht vorüber ist.

Mit einer Freundin begann ich den Schabbat beim Abendgebet (Maariv) der Chassidim von Karlin - Stolin in Mea Shearim. In meinem englischen Blog steht Karlin - Stolin weit abgeschlagen auf dem ersten Platz der Synagogenanfragen. Religiöse jüdische Touristen fragen regelmässig an, wie sie zur Synagoge der Karliner Chassidim kommen. Obwohl die Karliner auch in New York vertreten sind, scheinen dennoch viele sie in Mea Shearim in voller Action sehen zu wollen, denn ihre Gebetsservice sind berühmt für ekstasische Gebete. So intensiv, dass die Worte geradezu herausgeschrien werden. Ein bewegendes Schauspiel, welches uns auch an diesem Erev Schabbat wieder erwartete. Karlin - Stolin gehört für uns fast schon zum Ritual. Die Chassidim sind sehr freundlich und es ich leicht, Kontakte aufzubauen. Übrigens verfügt die ursprünglich aus Lithauen stammende chassidische Gruppe über ihr eigenes Sidur (Gebetbuch).

Nach Karlin - Stolin machten wir uns auf zum Schabbatessen bei Rabbi Mordechai Machlis. Ein weiteres Ritual am Erev Schabbat. Obwohl der Rabbi am Schabbat keine politischen Reden in seinem Haus haben will, begann das Essen vorerst mit ein paar Eindrücken zum Terrorattentat auf die nationalrelig. Yeshiva (relig. Schule) Mercaz HaRav im Stadtteil Kiryat Moshe, bei der acht Studenten erschossen worden waren. Der Rabbi hatte ca. 30 Minuten vor dem Attentat das Gebäude verlassen und ein gemeinsamer Bekannter von uns befand sich während des Attentates im oberen Stockwerk des Gebäudes, wo alle Anwesenden dachten, dass jemand unten Knallkörper herumwerfe. Wenig später wurden sie dann Zeuge von dem, was wirklich passiert war.

Nach dem Essen, was relativ spät endete (22.30 Uhr), gingen wir direkt zur chassidischen Gruppe Dushinsky. Deren Synagoge liegt nur fünf Minuten vom Machlis - Haus entfernt. Leider war fast die gesamte Frauenempore überfüllt und wir konnten kaum sehen, was im Erdgeschoss bei den Männern vor sich ging. Ein kurzer Blick auf Rebbe Yosef Zvi Dushinsky und das war es auch schon. Wir versuchten es weiter bei der ebenso nahegelegenen Synagoge der Kretchnifer Chassidim. Gück gehabt. Die Frauenempore war fast leer und kurz darauf kam die Rebbitzen mit ihrem Familienanhang herein.
Das Problem bei Kretchnif ist die Mechitzah (Trennwand zu den Männern). Obwohl Metallstäbe die Sicht etwas versperren, war es bis vor einigen Wochen möglich, alles gut zu überblicken. Dann kam man auf die fatale Idee, die Sicht zusätzlich mit einer Art Plane zu versperren und wer jetzt länger durch die Plane schaut, dreht sich irgendwann im Kreis. Die Mischung zwischen Papier und Plastik ist nicht besonders gut für die Augen.

Nach ca. 20 Minuten zogen wir davon, denn ich wollte unbedingt schauen, ob es bei den Shomrei Emunim (den "Hütern des Glaubens" und der Ursprung der extremen Gruppe Toldot Aharon) einen Tisch gibt. Deren Rebbe Avraham Chaim Roth wohnt in Bnei Brak und kommt nur alle Jubeljahre einmal nach Jerusalem. Leider hatten wir Pech und es gab keinen chassidischen Tisch.

Zuvor jedoch hatten wir die Synagoge der geheimen chassidischen Gruppe "Mishkenot HaRoim" passiert. Wenn man sie überhaupt eine chassidische Gruppe nennen darf, denn eigentlich sind die Mischkenot HaRoim eine Art Zusammenschluß oder Organisation mit Rabbi Chaim Rabinovicz als Oberhaupt. Sie sind die geheimste Gruppe in der anti - zionistischen Dachorganisation "Edah HaCharedit" und geben sich äußerst bedeckt.

Als wir ihr Gebäude passierten, standen alle Türen einladend offen und im Inneren wurde gesungen. Das große Problem ist nur, dass beide Eingänge auschließlich für Männer sind und wir als weibliche Wesen keine Chance sahen. Auch ein Suchen nach einem dritten Eingang war erfolglos. Also dachte ich mir, dass ich auf anderem Wege Näheres herausfinde. Nämlich dann, wenn ich die Synagoge der Neturei Karta besuche.

Und was war wohl unser nächstes und letztes Ziel ?
Genau, der Tisch des Rebben der Toldot Aharon, Rebbe David Kahn. Aber dort war es mehr als gerammelt voll. Hunderte Frauen drängten sich auf den Metalltribünen und wir quetschten uns nur ca. eine halbe Stunde hinter die Glasmechitzah. Im Erdgeschoß befanden sich Hunderte von Chassidim sowie viele Gäste von ausserhalb, die mit dem Rebben den chassidischen Tisch feierten. Kurz gesagt, bei dem schönen Wetter herrschte der totale Andrang, denn alle waren ausgezogen, etwas zu sehen.

Zum Morgengebet Schacharit lag die Versuchung nahe, zur Neturei Karta Synagoge zu gehen, was ich dann aber auf den nächsten Schabbat verschob. Irgendwie landete ich doch wieder bei den Toldot Aharon, wo ich diesesmal nicht unbedingt einen spirituellen Synagogenservice verbrachte. Als ich ankam, war es genauso voll wie am Abend zuvor. Platz fand ich auf der Hinterbank und ob es jemand glaubt oder nicht, ich war fast drei Stunden dort und sah nichts von dem, was unten bei den Männern vor sich ging. Zu hören war auch kaum etwas und so kämpfte ich die ganze Zeit über mit meinem Gehör, um vielleicht annähernd herauszufinden, in welchem Teil des Gebetes wir uns gerade befanden. Mehr oder weniger erfolglos.
Dafür fand ich genügend Zeit mich ein wenig zu unterhalten und den Frauen zuzuschauen. Ihre Kleidung auseinanderzuhalten und ein paar ganz junge Mädels hatten frisch geheiratet. Sie konnten nicht älter als 18 Jahre alt gewesen sein und nicht alle von ihnen sahen unbedingt happy aus.

Und dann berichtete mir meine Banknachbarin, dass auch heute wieder ein Schabbat Chatan sei. Ein Schabbat an dem diejenigen Männer, die in der kommenden Woche heiraten werden, zur Thora aufgerufen werden. Da ich nichts sah, zählte ich zumindest mit und es werden wenigstens drei Hochzeiten stattfinden, wenn nicht sogar vier.

Am nächsten Schabbat werde ich ganz sicher nicht mein Morgengebet bei den Toldot Aharon verbringen, obwohl einige Frauen fragten, ob ich wiederkomme. Ich hätte gerne etwas vom Synagogenservice gesehen und vor allem das Wesentliche mitbekommen. Aber wer bei den Toldot Aharon nicht pünktlich um 9.00 Uhr früh auf der Matte steht, hat kaum noch eine Chance. Vielleicht findet er einen guten Sitzplatz, doch gibt es keine Garantie für das Hören der Gebete.

Freitag, Februar 29, 2008

Pläne

B"H

Es wird ein vollgepackter Schabbat werden, soviel steht fest.
Heute Abend beginnt er mit dem Abendgebet Maariv bei der chassidischen Gruppe Karlin - Stolin in Mea Shearim.
Wer die Karliner Chassidim aus der Entfernung sieht, der meint garantiert, hier handele es sich um irgendwelche fundamentalistischen Chaoten. Jedenfalls ihrer Kleidung nach. Dem ist aber nicht so.

Wer die Karliner nur äusserlich kennt, der unterliegt leicht einem Fehlurteil. Stattdessen sind sie sehr aufgeschlossen und überaus freundlich. Leider haben sie nur alle paar Wochen / Monate einen Jerusalemer Tisch mit ihrem Rebben, da dieser außerhalb Jerusalems, in Givat Ze'ev, sein Hauptzentrum hat. Die G - ttesdienste bei Karlin - Stolin sind berühmt für ihre Ekstase. Nie habe ich solch intensive Gebete bei einer anderen Gruppe erlebt. Jedenfalls nicht bis zum jetzigen Zeitpunkt.

Der G - ttesdienst zum Erev Schabbat ist unten auf der Männerseite immer total vollgepackt. Mindestens 200 Leute werden zum Gebet anwesend sein. Bei den Frauen oben im 1. Stock hingegen herrscht freitags abends gähnende Leere. Vielleicht fünf Frauen, wenn überhaupt. Aber für mich persönlich steht Karlin - Stolin beim G - ttesdienst auf Platz Nummer 1. Nie habe ich Chassidim anderer Gruppen so exzessiv beten und im Gebet schreien sehen wie in der Synagoge in der Yoel Street.

Zum chassidischen Tisch am späten Abend geht es zu Toldot Aharon. Zumindest, wenn ein Tisch stattfindet.

Bezüglich morgen früh bin ich mir noch nicht sicher. Toldot Aharon (wo wieder ein Schabbat Chatan stattfindet, da kommende Woche ein Chassid heiratet), Munkatsch, Sadigora oder Tschernobyl. Das Problem ist, dass die Auswahl immer recht schwer fällt, da an jeder Ecke eine Synagoge steht.

Schabbat Schalom - Gut Schabbes - שבת שלום לכל הקוראים