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Mittwoch, Oktober 10, 2012

Eine neue Thorarolle in Chabad / Rehavia, Teil 2



B"H

Hier nun der zweite Videoteil zur feierlichen Einweihung einer neuen Thorarolle in Chabad (Lubawitsch). Im Chabad Haus mitten im Jerusalemer Stadtteil Rehavia. Das Event fand bereits am 27. September 2012 / 5773 statt.

Teil 1. mit dem Schreiben der letzten Buchstaben in die Thorarolle ist hier einzusehen:

http://hamantaschen.blogspot.co.il/2012/10/eine-neue-thorarolle-in-chabad-rehavia.html


Teil 2 zeigt den Festzug zur Synagoge, wo die Thorarolle ihren Platz im Thoraschrein fand. Unter einer Chuppah (Hochzeitsbaldachin) wird mit der Rolle im Festzug getanzt. 

Mindestens zwei weitere Videos werden noch folgen !

Samstag, Oktober 06, 2012

Eine neue Thorarolle in Chabad Rehavia / Jerusalem, Teil 1



B"H

Hier seht Ihr den ersten Teil der kleinen Video - und Photoserie zur Einweihung einer neuen Thorarolle bei Chabad (Lubawitsch) Rehavia in Jerusalem. Der dortige Schaliach (Chabad Abgesandte) heisst Rabbi Israel Goldberg und er ist es auch, der die erste Ansprache hält.

Dieses erste Video zeigt wie die letzten Buchstaben der neuen Thorarolle hinzugefügt werden. Ansonsten wird eine gesamte auf Tierhaut geschriebene Rolle von einem SOFER (Schreiber) geschrieben. Hierbei muss es sich um eine religiösen Juden handeln, der bei seiner Tätigkeit "reine Gedanken" haben sollte. Bedeutet, dass er sich beim Schreiben der Buchstaben auf G – tt konzentriert.

Die letzten Buchstaben werden bei einem SI’UM feierlich von speziell ernannten Personen hinzugefügt und danach wird die Thorarolle mit Musik und Tanz zur Synagoge getragen. Wie genau das vor sich geht, seht Ihr hier anhand dieser kurzen Video – und Photoserie.

Rabbi Goldberg spricht im Video aus Hebräisch sowohl als auch auf Englisch ! Die Feier fand am Donnerstag, dem 27. September 2012 statt.

Sonntag, Mai 06, 2012

Der REGENBOGEN im Judentum



B"H 

In der Parashat NOACH (Bereschit / Genesis 9:12 – 17) spricht G – tt von einem Bund zwischen Ihm und der Menschheit. Der REGENBOGEN (hebräisch: "KESCHET") gilt als Zeichen für diesen Bund. Nie wieder soll jemals eine Flut oder anderweitige Katastrophe die Menschheit vernichten wie zu Zeiten Noachs. 

Die Thorakommentatoren Sforno und Or HaChaim erklären, dass G – tt mit Seiner Aussage meint, dass niemals wieder die gesamte Welt / Menschheit mit einem Male vernichtet werden sollen. Teile der Erde sowohl als auch Menschen aber doch. 

Wenn Juden heute einen Regenbogen sehen, dann sagen sie dafür einen speziellen Segen: 

Baruch ata A – do – nai E – lo – henu Melech HaOlam socher Ha’Brit veNe’eman BiBrito – Gesegnet seist Du G – tt (zwei unterschiedliche Namen G – ttes, welche zwei unterschiedliche Charaktereigenschaften des EINEN G – ttes beschreiben), König der Welt, der sich an Seinen Bund erinnert, auf den Bund vertraut und Sein Wort vollfüllt. 
(Quelle: Schulchan Aruch – Code of Jewish Law, Traktat Orach Chaim 229:1). 

Warum steht dann im Talmud Traktat Chagigah 16a die Aussage, dass niemand auf einen Regenbogen schauen soll, wenn denn einer am Himmel erscheint ? 

Aus dem einfachen Grund weil wenn ein Regenbogen erscheint, so ist dies indirekt ein Zeichen dafür, dass G – tt die Welt zerstören wollte, doch nicht tat. Aus welchem anderen Grund sollte der Regenbogen erscheinen, wenn nicht um den Bund zu verdeutlichen. Womit G – tt selbst wieder an Sein Versprechen erinnert wird.

Donnerstag, Mai 03, 2012

Der Mensch darf Fehler machen



B"H 

Mein persönliches Lieblingsthema im Judentum ist all das, was sich mit der Welterschaffung beschäftigt. Zum "Bereshit – Am Anfang" wurden Abertausende Texte verfasst und die Kabbalah dringt tief in die Materie ein. 

Unter anderem ist die Thora kein reines Geschichtsbuch, welches uns eben mal so die Historie des Judentum lehrt, sondern vielmehr ein Gesetzesbuch. Die Thora definiert die Aufgabe der Juden und teilweise auch die der Nichtjuden in dieser Welt. Bis heute haben sich diese Aufgaben nicht verändert, nur die Zeiten, in denen wir leben. Wer gegen die Thoragesetze verstößt, der wird von G – tt bestraft. Wer die Gesetze einhält, wird belohnt. 

Der Talmud lehrt uns, dass G – tt bereits vor der eigentlichen Erschaffungsphase mehrere Dinge erschuf. Darunter das Prinzip der "Teschuva – der Reue und Umkehr zu G – tt". Ohne die Reue und Umkehr wäre die Menschheit verloren und unfähig, vor G – tt zu bestehen. 

Adam und Eva (Chava) zeigten nach ihrem Rauswurf aus dem Paradies Reue. Auch Kain bereute im Nachhinein. "Teschuva – Reue und Umkehr" stellen mitunter eine der wichtigsten Erkenntnisse des Buches "Bereshit – Genesis" dar. Ein Mensch darf sündigen, aber wenn er ernsthafte Reue zeigt, kann er jederzeit zu G – tt zurückkommen. 

Das Buch "Bereshit – Genesis" ist das "Buch der Erschaffung". Nicht nur von der Erschaffung der Ozeane, Kontinente oder Planeten, sondern vielmehr vom Ursprung des jüdischen Volkes.

Samstag, Februar 11, 2012

Dieter Bohlen und “Du sollst nicht töten”

B”H 

“Lo Tirzach – Du sollst nicht töten” – so lautet eines der “Zehn Gebote”, welche G – tt den Juden am Berg Sinai gab. “Du sollst nicht töten", dieses Gebot betrifft jedoch nicht nur Juden, sondern ebenso Nichtjuden. 

Obwohl G – tt hier den Menschen verbietet, einen anderen Menschen zu töten, hat das “Töten” noch weitere Bedeutungen, denn man kann einen Menschen unterschiedliche Arten umbringen. Nämlich durch Verleumdung und öffentliche Bloßstellung. Wer dies tut, verstößt genau so gegen das Gebot “Lo Tirzach”. 

Gewisse Dinge müssen gesagt werden und ich meine hiermit nicht, dass Menschen mit kriminellem Hintergrund nicht geoutet werden dürfen; vielmehr geht es um die absichtliche öffentliche Bloßstellung eines Menschen, denn wenn ich etwas zu kritisieren habe, denn tue ich dies zuerst im privaten Rahmen. 

Vor ein paar Tagen tat ich mit die Sendung “DSDS” an. Recall, Vorausscheidung auf den Malediven oder so in der Art. Nun ist es jedem selbst überlassen, ob er an einem Schrott wie DSDS teilnehmen will und natürlich geht der Kandidat damit das Risiko ein, von Dieter Bohlen und den zwei weiteren Juroren dumm angemacht zu werden. Millionen von Menschen schauen zu und wer negativ dabei wegkommt, der wird nach seiner Rückkehr vielleicht von seinem Umfeld verspottet. Vor allem dann, wenn Dieter Bohlen einmal wieder einen besonders miesen Spruch parat hatte. Wie ich sah, besass keiner der Kandidaten auch nur das kleinste bisschen Hirn und jeder will, auf Teufel komm heraus, ein Star werden. Um jeden Preis. Sogar dann, wenn man sich vor der ganzen Nation lächerlicht macht. 

Okay, alles Show und RTL braucht Quote, für die Bohlen sorgt. Dennoch begeht gerade Dieter Bohlen an so manchem Kandidaten eine komplette Bloßstellung seiner Person. Nicht nur, dass der Popproduzent das Ego des Kandidaten ankratzt, sondern die Bloßstellung erfolgt absichtlich (aus Showgründen) und das kann manchmal ungeahnte Folgen haben. 

Ich denke, dass die Jury von DSDS ein sehr gutes Beispiel darstellt, wenn es um die Verdeutlichung des Gebotes “Du sollst nicht töten” geht.

Donnerstag, Dezember 22, 2011

Wo wird die Thorarolle aufbewahrt ?




 Copyright / Photos: Miriam Woelke

Jerusalem: Ein Geschäft für die typischen sephardischen runden Behälter in denen die Thorarolle aufbewahrt wird. Im unteren Teil des Regales sehen wir aschkenazische Bedeckungen der Thorarolle. Befinden sich die Thorarollen im Thoraschrein (Aron haKodesh), sind sie entweder mit einem Stoffüberzug verhüllt (bei aschkenazischen Juden) oder sie befinden sich in einem runden verzierten Behälter aus Holz oder Metall wie bei den sephardischen Juden.

Samstag, Dezember 17, 2011

Parashat Vayeshev: Josephs Grube

B”H 

Ein Leser meines englischen Blogs fragte in einem Kommentar, woher wir denn wissen, dass die Grube, in welche Joseph von seinen Brüdern geworfen wurde, nicht doch tatsächlich leer war. Immerhin sagt uns das die Thora. Wie können dann jüdische Kommentatoren und der Talmud (Schabbat 22) behaupten, die Grube sei voll Schlangen und Skorpione gewesen ? 

Eine interessante Frage, die uns erneut zeigt, dass so viel mehr hinter der Thora steht als ein paar Worte, die wir darin lesen. Die Aufgabe eines Juden ist es, viel tiefer in die Thora einzutauchen, um herauszufinden, was G – tt uns zu übermitteln versucht. Ferner will ich nochmals anmerken, dass die Thora eine offene Seite hat. Inhalte, für jedermann offensichtlich sind. Zusätzlich hat die Thora jedoch auch noch eine verborgene Seite, welche im Judentum, die Kabbalah definiert. Viele Thorainhalte scheinen, oberflächlich betrachtet, völlig eindeutig. Im Endeffekt ist jedoch das genaue Gegenteil der Fall. Aus diesem Grund gab uns G – tt die mündliche Überlieferung am Berg Sinai, welche später im Talmud zusammengefasst worden ist. 

Parashat Vayeshev 37:24: 

“Dann nahmen sie ihn und warfen ihn in eine Grube; die Grube war leer, es befand sich kein Wasser darin”. 

Dies sind die Worte der Thora, die beschreiben, wie Joseph in die Grube geworfen wurde. In eine Grube, die leer war. Leer ? Warum fährt die Thora dann fort uns zu verkünden, es sei auch kein Wasser darin zu finden ? Leer bedeutet doch leer und das schliesst mit ein, dass auch kein Wasser darin ist. 

Warum also nennt uns die Thora diese zwei Inhalte in einem Zusammenhang ? Zu sagen, dass die Grube leer sei, hätte doch allein völlig ausgereicht ! 

Als Erklärung beginne ich mit einem Metapher des Torah Passuks (Abschnitts): Symbolisch betrachtet ist ein Kopf, welcher ohne Thorainhalte ist, empfänglich für fremde Gedanken und Ideologien – Bedeutet, dass das Judentum Wasser stets mit Thora gleichsetzt. Ohne Wasser kann ein Mensch nicht existieren und so ergeht es einem Juden ohne Thora. Ohne Thora in seinem Kopf gibt sich ein Jude zu sehr der Außenwelt hin und übernimmt fremde, negativ – beeinflussende, Ideologien auf. So, wie es Rabbi Avraham Yitzchak HaCohen Kook in seinem Kommentar beschreibt.  

Der mittelalterliche Kommentator Raschi sagt, dass die “leere Grube” sowie das “fehlende Wasser” in einem Zusammenhang genannt wurden, weil es das war, was die Brüder wahrnahmen. Sie sahen eine leere Grube ohne Wasser. Wobei sich das nicht existierende Wasser auf die Leere der Grube bezog. Es war also kein Wasser darin und damit war für die Brüder die Grube leer. Was sie jedoch nicht wahrnahmen ist, dass sich Schlangen und Skorpione darin befanden. G – tt liess ein Wunder walten und Joseph überlebte das Getier in der Grube. Kurz darauf verkauften ihn die Brüder an die Ishmaeliten, die Joseph nach Ägypten mitnahmen. 

Hätten die Brüder mitbekommen, dass G – tt dem Joseph ein Wunder geschehen liess, so hätten sie ihn nicht weiterverkauft. Genau das ist es aber, was G – tt wollte, denn Joseph musste irgendwie nach Ägypten gelangen, um später die gesamte Familie zu sich zu holen. Warum ? Weil die Juden in Ägypten eine ganz besondere Aufgabe zu erfüllen hatten bevor sie, viel später, wieder hinausgeführt wurden.

Donnerstag, Dezember 15, 2011

Psalm Nr. 1: Wasserbäche


Photo: Miriam Woelke
B”H 

Im ersten Psalm lesen wir von einem Menschen, der sich den Bösen nicht anschliesst, doch dessen Verlangen darin besteht, G – ttes Thora zu folgen. Er soll wie ein Baum mit tiefen Wurzeln an Wasserbächen sein. 

Rabbi Samson Raphael Hirsch kommentiert hierzu, dass viele Bäche einer gemeinsamen Quelle entspringen. Genau so wie die Thora ihre “Bäche” hat, die wiederum in jeden Aspekt unseres Lebens einfliessen.

Freitag, August 19, 2011

Gedanken zur Parashat EKEV


Gibt G – tt uns wirklich alles was wir brauchen ? Die Shopping Mall "Dizengoff Center" in Tel Aviv.

Photo: Miriam Woelke

B"H

Parashat Ekev stellt grundsätzlich eine einzige Aufmunterung G – ttes an die Juden dar. Nach all den Drohungen “wenn wir dieses oder jenes nicht tun, wird G – tt uns strafen”, erfolgt die große Aufmunterung. Nämlich das G – tt stets mit den Juden geht und auf das Land Israel schaut. Mehr als auf alle anderen Länder der Erde.

Zu Beginn der Parashat EKEV listet G – tt die Wunder auf, welche die Juden in der Wüste erfuhren. An eben jene Wunder G – ttes sollen die Juden immer denken und sie ggf. als Ermunterung in ihrem eigenen Leben betrachten. Der RAMBAN (Nachmanides, 1194 – 1279) betrachtet die Tatsache, dass G – tt die Juden in der Wüste immer mit ausreichend Nahrung und sonstigen Bedürfnissen ausstattete als Beweis dafür, dass G – tt immer für uns sorgen wird.

Viele Male im Leben geschieht es, dass wir uns um ausreichend Geld für den Lebensunterhalt sorgen. Persönlich kenne ich nicht gerade wenige relig. Juden, die in allem, was sie tun, auf G – tt vertrauen. Machen wir den ersten Schritt (z.B. einen Job suchen), so wird G – tt uns auf dem Weg zu unserem Ziel aktiv begleiten und unterstützen. Nicht immer werden wir uns Seiner Hilfe bewusst und es wird genügend Hindernisse auf unseren Wegen geben. Dennoch, hinter den Kulissen zieht G – tt stets die Fäden. Selbst dann, wenn wir eine Niederlage im Leben hinnehmen müssen.

Da es Momente gibt, in denen sich jeder einzelne von uns schon sorgt, fällt es nicht immer leicht, diesem Konzept zu folgen. Einerseits weiss ich, dass es seiner Richtigkeit entspricht, wenn G – tt über allem steht. Andererseits jedoch ist das Leben in Israel alles andere als einfach. Mit G – ttvertrauen oder ohne, unzählige Familien haben nicht genug zu Essen im Kühlschrank und sind auf wohltätige Organisationen angewiesen. Verhungern tut niemand, aber loswerden tun wird unsere Sorgerei auch nicht gerade.

Heutzutage mag es zwar einen Mangel an absolutem G – ttvertrauen geben, doch vielleicht helfen uns gerade die Sorgen um den Lebensunterhalt, den ersten Schritt zu wagen, unsere Situation zu verbessern.

Montag, Juni 20, 2011

Leserfrage: Sephardische Thorakommentare & MIKRE'OT GEDOLOT

B”H

Ein Leser googelte die Frage, wie er denn an eine Thora mit sephardischen Thorakommentaren komme. Die Antwort darauf lautet, dass mir eine solche Thora nicht bekannt ist. Erstens einmal sind nicht alle sephardischen Kommentatoren überhaupt erst ins Englische übersetzt worden. Zweitens kauft sich jemand, der an einem bestimmten sephardischen Kommentator interessiert ist, die hebräische Setausgabe des jeweiligen Rabbiners.

Alls Allgemeinkommentar in der hebräischen Sprache sind die Thoraausgaben “Mikre’ot Gedolot” nicht wegzudenken, in denen auch einige sephardische Kommentatoren vertreten sind ! Dennoch handelt es sich dabei nicht um eine rein sephardische Kommentatorenauswahl.


Die MIKRE’OT GEDOLOT gibt es sowohl als auch für die fünf Bücher Moses als auch für die Propheten und Schriften. Allerdings nur in hebräischer Sprache. Dabei umfassen sie die Kommentare von Raschi, dem Ohr HaChaim (war sephardischer Herkunft), dem Kli Yakar, den Sifte’i Chachamim, dem Ramban (war sephardischer Herkunft), Sforno, Ibn Ezra (war sephardischer Herkunft), Targum Yehonatan oder Onkolos.

Und so schaut das Ganze dann aus: Der eigentliche Thoratext oben rechts und drumherum die Kommentare.



Unten: Teile eines MIKRE'OT GEDOLOT Sets


Photos: Miriam Woelke

Donnerstag, Juni 16, 2011

Rabbi Yitzchak Ginzburgh zur Parashat SHLACH



 Rabbi Yitzchak Ginzburgh (Chabad) zur dieswöchigen Thoralesung SHLACH (SCHLACH).

Die Gemara (rabbinische Diskussion) im Talmud Traktat Sotah 35 lehrt uns, dass die Spione (Meraglim), welche Moshe in das Land Canaan entsandte, schon vor der Abreise keine guten Absichten hegten. Wer sich auf eine Reise begibt, um unterwegs nur das Negative zu suchen, der findet es auch.

Talmud Schabbat 88: G – tt hielt den Berg Sinai über die Juden, Teil 2


The Sleeping Beauty Galaxy
B”H

TEIL 1 siehe HIER !


Obwohl viele talmudische sowie rabbinische Meinungen lauten, G – tt habe die Juden am Berg Sinai sozusagen “gezwungen”, die Thora zu akzeptieren, existieren dennoch ganz andere Meinungen. Wie im Talmud so üblich, denn dort wird bekanntlich alles auseinanderdiskutiert und fast immer kommt es zu keiner definitive Aussage.

Der Kommentator RAN, Rabbi Nissim von Gerona, zum Beispiel, sagt, dass die Juden die Thora annehmen mussten, denn allein das war ihr Ticket ins Gelobte Land. Ohne die Thora hätte G – tt ihnen das Land Israel erst gar nicht gegeben. Sobald die Juden in der ersten Diaspora landeten (nachdem die Babylonier den Ersten Tempel zerstört hatten) dachten sie, dass die Thoragesetze für sie nun nicht mehr gelten, denn sie leben ja im Ausland. Allerdings änderte sich die gesamte Einstellung zur Thora nach dem “Purimwunder”. Im babylonischen Exil verfielen viele Juden den lokalen Götzendienstbräuchen und vergaßen die Thora. Durch Haman und seinem Plan, die Juden auszurotten, kame es jedoch ganz anders und die Juden fanden zu ihrem Ursprung zurück. Als Jahre darauf Ezra die Juden (nicht alle, denn viele von ihnen wollten unbedingt in Babylon bleiben, da sie dort wirtschaftlich angeblich besser dastanden) nach Eretz Israel zurückführte, wurde die Thora kompromisslos angenommen.

Der talmudische Rabbiner Resh Lakish zieht einen Vergleich zwischen den sechs Tagen der Welterschaffung und dem 6. Sivan. Dem Tag, an welchem die Juden die Thora erhielten. Auch der Talmudkommentator Raschi kommt zu der Erkenntnis, dass der sechste Tag der Welterschaffung auf den 6. Sivan hindeutet. Der Talmud Traktat Schabbat 88a lehrt in der Gemara (rabbinische Diskussion), dass DIE ERDE SICH FÜRCHTETE UND SICH DANACH BERUHIGTE, denn die Situation ging positiv zuende. Was ist damit gemeint ?

Raschi kommentiert, dass die Erde sich fürchtete, die Juden könnten die Thora verweigern und damit werde die gesamte Erschaffung von G – tt wieder zerstört. Als die Juden die Thora jedoch am 6. Sivan annahmen, beruhigte sich die Erde wieder, denn alles ging gut aus.

Der Ramban (Nachmanides) kommentiert, dass die Welt so erschaffen worden war, dass die Juden die Thora annehmen. Im gegenteiligen Fall würde die Welt zwangsläufig von G – tt zerstört werden.

Mittwoch, Juni 08, 2011

Talmud Schabbat 88: G – tt hielt den Berg Sinai über die Juden, Teil 1


Thoratext

Photo: Miriam Woelke

B”H

In Israel ist Schavuot, das Wochenfest, heute abend zuende gegangen; in der Diaspora hält es dagegen noch bis morgen abend (Donnerstag) an. 
Wenn wir von Schavuot (übersetzt: Wochen) sprechen, dann bezieht sich fast alles auf die THORA, denn die wurde ja an diesem Tag am Berg Sinai von G – tt an die Juden gegeben. Der Talmud liefert ein paar sehr interessante Insights zur Thora und was am Berg Sinai geschah. Dazu ein kleiner Einblick hier und weitere folgen in den nächsten Tagen.

Der Talmud Traktat Schabbat 88a listet ein paar Teachings auf, die ursprünglich aus der Aggadah stammen. Mitunter geht es dabei um die Aussage, dass als die Juden am Berg Sinai standen, G – tt den Berg anhob und G – tt die Juden mit dem Berg bedeckte. Bedeutet, dass die Juden sich innerhalb des Berges befanden. Dabei sagte G – tt: “Wenn Ihr die Thora annehmt, gut, aber falls nicht, werdet Ihr hier unter dem Berg begraben !”

Wenn wir uns diese Talmudaussage aus der Aggadah anschauen, müssen wir beachten, dass die Aggadah sowohl als auch der Talmud vieles in symbolischer Form wiedergeben. Wörtlich dürfen wir es also nicht nehmen, sondern als metaphorischen betrachten. Viele Aussagen, die recht merkwürdig klingen, hegen die Absicht, uns etwas ganz anderes mitzuteilen und bedienen sich als Mittel zum Zweck der Symbolik.

Wie kann G – tt den Berg Sinai hochheben und diesen einfach über die Juden stellen wie einen Hut ? Und warum wandte G – tt diese Methode an bzw. warum zwang Er die Juden zur Annahme der Thora ? Immerhin hatten die Juden doch schon bekundet, dass sie die Thora haben wollten (siehe Exodus – Sefer Schmot 24:7). 

Teile der Antwort finden wir im Talmud wie in der Kabbalah. Als G – tt zu den Juden sprach, so tat er das zu Beginn öffentlich und jeder Jude vor dem Berg Sinai hörte G – ttes Stimme. Wobei diese Aussage ebenso wieder symbolischer Natur ist und vielmehr bedeutet, dass die Juden die Stimme G – ttes sozusagen in ihrer Seele vernahmen. Die Kabbalah berichtet uns, dass sobald G – tt den ersten Satz aussprach, die Seelen der Juden die Körper verliessen. So einflussreich war das Erlebnis auf die Juden vor dem Berg Sinai. In anderen Worten: Sie schafften es nicht, G – ttes Worte zu vernehmen, da sie einfach nicht dazu in der Lage waren. Ihre Seelen verliessen zeitweilig die Körper und es bestehen Meinungen, dass die Menschen so starben, doc him selben Moment erweckte sie G – tt wieder zum Leben. 

Die Juden hatten zuvor akzeptiert, die Thora anzunehmen. Dann aber unterwarf G – tt sie einer Art Zwang, die Thora anzunehmen. Warum ? Die Tosafot kommentieren dazu, dass die Juden nach dem Schockerlebnis am Berg Sinai (als ihre Seelen die Körper verliessen) sie eventuell ihre Meinung geändert haben könnten.

Die Midrasch kommentiert, dass die Juden bereit waren, die schriftliche Thora zu akzeptieren, doch mit der mündlichen Thora (der heutigen Mischna des Talmud), hatten sie so ihre Probleme. Die Mischna (Gesetze) verlangen ein immenses Studium und wer weiss, wie er was machen soll, der muss sich anstrengen, die entsprechenden Mitzwot zu erfüllen. Ist das nicht alles zu aufwendig ? Der Ramban (Nachmanides) erklärt, dass die Juden bereit waren, die Mitzwot in Israel zu erfüllen, jedoch nicht in der Diaspora, in der sie sich zu dem Zeitpunkt befanden. Später, zu Zeiten Mordechais und Esthers in Babylon, waren die Juden bereit, auch die Thoramitzwot in der Diaspora anzuerkennen und der Talmud Schabbat gibt uns zu verstehen, dass es zur Zeit der Purimereignisse war als die Juden die Thora voll und ganz akzeptierten und annahmen.

Der Maharal von Prag kommentiert, dass wenn die Juden die Thora abgelehnt hätten, die Welt wieder zu ihrer alten Form vor dem Erschaffungsprozess zurückgegangen wäre. Bedeutet: Hätten die Juden zu G – tt gesagt, dass sie keine Thora wollen, wäre die Welt vernichtet worden und zum Zustand des Tohu vor der Welterschaffung zurückgekehrt. Allein die Thora macht die Welt aus und die Juden waren dafür vorgesehen, diese zu akzeptieren und die Thoragesetze zu erfüllen. Wäre das in die Hose gegangen, hätte die Welt ihren Sinn und Zweck verloren und somit zum Zustand des Tohu zurückgekehrt.

Anmerkung: In der jüdischen Kabbalah steht TOHU für die Gedankenwelt G – ttes und nicht für eine materielle Form oder Erschaffung.


Photo: M. Day


Nun muss man sich zwangsläufig die Frage stellen, ob G – tt am Berg Sinai die Juden nicht allzu sehr in ihrem “Freien Willen” beeinflusste, wenn er sie sozusagen zwang, die Thora zu akzeptieren, damit die Welt nicht den Bach hinunter ging. Andererseits hatten die Juden immer noch ihren “Freien Willen”, denn G – tt gab ihnen die Wahl.

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Teil 2 folgt morgen !

Der Talmudtext aus dem Traktat 88a ist keineswegs einfach zu verstehen noch zu erfassen und wenn Ihr dazu Fragen habt, stellt sie !

Montag, Juni 06, 2011

Die Thora trägt eine äußere und innere Kleidung


Thora mit Rashi - und Arizal (Rabbi Yitzchak Luria) Kommentar

Photo: Miriam Woelke
B”H

Das kabbalistische Buch ZOHAR (veröffentlicht im Jahre 1290) lehrt, dass all die Stories in der Thora (von Adam und Eva, Noach, Avraham bis hin zu Moshe) zwar ein wichtiger Bestandteil sind, um uns die Herkunft des jüdischen Volkes zu verdeutlichen; dennoch bilden die Erzählungen lediglich die “äußere Kleidung” der Thora. Unsere Aufgabe ist es dagegen, nach dem inneren und verborgenen Kern zu suchen. 

Vergleichen wir die “äußere Kleidung” der Thora mit einem Menschen, der nur auf die Kleidung anderer Leute schaut und sie danach richtet. Kleider stehen für Äußerlichkeiten, sagen jedoch noch nicht allzu viel über den inneren Kern, sprich “die Seele” aus. Wenn wir einen Menschen kennen lernen, so sollten wir ihn nach seiner Seele beurteilen und nicht nach seinen Markenjeans !

Genau so verhält es sich mit der Thora: Wir lesen und lernen die Erzählungen in ihr, doch bedeutet dies noch lange nicht, dass wir den inneren Kern, sprich die Seele der Thora, gefunden und verstanden haben !
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Im Judentum verstehen wir unter der Thora die Fünf Bücher Moses. Die Propheten sind kein Bestandteil der Thora.

Mittwoch, Januar 05, 2011

"Dem eigenen Pharao begegnen" oder "Wie ein Blog erfolgreich wird"

B”H

Gestern nahm ich an einem interessanten Schiur (relig. Vortrag) teil. Und das, obwohl mich einige Leute warnten, nicht zu oft zu Chabad zu gehen, denn man fürchtet, ich könnte zu Chabad hinüberkippen. Eine völlig unberechtigte Vorstellung und dass ich Chabad werde, wird nicht passieren ! :-)

Der Schiur nahm einen interessanten Verlauf, denn der Referent (Chabadnik, aber kein Rabbiner) zieht seinen Unterricht von nun an gemäss einer neuen Methode auf. Vor einer Woche noch las er lediglich aus dem Chabad – Standardwerk TANYA vor, ohne darauf zu achten, dass die Hälfte der Anwesenden ihm absolut nicht folgen konnte. Wer kann das auch, wenn da jemand von seiner eigenen Religion, sprich dem Judentum, wenig bis gar keine Ahnung hat ? Und dann kommt jemand von Chabad, schlägt den TANYA auf und redet von drei unterschiedlichen Seelenleveln oder einem g - ttlichen Licht. Anstatt derlei tiefe und komplizierte Konzepte vorab zu erklären, wird einfach aus einem Buch vorgelesen und alles heruntergerasselt. Und so kame es dann auch zu Beschwerden und der Referent schwenkte seinen Lernplan bzw. die Lernmethode um. Ausgerechtet gestern war ich dann auch noch die einzige Anwesende, da andere sich nicht vom Internet trennen konnten.

Der Referent began mich zu fragen, was ich empfinden täte, wenn ich Moshe wäre und da plötzlich von G – tt zu Pharao geschickt werde, um von ihm die Freiheit der in Ägypten versklavten Juden einzufordern. Wäre das nicht eine angst einflössende Aufgabe ?

Meine Antwort darauf lautete NEIN, denn erstens trug G – tt Moshe auf, zu Pharao zu gehen und war damit austomatisch auf Moshes Seite. Zweitens lessen wir in diesen Wochen in den Thora Parashot von den 10 Plagen und wenn Moshe zu Beginn der dieswöchigen Parashat BO zu Pharao geht, sind die 10 Plagen schon in vollem Gange. Wieso also sollte Moshe da angst vor Pharao zeigen, wenn der Machthaber momentan mit den Plagen und mit G – tt konfrontiert wird ?




Der Referent erklärte, dass PHARAO hier genauso ein Konzept bedeuten könnte und das uns G – tt in der Thoralesung BO etwas besonderes lehren will. Moshe fühlte sich alles andere als wohl, zu Pharao gehen zu müssen und hätte sich sicherlich etwas Besseres vorstellen können. Genauso ergehe e suns im Leben: “Komm zu Pharao – Komm zu jenen Situationen, die Dir in Deinem Leben unangenehm sind, aber mit denen sich jeder von uns trotzdem herumschlagen muss”.

Situationen, vor denen wir angst haben und in die wir uns lieber nicht begeben wollen. PHARAO steht also im tieferen Sinne für die DUNKLE SEITE.
Jeder von uns hat eine dunkle Seite in seinem Leben, der er aus dem Wege gehen will. Probleme vielleicht, einen bestimmten Menschenschlag, gewissen Mitmenschen, etc. Wenn wir jedoch damit in Berührung kommen, sollten wir wissen, wie wir damit umgehen.

Der Referent machte auf eine Psychologiestudie aufmerksam, welche zu dem Ergebnis kam, dass es Leute gibt, die in sich gezogen leben. Bedeutet, sie bestehen auf ihre Meinung und leben, ohne sich darum zu kümmern oder beeinflussen zu lassen, was ihre Umgebung von ihnen halt. Dann aber gibt es Menschen, die stets gemäss ihrer Umgebung handeln, sich beeinflussen lassen und sich somit einen Vorteil erhoffen. Und sei es nur “Everybody’s Darling” zu sein. Ich gab dem Referenten hierzu ein paar Beispiele aus der Blogosphere:

Es existieren unzählige Websites, die anderen Website Inhabern bzw. Bloggern lehren wollen, wie man denn alles richtig mache und einen Blog erfolgreich führt. Am besten sei es immer, die Leserschaft Recht haben zu lassen. Nur ja nicht zuviel eigene Meinung schreiben, sondern liberal und in der goldenen Mitte bleiben. Immerhin beabsichtigen viele Blogger etwas zu verkaufen und bei klaren, manchmal missliebigen Aussagen, gehe ja sonst die Kundschaft verloren.

Was ich soweit feststellte ist, dass nur jene Leute Geld machen, welche auch die Ratschläge geben, denn sie verkaufen ihre Online – Kurse oder eBooks. Wer sich als Blogger damit einfangen last, dem wird zwar alles vom Himmel herunter versprochen, doch die wenigsten kommen tatsächlich ins Business.

Ich bin nichts von all dem und schreibe meine persönlichen Meinungen. Ob es der leserschaft nun passt oder nicht. Das erstaunliche Ergebnis aber ist, dass gerade diejenigen Blogger, die sich anpassen und so schön liberal bleiben, den meisten Erfolg vorweisen. Warum ? Ich habe keine Ahnung. Vielleicht, weil die Welt nicht mehr unbedingt darauf aus ist, unliebsame Meinungen zu hören, sondern lieber auf Friede, Freude, Eierkuchen abfährt.

Und was hat das jetzt alles mit Moshe und Pharao zu tun ?

Es geht nicht um die Frage, ob Moshe angst hatte zu Pharao zu gehen oder nicht, sondern darum, wie Moshe die Situation letztendlich managte. Auch wir müsen im Leben lernen, mit schwierigen Situationen umzugehen und uns ihnen zu stellen. Und dabei kommt es in erheblichem Maße darauf an, ob wir uns nach unseren inneren Werten richten und danach gehen, wer wir wirklich sind. Oder ob wir uns von unserer Umwelt beeinflussen lassen und so eine Maske aufsetzen, um eine Situation gemäss den Erwartungen von außen zu meistern.

Mittwoch, Dezember 08, 2010

Rabbiner entscheiden: Keine Immobilien an Araber

B"H

Die Welt regt sich wieder einmal über die Juden auf und bei soviel Ignoranz kommt mir stets alles hoch. Netanyahu und Peres fahren nun auf demselben internationalen Schiff mit. Kein Wunder, denn Bibi soll ja neuerdings bereit sein, den verstorbenen Marmara Terroristen der Flotilla vom Juni sogar Entschädigungsgelder in Höhe von 100,000 Dollar pro Kopf zu zahlen.
Wiedergutmachungsgelder für Terroristen, weil Netanyahu der Friede mit der Türkei wichtiger ist. Damit fällt er wieder einmal mehr seinem Land in den Rücken und die Kritik an jenen Rabbinern, die da unterschrieben, keine Immobilien an Araber zu vermieten oder zu verlaufen, wird hinfällig. Wer soll den Schwätzer Netanyahu noch ernst nehmen ?

Die Absicht jener Rabbiner, die den Erlass gegen jüdischen Immobilienbesitz an Araber unterschrieben haben, ist einfach erklärt: Man will einfach keine arabischen Nachbarn, denn das bringt Zoff. Vielleicht geht es bedingt in Orten wie Haifa, Nazeret oder Akko gut; wobei es auch in Akko sowie Nazeret zu Unruhen zwischen Juden und Arabern kam. Anderswo jedoch, und das selbst in Yaffo, ist der Ofen aus und es funktioniert nicht.

Die Frage ist, ob wir solch einen offiziellen Erlass brauchen, denn seit jeher vermieten oder verkaufen selbst wenig säkulere Juden ihre Wohnungen an Araber. Im tadellosen Ramat Aviv oder Herzliya will man garantiert keine Araber als Nachbarn. Schimon Peres wohnt in Ramat Aviv und will ganz sicher sein Penthouse nicht mit einem Araber in der Nachbarschaft disqualifizieren.

Richten wir jedoch unser Augenmerk auf den umgekehrten Fall:
Sind die Araber bereit, einen Juden in einem ihrer Orte aufzunehmen ? Ein Haus zu vemieten oder zu verkaufen ? Nein, und dazu benötigt der Araber keinen Erlass, sondern es ist ungeschriebenes Gesetz. Kein Araber will einen Juden sehen, der sich in Beit Chanina oder anderswo niederlässt. Selbst die drusischen Orte nicht, wie wir vor wenigen Wochen in den Zeitungen lasen. Ein Jude hatte ein Haus in einem drusischen Dorf am Carmel gekauft und sobald dies öffentlich wurde, schlug ihm die Feindschaft der drusischen Bewohner entgegen. Der Jude gab auf und verkaufte die Immobilie.

Israel sucht seine Identität zu wahren und hierbei geht die Thora nicht konform mit den so "liberalen", doch dummen ignoranten Vorstellungen der Welt.

Donnerstag, November 25, 2010

Parashat Vayeshev - פרשת וישב

B"H

Die Thoralesung für diesen Schabbat

"Vayeschev Yaakov be'Eretz Megurej aviv be'Eretz Canaan - Und Yaakov siedelte, lebte im Land seiner Väter, im Lande Canaan".
So lautet der erste Satz der dieswöchigen Thoralesung Vayeschev.

Die Frage ist, warum der Text hier besagt "Vayeschev" und nicht "Gar". Was ist der Unterschied zwischen den beiden Verben, die eigentlich beide "wohnen" andeuten ?
Rabbi Samson Raphael Hirsch aus Frankfurt beantwortete diese Frage wie folgt: "Lagur - Gar" deutet ein Wohnen an einem Ort an, an welchem einem das Land nicht gehört. "Vayeschev" hingegen bezieht sich auf ein Wohnen in einem Land, welches einem tatsächlich als Eigentümer zusteht. Und das Land Canaan gehört Avraham sowie den Nachfahren Yitzchaks; sprich, den JUDEN.

Bei "Vayeschev" und dessen Bedeutung fallen mir ebenso die heutigen Siedler ein, welche in der säkuleren israelischen Presse stets "Mitnachalim" genannt werden und nicht, wie eigentlich grammatikalisch richtig "Mityaschvim". Mityaschvim insoweit wie den Juden das Land tatsächlich gehört.

Schon von Beginn an tat sich ein riesiger Graben zwischen Yosef und seinen Brüdern auf. Yosef war des Vaters Darling und gab sich arrogant. Seine Brüder sahen ihn als eingebildeten Popanz, der sich die Augen schminkte und sein Haar hin und herstylte (siehe u.a. Ramban - Nachmanides). Meist gab sich Yosef lediglich mit den Kindern Bilhas ab, denn diese wurden als Konkubinenkinder von den Söhnen Leas verspottet. Benachteiligte tun sich gewöhnlich zusammen und so geschah dies auch im Falle Yosefs.

Andererseits gab Yosef sich auch nicht gerade als Unschuldslamm, denn er verpetzte seine Brüder beim Vater wo es nur ging. Kein Wunder, dass die so richtig sauer auf ihn waren und ihn als Querulanten ansahen. Warum aber retteten die Söhne Bilhas Yosef nicht vor dem Verkauf an die Ishmaeliten ? Hier vertritt die Midrasch Rabbah die Ansicht, dass Yosef über all seine Brüder beim Vater herzog.

Zu antiken Zeit genauso wie heute noch in der Beduinengesellschaft hüten die Schwächsten einer Familie die Schafherden. Die Dummies, sozusagen. Bei den Beduinen sind es heute fast immer die Frauen, die da als Hirten schuften. Yosef wurde als Dummie gesehen und er war es, der mit den Kindern der Konkubinen Bilhah und Silpah die Viehherden hütete. Auch den späteren König David kennen wir als Hirten, denn seine Brüder meinten, etwas Besseres zu sein und machten sich nicht gerne die Hände schmutzig.

Der Ramban ist ebenso der Ansicht, dass Yosef über die Söhne der Zweitfrauen von Yaakov bei seinem Vater ablästerte und deswegen hassten Dan, Naphtali, Gad und Asher ihn leidenschaftlich. Als die Söhne Leas sahen, wie sehr Yaakov den Yosef liebte und verzog, wurden sie neidisch. Yaakov liebte den Yosef, da er der Sohn seiner geliebten Rachel war. Andere Kommentare besagen, dass sich Yosef und Yaakov sehr ähnlich sahen.

Was auch immer Yaakov von seinen Vorfahren Schem (Sohn Noachs) und Ever (Sohn von Schem) gelernt hatte, lehrte er nun dem Yosef. Sämtliche Weisheiten und Geheimnisse der Thora.
Thora ?
Kam die Thora nicht erst später ins Spiel ?
Ja, schon, aber unsere Weisen lehren uns, dass die Vorväter schon vorab viele Gesetze der Thora einhielten, bevor diese überhaupt erst gegeben wurde.

Als Yosef dann auch noch den Traum hatte, in welchem sich seine Brüder vor ihm verneigen, war der Ofen ganz aus und ihr Hass kannte kaum mehr Grenzen. Nein, Yosef solle niemals irgendein König werde und über sie herrschen.

Yosef traf auf seine Brüder in Dotan, denn sein Vater hatte ihm aufgetragen, diese zu suchen. Zuerst wollten sie ihm umbringen, doch Ruven hielt sie zurück. Sie beschlossen, ihn in eine Grube zu werfen, um sich nicht ganz so schuldig an seinem direkten Tod zu machen. Der Ramban erwähnt an dieser Stelle, wie so oft, den Raschikommentar, der da besagt, dass die Thora ausdrücklich hervorhebt, die Grube sei LEER gewesen. Was interessiert es uns, ob die Grube leer war oder irgendwo eine kleine Wasserpfütze darin stand ?
LEER bedeutet in diesem Zusammenhang, dass sich nichts in die Grube wagte, denn diese war von Schlangen und Skorpionen bevölkert. Der erste aschkenasische Oberrabbiner Israels, Rabbi Kook (Kuk) sieht die Grube, in die Yosef geworfen wurde als Metapher für die Diaspora. Rabbi Kook vergleicht eine dunkle Grube mit derlei Getier mit der Diaspora. Gerade dort werden die Juden mit allen nur erdenklichen äußeren Einflüssen konfrontiert und ausgerechnet Yosef zeigt uns den Weg, wie wir dennoch unsere jüdische Identität und unsere Werte beibehalten. Yosef war der Meinung, dass wir uns den anderen Völkern mehr entgegenstrecken sollen. Mit anderen Worten, wir können uns nicht in abkapseln, sondern müssen genauso mit ihnen Leben. Zum Beispiel in der Geschäftswelt oder im Freundeskreis. Eine Öffnung bedeutet jedoch nicht "Mischehen - Juden heiraten Nichtjuden" einzugehen oder ihr Wertesystem zu übernehmen, denn auch für Yosef gab es eine Grenze der Offenheit. Die Thora und ihre Inhalte dürfen nie ad acta gelegt werden.

Yosefs Bruder Yehudah dagegen war mehr für die absolute Aufrechterhaltung der Heiligkeit (Keduscha) und der Separation. Rabbi Kook vergleicht beide Charaktäre mit dem Kampf der Makkabäer gegen die Griechen. Da die Parashat Vayeshev immer in die Chanukkah - Zeit fällt, suchen wir natürlich nach Zusammenhängen zwischen ihr und Chanukkah. Gerade zur Zeit der griechischen Besatzung verschrieben sich viele Juden dem Hellenismus. Man wollte so sein wie alle anderen Völker auch, nur G - tt spielte bei dem Spiel nicht mit. Das gleiche Schicksal wird auch uns irgendwann wiederfahren, wenn wir uns nicht an die Thora halten und meinen selbst entscheiden zu können was wir brauchen und was nicht.

Die Brüder sahen eine Karawane vorbeiziehen und Yehudah beschloss, denn Yosef einfach zu verkaufen. Wie konnten seine Brüder nur so grausam sein und Yosef in die Sklaverei verkaufen ? Hätte G - tt sie nicht unbarmherzig bestrafen müssen ? Und wieso rächte sich Yosef nicht später als er dazu imstande war ? Nebenbei erwähnt, Yosef erzählte später seinem Vater NIE, was die Brüder ihm angetan hatten. Die Thora gibt uns in den folgenden Parashot keinerlei Auskunft darüber. Als sein Vater Yaakov nach Ägypten zog, wohnten dieser und sein Sohn Yosef recht weit auseinander. Ein Kommentator ist der Ansicht, dass Yosef mit Absicht seinen Vater auf Distanz hielt, um so eventullen Detailfragen zu entkommen.

Der Arizal (der große mittelalterlich Kabbalist Rabbi Yitzchak Luria) ist der Ansicht, dass G - tt die Juden für den Verkauf des Yosef bestrafte. Und zwar zu der Zeit der römischen Besatzung vor 2000 Jahren als nach und nach berühmte Rabbiner wie Rabbi Akiva oder Rabbi Gamliel hingerichtet wurden. Die damaligen 10 Märtyrer repräsentieren die 10 Brüder. Dennoch kommt der Arizal genauso wie andere Kommentatoren noch zu einem ganz anderen Ergebnis. Die Brüder Yosefs sahen in ihrem Verhalten absolut nichts Unrechtes. In den vorherigen Generationen war es immer so der Fall gewesen, dass einer aus der Familie das schwarze Schaf war. So hatte Avraham einen Ishmael, der zuerst schlechten Charakters war (bis er zu G - tt zurückkehrte, siehe Talmud Traktat Bava Batra 16b) oder Yitzchak hatte einen Esav. Automatisch kamen die Söhne Yaakovs zu der Erkenntnis, dass auch ein ihrer Familie ein schwarzes Schaf umgeht; nämlich Yosef.

Aber können wir wirklich nur den Brüdern die Schuld in die Schuhe schieben ? Die Gemara im Talmud Traktat Schabbat 10b lehrt, dass ein Elternteil niemals ein Kind besonders bevorzugen soll. Dies rufe den Neid der Geschwister hervor. Und wenn unsere Vorväter auf solch einem hohen geistigen Level waren, wieso hielten sich sich nicht an diese einfache Regel ?
Yosef musste zwangsläufig in der Diaspora (Galut) landen, denn G - tt hatte vorbestimmt, dass die Juden in die ägyptische Diaspora gehen. Alles in unserem Leben ist vorbestimmt durch G - ttes Pläne und an dieser Stelle sind wir wieder zurück beim Thema des "Freien Willen". Wieviel "Freien Willen" haben wir wirklich in unserem Leben und was sieht G - tt für uns vor ?
Anscheinend müssen wir schwere Zeiten erleiden oder im Leben immer wieder Umwege gehen, um ans eigentliche Ziel zu kommen. Wenn wir sauer sind, diesen oder jenen Job nicht bekommen zu haben, dann sind wir enttäuscht vom Leben, weil wir glauben, gerade der Job sei das Richtige für uns gewesen ? Wäre er das wirklich ? Vielleicht hätte sich hinterher das genaue Gegenteil herausgestellt oder unser Leben wäre schlimmer geworden als zuvor. Nicht alles, was wir wollen, muss immer gut für uns sein und manchmal kommt es vor, dass G - tt uns vor zu schnellen Fehlern bewahren will. Das Problem ist nur, dass wir es in dem Moment nicht verstehen.

Der chassidische Kommentator Shem MiShmuel misst daher der Geschichte des Yosef ganz anderen Wert bei. Der Verkauf des Yosef musste erfolgen, um die Juden in die Diaspora nach Ägypten zu bringen. Und der ebenso große chassidische Rabbiner, der Chozeh (Seher) von Lublin, Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz, fügt noch einen weiteren philosophischen Gedanken hinzu. Sollen wir das Wort "Neid" immer nur negativ betrachten ? Nein, meint der, denn Neid kann durchaus positiv sein. Nämlich in dem Moment, indem ich andere Menschen um deren gute Eigenschaften beneide. Dies wiederum ruft eine innere Veränderung in mir hervor, die mich zum positiven bewegt. Bei den Brüdern hingegen war der Neid nur negativ.

Aber es gibt noch eine andere Verbindung zwischen dieser Thoralesung und dem am Freitag abend (11. Dez.) beginnenden Chanukkah - Fest. Yosef und die Makkabäer zeigen uns, dass es immer Hoffnung im Leben gibt. Und sei alles auch noch so trist, niemals sollten wir uns hängenlassen und aufgeben, denn schnell kommen auch wieder andere Zeiten.

Schabbat Schalom und vorab Chanukkah Sameach !

Montag, September 20, 2010

Die G - ttesstrafe "Midah keneged Midah - מידה כנגד מידה"





B"H

Im Judentum gehen wir von einer G - ttesstrafe "Midah keneged Midah - Mit gleicher Münze heimzahlen" aus. Grundsätzlich bedeutet dies, dass G - tt uns für Vergehen bestraft. Und zwar fast immer in einer Art und Weise, welche einen direkten Bezug zum Inhalt unseres eigenen Vergehens aufweist.
Normalerweise glaubt ein jeder von uns wenn er "Midah keneged Midah" hört, dass sobald er gegen die Thora verstösst, er umgehend bestraft wird. Das allerdings muss nicht sein und die Zeiträume zwischen dem eigentlichen Vergehen und einer Bestrafung können viele Jahre betragen.


Wo aber sehen wir in der Thora ein Beispiel für eine sofortige
"Midah keneged Midah" - Bestrafung ?


Nachdem Adam HaRishon und Eva (Chava) vom "Baum der Erkenntnis - Etz HaDa'at" assen, "öffneten" sich ihre Augen und sie sahen, dass sie nackt waren. Und sie hörten die Stimme G - ttes und versteckten sich hinter einem Baum.

Anmerkung:
Die Thora Parashat Bereshit, insbesondere das Thema "Gan Eden - Paradies" ist durchweg metaphorisch dargestellt und niemand kann genau sagen, was womit wirklich gemeint ist. Der Talmud allein nennt widersprüchliche Theorien darüber, was der "Etz HaDa'at" wirklich war. Dass es kein Apfel war, den die Beiden assen, ist eine Tatsache. Wie jedoch der Garten ausschaute und ob es sich um einen Garten handelte, darüber wird spekuliert. Offenbar handelte es sich nicht unbedingt um einen materiell - existierenden Ort, sondern eher um einen extrem hohen Seelenzustand.

Sobald sie vom "Baum der Erkenntnis" "assen", wurden ihnen, laut kabbalistischer Literatur, sofort die hohen Seelenlevel entnommen und Adam und Eva sahen sich plötzlich ganz anders. Nicht unbedingt nackt, doch weniger intelligent. Weniger weise und auf einem wesentlich niedrigeren Seelenniveau. Nichts war es mehr mit der Allwissen - und der Unsterblichkeit.

Dann kam G - tt. Aber war DER nicht die ganze Zeit über anwesend ? Und wieso verstecken ? Wie kann man sich vor G - tt verstecken ?

Alles wäre anders verlaufen, hätten die beiden ersten Menschen ihre Schuld eingestanden und sich nicht mit Ausreden gewunden.

Donnerstag, August 26, 2010

Parashat Ki Tavo



Landschaft zwischen Tiberias und Safed

Photo: Miriam Woelke


B"H

Die Thoralesung für diesen Schabbat

Parashat Ki Tavo ist ein regelrechtes Up and Down der Gegensätze. G - tt gibt uns die Mitzwot (Gesetze), aber gleichzeitig erinnert Er die Juden immer wieder daran, was passiert, wenn wir Seine Thoragesetze einhalten und was geschieht, wenn wir das Gegenteil tun.

Dass, was mir bei der ganzen Parashat ins Auge fiel, war der Satz

"An diesem Tag trägt euch eurer G - tt auf, Seine Gesetze und Erlasse einzuhalten, und dieses sollt ihr aus ganzem Herzen und aus ganzer Seele tun".

Kann sein, dass meine Übersetzung ins Deutsche zu holprig klingt, aber ich habe den Satz wörtlich aus dem Hebräischen übersetzt und nichts verschnörkelt ausgedrückt und somit der Inhalt verfälscht. An dieser Stelle steht in der hebr. Originalfassung nicht G - tt, sondern es werden zwei Seiner Namen genannt. Die Namen G - ttes lauten an dieser Stelle "A – do - nai E – lo – hei - cha".
Aber was genau bedeutet das "HaYom HaZeh - an diesem Tag" ?
Anscheinend war ich nicht die einzige, die diese Bedeutung näher erklärt haben wollte, denn viele Kommentatoren wie der Ohr HaChaim, der Baal Shem Tov, der Sefat Emet sowie Rabbeinu Bachya, geben genaue Auskunft.

Oberflächlich betrachtet entsteht der Eindruck, dass G - tt dies zu den Juden in diesem Augenblick sagt. An diesem Tag halt. Die wahre Bedeutung aber sehen unsere Kommentatoren ganz woanders.
Wieso nur an diesem Tag, der ja schon ewig zurückliegen mag ?
Vielmehr bedeutet "HaYom HazeH", dass wir jeden Tag die Gesetze einhalten sollen. Jeder Tag ist ein neuer "HaYom Hazeh". Sobald wir morgens aufwachen, besteht unsere erste Mitzwah darin, G - tt dafür zu danken, dass wir das Licht eines neuen Tages erblicken (Rabbi Simcha Bunim von Peshis'cha). Nicht morgen sollen wir die Mitzwot erfüllen, sondern gleich heute (Raschi). Und jeden Tag neu sollen wir die Mitzwot mit gleicher Freude erfüllen. Und das aus ganzem Herzen und mit ganzer Seele.

Im Judentum unterscheiden wir zwischen "Dieser Welt" (Olam HaZeh) und der "Kommenden Welt" (Olam HaBah). Diverse Talmudkommentatoren und die Gemara im Talmud Traktat Sanhedrin sind sich uneins darüber, was genau die "Kommende Welt" denn eigentlich ist. Ist es die Welt nach dem Tode, indem nur noch unsere Seele (Neschama) unendlich weiterlebt und zu ihrem eigentlichen Ursprung, nämlich G - tt, zurückkehrt. Oder ist es die Welt nach der Ankunft des Meschiach ?
Wie dem auch sei, eines ist sicher: In der "Kommenden Welt - Olam Habah" werden wir nicht mehr in der Lage sein, die Mitzwot zu erfüllen, denn dies kann nur in Dieser Welt, in unserer materiellen Welt, geschehen.

Anhand der Erfüllung von G - ttes Gesetzen kommen wir Ihm näher und erhalten dafür einen dementsprechenden Platz in der "Kommenden Welt". Sobald wir jedoch sterben, können wir nichts mehr ändern und für eine Reue, nicht mehr Mitzwot eingehalten zu haben, ist es zu spaet. Deshalb muessen wir uns immer darauf besinnen, dass wir die Mitzwot täglich tun und täglich neu von G - tt aufgetragen bekommen, da die Thora uns für alle Ewigkeiten gegeben wurde und gültig ist (Rabbi Yaakov Yosef von Polonnoye, einer der berühmtesten Schüler des Baal Shem Tov). Des Weiteren verbindet uns die Erfüllung der Mitzwot mit unserer Ursprungsquelle - G - tt (Sefat Emet).

Die erste Mitzwah dieser Parasha lautet BIKKURIM. Die ersten Früchte sollen wir nach Jerusalem zum Tempel tragen, wo sie uns ein Cohen (Tempelpriester) abnimmt. Hierbei handelt es sich nur um die schönsten Früchte und diese Mitzwah wurden zu Tempelzeiten von den Leuten mit hohem Enthusiasmus ausgeführt. Auf dem Wege nach Jerusalem und in der Stadt selbst gab es große Feiern zu Zeiten der Bikkurim (in den Sommermonaten). Der Talmud Traktat Menachot 84b sowie Raschi lehren, dass es sich bei den Bikkurim nur um die "Sheva Minim - die sieben Früchte Israels" handelt. Nur Weizen, Gerste, Oliven, Granatäpfel, Weintrauben, Feigen und Datteln sollten zum Tempel getragen werden. Diese Getreidesorten bzw. Früchte besitzen bis heute einen speziellen Status in unseren Gebeten, vor allem nach dem Essen. Nach dem Essen von Getreide wird ganz normal das "Birkat HaMazon" oder "Al HaMichya" gesagt. Aber auch nach dem Essen der Oliven, Weintrauben, der Feigen, Granatäpfel und Datteln wird der Segen der Sheva Minim - Al HaEtz ve Al PriHaEtz - gebetet.

Erneut machte G - tt deutlich, dass wir für Ihn das "Auserwählte Volk" sind, welches sich an Seine Mitzwot halten muss, um ein hohes moralisches Verhalten zu zeigen und dadurch den anderen Völkern als Beispiel dienen kann. Obwohl Rabbi Yaakov Yosef von Polonnoye seine Gedanken nur auf den Zaddik (Gerechten) bezieht, trifft es auf uns alle zu, dass wir durch die Einhaltung der Mitzwot immer höhere Level erreichen können.
Eines jedoch bleibt auf alle Zeiten in G - ttes Hand und Er entscheidet darüber allein, wie uns die Midrash Rabbah lehrt:

- Die Wiederauferstehung der Toten.

- Ob, wann und wieviel es regnet.

- Ob eine Frau in der Lage ist, Kinder zu gebären oder nicht.
Trotz künstlicher Befruchtungen in der heutigen Zeit, ist nicht immer garantiert, dass eine Frau auch danach Kinder bekommen wird.

Vielleicht ist es gar keine schlechte Idee, sich einmal bewußt zu machen, von was wir Menschen eigentlich alles abhängig sind. Normalerweise betrachten wir den Regen, unser Essen und alles andere als selbstverständlich. Nur dann, wenn es einmal nicht da sein sollte oder wir krank werden, wird uns plötzlich klar, wie sehr wir davon abhängen und wie wenig wir bisher alles anerkannt haben als es noch da war.

An diesem Schabbat feiern wir den Geburtstag des Baal Shem Tov, der da vor mehr als 300 Jahren geboren wurde.
Der Kommentar des Baal Shem Tov zu den "Bikkurim - der ersten Ernte, welche zum Tempel getragen wurde" lautet:
Die Juden haben in dieser Welt die Aufgabe, anhand ihrer Mitzwoterfüllung diese materielle Welt der spirituellen G - tteswelt näher zu bringen und so zu perfektionieren, dass der Meschiach kommt (siehe hierzu u.a. den Kabbalisten Yitzchak Luria sowie sämtlichen nachfolgenden kabbalistischen und chassidischen Schriften). Erwähnt sei jedoch, dass zum Kommen des Meschiach mehrere Versionen im Talmud Traktat Sanhedrin gegeben werden !

Anhand der Mitzwah der Bikkurim trifft eben jenes ein. Die Juden bringen durch ihren "Machschava Kedusha - Heiligen Gedanken" (die allerbeste reli. Absicht) unsere materielle Welt G - tt näher. Die Folge ist, dass ein Jude auf diese Weise seine Seele (Neschama) näher zu G - tt bringt und so eine besondere Devekut (Nähe zu G - tt erreicht). Sobald ein Jude die Mitzwot mit einer entsprechenden "Kavanah - Konzentration" ausübt, ist in der Lage, Welten zu bewegen. In dem Moment ist er so begeistert und mit G - ttesliebe dabei, dass er mehr tun will. Der Baal Shem Tov spricht hier von einem in der Kabbalah so wichtigen YICHUD (Vereinigung, Eins sein mit G - tt).

Schabbat Schalom