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Dienstag, Juli 19, 2011

Wie Fernsehproduktionen die ultra – orthodoxe Welt verfälschen, Teil 2

B”H

Teil 1 der Reportage sowie meiner Erläuterungen HIER !


Teil 2 der Reportage ist besonders daneben geraten, denn hier wird Hass propagandiert, indem eine Menge falscher "Fakten" aufgelistet werden.

Zuerst einmal sind in Mea Shearim die wenigsten Geschäfte nach Männlein und Weiblein getrennt. Wenn es vorkommt, dann um den Käuferansturm freitags vor Schabbateinbruch in den Griff zu bekommen, denn der Laden kann so voll sein, dass sich die Geschlechter recht nahe kommen. Allerdings weiss ich nicht, warum die Reportage wiederholt solch einen Aufstand darüber macht, denn weder Naomi Ragen noch die Journalistin müssen in den Läden kaufen, noch wohnen sie in dem Viertel. Es wäre angebracht gewesen, einmal reale Frauen aus Mea Shearim zu befragen, so wie ich das getan habe.

Einige Geschäfte hängen tatsächlich das Anstandsschild ins Schaufenster, denn die radikalen SIKARIKIM verlangen dies so. Hier jedoch muss man wissen, dass Mea Shearim diese kleine radikale Sikariki – Gruppe wie die Pest hasst. Einer der führenden Sikarikim ist Yoelish Kroisz, das Oberhaupt einer der zwei in Mea Shearim existierenden antizionistischen Neturei Karta Gruppen. Ein kleines Grüppchen mit vielleicht zwanzig Mann, was sich wichtig machen will.

Haredim ziehen nicht nur in andere Stadtteile, weil Mea Shearim zu klein ist ! Wie ich bereits sagte, stimmen die wenigsten Haredim mit Mea Shearim überein und nicht jeder Haredi ist Haredi. Innerhalb der haredischen (ultra – orthodoxen) Gesellschaft gibt es unzählige Ausrichtungen und Gruppierungen. Viele Haredim leben in anderen Stadtteilen, weil die dort eine Bleibe fanden oder ihre Synagoge in der Nähe haben. Sie wollen gar nicht in Mea Shearim leben und außerdem sind in Mea Shearim die Mieten extrem hoch. Insgesamt findet von haredischer Seite seit Jahren eine Massenabwanderung aus Jerusalem statt, denn jung verheiratete Paare zieht es aus Kostengründen ins billigere Beit Shemesh, nach Arad, Ashdod oder in den Norden nach Tiberias oder Zfat.
Ziehen Haredim in andere Jerusalemer Stadtteile, so drängen sie der dortigen Bevölkerung nicht ihren Willen auf. Vielleicht sollte am Schabbat nicht gerade die Musik aus dem Fenster dröhnen, doch aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass zuviele Säkulere zuviel Aufhebens machen, sobald ein Haredi in ihre Nachbarschaft zieht. Chabad kann davon ein Lied singen, wenn wir nach Ramat Aviv (Tel Aviv) schauen.

Einen extrem linken Interviewpartner von der Linkspartei MERETZ aufzusuchen und mit dem herumzuzockeln weist auf die minderwertige Qualität der Reportage hin. Alle Antifans kommen zu Wort, nur die Betroffenen aus Mea Shearim nicht. Ihnen wird keine Gelegenheit gegeben zu erklären.

Der Machane Yehudah Markt unterliegt einem GESETZLICHEN Abkommen, welches ihn dazu verpflichtet, vor Schabbateinbruch pünktlich zu schliessen. Das wissen Außenstehende weniger, doch ich arbeitete bis Oktober letzten Jahres in einer nahegelegenen Bäckerei und kenne den Markt von oben bis unten. Die Händler wissen genau, dass sie pünktlich schliessen müssen, doch zögern manchmal die Zeit heraus und schliessen erst mit dem Sirenenton zum Schabbat. Eine Gruppe haredischer Marktüberwacher erinnert die Händler an ihre Pflicht. Manchmal auf eigenwillige und witzige Weise.

Vor Drehbeginn einer solchen Reportage, sollte man zumindest die notwendigen Informationen einholen





Links:

Purim in Mea Shearim

Montag, Juli 18, 2011

Wie Fernsehproduktionen die ultra – orthodoxe Welt verfälschen, Teil 1

B”H

Ein chassidischer Leser meines englischen Blogs sandte mir ein paar Youtube Links mit Berichten über ultra – orthodoxe Juden in deutscher Sprache. Anscheinend wurden die Reportagen im Original in französischer Sprache produziert und später ins Deutsche übersetzt.

Ich fragte den Zusender der Links, ob ich das denn in einen deutschen Blog stellen kann, da die TV – Reportage voll gravierender Fehler ist. “Genau deswegen habe ich es Dir ja gesandt; damit Du den Lesern die Fehler erklärst und aufzeigst, wie falsche Gerüchte über Haredim (ultra – orthodoxe Juden) in die Welt gesetzt werden", so seine Antwort.

Ich stelle den ersten Teil einer TV – Reportage an dieser Stelle in den Blog und die restlichen Teile folgen noch. Nur muss ich mir vorher die Fehler herausschreiben, auflisten und korrigieren.

Im ersten des 7,5 Minuten dauernden Videos werden grundsätzlich alle Haredim über einen Kamm geschoren und es entsteht der Eindruck, alle von ihnen Leben im Jerusalemer Stadtteil Mea Shearim. “Mea Shearim sei eine Hochburg”, so heisst es. Diese Aussage der Hochburg stimmt schon lange nicht mehr, denn außer diesem einen Stadtteil existieren in Jerusalem viele weitere ultra – orthodoxe Stadtteile. Beispiele: Ma’a lot Dafna, Sanhedria, Kiryat Belz, Kiryat Zanz, Teile von Ramot, Givat Sha’ul, Har Nof, Ge’ulah, Ramat Shlomo, Teile von Neve Ya'akov und und und.

Des Weiteren sollte man davon Abstand nehmen, alle Haredim über einen Kamm zu scheren und Mea Shearim als den absoluten Antizionismus darzustellen. Nicht alle Stadtteilbewohner sind antizionistisch eingestellt. Ferner sind Haredim nicht weltfremd und gegen alles Moderne eingestellt. Eher ist das Gegenteil der Fall und selbst in Mea Shearim gibt es Internet und Computer. Auch bei der antizionistischen Neturei Karta.

Die Gerüchte um die nach Geschlechtern getrennten Jerusalemer Busse nerven mittlerweile. Weder gibt es in der Stadt ein Gesetz noch ist das Thema aktuell. Längst abgehakt, denn erstens benutzen die Befürworter einer solchen Trennung keine “zionistischen” Egged – Busse und zweitens haben eben jene Personen Privatbusse arrangiert. Das Thema hat sich vor langer Zeit erledigt, aber im Ausland wird es stets gerne neu abgespult, denn man will die Ultra – Orthodoxen madig machen.

56 Busse mit Geschlechtertrennung ? Wenn ich das einem Jerusalemer erzähle, denkt der, ich habe sie nicht alle. Nichts ist getrennt und schon gar nicht per Gesetz. Lediglich in Bussen, die durch haredische Wohngebiete fahren, findet eine freiwillige Geschlechtertrennung statt. Wegen einer Hose, wie Naomi Ragen behauptet, wird auch keiner aus dem aus gewiesen. Solch einen Quatsch kann man auch nur ausländischen TV – Stationen weismachen.

Naomi Ragen ist zwar bekannt, doch lebt sie im nationalrelig. Stadtteil Ramot (in Ramot Beth). Ihre großen Bucherfolge liegen schon länger zurück und ihren letzten Buchausgaben floppten gewaltig. Wahrscheinlich sucht sie deswegen anderweitig Publicity. 

In Mea Shearim gibt es sehr wohl Werbeposter und Cafes sind genügend vorhanden. Hamburger, Pizza, Eiscafe, Falafel, New York Bagels, alles ist da.

Einfach unglaublich, wie das Fernsehen Fakten verfälscht !