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Montag, Oktober 22, 2012

Lebensweisheit des Maggid von Koznitz


Der Koznitzer Maggid
B"H

Der große polnische Chassid, der Maggid von Koznitz / Polen (Rabbi Israel Hopsztajn (1737 – 1814) war als Kind ständig krank. Nicht nur einfach so krank, sondern lebensbedrohlich krank. Die Ärzte gaben ihm wenig Überlebenschancen und man nahm allgemein an, dass er niemals das Erwachsenenalter erreichen würde. 

Wider aller negativen Voraussagen erreichte der Koznitzer Maggid ein hohes Lebensalter. Einmal erzählte er das Geheimnis seiner Überlebenskunst: 

"Niemals im Leben erlaubte ich mir, ohne eine Aufgabe dazustehen. Immer suchte ich mir etwas zu tun und war beschäftigt. Beendete ich die eine Aufgabe, so setzte ich mir bereits ein neues Ziel. Menschen, die ihre Lebensaufgabe vollenden, werden aus dieser Welt genommen sobald sie ihr Ziel erreicht haben. Daher konnte G – tt mich nie aus dieser Welt herausnehmen, denn immer hatte ich eine neue Aufgabe zu bewältigen". 

Die meisten Menschen meinen, dass man im Leben relaxen und ausruhen sollte, doch das Gegenteil ist der Fall. Wer seine Muskeln nicht bewegt, der wird steif. Genau so verhält es sich mit dem Menschen: Steht er ohne Aufgabe da und lebt nur so vor sich hin, dann ist die Depression nicht mehr weit. 
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Quelle:

"Growing Each Day" von Rabbi Abraham J. Twerski

Donnerstag, Februar 16, 2012

Die drei Reiter


B"H


An diesem Schabbat wird in den Synagogen die Thoralesung "Mischpatim" gelesen. In dem Thoraabschnitt geht es, u.a, auch um die sechs Jahre, die ein Sklave bei einem Juden arbeitet und das im siebten Jahr die Freiheit winkt. Die Kabbalah sowie der Chassidismus sehen in den sechs Jahren der Seele noch viel tiefer gehende Bedeutungen: Nämlich die verschiedenen Etappen, welche eine Seele durchläuft. 

Auch der Baal Shem Tov beschäftigt sich in seinem Kommentar zur Parashat Mischpatim mit dem Thema der Seelenwanderungen:


Der Maggid von Mezritch bat den Baal Shem Tov ihm den Vers "Und dies sind die Urteile, welche Ich euch gebe" aus dem kabbalistischen Buch "Zohar" zu erklären. Der Baal Shem Tov sagte dem Maggid, dass er in den nahegelegenen Wald gehen soll, sich dort einige Stunden unter einen Baum an einem Bach setze und später zu ihm zurückkehre. Der Maggid tat wie ihm aufgetragen. 

Als er unter dem Baum saß, sah er einen Reiter kommen. Der Reiter stieg vom Pferd, setzte sich, aß und trank und setzte seinen Weg fort. Allerdings bemerkte er nicht, dass er seine Brieftasche verloren hatte. 

Danach kam ein zweiter Reiter, der sehr ärmlich ausschaute. Er fand die Brieftasche des Reiters, nahm sie an sich und ging. 

Danach kam ein dritter Reiter, der ebenfalls arm ausschaute. Er trank aus dem nahegelegenen Bach, legte sich hin und schlief ein. Da kam der erste Reiter zurück, der in der Zwischenzeit den Verlust seiner Brieftasche bemerkt hatte und fragte den dritten Reiter, ob er diese gesehen hat. Der Mann wußte nicht, von was der Reiter sprach. Daraufhin schlug ihn der Reiter zu Tode, weil er glaubte, dass der Mann ihn belüge. 

Der Maggid kehrte zum Hause des Baal Shem Tov zurück und berichtete ihm, was er gesehen hatte. Der Baal Shem Tov erklärte ihm Folgendes: 

Diese drei Personen waren allesamt Reinkarnationen aus einem früheren Leben. Der erste Reiter schuldete dem zweiten Reiter Geld. Genau die Summe, welche sich in der Brieftasche befand. Der dritte Mann war der Richter, der ein Fehlurteil sprach als er dem Reiter Recht gab, die Schuld nicht an den zweiten Reiter zahlen zu müssen. 

In diesem Leben zahlte der Reiter seine Schuld, der Richter bekam seine Strafe und der zweite Mann bekam sein Geld. Und dies ist, was der "Zohar" meint mit "Und dies sind die Urteile, welche Ich euch gebe". 

Weitere Links:

Bin ich eine Reinkarnation ?

Fragen an den Posek

Die Opferung des Yitzchak

Kain und Abel (Hevel)

Mittwoch, Dezember 28, 2011

“Dein Vater heiratete eine Schickse ?”

B”H  

Wortdefinition: SCHICKSE = nichtjüdische Frau, normalerweise so richtig knallblond 

Vor fast genau 15 Jahren lernte ich, mehr oder weniger zufällig, eine junge Frau aus einem deutschsprachigen europäischen Land kennen. Sie befand sich für ein paar Wochen in Israel auf Besuch. A., so will ich sie hier nennen, erzählte mir, dass ihr Vater zwar Jude sein, ihre Mutter hingegen nicht. Ergo, war sie laut der jüdischen Halacha keine Jüdin. Diesen Zustand wollte sie ändern und hatte bereits einige Jahre lang an einem orthodoxen Konversionskurs in ihrem Heimatland teilgenommen. Nun war sie in Israel, um bei einem Beit Din (rabbinischem Gericht) vorzusprechen und zu konvertieren. Bei welchem Beit Din das war, weiss ich nicht. Noch interessierte es mich jemals. 

Ich dagegen befand mich gerade in meiner Outreach – Laune und fragte A., ob sie nicht mit zu einem Schabbatessen bei Freunden von mir im ultra – orthodoxen Mea Shearim / Jerusalem teilnehmen will. Bei einer chassidischen Familie, deren Jiddisch mehr Deutsch klang. A. war sofort begeistert, denn normalerweise kommt man nicht eben mal so zum Schabbatessen nach Mea Shearim. 

A. hatte in ihrem Heimatland einen guten Job und war Akademikerin. Allerdings war sie behindert, denn eine Hand war, von Geburt an, verkrüppelt. Es ist schwer zu erklären, doch wusste ich im voraus, dass man sie in Mea Shearim anstarren wird. Nichtsdestotrotz nahm ich A. mit, stellte sie meinen Freunden vor und die freuten sich aufrichtig über den Besuch. Obwohl alle Art der Behinderung sahen, verlor niemand ein böses Wort. Das alles ging solange gut bis A. erzählte, dass ihr Vater Jude sei, ihre Mutter jedoch nicht. “Was ? Dein Vater hat eine Schickse geheiratet ?” schnaufte die Gastgeberin entsetzt. Dabei schaute sie auf die Hand von A. und ich wusste sofort, welche Gedanken in dem Moment gehegt wurden. A. bemerkte dies offensichtlich auch, sagte aber nichts und bald darauf machten wir uns auf den Heimweg.

“Da gehe ich nie wieder hin”, sagte sie mir draussen verärgert. Ich wiederum versuchte, die hochgekochten Emotionen zu glätten; doch vergebens. A. redete sich in Rage und sagte, dass dies eh nicht ihr Land sei. Niemals würde sie nach Israel auswandern, denn das sei hier nicht ihre Mentalität. Ungehobelte, freche Leute, die einen offen angaffen und dumme Bemerkungen machen. Ohne jeglichen Takt. Da gehe sie lieber wieder in ihre Heimat zurück, anstatt sich mit Israelis herumzuärgern. Mich nervten ihre anti – israelischen Ausfälle, ganz verübeln kann man es ihr, so gesehen, auch wieder nicht; wenn man sich einmal in ihre Lage versetzt. 

Viele Jahre sind seither vergangen und ich habe sie seit damals nicht mehr gesehen. Sie bestand den Test beim Beit Din und zog kurz darauf zurück nach Europa. Trotzdem hoffe ich, dass sie in der Zwischenzeit vielleicht ihre negative Meinung in eine etwas positivere änderte.

Montag, September 19, 2011

Baal Shem Tov: "Ein Gebet kann alle Tore öffnen"


Medziborz, der Wohnort des Baal Shem Tov

Aus der Baal Shem Tov Ausstellung der Jewish National Library in Jerusalem (Juli 2010).

Photo: Miriam Woelke

 B"H

"In einem Königspalast befinden sich Hunderte von Räumen und an jeder Tür ist ein anderes Schloß angebracht, welches jeweils nur mit einem dafür vorgesehenen Spezialschlüssel geöffnet werden kann. Aber für sämtliche Türen gibt es einen Generalschlüssel, der alles öffnet und das ist das gebrochene Herz. Wer vor G – tt mit einem ernsthaft gebrochenen Herzen im Gebet auftritt, hat die Kraft, alle Türen aufzumachen, durch alle Tore zu gehen und bis in den himmlischen Palast vorzudringen.

Vom BAAL SHEM TOV

Donnerstag, Januar 27, 2011

Die drei Reiter


B"H


An diesem Schabbat wird in den Synagogen die Thoralesung "Mischpatim" gelesen. In dem Thoraabschnitt geht es, u.a, auch um die sechs Jahre, die ein Sklave bei einem Juden arbeitet und das im siebten Jahr die Freiheit winkt. Die Kabbalah sowie der Chassidismus sehen in den sechs Jahren der Seele noch viel tiefer gehende Bedeutungen: Nämlich die verschiedenen Etappen, welche eine Seele durchläuft. 


Auch der Baal Shem Tov beschäftigt sich in seinem Kommentar zur Parashat Mischpatim mit dem Thema der Seelenwanderungen:


Der Maggid von Mezritch bat den Baal Shem Tov ihm den Vers "Und dies sind die Urteile, welche Ich euch gebe" aus dem kabbalistischen Buch "Zohar" zu erklären. Der Baal Shem Tov sagte dem Maggid, dass er in den nahegelegenen Wald gehen soll, sich dort einige Stunden unter einen Baum an einem Bach setze und später zu ihm zurückkehre. Der Maggid tat wie ihm aufgetragen.


Als er unter dem Baum saß, sah er einen Reiter kommen. Der Reiter stieg vom Pferd, setzte sich, aß und trank und setzte seinen Weg fort. Allerdings bemerkte er nicht, dass er seine Brieftasche verloren hatte.


Danach kam ein zweiter Reiter, der sehr ärmlich ausschaute. Er fand die Brieftasche des Reiters, nahm sie an sich und ging.


Danach kam ein dritter Reiter, der ebenfalls arm ausschaute. Er trank aus dem nahegelegenen Bach, legte sich hin und schlief ein. Da kam der erste Reiter zurück, der in der Zwischenzeit den Verlust seiner Brieftasche bemerkt hatte und fragte den dritten Reiter, ob er diese gesehen hat. Der Mann wußte nicht, von was der Reiter sprach. Daraufhin schlug ihn der Reiter zu Tode, weil er glaubte, dass der Mann ihn belüge.


Der Maggid kehrte zum Hause des Baal Shem Tov zurück und berichtete ihm, was er gesehen hatte. Der Baal Shem Tov erklärte ihm Folgendes:


Diese drei Personen waren allesamt Reinkarnationen aus einem früheren Leben. Der erste Reiter schuldete dem zweiten Reiter Geld. Genau die Summe, welche sich in der Brieftasche befand. Der dritte Mann war der Richter, der ein Fehlurteil sprach als er dem Reiter Recht gab, die Schuld nicht an den zweiten Reiter zahlen zu müssen.


In diesem Leben zahlte der Reiter seine Schuld, der Richter bekam seine Strafe und der zweite Mann bekam sein Geld.
Und dies ist, was der "Zohar" meint mit "Und dies sind die Urteile, welche Ich euch gebe". 



Weitere Links:

Bin ich eine Reinkarnation ?


Fragen an den Posek

Die Opferung des Yitzchak


Kain und Abel (Hevel)

Donnerstag, November 11, 2010

Beschwere Dich nicht und sag "Baruch HaShem"

B"H

Ich überhörte eine Diskussion einiger junger Chassidim:

Einer der Chassidim beschwerte sich, dass er zuwenig Geld habe. Dabei verdiene er es, mehr zu erhalten.
Einer seiner Freunde meinte daraufhin: "Du jammerst immer nur und beschwerst Dich. Genau wie in der Baal Shem Tov Story als jemand beim grossen chassidischen Meister vorsprach und sich auch nur fortwährend beschwerte, er habe dies und das nicht. Der Baal Shem Tov riet ihm, doch einmal auf das zu schauen, was er im Leben erreicht habe und "Baruch HaShem - Gott sei Dank" zu sagen".

Ein dritter Chassid schaltete sich in die Unterhaltung ein:
"Du kannst machen was Du willst; wenn G - tt Dich nicht als wohlhabenden Menschen vorgesehen hat, wirst Du kein Geld bekommen. Vielleicht hat G - tt ja andere Pläne mit Dir und nicht gerade Reichtum. G - tt bestimmt über uns alle und legt fest, was und wieviel wir erhalten und nicht wir. Das Einzige, was Dir bleibt ist BETEN und NICHT fordern".

Ich fand die Unterredung sehr interessant, denn der Inhalt trifft auf uns alle zu. Viele Male fordern wir von G - tt und einen Lottogewinn zukommen zu lassen; ein neues Auto, eine tolle Wohnung, neue Möbel, eine Beförderung auf der Arbeit oder einen tollen Urlaub. Schauen wir dabei auf das, was wir haben ? Auf das, was wir im Leben erreichten und auf unsere hoffentlich vorhandene Gesundheit ?
Anstatt uns über die Gegenwart zu freuen, schauen wir nur in die Zukunft.


Photo: Dwelling Place Below

Donnerstag, Juni 17, 2010

Parashat Chukat - פרשת חקת


Die Rote Kuh

Photo: Temple Institute Jerusalem


B"H

Die Thoralesung für diesen Schabbat

Diese Thoralesung beginnt mit einem Paradox. Wahrscheinlich ist es das größte und berühmteste Paradox in der gesamten Thora und sogar der weise König Salomon (Schlomo HaMelech) verzweifelte an der Logik. Normalerweise erklärte G - tt Moshe die Gründe und die Logik sämtlicher Thoragesetze, doch in der Midrasch lesen wir, dass als Moshe G - tt nach der Bedeutung der Parah Aduma, der Roten Kuh fragte, er keine Antwort bekam.

Die Parasha heißt Chukat und Chukat steht für Gesetze, die wir mit unserem eingeschränkten menschlichen Verstand nicht zu fassen in der Lage sind. G - tt trägt Moshe auf, eine Rote Kuh (Parah Adumah) ohne jegliche Schönheitsfehler zu finden und sie in einem bestimmten Ritus durch Priester (Cohanim) verbrennen zu lassen. Danach wird die Asche der Kuh mit Wasser vermischt und unreine Menschen sowie Tempelgegenstände (Geschirr) werden, nachdem sie mit dem Wasser in Berührung gekommen sind, wieder rein. Körperlich genauso wie in ihrer Seele (Neschama). Allerdings wird derjenige, der den Verbrennungsprozess ausführt, dadurch unrein. Und genau darin besteht das Paradox.
Wie kann etwas, was eigentlich rein (tahor) macht, andere wiederum unrein (tamei) machen ?

Hierzu gibt es viele Kommentare, doch eine erklärende Antwort haben wir nicht. Anscheinend soll uns diese Mitzwah (Gesetz) deutlich machen, dass unser menschlicher Verstand im Gegensatz zu G - ttes allumfassendes Wissen nur sehr eingeschränkt funktioniert. Nicht alles was G - tt tut oder entscheidet, liegt in unserer Kraft es auch logisch nachzuvollziehen. Die Logik ist vielleicht unser großes Problem, denn wir wollen alles logisch beantwortet haben und wehe dem, wenn es einmal nicht so funktioniert.

Die Mitzwah der Roten Kuh, selbst wenn sie uns unverständlich ist, dürfen wir laut der Gemara im Talmud Traktat Yoma 67b nicht kritisieren. Dort heißt es, dass dieses spezielle Gesetz von G - tt stammt und wir keinerlei Recht zur Kritik daran haben. Insgesamt wurden in der jüdischen Geschichte nur neun Rote Kühe verbrannt. Die erste in der Zeit Moshes und die letzte vor der Zerstörung des Zweiten Tempels. Es heißt, dass die zehnte Rote Kuh vom Meschiach verbrannt wird. Rabbi Zadok HaCohen von Lublin betrachtet die Mitzwah der Roten Kuh als Tikun (Reparatur der Seele) für das Goldene Kalb (siehe hierzu auch das Buch Noam Elimelech und die Tosafot).

Was ist die eigentliche Bedeutung der Mitzwot (Gesetze), die uns G - tt in der Thora aufgetragen hat ? Warum das alles ?


In der Chassidut wird als Hauptgrund angegeben, dass wir anhand der Erfüllung der Mitzwot eine Devekut (Nähe) zu G - tt erreichen. Wir können G - tt jedoch nur nahe sein, wenn wir uns in einem reinen Zustand befinden (Magen Avraham), wo wiederum die Rote Kuh mit ihrem Reinigungsprozess ins Spiel kommt. Einen sehr interessanten Kommentar zur Roten Kuh fand ich bei Rabbi Samson Raphael Hirsch. Rabbi Hirsch vergleicht die Roten Kuh und deren spätere Asche mit den zwei menschlichen Eigenschaften; der tierischen und der g - ttlichen. Die Tierische steht für die sogenannte "physical world" und die G - ttliche für die sogenannte "upper world". Unser weltlicher Körper, ausgedrückt durch die Kuh, wird sterben, aber unsere Seele (Neschama), ausgedrückt durch die Asche, wird für alle Ewigkeiten weiterleben.

Das Verbrennen der Roten Kuh mußte außerhalb des Lagers der Israeliten bzw. später zu Tempelzeiten außerhalb der Tempel stattfinden. In der Ära des Zweiten Tempels wurde die Kuh auf dem Ölberg verbrannt. In einer Prozession wurde die Kuh dorthin gebracht. Auf dem Ölberg angekommen wurde die Kuh mit einem Seil aus Bast so an einen Pfahl gebunden, dass ihr Kopf nach Süden und ihr Gesicht nach Westen gerichtet war. Der Priester (Cohen) stand in Richtung Osten und mit dem Gesicht nach Westen. Er schlachtete sie mit der rechten Hand und fing das ihr Blut mit der linken Hand auf (Talmud Parah, Mishna 9).

Seit der Zerstörung des Zweiten Tempels sind wir in der Ausführung unserer Mitzwot sehr eingeschränkt. Ca. 70 – 80 der ursprünglich 613 sind wir heutzutage in der Lage zu erfüllen. Alle weiteren bezogen sich auf den Tempeldienst und die Cohanim (Tempelpriester). Auch die Mitzwah der Roten Kuh gibt es derzeit nicht, sondern erst wieder nach dem dem Eintreffen des Meschiach.

Rote Kühen selbst sind vielen Wissenschaftlern ein Rätsel. Wie genau sahen die Kühe aus und wie kam es überhaupt, dass sie damals existierten und heute nicht ? Vor einigen Jahren glaubte man, in der Nähe von Haifa eine solche Rote Kuh entdeckt zu haben. Schon meinten viele, dass dann der Meschiach nicht mehr weit sei. Die Euphorie wurde jedoch schnell gedämpft, denn die Rote Kuh war nicht perfekt wie vorgeschrieben. Sie hatte einige schwarze Haare in ihrem ansonsten so roten Fell, was sie unkoscher für ein Verbrennen machte.

Der Parashainhalt der Roten Kuh, sowie der Tod von Miriam und ihrem Bruder Aharon sollten uns an diesem Schabbat etwas nachdenklich in bezug auf unser eingeschränktes Wissen und unsere Sterblichkeit stimmen.

Zu guter Letzt eine chassidische Story; eine Story von Rabbi Zusha von Anapoli (1718 - 1800), dem jüngeren Bruder des großen chassidischen Rabbiners Elimelech Weissblum von Lizhensk (Lejanks in Polen).

Einmal sagte Rav Zusha zu seinen Schülern:

"Wenn ich sterbe, wird mich G - tt nach meinem Tode nicht fragen - "Zusha, warum warst Du nicht so perfekt wie Avraham oder Moshe ?".
Was Er mich dagegen fragen wird ist - "Zusha, warum warst Du nicht Zusha ?"

Die Bedeutung ist, dass wir nicht immer auf andere und deren Potential schauen sollen. Stattdessen sollten wir uns lieber auf unsere Aufgaben und unser individuelles Potential konzentrieren. Was meines Nachbarn Aufgabe in dieser Welt ist, ist noch lange nicht meine.

Schabbat Schalom

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Soweit zu dem was ich im vergangenen Jahr verfasste. Heute abend bereite ich weitere Zusätze zur Parashat Chukat vor. Unter anderem einen brillianten Kommentar des Baal Shem Tov sowie weiterer Kommentatoren !

Sonntag, Mai 23, 2010

Stories aus Mea Shearim



Rabbiner der Chassidut Chernobyl


B"H

Am vergangenen Freitag abend (Erev Schabbat) nahm ich meinen momentanen Besucher, einen Leser meines englischen Blogs aus New Jersey, mit ins ultra - orthodoxe Mea Shearim / Jerusalem. Mitten rein in einen der Hinterhöfe, in welchem Freunde von mir wohnen.
Ich kenne mehrere chassidische Familien in Mea Shearim und zwei davon kann ich tatsächlich als eine Art "Familie" bezeichnen, so gut bin ich mit ihnen bekannt.

Eine Familie gab nach langer Zeit die Gastfreundschaft am Schabbat für Gäste von außerhalb auf und ich bin die einzige Verbliebene der Außenwelt, mit der eine Freundschaft besteht. Die zweite Familie beschränkt sich schon seit Jahren darauf, fast ausschliesslich Leute mit haredischem Background einzuladen. Ab und an tauchen einige Nationalrelig. auf, doch nach dem letzten Streit vor ein paar Wochen (die Nationalrelig. brachten ihre Antipathie gegen die Haredim zum Ausdruck) bin ich mir nicht sicher, ob weiterhin Nationalrelig. akzeptiert werden.

Am letzten Erev Schabbat jedenfalls stammten alle aus haredischen Yeshivot oder Seminaren bzw. kannten die haredische Gesellschaft zur Genüge und die Gastgeber waren happy. Ehrlich gesagt würde ich mir meinen Schabbat auch nicht durch ein paar unnütze Diskussionen sowie Streitgespräche von Außenstehenden vermiesen lassen.

Beide Familien platzieren die Geschlechter getrennt voneinander, sprich in zwei verschiedenen Räumen. Ich kenne recht viele chassidische Familie, welche die Sitzordnung so handhaben, sobald auch nur ein Gast im Hause weilt. Nachdem einige Gäste Stories bzw. Witze erzählt hatten, ergriff unsere Gastgeberin das Wort. Eine eher traurige wahre Geschichte sollte nun folgen. Die Mehrheit der Gäste kannten sie, ich nicht und so will ich sie auch der hiesigen Leserschaft nicht vorenthalten. Wie gesagt, hat die Story sich wirklich so zugetragen und der Handlungsort war London.

Vor einigen Jahren sassen zwei Frauen in einem Londoner Stadtbus und waren allem Anschein nach recht gut miteinander befreundet und zumindest eine von ihnen war Jüdin. Die Jüdin berichtete ihrer Freundin, dass sie in Kürze einen nichtjüdischen Mann heiraten werde. 
"Naja, er sei halt kein Jude, aber immerhin ein guter Mensche".

Eine haredische (ultra - orthodoxe) Frau sass hinter den beiden Freundinnen und hörte unweigerlich die Konversation mit an.

Die zweite Freundin fragte die demnächst Heiratende, wo sie denn hin wolle und sie bekam eine ungewöhnliche Antwort: "Ich werde einen nichtjüdischen Mann heiraten, doch seit geraumer Zeit verfolgt mich immer wieder ein und derselbe Traum. Darin erscheint mir meine verstorbene Mutter, die mir ans Herz legt, mich dringend treffen zu müssen. Und das an einem bestimmten Ort hier in London. Zuerst dachte ich, dass sei ja alles nur ein dummer Traum, doch der Traum kommt jede Nacht wieder und so fahre ich jetzt an den Ort, den mir meine Mutter angab; sozusagen, um meine Ruhe zu haben und mein Gewissen zu befriedigen".

Die hinter den beiden Frauen sitzende Haredit wurde neugierig und folgte der Frau (mit dem Traum) als diese aus dem Bus stieg. Die Frau war in Eile zu dem Ort zu gelangen, überquerte eilig eine Straße und wurde dabei von einem Auto überfahren. Die Frau starb.

Das ist die Story !

Nichts im Leben geschieht ohne Grund und G - ttes Plan. Was also war hier der Plan und musste die Frau sterben, weil sie plante, einen Nichtjuden zu heiraten ?

Die Erklärung dazu lautete folgendermassen:

Die tote Mutter wollte nicht, dass ihre Tochter einen Nichtjuden heiratet. Ein G - ttesgericht kam zusammen und hätte die Tochter noch im Bus ihre Meinung geändert und ihrer Freundin verkündet, dass sie den Nichtjuden vielleicht doch nicht eheliche oder zumindest noch am Überlegen sei, so wäre sie vermutlich nicht überfahren worden. Da sie jedoch mit Bestimmtheit sagte, sie wolle den Mann heiraten, wurde das G - ttesurteil gefällt.

Was jetzt nicht heißen soll, dass es allen Juden, die eine Mixed Marriage eingehen wollen, sterben. Spirituell vielleicht, doch nicht immer gleich körperlich.

Eine atemberaubende Story, wie ich finde !

Vor dem Essen hatte ich eine innige Auseinandersetzung mit zwei verheirateten Töchtern der Gastgeberin. Es ging wieder einmal um "wie (in dem Falle ich) man seinen Weg zurück in die haredische Gesellschaft findet". Wir sprachen so einige Themen an. Von Haredim (Ultra - Orthodoxen) welche sich für den säkuleren Weg entscheiden bis hin über unterschiedliche Aufgaben im Leben und wie G - tt es sehen könnte. Warum schreibe ich im Internet und was suche ich dabei ? Diese Frage war eindeutig zu beantworten: Mich selbst und einen gewissen Weg zurück. Die Mea Shearim Gesellschaft hört zu, doch nur dann, wenn man mit haredischen Argumenten aufwartet.

Was ich danach keineswegs erwartet hatte: Bei Herausgehen wurde mir ein Briefumschlag mit einer Hochzeitseinladung in die Hand gedrückt. Die Enkelin der Gastgeber heiratet in einer Woche einen Chernobyler Chassid und ich bin eingeladen. Ich habe mich wahnsinnig über die Einladung gefreut und und sehe dem Event erwartungsvoll entgegen. Es ist gewiss nicht meine erste chassidische Hochzeit, doch hatte ich gerade nach unserer Auseinandersetzung vor dem Essen keinesfalls eine Hochzeitseinladung erwartet.

Unter anderem aber finde ich dabei endlich einmal Gelegenheit, eine der wichtigsten chassidischen Familie, die Familie Twersky, näher zu umschreiben. Chassidische Gruppen wie Chernobyl oder Rachmastrivka bestehen aus weitverzweigten Twersky - Familienmitgliedern und das allein ist kompliziert zu erfassen. Wer mit wem und wer sind die Eltern etc. ?

Nach dem Schabbatessen machte ich mich zum chassidischen Tisch der Toldot Aharon, gleich um die Ecke, auf. Rebbe David Kahn machte gerade Kiddusch (Segnung des Weines) und danach stand plötzlich eine der Toldot Aharon Frauen neben mir, die mich sogleich ansprach. Wir begannen ein eher ungewöhnliches Gespräch über die Unterschiede der Jerusalemer sowie der Tel Aviver Mentalität. Als ich nebenbei erwähnte, dass ich im Internet schreibe, zog die Frau nach einigen Minuten von dannen. Entweder aus dem Internetgrund heraus oder sie wollte eh weg.

Hätte ich das Internet bei den öffentlichkeitsscheuen Toldot Aharon lieber nicht erwähnen
sollen ? Ich bin der Meinung, richtig gehandelt zu haben, denn ich ziehe keine Show ab oder lüge den Leuten etwas vor. Es gibt Menschen, die das tun, nur um an Informationen zu kommen; mein Stil ist es nicht.

Was ich jedoch wieder einmal bemerkte ist, dass der einzige Weg an Informationen zu Bräuchen der Gruppe oder Reportagen über die Frauen und ihr Leben, zu erhalten, der Weg über die Rebbitzen ist. Ansonsten läuft nicht viel. Mehrere Male sprach ich in der Vergangenheit mit der Rebbitzen und ich werde sie bei passender Gelegenheit zum Thema ansprechen. Da wir uns bereits etwas "kennen" und ich einmal bei einem ihrer Vorträge bei ihr daheim war, mag dies eine gewisse Hilfe bedeuten.

Freitag, April 30, 2010

Schabbat Schalom

B"H

Morgens um 7.30 Uhr begann es in Jerusalem zu regnen. Ein kleines Wunder, denn Regen Ende April ist eher etwas Ungewöhnliches.
Leider habe ich nun doch nicht mehr nach Meron zum Lag Ba'Omer geschafft und gebe mich mit den Feierlichkeiten in Jerusalem zufrieden. Heute abend werde ich im ultra - orthodoxen Mea Shearim zum chassidischen Tisch des Toldot Avraham Yitzchak Rebben, Rabbi Shmuel Kahn, gehen. Einige Monate war ich nicht mehr dort, sondern traf mich nur mit einigen seiner Chassidim, um über die Chesed - Organisation der Gruppe (Suppenküche sowie anderweitige Hilfe für arme Familien zu berichten). Seitdem habe ich ein ganz besonderes Verhältnis zu den Toldot Avraham Yitzchak, die sich vor fast 14 Jahren von den Toldot Aharon trennten.


Chassidische Teachings zum Schabbat:


"Es ist nicht notwendig, dass wir uns vor G - tt mit unserem ganzen Körper verneigen. Vielmehr sollten wir unser Herz vor Ihm verneigen, doch unseren Kopf aufgerichtet halten".


Der Koretzer Rebbe sagte einmal:
"Manchmal lebt ein Mensch auf Erden, nur aus dem einen Grund, um eine einzige bestimmte Mitzwah zu vollbringen"

Bedeutet, dass es passieren kann, dass ein Mensch lebt, um einem bestimmten anderen Menschen einen Gefallen zu tun oder einer alten Dame über die Straße zu helfen. Dieses nur als kleines Beispiel zur Aussage des Rebben.

"Schabbat Schalom - Gut Schabbes" an alle !

Donnerstag, Februar 11, 2010

Die drei Reiter



B"H


Zur dieswöchigen Thoraparashat MISCHPATIM finden wir im Thorakommentar des Baal Shem Tov (ca. 1600 - 1670) folgende Story:




Der Maggid von Mezritch bat den Baal Shem Tov ihm den Vers "Und dies sind die Urteile, welche Ich euch gebe" aus dem kabbalistischen Buch "Zohar" zu erklären. Der Baal Shem Tov sagte dem Maggid, dass er in den nahegelegenen Wald gehen soll, sich dort einige Stunden unter einen Baum an einem Bach setze und später zu ihm zurückkehre.
Der Maggid tat wie ihm aufgetragen.


Als er unter dem Baum saß, sah er einen Reiter kommen. Der Reiter stieg vom Pferd, setzte sich, aß und trank und setzte seinen Weg fort. Allerdings bemerkte er nicht, dass er seine Brieftasche verloren hatte.


Danach kam ein zweiter Reiter, der sehr ärmlich ausschaute. Er fand die Brieftasche des Reiters, nahm sie an sich und ging.


Danach kam ein dritter Reiter, der ebenfalls arm ausschaute. Er trank aus dem nahegelegenen Bach, legte sich hin und schlief ein. Da kam der erste Reiter zurück, der in der Zwischenzeit den Verlust seiner Brieftasche bemerkt hatte und fragte den dritten Reiter, ob er diese gesehen hat. Der Mann wußte nicht, von was der Reiter sprach. Daraufhin schlug ihn der Reiter zu Tode, weil er glaubte, dass der Mann ihn belüge.


Der Maggid kehrte zum Hause des Baal Shem Tov zurück und berichtete ihm, was er gesehen hatte. Der Baal Shem Tov erklärte ihm Folgendes:


Diese drei Personen waren allesamt Reinkarnationen aus einem früheren Leben. Der erste Reiter schuldete dem zweiten Reiter Geld. Genau die Summe, welche sich in der Brieftasche befand. Der dritte Mann war der Richter, der ein Fehlurteil sprach als er dem Reiter Recht gab, die Schuld nicht an den zweiten Reiter zahlen zu müssen.


In diesem Leben zahlte der Reiter seine Schuld, der Richter bekam seine Strafe und der zweite Mann bekam sein Geld.
Und das ist es, was der "Zohar" meint mit "Und dies sind die Urteile, welche Ich euch gebe".

Donnerstag, Januar 14, 2010

איפה אני מוצאת את עצמי

ב"ה

כמה מחשבות על העולם החרדי ועל עצמי

Meeting mit Sarah Einfeld

B"H

So, wie ist sie nun, die Sarah Einfeld ?

Vor ca. 1,5 Jahren verliess sie die größte chassidische Gruppe Israels, die Chassidut Gur (Jiddisch: Ger) und lebt seither mit ihren zwei kleinen Kindern in Ramat Gan (bei Tel Aviv).
Seit zwei Jahren ist ihr persönlicher Blog in Israel ein Hit und im letzten Sommer wurde ein Film über sie vorgestellt, welcher einen Preis beim Haifaer Filmfestival gewann (siehe Video unten).

Erst seit ca. zwei Monaten lese ich Sarahs Blog. Ich bekam die Adresse von einer Bekannten, deren Arbeitskollegin wiederum den Blog regelmässig liest.

Sarah Einfeld hat eine wunderbare Art zu erzählen und meiner Meinung nach sollte sie ein Buch schreiben. Ihr Leben in der Chassidut Gur, ihre fünfjährige Ehe, ihre Scheidung und ihr Weggang aus der Gruppe. Ihre Eltern verweigern jeglichen Kontakt mit ihr. Eine Belastung sowohl als auch Schuldgefühle, die wiederum Depressionen hervorrufen.

Warum traf sich Sarah Einfeld mit mir ?
Ich nahm mit ihr Kontakt auf und bekam fast umgehend Antwort, mich besser zu identifizieren. Sie wollte sichergehen, dass ich kein Spion von Gur bin, nehme ich an.

Eine eingehendere Identifizierung hilft wenig und so erzählte ich Sarah so einiges aus meinem Leben in der haredischen (ultra - orthodoxen) Welt. Außerdem stellte ich ihr einige Fragen. Anders als Journalisten, die da nach einer Story gieren und vom eigentlichen Thema keine Ahnung haben. Ein Freund von mir, ein Chassid einer anderen Gruppe, sagte mir sogar, ich solle Sarah treffen, damit sie jemanden zum Reden hat. Dieser Meinung folgte wohl auch Sarah selbst, denn sie lud mich sofort zu sich nach Hause zum Schabbat ein. Leider war ich an dem Schabbat nicht in Tel Aviv und wir verschoben unser Treffen auf den letzten Mittwoch.

Am Telefon redet sie kaum mit Leuten, die sie nicht persönlich kennt, denn noch immer bleiben die Drohungen von Gur (ihr die Kinder zu kidnappen) in schlimmer Erinnerung. Und so traf ich sie letztendlich nach ewigen Telefonaten und Verschiebungen. Ich fuhr nach Ramat Gan hinüber und wir trafen uns in einem Cafe.

Das Erste, was mir auffiel war, dass sie nicht so ausschaut wie auf den Youtube Videos. Vielleicht im Prinzip, doch ist sie in Wahrheit wesentlich jünger. Wie ein Teenie mit ihren 26 Jahren. Sie wollte alles von mir wissen und auf diese Art und Weise berichtete ebenso von sich selbst.

Extrem hyperaktiv ist sie. Kaum sitzt sie still, was mich, zu meinem Erstaunen, nicht aus der Fassung brachte. Ich bin einiges an Leuten gewöhnt. Ich sagte ihr, dass es absolut schwer ist, mit einem Menschen wie ihr zu sprechen, die äußerlich absolut säkuler aussieht (neben ihrem Tattoo hat sie sich einen Lippenpiercing machen lassen), doch sprechen tut wie ein haredisches Beit Yaakov Mädchen. Da sitzt einem jemand gegenüber, in engen Jeans und ausgeschnittenem T - Shirt, der die chassidische Gesellschaft und jeden Namen in der Chassidut Gur kennt. Ansonsten erlebe ich dies ausschliesslich nur bei Frauen, die sich mit einer Perücke ihr Haar bedecken und die auch sonst höchst ultra sind.

Nein, sie spreche kein Jiddisch, sondern verstehe es nur.
Nichts Ungewöhnliches bei der Chassidut Gur !

Nein, sie glaube momentan nicht besonders an G - tt, obwohl sie jeden abend mit ihren Kindern "Schema Israel" bete.
"Wie kann eine G - tt viele Frauen in der haredischen Gesellschaft so leiden lassen ?"

Ich sagte ihr, dass die Gesellschaft ebenso positive Seiten hat, wenn man sie denn suche. Derzeit sucht Sarah gar nichts, sondern geniesst ihre Freiheit. Der Moment des morgentlichen Aufwachens gehöre ihr allein.

Wir beide geniessen es, die haredische Gesellschaft von außen heraus zu betrachten. Beide waren wir einmal selbst involviert; sie wesentlich mehr als ich. Und dieser Punkt ist es dann auch, den ihr sämtliche Haredim ankreiden. Sie sei und werde immer eine "chassidische Tochter" bleiben, egal, was sie veranstalte. Sie gehört nun einmal dazu, selbst wenn sie in der Mitte Mea Shearim mit einer Schinkensemmel daherkäme.
Einmal dabei, immer dabei !

Wir hatten nur zwei Stunden Zeit zum Diskutieren und dabei lernte ich auch noch einen Bekannten von ihr kennen. Auch abgehauen aus der haredischen Gesellschaft, doch er erhält den Kontakt zu seinen Eltern, während Sarahs Eltern sich verweigern. Es gibt drei Bedingungen ihrer Eltern: 1. Sie müsse zu Gur zurückkehren. 2. Sie müsse als geschiedene Frau ihre Haare ebenso mit einer Perücke bedecken. 3. Sie müsse sich von "Yediot Acharonot" in anständiger Kleidung photographieren lassen. Im vergangenen Oktober liess sich sich gerade in der Zeitung ziemlich halbnackt abbilden, was sie selber nicht schlimm findet.

Was ich an Sarah Einfeld bewundere ?
Ihre Bestimmtheit, mit der sie sich offenbar über alle Schuldgefühle hinwegsetzt. Ohne sich vorher rituell die Hände zu waschen, stopfte sie die Brotscheiben in sich hinein. Ich dagegen mache mir jedesmal Gedanken, ob ich dies nun auch sollte oder nicht.
Trotz allem wird auch Sarah all den Selbstvorwürfen nicht entkommen. Darüber gesprochen haben wir bisher kaum, wollen uns aber bald wieder treffen. Bis dahin halten wir regen e - mail Kontakt. Auch einige ihrer Texte werde ich ins Englische übersetzen und sie will neue Artikel diesbezüglich verfassen. Nur ist alles stets eine Frage der Zeit, denn sie hat zwei kleine Kinder zu versorgen.

Die Finanzen sind ein Problem und ihr Ex erlaubte ihr nur einen einzigen Koffer mitzunehmen. Am Ende unseres Gespräches stürzte sie sich auf mich und umarmte mich.

Die Chassidut Gur (genauso wie andere chassidische Gruppen) hätte viel früher reagieren müssen. Gruppenmitglieder, die sich nicht zurechtfinden, darf man nicht einfach als "Rebellen" oder "verrückt" abtun, sondern stattdessen sollte gemeinsam mit ihnen ein Lösungsprogramm auf sozialer Ebene ausgearbeitet werden. Nicht einfach nur herumdrohen und meinen, mit Zwang erledige sich alles von allein. Sarah Einfeld wurde ein Opfer dieser harten Politik, aber zurück will sie auf keinen Fall.


Sarah Einfeld in ihrem Film (Auszug ihrer Bloggeschichten sowie gegen geschlechtergetrennte Busse in Jerusalem). 
 


Mittwoch, Dezember 02, 2009

Kurz lesen und darüber nachdenken

B"H

Eine aufmunternde Lebensweisheit von Chassidut Breslov:

http://www.breslev.co.il/articles/feiertage/rosch_haschana/einfach_mal_lesen____.aspx?id=13921&language=germany

Manchmal übersehen wir wirklich alles, von dem wir meinen, es sei allzu banal !

Sonntag, November 30, 2008

Vor Chanukkah




B"H

Am Abend des 21. Dezember zünden wir die erste der acht Chanukkah - Kerzen. Vorab schon einmal ein paar chassidische Inhalte zum Aufwärmen:

"Die drei Reiter" - eine Baal Shem Tov Story

Einige Lehren von Rabbi Nachman von Breslov

Donnerstag, November 13, 2008

Auf Abwegen



B"H

Aus den dieswöchigen "Thora Tidbits" der "Orthodox Union (Israel Center) Jerusalem". Zusammengestellt von Shmuel Himelstein.


Zur Zeit als viele junge Juden auf Abwege verleitet wurden, erzählte der Chafetz Chaim (Rabbi Israel Me'ir Kagan, 1838 - 1933, Russland / Polen) die folgende Story:

Ein Kutscher hielt seine Pferdekutsche vor einem Gasthaus an, denn es war bitterkalt. Es wurde schon dunkel und es hatte zu schneien begonnen. Um sich aufzuwärmen, trank der Kutscher einen Brandy, und dann noch einen weiteren, und einen dritten. Kurz gesagt, bald darauf war er nicht mehr das, was man gerade nüchtern nennt.

Vor dem Sonnenaufgang wachte er auf und schnell wurde ihm klar, dass er sich beeilen mußte, um einen speziellen Ort zu erreichen. Eilig tappte er durch den Schnee, doch hatte er keine Ahnung, welchen Weg er einschlagen muß, um an sein Ziel zu gelangen. Also ließ er sein Pferd jegliche Richtungen einschlagen, die es wollte. Schließlich rannte das Pferd auch noch davon und ließ den Kutscher allein im Wald zurück, in dem er sich nun hoffnungslos verirrte.

Die Leute aus dem kleinen Ort, in dem sich das Gasthaus befand, sahen die Spuren der Kutschenräder und dachten, dass der Fahrer den Weg kannte. Um ebenso ihren Weg durch den Schnee zu finden, folgten sie einfach den Spuren der Kutsche und somit verirrten auch sie sich.

Und die Moral von all dem ist, dass niemand einfach blind den Pfaden anderer Leute folgen sollte. Zuerst sollte ein jeder sich vergewissern, dass auch die anderen vor ihm den richtigen Weg einschlugen und erst dann kann auch er seinen Weg in die richtige Richtung einschlagen - so der Chafetz Chaim.

Dienstag, Februar 26, 2008

Intensivität bis zur Erschöpfung

B"H

In gewissen Bereichen fällt es mir eher schwer, mich zu artikulieren, und genau an diesem Punkt bin ich einmal wieder angelangt. Ich versuche mich dennoch so klar wie nur möglich auszudrücken:

Wie mehrmals schon erwähnt, war ich vor etwas mehr als zehn Jahren aktiv in der relig. Szene in Jerusalem tätig. Haredim (Ultra - Orthod.) hier und Shiurim (relig. Unterricht) dort. Aufgrund einer persönlichen Krise verliess ich alles und seilte mich für einige Zeit nach Deutschland ab, um Abstand zu gewinnen. Genau den gewann ich dann auch, obwohl mir die Haredim und das Leben drumherum schnell fehlten.

Zurück in Israel, kam ich sofort wieder in Kontakt mit meiner alten Vergangenheit. Doch eines versprach ich mir bis hin in alle Ewigkeiten: Niemals wieder stürze ich mich in die haredische Gesellschaft und begehe die gleichen Fehler. Nicht, dass alles erneut mit einem Nervenzusammenbruch endet. Gesagt, getan und alles ging gut. Obwohl ich ständigen Kontakt mit der Szene halte und mehr oder weniger wieder in ihr lebe, ist es mir erfolgreich gelungen, mich trotzdem immer auf Distanz zu halten. Nur nicht zuviel involvieren und in eine weitere Krise geraten. Eine Tatsache, vor der ich nur jeden anderen ebenfalls warnen kann.

Mein erfolgreiches Rezept basiert auf Folgendem:
Einige Tage halte ich das haredische Leben mit allen seinen Aktivitäten aus, aber gleichzeitig benötige ich andere Tage, um mich auch zurückziehen zu können. So habe ich mir meine eigene Waage geschaffen: Drei Tage hier, drei Tage dort, Schabbat aber immer bei den Haredim.

Bisher funktionierte alles blendend. Fast acht Jahre lang keine Probleme gehabt. Zuerst dachte ich, dass mich meine Wege zu den Chassidim und die Tatsache, dass ich mich mit dem Thema mehr als intensiv auseinandersetze, mich in sämtliche vorherige Krisen zurückkatapultieren könnte. Aber nichts da. Nichts dergleichen geschah.

Eine Fastkrise gab es dann aber doch. Und zwar als eine ganz junge Frau bei einem der chassidischen Tische auf mich zukam und mir deutlich machte, dass sie mit mir reden wolle. Einfach so aus dem Nichts. Ich hatte diese Frau bis dahin nur einmal kurz gesehen und das war Wochen her. Nie hatte ich auch nur ein Wort mit ihr gewechselt. Und eines nachts bei einem der Tische mit dem Rebben stand sie plötzlich vor mir und fragte, ob ich mich an sie erinnere. Ich fiel fast aus der Bank in der Synagoge und dachte: "Alles, nur das nicht."

Mir war klar, dass die Frau Probleme hatte und sie diese mit einem Außenstehenden besprechen wollte. Aber mußte das gerade ich sein ? Ausgerechnet. Wo ich doch meine eigenen Dinge aufzuarbeiten habe. Weiterhin dachte ich, dass wenn es zu einem Gespräch kommen täte, sie und ich Probleme mit der Gruppe bekommen. Und das ist eine ernste Angelegenheit. Vielleicht glücklicherweise oder auch nicht, wer weiß das schon, kam es nicht zu dem Gespräch.

Soweit hatte ich noch keine emotionalen Probleme mit irgendeiner chassidischen Gruppe. Ich gehe dorthin, in die Synagogen oder zu den chassidischen Rebbe - Tischen, rede mit Leuten oder auch nicht, und das wars. Innerhalb der Woche nehme ich gewöhnlich Abstand, es sei denn, es steht eine Hochzeit an, wie morgen, wenn einer der Enkel des Toldot Aharon Rebben heiratet. Dann gehe ich natürlich zur Hochzeit.

Seit letztem Schabbat jedoch ist alles etwas anders. Wenn ich normalerweise in die chassidischen Synagogen gehe, schaut es so aus, dass man zwar kurz angeschaut wird, aber in dem Moment, wo man sein Sidur (Gebetbuch) aufschlägt, schauen die anwesenden Betenden schon nicht mehr hin. Jeder macht sein eigenes Ding und meistens redet man nach dem G - ttesdienst oder auch nicht.

Als ich am letzten Schabbat Morgen in die Toldot Aharon Synagoge in Mea Shearim trat, wurde ich bis zum G - ttesdienstende nicht mehr aus dem Augen gelassen. Ich trat ein und um 10.00 Uhr früh waren nur wenige Frauen auf der Empore anwesend. Die Mehrheit kam erst kurz darauf. Ich setzte mich etwas entfernt von den anderen Frauen, aber dennoch gleich hinter die weisse Metallmechitzah (Trennwand zu den betenden Männern im Untergeschoß). Ich sollte vielleicht erwähnen, dass in chassidischen Synagogen der Ritus etwas anders verläuft. Der G - ttesdienstablauf ist zwar formell geregelt, doch betet nicht jeder still vor sich hin. Alle Chassidim schreien ihre Gebete emotional und individuell heraus, was es mir manchmal unmöglich macht, die genauen Gebetsworte zu verstehen, da alle durcheinanderrufen. Deshalb benötige ich jedesmal eine gewisse Zeit, die richtige Seite in meinem Sidur zu finden. Gewöhnlich frage ich, wo wir sind, aber bei Toldot Aharon unterliess ich es vorerst. Nach wenigen Augenblicken jedoch zeigte mir eine Frau die Stelle im Sidur und seit dem Moment wurde ich nicht mehr allein gelassen.

Keine einzige der Toldot Aharon Frauen war unfreundlich. Im Gegenteil, alle waren total nett. Dennoch war es mir unmöglich, mich auf G - tt oder irgendwelche Spiritualität zu konzentrieren. Immer hatte ich das Gefühl, alles richtig machen zu müssen und das brauchte Konzentration. Und ständig wurde ich von den Frauen angesprochen.

"Wir sind jetzt bei dem Vers, ah den hast Du nicht, weil du unseren Ritus nicht kennst".

"Der Rebbe ist gerade hinausgegangen und macht eine Pause".

"Was hast Du bisher gelernt ?"

"Kennst Du die chassidische Gruppe und jene ?"

"Kennst Du den Rebben oder den ?"

"Was sagst Du zu dem Brauch und jenem ?"

Eine Frau kam auf mich zu und gab mir Süssigkeiten, die ich erst nicht annehmen wollte. "Bring es Deinen Enkeln mir", sagte ich zu ihr. Sie bestand darauf, dass ich die Süssigkeiten in meine Tasche stecke. Wenige Sekunden später rief sie "Shemonah Esrei (ein wichtiges Gebet innerhalb des Judentums)" und alles rannte, um sich aufzustellen.

Nach dem Kaddisch am Schluß folgt "Aleinu". Ich war schon bereit als ich andere Verse vernahm. Eine andere Frau neben mir zeigte mir ihr Sidur und meinte, der Rebbe füge noch ein weiteres Gebet ein. Der hauseigene Brauch.

Am Ende kam ich mit riesigen Kopfschmerzen und total erschöpft aus der Synagoge. Draußen atmete ich erst einmal durch.

Um mich deutlich auszudrücken:
Alle Frauen waren furchtbar nett und hilfsbereit. Niemand bedrängte mich auch nur im Entferntesten.

Was aber geschah war, dass ich meine eigene emotionale Krise entwickelte. Mir war das alles zuviel und zu intensiv. Intensiv ist die passende Beschreibung.
Es ist die Intensivität der Gruppe, die ich bei keiner weiteren chassidischen Gruppe jemals erlebt habe.

Wie gesagt, gehe ich morgen wieder zu den Toldot Aharon, um die Hochzeit des Rebbenenkels zu sehen. An diesem Schabbat wird erneut ein wichtiger Synagogeng - ttesdienstpart stattfinden, denn es ist wieder Schabbat Chatan, da es nächste Woche eine weitere Hochzeit gibt. Meine Teilnahme an der morgigen Hochzeit ist sicher, doch bin ich noch am Grübeln, ob ich an diesem Schabbat wieder in deren Synagoge gehe.

Wenn ja, wird die Intensivität noch höher, denn einige Frauen kennen mich schon und ich bin keinesfalls mehr anonym.

Mittwoch, Dezember 05, 2007

Teaching vom Baal Shem Tov zu Chanukkah

B"H

Der große Baal Shem Tov (Israel ben Eliezer, ca. 1700 - 1760) gab folgendes Teaching zu Chanukkah:

Sobald jemand das Licht in einem dunklen Raum einschaltet, ist von der Dunkelheit nichts mehr zu sehen. Das Licht überstrahlt alles und kein einziger Rest der Dunkelheit bleibt.

Genauso sollen unsere Seelen (Neshamot) an Chanukkah sein.
Die Chanukkah - Kerzen repräsentieren unsere Seelen (Neshamot) und genau wie das Licht soll unser inneres Licht der Seele die Dunkelheit verdrängen und stattdessen die Welt erleuchten.

Gerade an Chanukkah sollen wir uns der jüd. Identität bewußt werden und den Völkern ein Beispiel sein.

Mittwoch, Juli 18, 2007

Story vom Lubawitscher Rebben

B"H

Am vergangenen Shabbat hoerte ich eine gute Story ueber den siebten und letzten Lubawitscher Rebben, Rabbi Menachem Mendel Shneerson.
Shifrah Stone, die Schwester von Rabbi Mordechai Machlis, ist Mitglied bei Chabad in New York und erzaehlte die Story.

Einmal kam ein reicher Diamantenhaendler zum Lubawitscher Rebben und empoerte sich, dass er (der Rebbe) sich allzuviel mit nichtreligioesen Juden abgab. "Rebbi, warum das alles ? Die sind doch eh nicht religioes und dein ganzes Gerede ist Zeitverschwendung".
Daraufhin fragte ihn der Lubawitscher Rebbe, ob alle wertvollen Diamanten gleich so gefunden werden oder ob sie erst einer bestimmten Prozedur unterlaufen muessen.
Natuerlich, sagte der Haendler. Zuerst werden die Rohdiamanten gefunden, dann geschliffen und so nach und nach entwickelt sich ein wundervoller Diamant von unschaetzbarem Wert.

Der Lubawitscher Rebbe antwortete: "Genauso ist es mit den nichtreligioesen Juden. Zuerst sind sie ungeschliffen, aber nach einiger Zeit der Ermunterung werden sie genauso zu wertvollen Diamanten von unschaetzbarem Wert wie deine Diamanten".

Donnerstag, Mai 03, 2007

Chassidische Gedanken

B"H

Von Rabbi Meshullam Zisha von Hanipol (ein Schueler des Maggid von Mezritch)

In der kommenden Welt (Olam HaHabah) wird G-tt mich nicht fragen, warum ich nicht Moshe war. Er wird mich fragen: "Zisha, warum warst du nicht Zisha?" Heisst, warum hast du dein Potential nicht erfuellt.

Nach unserem Tod wird G-tt uns nicht fragen, warum wir nicht so gross wie Moshe waren. Nein, Er wird uns fragen warum wird nicht wir selbst waren. Jeder von uns sollte er selbst sein und sein ihm gegebenes Potential erfuellen.
Es passierte mir einmal, dass ich zum Hause eines Rabbis kam und mich schuldig fuehlte, weil ich die Thoraparasha fuer den Shabbat aus Zeitgruenden nur halb gelernt hatte. Ich erzaehlte einem Bekannten von meinen Schuldgefuehlen und der sagte: Warum schaust du nur auf alle, die die Parasha ganz gelesen haben ? Schau auf dich, denn du hast getan, was du konntest. Du hast dein bestes gegeben und es hat halt nur fuer die Haelfte der Parasha gereicht.


Ich glaube, es war der gleiche Rabbi Zisha, dem folgendes passierte:

Rabbi Zisha lebte in Armut, musste aber eine immense Summe an einen Glaeubiger zurueck zahlen. Diese Summe war am naechsten Tag faellig und Rabbi Zisha konnte abends vor Sorge nicht einschlafen. Morgen wuerde er alles verlieren, weil er das Geld nicht auftreiben konnte. Er setzte sich an den Tisch, nahm einen Zettel und schrieb alle moeglichen Loesungen fuer diese Situation auf. Alles, was ihm einfiel. Er kam auf 25 verschiedene Loesungen und schlief beruhigt ein.
Am naechsten Morgen ging er zum Glaeubiger und tatsaechlich, die Sache kam in Ordnung. Doch wurde eine Loesung gefunden, die nicht auf seinem Zettel stand, sondern es war die 26. Loesung, an die er nicht gedacht hatte.

Manchmal glauben wir, alle Loesungen fuer unser Leben gefunden zu haben, doch dann kommt G-tt mit einer anderen, die wir nie in Betracht gezogen haben.

Montag, März 12, 2007

Der Erlass - Eine chassidische Story vom Baal Shem Tov

B"H

Die folgende Geschichte ueber den Baal Shem Tov hoerte ich von Henny Machlis, der Frau von Rabbi Mordechai Machlis.

Einer juedischen Kleinstadt in der Ukraine wurde schweres Leid zuteil. Die Regierung hatte beschlossen, die gesamte Kleinstadt dem Erdboden gleichzumachen.
Entsetzt suchten die Bewohner den Baal Shem Tov in einer Nachbarstadt auf und fragten ihn, wie der Erlass rueckgaengig gemacht werden koenne.
Der Baal Shem Tov gab ihnen den eindringlichen Rat in eine bestimmte Stadt zu gehen und dort einen Mann namens Muschke aufzusuchen. Dieser Muschke solle ihnen einen Segen geben und der Regierungserlass wuerde damit rueckgaengig gemacht werden.

Den Bewohnern kam dieser Rat recht seltsam vor, doch gingen sie in die genannte Stadt und suchten einen Rabbi Muschke. Der war den dortigen Bewohnern jedoch unbekannt. Schliesslich wurde ein Muschke ausfindig gemacht, bei dem es sich aber um einen beruechtigten Trinker handelte.
Die Abordnung vom Baal Shemt Tov bat Muschke um einen Segen und der verstand gar nichts. Die Abgesandten aber liessen nicht locker und endlich gab Muschke ihnen den Segen, um seine Ruhe zu haben und weitertrinken zu koennen.

Als die Bewohner zurueck in ihre Heimatstadt kamen, war der Erlass der Regierung rueckgaengig gemacht worden.
Neugierig gingen die Bewohner zurueck zum Baal Shem Tov und fragten ihn, was das ganze mit Muschke zu tun gehabt haette. Der erzaehlte ihnen folgende Geschichte:

In seiner Jugend sei Muschke kein Trinker gewesen, sondern ein einfacher Arbeiter mit einem Lebenstraum. Jahrelang fuehrte er ein spartanisches Leben und sparte jede Kopeke zusammen, um sich seinen Traum erfuellen zu koennen. Sein Traum war, ein langer Urlaub in einer bestimmten Stadt. In einem tollen Hotel leben und fuer einige Zeit das Leben geniessen.
Nach Jahren des Sparens hatte Muschke das Geld zusammen und machte sich auf den Weg in die Stadt. Kurz vor der Stadt kam er an einem Gefaengnis vorbei, aus dem er Schreie hoerte. Er fragte die Polizisten, was denn los sei und diese erzaehlten ihm, dass irgendeine juedische Familie aufgrund von Regierungsschulden samt Kinder verhaftet worden sei. Sie wuerden der Regierung 1000 Rubel schulden.
1000 Rubel war genau die Summe, die Muschke zusammengespart hatte. Vom Mitleid so tief geruehrt, bezahlte er die Schulden der Familie und verzichtete auf seinen Lebenstraum.

G-tt und die Engel waren so geruehrt von dieser Tat, dass sie beschlossen, jeden Segen, den Muschke jemandem erteilte, zu vollfuellen. Nur durfte Muschke niemals merken, welche Kraft in seinen Segen lag, und so wurde er zum Trinker auf G-ttes Geheiss.
Der Baal Shem Tov wusste um Muschke und hatte daher die Bewohner zu ihm geschickt.


Was will uns diese chassidische Geschichte sagen ?
Auch wir sind manchmal wie Muschke und sehen unsere eigenen Kraefte nicht vor uns. Wir sind wie betrunken und meinen, wir koennen nichts oder kaum etwas erreichen, weil es nicht in unserer Macht liegt. Genau das Gegenteil ist der Fall.


Rabbi Mordechai Machlis fuegte hinzu, dass ihn diese Erzaehlung an eine Story mit dem ehemaligen Satmarer Rebben Joel Teitelbaum erinnere:

Eines Tages kamen zwei Muetter zum Satmarer Rebben Joel Teitelbaum und baten ihn um einen Segen fuer ihre Toechter. Diese naemlich waren noch unverheiratet und sollten endlich einen passenden Ehemann finden.
Der Satmarer Rebbe erwiderte, dass sie nicht ihn um einen Segen fragen sollen, sondern stattdessen andere anwesende Gaeste. "Dort drueber sitzen Holocaust - Ueberlebende, sagte er den Frauen, bittet die um einen Segen fuer eure Toechter. In den Segen der Holocaust - Ueberlebende liegt eine immense Kraft, dass sie in Erfuellung gehen."

Und so gingen die zwei Frauen hinueber und baten eine Shoah - Ueberlebende um den gewuenschten Segen. Das Ende der Geschichte ist, dass beide Toechter kurz darauf heirateten.